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zu behaupten. Es ist Großmuth, die Wahrheit hören, undertragen zu können. Es ist Großmuth, wenn man zu stolzist, um schlecht zu handeln. ES ist Großmuth, seinem Ne-bcnmcnschcn mit vieler Selbstverleugnung dauerhafte Vor-theile zu verschaffen. Es ist Großmuth, gegen seine Wohl-thäter dankbarer zu seyn, als sie mit Recht erwarten. Esist Großmuth, Aeltern, Geschwistern, Gatten, mehr Pflich-ten zu erweisen', größere.Opfer darzubringen, als sie vonunS fordern.
Der Haß ist nicht eigentlich eine ursprüngliche , son-dern eine abgeleitete Leidenschaft — gleichsam das Zu-rükprallen einer heftigen Bewegung, die in ihrer Richtungeinen Widerstand findet. Der sinnliche Eindruk des unan-genehmen Gegenstandes ist es, welcher den Haß hervor-bringt; die Einbildungskraft ist es, welche ihn vergrößert:diese Quellen hat der Haß mit der Liebe gemein. Aber sobaldVerstand und Herz sich mir hineinmischen : so findet die er-ste Leidenschaft Nahrung, die andere Widerstand.
Es kann nicht gefordert werden , daß derjenige Hochach-tung bey uns crwekc, der sich gegen uns als einen unge-rechten bösen Menschen bewiesen hat. Es kann nicht ge-fordert werden, daß wir an den Personen eine Freude ha-ben sollen, welche alles thun, um uns Mißvergnügen zumache». Und diese beyden Stüke. Hochachtung gegen ei-nen Menschen, und Freude an ihm, machen dasjenigeaus, waS Liebe im engsten Verstände heißt. Eben so
wenig kann es eine Pflicht seyn, jede Beleidigung zu er-tragen, ohne Vorkehrungen dagegen zu machen; und die-se Vorkehrungen sind oft nicht möglich, ohne demjenigenhinwiederum Schaden oder Wehe zu thun, welcher unserGlük zu frören sucht,