8 Umst. d. konvent. Dicht, durch Verjüng, der Naturpoesie.
der er wesentlich dem Kreise Gleim's und der Halberstädter angehört,wo zuerst der lyrische Geschmack von Horaz zu Petrarca überglitt, undwo man sich um die italienische Glätte der Versisikation bemühte. DieVorliebe sür die italienische Poesie fand in den 70er Jahren, als sich^ Deutschland weltbürgerlich um die Literatur der ganzen Welt bemühte,
! als Wieland der deutsche Ariosi zu heißen anfing, eben so wohl ihre' eigenthümliche Stätte, wie die für die Engländer. Als man die Fran-zosen und mit ihnen im Grunde auch die Lateiner abwarf, wies manin dem königsberger Kreise (Hamann und Herder) aus die orientalische^ Poesie, als den Mittelpunkt aller ursprünglichen Volksdichtung, indem göthischen auf die Engländer, in dem göttingischen auf die Grie-chen; auf die Italiener und Südländer überhaupt fielen eine Reihevon Dichtern und Literaten in dem mitteldeutschen Striche von Fran-ken, Thüringen und dem Harz. Unter diesen war Meinhard aus Er-langen, den wir schon erwähnten, der Früheste; seine Versuche überdie Werke der besten italienischen Dichter erschienen 1763. Sein Vor-gang wirkte besonders lebhaft auf Jakob Mauvillvn (aus Leipzig1743—94), jenen Kriegsmann und Literaten, der, in Ilfeld, Kasselund Braunschweig lebend, eine Zeit lang eine mehr heimliche, alsöffentliche oder laute Wirkung in unserer Schriststellcrwelt ausübte.Sein übersetzter Roland (1771) war schon ein Vorläufer sür Heinse;weit wichtiger aber waren die Briefe über den Werth einiger deutscherDichter (1771. 1 — 2), die er mit L. A. Unzer aus Wernigerodeschrieb, und die in Nachahmung Herder's und Gerstenberg's eine ganzaufrührerische Richtung nahmen. Unzer war aus einer jener harzischenFamilien, in denen, wie in Clamer Schmidt's Verwandtschaft, diePoesie zu Hause war: sein Oheim Johann August, Arzt in Altona, warDichter, und seine Gattin (geb. Ziegler) war eine bekannte und gekrönteDichterin; sein Vater dichtete und pflegte seinen Kindern des AbendsGleim's und der Karschin Sachen vorzulesen; von seinem ältern Bru-der Johann Christoph (1747 —1800) sind zwei Bände hinterlasseneSchriften, z. Th. Poesien ohne allen Werth, gedruckt. Mit beiden Brü-dern, und besonders mit Ludwig August, der frühe wegstarb, war Mau-villon bekannt. Beide Freunde hatten an den Italienern ihr Ohr ge-bildet und wandten sich eifrig weg von den ungehobelten Dichtern desalten Schlags in Deutschland; sie waren von den Franzosen so we-nig erbaut wie Lessing, aber auch wenig von den Engländern; sie woll-ten an diesen werden, was Lessing an jenen; sie fanden an Shakespeareauszusetzen, und griffen Uoung heftig an, bei dem die Religion den