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5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
Entstehung
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257
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Umnittelb. Einwirk. d. Wissenschaften u. Lebenszustände. 257

ohne die Gabe zu reden; äußerlich so stumm als innerlich lebendig be-schäftigt; der Spott der Knaben schreckte ihn in sich zurück; man nannteihn den Unmündigen, das Kind. Und wie diese Zurücksetzung in derSchule und im Hause jenen heimlichen Stolz nur nähren mußte, so reiftenachher sein geistlicher Uebermuth unter den stechenden Strahlen des all-gemeinen Tadels, der ihn traf, und er hätte diesen Eigendünkel nur nochmehr gesteigert, wenn ihn, den Greisen, die Fichte und Gentz, die Hum-boldt und Göthe noch ins Angesicht unmündig und albern gescholtenhätten.

Diese Anlagen entwickelten sich nun gerade in der Zeit, wo in Zürichder klopstock'sche Geist waltete, den Bvdmer so wunderlich übertrieb;dieser ward im Hnmanitätskolleginm Lavater's Lehrer; Wieland gehörteunter die ersten bedeutenden Männer, die er sah, und dieser war damalsin seiner frommen Periode; die Heß und Hirzel wurden Lavater'sFreunde; die Freundschaftsgefühle, die elegische Empfindsamkeit, dieenglische Literatur, Alles überströmte den zarten Jüngling auf Einmal.Mit dem ungestümen Füßli schloß er seinen innigsten Freundschaftsbund,und mit ihm gelang jener erste Versuch einer unsichtbaren Wirksamkeitgegen den Landvogt Grebel aufs glänzendste. Die schinznacher Gesell-schaft nahm den jungen Mann auf und krönte seine schweizer Gedichte; mit ihrem Beifall. Welcher Sporn! Er ward erfüllt von seinem Pfarr-beruf, seinem Apostelamt, das er unwillkürlich durch eine Art von Be-stimmung ergriff, und seine Predigten machten lebhaften Eindruck: demUnmündigen ward wie den Aposteln plötzlich die Gabe der Rede! EineReise in Deutschland machte ihn mit Spalding, mit Gleim, mit Klop-stock, Jerusalem und Moser bekannt. Seine ersten Schriften von Bedeu-tung machten ein ungemeines Aufsehen. In seinen Aussichten in dieEwigkeit verzieh man, was schwärmerisch scheinen konnte, dem poetischenEntwürfe dieses Buches. Der erste Theil, sowie die Anmerkungen zuBonnet's Palingenesie, die er 1769 übersetzte, schien Herder'n noch ganzj ungetrübt von Lust und Liebe zum Himmel dnrchstcömt zu sein, währender in den spätem Theilen schon seinen Teig durch die Meinungen undUrtheile der Menschen ermattet und durchsäucrt fand. Die bonnet'schenBeweise des Christenthums widmete Lavater dem Moses Mendelssohnund beschwor ihn dabei, diese Schrift öffentlich zn widerlegen, oder zuthun, was Sokrates gethan hätte, wenn er sie unwiderleglich gefundenhätte. Dies war der erste öffentliche Redeakt des gelösten Mundes; eswar die erste Uebereilung, zu welcher der bisher geerntete Beifall denrasch vorschreitenden Emporkömmling verleitete. Ec gestand sie ein, und

Gcrv. d. Dicht. V. Bd. 17