AUWW V a» ^I-V. 81 -/U 1 I. inv: Ä rius W^WüÜL KHtzKpMW C h r i st k a t h o l i s ch e s ans- und Familienbuch in Wort und ZM, oder die katholische Lehre und Legende. In kurzen TrseMckm Kr ülle Mmlimdr des gllNjm Zlltires, einfach und leichtfaßlich dargestellt und durch 734 Bilder veranschaulicht zunächst für den Bürger und Landmann, dann aber auch für Katecheten und Religionslehrer, von Ludwig Achter, Canonicus am Collegiatstifte zu St. Johann in NegenSburg. Zweite Auflage. Mil einem ÜlaWiche. -HiH-- Uegensburg, 1862 . Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. Christkatholisches Mort null Iilcl, katholische Lehre und Legende Ludwig Mehl'cr, Zweite Auflage. Mit einem Stahlstiche and 734 anschaulichrii Mimm. Negcnsliurg, 1862. Truck und Bcrlag uou Georg Joseph Mauz. ML Vorrede. bereits habe ich zwei katcchctische Werke: „Beispiele zur gesa minien christkatholischen Lehre" und „Ka technisches Handbuch" der Oefsentlichkeit übergeben, die unter Gottes Gnade und Segen eine sehr freundliche Aufnahme und weite Verbreitung gefunden haben. Zwar war es ursprünglich meine Absicht, in den bezeichnten Werken auch zugleich dem christlichen Volke ein Lesebuch an die Hand zu geben; allein da ich hiebei doch vorzugsweise die Bedürfnisse der Prediger und Katecheten im Auge haben mußte, so wurden diese Werke theils zu umfangsreich, theils zu kostspielig, als daß sie unter dem christlichen Volke eine weite Verbreitung finden konnten. Seit geraumer Zeit beschäftigte mich daher der Gedanke, ein Hans-und Familienbuch für den Bürger und Landmann zu bearbeiten, das die gesammte christliche Lehre in Verbindung mit der Legende, dargestellt in einfacher Sprache und in anziehenden Bildern, behandeln sollte, und in welchem vorzugsweise den Bedürfnissen des christlichen Volkes Rechnung getragen würde. Es gedieh dieser Entschluß in mir um so mehr zur Reife, als mir ein derartiges Werk nicht bekannt ist, welches die ganze christliche Lehre mit der Legende verbindet — und zwar in der hier ausgeführten Weise. Somit übergebe ich das dritte katechetische Werk der Oefsentlichkeit und weihe dasselbe in Liebe dem christlichen Volke; hoffe aber, daß es auch der Katechet und Religionslehrer nicht ohne Nutzen gebrauchen wird. Dießmal habe ich mich weder ausschließlich an Kanisius', noch an Deharbe's Katechismus gehalten, obschon ich bei den einzelnen Fragen und Antworten mich öfter ihrer Worte bediente; vielmehr habe ich mir eine eigene Eintheilung gebildet, in welcher vor Allem Gott dem Herrn die Ehre gegeben werden soll. Nach dieser Eintheilung nun zerfällt die ganze katholische Lehre in vier Hauptstücke; das erste beantwortet die Frage: Wie hat Gott zu uns geredet? (Offenbarung und Glaube.); das zweite behandelt die Frage: Wie sollen wir zu Gott reden? (Gebet.) das dritte „ „ „ Was hat Gott zu unserer Heiligung und Beseligung gethan, undwas thut er noch immer? (Gnade, Gnadenmittel.); das vierte „ „ „ Was müssen wir thun? (Beobachtung der Gebote.) Ob diese Eintheilung vor der Kanist'schen und Deharbe'schen einen Vorzug verdiene, weiß ich nicht; aber daß sie natürlich und sehr leicht zu merken sei, dürfte wohl auf den ersten Blick einleuchten. Gerne gestehe ich auch ein, daß ich bei dieser Arbeit gar viele von den beßten und besseren katechetlschen und homiletischen Werken, aus früherer und neuerer Zeit benützt habe, und wenn ich dieselben nicht, wie in meinen früheren Werken, gewissenhaft citire, so geschieht dieß einzig und allein nur deßhalb, weil ich glaube, daß dergleichen Citationen in einem Volksbuche ebenso störend, als nutzlos seien. Ich hoffe, daß mir die Herren Verfasser der betreffenden Werke diese Freiheit gerne verzeihen werden, um so mehr, als ich bei Benützung fremden Eigenthums immer mit der gehörigen Schonung zu Werke gegangen bin, während ich die Erfahrung machen konnte und mußte, daß aus meinen Werken oft ganze Auszüge abgedruckt wurde«, ohne daß von denselben auch nur Erwähnung geschah. Ich danke Gott, wenn hiedurch nur genützt wird. — Noch bemerke ich, daß insbesonders meine beiden katechetischen Werke die Grundlage zu dem vorliegenden Haus- und Familienbuch bildeten. Alles aber, was ich hier und sonst geschrieben habe, unterwerfe ich unbedingt und ohne Vorbehalt dem Urtheile der heiligen und unfehlbaren katholischen Kirche, und freue mich vom ganzen Herzen, wenn ich dadurch zur Verherrlichung derselben und zum Heile der Gläubigen auch nur etwas Weniges beigetragen habe. Regens bürg am Feste des heiligen Thomas von Aquin 1857. Ludwig AtelM. An den christlichen Leser. Einst zog ein Mann durch die Straßen einer großen Stadt (also erzählt ein Prediger der Neuzeit, mit Namen Venedien) und rief aus: „Wer kauft Leben? Wer wünscht ein glückliches und zufriedenes Leben?" Alle, die es hörten, strömten herbei und wollten den Lebensbalsani sehen und kaufen. Da zog der Mann ein kleines Buch aus der Tasche — es war die Sammlung heiliger Lieder, die wir unter dem Namen Psalmen kennen — schlug es auf und las den Kauflustigen vor: „Wer ist der Mann, der Lust am Leben hat und gerne gute Tage sicht?" — Alles lauschte ungeduldig auf die Antwort. — Nun fuhr er fort: „Bewahre vor Bösem deine Zunge und deine Lippen, daß sie nicht Trug reden; weiche ab vom Bösen und thue das Gute! — Glückselig ist der Mann, der mit dem Worte seines Mundes nicht fehlt, und den kein Leid über eine Sünde quält! Glücklich Der, dessen Herz nicht in Trauer über eine Sünde ist, und der seine Hoffnung nicht verloren hat!" — Siehe da, mein christlicher Leser, das Mittel, wodurch wir uns ein glückliches und zufriedenes Leben bereiten können! Die Freude, daS Glück, welches die Welt uns anpreist und bietet, kann nicht Jeder genießen, weil es größtentheils von Umständen abhängt, die nicht in unserer Gewalt liegen, und die wir in vielen Fällen selbst durch die angestrengtesten Bemühungen nicht herbeiführen können. Indessen recht thun, nach dem Willen des Herrn sein Thun und Lassen ein richten, das vermag ein Jeder von uns, und demgemäß hat es also auch ein Jeder, sei er reich oder arm, jung oder alt, in seiner Gewalt, die Freuden und den Frieden zu genießen, der aus einem guten Gewissen entspringt. Darum lasse es deine ernstliche Sorge sein, durch Rechtthun, durch ein Leben nach dem Gesetze des Herrn in den Besitz eines guten Gewissens zu gelangen! Der tugendhafte, rechtschaffene, gottesfürchtige Mensch ist immer auch der glücklichste Mensch, selbst dann, wenn ihm Alles abgehen sollte, was die Welt Glück zu nennen Pflegt; er ist der glücklichste Mensch im Leben, und ist es auch im Tode. — Und siehe, hiezu möchte ich beitragen, mein lieber Leser! Ich möchte dir die beseligende Lehre des Christenthums recht klar, recht lieb und werth machen durch Wort und Bild, damit du sie lieb gewinnest, darnach dein Leben einrichtest und glücklich seiest für Zeit und Ewigkeit. Siehe nur, wie leicht, wie angenehm ich es dir zu machen bemüht war! Die ganze, weltumfassende Lehre des Christenthums habe ich in kurze Lesestücke oder Lektionen für alleTage des Jahres abgetheilt; gar leicht läßt sich ein solches Lesestück in einer guten Viertelstunde mit Muße durchlescn; und ist das viel verlangt, wenn du alle Tage — am Feierabende —, nachdem du vielleicht den ganzen Tag nur in zerstreuenden Geschäften, Arbeiten und Sorgen für deinen Lebensunterhalt und deine zeitliche Wohlfahrt zugebracht hast, einige wenige Augenblicke auf die gründlichere Erkenntniß deiner Religionslehre, sowie auf die Ausbildung und Veredlung deines Herzens verwendest? Gewiß nicht! — Damit du nun den jedes Mal behandelten Gegenstand leichter übersehen und auffassen kannst, habe ich ihn in Fragen und Antworten zerlegt, die einzelnen Antworten alsdann durch Belehrungen näher erklärt und durch beigefügte Bilder und anziehende Beispiele oder Erzählungen aus der heiligen Schrift, aus der Legende und dem Leben veranschaulicht. Am Ende habe ich auch noch unter der Aufschrift: Legende die Lebensgeschichte eines am bezeichnet»! Monatstage im Martyrologium anfgeführten Heiligen in Kürze erzählt und mit der behandelten Lehre in Verbindung gebracht; denn ich weiß nur zu gut, wie heilsam und nützlich es sei, die Lebensgeschichten der Heiligen fleißig zu lesen und zu betrachten. Die Tugenden und löblichen Thaten frommer Menschen haben nicht bloß während ihres Lebens, sondern auch nach ihrem Tode eine eigenthümliche Kraft, die Gemüther zu bewegen und zur Nachahmung anzuspornen. Wir werden da von Bewunderung und Hochschätzung der Heiligen ergriffen und fühlen uns angetrieben, ihnen nachzufolgen. Nichts flößt einem Fürstensohne mehr Muth ein, als die Erinnerung an die ruhmvollen Thaten seiner Vorfahren. Und wie Derjenige, welcher sich der Malerkunst widmet, in seiner Kunst alle Tage größere Fortschritte macht dadurch, daß er die Gemälde großer Meister betrachtet und nachahmt, so wird auch Der allmählig ein guter Christ, welcher täglich seine Augen auf die Tugendmuster Derjenigen hinrichtet, die einen frommen und heiligen Lebenswandel geführt haben. Einen so mächtigen und gesegneten Einfluß hat also die fleißige Lesung der Heiligen-Legenden. Damit dieß nun auch bei dir der Fall sein möge, mein christlicher Leser! so habe ich am Schluffe jeder Lektion noch ein kurzes Gebet beigefügt, in welchem du Gott, den Geber alles Guten, bitten sollst, daß er deine geistliche Lesung segnen und dich stärken möge zur treuen Erfüllung und Nachahmung dessen, was du Schönes und Gutes in der christlichen Lehre sowohl, als auch in der Lebcnsgeschichte der Heiligen gehört und gelesen hast. — Auf solche Weise glaube ich dir in diesem Buche ein nützliches Lehr- und Unterrichtsbuch, ein wahrhaft christ- katholisches Haus- und Familienbuch an die Hand gegeben zu haben. Möge Gott der Herr meine redliche Absicht segnen! Du aber lies eifrig und fleißig in demselben, lies in christlicher Gesinnung; betrachte, so oft du zu lesen anfängst, einige Augenblicke das Titelkupfer! Siehe, wie da der göttliche Lehrer Jesus Christus Worte des Lebens spricht an die zahlreich versammelten Zuhörer, die zu seinen Füssen sich lagern; geselle dich dann diesen Zuhörern bei, nicht jenen, die da kritisiren oder schlafen oder gleichgiltig dasttzen, sondern jenen, die seinen Worten lauschen voll frommer Heils- begicrde und voll heiliger Zerknirschung, und ich hoffe zu Gott, daß der Segen des Herrn nicht ausbleiben werde. Dieß wünscht dir, christlicher Leser! vom Herzen der Verfasser. Einleitung. Erstes Lesestnck. Am Feierabende des 1. Januar. Vom Ziel und Ende oder von der Bestimmung des Menschen. Frage. Wozu sind wir auf Erden? Antwort. Wir sind auf Erden, um Gott zu erkennen, ihn zu lieben, ihm zu dienen, und dadurch in den Himmel zu kommen. Belehrung. Die Menschen Plagen sich soviel auf Erden; vom frühen Morgen bis zum späten Abend sind sie vollauf beschäftigt; sie rennen und laufen, sie spinnen und nähen, sie kochen und waschen, sie schmieden und hobeln — und gar Viele.meinen, dieß sei ihre Bestimmung auf Erden. O nein, Mensch! du hast eine viel edlere Bestimmung; du bist auf Erden, um Gott zu erkennen, d. h. um zu erkennen, daß ein Gott ist, der Himmel und Erde und Alles, was da ist, erschaffen hat, erhält und rcgirt, und der das unendlich vollkommenste Gut ist. Du bist auf Erden, um Gott zu lieben, weil er die ewige Liebe, und ihm zu dienen, weil er dein Herr und Gott ist, damit du auf solche Weise in den Himmel kommest, den Ort ewiger, vollkommener Glückseligkeit. Ja, für den Himmel bist du erschaffen, o Mensch! nicht für diese Erde. Alles in und an dir weiset dich zum Himmel hin, (ebenso wie jener Engel im Bilde dort.) Daher hat dich Gott mit so vortrefflichen geistigen Anlagen und Fähigkeiten ausgestattet; daher hat er dir eine so erhabene, aufrechte Stellung gegeben. „Alle erschaffenen Wesen, die ohne Verstand und Willen sind," schreibt der heilige Gregor von Nazianz, „haben die Augen zur Erde gewendet; sie sind für die Erde geschaffen; dem Menschen aber hat Gott eine erhabene Stirne gegeben, damit er sein Auge zum Himmel erhebe. O Mensch! du bist berufen, einst Gott anzuschauen und anzubeten, und nicht deine Seele herabzuwürdigen zu irdischen Begierden; ein himmlisches Leben soll dein Antheil sein, und nicht die gemeinen Genüsse der Thiere." . Beispiel und Anwendung. Ein hochgestellter und angesehener Mann ans der alten Zeit stellte einst eine Betrachtung vom Ziel und Ende des Menschen an; und nachdem er die Sache ernstlich überlegt und recht begriffen hatte, erhob er die Augen und die Hände gen Himmel und rief aus: „Ich danke dir, o Gott! daß du mir heute die Augen geöffnet hast! Zu Hause hat man mir immer gesagt, daß ich zur Verherrlichung meiner Familie, zum Dienst des Vaterlandes bestimmt sei. Als ich Lust zeigte zum geistlichen Stande, da sagte man mir: ich sei geboren, Bischof oder Cardinal zu werden. Als ich später den Kriegsdienst vorzog, sagte man mir: ich sei geboren, General zu werden. Meine Reichthümer und meine sinnliche Natur sagten mir: ich sei geboren, die 8 Einleitung. Vom Ziel und Ende des Menschen. Welt zu genießen und' ein angenehmes Leben zu führen. — Diese Betrachtung aber hat mir ein Licht angezündet, und ich habe erkannt, daß ich zu Nichts von allem Dem geboren, sondern bloß deßwegen auf der Welt bin, um Gott nach seinem heiligen Willen zu dienen, und dann in den Himmel zu kommen und ewig glücklich zu sein." — Merke dir dieses, mein Christ! Weder ein Papst noch ein König ist geboren, um Papst oder König zu sein, sondern um Gott zu dienen, ihn zu lieben und einst zum seligen Besitz der ewigen Liebe zu gelangen. Fr. Ist denn der Mensch nicht hauptsächlich deßwegen ans Erden, um durch den Besitz irdischer Güter glückselig zu werden? Antw. Nein; denn unmöglich können die irdischen Güter den Menschen wahrhaft glückselig machen, weil 1) alles Irdische eitel und vergänglich ist, und weil 2) der Mensch nur für Gott und eine ewigdauernde Glückseligkeit erschaffen ist. Belehrung. Die irdischen Güter sind uns von Gott hauptsächlich dazu verliehen, daß wir sie zur Erreichung unserer Bestimmung, zum Dienste Gottes gebrauchen. „Wir nennen sie Güter," schreibt der heilige Clemens vonAlcxandrien, „weil sie Gutes schaffen und zum menschlichen Gebrauche von Gott bestimmt sind. Wenn du die Kunst verstehst, sie gut anzuwenden, so sind sie' dir nützlich; wenn aber nicht, so sind sie dir schädlich." Sie gleichen einem Messer, womit man sich und Andere morden, aber auch für sich und Andere Brod schneiden kann. Das Messer an sich ist gut; es kommt aber darauf an, wie man es gebraucht. -— Wir sollen also die irdischen Güter gut anwenden, nie aber unser Herz an dieselben hängen; denn unmöglich können sie uns wahrhaft glückselig machen, da alles Irdische vergänglich ist. O wie viele Menschen sinnen Tag und Nacht darauf, wie sie recht viele Güter und Schätze zusammenscharren, recht viele Freuden und Genüsse sich verschaffen können! Und doch wie bald ist Alles vorüber! Der reiche Prasser war im Besitze großer Schätze und Neichthümer; täglich hatte er herrliche Mahlzeit gehalten und den Becher der Freuden bis auf die Hefe ausgeleert; aber welchen Gewinn hatte er davon? Er wurde nach kurzer Freude auf Ewig in die Hölle begraben! So ist alles Irdische vergänglich. „Wie die Blumen," sagt der heilige Basilius, „aus denen wir uns einen Strauß binden, schon anfangen zu verwelken, sobald wir sie abgebrochen; so vergeht auch alles Irdische, alle Freude, die wir auf Erden außer Gott genießen; während wir sie genießen, nimmt sie schon ab und verschwindet." Darum spricht schon Salomon: „Ich sammelte mir Silber und Gold und die Schätze der Könige und Länder. Und Alles, was meine Augen verlangten, versagte ich ihnen nicht, und ich verwehrte meinem Herzen nicht, alle Lust zu genießen. Aber ich sah in Allem Eitelkeit und Geistesplage, und daß Nichts von Dauer sei unter der Sonne." — Ja, so ist es: die irdischen Güter können uns unmöglich wahrhaft glückselig machen; denn sie sind eitel und vergänglich; der Mensch aber ist für Gott und eine ewigdauernde Glückseligkeit erschaffen. Darum macht schon der heilige Augustin das schöne Ge- ständniß: „Ich habe meinen Geist und mein Herz in allen Genüssen der Erde gewälzt, aber nie befriedigen können; so ward ich genöthigt, mich zu Gott zu wenden, und als ich ihn besaß, habe ich ausgerufen: Du allein, o Herr! bist meine Ruhe." — Und ein anderes Mal that er den bekannten herrlichen Ausspruch: „Für dich, o Gott! hast du uns gemacht; darum wird unruhig unser Herz sein, bis es Ruhe findet in dir." Beispiel und Anwendung. Der heilige Bernhard hatte einst ein seltsames Gesicht. Ich sah, spricht er, drei Männer, welche mir wie Thoren verkamen. Der Erste hatte den Mund voll Sand, welchen er beständig kaute. Der Zweite saß an einem Moraste und athmete mit Begierde den stinkenden Dunst ein, der daraus hervorstieg. Der Dritte saß auf einem hohen Thurme und ließ sich den Wind in den Mund wehen. Es jammerte mich dieser drei Männer, und ich fragte sie um die Ursache ihres sonderbaren Thuns. Sie antworteten alle drei: „Der Hunger quäls sie, und den wollten sie stillen." Ich sprach zu ihnen: „Sand und Wind und Dunst sind wahrlich keine Gegenstände, um euren Hunger zu stillen, und wenn sie auch euren Magen anfüllen könnten, eure Seele würde doch immer hungrig bleiben; denn die nach dem Ebenbilde Gottes geschaffene Seele kann sich zwar mit vielen irdischen Dingen beschäftigen, aber sie kann dadurch nicht befriedigt werden; sie, die fähig ist, sich mit Gott zu vereinigen, kann durch etwas Geringeres nicht gesättigt werden." — Vernimm nun die Deutung dieses Gesichtes! Unter dem Manne, welcher Sand kauete, werden die Geizigen verstanden, welche Tag und Nacht nach Geld und Gut trachten und sich bedünkcn lassen, dadurch den Hunger ihrer Seele zu stillen. Aber es gelingt ihnen nicht; bei all ihrem Geld und Gut hungern und dürsten sie nach mehr; aber ihre Seele wird nicht gesättigt. „Sie essen," sagt die heilige Schrift, „und werde» nicht satt." — Dem Zweiten, der am stinkenden Dunste sich ersättigte, gleichen die wollüstigen Menschen, welche in den sinnlichen Genüssen Befriedigung für ihre Seele suchen und nicht finden. — Unter dem Dritten, welcher mit seinem Munde den Wind auffing, werden die stolzen und ehrgeizigen Menschen verstanden, die sich glücklich wähnen, wenn sie hohe Würden bekleiden und von der Welt geehrt und gelobt werden. Aber wie sollte der eitle Wind irdischer Ehren eine unsterbliche Seele sättigen können! — Aus dieser Erzählung des heiligen Bernhard magst du ersehen, o Christ! daß wir unmöglich mit irdischen Gütern den Hunger unserer Am Feierabende des 2. Januar. Seele stillen können. Gib einem Menschen, wenn es möglich wäre, alle Schätze der Erde, mache ihn zum Könige der ganzen Welt und setze ihn ein in alle Würden, die je ein Mensch bekleidet hat, lasse ihn verkosten alle Wollüste, die er sich nur ansdenken kann; und frage ihn, ob er nun glücklich und zufrieden sei? Er wird dir antworten: „Nein!" Und warum? Weil seine Seele, die fähig ist, Gott zu besitzen durch etwas Geringeres nicht gesättigt werden kann; nur in Gott allein finden wir Ruhe und Sättigung; denn wir sind Alle für Gott geschaffen. Legende: Die Beschneidnng des Herrn. (Neujahr.) Bedenke diese große Wahrheit besonders am heutigen Tage; mit ihm beginnt ja ein neues Jahr. Wer weiß, ob dieß nicht das letzte Jahr deines Lebens ist; denke daher heute ernstlicher als je an deine erhabene Bestimmung und lege Hand an's Werk, auf daß du sie auch erreichest! Es ist aber der heutige Tag nicht bloß der erste Tag im Jahre, er ist auch zugleich der achte Tag nach der Geburt unsers Erlösers, an welchem dem Gesetze gemäß an ihm die Be schnei düng vorgenommen und ihm der Name Jesus beigelegt wurde. Heute hat er den ersten Tropfen seines heiligen Blutes für uns vergossen. Im Vertrauen nun auf dieses heilige Blut und auf den hochheiligen Namen Jesus wollen wir dieses neue Jahr anfangen und vollenden, und es wird uns dann nicht schwer werden, unsere erhabene Bestimmung mit Gottes Gnade glücklich zu erreichen. Gebet. Himmlischer Vater! verleihe uns die Gnade, daß wir gestärkt durch das Blut deines göttlichen Sohnes und durch die Anrufung des hochheiligen Namens Jesu mnthig und getrost das neue Jahr antreten und mit Freudigkeit des Herzens unserer erhabenen Bestimmung Nachkommen mögen. Durch eben denselben Christum unfern Herrn. Amen._ Mehler, HauKuch. Zweites LesesM. Am Feierabende des 2. Januar. Von der Erhabenheit unsrer Bestimmung, und von der Möglichkeit, sie zu erreichen. Fr. Da uns die irdischen Güter, wie wir ans der gestrigen Lektion ersehen haben, nicht glückselig machen können, so fragt cs sich: Was ist demnach das Noth- wendigste hienieden? Antw. Das Nothwendigste hienieden ist, daß wir Gott erkennen, ihn lieben, ihm dienen und dadurch die ewige Seligkeit erlangen. Belehrung. Ja, gerade dieses ist das Nothwendigste auf Erden, sagt der heilige Augustin; denn „der Mensch ist erschaffen, damit er Gott, das höchste Gut erkenne, ihn erkennend liebe, ihn liebend ewig besitze, ihn besitzend ewig genieße." Daher ruft uns auch der göttliche Heiland zu: „Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit; alles klebrige wird euch beigegeben werden." (Matth. 6, 33.) O wie thöricht handelt der Mensch, wenn er auf Erden etwas -Anderes sucht, als Dieses! Denn „was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, an seiner Seele aber Schaden leidet?" (Matth. 16, 26.) Beispiel und Anwendung. Ein hochgestellter Herr am Hofe eines Fürsten starb einst halb verzweifelnd bei dem Gedanken: „Ich habe meinem Fürsten mit Ehre, mit Auszeichnung, mit Aufopferung lebenslang gedient, und was kann er jetzt für mich Sterbenden thun? Und auf Gott, den Herrn der Hecrschaaren, habe ich vergessen, habe ihm keinen Monat, keinen Tag, keinen Augenblick gedient; wie wird es mir ergehen, wenn ich vor ihm erscheinen muß?" — Auf seinen Lcichen- stein ließ er die Worte schreiben: „Ich habe am Hofe gelebt und auf mich selber vergessen; ich bin aus dieser Welt geschieden, ohne zu wissen, warum ich in die Welt gekommen hin." — Wehe uns, mein lieber Leser! wenn auch wir einst auf unfern, Leichenstein eine ähnliche Aufschrift schreiben lassen müssen, wenn wir das eine Nothwcndige auf Erden — nämlich die Erreichung unsrer Bestimmung — nicht suchen und anstreben! — Bedenke oft, was der göttliche Heiland zur geschäftigen Martha gesprochen: „Nur Eines ist noth- wendig" (sieh das nachfolgende Bild) — und was ist dieses? Nichts Anderes, nls vast wir Gott dienen und dadurch selig werden. Ja, dieß Eine ist dir nothweudig, o Christ! alles Andere hilft dir Nichts. Fr. Wodurch sollen und können wir uns ganz besonders dazu aneifern, daß wir dieses Nothwendigste auf Erden suchen und erreichen? Antw. Durch das oftmalige und ernstliche Andenken an unsere erhabene Bestimmung. 2 10 Einleitung. Von der Erhabenheit unserer Bestimmung. Belehrung. Gar oft fragte sich der heilige Bernhard: „ Bernhard! wozu bist du in die Welt gekommen?" Besonders aber stellte er diese Frage an sich, wenn er über zeitlichen Geschäften seines Zieles vergessen wollte. Dadurch wurde er heilig und selig. Auf dieselbe Weise sollen auch wir öfters, täglich, ja stündlich unsers Zieles gedenken. Wie der Steuermann auf dem Meere gewöhnlich nur nach den Sternen blickt, und ein Reisender sich auf dem Wege nicht bei jauchzenden Bauernbnben aufhält, sondern zur Vaterstadt eilt, so wollen wir stets unseres Zieles dort über den Sternen gedenken, die trunkene Welt mit Füssen treten und zu»i Vaterlande eilen! Und warum sollten wir dieses nicht? Bedenken wir nur, wie erhaben und herrlich unsere Bestimmung ist! Wie hoch muß uns Gott schätzen, wie sehr muß er uns lieben, da er uns für ein so erhabenes Ziel erschaffen hat, daß wir ihn erkennen, ihn lieben, ihm dienen, und dadurch ewig selig werden sollen, gleich als wäre ihm an uns armen Geschöpfen Etwas gelegen, oder als könnten wir Etwas zu seiner Glorie, zu seiner Herrlichkeit und Majestät beitragen! Verachteter Dienstbote! Verlassener Armer! siehe, du bist.ein Diener Gottes; durch dich will der Herr, dein Gott, geliebt und gelobt und geehrt werden nicht minder, als durch die Engel des Himmels, nicht minder, als durch die Könige und Kaiser auf Erden! Welch ein Glück! welch eine Ehre! Du bist also in den Augen Gottes so groß, wie die Großen der Erde. Würde ein König, der über zahlreiche Länder gebietet, auf dessen Wink Fürsten und Grafen und die Edelsten des Reiches gehorsam sind, zu einem Stallknechte sagen: „Du bist mir der liebste und treueste Diener; du bist meine Ehre und Glorie" — was würde sich dieser Knecht nicht zu sein dünken? — Wir freuen uns, wenn wir einem irdischen Könige dienen dürfen, der doch heute ist und morgen nicht mehr, der heute auf dem Throne sitzt, und morgen in der Todtenbahre liegt: für welch ein Glück sollen wir es daher nicht halten, daß wir Gott, dem höchsten Herrn Himmels und der Erde, dienen dürfen! Beispiel und Anwendung. König Philipp II. von Spanien ging einstens noch bei später Nacht an seiner Hofküche vorüber und hörte darin Jemand ganz laut und fröhlich singen. Verwundert blieb der König auf dem Gange stehen. Er schickte sogleich einen seiner Bedienten in die Küche, um nachzusehen, was für ein Vogel auf dem Heerde so schön zu singen wisse. Da fand man denn einen armen Küchenjungen, der auf einem Stuhle sitzend seine zerrissenen Kleider aus- befserte. Gefragt, warum er wohl so fröhlich und guter Dinge sei, ob es ihm denn gar so gut gehe, gab er mit edlem Stolze die Antwort: „Sollte ich etwa nicht froh sein, daß ich ein Hofbedienter des Königs Philipp bin? Das freut mich über Alles, das halte ich für mein größtes Glück!" Wie beschämt dieses Beispiel so viele Christen! Dieser Küchenjunge frohlocket darüber, daß er in den Diensten eines Königs steht, von dem er vielleicht nie einen wohlwollenden Blick, nie eine besondere Wohlthat erhalten, der wahrscheinlich gar Nichts von ihm wußte! — Warum frohlocken wir nicht, daß wir geschaffen sind, dem König aller Könige, dem unsterblichen Herrn aller Zeiten zu dienen, der immer um uns ist, immerdar gnädig und wohlwollend gegen uns sich zeigt, dem dienen mehr ist, als herrschen über alle Länder und Völker! Wie bitten und beten und sorgen und mühen sich Viele, daß sie in einen guten Dienst kommen, bei einer vornehmen Herrschaft, oder gar bei Hofe ein Plätzchen finden: aber Gott dienen, wer achtet es? Wie Viele sind gar fleißig im Herrendienst, aber saumselig und träge im Dienste Gottes! Fr. Können wir aber diese unsere erhabene Bestimmung auch erreichen.? Antw. Allerdings; denn Gott thut hiebei das Gelinge; er hilft uns zur Erreichung unseres erhabenen Zieles ans die mannigfaltigste Weise; wir dürfen es daher nur nicht an uns selbst fehlen lassen. Belehrung. Nicht umsonst stellt Gott der Herr an uns Alle die Forderung: „Seid heilig, weil ich heilig bin!" (3. Mos. 11, 44.) Denn er verlangt gewiß Nichts Unmögliches von uns. Er gibt uns seine Gnade, und so können wir heilig und selig werden, wenn wir nur ernstlich wollen. Daher sage Keiner: „Mir ist es nicht möglich, heilig und selig zu werden." Sind es schon so Viele mit der Gnade Gottes geworden, warum nicht auch du? Beispiele und Anwendung. Als der heiligeTho mas von Aquin einst von seiner Schwester gefragt wurde, wie sie ihr Heil sicher erwerben könne, erwiederte er mit den kurzen treffenden Worten: „Dadurch, daß du willst." Ja, in l Am Feierabende des 2. Januar. 11 jedem Stande können wir heilig und selig werden, wenn wir nur ernstlich wollen. So war der heilige Isidor ein Bauer in Spanien. Er wohnte fleißig dem heiligen Meßopfer bei, betete Tag und Nacht, thcilte reichliche Almosen aus, und machte, daß Alle in seiner Familie tugendhaft waren. Der heilige Homobonns war ein Handelsmann zu Cremona; er machte an Sonntagen niemals Geschäfte, sondern hielt seinen Laden geschlossen, und empfing regelmässig die heiligen Sakramente; er wurde ein Heiliger, weil er sich dafür bemühte; wir hingegen stürzen uns in die Berdammniß, weil wir es wollen. Die heilige Blandina war eine arme Dienstmagd, die ihrer Sanftmuth, ihrer Sittsamkeit und seltenen Eigenschaften wegen von ihrer Herrschaft geliebt wurde: man sah sie an Sonntagen niemals beim Tanze, niemals an öffentlichen Orten, sondern während andere Mädchen sich mit ihrem Schmucke beschäftigten, und ihr leichtfertiges Leben zur Schau stellten, ging sie an einen einsamen Ort, um zu beten, und bereitete sich vor, ihren Gott zu empfangen. Ja, in jedem Stande können wir heilig werden, wenn wir nur wollen. So ist der heilige Ludwig, König von Frankreich, mitten unter den Geschäften und Sorgen eines großen Reiches heilig geworden; denn er vernachlässigte keine seiner christlichen und königlichen Pflichten; er wußte Festigkeit mit Güte, die Religionsübungen mit den Pflichten des Hofes zu verbinden; alle Tage betete er die Tagzeiten der heiligen Jungfrau, und empfing oft die heiligen Sakramente; immer gab er seinem Gewissen den Vorzug; er ging niemals in's Theater oder auf Bälle; er erkannte diese Orte als gefährlich für die Unschuld der Sitten. — Auch der heilige Mauritius wurde, obschon er Oberster einer Legion und immer im Felde war, ein Heiliger u. s. f. Wenn es diese und tausend Andere konnten, warum solltest nicht auch du heilig und selig werden können? Fr. Wie hilft uns Gott zur Erreichung unserer Bestimmung, und was müssen wir hiebei thun? Antw. Damit wir ihn erkennen und lieben, hat Gott sich uns in seiner unendlichen Liebe geoffen-° bart; er hat zu uns geredet. Wir sollen daher auch oft zu Ihm reden im frommen Gebete und Ihn bitten, daß er uns erleuchte, ans daß wir Ihn erkennen und lieben lernen. — Damit wir Ihm aber dienen und dadurch heilig und selig werden können, so verleiht er uns seine Gnade und stärkt uns durch die Gnadenmittel, die heiligen Sakramente. Wir müssen daher diese Gnadennnd Gnadenmittel treulich gebrauchen und durch dieselben gestärkt, dem Herrn reu dienen durch getreue Beobachtung der göttlichen Gebote. — >— Dieses sind nun auch die vier Hauptstückc, mit deren Erklärung sich die ganze katholische Lehre beschäftigt. Es sind dieß die vier Fragen: I. Wie hat Gott der Herr zu uns geredet? — (Erstes Hanptstück: Lehre von der Offenbarung und vom Glauben.) II. Wie sollen wir zu Gott reden? — (Zweites Hauptstück: Lehre vom Gebete.) III. Was hat Gott zu unserer Heiligung und Be- seligung gcthan, und was thut er noch? — (Drittes Hauptstück: Lehre von der Gnade und den heiligen Sakramenten.) IV. Was müssen Wir thun? — (Viertes Hauptstück: Lehre von den Geboten.) Legende: St. Makarius von Alexandrien, Einsiedler (ff 397). Wie wir mit Gottes Hilfe unsereBestimmung erreichen, heilig und selig werden können, das ersehen wir am Beß- ten ans der Lebensgeschichte ' des heiligen Makari ns,dessen Fest heute die Kirche feiert. St. Makarius wurde zu Alexandrien geboren und stammte ans einer wenig bemittelten, aber sehr gottes- fürchtigen Familie. Gott zu dienen und dadurch heilig und selig zu werden — das war sein einziges Streben auftEr- den. Deßhalb verließ er die Welt und begab sich in die Wüste. Da nun wirkte er -sein Heil unter den streng- " steu Abtödtungen und unter , beständigem Gebete. Als sich der Ruf von seiner Heiligkeit ^weithin verbreitet hatte, berief ihn der Patriarch von Alexandrien und weihte ihn zum Priester, damit er auch Zsst-P^rn den Weg zur Tugend und zum Himmel zeige. Und mit welchen: Eifer, mit welcher Liebe kam er diesem seinen erhabenen Berufe nach! Tausende lehrte er durch Wort und Beispiel, wie man Gott erkennen, lieben, ihm dienen und ewig selig werden könne. Nach einer reichen Aussaat für das Himmelreich — entschlief er selig im Herrn — im 99. Jahre seines Lebens, im Jahre 397 — Christ! willst auch du so selig sterben, so fliehe die Welt und diene Gott dem Herrn, wie St. Makarius. Gebet. Erleuchte uns, o Herr! damit wir erkennen, daß uns auf Erden nur Eines nothwendig sei, nämlich dir zu dienen und so ewig selig zu werden, und verleihe uns durch die Fürbitte des heiligen Makarius Kraft und Stärke, auf daß wir dieses Eine Nothwendige mit heiligem Eifer suchen mögen. Durch Christum unfern Herrn. Amen. - 2 * « /FH > kobaex.diitcridZ WZ iMH- t -..' WMW-tz.Z KW! WW 8 M W»! MM. WM MW MM Wie Gatt zu uns geredet Hut. (Hcbr. 1, 1-2.) Erstes Hauptstück. wie Holl der Heer zu uns geredet hat, oder Offenbarung und Glaube. Drittes Lesestück. An: Feierabende des 3. Januar. Von der göttlichen Offenbarung. Fr. Hat Gott zu uns geredet? Antw. Ja, Gott hat zu uns geredet; er hat sich uns geoffenbart, damit es uns möglich sei, ihn zu erkennen. Belehrung. Ewiger Dank sei Gott dem Herrn! Er hat zu uns geredet; er hat sich uns in seiner unendlichen Liebe geoffenbart, auf daß wir ihn erkennen in seiner Weisheit und Liebe, in seiner Allmacht und Güte, damit wir durch diese Erkenntniß angetrieben werden, ihn zu lieben, ihm zu dienen und so unser Ziel zu erreichen. — Ach, wie traurig würde es um uns stehen, wenn Gott nicht zu uns geredet, wenn er sich uns nicht so erbarmungsvoll geoffenbart hätte! In welch schauerliche Nacht würde die Welt versunken sein! Wie dürftig und unsicher wäre nicht unsere Kenntniß von Gott und seinem ewigen Wesen, von der rechten Art, ihn zu verehren und von ihm Gnade und Verzeihung zu erlangen! Wer würde uns zuverläßige Kunde geben von unserer ewigen Bestimmung und von dem, was unser harret jenseits des Grabes? Es würde uns ohne Offenbarung ergehen, wie den Heiden, von denen schon der heilige Paulus (Nöm. 1, 19—32.) schreibt: „Sie vertauschten die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes mit dem Bilde und der Gestalt vergänglicher Menschen, der Vögel und vierfüssiger und kriechender Thiere. Gott hat sie in schändliche Laster dahingegeben. So wurden sie voll aller Ungerechtigkeit, Schalkheit, Hurerei, Geiz, Bosheit, voll Neid, Mordsucht, Zank u. s. w." Beispiele und Anwendung. Wie sehr sich der menschliche Geist ohne göttliche Offenbarung verirrt, zeigt uns am Klarsten das Heidenthum. Wie tief sanken sie nicht in ihren Verirrungen! Betrachten wir einmal die Hindostan! Diese beten die abscheulichsten Thiere an, lassen sich sogar von ihnen fressen, indem sie einen solchen Tod für den Weg zum Himmel halten. Bei gewissen Festen muß Einer von ihnen sich den Götzen zum Opfer weihen. Nachdem sie ihn mit Schlägen zerfleischt haben, stoßen sie ihm Hacken in die Rippen, hängen ihn an einen Balken auf und drehen ihn lange unter Freudengeschrei um denselben herum. Die Wittwe muß sich mit dem Leichname ihres Mannes lebendig verbrennen lassen; dergleichen Opfer gibt es öfters in einem einzigen Jahre an siebenhundert. — Die feinsten, aufgeklärtesten und klügsten Nationen der Welt waren die Chaldäer, Aeghpter, Phönicier, Griechen und Römer. Ihre Leistungen in der Sternkunde, in der Baukunst, in der Malerei, in der Dicht- und Redekunst verdienen unsere Bewunderung. Ihre weisen Staats- Verfassungen, ihre Gesetze, ihre Polizeiordnung, ja selbst ihre Bürgertugenden, ihre Kriegskunst, ihre Arbeiten und Produkte setzen uns in Staunen. In diesen Stücken müssen wir zu ihnen in die Schule gehen. Aber wir müssen nicht weniger staunen, wenn wir eben diese Völker in der Religion als die unwissendsten und blindesten sehen. Oder wer soll nicht staunen, wenn wir auf den Altären dieser so vernünftigen Völker Steine, Metalle, Holz, ja wohl gar vernunftlose Thiere, als: Katzen, Kühe, Ochsen, Krokodille, oder solche Menschen als Gottheiten erblicken, die sich durch die größten Schandthatcn ausgezeichnet haben? Wer entsetzt sich nicht, wenn er weiß, daß die Tempel jener Völker vom Blute unschuldiger Kinder rauchten, und vom Geschrei jener unglücklichen Menschen wiederhallten, denen man zur Ehre der Steine oder Holzklötze die Eingeweide aus dem Leibe riß? So wahr ist es also, daß eine übernatürliche, eine göttliche Offenbarung nothwendig ist, um das höchste Wesen gehörig kennen zu lernen, und daß die Vernunft in Erfindung der Künste, in Ausbildung der irdischen Wissenschaften zwar Alles, aber in der Erkenntniß Gottes und des ihm gebührenden Dienstes fast Nichts vermag. Daher heißt es im Buche der Weisheit (9,16—17.): „Kaum fassen wir das, was auf Erden ist, und was uns vor den Augen liegt, finden wir mit Mühe; wer wird dann erforschen, was im Himmel ist? Wer wird deinen Sinn er- rathen, wenn du ihm Ficht Weisheit gibst, und deinen heiligen Geist aus der Höhe sendest?" — Und der heilige Augustin sagt: „Die Vernunft ist das Auge der Seele; aber gleich dem leiblichen Auge bedarf es, um zu sehen, des Lichtes, und wie wird es vom Göttlichen Etwas erschauen, wenn es ihr an dem Lichte der göttlichen Offenbarung gebricht?" 14 Erstes Hailptstück. Von der göttlichen Offenbarung. Fr. Wie hat Gott zu uns geredet? Antw. Gott hat auf die mannigfaltigste Weise zu uns geredet; denn er hat sich uns geoffenbart zuerst durch die Patriarchen und Propheten und zuletzt durch seinen Sohn Jesus Christus und die Apostel. (Sieh das obige Bild!) Belehrung. „Vielfach und mannigfaltig," schreibt der heilige Paulus (Hebr. 1, 1—2.), „hat einst Gott zu den Vätern geredet durch die Propheten; zuletzt hat er in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn." O bewunderungswürdige Liebe Gottes! Schon zu den ersten Menschen, die Gott auf die Erde setzte, hat er geredet; er hat sich ihnen zuerst als liebenswürdiger Vater, dann als Gesetzgeber und nach der Sünde als gerechter Richter geoffenbart. Nach diesen hat Gott geredet zu Noe, dann zu Abraham, Isaak und Jakob, endlich zu Moses, dem Anführer und Gesetzgeber des ganzen israelitischen Volkes; und nach Moses offenbarte sich Gott diesem seinen auserwählten Volke fortwährend durch die Propheten. — Als aber die Fülle der Zeiten gekommen war, erschien der Sohn Gottes selbst und offenbarte uns den Willen des himmlischen Vaters, verkündete uns eine göttliche Lehre, durch die wir Gott erkennen, lieben, ihm dienen und so heilig und selig werden können. Er gab alsdann auch seinen Aposteln und ihren Nachfolgern den Befehl, hinzugehen und alle Völker zu lehren und ihnen Alles zu verkünden, was er ihnen gesagt hatte. Beispiel und Anwendung. Danke daher, o Christ! aus der Fülle deines Herzens Gott dem Herrn für die unendliche Liebe, die er uns dadurch erwiesen hat, daß er sich uns durch die Patriarchen und Propheten und zuletzt durch seinen eingebornen Sohn — Jesus Christus — hochgelobt in alle Ewigkeit — auf eine so liebevolle Weise hat offenbaren wollen! Ahme das schöne und edle Beispiel jenes frommen und weisen Christen nach, der im Gefühle der Ohnmacht und Unwissenheit, in welcher wir uns alle ohne die göttliche Offenbarung befinden würden, gar oft seine Hände zum Gebete faltete und mit dankerfülltem Herzen zu Gott betete: „O mein Gott und Vater! Ich mußte in der Schule des Lebens herumtappen, wie ein irrender Pilger in Syriens Wüsten; auf der breiten, glatten Sandfläche würde ich keinen Halt und keine Labung finden für mein Gemüth! Aber dein tröstendes Wort, deine göttliche Offenbarung ist mir ein leitender Engel durch die Wüste dieses Lebens, der mit seiner himmlischen Labung die lechzende Seele erquickt. Dank, ja tausend Dank sei dir für das Licht deiner göttlichen Offenbarung, das so wohlthätig hereinleuchtet in die finstere Welt und in das trostlose Menschenherz!" Legende: St. Genovefa, Jungfrau und Patronin von Paris (fl um d. I. 512.) Die heilige Genovefa, deren Andenken am heutigen Tage feierlich in der Kirche begangen wird, dankte schon in den frühesten Jahren ihrer Jugend Gott dem Herrn für die Liebe, mit der er sich uns geoffenbarethat, und nahm so immer mehr zu in der Er- kenntniß und Liebe Gottes. Von gottesfürchtigen Eltern in der Nähe von Paris geboren, faßte sie frühe schon den Entschluß, sich Gott ganz in jungfräulicher Reinigkeit zu weihen. Als der heilige Germanus von diesem ihren Vorhaben Kenntnis; erhielt, führte er sie, begleitet von dem Volke, in die Kirche, wo Psalmengesänge und Gebete verrichtet wurden, unter denen der Heilige ihr die Hände auflegte. Von dieser Zeit an führte Genovefa eine - sehr strenge Lebensweise. Sie nahm in der Woche nur zweimal, am Donnerstage und am Sonntage Speise zu sich, die aus Gerstenbrod und Bohnen bestand. Nach dem Tode ihrer Eltern trat sie in Paris in die Gesellschaft Gott geweihter Jungfrauen. Genovefa bezeigte große Verehrung gegen den heiligen Dionysius, der zu Paris die Kirche gegründet und dort den Martertod gelitten hat. Sie wünschte sehr, daß eine Kirche an dem Orte, wo der Heilige getödtet worden war, erbaut werde; unterredete sich deßhalb mit den Priestern und ermunterte sie, den Bau zu unternehmen. In kurzer Zeit wurde eine schöne Kirche zu Ehren des heiligen Dionysius hergcstellt. Die heilige Jungfrau ward von Gott auch mit der Wundergabe begnadigt. In der Lebensgeschichte derselben wird erzählt, daß sie eine blinde Frau sehend gemacht und verschiedene Andere von schweren körperlichen Leiden durch Gebet und durch das Kreuzzeichen geheilt habe. Der König der Franken bewies ihr große Achtung, und ihrer Fürbitte bei ihm verdankten mehrere Unglückliche das Leben. So wandelte Genovefa, von Gott auf mannichfache Weise durch außerordentliche Gaben begnadigt, in strenger Gottseligkeit bis in die Tage eines hohen Alters fort, und starb endlich den sanften Tod der Gerechten um das Jahr 512. Gott bestätigte die Heiligkeit seiner Dienerin auch nach ihrem Tode durch viele Wunder, die an ihrem Grabe geschahen. Gebet. O Gott, der du dich uns so liebreich ge- offenbaret hast, nimm hin unfern Dank und erfülle uns mit deinem himmlischen Lichte, auf daß wir, wie die heilige Genovefa, von Tag zu Tag in deiner Erkennt- niß und Liebe wachsen, durch Jesum Christum unfern Herrn. Amen. Am Feierabende des 4. Januar. 15 V MV Viertes Lesestück. Am Feierabende des 4. Januar. Von der heiligen Schrift: s) Bedeutung und vortrefflicher In- halt derselben. Fr. Wie ist die- göttliche Offenbarung bis auf uns gekommen? Antw. Die göttliche Offenbarung ist theils schriftlich, theils mündlich auf uns gekommen: schriftlich durch die heilige Schrift oder Bibel, mündlich durch die Tradition, d. h. Ueberlieferung oder Erblehre. Fr. Was versteht man unter derheiligen Schrift? Antw. Unter der heiligen Schrift versteht man die Sammlung jener Bücher, die aus Eingebung des heiligen Geistes von frommen Männern geschrieben und als Gottes Wort von der katholischen Kirche anerkannt und erklärt worden sind. Belehrung. Damit ein Buch zum geschriebenen Worte Gottes oder zur heiligen Schrift gerechnet werden dürfe, wird sonach erfordert, 1) daß es unter unmittelbarer Eingebung des heiligen Geistes geschrieben wurde, d. h. der heilige Geist mußte den Verfasser nicht nur zum Schreiben antreiben und ihm bei der Wahl des Stoffes beistehen, sondern ihn auch in der Niederlegung des Inhaltes fortwährend und unfehlbar leiten, so daß der Inhalt, wenn sich auch die Darstellung nach der Bildung und dem Charakter des Schreibers eigenthümlich gestaltet, doch das reine und untrügliche Wort Gottes geblieben ist. Daher schreibt der heilige Petrus (2. Petr. 1, 21.): „Nie wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgcbracht, sondern heilige Menschen Gottes haben, getrieben vom heiligen Geiste, geredet," und der heilige Paulus (2. Tim. 3, 16.) nennt eben deß- halb die heilige Schrift „von Gott eingegeben." 2) Muß die katholische Kirche das Buch wirklich als Gottes Wort anerkennen und erklären; denn nur sie kann diese Erklärung abgeben, da sie ja von eben demselben heiligen Geiste geleitet wird, der die heilige Schrift cingegebcn hat. Fr. Welche Benennungen führt das geschriebene Wort Gottes? Antw. Das geschriebene Wort Gottes führt verschiedene Benennungen; es heißt: heilige Schrift, Bibel (oder Buch), Testament, Bund, Evangelium. Belehrung. Das geschriebene Wort Gottes heißt: 1) heilige Schrift, weil ihr Urheber, ihre Verfasser und ihr Inhalt heilig ist; 2) Bibel (oder Buch), weil die heilige Schrift nicht nur das erste und älteste Buch in der Welt ist, sondern auch das vorzüglichste, das wichtigste, das nützlichste und einzig nothwendigste Buch; 3) Testament, d. h. Willenserklärung, auch Erbschaftszusicherung, weil Gott den Menschen darin seinen Willen erklärt und ihnen, wenn sie denselben befolgen, eine Erbschaft zugesichert hat, und zwar den Israeliten im A. T. die Erbschaft des gelobten Landes, und den Christen im N. T. die Erbschaft des Himmels. 4) Bund, und zwar alter und neuer Bund heißt die heilige Schrift, weil Gott darin mit den Menschen einen Bund geschlossen hat, in welchem er uns seinerseits seine göttliche Gnade und Seligkeit verspricht, wenn wir anderseits seinen Willen treu erfüllen. — Ferner heißen besonders die Schriften des neuen Bundes auch noch 5) Evangelium, d. h. gute Botschaft; denn „sie verkünden uns," wie der heilige Chry- sostomus sagt, „die Aufhebung der verdienten Strafe, die Nachlassung der Sünden, die Heilung der Menschheit, die Gnade der Erlösung, die Kindschaft Gottes, die Erbschaft des Himmels." Und könnte es wohl eine bessere Botschaft für uns geben, als diese? — Die heilige Schrift führt end- 16 Erstes Hauptstück. Bedeutung und Vortrefflichkeit der hl. Schrift. lich 6) auch noch die Benennung: „geschriebenes Wort Gottes," weil Gott selbst ihren Inhalt zu den Menschen geredet hat, und weil dieser Inhalt ausgeschrieben worden ist; sie heißt so zum Unterschiede von dem nichtge sch rieben en Worte Gottes (Tradition, Erblehre). Beispiel und Anwendung. Aus all diesem ersiehst du, mein lieber Christ! daß die heilige Schrift ein ebenso werthvolles, als tröstliches Buch für uns Alle ist, ein Sendschreiben, das uns, wie der heilige Augustin sagt, ans jener himmlischen Stadt, aus welcher wir bisher ausgeschlossen sind, zugekommcn ist, und das uns die Regel und Weise nnsers Wandels vorschreibt. Mit welcher Freude und Dankbarkeit, mit welcher Ehrfurcht und Huldigung sollen wir daher nicht dieses erhabene göttliche Sendschreiben an- und aufnehmen? Der heilige Einsiedler Antonius, der mit seinen Jüngern in der tiefsten Abgeschiedenheit der Wüste lebte, ward so hoch berühmt, daß sogar der Kaiser Konstantin der Große einen eigenen Boten mit Briefen an ihn schickte. Auch von den zwei kaiserlichen Prinzen, Konstantin und Konstans, waren Briefe beigelegt. Die Jünger des Antonius erstaunten über diese ausgezeichnete Gnade. Allein Antonius legte die Briefe hin, als achte er wenig darauf. Sämmtliche Jünger baten und ermahnten ihn, diese Briefe nicht ungelesen und unbeantwortet zu lassen, indem der Kaiser sonst dieses als Verachtung ansehen und auf ihn zürnen würde. Da sprach Antonius: „Was wundert ihr euch, daß der Kaiser Briefe an uns gesandt hat, der doch auch nur ein Mensch ist? Wieviel mehr sollten wir erstaunen, daß Gott, der höchste Herr des Himmels und der Erde, der König der Könige, uns Menschen das heilige Evangelium, die ganze heilige Schrift, gleichsam als einen Brief von Ihm, in die Hand gegeben hat! Wie höchst strafbar müßten wir in seinen Augen sein, wenn wir dieses Briefes nicht achten, ihn nicht lesen, noch vielweniger befolgen wollten?!" — Nach dieser schönen Lehre beantwortete er den für ihn so ehrenvollen Brief des Kaisers auf die liebevollste und dem Empfänger heilsamste Weise. (Sieh das obige Bild.) — Merke dir, mein Christ! diese heilsame Lehre des heiligen Antonius und handle darnach! Achte und liebe stets die heilige Schrift und befolge, was sie dir lehrt! Fr. Wie theilt man die heilige Schrift ein? Antw. DerZeitnach theilt man die heilige Schrift in die Bücher des alten und des neuen Testamentes oder des alten und neuen Bundes ein; dem Inhalte nach aber in Geschichts-, Lehr- oder Unterrichts- und prophetische Bücher. Belehrung. Ich weiß es, mein christlicher Leser! daß es dir eben so wichtig, als nützlich sein wird, etwas Genaueres über den Inhalt und die Eintheilung der heiligen Schrift zu vernehmen; so höre denn! Die heilige Schrift wird 1) der Zeit nach eingetheilt in das alte und neue Testament. Das erstere enthält die göttlichen Offenbarungen, welche vor der Ankunft Christi an die Menschen ergangen sind; das neue Testament hingegen enthält die göttlichen Offenbarungen, welche wir durch Christus und die Apostel empfangen haben. 2) Dem Inhalte nach wird die heilige Schrift eingetheilt in Geschichts-, Lehr- und prophetische Bücher. Ich will dir nun diese Bücher alle einzeln aufzählen: Das alte Testament enthält g) 21 Geschichtsbücher; diese sind: 5 Bücher Mosis, das Buch Josue, der Richter, Ruth, 4 Bücher der Könige, 2 der Chronik oder Paralipomenon, das Buch Esdras, Nehemias, Tobias, Judith, Esther, 2 Bücher der Makkabäer, ü) 7 Lehrbücher: Job, die Psalmen, die Sprüche, der Prediger oder Ecclesiastes, das hohe Lied, das Buch der Weisheit, Sirach oder Ecclesiasticus. o) 17 prophetische Bücher: Jsaias, Jeremias, Baruch, Ezechiel, Daniel, Osee, Joel, Amos, Abdias, Jonas, Michäas, Nahum, Habakuk, Sophonias, Aggäus, Zacharias und Malachias. — Das neue Testament besteht: g) aus den vier Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, t>) aus der APostelge schichte des heiligen Lukas, v) aus 14 Briefen vom heiligen Paulus. Diese sind: einer an die Römer, zwei an die Korinther, einer an die Galater, einer an die Epheser, einer an die Philipper, einer an die Kolosser, zwei an die Tessalonicher, zwei an Timotheus, einer an Titus, einer an Philemon, einer an die Hebräer. r. Allioli, oder die von vr. Loch und vr. Neischl rc.), und lies alsdann stets mit gehöriger Vorbereitung, in frommer katholischer Gesinnung und mit heiliger Ehrfurcht, und befolge im Leben, was du liesest! Beispiele und Anwendung. Ja, lies mit gehöriger Vorbereitung, in frommer katholischer Gesinnung und mit h e ilig e r Ehrfurcht! — Wenn der heilige Lucian dem Lesen und Betrachten der heiligen Schrift oblag, war sein Hauptzweck, den Willen Gottes zu erkennen, seine Pflichten in ihrem ganzen Umfange zu durchschauen, sich jene Zartheit des Gewissens zu erwerben, welche die Bewegursachen jederHandlung streng abwägt, und nicht bloß von der Sünde entfernt, sondern auch von jedem Scheine der Sünde, und die dem Menschen eine unerschütterliche Festigkeit in der Ausübung der Tugend ertheilt. Und wirklich gelangte er durch diese fromme Lesung und Betrachtung der heiligenSchrift zu einem hohen Grade von Frömmigkeit und himmlischer Erleuchtung; daher wird auch das Wort Gottes, welches in den heiligen Büchern ausgezeichnet ist, mit Recht Licht genannt, weil kein anderer Name besser die heilsamen Wirkungen, die dasselbe in wohlbereiteten Seelen hervorbringt, zu bezeichnen vermag. So oft wir daher die heilige Schrift lesen, sollen wir uns, wenn wir wahres Heil daraus schöpfen wollen, mit den Gesinnungen des heiligen Lucian zu durchdringen suchen; seien wir stets voll jener Ehrfurcht und Liebe gegen sie, die wir dem Worte Gottes schuldig sind, dann werden wir sie mit Nutzen lesen und verdienen, daß sie für uns eine Quelle des Lichtes und des Lebenswerde. Zugleich müssen wir aber auch das treu befolgen, was wir in der heiligen Schrift lesen. — Ein Einsiedler in Aegypten, der heilige Bessarion, hatte seine Erbschaft verkauft, um den Werth derselben an Arme zu vertheilen. Nun hatte er Nichts mehr zu geben; da kommt ein Armer, diesen hüllt er in seinen Mantel ein. Diesem folgt ein anderer Armer, dem gab er seinen Rock. So war er dahin gekommen, daß er keinen andern Schatz mehr hatte, als sein Evangelium, das Buch, aus welchem er die Vorschriften seiner aufopfernden Liebe geschöpft hatte. Nun verkaufte er auch dieses und sagte mit jener Treuherzigkeit, welche die liebenswürdige Gefährtin großer Tugenden ist: „ Dieß Buch machte, daß ich Alles verkaufte; wohlan denn! so soll es selbst auch verkauft sein." Selig, wer die heilige Schrift nicht bloß liest, sondern auch darnach handelt! Le gende: Der h eilige Telesphorus, P apst und Märtyrer (ch 139.) Der heilige Telcsphorus war von Geburt ein Grieche; er folgte im Jahre 127 dem heiligen Papst Sixtus I. auf dem römischen Stuhle nach und war so nach dem heiligen Petrus der achte Bischof von Rom. _nZ» Mit treuer Sorgfalt wachte er über die Reinerhaltung der heiligen Schriften und fand in der Lesung derselben seine Freude, seinen Trost und seine Stärke. Nachdem er Vieles und Großes zur Verherrlichung der Kirche Christi unternommen hatte, erhielt er die unverwelkliche Krone des Marthrthnms im Jahre 139; heilige Engel aber brachten seine Seele hinüber in das Reich der ewigen Glorie. Gebet. Wir bitten dich, o Herr! laß uns Freude, Trost und Stärke finden in deinem göttlichen Worte, das da hinterlegt ist in den heiligen Schriften des A. und N. Bundes, damit wir unfern Wandel darnach einrichten und dereinst die Krone des ewigen Lebens erlangen, wie dein treuer und heiliger Diener Telesphorus. Durch Christum, unfern Herrn. Amen. 3 * 20 Erstes Hauptstück. Von der Erblehre oder Tradition. KM Sechstes Lesestück. Am Feierabende des 6. Januar. Von der Erblehre oder Tradition. Fr. Ist es genug, wenn wir nur das glauben, was in der heiligen Schrift steht? Antw. Keineswegs; wir müssen ebenso die Erb- lehre oder Ueberliefernng (Tradition), d. h. jene geoffenbarten Wahrheiten glauben, die in der heiligen Schrift nicht ausgezeichnet stehen, sondern (sieh hiezu das obige Bild) von den Aposteln bloß mündlich verkündet und so an die christlichen Gemeinden überliefert oder vererbt wurden, daher auch der Name: „mündliche Ueberlieferung" oder „Erblehre". Belehrung. Die heilige Schrift ist und kann nicht die einzige Glaubensquelle sein; sie enthält ja das Wort Gottes nicht vollständig; es sind darin nicht alle Glaubensartikel und Gebote enthalten; so kömmt z. B. in der heiligen Schrift nicht einmal das Wort „Dreifaltigkeit" vor; es findet sich darin Nichts über die Zahl der heiligen Sakramente, Nichts über die Kindertaufe, Nichts über die Feier des Sonntags anstatt des Sabats u. s. f. Die heilige Schrift sagt selbst, daß mehrere heilige Bücher verloren gegangen seien. Als solche werden z. B. genannt das Buch der Kriege des Herrn, das Buch der Gerechten, die Weissagungen mehrerer Propheten, ein Brief des heiligen Paulus an die Korinther. Mit diesen Büchern sind gewiß auch mehrere geoffenbarte Wahrheiten zu Verlust gegangen, welche in den andern Büchern nicht enthalten sind. Mithin ist also nach dem Zeugniß der heiligen Schrift selbst das Wort Gottes nicht mehr vollständig in ihr enthalten. — Die Apostel und Evangelisten bezeugen es deutlich, daß nicht Alles ausgeschrieben sei, was Christus gethan und gelehrt habe. Der heilige Johannes schreibt am Ende seines Evangeliums: „Es ist aber noch vieles Andere, was Jesus gethan. Wollte man dieses einzeln aufschreibcn, so glaube ich, würde die Welt die Bücher nicht fassen, die zu schreiben wären." (Joh. 20, 25.) Und (20, 30) sagt er: „Jesus hat noch viele andere Zeichen vor den Augen seiner Jünger gethan, die in diesem Buche nicht geschrieben sind." Der heilige Lukas sagt (Apostgesch. 1, 3.), daß Jesus nach seiner Auferstehung mit seinen Jüngern vom Reiche Gottes geredet; was er aber geredet, hat er nicht ausgeschrieben. Ganz fehlen also die wichtigen Belehrungen, die Jesus nach seiner Auferstehung seinen Aposteln ertheilt hat. Wie kann also die heilige Schrift das Wort Gottes vollständig enthalten? — Es hatten aber auch die Apostel weder den Auftrag, noch die Absicht, eine vollständige Sammlung der Lehren Jesu zu veranstalten. 21 Am Feierabende Jesus hatte ihnen nicht zu schreiben, sondern zu lehren befohlen; darum sprach er: „Prediget das Evangelium allen Geschöpfen!" (Mark. 16, 15.) und: „Wer euch höret, der höret mich." (Luk. 10, 16.) Darum sagt auch der heilige Paulus (Röm. 10, 16.): „Der Glaube kommt vom Anhören, das Anhören aber von der Predigt des Wortes Christi." Das Evangelium war schon in drei Welttheileu verkündet, und brachte schon die herrlichsten Früchte, che nur ein Buchstabe davon geschrieben war. Die Schriften des neuen Bundes verdanken entstandenen Ketzereien, erhobenen Zweifeln und andern äußern Veranlassungen ihr Dasein, sind also bloße Gelegenheitsschriften, nicht aber eine vollständige Sammlung der ganzen Lehre Jesu, welches, wie wir gesehen, die heilige Schrift selbst bezeugt. — Aus diesem Allen erhellt, daß eö neben der heiligen Schrift auch noch eine mündliche Ucberlieferung gebe, und daß wir diese ebenso annehmen und glauben müssen, wie Das, was in der heiligen Schrift enthalten ist. Beispiel und Anwendung. Höre, mein lieber Leser! ein Geschichtchen, das uns ein scharfsinniger Mann (L e ssiu g) erzählt, und das uns die Möglichkeit und Nothwendigkeit der Tradition zeigt. Zu Anfang des vorigen Jahrhunderts wollte ein abgesetzter protestantischer Prediger auS der Pfalz mit seiner Familie sich nach Amerika begeben. Das Schiff, worauf er hinübersegelte, scheiterte an einer kleinen unbewohnten Insel, und von dem Schiffsvolke ertrank außer der Familie des Predigers fast Alles. Der Prediger fand diese Insel so angenehm, so gesund, so reich an Allem, was zum Lebensunterhalt gehört, daß er gerne da blieb. Der Sturm hatte unter Andern eine kleine Kiste an das Land getrieben, in welcher unter allerlei Geräthschaften für seine Kinder auch ein Katechismus Luthers sich befand. Es versteht sich, daß dieser Katechismus bei gänzlichem Mangel an allen andern Büchern ein sehr kostbarer Schatz für ihn wurde. Er fuhr fort, seine Kinder daraus zu unterrichten, und starb. Die Kinder unterrichteten ihre Kinder wieder daraus und starben. Nur erst vor zwei Jahren ward wieder einmal ein hessischer Feldprediger an diese Insel verschlagen. Der Feldprediger ging mit einigen Matrosen, die frisches Wasser einnehmen sollten, an's Land und erstaunte nicht wenig, sich auf einmal in einem ruhigen, lachenden Thale, unter einem fröhlichen Völkchen zu finden, das Deutsch sprach, und zwar ein Deutsch, in welchem er nur Redensarten und Wendungen aus Luthers Katechismus zu hören glaubte. Er wird neugierig darüber, und siehe! er fand, daß das Völkchen nicht allein wie Luther sprach, sondern auch wie Luther glaubte. Der Katechismus war natürlich in den anderthalbhundert Jahren aufgebraucht, und sie hatten Nichts mehr davon übrig, als die Bretterchen des Einbandes. „In diesen Bretterchen," sagten sie, „steht das Alles, was wir wissen." — „Hat es gestanden, meine Lieben!" sagte der Prediger — „Steht noch, steht noch!" sagten sie. „Wir können zwar selbst nicht lesen, wissen auch kaum, was Lesen des 6. Januar. ist, aber unsere Väter haben cs ihre Väter daraus hcrlesen hören. Und diese haben den Mann gekannt, der die Bretterchen geschnitten." — Da sichst du, mein lieber Leser! aus einem Beispiele, wie es doch wohl möglich ist, daß sich die Lehre Christi auch ohne die Schrift auf die spätem Geschlechter habe fortpflauzen können. Ich weiß nun zwar nicht, ob diese Geschichte Wahrheit oder Dichtung ist, indeß das thut Nichts zur Sache, indem es eiuleuchtet, daß sie doch wahr sein könne, und was sie uns veranschaulichen will, hat sich in der Wirklichkeit zugetragcn. Das Christenthum war, ehe noch die Evangelisten und Apostel Etwas geschrieben hatten. Es verlief auch eine geraume Zeit, ehe der Erste von ihnen schrieb, und eine sehr beträchtliche, ehe die einzelnen Stücke der heiligen Schrift gesammelt waren und sich im Besitze einer jeden Gemeinde befanden. War nun ein Zeitraum, in welchem die christliche Religion bereits so ausgebreitet war, in welchem sie sich bereits so vieler Seelen bemächtigt hatte, und in welchem gleichwohl noch kein Buchstabe aus Dem von ihr ausgezeichnet war, was bis auf uns gekommen ist, so muß es auch möglich sein, daß die von den Aposteln gelehrte Religion auch noch jetzt ohne die Schrift bestände. Wie könnte es auch anders sein? Hätte der Heiland gewollt, daß zu irgend einer Zeit, und möchte sie auch noch so fern von ihm liegen, seine Lehre nur durch die Schrift erkannt und verbreitet würde, so hätte er auch dafür sorgen müssen, daß alle Menschen mit der Schrift die Fähigkeit, sie zu lesen und sie zu verstehen bekämen. Er hätte seinen Jüngern den Befehl geben müssen, Alles genau aufzuschreiben u. s. f., was aber, wie wir oben deutlich genug gezeigt haben, durchaus nicht der Fall war. Es muß also die Ucberlieferung als zweite Glaubensquelle angenommen werden. Wenn daher die Protestanten nur die heilige Schrift als Glaubensregel gelten lassen und die Ueber- lieferung verwerfen, so sind sie offenbar im größten Jrrthum, ja, sie widersprechen sich selbst, da sie mehrere Anordnungen der Apostel beobachten, die nicht in der heiligen Schrift enthalten sind. So feiern sie mit den Katholiken den Sonntag, taufen die kleinen Kinder, lehren, daß man das Sakrament der Taufe nicht wiederholen dürfe, essen vom Blute re., wovon Nichts oder wohl gar das Gegentheil in der heiligen Schrift steht. Woher wissen sie aber, daß dieses Alles erlaubt sei? Woher anders, als aus der Ueberliefcrung der katholischen Kirche. Und doch verwerfen sie die Ucberlieferung! — Wie gegründet und der Wahrheit gemäß ist dagegen die Lehre der katholischen Kirche! Wir wollen uns daher treu an diese katholische Lehre halten und die mündliche Ueberlieferung eben so hoch schätzen, als die heilige Schrift selbst. Hiezu ermahnt schon der heilige Paulus (2. Thess. 2, 14.) die ersten Christen, indem er schreibt: „So stehet denn fest, Brüder! und haltet fest an den lieb erlief er ungen, die ihr erlernt habet, es sei durch Wort oder durch einen Brief von uns." Ein Gleiches thun auch die heiligen Väter schon aus den ersten Jahrhunderten der Kirche. So ermahnt der heilige Ignatius, ein Schüler der Apostel (ff 107), alle Gläubigen: „Haltet fest an den Ueberlieferungen der Apostel!" Mit Recht beruft sich daher die katholische Kirche hinsichtlich ihrer Glaubens- und Sittenlehren ebenso auf die Ueberlieferung, wie auf die heilige Schrift. 22 Erstes Hauptstück. Von der Erblehre oder Tradition. Fr. Hat die heilige Schrift oder die mündliche Ue- berlieferung in der katholischen Kirche mehr Ansehen? AlltW. Beide genießen in der katholischen Kirche gleiches Ansehen; denn beide enthalten Gottes Wort. Belehrung. Die göttliche Offenbarung ist theils schristlich (durch die heilige Schrift), theils mündlich (durch die Ueberlieferung) auf uns gekommen; sonach enthält sowohl die heilige Schrift, als auch die Ueberlieferung Gottes Wort, und es verdienen beide gleiche Verehrung und denselben Glauben, beide haben gleiche Geltung und gleiches Ansehen. Dieß lehren schon die heiligen Väter mit aller Bestimmtheit. Der heilige Basilius äußert sich hierüber also: „Die Glaubenslehren, welche in der Kirche gepredigt werden, sind theils durch die Schriften, welche die Apostel verfaßten, theils durch die Heiligkeit der mündlichen Ueberlieferung zu uns gelangt: beide sind gleich wichtig, Jeder unterwirft sich ihnen." —- Und der heilige Chrysostomus schreibt: „Nicht Alles haben die Apostel ausgeschrieben; Vieles haben sie nur mündlich hinterlassen, dieses verdient denselben Glauben, wie jenes." Eben dieses lehrt auch der Kirchenrath von Trient (sess. 4. äs soript. enn.) mit den Worten: „Alle Bücher sowohl des A. als N. Testaments, da von beiden Gott allein der Urheber ist, sowie die Ueberlieferungen hinsichtlich der Glaubens- und Sittenlehren.nimmt die heilige Shnode an und verehrt sie mit gleicher Hochachtung und Ehrerbietung .Wer aber diese Bücher nicht annimmt und genannte Ueberlieferungen wissentlich verachtet, der sei im Banne." Legende: Die heiligen drei Könige. Mit Freuden wollen wir die göttlichen Offenbarungen annehmen nnd denselben folgen, so willig und treu, wie die heiligen drei Könige, deren Fest wir hente in der Kirche Gottes feiern. Ihnen offenbarte Gott der Herr die Geburt seines eingebornen Sohnes durch einen wunderbaren Stern, und sie machen sich ungesäumt ans, scheuen nicht den weiten Weg, nicht die Gefahren und Beschwerden der Reise und eilen hin nach Jerusalem, um den neugebornen König der Inden anzubeten. Denn als sie in diese Stadt kamen, verschwand der Stern, und sie glaubten am Ziele ihrer Reise zu sein. Daher erkundigten sie sich daselbst um den neugebornen König der Juden. Allein Herodes und ganz Jerusalem mit ihm er- schrack über diese Frage; nur ganz kalt antworteten die Priester des Volkes, daß nach der Weissagung des Propheten Michäas Bethlehem seine Geburtsstätte sein müßte; trugen aber selbst kein Verlangen, das göttliche Kind zu sehen. Herodes aber sprach zu den drei Weisen: „Gehet hin und forschet genau nach dem Kinde, und wenn ihr es gefunden, so laßt mir's wissen, damit auch ich hingehe und es anbete." O der Schlaue! es war ihm nicht um die Anbetung, sondern nur um die Ermordung des Kindes zu thun. — Sobald nun die drei Weisen die Stadt verlassen hatten, erschien ihnen der Stern wiederum, bis er über dem Stalle zu Bethlehem stehen blieb, wo sie das Kind Jesu fanden. Sie fielen anbetend vor demselben auf ihr Angesicht, öffneten ihre Schätze und reichten ihm Gold, Weihrauch nnd Mhrrhen dar. — Auf die Ermahnung eines Engels, nicht mehr zu Herodes zurück- zureisen, kehrten die heiligen drei Könige auf einem andern Wege in ihre Heimath zurück. Ihre heiligen Leiber werden schon seit mehr als 600 Jahren zu Köln am Rhein mit hoher Verehrung aufbewahrt. >— Mein Christ! Auch uns leuchtet ein Stern, der Stern der göttlichen Offenbarung in der heiligen Schrift und in der Erblehre. Wohl uns, wenn wir ihm treulich folgen; er wird uns nicht nur zur Krippe des göttlichen Kindes, sondern auch zum Throne unsers Gottes führen! Gebet. Allmächtiger Gott! laß uns in deiner unendlichen Güte und Barmherzigkeit fortan leuchten den Stern deiner göttlichen Offenbarung und Gnade und bewege unsere Herzen, ihm willig zu folgen, auf daß wir so gelangen zur Krippe deines Sohnes und zum Gnaden- throne deiner ewigen Herrlichkeit. Durch ebendenselben Christum unfern Herrn. Amen. Am Feierabende Siebentes Lesestück. Am Feierabende des 7. Januar. Von dem unfehlbaren Lehramts der katholischen Kirche. Fr. Wie hat Gott dafür gesorgt, daß Schrift und Tradition, die beiden Quellen des Glaubens, stets richtig erklärt und verstanden, und bis an's Ende der Welt rein und ungetrübt erhalten werden? Antw. Er hat in seiner Kirche ein unfehlbares Lehramt ausgestellt, nämlich die Apostel mit ihrem Oberhaupte, dem heiligen Petrus, und nach ihnen die katholischen Bischöfe mit ihrem Oberhirten zu Rom, dem römischen Papste. (Sieh das obige Bild.) Belehrung. Vor der Ankunft des Erlösers waren die Wächter, Verkündiger und Ausleger der göttlichen Offenbarung zuerst die Patriarchen, dann die Propheten und die Priester des jüdischen Volkes mit dem hohen Priester an der Spitze, die man zusammen die lehrende Synagoge hieß. — Als aber des 7. Januar. 23 das Werk der Erlösung vollbracht war, hörte das alte Priesterthum auf, und Jesus übergab sowohl die früheren, als die von ihm selbst geoffenbarten Religionswahrheiten seinen Aposteln zum Aufbewahren, Verkündigen und Erklären. Diese weihte er nun zu Priestern des neuen Bundes und zu Hirten und Lehrern seiner heiligen Kirche; Einen aber von ihnen, den Simon Petrus, bestellte er zum Oberhaupte. Die Apostel mit ihrem Oberhaupte nun nennt man die lehrende katholische Kirche. — Die göttliche Heilsoffenbarung sollte aber fortbestehen, so lange es heilsbedürftige Menschen gibt, also bis an's Ende der Welt. Darum hatten die Apostel auch die Vollmacht vom Herrn empfangen, die Schätze der göttlichen Offenbarung und ihr heiliges Lehr- und Hirtenamt durch Weihe und Sendung wieder Andern zu übertragen, die dann nach ihnen die lehrende Kirche bilden sollten, und diese Uebergabe soll fort und fort geschehen, bis der Herr wicder- kommt. Die Nachfolger des Oberhirten Petrus sind alle rechtmäßig nach einander erwählten römischen Päpste, und die wahren Nachfolger der übrigen Apostel die rechtmäßig geweihten katholischen Bischöfe, die mit dem Oberhirten zu Rom in treuer Gemeinschaft leben, und die sonach noch heut zu Tage das unfehlbare Lehramt in der Kirche Gottes bilden. Fr. Kann aber die lehrende Kirche nicht irren? Antw. Nein; sie ist unfehlbar; sie ist „die Säule und Grundfeste der Wahrheit." (1. Tim. 3, 15.); denn der liebe Gott hat sie unter seinen besonder» und fortwährenden Schutz genommen. Belehrung. Wie Gott schon die Synagoge durch eine außerordentliche Vorsehung bewachte, damit sie vom Worte Gottes im Wesentlichen nie Etwas veränderte oder verloren gehen ließ, ebenso und noch augenscheinlicher wachte er über die Lehrer der katholischen Kirche. Der Sohn Gottes versprach seinen Aposteln, nicht nur „selbst bis an das Ende der Welt unsichtbar bei ihnen zu bleiben," sondern auch noch einen andern Beistand zu senden, „den Geist der Wahrheit, der gleichfalls bis an das Ende der Welt bei ihnen ausharren, sie alle Wahrheit lehren, und ihnen Alles eingeben werde, was er ihnen gesagt habe." Er versichert, „daß man ihn selbst höre, wenn man das Wort des Heiles aus ihrem Munde vernehme, und daß bei der Predigt des Evangeliums nicht sie, sondern der Geist seines himmlischen Vaters in ihnen zu den Menschen reden werde." War mm bei der Verkündung und Auslegung der göttlichen Offenbarung der Mund der Apostel gleichsam der Mund des Heilandes selbst, und ihr Lehrwort die Stimme des heiligen Geistes, so konnten sie von der göttlichen Heilslehre gewiß nie etwas Wesentliches ver- 21 Erstes Hauptstück. Von dem unfehlbaren Lehramte der katholischen Kirche. gessen, verändern oder mißdeuten. — Eben diese Verheißungen und Zusicherungen gelten auch den Nachfolgern der Apostel, dem römischen Papst und den mit ihm vereinigten Bischöfen, d. h. der lehrenden Kirche. Fr. An wen müssen wir uns also halten, wenn wir in Sachen des Glaubens nie irren wollen? Antw. An die lehrende katholische Kirche, die vermöge des immerwährenden göttlichen Beistandes die unerschütterliche Sänle und Grundfeste der Wahrheit ist. Belehrung. In Bezug ans Schrifterklärnng, in allen Zweifeln, bei allen Religionsstreitigkeiten müssen wir uns stets und treu an die heilige katholische Kirche halten; ihren Entscheidungen, die sie entweder durch den Papst, wenn er nämlich als Oberhaupt und Lehrer der ganzen Kirche (ex ostüscira) entscheidet, oder durch eine vom Papste bestätigte Kirchenversammlung gibt, müssen wir uns als gehorsame Kinder willig unterwerfen; denn nur die katholische Kirche besitzt die ganze unverfälschte Heilslehre und bietet uns den unfehlbaren Unterricht und den ganzen Reichthum der göttlichen Heilsmittel dar. Wer treu und fest zu dieser Kirche hält, der ist auf dem sichern Wege zum Himmel, und gleicht nicht mehr den Kindern, „die wie Meereswellen und von dem Winde der Lehre umhergetrieben werden durch die Schalkheit der Menschen, durch die arglistigen Kunstgriffe der Verführung zum Jrrthum." — Darum hat der Sohn Gottes so nachdrücklich zum Festhalten und Anschließen an diese seine Kirche ermahnt mit den Worten (Luk. 10, 16.): „Wer euch, die Lehrer seiner Kirche, verachtet, — euch kein Gehör gibt — der verachtet mich und mit mir auch Denjenigen, der mich gesendet hat." Und ein anderes Mal sagt er (Matth. 18, 17.): „Wer die Kirche nicht hört, den betrachtet als Heiden und Publikan," d. h. als einen Menschen, der noch von Gott und dem Himmelreiche weit entfernt steht. — O so wollen wir, mein Christ! uns stets treu an die heilige katholische Kirche halten und uns willig ihren Aussprüchen und Entscheidungen unterwerfen! - Beispiel und Anwendung. Ein herrliches Beispiel von Unterwürfigkeit unter die Entscheidungen der Kirche gab uns Fenelon, Erzbischof von Cambrai. Dieser ward von mehreren französischen Bischöfen beschuldiget, daß er in seiner Schrift: „Erklärung der Grundsätze der Heiligen" mehrere gefährliche Sätze in religiöser Beziehung aufgestellt habe. Anfangs nahm er sein Werk in Schutz; als er aber die Meinung seiner Gegner nicht umstoßen konnte, ließ er es aus die Entscheidung des Papstes ankommen. Das Buch, welches von einer Kommission Kardinälen geprüft wurde, ver- anlaßte lange Erörterungen. Endlich wurde von Papst Innozenz XII. das Verdammungsurtheil ausgesprochen, und der Erzbischof von Cambrai erfuhr dieß gerade in dem Augenblicke, als er die Kanzel bestieg. Sogleich änderte er das Thema seiner Rede und sprach aus dem Stegreife über die der Obrigkeit schuldige Unterwerfung, und zwar in einer so rührenden Weise, daß sämmtliche Zuhörer in Thränen ausbrachen. Und das war noch nicht Alles; als Erzbischof mußte er in der Kirche, deren Vorgesetzter er war, die Verdammung seines eigenen Werkes verkündigen und die Lesung desselben verbieten. Er that dieß in einfachen Ausdrücken, ohne in irgend einer Weise gegen das Urtheil sich auszusprechen oder selbes beschränken zu wollen. „Unser heiliger Vater, der Papst" sagte er, „hat durch ein Breve das Buch, welches den Titel führt: „Erklärung der Grundsätze der Heiligen" mit dreiundzwanzig Sätzen, welche aus demselben ausgezogen sind, verdammt. Wir pflichten dem Breve bei, und dieß aufrichtig, ungezwungen und ohne irgend einen Gedanken an eine Beschränkung des Urtheils. Wir ermahnen euch von ganzem Herzen zu ähnlicher Unterwerfung und Folgsamkeit ohne Vorbehalt, damit nicht geschwächt werde der dem heiligen Stuhle schuldige Gehorsam, wovon ich euch mit der Gnade Gottes bis zum letzten Athemzuge meines Lebens ein Beispiel geben will. Gott verhüte, daß man je in anderer Absicht von mir rede, als um eines Hirten zu gedenken, der an Folgsamkeit auch das geringste Schäflein seiner Heerde übertreffen zu müssen glaubte, und in diesem Gehorsam keine Grenzen kannte." — Mit dieser Erklärung sich nicht begnügend, und um seiner Herrde ein noch sprechenderes Zeichen seiner Unterwürfigkeit und Reue zu geben, ließ er eine Monstranzc anfertigen, die von zwei Engeln getragen wird, von denen der eine mehrere unheilige Bücher mit Füßen tritt. Eines dieser Bücher führt den Titel: „Erklärung der Grundsätze der Heiligen." Welch ein rührendes Beispiel von Unterwürfigkeit und Gehorsam gegen die lehrende Kirche! So sollen auch wir stets folgsame Kinder der Kirche sein und unsere Ansichten in Sachen des Glaubens und der Religion dem Urtheile und den Ansichten der Kirche unterwerfen. Auf das Ansehen der lehrenden Kirche sollen wir uns berufen, wenn Irrgläubige Einwürfe machen gegen die heilige Messe, die Verehrung der Heiligen, das Fegfeuer re.; mit dem Muthe und mit der Entschiedenheit eines wahren Katholiken sollen wir antworten: „Diese und dergleichen Artikel glaube ich darum, weil sie Gott geoffenbaret hat; und daß es so sei, das glaube ich darum, weil die lehrende Kirche, welche eine Säule und Grundfeste der Wahrheit ist, und von Jesus und seinem heiligen Geiste geleitet, nicht irren kann, Solches zu glauben vorstellt." Also sprich, und du wirst alle deine Gegner beschämen und zum Schweigen bringen. Legende: St. Valentin, Bischof (f um 470.) Ein so treuer Sohn der Kirche begegnet uns heute auch in der Legende oder im Leben der Heiligen. Es ist dieß der heilige Bischof Valentin. Seine Liebe und sein Eifer für die Ausbreitung der heiligen katholischen Kirche trieb ihn im Jahre 440 nach Passan, um daselbst und in der ganzen Umgegend die Erbarmnngcn Gottes zu verkünden. Er fand aber da keinen empfänglichen Boden für die Lehre des Heiles; deßhalb begab er sich nach vielen Widerwärtigkeiten, die er als Bischof zu erdulden hatte, Am Feierabende des 8. Januar. 