ZZ8 Ucbcrsicht der schönen Prosa sRoinanliteratur).
erklärte sich seitdem zum Feinde aller Proselytcnmacherei; Mendelssohnselbst und sogar die berliner Bibliothekare blieben freundlich und schonend,nur Lichtenberg verspottete in seinem Timorns (oder Vertheidigung zweierIsraeliten, die durch die Kräftigkeit der lavater'schen Beweisgründe undder göttinger Mettwürste den wahren Glauben angenommen, 177 k) imTone einer protestantischen Barfüßerpredigt die geistlichen Zuckungen desmit dem Unaussprechlichen schwängern Christen; er sah ihn wie einenNachtwandler auf der Scheidewand zwischen Wahnwitz und Vernunfthinlaufen, wo sie am dünnsten ist.
Schon damals (1769 und 71) trat Lavatcr mit seinen Ansichtenüber Glaube, Gebet und Geistesgaben hervor, aber noch bescheiden undsragweise. Er wollte wissen, ob nach dem Tode der Apostel und derer,die durch sie den heiligen Geist empfangen, keine historisch sichern Bei-spiele von Wirkungen des Gebetes und des Geistes vorhanden seien, dieden Wundern des Evangeliums ähnlich? Begebenheiten, die auf aus-drückliches Gebet oder positive Glaubcnsäußcruug erfolgt sind und ohnedies nicht erfolgt wären? besonders, ob nicht seit der Reformation? Eskamen Antworten, die er prüfte und ungenügend fand; die Sache wardschon öffentlich, eine Flut von Streitschriften erfolgte in den 70er Jahren,und auf Lavater's Reise am Rhein nannte ihn das fromme Volk, beidem er predigte, schon St. Lavatus. Herder rief Beifall und Ermunterungzu. Die Nüchternen konnten übrigens noch kaum erwarten, wo das hin-auswollte; die ungewisse Fragform schien nur bescheidene Lernbegierdeanzukündigen. Gleichzeitig erschienen, durch Zimmermann Angeführt,die ersten Ankündigungen und Vorstudien der Physiognomik, und diesschien eher daö Studium eines verständigen, weltkennenden Mannes alseines eifrigen Theologen zu sein. In dem Kreise der Genialitätenvollends hatten jene Ansichten nicht einmal so viel Auffälliges. Wiesollten die jungen Bewunderer Klopstock's, die alle unmittelbare Poesiein Leben und Schrift liebten, dem Manne die seinige nicht gönnen, diesich, wie Klopstock's, ganz auf die Religion werfen wollte? die sich, wiedie Poesie aller dieser Jünglinge, als bloße Empfindung bekannte, nurmit dem kleinen Zusätze: Empfindung über Gott! Wie sollten sie ihmverargen, daß er die Zeit der Apostel wiederbringen wollte, da sie selbstdie Zeiten der Ossian und Homer zu erneuen dachten? Wie sollten sic,die an die poetische Begeisterung glaubten,- nicht an die prophetischeglauben? Warum, da die Claudius und Bürger, und alle die jungenHamlete Geister fürchteten, warum sollten sie Lavater nicht glauben,daß er durch innere Gebetsstimmung für gewisse Einflüsse der Gottheit