378
Donau ausgeführt und zwischen Aspern und Esslingen eine vortreffliche Stellunggenommen, die in der österreichischen Relation mit folgenden Worten geschildertwird: „Diese beiden Dörfer, grösstentheils aus massiv erbauten Häusern bestehendund ringsum mit Erdaufwürfen umgeben, glichen zwei Bastionen, zwischen welcheneine doppelte Linie von natürlichen Laufgräben zum Abzüge des Wassers bestimmt,und dem Debouchiren der Colonnen aus der Lobau die möglichste Sicherheitgewährte. Esslingen war mit einem crenelirten Speicher, der in drei StockwerkenRaum für einige hundert Mann gewährte, und Aspern mit einem festen Kirchhofversehen. Letzterer ist in seiner Eianke an einen Arm der Donau gelehnt. BeideDörfer hatten eine sichere Verbindung mit den bewachsenen Auen, aus welchender Feind stets neue Verstärkungen ungesehen dahin abschicken konnte. Die InselLobau diente zum Waffenplatzc und zum Tete de pont für die rückwärtige Brückeüber den Hauptstrom.“ Eine Recognoscirung, welche der Erzherzog am Morgendes 20. gegen die Insel Lobau unternahm, überzeugte ihn, dass vielleicht schon derfolgende Tag ein entscheidender werden könne. Mit dem kühnen Entschlüsse, denÜbergang des Feindes nicht zu verhindern, sondern die feindlichen Massen erst imAugenblicke ihrer Entwickelung anzug-reifen, liess der Erzherzog die Armee amMorgen des 21. (dem ersten Pfingsttage) in die Schlachtordnung stellen, und mitdem ersten Schlage der Mittagsglocke zum Angriff vorrücken. Die zweitägige Schlachtvon Aspern begann. Ihr Ausgang brach den Zauber, der den Sieg bisher andie französischen Adler gefesselt hatte.
Der österreichische Feldherr wurde vielfältig mehr oder minder heftig darübergetadelt, dass er den Sieg am letzten Schlachtentag nicht bis zur Vernichtungdes Feindes verfolgt, und ihn später zu einer offensiven Operation auf dasrechte Donau-Ufer benützt habe. Dem ersten dieser beiden Tadel kann man eineVermuthung und eine Tkatsache entgegenstellen. Die Vermuthungnämlich: dass der Erzherzog nicht (wie selbstgefällig angenommen wurde) demFeinde goldene Brücken bauen, sondern den ohnehin ungemein bedeutendenVerlust nicht um neue Tausende vermehren wollte, die gegen einen um seineRettung mit Verzweiflung kämpfenden Feind gefallen wären. Darum mag erer auch die Grenadiere abgewisen haben, die sich gegen Ende der Schlacht zueinem neuen Sturme auf Esslingen freiwillig anboten. Die Thatsache, welcheden erwähnten Tadel entkräftet, ist: dass den durch die ungeheuren Anstren-gungen des Tages erschöpften Erzherzog gerade im entscheidendsten Augen-blicke ein heftiger Anfall seines Nervenleidens überkam, welches ihn zur Lei-tung der ferneren Bewegungen unfähig machte. Der zweite Tadel findet seinegründliche Widerlegung in der anonymen Flugschrift: „Warum benutzten dieÖsterreicher den Sieg von Aspern nicht zu einer offensiven Operation auf dasrechte Donau-Ufer?“ als deren Verfasser man den General Wimpffon, den Chefseines General-Stabes, nennt.