Periode der Originalgenies. — Wicland's Schule.
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vor den grellen Sätzen in Heinse's Jugendschristen, nach denen die Lei-denschaften den größten Stoff zu unserer Glückseligkeit darboten, indenen Haß und Verachtung auf Alle geworfen wird, die sich der un-widerstehlichen Triebe der Jugend und Natur schämten. Wieland haßteden moralischen Zustand, der sich auf diese Weise äußerte, und nannteihn Seelenpriapismns; ihm, indem einförmigen Glücke der Häuslich-keit, ekelte vor dieser unersättlichen Ungeduld und Unruhe, die „vorGleichgültigkeit sterben wollte, wenn sie jeden Tag das Nämliche thun,reden und sehen mußte". Im Jahre 1771 reiste Heinse mit einem Haupt-manne, der ein Religionshasser, dessen Phantasie, wie Heinse sagt,ein ewiger ennnus war, der ihn zu den Ausschweifungen in seinenSchriften verführte, „in seinem Petron das Abscheulichste mit schän-derischer Hand schrieb, und stündlich an seiner Seele, wie ein Lavateroder Jakob Böhme des Priapuö, arbeitete". Dieser Umgang scheintHeinse's Charakter und Schriften völlig entschieden zu haben. Um dieszu verstehen, muß man sich des Zustandes der Officierwelt erinnern,die damals in die Parteien Klopstock's und Wieland's sich eben so wohl,wie das ganze bürgerliche Deutschland, theilte. Die NachkommenschaftKleist's im preußischen Heere wandte sich zu jenem; die französische Frei-geistern griff aber in andern Kreisen desto tiefer ein. So hat Götheangedentet, von wie schädlichem Einflüsse die Bekanntschaft mit demMilitair in Straßburg auf Lenz war; so hat die Bekanntschaft miteinem Offieier auf Schiller's Sitten in der Zeit seines Austritts ausder Karlsakademie nachtheilig gewirkt; so werden wir unten sehen, wieein Militair, Mauvillon, einen ordentlich fanatischen Kreis von Rcli-gionshassern um sich sammelte; und so haben wir zur alleinigen Gesell-schaft für Heinse in der Literatur einen Militair, den Freiherr» von derGoltz (geb. 1738), an dessen „Gedichten') in Greeourt'ö Geschmacke"(1771) eben so wohl wie an Heinse die nächsten Wirkungen von Wie-land's Schriften am leichtesten zu veranschaulichen sind, und ebenso die
1) In später» Ausgaben hießen sie Gedichte nach dem Leben, und zuletzt: Na-türlichkeiten der sinnlichen und empfindsamen Liebe. I7g8. l—4. Sie find fast im-mer dem königsberger Scheffner zugeschrieben worden, allein ganz mit Unrecht.Vergl. dessen Selbstbiographie: „Mein Leben". Leipzig 1823, p. 93, und die kurzeBiographie von v. d. Goltz iu dem dritten Bande der Natürlichkeiten. Scheffner'sLandsmann, Hoffmann, wollte herausgebracht haben, daß sie trotz alldem doch vonScheffner seien, allein wer die wirklich ihm angehörigen Gedichte vergleicht, wird es nieglauben.