Humoristische Romane.
175
nennen darf, unter dem angedenteten Gesichtspunkte hier anführen, ob-wohl in ihnen eben so treffend der wissenschaftliche Ballast, mit dem sieüberladen sind, hervorgehoben würde. Die beiden Werke, die uns hierallein angehen, die Lebensläufe in anfsteigender Linie (l778) und dieKreuz und Querzüge des Ritters A—Z (1793), sind, besonders daselftere, kaum Erzeugnisse der schönen Kunst zu nennen; sie sind Kommen-tare zu Hippel's eigenem Leben, Charakter und Jdeenkreise, und all dieseswieder muß uns jene Schriften erläutern. Die Lebensläufe würden, ohnedaß wir Kenntniß von Hippel's innerem und äußerem Leben hätten, einmißgestalteter Haufen von zusammenhanglosen Thatsachen, Einfällen,Abschweifungen und Unterredungen sein, zu denen wir nicht einmaleinen nothdürftigen Schlüssel besäßen. Sobald man aber Leben undSchriftstellern vergleicht, so erleuchtet sich Inhalt und Manier auf einerleiWeise; auch hier also ist die platte Wirklichkeit die Muse des Schreibers,und das Ungewöhnliche und Außerordentliche, was der Mensch und derVerfasser an sich hat, bildet das Fesselnde und Originale. Wir wollendieses Verwachsen von Biographie und Roman zum Faden unserer Er-läuterungen machen. Gleich was am meisten an Hippel's Schriften wiean Hamann's ausgefallen ist, die wunderliche Außenseite des Stils, dasZusammenwürfeln unpassender Bestandtheile, die Witzelei, die Bibel-stellen, die Liederverse, die Brandschatzung aller Wissenschaft und Natur,die blendenden Gegensätze, die gehäufte Würze überhaupt, Alles läßt sichstückweise bei ihm aus Natur und Umgang herleiten und auf seine Quellezurückführen. Den Anstoß zu der ganzen Manier hat Hamann selbstgegeben, die biblischen Ankiänge und Lieder hat der Verfasser aus seinemfrommen Aelternhause her, die Lektüre des Seneca hat ihn falschen Prunkgelehrt, die Häufung von Einfällen aller Art, „die doch so verschiedenvon Einsicht sind," wie Hippel selbst weiß, rührt theilweise von Mon-taigne her, der für diese ganze Gattung humoristischer Dichtung damalssehr wichtig, der ein Liebling von Hippel, von Lichtenberg u. A. war,und der auch von Bode, dem Einführer alles fremden Witzes, übersetztward. Die Hauptsache aber bei all dieser irren und wirren Schreibartist, daß Hippel von Jugend auf ein Gedächtniß hatte, das nie treu undfest auf einem Gegenstände haftete, das immer von seiner regellosenPhantasie gekreuzt war. Er hielt sich, wie Jean Paul, den er in derSchriftstellerei seinen Sohn oder Bruder nannte, Tagebücher, Tages-undGedankenzettel, Glossen, Notate, „Vorsichs," die er in ganzen Stößenhinterließ. Es kam hinzu, daß ihn sein Vater von Jugend aus nicht anabgeschlossenen Unterricht gewöhnt hatte, daß er ihm in religiösen