Druckschrift 
Ueber das alte Ritterwesen, das falsche Point d'honneur, die wahre Herzhaftigkeit in Rüksicht [Rücksicht] auf die Duelle und die Nothwendigkeit einer guten Erziehung : Mit einigen kriegswiss. Bemerkungen ...
Entstehung
Seite
332
Einzelbild herunterladen
 

Man kann auch nicht allezeit, ja man kann nur seltenmit Juverlaßigkeit die künftige Lebensart des Knaben bc-stimmen. Man muß also schon bey der allgemeinen Er,ziehung, die jedem Weltbürger nüzlich ist, stehen bleibenund eigentlich nur von derjenigen Erziehung sprechen, woes entschieden werden kann, daß der junge Mensch für denKricgsstand bestimmt sey. In diesem Fall ist es natür-lich, daß in Erziehung und Unterricht, alles durchgängigauf die künftige Lebensart abzwckcn und alles, was der-selben zuwider und unnüz ist, sorgfältig entfernt und ver-mieden werden muß.

In jedcni Fall aber erfordert die Klugheit, daß man,ehe man einen jungen Menschen zu einer Lebensart bestimmt,erst zu erforschen suche, ob er einst Gcschik genug habe»wird, seine Bestimmung zu erfüllen. Dieses Studium wäreauch so gar schwer nicht, zumal in der ersten Jugend, wodie geringste Kleinigkeit unsern Hang verrath. Hannibalhatte schon in seinem neunten Jahre dem römischen Volkeden Krieg erklärt: Lato zeigte in seiner Kindheit eben dieStandhaftigkeit, die er als Censor bewies; und Achill wirdbeym Anblik eines Schwerts seine Freude schwerlich ver-heelen.

Man weiß, daß Turenne in seinem Knaben»Alter einstauf einer Batterie des Schlosses Sedan übernachtete, undauf einer Lavcttc schlief, blos, um zu zeigen, daß er zuden Beschwerlichkeiten des Kriegs geschikt sey. WaS würdeaus einer so weisen Vorsicht entstehen? Man würde einegrößere Anzahl guter Officiere, mehr Frömmigkeit im Hcl«ligthum, mehr Wachsamkeit und Billigkeit in Gerichtshöfe»wahrnehmen.

Jedermann wird eingestehen, daß kein Handwerk schwe-rer, rauher, mühsamer sey, und daß keines mehr Elge»

!

!

i

l

!