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5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
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Unmittclb. Einwirk. d. Wissenschaften u. Lebenszustände. 293

christliche Lehre zu philosophiren verstand. Dies lieh Herder'n Flügel, wieüberhaupt Lessing'ö Vorgang jetzt auf Einen Schlag die ganze Behand-lungsart der Theologie nmänderte, so daß, wenn wir in den letztenJahren des 8. Jahrzehents noch ganz in der Sphäre der Goeze zu stehenschienen, wir schon in dem ersten des 9. Jahrzehcnts uns gleichsam aufLessmg's Höhe befinden. Dies geschah hauptsächlich durch die Geschicht-schreibung und die plane Untersuchung der Kirchcnhistorie. Seit 178kerschien Planck's Geschichte des protestantischen Ährbegriffs und baldSpittler'ö reizender Ueberblick der Kirchengeschichte; hier schrieben Kennerdes Menschen die Geschichte, die über die Befangenheiten der Dogmatikhinweg waren. Mit diesen Werken pflanzte der Rationalismus seineFahne auf, dem es nun überlassen blieb, ob er, wie bei Bahrdt, zu dendürren Kunststücken der Pragmatik herabsinken, oder auf der Höhe vonLessing eine spekulative Religionsphilosophie begründen, oder, wie esschon in den Schriften der 80er Jahre geschaht), zum Unglauben undSpott aller Religionen ansarten sollte. So begreift sich'ö, wie Herder1787 in obiger Schrift schon dreist für Spinoza und Lessing zugleich auf-treten konnte. Es schien, als ob Jeder, der sich um Lessing damals hcr-umschlug und seinen Vertheidiger machte, eifersüchtig sei, dem Manneam nächsten zu erscheinen, wenn nicht gar der Wunsch hinzukam, sich einwenig über ihn hinaufzustellen. So sieht man Jacobi sich Lessmg's heftiggegen Hamann annehmcn und zugleich ihn in ein zweideutiges Lichtstellen; so spöttelt hier Herder über ihn, und tadelt ihn, je nach Laune,salbungsvoll, aber er erklärt doch auch, daß es dem Manne gleichgültigsein könne, wofür ihn der schwache Sektenmacher halte! Er erklärte,daß, wie Lessing, so auch Spinoza bei den Verständigen keine Ehren-rettung nöthig habe. Er stieß Jacobi hart vor den Kopf durch die ganzrichtige Aeußerung, daß es thöricht sei, Spinozismus und Atheismusfür einerlei zu erklären, da Spinoza's ganzes System nur Lehre vonGott ist, die Idee Gottes ihm die erste und letzte, ja die einzige allerIdeen, an die er Welt- und Naturkenntniß, Ethik und Politik, das Be-wußtsein seiner selbst und aller Dinge um ihn her anknüpft. Ja, er gehtweiter, indem er, bald an unpassenden Ausdrücken, bald an den Härtender spinozistischen Lehre anstoßend, seine eigenen Ideen unvermerkt unter-schiebt, und er behauptet, man gebe Pantheismus dem Spinoza eben sounrecht Schuld als Atheismus, indem man den Unterschied zwischen dem

74) Z. B. HierokleS, oder Prüfung und Vertheidigung der christlichen Reli-