Unmittelb. Einwirk. d. Wissenschaften u. Lebcnszustände. 243
Religion zu tilgen; sie trugen den Plan, eine Bibliothek der Freigeisterzu gründen, worin alle theologischen und philosophischen Schriften vonFreigeistern benrtheilt werden sollten. Sie waren selbst gegen jene Denkererbost, die zwar gegen die goezische und fränkische Religion waren, abernicht gegen die der Spalding, Seniler und Teller, die der natürlichenReligion doch ebenso schädlich sei. Sie suchten mit dem Grafen vonSchmettau in Plön in Verbindung zu treten, dem Verfasser des Schrei-bens eines Naturalisten an Seniler, Spalding, Jerusalem u. A., derbei voller Preßfreiheit in Dänemark die „Blätter aus Liebe zur Wahrheitgeschrieben," eine Wochenschrift, herauszugeben wagte, worin er demChristenthum ins Angesicht widersprach und das Kühnste gegen die Bibelvorbrachte, so daß denn doch dies Blatt bald durch die Censur unterdrücktwurde. Mauvillon war in französischer Schule so freigeistig geworden;er nahm das nicht so tief, wie deutsche Naturen, wenn sie darauf fallen;er blieb bei allem Skeptieismus heiter, gesellig, ein stoischer Epikureer.Unzer's Ansichten und Charakter bestimmte Mauvillon; er ward aus-schweifend , und da der junge Mann schwindsüchtig war und den Todvor Augen sah, wühlte er sich ganz in Verachtung und Gleichgültigkeitgegen Alles ein, wollte kein Christ und kein Menschenfreund heißen °°),ging mit dem Gedanken au Selbstmord um (der in diesem Kreise nachden Grundsätzen der größten Alten vertheidigt ward), schrieb noch vierMonate vor seinem Ende Vermächtnisse für Zweifler, und verbat sichauf dem Todbette, mit dem Beifall, aus den Rath des gemeinsamenFreundes Diez (damals Referendar in Magdeburg), die Kommunion.Dieser Diez begegnete den Ansichten, die in dem Systeme 8ur la ustureIiumsine von Mauvillon niedergelegt waren, mit den seinigen; nur warer schwarzsichtiger, glaubte nichts, achtete nichts, leugnete Alles; er bc?kannte sich unter allen Naturalisten zu stehen, er wünschte nie geborenzu sein und nach dem Tode nicht fortzuleben. Er hatte Verschiedenesgeschrieben, was jetzt schwer mehr aufzutreiben sein möchte; eine mitNnzer gemeinsame Schrift ward sogleich verboten. In diesen Kreis
6Ü) Er setzte sich selbst die Lobschrift:
Die Nachwelt soll oowmir die Prädikate lesen,
daß ich kein Menschenfreund, kein Christ gewesen.
Ob nun ein solcher Mann
nicht auch rechtschaffen heißen kann,
das kommet auf die Nachwelt an ;
zum wenigsten bi» ich's gewesen.
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