Periode d. Originalgenics. — Göthe in Jtal. u. Schiller's Zugend. 81
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In der frühesten Jugend hatte Göthe wenig Plastisches gesehen;der mächtige Eindruck aber, den er zuerst in der Mannheimer Sammlungempfing (die auch Lessing so wichtig und für Schiller einen Augenblickmächtig anregend war), zeugte von seiner erstaunlichen Empfänglichkeitdafür. Einzelne Abgüsse waren ihm seitdem immer wie eine Art Gegen-gift, wenn das Schwache, Falsche, Manierirte es über ihn zu gewinnendrohte. Dies wird nur der verstehen, der einmal die unüberwindliche^ Gewalt der gesunden antiken Natur auch in den Schriften der Alten an' sich erfahren hat. Immer empfand Göthe seitdem den brennenden Schmerzder Unbefriedigung, bis er nach Italien kam. Im Anfang merkte er nochin dem Antikensaale in München und Venedig , wie er auf diese Gegen-stände nicht geübt, und in dieser Art Kenntniß zurück war. Daß er sichmit so vieler Hingebung den Weg zur alten Kunst von Palladio wolltezeigen lassen, belegt gleichfalls die Unsicherheit, in der er sich befand, aberauch die Entschiedenheit, mit der er sich ganz der Antike zuneigte. Wieer daher jetzt die Claudius und Lavater und jene Christologen, die erfrüherhin geduldet, neben denen er sich eigene Religionssysteme bildete,verwarf, so waffnete ihn derselbe Eifer gegen die deutsche Baukunst,die seiner ersten Periode ein Heiligthum war, und er spottete über „die' kauzenden Heiligen der gothischen Zierweisen, die Tabakspfeifensäulen,spitzen Thürmlein und Blumenzacken, die er nun Gott sei Dank aufimmer los sei." Denselben Zorn warf er auf die christlichen Gemälde-stoffc, die unsinnigen Gegenstände, die ihm „abscheulich dumm und mit^ keinen Scheltworten der Welt genug zu erniedrigen schienen, in denenman sich immer auf der Anatomie, dem Schindanger und Rabensteine^ befände, worunter aus zehn Ausgaben kaum Eine hätte gemalt werdensollen, die dann ihrerseits der Künstler nicht von der rechten Seite nehmendurfte." So schien ihm denn der Glaube zwar die Künste in den mittleren. Zeiten neugeboren, der Aberglaube jedoch sie wieder zu Grunde gerichtet1 zu haben, und wie er in politisch-moralischer Beziehung in diesen Zeiten^ ausnahmsweise von patriotischen Gesinnungen angeweht ist, so äußertec sich in religiös - ästhetischer Hinsicht mehrfach als ein grundehrlicherProtestant. Mit dem Eifer nun, mit dem er sich inWinckelmann's Wege^ auf die plastischen Künste warf, kam er auch hier im Laufe der Zeit und! der Studien zu einer Befriedigung, in der er sich ganz sicher und glücklich1 wußte. Er ließ sich von Heinrich Meyer aus Zürich, der neben so mancheni Tüchtigen aus den Schulen dieser Stadt hervorging und Winckelmann'si verdienstlicher historischer Nachfolger ward, das Detail der Kunst er-s öffnen, und sich von ihm in die Geheimnisse des Mächens einweihen;