4 Umst. d. konvenr. Dicht, durch Verjüng, d. Naturpoesie.
Weltlaufs zur Vorsehung, der Herrschaft des Bösen zu dem idealenHintergründe der Moralität und Tugend beschäftigte Klinger'n; dieGegensätze von Natur und Kunst, von Wirklichkeit und Ideal begegnenuns in Heinse's Schriften überall. Wie jener mit dem Glauben anSittlichkeit doch vorzugsweise aus der Schattenseite des Gemäldes vonder moralischen Menschheit ruhte, so neigte Heinse in der Kunst mitder Verehrung des antiken Ideals zu der niederländischen derben Natur-wahrheit. Dem Einen war cs gleichsam Bedürfniß, mit dem Blick aufden quälenden Partieen der Geschichte zu weilen, weil ihn Mitgefühlmit der Menschheit bewegte, den Andern isolirte seine Genußsucht undder äußerste Egoismus; jener hätte wohl gern mit militärischer Dis-ciplin Ordnung in die schlechte Welt gebracht, dieser möchte die unschöneWelt gern mit dem Hincintrageu der künstlerischen Nngebnndenheit ge-stalten. Beide unter einander hatten nur im Anfänge der GeuialitätszeitGemeinschaft und schrieben sich wunderliche Briefe (unter andern überdaS Schachspiel, das Heinse'n auch später noch schriftstellerisch beschäf-tigte), persönlich aber stießen sie sich in Rom einander ab.
Wilhelm Heinse (aus Thüringen 1749—1803) war arm undohne alle Erziehung auferwachsen. Alles schien bei ihm zusammenzu-treffen, ihn zu einem der ausschweifendsten jener Jünglinge zu bilden,die damals die Welt umzugestalten gedachten. Seine ersten literarischenAnregungen empfing er durch Hoffmannswaldau und Wieland's Schrif-ten der zweiten Periode; er ward in Erfurt mit Wieland bekannt, derihm als ein Genius gesandt schien die Menschen zu beglücken. Seinejugendlichen „Sinngedichte" (1771), die schon von Schmutz nicht freiwaren, empfahlen ihn Gleim, der ihn nicht allein unterstützte, sondernauch den schädlichen Leichtsinn hatte, ihn in allen Tollheiten zu bestär-ken, weniger als er in Halberstadt mit ihm lebte, als später, da Heinsemit Wieland zerfiel und den Einflüssen der Jacobi bei seinem Aufent-halte in Düsseldorf folgte. Wieland täuschte sich über Heinse nicht lange.Er hatte nicht die Unbekümmertheit Gleim's, dem Heinse allein gefiel;auch kam er nicht weiter in die Lage, die Duldung des persönlichen Um-gangs gegen ihn auszuüben, wie Jacobi, der mit seinem ganzen Kreiseihn ertrug, ohne Vertrauen zu ihm zu fassen. Wielandcn mishagtebald die Sitte dieses ingonium luxurisns, über die gesunde Vernunftund Untersuchung „wie über ein Paar altgesrorene Weiber" zu spötteln.Er mochte nicht im Jünglinge die „Timonie" und die gesetzlose Den-kungsart, die unruhige Wachsucht und das tobende Blut; und wie sehrer die sinnlichen Empfindungen in Schutz nahm, so entsetzte er sich doch