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5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
Entstehung
Seite
72
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72 Unist. d. konvent. Dicht, durch Verjüng, d. Staturpoesie.

Gebrechen dieser Kreise sühlte und still sich von ihnen schied, das hatGöthe selbst im Gedichte angedeutet; der Umgang mit dem Hofe undden Gliedern höherer Stände schränkte nach und nach die kühne Seeleein, und Hoffnung und Aussicht ward, daß bei so viel Sinn für dasWahre die Zeit dieser Ucberkraft die rechte Richtung geben werde. Einerder merkwürdigsten Wendepunkte bereitete sich in ihm vor, den vielleichtje ein Mensch in so vorgerücktem Alter durchlebt hat. Er hatte in seinerersten Periode, wo sich der innere Mensch leiten und von außen bestim-men läßt, dem eindringenden Geschmacke nachgegcben, er hätte auchden großen Eindrücken der englischen Dichtung bei seiner allgemeinenEmpfänglichkeit für jede Aeußerung menschlicher Art und Natur nichtwiderstehen können. Jetzt aber, sich selbst überlassen, und da er sich demZudrang jenerauffallend verrückten Menschen," die ihm in der erstenJugend Genüge gethan hatten, entzog, jetzt ward er das Mangelhaftealler nordischen Kunst, die zufälligere Natur, die roheren Gestaltengewahr, und eben ging die griechische und italienische Dichtung aus, indeutscher Sprache neu geboren. Neben Shakespeare trat Ariosi, überOssian weg schritt Homer; Beide traten Göthe'n nahe, aber sie warenihm nur halb lebendig. Alles drängte sich jetzt auf das Alterthum undnach Italien hin; ihm war aller überlieferte Begriff ein Greuel, dennnur das Angeschaute hatte Leben für ihn. In dem kunstliebenden Kreiseder Herzogin Amalie war es herkömmlich,daß Italien als das neueJerusalem wahrer Gebildeten betrachtet wurde;" so ward in ihm dieSehnsucht nach diesem gelobten Lande stets neu unterhalten. Der Vorsatzschob sich hinaus und ward überreif, die Begierde ward zur Krankheit:einige Jahre lang machte ihm jede Erinnerung an Italien den entsetzlich-sten Schmerz; er konnte keinen lateinischen Schriftsteller ausehen, undHerder spottete über ihn, daß er all sein Latein aus Spinoza lerne; nochWieland's übersetzte Satiren machten ihn ganz unglücklich. Es war derDrang einer südlich organisirten Natur, die sich nach dem Lustkrcifesehnte, in dem sie geboren hätte sein müssen; der Trieb einer lange ver-schlossenen Knospe, die der Frost des Nordens drückte.

Und gleich anfangs, als er die südliche Sonne fühlte und mildereLuft athmete, preßte er diese Sehnsucht in einen Seufzer, der die Wohl-that eines freundlichen Himmels als eine ewige Naturnothwendigkeitfür die Menschen ansprach, während sie ihm nur als Ausnahme gegebenwar. Aber auch für diese Ausnahme dankbar, schien er zugleich mit einemSeufzer der Erleichterung alle Sorge von sich abzuwersen. Er war nunder störenden Gesellschaft, den zerstreuenden Anforderungen, den lähmenden