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5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
Entstehung
Seite
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104 Neberslchi der schönen Prosa (Romanliteratur).

keine Fähigkeit zum eigentlichen Biographen hatte, wie gern er den poe-tischen spielte; er bekennt es auch geradezu, daß er von sich selbst nichtgekannt sei; er benutzt die Jugendgeschichte, die er schrieb, durchausnicht in den pragmatischen Zwecken aller der humoristischen Biographen,daß er in den Zügen derselben das Vorleben der späteren Menschen nach-wiese; Alles steht vereinzelt, in eine Reihe gesädelt, ohne nvthwendigeOrdnung oder einen Zweck. Wie in seinen Romanen die Erzählungdurstig ist, die Reflexion breit, so würde es hier gewesen sein. Ec hatkeinen Sinn für Thatsachen, denn, sagt er, ich kann tausend anslassenund tausend auführen, und doch weder in jenen noch in diesen ein rechtesUrtheil begründen. Aber der rechte Historiker kann zehn anführen undmit diesen ausrichten, was er sich nicht mit tausend getraute.

Ich versuche dieses Geschäft, ohne für diesen rechten Historiker gel-ten zu wollen, und ohne mich über die große Schwierigkeit zu täuschen.Bei einem Schriftsteller wie Jean Paul, der nach einer von Lichtenbergtreffend gefundenen Bemerkung alles Interesse von seinen Werken ab aufsich selbst und seinen Geist lenkt, der so ganz mit seiner Person vordräugtund die Theilnahme an seinen Geschichten und Charakteren verdrängt,ist nichts natürlicher, als daß jeder Beurlheiler, wie es in der That ist,gleich gegen oder für die Persönlichkeit mehr Parthei nimmt, als füroder gegen die Schriften an sich, und daß, wie der Autor pathologischschreibt, so das Urtheil über ihn pathologisch und leidenschaftlich wird.Jean Paul selbst hat sich über den Mangel befugter Kritiker und Beur-theiler seiner Wecke oft beschwert, und es ist manchmal, als ob er diesemMangel selbst habe abhelfen wollen, indem er bald in scherzhaftem Lobeunter tausend Wendungen auf seine zum Theil vergessenen Werke wiederhinweist, bald seine eigenen Fehler aufdeckt und daun beweist, daß esihm gelegentlich an richtiger Selbstkritik weniger fehlt, als an dem thät-lichen Nachdruck, der eine willenskrästige Einsicht begleitet haben würde.Jean Paul klagte vielfach, daß er nichts als entschiedene Lober undTadler gefunden habe, daß seine kältesten Leser ihn keiner Verbesserungfür fähig gehalten, seine wärmsten keiner für bedürftig. Dies ist so wahr,daß wir unter seinem Publikum nie andere als solche partheite Leser ge-wahren: Männer, wie Göthe und Schiller, die er nicht anders als miteinem anfänglichen wunderlichen Eindruck berührte, und Andere, wieFr. v. Oertel, dem er ein Apostel schien, der schon denen gram war, dieihn nur kunstmäßig loben wollten; sentimentale Damen, die die Lockenseines Pudels aus der Brust trugen, und dürre Weltmänner, denen ihreFrauen witzig nachsagten, sie liebten den Dichter so wenig, daß sie nie