Einleitung.
Erstes Lesestnck.
Am Feierabende des 1. Januar.
Vom Ziel und Ende oder von der Bestimmung des Menschen.
Frage. Wozu sind wir auf Erden?
Antwort. Wir sind auf Erden, um Gott zu er-kennen, ihn zu lieben, ihm zu dienen, und dadurch inden Himmel zu kommen.
Belehrung. Die Menschen Plagen sich soviel auf Erden;vom frühen Morgen bis zum späten Abend sind sie vollaufbeschäftigt; sie rennen und laufen, sie spinnen und nähen,sie kochen und waschen, sie schmieden und hobeln — und garViele.meinen, dieß sei ihre Bestimmung auf Erden. O nein,Mensch! du hast eine viel edlere Bestimmung; du bist aufErden, um Gott zu erkennen, d. h. um zu erkennen,daß ein Gott ist, der Himmel und Erde und Alles, was daist, erschaffen hat, erhält und rcgirt, und der das unendlichvollkommenste Gut ist. Du bist auf Erden, um Gott zulieben, weil er die ewige Liebe, und ihm zu dienen, weiler dein Herr und Gott ist, damit du auf solche Weise inden Himmel kommest, den Ort ewiger, vollkommenerGlückseligkeit. Ja, für den Himmel bist du erschaffen, oMensch! nicht für diese Erde. Alles in und an dir weiset
dich zum Himmel hin, (ebenso wie jener Engel im Bilde dort.)Daher hat dich Gott mit so vortrefflichen geistigen An-lagen und Fähigkeiten ausgestattet; daher hat er direine so erhabene, aufrechte Stellung gegeben. „Alleerschaffenen Wesen, die ohne Verstand und Willen sind," schreibtder heilige Gregor von Nazianz, „haben die Augen zurErde gewendet; sie sind für die Erde geschaffen; dem Men-schen aber hat Gott eine erhabene Stirne gegeben, damit er seinAuge zum Himmel erhebe. O Mensch! du bist berufen, einstGott anzuschauen und anzubeten, und nicht deine Seele herab-zuwürdigen zu irdischen Begierden; ein himmlisches Leben solldein Antheil sein, und nicht die gemeinen Genüsse der Thiere."
. Beispiel und Anwendung. Ein hochgestellter undangesehener Mann ans der alten Zeit stellte einst eine Be-trachtung vom Ziel und Ende des Menschen an; und nach-dem er die Sache ernstlich überlegt und recht begriffen hatte,erhob er die Augen und die Hände gen Himmel und riefaus: „Ich danke dir, o Gott! daß du mir heute die Augengeöffnet hast! Zu Hause hat man mir immer gesagt, daß ich zurVerherrlichung meiner Familie, zum Dienst des Vaterlandesbestimmt sei. Als ich Lust zeigte zum geistlichen Stande, dasagte man mir: ich sei geboren, Bischof oder Cardinal zuwerden. Als ich später den Kriegsdienst vorzog, sagte manmir: ich sei geboren, General zu werden. Meine Reichthümerund meine sinnliche Natur sagten mir: ich sei geboren, die