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5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
Entstehung
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295
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Unmittelb. Einwirk. d. Wissenschaften u. Lebenszustände. 283

verriethen. Der Mangel an Geschlossenheit, der Fragmentarismus istBeiden gemein, und obgleich Leibnitzens juristische und mathematischeBildung ihn sehr von dem Theologen und Aesthetiker Herder unterscheidet,so sieht ihn dennoch Herder ganz richtig, wie man ihm selbst thun dürfte,als einen Dichter in Philosophie und Metaphysik an, als Einen, derüberall die Anfänge der Wissenschaften mehr phantasiereich erfassend be-zeichnet. Den- Mangel an eigentlichem Censorgeist kann man Beidenznschreiben; wie Leibnitz von sich selber aussagte, so sah auch Herderdie Dinge, die ihn nicht näher berührten, gern von der besten Seite an,und in den historischen Memoiren in der Adrastea steht z. B. Alles durch-weg in der Lichtseite. So wie Leibnitz in religiöser Hinsicht verketzert warund im Volke den Beinamen Lövenir führte, so geschah es Herder'n selbstin Weimar. Und Beiden nicht allein in der abergläubigen Masse. Lich-tenbcrg wollte nicht, daß man aus LeibnitzenS Vertheidigung der christ-lichen Religion auf Religiosität bei ihm schlösse: Eitelkeit, meinteer,etwas Besseres zu sagen als die Leute von Profession, sei bei einemsolchen Manne wie Leibnitz eine weit wahrscheinlichere Triebfeder, soetwas zu thun, als Religion. So fand Nicbuhr bei Herder'n in dcrspätern Hälfte seines Lebens das Große verdunkelt, weil er aufgehörthabe, religiös zu sein. Und Beiden kann man doch entgegensetzen Her-dcr's großen Schmerz über die religiöse und moralische Zügellosigkeit,die in der Zeit der Romantiker hereinbrach, und Leibnitzens wehmüthigeUeberzeugung von dem Einbruch einer allgemeinen Revolution, wenn dieirreligiösen Richtungen, die sich unter die Leute der großen Welt und indie Modebücher einschlichen, überhand nehmen würden.

Wir theilen in Bezug auf Hcrder's religiöse Seite die Ansicht Nic-buhr's in keiner Weise. Wir sehen vielmehr Herder mit Freude aus dendunkeln Sphären des lavatcr'schen Christenthums und des theologischenGenicdrangeö heranstreten, nachdem ihm die Uebcrspannnngen zu grellgeworden waren; wir sehen ihn seitdem auch in dem Eifer, der ihngegen die kantische Schule spät ergriff, gegen alles Ueberschwenglicheauch in der Moral gerichtet; wir sehen ihn überall mit Göthe den Rück-zug auf eine einfachere Lebensweisheit nehmen. Wie dieser durch Naturund Kunst zu einer gemäßigten Theorie der Dichtung kam, so kam Herderdurch Natur und Geschichte zu einer geläuterten Religionsansicht in einemganz ähnlichen Fortschritt; und so gewiß bei Göthe und Herder mit die-sem Uebergang Elemente der frühem Periode, denen wir ihren eigen-thümlichen Werth gern zuerkennen, verloren gehen mußten, so gewißwaren die entschädigenden Gcwinnste auf der neuen Laufbahn bedeutender