2s nach Throl, wo er in der Gegend von Meran ein empfänglicheres Erdreich fand. Hier sammelte er bald eine zahlreiche Gemeinde zum Preise des Herrn und zu seinem eigenen Tröste. Im Jahre 470 ging er getrost und freudig in die Ruhe des Herrn ein — zu Matsch in Throl; denn er starb als ein eifriger Arbeiter im Weinberge des Herrn und als ein treuer Sohn der heiligen katholischen Kirche. Gebet. Gib, o Herr! daß auch wir als deine eifrigen Diener an unserm Heile arbeiten, so lange es Tag ist, und als treue Kinder deiner heiligen Kirche, wie der heilige Bischof Valentin, leben und sterben mögen. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Achtes Lesestück. Am Feierabende des 8. Januar. Von der Bedeutung und Größe des Glaubens. Fr. Was muß demnach der katholische Christ überhaupt glauben? Antw. Er muß Alles unbezweifelt glauben, was Gott geoffenbaret hat, und die katholische Kirche zu glauben vorstellt, es mag dasselbe in der heiligen Schrift stehen oder nicht. Belehrung. Wir haben aus den bisherigen Lektionen ersehen, daß sich uns Gott in seiner Liebe geoffenbaret hat, daß diese göttliche Offenbarung theils schriftlich, theils mündlich auf uns gekommen ist, und daß sie stets rein und unverfälscht in der heiligen katholischen Kirche erhalten wird. Der wahre katholische Christ muß daher Alles unbezweifelt für wahr halten, was Gott geoffenbaret hat, und was die katholische Kirche zu glauben vorstellt, es sei Mehler, Hausbuch. geschrieben oder nicht. Die wesentlichen Merkmale eines Rechtgläubigen sind demnach folgende drei: 1) Er glaubt Alles ohne Ausnahme, was immer Gott der Herr in seiner Liebe zu unserm Heile geoffenbaret hat, gleichviel, ob es schriftlich aufbewahrt, oder mündlich überliefert worden ist. —- 2) Er empfängt mit kindlicher Dankbarkeit die göttliche Offenbarung aus der Hand der katholischen, allein wahren Kirche Jesu, und nimmt sie genau in dem Sinne an, in welchem diese unfehlbare Kirche sie versteht und auslegt. — 3) Dicß Alles glaubt er wegen der untrüglichen Wahrhaftigkeit Gottes mit unerschütterlicher Festigkeit, ohne dem mindesten Zweifel dagegen freiwillig in seinem Herzen Rauni zu geben. — Würde unserem Glauben ein einziges dieser Merkmale fehlen, dann wäre er schon nicht mehr der rechte und seligmachende Christenglaube. Beispiel und Anwendung. Einen rechten und seligmachenden Christenglauben hatte z. B. der heilige Augustinus; daher rief er aus: „Ich glaube sogar auch Das, was ich nicht begreife, weil es Gott, die ewige Wahrheit, geoffenbaret, und die heilige katholische Kirche, diese Säule und Grundfeste der Wahrheit, es zu glauben vorgestellt hat. Ich würde eher zweifeln, daß ich lebe, als daß Jenes nicht wahr sei, was ich (als Wort Gottes ans dem Munde der Kirche) vernommen habe." So haben von jeher alle wahren Katholiken geglaubt; so mußt auch du glauben, o Christ! wenn du ein wahrer Katholik sein willst. Fr. Ist der katholische Glaube ein großes Glück? Antw. Jawohl, das größte, welches dem Menschen auf Erden zu Theil werden kann; er ist ein übernatürliches Licht, eine Gabe Gottes, eine von Gott uns eingegossene Tugend. Belehrung. Der katholische Glaube ist ein übernatürliches Licht; „der Glaube ist, wie eine Lampe," sagt der heilige Chrysosto- mus; „wiedieLampe das Haus, wo sie ist, erleuchtet, so erleuchtet der Glaube die Seele, damit sie erkennt." Und wie die körperliche Sonne die irdische Nacht vertreibt, und uns die Schöpfung Gottes in ihrer Schönheit sehen läßt, so verdrängt die geistige Sonne des Glaubens die 4 2 <; Erstes Hauptstück. Von der Bedeutung nnd Größe des Glaubens. Nacht des Jrrthums und der Unwissenheit in unfern wichtigsten Angelegenheiten, und laßt uns die herrlichen Vollkommenheiten Gottes, unsere hohe, ewige Bestimmung und die sichern Wege und Mittel, sie zu erreichen, deutlich erkennen. — Der katholische Glaube ist ferner eine von Gott uns ein- gegossene Tugend, eine Gabe Gottes, eine Wirkung der göttlichen Gnade; „denn aus Gnade seid ihr selig geworden," schreibt der heilige Paulus (Eph. 2, 8.), „durch den Glauben, nnd das nicht aus euch; denn es ist Gottes Gabe." Nicht durch eigenes Wollen nnd Bemühen, sondern nur durch die Erbarmung Gottes konnten wir den Glauben erlangen. Niemand verdient dieses Gut, weil wir alle in der Erbsünde als Feinde Gottes geboren worden sind und Gott leider auch durch wirkliche Sünden oft genug beleidigen. Der Glaube ist nur reine Gnade, ein unverdientes Geschenk der göttlichen Erbarmung. Wie glücklich sollen wir uns daher schätzen! Wie dankbar sollen wir Gott für dieses kostbare Geschenk des wahren Glaubens sein! Denn „ kein Reichthum, kein Schatz, kein Gut dieser Erde ist größer, als der katholische Glaube," sagt mit Recht der heilige Augustinus. Beispiel und Anwendung. Millionen treten in diese Welt ein und verlassen sie wieder ohne das Glück, Christen zu sein; Millionen gehen zu Grunde, da ihnen die Gnade nicht zu Theil ward, in der christlichen Religion geboren und erzogen zu werden. — Und dich hat der Herr zu solch hoher Würde erhoben, hat dich zu seinem Kinde und zum Erben des Himmels gemacht! Sage mir, wodurch hast du wohl eine so hohe Gnade verdient? — Gar oft pflegte der heilige Augustin diese ernste Frage an sich zu stellen und nicht selten im Gefühle des innigsten Dankes gegen Gottes Güte auszurufen: „Fürwahr! eine große, ja unschätzbare Gnade ist es, daß mich Gott zu einer Zeit und unter Menschen geboren werden ließ, durch die ich zur beseligenden Lehre des Christenthums gelangte. Ich sehe, daß Tausenden und abermals Tausenden diese Gnade nicht widerfährt." — Als eben dieser Heilige ein andersmal im 30. Psalm die Worte las: „In deinen Händen, o Herr! liegt mein Schicksal," so rief er im Geiste der Demuth aus: „Ich finde kein Verdienst in mir, wodurch ich würdig geworden wäre, daß du mich, o Gott! dem allgemeinen Verderben des menschlichen Geschlechtes entrissest und mich zum ewigen Heile beriefest, auf daß ich gelangte zum Friedensgewande des Herrn." >— Wenn ein so großer Heiliger und Diener Gottes kein Verdienst in sich aufzusinden im Stande war, das ihn der Gnade und des Glückes eines Christen würdig machte, um wieviel weniger werden wir es im Stande sein?! Fr. Was folgt daraus, wenn der katholische Glaube ein so kostbares Gut ist? Anlw. Es folgt hieraus, daß wir Gott vom Herzen dafür danken, unfern Glauben treu bewahren und darnach leben, ihn nach Möglichkeit zu verbreiten und zu ver- theidigen suchen sollen. Belehrung. Aus der Fülle nnsers Herzens sollen wir uns freuen und Gott dafür danken, daß wir Kinder der katholischen Kirche sind; zugleich sollen wir eifrig nach unserm Glauben leben; denn sonst würde uns unser Glaube Nichts helfen; in dankbarer christlicher Liebe sollen wir ferner fiir Diejenigen beten, die noch in den Finsternissen des Un- und Irrglaubens schmachten, und zur Verbreitung des wahren Glaubens nach Kräften beitragen. Endlich sollen wir unfern Glauben standhaft bekennen und ihn mit Eifer und Klugheit zu vertheidigen suchen. Beispiel und Anwendung. Der gottesfürchtige König Alphons der Weise von Kastilien weinte oft vor Freuden, wenn er das hohe Glück betrachtete, das ihm Gott durch die Berufung zum wahren Glauben zu Theil werden ließ. „Unaufhörlich danke ich meinem Gott," pflegte er zu sagen, „nicht dafür, daß ich ein König, sondern dafür, daß ich ein Katholik bin." Ahme dieses schöne Beispiel nach, o Christ! und lege dich nie zur Ruhe, ohne Gott dein Herrn für die Gnade des Glaubens zu danken! Stehe aber auch stets für deinen Glauben ein; bekenne und vcrtheidige ihn nach deinen Kräften! Mache es, wie der heilige Bischof Erhard, dessen Fest heute in der Kirche gefeiert wird. Legende: St. Erhard, Bischof von Regensburg (im 8. Jahrhundert). Der heilige Erhard war ein Schotte von edler Abkunft und verwendete sein ganzes Leben auf die Ausbreitung nnd Vertheidigung des heiligen katholischen Glaubens. Schon als Knabe vereinigte er Frömmigkeit mit Wissenschaft. Die vielfachen Gefahren und Versuchungen, denen er ansgesetzt war, überwand er durch Gebet und Betrachtung, durch Am Feierabende des 9. Januar. 27 8 r li^X^Ld WW Fasten und Abtödtung. Wegen seiner allgemein geschätzten Tugend und Weisheit wurde er zum bischöflichen Amte berufen. Als Bischof lebte er so heilig, daß er durch seinen Wandel viele und selbst ganz verhärtete Herzen für den Herrn gewann. Nicht blos bei Tag, sondern auch des Nachts lag er dem Gebete und der Betrachtung ob und benützte jede Zeit und Gelegenheit, Gottes Wort zu verkünden. Unter seinen vielen Tugenden leuchtete besonders die Tugend der Jungfräulichkeit hervor, die er bis an sein seliges Ende rein und unbefleckt bewahrte. Erhard, der, wie sein göttlicher Herr und Meister, Allen Alles sein wollte, verließ sein Vaterland, begab sich nach Ne- gensburg und gründete in Deutschland 14 klösterliche Institute. Durch die vielen Wunder, die er wirkte, durch seine gottseligen Ermahnungen, besonders aber durch die Heiligkeit seines Wandels führte er Viele, die vom rechten Wege abgekommen waren, wieder zur katholischen Kirche zurück. Auf göttliche Eingebung hin reiste er von Regensburg zu Herzog Erich (Adalrich) in Elsaß, dessen Tochter von Geburt an blind war. Als sie vom heiligen Bischof Erhard den christlichen Unterricht und dann die heilige Taufe empfangen hatte, erhielt sie mit der Gnade des Sakramentes auch das Augenlicht. Erhard kehrte wieder nach Regensburg zurück, wo er für das Heil der Kirche und der Religion noch vielerlei Mühen und Beschwerden zu ertragen hatte. Bis an sein Ende aber blieb er ein treuer Diener des Herrn. Sein heiliger Leib ruht in der Kirche zu Niedermünster in Regensburg. Von Papst Leo IX. wurde er im Jahre 1052 den Heiligen beigezählt. Gebet. Herr, himmlischer Vater! nimm hin den Dank unserer Herzen für die große Gnade, mit der du »ns zum heiligen katholischen Glauben berufen hast, und verleihe uns auf die Fürbitte des heiligen Bischofs Erhard, daß wir unfern heiligen Glauben innig lieben und ihn jederzeit mit Muth und Freudigkeit des Herzens bekennen und vertheidigen. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Neuntes Lesestück. Am Feierabende des 9. Januar. Von der Nothwendigkeit des Glaubens und von dem allein wahren Glauben. Fr. Ist der Glaube nothwendig zur Seligkeit? Antw. Ja; denn „ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen." (Hebr. 11, 6.) Belehrung. Die Nothwendigkeit des Glaubens läßt sich nicht läugnen; ohne den Glauben läßt sich keine Seligkeit im Jenseits hoffen; denn „wer nicht glaubt, der ist schon gerichtet" (Joh. 3, 18.); „wer nicht glaubt, der wird verdammt werden." (Mark 16, 16.) Ohne Glauben finden wir den Weg zum Himmel nicht; er muß uns voranleuchten als leitender Engel, (steh das obige Bild), damit wir uns in den Finsternissen des Un- und Irrglaubens nicht verirren und nicht gerathen in den Strom des Verderbens. — Ohne, Glauben ist aber auch nicht einmal auf Erden eine Seligkeit denkbar, ja, ohne Glauben würde die Erde zu einer Räuberhöhle ohne Trost und Sicherheit; denn ein glaubensloser Mensch ist zu allen Lastern und Verbrechen fähig. Mit Recht sagt daher der heilige Clemens von Alexandrien: „Der Glaube ist dem Christen so nothwendig, wie Dem, der lebt, das Athemholen." Und der heilige Augustin schreibt: „Wie ohne Wurzel der Baum nicht wachsen, wie ohne Fundament kein Gebäude sich erheben, wie ohne Quelle der Bach nicht 28 Erstes Hauptstück. Von der Nothwendigkeit des Glaubens und von dem allein wahren Glauben. fließen kann, so kann das christliche Leben und jede andere Tugend nicht gedeihen, sich nicht aufbauen und zur Quelle des ewigen Lebens werden, wenn dasselbe nicht vom Glauben ausgeht." Beispiel und Anwendung. Diese Nothwendigkeit des Glaubens zur ewigen Seligkeit soll dir, mein Christ! aus folgender Parabel noch deutlicher werden. Es machten einmal Zwei eine Reise miteinander; der Eine hatte ein paar hundert Goldstücke bei sich, der Andere nur eine Flasche Wein und Brod. Da kamen sie denn in eine große Wüste, in der man auch für theueres Geld Nichts haben konnte. Gerne hätte der Eine all sein Geld hingegeben, wenn er ein Glas Wasser und einen Bissen Brod hätte bekommen können; allein er mußte sammt seinem Gelbe Hungers sterben, während der Andere vom Hungertode gerettet wurde. — Gerade so ist es auch mit dem Glauben. Es mag einem die halbe oder meinetwegen auch die ganze Welt gehören, wenn man den Glauben, den wahren, christlichen Glauben, nicht hat, so geht man sammt seinem Geld und Gut ewig zu Grunde; denn ohne den Glauben ist es unmöglich, daß man Gott gefalle. Was hilft dem Menschen seine unsterbliche Seele, was helfen ihm alle Fähigkeiten und Anlagen, was helfe ihm selbst das Blut des Erlösers, wenn ihm der Glaube fehlte? Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen. — Diese Nothwendigkeit des Glaubens erkannten alle heiligen Märtyrer; darum opferten sie so bereitwillig ihr Leben hin — einzig und allein um des Glaubens willen, und darum sollst auch du, o Christ! lieber Alles hiugeben, als deinen heiligen Glauben verlieren! Fr. Macht jeder Glaube selig? Antw. Nein; nur der wahre Glaube, den Christus der Herr uns gelehrt hat, macht selig. Belehrung. Also nicht jeder Glaube macht selig, sondern nur der wahre Glaube, den Christus der Herr uns gelehrt hat, dem Ausspruche des heiligen Johannes gemäß (Joh. 3, 36.): „Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben; wer aber dem Sohne nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm." — Mit Recht sagt daher schon der heilige Ignatius: „Irret nicht, meine Brüder! wenn Jemand in einem andern Glauben wandelt, so wird er das Reich Gottes nicht erben. Denn ohne diesen Glauben können wir keinen An- theil an Christus haben; ohne Christus aber ist kein Heil zu hoffen; es ist ja kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, wodurch wir selig werden sollen." Wie sündhaft ist es also, zu sagen oder auch nur zu denken, auf den Glauben komme es nicht an, es sei einerlei, was für einen Glauben man habe; denn man verachtet dadurch Gott, der uns den einen wahren Glauben gegeben und seinen einge- bornen Sohn deßwegen in die Welt gesandt hat! Fr. Wo finden wir aber diesen wahren Glauben, den Christus gelehrt hat? Antw. Diesen wahren Glauben finden wir nur in der katholischen Kirche; denn nur sie hat diesen Glauben als ein ihr anvertrautes himmlisches Gut von Christus selbst durch die Apostel empfangen und stets unverfälscht bewahrt. Belehrung. Die katholische Kirche allein besitzt den wahren Glauben; denn sie hat ihn von Christus selbst empfangen. Alle andern Religionssekten können ihre Glaubenslehre nicht von Christus empfangen haben, weil sie erst lange nach Christus entstanden sind; bei jeder derselben wissen wir den Namen ihres Gründers, die Zeit, wann, und den Ort, wo sie entstanden sind; mit Tertullian können wir ihnen zurufen: „Wir wissen es schon, von wannen ihr seid. Ihr seid Alle von gestern." Nicht so ist es bei der katholischen Kirche; sie hat ihre Glaubenslehre nur von Christus empfangen, sie hat dieselbe auch stets unverfälscht bewahrt. Oder ist es nicht wahr? Wohlan denn, so trete Jemand auf — auf dem ganzen weiten Erdenrunde und nenne den Mann, der diesen ewig wahren Glauben aus der katholischen Kirche hinweggenommen oder ihn verfälscht habe, und nenne den Ort, wohin dieser ewig wahre Glaube gebracht wurde! Wahrlich, kein Mensch wird diesen Beweis zu liefern im Stande sein. Und noch Etwas will ich dir sagen, mein Christ! Siehe, schon gegen 2000 Jahre besteht der katholische Glaube. Ist es aber auch nur ein einziges Mal erhört worden, daß ein wahrer Katholik auf dem Todbette ein Bedürfniß und ein Verlangen nach einem andern Glauben gefühlt hätte? Nein, nie ist dieses erhört worden, und ich darf für diese Behauptung keck die ganze Geschichte zum Zeugen aufrufen. Gar oft und vielfach hat man hingegen gehört, daß Andersgläubige auf dem Todbette die Unzulänglichkeit und Falschheit ihres bisherigen Glaubens eingesehen, daß sie, um ruhiger und getroster sterben zu können, ein Bedürfniß und ein Verlangen nach unserm Glauben gefühlt, und daß Viele davon wirklich noch zu unserm Glauben übergetreten sind, und nach ihrem Uebertritte harrten sie ruhig und getrost ihrer Auflösung entgegen. Spricht nicht diese einzige Thatsache laut und nachdrücklich genug für die Wahrheit, daß nur in der katholischen Kirche der wahre Glaube zu finden sei, nicht aber bei den von der katholischen Kirche getrennten Sekten? Darum ruft uns der heilige Hieronymus zu: „Gehet nicht hinaus und glaubet es nicht, daß des Menschen Sohn in der Wüste der Heiden sei oder in den geheimen Gemächern der Ketzer, sondern daß sein Glaube vom Aufgang bis zum Niedergänge in der katholischen Kirche leuchtet." Beispiele und Anwendung. Die katholische 29 Am Feierabende des 10. 'Januar. Kirche hat den wahren Glauben; dieses haben in besseren ruhigern Augenblicken selbst die begabtesten Männer, die sich sonst um Religion nicht viel bekümmerten oder ganz und gar von der katholischen Kirche getrennt waren, erkannt. Der große Dichter Byron, ein Mann von außerordentlicher Begabung, der aber zum Unglücke einen Tag dem Laster und dem Jrrthume, den andern der Tugend und der Wahrheit huldigte, ward zuletzt doch von Unruhe und brennender Begierde nach Tugend und Wahrheit ergriffen und verhehlte keineswegs die große Verehrung, die er gleichsam gegen seine Grundsätze für die katholische Lehre hatte. Seinem Willen gemäß sollte seine Tochter auch in dieser Religion erzogen werden. Zn einem bekannten Briefe spricht er von diesem Entschlüsse in folgender Weise: „Ich habe mich zu dieser Bestimmung in Betreff meiner Tochter entschlossen, da ich keine andere Kirche gefunden, in welcher die Wahrheit in solchem Glanze strahlt, wie in der katholischen." — Thomas Moore, der Freund Byrons, ein Dichter, wie England keinen großem seit Byrons Tode besitzt, lebte viele Jahre unentschlossen, welcher Religion er folgen sollte. Nun aber fing er an, das Christenthum ernstlich und mit aller Gründlichkeit zu untersuchen, und am Schlüße mußte er sich bekennen, daß man folgerichtig und im wahren Sinne nur in der katholischen Religion Christ sein und heißen könne. Ueber seine Forschungen und über den Entschluß, zu dem er unwiderstehlich hingedrängt wurde, schrieb er ein eigenes Werk. Darin heißt es unter Andern: „Sei mir gegrüßt, du eine, wahre Kirche, sei mir gegrüßt! Du bist der einzige Weg, der zum Leben führt, und die einzige Kirche, deren Tabernakel die Verwirrung der Meinungen nicht kennt! In dem Schatten deiner heiligen Geheimnisse findet meine Seele Ruhe. Ferne sei von mir die gottlose Frechheit, welche über das heilige Dunkel der göttlichen Geheimnisse nur spottet; ferne ebenso jene Vermessenheit, die da glaubt, die Tiefen der Geheimnisse ergründen zu können! Ein Anderer mag forschen und grübeln, ich bewundere; ein Anderer mag streiten, ich will glauben; ich sehe die Höhe und Tiefe, wenn mir auch nicht vergönnt ist, zu ihrer äußersten Grenze zu dringen." — So fanden also von jeher redlich denkende Männer den wahren Glauben nur in der katholischen Kirche und fühlten sich glücklich in demselben. Sollst nicht auch du dich, o Katholik! glücklich preisen und Gott dem Herrn durch dein ganzes Leben für die große Gnade danken, daß er dich zum wahren Glauben berufen hat! Ja, mit dem edlen Grafen Stolberg, dem der Herr die Gnade verlieh, in die katholische Kirche zurückzukehren, wollen wir oft aus dankerfülltem Herzen zu Gott aufrufen: „Das Lob deines heiligen Namens soll nie aushören, bis wir einen neuen Gesang anstimmen! Welche Gnade hat uns Gott verliehen! Sein heiliger Name sei ewig gebenedeit!" — Legende: Die heilige Marciana, Jungfrau und Märtyrin, (f im 2. Jahrhundert.) Die Nothwendigkeit des Glaubens zur Erlangung der ewigen Seligkeit erkannte auch die heilige Marciana, deren Name am heutigen Tage im römischen Martyro- logium angeführt wird; denn sie wollte lieber sterben, als ihren Glauben verläugnen. Marciana war aus der Stadt Rusukkur in Mauretanien gebürtig. Groß- müthig opferte sie alle Vortheile ans, welche ihr die Welt anbot, um sich allein an ihren göttlichen Heiland anzuschließen. Und bald gab ihr auch die unter Diocletian ansgebrochene Verfolgung Gelegenheit, glänzende Beweise abznlegen von der Treue, die sie ihrem göttlichen Bräutigam geschworen hatte. Man ergriff sie zu Cäsarea in Mauretanien und führte sie vor den Richter, der sie grausam mit Stockschlägen behandeln ließ. Ihre Keuschheit wurde dann der thierischen Unverschämtheit wilder Gladiatoren preisgegeben; allein Gott rettete wunderbarer Weise seine Dienerin von der Gefahr. Zuletzt wurde sie in das Amphitheater geführt, wo sie wilden Thieren vorgeworfen und von denselben zerrissen wurde. — Erkennst auch du, o Christ! die Nothwendigkeit des wahren katholischen Glaubens? Bist auch du bereit, für denselben so Vieles zu dulden und zu leiden? Gebet. Heilige Jungfrau und Märtyrin Marciana! bitte bei Gott für uns, damit wir die Nothwendigkeit des wahren Glaubens zur Erlangung der ewigen Seligkeit erkennen und eher bereit seien zu sterben, als unfern heiligen katholischen Glauben zu verläugnen. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Zehntes Lesestück. Am Feierabende des 10. Januar. Von den Eigenschaften des Glaubens. Fr. Wie muß unser Glaube beschaffen sein? AntW. Unser Glaube muß 1) allgemein, 2) standhaft, 3) fest und 4) lebendig sein. Fr. Wann ist unser Glaube allgemein? 30 Erstes Hauptstück. Von den Eigenschaften des Glaubens. WM»«. W« MM Antw. Unser Glaube ist allgemein, wenn wir nicht bloß Einiges, sondern Alles glauben, was nns die heilige katholische Kirche zu glauben vorstellt. Belehrung. Das ist kein wahrer katholischer Glaube, der sich nur auf Einiges, nicht aber auf Alles erstreckt, was die katholische Kirche zu glauben vorstellt; der wahre Glaube muß allgemein sein; denn Christus sagt ausdrücklich: „Lehret sie Alles halten, was ich euch gesagt habe." (Matth. 28,20.) Und der heilige Johannes schreibt: „ Ein Jeder, der abweicht und nicht in der Lehre Christi bleibt, hat Gott nicht." (2. Joh. 1, 9.) Ferner hat derjenige, der von der Lehre Christi nur das glaubt, was ihm beliebt, soviel wie keinen Glauben; denn ein solcher glaubt nicht Gott, sondern seiner eigenen Einsicht. „Wenn ihr in dem Evangelium," sagt der heilige Augustin, „nur das glaubet, was ihr wollet, und das wieder nicht glaubet, was ihr nicht wollet, so glaubet ihr vielmehr euch, als dem Evangelium; denn wenn der eigene Verstand in der Schrift annchmen und verwerfen darf, was er will, so unterwirft er sich nicht dem Ansehen der Schrift, sondern er unterwirft die Schrift seinem Willen." Fr. Wann ist unser Glaube standhaft? Antw. Unser Glaube ist standhaft, wenn wir, wie die heiligen Märtyrer, bereit sind, eher Alles, selbst das Leben hinzugeben, als vom Glauben abzufallen. Belehrung. Standhaft ist also dein Glaube, o Christ! wenn du bereit bist, lieber Alles zu leiden und selbst den Tod, lieber Alles zu verlieren, und selbst das Leben, als deinen Glauben zu verläugnen oder von demselben abzufallen. „Fürwahr, alle Katholiken," schreibt der heilige Vinzen- tiusvon Lerin, „welche sich als rechtmäßige Kinder ihrer Mutter, der Kirche zeigen wollen, müssen an dem heiligen Glauben der heiligen Väter festhalten und darauf sterben, profane Neuerungen unheiliger Menschen aber verabscheuen und verwerfen." Und schon lange vor ihm schrieb der heilige Paulus (Hebr. 3, 12.): „Sehet zu, Brüder, daß nicht in Einem von euch sei ein böses, ungläubiges Herz, geneigt, abznfallen von dem lebendigen Gott!" — Die heiligen Märtyrer und andere treue Katholiken sind uns hierin die schönsten Muster zur Nachahmung. Beispiel und Anwendung. Ein herrliches Beispiel eines allgemeinen und standhaften Glaubens gab uns Allen der heilige Basilius. (Sieh das obige Bild.) — Kaiser Valens, welcher der Irrlehre des Anus huldigte, wünschte auch den heiligen Erzbischof Basilius den Großen auf seine Seite zu bringen. Die Durchführung dieses' seines Planes übertrug er seinem damaligen Statthalter Modestus. Dieser begab sich nun, dem Winke seines Kaisers folgend, nach Cäsarea und ließ den heiligen Erzbischof zu sich kommen. Mit aller möglichen Zuvorkommenheit empfing der Statthalter den großen Diener. Gottes, behandelte ihn auf's Freundlichste, und besprach sich mit ihm auf das Liebevollste. Indem Am Feierabende des 10. Januar. 31 er sein Gespräch allmählich auf's religiöse Gebiet hinüberlenkte, ermahnte und bat er endlich den mit heiliger Treue seinem Glauben ergebenen Bischof, er möchte doch den Forderungen der Zeit nachgeben und nicht mit einer so furchtbaren Strenge an dem Buchstaben der katholischen Lehre hängen, da er ja durch diese seine Widersetzlichkeit der guten Sache nur schaden würde. Im Falle er den Wünschen des Kaisers entgegenkommen und auf seine Seite übertreten würde, dürfte er sich der höchsten Huld und Freundschaft seiner kaiserlichen Majestät im Voraus schon versichert halten. Basilius aber trat mit männlichem Muthe und mit der Entschlossenheit eines Kämpfers Christi dem Abgeordneten des Kaisers entgegen und sprach: „ Was die Kirche lehrt, das hat sie von Gott empfangen ; mit Gut und Blut stehe ich für diese Lehre. Auch nicht Ein Wort, ja nicht Eine Silbe lasse ich aus dieser Lehre hinwegnehmen; als treuer Wächter Gottes will ich dastehen und selbst unter dem Verlurste meines Lebens das hinterlegte Gut des Glaubens gegen jeglichen Angriff der Irrlehre vertheidigen. Geh' hin und sag' dieß dem Kaiser! Ich ehre und schätze hoch seine Freundschaft, aber nur dann, wenn sie mit Frömmigkeit gepaart ist, ohne diese letztere hat auch erstere für mich keinen Nutzen, keinen Werth." — So sprach der muthige Verfechter seines Glaubens, und der Statthalter war tief beleidigt durch diese Rede. Er drohte ihm deßhalb die Verbannung an und gab ihm noch Bedenkzeit bis auf den folgenden Tag. Aber auch hierauf erwiderte Basilius mit unerschütterlicher Standhaftigkeit: „Dieser Aufschub ist uu- nöthig; ich werde morgen derselbe sein, wie heute." Der Statthalter konnte sich nicht erwehren, die Unerschrockenheit des heiligen Erzbisckwfs zu bewundern. Unverrichteter Dinge kehrte er somit nach Hanse zurück und berichtete seinem kaiserlichen Herrn den ganzen Hergang der Sache, indem er mit den Worten schloß: „Wir sind besiegt. Dieser Mann steht über alle Drohungen, sowie über alle Versprechungen erhaben." — Auch nicht Eine Lehre in unserm heiligen Glauben dürfen wir ändern oder aufgeben; denn in ihm hängt Alles zusammen wie in einer Harmonie. Läßt sich nur ein einziger Mißton hören, so ist die ganze Harmonie vernichtet. Es ist mit unserm Glauben, wie bei einer Glocke; wenn diese nur den mindesten Riß bekommt, so verliert sie auch gleich den Klang, und die Glocke ist unbrauchbar. Darum glaube fest und standhaft Alles ohne Ausnahme, was Gott ge- offenbaret hat und die katholische Kirche zu glauben vorstellt! Fr. Wann ist unser Glaube fest? Antw. Unser Glaube ist fest, wenn wir glauben, ohne im Mindesten zu zweifeln. Belehrung. Unser Glaube muß fest sein, d. h. wir dürfen in Sachen des Glaubens nicht zweifeln, nicht grübeln, unfern Verstand müssen wir gefangen geben, sobald Gott und die Kirche gesprochen hat; denn Gott ist die ewige Wahrheit, und seine Kirche wird vom heiligen Geiste geleitet. Was also Gott geoffenbaret hat, und was seine Kirche zu glauben vorstellt, das müssen wir glauben, auch wenn wir es nicht begreifen können. Beispiel und Anwendung. Einen solchen festen Glauben hatte der heilige Ludwig, König von Frankreich. Als ein Priester in der Schloßkapclle zu Paris, welche unter andern kostbaren Schätzen auch die Krone des Herrn bewahrte, die heilige Messe las, wurde anstatt der Hostie ein wunderschöner Knabe von den Anwesenden gesehen. In großer Menge strömte das Volk herbei, um dieß Wunder zu scheu. Auch der heilige König Ludwig wurde eingeladen, es mitanzu- schaucn; er erwiederte jedoch: „Nein, wer nicht glaubt, der trete hinzu, damit er sehe; ich sehe ihn alle Tage mit den Augen des Glaubens." So verschaffte ihm die Autorität Gottes größere Gewißheit, als die eigenen Sinne. Ein Wunder war bei ihm überflüßig. Er glaubte fest auf Gottes Wort, ohne allen Zweifel. — So muß auch dein Glaube beschaffen sein, mein christlicher Leser, wenn du Gott dem Herrn gefallen willst! Fr. Wann ist unser Glaube lebendig? Antw. Unser Glaube ist lebendig, wenn wir auch nach demselben leben. Belehrung. Ein todter Glaube hilft uns Nichts; er muß lebendig sein, d. h. wir müssen auch nach unserm Glauben leben, oder mit andern Worten: wir müssen das Gute thun und das Böse meiden, sowie es der Glaube vorschreibt; denn der Glaube, welcher sich nicht durch werkthätige Liebe lebendig erweist, ist ein todter Glaube und reicht ebendeß- halb zur Erlangung der ewigen Seligkeit nicht hin. Darum schreibt der heilige Jakobus (2, 26.): „Gleichwie der Leib ohne Geist todt ist, so ist auch der Glaube ohne Werke todt." Und der heilige Paulus, (Gal. 5. 6): „In Christo Jesu gilt nur der Glaube, der durch die Liebe wirksam ist." Mit Nachdruck ermahnt uns deßhalb der heilige Augustinus: „Mit dem wahren Glauben vereiniget ein heiliges Leben, damit ihr Christum bekennet durch euere Worte, indem ihr das Wahre glaubet, und durch euere Werke, indem ihr rechtschaffen lebet." — Ein schönes Beispiel eines lebendigen Glaubens gibt uns am heutigen Tage in der Legende: Der heilige Paulus, erster Einsiedler. (st 343.) Sein Glaube war ja immer wirksam in der Liebe; stets vereinigte er mit dem Glauben auch ein heiliges Leben; Gott zu dienen, für Gott zu leben und zu sterben, war all sein Streben. Kaum hatte er in einem Alter von etwa fünfzehn Jahren seine Eltern verloren, so begab er sich zur Zeit der decianischen Verfolgung in die Einöde und widmete sich da volle siebennndneunzig Jahre lang mit Verachtung alles Irdischen einzig und allein dem Dienste seines Gottes. Wunderbar wachte aber auch über ihm in dieser Einsamkeit die göttliche Vorsehung. Seine Speise nahm er anfangs von den Früchten eines Palmbaumes, unter dessen Schatten er sich niedergelassen hatte; als aber diese verzehrt waren, schickte ihm der Herr durch einen Raben ein halbes Brod, und also ernährte er ihn, 32 Erstes Hauptstück. Von dem Bekenntnisse unsers Glaubens. wie vor Zeiten den Propheten Elias. Den Trank gab ihm die nahe Wasserquelle, und aus den Blättern des Palmbaumes machte er sich sein Kleid. So brachte er seine Zeit zu mit Gebet und Lob Gottes und in Betrachtung himmlischer Dinge. Im hundertdreizehnten Jahre seines Alters besuchte ihn derheil.Anto- nius, der in einer andern Wüste lebte. Nachdem sie sich mit einander in geistlichen Gesprächen erfreut und getröstet hatten,kehrte Antonius in sein Kloster zurück. Bald aber kam er wieder. Als er nun in die Wohnung des heiligen Paulus eintrat, traf ganz unbeweglich, kniend mit erhobenem Haupt und mit gen Himmel ausgestreckten Händen. Leise und voll Ehrfurcht nahte er, in der Meinung, er bete. Als er aber fand, daß er wirklich todt sei, rief er aus: „O fromme Seele, die auch im Tode nicht abläßt zu thun, was sie lebend übte!" Weinend betete er dann eine Zeit lang an der Seite der heiligen Leiche und begrub sie unter Gebet und Thränen. — Aus dieser kurzen Lebensgeschichte des heiligen Einsiedlers Paulus ersiehst du, mein lieber Leser! aufs Neue die Wahrheit des Satzes: „Wie der Mensch lebt, so stirbt er." Der heilige Paulus war voll lebendigen und festen Glaubens im Leben, und so war er es auch noch im Tode. Bitte auch du Gott um diese Gnade! Gebet. Verleihe uns, o Herr! einen standhaften, festen und lebendigen Glauben, auf daß wir in dir und für dich leben und sterben, wie dein treuer Diener Paulus. Durch Christum unfern Herrn. Amen. er denselben Elftes Lesestück. Am Feierabende des LI. Januar. Von dem Bekenntnisse nnsers Glaubens. Fr. Wodurch müssen wir besonders zeigen, daß unser Glaube fest und standhaft sei? Antw. Dadurch, daß wir unfern Glauben überall durch Wort und That freimüthig bekennen. Belehrung. Es ist für uns eine heilige Pflicht, unfern Glauben, wenn es noch thut, vor aller Welt frei und offen durch Wort und That zu bekennen, selbst auch, wenn es uns das Leben kosten sollte. „Des Glaubens Akte sind drei," sagt der heilige Augustin: „lebhaft glauben im Herzen, freimüthig bekennen mit dem Munde und bewähren durch das Werk." Und der heilige Apostel Paulus schreibt: „Mit dem Herzen glaubt man zur Gerechtigkeit, und mit dem Munde geschieht das Bekenntniß zur Seligkeit." (Rom. 10, 10.) — Ja, schon der göttliche Heiland selbst hat den Ausspruch ge- than: „Wer mich vor den Menschen bekennen wird, den will ich auch vor meinem Vater bekennen, der im Himmel ist." (Matth. 10, 32.) Daher waren auch die frommen und treuen Diener Gottes im A. wie im N. Testamente eher bereit zu sterben, als ihren Glauben zu verläugnen. Beispiele und Anwendung. Einer der größten Glaubenshelden des A. Bundes war Eleazar, ein Greis, mehr durch seine Tugenden als durch sein Alter ehrwürdig; dieser wollte lieber sterben, als ein Gesetz übertreten, wodurch er seinen Glauben verläugnete; lieber wollte er sich martern lassen, als durch List oder Verstellung sich retten. Ebenso opferten auch die drei Jünglingeim Feuerofen, Mathathias und seine Söhne Blut und Leben für ihren Glauben. Besonders merkwürdig sind aber die sieben machab äischen Brüder und ihre Mutter. Unter den schrecklichsten Martern wollte sie der Tyrann Antiochus zwingen, wider das Gesetz zu handeln und Schweinfleisch zu essen. Sie aber trotzten standhaft einem solchen sündhaften Begehren und opferten muthig Blut und Leben um ihres Glaubens willen. Im N. T. glänzt an der Spitze der zahllosen Blutzeugen, die für den christlichen Glauben ihr Leben Hingaben, der heilige Stephanus, der um Christi willen den Steinigungstod erlitt. Ach, wer kann all die Tausende von heiligen Märtyrern zählen, die unter den namenlosesten Qualen um des Glaubens willen ihren Geist aufgaben! Nur noch Ein Beispiel will ich dir erzählen, mein lieber Leser! aus den ersten Zeiten des Christenthums, das uns einen gar heldenmüthigen Bekenner zur Bewunderung und Nachahmung vor Augen stellt. (Sieh das nachfolgende Bild.) Unter den Blutzeugen aus den ersten Jahrhunderten sehen wir einen Landmann, B arla am mit Namen, vor der Statue des Jupiter stehen; er soll dem Götzenbilde Weihrauch in die Flammen streuen, er will nicht; man peinigt ihn auf die grausamste Weise, er will nicht; endlich legt man ihm Weihrauch auf die flache Hand und zwingt ihn, sie gerade ausgestreckt zu halten über die lodernde Opferflamme. Sobald er vom Schmerz überwältigt, die Hand regen wird, wird der Weihrauch in die Flamme fallen. Dann wird man ihm zurufen: „Nun hast du den Göttern geopfert." Und siehe, die schreckliche Gluth versengt schon seine Hand, und er regt sie nicht; sie ergreift schon seine Hand, und noch regt er sie nicht. Nun aber verbreitet der Duft des Weihrauchs sich aus der Flamme. — Hat der Märtyrer endlich doch die Hand bewegt? O nein; die Flamme hat die Hand durchbrannt und so den Weihrauch erreicht, der auf ihr lag. — O bewunderungswürdige Standhaftigkeit eines Landmannes im Bekenntnisse seines heiligen Glaubens! Würdest Am Feierabende des 11. Januar. 33 auch du mit solchem Heldcnmuthe für deinen heiligen Glauben cinstehen? Ja, bekenne frei und offen deinen Glauben, und wenn du auch nicht Gelegenheit haben solltest, Blut und Leben für denselben zu opfern, so kannst du ihn doch gar oft auf die glänzendste Weise bekennen, besonders jenen Religionsspöttern gegenüber, die in nuferer Zeit so zahlreich sind. Thue das, mein Christ! und sei überzeugt, daß selbst solche Leute in ihrem Herzen eine geheime Achtung für dich haben müssen, wenn sie sehen, daß du stets und überall ein braver, wackerer Katholik, ein treuer Bekenner deines heiligen Glaubens bist! Fr. Ist man aber schuldig, diesen seinen Glauben Jedem zu offenbaren? Antw. Nein, wir sind dieß nur dann schuldig, wenn es die Ehre Gottes, unser eigenes oder des Nächsten Seelenheil erfordert. Belehrung. Zum Bekenntnisse unsers Glaubens sind wir nur dann verpflichtet, wenn die rechtmäßige Obrigkeit dasselbe von uns fordert, oder wenn unser Stillschweigen als Verlängnung der wahren oder als Bestätigung irgend einer falschen Religion angesehen werden könnte. — Uns jedoch ohne Noth durch unbescheidenes Kundgeben unsers Glaubens der Lebensgefahr auszusetzen, wo wir zu diesem Bekenntnisse nicht aufgefordert werden, oder wo solches zum Heile Anderer nicht nothwendig wird, oder auch wo wir durch kluge Mittel, sei dieß selbst durch die Flucht, ausweichen können, dazu wären wir nicht verpflichtet, ja es wäre vielmehr sträflich. Christus Jesus selbst sagt in dieser Beziehung: „Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; seid also klug wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben!" (Matth. Mehler, Hausbuch. 10, 16.) Und wiederum: „Verfolgt man euch in einer Stadt, so fliehet in eine andere!" (Matth. 10, 23.) Beispiele und Anwendung. Selbst die Apostel entzogen sich der Verfolgung, wenn sie es auf kluge Weise thun konnten, um sich zum Nutzen und Segen der Gläubigen noch länger zu erhalten. „Zu Damaskus", also schreibt der heilige Paulus von sich selbst, „ließ der Statthalter des Königs Aretas die Stadt bewachen, um mich zu ergreifen; allein ich entrann seinen Händen, da man mich durch eine Oeffnung der Stadtmauer in einem Korbe herabließ." (2. Cor. 11,32—33.)— Zu Jkonieu begaben sich Paulus und Barnabas nach ihrer Gewohnheit in die Synagoge der Juden und predigten mit einem solchen Erfolge, daß sehr viele Juden und Griechen den Glauben an- nahmeu. Die ungläubigen Juden aber reizten und brachten die Gemüther der Heiden auf wider die Brüder. Da entstand eine Spaltung unter dem Volke der Stadt. Einige hielten es nämlich mit den Juden, Andere hingegen mit den Aposteln. Als aber die Heiden und Juden sammt ihren Obersten sich erhoben, um die Apostel zu mißhandeln und zu steinigen, wurden letztere es gewahr und flohen in die Städte Lycaoniens, Listra und Derbe, und sie verkündeten daselbst das Evangelium. (Apo- stelgesch. 14, 1—7.) — Auf ähnliche Weise entzog sich auch der heilige BlasiuS, Bischof von Sebaste, auf dringendes Bitten und Zureden seiner Gemeinde der Verfolgung, um auf solche Weise sein Leben noch länger zum Heile seiner Gläubigen und zum Dienste Christi und seiner heiligen Lehre zu erhalten. Er flüchtete sich auf den Berg Agäus, wo ihm eine Felsenkluft zum Aufenthaltsorte diente. — Aus so vernünftigen Gründen und auf eine so kluge Weise, wie die Apostel des Herrn, wie der heilige Blasius, dürfen und können auch wir unser Leben bei Glaubcnsverfolgungen zu retten suchen; nie aber darf es aus Furcht oder gar zum Nachtheile unsers Glaubens geschehen; denn das hieße den Glauben verläugnen, wovor uns Gott mit seiner Gnade bewahren wolle! Legende: Der heilige Hyginus, Papst und Märtyrer, (f 142.) Ein treuer Glanbensbekenner, ein tapferer Glan- bensheld begegnet uns am heutigen Tage auch in der Legende und im römischen Marthrologium. Es ist dieß der heilige Papst und Märtyrer Hyginus, der im Jahre 139 dem heiligen Telesphorus auf dem römischen Stuhle nachfolgte. Mit Macht und Muth kämpfte er gegen die damals herrschenden Irrlehren des Valentin und Cerdon, und bot all seine Kräfte auf, um seine Heerde vor diesen verderblichen Irrlehren zu bewahren. Als siegreicher Kämpfer für Gottes Ehre und Lehre starb er im Jahre 142, nachdem er ungefähr 4 Jahre der Kirche Gottes vorgestanden. — Auch wir, meine Christen! wol- 6 34 Erstcö Hauptstück. Von der Gl, len dem heiligen Hyginns im treuen Bekenntnisse un- sers Glaubens Nachfolgen. Gebet. Schaue au, allmächtiger Gott! unsere Schwachheit und stärke uns durch die Fürbitte deines heiligen Märtyrers und Bischofs Hyginns, ans daß wir unfern heiligen Glauben freudig und standhaft vor aller Welt bekennen. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Zwölftes Lesestück. Am Feierabende des 12. Januar. Von der Glaubensverlciugmmg und dom Abfall vom Glauben. Fr. Wodurch versündigen wir uns schwer gegen die heilige Pflicht, unfern Glauben zu bekennen? Antw. Gegen die heilige Pflicht, unfern Glauben zu bekennen, versündigen wir uns schwer: 1) wenn wir uns unsers Glaubens schämen, 2) wenn wir ihn ver- läugnen, 3) wenn wir von demselben abfallen. Belehrung. So erhebend es ist, wenn wir das schöne Beispiel eines hcldenmüthigen und treuen Glaubensbekenners betrachten, der freudig und unerschrocken Blut und Leben für seinen Glauben hinopfert, ebenso traurig ist es, wenn man einen Christen sieht, der sich seines Glaubens schämt, der in das Gerede der rohen und gottlosen Neligionsspötter unserer Tage mit einstimmt, der seinen Glauben verläugnet oder- gar von demselben ab fällt. Das ist eine der furcht- längnung und vom Abfall vom Glauben. barsten Sünden, die es gibt, und die den Menschen unbestreitbar dem ewigen Verderben zuführt; denn Christus, die ewige Wahrheit selbst, hat den furchtbaren Ausspruch gethan: „Wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird auch der Menschensohn sich schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit." (Luk. 9, 26.) Und wiederum: „Wer mich vor den Menschen verläugnet, den will ich auch vor meinem Vater verläugnen, der im Himmel ist." (Matth. 10 33.) Beispiele und Anwendung. Welch ein Undank, welch eine Bosheit wäre es, wenn wir unfern Glauben verläugnen würden! Wie sollten oder könnten wir Gott dem Herrn untreu werden, der uns nur Gutes thut und jeden Augenblick unsers Lebens mit lauter Gnaden und Wohlthaten bezeichnet! Als der heilige Bischof Polykarp vor einem heidnischen Richter seinen Heiland verläugnen sollte, sprach er voll Milde und Würde: „Wie könnte ich das thun? Es sind schon über siebzig Jahre, daß ich im Dienste Jesu Christi stehe, und während dieser langen Zeit hat Er mir Nichts Uebles zugefügt, sondern mich vielmehr mit allen nur erdenklichen Wohlthaten überhäuft; wie könnte ich jetzt so undankbar sein, und mich gegen einen so guten Herrn, ja gegen den besten Herrn auflehuen, den je der Himmel und die Erde trägt?" — Ebenso unverzeihlich wäre es auch, wenn wir uns unsers Glaubens schämen würden. O mein Christ! wir haben alle Ursache, uns unsers Glaubes wegen zu rühmen, nicht aber zu schämen; denn wenn wir nach demselben leben, so sind wir glücklich auf Erden und einst selig im Himmel; er ist unser größter Reichthum und unsere schönste Zierde vor Gott. — Der heilige Justinus der Märtyrer wurde vor Gericht gefordert und seines Glaubens wegen zur Rede gestellt. Nusticus, der damalige Präfect von Rom, verwies es ihm, daß er ein Anhänger Christi wäre, und sagte, er sollte sich eines so einfältigen Glaubens schämen. Was thater? Wiebenahm er sich? Hört die schöne, eines Christen würdige Antwort: „Bewahre mich Gott, daß ich mich meines Glaubens schäme! Ich habe mein Vergnügen an der christlichen Lehre und bekenne den wahren Gott der Christen." -—- Und als die heilige Agatha des christlichen Glaubens wegen angeklagt wurde und vor Quintilian, dem Statthalter Siciliens, erscheinen mußte, sprach dieser zu der frommen Jungfrau: „Schämst du dich nicht, aus so vornehmen Geschlechts geboren — dennoch das niedrige und knechtische Leben der Christen zu führen?" Und Agatha erwiderte: „Biel vorzüglicher ist die christliche Niedrigkeit und Dienstbarkeit, als die Schätze aller Könige." (Sieh das nachfolgende Bild.) Fr. Was ist denn Ursache daran, daß so manche Christen vom Glauben abfallen? Antw. Es gibt verschiedene Ursachen; die erste ist Stolz und vorwitziges Vernünfteln über die Geheimnisse der Religion; eine zweite und dritte Ursache ist die Vernachlässigung des Gebetes und der übrigen Religionspflichten, sowie eine besondere Hinneigung zur Am Feierabende des 12. Januar. 35 Welt und zu einem lasterhaften Leben; endlich eine vierte Ursache ist die Lesung religionswidriger Bücher, Umgang mit Religionsspöttern und solche eheliche oder auch anderartige Verbindungen, welche den wahren Glauben gefährden. Belehrung. Da es um den Abfall vom Glauben eine so schreckliche Sache ist, so ist es gewiß sehr wichtig, die Quellen und Ursachen näher kennen zu lernen, aus denen derselbe hervorgeht. Sie sind folgende: 1) Stolz und vorwitziges Vernünfteln über die Geheimnisse des Glaubens. Ein großer Geist erkennt gar oft nicht, was der demüthige Glaube ganz klar einsieht; darum betete der göttliche Heiland: „Ich preise dich, Vater, Herr Himmels und der Erde! daß du dieses vor den Weisen und Klugen verborgen, den Kleinen aber geoffenbaret hast." (Matth. 11,25.). 2) Eine zweite und dritte Ursache ist darin zu suchen, daß man das Gebet und andere Religionspflichten vernachläßigt und sich zu sehr der Welt und einem lasterhaften Leben ergibt. Unsere katholische Kirche stellt nämlich strenge Anforderungen an Diejenigen, welche den Himmel erlangen wollen; bei den Ungläubigen hingegen wird den Sünden und Lastern eine größere Freiheit gestattet. Damit nun mancher leichtfertige Katholik in denselben ungehinderter fortleben könne, so verläßt er den wahren Glauben, wandert den Weg der Finsterniß, genießt hier die kurze zeitliche Glückseligkeit, und geht dann am Ende ewig zu Grunde. „Siebringen ihre Tage," sagt der heilige Johannes (12.), „imWohlleben zu und steigen urplötzlich zur Hölle hinab." — 3) Eine weitere Ursache, warum so Viele vom Glauben abfallen, ist, weil solche in dem heiligen katholischen Glauben nicht wohl unterrichtet und begründet sind. „Die haben keine Wurzel," sagt Christus (Luk. 8.), „sic glauben nur eine Zeitlang; in der Zeit der Versuchung fallen sie ab." — 4) Endlich noch ein vorzüglicher Anlaß zum Abfalle vom Glauben ist die Lesung schlechter religionswidriger Bücher, Umgang mit Religionsspöttern, gemischte Ehen u. s. w. Beispiel und Anwendung. Ein Engländer (Namens William Bealde) hatte sich mit einer liebenswürdigen Frau aus einer angesehenen Familie vermählt. Er hatte vier Kinder, deren Erziehung er mit der größten Sorgfalt und mit bewunderungswürdiger Wachsamkeit leitete. Da seine kaufmännischen Geschäfte seit einigen Jahren sanken, ergab er sich der Lesung und wählte unglücklicherweise irreligiöse Bücher. Alle ihre Grundsätze nahm er an, verlor allen Glauben, machte keinen Unterschied mehr zwischen Tugend und Laster und betrachtete die Menschen nur als Maschinen. Er glaubte sich berechtigt, nach Gutdünken nicht nur über sein eigenes Leben, sondern auch über das Leben seiner Frau und seiner Kinder verfügen zu dürfen. Eines Morgens schickte er seinen Diener mit einem Briefe zu einem benachbarten Freunde, und bat ihn, mit zwei Personen in sein Haus zu kommen, um die darin vorgegangene Veränderung zu sehen. Kaum hatte der Freund diesen Brief gelesen, so eilte er hin, aber zu spät. Mit Dolch, Axt und Pistole hatte der Unglückliche gewüthet. Der beiden ersten Waffen hatte er sich bedient, um seine Familie hinzumorden; mit der letzten hatte er sich selbst das Leben genommen. Jedermann war bei der Nachricht von diesem Vorfälle erschüttert, und konnte lernen, welches Scheusal irreligiöse Bücher aus einem Manne gemacht haben, der bisher die Achtung seiner Mitbürger verdiente. Willst du daher, o Christ! an deinem Glauben nicht Schiffbruch leiden, so meide die Lesung schlechter, glaubensloser Bücher, sowie überhaupt Alles, was zum Abfall vom Glauben führt! Bitte Gott um Erhaltung und Vermehrung des Glaubens! Legende: Der heilige Ernest, Abt. (st 1096.) Der heilige Ernest, dessen Name unter der Zahl der am heutigen Tage in der Legende aufgeführten Heiligen mit obenan steht, war ein geborner Graf von Dillingen und der erste Abt des Stiftes Neresheim. Mit Wehmnlh sah und hörte er, wie die heiligen Stätten in Palästina von den Sarazenen besetzt und die Christen grausam von ihnen verfolgt und mißhandelt würden. Er vereinigte sich daher mit noch vielen andern Aebten und zog nach Palästina, um daselbst den Kreuzfahrern beizuspringen und auf solche Weise zu zeigen, daß er sich seines christlichen Glaubens niebt schäme, son- 36 Erstes Hauptstück. Vom heiligen Kreuz,Zeichen. deru vielmehr zur Ver- theidigung desselben Gut und Blut zu opfern bereit sei. Als er eben damit beschäftigt war, den göttlichen Namen zu verbreiten und unter den Ungläubigen zu verherrlichen, wurde er von den Saracenen gefangen und zu Corozaim in Syrien ermordet im Jahre 1096. Gebet. Gib uns, o Herr! die Gnade, daß wir uns deines heiligen Glaubens nie schämen, sondern ihn, wie St. Ernest, vor Glaubenslosen und Religionsspöttern mit heiliger Begeisterung bekennen und verherrlichen. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Dreizehntes Lesestück. Am Feierabende des 13. Januar. Vom heiligen Kreuzzeichen. Fr. Durch welches besondere Zeichen bekennt der katholische Christ seinen Glauben? AntW. Durch das heilige Kreuzzeichen; denn dadurch drückt er die zwei vornehmsten Geheimnisse seines Glaubens aus: 1) das Geheimniß der allerheiligsten Dreieinigkeit, und 2) das Geheimniß der Erlösung am Kreuze. Belehrung. Jede größere Gesellschaft hat ihr Abzeichen, an dem sich ihre Mitglieder erkennen; jedes geordnete Kriegsheer hat seine Fahne, unter der sich die Soldaten sammeln; das Abzeichen und die Fahne des katholischen Christen aber ist das Kreuz. Und was dem Soldaten die Uniform ist, das ist dem Katholiken das Kreuzzeichen; denn wie die Uniform zeigt, zu welchem Regiments ein Soldat gehöre, so erkennt man auch aus dem Kreuzzeichen, zu welcher Religion man gehört. Durch dieses Zeichen unterscheidet sich der Katholik von allen andern Religionssekten. Wer das Kreuzzeichen macht, der gibt sich auf den ersten Blick als einen Katholiken zu erkennen; «mag das lateinische oder deutscheKreuzzeichen machen, das ist gleichviel; immer drückt er dadurch die zwei vornehmsten Geheimnisse seines Glaubens aus: 1) das Geheimniß der allerheiligsten Dreieinigkeit, und 2) das Geheimniß der Erlösung am Kreuze. Ich zeige dieß ausführlicher. (Sieh hiezu das obige Bild!) Beim kleinen oder deutschen Kreuze bezeichnen wir dieStirne und sagen: Im Namen des Vaters, um anzuzeigen, daß der Vater die erste Person in der allerheiligsten Dreifaltigkeit sei, ebenso wie die Stirne, das Haupt, der höchste Theil am menschlichen Leibe ist. Bei der Bezeichnung des Mundes, setzen wir bei: „und des Sohnes," um dadurch anzudeuten, daß der Sohn Gottes, das ewige Wort des Vaters, von ihm erzeugt worden, sowie auch das natürliche Wort gleichsam von dem Munde erzeugt wird. Endlich bezeichnen wir mit einem dritten Kreuze das Herz unter Beifügung der Worte „und des heiligen Geistes," weil das Herz der Sitz der Liebe ist; wir wollen damit ausdrücken, daß der heilige Geist die Liebe sei, welche vom Vater und Sohne ausgeht. — Wir sagen „im Namen," nicht in den Namen, um die Einheit, — „des Vaters, Sohnes und heiligen Geistes," um die Dreifaltigkeit zu bezeichnen. — Ebenso klar und schön ist auch dieses Geheimniß im sogenannten großen oder lateinischen Kreuzzeichen ausgesprochen. Man fährt mit der rechten Hand von der Stirne auf die Brust herab und spricht: „Im Namen des Vaters und des Sohnes" (in nomine kstris et llilii), um dadurch anzudeuten, daß der himmlische Vater seinen eingebornen Sohn vom Himmel auf die Erde in den jungfräulichen Schooß Mariens herabsandte, um die Menschheit zu erlösen. Man fährt auf die beiden Seiten der Schulter mit den Worten: „Und des heiligen Geistes" (et Spiritus ssneti), um anzuzeigen, daß der heilige Geist vom Vater und Sohne ausgehe; und zwar fährt man von der linken Seite zur rechten, um damit auszudrücken, daß wir durch den Kreuzestod Christi von der linken Seite des Verderbens auf die rechte Seite des ewigen Heiles gebracht worden sind. Wie schön drückt sonach der katholische Christ durch das Kreuzzeichen die vornehmsten Geheimnisse seines Glaubens aus! Und es ist also wahr, wenn ich sage, aus dem Kreuzzeichen erkennt man den Katholiken, wie aus dem Abzeichen die Mitglieder einer Gesellschaft. Am Feierabende des 13. Januar. 37 Beispiel und Anwendung. Wo es Katholiken gibt, da macht man das heilige Kreuzzeichen; denn dadurch bekennt der Katholik vor aller Welt seinen Glauben. An diese schöne und tröstliche Wahrheit wollte einst der berühmte Kardinal Mezzofanti, dieser von Gott mit der Gabe der Sprachen so hoch begnadigte Mann, einen frommen Pilger, der in das heilige Land zog, erinnern, indem er zu ihm also sprach: „Wie viele orientalische Sprachen haben Sie gelernt? Wie werden Sie sich den Asiaten verständlich machen?" Und als der fromme Pilger hierauf antwortete, er habe keine orientalischen Sprachen gelernt, hoffe aber mit der italienischen Sprache durchzukommen, so entgegnete ihm der Kardinal: „Nun, so will ich Sie noch geschwind ans eine allgemeine, in allen Welt- theilen bekannte Sprache aufmerksam machen; ich meine die Sprache des Kreuzes. Gehen Sie hin, wohin immer Sie wollen; überall, wo Katholiken sind, ist das Zeichen des heiligen Kreuzes bekannt; und Jeder, der Sie es wird machen sehen, wird, wenn er auch sonst eine noch so fremde Sprache redet, Sie verstehen. Ist er Katholik, so wird er sich auch mit demselben bezeichnen, und ihr werdet euch kennen, ihr seid Brüder in Christo! Ist er kein Katholik, so werdet ihr euch auch verstehen, und Jeder wird wissen, wen er vor sich hat!" — Schäme dich daher des heiligen Kreuzzeichens nicht, sondern halte es vielmehr hoch in Ehren! Fr. Warum sollen wir das heilige Kreuzzeichen hoch in Ehren halten? Antw. Wir sollen das heilige Kreuzzeichen hoch in Ehren halten: 1) weil es ehrwürdig ist durch sein Alter, 2) heilig in seiner Natur und 3) nützlich in seiner Wirkung. Belehrung. Das Kreuzzeichen ist 1)ehrwürdig durch sein Alter; denn schon die ersten Christen haben sich desselben gar oft und mit Andacht bedient nach dem Zeugnisse Tertullians, der im zweiten Jahrhunderte lebte und also schreibt: „Was wir immer thun, sei es, daß wir eine Reise antreten oder fortsetzen, aus- oder eingehen, uns an- oder anskleiden, uns waschen oder zu Tische setzen, das Licht anzünden, uns legen oder setzen, so bezeichnen wir die Stirne mit dem Zeichen des Kreuzes." — Dieses herrliche Beispiel der ersten Christen sollen auch wir nachahmen und recht oft das heilige Kreuz machen, besonders beim Aufstehen, Schlafengehen, vor und nach dem Gebete, vor jedem wichtigen Geschäfte und in allen Versuchungen und Gefahren, und dieses deßwegen, weil es 2) heilig in seiner Natur ist; denn dadurch bekennt der Katholik seinen Glauben, wie wir schon oben in der ersten Frage gezeigt haben. Das Zeichen des heiligen Kreuzes ist das kürzeste, für den Einfältigen das verständlichste und für den Verständigen das sinnreichste Bekennt- niß des Glaubens an den dreieinigen Gott, und mit demselben ist sonach die ganze Erinnerung an unsere Erschaffung, Erlösung und Heiligung verbunden. Es ist also heilig seiner Natur nach; aber auch 3) nützlich in seiner Wirkung. „Das Kreuz Christi faßt eine wunderbare Kraft in sich," sagt der heilige Augustinus; „die bloße Erinnerung daran schlägt unsere unsichtbaren Feinde in die Flucht, kräftigt uns gegen die Anfälle derselben und bewahrt uns vor ihren Schlingen." Und der heilige Johannes DamascenuS schreibt: „Das Kreuz ist ein Schild, eine Waffe, ein Zeichen des Sieges über den Teufel; es ist jenes Zeichen, an dem uns der Würgengel erkennt und deßhalb vorübergeht, ohne uns zu schaden." Ja, durch das heilige Kreuzzeichen können wir Versuchungen und andere Uebel von uns abwenden, ja sogar Sieger werden über den bösen Feind und seine Anfechtungen; denn wie ein Hund den Stock fürchtet, mit dem er einmal geschlagen wurde, so fürchtet auch der böse Feind das Zeichen des Kreuzes, weil er durch das Kreuz besiegt und geschlagen wurde; scheu tritt er zurück, wenn er dasselbe sieht. Beispiele und Anwendung. Der heilige Einsiedler Antonius wurde vom bösen Feinde mehr, als je ein Mensch, mit Anfechtungen geplagt; aber durch das heilige Kreuzzeichen schlug er sie jedesmal siegreich zurück. Er sagte deßhalb oft zu seinen Schülern: „Glaubet mir! der Satan fürchtet die Nachtwachen, die Gebete und die Fasten der Frommen; ja, ein einziges Kreuzzeichen schwächt ihn und schlägt ihn in die Flucht, sowie der Löwe flieht vor einem Hahnenschrei." Ja, ganz gewiß, wenn wir das heilige Kreuzzeichen mit Andacht und Glauben machen, so werden wir in allen Anfechtungen und Versuchungen mit Gottes Gnade Sieger werden; wir sehen dieß auch aus nachfolgendem Beispiele. In der klösterlichen Gemeinde des heiligen Benedikt befand sich ein Neubekehrter von hochadeliger Herkunft, der früher ein sehr heldenmüthiger Kriegsmann gewesen war und jetzt im Hause als Laienbruder diente. Einmal, als ihn die Reihe traf, den Brüdern im Speisesaale aufzuwarten, ward in ihm der alte Hochmuth wieder rege. „Wer sind," so dachte er bei sich, „diese niedrigen Leute, und wie mag ich mich wegwerfen, ihnen so knechtische Dienste zu leisten?" — Allein Benedict ns, hinter welchem er eben stand, und dem cs gegeben war, auch die Gedanken der Menschen zu vernehmen, wandte sich um und sprach: „Bezeichne dein Herz, mein Bruder! Was für Worte redest du? besiegle dein Herz!" Und der Gewarnte verstand die Mahnung; er bezeichnete sich mit dem heiligen Kreuze, und die bösen und stolzen Gedanken verschwanden. — So oft Gedanken des Stolzes, des Neides, oder sonst einer gefährlichen Leidenschaft in uns aufsteigen, ergeht auch an uns die Forderung: „Sei eingedenk des heiligen Kreuzes, des Zeichens, mit dem du erlöset bist; beherrsche deine Leidenschaft, überwinde dich selbst, widerstehe dem Bösen in der Macht des Gehorsames!" Und wenn wir dieser Mahnung folgen, so werden wir nie unterliegen; denn, „wer immer den Namen des Herrn anruft," sagt der heilige Paulus (Apostelgesch. 2, 21.) „der wird das Heilerlangen." Aber wohl gemerkt, mein Christ! mit Andacht und Vertrauen mußt du jedesmal das heilige Kreuzzeichen machen. „Warum 38 Erstes Hanptstück. Vom apostolischen Glaubensbekenntnis. empfinden nur so Wenige die Kraft des heiligen Kreuzes?" fragt der heilige Rupert» und er antwortet: „Weil sic zwar das Kreuz an der Stirne, aber den Gekreuzigten nicht im Herzen tragen; denn man muß das heilige Kreuz nicht nur mit dem Daumen äußerlich, sondern auch mit innigem Glauben im Herzen formen." — Und so präge dir denn diese schöne und wichtige Lehre vom heiligen Kreuzzeichen tief in's Herz ein, Katholik! Schäme dich desselben nie, auch nicht vor Andersgläubigen, nicht vor Neligionsspöttern, nicht vor den großen Geistern unsrer Tage, denen das Kreuz Aergcrniß oder Thorheit ist, sondern rufe mit dem heiligen Paulus (Gal. 6, 14.) aus: „ Es sei ferne von mir, mich zu rühmen, außer in dem Kreuze unsers Herrn Jesu Christi!" und gar bald wirst du die wunderbare Kraft des Kreuzes in dir fühlen. Legende: Der heilige Hilarius, Bischof und Kirchenlehrer, (f 368.) Der heilige Hilarius wurde am Anfänge des 4. Jahrhunderts zu Poitiers in Frankreich von vornehmen heidnischen Eltern geboren. Schon war er verheirathet, als er durch das Forschen in den Schriften der Christen zur wahren Wissenschaft und zur Erkenntniß des Heiles gelangte, und alsbald ließ er sich nun mit seiner Frau und Tochter taufen. Von da an schämte er sich des Kreuzes Christi nicht mehr; o nein, er ward vielmehr ein treuer Bekenner desselben, so daß er mit dem heiligen Paulus sprechen konnte: „Es sei ferne von mir, mich zu rühmen, außer in dem Kreuze unsers Herrn Jesu Christi." Wie sehr er sein Leben nach den Vorschriften des Evangeliums einrichtete, geht schon daraus hervor, daß er im Jahre 353 von der Geistlichkeit und dem Volke zum Bischöfe seiner Vaterstadt gewählt wurde. Nun trennte er sich von seiner Frau und lebte nach den Vorschriften der Kirche in tadelloser Enthaltsamkeit. Er entsprach allen Anforderungen seines hohen Amtes mit größter Treue, bezog all sein Thun und Lassen auf Gott, widmete bestimmte Stunden des Tages dem Gebete und der Betrachtung, vertheidigte die Wahrheit durch gründliche Schriften und war bereit, für den wahren Glauben Alles zu leiden. An Gelegenheit hiezu fehlte es nicht. Die Arianer, diese Läugner der Gottheit Jesu, beschützt vom Kaiser, brachten es dahin, daß Hilarius im Jahre 356 nach Phrhgien in die Verbannung wandern mußte. Als nach vier Jahren der verbannte Bischof in seinen Sprengel zurückkehrte, wurde er von den Seinigen mit der größten Freude empfangen und arbeitete mit neuem Eifer an der Heiligung seiner Untergebenen und ihrer Bestärkung im Glauben, bis er am 13. Jänner 368 den Tod der Gerechten starb. Gott gab den Heldentugenden seines treuen Dieners durch viele Wunder Zeugniß. Gebet. Verleihe uns, o Gott! auf die Fürbitte des heiligen Bischofs und Kirchenlehrers Hilarius, daß wir uns nur im Kreuze deines göttlichen Sohnes rühmen. Durch ebendenselben, unfern Herrn. Amen. Vierzehntes Lesestück. Am Feierabende des 14. Januar. Vom apostolischen Glaubensbekenntnis^. Fr. Wodurch bekennt der katholische Christ außerdem heiligen Kreuzzeichen noch weiter seinen Glauben? AntW. Durch das apostolische Glaubensbe- kenntniß, welches lautet: „Ich glaube an Gott den Vater" rc. Belehrung. Von jeher wurde in der Kirche das apostolische Glaubensbekenntniß als ein Kennzeichen der Rechtgläubigen betrachtet; durch dasselbe mußte sich ebenso, wie durch das heilige Kreuzzeichen, der Katholik als solchen zu erkennen geben. „Dieses Bekenntniß," sagt Tertullian, war das heimliche Wort und Merkzeichen der Rechtgläubigen;" daher wurde es auch lange Zeit nur mündlich, nicht schriftlich aufbewahrt. Was dem Soldaten in Friedens- und Kriegszeiten die Parole, das war besonders in den Zeiten der Verfolgung das Glaubensbekenntniß der Christen, um sich einander zu erkennen. Wollte ein Fremder in ihre Versammlung, in ihren Gottesdienst, so wurde er an der Thüre angehalten, und der Thürhüter sprach zu ihm: „Sag mir das Zeichen, sprich mir das Wort!" Wollte nun der Unbekannte eingelassen werden, so mußte er die zwölf Glaubensartikel angeben; konnte er dieses nicht, so wurde er abgewiesen. Wenn jetzt noch so strenge verfahren würde, liebe Christen! würde da wohl nicht Mancher am Eingänge der Kirche abgewiesen werden? Denn eher dürfte man von gar Manchem jetzt die Erzählung einer beliebten Novelle oder eines neuen Romans Am Feierabende des 14. Januar. 39 sich erbitten, als daß man von ihm, dem hochgebildeten Geiste, verlangte, er solle alle zwölf Artikel des apostolischen Glaubensbekenntnisses wissen, die man in der Kindheit an den Fingern abzählen lernt, und, wie ganz einleuchtend, späterhin im Leben wieder vergißt, weil man glaubt, es gehöre nur für Kinder. Fr. Warum heißt dieses Glaubensbekenntniß das „apostolische" ? Antw. Weil es von den Aposteln herrührt, zugleich zum Unterschiede vom Nicänischen und Atha- nasi scheu, welche letzteren erweiterte Glaubensbekenntnisse sind. Belehrung. Das Glaubensbekenntniß heißt „apostolisch," weil es die Apostel selbst verfaßt haben. Wir wissen nämlich aus der Ueberlieferung, sowie aus den Zeugnissen vieler heiliger Väter, daß die Apostel, ehe sie sich von einander trennten, um nach dem Befehle ihres Herrn und Meisters alle Völker zu lehren, diese Glaubensregel mit einander entworfen und abgefaßt haben, damit, da sie sich örtlich von einander trennten," (also fügt der heilige Augustinus bei,) „sie nicht in Ansehung ihrer Lehre von einander abweichen oder verschieden wären." — Ueberdieß nennt man dieses Glaubensbekenntniß das „apostolische" zum Unterschiede vom Nicänischen und Athanasischen. Diese beiden letzterst sind in Bezug auf die Lehrsätze keineswegs vom erstern verschieden, sondern sie haben nur manche im apostolischen Glaubensbekenntnisse enthaltene und von den Jrrlehrern Arms und Macedonius bestrittene Wahrheiten weiter auseinander gesetzt und deutlicher erklärt. Das apostolische Glaubensbekenntniß wurde immer von allen Christen und besonders vor dem Empfange der heiligen Taufe gebetet; das Nicänisch-constantinopolitanische, welches auf der ersten allgemeinen Kirchenversammlung zu Nicäa (325) verfaßt, und auf der zweiten allgemeinen Kirchenversammlung zu Constantinopel (381) erweitert wurde, wird unter der heiligen Messe gebetet, und das Atha- nasische, also genannt vom heiligen Athanasius' dem Verfasser desselben, wird von den Priestern in den Kirchentagzeiten zur Prim (oder ersten Stunde) an Sonntagen abgebetet. Fr. Was enthält das apostolische Glanbensbe- kenntniß? Antw. Es enthält in Kürze alles Das, was wir vor Allem wissen und glauben müssen. Belehrung. „Das Symbolum (Glaubensbekenut- niß)," sagt der heilige Augustin, „ist kurz in Worten, aber groß an Geheinmissen. Es enthält Alles kurz zusammengefaßt, was in den Patriarchen vorgebildet, was in den Schriften verkündiget, was in den Propheten geweissagt worden ist." So ist es auch; denn in drei Th eilen, die wieder in zwölf Artikel oder Glieder zerfallen, (so genannt, weil die einzelnen Sätze dieses Glaubensbekenntnisses wie die Glieder einer Kette aneinander hängen), enthält es (wie das obige Bild) die ganze katholische Lehre vom Geheimnisse der heiligsten Dreifaltigkeit, von der katholischen Kirche u. s. f. Der erste Theil, der den ersten Glaubensartikel enthält, lehrt uns Gott den Vater kennen, als den Schöpfer des Himmels und der Erde, der Engel und der Menschen, in all seinen Vollkommenheiten; der zweite Theil, der die folgenden fünf Artikel umfaßt, macht uns mit Gott dem Sohne und mit 40 Erstes Hauptstück. Vom apostolischen Glaubensbekenutniß. unserer Erlösung bekannt; der dritte Theil endlich, der die übrigen sechs Artikel enthält, unterrichtet uns über den heiligen Geist und über die von ihm geleitete Kirche. Durch den ersten Theil unterscheiden wir uns von den Heiden, die mehrere Götter verehren; durch den zweiten von den Juden, die nicht an Christus glauben, und durch den dritten von den Jrrglä ubigen, die nicht an die von Christus gestiftete und vom heiligen Geiste geleitete Kirche glauben. So enthält also das apostolische Glau- bensbekenntniß in Kürze Alles, was ein katholischer Christ glauben und wissen muß. Fr. Was folgt hieraus? AntW. Hieraus folgt, daß wir das apostolische Glaubensbekenutniß 1) recht lernen und verstehen und 2) öfters fleißig beten sollen. Belehrung. Vor Allem sollst du, mein Christ! das apostolische Glaubensbekenntmß recht lernen und verstehen. Die Kirche fordert dies ausdrücklich, wie wir aus den deutlichen Befehlen des Conciliums zu Trient ersehen, und der heilige Papst Leo schreibt: „Es ist ein Gebot Gottes, daß jeder Christ, sowohl männlichen als weiblichen Geschlechtes, das Glaubensbekenutniß wisse, indem es ein kurzer Inbegriff derjenigen Wahrheiten ist, die man wissen muß." Welch eine Verantwortung, welch eine schwere Sünde ist es sonach, wenn Eltern aus Lauheit oder Gleichgiltigkeit es verabsäumen, ihren Kindern schon frühzeitig das apostolische Glaubensbe- kenntniß zu lehren! Welch eine Schmach, wenn selbst Erwachsene nicht einmal das apostolische Glaubensbekenutniß hersagen können, oder den Sinn und Inhalt desselben nicht verstehen! — Es ist aber auch das noch nicht genug, wenn du, mein Christ! das „Glaube an Gott Vater" gelernt hast und verstehst, o nein; du mußt es auch öfters fleißig beten; es soll dir gleichsam ein Spiegel sein, in dem du dich fleißig beschauest. Daher schreibt gar liebreich der heilige Augustin: „O lernet dieses Shmbolum, und habt ihr es gelernt, so schreibt es euch in eure Herzen und sprechet es täglich bei euch selbst, besonders am Abende, bevor ihr schlafet, und am frühen Morgen, da ihr aufstehct, damit ihres nie mehr vergesset. Saget nicht: Ich habe es gestern gebetet, ich habe es heute gebetet, ich best es ohnehin täglich und behalte es gut. Frische auf deinen Glauben und sich nach dir! Dein Glaubensbekenutniß soll dir fortan als Spiegel dienen! Darin sollst du dich beschauen, ob du Alles vom Herzen glaubest, was du mit dem Munde bekennest, und ob deine Werke mit dem Glauben übereinstimmen." — O Christ! wie nützlich, wie heilsam wäre es, täglich vor diesem Spiegel nur eine Viertelstunde zu sitzen! Gewiß nützlicher und heilsamer, als vor andern Spiegeln Stunden und Tage zu verbringen. Jüngling! Jungfrau! diese Spiegel geben nur dein Aeußeres wieder, blenden und trügen dich oft, und zeigen dir eine Schönheit, ob welcher du gerade vor den Augen Gottes in der häßlichsten Gestalt erscheinst. In dem Spiegel des Glaubens hingegen erblickest du, fast wie Gott, das Innerste deines Herzens. Beispiel und Anwendung. Wahrlich, es gibt keine bessere Waffe, keinen bessern Schild, mit dem wir den feurigen Pfeilen des bösen Feindes widerstehen können, als das apostolische Glaubensbekenutniß. Diesen Schild haben auch die Heiligen in den Versuchungen ergriffen, und sind stets siegreich aus dem Kampfe hervorgegangen. Die Schwester des heiligen Ambrosius litt in ihrer Seele häufig an heftigen Versuchungen und mancherlei ängstlichen Scrupeln. Da schrieb ihr der Heilige, sie sollte gegen alle diese Anfechtungen der Welt und des bösen Feindes den Schild des apostolischen Glaubensbekenntnisses ergreifen, durch ihn würde sie gewiß recht siegreich sein. Darum, mein Christ! mache mit dem bösen Feinde, wenn er dich versucht, diesen oder jenen Glaubensartikel in Zweifel zu ziehen, nicht viele Worte, sondern sage sogleich: „Ich glaube; ich glaube Alles, was mir der Glaube verstellt; ich glaube, ich glaube." Und das wird hinreichen, den Teufel zu überwinden. Legende: Der heilige Felix von Nola, Priester und Bekenner (um das Jahr 256). Auch in der Legende begegnet uns heute wiederum ein treuer Bekenner seines heiligen Glaubens: Der heilige Felix von Nola. Er war der Sohn wohlhabender Eltern zu Nola in Campanien. Sobald der Tod ihm seinen Vater entrissen hatte, vertheilte er den größten Theil seiner Güter unter die Armen und trat in den Dienst der Kirche. Der greise Bischof Maximus weihte ihn zum Priester und liebte ihn wegen seiner Unschuld und Frömmigkeit wie seinen Sohn. Als aber im Jahre 250 die Christenverfolgung unter Kaiser Decius ausbrach, mußte sich der ehrwürdige Bischof Maximus flüchten. Felix aber, der die Kirche von Nola während der Abwesenheit des Oberhirten leitete, wurde gefangen gesetzt und unter mannigfaltigen Martern gezwungen, den Göttern zu opfern; allein Felix bekannte unerschütterlich treu seinen heiligen Glauben. Da erschien ihm in Mitte der Nacht im Gefängnisse ein Engel und lud ihn ein, ihm zu folgen. Sogleich lösten sich die Fesseln von seinen Händen und seinem Nacken, die Thüren öffneten sich und Felix schritt ohne alles Hinderniß hinaus und kam auf unbekannten Wegen gerade an den Platz, wo der heilige Greis Maximus lag, dem Tode nahe. Felix erkannte ihn sogleich und bedeckte ihn mit Küssen. Doch er fand ihn kalt und lautlos; schwach schon war sein Athem. Er hatte nun nichts Eiligeres zu thun, als ihm einige Nahrung zu reichen; er sucht, er betet — und endlich sieht er über seinem Haupte eine Weintraube hangen. Er nahm sie und träufelte den Saft in den Mund des sterbenden Greises. Dieser kam all- Am Feierabende des 15. Januar. 41 MM WMMMKMMWtz EKLMMAM mählig wieder zu Kräften, so daß Beide nach Nola zurückkehren konnten. Bald hierauf starb der greise Bischof, und Felix sollte ihm ans dem bischöflichen Stuhle folgen; allein er weigerte sich standhaft und diente als einfacher Priester Gott dem Herrn treu bis an seinen Tod. Er starb selig im Herrn im Jahre 256, nachdem er Segen verbreitet hatte weit umher in der ganzen Umgegend von Nola; noch sterbend bekannte er seinen heiligen Glauben. Gebet. Heiliger Felix von Nola! bitte bei Gott für uns, auf daß wir so treu und standhaft, wie du, unfern heiligen Glauben bekennen und im christlichen Glaubensbekenntnisse leben und sterben. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Fünfzehntes Lesestück. Am Feierabende des 15. Januar. Erster Glaubensartikel: „Ich glaube an Gott den Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde." „Ich glaube an Gott" oder von Gottes Dasein. Fr. Warum beginnt das apostolische Glaubensbe- kenntniß mit den Worten: „Ich glaube an Gott"? Antw. Weil wir ohne den Glauben an Gott keinem andern Glaubenssatze beipflichten können; denn „wer zu Mehler, Hausbuch. Gott kommen will, muß glauben, daß er ist." (Hebr.11,6.) Fr. Gibt es aber einen Gott? Und woher wissen wir das? Antw. Ja, es gibt einen Gott; davon können wir uns überzeugen: 1) durch die Natur, 2) durch uns selbst, 3) durch die göttliche Offenbarung, 4) durch das Zengniß aller Völker und selbst der Gottesläugner. Belehrung. „In vier goldenen Spiegeln schauen wir die Gottheit," sagt ein christlicher Lehrer der Neuzeit: „im Spiegel der Natur, im Spiegel des G e w i s s e n s, im Spiegel des Evangeliums und im Spiegel der Geschichte aller Völker. Wem diese vier Spiegel nicht genügen, darin den Ewigen zu schauen, der gleicht dem Menschen, der seine Augen vorsätzlich den Strahlen der Mittagssonne verschließt und dann behauptet, es sei Mitternacht." — Gottes Dasein also beweist uns 1) die ganze Natur; sie ist ein aufgeschlagenes Buch, aus dem jeder Mensch die große Wahrheit herauslesen muß: „Es ist ein Gott." Alles, was wir da sehen, Himmel und Erde, Land und Meer, Alles ruft uns zu: „Es ist ein Gott." „Frage die unvernünftigen Thiere," sagt Job (12, 7.), „und sie werden es dich lehren; und die Vögel des Himmels, und sie werden es dir anzeigen; rede mit der Erde, und sie wird dir antworten; und die Fische des Meeres, und sie werden es dir erzählen. Wer weiß es nicht, daß die Hand des Herrn dieß Alles erschaffen hat?" — „Ja, betrachten wir, was wir wollen," sagt der heil. Hieronymus, „aus jedem Geschöpfe leuchtet Gott als der Schöpfer hervor, wie ans jedem Bilde oder Kunstwerke auch die Hand des Künstlers ersichtlich ist." — Gar schön erklärt dieß der heil. Augustin in einem Gleichniß von der menschlichen Seele, die in einem Jeden aus uns ist. Keiner von uns sieht die Seele eines Andern; denn als ein purer Geist ist sie unsichtbar. Doch weil ihr sehet, daß ich mich rühre, bewege, rede, stehe, gehe, wie und wann ich will, so erkennt ihr daraus, daß in mir 6 42 Erstes Hauptstück. Erster Glaubensartikel. Ich glaube an Gott dem Vater rc. eine Seele sein müsse, und dieses ist euch so klar und so gewiß, als wenn ihr meine Seele selbst sehen würdet. Nun gut, sagt Augustinus, wenn du schon aus den äußern Handlungen, Geberden, Regungen und Bewegungen des Körpers erkennest und urtheilest, daß eine Seele in mir ist, so mußt du ja aus den Werken aller Geschöpfe den Schöpfer erkennen ; denn durch ihn lebet und webet und ist Alles, was auf der Erde ist. — 2) Aber auch durch dich selbst mußt du, o Mensch! dich vom Dasein Gottes überzeugen. Betrachte nur einmal deinen Leib und deine Seele mit all den Kräften und Fähigkeiten; wer konnte ein so wunderbares Gebilde Hervorbringen? Weist dich da nicht dein eigner Verstand, dein eignes Gewissen zu Gott hin? bezeugt nicht deine Gottähnlichkeit sein Dasein? Daher sagt gar schön der Cardinal Bellarmin: „Wer eine Leiter errichten will, um zu Gott hinaufzusteigen, der braucht sich nicht weit umzusehen; er nehme sich nur selber her!" Denn der Mensch ist die edelste Kreatur, das schönste Ebenbild Gottes. Daher sagt auch Moses: „Betrachte dich nur selbst!" Jeden Augenblick kannst du Gott in dir finden und Ihn sehen, wenn du nur willst. 