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der menschlichen Natur! Die schaudcrvollstcn Beyspiele,wie ganze Familien auf einmal das bejammernswürdigsteOpfer einer solchen Raserey werden können, finden wir inden Berichten der Missionarien.
Man erinnere sich, was Tacitus von den Deutschensagt: „Jede Person ist verbunden, Beleidigungen, die manihren Freunden oder Anverwandten zugefügt, zu rächen.Ihre Feindschaften sind erblich, aber nicht unversöhnlich."Doch, warum wollen wir in dem entfernten Hcidenthum,wo noch Aberglauben den menschlichen Verstand mit Dun-kelheit umhüllte, Beyspiele von diesem schrcklichcn Auswuchsder Menschlichkeit aufsuchen? Liefert uns nicht das christ-liche Zeitalter dergleichen in unzahlicher Menge, welche ver-muthen lassen, daß Rachbegicrde tief in unsrer verderbtenNatur liegen müsse, weil die, durch das Christenthum gc-reinigtcrc Sittenlchre, welche aus den erhabensten Gründen,die Vergebung der Beleidigungen verlanget, solche noch nichtaus unserm Herzen hat vertilgen können. Ich bleibe hiereinzig bey der Art von Nachgicr stehen, welche sich meisten-thcils durch die Duelle offenbaret. Diese Sucht hatte imvorigen Jahrhundert und noch in den ersten Dcccnnicn dcSjczigcn einen solchen Grad erreicht, daß sogar Damen ausRache sich wegen ihrer Liebhaber auf Pistolen schlugen, undEnkel noch wegen Aänkcrcyen zwischen ihren Groß-Aeltern Ge-nugthuung verlangten. Man spricht noch in Frankreich voneinem berühmten Duell zwischen 6uils und lmcs, der dar-in umkam. Seine Mutter wußte den einzigen Sohn, dener hinterließ, wahrend seiner ganzen Kindheit so anzureizen,und zu einem so unversöhnlichen Haß zu stimmen, daß ersich endlich im achtzehnten Jahre mit 6uils schlagen muß-te, wobey er aber auch daö Leben verlor. Freylich warendiese Duelle wild und grausam, aber, man muß doch auch