12 Umst. d. konvcut. Dicht, durch Verjüng, d. Naturpoesie.
italienischer Prosaisten lag von diesen so weit ab, wie Eschenburg imShakespeare von Schlegel. Heinse's prosaische Uebersctzung der italie-nischen Epiker ist nicht ohne Merkmale von seinem eifrigen Interesse anden Dichtern geblieben^). Doch aber liegt sie unendlich weit ab vonjener Anmuth, die er selbst so sehr in den Originalen zu bewundernschien. Dies kam nun daher, daß Wieland bei uns die Grazie mit einemFaun vermählt hatte, in dessen Gesellschaft sie immer mehr die Zügegrober Natur annahm; es kam daher, daß der Bund zwischen italie-nischer und deutscher Natur immer etwas Widerstrebendes in sich hat;und daher, daß die Sitte der 70er Jahre, die die niederländische Natnr-wahrheit in der Kunst, und die studentische Unmittelbarkeit nnd Zwang-losigkeit im Leben herzustellen suchte, der idealen Dichtung des Ariosiund seinem höfischen Wesen grade entgegen lag. Dies war der haupt-sächlichste Grund, daß überhaupt die südliche Poesie in jenen Jahrennoch nicht durchdringen konnte, und daß sie erst nach dem Verlauf derumwälzenden Stürme in Staat und Literatur in der Zeit der Restau-ration für ihre reineren Formen und ruhigen Charaktere Raum fand.Für jene Stimmungen paßte durchaus nur der englische und nordischeGeschmack in der Kunst; dies eben zeigt Heinse am besten. Er hatte inDüsseldorf eine entschiedene Richtung nach den Künsten empfangen,wie Winckelmann in Dresden; die dortige Gallerie weckte das Kunst-interesse indem ganzen Kreise derJacobi; alle Privatbriefc, alle Zeit-schriften und bald alle Reisebeschreibungcn wurden jetzt von Berichtenüber Bilder gefüllt, und auch Heinse lieferte dergleichen in den Merkur.Der herrschende Geschmack war im Allgemeinen für die niederländischeMalerei, bis Georg Förster in seinen rheinischen Ansichten mit der Be-stimmtheit einer ganz klassischen Geschmacksbildung dieser Gattung ihreStelle anwies, und auf die Italiener zeigte, ohne Italien gesehen zuhaben. Heinse sah Italien, und hinfort drehen sich seine Worte immerum die Kunst herum; er stellte Griechen und Italiener -fortwährend am
2) Auch I. W. Brortermann (aus Osnabrück 1771—I8Ü0), dessen Werke erstunlängst von Wedekind gesammelt sind (I8i0), beschäftigte sich mit einer llebersetzungdes Ariost. Auch Er stand mit Wieland in Beziehung, doch gestaltete sich der Tonseiner Dichtungen abweichend, zu Schiller übergehend. Sein Verhältniß zu Wielandberuht, außer auf äußerer Verbindung, wesentlich auf seiner freisinnigen, politisch-praktischen Richtung, und auf der Neigung zum Epischen; sein Wittekind, der nurFragment geblieben ist, sollte der Mittelpunkt seiner Leistungen werden; dis nordischeNatur gestaltete aber Alles historisch patriotisch, was in Wieland'S sonstigem, südlichemAnhänge romantisch blieb.