Druckschrift 
5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
Entstehung
Seite
39
Einzelbild herunterladen
 

H Periode d. Originalgenies. Klopft. Schule. (Die Göttinger.) 39

Z mein Necept weniger, wird es darum keine gute Tinte machen? Gewiß!H nur könnte sie vielleicht durch jene Analyse noch gebessert werden, unds ganz gewiß wäre das Reeept dann kein Geheimniß mehr, und die Tinte,s wenn sie die beste der Welt sein sollte, erst in Folge dieser Analyse alss die beste anzuerkennen.

s Wunderbar kämpfte, wie in Klopstock selbst, so auch in dieser klop-s stock'schen Schule der Ungestüm des Genies, der patriotischen Begeiste-! rung und des Freiheitssinnes mit der Ruhe des Fleißes und dem Quie-s tismus oder auch der Reizbarkeit der Frömmigkeit und des ReligionS-s gefühls, theils suecessiv in einem und demselben Individuum, theils ins den Persönlichkeiten gegeneinander; bald nach innern Vorgängen in dem^ Seelenleben der Dichter, bald nach den Anregungen der äußern Begeben-s Helten. Wie Claudius in dieser Hinsicht gegen Bürger überliegt, sos gruppiren sich andre Charaktere jüngerer und älterer Dichter gegeneinan-^ der. In Fr. Ernst von Schönborn (aus Stolberg 17371817) und? in dem jungen unglücklichen Karl Cramer (aus Quedlinburg 1752! 18!7) stieg die Unruhe, die Ueberspannnng, die politische Eraltation,

^ der Geniezwang und die Originalitätssucht bis zur Karrikatur. Ders Erstere entzückte die Stolberg, Gerstenberg und die Göttinger mit seinens schwungreichen Freiheitsoden, ec schmeichelte den Letzteren, als er auf^ der Reise nach Algier (als dänischer Konsulatssekretär) 1773 durch Göt-; tingen kam, daß der Bund Revolution auf dem deutschen Parnasse machent werde; die gewaltigen Fittige seines poetischen Genies ließ er zwar inH Algier ruhen, desto eifriger aber hing er den Ideen von Freiheit undl Menschlichkeit nach, und es brannte ihn der Gedanke, von Algier nach« Petersburg zu reisen, um Rußland zu bewegen, die Raubstaaten zu ver-tilgen. Für die Welt blieb er nutzlos, uud gewährte ihr, wie der GrafSchlabrendorf und ähnliche Sonderlinge, nur das Bild einer wunder-^ lichen Originalität, als er später mit der Gräfin Katharina von Stol-s berg in gemeinsamem Zusammenleben mit seiner Erscheinung in Ver-wunderung setzte. Niebuhr fand, als er ihn in London sah, daß ihnH Eingezogenheit und Gleichgültigkeit der Welt entfremdete; er erkanntes Außerordentliches in seiner Metaphysik, nichts Befriedigendes für dass wirkliche Leben. Der überspannte Revolutionsenthusiasmus K. Fr.! Cramer'ö ist übel genug berüchtigt; er ist mit seinem versuchten Werkes über Klopstock (1779 re.), das der Ausdruck der sonderbarsten und ange-> strengtesten Verehrung ist, mit seinen verschiedenen Denkwürdigkeiten,s und mit seinen in aller Wärme für Rousseau und dessen Art Menschen-z kenntniß geschriebenen Uebersetzungen der Heloise und des Emil in der