Druckschrift 
Ueber das alte Ritterwesen, das falsche Point d'honneur, die wahre Herzhaftigkeit in Rüksicht [Rücksicht] auf die Duelle und die Nothwendigkeit einer guten Erziehung : Mit einigen kriegswiss. Bemerkungen ...
Entstehung
Seite
182
Einzelbild herunterladen
 

x-

i8r

hatte eS in seiner Stadt dahin gebracht, dasi jeder den Todeinem schimpflichen Leben verzog, und das Lebe» wardschimpflich, wenn man gegen die Feinde nicht daS'Aeußersicgethan hatte. Die pöbelhafteste Gesinnung kvnnrc die >Schande, die Erniedrigung und die beständigen Vorwürfe -nicht ertragen. Ein Feiger ward von der ganzen Welt ver-lassen, in Gesellschaft würdigte ihn keiner, mit ihm zu re-den. in den Ucbungsplazen war er bey öffentlicher Zusam- -mcnkunft allein, man floh vor einem solchen Menschen. s

*) Darf ich es sagen? Doch ich muß es sagen. Der ehr- swürdig Herzhafte wird mit mir einstimmen und um den,der sich getroffen fühlt, bekümmere ich mich nicht.Wärenwir alle, allenthalben Spartanisch gesinnt, regierten unsaller Orten Spartanische oder Römische Kricgsgescze, die einesolche öffentliche Abwürdigung und laute Verachtung erlaub-te: O wie oft würde mancher allein bleiben, und hinwie-derum andere sich dieser oder jener Gesellschaft cntschlagen §müssen! Heut zu Tag verfolgt die Unehre und die offen!- sliche Verachtung nicht immer, auch nicht auf jeden Posten, jden Feigen. Es ist ihm vergönnt in Abwesenheit der Gc- >fahr bisweilen noch lauter zu seyn, als es die wahre Herz- >haftigkeit ist. Poltroncrie und Feigheit ist oft am sinn- ?reichsten, besonders in Friedenszciten, sich unter einem fnl- fschen Scheine von Herzhastigkeit zu verstckcn, und im Krie- sge Mittel zu erfinden, da ohne Gefahr zn entkommen, wo sder Herzhafte gar keinen andern Ausgang, keinen Weg als sdurch den Feind sieht.

Ich kann mich nicht enthalten, hier einer sonderbarenStrafe Erwähnung zu thun, zu welcher ein gewisser Haupt-mann Frangir, Statthalter von Fontarabien Anno»525 verurtheilt wurde, weil er diesen Plaz den Spaniern -übergeben hatte. Nachdem er seines Adels entsczt worden,wapnete man ihn von Kopf bis zu Füßen, und brachte ihnauf ein Gerüste, auf welchem zwölf Priester saßen. Nachdemman ihm sein Urtheil vorgelesen hatte, das ihn für eine»