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Uebersicht der schönen Prosa (Nomanliteratur).
Dingen, für die der Sohn anfangs bestimmt war, nnr Winke, nie Auf-schlüsse gab. Ans all diesem Mangel und dieser Noth machte der Schrift-steller, ganz verschieden von Lichtenberg und selbst von Hamann, eineTugend; er lobte Tagebücher und lobte das Gebet, das er für ein Tage- 1buch mit Gott ansah; er nannte das System den faulen Knecht desVerstandes; er haßte die Ordnung und suchte hierin eine Ueberlegenheitdes Geistes; er läßt es nicht allein in seinen Schriften in hundert Er- ,
örterungen bei Winken, bei dem pro et contra bewenden, sondern man I
hat das auch ganz richtig von seinem Leben gesagt, daß er mit sich selbstund seinen Grundsätzen im ewigen Streite gehandelt habe. Was fernerzu der eigenthümlichen Schreibart als eine eigenthümliche Behandlungs- Iart des gesammtcn Stoffes in seinen Romanen hinzukommt, ist das Ver- ^fahren nach einer doppelten falschen Marime, die er einmal in den Lebens-läufen ausspricht: Wer einen Brief, schreibe, solle glauben, er schriebeihn an die Welt, und wer ein Buch, er schriebe es an einen guten Freund. ^Sogestand er, daß die Lebensläufe vorzüglich für seinen Freund Scheffuergeschrieben seien; man könnte noch strenger sagen, er schreibe oft wie inGedanken, wie im Selbstgespräche; und in der That liegt bei ihm, wiebei Sterne, der Hauptreiz für den Leser in der Entdeckung des geheimenZusammenhangs seiner Jdeensprünge. Durch diese naive, um das lesendePublikum ganz unbesorgte Art nun, die das Privatleben eines noch dazustreng namenlos auftretenden Schreibers gleichsam als bekannt voraus-setzt, durch diese selbstgefällige Wichtigkeit, die auf die Persönlichkeitdesselben gelegt ist, wird nicht allein die Form jener Werke bestimmt,sondern auch ihr Inhalt. Hippel'n war es wie Hermes nur um Anbrin-gung seiner Weisheit und seiner Erfahrungen zu thun, und er tischteseinen Freunden Scheffuer und Kant, die man deswegen Beide für dieVerfasser oder Mitarbeiter der Lebensläufe hielt, vielerlei auf, was inihren Unterhaltungen vorgekommen war, was er von ihnen selbst gehörtund sich bemerkt hatte. Seine Lebensläufe enthalten gleichsam eine An-kündigung von Kant's Kritik der reinen Vernunft. Im zweiten Theilesind nicht allein Sätze der kantischen Moral, sondern auch seine Ansichtenüber die Grenzen der Erkenntniß und den Begriff und Inhalt der Philo-sophie, über die Gesetze und Formen unserer ursprünglichen Vermögenund ihren Gebrauch, vor Erscheinung der kantischen Werke oft mit den-selben Ausdrücken niedergelegt, die Kant in seinen Heften und Schriftengebraucht hat. Dieser Rede-, Lehr- und Uuterredungsstoff nun überfülltdie schweren Bände der Lebensläufe und schiebt, noch weit mehr als beiHermes, das Thatsächliche ganz zurück. Und auch dies Thatsächliche