Druckschrift 
5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
Entstehung
Seite
139
Einzelbild herunterladen
 

Periode d. Originalgenies. Göthe in Jtal. u. Schiller's Jugend. 139

erworben hatte, von Huber und Körner^), dem Vater Theodor's, eineEinladung nach Leipzig und Dresden, und ergriff sie begierig; nachherwechselte sein Aufenthalt zwischen Weimar und Volkstädt oder Rudol-stadt, bis zu seiuer Heirath und Niederlassung in Jena (1789) als Lehrerder Geschichte. Nach Weimar kam er, während der Herzog abwesend,Göthe noch in Italien war. DaS Schicksal fügte es so, daß er inGöthe's Garten unter dessen Hausgästen seinen Geburtstag begehenhalf, als dieser in der Ferne nichts von dem neuen Eindringling ahnte.Den Eindruck, den Weimar auf Schiller machte, kennt man erst seit derBekanntwerdung des Briefwechsels mit Körner genauer. Der Hof stießihn ab; sich in Formen und Hofmanieren zu fügen, sich in steifen, großenZirkeln vorstellen zu lassen, war dieser freien Seele nicht gegeben. Ander Götheschen Sekte, an Knebel u. A., die sich ganz nach dessen Geistgemodelt hatten, fiel ihm die stolze Verachtung aller Speenlation auf,und die bis zur Ostentation getriebene Anhänglichkeit an die Natur, dieResignation in die fünf Sinne;eine Idee, die gesund und gut sein,aber auch übertrieben werden könne." Das Zusammentreffen mit denübrigen Größen in Weimar verbesserte seine gesunkene Meinung von sichselbst. Zu Herder, dessen familiäre Ausschließlichkeit bekannt war, kamer in kein engeres Verhältniß; doch achtete er seinen Geist, und er warihm fesselnd genug, um sich vorzunehmen, ihn einen Sommer hindurchso zu sagen zu verzehren." Herder imponirte ihm, wie auch Göthen, ammeisten, aber die Mittheilsamkeit, die er neben Göthe in Straßburg be-sessen, hatte längst aufgehört. Wieland'S ungleichen und unzuverlässigenCharakter lernte Schiller bald aus eigner Erfahrung und ans Erfahrun-gen der nächsten Verwandtschaft kennen; er fühlte, daß sie nicht zusam-men taugten; er konnte höchstens auf Augenblicke erbaut sein in demKreise der Familie, die natürlich, aber unerfahren war, neben der sichselbst Schiller als ein Weltkind fühlen durfte. Die leidigen materiellenSorgen erhielten eine gezwungene Verbindung mit Wieland. Dochwaren dieß nicht die ebenbürtigen Männer für Schiller; ihm war dieFreundschaft mit Göthe Vorbehalten. Gleichwohl war ihm in dem wei-teren, geistreichen Kreise der hier versammelten Menschen wohl. Abge-sehen von dem Verhältnisse zu seiner Freundin Charlotte von Kalb, mußteer, wenn er Pläne machte, auch Freund Körner nach" Weimar zu ziehen,sich doch gestehen, daß die Frau von Stein, und ihre Schwester Jmhof,

45) Das ganze Verliältniß zu diesem Freunde liegt MIN offen inSchiller's Brief-wechsel mit Körner." (Berlin 1847.)