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Periotze der Ortgtnalgcmes. Göthe i» Jtal. u. Schilier's Jugend 73
^ Verhältnissen entrissen, und noch gegen das Ende seiner Reise suchte^ er sich die Herzogin, die nach Italien wollte, abzuhalten. Er fühlte, gleich beim Eintritt in das Land, wie abspannend nur die äußere Lebcns-j art in Weimar auf ihn gewirkt hatte; „daß er sich nun selbst bedienen,i überall selbst gegenwärtig und aufmerksam sein mußte, gab ihm eine ganzi andere Elasticität des Geistes: er mußte sich um den Geldkurs beküm-l mern, wechseln, bezahlen, notiren, schreiben, da er sonst nur dachte,s wollte, sann, befahl und diktirte." Er schrieb, unter dem milden Himmel^ könne man doch wieder einmal einen Gott glauben; er ließ sich die neueWelt gefallen, als ob sie sein Vaterland sei, als ob er aus eimmerischer
> Verbannung dahin zurückkehre; bald kam ihm alles Tramontane düsteri vor, da er sich seines leichtern Daseins zu erfreuen begann. Er war ganz^ Sinn für die neuen Erscheinungen, die herrlichen Umgebungen in Naturj und Kunst verdrängten ihm nicht, wie die bisherigen Zustände, denl poetischen Geist, sie riefen ihn vielmehr hervor^). Wie es die römischeni Elegien besangen, so war es: da wo ihn der Glanz des Hellern Aethers
mnleuchtete, rief Phöbus Formen und Farben hervor, ganz anders, alss da er unter dem trüben Himmel des Nordens über sich brütete, „des un-j befriedigten Geistes düstre Wege zu spähen." Die Art und Weise, wie er^ Italien aufuahm, wie er seine Beobachtungsgabe ausbildetc, wie ec diei mannichfaltigsten Eindrücke gerade und gesund auf sich wirken ließ, liegt§ in seinen Reisebriefen vor. Ec scheint uns darin nichts Neues zu sagen,
! weil das Gesagte so einfach, wahr und ohne Absicht hingeschrieben, weil
> cs in den Mund aller Reisenden übergegangen ist; wer aber vergleicht,
! was in jenen Zeiten Heinse, Stolberg, Herder u. A. über Italien
- berichteten, der wird den großen Unterschied zwischen den Reisendeni finden, die nur immer sich selbst im Auge haben, und dem Anderen, der: sein Auge den Dingen gibt. In Göthe lag der offene Sinn und die hin-? gebende Verehrung für das Große und Schöne von Natur aus! diese
Gabe an den würdigsten Gegenständen Tag für Tag zu bilden, nannte^ er das seligste aller Gefühle; es schwand ihm alle Anmaßung, er fand,
§ für sich hinlebend, im stillen Aneignen des Dargebotenen sein größtesGlück, und spricht es in den knappen Berichten an seine Freunde so
- wohlthnend aus: hier herrscht noch immer dieselbe Strebsucht, wie inden Briefen an Lavater, aber ungleich größere Ruhe, Weisheit, und
24) — Wer dichtet nicht,
dem diese schöne reine Sonne scheint,der diesen Hauch des Lebens in sich zieht.
Klaudine.