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5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
Entstehung
Seite
82
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82 Umst. d. kmwent. Dicht, durch Verjüng, d. Naturpvcsic.

er erfuhr dabei, ganz im Gegensätze gegen die früheren Genietheorien,daß es auch in der Kunst weit mehr Lehr- und Lernbares gebe, als erglaubte; er fühlte sich immer mehr den rechten Begriff und Erkenntniß-punkt der Kunst zu besitzen. Da er sich in der Skulptur,obwohl ihmdie Schöpsnngskraft die Seele füllte und in den Fingerspitzen bildendward," des eigenen Schaffens begab, so fielen die dorther gewonnenenEinsichten im Grunde ganz seiner Dichtung zu Gute; hier konnte erjenem Talente Nahrung geben, mit dem er die Figuren seiner Gedichteplastisch in festen Formen auftreten läßt, und die Gestalten gleichsam mitkörperlichen Linien umzieht, daß wir uns unter ihnen wie in einemBildersaale bewegen. Ec war weit entfernt von einer zufälligen Ver-schmelzung der plastischen und redenden Künste, zu der ihn z.B. Tisch-bein zu überreden gesucht, indem er ihm idyllische Gedanken zu gemein-samer, moralisch-dichterischer Bearbeitung empfahl, von der Natur, daßsie isolirt von keiner der beiden Künste hinreichend dargestellt werdenkonnten. Ein richtiger Takt hielt Göthe hier zurück. Er zog weit feinereVortheile von der bildenden Kunst: er sah z. B. Raphael's h. Agatheauf ihre gesunde sichere Jungfräulichkeit ohne Kälte an, prägte sich ihreGestalt ein und wollte seine Jphigenia nichts reden lassen, was jeneHeilige nicht sprechen könnte. So finden wir überall, daß er nicht alleinbeide Künste vergleichend wägt, daß er auch aus dem Betrachten derAntiken den reinsten Begriff der Kunst, der auch in dem Bildhauerwerkam nächsten zu ergreifen ist, davonträgt und nach dem gewonnenen seineDichtungen umgestaltet. Umgeben von den Statuen, empfand er sich ineinem bewegten Naturlebeu, erwarb die Mannichfaltigleiten der Men-schengestaltung inne, denn er sah in dieser Antikenwelt das Bestreben,aus der menschlichen Gestalt den Kreis göttlicher Bildung zu entwickeln,der vollkommen abgeschlossen ist, und worin kein Hauptcharakter so wenigals die Uebergäuge und Vermittelungen fehlen." Er fühlte sich durchdiese Bilder auf den Menschen in seinem reinsten Zustande zurückgeführt,worauf denn der Beschauer selbst geschickter zum lebendigen Erfassen desReinmenschlichen werden müsse. Das Ideal drängt sich in dem plastischen,gleichzeitig, sinnlich vor Augen stehenden Werke lebendiger auf, der über-flüssige Stoff fällt mehr in die Augen, als in dem Dichtungswerke, dassuceessiv vor dem Geiste vorübergeht. Hier vergleicht er die alten Bild-hauer mit Homer.So viel ist gewiß, sagt er, die alten Künstler habenebenso große Kcnntuiß der Natur, und einen ebenso sicheren Begriff vondem gehabt, was sich vorstellen läßt, und wie es vorgestellt werden muß,wie Homer. Die wenigen Kunstwerke der ersten Klasse sind zugleich als