3) Auch die göttliche Offenbarung überzeugt uns vom Dasein Gottes; jede Zeile der heil. Schrift sagt es uns: „Es ist ein Gott." Die heil. Schrift selbst ist ja ein Schreiben, ein Brief Gottes an uns, und wie thöricht wäre es also, wenn man an der Existenz Dessen zweifeln wollte, der uns ja schon einen Brief zukommen ließ? Durch die göttliche Offenbarung erst haben wir Alle den rechten Weg zu Gott gesunden, auf den wir durch unsere bloße Vernunft nie gelangt wären; und insbesondere ist es die heil. Schrift, durch deren fleißige und fromme Lesung so Viele schon zur wahren Erkcnntniß Gottes gelangt sind. Endlich 4) bekennen alle Nationen der Erde eine Gottheit; alle Völker des ganzen Erdkreises, die Völker der alten Welt, wie der Jetztzeit — sie alle rufen wie mit Einer Stimme: „Es ist ein Gott." — „Wenn man die Erde durchwandert," sagt der heidnische Schriftsteller Plutarch, „so kann man Städte finden ohne Mauern, ohne Wissenschaften, ohne Könige, ohne Häuser, ohne Geld und Reichthum; eine Stadt aber, die keine Tempel und Götter hätte, hat noch Niemand gesehen." Nur der Thor kann also sagen: „Es ist kein Gott," da alle Menschenzungen aus der innigsten Ueberzeugung Gott nennen. Oder sollten all die Millionen von Menschen sich täuschen, die da sagen: „Es ist ein Gott!" und der Thor allein sollte Recht haben, der sich so leicht irrt und so gerne lügt? Wahrlich, das ist die größte und schrecklichste aller Thorheiten, an Gottes Dasein zweifeln, gleich als wollten Kinder sagen: „Wir haben keinen Vater, und Niemand hat uns aufgezogen?" Unläugbar ist also die Wahrheit, daß es einen Gott gebe; selbst der ver- blendetste Gottesläugner muß sie in den ernsteren Stunden seines Lebens anerkennen. Beispiele und Anwendung. Die ganze Natur gibt uns das lauteste Zeugniß von Gottes Dasein. „Du brauchst kein anderes Buch zu lesen," sagt der heilige Basilius, „sieh nur in der Welt umher; da hast du ein großes Buch, worin du Gott erkennen und seine Werke lesen kannst, solltest du auch noch so ungelehrt und einfältig sein." Darum gab auch der heilige Einsiedler Antonius, als man ihn einst fragte, wie er denn ohne Bücher in einer solchen Abgeschiedenheit leben könnte, die schöne Antwort: „Mein Buch ist die ganze Schöpfung; aus diesem Buche kann ich mehr lernen, als aus allen Büchern der Welt. Täglich kann ich von der Weisheit,. Güte und Allmacht Gottes darin lesen." — Und wenn der heilige Franziskus Borgias ganz allein unter freiern Himmel durch die herrliche Natur und die majestätischen Schöpfungen Gottes hinwandelte, da schlug er gar häufig nvit seinem Stabe die Felsen, die Bäume, die Blumen, Kräuter und Stauden, welche eben auf dem Wege standen, und brarh dabei gewöhnlich in die Worte aus: „Redet doch nicht so laiut, rufet nicht so mächtig, daß es einen so guten Gott gebe! Ich kann ja das stete Schreien nicht ertragen." — So findet das kindlich fromme Gemüth überall in der ganzen Schöpftung seinen Gott. — Aber auch der tiefgesunkenste Gottesläugner hat Augenblicke im Leben, wo Am Feierabende er Gottes Dasein gern gesteht. Denn woher kommt es, daß er, von einem plötzlichen Schrecken befallen, so hurtig zum Himmel aufblickt und ausruft: „Ach, Gott!" — Ein ungläubiger Gastwirth machte sich ein besonderes Geschäft daraus, seine glaubenslosen Ansichten und Grundsätze auch Andern mitzutheilen. Eines Abends kehrten zwei rechtschaffene, gottesfürchtige Männer bei ihm ein und konnten nicht mehr weiter kommen. Er plagte dieselben von 6 bis 11 Uhr in der Nacht mit seinem ungläubigen Geschwätze und wollte sie überreden, daß kein Gott, kein Erlöser, kein Gericht, kein Himmel und keine Hölle sei rc. Sie wollten ihn mit Gottes Wort widerlegen; er spottete aber darüber nur noch mehr. Um 11 Uhr gingen die zwei Männer zu Bette. Der eine von ihnen weinte bitterlich über die abscheulichen Lästerungen; der andere aber tröstete ihn und sagte: „Es ist ja nichts Neues, daß es solche Spötter gibt. Der König David hat ja schon vor 3000 Jahren geklagt: Der Thor spricht in seinem Herzen: Es ist kein Gott! Verderbt sind sie und abscheulich sind sie geworden in ihren Anschlägen." — Kaum hatten sie eine halbe Stunde geschlafen, so gerieth eines Nachbars Haus gerade gegenüber in Brand, und die Helle Flamme erfüllte das Gasthaus durch die vielen Fenster mit einem schauerlichen Lichte. Die zwei Männer erwachten, erschracken und meinten schon, der Gasthof stehe in Flammen; liefen deßwegen vor des Wirthes Kammer, weckten ihn auf und kündeten ihm an, daß sein Haus in lichten Flammen lodere. Als der starke Geist aus der Kammer heraustrat und den rochen, furchtbaren Schein des Feuers in seinem Hause sah, schlug er die Hände zusammen und rief aus: „O du allmächtiger Gott! o du starker Gott! o du gnädiger und barmherziger Gott! hilf mir doch in dieser schrecklichen Gefahr!" Der eine Mann fiel ihm in die Rede und sprach: „ Ei, du unverständiger Mensch! du hast ja den ganzen Abend gelästert und gesagt, es sei kein Gott; und nun soll er dir helfen, weil du in der Noth bist?" >— O wie viele solche Gottesläugner und Spötter gibt es, leider! nicht auch heut zu Tage noch, die nur da von Gott Etwas wissen wollen, wo sie ihn brauchen können! — Du aber, o Christ! wirst nicht unter die Zahl dieser Unglücklichen gehören; o nein, du betest ja mit Mund und Herz: „Ich glaube an Gott!" Legende: Der heilige Maurus, Schüler des heiligen Benediktus und Abt. (ch 584.) Ein lautes Zeugniß für Gottes Dasein gab auch der heilige Maurus, dessen Namen uns am heutigen Tage die Legende nennt; er war von Geburt ein Römer und wurde späterhin ein Schüler des heiligen Benediktas, ausgezeichnet durch die Tugend des Gehorsams. Voll glühenden Eifers, den Glauben an Gott allenthalben zu verbreiten und mit demselben Aller Herzen zu erfüllen, begab er sich im Jahre 543 nach Frankreich und stiftete daselbst eine berühmte Abtei. In seinem Grei- senalter übertrug er aber die Verwaltung derselben einem seiner Schüler und zog sich in die geräuschlose Einsamkeit zurück, indem er sich bloß mit dem großen Schritt aus der Zeit in die Ewigkeit beschäftigte. Zwei Jahre des 16. Januar. später wurde er von einem Fieber befallen, und als er fühlte, daß sein Ende herannahe, so ließ er sich in die Kirche tragen, um da die himmlische Wegzehrung zu empfangen. Dann legte er sich ans ein härenes Bußkleid und gab ruhig seinen Geist auf am 15. Jänner 584 < indem er noch bis zu seinem letzten Athemznge laut und offen bekannte seinen Glauben an Gott, und wiederholt ausrief: „Ich glaube an Gott, auf ihn hoffe ich, ihn liebe ich." Gebet. Herr und Gott! wir glauben, daß du bist, und bekennen dieß mit Herz und Mund; laß uns nur dein Dasein auch stets in deiner göttlichen Gnade und Barmherzigkeit fühlen auf Erden, und einst im Himmel uns dein Antlitz schauen. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Sechzehntes Lesestück. Am Feierabende des 16 . Januar. Von Gottes Wesenheit. Fr. Da wir nun wissen, daß es einen Gott gibt, so entsteht die Frage: Was ist Gott? Antw. Gott ist ein unendlich vollkommener Geist, der Herr des Himmels und der Erde, von dem alles Gute hcrkommt. Belehrung. Was Gott seinem Wesen nach sei, kann der Mensch mit seinem schwachen Verstände unmöglich erkennen. Wie sollte das endliche Geschöpf seinen unendlichen Schöpfer erfassen? Der Mensch müßte Gott selbst sein, wenn er vollkommen wissen wollte, was Gott wäre. „Wer Gottes 6 * '- 8 ^ 44 Erstes Hauptstück. Von Gottes Wesenheit. Majestät erforschen will," sagt die heilige Schrift, „der wird A von seinerHerrlichkeit erdrückt." W Daher schreibt der heilige Augustin: „ Wir können leichter sagen, was Gott nicht ist, als was er ist; denn Er ist un- aussprechlich. Betrachte die ^ Gott nicht. betrachte das Meer! auch dieses ist dein Gott nicht; betrachte Alles, was auf Erden und im Meere sich reget, was die Lüfte durchsegelt, alle Menschen und Thiere! sie sind Alle dein Gott nicht; betrachte selbst die Engel des Himmels, die Kräfte und Mächte, die Erzengel und die Thronen! — auch sie sind es nicht. Und was ist denn Gott? Ach, ich kann dir nur sagen, was er nicht ist. Fragst du darum? So höre, Gott ist: Was noch kein Auge gesehen, kein Ohr gehört, und was noch in keines Menschen Herz gekommen ist. Wie sollte denn das auf die Zunge kommen, wie mit Worten ausgesprochen werden können, was noch nie in eines Menschen Herz gekommen?" Also spricht sich der heilige Augustin über das Wesen Gottes aus. Beispiel und Anwendung. Auch unter den Heiden hat es Männer gegeben, welche es gerne eingestanden, daß es dem Menschen nicht möglich sei, das Wesen der Gottheit zu erforschen und auszusprechen. Der Tyrann Hiero aus Syrakus stellte einst an den Weltweisen Simonides die Frage, was Gott sei? Da bat sich der Philosoph einen Tag Bedenkzeit aus. Tags darauf erschien er wieder vor dem Könige und bat sich noch zwei Tage aus; und so verlängerte er den Termin jedesmal um's Doppelte. Voll Verwunderung darüber fragte ihn endlich der Tyrann Hiero, was denn dieß Zögern zu bedeuten hätte? Und Simonides entgegnete: „Je länger ich darüber nachdenke, was Gott sei, desto dunkler wird mir die Sache." Das Wesen Gottes also kann der schwache Mensch nie erforschen, nie erklären; Alles, was wir von Gott sagen können, besteht in den kurzen Worten: „ Gott ist ein unendlich vollkommner Geist, der Herr Himmels und der Erde, von dem alles Gute herkommt." Fr. Warum nennen wir Gott „einen Geist?" Antw. Wir nennen Gott einen Geist, weil er Verstand und freien Willen, aber keinen Leib hat. Belehrung. Gott ist ein Geist, d. h. er ist ohne Leib, und deßhalb unsichtbar, unerforschlich; besitzt aber die höchste Erkenntniß und den heiligsten Willen. „Er bewohnt ein unzugängliches Licht," schreibt der heilige Paulus an Timotheus (1. Tim. 6, 16.) „Keiner von den Menschen hat ihn gesehen, noch kann ihn ein Mensch sehen." Wenn nun aber die heilige Schrift hie und da von Gottes Augen, Ohren, Händen rc. redet, so geschieht dieß nur deßhalb, um sich uns Menschen verständlich zu machen. Gott ist und bleibt uns in diesem Leben unsichtbar; daher sprach Gott selbst zu Moses, als dieser Gottes Herrlichkeit zu schauen verlangte: „Mein Angesicht kannst du nicht schauen; denn kein Mensch sieht mich, so lange er auf Erden lebt." (2. Mos. 33, 21.) Beispiele und Anwendung. Der heilige Augustin hätte so gerne mit seinen äußern Sinnen Gott den Herrn suchen und finden mögen; darum schickte er sie einmal alle miteinander als Boten aus und gab ihnen den Auftrag, Gott den Unsichtbaren ausfindig zu machen. Die Sinne machten sich nun auf die Reise; allein das Auge konnte Ihn nicht erspähen, das Ohr keinen Ton von Ihm vernehmen; die Hände konnten Ihn nicht erfassen, die Füße nicht ereilen. Unverrichteter Dinge kehrten all diese Boten wieder zurück und sagten es ihm: „Gott ist ein Geist, unsichtbar, unergründlich; nur das Herz kann Ihn hienieden glauben, dereinst wird Ihn des Geistes Auge schauen." Wie sollte aber auch der schwache Mensch im Stande sein, Gott den Herrn hienieden in seiner Herrlichkeit zu schauen? Ein Fürst verlangte einst von dem jüdischen Lehrer Iosua, daß er den Unerschaffenen ihm zeige. Vergebens wandte dieser ein, daß kein Sterblicher den Unsterblichen zu sehen vermöge; dennoch beharrte der Monarch bei seinem Verlangen. Da führte ihn Iosua an einem heißen Sommertage in's Freie. — „Schau' gegen die Sonne!" sprach er zu ihm. — „ Ich kann nicht," erwiederte der Fürst. — „Sterblicher, den der Strahl eines einzigen Geschöpfes schon zu blenden vermag!" entgegnete jetzt der jüdische Lehrer, „würde dich nicht der Anblick des Schöpfers des All's vernichten?" Ach ja, mein Christ! grüble und forsche nicht vorwitzig nach über das Wesen der Gottheit; in diesem Leben wirst du es nicht ergründen können; denn Gott ist ein Geist. Im Jenseits erst wirst du ihn sehen von Angesicht zu Angesicht, wie er ist, und in ihm wirst du dann deinen Lohn und deine Seligkeit finden. Fr. Warum sagen wir, daß Gott „unendlich vollkommen" ist? Antw. Wir sagen so, weil Gott nicht wie die Geschöpfe nur im gewissen Maße gut ist, sondern alle guten Eigenschaften ohne Maß und Zahl in sich vereinigt. Belehrung. „Gott ist die einzige, höchst vollkommene, unerreichbare Vollkommenheit, die in Allem, was vollkommen ist, die Vollkommenheit ausmacht." Also schreibt der heilige Franz von Sales. Und schon Nehemias betete in Betrachtung der göttlichen Vollkommenheit: „Herr, Gott, Schöpfer aller Dinge, der du furchtbar und stark, gerecht und barmherzig, allein der gute König bist, allein vortrefflich, allein gerecht, allmächtig und ewig!" rc. O wer könnte 45 Am Feierabende all die guten Eigenschaften, all die Vollkommenheiten, die in Gott ohne Maß und Zahl vereinigt sind, nennen oder aufzählen ? Beispiel und Anwendung. Bei Betrachtung der Vollkommenheiten Gottes rief der heilige Franz Seraph gar häufig im Gefühle seiner Armuth und Schwäche aus: „Wer bist du, o Herr! und wer bin ich? — Du bist der Abgrund der Weisheit, der Langmuth und eines jeglichen Gutes; ich bin ein Abgrund der Unwissenheit, der Ohnmacht, der Sünde, des Nebels. Du bist der Abgrund des Seins und Wesens, ich der Abgrund der Nichtigkeit." — Demü- thige auch du dich, o Christ! und erkenne deine Nichtigkeit, wenn du dich Gott nahest, dem unendlich vollkommensten Wesen, oder wenn du seiner Vollkommenheiten gedenkest! Fr. Welche Eigenschaften oder Vollkommenheiten Gottes sollen wir uns vorzüglich merken? AntW. Folgende: Gott ist ewig und unveränderlich — allgegenwärtig — allwissend — allweise — allmächtig; er ist unendlich heilig und gerecht — unendlich gütig, barmherzig und langmüthig>— unendlich wahrhaft und getreu. Alle diese Vollkommenheiten Gottes wollen wir nun in den nächsten Lektionen einzeln und ausführlicher betrachten. Legende: Der heilige Marcellus, Papst und Märtyrer, (P 310.) ^ U Wie sehr demüthigte sich vor Gott der heilige Papst und Märtyrer Marcellus, dessen Fest heute in der Kirche begangen wird! So oft er Gottes Größe und Vollkommenheiten betrachtete, rief er mit Job (36, 26.) aus: „Ich weiß, daß Gott groß ist und alle unsere Begriffe übersteigt." Dieser demüthige Diener des Herrn des 17. Januar. bestieg im Jahre Christi 308 den päpstlichen Stuhl und hielt mit aller Kraft die Kirchenzucht aufrecht. Allein sein Eifer machte ihn bei den Feinden der Kirche verhaßt, so daß ihn der Tyrann Maxentius aus Rom verbannte. Nachdem er kaum 2 volle Jahre auf dem päpstlichen Stuhle gesessen, entschlief er selig im Herrn, nm von Angesicht zu Angesicht Den zu schauen, dessen Majestät wir hienieden nicht ergründen können. Gebet: Ewiger Gott, unergründlich in deinem Wesen! wir wollen dich nicht erforschen, nicht ergründen, sondern dich nur in tiefster Demuth anbeten, loben und preisen, damit wir einst gewürdigt werden mögen, dick- ewig zu schauen, wie du bist. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Siebenzehntes Lesestück. Am Feierabende des 17. Zannar. Gott ist ewig und unveränderlich. Fr. Was heißt das: „Gott ist ewig?" AntW. Es heißt: Gott ist immer, ist immer gewesen und wird immer sein. Belehrung. Gott kennt keinen Anfang und kein Ende; er ist ewig; darum singt schon der Psalmist (Ps. 89, 2.): „Ehe die Berge wurden, und gebildet war die Erde und ihr Umkreis, bist du, o Gott! von Ewigkeit zu Ewigkeit!" — Auf der Welt hat Nichts einen Bestand. Der Zahn der Zeit zernagt uns unsere Schätze und Reichthümer; der Tod raubt uns unsere lieben Angehörigen, unsere theuersten Freunde. Alles vergeht, nur Gott allein bleibt. Ihn raubt uns Nichts, nicht die Zeit, nicht der Tod; denn er ist ewig, er war immer, ist immer und wird immer sein. Welch' ein tröstlicher Gedanke! Welch ein mächtiger Sporn, einzig und allein nur nach diesem ewigen Gute zu trachten?! Beispiel und Anwendung. Ein ehrlicher Bürger war durch mancherlei Unglücksfälle tief herabgekomnien. Da er vorher in den glücklichsten Umständen gelebt hatte, so fühlte er die Schläge des Schicksals um so herber, und es bemächtigte sich seiner eine um so tiefere Schwermuth, je weniger er Hoffnung sah, seine Vermögensumstände zu verbessern. Seine Frau, die auf den Herrn vertraute, sah dieß nicht ohne innere Bekümmerniß; sie suchte ihn aufzumuntern und zu trösten durch die Erinnerung an Gottes Güte und Fürsorge. Doch Alles ohne Erfolg. Endlich besann sie sich auf ein neues Mittel, sein Herz zu rühren und ihn im Vertrauen auf Gott zu stärken. Sie stellte sich eines Morgens gleichfalls sehr betrübt; der Mann fragte nach der Ursache, — aber sie seufzte und schwieg. Hiedurch noch mehr beängstigt, drang er nm so ernstlicher in sie, ihm doch die Ursache ihrer Niedergeschlagenheit zu entdecken. Da sagte sie denn mit 46 Erstes Hauptftück. Gott ist ewig und unveränderlich. traurigem Tone, es habe ihr geträumt, der liebe Gott hatte aufgehört zu sein, er wäre gestorben, und die heiligen Engel begleiteten seine Leiche. -— Seit langer Zeit hatte der Mann nicht gelächelt; aber jetzt konnte er sich dessen nicht enthalten. Er gab sogar der Frau einen Verweis, daß sie sich über einen solchen Traum bekümmern könnte, und fragte sie, ob sie denn nicht wüßte, daß Gott ewig, daß Gott unsterblich - sei? — „Wie?" — sagte sie — „ist Gott ewig, ist Gott unsterblich?" — „Ei freilich," antwortete der Mann; „wer wird daran zweifeln?" — „Wohlan denn," fuhr die Frau jetzt fort, „wenn die Sache sich so verhält, warum vertraust du nicht auf Den, der niemals stirbt, der unsere Haare zählt und unsere Schritte leitet? Darum klage auch du nicht mehr so übermäßig! Denn da Gott noch lebt, so kann er uns auch noch helfen." — Der Mann ging auf diese Rede in sich, wurde ruhiger, arbeitete fleißig, und setzte sein ganzes Vertrauen auf den Ewigen, und Gottes Segen kehrte zurück, und mit ihm häusliches Glück. — O ja, wer auf den Ewigen vertraut, der wird nicht zu Schanden werden. „Willst du eine stäte und ewige Freude haben," sagt Tertullian, „so schließe dich an Den an, der ewig ist!" Fr. Was heißt das: „G ott ist unveränderlich"? Antw. Gott ist unveränderlich heißt: Er bleibt ewig derselbe, ohne je einmal sich oder seine Rathschlüsse zu pudern. Belehrung. Gott bleibt immer derselbe. „Bei Gott," sagt der heilige Jakobus (1, 17.), „ist kein Wechsel und kein Schatten von Veränderlichkeit." Und schon David singt (Ps. 101.): „Im Anfänge hast du, o Herr! die Erde gegründet, und die Werke deiner Hände sind die Himmel. Dieselben vergehen, du aber bleibst; sie alle veralten wie ein Kleid, und wie ein Gewand veränderst du sie, und sie werden verändert; du aber bist derselbe, und deine Jahre nehmen kein Ende." „Gott ist von Ewigkeit zu Ewigkeit; er nimmt nicht ab und nimmt nicht zu." (Sir. 42, 21.) Ja, „bei Gott kann gar keine Veränderung stattfinden," sagt der heilige Hilarius; „denn er ist das vollkommenste Wesen, er ist sich selbst Alles ganz; es fehlt ihm also Nichts; es kann bei ihm Nichts hinzugethan und Nichts hinweggenommen werden." Er bleibt sich also immer gleich, er ist immer derselbe, d. h. er ist unveränderlich 1) in seinem Wesen; er ändert sich nicht wie die Menschen, die Thiere, die Pflanzen sich ändern; was er von Ewigkeit her war, das ist er noch und wird er ewig sein. Seine Allmacht, Heiligkeit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Güte bleibt immer und ewig dieselbe. Gott ist unveränderlich 2) in seinen Nathschlüssen und Gesinnungen. Was wir Menschen heute lieben, das hassen wir morgen. Nicht so ist es bei Gott; Er ändert seine Gedanken und Rathschlüsse nicht. Beispiele und Anwendung. Gott ist ewig unveränderlich m seinem Wesen und in seinen Rathschlüssen und Gesinnungen. Wie tröstlich ist dieses für uns! In diesem Gedanken an Gottes Unveränderlichkeit fand die heilige Theresia bei all ihren Leiden den süßesten Trost. Obschon vierzig Jahre krank, so war sie doch immer heiter; denn gerade auf dem Krankenbette lernte sie am Beßten die Veränderlichkeit und den Wechsel alles Irdischen kennen; da fühlte sie, daß Gott allein des Menschen Trost und Freude sei. Oft rief sie daher aus: „ Bedeute, wie bald sich die Menschen ändern, — wie wenig auf sie zu vertrauen ist; und fest wird deine Hoffnung auf Denjenigen werden, der ewig unveränderlich ist!" — Ja, mein Christ! Gott ist ewig unveränderlich, und wenn Alles auf der Erde vergeht, wenn man uns Alles raubt, wenn Alles um uns sich ändert, so sind wir dennoch glücklich, wenn wir nur Gott dienen, wenn wir nur Gott besitzen. Darum pflegte der heilige Ignatius oft zu sagen: „Wenn ich Gold und Silber habe, was habe ich? und wie lange? Wenn ich aber Gott besitze, was habe ich —- Rosen ohne Dornen, Feuer ohne Rauch, — und einen Besitz ohne Ende!" So ermunternd und tröstlich ist also der Gedanke an Gottes Unvcränderlichkeit für den Frommen; aber ebenso furchtbar ist er auch für den Gottlosen. Denn wer einen Menschen zum Feinde hat, kann hoffen, daß dieser bald stirbt; Gott aber ist ein ewiger Rächer des Bösen. Menschen ändern oft ihren Sinn; ihr Haß nimmt ab; ihr Zorn verraucht; ihr Rachedurst vergeht. Gott aber ist unveränderlich in seinem Grimme über den un- Am Feierabende des 18. Januar. 47 bußfertigen Sünder; ewig wird der Unbußfertige seufzen unter der Gewalt des immer gleichen Zornes Gottes. Welch ein furchtbarer Gedanke! — Falko, ein reicher Mann, der in dieser Welt nur der Sünde und dem Vergnügen lebte und nie an die künftige Welt dachte, konnte in einer schwülen Sommernacht nicht schlafen. Da sprach er bei sich selbst: „Wie? auf diesem weichen Bette, wo ich doch auch nicht den geringsten Schmerz empfinde, wird mir das Liegen schon so beschwerlich, ja fast unerträglich; wie würde es mir erst sein, wenn ich gleich dem Reichen im Evangelium — auf ewig in den Flammen der Hölle begraben liegen müßte? Denn ewig ist Gott und unveränderlich sein Urtheil!" — Dieser Gedanke ergriff ihn so mächtig, daß er der Welt entsagte, und sich in die Wüste begab, um nur jener Welt zu leben. Ach! wie Wenige bedenken dieß! Bist nicht auch du, der du dieses liesest, unter der Zahl dieses großen Haufens? Wohlan denn! säume nicht mehr länger, wache auf und diene Gott, dem Ewigen und Unveränderlichen, wie jener große Heilige, der uns heute begegnet in der Legende: Der heilige Antonius der Große, Abt und Erzvater der Einsiedler, (st 356.) Dieser erblickte das Licht der Welt im Jahre 251 zu Koman bei Heraklea in Oberäghpten. Seine christlichen Eltern, mehr noch durch ihre Gottesfurcht, als durch ihre Reichthümer ausgezeichnet, gaben ihm die beßte Erziehung, und so nahm Antonius zusehends zu an Tugend und Vollkommenheit. Im zwanzigsten Jahre verlor er seine Eltern durch den Tod, und sechs Monate später hörte er in der Predigt die Worte des göttlichen Heilandes an jenen Jüngling, der ihn nach dem Wege der Vollkommenheit befragte (Matth. 19, 21.): „Gehe hin, verkaufe Alles, was du hast, gib es den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben." Diese Worte machten einen so tiefen Eindruck auf den zwanzigjährigen Jüngling, daß er sogleich sein väterliches Erbe in zwei gleichen Theilen an seine einzige Schwester und an die Armen verschenkte. „Du, o Gott! allein bist ewig und unveränderlich," sprach er; „Alles, was die Welt bietet, ist eitel und vergänglich. Daher will ich die Welt verlassen, und nur dir dienen, o mein Gott und Alles!" Und mit diesen Worten begab er sich in die Einöde. Hier hatte er viele Kämpfe mit dem bösen Feinde zu bestehen; durch Beten und Fasten und durch die liebenswürdige Tugend der Demuth gewann er aber die glänzendsten Siege über diesen seinen mächtigen Gegner. Alsbald verbreitete sich der Ruf von seiner Heiligkeit so sehr, daß sich zahlreiche Schüler, die unter seiner Leitung den Weg der Vollkommenheit wandeln wollten, um ihn sammelten, und daß ihn selbst Könige und Kaiser mit Briefen beehrten, wie wir schon oben Seite 16 erzählt haben. Nachdem er Gott, dem Ewigen und Unveränderlichen, treu gedient und schwere Kämpfe gegen die Feinde seines Heiles siegreich bestanden hatte, entschlief er selig im Herrn im hundertundfünften Jahre seines Alters und im Jahre Christi 356, um gekrönt zu werden mit der Krone des ewigen Lebens. WiiWNÄ Gebet. O Gott, der du ewig und unveränderlich bist, erleuchte und stärke uns, auf daß wir die Nichtigkeit und Vergänglichkeit alles Irdischen erkennen, und wie der heilige Antonius, nur das suchen, was ewig und unvergänglich ist. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Achtzehntes Lesestück. Am Feierabende des 18. Januar. Gott ist allgegenwärtig und allwissend. Fr. Was heißt das: Gott ist allgegenwärtig? Antw. Das heißt: Gott ist überall im Himmel und auf Erden. Belehrung. Gott ist überall, im Himmel, auf Erden und an allen Orten. „Erfülle ich nicht Himmel und Erde? spricht der Herr." (Jer. 23, 24.) Und in der Apostelgeschichte (17, 27—28.) heißt es: „Gott ist nicht ferne von Erstes Hauptstnck. Gott ist allgegenwärtig und allwissend Jedem aus uns; denn in ihm leben wir und bewegen uns und sind wir." „Wo soll ich hingehen vor deinem Geiste?" ruft David (Ps. 138, 7—10.) aus, „und wohin fliehen vor deinem Angesichte? Stieg' ich gen Himmel, so wärest du da! Nahm ich mir Flügel von der Morgenröthe und wohnt' ich am äußersten Ende des Meeres, so würde auch dahin deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten." — Ja, „Gott ist überall," sagt der heilige Bernhard; „überall ist sein Reich, überall seine Herrschaft, überall seine Majestät. Er erfüllt Alles, er umfaßt Alles." Ihm können wir also nicht entfliehen. Der Prophet Jonas hat es erfahren; er wollte vor dem Angesichte des Herrn entfliehen; allein schnell erreichte ihn der Arm des Allgegenwärtigen. Es erhob sich ein heftiger Sturm, und da man ihn für den Schuldigen hielt, um dessen willen der Sturm entstanden sei, so warf man ihn in's Meer. Ein Wallfisch verschlang ihn, und erst nach drei Tagen und drei Nächten wurde er durch eine besondere Fügung Gottes wieder an's Land gespieen. — Wer kann dem Allgegenwärtigen entfliehen? Fr. Was heißt das: Gott ist allwissend? AntW. Das heißt: Er weiß Alles und von Ewigkeit her; er weiß das Vergangene, das Gegenwärtige und das Zukünftige, auch unsere geheimsten Gedanken. Belehrung. Die alten Aegyptier stellten sich Gott vor als das große Weltenauge, welches Alles durchdringe, ergründe und schaue. (Sieh das obige Bild!) Demgemäß verehrten sie, wie der heilige Cyrillus mittheilt, einen goldenen Scepter, auf dessen Spitze ein großes, weitgeöffnetes Auge stand. Durch den goldenen Scepter wollten sie die Macht und Herrlichkeit Gottes, und durch das offene Auge seine Allwissenheit sinnbilden. Der große Kirchenvater Augustinus spricht etwas Aehnliches aus, wenn er schreibt: „Ich sage, daß Gott ganz Auge, ganz Hand, ganz Fuß ist, indem er Alles sieht, Alles wirkt und überall gegenwärtig ist." — „Die Augen Gottes," sagt die heilige Schrift (Sir. 23, 28. ff-), „sind viel Heller als die Sonne, so daß siedle tiefsten Abgründe in dem Herzen der Menschen, die verborgensten Winkel durchschauen; denn Gott dem Herrn sind alle Dinge bekannt gewesen, ehedenn er sie schuf; und so durchschauet er alle, nackdem sie gemacht sind." Mit diesen scharfen, Alles durchdringenden Augen schaut und prüft der allgegenwärtige Gott all unsere Gedanken und Begierden, all unsere Schritte und Tritte, all unser Thun und Lassen , all unsre Werke, wir mögen sie geheim oder öffentlich begehen. Er ist ein beständiger Wächter, der Alles, das Gute und das Böse sieht; das Gute, um es zu belohnen, das Böse, um es zu bestrafen. Beispiel und Anwendung. Schon die Heiden hatten den Glauben, daß ihre Gottheiten allwissend seien. „Fremder!" sagte einmal ein ägyptischer Gelehrter, der ausHeliopo- lis auf Befehl des Königs von Aegypten kam und mit Aesop, dem bekannten Fabeldichter, an der königlichen Tafel speiste, zum Aesop: „Fremder! die Gottheit, die ich anbete, hat mich hieher gesandt, dir eine Frage zur Auflösung vorzulegen." — „Du," sagte hierauf Aesop zu ihm, „du drückst dich übel aus; denn Gott weiß Alles, und vor Ihm ist Nichts verborgen; also kann er auch Nichts von den Menschen lernen. Du betrügest dich nicht nur selbst, sondern gibst auch die Unwissenheit deiner Gottheit zu erkennen." — Wahrlich, eine schöne Antwort aus dem Munde eines Heiden, und im höchsten Grade beschämend für jene kleingläubigen oder gar glaubenslosen Namenchristen, die da meinen, Gott wisse Nichts um uns, und er kümmere sich nicht um unser Thun und Treiben, noch weniger aber um unser Denken und Sinnen. Fr. Was kann und soll der Gedanke an Gottes Allgegenwart und Allwissenheit in uns bewirken? AntW. Der Gedanke an Gottes Allgegenwart und Allwissenheit kann und soll uns 1) überall auch im Verborgenen vom Bösen abhalten und zum Guten antreiben; 2) in jeder Noch uns Mnth und Trost gewähren. Belehrung. „Je mehr wir in Gottes Nähe wandeln," sagt der heilige Gregor vonNazianz, desto,, vollkommener werden wir; denn je näher eine Sache ihrem Ursprünge ist, desto vollkommener ist sie ihrem Wesen nach. So ist das Wasser reiner, welches näher bei der Quelle ist, aus der es entspringt; so ist die Hitze stärker, je mehr man dem Feuer nahe ist, von dem sie kommt; jener Strahl ist leuchtender, Am Feierabende welcher näher bei der Sonne ist, die ihn hervorbringt. Ja, so ist es, mein Christ! Je mehr du in Gottes Nähe wandelst, desto vollkommener wirst du werden; denn der Gedanke an Gottes Allgegenwart und Allwissenheit kann und soll uns 1) überall, auch im Verborgenen vomBö- sen abhalten und zum Guten antreiben. Oder würde denn ein Diener im Angesichte seines Fürsten etwas Böses zu thun wagen? würde er nicht vielmehr mit um so größerem Eifer seinem Dienste nachzukommen suchen? Wer an Gott denkt, kann nicht sündigen. Daher rief der keusche Joseph aus: „Wie sollte ich vor den Augen meines Gottes sündigen!" Und Susanna rief den beiden gottlosen Männern, die sie gewaltsam zur Sünde reizen wollten, zu: „Ich will lieber ohne die That in euere Hände fallen, als sündigen vor dem Angesichte des Herrn." (Dan. 13.) Der Gedanke an das allsehende Auge Gottes spornte auch den alten Tobias an, selbst im Dunkel der Nacht die Todten zu begraben und so im Stillen die Nächstenliebe zu üben. Schon der heidnische Weltweise Seneca hatte daher die Ansicht, daß es kein kräftigeres Mittel gebe, sich überall gut und ehrbar aufzuführen, als daß man sich immer vorstelle, es stehe an unserer Seite ein hochangesehener und tugendhafter Mann, welcher auf all unser Thun und Lassen Acht gebe, und vom Bösen uns abhalten wolle. In der That, meine Christen! das ist ein sehr gutes Mittel. Wenn der Vater bei seinem Kinde, wenn der Herr bei seinem Knechte, wenn der Meister bei seinem Lehrlinge steht, dann getraut sich, wie die Erfahrung lehrt, Keines irgend Etwas Böses zu verüben. Wenn aber die Gegenwart eines schwachen und sterblichen Menschen schon so viel zur Verhütung des Bösen und zur Förderung ves Guten vermag: um wie viel mehr wird dann die Gegenwart des allheiligen, gerechten und allmächtigen Gottes vermögen? Ist schon die Furcht vor der kleinen und kurzen Strafe, womit wir von Menschen für das Böse gezüchtigt werden, im Stande, uns von der Sünde abzuhalten; um wie viel mehr wird dann die Furcht vor der ewigen Strafe vermögen, womit der gerechte Gott die Sünder in der Hölle straft? Es ist nicht zu bestreiten, das Andenken an die Gegenwart Gottes muß einen überaus heilsamen Einfluß auf unser Thun und Lassen ausüben, uns vom Bösen abschrecken und zum Guten antreiben. Aber es kann und soll uns 2) auch bei unfern Leiden und Trübsalen trösten. „Wenn wir hiemeden streiten und leiden, so schaut uns Gott, schaut uns Christus, schauen uns die heiligen Engel zu. Welch ein Trost, welch eine Ehre muß das für uns sein, vor solchen Zuschauern zu kämpfen und den Kampfpreis zu erringen?" Mchler, Hausbuch. des 18. Januar. 49 also schreibt der heilige Cyprian. Mit diesem Gedanken tröstete sich auch der König David in jeglicher Gefahr, Verfolgung und Trübsal, indem er ausrief: „Wenn ich auch wandle mitten in Todesschatten, so will ich doch nichts Ueb- les fürchten, weil du, o Herr! bei mir bist." (Ps. 22, 4.) Und der fromme Dulder Job fand bei seinen Leiden nur Trost und Stärke in der Erinnerung daran, daß Gott sein Leiden sieht. „Siehe, im Himmel ist mein Zeuge," ruft er aus, „und der mich kennt in der Höhe!" (Job 16.) Beispiel und Anwendung. Der Gedanke an das allsehende Auge Gottes hält uns vom Bösen ab und ermuntert uns zum Guten. — Ein Jüngling klagte einst seinem Gewissensrathe, daß er sich so schwer der unkeuschen Gedanken cntschlageu könne. Da erwiederte ihm der Priester: „Stelle dir vor, dein Kopf sei ganz durchsichtig, wie Helles Glas, und Jedermann könne darin deine unflätigen Gedanken sehen." — „O weh!" seufzte der Jüngling; „da müßte ich mich ja, wenn meine Gedanken sichtbar wären, vor Scham verkriechen." „Aber," fuhr der Gewissensrath fort, „Heller noch und klarer, als im Glase, sieht Gott Alles in dir; willst du dich nicht auch vor ihm deiner Gedanken schämen?! Uebe dich in dieser Vorstellung, und du wirst deiner unreinen Gedanken leichter los werden." Und der Jüngling befolgte den Rath und wurde allmählig Sieger über die unreinen Gäste. Uebe auch du dich, o Christ! in dieser Vorstellung, und du wirst nie etwas Böses vor den Augen deines Gottes thun! — Die Erinnerung an Gottes Allgegenwart und Allwissenheit wird dich aber auch stets trösten und stärken in allen Leiden und Trübsalen dieses Lebens. Die heilige Elisabeth wurde nach dem Tode ihres Gemahls ungerech- terweise angeklagt und mit ihren drei Kindern aus der Heimat verstoßen. Jammer und Elend war ihr Gefolge. Aber bei all diesen Leiden tröstete sie der Gedanke: „Gottes Auge, das über jeden Menschen wacht, weiß es, daß ich unschuldig bin; Er wird meine Unschuld entdecken." — Der heilige Chrysostomus wurde von der Kaiserin Eudoxia mit der Landesverweisung bedroht; da sprach er aber freudigen Mu- thes: „Wie, Kaiserin! du willst mich schrecken? Weißt du denn nicht, daß Gott überall zugegen ist, und daß seine Un- ermeßlichkeit Himmel und Erde erfüllt? Du magst mich in der Welt hinschicken, wohin du willst, so bin ich versichert, daß ich meinen Gott daselbst finden werde." Siehe, wie tröstlich und stärkend der Gedanke: „Gott ist überall! Er sieht mein Leiden!" für jede Seele ist, die so ganz und gar verlassen dasteht, die unschuldig verfolgt und angefeindet wird von den Kindern der Welt! — Durch diesen Gedanken an Gottes Gegenwart wurde in ihren Leiden und Martern getröstet auch jene Heilige, deren Lebens- und Leidensgeschichte wir heute lesen in der Legende: Die heilige Priska, Jungfrau uud Märtyrin. (P275.) Selbe war eine vornehme römische Jungfrau und 7 SV Erstes Hanptstück. Gott ist allweise und allmächtig. wurde zur Zeit des Kaisers Claudius, erst dreizehn Jahre alt, mn des christlichen Glaubens willen zu den grausamsten Martern geschleppt; sie wurde gegeißelt, den wilden Thieren vorgeworfen, drei Tage im Kerker mit Hunger gequält, endlich auf einen brennenden Scheiterhaufen geworfen. Bei all diesen Leiden erhob sie ihre Augen unverrückt zu Gott dem Allwissenden, indem sie betete: „Herr! du bist mir nahe, du siehst meine Leiden, du kennst meinen Schmerz! Bor deinen heiligen Augen will ich mnthig kämpfen für deine Ehre; für dich will ich leiden und sterben." lind der Herr stärkte, tröstete und beschützte sie wunderbar, so das; sie bei all diesen Qualen ganz unversehrt blieb. Endlich berief sie der göttliche Bräutigam durch Engel zu sich, indem sie ihren Kampf durch Enthauptung beschloß; ihre engelreine Seele flog alsdann empor zum himmlischen Hochzeitmahle im Jahre 275. Gebet. Heilige Jungfrau und Marthrin Priska! bitte für uns bei Gott, damit auch wir uns in all unserm Thun und Lassen, bei all unfern Leiden und Widerwärtigkeiten mit dem Gedanken an Gottes Gegenwart und Allwissenheit bewaffnen und so vor dem allsehenden Auge Gottes tapfer kämpfen und glorreich siegen mögen. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Neunzehntes Lesestück. Am Feierabende des 19. Januar. Gott ist allweise und allmächtig. Fr. Was heißt das: Gott ist allweise? Antw. Es heißt: Gott weiß Alles auf das Schönste und Beste cinzurichten, um zu erreichen, was er will. Belehrung. Gott, der Künstler aller Künstler, weiß Schönheit und Nützlichkeit mit einander zu verbinden und alle Dinge in der Welt höchst zweckmäßig, schön und wohlthätig einzurichten; denn er ist all weise. Daher ruft schon David aus: „Wie groß sind deine Werke, o Herr! Alles hast du mit Weisheit gemacht." (Pf. 103, 24.) Oder ist es nicht so? Betrachte nur einmal, o Mensch! die ganze wunderbare Schöpfung, den Wunderbau deines Körpers, betrachte das Thier- und Pflanzenreich, betrachte die Elemente, die Gestirne des Himmels, ihren Lauf, der an Genauigkeit die kunstvollste Uhr übertrifft: mußt du da nicht ausrufen: „Groß ist die Weisheit Gottes!" (Sir. 15, 18.) Betrachte ferner, wie Gott in seiner Weisheit die Schicksale der Menschen leitet, und wie er Alles zum Besten zu lenken weiß, wie er den unschuldigen ägyptischen Joseph wunderbar erhöht, den Moses als Knäblein im Binsenkorb rettet und zum Führer und Befreier seines Volkes macht: mußt du da nicht ausrufen: „ Die Weisheit Gottes reicht von einem Ende zum andern gewaltig und ordnet Alles lieblich an!" (Weish. 8,1.) Beispiel und Anwendung. Gott ist allweise; er hat Alles auf's Schönste und Beste eingerichtet, wenn du es auch nicht verstehst und einsiehst. Tadle daher Gottes Anordnungen nicht! Ein junger Prinz, der ein abgesagter Feind der Fliegen und Spinnen war, konnte sich's nicht erklären, wie denn Gott in seiner Weisheit solche lästige Geschöpfe in die Welt Hereinsetzen mochte. Oesters sprach er bei sich: „Wozu hat doch Gott die Spinnen und Fliegen erschaffen? Dieses Ungeziefer nützt ja dem Menschen gar nichts! Wenn ich nur könnte, ich würde sie sammt und sonders von der Erde vertilgen!" — Einst mußte der Prinz sich im Kriege vor dem Feinde flüchten. Ermüdet legte er sich Abends im Walde unter einem Baume nieder und schlief ein. Ein feindlicher Soldat schlich sich mit gezücktem Schwerte auf ihn zu, um ihn zu ermorden. Allein plötzlich kam eine Fliege, setzte sich dem Prinzen auf die Wange und stach ihn so heftig, daß er erwachte. Er sprang auf, zog sein Schwert, und der Soldat entfloh. Der Prinz verbarg sich nun in eine Höhle des Waldes. Eine Spinne spannte während der Nacht ihr Netz vor dem Eingänge der Höhle aus. Am Morgen kamen zwei feindliche Soldaten, die ihn suchten, vor die Höhle. Der Prinz hörte sie mit einander reden. „Sieh," rief der Eine, „da hinein wird er sich versteckt haben!" — „Nein," sagte der Andere, „da drinnen kann er nicht sein; denn im Hineingehen hätte er ja das Spinnengewebe zerreißen müssen." — Als die Soldaten fort waren, rief der Prinz gerührt und mit aufgehobenen Händen: „O Gott! wie danke ich Dir! Gestern hast Du mir durch eine Fliege und heute durch eine Spinne das Leben gerettet. Wie groß ist Deine Weisheit, und wie gut ist Alles, was Du gemacht hast!" Fr. Was heißt das: Gott ist allmächtig? Am Feierabende M-'Äj MUSS M«) ^L« MM Antw. Es heißt: Er kann Alles, und braucht, um zu vollbringen, nur zu wollen. Belehrung. Ja, Gott ist allmächtig; „der Herr ist wie ein streitbarer Mann," ruft schon Moses (2. Mos. 15, 3.) aus; „Allmächtiger ist sein Name." Und David singt (Ps. 134, 6.): „Alles, was er will, macht der Herr im Himmel, auf Erden, im Meere und in allen Tiefen." In Anbetracht der göttlichen Allmacht müssen wir Alle mit dem Erzengel Michael (sieh das.obige Bild!) ausrufen: „Luis ut Deus! Wer ist wie Gott!" — Wir erblicken diese Allmacht Gottes in der ganzen Schöpfungsgeschichte; denn aus dem puren Nichts, durch das bloße Allmachtswort: „Es werde!" schuf Gott in sechs Tagen Himmel und Erde des 19. Januar. 51 und Alles, was da ist. (1. Mos. 1.) Als den Allmächtigen gab sich Gott zu erkennen in den Wundern MosiS, ebenso in der Wüste, wenn er vom Himmel Manna regnen, aus dem härtesten Felsen Wasser hervorsprudeln, den Fluß Jordan sich theilen ließ u. s. f. — Gottes Allmacht ist es, die die ganze große Last der Welt in den weiten Räumen des Nichts erhält; sie bringt die Himmel und die Gestirne in Bewegung; sie gibt den Elementen Kraft; ohne ihren Einfluß könnte kein Wesen auch nur Einen Augenblick bestehen; in Einem Augenblicke könnte sie Millionen neuer Welten schaffen; denn sie kann Alles, was sie will. Wahrlich, „bei Gott ist kein Ding unmöglich." (Luc. 1, 37.) Beispiele und Anwendung. Der heilige Aloysius war als Edelknabe am Hofe Königs Philipp II. dem jungen Prinzen Jakob als Gesellschafter zugctheilt. Als einstmals der Prinz,, um sich an der Aussicht zu ergötzen, znm Fenster hinaussah, und der Wind, der heftig stürmte, ihm lästig ward, warf er sich in die Brust, gab sich ein gebieterisches Ansehen und rief hinaus: „Höre, Sturmwind! ich Prinz Jakob befehle dir, daß du sogleich aufhörest, mir beschwerlich zu sein!" — Da sprach aber Aloysius lächelnd zu ihm: „Prinz! lasset das gut sein! Ihr könnet zwar Menschen genug finden, die euren Befehlen gehorchen, allein über die Elemente führt Niemand die Herrschaft, als nur Gott, der Allmächtige." — Ja, mein Christ! Niemand führt die Herrschaft, Niemand besitzt Macht als nur Gott, der Allmächtige. Bete daher stets Gottes Allmacht voll heiliger Ehrfurcht an; mache es wie der fromme Kaiser Maximilian. Als dieser einst auf der Jagd von einem furchtbaren Gewitter überfallen wurde, und der Donner schrecklich rollte, so daß sein ganzes Gefolge zitterte, da fiel er auf die Kniee und betete: „Dir, o donnernder Herr, sei allezeit Ehre! Du allein hast Macht, du allein bist Kaiser, wir alle sind nur deine Diener!" Fr. Wozu soll uns der Glaube an Gottes Allmacht und Weisheit ermuntern? Antw. Er soll uns 1) zum innigen Vertrauen auf Gott ermuntern und uns 2) antreiben, allezeit mit den göttlichen Fügungen zufrieden zu sein. Belehrung. Gott ist allmächtig; er kann wunderbar helfen; der ganze Himmel wird dem Gerechten zum Schilde. Wir sollen daher unerschütterlich auf Gott vertrauen, da wir allzeit in der Hand der göttlichen Allmacht sind. „Warum wollen wir verzagen, wenn cs Beschwernisse gibt?" ruft uns ein christlicher Lehrer zu. „Sollten wir uns vor unserer Schwachheit fürchten? Ach, was kann der Mensch nicht in Dem, der ihn stärkt? Siehe daher auf die unendliche Macht deines Gottes und stütze dich gänzlich darauf!" Vertraue auf ihn; er kann dir helfen. Daher ruft schon der königliche Sänger David (Ps. 145, 2.) aus: „Vertrauet nicht auf Menschenkinder, die nicht helfen können. 7* 52 Erstes Hauptstück. Gott ist allweise und allmächtig. Glückselig, der seine Hoffnung auf seinen Gott, den Herrn, setzt!« — Gott ist aber auch allweise; er leitet Alles zu unserm Besten. Daher sollen wir auch allezeit mit seinen Fügungen zufrieden sein. Wie das Kind der Leitung seiner Eltern, der Knecht der Anordnung seines Herrn, der Unterthan der Regierung seines Fürsten, der Soldat der Führung seines Feldherrn vertraut, so sollen auch wir als gute Kinder, als folgsame Diener, als treue Unterthaneu der Leitung, Anordnung und Führung unsers besten und weisesten Vaters, Herrn und Regenten fest und unerschütterlich vertrauen und mit all seinen Fügungen zufrieden sein. „Befiehl dem Herrn deine Wege,« also ermuntert uns wiederum König David (Ps. 36, 5.), „und hoff' auf ihn: er wirds recht machen." Beispiel und Anwendung. Als den heiligen Franz von Sales in seiner letzten Krankheit Jemand' fragte, ob ihm die Todesstunde jetzt nicht zu früh komme, so erwiederte der Heilige lächelnd: „Mir ist jede Stunde recht, die der göttlichen Weisheit gefällig ist. Gott ist der Herr; er verfahre mit mir, wie es ihm beliebt!" — Und als einst der heilige Franziskus von Assisi mit einem Bruder neben dem Po predigen ging, überfiel sie dunkle Nacht. Sie wandelten den gefährlichsten Pfad zwischen Fluß und Sumpf. — Der Bruder, sehr geängstigt, rief: „Bitte, Vater! daß wir aus der Gefahr errettet werden!" Der Mann Gottes aber antwortete voll Zuversicht: „Gott ist mächtig; wenn es ihm gefällt, kann er die Finsterniß vertreiben und uns die Wohlthat des Lichtes schenken." — Kaum hatte er so geredet, siehe, da begann aus göttlicher Kraft alsbald ein so mächtiges Licht über ihnen zu leuchten, daß, obwohl um sie her allenthalben finstere Nacht sich lagerte, sie selbst im klaren Lichte nicht nur den Weg, sondern auch weit um sich sahen und glücklich die Herberge erreichten. — Siehe, mein Christ! das sind Männer gewesen, die auf Gott, den Allmächtigen und Allweisen, ihr ganzes Vertrauen setzten, und sie sind nicht zu Schanden geworden. So mußt auch du gesinnt sein; auch du sollst von nun an all deine Schicksale in die Hände Gottes legen und zufrieden sein mit den Fügungen der göttlichen Weisheit; denn der Herr wird Alles recht machen. Aber auch das merke dir, daß du Gott dem Herrn nie widerstehen darfst; denn er ist allmächtig, und wer kann ihm Widerstand leisten? Daher fürchte ihn und demüthige dich vor ihm in Anbetracht deiner Schwäche und Ohnmacht! Denn, „was ist so sehr zu fürchten," schreibt der heilige Bernhard, „als eine Macht, der du nicht widerstehen kannst, eine Allwissenheit, der du Nichts verbergen kannst? Wenn Eines aus Beiden Gott dem Herrn mangelte, so hättest du weniger Ursache, ihn zu fürchten; nun aber mußt du ihn vollkommen fürchten, weil er ein Auge hat, das Alles sieht, und eine Hand, die Alles vermag." Legende: Der heilige Kanut, König und Märtyrer, (ff 1086.) Der heilige Kanut, König von Dänemark, zeichnete sich schon frühzeitig durch Frömmigkeit und durch jene Geistesgröße aus, die allein dem wahren Helden eigen ist. Durch strenge, aber weise Gesetze suchte er die Mißbräuche in seinem Landeäbznstellen und für die Wohlfahrt desselben zu sorgen; er sann nur auf Mittel und Wege, seine Unterthaneu glücklich zu machen, und leuchtete seinem Volke mit dem erhabensten Tugendbeispiele voran. In seinem Palaste herrschte christliche Zucht und wahre Frömmigkeit. Kanut war aber auch eben so tapfer, als fromm, und zeichnete sich durch viele Heldenthatenaus. Jndeß ließ er sich hiedurch nicht zumStolze verleiten; vielmehr zierte ihn die Tugend der Demnth im höchsten Grade. Immer und überall demüthigte er sich vor Gott, dem Allmächtigen. Einst ging er am Ufer des Meeres spaziren. Seine Diener schmeichelten ihm und rühmten seine Macht, d a er über Länder und Meere zu gebieten hätte. Der König wollte die Schmeichler beschämen. Deßwegen setzte er sich am Ufer des Meeres ganz nahe am Wasser nieder und sagte: „Meer! ich gebiete dir, daß du mir nicht zu nahe kommest und durch deine Wellen ineinen Leib nicht benetzest!" Da nun die Wellen des Meeres immer an ihn schlugen und ihn ganz durchnäßten, wandte er sich an seine Diener und sagte: „Ihr Schmeichler! sehet hier euern mächtigen König, der über Länder und Meere zu gebieten hat, und der durch sein Gebot doch nicht einen Wassertropfen von sich abhalten kann! Niemand ist mächtig, als Gott, und Niemanden gebühret die Ehre, mächtig genannt zu werden, außer Dem, der alle Dinge erschaffen hat und erhält." So dachte und handelte Kanut in allen Dingen. Gottes Ehre ging ihm über Alles. Wegen seines Religionseifers und seiner Gerechtigkeitsliebe wurde er aber von einigen Gottlosen gehaßt und verfolgt. An der Spitze derselben stand sein herrschsüchtiger Bruder. Und so starb er den Martertod im Jahre 1086. Er wurde nämlich, nachdem er zuvor gebeichtet und au dem Opfer des Leibes des Herrn An- Am Feierabende des 20. Januar. 53 theil genommen hatte, von einem Verräther vor dem Altäre mit einem Dolche durchbohrt; er starb so für die Ehre Christi und fand in ihm seine Ruhe. Gebet. Allmächtiger Gott! mit dem heiligen König Kanut erkennen auch wir, daß du allein mächtig bist, und daß dir allein alle Ehre gebührt; wir preisen und staunen daher deine Allmacht und Weisheit an und unterwerfen uns in Allem voll Denmth und Zuversicht deiner göttlichen Leitung. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Zwanzigstes Lesestück. Am Feierabende des 20. Januar. Gott ist heilig und gerecht. Fr. Was heißt das: Gott ist heilig? Antw. Es heißt: Gott liebt nur das Gute und verabscheut unaussprechlich alles Böse. Belehrung. Die Heiligkeit Gottes besteht in einer unendlichen Liebe zum Guten und in einem ebenso unendlichen Abscheu vor der Sünde; daher singt der Psalmist (Ps. 44, 8.): „Du liebest Gerechtigkeit und hassest das Unrecht." Und der heilige Franz von Sales schreibt: „Das Wort „heilig" faßt alle Eigenschaften Gottes, so zu sagen, wieder in Eins zusammen. An Gott ist Alles heilig, unendlich schön, unendlich gut, und weil er dieses aus sich ist, so ist er der Alleinheilige." Gottes Gesetzgebung auf Sinai ist ein deutliches Zeugniß für Gottes Heiligkeit; denn da hat Gott Gebote gegeben, die alle für das Gute und gegen das Böse sind. Ueberdieß hat er jedem Menschen ein Gesetzbuch in das Herz gelegt, nämlich das Gewissen, eine Stimme, die vom Bösen abmahnt, und zum Guten antreibt. Beispiel und Anwendung. Äa, Gott ist heilig; es ist dieß jene Eigenschaft, die ihm ganz besonders zukommt, und die von den Himmelsbewohnern in ihren Lobgesängen vorzüglich gepriesen wird. In seiner Entzückung hörte Jsaias die Himmel von den stets wiederholten Worten erschallen: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heer- schaaren!" Mehrere Jahrhunderte darnach hörte auch der heilige Johannes, als er im Geiste in den Himmel entrückt war, den nämlichen Gesang: „Heilig, heilig, heilig!" — Diese Heiligkeit Gottes, die sogar in den Engeln Flecken findet, dieser unendliche Abscheu, den Er vor der Sünde hat, ist mit unaustilgbaren Buchstaben in der Geschichte des Weltalls ausgeschrieben. Es ist dieser sein Abscheu vor der Sünde geschrieben im Himmel, aus dem die aufrührerischen Engel in den Abgrund der Hölle gestürzt wurden; er ist geschrieben auf Erden, wo ich unsere ersten Eltern aus dem irdischen Paradies verjagt, die Welt in den Gewässern der Sündfluth untergegangen, einen Gott-Menschen als das Schlachtopfer für die Sünde am Kreuze sterben sehe; — er ist endlich geschrieben in der Hölle, ohne daß ihn die ganze Ewigkeit irgendwie vertilgen könnte. — Wer erkennt in allen diesen so bedeutsamen Ereignissen, welche uns die heilige Urkunde aufbewahrt, nicht Gottes unendliche und unerreichbare Heiligkeit?! Und wie ferne bist du, o Mensch! von jener Heiligkeit, die Gott der Herr auch vou dir verlangt, wenn er spricht: „Seid heilig, weil ich heilig bin!" (3. Mos. 11, 44.) Ach, säume nicht länger; verlasse einmal die unheiligen Wege, die du bisher gewandelt, und kehre zurück auf den Pfad der Tugend und Heiligkeit; denn bedenk' es wohl, der Herr ist auch gerecht. Fr. Was heißt das: Gott ist gerecht? Antw. Es heißt: Gott belohnt die Guten und bestraft die Bösen, einen Jeden, wie er es verdient. Belehrung. Gott ist gerecht; „er wird Jedem vergelten nach seinen Werken," sagt der heilige Paulus; „denn bei Gott gilt kein Ansehen der Person." (Röm. 2, 6. 11.) „ Die Gerechtigkeit Gottes ist wunderbar," schreibt ein christlicher Lehrer (Bernier), „aber .nicht minder liebenswürdig. Ueberall siehst du sie herrschen; sie thronet in den Himmeln, sie spricht ihre Urtheile auf Erden und vollzieht ihre Strafen in der Hölle. Sie setzt die Krone der Gerechtigkeit den Häuptern Derjenigen auf, die rechtschaffen gekämpft haben, und vergilt ihnen ihre geringen, oft nur einen Augenblick währenden Trübsale mit einer unendlichen Glorie. — Aber, o schreckliche Gerechtigkeit, die du die Sünde hassest und die Sünder schrecklich strafest! Du hast ewige, furchtbar brennende 54 Erstes Hauptstück. Gott ist heilig und gerecht. Flammen, um den ungebesserten Sünder unter der Last deines allmächtigen Armes zu zerschmelzen!" — Wie tröstlich ist sonach der Gedanke an die göttliche Gerechtigkeit für den Frommen, wie furchtbar hingegen für den Gottlosen! Denn der Herr wird Jeden: vergelten nach seinen Werken. Beispiele und Anwendung. Wie die Heiligkeit Gottes, so ist auch seine unendliche Gerechtigkeit mit unaustilgbaren Buchstaben in der Geschichte des Weltalls ausgeschrieben. Blicken wir in die heilige Schrift hinein, so begegnen uns da unzählige Beispiele, aus denen wir ersehen können, wie Gott in seiner Gerechtigkeit die Guten belohnt und die Bösen bestraft. — Die strafende Gerechtigkeit Gottes müssen wir erkennen in der Sündfluth. (Sieh das obige Bild.) „Gott sah, daß die Erde verderbt sei, denn alles Fleisch hatte seinen Weg verderbt auf Erden; da sprach er zu Noe: Das Ende alles Fleisches ist bei Mir gekommen; die Erde ist mit Ungerechtigkeit erfüllet von ihnen, und ich will sie mit der Erde verderben— Denn sieh, ich will eine Wasserfluth über die Erde bringen und tödten alles Fleisch, in dem Odem des Lebens ist, unter dem Himmel. Alles, was auf Erden ist, soll uutergehen... Und die Fluth kam vierzig Tage über die Erde; da wurde vertilgt alles Fleisch.« (1. Mos. 6, 7.) — Die lohnende Gerechtigkeit Gottes hingegen zeigte sich an Noe, welcher bei dieser allgemeinen Sündfluth gerettet wurde, weil er gerecht war. — Ebenso bewies Gott auch seine strafende Gerechtigkeit bei der Vernichtung der Städte Sodoma und Gomorrha, welche durch ihre Sünden und Lasterthaten Gottes Zorn gegen sich gereizt hatten. „Das Geschrei von Sodoma und Gomorrha hat sich gemehrt, und ihre Sünde ist schwer geworden... Also regnete der Herr über Sodoma und Gomorrha Schwefel und Feuer vom Himmel herab und vernichtete diese Städte und die ganze Umgegend, alle Bewohner der Städte und Alles, was grünte auf Erden." (1. Mos. 18, 19.) — Gottes lohnende Gerechtigkeit aber bewies sich an Loth, der deßwegen von dieser furchtbaren Strafe Gottes verschont blieb, weil er gerecht war vor dem Herrn. — Blicken wir ferner in die Weltgeschichte, so begegnet uns auch da Gottes Gerechtigkeit in ihrer furchtbaren Gestalt. Unter den Hauptanstiftern der Revolution in Frankreich, die vor sechzig Jahren den König auf das Blutgerüst brachte, zeichnete sich besonders Nobespierre aus. Viele Menschen wurden durch ihn unglücklich; Viele verloren durch seine Grausamkeit und Rachsucht das Leben. Doch endlich kam auch über ihn die Hand des Herrn, die ihn strafen mußte, weil er Menschenblut vergossen hatte. Er ward von dem sogenannten National-Convent zum Tode verurtheilt. — Nobespierre aber, der den Tod allzusehr fürchtete, suchte sich selbst zu entleiben, und konnte also nur in schrecklicher körperlicher Verstümmelung vor seine Richter gebracht werden. Als er nun vor denselben auf einer Tischplatte lag, dem Hohne des Volkes, sowie dessen Mißhandlungen preisgegeben, da trat ein Bürger zu dem Verurtheilten hin, klopfte ihm auf die Schulter und sprach: „Ja, ja, Nobespierre, es gibt einen Gott, und der ist gerecht!" — So rufe ich auch dir zu, o Christ: „Ja, ja, es gibt einen Gott, und der ist gerecht!" Präge dir diese Wahrheit tief ins Herz; und wenn du hin und wieder siehst, daß es hier auf Erden dem Bösen gut und dem Guten schlecht geht, so darf dich dies an der göttlichen Gerechtigkeit durchaus nicht irre machen; denn wisse, die vollkommene Vergeltung findet erst in der Ewigkeit statt; erinnere dich nur an den armen Lazarus und an den reichen Prasser! Hat da die göttliche Gerechtigkeit die Sache nicht in der Ewigkeit ausgeglichen? Ueberdies lehrt die Erfahrung, daß kein Gottloser in diesem Leben wahrhaft glücklich, und kein Gerechter wahrhaft unglücklich ist; denn Beide fühlen in sich die Stimme des Gewissens, die den Einen foltert, den Andern aber beseligt. Und so muß es sein; denn Gott ist gerecht, und er vergilt Jedem nach seinen Werken. Fr. Wozu soll uns der Gedanke an Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit antreiben? Antw. Er soll uns antreiben, 1) alles Böse sorgfältig zu meiden und immer heiliger zu werden, 2) auf unsere vermeintliche Gerechtigkeit nicht stolz zu sein, und 3) stets Gerechtigkeit zu lieben und zu üben gegen unsere Nebenmenschen. Belehrung. 1) Gott ist heilig und gerecht; er verabscheut unendlich alles Böse; wie sehr müssen wir daher nicht vor jeder Sünde zurückbeben? -— Er ruft uns Allen zu: „Ich bin der Herr, euer Gott; seid heilig, weil ich heilig bin." (3. Mos.) Wie sehr sollen wir uns daher nicht bemühen, immer heiliger zu werden? 2) Wenn wir aber Fortschritte in der Tugend und Heiligkeit gemacht haben, so dürfen wir auf unsere vermeintliche Gerechtigkeit nie stolz sein; wir sind ja doch nur unnütze Knechte, und sollen deßhalb höchstens mit dem heiligen Paulus (1. Cor. 4,4.) denken: „Ich bin mir zwar Nichts bewußt, aber darum noch nicht gerechtfertiget: der mich richtet, ist derHerr." Endlich 3) sollen wir in all un- serm Thun und Lassen Gerechtigkeit auch gegen Andere üben; denn „mit welchem Maße wir einmessen, mit dem wird auch uns ausgemessen werden." Beispiele und Anwendung. All diese segensreichen Wirkungen brachte von jeher der Gedanke an Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit in allen Frommen und Heiligen hervor. Durch Nichts konnten sie je zu einer Sünde oder zu einer Ungerechtigkeit bestimmt werden. So pflegte der heilige Edmund, Erzbischof von Canterbury, gar oft zu sagen: „Wenn zu meiner Rechten ein brennender Kalkofen stünde, zu meiner Linken aber die Sünde, so wollte ich lieber ins Feuer springen, als in die Sünde Unwilligen." Und der heilige Anselm: „Wenn einerseits der Höllenschlund vor mir offen stünde, anderseits aber die Sünde mich schmeichelnd locken würde, so wollte ich mich doch lieber lebendig in die Hölle Hinabstürzen, als der Sünde huldigen." — So sprachen die Am Feierabende des 21. Januar. 55 Heiligen Gottes; denn sie dachten an die göttliche Gerechtigkeit. Möchtest auch du, o Christ! von einer so heilsamen Furcht vor der göttlichen Gerechtigkeit durchdrungen sein, und stets an die Mahnung des göttlichen Heilandes denken, der da spricht: „Fürchtet euch nicht vor Denen, die den Leib töd- ten, aber die Seele nicht tödten können; sondern fürchtet vielmehr Denjenigen, der Leib und Seele in's Verderben der Hölle stürzen kann!" (Matth. 10, 28.) — Von diesen Worten des göttlichen Heilandes war auch lebhaft durchdrungen jener Heilige, dessen Lebens- und Leidensgeschichte uns heute erzählt wird in der Legende: Der heilige Sebastian, (f 288.) iartyrer. forderte ihn auf, dem Christenthnme zu entsagen. Sebastian erklärte, daß er nie treulos gehandelt, sondern stets bemüht gewesen sei, das Wohl des Staates zu befördern, daß er aber Bildsäulen nicht für Gottheiten an- sehen und ihnen Opfer oder Gebete nicht darbringen könne. Entrüstet über solche Antwort, befahl der Kaiser, den Bekenner an einen Pfahl zu binden und mit Pfeilen zu tödten. Von Pfeilen durchbohrt, sank der Heilige zu Boden, und für todt gehalten — verließen ihn die Soldaten. Eine fromme Wittwe, die des Nachts gekommen war, ihn zu begraben, aber noch Leben in ihm fand, brachte ihn heimlich in ihre Behausung, wo er bald wieder vollkommen hergestellt wurde. Er verbarg sich nicht, sondern trat vor den Kaiser und verwies ihm sein Verfahren gegen die unschuldigen Christen. Neuerdings ward Sebastian ergriffen, in die Rennbahn geführt und dort so lange geschlagen, bis er den Geist anf- gab. Dieß geschah im Jahre 288. Gebet. Heiliger und gerechter Gott! verleihe uns Kraft und Stärke, damit auch wir den Weg der Heiligkeit wandeln, und erfülle uns mit heiliger Furcht vor deiner göttlichen Gerechtigkeit, auf daß auch wir, wie St. Sebastian, nicht Diejenigen fürchten, die nur den Leib tödten können, sondern dich, der du Leib und Seele in's Verderben der Hölle stürzen kannst! Um dieß bitten wir dich, durch Christum unfern Herrn. Amen. Dieser Heilige stammte aus einem vornehmen Ge- schlechtc in Gallien und wurde zu Mailand erzogen. Frühzeitig widmete er sich dem Kriegsdienste und kam um das Jahr 283 nach Nom. Daselbst zeichnete er sich alsbald so sehr aus, daß ihn der Kaiser zum Befehlshaber einer Abtheilung seiner Leibwache ernannte. Von Jugend auf dem Christenthnme ergeben, erwies Sebastian den verfolgten Glaubensbrüdern alle Liebesdienste und ermunterte sie zur Standhaftigkeit. Der Kaiser, ein Verfolger der Christen, war darüber erzürnt, überhäufte den Heiligen mit Vorwürfen wegen Verachtung der Götter und Eilmildzwanzigstes Lesestück. Am Feierabende des 21. Januar. Gott ist gütig, barmherzig und laugmüthig. Fr. Was heißt das: Gott ist gütig? Antw. Es heißt: Gott überhäuft uns mit unzähligen Gütern und Wohlthaten für Leib und Seele, mit Leben, Gesundheit, Speise, Trank, Kleidung und Allem, was wir sind und haben. 3 « Erstes Hauptstück. Gott ist gütig, barmherzig und langmüthig. Belehrung. Ueberall, wohin wir sehen, begegnet uns Gottes Güte; ihr verdanken wir Alles, was wir sind und haben, Leben und Gesundheit, Speise und Trank, alle Gnaden und Geschenke an Leib und Seele. „Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab vom Vater der Lichter," sagt der heilige Jakobus (1, 17.), und der Psalmist (145, 17.) ruft aus: „Herr! du thust auf deine Hand und sättigest alles Lebendige mit Segen. " Ja, mit jenem altdeutschen Sänger müssen wir singen: „Durch mein ganzes Erdenleben will ich Gottes Güt' erheben. Gottes Güte ist mein Odem, Gottes Güte ist mein Boden, daß Gott, um uns Sünder zu erlösen, seinen eigenen Sohn in den Tod gab, wie der heilige Johannes schreibt (I.Joh.4,8—9.): „Gott ist die Liebe. Dadurch hat sich Gottes Liebe gegen uns ge- offenbaret, daß Gott seinen ein- gebornen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben." Beispiel und Anwendung. Der heilige Franz Borgias betrachtete überall, wo er ging und stand,GottesunendlicheGütc. Wenn er nun so ganz allein unter freiem Himmel durch die herrliche Natur und die majestätischen Schöpfungen Gottes hinwandelte, da schlug er gar häufig mit seinem Stabe die Felsen, die Bäume, die Blumen, Kräuter und Stauden, welche eben auf dem Wege standen, und brach dabei gewöhnlich in die Worte aus: „ Redet doch nicht so laut, rufet nicht so mächtig, daß es einen so guten Gott gebe! Ich kann ja das stete Schreien nicht ertragen." — Christ! so sollst auch du überall Gottes Güte erkennen und Preisen. Voll Dankbarkeit sollst du ausrufen: „Deine Güte will ich erheben durch mein ganzes Erdenleben; deine Güte will ich droben einst mit allen Engeln loben." Fr. Was heißt das: Gott ist barmherzig? Antw. Es heißt: Gott liebt die reumüthigeu und bußfertigen Sünder, verzeiht ihnen auch die schwersten Sünden und überhäuft sie mit tausendfachen Güte ist es, die mich traget, Güte ist es, die mich schlaget. Güte ist es, die bei mir wohnet, Güte ist es, die mein verschonet, Güte ist es, die mich führet, die mich um und um berühret; Güte ist cs, die mich kleidet, Güte, die mich tränkt und weidet, Güte ist es, die mich decket, Güte, die mich wieder wecket, Güte ist es, die alle Morgen anfängt auch für mich, zu sorgen. Güte tilget meine Sünden, Güte läßt mich Gnade finden; Güte ist es, die im Sterben mich errettet vom Verderben." — Und wie unerschöpflich ist nicht diese Quelle der göttlichen Güte! „Sie bleibt sich immer gleich," sagt der heilige Franz von Sales, „wenn auch Millionen daraus schöpfen." Wie groß endlich ist nicht diese Liebe? Daher spricht der Herr selbst bei Jsaias (49, 15.): „Kann wohl eine Mutter ihres Kindes vergessen? .... Und sollte sie es auch vergessen, so will doch ich deiner nicht vergessen." — Der größte Beweis der göttlichen Liebe und Güte aber ist, neuen Wohlthaten. Belehrung. „Der Herr ist voll Erbarmung," ruft schon der Psalmist aus (Ps. 144, 9.); „er ist gütig gegen Alle, und seine Erbarmnisse gehen über alle seine Werke." Und Gott selbst spricht (Ezech. 33, 11.): „So wahr ich lebe, ich habe kein Wohlgefallen an dem Tode des Gottlosen, sondern ich will, daß er sich von seinen Wegen bekehre und lebe." O nein, mein Christ! Gott will nicht den Tod des Sünders; denn er ist „barmherzig gegen alle seine Geschöpfe" (Sir. 18, 12.); er freut sich, wenn der Sünder Buße thut; mit offnen Armen nimmt er ihn wieder auf und überhäuft ihn mit tausendfachen neuen Wohlthaten. Wie lieblich wird uns diese göttliche Barmherzigkeit geschildert in dem schönen Bilde vom guten Hirten (sieh das obige Bild!) und in dem bekannten Gleichnisse vom verlornen Sohne! Vom Weltsinn geblendet, hatte dieser sein väterliches Vermögen ver- Am Feierabende des 21. Januar. 37 schwendet und sich der Ausschweifung ergeben; es kam so weit, daß er die Schweine hüten und sich mit der Traber begnügen mußte. Endlich ging er in sich, bereute sein Verbrechen und entschloß sich zu seinem Vater zurückzukehren. Und wie freudig, wie liebevoll nimmt ihn der Vater wiederum auf! Als er ihn von Ferne sah, ward er von Mitleid gerührt, lief ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küßte ihn. Und sogleich ließ er ihm ein neues Kleid bringen und ein gemästetes Kalb schlachten, und es ward ein Freudenfest veranstaltet für's ganze Haus. -— Siehe, so barmherzig, so liebevoll ist Gott der Herr gegen den reumüthigen Sünder! Mit dem heiligen Ephrem müssen wir daher ausrufen: „Ehe der Flehende noch die Pforte berührt, öffnest du ihm schon, o Herr! Ehe er vor dir niedersinkt, reichest du ihm die Hand; ehe er Thränen vergießt, überschüttest du ihn schon mit deinen Erbarmungen!" — Aber Gott ist nicht nur barmherzig; er ist auch langmüthig. Fr. Was heißt das: Gott ist langmüthig? Alltw. Es heißt: Er wartet oft lange, ehe er die Sünder straft, um ihnen Zeit zur Buße zu lassen. Belehrung. Gott ist langmüthig; er gibt dem Sünder Zeit und Mittel, sich zu bessern und so dem ewigen Verderben zu entgehen; er straft nicht sogleich, sondern will den Sünder durch seine väterliche Schonung rühren und zur Buße bewegen. „ Wenn ein Mensch," also schreibt der heilige Bernhard, „an seinem Hause, in welchem er wohnt, eine Lücke oder sonstige Verletzung bemerkt, so reißt er dasselbe nicht sogleich nieder, sondern er läßt dasselbe noch stehen und sucht es auszubessern, ehe er es niederreißt; so macht es Gott mit den sündigen Menschen: nicht sogleich, wenn er einen Fehler an ihnen bemerkt, straft er sie und verdammt sie zur Hölle, sondern er duldet sie noch, er trägt ihre Fehler, und zwar damit sie sich bessern und Busse thun." — Hat nicht Gott der Herr diese seine Langmuth gegen das verstockte Jerusalem bis zum Uebermaße bewiesen? Und wie langmüthig war er nicht gegen die lasterhaften Einwohner von Ninive! Er gab ihnen Zeit und Mittel zur Busse und Bekehrung und sandte deß- halb den Propheten Jonas zu ihnen; vierzig Tage hatten sie noch Gnadenfrist, und siehe da! sie benützten selbe, thaten Buffe und retteten sich so vom Untergange. Wozu noch viele Worte! Hast du, o Christ! Gottes Langmuth nicht an dir selbst schon oft genug erfahren? Beispiele und Anwendung. In der Stadt Rom lebten vor Zeiten edle Jungfrauen, welche den Dienst der Göttin Vesta im Tempel besorgen mußten und deßhalb ve statische Jungfrauen genannt wurden. Diese Jungfrauen gingen in die kostbarsten Gewänder gekleidet umher, und es Mehler, Hausbuch. mußten ihnen selbst die ersten Beamten der Stadt auf dem Wege ausweichen. Wenn aber eine solche Jungfrau sich einer Unkeuschheit schuldig machte, so wurde sie sammt ihrem Schmucke lebendig begraben. Nicht so macht es mit dir, o sündige Seele! dein Herr und Gott, obwohl du ihn schon oft durch unkeusche Gedanken, Worte und Werke beleidigt hast. Er will dich nicht auf ewig in die Hölle begraben, obwohl du es schon verdient hättest; nein, er ist barmherzig und langmüthig, er ist immer bereit, dir Gnade und Verzeihung und ein neues Leben mitzutheilen und dich in den Zustand wieder zurückzuversetzen, in welchem du dich vor der Sünde befunden hast; er will sich sogar auf immer mit dir vereinigen und das Wort der heiligen Schrift erfüllen: „Ich verlobe mich mit dir auf ewig durch Gnade und Erbarmnng." — Aber wehe uns, wenn wir der göttlichen Gnade und Er- barmung fortan trotzen und Gottes Langmuth ermüden! Denn es gibt ein Maß der Gnade; ist dieses einmal voll; dann entzieht uns Gott die Liebe und zeigt uns seinen Groll! — Ein Jüngling von vornehmer Familie, der in sinnliche Lüste versunken war, hatte alle Warnungen des Himmels und der Welt verachtet. Unterdessen ward er krank, beichtete und versprach sich zu bekehren; allein kaum war er genesen, so wälzte er sich von Neuem in dem Koth, dessen er sich so eben entledigt hatte. Es verhängte aber der Himmel folgende Strafe über ihn. Als er eines Tages auf dem Lande war, ward er von einem Fieber befallen. Er kehrte alsbald nach Hause zurück und ließ einen Geistlichen zu sich rufen; als dieser kam, war er bereits todt. — Sieh, hier, mein Christ! ein trauriges Beispiel der göttlichen Gerechtigkeit! Wenn wir in Unbußfertigkeit verharren, und unsere Bekehrung nicht aufrichtig ist, so wird ein Tag kommen, wo wir uns zu Gott bekehren möchten; allein wir werden es vielleicht nicht mehr können, weil uns Gott nicht mehr die Gnade dazu gibt, nachdem wir immer in Lastern zu leben fortgefahren und seine Gnaden so oft verachtet haben. Fr. Was sollen wir thun, weil Gott so gütig, barmherzig und langmüthig ist? Antw. Wir sollen Gott 1) dankbar sein und ihn vom Herzen lieben; 2) wenn wir gefehlt haben, ihn vertrauensvoll um Verzeihung bitten, 3) gütig und barmherzig sein gegen unsere Mitmenschen. Belehrung. Da Gott so gütig, barmherzig und langmüthig ist, so sollen wir ihm 1) dafür dankbar sein und ihn von Herzen lieben, wozu uns schon David mit den Worten ermahnt: „Danket dem Herrn; denn er ist gut; denn in Ewigkeit währt seine Barmherzigkeit." (Ps. 106, 1.) 2) Wenn wir gefehlt haben, so sollen wir vertrauensvoll um Verzeihung bitten, nicht aber verzweifeln oder die Busse von Tag zu Tag verschieben, bis die Zeit der Gnade abgelaufen und Gottes Langmuth ermüdet ist. 3) Wir sollen gütig und barmherzig gegen unsere Mitmenschen sein; dieß verlangt Gott 8 58 Erstes Hauptstiick. Gott Gott ist wahrhaft und getreu. von uns mit den Worten: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist." (Luk. 6, 36.) Beispiel und Anwendung. Gott ist voll Liebe und Erbarmen gegen uns; wie sehr sollen wir ihn nicht entgegen lieben und uns ihm gänzlich weihen! Man hat einst, da sie einsam betete und weinte, die fromme Margaretha von Lothringen, Herzogin von Alenyon, belauert, und dieß sind die Worte, die man vernahm: „Wie ist doch in dieser sichtbaren Welt kein Gegenstand, der sich gänzlich uns schenkt, und ohne Theilung! Die Sonne und die Gestirne senden uns ihr Licht, doch nur in unendlich kleinem Antheil; die Erde trägt und erhält uns, und beherbergt uns endlich im Grabe; aber welch' ein geringer Raum, der unser körperliches Dasein faßt! Die Luft theilt sich in jedem Athemzuge uns mit; aber wie klein ist der Luftstrom, den dieser Athemzug auffaßt! Gott allein, der Unbegreifliche, der Allgütige, erleuchtet, nähret, sättiget, beseligt uns durch seine ganze untheilbare Wesenheit; gänzlich hat der Gottmensch für Alle sich hingegeben, ungetheilt schenkt er sich jedem Einzelnen im Sakramente seiner Liebe, und wir sollen nicht Ihm ohne Vorbehalt uns weihen, damit er auch uns gänzlich besitze?" — „Von ganzer Seele," sagt der heilige Bernhard, „sollen wir ihn lieben, nicht bloß mit dem geringsten Theile unserer Kräfte." Ja, mein Christ! liebe deinen Gott; er verdient es; denn er ist die ewige Liebe, er ist voll Güte und Erbarmung, er ist voll Langmuth und Geduld; er hat uns zuerst geliebt und liebt noch Alle, die seine Gnade suchen und benützen. Legende: Die heilige Agnes, Jungfrau und Märtyrin, (ch um 304.) W § Schon frühzeitig hatte die heilige Agnes, deren Fest heute die Kirche feiert, Gott den Herrn in seiner Güte und Liebenswürdigkeit, in seiner Langmuth und Barmherzigkeit kennen gelernt, und darum erwählte sie ihn zum Bräutigam ihrer Seele. Aus einer angesehenen christlichen Familie zu Rom ent- sproßen, wurde sie schon in ihrem dreizehnten Lebensjahre gewürdigt, ihre innige Liebe zu Gott durch den Martertod bethätigen zu können. Wegen ihrer Schönheit und mehr noch wegen ihrer herrlichen Geistesgaben zog sie die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Allein sie suchte nicht den Menschen, sondern Jesu Christo zu gefallen, dem sie ewige Reinigkeit gelobt hatte. Der Statthalter, der die Verbindung seines Sohnes mit der edlen Jungfrau innig gewünscht und sogar selbst die Bewerbung für ihn übernommen hatte, wurde von ihr mit diesem Anträge zurückgewiesen. Darüber sehr erzürnt, ließ er Agnes, weil sie eine Christin war, vor seinen Richterstuhl führen und forderte sie auf, vor den Altären der Götzen Weihrauch zu streuen und von ihrem jungfräulichen Starrsinn zu lassen, wenn sie nicht die empfindlichsten Martern erfahren wollte. Heiter blickte die junge Glaubensheldin auf die drohenden Zurichtungen, bezeichnte sich mit dem heiligen Kreuze und betheuerte wiederholt, in jungfräulicher Reinigkeit ihrem himmlischen Bräutigam treu zu bleiben. — „Deine jungfräuliche Reinigkeit", rief der Statthalter, „soll bald verloren sein; ich lasse dich öffentlich dem Muthwillen preisgeben!" Mit würdevoller Ruhe erwiederte Agnes: „Du bedrohest mich mit dem Verluste meiner Reinigkeit, allein umsonst. Ein Engel Gottes ist zu meinem Schutze bereit und wird mich beschirmen; und mein Herr Jesus selbst umgibt mich wie eine uneinnehmbare Mauer!" Und wirklich, ein Wüstling, der sich ihr nahte, wurde, von einem Feuerstrahl getroffen, halbtodt zu Boden geworfen. Hierauf befahl der Statthalter, die zarte Jungfrau zu enthaupten. Voll Wonne und Dank gegen Gott eilte Agnes dem Richtplatze zu, betete dort einige Zeit und empfing dann demüthig sich neigend den Todesstreich i. I. 304. Gebet. Heilige Jungfrau und Marthrin Agnes! lege deine Fürbitte für uns arme Sünder bei Gott, dem Allgütigen, dem Allbarmherzigen und Langmüthigen, ein, auf daß auch wir ihn lieben, wie du, und seine Barmherzigkeit und Langmuth zur Rettung unserer unsterblichen Seele benützen mögen. Amen. Zweiundzwanzigstes Lesestück. Am Feierabende des 22. Januar. Gott ist wahrhaft und getreu. Fr. Was heißt das: Gott ist wahrhaft? Antw. Es heißt: Gott liebt die Wahrheit und haßt die Lüge. Belehrung. Gott ist wahrhaft; er liebt und offenbart nur Wahrheit; denn er kann nicht irren, wie der Mensch bei seinem beschränkten Verstände; Gott ist ja allwissend. Er Am Feierabende des 22. Januar. -»Ä- h A kann nicht lügen, wie es oft der Mensch thut in seinem ver- H dorbenen Herzen; denn Gott ist heilig. „Es ist unmöglich, * daß Gott lüge," schreibt der heilige Paulus. (Hebr. 6, 18.) Und schon im 4. Buche Mosis (23, 19.) heißt es: „Gott H ist nicht wie ein Mensch, daß er lüge, nicht wie eines Menschen Sohn, daß er sich ändere. Er hat es gesagt, und sollte cs nicht thun? Gesprochen, und sollte es nicht halten?" Fr. Was heißt das: Gott ist getreu? Antw. Das heißt: Er hält und erfüllt, was er verheißen und gedroht hat. Belehrung. Ja, der Herr ist getreu; unverbrüchlich treu hält er sein gegebenes Wort; er erfüllt genau alle seine Verheißungen ebenso, wie seine Drohungen. Daher spricht Moses zum Volke Israel: „Wisse, daß der Herr, dein Gott, ein mächtiger und getreuer Gott ist, der Bund und Gnade Denen hält, die ihn lieben, der aber Denen, die ihn hassen, alsbald vergilt und sie vertilgt." (5. Mos. 7, 9—10.) Beispiele und Anwendung. Die heilige Geschichte liefert uns für Gottes Wahrhaftigkeit und Treue die sprechendsten Beispiele, aus welchen wir ersehen, wie genau Gott seine Drohungen und Verheißungen erfüllt. So drohte Gott den ersten Eltern mit dem Tode, wenn sie sein Verbot nicht beachten würden; und der Tod folgte als 5!