144 Umst. d. konvent. Dicht, durch Verjüng, d. Naturpoestc.
winkt inhaltsvoll, daß der Dichter mit seinen Wirkungen über die Bühnehinaus will, daß er für unsere Gesammtentwickelung im Staate auf demmäßigen Wege des Dichters das werden will, was Rousseau, Montes-quieu und Voltaire für Frankreich geworden sind, daß er an die ästhetischeBildung die politische der Nation unmittelbar anknüpfen möchte, unddas Jahr 1813 hat die Anfänge dieser Wirksamkeit begonnen. Warumer diese Zwecke auf dem Wege der Dichtung verfolgte, setzen später dieBriefe über die ästhetische Erziehung auseinander. Sehen wir den an-gefochtenen Posa in Parallele mit unserer Frciheitsjugcnd jener Jahre,sehen wir ihn mit Schiller im Verhältnisse zu den Zwecken der Freimaurerund Jlluminaten im vorigen Jahrhundert, stellen wir ihn neben die ge-schichtlichen Figuren, die für Wahn und Jrrthum das Leben gesetzt ha-ben, oder betrachten ihn innerhalb der Zeit, in die ihn der Dichter ge-stellt hat, neben dem republikanischen Könige Heinrich IV., oder ver-gleichen wir ihn mit den französischen und spanischen Bühnenherocn, dieman sich Jahrhunderte lang gefallen ließ, so scheint cs überall, als obsich der Dichter nicht so mit Unrecht für die Rechtfertigung seines Cha-rakters und seines OpfertodeS ereifert hätte. Wie es auch sei, dieserEifer ist für die große Denkart des Dichters eben so merkwürdig, wie derEntwurf dieses Frcihcitsschwärmers selbst, und so wenig Jemand dieverlengnnngsfähigcn Helden Lessing'S angrcifen dürfte, der nicht den un-gemeinen Charakter des Dichters selbst zu würdigen weiß, so wenig sollteEiner am Posa ausstellen dürfen, der nicht zuerst Schiller's Rettung die-ses Charakters verstanden und beseitigt hat.
Die Studien für FieSeo und Don Carlos hakten Schiller'u in dieGeschichte eingeführt; an dem Abfall der Niederlande arbeitete er lange,ehe er nach Jena hinkam und aus der Geschichte Beruf machte. Balddarauf brach die Revolution aus, die des Dichters Auge noch fester aufpolitische und historische Verhältnisse heften mußte. Zugleich hatte ihndie kantische Philosophie gefesselt, und so finden wir in den ersten Jahrendes letzten Jahrzehends seine poetische Ader vertrocknet, und seine Thätig-keit durch Wissenschaft und Leben abgclenkt. Dies geschah in derselbenZeit, als Göthe, durch den Ausbruch der Revolution mißstimmt, sich mitdem öffentlichen Leben und der Geschichte völlig überwarf, in seinen dich-terischen Erzeugnissen ganz geirrt wurde, und sich systematischer mit denNaturwissenschaften beschäftigte. Bei beiden Dichtern also, die unsererneuen Poesie Gestalt und Würde gaben, die am kräftigsten das Gebietder Kunst behaupteten, ward die künstlerische Thätigkcit durch Zeitver-hältnisse in Staat und Wissenschaft unterbrochen, und unsere nächste