Jean Paul.
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feinden den ehrlosen Eigennutz und Alles Gemeine mit Ingrimm an,aber ihre eigene Selbstsucht merken sie nicht; sie verschmähen die Kinder-possen des Lebens, und wollen das Kleine dabei schonen, da sie nichteinmal die gute Beschränktheit in jenem Weibe zu schonen wissen. Siesollen Menschenhasser voll Menschenliebe sein, Allcrwcltskenner undUniversalgenies, ohne daß sie für die geringste Thätigkeit geschaffenwären. Sie fühlen nicht, daß man enge Verhältnisse nur großen Be-strebungen gegenüber verachten darf, die sie hemmen; daß, wenn mandiesen nicht selbst nachgeht, man Alles Recht verloren hat, über jene zuspotten, die ein wahres Glück begleitet. Sie fühlen sich beklemmt überdas Vergebliche auf der Erde; wer aber in der großen Geschichte dasFolgenreiche kennt und überschlägt, der sehnt sich zuweilen gern auf demVergeblichen und Müßigen zu ruhen, und auf diesen Grund solltenIdylle und humoristischer Roman überall gebaut sein. Diese Charaktereschweben zwischen dem Oben und Unten, das Jean Paul's Lehre war,sie wechseln nicht damit, sie fallen, wohl ohne des Dichters Absicht, mit-ten durch. Sie halten sich immer in den kleinen Sphären des niedernLebens auf, obwohl sie sich ihm entgegenstellen; sie lieben es nicht undkönnen sich nicht davon losreißen; sie streben hinauf, aber die Schwer-kraft der Skepsis hält sie nieder, sie glauben kein Leben nach dem Tode.Wie die romantischen Helden Jean Paul's die Poesie, so setzen diese dieTravestie, die Satire in Leben und Handlungen herüber, und trageneinen dem donquirotischen ähnlichen Charakter an sich. Sie beschwerensich, daß der schwerfällige Ernst der Deutschen ihre Jdeentänze nicht ver-steht und mag, und doch wird auch selbst der Verstehende sie nicht mögen:denn wiewohl wir Jean Paul die Gabe des geistreichen und natürlichenScherzes nicht absprechen wollen, so sind doch die Späße seiner „Wild-linge" gar oft der Art, daß man sie eben so trivial findet, wenn sie aus-gekernt sind, als kraus, so lange sie in der eckigen Schale liegen. Beiihrem Zwiespalte schallt ihr Lachen über die Thorheit der Welt aus einerbeklommenen Brust, ihr Wcltscherz verzerrt sich in einen Weltekel, undSchoppe wird zuletzt wahnsinnig über das fichtische Ich, was, ich weißnicht, ob eine Satire auf die Philosophie oder auf jenen Humor ist.
Wir haben vorhin die bi ograph ischen Belustigungen unterder Hirnschale einer Riesin (1796) übergangen; sie sind nichtvollendet: ein Tropfen angefangener Erzählung unter einem Schwallvon Satire. Jetzt wollen wir auch an dem Jubel senior (1797),einer neuen Predigeridylle, mit einer adelig-höfischen Burleske durch-schossen, worin nun ausdrücklich das Historische nur als Vehikel zu