Unmittclb. Einwirk. v. Wissenschaften u. Lebcnsznstände. 275
man es nicht mit dem Kanzelschwulst der religiösen Eiferer, und nichtmit der patriotischen Befangenheit und Gereiztheit der Wiener, und nichtans dem guten Gemüthe, daS sich z. B. in Garve gegen die finstereAnsicht von dem Einflüsse des Jesuitismus wehrte; man mußte demManne, der mit seinem Auge gesehen hatte, mit Erfahrungen antwortenund nicht mit den Vorspiegelungen eines sanften Herzens. Daß Nieolaiund seine Freunde Gedicke und Biester in ihren Befürchtungen von demheimlichen Fortschleichcn des Papismus im Allgemeinen Recht hatten,das bewiesen die bald eintretenden Zeiten der Romantiker hinlänglich.Daß sie im Besonder» Recht hatten, wenn sie die im Stillen fortdauerndeCristen; der Jesuiten und ihren großen Einfluß ans die geheimen Ordenund von da weiter behaupteten, und eine neue Verfinsterung selbst inprotestantischen Ländern fürchteten, das haben die Reaktionen des Jesui-tismus im Süden, das haben die Fortschritte der Rosenkreuzerei in Ber-lin, gleich nach dem Tode des großen Königs, bewiesen, deren FolgenNieolai selbst und sein ganzer Anhang, sein Scbaldus und seine Zeit-schriften zu erfahren hatten. Männer, wie Bronner, der die Zustände imSüden einzeln kannte und ganz cingeweiht war, wie Förster, der dieRosenkreuzcrei im Norden mitgemacht hatte, sind hier die Zeugen, dieman vor Allen hören muß. Den Letzteren um so mehr, als er anfangsgegen die Aufklärerei ganz eingenommen, gegen Nieolai und seine Grillenerbittert, ein eifriger Christ war, der der ganzen lessing'schen Tendenz,den Menschen über den Christen zu stellen, sich abneigte, und der daherdie Einseitigkeit solcher Bücher, wie Nicolai'S über die Tempelherren,ganz durchsah, wo man willkürlich zum Gegenstände aller Mysterienvom griechischen Alterthum an bis auf die Freimaurerei die Lehre deseinzigen Gottes machte. Daß Nieolai und seine Freunde vielfach irregeführt wurden, das war wohl nicht zu vermeiden und wird von Bron-ner bestätigt. Daß sie sich in ihrem Pragmatismus ins Lächerliche ver-loren, wie wenn z. B. Nieolai den von Skelton in seiner geoffenbartenDeisterei geäußerten Gedanken glaublich finvet, es möchte der Deismusund Atheismus ein schlau angestiftetes Werk der Jesuiten sein, dies istoffenbar, und ist oft und mit Recht gerügt worden. Auch hier ist FörsterDerjenige, der über die feindlichen Stellungen des Protestantismus undKatholieiSmus am meisten gehört werden muß. Obgleich er nach seinerSinnesänderung ein ganz freidenkcnder Mann war, so schlug er dochnicht zu den Einseitigkeiten dieser Pragmatik über. Ein Freund vonBiester, trat er dessen Monatschrift in einem Aufsatze über Proselytcn-macherei (1789) geradezu entgegen. Er nahm sich der Katholiken an,
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