Jean Paul.
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eine Zeile von ihm gelesen hätten. Selbst dieser Witz enthält so vielnatürliche Wahrheit! Wer ein gewisses Alter überschritten hat, wer voneiner Lektüre seinem Verstände Rechenschaft geben will, den wird JeanPaul's Schreibart in kürzester Zeit anwidern, und er wird, ^ohne weitergelesen zu haben, sein Urtheil bald feststellen dürfen. Wer in idealenJugendtcäumen schwärmt, wen sein gesteigertes Sittlichkeitsgefühl zudem Dichter führt, der mit Herder gegen die freigesittcten Poeten eiferte,„die zerstörten Zerstörer, die die Zahl der Sünder, nicht der Dichter ver-mehren," Frauen und Jünglinge, die „am Setzstabe des Zeigefingers"über die dunkeln und wunderlichen Stellen seiner Schriften wegspringen,die von dem Eremtionsdckret und der Erlaubniß Gebrauch machen, dieihnen der Antor selbst gab, seine Satiren zu überhüpfen, Solche werdensich durch keinen Einwurf ihre Gefühle stören lassen; und sie zu heilen,ist bei den Lesern das besteMittel die Reife der Jahre, bei den Leserinnen,daß man sie ersucht, ihre Lieblingswerke Wort für Wort laut vorzulesenund möglichst zu erklären. Dies letztere Mittel hätte vielleicht, da wirdoch kein Publikum hatten, das mit einem entschiedenen Geschmacke imGroßen dem ercentrisch-originalen Autor entgegengetreten wäre, ihnselbst aufmerksam machen können, wie sehr er das Bessere sah und demSchlimmem folgte; er konnte selbst das Vorlesen nicht leiden und machtesich schwerlich je deutlich, warum nicht; er arbeitete in strenger Einsam-keit vor sich hin, ohne sich im Geringsten mitzutheilen. In dem Streitüber seine Eigenschaften fragt er sich, welcher Meinung ein Autor an-hängen solle, und findet, am schicklichsten seiner eigenen. Daraus folgtedenn zuletzt wohl natürlich, daß die Nation endlich auch ihre Partie er-griff; sie wird ihn nie zu ihren gefeierten Dichtern in Eine Linie stellen,das werden die Verleger der Werke am besten bezeugen können. DieTadler werden immer die Ueberhand behalten, und schon dämm, weildie meiste Unparthcilichkeit fast nothwcndig auf ihrer Seite sein muß.Denn der beste Beurtheiler von Jean Paul wird der sein, der einmal mitihm geschwärmt und dann sich gefaßt hat, der die möglichst vielen Sai-ten, die seine Schriften berühren, in sich anklingen hörte, und sich Rechen-schaft von seinen guten Eigenschaften geben kann, ohne für seine Übelnblind zu bleiben. Es ist aber gar kein denkbarer Fall, daß ein Tadler-Jean Paul's zu seinem Lobrcdner werde, sein Lobredner wird im natür-lichen Gange der Dinge zum Tadler. Eine Mitte zu halten, ist bei einemSchriftsteller, der selbst keine Mitte gehalten hat, fast unmöglich.
Jean Paul war in unendlich kleinen und beschränkten Verhältnissenausgewachsen. Ohne Schule, ohne Unterricht, ohne Umgang, blieb er
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