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5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
Entstehung
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296 Uebcrsicht der schönen Prosa (Rvmanliteratur).

als die Verluste. Wenn Göthe in seinen italienischen Dichtungen amhöchsten gestiegen ist, so ist es Herder in seinen Ideen, und, von theolo-gischer Seite betrachtet, in seinen christlichen Schriften. Wenn Iphigenieund Tasso die Frucht einer höchsten Kunstcinsicht waren, so die christlichenSchriften das Ergebniß einer aufs äußerste gereinigten Betrachtung desChristenthums. Und wenn beide Männer später gereizt, gleichgültiggegen die Welt und das Publikum geworden sind, und von der erreichtenHöhe gleichsam wieder herabstiegcn, so war dies die gleiche Einwirkungder ungünstigen Zeitverhältnisse: durch die französische Revolution unddie kantische Philosophie schien Herder'n, wie wir schon früher ansührten,dieZeit um ein Jahrhundert zurückgekommen, und das Aehnliche empfandGöthe der Revolution und der neuen Dichterschule gegenüber. WennGöthe in seinen allgemeinen Tendenzen jene Höhe der Bildung anstrebte,die wir bei Gelegenheit des Faust bezeichnten: Kultur und Natur anseiner neuen Stufe der Erkenntniß und Lebensweisheit zu verschmelzen,so war dies nicht minder die Aussicht Herder's. Wenn Rousseau als dieQuelle aller der menschenfeindlichen Skepsis und säuern Betrachtungvon dem Werthe des menschlichen Wissens und Seins angesehen werdendarf, wie wir sie unter unserer genialen Jugend fanden, so kann Herderhier als sein großer Gegensatz betrachtet werden. Wie Rousseau dieSchranken der Menschheit zu eng steckte, die Bedeutung seiner geistigenFreiheit zu gering anschlug, des Menschen Vermögen und Kraft nichtwürdigte, einen Ruhestand vor aller Kultur als ein Ideal ansah, solehrte dagegen Herder, daß man von der Menschheit nie zu groß denkenkönne, er setzte ihr ihre Ziele nicht vor dem Anfänge des Ringens, son-dern in einer weiten Ferne, die nur durch Entwickelung aller Kräftedurchlaufen werden könne. Seine Aussicht war nicht nach Rousseau'sphysischer Stufe, sondern nach der geistigen Harmonie, die als Lohn denSieger erwartet, der den Wettlauf um eine völlig durchgeführte Ent-wickelung wagt; nicht jener Kulturstand reizte ihn, der die Künste undWissenschaften gar nicht anfing, sondern der andere, der ihre Vollendungerreichte. Er ist in seinen hoffnungsvollen Aussichten auf die Fortbildungder Menschheit vielleicht so viel zu weit gegangen, als Rousseau in seinenverzagenden; aber dennoch lehrte er in seinen Ideen die in den damaligenAufregungen sehr wohlthätige Lehre der Bescheidung, die dem Menschenund seinem Wohnorte eine mittlere Stellung anweist, und die den geist-lichen Stolz der Christomanen dämpfen konnte, mit dem sie ihre Weltzum Mittelpunkte des Alls und sich selbst zum Bilde ihres Gottesmachten. Herder warf, wie Lessing, in seinen Ideen den Begriff der