Unmittelb. Eünvirk. d. Wissenschaften u. Lebcnszustände. 271
Abbruch that, so griff ein Benediktiner dieses Klosters, Angelus März,ihn als einen Halbketzer an. Hier haben wir ganz und völlig noch dieresjgiösen Zustände, wie sie uns Fischart vor zweihundert Jahren in ebendiesen Gegenden schildert. Es entspann sich eine polemische Literaturüber diesen Gegenstand bis in die 70er Jahre, deren Inhalt ganz un-glaublich ist, wenn man den Zustand der Bildung in Norddeutschlanddamit vergleicht. Man muß, um diese Abstiche zu begreifen, durchausdie Zustände der katholischen Welt neben die der protestantischen halten,man muß wissen, daß in Paris selbst, ehe 1782 die Montgolfieren einanderes Lustgebiet öffneten, Teuselsbanner, Alchymisten, Wasserbeschauerund Wunderthäter an der Tagesordnung waren. Im Jahre 1774 mischtesich Gaßncr in jene Bewegungen ein, ein katholischer Priester in Klösterlein der Schweiz; er vertheidigte den Teufel, Zauberkunst, Hexerei undTeufelsbündnisse, und gab Segenöformeln zur Bewahrung. GegenViesen Spuk hatte sich Schubart in seiner Chronik zu richten, und er wardvon dem Fanatiker bedroht, dessen Brod in Gefahr war, der Besesseneund Bezauberte reinigte. Aus Baiern strömte es nach Ellwang, woGaßncr heilte; das Ordinariat unterstützte ihn, der Fürstbischof vonRegensburg machte ihn zum Hofkaplau, die Kuren selbst und eine MasseStreitschriften setzten das ganze Land in Bewegung, bis endlich die Re-gierungen sich hineinlegten, besonders seitdem Dm Mesmer in Wienentdeckt hatte, daß nicht allein Gaßner, sondern der Mensch überhaupteine magnetische Kraft besitze, durch welche solche Wunderkuren möglichwürden, durch welche nun Mesmer ebenso Teufel austrieb, wie Gaßner.Auch bis nach Sachsen drangen die Wunderthäter der Zeit vor, in derein Vagabundenleben aller Art unter die Zeichen der allgemeinen Wäh-rung gehörte. Ein Kaffeeschenke Schröpfer in Leipzig, der durch allerhandRollen und Stände durchgegangcn war, verschuldet, Freimaurer, Mysti-ker, ward zuletzt Geisterbeschwörer und theurgischer Philosoph. Aber ihmglückte es nicht so sehr in den helleren Gegenden, obgleich sein Zulaufbedeutend war; er verwickelte sich so in ein Gewebe von Gaukeleien undLügen, daß er sich 1774 bei Leipzig erschoß. Crusius, der zwar so gutwie Lavater die Existenz des Teufels glaubte, ging übrigens doch nichtso weit wie dieser, daß er sich an diese falschen Propheten mit Hoffnun-gen angelehnt hätte. Lavater setzte sich mit Gäßner in Verbindung, erbeschwor ihn, sich zu prüfen, er schrieb an Semler, er sollte den Betrugaufdecken oder die Wahrheit Wahrheit heißen, die Kraft Gottes im irde-nen Gefäße anerkennen. Vergebens ward er bei persönlicher Zusammen-kunft mit Gaßner enttäuscht, wie später mit Cagliostro; vergebens schrieben