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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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Am Feierabende des 30. Dezember.

gefallen lassen, d. h. wir müssen uns selbstverläugnen, unsereEigenliebe und unsere bösen Neigungen unterdrücken. Dicßlehrte auch der göttliche Heiland selbst einer HochbegnadigtenSeele, der heiligen Katharina von Genua, in einergeheimen Unterredung (sieh das obige Bild!), indem er zuihr sprach: Wer sich selbst verläugnet, wer seinen eignenWillen untervrückt und dem meinigen unterwirft, Der wirdvollkommen werden. Daher soll man erstens niemals vondir hören: Ich will oder will nicht; zweitens sage niemalsmein, sondern unser; drittens entschuldige dich in keinemStücke, sondern sei stets bereit, selber dich anzuklagen."Diesen Vorschriften gehorchte die heilige Katharina aus'sGenaueste, wie aus ihrer ganzen Lebensgeschichte hervorgeht.Deßwegen gefiel sie aber auch ihrem göttlichen Lehrmeisterso wohl, daß er sie mit ganz besonder» Gnaden bereicherteund sie zur Höhe der christlichen Vollkommenheit geleitete.

Fr. Wie heißt das vierte Mittel zur Erlangungder christlichen Vollkommenheit?

Antw. Geduldige Ertragung der Leiden und Wider-wärtigkeiten dieses Lebens.

Belehrung und Beispiele. Wen» wir vollkommensein wollen, so müssen wir auch die Leiden und Trübsaledes Lebens geduldig und gottergeben ans der HandGottes aunehmen und ertragen, bedenkend, daß Gott Denzüchtigt, den er lieb hat. (Hebr. 12, 6.), und Den demüthiget,den er erhöhen will. (Spr. 18, 12.) In der Ueberzeugnngalso, daß die Trübsal von Gott komme, sollen wir sie Gottdem Herrn aufopfern und ihn um Gnade bitten, einen gutenGebrauch davon zu machen. Diese Uebcrzeugung trug dieheilige Theresia in sich; daher sagte sie oft:Trübsale

und Widerwärtigkeiten sind Geschenke unscrs himm-lischen Vaters." Sie wollte lieber sterben, als nichtleiden; daher rief sie voll Begeisterung aus:Laßt uns dasKreuz umarmen und die Trübsal verlangen! Wehe uns andem Tage, wo es uns an Kreuz und Leiden fehlen wird!Leiden ist zwar der beschwerlichste, aber der sicherste Weg zuGott; darum soll das Kreuz unser Trost und unsere Freudesein! Komme, was immer; je mehr Trübsal, desto mehrGewinn!" In gleich frommer Gesinnung ertrug auch dietugendreiche Mutter Christin« vom heiligen Josephaus dem Orden der Ursulinerinen die Widerwärtigkeiten undTrübsale dieses Lebens; daher pflegte sie bei eignen oderfremden Leiden zu sagen:Es ist ja eine große Ehre füruns, mit dem lieben Heiland an's Kreuz angenagelt zu sein."Ueberdicß sollen wir gar wohl bedenken, daß uns Gott oftLeiden schickt, um uns dadurch Gelegenheit zu geben, unsereSünden abzubüsscn; daher sollen wir mit jener frommengottergebenen Gesinnung leiden und dulden, wie die heiligeEdeltrud. Diese bekam am Ende ihres heiligen Lebenseine sehr schmerzhafte Geschwulst am Halse. Dieses Nebelaber ertrug sie mit Freuden und pflegte zu sagen:Ichleide Verdientermassen; denn in meiner Jugend liebte ich cs,meinen Hals mit Schmuck zu behängen. Statt Gold undEdelsteinen hängt mir nun Gott eine Geschwulst und Ent-zündung an den Hals. Ich sage seiner Güte hicfür Lobund Dank." Wohl uns, m. chr. Leser! wenn auch wir inso frommer Absicht und mit so christlicher Geduld die Leidenund Trübsale dieses Lebens aus Gottes Hand annehmen!Dadurch werden wir gewiß zur christlichen Vollkommenheitgelangen ebenso, wie der heilige Bischof Anysius, dessenAndenken wir heute feiern, und der sich ebenso sehr durchSelbstverläugnung, als durch Geduld im Leiden auszeichnctc.

Legende: Der heilige Anysius, Bischof zuThessalonich (i im 5. Jahrhdt.).

Dieser Heilige wurde von der Geistlichkeit und demVolke einstimmig zum Bischöfe von Thessalonich inMacedonien erwählt, und als sie dieß dem heiligenAmbrosius berichteten, wünschte ihnen dieser Glück,daß sie eine so herrliche Wahl getroffen, und ertheiltedem neuen Oberhirten glänzende Lobsprüche. Any-sius stand der Kirche von Thessalonich sehr lange vorund entfaltete in seiner Amtsführung einen Eifer undeine Wachsamkeit, ganz würdig eines Nachfolgers derApostel. Er blieb in der damaligen Verwirrung stetsunerschütterlich fest im Glauben und duldete mit Ruheund Ergebung in Gottes heiligen Willen all die Leidenund Widerwärtigkeiten, die ihm die Feinde der Kirche

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