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5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
Entstehung
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255
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Unmittclb. Einwirk. d. Wissenschaften u. Lebenszustände. 255

Zweideutigkeiten wegen angegriffen. So, sieht man deutlich, war eineZeit, wo Lavater gleichsam ein Mittelpunkt aller der jungen Männerwar, die in Deutschland eine neue Aera gründen wollten, und dies warin jenen Jahren, als ihn die christologischen Meinungen noch nicht ganzder sinnlichen Welt entfremdet hatten, als er die Physiognomik vorbe-reitete, und durch ihre Erscheinung selbst noch nicht den großen Glaubenan ihn erschüttert hatte. Wie hoch begeistert sich damals die Bedeutend-sten um ihn drängten, wie einnehmend und zauberisch er sie alle fesselte,so daß sie selbst seine Schwachheiten ertrugen, und selbst dann noch fürihn schwärmten, als sie ihm schon seine Thorheiten mit der größten Bit-terkeit und dem ärgsten Verdrusse vorwarfen, und wie sie endlich alle bisauf den guten Pfenninger ihn verließen, da sie die unnahbare Kraft desProphetismus in ihm erfuhren, dies Alles übersieht man leicht und an-schaulich aus der von Ujrich Hegner besorgten Briefsammlung''H. Soll-ten es die Klopstock und Herder, die Göthe und Stolberg, die Zimmer-mann und Füßli darin versehen haben, daß sie den liebenswürdigenFreund mit Schmeichelei und Bewunderung verdarben, so ließen sie esnicht fehlen, dies Versehen durch Aufrichtigkeit, durch Geradheit, jadurch Grobheit wieder gritzumachen; der heimliche und offenbare Hoch-muth, der in Lavater's Briefen und Schriften immer höher stieg, erleich-terte ihnen diesen Uebergang vom Schönthun zum Wehethun bedeutend,er forderte förmlich dazu heraus. Der Bruch war ganz unvermeidlich,sobald man steht, mit welcher Entschiedenheit Lavater auf den eigcn-thnmlichen Meinungen jenes ersten geistigen Revolutionseifers und seinereigenen Kindheit hängen blieb, während die Andern alle, und in Bezugauf das Religiöse besonders Herder, mit der rasch fortschreitenden Zeitweiter gingen. Sie sahen ihn als einen Zurückbleibenden an, er konntesie alle als Abtrünnige ansehen.

Lavater hat uns die ersten 15 Jahre seines Lebens^') selbst beschrie-ben; wir halten diesen Schlüssel für hinreichend zu den geheimstenFächern seines Wesens. Er meinte, von seiner Mutter die bevorstehendenEigenheiten seiner Natur geerbt zu haben: pedantische Gewissenhaftigkeit,Projektsucht, Erfindungögeist und Freiheit. Er stellte sich ganz frühe ineinen Verkehr mit Gott, wie Kinder häufig thun; der Grad von Leb-haftigkeit und Energie aber, in dem Er es that, ist charakteristisch fürihn: er war auf diesenGebrauch und dieses Bedürfuiß Gottes" so stolz,

64) Beiträge zur nähern Kenntniß Lavater's aus Briefen an ihn. 1836.

65) In Georg Gestner's Biographie Lavater's. Bergt. Lavater von Herbst. 1832.