nen andern Zwek als die Rache hat, welche doch an sichnichts als Niederträchtigkeit ist. Großmuth kann stärker alsRache, Beleidigung bestrafen. Wer die Vernunft zu Ratheziehet, läuft nicht Gefahr, sich von dem Wege, der zurwahren Ehre führet, zu entfernen. Ist er beleidiget, sowird man vergebens seine Hand mit einem Dolche waffnen,damit er das ihm zugefügte Unrecht im Blute abwasche;der heiligen Pflichten, welche ihm die Religion aufleget,nicht zu gedenken, so weiß er, daß die Rachsucht nur einAntheil kleiner Seelen ist, und daß ihn seine Feinde, so sehrsie ihn auch beleidigen, nicht so tief erniedrigen können, daßer sich nicht über sie durch eine großmüthige Verzeihung er-heben sollte,
Rache gründet sich auf Einbildung, sie sezt gekränkteRechte oder Ehre voraus — der Wahn, als konnte mandas Geschehene ungeschehen machen, dies schnelle dunkleGefühl, tingirr mit aufloderndem Haß gegen den Beleidiger,bringt sie in Bewegung. Beyde also, Ehre und Rache,grciffen eng in einander, und verlieren sich in den erstenKrafttiefcn der menschlichen Natur. Aber vieles hicbey mo-dificirt Convcnicnz, Volkösittc, mehr oder weniger Aufklä-rung oder Fortschreitung in der Cultur. Achill fand sichgekrankt, daß ihm Agamemnon die schone Bryseis weg-führen ließ. Er rächte sich bitter, und dieser zu stark ge-rächte Achill ist das Centrum der göttlichen Jliade. Mankennt die Blutrache der Araber. Die Nachgicr der Ameri-kaner ist ausschweifend. In Indien gibt es eine Räuber-kaste, wo der beleidigte Theil oft sein eigenes Weib, sein Kind,oder was ihm zu Handen kommt, erwürgt, um nur dadurchden andern aufzufordern, ein Gleiches an seinem Weib undseinen Kindern zu thun. Dieß geschieht dann auch. Sowills das Gesez der Genugthuung — Ungeheure Verirrung