> Strafe der Sünde. Er verhieß einen Schlaugenzcrtreter, und dieser erschien in der Fülle der Zeit als Ueberwinder des Todes und Teufels. — Gott verhieß dem Nos Rettung, und drohte dessen Zeitgenossen mit dem Untergange, und Beides ging in Erfüllung.— Gott versprach dem Abraham ein Land, wo Milch und Honig fließt, eine Nachkommenschaft so zahlreich, wie die Sterne am Himmel und der Sand am Meere und die Beglückung der Völker durch Einen seiner Abkömmlinge, und es erfüllte sich Alles. — Er drohte durch Loth den Bewohnern von Sodoma und Gomorrha den Untergang an; aber „es däuchte sie, als redete er im Scherze" (1. Mos. 19, 14.), und sie blieben verstockt, bis sie vertilgt wurden. — Gott drohte durch seinen Sohn der Stadt Jerusalem mit einem gräulichen Untergange, und kein Stein blieb auf dem andern; er verhieß hingegen der heiligen Kirche den Fortbestand bis an's Ende der Welt, und sie steht schon über achtzehn Jahrhunderte fest und unerschütterlich auf Petri Felsen. — Ewig bleibt sonach der Ausspruch wahr: „Erd' und Himmel wird vergehen; Gottes Wort bleibt ewig stehen." Fr. Wozu verpflichtet uns Gottes Wahrhaftigkeit und Treue? Antw. Sie verpflichtet uns 1) zum felsenfesten Glauben an Gottes Wort und zum standhaften Bertrauen auf seine Verheißungen; 2) zur Wahrheitsliebe und zur treuen Erfüllung dessen, was wir versprochen haben. Belehrung. Gott der Herr ist wahrhaft und getreu; daher dürfen wir nie, auch nur im Mindesten an seinem Worte zweifeln; felsenfest müssen wir glauben Alles, was er geoffenbart hat, und standhaft müssen wir vertrauen auf seine Verheißungen. „Lasset uns unwandelbar festhalten am Bekenntnisse unsrer Hoffnung," also ruft uns der heilige Paulus zu (Hebr. 10, 23.); „denn getreu ist, der die Verheißung gethan hat." — Gott ist wahrhaft und getreu; deßhalb sollen auch wir stets die Wahrheit reden und das, was wir Andern versprochen haben, treu erfüllen; denn „lügenhafte Lippen sind dem Herrn ein Gräuel." (Sprüchw. 12.) Daher ermahnt uns der heilige Ambrosius: „Hütet euch, meine Brüder! vor der Lüge! Denn Alle, welche die Lüge lieben, sind Kinder des Teufels, nicht zwar der Natur nach, sondern weil sie ihm nachahmen." Beispiele und Anwendung. Wohlan, mein Christ! vertraue stets auf den Herrn; denn er ist wahrhaft und getreu. Der heilige Hugo, Bischof von Laugres, ward einst bei Nacht unruhig und erschrack heftig eines Vorfalles wegen, der ihn zu bedrohen schien. Doch nicht lange, und er kehrte zu sich selbst zurück, klopfte auf die Brust und sprach: „Was beginne ich, Unglückseliger! Hat nicht Gott verheißen, in unfern Trübsalen uns beizustehen? Und ich fürchte? Hat es nicht der Ewige versprochen, der wahrhaft und getreu ist, und dessen Worte nicht vergehen, wenn 8 * <;n Erstes Hauptstück. Von einem Gott in drei Personen. auch Himmel und Erde vergehen? Wie, und ich sollte zittern?« — Zugleich aber sollen auch wir stets wahrhaft in unfern Reden und treu in Erfüllung unsrer Versprechungen sein. Nie sollen wir uns eine Unwahrheit erlauben und um keinen Preis von der Wahrheit abweichen. Die heilige Perpetua wurde zur Zeit, da Kaiser Severus die Christen verfolgte, in's Gefängnis' geworfen. Ihr Vater war zwar noch Heide, liebte aber seine Tochter auf das Zärtlichste. Er eilte zu ihr in das Gefängnis, und bat sie dringend, sie möchte sich in dem Verhöre doch nicht als Christin bekennen. Perpetua wies auf ein Gefäß mit der Frage: „Wie nennst du dieses Gefäß?" — „Einen Krug," sprach der Vater; „aber was soll dies?" — „Kann ich Etwas anders nennen, als es ist?« — „Nein!" mußte der Vater antworten. „Nun eben so wenig," sprach sie, „kann ich mich anders nennen, als was ich bin, eine Christin!" Dabei beharrte sie, so schmerzlich ihr auch besonders die Trennung von den Ihrigen war; sie ging muthig dem Martyrertode entgegen. — Wie schön und edel erscheint eine solche Liebe zur Wahrheit! Legende: Der heilige Vincentius, Levit und Märtyrer, (fl 304.) reden, als er im Herzen dachte und glaubte. Unter den grausamsten Martern blieb er immer derselbe standhafte Bekenner des Namens Christi. Dazian, der damalige Landpfleger in Spanien, konnte nicht Martern genug aussinnen, um den treuen Bekenner zum Abfall zu zwingen; er ließ ihn auf die Folter spannen und seinen Körper schmerzlich auseinanderreißen; hierauf ließ er ihn auf einen glühenden Rost legen und Salz in die Wunden reiben. Aber Alles war umsonst; der heilige Vinzenz blieb treu seinem Heiland. Da gab der grausame Landpfleger Befehl, ihn in einen finstern Kerker zu werfen und den zerrissenen Leib des heiligen Bekenners auf spitzige Scherben zu legen; unter Hunger und Schmerz sollte hier der Heilige verschmachten. Aber, o Wunder! der treue Blutzeuge des Herrn verfiel aus diesem Schmerzenslager in einen sanften Schlaf, als ob er in einem weichen Federbett ruhete, und als er erwachte, sah er statt der Scherben liebliche und wohlriechende Blumen; ihm erschienen Engel, welche vor Gott Lobgesänge anstimmten, und er sang mit ihnen. Alsbald verbreitete sich weithin die Nachricht von diesem Wunder, und es strömte Alles zusammen, um den großen Blutzeugen zu sehen und anzustaunen. Nachdem Gott der Herr seinen treuen Diener schon auf Erden auf eine so wunderbare Weise ausgezeichnet hatte, berief er ihn bald darnach zu sich, in die ewige Glorie, um ihm die Krone der Verherrlichung auf's Haupt zu setzen und dadurch zu zeigen, daß Er ist wahrhaft und getreu in all seinen Verheißungen. Gebet. O Gott, der du wahrhaft und getreu bist in Erfüllung all deiner Verheißungen und Drohungen, wir beten dich an in heiliger Ehrfurcht und bitten dich um Kraft und Stärke, auf daß auch wir die Wahrheit lieben und alle Lüge hassen. Bitte fifr uns, heiliger Vincentius, du treuer Freund der Wahrheit! damit wir diese Gnade erlangen mögen, durch Christum unfern Herrn. Amen. MM MMW WWW Wie die heilige Perpetua, so zeichnete sich auch der heilige Vincentius, einer der berühmtesten Märtyrer und Diakon des Bischofs Valerius zu Saragossa in Spanien, durch eine unbesiegbare Liebe zur Wahrheit aus. Frei und offen bekannte er es, daß er Christ sei; weder Drohungen und Martern, noch Versprechungen und Schmeicheleien konnten ihn bestimmen, anders zu Dreiundzwanzigstes Lesestück. Am Feierabende des 23. Januar. Von Einem Gott in drei Personen. Fr. Wir wissen nun, daß es einen Gott gibt, und wir haben, so weit es uns möglich ist, seine Vollkommen- 61 Am Feierabende heiten kennen gelernt; nnd so kommen wir heute zn der Frage: Ist mehr als Ein Gott? Allttv. Nein, es ist nur Ein Gott. Belehrung. Es ist nur Ein Gott; dieß lehrt uns die heilige Schrift. Als Moses dem israelitischen Volke die Gebote Gottes verkündet hatte, da sprach er: „Höre, Israel! der Herr, dein Gott, ist nur Einer!" (5. Mos. 6,4.) Und der heilige Paulus schreibt: „Nur Ein Gott, nur Ein Glaube, nur Eine Taufe." (Ephes. 4, 6.) Ja, Gott der Herr selbst hat dieß ausgesprochen (5. Mos. 32, 39.) mit den Worten: „Sehet, ich bin der Einzige, und es ist kein anderer Gott neben mir." Es ist also nur Ein Gott. Das ist und war auch von jeher die beständige Lehre der Kirche. Für diese Wahrheit haben die heiligen Märtyrer Blut und Leben hingeopfert, indem sie sich standhaft weigerten, Götter anzubeten. — Es ist nur Ein Gott; das lehrt uns auch unsere eigene Vernunft. Denn Gott ist das höchste des 23. Januar. und vollkommenste Gut; wäre nun mehr als Ein Gott, so wäre Gott offenbar nicht mehr das höchste und vollkommenste Gut, weil noch ein Zweiter ihm gleich wäre. Wenn ich z. B. sage: „Dieser Herr ist der reichste," so kann ihm kein Zweiter an Reichthum gleich sein. Denn sonst wäre er ja nicht der Reichste, da ihm wenigstens noch ein Anderer au Reichthum gleich stände. Weil uns nun der Glaube lehrt, daß Gott das höchste und vollkommenste Gut ist, so kann cs auch nur Einen Gott geben und nicht mehrere. —- Und wie würde es in der Welt aussehen, wenn es mehrere allerhöchste Herren, Gesetzgeber und Richter gäbe? Was würde es mit der Harmonie und Ordnung im ganzen Weltgebäude werden? Darum sagt Tertullian: „Wenn Gott nicht Einer ist, so ist er gar nicht." Und Laktantins fügt bei: „Es können ebenso wenig mehrere Götter sein, die diese Welt regieren, als es auf Einem Schiffe mehrere Steuermänner, bei Einer Heerde mehrere Hirten, bei Einem Bienenschwärme mehrere Könige, an Einem Himmel mehrere Sonnen, in Einem Körper mehrere Seelen geben kann." Beispiel und Anwendung. Als der Tyrann voll Verachtung den heiligen Arkadins fragte: „Was denn sein Gott für einen Namen habe," antwortete der Heilige: „Wo Mehrere sind, da wird mit Namen unterschieden; wo aber nur Einer ist, da braucht es keinen Unterscheidungs-Namen: Gott ist Gott." — Hierauf drang man mit Ungestüm in ihn, den heidnischen Göttern zu opfern. Aber mit Standhaftigkeit widersetzte er sich einem so ruchlosen Ansinnen. Man führte ihn hinaus auf die Richtstätte; unter den fürchterlichsten Qualen marterte man den unerschrockenen Glaubensbc- kenner zu todt, so daß sich selbst beim Anblicke seiner Leiden Biele vom anwesenden Volke entsetzten und ihm Thränen des Mitleids weinten. Da nun der sterbende Heilige in manchem Auge diese Mitleidsthränen glänzen sah, wandte er sich zum Volke und rief, so laut er konnte: „Ihr Alle, die ihr mich bluten sehet, lernet hier, daß die irdischen Qualen nichts sind für Den, der in des Himmels glückliche Zukunft schaut! Ich beschwöre euch vor meinem Tode, lasset ab von eurer heidnischen Verehrung! Denn eure Götter sind keine Götter. — Ein Sterbender ruft es euch zu im letzten Augenblicke seines Lebens: Es ist nur Ein Gott; für diesen leide und verblute ich! Sterben für ihn, gibt ewiges Leben!" — Für diese Wahrheit mußt auch du, mein Christ! Gut und Blut hinzn- opfern bereit sein, wenn die Umstände der Zeit ein solches Bekenntniß von dir fordern; denn „das Bekenntniß unsers Glaubens," sagt der heilige Augustin, „besteht darin, daß wir sagen: Es gibt nur Einen Gott." Fr. Gibt es aber in diesem Einen Gott nicht mehrere Personen? Antw. Ja, es gibt drei Personen in Gott: Vater, Sohn und heiliger Geist. Belehrung. Es sind in der Gottheit drei Perso- 62 Erstes Hauptstück. Von Einem Gott in drei Personen. nen, nicht aber drei Götter; denn die drei göttlichen Personen machen nur Einen Gott aus, weil sie alle drei nur eine und dieselbe göttliche Natur haben. „Drei sind, die Zeugniß geben im Himmel, der Vater, der Sohn und der heilige Geist, und diese drei sind Eins," also schreibt der heilige Johannes (5, 7.). Wir können dieß mit unserm schwachen Verstände nicht begreifen, weil es ein Ge- hcimniß ist, d. i. eine Wahrheit, die uns Gott geoffen- baret hat, und die wir auf sein göttliches Wort glauben müssen, obschon wir sie nicht begreifen können. Geheimnisse gibt es in der ganzen Natur, gibt es in uns selbst, gibt es in jeder Wissenschaft, warum sollte also nicht die Religion, die Wissenschaft Gottes, Geheimnisse in sich fassen? Betrachte einmal das winzigste Thierlein, das Insekt! Kannst du dessen Möglichkeit und Ursache erklären? Das kannst du nicht, und dennoch wolltest du Den erfassen, welcher in einem unzugänglichen Lichte wohnt! Daher sagt der heilige Bischof Martinns: „Das Geheimniß der Dreieinigkeit kann der menschliche Verstand nicht begreifen; keine noch so beredte Zunge kann daoon erschöpfend reden; und wenn man ganze Bücher darüber schriebe, und die ganze Welt damit anfüllte, so könnte die unaussprechliche Weisheit Gottes nicht ausgesprochen werden. Gott, der unbeschreiblich ist, läßt sich auf keine Weise beschreiben. Wenn der menschliche Geist von der Majestät Gottes zu reden aufhört, dann ist es so viel, als ob er erst ansinge." Beispiel und Anwendung. Der große Lehrer Augustin wollte das Geheimniß der allerheiligsten Dreifaltigkeit erforschen; ganze Tage und Nächte brachte er wohl oft deß- halb mit Sinnen und Grübeln zu. Als er nun einmal am Ufer des Meeres spazieren ging, erblickte er plötzlich ein Knäblein wunderschön; er sah, wie es mit einem silbernen Löffel Wasser aus dem Meere in ein Grübchen schöpfte, das cs am Ufer gegraben. Da Augustin den Knaben fragte, was er denn da thuc, antwortete dieser: er wolle das ganze Meer in dieses Grübchen schöpfen. „Knabe! das ist unmöglich," sagte der Heilige. Da cntgegnete ihm der Knabe: „Ich werde doch leichter das Meer in diese Grube schöpfen, als du das unermeßliche und unerklärbare Geheimniß der heiligsten Dreifaltigkeit ergründen." — Wenn nun ein so großer Lehrer dieses Geheimniß nicht ergründen konnte, was wirst dann du ausrichten können, o Christ? Darum grüble nicht; hier gilt das Wort des heiligen Ambrosius: „Wenn von diesem Geheimniß die Rede ist, so verstummt jede Stimme, nicht nur die meinigc, sondern auch die Stimme der Engel." Fr. Ist aber die Lehre, daß Gott dreifach und doch einfach sei nicht vernunftwidrig, nicht voll Widerspruch? Antw. Durchaus nicht; cs ist dieß zwar über unsere Vernunft, aber keineswegs gegen unsere Vernunft; auch ist darin gar kein Widerspruch, da ja nicht gelehret wird, daß es Einen Gott und drei Götter gebe, sondern nur, daß Gott, obwohl einfach in der Natur, dreifach in den Personen sei. Belehrung. Die Lehrer der Kirche zeigen es in schönen Gleichnissen, daß das Geheimniß der heiligen Dreifaltigkeit weder vernunftwidrig, noch auch voll Widerspruch sei. Zur Versinnlichung, zugleich aber auch zur Belebung und Stärkung deines Glaubens an dieses hochwichtige Geheimniß will ich dir, o Christ! einige dieser Gleichnisse hier beispielsweise anführen. Beispiele und Anwendung. „Denke dir einen Spiegel," sagt Andreas von Kreta, „bei einer Wasserfläche gegen die Sonne gehalten, so daß die Sonne in dem Spiegel erscheint und zugleich aus dem Spiegel ihren Schein auf die Wasserfläche wirft. Auf diese Weise wirst du drei Sonnen zugleich sehen: eine am Himmel, eine in dem Spiegel, eine in dem Wasser. Die erste hat das Licht von sich, die zweite in dem Spiegel hat das Licht von der ersten, die dritte in dem Wasser hat das Licht von der ersten und zweiten, und doch sind alle drei nur Eine Sonne. So sind auch in der allerheiligsten Dreifaltigkeit drei: der Vater, der Sohn und der heilige Geist. Der Vater ist von sich selber, der Sohn von dem Vater, der heilige Geist von dem Vater und Sohne, und dennoch sind alle drei nur Eins in der Klarheit, Herrlichkeit und Gottheit." — Siehe, da hast du ein Bild von der heiligsten Dreifaltigkeit außer dir. Du trägst aber auch in dir selbst ein Abbild des dreieinigen Gottes, — und dieß ist deine unsterbliche Seele. Denn wie Gott nur Einer in sich ist, so ist auch die Seele in dem Menschen nur Eine; wie aber in den Personen Gott dreifach ist, so ist auch die Seele dreifach in ihren Kräften, die da sind das Gedächtniß, der Verstand und der Wille. „ Durch das Gedächtniß," sagt der heilige Bernhard, „sind wir dem himmlischen Vater ähnlich, durch den Verstand dem Sohne und durch den Willen dem heiligen Geiste." So auch: „Wie der Vater Gott, der Sohn Gott, der heilige Geist Gott ist, und dennoch in den drei Personen nicht drei Götter sind, sondern Ein Gott ist, so ist der Verstand die Seele, das Gedächtniß die Seele und der Wille die Seele, und dennoch sind nicht drei Seelen in den drei verschiedenen Kräften, sondern nur Eine Seele ist in denselben." Da hast du das sprechendste Bild der allerheiligsten Dreieinigkeit, das ein Jeder von uns in sich selbst trägt. Beschaue dich aber auch jetzt in diesem Bilde und frage dich, wie es stehe mit deinem Gedächtnisse, wie es stehe mit deinem Verstände, wie es stehe mit deinem Willen, ob du diese Kräfte stets zur Ehre der allerheiligsten Dreifaltigkeit und zu deinem eignen Heile angewendet hast! Wo nicht, so laß uns heute feierlich geloben, dieß wenigstens fernerhin zu thun! Fr. Da wir nun das Geheimniß der allerheiligsten Dreifaltigkeit nicht begreifen können, was sollen wir thun? 63 Am Feierabende Aritw. Anbetend sollen wir niederfallen und mit allen Heiligen und Engeln dieses ewig anbetungswürdige Geheimniß lobpreisen. Belehrung. Das Geheimniß der heiligsten Dreifaltigkeit ist die Grundlage unsers Glaubens; daher zielt in der Kirche Gottes Alles auf die Anbetung und Verherrlichung der heiligsten Dreifaltigkeit ab. Die Kirche will, daß wir jeden Tag, jede wichtige Handlung, jedes Gebet durch die Bezeichnung mit dem heiligen Kreuze im Namen der heiligsten Dreifaltigkeit anfangen und beendigen sollen; sie läßt in den priestcrlichen Tagzeiten unzählig oft das 61 orin pstri ete. (Ehre sei Gott dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste) zur Ehre und zum Lobe der heiligsten Dreifaltigkeit ertönen; ja, sie hat zu demselben Zwecke sogar ein eigenes Fest angeordnet, das Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Wir dürfen uns daher nicht wundern, wenn alle Heiligen Gottes, wie St. Augustin, der heilige Franziskus Taverius, die heilige Gertrud u. s. w. ganz besondere Verehrer und Anbeter der hochheiligen Dreifaltigkeit waren. Statt vieler will ich hier nur Ein Beispiel zu unsrer Erbauung und Ermunterung anführen. Beispiel und Anwendung. Im 16. Jahrhundert lebte zu Rom ein heiligmäßiger Mann, Franziskus Fo- lianus, der ein besonders glühender Anbeter der heiligsten Dreieinigkeit war. Alles, was er that, bezog er auf dieses heilige Geheimniß; Alles, was er besaß, war so eingerichtet, daß es ihm ein Bild der heiligsten Dreifaltigkeit darstellte. Einst ging er während der stärksten Mittagshitze durch die Straßen der Stadt, als er plötzlich stehen blieb, und wie begeistert zur Sonne hinaufblickte. Sein Begleiter, der die Hitze zu lästig fand, und nach einem Schatten sich umsah, fragte ihn verwundert, warum er denn stehen bleibe? „O, erwiderte er, ich finde die Sonne nicht beschwerlich; ihr Anblick erfüllt meine Seele mit himmlischer Erquickung. Ich sehe und unterscheide an der Sonne dreierlei: das Sein, das Leuchten und Brennen. Ihr unveränderliches Sein seit so vielen Jahrtausenden erinnert mich an die Ewigkeit des Vaters, ihr Leuchten an den Sohn, der als das einzig wahre Licht in die Welt gekommen und die Finsterniß zerstreuet hat, und ihr Brennen an den heiligen Geist, dessen Feuer unsere Seelen wie das Gold im Schmelzofen läutert, damit wir ein reiner und würdiger Schmuck für den Himmel werden. Und wie von der Sonne alles Wachsthum und Gedeihen, alle Farben und Pracht der Natur kommt, so kommt von der heiligsten Dreifaltigkeit alle Begabung und Begnadigung und alle Schönheit unserer Seele." Und dann sank er zur Erde nieder und stimmte einen Lobgesang an zur Anbetung der allerheiligsten Dreifaltigkeit. — Möchten auch wir, meine Theuren! mit gleich kindlicher Liebe und Verehrung dem dreieinigen Gotte dienen, ihm unser Tagwerk als Opfer zu Füßen legen und ihm all unser Thun und Lassen weihen! des 24. Januar. Gewiß, wenn wir hienieden den dreieinigen Gott verherrlichen, loben und preisen, so werden wir auch dereinst in den ewigen Lobgesang der heiligen Engel eiustimmen, in jenes: „Heilig, dreimal heilig!" womit die himmlischen Chöre unaufhörlich preisen den Vater, den Sohn und den heiligen Geist. Legende: Die heilige Emercntiana, Jungfrau und Martprin. (ch 304.) MW Diese Heilige war eine römische Jungfrau und Gespielin der heiligen Agnes. Sie hatte dem Götzendienste entsagt und betete Gott, den Dreieinigen, an. Als sie einst die verschiedenen Leiden der Christen sah, verwies sie, von heiligem Eifer hingerissen, den Peinigern ihre Grausamkeit, wurde aber dafür mit Steinwürfen getödtet im Jahre 304. Gebet. Wir bitten dich, dreieiniger Gott! erhalte und vermehre in uns ans die Fürbitte deiner heiligen Jungfrau und Märtyrin Emerentiana unfern Glauben, und gib uns eine Liebe, die stark ist, wie der Tod. Durch Christum unfern Herrn. Amen. VimmdMnzigstes Lesestück. Am Feierabende des 24. Januar. Gott ist unser Vater, der allmächtige Schöpfer Himmels und der Erde. Fr. Warum heißt die erste Person in der Gottheit „Vater?" Antw. Weil er von Ewigkeit her einen Sohn geboren hat, nämlich Jesum Christum, und weil er auch uns erschaffen und als Kinder angenommen hat und für uns Alle so väterlich sorgt. 64 Erstes Hauptstück. Gott ist unser Vater, der MWW Belehrung. Wie freudig und vertrauensvoll dürfen wir zum Himmel aufblicken! Dort oben haben wir einen Vater. Muß uns dieser Gedanke nicht trösten und stärken in Leid und Freud? Was thut nicht ein irdischer Vater schon für sein Kind! Wie viel mehr wird nun nicht der himmlische Vater für uns thun! Christus Jesus selbst macht uns auf die Liebe und Sorgfalt des himmlischen Vaters gegen uns unendlich oft aufmerksam und ermuntert uns zum kindlichen Vertrauen auf ihn mit den freundlichsten und tröstlichsten Worten, die gewiß jedes fühlende Herz begeistern, jede von Jammer und Elend niedergebeugte Seele wieder mächtig aufrichten müssen. Von den vielen erhabenen Gleichnissen nur Eines! „Sorget doch," ruft er uns liebevoll zu, „nicht so ängstlich für euer Leben, was ihr essen werdet, noch für euern Leib, was ihr anziehen werdet... Betrachtet die Vögel des Himmels! Sie säen nicht, sie ärnten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr als sie? Und warum sorget ihr so ängstlich für die Kleidung? Betrachtet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen! Sie arbeiten und spinnen nicht; und doch sage ich euch, daß selbst Salomon in all seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, wie eine von ihnen. Sorget euch also nicht ängstlich; denn euer Vater allmächtige Schöpfer Himmels und der Erde. weiß, daß ihr Alles dessen bedürfet." (Matth. 6, 25—32.) O wie schön, wie tröstlich! Ein Vater im Himmel weiß um uns und unsere Bedürfnisse! Dieser Gedanke tröstete die Heiligen Gottes in allen Verhältnissen ihres Lebens. Beispiel und Anwendung. Der heilige Franziskus wurde von seinem Vater enterbt, weil er wider dessen Willen in den geistlichen Stand trat und all sein Vermögen an die Armen verschenkte. Durch diese Schmach wurde aber der Heilige durchaus nicht niedergebeugt; vielmehr sprach er getrosten Muthes: „Recht so! da ich nun keinen irdischen Vater mehr habe, so kann ich um so füglicherbeten: „Vater unser, der du bist in dem Himmel!" — So können und sollen auch wir sprechen, wenn uns die ganze Welt im Stiche läßt; Gott allein verläßt uns nicht; denn er ist unser Vater. Fr. Warum heißt Gott „der allmächtige Schöpfer- Himmels und der Erde?" Antw. Weil er die ganze Welt, Himmel und Erde und Alles, was darin ist, erschaffen d. h. aus Nichts — durch das bloße Wort seiner Allmacht hervorgebracht hat. Belehrung. Gott hat die ganze Welt aus Nichts erschaffen; denn hätte er einen Stoff dazu gebraucht, so wäre er nicht der Schöpfer, sondern nur der Bildner oder Baumeister der Welt. Auch hatte er kein Werkzeug und keine Bauleute; er hat dieWelt erschaffen — durch seinen allmächtigen Willen, wie es in der Offenbarung (4, 11.) heißt: „Du hast alle Dinge erschaffen, und durch deinen Willen wurden sie." Und diese ganze Schöpfung wurde in sechs Tagen vollendet; am siebenten aber ruhte Gott, nicht, als ob er ermüdet gewesen wäre, sondern um uns dadurch zu lehren, daß auch wir sechs Tage arbeiten, am siebenten aber ruhen und dem Herrn dienen sollen. Fr. Begnügte sich Gott damit, die Welt nur erschaffen zu haben? Antw. O nein; er erhält und regiert sie auch, auf daß sie nicht wieder zu Grunde gehe. Belehrung. Gott hat die Welt nicht bloß erschaffen; er erhält sie auch, d. h. er bewirkt durchseine Allmacht, daß sie auch fortbestche, wie und so lange es ihm gefällt; er regiert dieselbe, d. h. er sorgt für Alles und ordnet und leitet Alles mit Weisheit und Güte auf das Beste. Dieses nennen wir die göttliche Vorsehung. Ja, es ist ein mächtiger Arm über uns, der Alles regiert, ein Auge, das über uns wacht, eine Hand, welche wunderbar die Schicksale einzelner Menschen sowohl, als auch ganzer Völker leitet und sogar nicht selten scheinbare Uebel zum Besten der Menschheit zu lenken weiß. Wunderbar sind oft die Wege der gött- Am Feierabende des 24. Januar. 65 lichen Vorsehung, wie wir zum Beispiel aus der Geschichte des ägyptischen Joseph ersehen; aber allzeit führen sie Den, der mit Vertrauen und Glauben an der Hand der Vorsehung wandelt, zum Ziele. Beispiel und Anwendung. Ein im Januar 1836 zu Elberfeld verstorbener schlichter Handwerksmann, aber voll Glauben und frommer Gesinnung, befand sich einmal in einer Bänderfabrik, wo die Wirkungen einer neuen, bewunderungswürdigen Maschine die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zogen. Auf dem Wege hatte er sich viel beschäftiget nnt den wunderbaren Führungen Gottes, und es war ihm Manches in seinem eigenen Leben dunkel und unerklärbar geblieben. Auf diese Weise in seinem Innern beschäftigt, ließ er sich von einem Arbeiter die Einrichtung der Wundcrmaschine zeigen. Da drehten sich zahllose Spindeln, und Millionen Fäden regten sich in einer beinahe die Sinne verwirrenden Weise; aber in der Mitte stand ein verschlossener Schrank, von dem alle Bewegungen ausgingen. Auf seine Bemerkung, er sehe wohl das wunderliche Regen und Bewegen, verstehe aber den Zusammenhang und Zweck von Allem nicht, erwiederte der Arbeiter: „Mein Herr hat die Schlüssel zu diesem Schranke, den kann ich ihnen nicht öffnen." Das war ihm wie eine Antwort von Oben auf die Fragen seines Herzens. „Ja, mein Herr hat die Schlüssel, Ihm will ich sie lassen," dachte .er, „wenn ich auch nicht hineinschauen kann, genug, daßErreg irt; Er bringt auch, ohne daß ich das „Wie" verstehe, zu Stande, was Er sich vorgenommen; darum will ich stets kindlich vertrauen auf seine göttliche Vorsehung." So mußt auch du sprechen, o Christ! wenn du die dunklen und verschlungenen Wege der göttlichen Vorsehung nicht zu erkennen iw Stande bist. Fr. Wenn Gott Alles regirt und leitet, warum gibt es denn so viele Leiden in der Welt? Antw. Es gibt so viele Leiden in der Welt, 1) um die Sünder zu strafen und zu bessern, 2) um die Gerechten zu prüfen. Belehrung. Auch die vielen Leiden, die uns in der Welt begegnen, streiten nicht wider die göttliche Vorsehung, sondern sprechen vielmehr für dieselbe; denn sie gereichen sowohl dem Sünder, als auch dem Gerechten zum Heile und zum Nutzen. Der Sünder soll nämlich Gottes Züchtigung anerkennend, sich bessern und zu Gott zurückkehren. Der Gerechte aber soll dadurch noch mehr geläutert und an Verdiensten reicher werden, damit er einst im Hinimel um so größeren Lohn empfange. Ist ja auch Christus nur durch Leiden in seine Herrlichkeit eingegangen. Gar schön lautet daher der Spruch: „Was dem Golde der Hammer, das ist dem Menschen der Jammer; was dem Weinstocke das Schneiden, das ist dem Menschen das Leiden; was dem Balle das Schlagen, das ist dem Menschen das Plagen." Mehler, Hausbuch. Beispiel und Anwendung. Ein reicher Mann wurde schwer geprüft; denn er verlor in kurzer Zeit all sein Vermögen und wurde darüber gar tief betrübt. Um sich zu zerstreuen und zu erholen, verließ er die Stadt und ging auf das Land. Er kam zuerst in ein Dorf; da sah er einen Bauern, der mit einer Schaufel das Getreide umwendete. Den fragte er, warum er das thue? Der Bauer antwortete: „Damit das Getreide nicht Schaden leide und in Fäulniß übergehe." — Darauf kam er auf das Feld uud sah einen Bauern, der pflügte. Den fragte er auch, warum er das thue? Der Bauer antwortete: „Damit das Erdreich locker werde und Regen und Sonnenschein aufnehmen könne." — Er ging weiter, und kam in einen Weingarten, da sah er einen Winzer, der die Reben beschnitt. Er fragte ihn gleichfalls, warum er das thue? Der Winzer antwortete: „Er beschneide die Neben, damit sie viele und gute Früchte tragen." — Da ging der Mißmnthige in sich und sagte: „Warum ängstet sich meine Seele so sehr? Ich bin der Weizen, der gewürfelt werden muß, damit er nicht faule. Ich bin das Erdreich, das aufgeworfen wird, damit es Segen empfangen könne vom Himmel! Ich bin die Rebe, die beschnitten werden muß, damit sie gute Früchte trage für die Ewigkeit." De- müthig trug er fortan sein Ungemach als eine Strafe und Prüfung .des Himmels. — Auch dich, meiu christlicher Freund und Leser! trifft gar oft ein Leiden — als Strafe, wenn du gesündigt, als Prüfung, wenn du gerecht bist. Nimm daher alle Leiden stets mit Bereitwilligkeit an als Gnadcner- weisungen deines Gottes; denn „wen Gott lieb hat, den züchtiget er" (Hebr. 12, 6.), und „wen er erhöhen will, den demüthiget er." (Spr. 18, 12.) Legende: Der heilige Timotheus, Bischof und Märtyrer. 97.) Wie bereitwillig nahm nicht der hei- ligeBiichofnndMar- threrTimotheus, dessenAndenkenheute in der Kirche begangen wird, alle Leiden ans der Hand Gottes an! Wegen seiner Frömmigkeit war er der Lieblingsschüler des heiligen Paulus, so daß ihn dieser zum Mitgehilfen in seinem apostolischen Amte und zum Bischöfe von Ephesus erwählte. Mit sorgfältiger Hirtentreue stand er seinem wichtigen Amte vor, hatte aber dabei Vieles zu leiden von den damals so zahlreichen 66 Erstes Hauptstück. Die guten Engel im Himmel. Feinden des Christenthums. Als im Jahre 97 die Ungläubigen unter den tollsten Rasereien ein Fest der Göttin Diana feierten, trat ihnen Timotheus entgegen und stellte ihnen ihren unsinnigen Aberglauben vor. Er wurde aber vom rasenden Haufen überfallen und getödtet. Die Christen begruben hierauf seinen Leichnam ans einen neben der Stadt Ephesus gelegenen Hügel, und i. I. 337 wurden die Ueberreste desselben zu Constautinopel in der dortigen Apostelkirche feierlich beigesetzt. Gebet. Gib, o Herr! daß wir alle Leiden, wie St. Timotheus, bereitwillig aus deiner Vaterhand annehmen und uns mit kindlicher Liebe deinen allzeit weisen Fügungen unterwerfen. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Fünsundzwanzigstes Lesestück. Am Feierabende des 25. Januar. Die guten Engel im Himmel. Fr. Welches sind die vornehmsten Geschöpfe Gottes? Antw. Im Himmel sind es die Engel, und auf Erden die Menschen. (Wir sprechen nun zuerst von den Engeln.) Fr. Was sind die Engel? Antw. Es sind überaus schöne, unsterbliche und mit den herrlichsten Gaben und Tugenden gezierte Geister. Belehrung. Die heiligen Engel, deren Zahl Legion ist, wie Daniel (7,10.) schreibt: „Tausendmal tausend dienten ihm, und zehn- tausendmal hunderttausend standen vor ihm," sind Geister und ebendeßhalb ohne Körper, unsichtbar, wiewohl sie manchmal nach dem Zeugnisse der heiligen Schrift einen Körper annahm en, um mit den Menschen, zu denen sie Gott gesandt hatte, sichtbar wandeln zu können. Die heiligen Engel sind un - sterblich, unverweslich; und darum bildet man sie gewöhnlich in jugendlicher Gestalt ab, um anzudeutcn, daß sie niemals altern. Sie werden auch mit Flügeln gemalt, um dadurch ihre freudige Eilfertigkeit in Erfüllung des göttlichen Willens zu bezeichnen. — Diese Engel werden in neun Klassen oder Chöre eingetheilt, nämlich in Engel, Erzengel, Kräfte, Mächte, Herrschaften, Oberherrschaften, Throne, Cherubim und Seraphim. Sie waren alle gut und glücklich und mit herrlichen Gaben ausgestattet. Fr. Wozu sind die Engel Gottes erschaffen? Antw. 1) Zum Lobe und Dienste Gottes und 2) zum Dienste und Schutze der Menschen, weßhalb sie auch Schutzengel heißen. Belehrung. Die heiligen Engel sind 1) erschaffen zum Lobe und Dienste Gottes; sie singen unaufhörlich Gottes Lob: mit starker Stimme rufen und singen sie, wie St. Johannes (Offenb. 7, 9. ff.) erzählt, in den himmlischen Chören: „Heil unserm Gott, der auf dem Throne sitzt, und dem Lamme!" Und fortan ertönt aus ihrem Munde das „Heilig, dreimal heilig!" Zugleich müssen sie aber auch Gott dem Herrn als Boten und Abgesandte dienen. Wie oft sandte er sie nicht zu den frommen Patriarchen? Wie oft bediente er sich derselben nicht bei dem großen Werke der' Erlösung? Ein Engel kam auf Gottes Geheiß zu Maria mit der freudigen Botschaft, daß sie die Mutter des Sohnes Gottes werden solle. Die Engel Gottes stiegen herab auf die Erde, um Jesum anzubeten, nachdem er empfangen und geboren war; sie feierten seine Geburt durch einen himmlischen Gesang; sie waren Begleiter und Vorläufer desselben bei seiner Flucht nach Aegypten und bei seiner Rückkehr. In der Wüste brachten sie ihm nach seiner langen Fasten Speise, und am Oelberge reichte ihm ein Engel den stärkenden Kelch; bei seinem Grabe hielten sie Wache und verherrlichten seinen Triumphzug bei der Himmelfahrt. Auf den Wink Gottes sind sie bereit,- in der streitenden Kirche auf Erden noch immer freudig Hilfe zu leisten. Sonach dienen und loben die heiligen Engel Gott den Herrn. Sie sind aber 2) auch zum Dienste und Schutze der Menschen erschaffen. „Die heiligen Engel haben eine besondere Liebe zu uns," sagt der heilige Vincentius Ferrerius; „sie schauen wie durch Fenster zu uns herab, und wenn sie uns in Gefahren und Nöthen erblicken, so eilen sie uns zu Hilfe." Und schon der heilige Paulus schreibt (Hebr. 1, 14.): „Sind sie nicht allzumal dienstbare Geister Denen zum Beistände gesandt, welche das Erbgut des Heiles in Besitz nehmen werden?" Aus diesem Grunde heißen wir sie nun mit Recht „Schutzengel". Beispiele und Anwendung. Welch hohen Werth mußt 67 Am Feierabende des 25. Januar. AM MD du, o Mensch! muß deine unsterbliche Seele in den Augen Gottes haben, da er dir einen Schutzengel gab? — Vor vielen Jahren lebte in Frankreich ein reicher Cardinal, welcher eine kostbare Perle besaß, deren Werth auf hunderttausend Thaler geschätzt wurde. Diese Perle gab der Cardinal seinem vertrautesten Diener, damit er sie sorgfältig bewahre. Der Diener mochte einen so werthvollen Schatz keiner Kiste anvertrauen, sondern trug ihn Tag und Nacht an seiner Brust. Mein Christ! Auch dich hat der Herr seinen treuesten Dienern, den heiligen Engeln anvertraut als eine kostbare Perle, als einen unvergleichlich kostbaren Schatz. „Groß ist die Würde der Seelen," sagt der heilige Hieronymus, „da eine jede vom Tage der Geburt an einen eigenen Engel zum Beschützer hat!" O wie sehr sollst du Gott für diese Gnade danken und deine unsterbliche Seele als die edelste und kostbarste Perle hoch in Ehren halten! Fr. Welche Dienste insbesondere erweisen uns die heiligen Engel? Antw. Sie erweisen uns unzählige Dienste; sie schützen und behüten uns in den Gefahren des Leibes und der Seele und dienen uns im Geschäfte des Heiles zur Erlangung der ewigen Seligkeit. Belehrung. Unermüdet sind die heiligen Schutzengel besorgt um das Wohl und Wehe der ihnen anvertrauten Seelen. Besonders schützen sie 1) mit treuer Liebe die Unschuld; 2) sie wenden von uns ab Leibes- und Seelengefahr; 3) sie geleiten uns auf Reisen; 4) sie halten uns vom Bösen ab und stärken uns bei Versuchungen; 5) sie ermuntern uns zur Tugend und führen uns auf den Weg zur Vollkommenheit; 6) sie freuen sich über unsere Buße; 7) sie bitten für uns bei Gott und bringen Ihm unsere Gebete und guten Werke dar; endlich 8) stehen sie uns im Sterben bei und führen unsere Seele hinüber in das Land der ewigen Freude. Beispiel und Anwendung. In der Lebensgeschichte der heiligen Franziska Romana sehen wir es am Deutlichsten, wie dienstfertig die heiligen Engel gegen uns Menschen sind. Diese fromme Dienerin Gottes lebte nach dem Tode ihres Mannes in heiliger Zurückgezogenheit einzig und allein ihrem Gott und dem Heile ihrer unsterblichen Seele, fromm und keusch, wie ein Engel Gottes. Dadurch verdiente sie es, als ein Engel im Fleische mit den Engeln im Himmel in nähere Verbindung zu kommen. In wunderbarer Lichtgestalt begleitete sie auf allen ihren Wegen ein Engel des Herrn. Dieser stand unausgesetzt zu ihrer Rechten. So oft sie betete, erschien ihr der Engel und trug ihr Gebet hin zum Throne Gottes, und wenn sie von unreinen Geistern geplagt wurde, so kam ihr der Engel zu Hilfe. Auf dem Sterbebette brachte ihr derselbe Trost und Stärke, und als ihr der Todesengel die Augen geschlossen hatte, da führte sie der heilige Schutzengel hinüber in das himmlische Paradies. — Lebe auch du so rein und heilig, o Christ! wie die heilige Franziska Romana, und auch du wirst die Hilfe und den Schutz der heiligen Engel in gleich hohem Grade erfahren, wie sie. Fr. Was sind wir unfern heiligen Schutzengeln für all diese Liebe schuldig? Antw. Wir sollen 1) kindlich auf sie vertrauen und willig ihrem Beispiele und ihrer Stimme folgen; 2) ihnen für ihre Obhut dankbar sein; 3) aus heiliger Ehrfurcht vor unserm Schutzengel alles Böse meiden, und 4) gleich ihnen Schutzengel unserer Mitmenschen sein. Belehrung. Sowie ein braver Zögling seinem Lehrer und Erzieher stets ehrerbietig begegnet und in dessen Gegenwart es nicht wagt, Ungeziemendes zu beginnen, so sollen auch wir unserm himmlischen Führer und Leiter, dem heiligen Schutzengel, die tiefste Ehrfurcht erweisen und seiner steten Anwesenheit uns niemals durch undankbare Vergessenheit unwürdig machen. Besonders müssen wir die Sünde meiden; denn sowie der Rauch die Bienen und ein übler Geruch die Tauben vertreibt, so vertreibt die Sünde den heiligen Schutzengel. Beispiel und Anwendung. Ein Altvater der Wüste ward einst gefragt, welches Mittel er anwende, um immer so 9 * «8 Erstes Hauptstück. Die gefallenen Engel in der Hölle oder die bösen Geister. vollkommen geordnet, so sittsam und in beständiger Heiterkeit zu wandeln. Da sprach der fromme Vater: „Ich fasse oftmals den Schutzengel in's Auge, der mir zur Seite steht, in meinen Nöthen mir hilft und in allen Umständen mir sagt, was ich sprechen und thun soll, und der dann jede meiner Handlungen nebst der Art aufzeichnet, wie ich dieselbe gethan habe. Dieser Anblick erfüllt mich mit heiliger Ehrfurcht für ihn und bewirkt, daß ich mich stets sorgfältig hüte, Etwas zu sagen oder zu thun, was ihm mißfallen könnte." Möchte doch jeder Christ mit gleicher Ehrfurcht gegen seinen heiligen Schutzengel erfüllt sein und sich hüten, ihn nicht durch schwere Sünden zu betrüben oder gar von seiner Seite zu verscheuchen! Legende: Die heilige Bathildis, Königin von Frankreich, (fl 680.) Diese Heilige hatte gleichfalls stets eine tiefe Ehrfurcht gegen die heiligen Engel, die sie daher wunderbar WM, dnrch's Leben und nach dem Tode selbst in den Himmel einführten. Sie war in England geboren-und schon in ihrer zartesten Kindheit von einem fränkischen Edelmanne als Slavin erkauft. Ihre Tugend und Weisheit erwarben ihr bald die Hochachtung ihres Herrn in einem so hohen Grade, daß er ihr die Leitung seines Hauswesens anvertraute. Als bald hierauf König Chlodwig II. ihre ausgezeichneten Tugenden kennen gelernt hatte, wählte er sie zur Gemahlin i. I. 649. -Bathildis war nun Königin; allein diese Erhöhung benahm ihr Nichts von ihrer De- mnth; sie blieb auch dieselbe treue und demüthige Dienerin des Herrn, wie früher und benützte ihren Einfluß auf den König nur dazu, diesen zur Gottseligkeit anzuleiten und zu edlen Handlungen zu begeistern. Allein schon im sechsten Jahre der Ehe verlor sie ihren Gemahl durch den Tod. Mit Klugheit verwaltete sie nun das Reich und besorgte mit allem Eifer die Erziehung ihrer drei minderjährigen Söhne. Als aber der älteste derselben, Notar, im Stande war, die Regierung zu übernehmen, nahm sie 665 den Schleier und verlebte volle fünfzehn Jahre im Kloster; sie verrichtete in ihrer De- muth die niedrigsten Dienste und pflegte mit besonderer Liebe die Kranken. Endlich kam der Tag der Vergeltung. Sie sah im Traume, wie sie von den Engeln Gottes in den Himmel begleitet wurde, und bald darauf entschlief sie selig im Herrn 680. Gebet. Sende uns, o Gott! deine heiligen Engel, auf daß sie unsere Schritte leiten auf den Weg zur Tugend und uns einst, wie deine treue Dienerin Bathildis, einführen in deine Herrlichkeit. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Sechsundzwanzigstes Lesestück. Am Feierabende des 26 . Januar. Die gefallenen Engel in der Hölle oder die bösen Geister. Fr. Blieben alle Engel gut und glücklich? Antw. Nein; viele Engel empörten sich aus Stolz wider Gott und wurden deßhalb aus dem Himmel verflossen. Man nennt sie böse Engel, Teufel. Belehrung. Die heilige Schrift erzählt uns diesen fürchterlichen Fall der Engel auf folgende Weise: „Luzifer, der vollkommenste und herrlichste unter den Engeln Gottes, der gleich dem Morgensterne aufging, (daher Lucifer, Lichtbringer), sprach in seinem Herzen: „Ich will hinaufsteigen in den Himmel und meinen Thron über die Sterne Gottes erheben; ich will mich über die Höhe der Wolken erschwingen, und dem Höchsten will ich gleich sein!" — Da erhob sich ein großer Streit im Himmel. Michael und seine Engel stritten mit dem Drachen, und der Drache stritt sammt seinen 69 Am Feierabende des 26. Januar. Ä-- WM KM Engeln; aber sie siegten nicht, und ihre Stätte ward nicht mehr gefunden im Himmel. Und es ward hinabgeworfen jener große Drache, die alte Schlange, welcher genannt wird derTeufel und Satan, welcher die ganze Welt verführt." Fr. Ist also die Macht des bösen Feindes groß, da cs heißt, daß er die ganze Welt verführe? Antw. Allerdings ist die Macht des bösen Feindes groß; aber dessenungeachtet kann er uns auf Zulassung Gottes und zur Prüfung unserer Tugend nur anfechten, aber nicht schaden. Belehrung- Die Macht des bösen Feindes ist allerdings sehr groß; der heil. Laurentius Justinianus schreibt: „Wenn der Teufel von Gott volle Gewalt bekäme, so würde kein Mensch selig werden." Darum wird er in der geheimen Offenbarung als ein Drache mit sieben Häuptern und zehn Hörnern dargestellt, um dadurch seine Stärke und übernatürliche Gewalt auszudrücken. Noch immer ist es, wie einst im Paradiese, seine Hauptbeschäftigung, durch List und Trug die Seele zur Uebertretung der Gebote Gottes zu gewinnen. Darum schreibt der heilige Petrus (I. 5, 8.): „Seid nüchtern und wachet! denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und suchet, wen er verschlingen könne;" und der heilige Paulus (Eph. 6, 12.): „Wir haben nicht bloß zu kämpfen wider Fleisch und Blut, sondern auch wider die Oberherrschaften und Mächte, wider die Beherrscher der Welt in dieser Finsterniß, wider die Geister der Bosheit in der Luft!" — Sonach kann uns der böse Feind zwar anfechten, aber schaden kann er uns nicht, da wir auf der einen Seite Jesum für uns haben, den Sieger über Tod und Hölle, auf der andern aber unsere heiligen Schutzengel, deren Macht und Zahl weit größer ist, als die der bösen Geister. — Mit Recht vergleicht daher der heilige Augustin den bösen Feind mit einem Kettenhunde. „Er kann bellen, er kann reizen," sagt dieser heilige Lehrer, „aber er kann Niemanden beißen, außer nur Den, der zu ihm hingeht." Und der heilige Gregor schreibt: „Gleichwie der böse Feind gegen Die, welche ihm beistimmen, stark ist, so ist er schwach gegen Die, welche Widerstand leisten." Beispiel und Anwendung. In alten Geschichten wird von einer seltsamen Kriegslist erzählt, deren die Venetianer sich bedient haben sollen, um den Ragusanern die Insel Curzola abzugewinnen. Sie waren im Besitze einer sehr kleinen Insel oder Felsenklippe, San Marco genannt, welche der Stadt Ragusa so nahe liegt, daß sie dieselbe beherrscht. Auf dieser Klippe landeten sie während einer finstern Nacht und bauten dort aus leichtem Gebälke, Latten und Pappendeckel eine Citadelle, die sie mit Ziegelfarbe anstrichen und mit hölzernen Kanonen besetzten. Als nun die Ragusaner am Morgen das vermeintliche Festungswerk erblickten, das ihrer Stadt Verderben drohte, gingen sie auf die üblichen Unterhandlungen ein und bewilligten Alles, was die Venetianer begehrten, und überließen ihnen die Insel Curzola, um dafür jenen gefährlichen Felsen einzutauschen. Wie mochten sie sich beschämt fühlen, als sie gleich nachher die Täuschung entdeckten! — Siehe, mein Christ! ähnlicher Täuschungen bedient sich auch der böse Feind, um unsere unsterblichen Seelen zu erobern. Allein fürchte dich nicht; leiste nur tapfern Widerstand und du wirst siegen; denn 70 Erstes Hauptstück. Die gefallenen Engel in der Hölle oder die bösen Geister. „gerade dadurch, daß der böse Feind solche Hinterlist gebraucht, verräth er, wie St. Ephrem bemerkt, seine Ohnmacht und Schwäche. Wenn er Kräfte genug hätte, warum bedient er sich so vieler Täuschungen? Diese sollen ersetzen, was ihm an Kraft gebricht. Die Erringung des Sieges und die Niederlage des Feindes hängt blos von deinem Willen ab. Erhebe die Hände wie Moses zum Gebete, und du wirst siegen." Fr. Was müssen wir also thnn, damit uns die Nachstellungen des bösen Feindes nicht zum Schaden, sondern vielmehr zum Heile gereichen? Antw. Wir müssen gläubig und vertrauensvoll kämpfen. Belehrung. Wer gläubig und vertrauensvoll kämpft, d. h. wer die Waffen des Gebetes und der kirchlichen Segnungen gebraucht und allen Versuchungen zum Bösen sogleich und standhaft widersteht, der wird den bösen Feind stets siegreich Zurückschlagen. Daher ermahntuus derheiligePaulus (Eph.6,16.): „Vor Allem ergreifet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr alle feurigen Pfeile des Bösewichts auslöschcn könnet;" (sieh das vorhergehende Bild!) und der heilige Jakobus (4, 7.) ruft uns zu: „Widerstehet dem Teufel, so wird er euch fliehen." Und gar schön schreibt der heilige Augustin: „Wenn der Feind deine Ferse belauert, so habe Acht auf sein Haupt. Sein Haupt ist jeder Anfang einer bösen Einflüsterung: dieser widerstehe, ehe das Wohlgefallen sich eiustellt und die Einwilligung folgt. Kannst du sein Haupt nicht zertreten, so weiche ihm aus!" Beispiel UNdAnwcndUttg. Einst kamen einige Jünger der Wüste zu ihrem Vater Antonius, klagten über die schweren und vielen Anfechtungen, die sie zu erleiden hätten, und baten ihn um Belehrung und Hilfe. Da entgegnete ihnen der Altvater: „Höret, meine Brüder! was ich euch sage. Der Teufel kann den Hahnenruf nicht hören, die Morgenluft nicht wittern und das Tageslicht nicht ertragen, d. h. er flieht, wenn man Nene und Buße thut, wie Petrus, als der Hahn krähte, und wenn man den heiligen Namen Jesus mit Andacht und Ehrerbietung ausspricht; denn Jesus Christus ist die Helle Sonne der Gerechtigkeit, vor welcher der Fürst der Finsterniß fliehen muß; deßhalb kann er diesen heiligen Namen nicht hören. Nicht minder leicht wirst du den Schlingen des Teufels auf Erden entgehen, wenn du die Augen stets auf den Himmel gerichtet hältst!" — Solche Mittel mußt du, o Christ! gebrauchen, wenn dir die Nachstellungen des bösen Feindes zum Heile gereichen sollen. Fr. Warum werden aber die Guten am Meisten vom bösen Feinde geplagt? Antw. Weil der böse Feind Tugend und Gottesfurcht am Meisten haßt. Belehrung. Die Gottlosen werden vom bösen Feinde wenig oder gar nicht geplagt und verfolgt; denn diese hat er schon; er braucht sie also nicht mehr zu verfolgen und zu fangen. Um aber die Guten in seine Gewalt zu bekommen, muß er ihnen immer Schlingen legen und sie sonach plagen und verfolgen. Höret nur, wie schön dicß die heiligen Väter erklären! So schreibt der heilige Chrhsostomus: „Wundern wir uns nicht, wenn wir mit Ernst nach den Dingen des Geistes streben und dabei viel Widriges leiden! Denn wie die Räuber nicht da einzubrcchen suchen, wo nur Spreu aufbewahrt ist, sondern da wo sie Gold oder Silber vermuthen, so stellt auch der Teufel nur Jenen am Meisten nach, welche sich mit geistlichen Dingen beschäftigen. Wo eS viele Nachstellungen gibt, da ist Tugend vorhanden, und wo der Mensch von Gott Barmherzigkeit empfängt, da kommt der Neid des Teufels." Und der heilige Franz v. Sales sagt: „Die Hunde packen nicht die Hausgenossen, sondern nur fremde Leute an; ebenso setzt der böse Feind Jenen nicht mehr zu, die ihm schon angehören. Wenn er also einem Herzen nachstellt, so ist das ein Zeichen, daß es ihm noch nicht zugehöre; und je größer die Tugend des Menschen ist, desto heftigere Anfälle hat er vom Teufel zu gewärtigen." Dieß erfuhr auch jener Heilige, dessen gefeierter Name uns am heutigen Tage begegnet in der Legende: Der heilige Polhkarp, Bischof und Märtyrer, (ch 166.) , Um diese Zeit wüthete die Hölle mit aller Gewalt gegen die treuen Bekenner des Christenthums; sie bot Alles WM AM. Am Feierabende des 27. Januar. 77 auf, um durch ihre Werkzeuge, nämlich durch die grausamen Christenverfolger, die unerschütterlichen Glaubenshelden zum Abfalle zu zwingen. Achnliche Versuche machte sie auch gegen den großenBischof und Märtyrer P olykarp; allein vergebens. Schon von Jugend auf ausgezeichnet durch Frömmigkeit und Wissenschaft, hatte ihn alsbald der heilige Apostel Johannes kennen gelernt und ihn seiner Freundschaft in einem so hohen Grade gewürdigt, daß er ihn im Jahre 06 zum Bischof von Smyrna weihte. Von nun an bewies der Heilige, wie würdig er dieses Amtes war. Unermüdet arbeitete er an der Bekehrung der Juden und Heiden, und brachte eine unzählige Menge zum christlichen Glauben; denn seine Predigten waren reines Wort Gottes, die tief eindrangen in die Herzen der Ungläubigen, und Jrrthum und Finstcrniß vertilgten. Als im Jahre 166 eine heftige Verfolgung der Christen in Asien ansbrach, gab er den Bitten der Gläubigen nach, die ihm zuredeten, nicht in der Stadt zu bleiben, und zog sich auf ein nicht weit entferntes Landhaus zurück. Allein dort wurde er bald verrathen, gefangen genommen und zur Stadt geführt. Der Statthalter forderte ihn ans, seines Alters zu schonen nnd zur Vermeidung der Marter Jesum zu lästern; er aber antwortete: „ 86 Jahre diene ich Ihm, und Er hat mir nie ein Leid gethan! Wie kann ich meinen König lästern, der mich errettet hat?" Polykarp wurde zum Fenertode verurtheilt; weil aber das Feuer ihn nicht berührte, so durchbohrte ein Henker den Leib des Heiligen. Sv vermochte der böse Feind nnd die gesummte Hölle Nichts gegen diesen treuen Diener Christi. Gebet. Heiliger Bischof und Märtyrer Polykarp! bitte bei Gott für uns um Gnade und Stärke, auf daß auch wir so standhaft nnd mnthig, wie du, allen Anfechtungen des bösen Feindes und aller Gewalt der Hölle siegreich entgegentreten und einst im Himmel nach treuem Kampfe die Siegerkrone erlangen mögen. Amen. Siebemmdzwauzigstes Lesestück. Am Feierabende des 27. Januar. Die ersten Menschen im Paradiese. Fr. Welches ist nach den Engeln das vornehmste unter den Geschöpfen Gottes? Antw. Der Mensch. „Du hast ihn nur ein wenig geringer als die Engel gemacht," sagt schon der Psalmist (Ps. 8, 6.) Fr. Was lehrt uns die heilige Schrift von der Erschaffung des Menschen? Antw. Sie lehrt uns, daß Gott den Menschen aus Erdenstaub bildete und in sein Angesicht den Odem des Lebens hauchte. Belehrung. Den ersten Menschen schuf Gott dadurch, daß er einen Leib aus Erde bildete und ihm eine unsterbliche Seele einhauchte. Aus einer Rippe des schlafenden Mannes, den Gott Adam nannte, bildete er die Eva, und versetzte sie Beide in einen überaus schönen Lustgarten, in das Paradies.— Gott schuf den Menschen nach scinemEb enbilde, d.h. Er stattete ihn aus mit natürlichen und übernatürlichen Gaben, die ihn Gott ähnlich machten; er hauchte ihm nämlich eine Seele ein, verlieh ihm die heiligmachende Gnade und mit ihr die Kindschaft Gottes und das Erbrecht zum Himmelreich, sowie die Gabe, daß in ihm die Sinnlichkeit sich nie gegen die Vernunft auflehnte, und daß er niemals Mühseligkeiten und Schmerzen, auch nicht dem Tode unterworfen sein sollte. Fr. Was lernen wir aus dieser Schöpfungsgeschichte des Menschen? Antw. 1) Daß der Mensch aus einem Leibe (d.i. aus etwas Irdischem) und aus einer Seele (d. i. aus etwas Himmlischem) bestehe; 2) daß er dem Leibe nach das größte Meisterstück der göttlichen Allmacht, der Seele nach aber das Ebenbild Gottes selber sei. Belehrung. Der Mensch ist das größte Meisterstück der Schöpfung; er ist nicht das Werk eines Engels, eines 72 Erstes Hauptstück. Die ersten Menschen im Paradiese. Erzengels, eines Cherubs; er ist das Werk Gottes selbst. Gott sprach hier nicht: „Machet ihr Engel den Menschen!" sondern er sagte zu sich selber, d. i. zu der ganzen Gottheit, in der drei Personen sind: „Laßt uns mit einander den Menschen machen!" Sieh da! Die drei Personen in der Gottheit, die heilige Dreifaltigkeit insgesammt, geht gleichsam mit sich zu Nathe und wendet ihre ganze Macht und Weisheit und Güte an, den Menschen zu gestalten, nicht nach dem Bilde, nach dem Gepräge irgend eines Geschöpfes, wie ihrer schon Tausende und Tausende auf der Erde waren, sondern nach ihrer Aehnlichkeit, nach ihrem eigenen Ebenbilde! Und so ist denn der Mensch dem Leibe nach das größte Meisterstück der göttlichen Allmacht, der Seele nach aber das Ebenbild Gottes selbst. Beispiele und Anwendung. Betrachte einmal, oMensch! den Wunderbau deines Körpers! Mußt du nicht gestehen, daß er das größte Meisterwerk der göttlichen Allmacht sei? Erkannten dieß ja selbst schon die Heiden. So sprach einst Galen us, ein sehr berühmter heidnischer Arzt, zum Gottes- läugner EPikur: „ Betrachte einmal deinen Körper und seinen wunderbaren Bau, und sage nur dann, ob du noch am Dasein einer Gottheit zweifeln könntest! Sieh, hundert Jahre will ich dir Zeit zum Nachdenken geben, auf daß du untersuchen könntest, ob am ganzen menschlichen Körper auch nur Ein Fehler zu entdecken sei, oder ob du etwa die Glieder des Leibes verändern könntest, ohne ihm dadurch nicht auch zugleich die Schönheit, Nützlichkeit, Kraft und Stärke zu rauben. Nicht ein Mensch, ein Gott nur war im Stande, ein so herrliches Gebilde, ein so wunderbares Meisterstück zu schaffen." — Noch weit kostbarer und vortrefflicher aber, als dein Leib, ist deine Seele, o Mensch! Sie ist ja einAbbild der Gottheit; in ihr hat sich die heilige Dreifaltigkeit selbst dargestellt. Darum schreibt der heilige Bernhard: „Die Seele des Menschen ist ein Bild der Gottheit; denn sie ist ein Geist, wie Gott, ist ohne Körper, unsterblich wie Gott, ist der Ewigkeit thcilhaftig, hat Vernunft, Willen und Gedächtniß, sonach drei Kräfte und doch nur Eine Wesenheit. Durch das Gedächtniß sind wir dem Vater ähnlich, durch den Verstand dem Sohne, durch den Willen dem heiligen Geiste." — Siehe, wie groß, wie erhaben du bist, o Mensch! Erkenne doch diese deine Würde und Hoheit! Du bist Gottes Abbild und das Meisterwerk der göttlichen Allmacht. Fr. Da nun die Seele des Menschen Gottes Ebenbild ist, nnd uns eine so große Würde und Hoheit verleiht, was folgt hieraus? Antw. Es folgt hieraus, daß wir unsere Seele über Alles hoch schätzen und sie um keinen Preis der Welt verlieren sollen. Belehrung. Ja, Alles Mögliche müssen wir thun, um unsere unsterbliche Seele zu retten; eher müssen wir bereit sein zu sterben, als unsere Seele zu verlieren; denn mit ihr haben wir Alles verloren. Darum ruft der göttliche Heiland aus (Matth. 16, 26.): „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewänne, an seiner Seele aber Schaden litte?" Diese ernste Wahrheit erwägend, haben selbst Kaiser und Könige, Prinzen und Prinzessinen den Palast mit der Einöde und dem Kloster, Krone und Scepter mit Cilizien und Bußgürteln, Throne und Purpur mit Strohsäcken und Mönchskutten vertauscht, einzig und allein nur, um ihre unsterbliche Seele zu retten. Und so rufe ich auch dir zu, o Christ: „Rette deine unsterbliche Seele! Du hast nur Eine Seele; ist diese verloren, so ist Alles verloren — Himmel und Seligkeit!" Beispiele und Anwendung. Wenn der heilige Franz Xaver eines reuigen Sünders Beicht gehört hatte, so pflegte er ihn zu umarmen und auszurufen: „O mein Sohn! vergiß doch auf deine Seele nicht! Bewahre nur deine Seele!" — Als einst das Haus des berühmten griechischen Malers Zeuxes in Brand geriet!), und alle seine Habseligkciten in Gefahr standen, von den Flammen vernichtet zu werden, da rief er: „Laßt brennen, was brennt, aber rettet mir meinen Adonis!" Dieß hielt er nämlich für das beste Bild, das er gemalt hatte. So meine Christen! sollen auch wir in Rücksicht auf unsere Seele, dieß schöne und herrliche Bild Gottes, gesinnt sein und sprechen: „Was thut's, wenn ich Hab und Gut und selbst mein Leben verliere; wenn nur meine Seele unversehrt bleibt und gerettet wird, so bin ich zufrieden; denn diese ist mir unendlich mehr werth, als alle Güter der Welt, weil sie ein Bild und Gleichniß des höchsten Gottes ist!" —- Der Markgraf Christian Friedrich von Bayreuth schrieb mit seinem Ringe, um sich beständig an den hohen Werth seiner Seele zu erinnern, folgende Worte in das Fenster seines Kabinets: „Eile und rette deine Seele! Denn auf dieser Welt ist keme wahre Ruhe zu finden." — Schreibe, o christlicher Leser! diese Worte nicht bloß an die Fenster deines Hauses, sondern vielmehr in dein Herz, auf daß du sie nie vergessest, besonders nicht in der Stunde der Gefahr und der Versuchung; ja, denke an deine unsterbliche Seele, wenn man dich zur Sünde verleiten will! Mache es, wie der große Kaiser Karl V. Als ein diebischer Heuchler ihm rieth, jetzt sei die beste Gelegenheit, Rache zu nehmen, so antwortete er: „Schon recht: aber meine Seele! aber meine Seele!" — Darum noch einmal: Christ! vergiß auf deine Seele nicht! Legende: Der heilige Johannes Chrhsostomus, Bischof und Kirchenlehrer, (ch 407.) Wie sehr erkannte dieser große Lehrer der Kirche den hohen Werth der menschlichen Seele! Was that er nicht, um seine eigene und die Seelen seiner Untergebenen zu retten! Ach, welch begeisternde Reden hielt er nicht an sein Volk, um selbes dem Verderben der damaligen Zeit zu entreißen! — Geboren zu Antiochien im Jahre 347 (er war der Sohn eines Feldobersten), widmete er sich im zwölften Jahre seines Alters den Studien. Nach Voll- Am Feierabende des 28. Januar. 73 endung seiner wissenschaftlichen Laufbahn wurde er Rechtsanwalt. Aber gar bald erkannte er die Gefahren dieses Berufes; er entsagte demselben und. verlegte sich ganz auf die Lesung der heiligen Schrift. Nun erwachte in ihm immer mehr das Verlangen nach einem stillen und heiligen Leben; er legte ein Bußkleid an und begab sich in die Einsamkeit, wo er sich nur mit der Besserung seines Herzens und mit der Rettung seiner unsterblichen Seele beschäftigte. Miletius, der Bischof seiner Vaterstadt, vernahm von dem musterhaften Wandel des jungen Dieners Gottes, berief ihn daher zu sich und weihte ihn zum Lector (Leser.) Bald darauf ließ er sich unter die Ordensgeistlichen einreihen und schrieb in der klösterlichen Abgeschiedenheit mehrere treffliche Bücher. Im Jahre 381 wurde er vom Bischof Miletius zum Diakon und von seinem Nachfolger Flavian zum Priester geweiht und zugleich als Prediger aufgestellt. Zwölf Jahre lang verwaltete er dieses Amt und zeichnete sich hiebei durch eine solche Beredsamkeit aus, daß man ihn allgemein den Goldmund (Chrhsostomus) hieß. Im Jahre 398 mußte er den Patriarchenstuhl zu Constantinopel besteigen. Mit dieser seiner Erhöhung war aber auch der erste Schrift zu vielen und großen Leiden gethan. Wegen seines Eifers, mit dem er die verdorbenen Sitten seiner Zeit bekämpfte, wurde er durch die Ränke und Verfolgungssucht seiner Gegner zweimal in's Elend verwiesen. Freudig ging der große Mann in die Verbannung, indem er ausrief: „Mag ich auch Alles verlieren, ich fürchte Nichts, wenn ich nur meine Seele rette. Oder was sollte ich denn fürchten? Den Tod? Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn. Oder die Verbannung? Die Erde ist ja des Herrn und überall ist mein Gott" u. s. w. Auch in der Verbannung diente er nur Gott und starb fromm und gottergeben zu Romana im Jahre 407. Mehler, Hausbuch. Gebet. O Gott, der du uns nur zu deiner Ehre erschaffen hast, gib, daß wir unfern Leib und unsere Seele nur zu deiner Ehre gebrauchen, und daß wir, wie dein heiliger Diener Chrhsostomus, gerne Alles verlieren, um nur unsere unsterbliche Seele zu retten. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Achtundzwanzigstes Lesestück. Am Feierabende des 28. Januar. Die ersten Menschen anßer dem Paradiese. (Der Sünbenfall.) Fr. Warum hat Gott die ersten Menschen erschaffen und sie mit so erhabenen Vorzügen an Leib und Seele ausgerüstet? Antw. Deßhalb, damit sie ihn lieben, ihm dienen und dadurch ewig selig sein sollten. Fr. Kamen die ersten Menschen dieser ihrer erhabenen Bestimmung, die sie von Gott hatten, treulich nach? Antw. Ach nein; sie verharrten nicht im Dienste ihres Gottes, sondern übertraten dessen Gebot und sündigten. Belehrung. Gott der Herr gab den ersten Menschen im Paradiese das Gebot, von der Frucht eines gewissen Baumes nicht zu essen; er that dieses, damit sie durch Ausübung des Gehorsams sich die übernatürliche Glückseligkeit verdienten, wozu sie die heiligmachende Gnade empfangen hatten. Allein sie bestanden die Prüfung nicht; sie glaubten der Schlange mehr als Gott, übertraten Gottes Gebot, aßen von der verbotenen Frucht und sündigten. „Die Aepfel am Baume der Wissenschaft wären, gepflückt zur rechten Zeit, heilbringend gewesen; bei verkehrter Ordnung der Zeit aber brachten sie. den Tod." Also schreibt der heilige Ephrem. Erzählung. Dieses traurige Ereigniß des Sündenfalles erzählt uns die heilige Schrift mit folgenden Worten: „Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Lustgarten, in das Paradies, auf daß er ihn bebauete und bewahrete. Und er gebot ihm und sprach: Von jedem Baume des Gartens magst du essen; aber von dem Baume der Er- kenntniß des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an welchem Tage du davon issest, wirst du des Todes sterben. . . Da war aber im Garten eine Schlange, die listiger war, als alle Thiöre der Erde. .Diese sprach nun zum Weibe: Warum hat euch Gott geboten, nicht zu essen von allen Bäumen des Gartens? Daß Weib antwortete ihm: „Wir essen von den Früchten der Bäume, die im Garten sind; aber von der Frucht des Baumes, der in der Mitte des Gartens ist, hat uns Gott geboten, daß wir nicht davon essen, ihn auch nicht berühren, damit wir nicht etwa sterben." Die Schlange aber sprach zum Weibe: „Keineswegs werdet ihr sterben! 10 74 Erstes Hauptstück. Die erster: Menschen Denn Gott weiß, daß, an welchem Tage ihr davon esset, eure Augen sich aufthun, und ihr wie Gott werdet, erkennend Gutes und Böses." Und das Weib sah, daß der Baum gut zu essen und schön für die Augen, und daß es eine Lust sei, ihn anzuschauen; und sie nahm von seiner Frucht und aß und gab ihrem Manne, der auch aß." So war Gottes Gebot übertreten und die erste Sünde begangen. Nun gingen ihnen freilich die Augen auf; aber, ach es war zu spät! — Fr. War diese Uebertretung eine schwere Sünde? Antw. Ja freilich; denn in dieser Einen Sünde sind ja gar viele andere und schwere Sünden mitbegriffen; sie glaubten dem Satan mehr, als Gott, empörten sich gegen ihn und wollten wie Gott sein. Belehrung. Ach, das war freilich eine überaus schwere Sünde; in ihr vereinigte sich Undankbarkeit und Ungehorsam mit Gottesverläugnuug, Stolz und Hochmuth. Denn wiewohl die -ersten Menschen mit Gottes Kenntniß erfüllt waren, so glaubten sie doch der Schlange (d. i. dem Teufel) mehr als Gott, empörten sich gegen ihn, der ihnen nur Liebe erwiesen, der sie an Leib und Seele mit so erhabenen Eigenschaften ausgerüstet und in einen so herrlichen Lustgarten versetzt hatte, und wollten in ihrem Stolze Gott dem Herrn selbst gleich sein. (1. Mos. 3.) Siehe, wie viele Sünden in dieser Einen Sünde vereinigt sind! Darum schreibt der heilige Augustin: „Gott wurde verachtet, der das Gebot gegeben, derben Menschen erschaffen, der ihn nach seinem Ebenbilde gemacht, der ihn über alle andern Geschöpfe erhoben, der ihn in's Paradies versetzt, der ihm die Fülle aller Gaben und die Seligkeit verliehen, der ihn weder mit mehreren, noch mit schweren Geboten belastet hatte." — Welch eine schwere Sünde war es also! — Fr. Welche Folgen hatte die Sünde der ersten Eltern? Antw. Höchst traurige; denn sie verloren die übernatürlichen Gaben, wurden auch ihren Seelenkräften nach geschwächt, aus dem Paradiese Vertrieben und der ewigen Verdammniß schuldig. Belehrung. Da die Uebertretung des göttlichen Gebotes eine so schwere Sünde war, so verhängte Gott auch sogleich eine sehr schwere Strafe über Adam und Eva; denn sie verloren 1) das übernatürliche Ebenbild Gottes, d. h. der Seele nach verloren sie die Gnade der ursprünglichen Heiligkeit und Gerechtigkeit und zogen Gottes Mißfallen, die ewige Verdammniß sich zu; dem Leibe nach aber wurden sie dem Tode und vielen Mühseligkeiten unterworfen, verloren zugleich ihre frühere Herrschaft über die Natur und wurden aus dem Paradiese vertrieben. 2) das natürliche Ebenbild wurde in ihnen verdunkelt und verunstaltet, d. h. dem Paradiese. (Der Süudenfall.) ihre Vernunft wurde getrübt und ihr Wille geschwächt und mehr zum Bösen geneigt als zum Guten. „Nachdem der Mensch," schreibt der heilige Gregor von Nhssa, „aus seiner Würde gefallen war, geschah an ihm, was Denen widerfährt, welche tief in den Koth gefallen sind, ihr Gesicht wird davon ganz beschmutzt und so sehr entstellt, daß nicht einmal ihre Hausgenossen sie mehr kennen. Ebenso hat der in den Unflath der Sünde gefallene Mensch das ähnliche Bild Gottes verloren." Biblische Erzählung. Die Strafe der ersten Sünde wird uns in der heiligen Schrift also erzählt: Wie nun die Sünde begangen war, da gingen den beiden Uebertretern die Augen auf; sie erkannten, daß sie nackt seien und flochten sich deß- halh Feigenblätter und machten sich Schürze. Da hörten sie Plötzlich die Stimme Gottes, des Herrn, der bei der Kühle Nachmittags im Garten wandelte; und es verbarg sich Adam und sein Weib vor dem Angesichte Gottes unter den Bäumen des Gartens. , Und Gott der Herr rief den Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Der sprach: Ich habe deine Stimme im Garten gehört und mich gefürchtet, weil ich nackt bin, und habe mich verborgen. Und Gott sprach zu ihm: Wer hat dir gesagt, daß du nackt bist, als weil du von dem Baume gegessen, wovon ich dir geboten, nicht zu essen? Und Adam sprach: Das Weib, das du mir zugesellet, hat mir vom Baume gegeben, und ich aß. Und Gott der Herr sprach zum Weibe: Warum hast du das gethan? Sie antwortete: Die Schlange hat mich betrogen, und ich aß. Und Gott der Herr sprach Am Feierabende des 29. Januar. 75 zu der Schlange: Weil dn dieß gethan, bist du verflucht unter allem Vieh und unter allen Thieren der Erde; auf deiner Brust sollst du gehen und Erde essen alle Tage deines Lebens. Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe, und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; sie wird deinen Kopf zertreten, und du wirst ihrer Ferse nachstellcn. — Und zum Weibe sprach er: Ich will die Beschwerden deiner Schwangerschaft mehren; in Schmerzen sollst du Kinder gebären und unter der Gewalt des Mannes sein, und er wird über dich herrschen. — Zu Adam aber sprach er: Weil du Gehör gegeben der Stimme deines Weibes und von dem Baume gegessen, von dem ich dir geboten: Iß nicht davon! so sei die Erde verflucht in deinem Werke; mit vieler Arbeit sollst du essen von ihr alle Tage deines - Lebens! Dörner und Distel soll sie dir tragen, und du sollst das Kraut der Erde essen! Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brod essen, bis du zur Erde wiederkehrest, von der du genommen bist! Denn du bist Staub und sollst zum Staube wiederkehren. . . . Und Gott der Herr machte Adam und seinem Weibe Röcke von Fellen und that sie ihnen an, und trieb ihn so aus dem Lustgarten, daß er die Erde baue, von der er genommen ist. Also trieb Gott den Adam hinaus und setzte vor den Lustgarten die Cherubim mit dem feurigen, zuckenden Schwerte, zu bewahren den Weg zum Baume des Lebens." — Wenn der heilige Anselm diesen fürchterlichen Abschnitt in der heiligen Geschichte las, so rief er voll Entsetzen aus: „O furchtbare Veränderung! Von welchem Gut' in welches Ue- delü" Siehe, o Mensch! das waren die schrecklichen Folgen einer einzigen Sünde! Solches Verderben brachte die Sünde aber unsere Stammeltern. Legende: Der heilige Kaiser Karl der Große, (f 814.) >!,!!!!!»»»!!!>!!!>!> . KZ Das Verderben, welches von jeher die Sünde über Menschen gebracht hat, erkennend, that Karl der Groß dessen Gedächtnißtag auf den heutigen, den 28. Ja fällt, alles Mögliche, um Sünden und Laster aus seinem Reiche zu verbannen und die Segnungen des Christenthums in demselben zu verbreiten. Zn diesem Zwecke beförderte er mit seltenem Eifer Künste und Wissenschaften und sorgte für die Bildung seiner Unterthancn. Er berief gelehrte Männer an seinen Hof und würdigte sie seiner besonder» Freundschaft. Noch mehr that Kaiser Karl für die Verbreitung und den Glanz der christlichen Religion. Er erbaute viele Kirchen, errichtete neue Bis- thümer und schickte Glanbensboten zu den besiegten heidnischen Völkern. Auch viele Staatsgesetze gab er, die ans Veredlung der Sitten den wohlthätigsten Einfluß hatten. Das herrlichste Denkmal seines frommen Sinnes hat er gestiftet zu Aachen, wo er sich sehr gerne aufhielt. Am Morgen zur Zeit des hochheiligen Opfers und am Abende, ja nicht selten auch in den Stunden der Nacht besuchte er die Kirche. Besonders verdient ans seinein Leben die große Sorgfalt hervorgehoben zu werden, die er auf die Erziehung seiner Kinder verwendete. Die Prinzen leitete er an zu Leibes - und Kriegsübungen und zur Verwaltung der Staatsgeschäfte; die Prinzessinen aber zu den häuslichen Arbeiten, deren sich in jenen Zeiten auch die Vornehmsten nicht schämten. Im Jahre vor seinem Tode noch gab er Beweise, wie sehr er beseelt sei für seiner Nnter- thanen geistiges und zeitliches Wohl. In vier verschiedenen Städten nämlich mußten die Bischöfe und Aebte seines Reiches Zusammenkommen, und Alles aufs Genaueste erwägen, was zum Beßten der Kirche, zur Förderung des Unterrichts des Volkes in der Religion und zur Ausrottung der Laster dienen könnte. Karls einzige Beschäftigungen waren am Abende seines Lebens: Beten, Almosen geben und Bücher verbessern. Den größten Theil seines beweglichen Vermögens wandte er durch sein Testament den Kirchen und Armen zu. Er starb im Jahre 814, im siebenzigsten Jahre seines Lebens. Gebet. Wir bitten dich, o Herr! laß uns die Abscheulichkeit und das Verderben der Sünde recht erkennen, auf daß wir, wie dein heiliger Diener, der große und fromme Kaiser Karl, mit allem Eifer die Sünden und Laster in uns und Andern auszurotten trachten. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Neilmmdzwanzigstes Lesestück. Am Feierabende des 29. Januar. Von der Erbsünde. Fr. War diese Sünde Adams auch seiuen Nach, kommen schädlich? Antw. Ach ja; denn diese traurige Sünde vererbte sich von ihm als Stammvater mit allen ihren traurigen Folgen auf seine Nachkommen; daher heißt sie auch Erb- ar sünde. 10 * 76 Erstes Hauptstück. Belehrung. Auch für die Nachkommen der Stammeltern hatte diese Sünde die traurigsten Folgen; denn wie Adam und Eva durch ihren Gehorsam jene übernatürlichen Gaben nicht bloß für sich, sondern für alle ihre Nachkommen bewahrt hätten; so haben sie auch durch ihren Ungehorsam dieselben nicht nur für sich, sondern auch für uns Alle verloren, und dadurch das ganze Menschengeschlecht in's größte Elend gestürzt. Fr. Worin besteht das Elend, welches unsere Stammeltern über das ganze Menschengeschlecht gebracht haben? Antw. Darin, daß sowohl die Sünde selbst, als auch die bösen Folgen derselben von Adam auf alle Menschen übergegangen sind. Belehrung. Ueberaus groß ist das Elend, das die Stammeltern durch ihre Sünde über uns gebracht" haben; denn 1) ist ihre Sünde selbst auf alle Menschen übergegangen, so daß wir jetzt Alle mit der Sünde behaftet zur Welt kommen. „Durch Einen Menschen," schreibt der heilige Paulus (Rom. 5, 12.), „ist die Sünde in diese Welt gekommen, und durch die Sünde der Tod; und so ist auf alle Menschen der Tod übergegangen, weil alle in ihm ge- sündiget haben." Und mit Wehmuth klagt schon David im fünfzigsten Psalm: „Sieh, ich bin in Ungerechtigkeit empfangen worden, und in Sünden hat mich meine Mutter empfangen." 2) Aber auch die bösen Folgen gingen zugleich mit der Erbsünde auf alle Menschen über, als da sind: a) die Ungnade Gottes und mit ihr der Verlust der Kindschaft Gottes und des Erbrechtes zum Himmelreiche. Darum sagt der heilige Paulus (Eph. 2, 3.): „Wir waren von Natur Kinder des Zornes." Ii) Unwissenheit, Begierlichkeit und Neigung zum Bösen. Darum heißt es schon im ersten Buche Mosis (8, 21.): „Der Sinn und die Gedanken des menschlichen Herzens sind zum Bösen geneigt von seiner Jugend auf." Und die traurigen Folgen der Erbsünde fühlend, klagte der heilige Paulus (Röm. 7,23.): „Ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, welches dem Gesetze meines Geistes widerstreitet." o) Allerlei Mühseligkeiten, Schmerzen, Plagen und endlich der Tod. Dieses finden wir schon ausgesprochen bei Sirach (40, 1.) mit den Worten: „Viele Mühseligkeit ist allen Menschen anerschaffen, und ein schweres Joch liegt auf den Kindern Adams vom Tage ihrer Geburt bis zum Tage ihrer Begräbniß." Und wir dürfen uns hierüber nicht wundern; denn wie Kinder eines kranken Vaters erbten die Nachkommen Adams auch dessen Verderbniß. „Denn ein böser Baum kann keine guten Früchte bringen" (Matth. 