Druckschrift 
5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
Entstehung
Seite
67
Einzelbild herunterladen
 

Periode d. Originalgenies. Klopft. Schule. (Die Göttinger.) 67

' wogegen in Voß überall das Kräftige und Männische in einem grö-ßer» Widerspruche mit der ländlichen Ruhe steht, in die nichts Leiden-schaftliches eindringen sollte. Und was weiter hinzu kam: Hebel erzwangseine Stimmungen nicht, er breitete sich nicht unklug ans, er lies sich kein! Lob und keine Aufmunterung irren, er machte aus der Poesie kein Ge-werbe (was man theilweise von seinen Erzählungen des rheinländischenHausfreundes, sogleich zu ihrem Schaden, eher sagen könnte); er ließsich nicht bewegen Allemannisches ins Oberdeutsche, Oberdeutsches ins^ Allemannische zu übersetzen; was er bessern und nicht bessern wollte,H that er nur aus dem eigensten eigensinnigen Triebe. Er hatte dabei frci-H lich die Vergünstigung, daß er mit dein gediegenen Sinne des vorigen^ Jahrhunderts schon in die Zeit traf, wo das Formale der Poesie bereitsi im festeren Besitz war; es ward ihm daher leicht, die dialogische Idylle) Theokrit's in seinen Ton umzubilden, oder gelegentlich ein hochdeutschesVolks-, ein Soldatenlied im alten Stil zu singen, das vielleicht Alleshinter sich läßt, was wir von Akkommodationen dieser Art besitzen. Denndes Jdeenkreises des Volkes war er mächtig wie Keiner; er wußte, wasdort Eingang fand, und drängte nach der Einen schmalen Stelle mit demstets Gleichartigen hin. Er kannte die Anhänglichkeit des Volkes an daswenige Liebgcwonnene von Poesie, er hütete sich daher, mit Vielem zuzerstreuen, und das Wenige durch Länge langweilig zu machen. An Vos-sens Luise ist es ein Hauptfehler, daß sie-zu lang ist. Zustände ohneBewegung wollen wir rascher genießen, und wenn es wirklich seine Ab-sicht war, nach dem ersten Plan eine noch größere Reihe Idyllen hinein-zuweben, so wäre es desto schlimmer geworden. Wir wollen auch in der! Form die bescheidene Begrenzung wieder sehen, die der Idylle Wesen und! Inhalt ist. Das hat Hebel besser gefühlt, und vielleicht gibt es keinelieblichere Idylle, als seine Wiese. Wie innerlich reich ist dies Gedichtgeworden, wie hat es gleichsam einen unendlichen Inhalt gewonnen,durch die Art und Weise, wie der Dichter die kleine Nire erzieht und mitwechselndem Tone durch die Alterstusen der Jugend geleitet! Wie hat er

- überhaupt seine kleine Welt durch jene anthropomorphische Belebung in^ tausendfältiger Gestaltung reich und voll gemacht, die in Vossens Gedich-

- ten durchgängig fehlt! mit welchem erstaunlichen Takte führt er diesekecksten Personifikationen von Sonne, Mond und Sternen, die Verbane-rung der ganzen Natur, wie Göthe sagte, durch, ohne kindisch und schief,ohne gesucht und affektirt zu werden! welche Veränderung und Modula-

- tion gewinnt nicht seine anmuthige Geschwätzigkeit durch die gleicheI Geschicklichkeit, zu des Landmannes Gemüth mit elegischen Anklängen,

)

z