Druckschrift 
5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
Entstehung
Seite
238
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ZZ8 Ueberflcht der schönen Prosa (Romanliteratur).

Michaelis und Ernesti auf einen neueren richtigeren Weg der Auslegungs-kunst, nachdem man früherhin immer aus der Dogmatik heraus eregesirthatte. Von jenen Engländern lernten unsere Theologen zuerst in einemneueren Stile schreiben, und sich Formen bequemen, die bald von demhergebrachten Tone gelehrter Untersuchung ablagen. Damit ist jedochnicht gesagt, daß der unendlich breite Schulvortrag gleich in den Schriften ider Jerusalem, Töllner, Teller, Basedow, Semler, Büsching, und werhier sonst noch genannt zu werden verdiente, getilgt, noch daß ihre Frei-sinnigkeit irgend auch nur von ferne dem heutigen Standpunkte ähnlichsei. Alle hängen doch noch ganz der orthodoxen Lehre an, in der sie nur ^die grellsten Sätze in milderes Licht zu setzen wagten. Sie lassen nur,wie Töllner, den Wunsch laut werden, daß man die Religion ebensopflegen möchte, wie die Theologie. Sie wollen bescheiden, wie Jerusalemin seinen Betrachtungen über die vornehmsten Wahrheiten der Religion,das Wesentliche in dieser von dem abtrennen, was Philosophie, Schul-methode, und Polemik hinzugethan haben. Sie wagten sich nur mitGefahr so weit, wie Büsching, die Endlichkeit der Höllenstrafen zu ver-theidigen, und wer dies mit größerem Nachdruck und in einer formellschon vorgeschrittenen Schrift thun sollte, wie Eberhard in der Apologiedes Sokrates, der mußte schon ein Philosoph von Profession und da-durch befugt sein, den Dunstkreis der Kirche zu verlassen und auf offenemMarkte zu predigen. Ein Mittelpunkt für diese Klasse von Theologenward nun seit 1765 Nirolai's allgemeine deutsche Bibliothek, ein Mannund eine Anstalt, die für die Vorgänge in der theologischen Welt voneinem ungemeinen Einflüsse waren. Durch Reichthum und Fruchtbarkeitdes Ideengehaltes hat sich weder in diesem noch in einem anderen Fachedie Bibliothek je ausgezeichnet; aber sie war desto wirksamer durch diestete eintönige Wiederholung der einfachen Wahrheit, daß theologischeStreitigkeiten nicht Religion seien, daß die Religion nicht für die Gelehr-ten, sondern für das Volk da sei. Sie brachte es durch ihre Dauer unddie Dauer ihrer Lehren dahin, daß populäre Gemeinnützigkeit ein Idealder Geistlichkeit selbst, daß Duldsamkeit ein Wahlspruch der Zeit, ja daßHeterodorie ein Ruhm ward. Allein es fehlte viel, daß sie zu diesenWirkungen gleich anfangs Miene gemacht, ja daß sie die letztere über-haupt nur je in Aussicht genommen hätte. Nieolai stand ganz auf demStandpunkte jener Männer, seiner theologischen Freunde in Berlin, under widersprach mit Fug den Verketzerungen der Finsterlinge und Katho-lischen, die ihn und ganz Berlin der Freigeisterei und des Atheismus- beschuldigten. Er gab nie die Anhänglichkeit an den kirchlichen Formen