7, 18.) Darum heißt es schon im ersten Buche Mosis (5, 3.): Von der Erbsünde. „Und Adam erzeugte einen Sohn nach seinem Ebenbilde und Gleichnisse." — Ich will dir, mein lieber Leser! die Sache durch ein Beispiel deutlicher machen. Beispiel und Anwendung. Ein mächtiger König hatte einen Diener um sich, den er ungemein liebte und deß- halb zum Vertrautesten seines Herzens und zum Theilnehmer aller seiner Geheimnisse machte. Um ihm seine Liebe auch in der That zu beweisen, erhob er ihn zu seinem Vasallen und belehnte ihn mit hohen Würden, mit reichen Landgütern und den herrlichsten Ländereien. Wie nun der Vasall sich so erhoben sah, wurde er gar bald stolz und ließ sich vom Hoch- muthe, sowie von den zahlreichen Schmeichlern, die ihn umgaben, so sehr verblenden, daß er mit dem Gedanken umging, sich selbst zum König zu erheben. Bald kam die Sache zur Ausführung; er empörte sich gegen seinen König, der ihm doch so liebreich zugethan war und ihn so reichlich beschenkt hatte. Allein der König war weit mächtiger als er, und so mußte er dessen siegreichen Waffen unterliegen. Nun wurde, wie billig, die fürchterlichste Strafe über den Empörer verhängt; er wurde sammt seiner ganzen Familie und allen seinen Nachkommen auf immer und ewig aus der Adelsmatrikel ausgestrichen, aller seiner Güter und Ländereien für verlurstig erklärt und in eine öde und menschenleere Wüste verbannt, um daselbst mit den Seinigen zu darben und zu weinen. Wer möchte wohl diese Handlungsweise des Königs tadeln? — Etwas Aehnliches ist es mit der Erbsünde. „Wenn der Vater ein Sklave ist," schreibt der heilige Bonaventura, „so werden auch die Kinder Sklaven. Das liegt in der Natur der Sklaverei, in welcher sie der Vater gezeugt hat. Kannst du das für unbillig oder ungerecht erklären? Gewiß nicht. Ebenso ist es bei der Erbsünde. Sie klebt der ganzen Masse der Menschheit an; man ererbt sie wie das Blut und bringt sie schon mit auf die Welt." Fr. Ist von der Erbsünde kein einziger Mensch frei geblieben? Antw. Nach der unfehlbaren Lehre der heiligen katholischen Kirche ist nur Eine von der Erbsünde frei geblieben, und dieß ist die seligste Jungfrau und Mutter Gottes Maria. Belehrung. Von jeher war es eine fromme Meinung der heiligen katholischen Kirche, daß Maria ohne Sünde empfangen worden sei. Mit Dank und Freude blicken wir daher auf jenen ewig denkwürdigen Tag (8. Dez.) zurück, an welchem diese wohlbegründete Meinung zu einem Glaubenssatz der katholischen Kirche erhoben worden ist. Wie sollte aber auch die Mutter des göttlichen Sohnes, sie, die den Reinsten und Heiligsten unter ihrem Herzen tragen sollte, nur Einen Augenblick in der Gewalt des bösen Feindes (d. h. mit einer Sünde behaftet) gewesen sein?! Wie wäre dieß denkbar — wie vereinbar mit ihrer erhabenen Würde und Bestimmung?! Darum wollen wir im Leben Am Feierabende des 29. Januar. 77 «M'WWIMil'MWA K-AMMWI M": i. MW und Sterben laut und offen bekennen: „Maria ist ohne Sünde empfangen!" Beispiel und Anwendung. Alexander vonHales, ein berühmter Lehrer an der Universität zu Paris, erfuhr an sich selbst, wie sehr Gott die Lehre von der unbefleckten Empfängniß seiner heiligsten Mutter in Schutz nimmt und die Zweifelsncht hierüber züchtiget. Dieser Gottesgelehrte, welcher übrigens ausgebreitete Kenntnisse besaß, hegte lange Zeit einige Zweifel in Beziehung auf diesen für Mariä so ehrenvollen Vorzug und beging das Fest nicht, welches bereits auf den achten Dezember eingesetzt war. Es traf sich aber jährlich an eben diesem Tage, daß ihn eine schmerzliche Krankheit ergriff, welche deutlich genug eine Warnung von Oben war. Seine Schüler machten ihn aufmerksam auf diesen sonderbaren Umstand und mahnten ihn, seinen bis dahin schwankenden Geist hinsichtlich dieser Lehre zu befestigen und sich ohne Rückhalt für dieselbe zu erklären. Er that es und verpflichtete sich durch ein Gelnbbe, wofern er von dieser jährlich wiederkehrenden Krankheit befreit würde, ein Werk zur Ehre der ohne Makel empfangenen Jungfrau zu schreiben. Sein Gebet wurde erhört; die Krankheit stellte sich im folgenden Jahre nicht wieder ein. Nun entledigte er sich seines Versprechens und förderte eine Schrift an das Licht, worin er die Lehre von der unbefleckten Empfängniß Mariä vertheidigt und Alles widerruft, was er im entgegengesetzten Sinne möchte gesprochen oder geschrieben haben. — Ja, freilich! denn welcher Katholik stimmt nicht freudig in den Ruf der ganzen Kirche ein: „ Maria, ohne Sünde empfangen, bitt für uns!" Sei daher, o Christ! stets ein wahrer Verehrer der allezeit unbefleckten Jungfrau Maria, und du wirst ihren mächtigen Schutz im Leben und Sterben erfahren, auf daß auch du unbefleckt erscheinen könnest vor dem Richterstuhl deines Gottes. Legende: Der heilige Franz von Sales, Fürstbischof von Genf, (ft 1622.) Ein überaus inniger Verehrer der allzeit unbefleckten Jungfrau Maria war auch der ebenso große, als heilige Fürstbischof von Genf, der heilige Franz von Sales, dessen Fest häute gefeiert wird. Er war der älteste Sohn des Grafen Franz von Sales und wurde am 21. August 1567 geboren. Schon von Kindheit an war er ein Muster der Milde und der innigsten Liebe gegen Gott und die Menschen. Zn Paris, wohin er in seinem zwölften Jahre kam, legte er das Gelübde beständiger Keuschheit ab. Von nun an betete er alle Tage zu Ehren der göttlichen Gnadenmutter Maria einen Rosenkranz, welche Andacht er sein ganzes Leben hindurch selbst auch bei den dringendsten Geschäften nicht unterließ. Daher blieb er aber auch stets unbefleckt an Leib und Seele, selbst auch unter den mächtigsten Lockungen und Gefahren, zu jener Zeit nämlich, da er zu Padua die Rechtswissenschaft stndirte. Als er nach Vollendung seiner Studien znm Priester geweiht worden war, erlangte er bald die 78 Erstes Hauptstück. Und an Jesum Christum, seinen eingebornen Sohn, unfern Herrn. Würde eines Propstes an der Domkirche zu Genf, wo er durch Predigen und Beichthören mit besonderm Segen und Nutzen wirkte. Unerwartet groß war solcher auf einer Mission, welcher er sich im Herzogthume Chablais, das von der Irrlehre Calvins völlig angesteckt war, unterzog; 72,000 Irrgläubige kehrten in den Schooß der wahren Kirche zurück. Er wurde hierauf zum Koadjutor und Nachfolger des Bischofes von Genf ernannt, und im Jahre 1602 zum Bischöfe geweiht. Als Bischof diente er Gott in dem Nächsten und wurde Men Alles. Sein Haus war ganz einfach eingerichtet, er hatte wenige, aber got- tesfürchtige Personen um sich. Seine Reisen machte er größteutheils zu Fuß, und kein Weg war ihm zu beschwerlich, um seine Schäflein aufzusuchen, und mit der Lehre des Heiles und dem Brode des Lebens zu erquicken. Bei aller Thätigkeit im oberhirtlicheu Amte fand er auch noch Zeit, überaus nützliche Schriften zu verfassen, in denen die christliche Vollkommenheit in ihrer ganzen Liebenswürdigkeit dargcstellt ist. Weltbekannt ist sein Buch: „Philothea oder Anleitung zum andächtigen Leben," durch das schon viele Tausende auf den Weg des Heiles gebracht wurden. Der liebenswürdige Heilige starb in Lyon am 27. Dezember 1622, und wurde in dem Hauptkloster des von ihm gestifteten Fraucuordens von der Heimsuchung zu Annech beerdigt. Gebet. O Gott! wir erkennen unsere Schwäche und fühlen die traurigen Folgen der Erbsünde in uns; hilf uns durch die mächtige Fürbitte der allzeit unbefleckten Jungfrau Maria und ihres eifrigen Verehrers, des heiligen Franz von Sales, daß auch wir unbefleckt wandeln und einst unbefleckt vor deinem heiligen Angesicht erscheinen möchten. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Dreißigstes Lesestiick. Am Feierabende des 30. Januar. Zweiter Glaubensartikel: „Und an Jesum Christum, seine» eingebornen Sohn, unfern Herrn." Von den beiden Namen des, göttlichen Erlösers: „Jesus" und „Christus." Fr. Ließ Gott die Menschen in dieser traurigen Lage, in welche die erste Sünde sie versetzt hatte? Antw. Nein; Gott erbarmte sich ihrer und versprach ihnen einen Erlöser. „Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe, und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; sie wird deinen Kopf zertreten, und du wirst ihrer Ferse nachstellen." (1. Mos. 3, 15.) Fr. Ist dieser verheißene Erlöser auch gekommen? Antw. Ja; „als die Fülle der Zeit kam, sandte' Gott seinen Sohn," (Gal. 4, 4.) Jesum Christum. Darum handelt von ihm auch gleich der zweite Glaubensartikel: „Und an Jesum Christum seinen eingebornen Sohn, unfern Herrn." Fr. Warum heißt der Erlöser Jesus? Was bedeutet dieser Name? Antw. Der Name Jesus bedeutet: Erlöser, Heiland, Seligmacher. Es ist dieses der h eiligste, dersüsseste und mächtigste Name, den es im Himmel und auf Erden gibt. Belehrung. Jesus heißt soviel als Erlöser, Heiland oder Heilbringer, Seligmacher; darum sprach der Engel des Herrn zu Joseph: „Maria wird einen Sohn gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk erlösen von dessen Sünden." (Matth. 1,21.) Es gibt keinen heilig ern Namen als den Namen Jesus; Gott selbst hat ihm ja diesen Namen gegeben. Daher schreibt der heilige Paulus (Phil. 2, 10.): „Gott hat ihn erhöht und ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, so daß im Namen Jesu sich beugen die Kuiee Derer, die im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sind." Es ist aber auch zugleich der süsseste und mächtigste Name. Fr. Warum ist der Name „Jesus" der süsseste Name? Antw. Weil er allen Denen, die ihn fromm verehren und andächtig aussprechen, Trost und Süßigkeit gewährt. Belehrung. Welche Seelenfreude gewährte der heilige Name Jesus allen frommen und heiligen Dienern Gottes! Dckher verehrten sie denselben mit außerordentlicher Andacht. Der heilige Paulus schon bediente sich dieses süssen und heiligen Namens unendlich oft. In seinen vierzehn Briefen kommt derselbe zweihundertneunzehn Mal vor. Wie oft mag er erst diesen heiligen Namen mündlich ausgesprochen haben? Seinem Beispiele folgten in der Verehrung des heiligen Namens Jesu alle Heiligen Gottes nach; in ihm fanden sie stets Trost in Leid und Freud und in ihrem Herzen fühlten sie eine unaussprechliche Süssigkeit, so oft sie diesen heiligen Namen aussprachen. Beispiel und Anwendung. Wir sehen dieß ganz besonders an dem heiligen Bernhard. Dieser bekennt selbst von sich, der Name Jesus sei seinem Herzen das mächtigste Labsal, seinen Lippen süsser als Honigseim, seinem Ohre der schönste Wohlklang. Darum ruft er aus: „Trocken ist für die Seele jede Speise, die nicht begossen ist mit dem Oele des heiligen Namens Jesus; geschmacklos ist sie, wenn sie nicht gewürzt wird mit dem Salze dieses heiligen Namens. Schreibst du Etwas, so finde ich keinen Geschmack daran, wenn ich nicht den Namen Jesus lese; sprichst du Etwas, so schmeckt ! Am Feierabende des 30. Januar. 79 es mir nicht, wofern nicht auch der Name Jesus dabei ertönt; Jesus ist Honig im Munde, Wohlklang im Ohre, Jubel im Herzen." Daher war es auch seine höchste Lust und Wonne, vom hochheiligen Namen Jesus zu reden und zu singen. — O Christ! möchte dich auch deine höchste Lust und Wonne sein! Gar bald würdest du es in dir selbst erfahren und verspüren, daß der hochheilige Name Jesus der süsseste Name sei. L « Fr. Warum ist der hochheilige Name Jesus der mächtigste Name? Antw» Weil wir in diesem heiligen Namen eine wunderbare Kraft und Stärke finden bei allen Nöthen und Gefahren Leibes und der Seele, bei allen Anfechtungen und Versuchungen des bösen Feindes. Belehrung. In Wahrheit, der hochheilige Name Jesus ist ein mächtiger Name; in ihm liegt eine wunderbare Macht und Stärke. Sagt es ja der göttliche Heiland selbst.: „In meinem Namen werden sie (Diejenigen nämlich, die da glauben) Teufel austreiben, neue Sprachen reden, Schlangen aufheben, und wenn sie etwas Tödtliches trinken, wird es ihnen nicht schaden; Kranken werden sie die Hände auslegen, und sie werden gesund werden." (Mark. 16, 17.) Und wiederum versichert er: „ Alles, um was ihr den Vater inmeine m Namen bitten werdet, das wird er euch geben." (Joh. 16, 23.) Darum ermahnt uns der heilige Laurenti us Ju sti nianus: „Bist du krank, wirst du von Schmerzen gequält, wirst du von gotteslästerlichen Gedanken oder von Verzweiflung befallen, wirst du von Furcht erschüttert, martern dich Zweifel und Beängstigungen, so sprich oder denke nur den Namen Jesus! In aller Verlegenheit, in Gefahren, bei Schrecken, auf dem Wege, in der Einsamkeit, in Wassergefahr, wo du immer sein magst, sprich den Namen Jesus, aber nicht bloß mit dem Munde, sondern auch im Herzen! Denn er hat eine ihm mitgetheilte Kraft, welche das Herz erfreut, das Gemüth erquickt, die Andacht nährt und den Geist Desjenigen, der ihn anruft, zur Gottseligkeit vorbereitet." Beispiele und Anwendung. Die Macht des heiligen Namens Jesu will ich dir nun, mein Christ! in einem Gesichte zeigen, (sieh das nebenstehende Bild!) welches einst die heilige Perpetua, eine junge Frau und Märtyrin, hatte. Sie erzählt: „Ich sah eine außerordentlich hohe goldene Leiter, die von der Erde bis zum Himmel reichte, aber so schmal war, vaß nur Einer auf dieselbe hinaufstcigen konnte. Au den beiden Seiten der Leiter waren Schwerter, Lanzen, Sicheln, Messer, so daß Jeder, welcher nachlässig, oder ohne stets den Blick nach Oben gerichtet zu haben, hinaufsticg, unfehlbar von diesen Werkzeugen verwundet wurde. Am Fuße der Leiter aber lag ein ungeheuerer Drache, der stets auf Jene loszuschießen schien, welche auf die Leiter hinaufsteigcn wollten. Der Erste, der Hinaufstieg, war Saturnin us, der des Glaubens wegen mit im Gefängnis) schmachtete. Als er die Spitze der Leiter erreicht hatte, wandte er sich um und rief mir zu: „Perpetua, ich erwarte dich; allein gib Acht, daß dich der Drache nicht beiße." Ich antwortete ihm: ,.Jm Namen unsers Herrn Jesu Christi, er wird mir nicht schaden. Alsdann hob der Drache langsam den Kopf von der Leiter; und da ich Hinaufstieg, biente er mir zur Sprosse." — Siehe, so mächtig ist der heilige Name Jesus; vor ihm weicht der böse Feind zurück. Darum wende dich in allen Gefahren und Versuchungen zu Jesus und rufe seinen heiligen Namen an; du wirst siegen gegen alle feindlichen Anfälle des bösen Feindes. — Aber auch in allen andern Nöthen des Leibes und der Seele sprich den hochheiligen Namen Jesus mit Andacht aus, und du wirst Trost und Hilfe finden. — Im Jahre 525 erschütterte ein gewaltiges Erdbeben die Stadt Antiochia auf so furchtbare Weise, daß viele Häuser zusammcnstürzten, und die Einwohner unter ihrem Schutte begraben wurden. Kaum hatten die betrübten Inwohner sich nach drei Jahren von dieser schweren Trübsal ein wenig erholt, da begann die Erde auf's Neue zu erzittern. Und es bebte die ganze Stadt, der früher» Uebel eingedenk, vor Angst; und weil sie in dieser großen Noch weder menschliche Hilfe noch Rath fanden, so schrieben sie den Namen „Jesus" über das Thor ihrer 80 Erstes Hauptstück. Und an Jesum Christum, seinen eingebornen Sohn, unfern Herrn. Häuser, und die Kraft dieses.heiligen Namens wendete alles Unglück gnädig ab. — Schreibe auch du, o Christ! diesen heiligen Namen über die Thüre deines Herzens, und es wird dir Nichts zum Verderben gereichen. „Drücke dich ein, o heiliger Name," also bete mit dem heiligen Franz von Sales, „drücke dich ein und sei die Überschrift unserer Seelen, damit selbe durch dich des ewigen Heiles würdig werden!" Amen. Fr. Was heißt „Christus"? Antw. Christus oder Messias heißt soviel als „der Gesalbte". Fr. Warum wird der Erlöser „Christus oder der Gesalbte" genannt? Antw. Weil er zum Hohenpriester, Propheten und König gesalbt war; denn „Gott hat ihn gesalbt mit dem heiligen Geiste und mit Kraft." (Apo- stelg. 10, 38.) Belehrung. Im alten Testamente wurden die Könige, Priester und Propheten gesalbt, um ihnen dadurch gleichsam ein göttliches Ansehen zu geben. Diese Salbung geschah mit Oel, und man nannte alle Diejenigen, an welchen dieselbe vorgenommen worden war, Gesalbte des Herrn. Jesus vereinigte nun in Wirklichkeit und Wahrheit in sich jene dreifache Würde eines Hohenpriesters („nach der Ordnung Melchisedechs" Hebr. 7, 15.), eines Königs und eines Propheten. Ja, Jesus ist 1) unser Priester, weil er sich selbst am Kreuze für uns geopfert hat, und täglich auf dem Altäre opfert, auch ewig im Himmel unser Mittler und Fürsprecher ist; 2) unser höchster Prophet, weil er uns die Geheimnisse Gottes offenbarte und uns Alles lehrte, was wir glauben, hoffen und thun sollen, um selig zu werden; 3) unser König, weil er ein geistliches Reich (die Kirche) stiftete, dessen Oberhaupt er ist und ewig sein wird; und darum heißt er mit Recht der Gesalbte (auf Griechisch „Christus," auf Hebräisch „Messias"). Beispiel und Anwendung. Philipp III., König von Spanien, lag auf dem Sterbebette. Zu den Schmerzen seiner Krankheit gesellten sich auch die fürchterlichsten Seelenqualen. In der Angst seines Herzens ließ er seinen Beichtvater Pater Florencia kommen und klagte ihm seine körperlichen und geistigen Leiden. Da hielt ihm der ehrwürdige Pater das Kruzifix entgegen und sprach voll Würde und Nachdruck: „König! da habt ihr Euern Gott und Erlöser. Sehet! der ist der Gesalbte des Herrn; Er ist es, den Gott selbst gesalbt hat mit dem Oele der Freude (Psalm 44, 8.); und dieses heilige Oel der Freude, des Trostes, der Stärke und des Heiles fließt vom Haupte des Gesalbten auf jede gläubige Seele herab, und bringt Trost den Betrübten, Stärke den Schwachen, Ruhe den Geplagten, Freude den Niedergebeugten, Linderung den Leidenden, Erquickung den Matten, Heilung den Kranken, Muth und Kraft den Sterbenden. Auf Ihn allein vertrauet, und Ihr werdet Linderung in Euern Schmerzen und Ruhe für Euere Seele finden!" — Voll kindlichen Glaubens, voll heiligen Vertrauens ergriff der sterbende König das Kruzifix, küßte es tausendmal und drückte es unaufhörlich an -sein Herz, welches sichtbar von innerem Tröste und wunderbarer Ruhe erfüllt wurde. Man hörte aus seinem Munde kein anderes Wort, als nur: „O mein Erlöser! o Christus! o Gesalbter des Herrn!" — Auch auf dich, o christliche Seele! fließt dieses heilige Oel der Freude und des Trostes vom Haupte des Gesalbten herab. Nimm daher zu Christus in Leiden und Trübsalen deine Zuflucht, fange dieses heilige Oel auf, und es wird deine Seele dadurch gestärkt und gesalbt werden zum ewigen Leben! Legende: Die heilige Martina, Jungfrau und Märtyrin, (si um 228.) Durch Anrufung des hochheiligen Namens Jesu stärkte sich die heilige Jungfrau und Märtyrin Martina, deren Fest auf den heutigen Tag fällt, bei den grausamsten Martern und Qualen, die sie um des christlichen Glaubens willen erdulden mußte. Sie stammte aus einer edlen Familie Roms. Ausgezeichnet durch Schönheit und Reichthum, beschloß sie, aus Liebe zu Jesus ein armes und verachtetes Leben zu führen. Sie vertheilte ihr väterliches Erbe unter die Armen, und nahm den Schleier einer gottgeweihteu Jungfrau. Unter dem Kaiser Alexander Severus ward sie als Christin angeklagt, und unter Schmeicheleien und Drohungen aufgefordert, ihrem Glauben abzusagen und den heidnischen Göttern zu opfern. Diese Zumuthung wies sie mit Abscheu zurück. Darum wurden alle erdenklichen Qualen der grausamsten Schläge und Zerfleischung, der wilden Thiere und des Feuers an ihr versucht; sie aber blieb standhaft. Ihre Am Feierabende des 31. Januar. 81 bewunderungswürdige Geduld machte einen solchen Eindruck auf ihre Peiniger, daß mehrere derselben sich zu Jesus Christus bekehrten, und als Märtyrer ihr Leben ließen. Während die heilige Martina unter Anrufung des hochheiligen Namens Jesu um Stärke in ihrem Leiven und um treues Ausharren im Glauben und in der Liebe zu Gott flehte, entstand Plötzlich ein Erdbeben, welches die Tempel der Götzen umstürzte und ihre Bildsäulen zerschmetterte. Nachdem sie also den Kelch der gräßlichsten Leiden bis ans die Hefe geleert hatte, endete sie durch Enthauptung ihr irdisches Leben, während ihre Seele bei ihrem Heilande das ewige begann um das Jahr 228. Gebet. O heiliger Name Jesus! drücke dich ein in unsere Herzen, auf daß wir dich stets andächtig verehren und anrufen und in dir Trost und Stärke finden, wie die heilige Märtyrin und Jungfrau Martina; sei die Ueberschrift unsrer Seelen, damit selbe durch dich des Heiles würdig werden. Amen. Eimmddreißigstes Lesestück. Am Feierabende des 31. Januar. Jesus Christus ist der eingeborne Sohn Gottes und unser Herr. Fr. Warum heißt Jesus Christus der „eingeborne Sohn Gottes?" Antw. Weil er, als die zweite Person der allerheiligsten Dreifaltigkeit, der einzige wahre und eigentliche Sohn Gottes, d. h. Sohn Gottes von Ewigkeit ist, Einer Natur und Wesenheit mit Gott dem Vater. bekennen, daß Jesus Christus der SohnGottesist;" also schreibt schon der h. Johannes (5, 5J. Und wie deutlich ist diese Wahrheit auch sonst noch in der hl. Schrift ausgesprochen! Jesus Christus wurde der Sohn Gottes genannt schon von dem Engel, welcher der Jungfrau Maria verkündete,daß' sie seine Mutter werden sollte. (Luk.1,35.) Sohn Gottes wurde er von dem ewigen Vater genannt, sowohl bei der Taufe am Jordan, als auch bei der wunderbaren Verklärung auf Tabor. Als den Sohn Gottes erkannte ihn Petrus und erklärte ihn dafür im Namen aller Apostel, als er von Christus gefragt wurde, was sie von seiner Person dächten. (Matth. 16, 16.) — In der That wird Nichts in den Büchern der Evangelisten und in den Briefen der Apostel häufiger' wiederholt und eingeprägt, als dieses, daß Jesus Christus der Sohn Gottes sei. — Und wer könnte oder möchte wohl an dieser Glaubenswahrheit zweifeln, da für sie so viele heilige Märtyrer Blut und Leben hingeopfert haben? Belehrung. Zwar sind auch wir Kinder Gottes, aber nicht von Natur und Ewigkeit her, sondern nur aus Gnade angenommene. (Röm. 8, 14. 16.) Christus hingegen ist der wahre und eigentliche Sohn Gottes, weil er von Ewigkeit her aus dem Wesen des Vaters gezeugt und Eines Wesens und gleicher Natur mit dem Vater ist. Gott selbst sagt ja von ihm: „Du bist mein Sohn, heute (jetzt, von Ewigkeit her) habe ich dich gezeugt." (Hebr. 1, 5.) Die Art und Weise aber, wie Jesus, der Sohn Gottes vom Vater gezeugt ist, bleibt ein Geheimniß, und kein Menschenverstand kann dieß ergründen. „So wenig ein Maler," sagt der heilige Ephrem, „die Natur des Verstandes oder die Stimme des Mundes in einem Bilde darstellen kann; denn Farben drücken keine Stimme aus, ebensowenig können wir durch Vernunftschlüsse den Sohn Gottes und seine ewige Erzeugung aus dem Vater ergründen." Das aber bleibt ewig wahr: Christus ist wahrhaft der Sohn Gottes; „darin besteht unser (der christliche) Glaube, daß wir glauben und Mchlcr, Hausbuch. Beispiel und Anwendung. Der große Märtyrer Ignatius, Bischof von Antiochien, legte vor dem heidnischen Kaiser Trajan ein ebenso freimüthiges, als glänzendes Zeugniß dafür ab, daß Jesus der Sohn Gottes sei. „Durch die Kraft Jesu Christi," sprach er, „der stets in meinem Herzen wohnt, obschon er in dem höchsten Himmel seinen Thron hat, zernichte ich alle Anschläge der Hölle. — Es ist nur Ein Gott, der Himmel und Erde schuf, und dessen einzig gezeugter Sohn ist Jesus Christus." — „Verstehst du unter dem Sohne Gottes," sagte der Kaiser, „denjenigen Jesus, der zu Jerusalem durch den Urtheilsspruch des Pontius Pilatus ist gekreuziget worden?" — „Ja, Er ist's, Er ist der eingeborne Sohn Gottes, Ihn trage ich in meinem Herzen," versetzte Ignatius. Und für diesen seinen Glauben gab er bereitwillig sein Leben hin. In diesem Glauben mußt auch du leben und sterben, mein Christ! Mit dem heiligen Petrus mußt du bekennen: „Christus ist der Sohn des lebendigen Gottes" (Matth. 16.); mußt es bekennen mit Mund und Herz, und dann wird dich auch einst Christus vor seinem Vater bekennen, der im Himmel ist. Fr. Warum heißt Jesus Christus „unser Herr?" 11 82 Erstes Hauptstück. Jesus Christus ist der Antw. Weil er uns als Gott erschaffen, und weil er uns als Erlö ser mit seinem kostbaren Blute erkauft hat. Belehrung. Aus zwei Gründen also nennen wir Christum „unfern Herrn": 1) weil er als Gott der Herr und Schöpfer des Himmels und der Erde, also auch unser Herr und Schöpfer ist; wir sind seiner Hände Werk; ihm gehören wir an; wie dem Töpfer das Geschirr gehört, das er gemacht, und dem Maler das Bild, das er gemalt, ebenso gehören auch wir Christo an, der uns als Gott erschaffen hat; er ist also unser Herr. 2) Hat er uns aber auch als Erlöser theuer erkauft, nämlich durch sein kostbares Blut am Stamme des heiligen Kreuzes; sonach sind wir sein Eigenthum, und er ist unser Herr; denn wer einen Sklaven loskauft, ist Herr über denselben. Schon die Apostel nannten daher Jesum Christum ihren Herrn, und der göttliche Heiland lobte dieses, indem er sprach: „Ihr nennt mich euern Herrn, und ihr habt recht; denn ich bin es auch." (Joh. 13 , 13 .) Beispiel und Anwendung. O sa, Christus ist unser Herr! Ihm wollen wir daher dienen in all' unfern Arbeiten und Leiden — all' die Tage unseres Lebens; mit jenem armen Mädchen von Genua wollen wir ausrufen: „Ich will keinen andern Herrn haben, als Jesum Christum." Dieses arme Kind wurde nämlich in früher Jugend von Seeräubern anfgefangen und mehrere Male als Sklavin verkauft. Zuletzt gerieth es in die Hände eines wilden, unbarmherzigen Mannes, der es eines Tages so schrecklich schlug, daß es wie todt liegen blieb. Aber nach einer Weile kam es wieder zur Besinnung und raffte sich gerade in dem Augenblicke auf, als der hochwürdige Herr Dupuch, Bischof von Algier, in die Stadt einzog. Das arme Mädchen sieht diesen Mann Gottes, eilt auf ihn zu und wirft sich vor ihm nieder mit den Worten: „Sei mein Vater, und ich will deine Tochter sein!" Der Bischof erbarmt sich der Verlassenen, hebt sie auf und läßt sie der Fürsorge von Klosterfrauen anheimgeben, die sich mit ihrer Erziehung im Chri- stenthume befassen. Nach wenigen Tagen verlangt sie die Taufe, um in den Schooß der christlichen Kirche ausgenommen zu werden. Zuvor aber wünschte der Bischof, sich von der Aufrichtigkeit ihrer Bekehrung zu überzeugen, und ließ sie zu sich bescheiden. Kaum bei ihm angelangt, ergreift sie ein Cruzifix, drückt es an ihr Herz und ruft wiederholt mit grosser Wärme aus: „Ich will keinen andern Herrn haben, als Jesum Christum." Dann berührte sie den Ring der Bischofs und sagte tief bewegt: „ Gleichwie Sie immer diesen Ring am Finger tragen; gleichwie Sie ihn erfassen und nach allen Richtungen hinwenden, so will auch ich wie ein Ring am Finger Gottes sein, wenn ich durch das Bad der heiligen Taufe wiedergeboren bin." — Was wirst du antworten, mein Christ! wenn dich Gott einst diesem Mädchen gegenüber stellen wird? Gott gebe, daß auch du diesen Willen und Entschluß haben mögest! Gott gebe, daß auch du eingeborne Sohn Gottes und unser Herr. wie ein Ring am Finger Gottes seiest, und dich freudig seinem heiligen Willen und seinen Fügungen unterwerfest, be- denkend, daß Christus der Herr, und du sein Diener seiest. Legende: Der heilige Petrus Nolaskus, Ordensstifter. ('s 1256.) Der heilige Petrus, Stifter des „Ordens der seligsten Jungfrau Maria von der Erlösung der Gefangenen, "wurdet 189 zu Maas in Frankreich aus der adeligen Familie der Herren von Nolasko geboren, die sich in jener Zeit ganz besonders durch Frömmigkeit anszeichnete. Schon von Jugend auf hatte er eine besondere Liebe zu den Armen und zu den Unglücklichen, die in der Gefangenschaft der Ungläubigen, der Muha- medaner und der Albigenser schmachteten, und mit dankerfülltem Herzen an die gränzenlose Liebe des göttlichen Heilandes gedenkend, der uns Alle mit seinem kostbaren Blute ans der Gefangenschaft des bösen Feindes loskaufte und dadurch unser Herr und Erlöser wurde, wollte auch er ein Erlöser der Gefangenen werden und opferte diesem edlen Zwecke nicht nur sein ganzes Vermögen und Leben, sondern gründete auch den obengenannten Orden zur Erlösung der Gefangenen. — Nachdem Petrus 31 Jahre diesem seinen Orden vorgestandeu und während dieser Zeit Tausende von Gefangenen erlöst hatte, kam endlich auch für ihn der Tag der Erlösung, zwar nicht aus der Gefangenschaft der Ungläubigen, sondern aus den Banden des Fleisches, um in den ewigen Wohnungen den Lohn für die guten Werke zu empfangen, die er sich während seiner Pilgerschaft gesammelt hatte. Er verschied in der heiligen Nacht des Jahres 1256. Seine Heiligsprechung geschah im Jahre 1628 vom Papste Urban VIII. Gebet. Göttlicher Herr und Heiland, Jesus Christus! mit freudigem Herzen glauben und bekennen wir, daß du bist der eingeborne Sohn Gottes und unser Herr. Nimm hin unfern Dank für deine unendliche Liebe, mit der du uns erschaffen und erlöset hast, und gib, daß auch wir mit gleichem Eifer, wie St. Petrus Nolaskus, die Gefangenen zu erlösen suchen, besonders Jene, die da schmachten in der Gefangenschaft der Sünde und im qualvollen Kerker des Reinigungsortes. Amen. Am Feierabende des 1. Februar rÄ» R>-L Zweiunddreißigstes Lesestück. Am Feierabende des 1. Februar. Jesus Christus ist wahrer Gott, der verheißene Messias. Fr. Ist Jesus Christus wahrer Gott? Antw. Ja, Jesus Christus ist wahrhaft Gottes Sohn, also auch wahrer Gott. Belehrung. Wir haben es aus der letzten Lektion ersehen, daß Christus wahrhaft Gottes Sohn sei, sonach ist er auch wahrer Gott. Als solchen bezeichnen ihn schon die Propheten, indem sie ihn nennen „Gott, Gott mit uns, den Allerheiligstcu, den Wunderbaren, den Vater der Zukunft"; als solchen erkennen und bekennen ihn die Apostel, indem sie unzählig oft aussprechen, daß er wahrer Gott sei, „in dem die Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt." (Kol. 2, 9., 1. Joh. 5, 20., Rom. 9, 5.) Ja, Christus selbst bezeugt es, daß er wahrer Gott wie sein Vater sei: „Ich und der Vater sind Eins," spricht er (Joh. 14, 9.), und dieses sein Zeugniß bekräftigte er durch Wunder und besiegelte es mit 83 seinem Tode. O wer könnte so thöricht und unglücklich sein, an der Gottheit Jesu auch nur zu zweifeln? Wie hätte Christus so viele und große Wunder wirken, wie eine so erhabene Lehre ersinnen und in so kurzer Zeit über den ganzen Erdkreis verbreiten können, wenn er nicht Gott und Gottes Sohn gewesen wäre? Beispiel und Anwendung. Ein eifriger Christ schloß einst Solchen den Mund, die durch böse Leidenschaften und durch das Lesen ärgerlicher Bücher dahin gekommen waren, daß sie gleich den Ungläubigen und vielen andern Ruchlosen unserer Zeit die Gottheit Jesu läuguetcn. Er sprach zu ihnen: „ Wenn Jesus Christus nicht Gott ist, wie gingen denn alle Weissagungen, die von dem Messias ausgezeichnet waren, so vollkommen an Ihm in Erfüllung? Wie konnte Er je eine so erhabene Lehre ersinnen und verbreiten, wodurch die Menschen Gott, ihre ewige Bestimmung und ihre Pflichten so genau kennen lernten? — Wie konnte Er, selbst nach dem Geständnisse der Juden sowohl als der Heiden, so viele und so glänzende Wunder thun? — Wie auch vermochten es seine Jünger, in seinem Namen derselben so hocherstaunliche zu wirken? Wie nahm der ganze Erdkreis das Christeuthum in so kurzer Zeit an? — Wie brachten alle Bemühungen der bewaffneten Ruchlosigkeit es nie und nimmer dahin, dasselbe zu vertilgen? — Sind die tugendhaftesten und glücklichsten Menschen nicht die wahren Christen, die nach der Lehre des Evangeliums leben und der katholischen Kirche, der einzigen Kirche gehorchen, die Christus gestiftet hat?" — Die Spötter und Got- tesläugner verstummten. Oder wer sollte all' diesen schlagenden. Beweisen gegenüber nicht verstummen? Wer muß da nicht mit Mund und Herz bekennen, daß Jesus wahrhaft Gott sei? Litten ja die heiligen Märtyrer für diese Glaubenswahrhcit freudig die schmerzlichsten Qualen, ja selbst den Tod; und oft gefiel es Gott, das Bekenntuiß seiner Blutzeugen durch unläugbare Wunder zu bestätigen. Besonders merkwürdig ist jenes, das im Jahre 484 in Afrika geschah, und von vielen unverwerflichen Augenzeugen verbürgt wird. Als nämlich der Arianische Vandalenkönig Hunncrich, der die Bekenner der Gottheit Christi auf's Grausamste verfolgte, den Rechtgläubigen der Stadt Tipasa die Zunge hatte ausreißen lassen, so redeten diese ohne Zunge ebenso geläufig und deutlich als vorher und verkündeten allenthalben, daß Jesus Christus wahrer Gott und Eines Wesens mit dem Vater sei. Ungefähr sechzig derselben flüchteten sich nach Konstantinopel, wo die ganze Stadt sie Jahre lang täglich sah und reden hörte. — In dieses Bekenntnis) wollen auch wir einstimmen, meine Christen! und stets und überall laut und offen bekennen, daß Jesus Christus sei wahrer Gott und gleicher Wesenheit mit dem Vater. Fr. Ist Christus aber auch in Wahrheit der verheißene Messias? 11 * 84 Erstes HPlptstiick. Jesus Christus ist AlltW. Ja, Christus ist in Wahrheit der verheißene Messias; denn an ihm sehen wir sowohl alle me ssia Nischen Weissagungen der Propheten, als auch alle Vorbilder erfüllt. Belehrung. Christus ist wirklich der verheißene Messias; denn an ihm sehen wir erfüllt Alles, was die Propheten, deren Bücher schon viele Jahrhunderte vor Christi Ankunft geschrieben worden sind, vom künftigen Messias vorausgesagt haben über die Zeit, den Ort und die Umstände seiner Geburt, über sein öffentliches Leben, seine wundervollen Heilungen, seine schonende Liebe und Milde, über die Umstände seines Leidens und Sterbens, über seine Auferstehung und Himmelfahrt und die Sendung des heiligen Geistes, über die Zerstörung Jerusalems, über die Gründung, Verbreitung und Dauer seiner Kirche. Es würde dich ermüden, mein lieber Leser! wenn ich dir alle die hieher gehörigen Stellen anführen wollte. — Aber nicht nur die Weissagungen derPropheten sehen wir an Christus erfüllt, sondern auch alle Vorbilder, in welchen die Thaten und die Leiden des Messias schon viele Jahrhunderte zuvor angedeutet waren. Ein solches Vorbild war z. B. die eherne Schlange; denn »wie Moses die Schlange in der Wüste erhöht hat, so mußte auch der Menschcusohn erhöht werden, damit Alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben." (Joh. 3, 14—15.) u. s. w. Daher berief sich auch Christus selbst auf diese messianischen Weissagungen, um daraus den Juden zu beweisen, daß er selbst der Messias' sei. „Ihr forschet in der Schrift", sprach er, . . . „und sie ist es, die von mir Zeugniß gibt." (Joh. 5, 39.) Beispiel und Anwendung. Der heilige Thomas von Aquin traf einst in dem Landhause eines Cardinals mit zwei Rabbinern zusammen. Er kam mit ihnen in's Gespräch und zeigte ihnen durch gründliche Erklärung der messianischen Weissagungen und der Vorbilder, die sich auf denselben bezogen, unumstößlich, daß der Messias schon erschienen sei, und zwar in Jesus Christus, dem Gottmenschen, und daß man folglich dem Evangelium glauben müsse. Den folgenden Tag, so war man beiderseits übereingekommen, wollten sie sich über den Gegenstand weiter besprechen. Thomas brachte indessen die Nacht am Fuße des Altares zu, den alleinigen Herzensbekehrer beschwörend, daß er das begonnene Werk vollenden möge. Sein Gebet fand Erhörnng; denn die beiden Rabbiner, die inzwischen die Wahrheit genauer erwägt und erkannt hatten, kamen des andern Morgens zu ihm, nicht um weiter mit ihm zu streiten, sondern um sich in die katholische Kirche aufnehmen zu lassen. Mehrere Andere folgten ihrem Beispiele. — Wir wollen daher, mein Christ! nicht auf einen andern Heiland warten, und nicht mit den Jüngern des Johannes fragen: wahrer Gott, der verheißene Messias. „Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir einen Andern erwarten?" Nein, gläubig und freudig wollen wir es bekennen, daß Jesus Christus sei der verheißene Messias, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit; mit demselben Muthe und mit derselben Freudigkeit des Herzens wollen wir diese große Wahrheit glauben und bekennen, wie j jener Heilige, dessen Fest wir heute feiern, der heilige Ignatius. Legende: Der heilige Jgnati ns, Bischof und Märtyrer, (si 107.) Dieser große Diener Gottes war ein Schüler der Apostel und zeichnete sich durch tiefe Demuth, durch einen glühenden Eifer für Beförderung des Reiches Gottes, besonders aber durch eine brennende Liebe zu Jesus Christus aus. Vor aller Welt bekannte er froh und freudig, daßJesns Christus wahrhaft Gott und der längst verheißene Messias sei. Schon hatte er seit ungefähr vierzig Jahren als Bischof die Kirche zu Antiochien mit der Sorgfalt eines wahren Seelenhirten regirt, als der römische Kaiser Trajan auf seinem Feldzuge wider die Parther im Jahre 107 nach Antiochien kam und den heiligen Bischof vor seinen Nichterstnhl führen ließ. Als er dort das Urtheil vernommen, daß er gebunden von Soldaten nach ^ Rom geführt und daselbst zur Ergötzung des Voltes den wilden Thieren zur Speise vorgeworfen werden sollte, rief ! er voll Freude aus: „Ich danke dir, o Herr! daß du mich der vollkommenen Liebe gewürdigt und mich beehrt hast, mit deinem Apostel Paulus eiserne Bande zu tragen." Auf der Reise nach Rom besuchte er den heiligen Polykarp, ^ Bischof zu Smyrna, der gleich ihm ein Schüler des heiligen Johannes war. Als er nach Rom kam, freuten sich die Christen daselbst, den verehrten Mann zu sehen, trauerten aber zugleich, ihn sobald wieder verlieren zu müssen. Wie er erkannte, daß sie im Sinne hatten, seine Loslassung zu verlangen, bat er, daß sie wahre Liebe für ihn haben, und ihm, der zum Herrn eile, sein erwünschtes Ziel nicht mißgönnen möchten. Nach verrichtetem Gebete ! für das Wohl der christlichen Gemeinde wurde er auf j den Platz der öffentlichen Kampfspiele geführt und den wilden Thieren ausgesetzt. Diese fielen ihn so grimmig f an, daß nichts als die größten Gebeine von ihm übrig blieben. (Sieh das nachfolgende Bild.) Gebet. Herr, himmlischer Vater! mit freudigem Herzen glauben und bekennen wir, wie St. Ignatius, daß Jesus Christus sei dein eingeborner Sohn und der längst verheißene Messias, daß er sei wahrer Gott, der da lebt und regirt mit Dir und dem heiligen Geiste von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Am Feierabende des 2. Februar. 85 MN NN ff Dremnddreißigstes Lesestück. Am Feierabende des 2. Februar. Dritter Glaubensartikel: „Der empfangen ist von dem heiligen Geiste, geboren aus Maria der Jungfrau." Von der Menschwerdung des Sohnes Gottes. Fr. Was wollen denn die Worte sagen: Der empfangen ist von dem heiligen Geiste?" Antw. Diese Worte wollen sagen, daß der Sohn Gottes durch die übernatürliche Wirkung des heiligen Geistes im reinsten und unbefleckten Leibe Mariens Mensch geworden ist, d. h. einen Leib und eine Seele angenommen hat, wie wir Menschen haben. „Das Wort ist Fleisch geworden." (Joh. 1, 14.) Wir nennen daher dieses hochheiligeGeheimniß die Menschwerdung des Sohnes Gottes. Belehrung. Ich will dir, mein Christ! diese so wichtige Lehre noch deutlicher erklären. Siehe, durch die obigen Worte glauben und bekennen wir, daß Christus, die zweite Person in der Gottheit, in dem Leibe der Jungfrau Maria empfangen worden sei, wie jedes Kind im Mutterlcibc, aber nicht auf dieselbe gemeine, menschliche, natürliche Weise, nicht in und mit der Sünde, sondern durch übernatürliche Kraft, durch die Mitwirkung des heiligen Geistes. Denn so sprach der Engel Gabriel zu Maria: „Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das aus dir geboren wcr- .. den soll, Sohn Gottes genannt werden." Aber wie ist dieß möglich gewesen, daß Christus durch Ueberschattnng und Mitwirkung des heiligen Geistes habe Fleisch annehmen können, da doch der heilige Geist selbst nichts Fleischliches an sich hat, sondern ein purer Geist ist? Das können wir Menschen freilich nicht fassen. ES muß hier weit mehr der Glaube, als unser Verstand und unsere menschliche Einsicht uns leiten. Nichts desto weniger können wir uns dieß durch ein Gleichniß etwas verdeutlichen. Du weißt, daß jetzt das Erdreich aus sich selber keine Frucht bringt, wenn es nicht vorher gepflügt, bebaut, angesäet wird; und doch ist es gewiß, daß bei Erschaffung der Welt das erste Korn auf den bloßen Willen Gottes, und ohne daß der Mensch auch nur eine Hand angelegt hat, aus dem Boden hervorgewachsen sei. Ebenso hat Maria die gebenedeite Frucht ihres Leibes, dieses von Gott gesegneten, jungfräulichen Erdreiches, ohne Zuthun eines Menschen hervorgebracht. Der heilige Geist allein war es, der sie befruchtete, und durch seine allmächtige Kraft aus dem allerreinsten Geblüte der Jungfrau einen Leib bildete, mit dem sich in demselben Augenblicke die zweite Person in der Gottheit vereinigt hat. Und so wurde Jesus, der Gott von Ewigkeit war, als Mensch empfangen, wurde „Mensch" indem Leibe Mariens. 86 Erstes Hauptstück. Von der Menschwerdung des Sohnes Gottes. Fr. Wenn wir sagen :„IesnsChristn§, das göttliche Wort, Gott selbst, ist Men sch geworden," was drücken wir damit aus? Antw. Wir drücken damit aus: 1) daß Jesus Christus w ahrer Gott und wahrer Mensch zugleich ist; Gott ist er von Ewigkeit und Mensch ist er geworden in der Zeit; 2) daß in ihm zwei Naturen seien, die göttliche, weil er Gott ist, und die menschliche, weil er Mensch ist, und 3) daß cS in Christo auch zwei von einander unterschiedene Willen gebe, einen göttlichen und menschlichen, welcher letztere aber dem göttlichen immer vollkommen unterworfen ist. Daher betete der göttliche Heiland ans dem Oelbergc: „Vater! nicht mein, sondern dein Wille geschehe!" (link. 22, 42.) Belehrung- Durch die ganze Lebens- und Leidensgeschichte Jesu bestätiget sich diese Glaubenswahrheit, daß in Ihm zwei Naturen seien. Darum schreibt der heilige Augustin: „Er benahm sich immer so, daß man glauben muß, er sei Gott und Mensch." Als Mensch wurde er zu Bethlehem geboren, als Gott von den Engeln angebetet; als Mensch erhielt er von den Weisen Geschenke, als Gott ihre Anbetung; als Mensch ging er im zwölften Jahre in den Tempel, als Gott lehrte er die göttliche Weisheit. Als Mensch fastete er und hungerte ihn, als Gott dienten ihm die Engel u. s. f. Als Mensch sprach er: „Der Vater ist größer als ich" (Joh. 14, 28.); als Gott aber: „Ich und der Vater sind Eins." (Joh. 10, 30.) Fr. Da in Christus zwei Naturen und zwei Willen sind, sind dann in ihm auch zwei Personen? Antw. Nein; in Christus ist nur Eine Person, die göttliche; denn die göttliche Natur hat in Christus die menschliche Natur angenommen und sie unzertrennlich mit sich vereinigt; daher heißt er „Gott men sch." Beispiel und Anwendung. Eutyches, Abt eines Klosters zu Konstantinopel im fünften Jahrhunderte, stellte die Irrlehre auf, daß in Christus nur Eine Natur sei, indem die menschliche Natur mit der göttlichen so verschmolzen sei, daß sie ganz und gar darin aufgche, gerade wie ein Tropfen Honig im Meere verschwindet, oder ein wenig Wachs vom Feuer verzehrt wird. Obschon diese Irrlehre vom Con- cilium zu Chalcedon verdammt worden war, so hatte sie doch viele Anhänger und Verthcidiger gefunden. Ein solcher Eu- tychianer nun befand sich einmal in einer Gesellschaft und suchte die falsche Lehre zu vertheidigen, daß es in Jesus Christus nur Eine, aus der Gottheit und Menschheit zusammengesetzte, Natur gebe. Um die Sache deutlich zu machen, nahm er zwei Eiscnstäbe, machte sie im Feuer glühend und vereinigte sie dann zu einem einzigen Stücke. „Ebenso," sprach er, „machen auch die in Jesus Christus vereinigte göttliche und menschliche Natur in seiner Person nur eine einzige Natur aus." — Zufälliger Weise war auch ein Kind zugegen, das sehr gut begriffen und behalten hatte, was es im kate- chetischen Unterrichte gehört hatte. Voll Glaubcnsmuth trat dieses nun auf und versetzte dem kühnen Verthcidiger der Lüge: „Du irrest stark, mein Freund! — Wenn du Eisen nimmst als Sinnbild der menschlichen Natur, so mußt du doch sicherlich Gold nehmen als Symbol der göttlichen Natur; denn nur das edelste unter den Metallen kann in schwacher Form die Majestät der Gottheit siuubilden. Nimm nun statt des einen Eiscnstäbleins eine kleine Stange Goldes, mache sie alle beide zusammen glühend und nur Ein Stück daraus! Und ich frage dich nun, wird dieses Stück ganz Gold oder ganz Eisen sein? Wird nicht jedes Stück bleiben, was es vorher war? Hier sind also zwei Stücke, das eine Gold, das andere Eisen, die, so verschieden sie auch von einander sind, dennoch nur Ein Stück ausmachcn. So verhält es sich," schloß daraus das Kind, „auch mit Jesus Christus. Es sind in Ihm in Wahrheit zwei Naturen, die göttliche und die menschliche, und diese sind so vereiniget, daß sie keine zwei, sondern nur Eine Person ausmachen; jedoch hat sich deßhalb die Menschheit in Ihm nicht in die Gottheit anfgelöset, sondern sie bleiben beide vollkommen unterschieden." — Der Eutychianer, welcher sich einer solchen Antwort nicht versah, ward bestürzt und schwieg. — Siehe, so beschämt oft ein Kind den Unglauben. O daß nicht auch dich, mein Christ! ein Kind im Glauben beschämen möchte! Fr. Warum wird dem heiligen Geiste allein die Menschwerdung des Sohnes Gottes zugeschrieben? Antw. Deßhalb, weil dem heiligen Geiste die Werke der göttlichen Liebe zugeeignet werden; nun aber ist die Menschwerdung das größte Werk der göttlichen Liebe, und so wird nun auch hiebei ganz besonders der heilige Geist genannt, obschon Dasjenige, was Eine göttliche Person wirkt, Wirkung der drei göttlichen Personen ist. Belehrung. Ja fürwahr, die Menschwerdung des Sohnes Gottes ist der größte Beweis der göttlichen Liebe zu ! Am Feierabende des 2. Februar. 87 uns armen Menschen; eine größere Liebe konnte uns Gott nicht mehr erweisen. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn dahingab." (Joh. 3, 16.) Mit Recht schreibt daher der heilige Leo: „Von jeher hat Gottes Güte der Menschheit sich angenommen nnd ihr die zahlreichsten Gnaden verliehen; aber sie überschritt das Maaß der früheren Wohlthatcn, als in Christo zn den Sündern die Barmherzigkeit, zu den Irrenden die Wahrheit, zu den Tod- ten das Leben selbst Herabstieg." Beispiel und Anwendung. König Alphons von Spanien hatte in einer von Mauren belagerten Stadt sich und sein Volk lauge Zeit mit großer Tapferkeit vertheidigt. Da geschah es, daß sein einziger Sohn bei einem Ausfälle aus der Festung vom Feinde gefangen genommen wurde. Nun meinten die Mauren, die Stadt sei schon in ihren Händen. Sie führten den Gefangenen in die Nähe der Stadt, so daß man von den Stadtmauern aus ihn sehen konnte, und riefen nun den Belagerten zu: „Alphons, entweder übergib die Stadt, oder dein Sohn muß sterben." — Welch' eine entsetzliche Lage für das Herz eines Königs, eines Vaters! Welch' eine schmerzliche Wahl, entweder sein Volk in die Hände des Tyrannen zur Dienstbarkeit auszuliefern, oder seinen theucrn einzigen Sohn als ein Blutopfer hinzugeben! Vaterliebe und Vaterlandsliebe kämpften lange in dem Herzen des Königs. Da wirft Alphons sein eigenes Schwert über die Stadtmauer hinunter und ruft: „Lieber soll mein Sohn sterben, aber mein Volk soll leben! Die Natur muß unterliegen, die Treue muß siegen!" — Meine Christen! Ist das nicht ein getreues Bild von Dem, was sich bei der Menschwerdung des Sohnes Gottes zutrug? Viertausend Jahre lang war das Volk Gottes, das von ihm geliebte Menschengeschlecht von der göttlichen Gerechtigkeit gefangen genommen. Da drang der Ruf in den Himmel: „Ewiger Vater, entweder liefere das Menschengeschlecht aus zur verdienten Strafe, oder dein Sohn muß sterben." Und stehe da, ein unbegreifliches Wunder der Liebe! Gott spricht: „Mein Sohn soll sterben; der Mensch soll leben! Nehmt ihn hin, meinen unschuldigen, eingebornen, vielgeliebten Sohn, verspotte! ihn, geißelt ihn, kreuzigt ihn, tödtet ihn; aber das Menschengeschlecht soll erlöst werden; es soll leben, es soll nicht verloren gehen." — So hat Gott die Welt geliebt, daß er seines eigenen Sohnes nicht verschont, sondern ihn für uns Alle hingegeben hat. O welche Liebe sind wir Gott dem Herrn schuldig für das größte Wunder der Liebe, für die Menschwerdung des göttlichen Sohnes! Fr. Warum war denn ein Gottmensch nothwen- dig zu unserer Erlösung? Antw. Weil nur ein Gottmensch uns wahrhaft erlösen konnte; denn 1) nur ein Gottmensch konnte vermöge seiner Gottheit der beleidigten Majestät Gottes vollkommene Genugthuung leisten; 2) zu dieser Genug- thnung war aber eine Verdemüthigung nothwendig, da die Beleidigung durch Stolz geschah; in Gott aber ist keine Verdemüthigung möglich, darum mußte Gott Mensch werden; denn nur ein Gottmensch konnte vermöge seiner Menschheit sich verdemüthigcn, d. h. leiden und sterben. Belehrung. Schon der heilige P r o k l u s, der auf dem Concilium zu Ephesus sich durch seinen Scharfsinn auSzeich- ncte, spricht sich hierüber also aus: „Jesus kam, um uns selig zu machen, und er mußte deßhalb leiden. Aber wie konnte dieß geschehen? Als ein bloßer Mensch konnte er uns nicht erlösen und selig machen, als ein bloßer Gott konnte er nicht leiden. Da nahm der Emanuel als Gott die Menschheit an, und nun konnte er Beides bewirken, uns selig machen und für uns leiden." Legende: Mariä Lichtme ß. Am heutigen Feste, an welchem vor der heiligen Messe die zum Gottesdienste bestimmten Kerzen oder Wachslichter geweiht werden (daher Lichtmeß), und womit alsdann unter geistlichen Gesängen eine Pro- cession gehalten wird, bringt die seligste Jungfrau Maria Je- s n in Chri st u m, derfürunsMensch gewo rd e n, am vierzigsten Tage nach seiner Geburt in den Tempel nach Jerusalem, um ihn darzustellen und das im Gesetze vorgeschriebene Opfer zu entrichten. Voll Ergebung in den göttlichen Willen hört sie aus dem Munde des greisen Simeon die harte Weissagung: „Deine Seele wird ein Schwert durchdringen." Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! wir danken dir aus der Fülle unseres Herzens für die unaussprechliche Gnade und Liebe, die du uns erwiesen hast durch die Menschwerdung deines Sohnes, und bitten dich de- müthig, lasse uns, gleichwie dein eingeborner Sohn am heutigen Tage in unserm Fleische im Tempel ist dargestellt worden, mit gereinigtem Herzen vor dir erscheinen. Durch denselben Herrn Jesum Christum. Amen. 88 Erstes Hauptstück. Die Geburt Christi aus Maria der Jungfrau. c aria Vieriluddreißigstes Lesestück. Am Feierabende des 3. Februar. Die Geburt Christi aus Maria der Jungfrau. Fr. Warum sagen wir: „Geboren aus L der Jungfrau"? Antw. Weil der Sohn Gottes von Maria, der reinsten Jungfrau, die menschliche Natur angenommen hat und von ihr geboren worden ist. Belehrung. Als Gott wurde Christus geboren aus dem Vater von Ewigkeit, aber ohne Mutter; als Mensch wurde er geboren in der Zeit von einer Mutter, aber ohne Vater, indem er einzig und allein nur vom heiligen Geiste, ohne Zuthun eines Mannes, empfangen worden ist, ohne daß hiedurch die Jungfräulichkeit Mariens beeinträchtigt wurde; und daher sagen wir: „Geboren aus Maria der Jungfrau"; denn Maria ist zwar Mutter, weil sie ihn geboren hat; sie ist jedoch vor, in und nach der Geburt eine reine Jungfrau geblieben, weil sie ihn durch Ueberschattuug des heiligen Geistes, ohne Dazwischenkunft eines Mannes empfangen hat. (Joseph war nur der Nährvater Christi.) „Ja, Maria hat als Jungfrau empfangen", schreibt St. Augustin, „sie hat alsJung- frau geboren und ist auch nach der Geburt eine Jungfrau geblieben. Gleichwie die subtilen Sonnenstrahlen das Glas durchdringen, und es dennoch nicht zerbrechen, ja auch nicht einmal verletzen, ebenso wurde auch Christus, die Sonne der Gerechtigkeit, von Maria geboren, ohne ihre Jungfräulichkeit zu verletzen." Beispiel und Anwendung. Ein gelehrter Priester aus dem Predigerordcn konnte sich's nicht erklären, wie denn Maria Mutter und Jungfrau zugleich sein könne, und es entstanden in ihm bei Betrachtung der ewigen Jungfrauschaft Mariens mancherlei Zweifel. Da begab er sich nun zum Bruder Aegidius, um ihn in dieser Sache um Rath und um sein Gebet zu Litten. Dieser ließ den gelehrten Zweifler kaum zu Worten kommen, als er schon mit seinem Stabe auf den Erdboden stieß und sprach: „Mein Bruder! zweifle nicht! Maria ist Jungfrau vor der Geburt." Und sogleich sproßte aus der Erde eine wunderschöne Lilie hervor. Aegidius stieß zum zweitenmal auf die Erde und sprach: „Mein Bruder! zweifle nicht! Maria ist eine Jungfrau bei der Geburt." Und wiederum erhob sich eine prachtvolle Lilie aus dem Schooße der Erde. — Und auch zum drittenmale that Aegidius dasselbe und sprach: „Mein Bruder! zweifle nicht! Maria ist Jungfrau nach der Geburt." Und auch zum drittenmal erhob sich eine blendend weiße Lilie. — Eiligen ^ Schrittes und voll Verwunderung über diesen denkwürdigen Vorfall entfernte sich der gelehrte Theologe; seine Zweifel waren verschwunden und sein Herz beruhiget. — Wer sollte an der ewigen Jungfräulichkeit Mariens auch nur einen Augenblick zweifeln können, da sie ja die Mutter Christi, des göttlichen Sohnes, ist? „Wie Christus der Ewigjungfräuliche ist," sagt der heilige Hieronymus, „so ist auch die Mutter dieses Ewigjungfräulichen eine ewige Jungfrau; sie ist Mutter und Jungfrau zugleich." Fr. Wo wurde Christus geboren? Antw. Zu Bethlehem in einem Stalle. Belehrung. Der göttliche Heiland, der Erlöser der Welt, wurde nicht in einem herrlichen Palaste, nicht in einer fürstlichen Wohnung, ja auch nicht einmal in einem einfachen bürgerlichen oder ländlichen Hause, sondern verstoßen von allen Hausbesitzern zu Bethlehem, mitten auf dem Wege in einem ärmlichen Stalle geboren. Und dieß nicht ohne Grund. „Christus wollte auf dem Wege geboren werden," sagt der heilige Petrus Chrysologus, „damit ihn Jedermann finden könne; und damit sich Jeder getraue, ihm zu nahen, Am Feierabende so wurde er nicht in seiner Heimat, nicht in einem Hause, sondern in der Fremde, gleichsam auf offener Straße geboren." Ein Stall also war die erste Wohnung, die Geburtsstätte des göttlichen Heilandes, seine Wiege bestand in einer schlechten Krippe, sein Bett aus Heu und Stroh, seine Umgebung ans zwei verachteten Thierlein, aus Lirmen Hirten, auö der armen Jungfrau Maria und dem armen Zimmermanne Joseph. Der Herr Himmels und der Erde läßt sich zur Erde nieder, und überall umgibt ihn nur Armnth und Niedrigkeit! Biblische Erzählung und Anwendung. Dieses freudenreichste Ereigniß der Geburt Christi erzählt uns die heilige Schrift in folgenden Worten: „Es geschah, daß vom Kaiser Angustns ein Befehl ansging, das ganze Land zu beschreiben. Dieß war die erste Beschreibung und geschah durch Ehrmus, den Statthalter von Syrien. Und Alle gingen hin, sich anzngcben, ein Jeder in seine Stadt. Und es ging auch Joseph von Galiläa von der Stadt Nazareth nach Judäa in die Stadt Davids, welche Bethlehem heißt, weil er aus dem Hanse und Geschlechts Davids war, um mit Maria, seinem verlobten Weibe, die schwanger war, sich anzngcben. Es begab sich aber, als sic daselbst waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren erstgebornen Sohn, wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war. Und es waren Hirten in derselben Gegend, die hüteten und Nachtwache hielten bei ihren Heerdeu. — Und siehe! ein Engel des Herrn stand vor ihnen, und die Herrlichkeit Gottes umleuchtete sie, und sie fürchteten sich sehr. Der Engel aber sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Denn siehe! ich verkündige euch eine große Freude, die allem Volke widerfahren wird; denn heute ist euch in der Stadt Davids der Heiland geboren worden, welcher Christus, der Herr, ist. Und dieß soll euch zum Zeichen sein: Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln eingc- wickclt und in einer Krippe liegend. Und sogleich war bei dem Engel eine Menge himmlischer Hecrschaaren, welche Gott lobten und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind! Und es geschah, als die Engel von ihnen weggingen in den Himmel, sprachen die Hirten zu einander: Lasset uns bis nach Bethlehem gehen und das sehen, was zu uns gesprochen worden ist, und was der Herr uns angezeigt hat. Und sie kamen eilends und fanden Maria und Joseph, und das Kind in der Krippe liegen. Als sie es aber sahen, fanden sie wahr, was von diesem Kinde zu ihnen gesagt worden war. Und Alle, die es hörten, verwunderten sich über die Dinge, welche die Hirten ihnen erzählt hatten . . . Und die Hirten kehrten zurück und priesen und lobten Gott über Alles, was sie gehört und gesehen hatten, sowie ihnen gesagt worden war." Wer liest und hört nicht immer wieder mit neuer Freude diese liebliche Erzählung! O daß wir doch recht oft mit heiliger Begeisterung dieses freudenreiche Ereigniß der Geburt Christi, kunseres Herrn und Heilandes, begrüssen und uns hineinden- en möchten in jenen heiligen Stall zu Bethlehem, um da- Mchler, Hausbuch. des 3. Februar. 89 selbst die Liebe und gränzenlosc Güte unseres Gottes zu bewundern und anzustaunen! Fr. Warum wollte Christus als ein kleines Kind geboren werden? Hätte er nicht sogleich als ein vollkommener Mann erscheinen können? Ankw. Allerdings; er wollte aber als Kind geboren werden, 1) um der Sohn einer Jungfrau werden zu können, 2) um sogleich Alles an sich zu ziehen. Belehrung. Christus hätte allerdings sogleich als ein vollkommener Mann erscheinen können in Macht und Majestät; allein er wollte als Kind geboren werden: 1) um der Sohn einer Jungfrau werden zu können und den jungfräulichen Stand eben dadurch recht hoch zu ehren; 2) um sogleich Alles an sich zu ziehen. Was ist denn liebenswürdiger als ein Kindlein? Vor dem großen Herrn fürchtet sich der gemeine Mann, voll Scheu und Ehrfurcht tritt er schüchtern zurück; aber einem holden Kinde nähert sich Alles ohne Furcht, mit Freude und Liebe geht nian zu ihm hin. Daruni sagt der heilige Paulus (Dt. 3, 4.): „Hierin ist uns die Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Heilandes erschienen." — Als die Engel Gottes den Hirten die Geburt des göttlichen Heilandes verkündigten, da sprachen sie: „Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln eingewickelt." Sogleich sprachen die Hirten ganz freudetrunken zu einander: „Kommet, lasset uns hinübergehcn nach Bethlehem und dort schauen das zarte und holdselige Kindlein!" Sie machen sich auf, gehen hin und umarmen das Kind. Hätten die Engel den Hirten verkündet, daß sie einen mächtigen König auf einem Throne, mit einem goldenen Scepter in der Hand, umgeben von einem glänzenden Gefolge, beschützt von tausend geharnischten Männern finden würden, so stände es sehr im Zweifel, ob die armen guten Hirten sich wohl auch aufgemacht hätten, um Christum aufzusuchen. Fr. Warum erschien Jesus in solcher Armuth und Dürftigkeit? Antw. Um gleich bei seiner Geburt für unsere Hoffart und Weltliebe genug zu thun und schon beim Eintritte in die Welt durch sein Beispiel zu lehren, was er nachmals durch die Worte gelehrt hat: „Lernet von mir, weil ich sanftmüthig bin, und demüthig vom Herzen." (Matth, kl, 29.) Belehrung. Jesus Christus ist ein so armes, dürftiges Kind geworden: 1) weil er uns liebte, 2) weil er uns lehren wollte, gerne arm und demüthig zu sein. Darum schreibt der heilige Bernhard: „Wozu, 12 9V Erstes Hauptstück. Kindheit und Jugendjahre Jesu. meine Brüder! war es nöthig, daß sich Christus so sehr erniedrigte, daß der Herr, die Majestät selbst, sich einen solchen Abbruch that? Wozu anders, als daß wir es auch so machen? Er ruft nun schon laut mit dem Beispiele aus, was er in der Folge mit Worten verkünden wird: „Lernet von mir! denn ich bin sanftmllthig unv demüthig vom Herzen." Beispiel und Anwendung. Ein sehr reicher Mann, welcher die heiligen Orte besuchte, fühlte sich außerordentlich ergriffen, als man ihm die Grotte zeigte, in welcher der göttliche Heiland geboren wurde. Er fiel auf sein Angesicht nieder, und nachdem er den zur Erlösung der,,Welt Mensch gewordenen ewigen Gott angebetet hatte, rief er aus: „Hier, in diesem dunkeln Orte, in dieser schlechten Höhle ist mein Erlöser geboren worden; er ist in der Armuth und in der Niedrigkeit geboren worden! Und ich, ich habe Güter in Hülle und Fülle, ich lebe im Ueberflusse! Ach, ich will nicht länger mehr in einem Zustande leben, der ganz anders ist als jener, in welchem mein Jesus geboren wurde und lebte!" Bald darauf verkaufte er all' seine Habe, vertheilte den Erlös unter die Armen und zog sich in ein Kloster zurück, in welchem er sein erbauliches Leben mit einem heiligen Tode beschloß. — O möchten alle Neichen und Ansehnlichen dieser Erde recht oft das arme und demüthige Jesuskindlein in der Krippe betrachten, um von ihm Liebe zur Armuth und De- mulh, sowie Geduld in allen Leiden und Trübsalen dieses Lebens zu lernen! Die Armen und Verlassenen aber sollen bei ihm Trost und Stärke in ihrer Armuth und Verlassenheit suchen; ist ja auch das liebe Jesukindlein arm und verlassen von der ganzen Welt in diesem Thränenthale erschienen, arm und verkästen hat er hienieden gelebt, arm und verlassen ist er wieder zu seinem Vater heimgegangen! Kann es also für den Unglücklichen ein tröstlicheres Bild geben, als das liebe Jesukindlein in der Krippe? Ließ hat in allen seinen Leiden und Verfolgungen auch der heilige Bischof und Märtyrer Blasius erfahren, dessen Fest wir heute feiern. Legende: Der heilige Blasius, Bischof und Märtyrer, (4 316.) Arm und demüthig, wie das liebe Jesukindlein, war dieser fromme Bischof sein ganzes Leben hindurch. Wegen seines lebendigen Glaubens, wegen seiner innigen Liebe und seines vollkommenen Wandels ward er von den Gläubigen zu Sebaste einstimmig zu ihrem Bischöfe erwählt. Sein Leben für seine Heerde zu erhalten, entzog sich BlasiuS der Verfolgung des LiciniuS, dessen Befehle der Statthalter Agrikola mit blutdürstiger Wuth vollzog. Sein Aufenthaltsort war nun eine Felsenkluft, wo er sich unter strengem Fasten dem Gebete und der 'Betrachtung widmete. Als der Statthalter eine Jagd in jener Gegend entstellte, und die Jäger in der Felsenhöhle den Bischof Blasius erkannten, wurde er ergriffen und zur Stadt geführt. Unterwegs redete er den Heiden Worte des Heiles an'S Herz, bekehrte mehrere derselben zum christlichen Glauben und heilte verschiedene Kranke. Einem Knaben, welcher der einzige Sohn einer Wittwe war, blieb, als er Fische aß, eine Gräte im Schlunde stecken, die durch kein natürliches Hilfsmittel heranSgebracht werden konnte. Der Tod schien unvermeidlich und schon nahe zu sein, als die tiefbekümmerte Mutter ihren Sohn zu dem heiligen Blasius trug und unter Thränen flehte, daß er den Knaben von dem tödtlichen Uebel befreien wolle. Der Bischof betete voll Inbrunst zu Gott, legte dem Knaben seine Hände auf und gab ihn gesund in die Hände der Mutter zurück. Deßhalb wird er als besonderer Patron in Halskrankh eiten verehrt, — Als Blasius zu Sebaste angekommen war, versuchte es Agri- kola, ihn durch Schmeicheleien zu gewinnen und zurVer- längnung zu bewegen. Als er aber seine Bemühung durch die Standhaftigkeit des Bischofs vereitelt sah, ließ er ihn mit Stöcken grausam schlagen und dann in's Ge- fängniß wieder zurückführen. Oesters wurde der Heilige vor Gericht gestellt, und immer aufgefordert, den Göttern zu opfern; allein er blieb standhaft im Glauben. Hierauf wurde er enthauptet um das Jahr 316. Gebet. Verleihe uns, wir bitten dich, allmächtiger Gott! daß wir von dem neugebornen göttlichen Heiland Demuth und Sanftmuth lernen möchten, wie der heil. Bischof und Märtyrer Blasius. Um dieses bitten wir dich durch ebendenselben Christum unfern Herrn. Amen. Fünfunddreißigstes Lesestück. Am Feierabende des 4. Februar. Kindheit und Jugendjahre Jesn. Fr. Wie erging es dem göttlichen Heilande in seiner Kindheit? Antw. Nach seiner Geburt im Stalle zu Bethlehem Am Feierabende des 4. Februar. 91 wurde er von den Engeln des Himmels, von den Hirten ans dem Volke Israel und von den Weisen ans dem Morgenlande angebetet ; am achten Tage nach seiner Geburt wurde er beschnitten, wobei er den Namen Jesus erhielt, am vierzigsten Tage aber wurde er im Tempel zu Jerusalem aufgcopfert. Hieraus flüchtete» sich seine Eltern mit ihm nach Aegypten, um der grausamen Hand des Herodes zu entgehen; nach dem Tode dieses Tyrannen aber kehrte das göttliche Kind mit seinen Eltern wieder zurück und wohnte in stiller Zurückgezogenheit bis zu seinem dreißigsten Jahre in Nazareth. Fr. Was that Jesus in seinem zwölften Lebensjahre? Antw. In seinem zwölften Lebensjahre ging Jesus mit seinen Eltern nach Jerusalem und blieb dort drei Tage im Tempel, um uns zu zeigen, wie wir Freude am Gebete und am Unterrichte haben und gerne im Hanse Gottes verweilen sollen. Biblische Erzählung. Die heilige Geschichte erzählt uns diese schöne Begebenheit in folgender Weise: „Es gingen die Eltern Jesu alle Jahre nach Jerusalem auf das Osterfest, und als Jesus zwölf Jahre alt war, reiscten sie, wie gewöhnlich, zum Feste nach Jerusalem; und da sie am Ende der Festtage wieder zurückkehrten, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem, ohne daß es seine Eltern wußten. Da sie aber meinten, er sei bei der Reisegesellschaft, so machten sie eine Tagreise und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten; und da sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn. Und es geschah, nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel, sitzend unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte. Und es erstaunten Alle, die ihn hörten, über seinen Verstand und seine Antworten; und als sie ihn sahen, wunderten sie sich; und seine Mutter sprach zu ihm: „Kind, warum hast du uns das gethan? Siehe! dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht;" und er sprach zu ihnen: „Warum habt ihr mich gesucht? Wußtet ihr nicht, daß ich in Dem sein muß, was meines Vaters ist?" Sie aber verstanden die Rede nicht, die er zu ihnen sagte. Und er zog hinab mit ihnen nach Nazareth und war ihnen unterthan; und seine Mutter bewahrte alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit und Alterund Gnade bei Gott und den Menschen." (Luk. 2 , 41 — 52 .) Fr. Was soll hieraus insbesonders die christliche Jugend lernen? Antw. Die christliche Jugend soll insbesonders hieraus lernen willig gehorsamen, Freude am Gebete und am Unterrichte haben, gerne im Hause Gottes verweilen und an Weisheit und Gnade wie an Alter zunehmcn. Beispiel und Anwendung. Ein frommer Knabe erhielt einst ein Bild znm Geschenke, welches den göttlichen Heiland in seiner Kindheit vorstellte, wie er in seiner Rechten ein vor Liebe brennendes Her; trägt. Täglich trat er vor dieses Bild, nahm gleichsam sein Herz, verglich cS mit dem Herzen Jesu, indem er sich fragte: „ Ist mein Herz auch so, wie das heilige Herz Jesu? Bin ich auch dem Kinde Jesu ähnlich geworden? Bin ich so fromm und gehorsam, habe auch ich eine so große Freude am Gebete uud am Unterrichte, verweile auch ich so gerne im Hause Gottes, diene auch ich mit solcher Liebe Gott und den Menschen? Nehme auch ich zu an Weisheit und Gnade wie an Alter?" Durch diese fromme Uebung wurde aus diesem Kinde ein braver Mann und ein treuer Diener Gottes. Sich', so sollen cs alle Kinder, ja alle Christen machen! Betrachte daher auch du, o Christ! recht olt das göttliche Kind Jesns und lerne von ihm alle Tugenden, die einen braven Christen vortrefflich zieren und für Zeit und Ewigkeit glücklich machen. Fr. Was wissen wir noch weiter aus der Lebensgeschichte Jesu? Antw. In seinem dreißigsten Jahre ließ sich Jesus von Johannes im Flnße Jordan taufen, wobei ihn der himmlische Vater öffentlich als seinen Sohn erklärte; hierauf begab er sich in die Wüste, um sich daselbst auf sein Erlösungswerk vorzubereiten, fastete vierzig Tage und Nächte, und wurde dann vom Teufel versucht, den er jedoch von sich trieb. (Matth. 4.) Nach dieser ernsten Vorbereitung in der Wüste trat er öffentlich auf, ging überall umher, that Wunder und beglaubigte seine göttliche Sendung durch seine Lehre, seine Wunder und Weissagungen und^urch die Heiligkeit seines Lebens. — Fr. Warum hat Christus dieses Alles gethan? Antw. Um sich dadurch als unfern von Gott gesandten Erlöser und zugleich als unser Vorbild zur treuen Nachahmung darzustellen. Belehrung. Dadurch, daß der göttliche Heiland so außerordentliche Wunder wirkte uud künftige Dinge voraussagte, von denen kein Mensch noch Etwas ahnen konnte, zeigte er sich offenbar als den Gesandten Gottes, als Gott. 12 * 92 Erstes Hauptstück. Kindheit und Jngendjahre Jesn. selbst; denn einen Betrüger wird doch Gott wohl nicht mit Wunder und Weissagungen ausrüsten! — Durch sein heiliges Leben aber wurde der göttliche Heiland uns Allen ein Vorbild zur treuen Nachahmung, ein Vorbild in jeder Tugend, ein Muster der Sanftmuth und Deniuth, der Geduld bei allen ungerechten Verfolgungen, bei allen Leiden und Qualen, ein Muster des Gehorsams gegen seinen himmlischen Vater bis zum Tode, der Güte und Barmherzigkeit gegen Alle, selbst gegen seine ärgsten Feinde, ein Muster des Eifers für Gottes Ehre und das Heil der Menschen, kurz der erhabenste Tu- gendspiegel für alle Christen jedes Alters und jedes Standes. O daß wir doch Alle in die Fußstapfen unsers göttlichen Heilandes cintreten möchten! Beispiel und Anwendung. Ein sehr gottesfürchtiger Jüngling aus Siena hatte einst einen Traum. Er sah sich in einen hohen und weiten Tempelban versetzt, dessen Boden mit Staub und Asche bedeckt war. Die großen Thürflügel öffneten sich; in der Gestalt eines Dürftigen und Leidenden trat der Erlöser herein, und wanderte durch die Länge des Tempels bis zum Sanctnarium, wo er auf einen Thron sich setzte; die blutigen Fußstapfen blieben in der Asche sichtbar. Nach ihm kam seine jungfräuliche Mutter; sie betrat Schritt für Schritt die Fußstapfen ihres göttlichen Sohnes, und als sie zu ihn: gelangt war, erhob er sie auf einen Sitz zu seiner Seite. Darauf erschienen die Apostel, die apostolischen Gehilfen und Lehrer, die Märtyrer und Bekenner; sie hielten sich sorgfältig ans dem vorgezeichneten Pfade, gelangten zum Herrn und wurden von ihm liebreich ausgenommen. Hinter ihnen drängten sich große Schaaren treuer Nachfolger Christi aus allen Völkern und Ständen. Der brave Jüngling fühlte es nur zu gut, daß er durch dieses Traumgesicht aufgefordert werde, sich an diese treuen Nachfolger anzuschließen und in die Fußstapfen Christi einzutreten; und er säumte nicht, diesem Winke zu folgen, und wurde ein treuer Anhänger und Nachfolger des göttlichen Heilandes. — Thue auch du des Gleichen, mein Christ! denn siehe, deßwegen wurde ja der Sohn Gottes Mensch, um dir durch sein eigenes Leben sowohl, als durch seiu Wort den Weg zur Tugend und Heiligkeit zu zeigen. Darum folge ihm nach und tritt ein in seine Fußstapfen, und du wirst mit ihm eintreten in seine Glorie! Legende: Der heilige Andreas Corsini, Bischof. (1- 1373.) Ein recht treuer Nachfolger Christi war auch der heilige Andreas Corsini, dessen Andenken heute in der Kirche begangen wird. Er war der Sohn vornehmer und gottesfürchtiger Eltern zu Florenz. In seiner Jugend zwar lebte er ganz nach dem Sinne der Welt, indem er nur den Freuden und Genüssen dieses Lebens nacheilte und ganz und gar ans Gott und sein Seelenheil vergaß. Als aber einmal seine Mutter weinend vor einem Bildnisse der seligsten Jungfrau kniete und um die Bekehrung ihres unglücklichen Sohnes betete, da trat eben »»1 Andreas herein und fragte die tiefbetrübte Mutter mn die Ursache ihrer Thränen. Kaum hatte er die Ursache hievon erfahren, so mischte er seine Thränen in die der Mutter und versprach ihr, aus einem Wolf ein Lamm zu werden. (Es hatte nämlich seine Mutter vor der Geburt dieses Kindes geträumt, sie werde einen Wolf zur Welt bringen, der später in ein Lamm verwandelt würde.) Und Andreas hielt Wort.' Er trat in den Karineliten- orden, und von da auch zugleich in die Fnßstapfen Jesn Christi und seiner Heiligen ein; sein Leben wurde ein heiliges, ein himmlisches, so daß er znm Vorsteher seines Klosters und bald darnach znm Bischof von Frisoli erwählt wurde. Nun lebte er nur in und für Gott, bis er 1373 voll Freude und im Vorgefühle seiner künftigen Seligkeit ruhig und gottergeben im Herrn verschied. Sein Leichnam wurde in der Karmelitcnkirche zu Florenz begraben. Urban VIII. versetzte ihn im Jahre 1629 unter die Zahl der Heiligen und verordnete seinen Festtag ans den 4. Februar. — Siehe, mein Christ! so ehret Gott seine Diener, so belohnt Christus Alle, die Ihm treu Nachfolgen. Gebet. Göttlicher Herr und Heiland Jesus Christus! gib uns die Gnade, daß wir, wie der heilige Bischof Andreas Corsini, in deine heiligen Fußstapfen eintreten und mit Freude die harten und rauhen Wege dieses Lebens wandeln, ans daß wir einst durch die schmale Pforte eingehen in deine Herrlichkeit, der du lebest und regirest mit Gott dem Vater und dem heiligen Geiste von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 93 Am Feier, -rT^rs^ Sechsunddreißigstes Lesestnck. Am Feierabende des 5. Februar. Vierter Glaubensartikel: „Gelitten unter Pontio Pilato, gekreuzigt, gestorben und begraben." Die Leiden Jesu am Oelberg. Fr. Welchen Eindruck machten die Wunder und Weissagungen, sowie das fromme und heilige Leben des göttlichen Heilandes auf das jüdische Volk? Antw. Er gewann hiedurch zwar die Gutgesinnten, die freudig an ihn glaubten; allein die Pharisäer waren seine erbittertsten Feinde, die ihn durch verschiedene Lästerungen bei dem wankelmüthigen Volke zu verdächtigen suchten und nicht eher ruhten, als bis sie ihren Haß in seinem Blute stillten. Darum folgt jetzt im apostolischen Glaubensbekenntnisse der vierte Glaubensartikel: „Gelitten unter Pontio Pilato, gekreuzi- get, gestorben und begraben." Fr. Wo fängt Christus sein Leiden an? Antw. Auf dem Oelberg, im Garten Gethsemani. Belehrung. Christus war gekommen als der zweite Adam, um für die Sünde des ersten Avam Genugthuung zu leisten. Die erste Sünde war aber im Garten begangen des 5. Februar. worden. Dort hatte Adam durch seinen Ungehorsam über das ganze Menschengeschlecht Unheil und Verderben gebracht; darum wollte auch der zweite Adam bei seiner Ankunft durch den Gehorsam im Garten das große Werk der Erlösung beginnen. Fr. Was hat der göttliche Heiland im Oclgartcn gelitten? Antw. Todesangst, Verrath und Gefangennehmung. Biblische Erzählung. Dieß Alles wird uns in der heiligen Schrift also erzählt: „Nachdem der göttliche Heiland mit seinen Jüngern das letzte Abendmal gefeiert hatte, ging er hinaus in den Mcierhof, Gethsemani genannt. Er nahm den Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus mit sich und fing an, sich zu betrüben und traurig zu sein. Da sprach er zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis in den Tod; bleibet hier und wachet mit mir! — Und er ging ein wenig vorwärts, fiel auf sein Angesicht, betete und sprach: Mein Vater! wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch von mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst! Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn.. Und als ihn Todesangst befiel, betete er länger; und sein Schweiß ward wie Tropfen Blutes, das auf die Erde rann. — Und er kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend und sprach zu Petrus: Habet ihr denn nicht eine einzige Stunde mit mir wachen können? Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet! Der Geist ist zwar willig, aber das Fleisch ist schwach. — Wieder ging er hin zum zweiten Male, betete und sprach: Mein Vater! ist es nicht möglich, daß dieser Kelch vorübergehe, ohne daß ich ihn trinke, so geschehe dein Wille! — Und er kam abermal und fand sie schlafend; denn ihre Augen waren beschwert. Da verließ er sie, ging wieder hin und betete zum dritten Mal, indem er die nämlichen Worte sprach. Dann kam er zu seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Schlafet nur und ruhet! — Siehe! die Stunde ist herbcigekommen, da der Menschensohn in die Hände der Sünder überliefert wird. Stehet auf, lasset uns gehen! Siehe! der mich verrathen wird, nahet sich. — Und da er noch redete, siehe! da kam Judas, einer von den Zwölfen, und mit ihm ein großer Haufe, mit Schwertern und Prügeln, abgeschickt von den hohen Priestern und Aeltestcn des Volkes. Sein Verräther aber hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Den ich küssen werde, der ist's, Den ergreifet! Und sogleich trat er zu Jesus und sprach: Sei gegrüßt, Meister! und er küßte ihn. — Jesus aber sprach zu ihm: Freund, wozu bist du gekommen? — Dann traten sie hinzu und legten Hand an Jesus und ergriffen ihn." — Wer mag des göttlichen Heilands Seelenleiden schildern, da ihm der heilige Schweiß wie Blut herabrann? Wer mag den Schmerz ermessen, den er empfunden, als er sich von seinem eigenen Freunde verrathen und verkauft sah? — Christliche Seele! wandere oft im Geiste hin in den Garten Gethsemani; wenn innere Qual und Herzensangst dich quälet, so gehe hin in diesen heiligen Garten! Gehe hin und fürchte Nichts! Denn da steht kein Cherub mehr mit dem flammenden Schwerte, sondern ein En- 94 Erstes Hauptstück. Die Leiden Jesu am Oelberg. gel des Herrn mit dem Kelche des Trostes und der Stärke. Lerne da Ergebung in Gottes heiligen Willen, mag es dir gehen, wie es wolle! Fr. Warum gerietst der göttliche Heiland auf dem Oelberg in Todesangst? AntW. Weil er alle Sünden sah, die er jetzt auf sich nahm und zugleich all die erschrecklichen Qualen und Martern, die er dafür erdulden mußte. Belehrung. Bei dem Anblick aller Sünden, die ersetzt auf sich nahm, und der schrecklichen Peinen, die er dafür erdulden sollte, in Voraussetzung des entsetzlichen Undankes, den er für all' sein Wohlthun von seinem Volke ernten wird, und an wie Vielen sein bitteres Leiden, weil sie ihm nicht glauben und gehorsamen wollen, vergebens, ja auch zur noch größeren Verdammniß sein werde, gerieth Christus in eine solche Bctrübniß und Bangigkeit, daß er blutigen Schweiß vergoß und dreimal den Vater um Wegnahme dieses Leidenskelches anflehte, jedoch allzeit voll Ergebung hinzufügte: „Nicht mein Wille geschehe, sondern der deinige!" — Und es erschien ein Engel, tröstete und stärkte ihn. Beispiele und Anwendung. Wie der göttliche Heiland am Oelberg, so sollen auch wir, meine Christen! alle Leiden mit Ergebung in Gottes heiligen Willen annehmen und ertragen; der Herr wird uns seinen Engel senden und uns die Leiden nicht nur erträglich, sondern sogar süß und angenehm machen. Dieß hat die heilige Klara an sich erfahren; daher rief sie in den letzten Wochen ihrer Krankheit freudig aus: „Unendlichen Dank bin ich meinem Heiland schuldig; er hat mir den Kelch der Leiden gereicht; o dieser Kelch schmeckt so süß; Nichts kann mich betrüben, Alles ist meinem Herzen erträglich und leicht, weil es meinen Erlöser liebt!" Weigere dich daher nicht, mein Christ! mit deinem Gott und Heiland den Kelch der Leiden zu trinken! — Josephine, die einzige Tochter vermöglicher Eltern, lag schwer krank darnieder, und sie wollte die bittere Arznei nicht mehr trinken, die ihr der Arzt vorgeschriebcn hatte. Da nahm die Mutter ein liebliches Bildchen, Christum am Oelberg vorstellend, und zeigte es dem kranken Kinde mit den Worten: „Liebe Josephine, sieh doch dieses wunderschöne Bildchen an; betrachte, wie dein guter Jesus so bereitwillig aus der Hand des himmlischen Vaters den Kelch, ach! den so bittern Kelch der Leiden entgegcnnimmt und ihn aus Liebe zu uns bis auf den Boden hinab ausleeret! Hätte er diesen Kelch nicht getrunken, so wäre unsre unsterbliche Seele nicht geheilet worden. Wie, und du willst das Bischen bittere Arznei nicht trinken, das ja nur zur Wiederherstellung deiner Gesundheit dient? Schämst du dich nicht? Dein Heiland trank alle Bitterkeiten aus bis auf die Hefe, und du wolltest nicht einmal einen Lössel voll davon genießen? Josephine, gutes Kind! könntest du denn dieß über dein Herz bringen?" — Mit einem sonderbaren Blicke sah die Kranke auf die liebende Mutter hin, und nach einem Augenblicke Bedenkzeit griff sie nach der bittern Arznei und sprach: „ Gib her, Mutter! Des Herrn Wille geschehe! Meinem Gott zu Lieb' trinke ich von nun an herzlich gerne die bittere Arznei." Nach diesen Worten nahm sie den Löffel mit dem herben Trank, warf einen Blick auf das schöne Bildchen und schlürfte den ganzen Inhalt ruhig hinunter, ohne dabei auch nur eine Miene zu verziehen. — Voll Freude über den glücklichen Erfolg ihrer zartsinnigeu Erfindung ließ die gute Mutter das Bild in der Nähe des Krankenbettes aufhängen; und so oft sie der geliebten Patientin den bittern Trank reichte, zeigte sie nur auf das Bild, und Josephine nahm ruhig und freudig ans der Hand der Mntter die garstige Medizin, die ihr zum Heile der Seele und des Leibes diente. — Wenn der himmlische Vater, der göttliche Arzt, dir mein Christ! die bittere Arznei der Leiden und Trübsale vorschreibt, so weigere dich ja nicht mehr, sie zu trinkeu; betrachte den Sohn Gottes am Oel- berge, und es wird dir nicht schwer werden, so zu thun, wie er gethan hat! Fr. Von wem wurde der göttliche Heiland verrathen ? AntW- Von seinem gottlosen und geldgierigen Jünger, Judas Jskarioth. Belehrung. Nachdem der göttliche Heiland durch einen Engel gestärkt worden war, trat er ruhig und getrost zu den Knechten der Hohenpriester hin, die inzwischen erschienen waren, und an deren Spitze sich der unglückliche Apostel Judas befand, der den Heiland um dreißig Silberlinge mit einem Kuß an seine Feinde verrieth. Vergebens suchte Jesus den Ver- räther auch jetzt noch, wie schon beim letzten Abendmahle durch die liebreichsten Worte zur Erkenntniß seiner Schuld und zur wahren Reue zu bringen; aber die leidenschaftliche Habsucht hatte ihn schon ganz verblendet. Allein auch die Strafe blieb nicht lange aus. Judas erkannte die Größe seines Verbrechens, er gerieth in Verzweiflung, ging hinaus und — erhenkte sich! Fr. Was hatte Christus am Oelberg noch weiter zu leiden? AntW. Die gewaltsame Gefangennehmung durch die grausamen und unbarmherzigen Henkersknechte. Belehrung. Der Allmächtige, über den Niemand eine Macht hat, wird gebunden und in Ketten geworfen; er gab es der wilden Rotte allerdings zu verstehen, daß sie über ihn Nichts vermöchten; allein da die Zeit der Erlösung gekommen war, so überließ er sich bereitwillig seinen Feinden. Diese legten schnell Hand an ihn, banden ihn und führten ihn unter Hohn und Gewaltthätigkeiten zurück nach Jerusalem. Und was geschieht weiter? Ach, alle seine Jünger verlassen ihn! Welch ein Schmerz für den göttlichen Heiland! —^ Mein Christ! Am Feierabende des 5. Februar. 95 gehörst etwa auch du zu jenen Unglücklichen,, die ihren Herrn und Meister verrathen, wie Judas, oder verlassen, wie die übrigen Jünger, oder ihn gar in Ketten werfen, wie die Henkersknechte?! Beispiel und Anwendung. Ein römischer Edelmann hatte einen einzigen Sohn, den er mit zärtlicher Liebe auferzog und in allen Wissenschaften unterrichten ließ, die sich für einen adeligen Jüngling geziemten. Er würde nicht bloß sein Vermögen, sondern sogar sein eigenes Leben mit Freuden geopfert haben um seines Sohnes willen; weil er hoffte, daß er einst mit kindlicher Dankbarkeit und inniger Liebe Stab und Stütze seines Alters und die Ehre seines Hauses sein würde. Aber der Sohn befleckte, in schändlichem Ungehorsam gegen seinen Vater, mit Ausschweifung und Schwelgerei den Adel seiner Geburt, und faßte sogar in wilder Leidenschaft den gräßlichen Entschluß, Demjenigen das Leben zu nehmen, von dem er sein Leben auf Erden empfangen hatte. — Er ging zum Kaiser Tiberius und klagte seinen Vater mit schamloser Lüge bei diesem argwöhnischen Tyrannen an, daß er sich wider das Leben des Kaisers verschworen hätte. Der alte Vater wurde zu einem Verhöre vor Gericht gezogen, und erschien mit grauen Haaren, schmählich wie ein Knecht mit Ketten gebunden, mit thränenennafsem Auge und im Trauerkleide eines Verbrechers. Sein Sohn trat mit frecher Stirn in vielfarbigen Kleidern als Kläger auf und wiederholte in Gegenwart des römischen Kaisers und der ehrwürdigen Richter noch einmal die schamlose Lüge, daß sein Vater sich wider das Leben des Kaisers verschworen hätte. — Serenus, so hieß der Vater, kehrte sich wider seinen Sohn, schüttelte seine Ketten und rief laut in der Versammlung aus: „Diese Hände, o Sohn! haben dich als Kindlein oft geherzt und mit väterlicher Zärtlichkeit getragen; und jetzt sind sie von dir gebunden mit eisernen Ketten. Diese Haare, die in der Sorge für dein jugendliches Leben und Heil in mancherlei Trübsal grau geworden sind, sind jetzt von dir mit tiefer Schmach bedeckt und erfüllen meine letzten Athemzüge mit Verzweiflung. Deine Zunge, die von mir in freundlicher Liebkosung die ersten Laute der menschlichen Sprache lernte, schmiedet jetzt die treulose Lüge, die mein Leben mit Schande in die Grube bringt. Das ist der Lohn für meine Thränen und Angst, das ist die Vergeltung für meine viele Mühe und Arbeit. Aber Gott möge eine Scheidewand setzen zwischen mir und dir; möge das Band zerreißen, das den Vater bindet an den Sohn, und dich auf ewig meinem Anblicke entziehen! Doch in deiner letzten Roth werde ich dir noch erscheinen, werde furchtbar diese Ketten schütteln, daß dir ihr Geräusch dumpf in die Ohren kracht und deine zagende Seele jämmerlich niederschlägt." — Selbst Kaiser Tiberius entsetzte sich bei diesem Schauspiel, und das Volk hob Steine auf, den ungerathenen Sohn für seine Undankbarkeit zu bezahlen. — Mancher von uns findet sich versucht, mit dem römischen Volke Steine zu ergreifen und ein Gleiches zu thun. Aber wartet noch eine Weile und behaltet die Steine für euch selbst! Wie heißt dieser Mann, der schuldlos in Ketten und Banden schmachtet? Ist es nicht JesusChristus, euer zärtlicher und liebevoller Vater, euer Erlöser und Seligmacher? Ach, wie Viele verläugnen diesen zärtlichen Vater und kränken ihn durch weltliche Gesinnung und schlagen ihn täglich auf's Neue in Ketten und Bande! O daß du, mein lieber Leser! nicht unter die Zahl dieser Unglücklichen gehören möchtest! Betrachte oft deinen göttlichen Heiland am Oelberg, betrachte seine Todesangst, den unseligen Verrath des gottlosen Judas, und die unbarmherzige Gefangennchmnng des unschuldigen Lammes — besonders, wenn am Donnerstag Abends das Glockenzeichen zur Todesangst Jesu gegeben wird, und du wirst zurückbeben vor jeder Sünde, auf daß du deinen Heiland nicht auf's Neue verrathest und in Ketten schlagest! Legende: Die heilige Agatha, Jungfrau und Märtyrin, (f 251.) Ein wahrer Engel im Fleische begegnet uns heute in der Legende, es ist dieß die heilige Agatha, die ebenso gottergeben, wie Christus am Oelberg, den Leidenskelch hinnahm und ihn bis auf die Hefe ausleerte. Diese Heilige stammte aus einem adeligen Hanse in Sicilien und zeichnete sich durch alle christlichen Tugenden aus. Sie befand sich eben in der Stadt Katana, als im Jahre 251 der heidnische Statthalter Quintianus dahin kam, um die Vcrfolgungsbefehle, welche Kaiser Dezins gegen die Christen hatte ergehen lassen, zu vollziehen. Sie mußte bald vor seinem Richterstnhle erscheinen, und er bot Alles auf, die schöne, edle und reiche Jungfrau zu bewegen, ein eheliches Büudniß mit ihm einzugehen; allein die reine Braut des Herrn, welche im heißen Gebete sich Stärke geholt hatte, widerstand allen Verheißungen und Drohungen. Quintianus ließ sie in das Haus eines verrufenen Weibes abführen, und glaubte, desto leichter ihren Sinn zu ändern: allein Agathas Tugend blieb unerschütterlich. Der Wüstling, in seiner Hoffnung getäuscht, ließ die Jungfrau wieder vor seinen Richterstuhl fuhren, dann als eine Verächterin der Gottheiten des Reiches auf die Folterbank werfen, ihre Seiten mit Ruthen und eisernen Hacken zerfleischen, sie endlich auf die empörendste Weise an der Brust verstümmeln und hierauf iu's Gefängniß abführen, wo sie hilflos verschmachten sollte. Um Mitternacht erschien dort der heilige Petrus in der Gestalt eines ehrwürdigen Greises, und brachte der Märtyrin im Namen Jesu vollkommene Heilung. 96 Erstes Hanptstück. Die Leiden Jesn vor seinen Richtern. Der Statthalter drang neuerdings in die Dienerin des Herrn, dem Christenthnme zu entsagen, und ließ, als alle Drohungen vergebens waren, ihren ganzen Körper wieder zerfleischen, auf glühenden Kohlen wälzen und sie dann in das Gefängniß zurückbringen. Dort angenommen, warf sich die edle Dulderin ans die Kniee, betete zu (Hott, daß Er ihre Seele anfnehmen wolle, und gab nach beendigtem Gebete ihren Geist auf. — Qnintianns eilte, sich in den Besitz ihres Vermögens zu setzen, fiel aber vom Pferde in das Wasser, und kam nicht mehr zum Vorschein. Gebet. Sende uns, himmlischer Vater! in Leiden und Trübsal?» deinen tröstenden Engel, auf daß auch wir, von ihm gestärkt, den Kelch der Leiden freudig hin- nehmen und geduldig trinken mögen, wie dein göttlicher Sohn am Oelberge und wie seine treue Dienerin Agatha. Durch ebendenselben Christum, unfern Herrn. Amen. Sicbemmddreißigstes Lesestnck. Am Feierabende des 6. Februar. Die Leiden Jesn vor seinen Richtern. Fr. Wohin wurde der göttliche Heiland vom Garten Gethsemani aus geführt? Anlw. Er wurde zum Hohenpriester Kaiphas geführt. Fr. Wie verfuhr man daselbst gegen ihn? Atttw. Man brachte falsches Zeugnis; wider Jesum vor, spie ihm in's Angesicht und schlug ihn mit Fäusten. Biblische Erzählung. Höre, christlicher Leser! was uns hierüber die heilige Geschichte erzählt: „ Nachdem Christus im Garten Gethsemani ergriffen worden war, führte man ihn zu Annas und von da zu Kaiphhas, dem Hohenpriester, wo die Schriftgelehrten und Aeltesten sich versammelt hatten.... Die Hohenpriester nun und der ganze Rath suchten falsches Zeugniß wider Jesum, damit sie ihn zum Tode überliefern könnten, und sie fanden keines, obwohl viele falsche Zeugen aufgetreten waren. Zuletzt aber kamen zwei falsche Zeugen und sprachen: „Dieser hat gesagt: Ich kann den Tempel Gottes ab- brcchen und nach drei Tagen wieder aufbauen." Da stand der Hohepriester auf und sprach zu ihm: „Antwortest du nicht auf das, was diese gegen dich zeugen?" Jesus aber schwieg still. Und der Hohepriester sprach zu ihm: „Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagest, ob du Christus, der Sohn Gottes, bist." Jesus sprach zu ihm: „Du hast es gesagt! Ich sage euch aber: Von nun an werdet ihr den Menschensohn zur Rechten der Kraft Gottes sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen." — Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: „Er hat Gott gelästert! Was haben wir noch Zeugen nöthig? Siehe! nun habet ihr die Lästerung gehört. Was dünket euch?" Sie aber antworteten und sprachen: „Er ist des Todes schuldig!" Dann spieen sic in sein Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten; Andere aber gaben ihm Backenstreiche in's Angesicht und sprachen: „Weissage uns, Christus! wer ist's, der dich geschlagen hat?" Fr. Was geschah weiter? Antw. Man überlieferte ihn dem Landpflegcr Pontius Pilatus, der ihn auf das ungestüme Verlangen der Juden zum Tode vcrnrtheilte, obschon er an ihm keine Schuld fand, dafür aber den Mörder Barabbas frei ließ. Biblische Erzählung. Auch dieß will ich dir wiederum, mein lieber Leser! im Auszüge mit den Worten der Evan- gellsten erzählen: „Als es Morgen ward, (also heißt es da weiter,) hielten alle Hohenpriester und Aeltesten des Volkes Rath wider Jesum, um ihn zum Tode zu überliefern. Und sic führten ihn gebunden und übergaben ihn dem Landpfleger Pontius Pilatus. . . . Jesus aber stand vor dem Landpfleger, und dieser fragte ihn und sprach: „Bist du der König der Juden?" Jesus sprach zu ihm: „Du sagst es!" — Und als er von den Hohenpriestern und Aeltesten angcklagt wurde, antwortete er Nichts. Da sprach Pilatus zu ihm: „Hörest du nicht, welche große Dinge sie wider dich bezeugen?" Und er antwortete ihm auch kein Wort, so daß der Landpflcger sich sehr verwunderte. — Es war aber gebräuchlich, daß der Landpfleger auf den hohen Festtag (vor Ostern) dem Volke einen Gefangenen losgab, welchen sie wollten. Nun hatte er damals einen berüchtigten Gefangenen, der Barabbas hieß. Da sie also versammelt waren, sprach Pilatus: „Welchen wollet ihr, daß ich euch losgebe? Den Barabbas oder Jesum?". . . Als er aber auf dem Richterstuhle saß, schickte sein Weib zu ihm und ließ sagen: „Habe du Nichts zu schaffen mit diesem Gerechten! Denn ich habe heute seinetwegen im Traume viel gelitten." Allein die Hohenpriester und Aeltesten beredeten das Volk, daß sie den Barabbas begehren, Jesum aber tödten lassen sollten. Und so verlangten sie die Loslassung des Barabbas. Und da Pilatus fragte: „Was soll ich dann mit Jesus machen?" riefen Alle: „Er soll gekreuzigt werden!" Der Landpfleger sagte zu ihnen: „Was hat er denn Böses gethan?" Sie aber schrieen noch mehr und sprachen: „Er soll gekreuziget werden!" Als nun Pilatus sah, daß er Nichts ausrichtete, sondern der Lärm größer wurde, nahm er Am Feierabende Wasser, wusch seine Hände vor dem Volke und sprach: „Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten; sehet ihr zu!" Und das ganze Volk antwortete und sprach: „Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder!" — Und nun führte man den unschuldigen Jesus fort, um ihn zu kreuzigen. Fr. Wie benahm sich Jesus dabei? Und was sollen wir hieraus lernen? AntW- Er schwieg und duldete, damit auch wir hieraus lernen sollen, zu schweigen, wo das Reden Nichts Hilst, und zu dulden da, wo man uns unschuldiger Weise lästert und schmäht. Belehrung. Was mag wohl der göttliche Heiland in seiner Seele empfunden haben, als er das Mordgeschrei der Inden hörte: „An's Kreuz mit ihm!" als er die falschen Anklagen, die Verläumdnngen und Schmähungen vernahm, die man wider ihn vorbrachte, wider ihn, der nichts Anderes kannte und wußte, als Segnen und Lieben, Lieben und Wohl- thün?! — Und wie benahm er sich bei allen diesen Unbilden und Mißhandlungen?-Er schwieg und duldete. — Lerne, christliche Seele! von deinem Herrn und Heilande Verfolgungen und Verläumdnngen mit Geduld ertragen, lerne schweigen, wo das Reden Nichts hilft, lerne dulden und lieben selbst auch da, wo man dich unschuldiger Weise lästert und schmäht! Ist es dem Meister so ergangen, warum soll es nicht auch dem Lehrlinge .so ergehen? „O Mensch! betrachte deinen Heiland vor seinen Richtern!" ruft uns deß- halb der heilige Augustin zu. „ Was kann dir Schmähliches widerfahren, was dein Erlöser nicht zuerst gelitten hätte?" Beispiel und Anwendung. Ein Diener Gottes war in tiefe Betrübniß versenkt; denn schwer hatte man ihn ver- laumdet, und diese Verlänmdung hatte ihm Haß und Verfolgungen zugezogen. Da wandte er sich in der Bitterkeit seiner Seele zum Herrn und sprach: „O mein Erlöser! wie lange noch willst du gestatten, daß ich also mißhandelt werde? Du weißt es, daß ich schuldlos an Allem bin, worüber böse Zungen mich schmähen!" Als er nun so betete, bedünkte es ihn. als sähe er unfern Heiland, vor seinen Richtern stehend, vom Volke verspottet, verachtet und mißhandelt und die Worte sprechend: „Und um welcher Schuld willen ward denn ich so abscheulich behandelt?" — Diese Worte wirkten so tief ans sein Herz, daß er sich höchlich erfreute, mit seinem göttlichen Herrn unschuldig verläumdet, verfolgt und verachtet zu werden; und er klagte nicht mehr, sondern dankte dem Herrn Jesus, daß Er ihn der Gleichförmigkeit mit ihm gewürdiget hatte. Folge auch du, mein Christ ! diesem schönen Beispiele, und dulde und leide, wenn dir unrecht geschieht, aus Liebe zu Jesus, deinem Gott und Heiland, der vor seinen ungerechten Richtern so viel leiden mußte, dabei aber duldete und schwieg! Mehler, Hausbuch. des 6. Februar. !)7 Legende: Die heilige Dorothea, Jungfrau und Marthrin. sch L^lJ lwWMWWUMMM llllll»« V IllMMUM M'. WUttÄiW MW»»! Gleich dem göttlichen Heilande stand einst auch vor ihren Verfolgern und Richtern voll himmlischer Geduld die heilige Jungfrau Dorothea, die durch den Martertod am heutigen Tage für den Himmel geboren wurde. Schon in ihrem zartesten Alter war sie mit dem Geiste Gottes erfüllt; ausgezeichnet durch Schönheit und Tugend, lebte sie zu Cäsarea in Kappadocieu ein wahrhaft englisches Leben. Als aber der Landpsleger Sa- pritius von dieser schönen und frommen christlichen Jungfrau hörte, ließ er sie vor seinen Nichterstnhl rufen. Er ließ Nichts unversucht, sie zum Abfalle von dem christlichen Glauben zu bewegen; allein die glänzendsten Versprechungen und die schärfsten Peinigungen trugen nur bei, die Standhaftigkeit der Glanbenshelrin noch mehr zu befestigen. Der entrüstete Landpfleger übergab sie hierauf zwei Schwestern, die ans Furcht vor der Marter den Glauben verlängnet hatten, und jetzt das Geschäft übernahmen, auch die reine Braut Christi für das Hei- denthnm zu gewinnen; aber es erfolgte das Gegentheil: die beiden Äbgefallenen wurden durch Dorothea wieder für den christlichen Glauben gewonnen und starben noch vor ihr des Martertodes. Voll Entrüstung sprach der Wütherich über Dorothea das Urtheil der Enthauptung aus. Als die Marthrin solches hörte, rief sic ans: „Mein Herr und mein Gott, keuschester Bräutigam meiner Seele, Jesus Christus! ich danke dir, daß du mich des Paradieses und deiner seligen Gemeinschaft würdigest." Ein angesehener Mann, der diese Worte gehört hatte und für Thorheit hielt, sagte zu ihr im spöttischen Scherze: „Höre, du Braut Christi! schicke mir doch aus dem Garten deines Bräutigams einige Aepfel oder Rosen." Mit feierlicher Ruhe antwortete auf Antrieb des heiligen Geistes »8 Erstes Hauptstiick. Die Leiden Jesu bei seiner Geißlung und Krönung. die Märtyrin: „Dein Verlangen soll erfüllt werden!" — Ein holder Knabe kam später zu ihm und überreichte ihm ganz frische, wunderschöne Aepfel und Rosen mit dem Bedeuten, daß Dorothea solche aus dem Garten ihres Bräutigams schicke. Er wurde sogleich Christ und starb dann ebenfalls als Märtyrer. — Dorothea empfing freudig den Schwertstreich, der ihre reine Seele auf ewig mit ihrem himmlischen Bräutigam vereinigte, am 6. Febr. 281. Gebet. Verleihe uns, o Herr und Heiland Jesus Christus! auf die Fürbitte der heiligen Jungfrau und Märtyrin Dorothea, daß auch wir alle Verfolgungen und Verleumdungen stillschweigend und geduldig hinnehmen und sie aus Liebe zu dir in frommer christlicher Gesinnung ertragen, der du lebest und regirest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Achtnnddreißigstes Lesestück. Am Feierabende des 7. Februar. Die Leiden Jesu bei seiner Geißlung nnd Krönung. Fr. Was geschah, ehe Pilatus Jesum den Soldaten zur Kreuzigung übergab? AntW. Er ließ ihn vorher noch geißeln. Fr. Hatte Christus hiebei Vieles zu leiden? AntW. Ach, ja; denn die Geißlung war eine sehr- schreckliche Peinigungsart, eine der größten Grausamkeiten. Belehrung. Die Geißlung war eine schmachvolle Strafe, mit welcher nur Räuber und Sklaven belegt wurden. Daher durfte kein römischer Bürger gegeißelt werden. (Apostelgesch. 22.) Die Geißlung war aber auch eine unmenschliche und grausame Strafe; denn die hiezu Ver- urtheilteu wurden zuerst mit Ruthen, dann mit Schnüren und endlich mit Ochsensehnen gepeitscht, in welche mitunter eiserne Hacken und Kettchen eingeflochten waren, die bis auf die Gebeine eindrangen. Auf solche Weise wurde der zarte und un- gemein gefühlvolle Leib Christi mit Wunden bedeckt und fast gänzlich zerfleischt. Daher schildern auch die heiligen Väter diese Peinigungsart mit den lebhaftesten Farben als eine der größten Grausamkeiten, die je am göttlichen Heilande verübt worden sind. So bezieht der heilige Bernhard die Worte des 128. Psalmes: „Auf meinem Rücken haben geschmiedet die Sünder und ihre Bosheit lange Zeit mit mir getrieben" — auf die Geißlung Christi und schreibt: „Gleichwie also ein Schmied auf den Ambos schlägt aus allen Leibeskräften, ebenso schlugen auch die Peiniger auf den unschuldigen Jesus los, so daß sein allerheiligstes Blut in Strömen floß und hoch emporsprang." — Wer mag die Schmerzen und Qualen ermessen, die der göttliche Heiland bei dieser unerhörten Grausamkeit empfand! Und was leidest du für Ihn, o Seele! da Er doch Alles dieß nur um deinetwillen gelitten hat? Beispiel und Anwendung. Die heilige Eulalia stellte sich, erst zwölf Jahre alt, vor die Tyrannen, um den Martyrertod zu leiden, und machte den Heiden Vorwürfe über ihre Grausamkeit gegen die Christen. Man ergriff sie und bedeckte ihren ganzen Leib, wie den unsers göttlichen Heilandes, mit Wunden; aber vor Freude außer sich, sagte sie: „O mein Erlöser! wie glücklich bin ich, da ich Einiges von Deiner Geißlung an mir tragen kann! Du verdientest es nicht; aber ich Sünderin, ich sollte meiner Sünden wegen in tausend Stücke zerrissen werden!" Darauf warf man sie in die Flamme, worin sie starb, während sie den Herrn dafür pries, daß Er sie würdig geachtet habe, Etwas für Ihn zu leiden; man sah ihre Seele einer Taube gleich aus ihrem Leibe gen Himmel fliegen. Der Scharfrichter bekehrte sich, that Buße und empfing die Taufe. — Wenn die Geißelhiebe des Unglücks und der Leiden schwer auf dich herniederfallen, o Christ! so denke an deinen göttlichen Heiland, wie ihn seine Feinde mit Geißeln zerfleischen; bete und leide wie die heilige Eulalia! Bedenke, daß auch du mit Ursache warst an der Geißlung Christi, wie der heilige Augustin schreibt: „Für die Bosheit wird die Frömmigkeit gegeißelt, für die Thorheit wird die Weisheit verhöhnt, für die Lüge wird die Wahrheit gemordet, für die Ungerechtigkeit die Gerechtigkeit verdammt, für die Grausamkeit wird die Barmherzigkeit mißhandelt, für das Verbrechen wird die Unschuld mit Verachtung gestraft, und für den Tod stirbt das Leben auf Golgatha." Fr. Was geschah weiter nach vollzogener Geißlung? AntW. Die grausamen Soldaten flochten eine Krone von Dörnern nnd setzten sie auf das Haupt des leidenden Heilandes. Belehrung. Ich will dir dieß, mein Christ! ausführlicher erzählen. Nach vollzogener Geißlung nahmen die Soldaten des Landpflegers Pilatus Jesum zu sich in das Richthaus und versammelten um ihn die ganze Schaar. Und sie Wl HWWNiilW l MI»!!! !'.!!>!!>! 99 Am Feierabende zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel um und flochten eine Krone von Dörnern, setzten sie auf sein Haupt und gaben ihm ein Rohr in seine rechte Hand. Und sie bogen das Knie vor ihm, verspotteten ihn und sprachen: Sei gegrüßt, du König der Juden!" Sie spieen ihn an, nahmen das Rohr und schlugen sein Haupt damit. — Welch neue und unaussprechlich große Martern bereitete man durch diese Krönung dem göttlichen Heilande? Denn die Dornen waren viel länger und spitziger, als wir sie bei uns gewöhnlich sehen, und drangen durch Fleisch und Nerven ein, so daß Ströme Blutes aus den Vertiefungen des heiligen Hauptes flössen. Dazu kam noch der Hohn und Spott ans dem Munde der rohen Henkersknechte. Sie gaben nämlich dem göttlichen Heiland ein Schilfrohr statt des Scepters in die Hand und hingen ihm als königlichen Anzug einen schlechten Purpurmantel um; sie wollten dadurch seinen Ehrgeiz beschämen, weil er sich ein Reich angemaßt und sich für einen König ausgegeben hatte; allein die Thoren, deren Augen mit Blindheit geschlagen waren, verstanden seine Worte und seine Thaten nicht. Jesus aber duldete und schwieg — bei all diesen namenlosen Qualen und Leiden! — O Christ! demüthige auch du dich freudig und gottergeben unter das Joch deiner Leiden und wähle mit Christo hier auf Erden die Dornenkrone zu tragen; es wird dir dann einst die Krone der Verherrlichung nicht entgehen. Beispiel und Anwendung. Als die heilige Katharina von Siena über ein falsches, vors einem boshaften Menschen ausgestreutes Gericht gegen ihre jungfräuliche Reinig- keit ungemein betrübt war, ließ sich unser Erlöser vor ihr sehen, hielt in der Rechten eine goldne, mit Edelsteinen gezierte Krone, in der Linken aber eine Dornenkrone und sagte: „Geliebte Tochter! Es ist nothwendig, daß du zu verschiedenen Malen und Zeiten mit diesen beiden Kronen gekrönt werdest. Wähle dir eine von beiden, aber sieh, ob du im gegenwärtigen Leben mit der Dornen- und in jenem mit der goldnen Krone gekrönt werden wollest!" — Die heilige Jungfrau gab zur Antwort: „Herr! ich habe schon lange meinen Willen verläugnet und will daher nur, was du willst; deswegen steht es mir nicht zu, eine solche Wahl zu treffen. Willst du aber dennoch, daß ich antworte, so bekenne ich ernstlich, daß ich in diesem Leben immer erwähle, deinem allerhciligsten Leiden ähnlich und gleichförmig zu sein." — Und als sie dieß gesagt hatte, ergriff sie mit beiden Händen die Dornenkrone aus den Händen des Herrn und drückte sie mit solcher Kraft auf ihr Haupt, daß sie von da an viele Tage hindurch wirklichen Schmerz von den eingedrnngenen Dörnern empfand. — Möchten wir doch Alle mit gleicher Bereitwilligkeit, wie die heilige Katharina von Siena, die Dornenkrone ans der Hand des Herrn entgegennehmen, hinblickend auf jenes hochheilige Haupt, das da, ohne alle Schuld und Sünde, dennoch mit Dornen gekrönt ist! des 7. Februar. Wenn Dornen deine Füße ritzen, So denke, wessen Haupt sic einst gekrönt; Und stechen dich der Lästerzungen Spitzen, So denke, wessen Leben sie verhöhnt! Legende: Der heiligeTheodor vonHeraklea, Märtyrer, (st 319.) Auch der heilige Theodor von Heraklea, dessen Andenken wir heute feiern, nahm hienieden gerne die Dornenkrone der Leiden aus der Hand Gottes an, um dereinst mit der himmlischen Krone gekrönt zu werden. Die Griechen verehren diesen Heiligen nnter jenen, welchen sie den Ehrennamen der großen Märtyrer beilegen. Er war Anführer der Truppen des Licinins und Statthalter zu Heraklea in Pontus, und hielt sich auch gewöhnlich in dieser Stadt ans. Ein tapferer Kriegsmann für seinen Kaiser, war er aber auch ein treuer Kämpfer für seinen Heiland Jesus Christus, bereit, jeden Augenblick Blut und Leben für seinen Glauben einzusetzen, und das blutige Handwerk des Krieges konnte seine Tugend und Gottesfurcht nicht schmälern. Als einem Christen wurde ihm auf Befehl des grausamen Kaisers Licinins im Jahre 319 das Haupt abgeschlagen. Die Stadt Euchaites, wo man seine Reliquien beisetzte, wurde durch die Wunder, welche bei dem Sarge des Heiligen geschahen, so berühmt, daß sie den Namen Theodoropolis, d. h. Stadt des heiligen Theodor erhielt, und der Kaiser Johann I. schrieb der Fürbitte des heiligen Theodor den vollkommenen Sieg zu, den er 970 über die Sarazenen erfocht. — Sei auch du bereit, Gut und Blut für deinen Heiland Jesus Christus und seine Liebe einzusetzen. Sendet dir Gott Unglück, Krankheit und Leiden, so trage sie willig, harre standhaft aus, streite tapfer Wider alle Ungeduld, bete zu Gott um seine Gnade, und du wirst siegreich die Krone Ivo Erstes Hauptstück. Die Leiden Jesu bei seiner Kreuztragung. des Lebens empfangen, wenn du hienieden mit Christus die Dornenkrone getragen hast. Gebet. Gerne wollen wir, himmlischer Vater! auf Erden die Dornenkrone aus deiner allzeit liebevollen Vaterhand annehmen und sie mit Freuden tragen, wie der heilige Märtyrer Theodor von Heraklea. Stärke uns hiezu, o göttlicher Heiland, der du für uns gegeißelt und mit Dörnern gekrönt worden bist. Amen. Nemlilnddreißigstes Lesestück. Am Feierabende des 8. Februar. Die Leiden Jesu bei seiner Kreuztragung. Fr. Ans welche Weise mißhandelten die Henkersknechte noch ferner den leidenden Jesus? Antw. Sie luden ihm das schwere Kreuz auf seine Schultern und führten ihn fort, um ihn zu kreuzigen. Belehrung. Um den göttlichen Heiland als einen Misse th ater zu behandeln, legten sie ^ihm das schwere Kreuzesholz auf seine Schultern; denn es war damals Sitte, daß der Misselhäter selbst sein Kreuz auf die Richtstätte tragen mußte. Und wie verfuhren hiebei die grausamen Soldaten und Henkersknechte? Sie rissen unserm Heilande das Purpurkleid vom Leibe und zogen ihm seine eignen Kleider wieder an. Dabei wurden alle Wunden wieder anfgerissen, und alle Schmerzen erneuert; und um die Leiden noch zu vermehren, ließen sie die Dornenkrone auf seinem Haupte. Ach, wie schwer muß dieses Kreuz gewesen sein! Denn darauf lasteten all unsere Missethaten, alle Sünden der Vergangenheit, der Gegenwart und Zukunft; alle Gotteslästerungen und Flüche, alle Mordlhaten und Ehebrüche, alle Betrügereien und Diebstähle, vom Anfänge der Welt begangen bis zu deren Ende! Darf cs uns also wundern, wenn der göttliche Heiland, ohnehin schon entkräftet durch die quallvolle Geißlung und Krönung, unter der Last des Kreuzes wiederholt zur Erde niedersinkt, so daß ihm ein Mann von Cyrene, mit Namen Simon, gezwungen von den rohen Soldaten, das Kreuz nachtragen mußte?! Fr. Was ruft uns Allen der kreuztragende Jesus zu? Antw. Er ruft uns Allen zu: „Wer mir Nachfolgen will, der verläugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach!" (Matth. 16, 24.) Belehrung. Wie Simon von Cyrene müssen wir Alle dem Erlöser das Kreuz nachtragen, aber nicht gezwungen, sondern gerne und freiwillig. Dieses soll die Frucht und der KU? Gewinn sein, Welchen wir aus der Kreuztragung Christi ziehen. O der liebe Heiland sieht es gar so gerne, wenn wir das Kreuz freudig auf uns nehmen und es ihm nachtragen. Beispiel und Anwendung. Der Karthäus.Ludolph erzählt von einem Diener Gottes, welcher ein sehr vollkommenes, einsames Lebeu führte, er habe sehr gewünscht, dem Herrn zu dienen und insbesondere zu wißen, wem/e Lverte uuv weteye -rneujucgt- ungen ihm angenehmer wären, um sie aus Liebe zu ihm verrichten zu können; ihm dieß zu offenbaren, habe er Gott sehr eifrig und inständig gebeten. Als er nun einmal diese Bitte Gott im Gebete vortrug, sei ihm Christus ganz verwundet, nackt und zitternd, mit einem schweren Kreuze auf den Schultern erschienen und habe ihm gesagt: „Eines von den Dingen, die mir mehr gefallen, und in denen mir meine Diener einen großem Dienst erweisen werden, ist, daß sie mir dieses Kreuz tragen helfen, was sie thun werden, wenn sie mich mit der Betrachtung in allen meinen Peinen und Leiden begleiten und sie in ihrem Herzen mitfüh- len." Nachdem er diese Worte gesagt hatte, verschwand er. — Das also ist dem Herrn angenehm, wenn wir ihm das Kreuz bereitwillig nachtragen, mit Wehmuth hingegen erfüllt es sein Herz, wenn er sieht, daß wir das Kreuz fliehen und von uns entfernt wissen wollen. — Man erzählt, der heilige Petrus sei, iils er zur Zeit der Christen Verfolgung Rom verließ, um dem Kreuze, d. i. den Qualen unv Martern, sowie dem Martertode zu entgehen, Jefu Christo begegnet, der die schwere Last seines Kreuzes trug, und habe Ihn gefragt, wohin er in diesem traurigen Zustande gehe? Da antwortete ihm der Erlöser: „Ich gehe nach Rom, um dort von Neuem für euch gekreuziget zu werden, da ihr für mich nicht leiden wollt." Dann kehrte der heilige Petrus, welcher sich seiner Schwäche schämte und lebhafte Neue fühlte, nach Rom zurück, wo er das Glück hatte, für den Namen und Ruhm seines göttlichen Meisters den Martertod zu leiden. — Wir haben den heiligen Petrus in seiner Schwäche nachgeahmt; wann werden wir ihn in seiner edeln Reue nachahmen? Ach, wie oftmals hätte Christus zu uns sagen können: „Ich gehe von Neuem für euch zum Tode, die ihr es verschmähet, mein Kreuz zu tragen!" Wir wollen Nichts leiden; über die geringste Mühe beklagen wir uns und mur- 101 Am Feierabende des 8. Februar. ren- der bloße Name, der bloße Gedanke an Leiden macht uns zittern. Sind wir da Christen und Jünger eines am Kreuze sterbenden Gottes? Leidender Gott! lehre uns leiden, hilf uns leiden, heilige uns durch unsere Leiden, indem sie mit den deinigen vereinigt und durch die deinigen geheiligt werden mögen! Fr. Auf welche Weise können wir am Leichtesten dem göttlichen Heilande das Kreuz nachtragen? Antw. Wenn wir Kreuz und Leiden, die uns der Herr schickt, freudig und dankbar aus der Hand Gottes annehmen und mit Ergebung in Gottes heiligen Willen ertragen. Belehrung. Wir alle sind Kreuzträger auf Erden; aber nicht Alle tragen das Kreuz auf gleiche Weise; die Einen murren wider Gott; sie tragen ihr Kreuz, aber ohne Nutzen; Andere nehmen es gerne auf sich und tragen es geduldig und gottergeben, und siehe, sie folgen dem göttlichen Heilande auch in die himmlische Glorie nach. Es wird sonach wahr, was der heilige Augustin sagt: „Wir leiden oft an einerlei Kreuz, aber nicht auf einerlei Weise; daher hat auch das Leiden nicht einerlei Ende. Das Ende ist ungleich, weil die Weise zu leiden ungleich ist." Möchten wir doch Alle von nun an Kreuz und Leiden auf eine wahrhaft christliche Weise ertragen, damit uns selbe auch einst zur Herrlichkeit des Himmels führen mögen! Beispiel und Anwendung. Um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts machte sich ein Mann bcmerklich, der jenen Ausspruch des Herrn: „Jeder nehme sein Kreuz auf sich rc." im wörtlichen Sinne erfaßte; es warein Laienbruder aus dem Carmelitcnorden, nach seinem Ordensnamen Franziskus de Cruce. Im Frühlinge des Jahres 1643 und in seinem sieben und fünfzigsten Lebensjahre, zog er ein schweres, hölzernes Kreuz, das er hinter sich nachschleppte, aus der Sckulter tragend, von Vallisolet in Spanien aus, wanderle durch den Süden Frankreichs über Genua nach Rom, von da im folgenden Frühlinge nach Venedig, wo er ein Schiff bestieg und nach dem heiligen Lande übersetzte. Als er daselbst seine Kreuzeslast nach Jerusalem, Bethlehem, Nazareth und auf die Höhe des Tabor getragen, kehrte er über Triest, Nom und Genua zurück, und nachdem er mitten im Winter durch die Pyrenäen gewandert, kam er wieder nach Vallisolet, wo er sein Kreuz in der Klosterkirche aufstellte. Welch ein schweres Kreuz hat dieser fromme Nachfolger Christi getragen! Allein der göttliche Heiland verlangt von uns keine so großen Opfer, er will nur, daß wir gerne und freudig das Kreuz tragen, welches er uns auferlegt, mag es nun in Leiden und Trübsalen oder in Krankheiten und llngliicksfällen oder in sckjweren Verfolgungen u. s. w. bestehen. Weigere dich dessen in Zukunft nicht mehr, o Christ! Trage mit Christo das Kreuz, auf daß du mit ihm einst auch die Krone der Vergeltung tragen könnest. Legende: Der heilige Johannes von Matha, Orbensstifter. sst 1213.) Wie gerne trug nicht auch jener Heilige, dessen FestheutedieKir- che begeht, dem göttlichen Heilande das Kreuz nachlDennbeiall seinen edlen Bestrebungenwurde er gar oft verkannt und verfolgt. Johan ncs von Math a war zu Fau- cou in der Provence 1153 ge boreu und zeigt: schon in seine: Jugend eine be sondere Liebe gegen die Armen und Kranken, so daß er alles Geld, das ihm zur Erholung angewiesen war, den Armen und Kranken, die er in den Spitälern antraf, schenkte. Zum Priester geweiht, stiftete er 1198 den „Orden der Trinitarier" oder der Brüder des Ordens der allerheiligsten Dreifaltigkeit zur Erlösung der Gefangenen. Er gründete in Frankreich ein Kloster seines Ordens und begab sich dann nach Tunis, wo er viele Sklaven befreite oder wenigstens im Glauben an Jesus stärkte und mit der Hoffnung einer baldigen Erlösung tröstete. Sein Eifer zog ihm den Haß der Ungläubigen zu, die ihn aufs Grausamste verfolgten. Einmal fand man ihn sogar in einer Gasse zu Tunis in seinem eignen Blute schwimmend. Allein er war fröhlich und guter Dinge; denn er schätzte sich glücklich, mit seinem göttlichen Heiland leiden und ihm das Kreuz nachtragen zu dürfen. Kaum war er wieder hergestellt, so kehrte er nach Frankreich zurück und sammelte daselbst große Summen Geldes zur Loskauf- ung der gefangenen Christen aus der Gewalt der Muha- medaner. 1210 ging er abermals nach Tunis, wo er aber ebenso wie das erstemal die größten Verfolgungen zu erleiden hatte. Als er sich mit 120 Sklaven, die er daselbst losgekauft, einschiffen wollte, waren die Ungläubigen nahe daran, sein Schiff zu zerstören; allein der Heilige gelangte glücklich und von Gott wunderbar beschützt in Ostia an. Endlich unterlag er der Bürde seiner Anstrengungen, und starb 1213 ein und sechzig Jahre alt, reich an Tugenden und Verdiensten. Gebet. Heiliger Johannes von Matha! befreie uns durch deine Fürbitte aus der Gefangenschaft der Feinde unseres Heiles und bitte für uns, auf daß auch 162 Erstes Hauptstück. Die Leiden Jesu bei seiner Kreuzigung. wir so freudig und unverdrossen, wie du, unserm göttlichen Heiland Jesus Christus das Kreuz nachtragen mögen. Amen. Vierzigstes Lesestiick. Am Feierabende des 9. Februar. Die Leiden Jesu bei seiner Kreuzigung. Fr. Was geschah mit dem göttlichen Heilande weiter, nachdem er das schwere Kreuz getragen hatte? Antw. Man heftete ihn unter namenloser Grausamkeit an das Kreuz. Belehrung. Nachdem der göttliche Heiland, ganz entkräftet und niedergebeugt von der schweren Last des Kreuzes, auf Golgatha (d. h. Schädelstätte) angekommen war, da gaben sie ihm, wie Jedem, der hingerichtet werden sollte, einen betäubenden Trank, um für die unnennbaren Schmerzen der Kreuzigung unempfindlicher zu machen. Aber Jesus wollte mit klarem Bewußtsein leiden und sterben; deßhalb nahm er diesen Trank nicht. — Nun beginnt die Kreuzigung. Man entkleidet den unschuldigen Heiland, legt ihn auf's Kreuz, spannt mit aller Gewalt seine heiligen Hände und Füße aus und nagelt sie mit unmenschlicher Grausamkeit an das Holz des Kreuzes. Nun wird das Kreuz in der Erde befestigt, und der leidende und sterbende Erlöser hängt zwischen Himmel und Erde, blutend aus tausend Wunden, gequält von unaussprechlichen Schmerzen, verspottet von seinen Feinden. Welch ein Anblick ist dieß nicht für jedes fühlende Herz! Ihr Gerechten dieser Erde! blicket hinauf zu eurem gekreuzigten Heilande und beklaget euch künftighin nicht mehr, wenn man euch unschuldiger Weise verläumdet, lästert und verfolgt! Und ihr armen Sünder dieser Welt alle insgesammt! machet euch auf und ziehet hin im Geiste gen Golgatha! Dort werdet ihr Ruhe finden für euere Seelen; dort fließt ja der Quell des Lebens vom Kreuze herab. Badet euch im Blute des Lammes, und der Wust der Sünde wird von euch fallen, und „ihr werdet weiß werden, weißer als der Schnee." — O schmerzlicher und tröstlicher Gedanke zugleich: „Christus am Kreuze!" Beispiel und Anwendung. Wie groß müssen die Schmerzen des göttlichen Heilandes bei der Kreuzigung gewesen sein, da seine Hände und Füße mit Nägeln durchbohrt, seine Glieder ausgespannt und seine Nerven auf das Schmerzvollste ausgedehnt wurden! — Wir lesen in den Offenbarungen der heiligen Mechtildis, daß sie cinsteuS Christum gefragt habe, welches wohl bei seinem bittern Leiden und Sterben die größten Schmerzen gewesen seien; und der göttliche Heiland habe ihr darauf wehmü- thig geantwortet: „Furchtbar waren die Qualen, die ich bei der Kreuzigung empfand, namenlos aber wurde der Schmerz, als man mich mit solcher Gewalt ausspannte, daß man alle meine Glieder zählen konnte." (llik. 1. enp. 15.) — Ach! wer begreift diesen Schmerz?Die furchtbarsten Qualen, die je ein Mensch erleiden kann, sind wohl nur ein Schatten gegen Jesu Leiden. Und du, o Christ! bebst schon vor dem geringsten Leiden zurück! Fr. Was sollen wir von Jesus dem Gekreuzigten lernen? Antw. Wir sollen von ihm leiden lernen; gerne und gottergeben sollen wir am Kreuze hängen, wenn es so Gottes Wille ist. Belehrung. Christus hätte leicht vom Kreuze herabsteigen können; allein er wollte nicht, um uns zu zeigen, daß wir standhaft leiden und geduldig "am Kreuze hängen bleiben sollen, so lange es Gottes Wille ist. „Christus stieg nicht vom Kreuze herab," sagt der heilige Bernhard, damit Diejenigen nicht verstummen müssen, welche dein Verzagten und Unglücklichen zurufen: Bleibe, Weiche nicht vom Kreuze! denn verstummen müßten diese Ermahnungen, wenn man darauf antworten könnte: Auch Christus habe das seinige verlassen!" Beispiel und Anwendung. Eine gottselige Person lag, wie uns Labata erzählt, viele Jahre hindurch an einer sehr schmerzlichen Krankheit darnieder. Da kam nun einmal zu ihr eine Freundin auf Besuch, um sie in ihren Leiden zu trösten. Voll Mitleids mit ven langwierigen und schmerzlichen Leiden der frommen Dulderin sprach die Freundin zu der Schwergeprüften, indem sic auf das Kruzifix hindeutctc: „Bitte doch den Gekreuzigten um Erledigung von deinen Schmerzen!" Da richtete sich aber die Kranke auf und sprach, wie von einem heiligen Zorne ergriffenWie? du zeigest mir das Krucifix, und rathest mir, ich sollte den Gekreuzigten um Erledigung von meinen Schmerzen bitten? Er hängt am Kreuze und verlangt sich nicht hinweg, weil es der Wille des himm- 103 Am Feierabende lischen Vaters war; ach, und ich arme Sünderin sollte vom Kreuze hinweg verlangen? O das sei ferne von mir! Gerne will ich mit Christus am Kreuze hängen, weil cs Gott will und so lange er cs will! Gerne will ich aus Liebe zu meinem göttlichen Erlöser dies; Alles und noch mehr leiden, da Er so unaussprechlich Viel für mich gelitten hat!" — Auf ähnliche Weise litt und duldete auch die heilige Johanna vom Aren;; sie war in ihren vielen Krankheiten allzeit fröhlich. „O könnte ich," sagte sie oft, „diese wenigen Tropfen Blutes, die mir noch übrig sind, aus Liebe zu dir, o Heiland der Mt, vergießen! Noch mehr Kreuze, o Herr, noch mehr Peinen und Bitterkeiten, denn ich leide für dich, meine süße gekreuzigte Liebe!" Als sie einmal, besonders in der Nacht, sehr- krank war, sagte sie: „O wie gut geht diese Nacht vorüber, kein Glied meines Leibes ist gesund, jedes Glied empfindet einen andern Schmerz. O ich danke dir, mein Heiland, für dieses bittere Leiden, es ist die größte Gnade meines Lebens. Wenn du mich leiden lassen willst bis an's Ende der Welt, ich dulde es mit unaussprechlicher Freude." Als ihre Mitschwestern weinten über ihre Schmerzen, erwiderte sie: „O Töchter, lasset mich leiden, damit ich dem Erlöser, den ich empfangen habe, gleichförmig werde. Das Leiden ist das schönste Lied, das ich dem Erlöser, meinem süßen Gaste, singen und aufspielen kann. O kreuzige mich, Jesu," fuhr sie fort, „aber du allein sei mein Kreuz! An dich will ich angenagelt, in dich will ich verwandelt sein. Lebendig will ich begraben sein, aber in deinem göttlichen Herzen; im Fcg- feuer will ich sein mein ganzes Leben, aber im Fegfcuer deiner göttlichen Liebe." — O so lerne auch du, mein Christ! mit Geduld und Ergebung in Gottes heiligen Willen leiden; bleibe gerne am Kreuze, wenn es dein himmlischer Vater so haben will! Glaube es nur sicherlich, auf die Kreuzigung wird einst auch die Verherrlichung, auf den Charfreitag der Ostersonntag folgen. Fr. Welche Entschlüsse sollen wir bei Betrachtung des gekreuzigten Erlösers fassen? Antw. Besonders folgende zwei: 1) daß wir einmal aufhören, Christum den Herrn durch unsere Sünden aufs Neue ans Kreuz zu heften, und 2) daß wir einmal anfangen, im Geiste der Buße uns selbst zu kreuzigen. Belehrung. Ach, wie viele Christen kreuzigen ihren Herrn und Erlöser täglich auf's Neue durch ihre Sünden und Laster, Ihn, dessen Liebe keine Grenzen kennt! Welch ein Undank! O meine christliche Seele! ich bitte und beschwöre dich, kreuzige deinen Gott und Heiland nicht fernerhin durch dein gottloses Lasterleben, mache es nicht wie das undankbare Judenvolk, das den unschuldigen Heiland an das Kreuz geschlagen! Einen Andern aber kenne ich, einen Schuldigen; Den kreuzige! „Merke auf, meine Seele!" sagt der heilige Bernhard, „und bedenke es wohl! Ich kenne Jemanden, der seit vielen Jahren mit dir an einem Tische sitzt, Speise des 9. Februar. von deiner Hand empfängt und, so oft er will, mit dir rechtet und hadert. Nach angecrbtem Rechte ist er dein Knecht; allein weil du ihn allzu zärtlich verpflegest und jede Züchtigung ihm sparest, so hat er die Ferse gegen dich aufgehoben, hat dich in die Knechtschaft gebracht und herrschet über dich mit Grausamkeit. Er ist ein Freund der Welt, ein Verächter Gottes, ein Anbeter seiner selbst, ein Sklave des Dämons; was scheint dir? Wenn du vernünftig urtheilst, so meine ich, du wirst mit mir ausrufen: „Er ist des Todes schuldig, an's Kreuz mit ihm!" Verhehle dir's also nicht, schiebe es nicht auf, sondern kühn und standhaft hefte ihn an's Kreuz — züchtige, kreuzige deinen Leib!" Legende: Die heilige Apollonia, Jungfrau und Märtyrin, (st 250.) Heute begegnet uns in der Legende eine große und heldenmüthige Jungfrau, die heilige Apollonia, die es uns zeigt, wie wir uns selbst kreuzigen und aus Liebe zu Jesus kreuzigen lassen sollen. — Um das Jahr 250 erregten die Heiden in der Stadt Alexandria einen Aufstand, bei dem sie gegen die Christen so unmenschlich wütheten, daß mehrere derselben, und unter ihnen auch die heilige Apollonia, im grausamen Martertode vollendet wurden. Zwischen Abfall vom Glauben oder dem martervollsten Tode war den Christen die Wahl gelassen. Jedoch die Macht Jesu Christi bewies sich stark selbst in dem sonst schwachen Geschlechte, wie das Beispiel der heiligen Apollonia zeigte. In den Götzentempel geführt und zur Verläugnnng des Glaubens und zum Götzenopfer aufgefordert rief sie aus: „Die Götzen sind nur Teufel; aber Einer ist der wahre Gott, Jesus Christus, und nur Er darf angebetet werden!" Hierüber regrimm- 104 Das Kreuz und seine Bedeutung. Erstes Hauptstück. ten die Ungläubigen, schlugen und rissen ihr alle Zähne aus und drahten ihr, sie lebendig zu verbrennen, wenn sie Christum nicht abschwöre. Allein die heilige Jungfrau blieb standhaft. Nun zündeten sie außerhalb der Stadt einen großen Scheiterhaufen an und drohten wiederholt, sie lebendig hinein zu werfen, wenn sie vom Glauben nicht abstehe. Da verlangte die Märtyrin für- einige Augenblicke Ruhe, aber nicht aus Furcht, sondern um nochmal recht innig beten zu können. Hiedurch neugestärkt stieg Apollonia selbst muthig auf den brennenden Scheiterhaufen. Staunen überfiel die Heiden bei dem Anblick der heldenmüthigen Jungfrau, und Viele bekannten sich darnach zu dem Glauben, der allein solche Stärke verleihen kann. Gebet. Erfülle uns, Herr, himmlischer Vater! mit deiner Gnade, auf daß wir einmal anfangen, im Geiste der Busse uns selbst zu kreuzigen und lieber bereit seien, wie die heilige Apollonia zu sterben, uls durch eine Sünde deinen göttlichen Sohn Jesum Christum auf's Neue zu kreuzigen, der mit dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebt und regirt in Ewigkeit. Amen. Emundvierzigstes Lesestück. Am Feierabende des 10. Februar. Das Kreuz und seine Bedeutung. Fr. Warum wollte Jesus an das Kreuz angeheftet werden? Warum wollte er am Kreuze sterben? Antw. Weil Adam und Eva am Baume im Paradiese gesündigt haben, so wollte Christus uns erlösen am Baume des Kreuzes. Belehrung. Das Kreuz schließt tiefe und wunderbare Geheimnisse in sich. Ehedem war es ein Schandpfahl, an dem nur die verworfensten Menschen, z. B. Verbrecher und Mörder, sterben mußten, und schon im Gesetze Moses (5. Mos. 21, 23.) wird „Derjenige, welcher am Holzpfahle hängt, ein verfluchter Mensch" genannt. Seitdem aber Christus an diesem Schandpfahle leiden und sterben wollte, steht das Kreuz hoch und erhaben da als das Siegeszeichen der göttlichen Liebe, als die herrlichste Zierde und der kostbarste Schmuck der Erde, als die siegreichste Waffe gegen die Hölle, als das beseligendste Werkzeug unsers Heiles, als der mächtigste Anker unserer Hoffnung bei den Leiden und Trübsalen dieses Lebens, als das Zeichen der Versöhnung für den unglücklichen Sünder, und als der kräftigste Wanderstab für Alle, welche die gefahrvolle Reise antreten in die Ewigkeit. — Darum begegnet aber auch unserm Blicke überall das Kreuz. Wir finden es auf den Gräbern der Todten und in den Wohnungen der Lebendigen, auf Gassen und Straßen, ausFeldern undWie- sen, auf Bergen und Felsen, in Thälern und Wäldern, auf den Thürmen und Altären der Kirchen; das Kreuz prangt als Zeichen der Ehre und des Ruhmes auf der Brust des ta- pfern Kriegers, des Königs und Kaisers; das Kreuz ruht als Quelle des Trostes in der Hand des Sterbenden, als Palme des Friedens in der Hand des Dahingeschiedenen! O heiliges, o mächtiges, o süßes Kreuz! Selig, wer die Geheimnisse des Kreuzes versteht! Beispiel und Anwendung. Als man einst den heiligen Augustin fragte, warum denn Christus am Kreuzesholz sterben wollte, so gab er die auf obige Frage gegebene Antwort und fügte dann bei: „Wäre Christus z. B. gesteinigt oder mit dem Schwerte hiugerichtet worden, so müßten wir als Erinnerungszeichen an Christi Erlösungstod ein Schwert oder einen Stein oder sonst ein derartiges peinliches Instrument bei uns tragen, was etwas höchst Beschwerliches, ja fast Unmögliches wäre. Gar leicht können wir hingegen ein Kreuzlein aus Holz oder anderm Materiale bei uns haben; ja, in Ermanglung desselben können wir das heilige Kreuz auf unsere Stirne machen, und so beständig das Werkzeug unseres Heiles mit uns herumtragen." — Siehe also, mein Christ, geleitet von seiner göttlichen Weisheit, sowie von seiner Liebe zu uns hat Christus der Herr den Tod am Kreuze gewählt, damit wir das Kreuz, das Werkzeug unsers Heiles stets vor Augen haben und überall mit uns herumtragen können. Welch eine Schmach ist es sonach, wenn man in den Wohnungen so vieler Katholiken weltliche, ja oft gottlose Bilder finden kann, nirgends aber das Bild des Gekreuzigten — nirgends ein Kreuz, das geheiligte Zeichen unsrer Erlösung! Nicht so macht es der wahre Christ; ihm geht das heilige Kreuz über alle Schätze der Erde. Fr. Was ist sonach dem frommen Katholiken das heilige Kreuz? Antw. Es ist ihm ein unendlich kostbares Kleinod, weil Christus an demselben litt und starb; es ist ihm eine Quelle des Trostes im Leiden und im Tode, eine ' ! 105 Am Feierabende des 10. Februar. Quelle der Stärke in Versuchungen und die lehrreichste Schule, ein Spiegel der Geduld und jeglicher Tugend. Belehrung- O wie kostbar ist das Kreuz dem wahren Christen! Es gilt ihm mehr, als alle Kostbarkeiten der Erde; in ihm findet er Trost bei Leiden und besonders in der Stunde des Todes, in ihm Stärke bei Versuchungen, Rath und Hilfe in den Zweifeln dieses Lebens. Darum ruft der heilige Bernhard aus: „Sicher ist das Kreuz schön; das Kreuz kann geliebt werden; das Kreuz bringt Freude. So ist es, meine Brüder! Wer immer das Kreuzholz sammelt, dem sproßet das Leben, dem liefert es Heiterkeit, dem träufelt das Oel der Freude, dem gibt es den Balsam der geistlichen Gnadengaben. Es ist kein wilder Baum, es ist für Den, der es umfasset, der Baum des Lebens, jener fruchtreiche, jener heilbringende Baum; wie könnte er sonst die Erde des Herrn einnchmen?" Beispiele und Anwendung. Die heilige Einsiedlerin Genovefa hatte in der Wüste Vieles und Schweres zu leiden. Da erschien ihr ein Engel, und brachte ihr ein schönes Cmcifix und gab es ihr und sprach: „Nimm hin, Genovefa! dich heilige Kreuz, das dir Jesus Christus zum Trost vom Himmel sendet. In ihm sollst du dich beschauen, an ihm sollst du dich spiegeln und vor ihm sollst du dein Gebet verrichten! Wenn du betrübt bist, so tröste dich mit dem Kreuze; fliehe zu ihm, wann du angefochten wirst, überfällt dich Ungeduld, so erinnere dich der Geduld Dessen, der an diesem Kreuze hängt." — Genovefa benützte dieses himmlische Geschenk des Kreuzes nach der ihr vom Engel gegebenen Anweisung, und siehe, im Kreuze fand sie Trost und Stärke; das Kreuz wurde ihr die Leiter zum Himmel und der Schlüssel zur Pforte des Paradieses. O wie kostbar ist also das Kreuz! Dieß erkannte gar wohl jenes fromme Mädchen, das bei einer Erbschaft sich als das beste Stück ein hölzernes Kreuz wählte. Da lachten sie die andern Erben aus, daß sie nicht Gold oder Silber, nicht Edelsteine oder schöne Kleider sich gewählt habe. Allein später zeigte es sich, daß gerade dieses unansehnliche Kreuz der beßte Theil war; denn innerhalb des hölzernen Kreuzes befand sich ein solches von Gold und Edelsteinen. Ja, glaube inir's, mein Christ! das Kreuz schließt in sich die kostbarsten himmlischen Schätze, die mehr werth sind als Gold und Edelsteine. Daher ergreife und halte fest das Kreuz, damit du auf demselben glücklich durch das stürmische Meer dieses Lebens hinübergelangest in die himmlische Heimath. „Mache es wie die Schiffbrüchigen," sagt ein gott- begeisterter Lehrer der Kirche (Segnen.) „Siehe nur, wenn ein Schiff in Trümmer geht, welch ein stürmischer Wettstreit sich mitten auf dem wogenden Meere erhebt. O wie kämpfen da die Unglücklichen alle miteinander, um sich eines Brettes zu bemächtigen! O wie mühen sie sich gegenseitig ab! wie flössen sie einander hinweg! Und haben sie am Ende einen Balken erlangt, — o wie fassen sie ihn fest! Und warum? Bloß weil dieß ein Holz ist, das zur Rettung des Mehler, Hausbuch. bedrohten Lebens dient: mit andern Worten, weil es ein Holz des Lebens ist. Ein solches Holz ist das Holz des Kreuzes. Es ist ein Holz, das uns nach dem Schiffbruche geblieben ist. Wir müssen es als Schiffbrüchige schätzen, und es nicht blos fassen, sondern erfassen. So hoch ist sein Werth, da es dazu dient, das Leben zu erretten, ja, das ewige Leben zu erlangen. >— Wenn Jemand beim Schiffbruche ein Holz ergreift, und dann es wieder fallen läßt; weil er nicht das Herz hat, dem Getöse und den Fluten zu widerstehen, welche auf der hohen See ihm feindlich entge- gcntoben, so muß er zu Grunde gehen, ebenso als hätte er dasselbe gar nicht erfaßt. Nur wer es festhält, wird an's Gestade kommen. So verhält es sich mit dem Kreuze. Was nützt es dir, wenn du eine Zeit lang das Kreuz mit grosser Liebe an deine Brust drückst; wenn du dich aber dann von den Versuchungen überwältigen, und dir das Kreuz aus den Armen reißen lassest? Halte dasselbe mit aller Kraft fest, und lerne dieses von dem Schiffbrüchigen, welcher durch den Anblick der drohenden Gefahr zur äußersten Anstrengung getrieben, sich von dem schwellenden Meere wohl peitschen, auf- und abschleudern und in wilde Wirbel drehen, aber niemals zwingen läßt, seine Arme von dem Holze loszumachen. Auch du darfst vom Kreuze nicht loslasseu!" — Ja, dieß merke dir, mein Christ! umfasse das Kreuz, halte es fest! Mache es, wie jene Heilige, deren Lebensgeschichte uns heute erzählt wird in der Legende: Die heilige Jungfrau Scholastika, (f 543.) Diese umfaßte in allen Leiden und Widerwärtigkeiten diesesLe- bens das Kreuz und betrachtete, was Jesus Christus ihr zu Lieb gelitten hat. Dadurch ermunterte sie sich zur Geduld und befreite sich von aller Traurigkeit, wie siedennselbsteinst bekannte: „Eins! einziger Blick anf^ den Gekreuzigten^ nimmt mir sogleich alle Beschwerden und versüßt mirAllcs, was ich leide." Die heilige Scholastika stammte aus einer ansehnlichen und gottesfürchtigen Familie zu Nursia in Italien und war die Schwester des heiligen Bene- diktus. Schon von Jugend auf war sie der Welt und ihren Freuden abgestorben; eitler Putz und kostbare Ktei- dertracht waren ihr zuwider; sie liebte nur ein einsames 14 106 Erstes Hanptstück. Jesu Tod am Kreuze. und zurückgezogenes Leben. „Die Einsamkeit," sagte sie ost, „ist ein Schutzengel der Andacht." Nach dem Beispiele ihres Bruoers, des heiligen Benediktus, stanv sie einer Bersammlung gottseliger Jungfrauen vor, denen sie durch Wort und Beispiel den Weg zum Hunmel zeigte. Nach einem srommen Leben entschlief sie sanft, 00 Jahre alt, im Jahre 543 als eine treue Freundin und Verehrerin des Kreuzes und Dessen, der ain Kreuze für uns starb. Der heilige Benedikt, welcher zu eben der Zeit, als seine Schwester verschied, in seiner Zelle dem (Gebete oblag, sah ihre Seele in Gestalt einer Taube in den Himmel fliegen. Er lobte Gott und brachte seinen Brüdern die Nachricht von einem so glückseligen Tode. Gebet. Stärke uns, o Gott! ans daß wir, wie deine treue Dienerin Scholastika, das Kreuz liebend umfangen, der Welt absterben und nur dir dienen mögen. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Zw eiundv jetzigstes Lesestück. Am Feierabende des 11. Februar. Jesu Tod am Kreuze. Fr. Wie endete der göttliche Heiland sein heiliges Leben am Kreuze? Antw. Nachdem er drei volle Stunden lang am Kreuze die schwersten Martern ausgestanden und für seine Mörver um Verzeihung gebeten hatte, rief er laut: „Es ist vollbracht," und gab seinen Geist auf. Belehrung. Auch am Kreuze noch hört Jesus nicht auf, Allen Gutes zu thun. Er fleht zu seinem himmlischen Vater um Verzeihung für seine Mörder, verheißt dem reu- müthigen Schächer das Paradies und sorgt mit der zartesten Liebe für seine Mutter und für Johannes, die bis zum letzten Augenblicke bei ihm ausharrten. Bon der sechsten Stunde aber bis zur neunten ward eine große Finstcrniß über die ganze Erde. Und um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: „Mein Gott, mein Gott! warum hast du mich verlassen?" Und alsbald lief Einer herbei, nahm einen Schwamm, füllte ihn niit Essig, steckte ihn an ein Rohr und gab ihm zu trinken. Endlich ruft der göttliche Heiland so laut, daß Alle erstaunen: „Es ist vollbracht! Vater in deine Hände empfehle ich meinen Geist!" Er neigte sein Haupt Und gab seinen Geist auf. Und siehe, der Vorhang des Tempels zerriß von oben bis unten in zwei Stücke, die Erde bebte, und die Felsen spalteten sich. Die Gräber öffneten sich, und viele Leiber der Heiligen, die entschlafen waren, kamen in die heilige Stadt und erschienen Vielen. Da nun der Hauptmann und Jene, die bei ihm waren nnv Jesnm dewaeplen, vas Erdbeben und das, was geschehen war, sahen, erschracken sie sehr und sprachen: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen." — Christ! das ist eine erschütternde Scene! Jesus stirbt für uns am Kreuze! Der Mund, der so viele Worte himmlischen Trostes gesprochen, verstummt; das Auge, das die Menschenkinder so mild und mitleidig angeblickt, erlischt; es bricht das gute Herz, das die armen Sünder so innig, wie noch kein anderes, geliebt hat; Jesus neigt, wie zum Abschied von dieser Welt, sein heiliges Haupt — und stirbt! — Der größte Wohlihäter und edelste Freund seines Volkes, die Unschuld und Heiligkeit selbst, die Freude der Engel und der Liebling des ewigen Vaters — er stirbt des schmachvollsten und schmerzlichsten Todes um unserer Sünden willen. O Sünde! — O Gerechtigkeit! Die ganze Natur ist bei diesem unerhörten Ereigniß von Schauer durchdrungen. Die Sonne verbirgt ihr Licht, die Felsen spalten sich, der Vorhang des Tempels reißt von oben bis unten entzwei, sogar Todte stehen auf; sollte ein Menschcuhcrz dabei gleichgiltig bleiben können? 107 Am Feierabende des 11. Februar. Fr. Welche Gefühle soll der Anblick des sterbenden Erlösers am Kreuze in uns hcrvorbringen? Antw. 1) Die Gefühle der tiefsten Anbetung und 2) der innigsten Nene. Belehrung. Wenn wir die unbegränzte Liebe betrachten, aus welcher Jesus für uns am Kreuze starb, so müssen wir ticfbeschämt in den Staub niederfallen und diese unendliche Liebe unsers Erlösers an beten. Es muß uns da ergehen, wie dem heiligen Ambrosius, der beim Anblick des gekreuzigten Heilandes ausruft: „Vieles, o Herr! hast du für mich gethan, und ich beugte meine Knie nicht; du hast die Welt erschaffen und mich, und hast zum Ersten der irdischen Geschöpfe mich gesetzt, und ich beugte die Knie nicht, dich anzubeten. Aber als ich dich sah gedemüthigt, verwundet, gekreuziget und gestorben für mich, da konnte ich nicht länger stehen, sondern vom Gewichte so großer Liebe überwunden, fiel, ich ans die Knie und betete dich an!" — Wenn wir aber ferner bedenken, daß Jesus um unserer Sünden willen am Kreuze sterben mußte, so muß der Anblick des Gekreuzigten jeden Sünder mit dem innigsten Reueschmerz erfüllen. Beispiele und Anwendung. Man traf einst den heiligen Isidor, Priester und Einsiedler von Skete, die Augen in Thronen gebadet, an. Der Bruder, welcher ihn in diesem Zustande sah, fragte ihn, warum er weine. „Ich beweine meine Sünden," sagte er, „und ihre Abscheulichkeit, da um ihretwillen mein Gott und niein Heiland am Kreuze sterben mußte. Hätten wir Gott auch nur ein einziges Mal beleidigt, so würden wir doch nicht Thranen genug haben, um die Abscheulichkeit unserer Sünden und unfern so großen Undank zu beweinen." — Als einst die heilige Theresia in ihr Betzimmer ging, worin sich ein Bild befand, das Jesum mit Wunden bedeckt und am Kreuze sterbend vorstellte, empfand sie einen so heftigen Schmer; über ihre Sünden, daß sie sterben zu müssen glaubte; sie warf sich auf die Knie und bat Jesum inständig unter Thranen, er wolle niemals zulassen, daß sie neuerdings eine Sünde begehe, sondern ihr die Gnade verleihen, alle ihre bösen Neigungen und schlimmen Gewohnheiten zu unterdrücken. „Mein Gebet," sagte sie, „hatte guten Erfolg; denn von dieser Zeit an wurde ich besser, und empfing große Gnaden, um alle meine bösen Neigungen zu bekämpfen und zu besiegen." — Wehe aber den Sündern, auf die der Anblick des Gekreuzigten keinen Eindruck macht! Der Dichter Torquato Tasso singt voll Wehmuth, Worte, die jeder Sünder nachsprechen und beherzigen sollte: „Wo Du, o Herr! daS Erdreich ließest tränken Mit tausend Strömen durch Dein heilig' Blut, Da Hab' ich heut' so bitter'm Angedenken Zwei Thränenbäche nicht zu weih'n den Muth! O kaltes Herz! kannst du dich noch bedenken, Dich aufzulösen ganz in Thräncufluth? O hartes Herz! wirst du nicht ganz zerrissen? Wer jetzt nicht weint, wird ewig weinen m üssen!" Fr. Konnte denn Jesus leiden und sterben, da er Gott war? Antw. Er litt und starb nicht als Gott, sondern als Mensch. Belehrung. Christus hat gelitten, Christus ist gestorben, aber nicht als Gott, sondern nur als Mensch, d. h. seiner menschlichen Natur nach; denn die Gottheit kann nicht leiden und nicht sterben. „Da die Gottheit keinem Leiden zugänglich ist," sagt der heilige Johannes Damascenus, „so litt sie auch keineswegs mit dem Leibe Jesu. . . . Wie ein von der Sonne beleuchteter Baum durch die Axt gefällt wird, die Sonne aber von aller Verletzung frei bleibt, so blieb auch die Gottheit in ihrer persönlichen Einigung mit der Menschheit von den Leiden unberührt, die diese letztere trafen." — Sehr gefehlt wäre eS also, ja ganz und gar gottlos, wenn man hieraus ableiten wollte, daß Christus nicht Gott sei, weil er am Kreuze gestorben ist; denn gerade bei seinem Leiden und Sterben hat er es klar bewiesen, daß er auch zugleich Gott sei; er hat ja durch sein bloßes Wort die Kriegsknechte zu Boden gestreckt, den Schacher bekehrt und seinen Tod durch die größten Wunder verherrlicht, so daß man mit dem heidnischen Hauptmann ausrufen muß: „Wahrhaftig, dieser ist Gottes Sohn." Legende: Die heilige Jungfrau Euphrosina. (> 470.) Die h. Euphrosina, deren Name uns heute in der Legende begegnet, war die Tochter reicher Eltern zu Alexandrien in Aegypten. In der Betrachtung des sterbenden Heilandes fand sie ihre größte Seligkeit; darin ersah sie die unendliche Liebe ihres Gottes und wurde so selbst immer mehr vou Liebe zu Jesus entflammt, so daß sie ihn alsbald znm Bräutigam ihres Herzens erwählte. Um den Gefahren der Welt zu entgehen und nur für Jesus leben 108 Erstes Hauptstück. Wie und warum Jesus für uns litt und starb. zu können, zog sie sich in ein Kloster zurück und lebte daselbst achtnnddreißig Jahre lang in steter Bezähmung ihrer Sinne und in frommer Betrachtung des leidenden und sterbenden Heilandes. Im Jahre 470 starb sie eines heiligen Todes. Gebet. Vom Gefühle des innigsten Dankes und der tiefsten Reue durchdrungen, sehen wir dich, o göttlicher Heiland! aus Liebe für uns am Kreuze sterben. Laß dein Leiden und Sterben uns zum ewigen Heile gereichen, wie deiner frommen und heiligen Dienerin Euphrosina! Um dieses bitten wir dich, der du lebest und regirest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Dreinndvierzigstes Lcsestück. Am Feierabende des 12. Februar. Wie und warum Jesus für uuS litt und starb. Fr. Wie litt der göttliche Heiland? Antw. Er litt freiwillig und geduldig. Belehrung. Christus war nicht gezwungen, zu leiden und zu sterben; er hat sich all diesen Leiden und selbst dem Tode freiwillig unterworfen: „Er ist geopfert worden, weil er selbst wollte." (Jsai. 53, 7.) Fr. Warum hat Christus leiden und sterben wollen? Antw. Christus hat leiden und sterben wollen, um der göttlichen Gerechtigkeit für unsere Sünden genugzu- thnn und uns dadurch zu erlösen und selig zu machen. Belehrung. Durch seinen freiwilligen Gehorsam bis zum Tode am Kreuze hat Christus der göttlichen Majestät für die durch unfern Ungehorsam ihr zugefügte Beleidigung überschwänglichen Ehrenersatz oder Gcnug- thuung geleistet und uns so von der verschuldeten, ewigen Strafe erlöst. Daher schreibt der heilige Paulus (Rom. 5,19.): „Gleichwie durch den Ungehorsam des Einen Menschen (Adam) die Vielen zu Sündern geworden sind; so werden auch durch den Gehorsam des Einen (Jesus Christus) die Vielen zu Gerechten gemacht." — Diese Geuugthuung konnte aber nur Christus leisten, weil die der unendlichen Majestät Gottes zugefügte Beleidigung eine Geuugthuung von unendlichem Werthe forderte; eine solche Geuugthuung ist aber die Geuugthuung Christi, weil eine göttliche Person sie leistete; denn je höher die Person ist, welche genugthut, desto größer ist auch der Werth und das Verdienst der Genugthuung. Ja, auch das geringste Leiden des Gottmenschen wäre an und für sich genug gewesen, weil ein jedes seiner Werke von unendlichem Werthe ist; „das geringste Leiden, die geringste Demüthig- ung Jesu Christi," sagt der heilige Thomas, „wäre hinreichend gewesen, wegen der unendlichen Würde seiner Person zur Erlösung des Menschengeschlechtes; allein was der Erlösung genügte," fügt der heilige Chrysostomus bei, „das genügte seiner Liebe nicht." Fr. Warum litt aber Christus so Vieles? Antw. Damit wir um so besser die Größe seiner Liebe und die Strafwürdigkeit der Sünde erkennen und auch unser Kreuz um so geduldiger tragen. Belehrung. Das Leiden und Sterben Jesu predigt uns 1) die Größe seiner Liebe. „Wer kann das Ueber- maß der Erbarmung und Liebe fassen," schreibt der heilige Bernhard, „welches darin liegt, daß der Herr der Majestät sich herabgelassen hat, Fleisch anzunehmen, sich dem Tode zu unterwerfen und den schmachvollen Tod am Kreuze zu erdulden?" Ja, „eine größere Liebe hat Niemand, sagt Christus selbst, „als Derjenige, der sein Leben hingibt für seine Freunde;" unermeßlich muß also die Liebe des göttlichen Heilandes sein, da er sein Leben nicht nur für seine Freunde, sondern sogar für die Sünder, also für seine Feinde hingegeben hat! — Das Leiden und Sterben Jesu predigt uns 109 Am Feierabende des 12. Februar. 2 ) die Abscheulichkcit der Sünde; denn wir sehen da, wie sehr Gott die Sünde verabscheut, da um ihretwillen sein eingeborner Sohn am Stamme des heiligen Kreuzes sterben mußte. 3) DaS Leiden und Sterben Jesu predigt uns endlich auch noch die Pflicht der Geduld und ermahnt uns, unser Kreuz um so geduldiger zu tragen. Dem Jiinger soll und darf es nicht besser gehen, als dem Meister. Wr sollen daher gerne für Jesus und mit Jesus leiden; denn was sind all unsere Leiden im Vergleich zu den namenlosen Schmerzen und Qualen des göttlichen Heilandes? Beispiele und Anwendung. Nur unaussprechliche Liebe war es, die den göttlichen Heiland bestimmen konnte, so Vieles und so Schreckliches zu leiden. >— Als einst die heilige Angela von Foligni vor dem Bildnisse des Gekreuzigten voll heiliger Andacht und tiefer Wehmuth kniete und im Gefühle des innigsten Mitleids ausrief: „ O Herr! was konnte dich doch bestimmen, so Vieles und so Schweres zu leiden?" so antwortete ihr der göttliche Heiland vom Kreuze herab: „Angela! betrachte mich, wie ich am Kreuze hange! Siehe meinen schwer verwundeten Leib; dringe ein in mein Inneres und durchforsche mein Herz! Was wirst du daselbst entdecken?Liebe —Nichts, als Liebe!" —Abernichtnur die Liebe, sondern auch unsere Sünden veranlagten den göttlichen Heiland, so Vieles zu leiden. Gott mußte um der Sünde willen sterben; wie abscheulich, wie strafwürdig muß sie also in den Augen Gottes sein! In die Betrachtung dieser Wahrheit vertieft ruft der heilige Bernhard aus: „ Ich habe keinen andern Beweis nöthig, zu erkennen, welch ein Nebel die Sünde sei. Ich erkenne genugsam aus der Größe der Arznei die Größe meiner Wunde; und da das Heilmittel so kostbar war, so sehe ich deutlich ein, wie gefährlich und schwer meine Krankheit gewesen ist. Gott also — und dieses betrachtet, meine Christen! mit einem ernstlichen Blicke — Gott selbst, der heilige und unschuldige Gott hat iu seiner Menschheit leiden wollen für diese Sünden, die wir so gering achten, für die Lüste, die wir uns so leicht gestatten; Gott selbst hat sich zum Tode, zum schmählichsten Kreuzestode hingeben wollen!" — Sollen und können wir da, meine Christen! noch ferner die Sünde lieben? O nein, Herr Jesus, der du für unsere Sünden am Kreuze gestorben bist! wir geloben es dir: Keine Sünde soll von uns mehr begangen werden; gib uns nur deine Gnade dazu! Legende: Die heilige Eulalia, Jungfrau und Märtyrin, (f 304.) Die berühmte heilige Jungfrau Eulalia, deren Andenken auf den heutigen Tag fällt, ist begraben in Merida, wo sie auch geboren war. Sie wußte es nur zu gut, daß Jesus unserer Sünden wegen sterben mußte; daher ging sie lieber zum Martcrtode, als daß sie eine Sünde beging und ihren Glauben verläugnete. Sie stand kaum in einem Alter von zwölf Jahren, als sie mit lächelnder Miene auf den Scheiterhaufen stieg, um ihre Leiden zu vollenden. Nie nahm sie an den L-pielen ihrer jugendlichen Genossinen Theil, nie schmückten edle Steine ihre Arme, nie schmiegte sich ein goldenes Band um ihren Hals, nie hatten verweltliche Rosen ihre Haare geschmückt; sie war voll Sanftmuth und Erhabenheit, und Weisheit eines Greises thronte unter ihren blonden Haaren. Als unter den Kaisern Diokletian und Maximinus die Verfolgung gegen die Diener Gottes ausbrach, als man die Christen zwang, vor den Götzen die Weihranchfässer zu schwingen, da fühlte Eulalia ihr Herz schlagen und pochen. Mit heiligem Eifer verlangte sie nach dem heiligen Kampfe; doch ihre Mutter wachte über sie, sie verbarg sie im Innersten ihres Landhauses, um sie den Thieren des Amphitheaters zu entreißen. Allein Eulalia begehrte nach dem Martertode, und jeder Aufschub schien ihr unerträglich. In einer Nacht, als Alles schlief, erhob sie sich heimlich von ihrem Lager, öffnete die Thüre und entfloh durch eine geheime Treppe. Dornen und Baumwurzeln zerrissen den Fuß des Kindes; doch 110 Erstes Hauptstück. Wirkungen des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi. Engel begleiteten es nnd liehen ihm Flügel. (Siehe das vorhergehende Bild!) Die Nacht war äußerst dunkel, es leuchtete kein Mond; doch eine wunderbar« Leuchte ging vor dem Mädchen einher und belench tete ihren Weg, gleich der feurigen Säule des Volkes Israel. Mit Tagesanbruch langte sie in Merida an, lief auf das Tribunal zu, drängte sich rasch durch die Menge, ohne von den Rnthenbündeln erschreckt zu werden. Freudig und mnthig bekannte sich nun Eulalia als Christin; keine Drohung und keine Schmeichelei, keine Marter und keine Qual konnte sie zum Abfalle zwingen; freudig nahm die Heilige die blutigen Schläge hin, durch welche die Henkersknechte ihren (eingebildeten Leib zerfleischten, indem sie ansrief: „Herr! man bekleidet mich mit dem Purpur deines Leidens; jede meiner Wunden ist eine Erinnerung au dich, an deinen geheiligten Namen." Bald hierauf endete sie ihr heiliges Leben auf dein Scheiterhaufen, und ihre reine unbefleckte Seele flog in Gestalt einer schneeweißen Taube zum Himmel empor (304). Zu Merida befindet sich nun ihr Grab, dort ruht sie in einer Marmorkapelle; dahin kommt der Pilger, um die Heilige zu verehren. Gebet. Göttlicher Herr und Heiland Jesus Christus! freiwillig und geduldig hast du um unsrer Sünden willen gelitten; gib, daß auch wir gerne und geduldig leiden, wie die heilige Jungfrau und Märtyrin Eulalia, und daß wir zurückbeben vor jeder Sünde, der du lebest und regirest mit Gott dem Vater und dem heiligen Geiste von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Vierundvierzigstes Lesestück. Am Feierabende des 13. Februar. Wirkungen des bittern Leidens nnd Sterbens Jesu Christi. Fr. Welches sind die beseligenden Früchte des Leidens und Sterbens Jesu? Antw. Folgende: 1) Christus hat uns dadurch mit Gott wieder versöhnt, 2) uns den Himmel wieder eröffnet, und 3) reichliche Gnaden verdient, damit wir heilig und selig werden können. Belehrung. Die Wirkungen des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi sind unaussprechlich groß und für uns im höchsten Grade beseligend; ewig können wir dem göttlichen Heiland nicht genug dafür danken, daß er so Großes an uns gethan hat; denn er hat uns 1) mit Gott wieder versöhnt und von der Sünde erlöst. Daher schreibt der heilige Paulus (Röm. 5, 10.): „Als wir noch Feinde waren, wurden wir mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes." Und in der geheimen Offenbarung (1, 5.) heißt es: „Er hat uns geliebt und gewaschen von unfern Sünden mit seinem Blute." Ergreifend läßt daher der heilige Eusebius Christum also sprechen: „Der Mensch streckte seine Hand ungehorsam nach dem verbotenen Baume aus; darum gab ich meine Hände hin, um an den Baum des Leidens geheftet zu werden, und war gehorsam bis zum Tode des Kreuzes. Am Holze hat der Mensch gesündiget, am Holze habe ich für ihn gebüßt. Am süßen Holze ist der Mensch gefallen, am bittern habe ich ihn erlöst." — 2) Hat Christus durch sein bitteres Leiden und Sterben uns den Himmel wieder eröffnet. „Das Kreuz ist der Schlüssel," sagt der heilige Bonaveutura, „der die Pforte des Himmels öffnet und uns einläßt." Und der heilige Augustin Am Feierabende des 13. Februar. 