Druckschrift 
Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
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Zweites Hanptstück.

wie wie zu Zoll reden sotten,

oder

die Lehre vom Gebete.

Achtundachtzigstes Lesestück.

Am Feierabende des 29. März.

Bedeutung und Eintheiluug des Gebetes.

Fr. Was wurde im ersten Hauptstücke unsers christ-katholischen Haus- und Familienbuches behandelt?

Antw. Die wichtige Frage:Wie Gott zu unsgeredet hat"; es wurde gezeigt, wie liebevoll sich unsGott geoffeubart habe, und wie Alles dieß kurz im apo-stolischen Glaubensbekenntnisse enthalten sei.

Fr. Wovon handelt nun das zweite Hanptstück?

Antw. Es handelt vom Gebete; es wird da diewichtige Frage ausführlich beantwortet:Wie wir zuGott reden sollen."

Fr. Können wir denn zu Gott reden?

Antw. Freilich; wir können kindlich und vertrauens-voll zu Gott reden im Gebete; denn das Gebet ist eineErhebung des Gemüthes zu Gott oder, was dasselbe ist,eineUnterrednng mitGott. (Sieh das große Bild!)

Belehrung. Ja, das Gebet ist eine Erhebungdes Gemüthes zu Gott. Daher sagt der heiligeAugu-stin:Was ist das Gebet Anderes, als ein Aufsteigen derSeele vom Irdischen zum Himmlischen, ein Aufsuchen dessen,was oben ist?" Das Gebet ist eine Unterredung mitGott; denn beten heißt nichts Anderes, als mit Gott reden.»Es ist ein vertraulicher Umgang, eine Vereinigung des Men-schen mitGott," sagt der heilige Johannes Climakus. Betenkönnen nur die edelsten Wesen, die Engel und Menschen.Sonne, Mond und Sterne, die Thiere der Erde und alleandern Wesen sind zwar auch Geschöpfe Gottes und zu sei-ner Verherrlichung erschaffen; aber beten können sie nicht.Welch ein tröstlicher Gedanke: Wir können zu Gottreden! Wir können mit ihm sprechen im frommen, kindlichen

Gebete! Seitdem die erste Sünde begangen wurde, und dasParadies geschlossen ist, haben wir kein anderes Mittel mehr,mit Gott in Verkehr zu treten und seine liebliche Stimmezu vernehmen, als nur das Gebet.

Beispiel und Anwendung. Der heilige Franz vonSales, Bischof zu Genf, erklärte einst den Kindern dieFreuden der ersten Eltern im Paradiese.Eine ihrer süßestenFreuden," sprach er,war die, daß Adam und Eva mitdem lieben Gott selbst umgehen, und mit ihm wie mit einemliebevollen Vater reden durften." Da rief nun ein Knabeaus:Ach! wie Schade, daß es jetzt nicht mehr so ist! Wiegerne möchte ich mit Gott selbst reden, und wie schön wärees, mit ihm umgehen zu können!" Der heilige Bischof warhierüber sehr erfreut, lächelte über diesen wehmüthigen Aus-ruf des Knaben und sprach:Sei getrost, mein Kind! wennuns auch das Paradies durch die erste Sünde verloren ging,den lieben Gott selbst haben wir doch nicht verloren; überallist er uns nahe, und zu jeder Stunde und an jedem Ortekönnen wir mit ihm reden nämlich im Gebete. Im Ge-bete können wir mit Gott Umgang pflegen, wie Kinder mitihrem liebevollen Vater!" Freue dich also, mein Christ!Im Gebete haben wir ein Mittel, mit Gott zu reden und zuverkehren und bei ihm Trost und Freude, Ruhe und Besclig-ung zu finden!

Fr. Warum reden wir denn im Gebete zu Gott?

Antw. Um ihn entweder zu loben oder ihm zudanken oder ihn um eine Gnade zu bitten; dahergibt es ein Lob-, Dank- und Bittgebet.

Belehrung. Wir reden im Gebete zu Gott, um ihn1) zu loben. Gott loben aber heißt, an Gott sich erfreuenwegen seiner unendlichen Vollkommenheit und ihn dcßhalbpreisen und anbeten. Es ist unsere heiligste Pflicht, Gottden Herrn zu loben; denn dazu sind wir erschaffen, und einstim Himmel wird es unser ewiges Geschäft sein; dort werdenwir in jenes:Heilig, heilig, heilig!" einstimmen, durch wel-ches die himmlischen Chöre Gott den Herrn ewig loben undpreisen. (Offenb. 4.) Wie wir Gott loben müssen wegen