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5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
Entstehung
Seite
17
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Periode der Originalgcnies. Wieland's Schule. 17

Die allerstärksten Empfindungen aber hat das Gefühl, der Sinn derLiebe. Harmonie und Abwechselung unter allen diesen Veränderungen,so viel unsere Komposition verträgt, deswegen entstand die Schöpfung,das ist die Seligkeit auf dem Erdboden. Die eigentliche wahre Liebe istder Drang, ein Kind zu zeugen! Sie dauert ihrer Natur nach so lange,bis das Kind geboren ist! Wenn man unsere Heldengedichte, Schau-spiele und Romane liest, so findet man diese Leidenschaft fast nie in ihrerFülle. Alles ist darin gewissermaßen nur Vorspiel dazu. Von Kindernselbst, und was sich darauf bezöge, kommt wenig vor. Diese Leidenschafthat also in ihrer Tiefe noch volle mannichfaltige Neuheit für den Künstler.Alles Andere, was noch den Namen Liebe führt, ist Freundschaft, Ge-selligkeit, Wollust, welche letzte selbst bei dem höchsten Reiz einer Ninonein unbedeutendes Spiel ist gegen den göttlichen Ernst dieser Leidenschaft.Wenn ein Dichter ein Mädchen der Liebe schildern will, so kommt eswahrlich nicht darauf an, ob es einen kleinen Fuß hat, sondern ob derBau ihres Körpers vortrefflich ist, Kinder zu empfangen und zu gebären,ob ihre Lenden gut gewölbt sind, u.s. w. Nach diesen Regeln, die dochwohl die einzig wahren sind, prüfe man nun die Schreibereien unsererDichter, und man wird sich wundern, wie wenig Ahnung sie von diesenRegeln hatten!!" Hier sieht man leicht, daß jene Poesie des Cunnus nurnoch plumper, prosaischer und materieller geworden ist, daß das Sinnlichein den Schriften eines Mannes, der solches Zeug schreiben-kann, nochmehr als bei Wieland Sache des nüchternen Kopfes scheint, daß dasNatur-geschichtliche noch weit mehr als bei diesem an die Stelle des Poe-tischen gerückt ist. Wenn ein Dichter mit Unbefangenheit die gekünstelteWelt des Anstandes und der Konvenienz aufgcben kann, wenn er unsin eine Welt einfältiger Sitte zurückzuführen vermag, so erlaube er sichimmer mit dem Frieden der Musen die Natürlichkeiten, die wir in unsererGescllschaft Unsitte nennen: aber er kleide sich auch ganz in die Unschuldund Natur ein, die von den Ausbrüchen der durch Sittenzwang gehemm-ten Begierde nichts wissen kann; er begleite sie mit den analogen Zu-ständen der Einfalt, und setze sie nicht neben Künste, Wissenschaften undallen Lnrus deö Geistes, neben dem sie nicht bestehen können, ohne denwiderlichen und eklen Gegensatz des Thierischen gegen das Freie undGeistige zu bilden, der alle zügellosen Werke dieser Art ästhetisch nichtminder als sittlich ganz verwerflich macht.

Wieland's Schule machte genau die Schritte seiner eigenen Ent-wickelung nach. Seine freisittigen Schriften in den 60er und Anfangs der7Oer Jahre halfen die Erregung jenes jungen Geschlechtes hcrvorbringen,

Gerv. d. Dicht. V. Bd. 2