Druckschrift 
Dogmatische Abhandlung über das Gebet
Entstehung
Seite
20
Einzelbild herunterladen
 

sein würde das sind ja die sieben Erweisungen,worum wir nach Anweisung unsers Herrn den himm-lischen Vater bitten sollen, und man kann wahrlichin den vier elfteren die Mittel, zu unserer höchstenBestimmung zu gelangen, in der fünften die Ver-zeihung dessen, und in den beiden letzteren die Ab-wendung dessen, was uns von unserm höchsten Zieleabführcn würde, nicht verkennen.

Nach der bereits vorgclegten Beschaffenheit derGüter, um die der Christ bitten soll, bestimmt sichnun auch leicht c) das Verlangen, womit er dieseGüter erflehen soll. Dieses Verlangen soll nämlichinbrünstig, wirksam und bleibend sein. Dies leuchtetein, wenn wir bedenken, daß das Verlangen nachden von Christus uns angewiesenen Gütern docheigentlich nur aus dem Verlangen nach der ewigenSeligkeit, d. h. aus dem Verlangen nach der Er-kenntniß Gottes, wie Er ist, und nach der Liebedes so erkannten Gottes, also nach der innigstenVereinigung mit Gott durch Liebe, entspringen undeinzig hierauf sich gründen kann. Das Verlangennach einer solchen Vereinigung mit Gott setzt aberdie Liebe des Begehrens zu Gott voraus, und nimmtvon dieser Liebe, als seiner innern Triebfeder, seinenCharakter und seine Wirksamkeit an. Unser Verlan-gen nach jenen Gütern darf also nicht weniger in-brünstig, wirksam und bleibend sein, als unsererLiebe des Begehrens zu Gott diese Beschaffenheitenim Sinne und Geiste Christi angeeignet sein müssen.