42 Umst. d. konvcnt. Dicht, durch Verjüng, d. Naturpoesie.
Ausdrücke sucht, wie man absichtlich nach überraschenden neuen Reimenstrebt, deren bei Voß und Hölty nur durch den Gebrauch von Flexioneneine große Zahl gewonnen worden sind, von denen man nicht leicht sagenwird, daß sie gezwungen seien. Die Lyrik dieses Kreises hat wesentlichnach den beiden Seiten der Ode und des Liedes, des Feierlichen undElegischen, des Klassischen und Empfindsamen fortgewirkt, und gleich inden nächsten Zeiten, in denen die lyrische Fertigkeit über ganz Deutschlandausging, weisen die Halem, Kosegartcn und Baggescn, die Overbeck,Matthisson und Salis vielfach auf diese Schule zurück, an die sie auchäußerlich sich theilweisc aureihen lassen.
Wenn die Elemente von Klopstock's Dichtung und Charakter in deneinzelnen Persönlichkeiten deö Hainbundes verwirrt, verändert und zer-streut liegen, so liegen sie bei den Brüdern Stolbecg in gerader Reihebeisammen, verringert an Talent und Geist, gesteigert und bis zur Kar-rikatur übertrieben in der Acußerung. Genauer zu reden, nur bei Fried-rich Leopold (1750— 1819); Christian (1748—1821) ist immer be-scheiden im Hintergründe geblieben, wo beide Brüder zusammen genanntwurden. Niebuhr hieß sie Herkules und Jphikles zusammen, und machtewohl einen zu großen Unterschied unter ihren Gaben. Christian selbstgestand es seinem Bruder ein, daß ihm die Muse den stolzem Lorbeer ireiche, doch sprach er auch die große Ucbcrcinstimmung und Gleichförmig-keit ihres Geistes aus: Mutter Natur habe ihrer Zwillingsseclen immertönende Harmonie gestimmt, daß Keinem je ein Gedanke keimte, dessenHülle nicht Jeder gehoben hätte. Seine Gedichte sind wenige nebenFriedrich's; sein herbstliches Produkt, die weiße Frau (1814), ist freilicham Unrechten Ort und zu übler Zeit ein Nachklang von dem Spaßtonder bürger'schen Romanzen. Dagegen ist doch Christian's Sophokles(1787) neben so vielen treueren Nebersctzuugen gelesen geblieben, daFriedrich's Ilias, oder wenn sich dies durch Vossens Uebersetzung erklärt,seine äschylischen Stücke vergessen sind, und jener wird sich in gewissenKreisen, in denen es mehr gilt, den alten Dichter uns, als uns ihm zunähern, immer erhalten. Und wenn in der Gattung des Dramas, indem beide Brüder mit einander wetteiferten, ihre beiderseitigen Erzeug-nisse nicht so werthlos wären, daß es kaum der Vergleichung lohnte, sowürde man leicht den Bclsazer und OtancS von Christian dem Theseusvon Friedrich verziehen. Beide Brüder waren in ihrer Jugend zuerst von ^den harzischen Dichtern, von Lichtwer und Gleim augeregt, von Klopstockerschüttert und ganz hingerissen. Sic entfalteten eben ihre frischeste Ju-gend , als der Geniesturm loöbcach, und sie gingen ganz auf die neuen ^