111 fugt bei: „Ehe das Kreuz war, gab es auch noch keine Leiter zum Himmel; darum konnte weder Abraham, noch Jakob, noch David, noch auch irgend ein anderer Mensch dorthin gelangen. Nun aber ist diese Leiter aufgestellt, das Kreuz ist errichtet, und der Eingang zum Himmel steht offen." Daher schreibt schcn der heilige Paulus (Hebr. 10, 19—20.): „Wir haben zuversichtliche Hoffnung, in das Heiligthum (den Himmel) durch duz Blut Christi einzugehen, wohin er uns einen neuen und lebendigen Weg bereitet hat." — 3) Durch sein bitteres Leiden und Sterben hat endlich der göttliche Heiland dem bösen Feinde alle Macht, und dem Tode alle Furchtbarkeit benommen nnd uns reichliche Gnaden verdient, damit wir heilig und selig werden können. „O meine Brüder!" ruft uns deshalb der heilige Bernhard zu, „wer das Kreuzholz liebt und sammelt, dem sprosset das Leben, dem liefert es Heiterkeit, dem träufelt das Oel der Freude, dem gibt es den Balsam der geistlichen Gnadengaben. Es ist kein wilder Baum, es ist für den, der es umfasset, der Baum des Lebens, ein frnchtreicher, ein heilbringender Baum." Beispiele und Anwendung. Soll ich dir, mein Christ! diese beseligenden Wirkungen auch noch in Beispielen zeigen? Nun so höre! Ein christlicher Missionär erklärte seinen unwissenden und ungelehrigen Zuhörern das große Geheimnis; der Erlösung und zeigte ihnen vor Allem die wunderbaren Wirkungen des Kreuztodcs Christi, wie wir nämlich durch das Blut des Erlösers von unfern Sünden erlöst, rein gewaschen worden sind. Er bot Alles aus, um ihnen recht verständlich zu werden, und ließ sich zu ihnen, wie zu Kindern herab. Einst kam er auf die Kanzel mit einer Kiste, worin allerlei Gcräthe waren. Er zeigte ein Messer, das ganz mit Rost überzogen war. Dann brachte er ein kleines gläsernes Fläschchen zum Borschein, ließ einige Tropfen auf die Messerklinge fallen, und im Augenblicke war sie spiegelblank und der Rost verschwunden. „Sehet, sagte er nun, so unrein und befleckt, wie dieses Messer, war des Menschen Herz durch die Sunde, aber durch daSBlut Christi istcs gereinigt worden, so daß es hell und glänzend erscheint." — Alsdann fügte er bei: „Und nun ist uns der Himmel wieder geöffnet, die Hölle und der Tod ist uns nicht mehr furchtbar; denn wir Alle sind rein gewaschen im Blute des Lammes, und am Kreuze ist besiegt worden der Tod und die Hölle." — Ja wahrlich, seitdem Christus am Kreuze gestorben ist, dürfen wir den Tod nicht mehr fürchten. Der heilige Karl Borromäus besaß ein sehr schönes Bild, ein Meisterstück, das den Tod in seiner ernstesten Gestalt darstellte als den Knochen- und Sensenmann. Der Heilige hatte dieses Bild in seinem Schlafzimmer aufgestellt, um durch den Anblick desselben wenigstens alle Tage einmal an den Tod erinnert zu Weden. Jndeß fand er es seinen Ansichten nicht vollkommen entsprechend, und er ließ deßhalb einen Maler kommen, dem er den Auftrag gab, das Bild zu verbessern. Der Maler entschuldigte sich bescheidentlich, daß er Nichts daran zu verbessern fände, auch wohl nicht wagen könnte, an das Werk eines so großen Meisters Hand zu legen. Allein der Erzbischof bestand auf seinem Willen. „Diese Sense hier," sprach er, „die der Saturn oder Tod in der Rechten trägt, hat das Heidenthum ihm in die Hand gegeben; ich wünsche aber, daß du sie tilgest und in die Linke hinüber malest, in die Rechte aber einen Schlüssel." —- Welchen Gedanken wollte er damit andeuten? Seitdem Derjenige, welcher das Ziel und die Erfüllung des (Mosaischen) Gesetzes ist, die alte Nacht des Todes durchdrungen hat, ist der Tod erst eine Pforte geworden, die aus dem Kerker der Welt oder des entzweiten und leidenvollen Menschenlebens in die ewige Heimath des Friedens sich öffnet. Ob also auch der Tod die furchtbar zertrennende Waffe führt, so hat diese doch ihre Schrecknisse verloren, ihre Macht ist gebrochen, und die Sense dem linken Arm übertragen, weil der Tod des Erlösers den Eingang in das Reich der geistigen Lebensfülle uns aufgethan hat. Fr. Wem sollen diese kostbaren Früchte des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi zu Theil werden? Antw. Allen Menschen ohne Ausnahme; denn Christus hat für Alle gelitten, ist für Alle gestorben. „Christus ist die Versöhnung für unsere Sünden, nicht nur für unsere Sünden, sondern auch für die Sünden der ganzen Welt." (1. Joh. 2, 2.) Belehrung. Christus will uns Allen die beseligenden Wirkungen seines Leidens und Sterbens zuwenden; denn er hat für uns Alle gelitten, ist für uns Alle gestorben, und hat sonach von seiner Seite alle Menschen ohne Ausnahme erlöst; „für uns Alle hat Gott seinen ein- gebornen Sohn hingegeben," sagt der heilige Apostel Paulus (Röm. 8, 31.); „Einer ist für Alle gestorben" (2. Cor. 5, 14.); „für Alle hat sich Jesus Christus hingegeben zum Lösegeld." (1. Tim. 2, 6.) Könnte also diese Wahrheit noch deutlicher ausgesprochen werden? Christus hat sonach die Gnade und ewige Seligkeit nicht nur Denjenigen verdient, die wirklich selig werden, sondern allen Menschen ohne Ausnahme. Welch ein Trost, welch ein beseligender Gedanke ist dieß nicht für uns Alle, selbst auch für den größten Sünder! Beispiel und Anwendung. In der Lebensbeschreibung des heiligen Philippus Nerius wird von einer got- tesfürchtigen Klosterfrau erzählt, die in ihren letzten Lebenstagen von ungemeinen Versuchungen des Kleinmuths, ja der Verzweiflung überfallen, in immerwährende Klagen sich ergoß, daß sie von Gott verworfen sei und kein Heil mehr zu hoffen hätte. Als die vielfältigen Bemühungen, sie zur Höhe des Vertrauens und des Friedens wieder zu erheben, alle vergeblich waren, bat man endlich den heiligen Philippus, als den apostolischen Mann, auf dessen Kraft und Weisheit 112 Erstes Hauptstück. Wirkungen des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi. Alles vertraute, der Trostlosen beizustehen. Mit himmlischer Freundlichkeit nahte er sich ihrem Krankenlager und sprach zu ihr: „Für wen Wohl, meine Tochter! hat der Sohn Gottes den Kreuzestod erduldet?" Sie antwortete: „Für die Sünder." — „Und wer bist du?" — „Eine große Sünderin." — „Wohlan denn," erwiderte der Heilige, „so ist das Paradies also dein!" Und diese Worte: „DasParadies ist also dein!" blieben ihrem Herzen so tief und beharrlich eingeprägt, daß sie von allen Anfällen des Kleinmuths frei, das freudigste Vertrauen bis zum letzten Augenblicke bewahrte. -— O sündiges, Herz, verzage nicht! Wenn dich Kleinmüthigkeit oder gar Verzweiflung wegen deiner großen und vielen Sünden befallen will, so blick auf im Geiste der Buße und voll Vertrauen zu Jesus am Kreuze; da hängt dein Heiland, der für deine Sünden gestorben ist! Verschmähe nur die Heilmittel der Buße nicht! Und bald wirst du weiß werden wie der Schnee, reingewaschen im Blute des göttlichen Lammes. Fr. Warum werden aber so Viele nicht selig, wenn Christus allen Menschen die ewige Seligkeit durch seinen Erlösungstod verdient hat? Antw. Weil sie ihrerseits nicht thun, was zur Erlangung der Seligkeit nothwendig ist. Belehrung. Gott, der uns ohne unser Zuthun erschaffen und erlöset hat, will uns nicht ohne unser Zuthun selig machen; es fehlt also auf unsrer Seite, wenn wir nicht selig werden. Gott hat uns Alle erlöst; aber Viele nehmen die angebotcne Gnade nicht an, wirken nicht treulich mit derselben, wollen das nicht thun, was zur Seligkeit nothwendig ist; sie lassen es fehlen am Glauben, an Beobachtung der Gebote, am eifrigen Empfang der heiligen Sakramente re., und so haben sie auch keinen Thcil an den Verdiensten Christi. Die heilige Brigitta zeigt uns dieß in folgendem Gleichniß: „Ein Verdammter ist vor dem Herrn wie eine unzeitige Frucht der Mutter, welche für dieselbe nicht weniger Schmerzen leidet, als für die, welche lebendig aus ihrem Leibe kommt. -— Ebenso hat Christus den Verdammten um ebendenselben Preis und mit ebenso großen bittern Leiden erlöset, als einen aus den Heiligen; aber der Verdammte achtete es nicht. Gleichwie nun die unzeitige Frucht weder eine Süßigkeit von der Muttcrbrust, noch Trost von ihren Worten, noch Wärme von ihrem Herzen genießt; ebenso wird die in Unbußfertigkeit verstorbene Seele nie die Süßigkeit Das Keuz ist dir, wie du dem Kreuze bist: Es ist dein Feind, wenn's dir zuwider ist; Doch wenn man es umfaßt und liebt, Das Kreuz uns Gott und alle Gnaden gibt. Legende: Der heiligeGregor II., Papst. (H731.) Dieser große und eifrige Diener Gottes, ein geborner Römer, hatte die beseligenden Wirkungen des bittern Leidens und SterbensJesu an sich selbst erfahren, und wünschte daher Nichts sehnlicher, als daß auch Andere, ja die ganze Welt dieselben an sich erfahren möchte. Sobald er im Jahre 715 den päpstlichen Stuhl bestiegen hatte, war es ebendeßwegen sein eifrigstes Streben, allenthalben Jesum den Gekreuzigten predigen zu lassen, damit Alles der Früchte des Erlösungstodes theilhaftig werden möchte. Er war cs, der sich durch Verbreitung und Befestigung des Christenthums in un- serm deutschen Vaterlands, indem er den heiligen Cor- binian und den heiligen Bonifazius als Glaubensboten hiehcr sandte, einen unsterblichen Ruhm erwarb. Er entschlief selig im Herrn im Jahre 731. Das römische Marthrologinm feiert sein Andenken am dreizehnten Februar. Gebet. Laß, o göttlicher Erlöser! dein bitteres Leiden und Sterben an uns nicht verloren sein, sondern verleihe uns auf die Fürbitte des heiligen Papstes Gregorius, daß wir die beseligenden Früchte desselben der Auserwählten haben; denn ihre eigene falsche Süßigkeit gefiel ihr mehr. Sie wird also hiukommen, wo man die Mißgeburten hinwirft, und da wird sie ewig in ihrem Tode sorgfältig benützen möchten zum Heile unserer unsterb- bleiben, weil sie nicht im Lichte und Leben Jesu leben lichen Seele. Amen. wollte." — Gar Viele werden der Früchte des Kreuzes nicht - theilhaftig, weil sie Feinde des Kreuzes sind. Am Feierabende des 14. Februar. 113 Fünsmidvierzigstes Lesestück. Am Feierabende des 14. Februar. Was wir dem göttlichen Heiland für seinen Versöhnungstod schuldig sind. Fr. Was sind wir dem göttlichen Erlöser schuldig für alle jene Liebe, die er durch sein bitteres Leiden und Sterben gegen uns Alle an den Tag legte? Antw. Wir sind ihm schuldig: 1) innige Gegenliebe, 2) kindlichen Dank und 3) treue Nachfolge. Belehrung. Ach, wie können wir unserm leidenden und sterbenden Erlöser Alles vergelten, was er für uns ge- than und gelitten hat! Sollen wir ihn dafür 1) wenigstens nicht auf das Innigste entgegenlieben? Hat er uns ja zuerst geliebt und auf eine so unaussprechliche Weise geliebt,' welches Herz könnte daher so hart sein, daß es nicht beim Anblicke des Gekreuzigten zur innigsten Gegenliebe hingerissen würde! Aber nicht nur lieben müssen wir den göttlichen Heiland, wir müssen ihm auch 2) kindlich danken für all Mehler. Hausbuch. die Gnaden und Wohlthatcn, die uns durch sein bitteres Leiden und Sterben zu Theil geworden sind ; und willst du wissen, mein Christ! worin dieser Dank bestehen soll, so höre, was dir der heilige Hildebert sagt. „ Liebe ihn vom ganzen Herzen," ruft er uns Allen zu, „ und es ist bezahlt der Dank, den er von deiner Seele fordert. Mache dich ähnlich den Gliedern seines Leibes, und cs ist erstattet, was er von deinem Leibe verlangt. Sein Auge ward verdunkelt im Tode, damit dein Auge sich abwende von der Eitelkeit. Sein Ohr war geöffnet für Lästerungen und Flnchworte, damit dein Ohr sich öffne für das Flehen der Armen; ausgcspannt wurden seine Hände, an'S Kreuz geheftet seine Füße, damit deine Hände, deine Füße befestigt würden in der Gottesfurcht. Die Drangsale des Todes hat sein Leib erduldet, damit dein sterblicher Leib ein Glied seines lebendigen Leibes würde. Siehe den Dank, den er von dir fordert!" 3) Endlich sind wir dem göttlichen Erlöser auch noch trencNach- folge schuldig. „Christus hat für uns gelitten," sagt der heilige Petrus (2. Pet. 2, 21.) „und euch ein Beispiel hintcrlassen, damit ihr seinen Fußstapfen nachfolget." Gleichwie die Maler die Bilder vor Augen haben, welche sie abmalen wollen, gerade so sollen auch wir den Blick des Geistes unverrückt ans Christus wenden, wie er bald unter dem Kreuze seufzt, bald am Kreuze mit dem Tode ringt, bald von Dornen durchstochen und von Geißeln zerfleischt, bald ungerecht verfolgt, bald widerrechtlich zum Tode verurthcilt, bald mit Schlägen oder Schmähreden überhäuft wird. Durch diesen Anblick wird sich in uns das Verlangen der Nachahmung rege machen, und das Leiden uns süß oder minder schwer fallen. — Daher heißt es schon im 2. Buche Moses (25, 40.): „Schaue und mache cs dem Bilde nach, das dir auf dem Berge gezeigt ward!" Ja, mein Christ! in allen Leiden und Widerwärtigkeiten blick hin auf den Gekreuzigten und mache es dem Vorbilde nach, das dir gezeigt worden ist auf dem Berge! Beispiele und Anwendung. Gegenliebe und Dankbarkeit sind es ganz besonders, die der göttliche Heiland am Kreuze von uns fordert. Mit dem heiligen Franziskus sollen wir uns oft am Fuße des Kreuzes niederwerfen und voll glühender Liebe seufzen und rufen: „O Herr Jesu! verleihe, daß die feurige und honigsüße Macht deiner Liebe meinen Geist und meine Seele durchdringc, auf daß ich 15 ) 114 Erstes Hauptstück. Was wir dem göttlichen Heiland für seinen Versöhnungstod schuldig sind. aus Liebe zu deiner Liebe sterben möge, da du dich gewür- worden, o Christ! (so ermahnt uns ein digt hast, aus Liebe zu mir zu sterben!" Außerdem sollen frommer Lehrer der Kirche) so denke bei wir aber Kreuz und Leiden gerne auf uns nehmen und wil- an den Faustschlag in deines Er-, lig ertragen, auf daß wir so dem göttlichen Heilande ^ Nachfolgen. Wie sieht es da ans, mein Christ-duldest du losers Angesicht! WeG du nicht aus, mcht gerne? Nimmst du jedes Kreuz mit Dank und Liebe aus fl^h "'fl Stricke, die deines, Gottes Hand an? Möchtest du doch jenem frommen Ein- Erlösers Hände umschnüren! Bist du von siebter gleichen, welcher einst nach Alexandrien auf den Jahr- Kopfweh hart gequält, so sieh auf deines markt ging! Er kam nämlich zu einem Kramer, welcher lau- EickiffxrK dörnerne Krönet Behagt dir deine Speise nicht, so ter Kreuzleni von Gold und Silber feil hatte. Wohl hatte , . ,, , , , ... „ , , ,, , . er sich gerne eines kaufen mögen; nur besorgte er, es möchte S^nke seines Myrrhen- und Gallentrankes'. Ist d.r dem sein Geld nicht ausrcichen. Er nimmt eines in die Hand Lager zu hart, dein Leiden zu schmerzlich, so betrachte das und fragt, wie theuer er dieses gebe? Der vermeintliche Krämer sagt, er verkaufe keines, sondern verschenke sie nur. Da erwidert der Einsiedler voll Freude: „So ist gut kaufen, wenn man Nichts bezahlen darf." Er bedankte sich höflich, schiebt es in seinen Sack und eilet nach Hause, während der Krämer ihm nachrief: „Das ist gut, Bruder! wenn man für das Kreuz dankt." Am andern Tage bekam der Einsiedler das Fieber, wurde ganz traurig und wollte mit seinem Kreuzlein keine rechte Freude mehr haben. Er nahm dasselbe in seine Hand, besah es nach allen Seiten hin und fand nach der Länge mit ganz kleinen Buchstaben diese Worte geschrieben: „Das viertägige Fieber." Alsbald merkte er, wo das Krcuzlein mit diesen Worten hinaus wollte. Nachdem ihn das Fieber verlassen hatte, kehrte er wieder auf den Markt zurück, um seinen Krämer aufzusuchen. Aber alles Suchen war vergebens. Da dachte er bei sich selbst, das müsse kein irdischer, sondern ein himmlischer Handelsmann gewesen sein. Ruhig ging er wieder nach Hause, dankte Gott noch einmal für sein Kreuz und erduldete die Schmerzen des Fiebers mit größter Geduld. Lange, gar lange war er krank. Endlich kam auch seine Erlösungsstunde; denn auf dieser Welt dauert Alles nur eine Zeit lang. Ein himmlischer Bote, welcher einst auf dem Markte das Krcuzlein ihm gegeben hatte, führte seine Seele zu den ewigen Freuden. schauerliche Ruhebett des Kreuzes!" Beispiel und Anwendung. Es darf uns daher nicht wundern, daß die Heiligen Gottes so oft und so gerne vordem göttlichen Heilande am Kreuze verweilten und da in frommer Betrachtung seiner Leiden Trost und Weisheit, Kraft und Stärke suchten und fanden. So sah man z. B. den heiligen Hieroynmus stets unter dem Kreuze schreiben und studiren. Da fragte ihn Jemand: „ Warum er sich stets unter dem Kreuze aufhiclte?" Und er gab zur Antwort: „Dieser Baum des Lebens gibt mir einen Schatten wider alles Böse, und er gibt mir Früchte, die mich stärken zu allem Guten. Unter diesem Schatten will ich immer bleiben und die süssen Früchte genießen." — In der Betrachtung des bittern Leidens und Sterbens fanden die Heiligen Trost und Stärke, wie wir in der Leidensgeschichte der heiligen Märtyrer Hipparchus und Philotheus ersehen. (Sieh das vorhergehende Bild!) Als nämlich Kaiser Galerius Maximian als Sieger aus Persien heimkehrte, machte er im Jahre 297 zu Samosata in Syrien Halt, um dort das fünfzigste Jahr seiner Regierung zu feiern. Alle Bewohner der Stadt erhielten Befehl, sich in den Tempel der Fortuna zu begeben, um daselbst den Göttern zu opfern. gen Liebe und Dankbarkeit, sowie zur treuen Nachahmung Christi des Gekreuzigten ermuntern? Antw. Durch öftere und fleißige Betrachtung des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi. Belehrung. Nichts kann den Menschen dem göttlichen Heilande näher bringen, als die fleißige Betrachtung seiner Stärke, Weisheit und Bcseligung in der fleißigen Betrachtung Leiden. Darin findet der Unglückliche Trost, der Sünder Be- des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi und sei über- seligung, der Lern- und Heilsbegierige wahre Weisheit; dem zeugt, daß auch du, wie alle Heiligen, dieses Alles bei Jesus Frommen ist diese heilige Betrachtung das liebste und segens- ^ Kreuze finden werdest. reichste Gebet, dem Gerechten der Spiegel der Geduld und Legende: Der h eilige Priester und Märtyrer treuen Ergebung in Gott. — Darum ruft der heilige Bern- Valentin (fl 273) hard auS: „Die Leiden des Herrn betrachten, nenneich 3 ^i^)falls in der Betrachtiing des bittern Leidens an--«.-, - -L ^ ^ ^ und Sterbens Jesn Christi seine Freude und seinen Trost, Weichen; m ihnen finde ich d.e Reichthümer des Heiles und ^ ^aß er muthig dem Martertode entgegenging. Er war die Fülle der Verdienste; aus ihnen schöpfe ich bald heilsame Priester Lei der christlichen Gemeinde zu Rom und hatte Bitterkeit, bald den süssesten Trost." — „Bist du beleidiget durch seinen Eifer unzählig viele Seelen für das Chri- Hipparchus und Philotheus, beide ausgezeichnet durch ihre Geburt und ihre Würde, und seit einigen Jahren zum Christenthume bekehrt, entschlossen sich, während der ganzen Fr. Wodurch können wir uns besonders zur inni- Dauer der Feste sich nicht öffentlich zu zeigen. Eingeschlossen in dem Hause des Einen (es war das des Hipparchus), beteten sie dort siebenmal des Tages vor einem an der gegen Orient gerichteten Wand aufgestellten Kreuze, und stärkten sich durch Betrachtung des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi zum Martcrthum. Und wie freudig und getröstet gingen sie nicht hin zur Richtstätte, um den Todesstreich zu empfangen! — So suche auch du, mein Christ! Trost und 113 Am Feierabende MM stcnthum gewonnen, weswegen er von vem Statthalter in's Gefängniß geworfen wurde. Da er standhaft im Glauben an Christus beharrte, so wurde er im Jahre 9?3 enthauptet. Gebet. Wir bitten dich, 0 Herr! laß uns liebge- wiunen die Betrachtung des bittern Leidens und Sterbens deines göttlichen Sohnes, damit wir darin Trost und Beseligung finden bei Leid und Freud, wie St. Valentin. Durch denselben Christum unfern Herrn. Amen. Sechsundvierzigstes Lesestück. Am Feierabende des 15. Februar. Jesu Begräbnis;. Fr. Warum wird im vierten Glaubensartikel der Beisatz gemacht: „Und begraben?" Antw. Damit wir desto mehr davon überzeugt werden, daß Christus wahrhaft gestorben, d. h. daß seine Seele vom Leibe getrennt worden sei. Belehrung. Dadurch, daß sich der göttliche Heiland begraben ließ, ist sein Tod um so unläugbarer und seine Auferstehung nur um so herrlicher und glaubwürdiger geworden. Der heilige Athanasius bemerkt hiezu: „ Christus hätte seinen Leib sogleich wieder vom Tode erwecken und lebendig zeigen können; aber dieses wollte unser Heiland nicht thun, und zwar mit Recht; denn man hätte dann sagen können, er wäre gar nicht gestorben gewesen; mithin wäre auch die Ehre der Nnverweslichkeit dunkel und ungewiß geblieben, wenn zwischen Tod und Auferstehung keine Zeit verlaufen wäre." des 15. Februar. Biblische Erzählung über das Begräbnis) Jesu Christi. Um die neunte Stunve «Nachmittags drei Uhr) hatte der göttliche Heiland seine heiligen Augen geschlossen zum Tobes- schlafe, und am Abende desselben Tages kam ein reicher Mann von Arimathäa, mit Namen Joseph, der auch selbst ein Junger Jesu war, zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Da befahl Pilatus, daß man den Leichnam ausliefere. Und Joseph nahm den Leib, wickelte ihn in reine Leinwand und legte ihn in sein neues Grab, welches er in einem Felsen hatte aushauen lassen, wälzte einen großen Stein vor die Thüre des Grabes und ging weg. Es waren aber daselbst Maria Magdalena und die andere Maria und fassen dem Grabe gegenüber. Des andern Tages nun, der auf den Rüsttag folgt, versammelten sich die Hohenpriester und Pharisäer bei Pilatus und sprachen: „Herr! wir haben uns erinnert, daß jener Verführer, als er noch lebte, gesagt hat: Nach drei Tagen werde ich wieder auferstehen. Befiehl also, daß man das Grab bis auf den dritten Tag bewache, damit nicht etwa seine Jünger kommen, ihn stehlen und dem Volke sagen: Er ist von den Tobten auferstauden! und so der letzte Jrrthum ärger würde als der erste." Pilatus sprach zu ihnen: „Ihr sollet eine Wache haben; gehet, haltet Wache, wie es euch dünket!" Sie aber gingen hin, verwahrten das Grab mit Wächtern, und versiegelten den Stein. Fr. Woran soll uns die Begräbnis) Christi erinnern? Antw. Daran, daß auch wir ihm stets eine würdige Ruhestätte in nnserm Herzen bereiten sollen, so oft wir ihn in der heiligen Communion empfangen. Belehrung. Siehe nur, mein Christ! welch ein herrliches Grab Joseph von Arimathäa dem göttlichen Heilande bereitete! Er ließ es in einen Felsen aushauen ganz neu, so daß Niemand in demselben gelegen war, und ließ dann einen großen Stein vor die Thüre des Grabes wälzen, damit Niemand in dasselbe eindringen konnte. So soll auch dein Herz sein >— ganz neu und rein, (d. h. durch die Kraft des heiligen Geistes erneuert und gereinigt von allen Sünden), wenn du deinen Gott und Heiland in dasselbe aufnimmst; du sollst es alsdann, wenn du Ihn ausgenommen hast, sorgfältig verschließen, auf daß Niemand in dasselbe eindringen kann, um dir deinen Heiland wieder zu rauben. Beispiel und Anwendung. Die heilige Paula von Rom, die mit so zärtlicher Andacht die Krippe zu Bethlehem besuchte, pilgerte oft auch hin zum heiligen Grabe nach Jerusalem, um dankbaren Herzens jener Liebe zu gedenken, die am Kreuzesholze sterben und drei Tage im Grabe ruhen wollte. Wenn sie dann eintrat in diese heilige Stätte, so küßte sie vor Allem, wie uns der heilige Hieronymus berichtet, den Stein, welcher am Eingänge liegt; trat alsdann in die heilige Grotte selbst hinein und drückte voll Vertrauen und Liebe ihren Mund an jene Stelle, wo der Leichnam- Christi gelegen war. Bei diesem frommen Akte empfand sie ein unaussprechlich süßes Gefühl, und es war ihr, als ob sie 15 * 116 Erstes Hauptstück. Jesu Begräbnis. den lieblichsten Trank aus der Quelle des Lebens schlürfte. — Wenn sie zum Tische des Herrn ging, gedachte sie oft dieser heiligen Grabesstätte, und sie sprach alsdann zu sich selber: „ O Herr! dein Grab ist so herrlich, ist gehauen in einen neuen Felsen, und Niemand oard noch darein ge- tegt! Ach, und ich will >etzt zu deinem Tische gehen, und will mein eigenes Herz zu deinem Grabe machen; ach, und dieses Grab ,st so wüst und öde! Schon so oft Hab' ich ja bw Sunde hmeuigelegr und die >uudhasie Begierde in ihm wohnen lassen! O mein Jesu! komm und reinige mein sündiges Herz, auf daß es ein würdiges Grab, eine würdige Ruhestätte deines hochheiligen Leibes werde!" Nicht selten begleitete sie diese Worte mit reichlichen Thränen. — Christliche Seele! wie lehrreich ist diese fromme und weise Rede der heiligen Paula nicht auch für dich! Sich! du kannst nicht zum heiligen Grabe wallfahrten; doch, es hat dieß Nichts auf sich, dein Gott verlangt es auch nicht. Du hast ja das heilige Grab selbst in dir; dein eigenes Herz ist's, in welches du Jesum Christum so oft aufnimmst mit Fleisch und Blut, mit Gottheit und Menschheit. Da blicke oft hinab und erforsche, ob es rein und fleckenlos ist, um den heiligen Leib deines Erlösers aufzuneh- men und zu beherbergen! Und wenn du Ihn dann eingeschlossen in die Tiefe deines Herzens, o dann magst du dich erquicken, wie einst die heilige Paula am Grabe des Herrn! Fr. Woran soll uns das Grab Christi noch ferner erinnern? Antw. An unser eigenes Grab. Belehrung. Bei dem Grabe des Herrn sollen wir aber auch an unser Gräb denken; denn auch unserm entseelten Leibe wird einst das Grab als Aufenthaltsort dienen bis zum großen Tage der Auferstehung. Der Herr hat durch sein Grab unsere Gräber geheiliget, und es darf uns daher das Grab jetzt nicht mehr furchtbar erscheinen, wenn wir nur nicht darauf vergessen, uns im Leben geistige Güter und unvergängliche Schätze zu sammeln. Beispiel und Anwendung. Als einst ein reicher Mann, mit Namen Tüder tinus, seinem Diener, dem seligen Jakoponus, befohlen hatte, er solle die so eben gekauften jungen Hühner in sein Haus tragen, da trug er sie zur Grabstätte, welche sich sein reicher Herr noch bei Lebzeiten bei der Kirche des heiligen Fortunatus hatte erbauen lassen; er gab dadurch seinem Herrn zu verstehen, daß er dort sein eigentliches Haus habe, und daß es nöthig sei, für dort geistige Güter und unvergängliche Schätze zusammenzutragen. In dieser Erinnerung hat auch der fromme Dulder Job ausgerufen: „Ich weiß, daß du dem Tode mich übergibst, wo du allen Lebendigen ein Haus bestellst." — Wohl uns, meine Christen! wenn wir uns im Leben noch zur rechten Zeit Schätze für unser Grab und somit für die Ewigkeit hinterlegen! Legende: Die heiligen Faustin und Jovita Märtyrer, (ch 121.) Diese zwei. Heiligen, welche Brüder waren und von einer angesehenen Familie abstammten, predigten mit Mnth und Unerschrockenheit den christlichen Glauben zu Brescia in der Lombardei. Die Heiden geriethen durch ihren Eifer in Wuth; ein Edelmann, mit Namen Julian, ließ sie verhaften, und Kaiser Hadrian, der sich damals in Brescia befand, ließ sie enthaupten, weil sie sich weigerten, Jesum Christum zu verläugnen. Sie starben den Martertod um das Jahr 121 und wurden von den Christen ehrenvoll begraben. Später wurden ihre Reliquien in Brescia öffentlich zur Verehrung aufgestellt, wo sie als Hauptpatrone verehrt werden. Sonach wurde ihnen ihr Grab eine Ruhestätte des Friedens. Gebet. Wir bitten dich, Herr himmlischer Vater! um Gnade und Stärke zu einem frommen und heiligen Leben, auf daß uns einst unser Grab eine Ruhestätte des Friedens bis znm Tage der seligen Auferstehung werden möge. Dieß verleihe uns, o Gott! auf die Fürbitte der heiligen Märtyrer Faustinus und Jovita durch Jesum Christum, unfern Herrn. Amen. i Am Feierabende Siebemmdvierzigstes Lesestück. Am Feierabende des 16. Februar. Fünfter Glaubensartikel: „Abgestiegen zu der Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Todten." Jesus in der Vorhklle. Fr. Wohin begab sich die Seele Jesn nach der Trennung von dem Leibe? Antw. Sie stieg in Vereinigung mit der Gottheit, die auch mit dem Leibe im Grabe verbunden blieb, zur Borhölle hinab. Belehrung. „Christus ist abgestiegen zu der Hölle," dieses will sagen: seine Seele ist nach seinem Tode in die Vorhölle gegangen, d. i. in jenen Ort, der sonst auch „Schooß Abrahams" genannt wird, und wo die Seelen der Gerechten anfbehalten wurden, weil der Himmel noch ver- schloßen war. — Man unterscheidet nämlich drei Orte, in denen die Seelen, welche die Seligkeit noch nicht erlangt haben, nach dem Tode aufbehalten werden. „Es gibt erstens, wie der römische Katechismus sagt, ein äußerst schreckliches und finsteres Gefängniß, in welchem die Seelen der Verdammten in einem ewigen und unauslöschlichen Feuer Zugleich mit den unreinen Geistern gequält werden, welches des 16. Februar. 117 auch das höllische Feuer, der Abgrund und im eigentlichen Sinne die Hölle genannt wird. Zweitens gibt cs ein Fcg- fcuer, in welchem die Seelen der Frommen bis auf eine bestimmte Zeit gestraft und gereiniget werden, damit ihnen der Eingang in das ewige Vaterland geöffnet werden könne, in welches nichts Unreines eingeht. Eine dritte Art Wohnung endlich ist jene, in welcher die Seelen der Heiligen vor der Ankunft Christi des Herrn aufbehalten wurden, und dort, ohne einen Schmerz zu empfinden, der seligen Hoffnung ihrer Erlösung harrend, eine ruhige Wohnung genossen. Die Seelen dieser Frommen nun, welche im Schooße Abrahams den Erlöser erwarteten, hat Christus der Herr, als er zur Hölle hinabfuhr, befreit." Fr. Warum wollte Jesus zur Hölle hinabsteigen? Antw. Besonders aus folgenden zwei Gründen: 1) um die Seelen der Gerechten zu trösten, zu befreien und in den Himmel einzuführen, 2) um auch dort in der Unterwelt seine Liebe, seine Macht und Herrlichkeit zu zeigen. Belehrung. Der göttliche Heiland wollte in der Vorhölle vor Allem 1) die Seelen der Gerechten trösten, befreien und in den Himmel entführen. „Er stieg allein zur Hölle hinab," sagt der heilige Ignatius, „brachte aber Viele mit sich aus der Hölle zurück und führte sie zum Himmel." Als der göttliche Erlöser in der Vorhölle erschien, wurde wahrlich der Kerker zu einem Paradiese. Denn wie groß mag wohl der Jubel gewesen sein unter den Patriarchen und Propheten, die nun einmal den heiß ersehnten Erlöser vor sich sahen! Welche Freude, welcher Trost mußte der Anblick Jesu Christi nicht sein für unsere Stammeltern Adam und Eva, für den frommen Vater Noe, für die heiligen Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob, für Moses, für den frommen Dulder Job, für den großen Büs- ser und König David, für die heiligen Propheten und Lehrer, für alle frommen und gottesfürchtigen Seelen, die wohl unzählig oft seufzten: „Thauet, Himmel! den Gerechten, Wolken! regnet ihn herab!" — Durch sein Hinabsteigen in die Vorhölle wollte Jesus aber auch 2) dort in der Unterwelt seine Liebe, Macht und Herrlichkeit zeigen, auf daß sich vor ihm „alle Knie beugen Derer, die im Himmel auf der Erde und unter der Erde sind." (Phil. 2, 10.) Darum heißt es im römischen Katechismus: „Wer sollte hier nicht die außerordentliche Güte Gottes gegen das menschliche Geschlecht bewundern und anstaunen, der nicht nur den bittersten Tod für uns leiden, sondern auch in die Tiefen der 118 Erstes Hanptstück. Jesus in der Vorhölle. Erde hinabdringen wollte, um die ihm theuersten Seelen daraus zu befreien und in die Seligkeit einzuführcn?" Beispiel und Anwendung. Wie der göttliche Heiland durch sein Hinabsteigen in die Vorhölle auf's Neue s e i n e Liebe, Macht und Herrlichkeit zu erkennen gab, das zeigen uns die beiden heiligen Väter der Kirche, Chprian und Johannes Dam a s cen us, in folgenden Beispielen oder Gleichnissen. Ter heilige Cyprian schreibt: „Wenn ein mächtiger König eine Stadt oder Festung einnimmt, wo die Seinigcn gefangen liegen, so ist es gewiß ein Zeichen der freundlichsten Herablassung und Liebe, wenn er nach Eroberung der Stadt oder Festung selbst in die Gefängnisse geht, die Ketten und Bande auflöset, und die Gefangenen herausführt; Jedermann wird seinen Edelmnth und seine Liebe preisen. Gerade so verhält es sich mit Christus, da er hinab- sticg zur Hölle; er ging nicht hinab aus Zwang als Gefangener, sondern aus Liebe als Sieger und Befreier."— Und der heilige Johannes Damascenus fügt bei: „Die mit dem göttlichen Worte vereinigte Seele stieg deßwegen zu unterst hinab, damit, gleichwie Denen, welche sich noch auf Erden befanden, die Sonne der Gerechtigkeit aufgegangcn war, sie auch Jenen, die unter der Erde in den Finsternissen und im Schatten des Todes fassen, leuchten möchte; und gleichwie er den Gefangenen, die auf Erden waren, Entlassung, den Blinden das Gesicht zur frohen Botschaft verkündet hatte, so thut er es auch au Denen, die zu unterst waren, auf daß sich vor ihm jedes Knie beuge im Himmel, auf Erden und unter der Erde." — Siehe, mein Christ! so zeigt sich doch überall Gottes Liebe, Macht und Herrlichkeit, auf daß du ihn immer wieder auf's Neue lieben, anbeten und verherrlichen mögest! Fr. Wozu soll uns das Hinabsteigen Jesu in die Hölle vorzüglich aneifern? AntW. Das Hinabsteigen Jesu in die Hölle soll uns vorzüglich dazu aneiferu, daß wir jetzt im Leben öfter dem Geiste und Herzen nach in die Hölle hinabsteigen, damit wir nicht nach dein Tode hinuntergestürzt werden. Belehrung. Nicht in die Vorhölle, in welche Christus Hinabstieg, müssen wir recht oft im Geiste hinabsteigen; (denn diese hat aufgehört zu sein), sondern in die eigentliche Hölle, wo die Verdammten ewig brennen und seufzen, in den Ort der Qualen, in den Abgrund des Elends, wo Gott die Todsünde ewig straft, da müssen wir uns oft im Geiste hinversetzen; eine solche Betrachtung wird uns heilsam sein. Ein frommer Lehrer sagt deßhalb: „Durch das Feuer wird der hungrige Löwe vom Raube zurückgescheucht, und durch lebhafte Vorstellung der höllischen Flammen wird der erboßte Sünder von seiner Gottlosigkeit abgehalten." „Das Feuer der sündhaften Lust," sagt Tertnlliau, „wird oft gelöscht durch den Gedanken an das Feuer in der Hölle." Ebenso schön schreibt auch der heilige Chrysostomus: „Wer noch außer der Hölle mit seinen Gedanken in die Hölle hinabsteigt, der wird gewiß nicht in die Hölle gestürzt." Und der heilige Bernhard ermahnt uns: „Steige in deinem Leben in die Hölle hinab, auf daß du nicht nach deinem Tode hinabsteigen mußt!" Beispiel und Anwendung. Der Abt auf dem Berge Sinai, Johannes Climakus, sah einst den Klosterkoch, der sonst immer ungemein fröhlich war, an dem flammenden Herde in der Küche schmerzlich weinen, und fragte ihn liebreich: „Warum weinest du, geliebter Bruder?" — „Ach!" antwortete der gute Mann, „wenn ich dieses hochauflodernde, prasselnde Feuer so ansehe, und die Hitze, wiewohl noch in einiger Entfernung, kaum ertragen kann, so gedenke ich an jenes ewige Feuer, von dem Christus der Herr sagt, daß es nie erlischt; und da beweine ich denn Diejenigen, die, gleich dem reichen Manne im Evangelium, in jenen Flammen eine so unaussprechlich große Qual leiden!" — O daß auch wir mit diesem frommen Klosterkoche in der Einfalt des Herzens oft zur Hölle hinabsteigen und dort jenes hochauflodernde und prasselnde Feuer betrachten möchten! Ein heiliger Schauder würde unsere Seele ergreifen und heilsam auf unser Inneres wirken! Legende: Die heilige Jnliana, Jungfrau und Märtyrin, (ch 304.) Auch-die heilige Juli ana, deren Fest heute in der Kirche begangen wird, gedachte oft im Leben der Höllenstrafen und wollte daher lieber sterben, als sündigen, Sie war von heidnischen Eltern zu Nikomedia geboren und zog bald durch ihre edle Geburt und ihre blühende Schönheit die Augen der vornehmsten Jünglinge auf sich. Unter diesen war auch Eulesius, ein vornehmer Römer, dem sie von Seite ihrer Eltern schon lange bestimmt zu sein schien, und der nun, da er zur Am Feierabende des 17. Februar. 119 Würde eines Präfekts erhoben worden, ernstlich um ihre Hand warb. Allein Jnliana war schon längstens, ohne Wissen ihrer (Eltern, eine Christin, und sagte nun frei und offen, sie könne nur unter der Bedingung in die Heirath willigen, wenn Eulesins sich zum wahren Glauben an Jesus Christus bekennen werde. Diese uiwerinuthete Antwort schmerzte sowohl ihren Bränti- Mi, als ihre Eltern, die sic nun zu bewegen suchten, von ihren Gesinnungen abzustehen. Da aber Bitten und Drohungen, so wie harte Mißhandlung an ihr fruchtlos waren, so übergab sie der Vater dem Präfekten, der anfangs durch die zärtlichsten Ausdrucke einer sinnlichen Liebe ihr Herz zur gleichen Neigung zu bewegen suchte. Allein sie, die Gott vom ganzen Herzen liebte, blieb auf dem schon gegebenen Worte, ihn nur dann zu ehelichen, wenn er an Christum glaube. Er antwortete, daß ihn dann der Zorn und die Rache des Kaisers treffen würde. Da erwiderte Jnliana: „Wenn du vor einem sterblichen Fürsten zitterst, wie wagst du es, mich zu bereden, daß ich den Unsterblichen verläugnen soll?" Nun verwandelte sich die verschmähte Liebe des Präfekten in Rache. Aber weder das mit stählernen Spitzen beschlagene Rad, noch das um sie her angezündete Feuer, noch das Gefäß voll geschmolzenen Bleies, in welches sie getaucht wurde, vermochten sie von der Anhänglichkeit an ihren göttlichen Heiland abwendig zu machen. Erst 18 Jahre alt, wurde sie im Jahre 304 enthauptet. Gebet. Heilige Jungfrau und Märtyrin Juliana! bitte bei Gott für uns um die Gnade, daß wir ihm so treu und standhaft dienen mögen, wie du, und daß wir auf Erden schon recht oft im Geiste in die Hölle hinabsteigen, auf daß wir nicht nach dem Tode hinab- gestiirzt werden. Amen. Achtundvierzigstes Lesestück. Am Feierabende des 17. Februar. Die Auferstehung Christi; ihre Unläugbarkeit. Fr. Was ereignete sich am dritten Tage nach dem Tode Jesu? Antw. Am dritten Tage ist er wieder von den Tod- ten auferstanden, d. h. er hat, wie er es vorausgesagt, (3oh. 2, 19 — 21.), durch eigne Macht seine Seele wieder mit dem Leibe vereinigt und ist aus dem versiegelten Grabe glorreich und unsterblich hervorgegangen. Belehrung. Als der Morgen am ersten Tage der Woche (d. i. am Sonntag) anbrach, da geschah ein großes Erdbeben bei dem Grabe; denn ein Engel Gottes fuhr vom Himmel nieder, warf von dem Eingänge des Grabes den Stein weg und setzte sich darauf. Die Wächter kamen vor Schrecken außer sich und waren wie todt. Und der Engel hob an und sprach zu den Frauen, die zum Grabe Christi gekommen waren: Fürchtet euch nicht; denn ich weiß, daß ihr Jesum suchet, der gekreuzigt worden ist. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommet und sehet den Ort, wo man den Herrn hingelegt hatte! Und gehet eilends hin, und saget seinen Jüngern, daß er auferstanden ist; und siehe! er geht vor euch nach Galiläa hin; daselbst werdet ihr ihn sehen. Siehe! ich habe es euch vorher gesagt." Und sie gingen eilends mit Furcht und großer Freude von dem Grabe hinweg und liefen, um es seinen Jüngern zu verkünden. Und siehe! Jesus begegnete ihnen, und sprach: „ Seid gegrüßt!" Sie aber traten hinzu und umfaßten seine Füße und beteten ihn an. Da sprach Jesus zu ihnen: „Fürchtet euch nicht! Gehet hin und verkündet es meinen Brüdern, daß sie nach Galiläa gehen! Daselbst werden sie mich sehen." Als diese nun hingegangen waren, siehe! da kamen Einige von den 120 Erstes Hauptstück. Die Auferstehung Christi; ihre Unläugbarkeit. Wächtern in die Stadt und verkündigten den Hohenpriestern Alles, was sich zugetragen hatte. Und diese versammelten sich mit den Aeltcsten, hielten Rath und gaben den Soldaten viel Geld und sprachen: „Saget: seine Jünger sind bei der Nacht gekommen und haben ihn gestohlen, da wir schliefen! Und wenn dieses dem Landpfleger zu Ohren kommen sollte, so wollen wir ihn bereden und euch sicher stellen." Sie nahmen an das Geld und thaten, wie man sie unterrichtet hatte, und es verbreitete sich diese Sage unter den Juden bis auf den heutigen Tag. Fr. Ist also Christus wirklich auferstanden? Und woraus ersehen wir dieß? Antw. Ja, Christus ist wahrhaft auferstanden; wir ersehen dieß daraus, weil den Juden ihre Wache und ihr Stein Nichts half, und weil er seinen Jüngern wiederholt erschien, mit ihnen aß und trank re., und dem Thomas sogar seine Wundmale zeigte. (Joh. 20, 24. re.) Belehrung. Wohl keine unter allen Wahrheiten un- sers Glaubens ist durch so evidente und unwiderlegliche Beweise dargethan, wie die Auferstehung des Herrn. Auf dieser Wahrheit beruht aber auch die ganze Grundfeste des Christenthums. Es sah Gott wohl voraus, daß man daran rütteln werde, um diese Grundfcste und mit ihr das Christenthum selbst zu stürzen; und gerade deßhalb sollte die Auferstehung über allen Zweifel erhaben sein. Zeugniß für dieselbe gibt vor Allem das leere Grab, welches bis zu jener himmli- lischen Erscheinung fest geschlossen, versiegelt und stark bewacht war, so daß es nur auf wunderbare Weise, wenn Jesus wirklich vom Tode auferstand, leer werden konnte. Ein anderes Zeugniß dafür gaben die Engel, die den frommen Frauen, welche am Sonntag Morgens das Grab besuchten, erschienen, und die Auferstehung Jesu ausdrücklich verkündigten. Zeugniß für die Auferstehung gaben ferner die Freunde Jesu, die den Wiedererstandenen so oft gesehen, mit ihm gesprochen, gegessen, zum Theil sogar mit eigener Hand seine Wundmale berührt hatten. Jesu Auferstehung bezeugen auch die vielen und großen Wunder, welche die Apostel nachmals im Namen des Erstandenen und zur Bestätigung dieser Thatsache gewirkt, so wie die unsäglichen Mühen und Leiden, die sie für den Glauben und die Verkündigung der Auferstehung bis an ihr Ende erduldet haben. Endlich mäßen sogar die Feinde Jesu seine Auferstehung gerade dadurch bekräftigen, daß sie zur Widerlegung derselben mit allem Scharssinn nichts Anderes vorzubringen wissen, als was bestochene Wächter im Schlafe gesehen haben sollten. Es ist also jeder vernünftige Zweifel an der Auferstehung Jesu für immer ausgeschlossen, und mit heiliger Freude wollen wir jedes Osterfest, und jeden Sonntag feiern, wo uns die Kirche an diese trostvolle Wahrheit erinnert. (Vgl. die Schule der christl. Relig. Jesu Christi.) Beispiel und Anwendung. In der Lebensgeschichte der Heiligen und Blutzeugen Gottes begegnen uns unzählige Glaubenshelden, welche mit Gut und Blut diese Grundwahrheit von der Auferstehung des Herrn bekannten und verthei- digten. Von allen diesen glänzenden Zeugnissen nur eines! Zur Zeit der Verfolgung des Kaisers Maximian besuchte ein christlicher Feldherr, Namens Victor, von Haus zu Haus die Brüder, um sie zur Verachtung des Todes zu erm'ahnen und ihnen die Sehnsucht nach den ewigen Gütern einzuflößen. Bei diesem eines Streiters Jesu Christi so würdigen Werke zu Marseille ergriffen, wurde er vor den Richter geführt, der ihm vorstellte, wie thöricht es sei, die Frucht seiner Dienste sammt der Gunst seines Fürsten durch Anbetung eines tobten Menschen zu verlieren. So nannte der Richter Jesum Christum. Victor erwiderte ihm: „Ich entsage allen Vortheilen, deren ich nur dadurch theilhaftig werden kann, daß ich Jesu Christo, dem einzigen Sohne Gottes, untreu werde, welcher sich erniedrigt hat, zu unserm Heile Mensch zu werden und zu sterben, der aber nach seinem Tode wieder auferstanden ist und mit seinem himmlischen Vater regiert, dem er in Allem vollkommen gleich ist." — Einige Tage nachher wurde Victor enthauptet. — So fest muß auch dein Glaube sein, o Christ! au die Auferstehung des Herrn; denn auf dieser Wahrheit beruht die ganze Grundfeste des Christenthums. Fr. Warum beruht auf dieser Wahrheit von der Auferstehung Christi die ganze Grundfeste des Christenthums? Antw. Weil aus der Auferstehung Christi die wichtige Lehre folgt, daß Christus wahrhaft Gott und unser Erlöser ist. Belehrung. Mit dieser wichtigen Lehre, daß Christus auferstanden ist, steht oder fällt das Christenthum. Denn ist Er wahrhaft von den Todten auferstanden, so ist Er Gott; ist aber Christus Gott, so ist auch die Religion, die Er zu uns brachte, eine von Gott wahrhaft geoffenbarte Religion, und es ist Alles wahr, was Christus gelehrt hat. „Ist aber Christus nicht auferstanden," sagt der Apostel, „so folgt, daß unsere Predigt vergeblich ist, vergeblich auch euer Glaube." Darum schreibt der heilige Augustin: „Es ist nichts Großes zu glauben, daß Christus gestorben sei; dieses glauben auch die Heiden, die Juden und alle Gottlosen; dieses glauben Alle, daß er gestorben ist. Der Glaube der Christen ist'die Auferstehung Christi; das halten wir für gewiß, daß wir glauben, er sei auferstauden." Beispiel und Anwendung. Christus ist auferstanden, deßhalb ist er Gott, und deßhalb glauben wir. — Die 121 Am Feierabende Geschichten der Märtyrer erzählen, wie die heilige Margarita, als sie vor dem heidnischen Nichterstuhle stand, von dem Präsckten Olibrius um ihre Religion befragt wurde. Kaum hatte dieser ihr Bekcnntniß vernommen, als er schon voll Entrüstung rief: „Wie kann ein größerer Unsinn erdacht werden, als einen Menschen sich zum Gott zu setzen, den man an's Kreuz geheftet hat?" Da fragte die Jungfrau: „Woher weißt du es, daß Christus gekreuzigt worden ist?" Er erwiderte: „Euere eigenen Urkunden lehren es ja!" „Wohlan denn," entgegnete Margarita „in denselben Büchern ist ebensowohl vom Leiden Christi, als auch von seiner Auferstehung und Verherrlichung die Rede; wie nehmet ihr nun so wenig Anstand, das Eine zu glauben und das Andere zu verwerfen? Nicht deßhalb, weil er gelitten hat, weil er gestorben ist, glauben wir; nein! es würde uns da * der Beweis für seine Göttlichkeit fehlen. Aber er ist auferstanden, aus eigener Macht ist er hervorgegangen aus dem Grabe, und dessen freuen wir uns und frohlocken und rufen Alleluja! Er hat uns dadurch bewiesen seiner Gottheit Macht; und darum glauben wir ihm und verherrlichen und Preisen seinen Namen, und geben unser Leben hin für seine Lehre!" So männlich sprach die zarte Jungfrau, und mit Staunen vernahm der Heide die Worte ihrer Weisheit. Legend e: Der heilige Bischof Silvin. (f 718.) FML li»M MT REN MLMMW Dieser Heilige stammte ans einer der ersten Familien des Bezirkes von Toulouse. Nachdem er seine ersten Jahre an dem Hofe der Könige Childrich II. und Theo- dorich III. zngebracht hatte, verließ er die Welt, um in der Einsamkeit zu leben. Dieser Schritt machte um so mehr Aufsehen, da er sich kurz vorher verehlichen sollte und schon Alles zu seiner Verbindung bereit war. Späterhin begab er sich ans Andacht nach Rom und wurde daselbst zum Priester und zum Bischöfe geweiht, um den Mehler, Hausbuch. des 18. Februar. Ungläubigen das Evangelium zu verkünden. Das BiS- thum Terouane wurde der Hauptschauplatz seiner apostolischen Thätigkeit; mit einem wahren Feuereifer verkündete er da Jesum den Gekreuzigten und den vom Tode Auferstandenen, und da er die Kraft des Beispiels mit den gründlich belehrenden Unterweisungen verband, so machten seine Predigten einen so tiefen Eindruck, daß er dem christlichen Glauben viele Seelen gewann. Er starb im Jahre 718 heilig und voll der seligen Hoffnung, daß Jesus Christus, der von den Todten auferstanden ist, auch ihn auferwecken werde zu einem neuen, ewig glückseligen Leben. Gebet. Göttlicher Herr und Heiland, Jesus Christus! durch deine Auferstehung hast du auf unwiderlegbare Weise deiner Gottheit Macht bewiesen und unfern Glauben belebt und gestärkt; gib, daß wir in diesem heiligen Glauben leben und sterben, wie St. Silvinus, der du lebst und regirst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Nennundvierzigstes Lesestück. Am Feierabende des 18 . Februar. Die Auferstehung Christi, wie wichtig und tröstlich sie für uns ist. Fr. Ist die Lehre von der Auferstehung Christi für uns wichtig und tröstlich? Antw. Ja, sie ist für uns außerordentlich wichtig und tröstlich; denn sie stärkt uns 1) im Glauben an die Gottheit Christi und 2) in der Hoffnung auf unsere künftige Auferstehung. Belehrung. Wir wissen nun, daß Christus aus eigener Macht glorreich und unsterblich aus dem Grabe hervorgegangen ist; muß das nicht Gott sein? Oder kann ein Mensch sich selbst das Leben wieder geben und aus eigener Macht vom Tode auferstehen? Nein, das konnte nur Christus, weil er wahrhaft Gott, Gottes Sohn war. Wie mächtig muß daher durch die Lehre von der Auferstehung Christi 1) nicht unser Glaube gestärkt werden an die Gottheit Christi? 2) Aber auch die Hoffnung auf unsere künftige Auferstehung wird dadurch in uns neu belebt; darum schreibt der heilige Petrus: „Gott hat Ihn von den Todten auferweckt und Ihm Herrlichkeit verliehen, damit euer Glaube und eure Hoffnung auf Gott beruhe" (1. Petr. 1, 21.), und der heilige Paulus (1. Cor. 15, 13.): „Wenn keine Auferstehung der Todten ist, so ist auch Christus nicht auferstandcn." Ja, Christus selbst sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, wenn er auch schon gestorben ist." (Joh. 11, 25.) Welcher Trost für die frommen 122 Erstes Hauptstück. Die Auferstehung Christi, wie wichtig und tröstlich sie für uns ist. Gläubigen! Für sie gibt es keinen Tod mehr, seitdem Christus auferstanden ist! Gleichwie also sich Niemand betrübt, wenn die Sonne untergeht, weil er weiß, daß sie am andern Tage wieder aufgehen werde, gleichwie der Gärtner nicht klein- mülhig wird, wenn im Herbste die Bäume ihre Blätter verlieren, weil er weiß, daß sie im künftigen Frühling auf's Neue ausschlagen werden; ebenso nimmt es auch der Christ gerne hin, wenn sein Leib in diesem Leben leiden muß, durch Krankheiten abzehrt und in die Erde geworfen wird, um daselbst zu verfaulen, weil er weiß, glaubt und hofft, daß derselbe zu seiner Zeit wiederum werde erneuert werden, und daß er alsdann viel herrlicher, schöner und vollkommener, als er jetzt ist, auferstehen werde. Darum können wir auch getrost am Grabe der Unsrigen stehen, da wir wissen, daß wir einst Alle mit Christo auferstehen werden. (Sieh das obige Bild!) Beispiel und Anwendung. Was kann eine fromme Seele in ihren Leiden, was einen Sterbenden in seiner Todesangst mehr ermuntern, trösten und stärken, als der Gedanke an die einstige Auferstehung? Wo fand Job, dieser Mann der Schmerzen, den in seiner Qual Alles verließ, vor dessen Athem selbst sein eigenes Weib Abscheu hatte und floh, der in der Angst seines Herzens vergeblich rief: „Erbarmet euch meiner, erbarmet euch meiner, wenigstens ihr, meine Freunde! Denn die Hand des Herrn hat mich berührt," wo fand Job, dieser Mann der Leiden, Trost in seiner Qual und Verlassenheit? Einzig und allein im Gedanken an die Auferstehung. „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt," ruft er freudig aus: „und ich werde am jüngsten Tage von der Erde auferstehen, und werde wieder umgeben werden mit meiner Haut und werde in meinem Fleische meinen Gott schauen. Ich selbst werde ihn sehen und meine Augen werden ihn anschauen. .. Diese meine Hoffnung ruhet in meinem Busen." (Job 19, 25 — 27.) O selige Hoffnung im Busen des Frommen! Fr. Wozu soll uns die wichtige und tröstliche Lehre von der Auferstehung Christi antreiben? Antw. Dazu, daß auch wir mit Christus auferstehen, d. h. vom Tode der Sünde zu einem neuen heiligen Leben. Belehrung. Vergeblich feiern wir das Auferstehungsoder Osterfest, wenn wir nicht zu einem neuen, besseren und gottwohlgefälligen Leben auferstehen. Lasset uns also begraben alle bösen Gewohnheiten und sündhaften Lüste und suchen, was oben ist, den Worten des Apostels gemäß (Kol. 3, 1—2.): „Wenn ihr mit Christus auferstanden seid, so suchet, was droben ist! . . . Was droben ist, das habet im Sinne, nicht was auf Erden ist!" Und wiederum ruft er uns zu: „Ihr, die ihr schlafet," (das heißt, die ihr gestorben seid durch die Sünde), „ erhebet euch und gehet heraus aus den: Schooße des Todes." (Eph. 5.) Beispiele und Anwendung. Ein vornehmer Engländer reiste in das heilige Land und hatte einen Sarazenen zum Begleiter, der ihm über alle Merkwürdigkeiten Auskunft gab. Sie zogen durch einen schönen anmuthigen Wald, voll hoher, grünender und duftender Bäume, und er schaute auf und sah auf denselben zierliche Vögel sitzen; doch es sang keiner von ihnen, sondern einige lagen wie todt da, andere hatten die Flügel in Kreuzesform ausgebreitet und sie bewegten sich nicht. Da fragte er seinen Begleiter um die Ursache dieser sonderbaren Erscheinung, und dieser antwortete: „Das ganze Jahr hindurch hält sich in diesem Walde eine große Menge dieser Vögel auf, und ihr lieblicher Gesang erschallet allezeit; aber in der Leidenswoche, in welcher Christus, der große Gott, gelitten hat, sterben alle." Und er setzte noch bei: „Anden: Auferstehungssonntage aber erstehen sie wieder freudenvoll zum neuen Leben." — Wenn dieß an den Vögeln geschieht, an den vernunftlosen Thiercn, um wie viel mehr soll das nicht an uns Christen geschehen? Sollen nicht auch wir mit Christus sterben (d. h. der Sünde) und mit ihm anferstehen (d. h. 123 Am Feierabende des 19. Februar. zu einem neuen bessern und gottwohlgefälligen Leben)?! Und wie soll denn das geschehen? Siehe, auch dieß will ich dir in einem einfachen Beispiele zeigen. — Ein junger Mensch begegnete einmal nach Ostern einer Person, mit welcher er vorher einen verbotenen Umgang gepflogen, die aber das große Gluck hatte, sich zu bekehren. Erstaunt, daß sie, ohne auf ihn zu achten und ihn zu grüßen, an ihm vorüberging, redete er sie also au : „ Kennen Sie mich denn nicht mehr? Ich bin ja der und der..." Sie antwortete aber: „Mögen sie jener sein! ich aber bin nicht mehr Jene." — Das heißt von den Tobten aufcrstehcn, wenn man seine früheren Sündenwege verlaßt, seine sündhaften Gewohnheiten, Bekanntschaften und Neigungen aufgibt, und Nichts mehr sucht, Nichts mehr will, als nur Christum und der Seele Heil. — Die heilige katholische Kirche, unsere liebevolle und weise Mutter, fordert gleichfalls eine solche heilsame Auferstehung von allen ihren Kindern; darum verordnete sie nicht ohne weise Absicht gerade zur Osterzeit die sogenannte österliche Beicht und Com- munion. Wohl Jenen, die dem Rufe ihres auferstanvenen Heilandes und der weisen Anordnung ihrer heiligen Kirche treulich folgen! Legende: Der heilige Simeon, Bischof und Märtyrer, sch 107.) Wodurch tröstete sich der heilige Bischof und Märtyrer Simeon, dessen Andenken wir am heutigen Tage feiern, bei seinen Martern und Leiden, die er um des christlichen Glaubens willen erduldete? Durch Nichts Anders, als nur durch den Gedanken au die einstige glorreiche Auferstehung. „Ich will mit Christo sterben," rief er aus, „um mit Christo auch auferstehen zu können." — Der heilige Simeon war ein naher Verwandter Jesu Christi und Zeuge seiner Thaten und seines Lebens, seiner Auferstehung und Himmelfahrt. Nach dem Tode des heiligen Jakobus wurde er dessen Nachfolger auf dem bischöflichen Stuhl zu Jerusalem. Schon fünfundvierzig Jahre lang hatte er die Kirche zu Jerusalem regirt und das seltene Alter von hundertundzwanzig Jahren erreicht, als er ein Opfer der Verfolgung wurde. Die Römer suchten nämlich alle Abkömmlinge aus dem Geschlechte Davids auszurotten, weil die Juden einen König und Erlöser aus diesem Hanse erwarteten. Da nun der heilige Simeon ein Christ war und zugleich aus dem Geschlechte Davids abstammte, so wurde er zum Kreuzestod verdammt, 'den er mit einer bewunderungswürdigen Geduld erlitt im Jahre 107 — gestärkt und getröstet durch den Gedanken an die einstige glorreiche Auferstehung. Gebet. Herr, himmlischer Vater! zu unserm Tröste ist dein eingeborner Sohn, unser Herr und Heiland Jesus Christus, von den Todten wieder anferstan- den, um dadurch auch in uns die Hoffnung auf eine künftige Auferstehung zu beleben; gib, daß wir uns, wie der heilige Bischof und Märtyrer Simeon, durch diesen tröstlichen Gedanken in allen Leiden und Widerwärtigkeiten dieses Lebens stärken, und daß wir durch wahre Busse hienieden zu einem neuen Leben auferstehen mögen, damit wir dort einst auferstehen können zur ewigen Glorie. Durch denselben Christum unfern Herrn. Amen. Fünfzigstes Lesestück. Am Feierabende des 19. Februar. Die Wundmale Christi. Fr. Wie ist Jesus vom Tode auferstanden? Antw. Aus eigener Macht, unsterblich und glorreich, als Ueberwinder der Welt, des Todes und der Hölle und mit den fünf Wundmalen geziert, die er in seinem Leiden empfangen hat. Belehrung. Das ist ein wunderschönes Bild! — das Bild des auferstandenen Heilandes, wie wir es während der heiligen Osterzeit auf unfern Altären erblicken. Hast du es noch nicht recht betrachtet, mein Christ? So blättere zurück und betrachte es einmal im achtundvierzigsten Lesestück. Siehe, in diesem Bilde ist die ganze Art und Weise dargestellt, wie Christus auferstanden ist. — Er ist auferstanden 1) aus eigener Macht d. h. durch die Kraft seiner Gottheit; daher hebt er die drei Finger seiner rechten Hand empor, um uns dadurch zu betheucrn, daß er wahrer Gott sei und sich selbst kraft seiner Gottheit wieder zum Leben erweckt habe. 2) Er ist aufcrstanden unsterblich und glorreich; daher erscheint er in einem verklärten Leibe, und deßhalb schreibt der heilige Paulus (Röm. 6, 9.): „Nachdem der 16* 124 Erstes Hauptstück. Die Wundmale Christi. Heiland von den Tcdten auferstanden ist, stirbt er nicht mehr; der Tod herrscht nicht mehr über ihn." — Er ist auferstanden 3) als Ueberwinder der Welt, des Todes und der Hölle; und darum trägt er die Siegesfahne in der Hand. Endlich ist er auferstanden 4) geziert mit den fünf Wundmalen. Fr. Warum hat Christus auch nach seiner Auferstehung noch seine Wundmale beibehalten? Antw. Er hat dieß gethan: 1) zum Beweise, daß er mit eben demselben Leibe, in dem er gelitten, auferstanden ist; 2) zum Zeichen seines Sieges über die Hölle, 3) zu einer verborgenen Zufluchtsstätte für die Büsser und für die Gerechten, endlich 4) um diese Wundmale am Tage des Gerichtes zum Tröste der Gerechten und zur Beschämung der Gottlosen vorzuzeigen. Belehrung. Aus vier sehr wichtigen Gründen also hat der göttliche Heiland seine Wundmale beibehalten: 1) zum Zeichen seines Sieges über die Hölle. „Im Himmel," sagt der heilige Thomas, „trägt er die Wundmale als seine Siegeszeichen immer mit sich. Wie ein sei- denes Kleid, wenn es mit farbigen Figuren durchwebt ist, besser schimmert, so strahlen die Wunden Jesu, wie in einem Kleide in seiner Menschheit und geben dadurch ihre innere Schönheit kund." — Er hat sie beibehalten 2) zum Beweise, daß er mit eben dem Leibe, in dem er gelitten hat, auferstanden ist; daher sprach er zu Thomas: „Lege deinen Finger herein, und sieh meine Hände, und reiche her deine Hand und lege sie in meine Seite, und sei nicht mehr ungläubig, sondern gläubig." (Joh. 20.) Der Herr behielt seine Wundmale bei, 3) um dem Büsser und dem Gerechten darin eine Wohnstätte zu bereiten, damit Ersterer daselbst den Honig der Barmherzigkeit und Letzterer die Süssigkeit der Liebe koste; endlich 4) um diese Wundmale am Tage des Gerichtes zum Tröste der Gerechten und zur Beschämung der Gottlosen vorzuzeigen. Da wird alsdann im Hinblick auf die Wundmale Christi der Gerechte mit dem heiligen Augustin ausrufen können: „O Herr! blick gnädig hin ans die Wunden deiner Hände; sieh in deine Hände hast du mich geschrieben; lies die Schrift und rette mich!" Für den Gottlosen aber werden eben diese Wundmale ein Gegenstand des Schreckens und der Beschämung werden, da er sie im Leben verachtet und zu ihnen nicht seine Zuflucht genommen hat. Beispiel und Anwendung. Von jeher war es bei den Völkern Sitte, daß die Ahnherren adeliger Familien in ihre Wappenbilder und Insignien die Dcnkzeichen irgend eines ruhmvollen Werkes aufuahmen, das ihr Leben bekränzte. So erzählt die Sage von Gottfried dem Rauhen, Grafe» von Barcellona, daß er, nachdem er an Ludwigs des Frommen Seite mit Muth und Glück gegen die Saracenen gefochten, dem Könige sein vergoldetes Schild dargereicht habe, damit ihm dieser die Erlaubuiß verliehe, ein Wappenzeichen darauf zu führen. Wie nun der König ihn ganz mit Wunden bedeckt sah, aus denen das Blut noch quoll, tauchte er, ohne Etwas zu sagen, vier Finger seiner Hand in des tapfern Kriegers Blut, fuhr damit über die blanke Fläche des Schildes hin und zeichnete somit vier rothe Linien auf den Schild, welche fortan das Wappenbild der Grafen von Barcellona blieben. Auf ähnliche Weise — sofern es erlaubt ist, irdische Dinge mit himmlischen zu vergleichen — behielt der Retter des Menschengeschlechtes, der Obsieger über Hölle und Tod, seine Kreuzeswunden bei, damit sie das Wappenbild und die Glorie aller jener Christen blieben, die zu den Seinigen sich zählen, und die es noch wissen und beherzigen, daß sie auS Gnade von ihm das Erbe des Lebens empfangen haben und durch ihn es ewiglich besitzen sollen. Fr. Da der göttliche Heiland seine Wundmale nur aus Liebe zu uns beibehalten hat, was sollen wir thun? 125 Am Feierabende des 19. Februar. Antw. Wir sollen recht oft zu den Wundmalen Jesu unsere Zuflucht nehmen und in denselben gleichsam einen lieblichen Wohnsitz aufschlagen. Belehrung. Der heilige Cyprian schreibt: „Der göttliche Heiland hat seine Wundmale beibehalten, damit uns durch die offene Seitenwunde der Eintritt in sein Herz erleichtert werde, in dem so süß und so vortheilhaft zu wohnen ist." Im Kampfe wider den bösen Feind, die Welt und das Fleisch sollen wir daher unsere Zuflucht zu den Wundmalen Jesu nehmen; durch sie hat er gesiegt, durch sie wird er auch uns den Sieg verleihen; in seiner heiligen Scitenwunde wird er uns schützen gegen alle Gefahren Leibes und der Seele. Wir müssen es machen wie der heilige Augustin, der von sich sagt: „So oft ich angefochten werde, nehme ich meine Zuflucht zu den Wundmalen Christi und fliehe in das Herz der Erbarmungen meines Gottes." Beispiele und Anwendung. O wie süß und vortheilhaft ist zu wohnen in den Wundmalen Christi! Als der heilige Graf Eleazarus einst gefragt wurde, wo er sich am Liebsten aufhalte, antwortete er: „Ich halte mich auf in den Wunden Jesu Christi; dort lebe ich fröhlich nach dem Wunsche meines Herzens, und begehre auch Zeit meines Lebens keine bessere Wohnung auf Erden." — Aehnliches lesen wir von der edlen und seligen, Maria Claudia von Pon- taliers aus Burgund. Als sie aus ihrem Vaterlande fliehen und in fremde Länder reisen mußte und gefragt wurde, ob sie nicht große Traurigkeit befallen hätte bei der Beurlaubung von ihren liebsten Freunden und Bekannten, die sie in Burgund zurücklassen mußte, gab sie zur Antwort: „Seit ich die allerheiligste Wohnung in den Wunden Jesu erwählt habe, habe ich auch Burgund, mein Vaterland und alle meine Bekannte und Freunde darin gefunden, und zwar mit solcher Wonne, daß ich auch nicht einmal eine halbe Stunde, ja keinen Augenblick eine Langeweile verspürte." — Dieß wissen wir auch von dem heiligen Bonaventura. Als er noch Ordensgeneral war, wünschte er keine bessere Zelle, und als er später Kardinal geworden, keinen andern Palast zu bewohnen, als die allerheiligsten Wunden Christi. Er war in diese Wunden ganz in Liebe versenkt, und brach bei der Betrachtung der Lanze in diese Worte aus: „O wie glückselig war die Lanze, der erlaubt war, die heilige Seite Jesu und sein liebreiches Herz zu eröffnen! O wenn ich an der Stelle jener Lanze gewesen wäre, ich hätte mich nimmer zurückziehen lassen, sondern hätte gesagt: Dieses soll meine Wohnung in Ewigkeit sein; da will ich verbleiben; denn diese Wohnung habe ich mir erwählt." — Wohl uns also, mein Christ! wenn wir recht oft unsere Zuflucht zu den Wundmalen Christi nehmen; dort werden wir Kraft und Trost und Stärke finden! Wehe aber den Sündern, die durch Unglauben und Unbußfertigkeit das ganze Leiden und Sterben Jesu Christi an sich vergeblich sein lassen! Die Wundmale Christi werden am Tage des Gerichtes ihre Ankläger sein; der göttliche Richter wird ihnen selbe vorzeigen und ihnen zurufen: „Diese Wundmale waren laute Zeugen für meine Gottheit; warum habt ihr dieß Zeug- niß verschmäht? Diese Wuudeu waren Quellen der reichlichsten Gnaden; warum habt ihr nicht aus ihnen geschöpft? Diese Wunden waren Zufluchtsstätten für die Sünder; warum habt ihr euere Zuflucht nicht zu ihnen genommen? Seht diese Wunden sind zugleich euer Werk; durch euere Sünden habt ihr sie geöffnet; darum betrachtet mich, den ihr gekreuziget; schauet die Wunden, die ihr geschlagen, erkennt die Seite, die ihr durchbohrt! Durch euch und für euch ist sie geöffnet, und ihr wolltet nicht eingehen!" Ucberhöre, o Christ! überhöre, o Sünder! die ernste Sprache deines Heilandes nicht! Legende: Der heilige Bischof MausuetuS. (--- 680.) WM MM KD Der heilige Mansuetus, dessen Lebeusgeschichte uns am heutigen Tage die Legende erzählt, war von Geburt ein Römer und wurde wegen seiner vortrefflichen Eigenschaften auf den bischöflichen Stuhl in Mailand erhoben. Am Liebsten hielt er sich auf in den Wundmalen Jesu, und am Herzen seines göttlichen Heilandes fand er in allen Anliegen und Trnbsalen dieses Lebens Kraft und Stärke. Ans solche Weise machte er die erstaunlichsten Fortschritte auf dem Wege der Tugend und Vollkommenheit und zeichnete sich durch außerordentliche Kenntnisse in den göttlichen Wissenschaften aus. Er starb reich an Tugenden und Verdiensten, nachdem er nenn Jahre laug in seinem Bisthume segenreich gelebt und gewirkt hatte, um das Jahr 680. Gebet. Göttlicher Herr und Heiland, Jesus Christus ! in allen Leiden und Trübsalen dieses Lebens wollen wir unsere Zuflucht zu deinen heiligen Wundmalen nehmen; gib, daß wir darin, wie dein treuer Diener Man- 126 Erstes Hauptstück. Christi Himmelfahrt. suetus, immerdar Trost und Hilfe, Kraft und Stärke finden mögen, der du lebest und regirest in Ewigkeit. Amen. Eiiiimdsüllfzigstes Lesestück. Am Feierabende des 20. Februar. Sechster Glaubensartikel: „Anfgefahren in den Himmel, sitzet er zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters." Christi Himmelfahrt. Fr. Blieb der göttliche Heiland nach seiner Auferstehung noch lauge auf Erden? Antw. Der göttliche Heiland blieb nach seiner Auferstehung noch vierzig Tage auf Erden und belehrte die Seinigen über die Geheimnisse des Reiches Gottes. Fr. Was geschah nach vierzig Tagen? Antw. Da fuhr Jesus vor den Augen seiner Jünger durch eigene Kraft mit Leib und Seele in den Himmel auf. Belehrung. Der göttliche Heiland berief seine Jünger nach Jerusalem und begab sich von da mit ihnen nach Bethanien. Dann führte er sie hinaus auf den Oelberg, um dort, wo er sein Leiden begonnen hatte, auch seine Verherrlichung zu beginnen. Hierauf erhob er seine Hände und segnete sie. Und es geschah, während er sie segnete, schied er von ihnen, und fuhr auf in den Himmel; eine Wolke entzog ihn ihren Blicken. Und als sie ihm nachschauten, wie er in den Himmel fuhr, siehe! da standen bei ihnen zwei Männer in weißem Gewände, welche also sprachen: „Ihr Männer von Galiläa! Was steht ihr da und schauet gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel ausgenommen worden, wird ebenso wieder kommen, wie ihr ihn sähet hingehen in den Himmel." — Hierauf kehrten sie zurück nach Jerusalem. Fr. Warum ist Christus in den Himmel aufgefahren? Antw. 1) Um seinen vollständigen Triumph über Tod und Hölle zu feiern und nach den vielen Leiden in seine Herrlichkeit einzugehen; 2) um uns daselbst eine Wohnung zu bereiten; 3) um" uns den heiligen Geist zu senden; 4) um unser Fürsprecher und Mittler beim Vater zu sein.' Belehrung. Christus ist also vornehmlich aus folgenden vier Gründen zum Himmel aufgefahren: 1) um seinen vollständigen Triumph über Tod und Hölle zu feiern und nach den vielen Leiden in seine Herrlichkeit einzugehen. „Er erniedrigte sich selbst," schreibt der heilige Paulus (Phil. 2, 8—11.), „und ward gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuze. Darum hat ihn Gott auch erhöht und ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, daß im Namen Jesu sich beugen alle Kniee Derer, die im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sind rc." 2) um uns daselbst eine Wohnung zu bereiten. „Ich gehe hin," sprach einst der göttliche Heiland (Joh. 14, 2—3.), „für euch einen Ort zu bereiten. Und wenn ich hingegaugen sein werde, so will ich wieder kommen und euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin;" 3) um uns den heiligen Geist zu senden, wie dieß der göttliche Heiland wiederum selbst aussprach mit den Worten: „Ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut, daß ich hingehe (zu Dem, der mich gesandt hat); denn wenn ich nicht hingehe, so wird der Tröster nicht zu euch kommen; gehe ich aber hin, so werde ich ihn zu euch senden." (Joh. 16, 7.) Endlich 4) um unser Mittler und Fürsprecher beim Vater zu sein. Darum schreibt der heilige Johannes (1. Joh. 2, 1.): „Meine Kindlein! dieß schreibe ich euch, damit ihr nicht sündiget. Wenn aber Einer gesündigt hat, so haben wir einen Fürsprecher beim Vater, 127 Am Feierabende des 20. Februar. Zesum Christum, den Gerechten; und dieser ist die Versöhnung für unsere Sünden." Und der heilige Paulus: „Nicht in das von Menschenhänden gemachte Heiligthum, welches ein Vorbild des wahren war, ist Jesus eingegangen, sondern in den Himmel selbst, um jetzt vor dem Angesichte Gottes sür uns zu erscheinen." (Hebr. 9, 24.) Der heilige Thomas erklärt dieß noch ausführlicher mit den Worten: „Der Sohn Gottes spricht für uns, indem er seinem Vater seine heilige Menschheit sammt allen Geheimnissen seines sterblichen Lebens vorstellt, und ihm das Verlangen, das er nach unserer Seligkeit trägt, zu erkennen gibt." Beispiel und Anwendung. Die heiligeMechtildis betrachtete am Feste der Himmelfahrt Christi mit Wehmuth ihren scheidenden Heiland und rief ihm gleichsam nach: „Herr! warum verläßt du uns?" Und es war, als ob ihr der göttliche Heiland zuriefe: „Siehe, dadurch, daß ich in den Himmel auffahre, bin ich geworden ein Anwalt der Menschen und ein Mittler bei meinem Vater. Wenn ein treuer Verwalter sogleich die Einkünfte seines Herrn sammelt und merkt, daß seinem Herrn Etwas abgehe, so ersetzt er es von dem Seinigen. Also auch ich. Alles Gute, das der Mensch thut, opfere ich meinem Vater hundertfältig, und was daran gebricht, ersetze ich von dem Meinigen, damit ich seine Seele mit unschätzbarem Reichthum meinem Vater in Gegenwart aller Heiligen überantworte." — O seliger Gedanke! Jesus ist unser Sachwalter, unser Mittler und Fürsprecher beim Vater! Fr. Welche Gesinnungen soll uns daher die Himmelfahrt des Herrn einflößen? Antw. Freude, Vertrauen und Sehnsucht nach der Heimat dort oben. Belehrung. Nun kann sich jedes Christenherz freuen; denn wir sehen, daß auf Leiden Freuden folgen. Christus, der alle Schmach und Pein und selbst den schmählichsten Tod gelitten, fährt auf in den Himmel, um daselbst verherrlicht zu werden. So werden auch wir einst mit Christo verherrlicht werden, wenn wir hienieden mit ihm leiden. Aber auch mit kindlichem Vertrauen dürfen wir uns in körperlichen und geistigen Nöthen und Anliegen an Jesum Christum wenden und zu ihm, wenn wir gesündigt haben, unsere Zuflucht nehmen; denn er ist unser Fürsprecher und Mittler beim Vater geworden. „Kindlein!" also ruft uns so liebvoll St. Johannes zu, „sündigt nicht; seid ihr aber so unglücklich gewesen zu fallen, so verzaget nicht; wir haben einen Fürsprecher beim Vater, Jesum Christum, den Gerechten." Und der heilige Bernhard ermuntert uns zum innigsten Vertrauen, indem er schreibt: „Wagst du es nicht, dich an Gott zu wenden, der da ist der Vater, so wende dich an Jesum Christum, der uns als Mittler gegeben ist. Was wird ein solcher Sohn von einem solchen Vater nicht erlangen?" — Und wer soll sich endlich nicht vom Herzen hinaufsehnen zum himmlischen Vaterland, wo Jesus, unser erstgeborner Bruder, in der Herrlichkeit des Vaters wohnt und auch uns Wohnsitze bereitet hat? Wo Gott, unser Vater, und Christus, unser Bruder, ist, da ist unsere wahre Heimat. Beispiel und Anwendung. In der Martyrerge- schichte des heiligen Pamphilus geschieht auch von mehreren heidnischen Jünglingen Erwähnung, die sich vom Heidenthume zur beseligenden Lehre Jesu bekannten. Sie wurden bald als Christen erkannt und zu Cäsarea vor Gericht geschleppt. Als man sie unter Andern auch darum fragte: „Wo ihre Heimat, ihr Vaterland wäre?" antwortete Einer von ihnen im Namen Aller: „Der Himmel ist unser Vaterland; dort oben über den Sternen wohnt unser Gott und Heiland; er ist uns vorangegangen, um uns dort Wohnungen zu bereiten; wo also er wohnet, da ist auch unsere Heimat." Und Alle stimmten freudig ein und riefen: „Jawohl! dort oben ist unser Vaterland — dahin geht allein unser Sehnen!" Und als man sie den fürchterlichsten Qualen aussetzte, erhoben sie nur ihren Blick zum Himmel und sprachen sich einander Trost zu durch die Worte: „Im Himmel ist unser Gott und Heiland, im Himmel unsere ewige und herrliche Heimat. Dorthin lasset uns ziehen und ewig dort verweilen!" — In diesem Gedanken sollst auch du, mein Christ! bei allen Leiden und Widerwärtigkeiten dieses Lebens Trost und Stärke finden; muthig und freudig sollst du zum Himmel aufblicken und denken: „ Ich bin nur ein Pilger und Fremdling auf Erden; dort oben, wo mein Gott und Heiland weilt, da ist auch mir eine Stätte bereitet!" Beherzige oft die Mahnung des heiligen Paulus: „Werde demnach nicht müde und laß den Muth nicht sinken, sondern blicke auf zu Jesus, der das Kreuz erduldete und nun zur Rechten des Thrones Gottes sitzt." — Eben dieser Gedanke war cs, der in allen Leiden und Verfolgungen auch jenen Heiligen stärkte und er- muthigte, welcher uns heute begegnet in der Legende: Der heilige Bischof Eucherius, (f 738.) Er gehörte einer sehr vornehmen Familie zu Orleans an und genoß die sorgfältigste Erziehung. Eucherius gedieh unter derselben zu einem herrlichen Baume im Garten Gottes; alsbald zeichnete er sich durch gründliche Kenntnisse und durch frommen Wandel vor allen seinen Altersgenossen aus. Da er die Nichtigkeit aller irdischen Dinge erkannte, so begab er sich in die Einsamkeit; aber schon nach sechs Jahren zog ihn der damalige Reichsverweser des großen Frankenreiches, Karl Martell, aus seiner Verborgenheit hervor und bestimmte ihn zum Bischof von Orleans. Nun verdoppelte Eucherius seinen Eifer für die Ehre Gottes und seiner heiligen Kirche; all seine reichen Einkünfte verwendete er zum Beßten der Armen und zum Wohle der Kirche, deren Rechte er gegen die unerlaubten Eingriffe Karl Martells mit allem Nachdruck 128 Erstes Hauptstück. Christi Macht und Herrlichkeit im Himmel. vertheidigte. Aber gerade dadurch zog er sich die Ungnade des mächtigen Reichsverwescrs zu, so daß er in's Elend verwiesen wurde. Getrost ergriff der heilige Bischof den Wanderstab, indem er sprach: „Wir sind ja alle nur Pilger auf Erden; gerne ziehe ich von Ort zu Ort — dem Himmel, meiner Heimat, zu, wohin mein Heiland mir vorangegangen." Nachdem er sechs Jahre in seiner Verbannung edelmüthig gelitten und geduldet hatte, starb er im Jahre 738 selig und gottergeben zu St. Tron im Lüttichischen. Gebet. Göttlicher Heiland, der du uns in den Himmel vorangegangen bist, um uns daselbst eine Wohn- nung zu bereiten, gib, daß wir, wie der heilige Bischof Eucherius, die Erde nur als unsere Fremde, den Himmel aber als unsre wahre Heimat betrachten mögen, damit wir aus allen Kräften auch dahin zu gelangen streben, wohin du uns vorangegangen bist, der du lebest und regirest in alle Ewigkeit. Amen. Zweiundfimszigstes Lesestück. Am Feierabende des 21. Februar. Christi Macht und Herrlichkeit im Himmel. Fr. Wie wurde der göttliche Heiland von seinem Vater im Himmel empfangen? Antw. Mit unaussprechlicher Freude. Er ließ ihn Platz nehmen zu seiner Rechten; daher heißt eS im apostolischen Glaubensbekenntniß: „Er sitzet zur rechten Hand Gottes." Fr. Was heißt das: „Er sitzet zur rechten Hand Gottes?" Antw. Es heißt: Christus ist nun auch als Mensch über alles Erschaffene erhöht und nimmt Theil an der Macht und Herrlichkeit der göttlichen Majestät. Belehrung. Der heilige Augustin schreibt: „Die Engel sind nur Diener Gottes; daher stehen sie um seinen Thron, bereit, seine Befehle zu vollziehen; Christus aber ist der Sohn Gottes; daher sitzt er auf dem Throne zur Rechten des Vaters." Mit diesen Worten wird also angedeutet, daß Christus mit Gott dem Vater lebt und regirt in der Herrlichkeit des Himmels ewiglich, indem er als Gott dem Vater gleich, als Mensch über Alle erhöht ist. Schon der heilige Paulus (Eph. 1, 20—21.) spricht dieß in folgenden Worten aus: „Gott hat Jesum von den Todten auferweckt und zu seiner Rechten im Himmel gesetzt über jede Oberherrschaft und Gewalt und Macht und Herrschaft und jede Würde, die genannt wird nicht nur in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. Alles hat er unter seine Füsse gelegt und ihn zum Haupte über seine Kirche gesetzt." — Und der heilige Johannes Damas- cenus erklärt, um allen Mißverständnissen vorzubeugen, dieses also: „Wenn wir sagen, Christus sitze zur Rechten Gottes des Vaters, so geben wir nicht zu, daß die Rechte des Vaters etwas Körperliches sei. Eine eigentliche rechte oder linke Hand kommt nur Jenen zu, die auf einen Ort beschränkt sind, nicht aber dem Unermeßlichen. Deßhalb bezeichnen wir mit dem Ansdrucke der väterlichen Hand die Ehre und Glorie der Gottheit, in welcher der Sohn Gottes als der mit dem Vater gleich wesentliche Gott schon von Ewigkeit her war, von welcher er aber auch jetzt, da er Fleisch wurde, leiblicher Weise Besitz genommen hat." Fr. Hat uns Christus seit seiner Auffahrt in den Himmel hier auf Erden verlassen? Antw. Nein; obschon er uns seine sichtbare Gegenwart entzogen hat, so hat er uns doch nicht verlassen; denn er hat uns die Verheißung gegeben: „Sehet! ich bin bei euch alle Tage bis an's Ende der Welt." Belehrung. Christus der Herr hat uns nicht verlassen; noch immer ist es seine Freude, unter den Menschenkindern zu sein. Seiner Gottheit nach ist er überall bei uns und wird es sein bis an's Ende der Welt. Der heilige Makarius versinnlicht uns die Sache in folgendem Gleichnisse: Am Feierabende des 21. Februar. 