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Uebersicht der schönen Prosa (Romanliteratur).
blieb er auf der Seite, die bei den Seinigen zu Hause war, ganz ent-schieden hängen. Das Große, was Aufklärung und Freidenkerci inDeutschland hervorrief, konnte ihm nicht die beifällige Erinnerung andie mystischen Volksprediger und Schuhmacher austilgen ^); trotz denUnlauterkeiten, die da unterliefen, schien es ihm unverkennbar, daß einemächtige Stimme in jenen Zeiten der Erweckung aus der unsichtbaren indie sichtbare Welt herüber erschollen sein müsse. Ja er vernahm in dieserStimme den Schall der siebenten Posaune aus der Apokalypse, da zurnämlichen Zeit auch die vornehmsten Werkzeuge des Drachen, die Vor-läufer des Thiers aus dem Abgrunde auftraten!
Der Mann, von dem wir reden, berührt mit seiner Schriftstellereiganz unser Gebiet des praktischen Romans, von dem aus wir diese frem-den Regionen überblicken; religiöse Interessen füllten ihn ganz aus, aberer war kein Theologe und schrieb in Formen, die nichts mit der Schulezu thuu hatten. Schon sein Jugendleben muß in der ursprünglichenGestalt (Heinrich Stilling's Jugend, Jünglingsjahre, Wanderschaft.1778) unter jene Biographien gestellt werden, die ganz in den Charakterder pirarischcn Romane hineinspielcn. Wenn Jung dem Werke ästheti-schen Zuschnitt, Dichtung zur Wahrheit hätte geben können, so wäre esein empfindsamer Roman geworden, der an Originalität seines Gleichennicht hätte; auch jetzt wirft es den Siegwart und Alles, was wir Em-pfindsames besitzen, in tiefen Schatten, und wer es nicht mit Antheilund Rührung liest, muß ganz unter die ärgsten ästhetischen Nicolaitengehören. Jung entwickelt in seiner Jugend einen Gegensatz idealer Naturzur wirklichen Welt, wie er nicht Jean Paul^) und keinem unserer Ro-manschreiber, die das Aehnliche versucht, gelungen ist. Die frommenund abergläubigen Eigenheiten seiner Familie, die ganz erlänterungsloscLektüre von Heldenromanzen und Volksbüchern, des Homer und derasiatischen Banise, die Gewöhnung, alle Mährchcn und Sagen gläubigaufzunchmen wie die Bibel, das einsame Schwärmen in einer schönen
61) Die obigen Notizen kann man zerstreut in seinen Werken auffinden.
62) Die Flegeljahre behandeln diese Aufgaben. Viele Züge könnten Walt geradezuvon Jung's Gemüthsleben geliehen werden. Wie nahe hier die Wirklichkeit der Dichtunglag, und wie leicht dies Leben zu einem DichtungSwerk umgebiidet werden konnte, siehtman z. B. aus dem natürlichen Gegensatz des humoristischen Hersftld gegen Jung, deskalten, verständigen, empfindungslosen Beobachters der Welt, eine Gattung, die derBiograph Lanner nennt, und die Jean Paul überall richtig gegen seine Idealistenüberstellte.