134 Umst. d. konvent. Dicht, durch Verjüng, d. Naturpoesie.
sie in der Bearbeitung fürs Theater^) aufDalberg's Antrag weggelassenwerden mußte. Als Fiesco in Mannheim den Beifall der Räuber nichtfand, schrieb Schiller an Reinwald: Republikanische Freiheit ist hier einSchall ohne Bedeutung, ein leerer Name; in den Adern der Pfälzerfließt kein römisches Blut! Er ließ sich nicht irren, auf den Fiesco größe-ren Werth zu legen als auf die Räuber; und über das Einzelne, wieüber den Burgognino, der seine „rosenrothblutigen" Jünglinge einleitet,über den fünften Akt mit seinen Greueln und Anderes weggesehen, ist esauch ein weit bedeutenderes Stück. Es eröffnet Schiller's Richtung aufdas Historische, mit der er begann „an der Tugend der Vorgeschlechterdie Folgezeit zu entzünden", er betrat hier den Weg, auf dem er großgeworden, auf dem auch außer ihm das Höchste im Dramatischen gelei-stet worden ist: er baute das Werk der tragischen Dichtung, den Grund-lagen des großen volksmäßigen Epos entsprechend, auf dem Boden derGeschichte auf, und gab ihm dadurch jene Festigkeit und sichern Halt, derihn erst später diese Gattung schätzen lehrte: denn damals^) schien erdas „lautere Produkt der Begeisterung" noch höher zu halten. Die leben-dige Glut, welche durch dieses herrscht, schrieb er damals, stand nichtbei mir meiner Fabel einzuhauchen. „Aber die kalte Staatsaktion ausdem menschlichen Herzen herauszuspinnen, und eben dadurch an dasmenschliche Herz wieder anzuknüpfen, das stand bei mir. Mein Verhält-niß mit der bürgerlichen Welt machte mich auch mit dem Herzen bekannterals mit dem Kabinet, und vielleicht ist eben diese politische Schwäche zueiner poetischen Tugend geworden". Wenigstens lehrte sie ihn den rich-tigen Grundsatz, daß er die Geschichte und Geschichtssage nicht weiterfesthielt, als die dichterische Komposition nach der strengsten Forderungerlaubte; sie lehrte ihn die Kluft zwischen der alten dramatischen Historieund der eigentlichen Tragödie ausfüllen, und seine geschichtlichen Stückevermitteln hier in einer Weise, die außerordentlich aufschlußreich ist fürSchiller's ganze poetische Stellung und Ansichten, nach denen Ec überallauszugleichen und versöhnend zu binden suchte, nach denen er sich mittenzwischen Lesstng's Grundsatz, von der reinstgehaltcnen Gattung undGöthe's Neigung und Verwischung aller strengen Gattung stellte, mittenzwischen Alterthum und neuerer Zeit seinen Standpunkt nahm, und dieidealste Tendenz der Dichtung an den realsten Stoffen geltend zu machenstrebte. Die Fertigkeit, mit der der junge Mann diese politische Materie
43) Bei BoaS, Bd. I.
44) Obwohl vorübergehend auch später noch einmal.