18 Nmst. d. konveut. Dicht, durch Verjüng, d. Naturpoesie.
unter dem v. d. Goltz und Heinse in der besagten Weise den angegebenen ?.Ton nachahmten und steigerten. Auf diese Erfahrungen vielleicht noch lmehr, als auf die Anfechtungen, die er erfuhr, nahm sich Wieland mehrzusammen, und lehrte gleichsam die Kunst der naiven Schilderung sinn-licher Dinge in den Rittererzählungen, die er in den 70er und Anfangs ;der 80er Jahre schrieb. Wieder an diese lehnte sich ein anderer SchlagLeute an, die mehr oder minder mit Wieland selbst jene alten Freiheiten -
vermieden. Sie trugen Wieland's Erzählgabe und den Geschmack an !
Ritterepen in die großen Hauptstädte des Ostens, wo dergleichen un- .
schädliche Gattungen immer am wohlsten ausgenommen sind, währendHeinse am Rhein blieb, zuletzt in Mainz, und seinerseits bestätigte, was f
er selbst ausührte, daß die schöne Literatur am Rhein nicht gedeihen j
wollte, ein Satz, den die Erfahrungen im Elsaß und Baden, in Mann- Z
heim und Mainz, in Westphalen und in Düsseldorf völlig bestätigten. ^
Aus Straßburg zog sich L. Heinrich von Nieolay (1757 —1820) nach s
St. Petersburg, und Er ist Wieland's treuester und ähnlichster Anhänger. ^
Schon seinem Alter nach steht er ihm am nächsten, und so auch nach i
seiner Denkart und seiner Weise zu schreiben. Er hat sich noch in Fabeln j
und Erzählungen in Gellert's Manier versucht, deren meiste Schwänke jsind, die auf die Rittererzählungen von selbst überführen. Zuerst trat er ^
1760 in Elegien und Briefen auf. In jenen bekennt er sich nur geschaffen j
zu der Poesie, der sauste Regungen edler Seelen den Stoff geben. Und s
solche stille Gemüther fanden ja auch im Mittelalter den Weg zu jenen ^
harmlosen, wenn auch oft muthwilligen Erzählungen aus der Ritterwelt, ldie Heinse höchstens übersetzen konnte, die er selbstversuchend ganz ausihrer Sphäre gerückt hätte. In den Episteln v. Nicolay'S legt sich denn ^
auch ganz derselbe gutmüthige Charakter zu Tage^),' den wir bei den :
Halberstädtern fanden, in derselben Philosophie vom Mittelweg, vom '
Maaße der Dinge, die sich gegen Cyniker und Sybariten gleichmäßig -
wehrt, die das wahre Menschenglück in dem gesunden Gemüthe sucht,das die Natur zur Regel nimmt, die sich nicht durch die rousseau'schen iEinwürfe irren läßt, die vielmehr gegen diesen kranken Geist Oppositionmacht, der vom größten Ueberfluß zum größten Mangel fieberhaft über-
3) Wie diese Gutmüthigen freilich die Probe hielten, wenn sie in die große Weltgeriethen, davon gibt leider auch v. Nicolay ein trauriges Beispiel. Seine Werkeempfahlen ihn nach Petersburg; er stieg dort zum Sekretair der Großfürstin auf, und,Besitzer von Leibeigenen in Polen und Finnland geworden, beklagte er sich über diegroßen Freiheiten, die diese befassen und behaupteten. Er russificirte sich und stvßte denFremden, die ihn näher kennen lernten, Verachtung ein.