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5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
Entstehung
Seite
190
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'lUY Uebcrsicht der schönen Prosa (Romanliteratur).

Sinnlichkeit Art und Weise ist, gleich ein philosophisches System, er hatfür sie gleich eine moralische Rechtfertigung. Er entschuldigt seinen Sün-denfall mit dem heißen Klima, mit der Wissbegierde, psychologische Er-fahrungen zu machen, mit Originalität und Starkgeisterei, mit demKunstgefühl, das er steigern wollte. So nackt zwar Thümmcl schon hierdie gute Lehre und Moral neben die bösen Thatsachen stellt, so nackt istdoch auch der Reiz und das Verführerische; Wieland hat dies nicht soweit getrieben, und Schiller fällte ein übertrieben hartes Urtheil überThümmel's Werk, weil er nur die ersten, nicht die letzten Bände gelesenhatte. Bei dem Reisenden erhält nun die Wollust jenes Kleid des schönenScheins, das die Philosophie bei uns dem Gemeinen und Niedrigenüberzuwerfen weiß. Es wird bei ihm Theorie, die lachenden Phantasiender Liebe dem Mordlustigen, Schlachtgierigen in der menschlichen Natur,der Politik und dem Kriege entgegenzustellen. Er will sich die schlüpfri-gen Umwege erlauben, wenn er die verwilderten Männer nur zu denFrauen rückführen könne; er will sich keines wollüstigen Bildes schämen,wenn er nur damit eine gesündere Nachkommenschaft, Abkömmlinge einerbefeuertecen Liebe erzielen könnte. Schon wünscht er Rousseau etwas vonseinem leichten Sinne; dann würde er zwar nicht Rousseau gewesen,nicht wie ein Elephant mit zermalmenden Schritten über unsere verdor-bene Erde gegangen sein. Die verliebten Abenteuer bringen ihn in Gefahr,und die Sophistik der Liebe lehrt ihn schon, um sich herausznhelfcn, einreligiöser Betrüger und täuschender Wunderthäter zu werden, mit denObjekten die Farbe zu wechseln; er fühlt sich in den Künsten des Bösenschon so geübt, daß, wie ein Gesunder seinen Magen, so Er sein Ge-wissen nicht mehr spürte. Die Gefahr, die Prüfung selbst erhält Reizefür ihn; es wird ein neuer Entschnldigungsgrund für sein geändertesLeben, daß er seine eigene Natur durch Erfahrung und Kenntniß derWelt will besser kennen lernen. Aber nun stürzt ihn das Uebermaß diesesLebens in eine Krankheit, die einen Wendepunkt bildet. Sein Arzt rettetihn auch geistig. Er solle den Weisungen der Natur folgen, hat ihn schonsein erster Arzt gelehrt; wohlgemerkt aber, der schönen Natur, fügt derjetzige beschränkend hinzu. Der Eine hatte ihn auf Reisen geschickt, dieserschickt ihn wieder nach Hause. Die Verhältnisse und Begebenheiten, indie er bisher gerathen war, schienen die Rathschläge des Elfteren zuunterstützen, und die folgenden begünstigen die des neuen Arztes, dieselbst durch eine kleine Maschinerie gefördert werden. Reizende Natur-seenen erschüttern den Gesundenden, neue Bekanntschaften und Vorfälle,der Besuch eines Zuchthauses und eines Irrenhauses, Alles arbeitet