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Uebersicht der schönen Prosa (Nomanliteratnr).
herzbrechenden Empfindsamkeit nnd wollte dem Hange hierzu auch dieseromantischen Erzählungen entgegenstellen. Das Unternehmen fließt schonaus der Schreib- und Leseseligkeit, aus der Vossens Uebersetzung von1001 Nacht, Reichardt's Romanenbibliothek und Meißner's Skizzenhervorgegangcn sind, Schriften, die die ungeheuere Fluth der flachenAlltagslektüre zur Befriedigung des maßlosen trockenen Lesedurstes derNation hereinleiteten. Was vollends noch später folgte, ist noch unbe-deutender, und daher schlossen sich denn die Lafontaine nnd Kotzebuenatürlich als Musäns' nähere Jünger an. Wir machen hier an Mnsäusjene Erfahrung, auf die wir schon vorher hindeuteten, die wir bei HermeSgemacht haben, und die wir an einer ganzen Reihe unserer ersten Roman-schceiber noch machen können. Sie beginnen mit Werken, deren Stoffdoch noch mit einigem Sinn aus einem lebendigen Interesse der Ge-sammtheit entlehnt war, nnd deren Behandlung doch noch einiges ge-wissenhafte Bestreben zeigt, sich selbst vor dem Volke Ehre zu machen.Allein sobald der erste Beifall erobert ist, nnd vollends die Erfahrunghinznkommt, daß außer diesem ersten, bei dem stets wachsenden Wcrthedes Neuen, kein dauernder Beifall zu behaupten ist, so sorgen denn auchdiese besseren Schreiber hinfort für nichts als für Neues, bis ein anderesGeschlecht sich an ihre Stelle schiebt, das gar von jener ersten Verbindungzwischen Schriftstellerei und Volksleben nichts mehr weiß. So, habenwir schon früher angedeutet, ist es mit Miller, dem Verfasser des Sieg-wart; so, werden wir gleich sehen, ist es mit Wezel; so mit Jung; somit Knigge, (bei Hannover 1753—96), der nach dem Romane seinesLebens (1781) eine Reihe von elenden Schreibereien in die Weltschickte'^). So ist es mit August Lafontaine (aus Braunschweig1758—1831); seine ersten Schriften stehen mit den Bewegungen derZeit in Verbindung: sein Naturmensch und sein Sonderling mit denpädagogischen Dingen; sein Heymcran, ein Seitcnstück zu Musäns' nndMüller's Romanen, hat es mit dem Adel zu thun nnd mit der Literaturder Tage; später aber verfällt er in die gleichgültigen Gegenstände desHanslebens, nnd seine Lieblingscharaktere wiederholen sich. So ist esferner mit dem itzehoer Advokaten Joh. Gottw. Müller (aus Ham-burg 1744—1828). Dieser, als er zuerst in seinen Gedichten nnd inseiner Wochenschrift: der Deutsche (1771 w.), austrat, schien sich der
53) Vergl. Karl Gödeke Knigge's Leben und Schriften. 1844. §>. 68—71, womit andern Worten über Knigge's Schriftstellerei eben das gesagt aber eben das getadeltist, was wir hier sagen.