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Uebersicht der schonen Prosa (Romanliteratur).
und grellkomischen Situationen eben so wenig wie im Siegfried fehlt.So bleibt denn in den bändereichen späteren Sachen nichts übrig als derTon der Lustigkeit und Geschwätzigkeit, den der Verfasser zu Anfangangestimmt hatte.
Ebenso ist es auch mit Joh. Karl Wezel (ans Sondershausen1747 — 1816). Bei seinem ersten Auftreten als Tragiker (im GrafenWickham) schien er ganz ein Anderes zu versprechen, als er gar nichtviel später in,seinen platten Lustspielen (1778 ff.) leistete, und ebensokündigte die Geschichte des Tobias Knaut (1774) wenigstens einen nach-denkenden Schriftsteller an, von dem man ganz gute Erwartungen habendurfte. Das Buch ist jetzt vergessen; es hat auch für die Leser des ge-wöhnlichen Schlages wenig Anziehendes, denn es ist breit, mit unnützenEpisoden, mit philosophischen Abschweifungen durchschossen, und bietetwenig Thatsächliches, was fesseln könnte, dar. In der Zeit seiner Er-scheinung übrigens erkannte man den etwas tieferen Zug, den es vor sovielen Meßwaaren voraus hatte, doch an; Schnbart hielt Wiclandcn,Hamann hielt sogar Hcrdern für den Verfasser; er fand so viele innereMerkmale, obzwar wenig äußere des Stils, für diese Vermuthung. DieDarstellung ist plan, die Manier ist die sternische, aber verdünnt. Fürdie Einsicht in die Natur des Originals und des Romans, der sich Ori-ginale zum Gegenstände nimmt, ist dies unstreitig das Lehrreichste, wasman lesen kann. Der Gegenstand ist die Geschichte der Entstehung undAusbildung eines Sonderlings, und Wezel arbeitet mit voller Plan-mäßigkeit und Bewußtheit des Verfahrens, durchaus nicht in der Ge-dankenlosigkeit jener Schreiber, die damals wohl offenherzig genug wa-ren, geradehin zu gestehen, daß sie die sternische Manier zu treffen hofften,wenn sie beim Anfang ihrer Romane nicht wußten, wohin das Endeführen sollte. So ist der strenge Pragmatismus des humoristischen Ro-mans hier nicht allein angewandt, sondern auch gerechtfertigt. Oräiturab ovo ist das Motto. Der Held ist ein ganz vernachlässigtes Natur-produkt, vier Fuß hoch, buckelicht, ganz stumpf und fühllos, eine Gestalt,wie die Volksnarrcn früherer Zeiten. Hier haben die Verhältnisse alsoAlles zu thun, was aus ihm werden soll. Nun werden die Quellendessen, was er geworden ist, nachgesucht. Die Aeltern, heißt es gleichanfangs, sind die Bildner des Kindes in jedem Verstand, nicht die blindeNatur; sie sind die Aeltern nicht allein seines Körpers, sondern auch sei-nes Charakters, seines Glücks u.s. f. Im Unterricht, in der Erziehungs-weise wird die Knospe zu verschiedenen Begebenheiten aus Knaut'SLeben nachgewiesen, an die kleinsten Fäden sein Geschick geknüpft, wie