Druckschrift 
5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
Entstehung
Seite
224
Einzelbild herunterladen
 

224 Uebersicht der schönen Prosa (Nomanlitcratur).

Einfällen und Scherzen benutzt ist, Vorbeigehen, um in desto grelleremGegensätze das Kampanerthal (1707) gegen die letztberührten Werkeüberzustellen. Hier reichen plötzlich die Fühlhörner in den Himmel hin-ein, während in jenen Werken und besonders hier in den beigegebenenErklärungen der Holzschnitte der Verfasser tief eingegraben in seinemSchneckenhausc auf den Niederungen der Erde weilt. Hier sehen wir ihngleichsam in den Werktagen des Lebens, dort feiert er in Sabbathstilleden Ruhetag. Aber selbst indem wir im Großen in diesen SchriftenScherz und Ernst getrennt sehen, theilen sie sich doch wieder im Kleinen;an das Reale in niederländischer Manier reiht sich das Nihilistische inhypecidealem Stile, das Kleine wird mit großem dynamischen Aufwandegeschildert, und an das Große kommt dann der Autor mit verschwendetenKräften. Jean Paul hätte gewiß für die Schilderung des Stilllebensund der deutschen Gemüthlichkeit und idyllischen Natur die höchsten Ga-ben gehabt; allein seine universellen Tendenzen vielleicht noch mehr alsseine Natur, üble Theorien vielleicht eben so sehr wie sein Gefühl ließenihn nicht mit reiner Freude auf Einem verweilen; sie trieben ihn immerwieder zu deu entgegengesetzten Enden und hießen ihn das Widerspre-chendste verbinden. Mit so entschiedenem Sinuc, mit so schonender Auf-fassung für das reale Menschenleben begabt, richtete er doch schon ganzfrühe seine Gedanken über das Diesseits hinweg, und seine Religionward: Leben für Unsterblichkeit und Gottheit. Ihm trugen die erstenJugeudjahrc, wo der Geist sich seine Welt schafft, einen ewigen Glanz;aber ec sah, daß diese herrliche Zeit nicht dauern, daß sie nicht wieder-kehren konnte, als in der Erinnerung und Einbildungskraft, wo er ihrdann sein ganzes Leben widmete; oder daß, wenn sie wiederkehren könnte,dies gewiß nicht hier geschehen würde, sondern in einer anderen Welt,unter einem unermeßlichen Himmel. So verband er seine Liebe zu derJugend der Menschheit mit der ewigen Jugend, die wir jenseits erwar-ten. Schon im 18. Jahre fiel ihm der Gedanke an den Tod oft warmaufs Herz; er mochte daun nichts lernen, was ihm dort nicht gälte,worauf er in der anderen Welt nicht sestbauen könnte; er verachtete denRuhm der Welt, che er ihn gekostet hatte, und sein Freund Vogel warnteihn mit Recht, daß, wer dies thne, gewiß nicht groß werden würde, undwenn dies Viele thätcn, die Welt an herrlichen Begebenheiten arm wer-den müßte. So stand er immer mit dem Einen Fuße in der anderenWelt, unfähig, wie sein Herder, im äußersten Fall sich zu einer kräftigenResignation zu entschließen. Er erhob sich nicht zu der Abstraktion, diefür eine Ansicht wie Herder's nöthig war, hier war er ganz der