Periode d. Originalgei,ics. Gvthe in Jtal. u. Schiller's Jugend. 75
Höchste und Größte an sie forderte, um von ihnen zu lernen, oder sie zulehren; er kannte den unendlichen Vortheil, der in dem Tausche derGeister liegt; wenn man sich selbst lehrt, sagte er, so ist die arbeitendeund verarbeitende Kraft eins, und die Vorschritte müssen kleiner undlangsamer sein. In den Strom dieses energischen geistigen Lebens ein-geschifft, in dieser Umgebung der größten und würdigsten Gegenständezusammengerafft, um sich ihnen gleichzustellen, fühlte sich unser Dichter-neu geboren, neu erzogen, und der Gedanke und die Hoffnung fülltenihn ganz aus, seinen Freunden als ein Anderer wiederzukommen, sichselbst aber ganz und völlig wiedergegeben zu werden, sich von innen neuaufzubauen, alles Fremde in sich zu tilgen. Voir-Jugend auf war es seinePlage, daß er „verdient und unverdient das Schicksal des Sisyphus undTantalus erduldete, jetzt wollte er das Thunliche thuu, da er an sicherfuhr, daß er jetzt erst zur Ruhe und Klarheit gekommen war, und daßnicht allein die Schwaben 40 Jahre brauchten, um klug zu werden." Erfand jetzt seine erste Jugend bis auf die größten Kleinigkeiten wieder, daihn nicht mehr die fremdartigen Anforderungen störten; und wieder trugihn die Größe und Würde der Umgebungen so hoch und weit, „als seineletzte Existenz nur reicht." „Da ich durch die lange Ruhe und Abgeschie-denheit" schreibt er „ganz auf das Niveau meiner eigenen Existenz zurück-gebracht bin, so ist es merkwürdig, wie sehr ich mir gleiche, und wiewenig mein Inneres durch Jahre und Begebenheiten gelitten. Ich habedie höchste Zufriedenheit meines Lebens genossen, und kenne nun wenig-stens einen äußersten Punkt, nach welchem ich das Thermometer meinerEristenz abmessen kann. Ich habe mich selbst zuerst in Rom gefunden,bin übereinstimmend mit mir und glücklich und vernünftig geworden."Als er am Schluffe seiner Reise überrechnete, was er gethan, geleistet,wie ihn dieser neue Zustand gestärkt, erstaunte er, und sah die Summeseiner Kräfte zusammengeschossen und geschlossen, und fand sich in derThat in einem neugewonnenen Leben. Wirklich war cs, als ob er vonden zwei Geistern, die sich in der ersten Periode um ihn stritten, wo er inder Natur Böses und Gutes im Gleichgewichte sah, und nichts Höhereswollte, als der Natur gleich sein, den bösen ganz gebannt hätte: so ganzwürdevoll stimmten ihn die mächtigen Reste einer poetischen Vorweltund der Boden, auf dem die Kunst heimisch gewachsen, nicht, wie er sieim Norden fand, eine Treibhauspflanze war. Der gemeinste Menschschien ihm hier zu etwas werden, wenigstens ungemeine Begriffe ge-winnen zu müssen. Wer sich hier mit Ernst umsieht, schrieb er, undAugen hat zu sehen, der muß solid werden, er muß einen Begriff von