64 Umst. d. koiwmt. Dicht, durch Verjüng, d. Naturpoesie.
romantischePocsie, in der er richtig die wilde Mischung unversöhnter Ele-mente ahnte. Ebenso berechnete er seine Dichtung im Ganzen zu bestimm-ten Zwecken, wie er bei den Alten sand, ja vorherrschend sür einen bestimm-ten Stand, und im Einzelnen dachte er bei seinen Gedichten an bestimmtePersonen, denen er eine angenehme Empfindung erregen wollte; seinePoesie war daher den „Trngidealendes neueren Genius", der Verschwen-dung von Leidenschaft und Geist mit und ohne Absicht entgegengesetzt.
Daß dieses Dichters Stärke die Idylle ward, die sich fern von demGeräusche der großen Welt in engeren Zuständen bewegt und das Glückder Natur und der Beschränkung preist, war wohl natürlich. Voß wagtees, dieser Gattung den Naturinhalt, den er in seiner Heimat und seinemWohnort empfing, in einfacher Wahrheit einznverleiben, und führte siedadurch zu einem ganz reinen Standpunkte zurück. Praktisch that er indieser Gattung, was Lessing theoretisch mit allen versuchte; und er reihtsich darin dem jungen Bestreben jener Zeit ganz an, das überall ans ein-fache Verhältnisse zurückging. Theokrit machte ihn zuerst auf die eigent-liche Bestimmung der Idylle aufmerksam, da er bei diesem die Idealweltder arkadischen Schäfer vermißte, und nur gute sieilische Natur sand. Erging der Idylle historisch nach, und entdeckte, wie sie Virgil nur demSirilier entlehnt, wie er sie umgebildct und verbildet, und ein Ungeheuerdaraus gemacht hatte, das nirgends zu Hause war. Die spanischenDichter, die ihre Welt noch nndichterischer fanden als der Römer dieseinigc, zogen mit ihrer Muse nach Arkadien, Geßner folgte diesen undmalte Schweizernatur mit arkadischen, idealen, d. h. chimärischen Ein-wobnern. Sv, glaubte er, würde man wohl in allen Dichtnngsarten zurrformiren finden, wenn man ihrem Ursprung und Ent-zwecke nachspüre. Voß stellte sich auch hier in eine richtige Mitte;er verließ jene läppische Idealität, ohne in die Banernmanier des MalerMüller oder einiger englischen Jdyllendichter zu verfallen; er gab in demMusenalmanach „Pferdeknechtsidyllen", worin Michel und Hans, nachder Aenßerung Schnbart'ö, doch nicht ganz wie die schwäbischen Stall-knechte sprechen. In seinen kleineren Idyllen blieb manches Herbere hän-gen, was aus didaktischer Berechnung herrührte ; den ländlichen Friedenstörte die Fürsprache sür die Leibeigenen und der Blick ans die Verhält-nisse der Frohnenden und der Herren, was in Satiren besser am Platzegewesen wäre. Aber in das Lob, das der Luise (l783) und dem sieben-zigsten Geburtstag von unseren Dichtern und von der Nation gezolltward, bei der die Luise immer eins ihrer wenigen poetischen Handbüchleingeblieben ist, müssen wir einstimmcn. Das Lob der Idylle ist immer ein