12 !) .KW8 „Wenn du deine Augen auf die Sonne richtest, so findest du am Himmel ihre Scheibe; das Licht aber und ihre erwärmenden Strahlen sendet sie auf die Erde und verbreitet dadurch Wärme und Fruchtbarkeit. So ist auch der Herr aufgefahren über alle Himmel und gesetzt über alle Gewalt, Herrschaft und Macht; sein Auge aber hat er auf Die Herzen der Menschen in der Welt gerichtet, um Die, welche von ihmHilfe erwarten, dahin zu bringen, wo er selbst ist." — Ganz besonders ist aber der göttliche Heiland als Gott und Mensch zugleich bei uns geblieben — im heiligsten Altarssakrament; da können wir ihn zu jeder Stunde finden und mit ihm voll kindlicher Liebe reden und Trost und Ruhe bei ihm suchen. Beispiel und Anwendung. Vor dem Kaiser Otto erschienen einst zwei Männer, die über den Besitz eines Ackers im Streite waren und wollten, daß der Kaiser darüber selbst entscheide. Da aber die Entscheidung sehr schwierig war, indem Beide sehr gewichtige Gründe vorbrachten, so machte es Mchler, Hausbuch. der weise Monarch kurz also. Er erlegte für den Acker selbst den Schätzungspreis und erkannte dann dem Einen den Acker zu, dem Andern gab er das Geld, und so gingen beide gleichbefriedigt von dannen. Aehnlich können wir uns vorstellen, daß einst Himmel und Erde um den Besitz Jesu stritten. Beiderseits wurden Ansprüche auf dieses unschätzbare allerhöchste Gut gemacht. Der Himmel forderte Jesnm als den Seinigsn zurück, weil er dorthin gehöre, wo er hergekommen; die Erde aber wollte ihn nicht von dannen lassen, weil er freiwillig ein Erdensohn geworden, von der Erde Früchten sich genährt, und sie sein Blut getrunken und seinen Leib in ihren Schooß ausgenommen hatte; der göttliche Fürst befriedigte nun Beide vollkommen, indem er sichtbar in den Himmel auffuhr, unsichtbar aber, doch ebenso wahrhaft mit Fleisch und Blut, mit Leib und Seele, mit Gottheit und Menschheit auf Erden im heiligsten Altarssakramente zurückblieb. Sowie nun die Bewohner des Himmels dem Allerhöchsten ewige Anbetung darbringen und in seinem Genüsse selig sind, so sollen auch die Bewohner der Erde denselben im Tabernakel ohne Unterlaß gläubig anbeten, und in der heiligen Com- munion würdig und dcmüthig genießen, und sie werden es dann Alle fühlen, daß uns Christus der Herr nicht verlassen hat. Fr. Wer wird an der Erhöhung und Verherrlichung Christi Theil nehmen? Und wer nicht? Antw. Nur Derjenige, der hienieden schon an der Erniedrigung Christi Theil nimmt und auf Erden schon wie im Himmel lebt, wird an der Erhöhung und Verherrlichung Christi Theil nehmen, nicht aber der Stolze, der Hoffärtige, der Geizige, der Unzüchtige u. s. w. Belehrung. „ Mit Christus wird nur derDemüthige zur Höhe emporsteigen," sagt der heilige Bernhard: „denn wer sich erniedrigt, wird erhöhet werden. Darum lasset uns durch Demuth zur Höhe emporsteigen! Denn diese ist der Weg dazu, und es gibt keinen andern Weg, als Demuth. Wer anders geht, fällt vielmehr, als daß er anfsteige. Die Demuth allein ist es, welche erhöht und zum Leben führt." — Wer aber wird mit Christus nicht auffahren zur Herrlichkeit des Himmels? „Wir sollen wissen, meine Brüder!" antwortet hierauf der heilige Augustin, „daß mit Christus weder die Hoffart, noch Geiz, noch Unzucht, noch ein anderes Laster hinaufsteige; denn mit dem Lehrmeister der Demuth steigt nicht hinauf die Hofsart, mit dem Urheber der Gütigkeit nicht die Bosheit, mit dem Sohne der Jungfrau nicht die Unzucht." Beispiel und Anwendung. Willst du also, mein Christ! mit deinem Heiland zum Himmel auffahren und dort an seiner Verherrlichung Theil haben, so demüthigedich und fahre oft im Geiste mitChristus in den Himmel hinauf, auf daß du hier auf Erden schon wie im Himmel wandelst; daher ruft uns der heilige Paulus zu: 17 130 Erstes Hanptstiick. „Suchet, was droben ist, wo Christus ist, der zur Rechten Gottes sitzt! Was droben ist, habet im Sinne, nicht was auf Erden! . . . Unser Wandel soll im Himmel," soll nach der ewigen Heimat gerichtet sein, nicht mehr nach den vergänglichen und sündhaften Weltgcnüssen (Coloss. 3.) — Der heilige Makarius von Alexandrien lebte so, daß er mit Christus erhöht werden konnte. Er war ein Mann voll tiefer Demuth. „Ich will mit Christus erniedrigt werden," rief er bei allen Demnthignugen aus, die ihm nicht selten zu Theil wurden, „damit ich mit ihm auch erhöht werde." Sein ganzer Wandel war überhaupt ein wahrhaft himmlischer, d.h. er lebte mehr im Himmel als auf der Erde; dort waren alle seine Gedanken und Liebesregungen. Ward er versucht, sich mit irgend etwas Anderem zu beschäftigen, so wandte er sich zu seiner Seele und sprach: „Hüte dich, meine Seele! vom Himmel auf die Erde hcrabzusteigen! Im Himmel findest du deinen Gott und seinen ganzen Hof. Nur im Himmel wird der Mensch erleuchtet, nur dort ist er in Sicherheit, wahrhaft glücklich, und liebt seinen Gott vollkommen." — Möchten wir Alle diesem schönen Beispiele Nachfolgen, auf daß wir auch einst an der Herrlichkeit des Herrn Theil nehmen dürfen. Legende: Die heilige Eleonora, Königin von England, (st 1292.) Wie der heilige Makarius, so lebte auch die hl. Eleo - n ora, Königin von England, deren Name uns heute in der Legende begegnet, schon anfErden ein wahrhaft hinnnli- schesLebcn; obschon Königin, war sie doch voll tiefer Demuth,ummit Christus dem Herrn einst erhöht zu werden. Nach dem Tode ihres Gemahls, König Heinrich Hl., trat sie im Jahre 1273 in die Abtei Ambresbnrh, um daselbst ihrem Gott ungehinderter dienen zu können. Durch ihr erhabenes Beispiel und ihren frommen Tugendwandel leuchtete sie allen ihren Mitschwestern voran. Nachdem sie volle neunzehn Jahre im Kloster gelebt hatte, starb sic fromm und heilig, wie sie gelebt, im Jahre 1292, um einzngehen in die Freuden des Herrn. Gebet. O Gott, du Spender alter Gnaden, verleihe uns Kraft und Stärke, auf daß unser Wandel schon hienicdcn sei wie im Himmel, und daß wir uns Vom allgemeinen Gerichte. vor dir demnthigen, wie die gottselige Königin Eleonora, damit wir einst erhöht werden und Theil nehmen an der Macht und Herrlichkeit deines göttlichen Sohnes, der da sitzet zu deiner Rechten und mit dir und dem heiligen Geiste lebt und regirt in alle Ewigkeit. Amen. Dreiundsiinfzigstes Lesestück. Am Feierabende des 22. Februar. Siebenter Glaubensartikel: „Von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Tobten." Vom allgemeinen Gerichte. Fr. Welche tröstliche Versicherung gaben jene zwei Engel den Jüngern, welche ihnen sogleich nach der Himmelfahrt Jesu erschienen waren? Alltw. Die tröstliche Versicherung, daß Jesus einst wieder kommen wird. „Dieser Jesus," also sprachen sie, „der von euch weg in den Himmel ausgenommen worden, wird einst ebenso wiederkommen, wie ihr ihn jetzt hingehen sähet in den Himmel." (Apostelgesch. 1,14.) Fr. Warum wird Jesus wieder kommen? Antw. Um zu richten die Lebendigen und die Tobten; daher lautet der siebente Glaubensartikel: „Von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Tobten." Belehrung. Ja, Jesus Christus wird einst wieder kommen, und zwar als Nicht er. (Sieh das nachfolgende Bild!) Dieses hat er selbst mit klaren Worten ausgesprochen. (Matth. 24. u. 25. Kap.) Er gibt genau die außerordentlichen Ereignisse an, die seiner Ankunft zunächst vorausgehcn werden, wie auch den Zweck seines Wiederkommens, um nämlich über den ganzen Erdkreis Gericht zu halten. Um nicht dem mindesten Zweifel an dieser Wahrheit Raum zu lassen, bekräftigt er sie mit der Berufung auf seine unerschütterliche Treue: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen." — Ja, Jesus wird wiederkommen — das war auch der Glaube und die Predigt der Apostel des Herrn. Der heilige Paulus z. B. spricht zu den heidnischen Weltweisen in Athen: „Gott fordert jetzt alle Menschen zur Busse auf; denn einen Tag hat er festgesetzt, an dem er die ganze Welt richten wird durch einen Mann, den er hiezu bestimmt und durch die Auferweckung von den Tobten glaubwürdig gemacht hat."— Und der heilige Johannes ruft allen Gläu- 131 Am Feierabende des 22. Februar. lügen zu: „Kindlein! bleibet in Jesu Christo (durch standhaften Glauben und treue Liebe), damit wir, weun er (zum Gerichte) erscheinet, Vertrauen haben können, und nicht von ihm beschämt werden bei seiner Ankunft." — Was Jesus gelehret und die Apostel gcprediget haben, — das glaubte und verkündete auch die katholische Kirche von Anbeginn bis zur gegenwärtigen Stunde in den Predigten ihrer Bischöfe und Priester, in ihren allgemeinen und besondern Concilien, in all' ihren Katechismen und schriftlichen Glaubensbekenntnissen. Es ist also ein unlaugbarer Glaubenssatz, daß Jesus Christus einst wieder kommen wird, um zu richten die Lebendigen, d. i. die Gerechten, und die Todten, d. i. die Bösen. Fr. Wie wird Jesus das Weltgericht abhalten? Antw. Auf folgende Weise: 1) er wird erscheinen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit; 2) alsdann wird er strenges Gericht halten über all unsere Gedanken, Worte und Werke und über die Unterlassung des Guten; endlich 3) wird er das Ur- theil sprechen über die Guten und Bösen. Belehrung. 1) „Wir wissen von einer dreifachen Ankunft des Herrn," sagt der heilige Bernhard; „von einer Ankunft zu dem Menschen, in den Menschen und wid erden Menschen. Bei der ersten kam er im Fleische und in der Schwachheit; bei der zweiten kommt er im Geiste und iu der Kraft; bei der letzten wird er kommen in der Glorie und Majestät." „Da wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen", heißt cs (Matth. 24.), „und dann werden alle Geschlechter der Erde wehklagen, und sie werden den Menschensohn kommen sehen in den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit." 2) Alsdann wird strenges Gericht gehalten werden über alle Gedanken, Worte und Werke und über die Unterlassung des Guten, wie Christus selbst dieß ausspricht (Matth. 12, 36.): „Ich sage euch, daß die Menschen über jedes unnütze ) Wort, das sie reden, am Tage des Gerichtes Re- / chenschaft geben müssen." Es wird sonach am ' Tage des Gerichtes offenbar werden das Gute und das Böse, ja sogar die geheimsten Gedanken uu- scrS Herzens, auch die Gnaden, die uns Gott crtheilt hat u. s. w. „Denn es ist Nichts verborgen, was nicht offenbar, und Nichts verheimlicht, was nicht an den Tag kommen wird." (Luk. 12, 2. u. Mark. 4, 22.) „Der Herr wird auch das im Finstern Verborgene an das Licht bringen, und die Absichten der Herzen offenbar machen." (1. Kor. 4, 5.) 3) Zuletzt wird er über Alle das Urtheil sprechen; zu den Guten wird er sagen: „Kommet, ihr Gesegneten meines Vaters, besitzet das Reich, welches euch bereitet ist vom Anbeginne der Welt!" zu den Bösen aber: „Weichet von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, welches dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist!" Dann werden diese gehen in die ewige Pein, die Gerechten aber in das ewige Leben. (Matth. 25.) Beispiel und Anwendung. Am Tage des Gerichtes werden alle unsre Sünden vor den Augen der ganzen Welt offenbar werden. Es wird da Vielen ergehen, wie jenem Höfling am Hofe Kaiser Ferdinands l. Dieser Kaiser hatte eine besondere Liebhaberei an schönen und kostbaren Uhren. Einst hatte er seinen Hofstaat eingeladen, seine Uhren, die auf einem Tische aufgestellt waren, in Augenschein zu nehmen. Man bewunderte allgemein die künstliche Arbeit und Kostbarkeit derselben und konnte sich nicht satt sehen. Während des Anschauens ließ sich ein Höfling nach dem Besitze einer dieser Uhren gelüsten, und in einem Augenblicke, wo er sich unbemerkt glaubte, steckte er eine in die Tasche. Der Kaiser hatte cs halb gesehen. Er rief den Dieb zu sich und knüpfte ein freundliches Gespräch mit ihm an. Je länger dieses Gespräch dauerte, desto unruhiger wurde der Dieb; denn er hatte gesehen, daß die Stunde bald vorüber sei, und mußte nun jeden Augenblick befürchten, daß die Uhr schlagen und seinen Diebstahl dem Kaiser offenbaren werde. Endlich laufen die Räder ab, die Uhr schlägt, und der beschämte, vor Furcht und Angst zitternde Dieb muß es geschehen lassen, daß sein Diebstahl vor dem ganzen kaiserlichen Hofe bekannt gemacht wird. — Noch weit mehr werden viele Christen sich 17 * 132 Erstes Hauptstück. Vom allgemeinen Gerichte. schämen müssen, und von noch viel größerer Furcht und Angst werden sie ergriffen werden am Tage des Gerichtes, wenn all' ihre geheimsten Gedanken, die in der Tiefe des Herzens verborgenen Begierden und Lüste nicht bloß vor dem Könige Himmels und der Erde, sondern auch vor seinem ganzen Hofstaat, vor allen Engeln und Menschen öffentlich bekannt gemacht werden. Jetzt noch beschönigest du, o Christ! deine bösen Gedanken und Begierden durch den falschen Trost: „Kein Mensch sieht und weiß es;" aber sei versichert, es wird eine Stunde kommen, wo, um mich so auszudrücken, die Uhr deines bösen Gewissens anfangen wird zu schlagen, und alle deine bösen Gedanken, Vorstellungen und Begierden vor Gott und Menschen kund machen wird. Wehe dir dann — in dieser Stunde! Vor Scham, vor Furcht und Angst wirst du aus- rufen: „Ihr Berge fallet über mich, und ihr Hügel bedecket mich!" Fr. Wann wird Jesus zum allgemeinen Gerichte kommen? Antw. „Diesen Tag und diese Stunde weiß Niemand, auch die Engel des Himmels nicht, als der Vater allein." (Matth. 24, 36.) Belehrung. In seiner unendlichen Weisheit wollte uns Gott diesen Tag nicht offenbaren. „Zu unserm Nutzen," sagt der heilige Augustin, „verbarg uns Gott den Tag des Gerichtes, damit der Mensch immer bereit sei, Das zu erwarten, von dem er weiß, daß es kommen, und nicht weiß, wann es kommen werde." — Wüßten wir, daß der allgemeine Gerichtstag noch ferne wäre, so würden gewiß gar Viele von uns nicht auf eine Vorbereitung denken; wüßten wir aber, daß er nahe sei, so würde manche Seele verzweifeln und in der Verzweiflung zum Gerichte gehen. Das Beßte ist, wenn wir uns den Tag des Gerichtes als recht bald bevorstehend denken und unser Leben so einrichten, daß es uns gleichgiltig wird, wann er komme. Beispiel und Anwendung. Ein würdiger Seelsorger hatte am letzten Sonntage des Kirchenjahres seiner Pfarr- gemeinde das Evangelium vom jüngsten Gerichte und die Schrecknisse dieses Tages in ernster und ergreifender Sprache erklärt und geschildert. Der Eindruck, den seine Worte unter dem Beistände der göttlichen Gnade in den Gemüthern seiner Pfarrkinder hervorbrachten, war ein mächtiger und erfolgreicher. — Gleich nach vollendeter Predigt erschien eine Person, die als eine eitle Welttochter und als eine große Sünderin weithin bekannt war. Mit Thränen im Auge, voll Angst im Herzen fing sie an, dem würdigen Priester ihr Anliegen zu entdecken: „Hochwürden!" sprach sie, „ach! Sie haben mir heute fürchterliche Dinge gesagt. Meine Seele ist schmerzlich getroffen, ich bin tief verwundet. Alles haben Sie erklärt von dem furchtbaren Tage des Gerichtes, nur dieß Eine nicht: Wann denn dieser entsetzliche Tag des Zornes und der göttlichen Rache über das ganze Menschengeschlecht Hereinbrechen wird. UmAlles in der Welt bitte ich Sie, hochwürdiger Herr! nur dieß Eine sagen Sie mir noch!" — Ruhig erwiderte der Prediger auf diese sonderbare Frage: „Und was würdest Du dann?" — „Ach! ich würde mein Leben bessern," entgegnete die Sünderin; „ich würde umkehren zu meinem Gott, würde die Sünde meiden, würde sie hassen, würde Tag und Nacht in meinen Buß- thränen schwimmen, wie Magdalena würde ich mich zu den Füssen Jesu werfen, und weinen, weinen, bitter weinen, ob meiner zahllosen Vergehungen und ihn bitten und bestürmen, daß er mir im Gerichte gnädig sei!" Der Diener Gottes wurde tief von diesen Worten der reuigen Sünderin ergriffen; denn er bemerkte nur zu gut, daß sie von der göttlichen Gnade berührt ward; und darum sprach er zu ihr im sanften Tone der Liebe und des heiligen Mitleids die schönen Worte des heiligen Augustin: „ Sieh, mein liebes Kind! daran liegt ja Nichts, zu wissen oder nicht zu wissen, wann denn der Tag des Gerichtes sei; lebe so, als ob er bald kommen sollte; thue, was du dann thätest, wenn er morgen schon wäre, und du wirst die Ankunft des Richters nicht zu fürchten haben!" — Wohlthätig wirkten die Worte des liebreichen Seelsorgers auf das Herz des jungen, von der göttlichen Gnade ergriffenen Mädchens; sie ging hin, bereitete sich auf eine Generalbeicht und somit auf den Tag des Gerichtes vor: sie wandelte fernerhin nicht mehr in den Finsternissen der Sünde, sondern wirkte eifrig mit der göttlichen Gnade und fand so ihren Gott wieder und die Ruhe ihrer Seele. — Gehe hin und thue desgleichen! Legende: Die heilige Margaretha von Cor- tona, Büsserin. (ff 1297.) ELM MM, Wahrlich, Nichts kann uns mehr von der Sünde zurückschrecken und zur Busse und Besserung des Lebens aneifern, als der Gedanke an den Tod und an die furchtbaren Gerichte Gottes. Wir sehen dieses an der heiligen 133 Am Feierabende des 23. Februar. Büsserin Margaretha von Cortona, deren Andenken die Kirche am heutigen Tage begeht. Margaretha wurde geboren zu Alviano im Toskanischen i. I. 1249. In ihrer Jugend ergab sie sich den schändlichsten Lastern nnd führte ein ausschweifendes Leben. Allein ein von vergöttlichen Gnade herbeigeführtes Ereigniß zerbrach diese schmählichen Fesseln der Sünde. Sie sah nämlich einmal einen Leichnam, der schon halb von den Würmern verzehrt war. Plötzlich erkannte sie, daß es der Körper eines Menschen war, mit dem sie in unreiner Liebe gelebt hatte. Wie versteinert stand sie da; denn ans einmal schwebten ihr all die schweren und zahllosen Misse- thaten vor ihrem Geiste, und sie schrie auf: „Wo ist jetzt deine Seele?-Ach, sie steht bereits vor Gottes Richterstuhl!" Bei diesem Gedanken lief es ihr eiskalt durch alle Glieder, und ein Strom von Thrä- nen rollte über ihre Wangen. Es waren Thränen der Reue; denn diese schreckliche Stunde war für Margaretha eine Stunde des Heiles, in welcher der gute Hirt das verlorne Schäflein gesunden hatte. 21 Jahre alt, stellte sie sich nun öffentlich als Sünderin hin und that die strengste Buße. Sie begab sich nach Cortona, legte dort unter fortwährenden Thränen eine allgemeine Lebensbeicht ab und wurde endlich in den Orden der büßenden Schwestern des heiligen Franziskus ausgenommen, wo sie ihr ganzes übriges Leben, volle dreiundvierzig Jahre, unter Weinen, Beten und Fasten zubrachte, um durch die Thränen der Rene ihre Sünden abzuwaschen und als heilige Büsserin vor dem Throne des göttlichen Richters zu erscheinen, was geschah i. I. 1297. Gebet. Barmherziger Gott, der du deine Dienerin Margaretha von dem Wege des Verderbens auf den Weg des Heiles geführt hast, sei auch uns barmherzig und gib uns die Gnade, daß wir jener, der wir in Sünden gefolgt sind, auch in der Buße folgen; und uns so ans den Tag des Gerichtes vorbereiten, durch Christum unfern Herrn. Amen. Vierundfünszigstes Lesestück. Am Feierabende des 23. Februar. Vom besondern Gerichte. Fr. Gibt es auch ein besonderes-Gericht? AntW. Ja, es gibt auch noch ein besonderes Gericht, in welchem jeder Mensch gleich nach dem Tode gerichtet wird. Belehrung. Das besondere Gericht ist jenes, welches mit der Seele eines jeden Menschen gleich bei oder nach ihrem Hinscheiden in Sonderheit vorgenommen wird; man wird in dem Augenblicke gerichtet, wo man stirbt; denn so schreibt der heilige Paulus: „Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben; darnach aber folgt das Gericht!" (Hebr. 9, 27.) In diesem Gerichte erscheint Gott als Richter, die Seele als angeklagt, der Engel des Himmels, der ihr Wächter war, als Zeuge und der Teufel als Ankläger. (Sieh das obige Bild!) Man wird über alle Gedanken, über alle Worte und Handlungen des Lebens gerichtet; über alles Böse, das man begangen, über alles Gute, das man hätte thun sollen und nicht gethan, und über alles Gute, das man böse gethan hat. Dieß nennt man das besondere Gericht. Dieses besondere Gericht wurde, wie wir aus der heiligen Schrift wissen, mit dem armen Lazarus und dem reichen Prasser vorgenommen; Lazarus wurde sogleich nach dem Tode von den Engeln in den Schooß Abrahams getragen, der Reiche aber in der Hölle begraben. (Luk. 16.) Fr. Warum findet nebst dem besondern auch ein allgemeines Gericht statt? AntW. 1) Damit Jesus von der ganzen Welt verherrlicht werde; 2) damit Gottes Weisheit nnd Gerechtigkeit von allen Menschen anerkannt werde, nnd 3) damit die Frommen die verdiente Ehre und die Gottlosen die verdiente Schmach empfangen. Belehrung. Also aus folgenden drei Gründen findet nebst dem besondern auch noch ein allgemeines Gericht statt: 1) damit Jesus von der ganzen Welt verherrlicht werde; daher sagt Christus selbst: „Sie werden des Men- 134 Erstes Hanptstück. schcn Sohn kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit." Und die heiligen Väter sprechen vielfach davon, daß Christus am Tage des Gerichtes als Richter kommen wird in großer Macht und Herrlichkeit, ans daß er, der so viel verfolgt und verachtet wurde, von der ganzen Welt verherrlicht werde. „Man wird Den in der Majestät sehen," schreibt der heilige Gregor der Große, „den man in der De- muth nicht sehen wollte; und Die, welche jetzt den Nacken ihres Herzens nicht vvr seiner Gegenwart beugen, werden um so fürchterlicher seine Kraft fühlen." 2) Damit Gottes Weisheit und Gerechtigkeit von allen Menschen anerkannt werde, wie der Psalmist singt (Pf. 49, 6.): „Verkünden werden (dann) die Himmel seine Gerechtigkeit; denn Gott ist Richter." In dieser Beziehung schreibt der heilige Cyrillus von Jerusalem: „Viele Mörder sterben im Bette ruhig; da fragt der schwache Mensch: Wo ist da Gottes Gerechtigkeit? Mancher Mörder begeht fünfzig Mordthatcn, er stirbt für die eine; wo leistet er Genüge für die andern neunundvierzig, wenn nicht nach dem Tode ein Gericht, eine Vergeltung ist?" 3) Damit die Frommen die verdiente Ehre und die Gottlosen die verdiente Schmach empfangen. „Die Tugend verdient Lohn und Ehre," sagt der heilige ThomasvonVillanova, „für das Gute, das der Mensch im Stillen und ungesehen ausgeübt hat, und doch wird sie oft hicnieden verkannt und verfolgt; die Sünde aber, die Strafe und Beschämung verdient, wird hier oft belohnt und hochgeehrt. Es muß also jenseits ein Gericht sein, das Alles ausgleicht." Beispiel und Anwendung. Ein sehr ehrwürdiger Priester, welcher einer großen Pfarrei mit aller Sorgfalt Vorstand, brachte einen Theil des Tages im Beichtstühle zu. Von einem großen Eifer beseelt, wollte er nun selbst wissen, ob die vielen Beichtkinder, die täglich zu ihm kamen, aufrichtig beichteten, und schlich daher des Nachts oder bei Tag an die Orte, wo er daS Betragen dieser Christen beobachten konnte. Wie sehr verwunderte er sich aber, da er überall nur schlechte Reden hörte, und die Weiber so ausgelassenen Umgang hatten, als wären sie Heidincn; die Mädchen gaben sich nur mit ihrem Putze ab, uud redeten mit einander nur von Zeitvertreib und Wcltfreude; die Männer rühmten sich des Bösen, welches sie gcthan, und oft auch desjenigen, was sie nicht ge- than hatten. Da er nun Das, was in der Welt vorging, verglich mit dem, was er bei seiner Amtsverrichtung vernahm, so sah er, daß in der Welt nur Heuchelei und Betrug sei; er entschloß sich also seine Amtsverrichtungen aufzugeben, und in einer Einsamkeit die Sünden der Menschen zu beweinen; und er hatte nie mehr den Muth, sie wieder vorzunehmen. — So ist die Welt, und sie ist sich fast überall Vom besondern Gerichte. gleich. Es ist daher jenseits ein Gericht nöthig, um den Schleier der Lüge wegzuhcben, auf daß so Gottes Weisheit und Gerechtigkeit von allen Menschen anerkannt werde. Fr. Kommt auf das besondere Gericht Vieles an? Antw. Darauf kommt Alles an; es entscheidet über das Schicksal des Menschen für die ganze Ewigkeit. Belehrung. „Wohin der Baum (die Seele des Menschen) hier fällt, nach Mittag oder Mitternacht (in das Ur- thcil der Begnadigung oder der Verwerfung), da bleibt er liegen." Das llrthcil, welches Jesus im besonderen Gerichte fällt, ist unwiderruflich auf ewige Zeiten, weil der Sohn Gottes den Werth oder Nnwerth jeder Seele in seiner Allwissenheit genau erkennt, und ebenso in seiner Erkenntniß, wie seiner ganzen Natur nach einer Zu- oder Abnahme, d. i. einer Veränderung unfähig ist. Bei dem allgemeinen Gerichte wird die Entscheidung des besondern bloß feierlich vor aller Welt verkündigt und über den Leib ausgesprochen, der sich dort mit der Seele unzertrennlich wieder vereinigen wird; an der Seele aber wird es im nämlichen Augenblicke, da es gefällt ist, schon vollzogen. (Sieh „die Schule der göttlichen Religion Jesu Christi," welches Merkchen öfters benützt wurde.) Fr. Was sollen wir thnn, damit uns das allgemeine und besondere Gericht nicht furchtbar werde? Antw. Wir sollen uns 1) hienieden selbst richten, indem wir oft vor dem Beichtgerichte Gottes ans Erden erscheinen und uns da reuig und offen über unsere Sünden anklagen; 2) sollen wir uns ans das Gericht durch ein frommes Leben und durch gute Werke vorbereiten. Belehrung und Beispiele. Wenn uns der Tag des Gerichtes einst nicht furchtbar werden soll, so müssen wir uns 1) selbst hienieden richten, d. h. wir müssen uns in der heiligen Beicht recht oft und reumüthig anklagen; daher schreibt der heilige Augustinus: „Steige im Geiste auf den Richterstuhl, sei selbst dein Richter und sprich: Herr! ich erkenne meine Missethaten! Und du wirst den ewigen Richter nicht zu fürchten haben." 2) Müssen wir uns durch ein frommes Leben und durch gute Werke auf das Gericht vorbereiten; denn „vor den Pforten der Hölle steht," wie ebenderselbe heilige Lehrer sagt, „dieBarmherzigkeit und läßt Keinen in den Kerker werfen, der Barmherzigkeit geübt hat." — Auf solche Weise bereitete sich die heilige Elisabeth, Königstochter von Ungarn, auf den Tag des Gerichtes vor. Als ihr einst von ihren Hofdamen der Besuch der Spitäler, die Pflege der Kranken und die Sorge für die Armen als ein für ihren hohen Stand zu gemeines Geschäft 133 Am Feierabende mißrathen wurde, antwortete sie ebenso edel als treffend: „Ich bereite mich vor auf den Tag des Gerichtes, damit ich dem Richter, wenn er mich zur Rechenschaft auffordert, sagen kam: Sieh', o Herr, so oft habe ich dich als Hungrigen gespeist, dich als Durstigen getränkt, dich als Nackten bekleidet, dich als Kranken besucht und gepflegt. Sei mir also ein gnädiger Richter!" — Auf solche Weise bereitete sich auf den Tag des Gerichtes auch jener Heilige vor, dessen Fest wir heute feiern, und von dem uns so viel Schönes erzählt wird in der Legende: Der heilige Petrus Da miau ns, Cardinalbischof. (f 1072.) Dieser berühmte Lehrer der Kirche, geboren zu Ravenna um d. I. 990, stammte von armen, aber edlen Eltern ab. Anfangs von seinem Bruder zum Hüten der Schweine verwendet, ward er bald durch einen andern Bruder, Namens Damianns, ans dieser niedrigen Stellung weggenommen und nach Florenz und Parma zur Erziehung gebracht. Hier zeichnete er sich bald durch seine Talente und Kenntnisse auf eine ganz besondere Weise aus, wurde dann Mönch in Fonte Arellana und 1051 Abt. Im I. 1052 ward er gegen seinen Willen Cardinalbischof von Ostia. Allein i. I. 1062 legte er seine Stelle nieder und kehrte in sein Kloster zurück. Da »nn diente er Gott und seiner heiligen Kirche auf die mannigfaltigstejWeise, theils durch seine erhabenen Predigten, theils durch seine vortrefflichen Schriften, ganz besonders aber durch sein frommes und strenges Leben, durch sein erhabenes Tngendbeispiel. Er war stets ein Vater der Armen, indem er ihnen reichliches Almosen spendete, sie oft an seinen Tisch nahm und sich glücklich schätzte, sie mit eigenen Händen bedienen zu können. So bereitete er sich vor auf den des 24. Februar. Tag des Gerichtes, der ihm ebendeßhalb nicht furchtbar war. Er starb zu Florenz i. I. 1072. Gebet. Wir bitten dich, o Herr! stärke uns mit deiner göttlichen Gnade, auf daß wir uns durch einen frommen Wandel und durch Werke der christlichen Nächstenliebe ans den Tag des Gerichtes ebenso, wie dein treuer Diener Petrus Damianns, vorbereiten und einst mit Zuversicht vor deinem Nichterstnhle erscheinen können. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Fünsundfünszigstes Lesestück. Am Feierabende des 24. Februar. Vom Fegfeuer. Fr. Wohin kommen die Seelen nach dem beson- dcrn Gerichte? Antw. Die ganz reinen Seelen kommen sogleich in den Himmel, die Verworfenen in die Hölle, und die noch nicht ganz reinen Seelen der Gerechten in das Fegfener. Belehrung. 1)Dieganzreinen Seelen kommen sogleich nach dem besonder» Gerichte indenHimmel, um daselbst wahre Ruhe, unaussprechliche Wonne und Seligkeit zu genießen und sich ewig in der Anschauung Gottes zu erfreuen, wie dieß der göttliche Heiland mit den Worten ausspricht (Matth. 5, 8.): „ Selig, die eines reinen Herzens sind; sie werden Gott anschauen." 2) Jene Seelen, die im besonder» Gerichte verworfen werden, kommen in die Hölle; „sie fahren zur Hölle in einem Augenblick," wie jener reiche Prasser, verstarb und sogleich in die Hölle begraben wurde. (Luk. 16, 19 — 26.) 3) Jenen Seelen endlich, die für die Hölle zu gut, für den Himmel aber noch zu unvollkommen sind, wird das Fegfeuer angewiesen, wo sie unter Schmerzen ihre Genngthnung vollenden und von den noch anklebenden kleineren Mackeln gereinigt werden müssen, damit sie der seligen Anschauung Gottes vollkommen würdig werden. (Sieh das nachfolgende Bild!) Und von diesem Fegfeuer wollen wir im heutigen Lesestück ausführlicher handeln, da vom Himmel und von der Hölle späterhin die Rede sein wird. Es entsteht nun vor Allem die Fr. Gibt es wirklich ein Fegfener? Antw. Ja, es gibt wirklich ein Fegfener; dieß lehrt uns 1) die heilige Schrift, 2) die heilige katho - lische Kirche, und 3) gewissermassen auch unsere eigene Vernunft. Belehrung. 1) Die heilige Schrift spricht sich 136 Erstes Hauptstiick. . /-S/- ENM deutlich genug über die Existenz des Fegfeuers aus. Schon im Buche der Machabäer lesen wir, daß Judas der Machabäer zwölftausend Drachmen nach Jerusalem sandte zu einem Sühnopfer für die Gefallenen; „denn," setzt der heilige Verfasser bei, „es ist ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu beten, damit sie von ihren Sünden erlöst werden." Dieses Gebet für die Verstorbenen setzt unabweisbar den Glauben an einen Mittelzustand zwischen Himmel und Hölle voraus; denn die seligen Geister sind des Gebetes nicht mehr bedürftig, und den Verdammten in der Hölle hilft es Nichts. Wenn also Judas dennoch für die Gefallenen Opfer darbringen ließ, so mußte er doch an einen Reinigungsort geglaubt haben, in welchem den Verstorbenen durch Gebet und Opfer die Peinen erleichtert und die Strafzeit abgekürzt werden können. Damit stimmt auch überein, was Christus gelehrt hat. So spricht er bei Matthäus (5, 26.) von einem Kerker, aus dem man nicht eher herauskomme, als bis der letzte Heller bezahlt ist. Sonach muß es einen Ort geben, aus dem man wieder entkommen kann, wenn man seine Schuld, den letzten Heller abgetragen, abgebüßt hat; dieß aber ist offenbar die Hölle nicht, da aus ihr keine Erlösung möglich ist. — Bei Matth. (12. Cap.) sagt Christus: Vom Fegfeuer. „Wer gegen den heiligen Geist sündigt, d. h. der erkannten Wahrheit widerstrebt und keine Buße wirkt, der erlangt weder in diesem noch im andern Leben Vergebung." So werden denn im andern Leben noch Sünden vergeben. Im Himmel kann dieß aber nicht geschehen, wohin nichts Beflecktes eingeht (Offenb. 21, 27.) und keine Buße stattfindet; noch weniger in der Hölle, woraus keine Erlösung ist; es geschieht also im Reinigungsorte, wo man der göttlichen Gerechtigkeit für geringere Sünden noch genugthun und Vergebung erlangen kann. 2) Daß es ein Fegfeucr gebe, war auch stets Glaubenslehre der Kirche. Der heilige Gregor bekennt frei und offen: „Ich weiß, daß nach diesem Leben Einige in den Reiuigungsflammen werden büssen müssen." Und schon Origines drückte diese Glaubenslehre mit folgenden Worten aus: „Kommt der Mensch hinüber, und bringt er viele gute Werke mit, uud nur ein wenig Etwas von der Sünde, so wird dieses Wenige als Blei durch das Feuer aufgelöst und gereinigt, und was übrig bleibt, ist Gold. Und je mehr Blei Jemand dorthin bringt, desto mehr wird er gebrannt." — In ähnlicher Weise sprechen und schreiben auch alle andern Väter und Lehrer der Kirche, wie z. B. St. Augustin, Ambrosius, Bernhard u. a. 3) Ja, unsere eigene Vernunft muß mit Freuden diese Glaubenslehre der Kirche vom Fegfeuer anerkennen; sie muß ungefähr also denken und sprechen: „Da nichts Unreines in den Himmel eingehen kann, so muß es doch für Diejenigen, welche Gott gedient und nur in unbedeutenden Dingen gefehlt haben, nach dem Tode einen Mittelstand zwischen Himmel und Hölle geben. Oder sollte sie Gott mit den Lasterhaften in die Hölle verstossen? Allein dazu ist er zu gerecht, zu barmherzig, zu sehr Vater, als daß er seine Kinder, die sich rein von groben Sünden hielten, zu den ganz Unreinen, daß er Die, die Gott liebten, zu Jenen, die ihn haßten, daß er Die, welche für den Himmel lebten, zu Jenen, die nur der Hölle dienten, daß er seine Freunde zu seinen Feinden verstossen sollte! Oder soll er sie mit den ganz reinen Geistern in den Himmel aufnehmen? Auch dieß würde seiner Gerechtigkeit widersprechen, da sie noch nicht ganz rein sind. Mithin muß es einen Ort der Reinigung geben, in welchem solche Seelen sich für die Herrlichkeit des Himmels allmählig läutern." Beispiel und Anwendung. Was kann vernunftgemäßer und für ein christlich fühlendes Herz tröstlicher sein, als die Lehre vom Fegfeuer? Gaume, ein berühmter Lehrer der Kirche in Frankreich, erzählt: „Ich kannte einen Lutheraner, den unser Glaube an das Fegfeuer katholisch machte. Er hatte während eines Festmahles einen theuern Bruder verloren, und qualvoll gedachte er unaufhörlich dieses so plötz- 137 Am Feierabende des 24. Februar. lichm Schrittes von einem Festmahle zum Sarge. Seine Seele war der Stärkung sehr bedürftig; er kannte die völlige Reinheit, welche der Himmel erfordert; in seinem Cultus aber fand er keinen Mittelzustand zwischen Himmel und Hölle. Seine Besorgnis; wurde zur fürchterlichsten Augst; er hatte keine Ruhe mehr; seine Tage waren voll Zerstreuung, seine Nacht ohne Schlaf, seine Gedanken ohne Hoffnung. Er nahm zusehends ab, und er stand dem Grabe nahe, dem Grabe seines Bruders, das er mit ihm gemeinschaftlich theilen sollte. — Seine Freunde drangen in seinen Arzt, ihm eine Reise anzuordnen, und der junge Schottländer besuchte, diesem Rathe folgend, den Continent. Ich war auf demselben Schiffe mit ihm; bald hatten wir ein Gespräch angeknüpft, und nach kurzer Berührung waren wir aneinander gefesselt. — Nachdem wir ausgestiegen waren, wohnten wir zusammen in demselben Gasthofe; nach wenigen Tagen entdeckte er mir den Grund seiner Traurigkeit, nämlich den Tod seines Bruders und seine Unruhe wegen verewigen Bestimmung eines Wesens, das er so sehr liebte!.. . . „Ach!" sagte er an einem Allerseeleutage zu mir, „aus Liebe zu meinem Bruder will ich euern Ritus annehmen! O ! wenn ich für meinen Bruder beten kann; dann werde ich wieder aufathmen, ich werde leben, um für Den täglich die Seligkeit im Himmel zu erflehen, welchen ich auf Erden so sehr geliebt habe!. . . Euer Cultus bewirkt, daß man sich auch nach dem Tode noch unterstützen kann; eure Gebete nehmen dem Grabe sein furchtbares Schweigen; ihr verkehret noch mit Denen, welche aus dem Leben gegangen sind; ihr kennt die menschliche Schwachheit, jene Schwachheit, die kein Verbrechen, aber auch die Reinheit nicht ist; zwischen Himmel und Erde hat euch Gott einen Abbüßungsort geoffenbart. In ihm findet sich vielleicht mein Bruder, ich will katholisch werden, um ihn daraus zu befreien, um mich hienieden zu trösten, um mir die Last zu erleichtern, die mich nicderdrückt; ich werde sie nicht mehr fühlen, wenn ich beten kann." — Er wurde katholisch. — Siehe, mein Christ! wie tröstlich die Lehre unsrer heiligen katholischen Kirche vom Fegfeuer ist! — (Wie wir den armen Seelen im Fegfeuer zu Hilfe kommen können und sollen, wird bei der triumphirenden Kirche (Gemeinschaft der Heiligen) näher und ausführlicher besprochen werden.) Fr. Wozu soll uns die wichtige Lehre vom Fegfeuer dienen? Antw. 1) Zur bessern Erkeuntniß Gottes und 2) zur Wachsamkeit und Büßfertigkeit. Belehrung. Die Lehre vom Fegfeuer gibt uns 1)Gott zu erkennen in seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit, der selbst auch die Gerechten, wenn sie bei ihrem Hinscheideu auch nur mit der geringsten Makel behaftet sind, nicht vor seinem heiligen Angesicht in der Glorie des Himmels crschei- nen läßt; zugleich zeigt sie uns aber auch Gottes Liebe und Erbarmung, der seine Kinder nicht auf immer von sich stößt, sondern selbst ihre Reinigung und Läuterung im Fegfeuer übernimmt, um sie auf solche Weise zum Eintritt in die ewige Mehler, Hausbuch. Herrlichkeit zu befähigen. Daher ruft die heilige Katharina von Genna aus: „Wie elend wären wir und wie hilflos, wenn nicht Gott, der mit so unendlicher Güte für unsere Heilung sorgt, ein eigenes Krankenhaus für die Gebrechen der Seelen gegründet hätte, nämlich das Feg- seuer!" — 2) Die Lehre vom Fegfcncr muß uns aber auch zur Wachsamkeit, zur Büßfertigkeit und überhaupt zu einem frommen Leben ermuntern, damit wir auf solche Weise dem schmerzlichen Feuer der Reinigung in der Ewigkeit entgehen. Beispiel und Anwendung. Am Hauptfeste der Allerseelenbruderschaft hielt ein sehr beliebter Prediger eine treffliche Anrede au die zahlreich versammelte Pfarrgcmeindc. „Was ist wohl die Hauptsache für uns Alle bei der heutigen Feier?" Also hob er an zu fragen, und er fuhr fort: „Ist es etwa das Gebet für die Verstorbenen? oder das heilige Meßopfer? oder die Communion? oder der Ablaß, so wir den armen Seelen heute aufopfern? — Q nein," antwortete er; „das Alles ist es nicht; zwar ist dies; Alles schön und gut; aber die Hauptsache ist es nicht. — Und was ist dann die Hauptsache?" fing er wiederholt zu fragen an. In lautloser Stille und voll gespannter Aufmerksamkeit erwarteten die Zuhörer die endliche Lösung der wichtigen Frage; da sprach der Verkünder der göttlichen Wahrheit voll Ernst und Kraft: „Das, meine Theuern! ist die Hauptsache, das; wir fromm und heilig leben, damit, während wir für die armen Seelen beten und sie aus dem Fegfeuer zu erlösen suchen, wir nicht selbst hineinkommen." — Merke dir das, mein Christ! Lebe heilig, damit du dereinst nicht die schmerzlichen Qualen des Reinigungsvrws mit den armen Seelen im Fegfeuer theilen mußt! Legende: Der heilige Mathias, Apostel. (st um d.' I. 74.) 18 V//F M 'WH 138 Erstes Haiiptstiick. Der heilige Geist — als wahrer Gott und als die dritte Person in der Gottheit. Wenn wir dem Fegfcncr und überhaupt den Strafen in der Ewigkeit entgehen wollen, so müssen wir leben und arbeiten für Gott und Gottes Ehre, wie der heilige Apostel Mathias, dessen Fest auf den heutigen Tag fällt. Er war einer der 72 Jünger und ein sehr treuer und eifriger Anhänger seines Meisters. Nachdem Jesus in den Himmel aufgefahren war, kehrten die elf Apostel und die Jünger von dem Oelberge wieder nach Jerusalem zurück. Da versammelten sie sich stimmt der Mutter des Herrn und den übrigen frommen Anhängerinncn Jesu öfters in einem Hause, widmeten sich dem Gebete und erwarteten die Ankunft des heiligen Geistes. Als sie eines Tages so in frommer Andacht beisammen waren, trat Petrus mitten in die Versammlung und stellte die Nothwendigkeit vor, an die Stelle des treulosen Judas einen andern tauglichen Mann zum Apostel zu wählen, und zwar aus der Zahl Derer, welche die ganze Zeit hindurch, da Jesus sein öffentliches Lehramt verwaltete, bis zu seinem Tode mit ihm Umgang gepflogen hatten, damit der Gewählte von Allem, was Jesus lehrte und that, besonders von seiner Auferstehung, ein glaubwürdiger Zeuge sein könnte. Dieser Vortrag wurde von allen Anwesenden gebilligt. Die Apostel brachten den Barsabas und Mathias in Vorschlag. Die versammelte Gemeinde hielt beide für gleich würdig; deßhalb fiel ihr die Entscheidung, welcher gewählt werden sollte, zu schwer. Sie wendete sich daher im Gebete zu Gott, daß er sich selbst den Würdigsten auswählen wolle. Das Loos, das geworfen wurde, traf den Mathias, der durch seinen großen Eifer in dem apostolischen Berufe und durch seine besondere Treue die Verrätherei des Judas wieder gut machte. Nach dem Pfingstfeste fing er auch sogleich an, das Evangelium zu verkünden, und zwar zuerst im Judenlande, dann in Kappadozien, an den Küsten des kaspischen Meeres, und endlich im Mohrenlande; und an all diesen Orten gewann er unzählige Menschen für Jesus Christus. Mathias ist um das Jahr 74 gesteinigt, und ihm hernach das Haupt mit einem Beile abgeschlagen worden. Gebet. Stehe uns bei, o Herr! auf daß wir, von gleichem Eifer beseelt, wie dein treuer Diener und Apostel Mathias, leben und arbeiten nur für dich und deine göttliche Ehre und so den schmerzlichen Qualen des Reinigungsortes entgehen mögen, der du lebest und reglest in alle Ewigkeit. Amen. Sechsmidfiiilszigstes Lesestück. Am Feierabende des 25. Februar. Achter Glaubensartikel: „Ich glaube au den heiligen Geist." Der heilige Geist — als wahrer Gott und als die dritte Person in der Gottheit. Fr. Durch wen und wo wird nns das Werk der Erlösung zugeeignet? katholischen Kirche, welcher Christus ebendeßhalb den heiligen Geist verheißen und gesandt hat. Belehrung. Durch das Werk der Erlösung hat uns Christus den Himmel geöffnet und durch seinen heiligen Wandel hat er uns den Weg dahin gezeigt; nun aber brauchen wir einen Führer, um diesen Weg nicht zu verfehlen, und Kraft und Stärke, um auf der Reise zum Himmel nicht zu ermüden. Dieß Alles ist uns gegeben mit dem heiligen Geiste; darum folgt ans die Lehre von der Erlösung sogleich die Lehre vom heiligen Geiste; denn ohne seine Gnade würden wir keine Frucht bringen zum ewigen Leben, wie dieß der heilige JrenäuS so schön ausdrückt mit den Worten: „Wie die trockne Erde, wenn sie nicht befeuchtet wird, keine Frucht bringt, so werden auch wir niemals eine Frucht göttlichen Lebens bringen ohne den Thau von Oben, ohne den heiligen Geist;" ja, nur zu wahr ist dieß; ohne den Beistand des heiligen Geistes wirst du dich, o Christ! nie und nimmer emporschwingcn können zur Höhe des Himmels. Beispiel und Anwendung. Ein Kolibri, bekanntlich der kleinste unter allen Vögeln, sah oft zur glänzenden Sonne empor und wünschte ihren Glanz und ihre Pracht in der Nähe zu beschauen. Doch so oft er sich emporschwang, so oft er im Fluge sich kühn versuchte — jedes Mal war sein Mühen vergebens; denn seine Kräfte reichten nicht aus, um eine so gewaltige Höhe zu erreichen. Betrübt flog er einmal auf und ab, als ihm plötzlich ein Adler im Fluge begegnete. Sogleich schwang sich das arme, schwache Vögelein auf den Rücken des Adlers, und dieser trug es, seiner leichten Bürde nicht einmal bewußt, hoch empor zur majestätischen Sonne und brachte es so sicher und gegen jegliches Raubthier geschützt hin an das Ziel seiner Wünsche und Wonne. — Schwacher Mensch! dieses arme, schwache Vögclcin bist du! Deine Kraft reicht nicht aus, daß du dich erschwingest zur Sonne der Gerechtigkeit. Da kommt aber jene Himmelstaube (sieh das obige Bild!), der heilige Geist, herangeflogen und trägt dich, gesichert und geschützt gegen all' die Feinde deines Heiles, durch seine himmlische Kraft auf den Flügeln seiner stärkenden Gnade hinan zum Ziele deiner Wünsche und Wonne. Möchten sich 139 Am Feierabende des 25. Februar. doch Alle von dieser göttlichen Taube emportragen lassen zu dm beseligenden Höhen des Himmels! Fr. Wer ist der heilige Geist? Ailtw. Er ist wahrer Gott, die dritte Person in der Gottheit, die da von Ewigkeit her ausgeht vom Vater und Sohn. Belehrung. Der heilige Geist ist 1) wahrer Gott; daher wird er auch in der heiligen Schrift Gott genannt. So spricht Petrus zu Ananias: „Warum hat der Satan dem Herz versucht, daß du lögest dem heiligen Geiste, und zurück behieltest von dem Werthe des Ackers? . . . Nicht Menschen hast du vorgelogen, sondern Gott." (Apstgsch. 5, 3 u. 4.) — Es werden ihm göttliche Eigenschaften zugeschrieben, z. B. Allmacht: „Alles wirkt derselbe Geist" (1. Cor. 12, 11.); Allwissenheit: „Der Geist durchschaut Alles" (I.Cor. 2, 10.); Allgegenwart: „Der Geist des Herrn hat die ganze Welt erfüllt" (Weish. 1, 7.); Wahrhaftigkeit: „Der Geist der Wahrheit wird euch alle Wahrheit lehren." (Joh. 16, 13.) u. s. f. — 2) Der heilige Geist ist die dritte Person in der Gottheit, verschieden vom Vater und Sohn. Auch dieß erhellt ans der heiligen Schrift. „Ich werde den Vater bitten," sagt Christus, „daß er euch einen andern Tröster sende, den Geist der Wahrheit, damit er immer bei euch bleibe." (Joh. 14, 16.) Hier ist offenbar von drei verschiedenen Personen die Rede; der Vater sendet; der S o h n bittet; der heiligeGeist wird gesendet.— 3) Der heilige Geist geht vom Vater und Sohn zugleich aus. „Die dritte Person stammt vom Vater und vom Sohne," sagt Tertullian, „wie die Frucht von der Wurzel und vom Baume kommt; die Wurzel ist der Ursprung, welche den Baum gebärt; von der Wurzel und dem Baume geht die Frucht hervor." Und Andreas von Kreta schreibt: „Denke dir einen Spiegel bei einer Wasserfläche gegen die Sonne gehalten, so daß die Sonne in dem Spiegel erscheint und zugleich aus dem Spiegel ihren Schein auf die Wasserfläche wirst. Auf diese Weise wirst du drei Sonnen zugleich sehen: eine am Himmel, eine im Spiegel, eine im Wasser. Die erste hat ihr Licht von sich selbst, die zweite im Spiegel hat das Licht von der ersten, und die dritte im Wasser hat dasLicht von der ersten und zweiten. Ebenso ist auch der Vater von sich selbst, der Sohn vom Vater, und der heilige Geist vom Vater und vom Sohne zugleich." — Ebendieß war auch von scher die Lehre der heiligen katholischen Kirche in Betreff der Person des heiligen Geistes, indem sie im Glaubensbekenntnisse ausdrücklich erklärt, „daß der heilige Geist, der Herr und Lebendigmacher, der vom Vater und Sohne ausgeht, mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und verherr- nicht wird" (ämlich als gleicher Gott). Beispiel und Anwendung. Zwei Patriarchen von Constantinopel Photius (i. I. 866) und Cärularius (i. I- 1043) läugnetcn und bekämpften den Glaubenssatz der Kirche, daß „der heilige Geist vom Vater und vom Sohne ausgehe," und trennten sich dcß- halb vom römischen Papste und von der römisch katholischen Kirche. Alle Diejenigen, welche sich von der römischen Kirche und ihrer Lehre nicht trennen wollten, wurden grausam mißhandelt oder in die Verbannung geschickt. Ans solche Weise kündigten die Griechen in Constantinopel dem heiligen Geist den Krieg an, aber auch er ihnen. Die Strafe blieb nicht aus. Muhamed II. umschloß i. I. 1453 mit einem zahlreichen Heer die Hauptstadt Constantinopel. Nach den blutigsten Kämpfen kam es am 29. Mai desselben Jahres, wo gerade das heilige Pfingstfest einfiel, also am Tage des heiligen Geistes, zur traurigen Entscheidung. Zwei mal wurden die Türken zurückgcschlagen, aber beim dritten Angriff wurden sie Sieger. Der Kaiser Constantin, kämpfend in den Reihen, wirft seinen Purpurmantel von sich, stürzt sich unter die Feinde, stirbt den Heldentod, und mit ihm fallen die Edelsten der Griechen. Drei Tage dauerte das Morden, Rauben und Brennen; am vierten zog Muhamed ein, nahm den Palast des Kaisers in Besitz und verwandelte die Sophienkirche in eine Moschee. Seit diesem Tage sind die Griechen von ihren Siegern hart bedrängt. — Siehe, mein Christ! so straft Gott Diejenigen, die so boshaft gegen den heiligen Geist sündigen. Legende: Die heilige Walburga, Abtissin, (f 779.) Eine fromme Verehrerin und Anbeterin des heiligen 18 * 14V Erstes Hauptstück. Der heilige Geist — als Heiligmacher und Tröster. Geistes war die heilige Walburga, deren Fest heute in der Kirche gefeiert wird. In Anerkennung ihrer menschlichen Schwäche und Hilfsbedürftigkeit nahm sie stets ihre Zuflucht zur mächtigen Gnade des heiligen Geistes, der sie aber auch auf seinen Fittichen emportrng zu den Höhen der christlichen Vollkommenheit und der ewigen Seligkeit. — Walburga, war die Tochter Richards,Zeines reichen und vornehmen Engländers, und die «Schwester der l,eiligen Wunibald und Willibald. In ihrer Jugend genoß sie eine so fromme Erziehung, daß in ihrem Herzen früh schon ein gottesfürchtiger Sinn geweckt und mit der Zeit immer bekräftigt wurde. Sie war ein Beispiel der Unschuld, der Demuth und Andacht. Mit aller Sorgfalt vermied sie den Umgang mit Personen des andern Geschlechtes, um ihre Seelenreinheit unbefleckt zu erhalten; denn schon frühe hatte sie sich Jesu, ihrem göttlichen Heilande,, ganz geweiht. Nach dem Tode ihrer Mutter Bonna,z die eine Schwester des heiligen Bonifacius war, wurde sie von ihren Brüdern, und besonders von Bonifacius, die alle in Deutschland das Evangelium predigten, eingeladen, ihr Vaterland zu verlassen und sich in ihre Nähe zu begeben. Unter Gottes sicherm Geleite kam die Edle mit dreißig frommen Jungfrauen i. I. 748 in Deutschland an. Zuerst lebte sie mit ihren Schwestern in einem Kloster in Thüringen, bis sie i. I. 754 mit denselben nach Heidcnheim bei Eichstädt zog. Geleitet von ihren heiligen Brüdern, regirte sie ihr Kloster auf eine so rühmliche Weise, daß sie von ihren Mitschwestern wie eine Mutter zärtlich geliebt und von allen Menschen der umliegenden Gegend hoch verehrt wurde. Nach dem i. I. 760 erfolgten Tode ihres Bruders Wunibald wurde ihr von dem Bischöfe zu Eichstädt wegen ihrer bewährten Tugend, ihres erleuchteten Verstandes und heiligen Eifers auch die Leitung des männlichen Klosters zu Heidenheim übertragen. Sie leuchtete durch Worte und Werke Allen als Muster vor, und ward deßwegen von Gott besonderer Gnaden gewürdigt. Endlich von Alter und von den Mühen des Lebens erschöpft, Siebemmdfüllszigstes Lesestiick. Am Feierabende des 26 . Februar. Der heilige Geist — als Heiligniacher und Tröster. Fr. Warum wird die dritte Person in der Gottheit wurde sie durch einen sanften Tod znm himmlischen Lohne 1) Geist, und 2) warum heilig genannt? ihrer Arbeiten in das selige Vaterland hinübergernfen am 25. Februar i. I. 779. Antw. Sie wird 1) Geist genannt, um sie von den zwei ersten Personen zu unterscheiden; sie heißt 2) Gebet. Heiliger Geist, du wahrer Gott, der vom heilig, weil sie selbst unendlich heilig ist und heilig Vater und Sohne ansgeht, wir bitten dich um göttliche macht, indem der heilige Geist der Urheber unsrer Hei- Kraft und Erleuchtung, damit wir dem erhabenen Tugend- ligung und der Spender der übernatürlichen Gaben und beispielc der heiligen Walburga Nachfolgen im Leben, ans Maden weßhalb der heilige Paulus schreibt (1. Cor. daß wir ihr dereinst auch Nachfolgen dürfen in die ewige n.). „J^- geheiligt im Geiste nnscrs Gottes." d-s Himm-I«, Am-», Ar, d-r GP dich dich«. -— keit ganz besonders? Antw. Er zeigt sie ganz besonders 1) in der katholischen Kirche, indem er sie unsichtbarer Weise bis Am Feierabende des 26. Februar. 141 an's Ende der Welt lehrt, heiligt und regirt, und 2) in der Seele des Gerechten, indem er ihn erleuchtet, heiligt, stärkt und tröstet, weßwegen er auch Heiligen ach er und Tröster genannt wird. Belehrung. Der heilige Geist zeigt seine Wirksamkeit ganz besonders 1) in der katholischen Kirche, der er am Pfingstfeste gesandt worden ist, als er in Gestalt feuriger Zungen über die Apostel herabkam (sieh das vorhergehende Bild!); und er zeigt diese seine Wirksamkeit vorzüglich dadurch, daß er die Kirche lehrt, heiligt und regirt. „Was die Seele dem Leibe des Menschen ist," sagt der heilige Aug ustin, „das ist der heilige Geist dem Leibe Christi — der heiligen katholischen Kirche; denn der heilige Geist thut dasselbe in der Kirche, was die Seele in den einzelnen Gliedern des Leibes thut" (nämlich beleben, bewegen, lenken und leiten). 2) Wohnt und wirkt der heilige Geist besonders auch noch in der Seele des Gerechten, indem er ihn erleuchtet, heiligt, stärkt und tröstet. Mit Recht ist daher der heilige Geist in der Gestalt feuriger Zungen und im Sturmwinde erschienen; denn dieselben Wirkungen, die das Feuer und der Sturmwind in der Natur Hervorbringen, bringt auch der heilige Geist in der Seele des Menschen hervor. Wie nämlich die Fenerflannnen mächtig um sich greifen, Alles entzünden und durchglühen, Unedles verzehren, Edles reinigen, schmelzen und neu schaffen, so wird durch die mächtigen Wirkungen des göttlichen Geistes das Menschengeschlecht neu geschaffen. Und wie die Sturmwinde den Luftkreis von giftigen Dünsten reinigen, und die Meere von Grund aufwühlen, damit nicht Alles in träge Ruhe und Fäulniß übergehe, Seuchen und Krankheiten Alles anstecken, was da lebt, so wird auch nur durch Gottes Geist dem Laster, dieser Pest im Reiche der Christen, gewehret. Beispiel und Anwendung. Schon zur Zeit des heiligen Paulus brachte der heilige Geist die hier genannten Wirkungen in der christlichen Kirche, sowie in den einzelnen Gemüthern der Gläubigen hervor. Die Einwohner von Co- rinth waren nämlich noch größtcntheils Götzendiener und als solche den abscheulichsten Lastern ergeben; sie waren Ehebrecher, Knabenschänder, Trunkenbolde, Verläumder u. s. w. Mehrere derselben aber hatten sich zum Christenthum bekehrt, und nun zeigte sich an ihnen die Kraft des heiligen Geistes; durch ihn wurden sie gereinigt, geheiligt und gerechtfertigt. Daher schreibt er an die Neubekehrten zu Corinth (1. Cor. K, 11.): „Dergleichen (Sünder) waren auch Einige von euch; aber ihr seid gereinigt, geheiligt und gerechtfertigt worden im Namen unsers Herrn Jesu Christi und im Geiste unsers Gottes." — „Siehe da, mein Christ! die Kraft des heiliges Geistes! (ruft uns der heilige Chry- sostomus zu.) Siehe, wie der heilige Geist alle Sünden wegnimmt, und Diejenigen, welche früher durch ihre eigenen Vergehen ganz erniedrigt waren, schnell wieder zur höchsten Würde erhebt! Denn durch den heiligen Geist erlangen wir Verzeihung unserer Sünden; durch ihn werden wir von allen Flecken der Laster gereinigt; durch seine Geschenke werden die Menschen, welche sich von seiner Gnade leiten lassen, zu Engeln. So groß ist die Kraft des heiligen Geistes! Gleichwie das irdische Feuer den weichen Thon in ein hartes Geschirr verwandelt; so macht auch das Feuer des heiligen Geistes, wenn es eine wohlgesinnte Seele ergreift, diese stärker, als Eisen, wenn sie auch vorher weicher war, als Thon, so, daß die Sünde die jetzt stark gemachte Seele nicht mehr beschädigen kann. Der Mensch aber, der vor Kurzem noch von dem Schmutze der Sünde befleckt war, wird durch die Gnade des heiligen Geistes Heller und glänzender, als die Sonne." O köstliche und tröstliche Worte aus dem Munde eines so großen und heiligen Lehrers! Fr. Kehrt aber der heilige Geist mit seinen über- natürlichen Gaben nndGnaden in der Seele eines jeden Menschen ein? Antw. O nein, sondern nnr in einer Seele, die von jeder schweren Sünde rein ist, und nnr so lange, als sie sich davon rein erhält. Belehrung. „Der Geist Gottes," sagt die heilige Schrift, „kehrt in einer boshaften Seele nicht ein," d. h. in der Seele des Sünders, sondern nur in einer Seele, die von jeder schweren Sünde rein ist, und so lange, als sie sich davon rein erhält; denn die Todsünde vertreibt den heiligen Geist und entheiligt den Tempel Gottes. Ebendeßwegen fügt der heilige Paulus den obigen Worten sogleich bei: „Wenn aber Jemand den Tempel Gottes entheiligt, so wird ihn'Gott zu Grunde richten; denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr." (1. Cor. 2, 17.) Von uns also hängt es mit ab, ob Gottes Geist in uns wohnen könne oder nicht; wir müssen nämlich unsere Seele von jeder schweren Sünde rein machen, wenn sie damit befleckt ist, oder, wenn dieß mit Gottes Hilfe nicht der Fall ist, sie davor rein bewahren; dann wird Gottes Geist bei uns einkehren und in uns bleiben. Beispiel und Anwendung. Es geschah einst an einem Pfingstsonntage, daß der selige Jordanns, Nachfolger des heiligen Dominicus, von seinen Genossen gebeten wurde, ihnen einige Worte der Erbauung mitzutheilen. Jordanus, der eben krank war und nicht viel zu reden vermochte, ließ einen Becher voll Wasser hereinbringen, den er vor ihren Augen ausschüttetc und dann mit Wein füllte. Hierauf sprach er: „Ihr begreift wohl, was dieß zu bedeuten habe. Sollte das Gefäß den Wein aufnehmen, so mußte ausgeleert werden, was es früher enthielt. Am heutigen Tage wurden die Apostel vom heiligen Geiste erfüllet, nachdem sie dem eigenen 142 Erstes Hauptstück. Die sieben Gaben des heiligen Geistes. Geiste entsagt hatten ; gehet also hin, und thnt das Gleiche!" — Verstehst du es nun, niein Christ! was du thun mußt, wenn Gottes Geist in dir einkehren und wohnen soll? Du mußt deinem eigenen Geiste, d. i. deinen sündhaften Neigungen und Begierden, der Sünde überhaupt entsagen und so dem heiligen Geist in deinem Herzen Platz machen. Daher sprach auch der heilige Bernhard einst zu einem Manne, der von ihm die Wissenschaft der Heiligkeit erlernen wollte: „Bringe zu Gott ein leeres Herz (d. i. ein Herz, das leer ist von allen Sünden und von allen sündhaften irdischen Neigungen,) damit es der heiligeGeist erfüllen könne!" Legende: Die heilige Mathildis, Abtissin, (st 1160.) Dieser Ermahnung des heiligen Bernhard folgte auch treulich die heilige Mathildis, deren Lebensgeschichte uns in der Legende am heutigen Tage begegnet. Sie hatte ihr Herz frei gemacht von allen irdischen Wünschen und Bestrebungen, damit der heilige Geist allein mit seiner Gnade in ihr Einkehr und dauernde Wohnung nehmen konnte. Mathildis, die Tochter des Grafen Berthold von Andechs, wurde um d. I. 1125 geboren und schon im fünften Jahre den Angnstinernonnen des Klosters Diesten am Ammersee übergeben. Bald äußerte sich an der zarten Jungfrau eine besondere Frömmigkeit. Ihr strenger Gehorsam, ihre kindliche Demuth, ihre gänzliche Losschälung von allem Weltlichen, ihre beständige Sammlung des Geistes dienten der ganzen Genossenschaft zur Erbauung. Kaum hatte sic das erforderliche Alter erreicht, die feierlichen Gelübde ablegen zu können, so weihte sie sich durch dieselben auf ewig dem Herrn und wurde bald darnach einstimmig zur Abtissin gewählt. Bei dem Antritte ihres Amtes machte sie sich's zur Aufgabe, in Nichts von ihren Untergebenen sich zu unterscheiden, es sei denn durch größern Eifer in Beobachtung der Ordensregeln, und ließ sich auch von ihren geistlichen Töchtern nicht Vorgesetzte oder Mutter, sondern nur Schwester nennen. In kurzer Zeit stand unter der Leitung dieser gottseligen Oberin das Kloster Diesten als eine fruchtbare Pflanzschule heldenmüthiger Tugenden da. Jhr Wauvel war eine fortwährende, wirksame Lehre. Bedrängte, besonders aber arme Wittwen und Waisen fanden an ihr eine nach Kräften helfende Mutter. Ihr Leben war dabei eine fast ununterbrochene Folge von schmerzlichen Krankheiten, die sie aber alle mit Freuden aus Liebe zu ihrem leidenden Heilande übertrug. Am 31. Mai 1160 ging sie nach dem Empfange der heiligen Sterbsakramente ein in die Freude des Herrn, dem sie stets so treu gedient hatte. Gebet. Verleihe uns, o Gott! wir bitten dich, die Gnade, daß wir unser Herz frei machen von allen irdischen Wünschen und Bestrebungen, wie deine heilige Dienerin Mathildis, und daß wir es stets rein bewahren vor jeder Sünde, damit der heilige Geist in demselben einkchren und Wohnung nehmen möge. — Durch Christum unfern Herrn. Amen. Achtmidsünfzigstes Lesestmk. Am Feierabende des 27. Februar. Die sieben Gaben des heiligen Geistes. Fr. Mit welchen Gaben insbesondere erfüllt der heilige Geist alle Diejenigen, die fromm leben? Antw. Mit seinen sieben Gaben. Fr. Wie heißen die sieben Gaben des heiligen Geistes? Antw. Sie heißen: 1) die Gabe der Weisheit, 2) des Verstandes, 3) des Nathes, 4) der Stärke, 5) der Wissenschaft, 6) der Frömmigkeit, 7) der Furcht Gottes. Belehrung. Der heilige Bonaventura nennt diese sieben Gaben des heiligen Geistes, die schon der Prophet Jsaias (11,2.) aufzählt, „sieben feurige Strahlen, die Alles erleuchten, erwärmen, durchdringen und glühend machen." Das sind sie aber auch in Wahrheit; du wirst dieses Ansehen, mein christlicher Leser! wenn wir diese sieben Gaben des heiligen Geistes einzeln betrachten. 1. Die Gabe der Weisheit. Diese bewirkt, daß unser für die Erde eingenommenes, für Gott und die Tugend aber erkaltetes Herz von der Liebe zum Guten ergriffen wird, so daß es die Tugend und die göttlichen Dinge liebt und sich von der Welt und von der Thorheit der irdischen Dinge losmacht. Beispiele und Anwendung. Die Gabe der Weisheit besitzt sonach Derjenige, der die Nichtigkeit alles Irdischen Am Feierabende des 27. Februar. 143 MM-.. s MM erkennt und daher nur nach denr Ewigen und Himmlischen strebt. Diese Gabe der Weisheit besaß der weise König Salomen. Er bat nicht um Neichthum und langes Leben, sondern nur um Weisheit, und als er sie von Gott empfangen hatte, rief er aus: „Ich sah Alles, was unter der Sonne geschieht, und siehe, Alles war Eitelkeit." (Pred. 2, 17.) Als er aber von der Weisheit späterhin wieder abwich, wurde er gottlos und sank tief hinab in Sünden und Laster. — Mit dieser Gabe war auch ausgerüstet die heilige Olympias; daher rief sie aus: „Nach der wahren Weisheit des Christen will ich streben, nicht mehr die Welt und ihre Güter lieben, sondern nur Gott und die ewigen Güter will ich fortan suchen." Belehrung. Die zweite Gabe des heiligen Geistes ist die Gabe des Verstandes; diese führt uns ein in die Erkenntniß der Neligionswahrheiten, so weit es unserm beschränkten Geiste möglich ist, und läßt uns tiefe Blicke thun in die Geheimnisse des Glaubens und ihre Schönheit erkennen, auf daß wir sie mit Freuden glauben, obgleich sie für unsere Vernunft etwas Dunkles und Undurchdringliches haben. Um diese Gabe betete schon David (Ps. 118, 34.): „Gib mir, o Herr! Verstand, so will ich forschen in deinem Gesetze und es beobachten von meinem ganzen Herzen." — 3) DieGabe desRathes ist es, welche zum Rechten ra- thet, zu Dem, was Gott dem Herrn wohlgefällig und uns und unfern Mitmenschen nützlich und heilsam ist für Zeit und Ewigkeit. Beispiele und Anwendung. Durch die Gabe des Verstandes zeichnete sich ganz besonders die heilige Katharina aus. (Sieh das obige Bild!) Sie lebte im vierten Jahrhundert zu Alexandrien in Aegypten und zeigte gegenüber dem heidnischen Kaiser Maximin, vor dessen Richtcrstuhl sie als Christin gefordert ward, eine solche Einsicht und Beredsamkeit, daß er fünfzig der berühmtesten Welt weisen in seinen Palast kommen ließ, welche die heilige Märtyrin widerlegen sollten. Sie aber sprach mit solcher Weisheit, Starke und Salbung für das Christcn- thum und bewies ihren Gegnern so gründlich die Einheit Gottes und die Nichtigkeit ihres Aberglaubens, daß sie sich öffentlich für überwunden erklärten und das Christenthum annahmen, auch für dieses gleich ihr den Martertod litten. — Mit der Gabe des Nathes aber war ausgerüstet der heilige Abt Pambo, der sich in allen zweifelhaften Fällen stets nur für Gott, für Recht und Wahrheit entschied. Aber auch Andern war er in allen Angelegenheiten ihres Seelenheils ein wahrer Vater und Rathgeber. Durch Rath und That zeigte er Allen den Weg zur Tugend und Vollkommenheit. — Möchtest auch du, o Christ! mit der Gabe des Verstandes und Rathes erfüllt, dich stets nur für Gott und die Tugend entscheiden, und auch Andern durch Rath und That den Weg zum Himmel zeigen! Belehrung. Die vierte Gabe des heiligen Geistes ist die Gabe der Stärke; diese bewirkt, daß der schwache Mensch alle Leiden und Trübsale dieses Lebens mit Muth und Freude und in christlicher Geduld erträgt und alle Hindernisse und Schwierigkeiten auf dem Wege des Heiles mit christlichem Hcldenmuthe besiegt, kein Opfer scheuend, mag cs auch noch so groß und für ihn noch so schmerzlich sein. — 5. Die Gabe der Wissenschaft klärt uns auf über die Pflichten der Religion, zeigt uns den Weg zum Himmel und macht uns tüchtig, ihn auch Andern zeigen zu können. — 6. Die Gabe der Frömmigkeit besteht darin, daß wir voll heiliger Freude im frommen Gebete mit Gott uns unterhalten, ihn loben und verherrlichen und nur in ihm unsere Ruhe und Seligkeit suchen und finden. , Beispiele und Anwendung. Die Gabe der Stärke besaßen all die heiligen Märtyrer, die sich durch keine Martern und Qualen von der Liebe Christi scheiden ließen; die Gabe der Wissenschaft hatte der heilige Vincentins Ferrerius in einem so hohen Grade, daß er durch seine eindringlichen 144 Erstes Hauptstück. Von den außerordentlichen Gnadengaben und von den Früchten des hl. Geistes. und begeisterten Predigten mehr als hunderttausend Lasterhafte bekehrte und gegen fünfundzwanzigtauseud Juden und achttausend Türken für den christlichen Glauben gewann. — Durch die Gabe der Frömmigkeit und der Andacht zeichnete sich die heilige Rosa schon in ihrem zwölften Jahre auf eine glänzende Weise aus. Sie mochte wachen oder schlafen, arbeiten oder ruhen, in der Kirche oder auf der Gasse sein, immer blieb ihr Geist bei Gott, ihn lobend und Preisend. Sie betete gewöhnlich an jedem Tage zwölf Stunden, und that es auch zur Zeit der bittersten Bedrängnis;. Während des Betend war sie für die Erde wie todt; sie sah nicht, sie hörte nicht; unbeweglich lag sie wie ein Fels auf den Knieen da. Belehrung. Die letzte von den sieben Gaben des heiligen Geistes ist endlich die Furcht Gottes, welche bewirkt, daß der Christ, wenn er auch auf den höchsten Gipfel der Vollkommenheit stände, sich dennoch in Anbetracht seiner Schwäche demüthigt, beseelt von der heilsamen, mit kindlicher Liebe vermischten Furcht, Gott zu mißfallen, ihn zu beleidigen, seiner Ungnade und Strafe zu verfallen. Wohl einem Jeden, der diese Gabe der Furcht Gottes besitzt! In ihr sind alle andern enthalten; sie ist es, die den Menschen gerecht und Gott wohlgefällig macht; denn „sie ist die Quelle des Lebens" (Sprüchw. 14, 27.), „der Anfang der Weisheit." (Sir. 1, 16.) Mit dieser Gabe des heiligen Geistes war erfüllt jener Heilige, dessen Fest wir heute feiern. Legende: Der heilige Leander, Bischof von Sevilla, (ch 596.) Der heilige Leander wurde zn Carthagena in Spanien von sehr ansehnlichen Eltern geboren. Anerkennend seine menschliche Schwäche, war er stets von der Furcht Gottes, d. i. von heiliger Furcht durchdrungen, er möchte etwa Gott beleidigen. Um den Gefahren der Welt zu entgehen, zog er sich schon in früher Jugend in ein Kloster zurück, und wurde daselbst gar bald ein vollendetes Muster der Wissenschaft und Heiligkeit. Nach dem Tode des Bischofs von Sevilla erwählte man ihn daher einstimmig zum Hirten der Kirche dieser Stadt. Nun eiferte er unablässig für die Ehre Gottes und für die Unterdrückung der arianischen Irrlehre, welcher damals die Westgothen in Spanien ergeben waren. Und wirklich gelang es ihm, den größten Theil der Arianer wieder in die wahre Kirche zurückzuführen; daher nennen ihn die Spanier ihren Apostel. Nachdem er auf solche Weise rastlos für die Ehre Gottes und seiner heiligen Kirche gearbeitet hatte, entschlief er selig im Herrn im Jahre 596. Gebet. Sende uns, o heiliger Geist! deine sieben Gaben, auf daß auch wir, wie der große Apostel Spaniens, St. Leander, rastlos arbeiten und wirken mögen für Gott und seine heilige Kirche. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Neunmidfünszigstes Lesestück. Am Feierabende des 28. Februar. Von dm außerordentlichen Gnadengabm und von den Früchten des heiligen Geistes. Fr. Hat der heilige Geist außer den bezeichneten sieben Gaben nicht auch oft schon außerordentliche Gnadengaben verliehen? Antw. Ja, der heilige Geist hat den Aposteln, den ersten Christen und gar oft auch schon andern auserwählten Werkzeugen Gottes besondere Gnadengaben verliehen, als da sind: Die Gabe Wunder zu wirken, in fremden Sprachen zu reden, und künftige Dinge vorh erznsageu. Belehrung. Wenn es sich um die Verbreitung des wahren Glaubens und des göttlichen Reiches auf Erden handelte, so hat der heilige Geist gar oft jene Personen, die sich die göttliche Vorsehung als besondere Werkzeuge hiezu ausersah, mit außerordentlichen Gnadengaben ausgerüstet. Dieß war z. B. der Fall bei den Aposteln, die am Pfingstfeste in fremden Sprachen redeten, so daß ein Jeder sie in seiner Sprache reden hörte (Apostelgesch. 2, 4.), die Wunder wirkten, indem sie Kranke heilten (Apostelgesch. 3. u. 9.) (sieh das nachfolgende Bild), und selbst Todte erweckten, wie z. B. die Tabitha (Apostelgesch. 9.) und den Euthchus (Apostelgesch. 20.), die endlich auch künftige Am Feierabende des 28. Februar. 145 Dinge vorhersagten. (Apostelgesch. 21, 11.) Dasselbe kam auch häufig bei den ersten Christen vor, und wenn es Noch that, selbst auch gar ost in neuerer Zeit. Sv zeichnete sich durch die Gabe der Sprachen, der Weissagung und Wunderwirkung der heilige Franz Taver aus, den Gott der Herr zur Verbreitung des Glaubens in fernen Ländern »Erwählt hatte. Die Sprachengabe besaß auch der heilige Vincentius Ferrerius. Obschon nämlich dieser große Geistesmann nur in der ihm eignen Valencischen Sprache predigte, so wurde er doch von Leuten aus den verschiedensten Nationen, die'in seiner Predigt zugegen waren, verstanden, und es ernteten diese die schönsten Früchte aus seinen Predigten. — Aehnliches lesen wir vom heiligen Dominikus und Andern. Solche außerordentliche Gnadengaben des heiligen Geistts werden nur Einzelnen verliehen, damit sie durch dieselben nützen und Gottes heilige Absichten bei den Menschen befördern helfen. — Fragst du mich aber, warum heut zu Tage diese Gaben, z. B. Wunder zu wirken rc., so selten mehr Vorkommen, während dieß im Anfänge der Kirche so häufig der Fall war, so antworte ich dir mit Gregor dem Großen: „Zeichen und Wunder waren nur nothwen- dig zur Zeit der Entstehung der Kirche; denn durch Wunderwerke mußte der Glaube im Wachsthume genährt werden. Wir begießen ja auch neugepflanzte Bäume, bis wir sehen, daß sie im Erdreich gehörig Wurzeln gefaßt haben, und dann lassen wir mit dem Begießen nach." Mchler, Hausbuch. Fr. Wodurch wird es in und an uns offenbar, daß Gottes Geist in unserm Herzen wohne? Antw. Durch die Früchte des heiligen Geistes, deren der heilige Paulus vorzüglich zwölf nennt, indem er schreibt: „Die Frucht.des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Milde, Güte, Langmuth, Sanftmuth, Treue, Mäßigkeit, Enthaltsamkeit, Keuschheit." Belehrung. Ja, wo Gottes Geist wohnt, da zeigt sich Liebe, wahre Gottes- und Nächstenliebe, Freude an Gott und göttlichen Din gen, Friede nach Innen und Außen, Geduld in allen Leiden und Widerwärtigkeiten dieses Lebens, Milde, Güte, Langmuth und Sanftmuth gegen den Nächsten, Treue, Mäßigkeit, Enthaltsamkeit und endlich die Lilie unter den Tugenden,die heilige Keusch heit. Welche himmlische Frucht muß da nicht gedeihen, wo der heilige Geist unser Herz mit seiner göttlichen Gnade erquickt und befruchtet? Beispiel und Anwendung. Ein frommer Vater saß mit seinem Sohne unter einem reichbeladcnen Fruchtbaume. „Mein Kind," sprach der Vater, „was bevarf dieser Baum, daß er unter seiner Last nicht breche?" Der Sohn antwortete: „Einer Hand, welche die Früchte von ihm wcgnähme." Und darauf entgegnete der Vater: „Der heilige Geist ist der Fruchtbaum, der voll Gnadengaben hängt, und ein wohlbe- rcitetes Herz ist die Hand, die diese Güter von ihm nimmt." — Sorge also dafür, christliche Seele! daß dein Herz bereit sei zur Aufnahme des heiligen Geistes; und nicht lange wird es dauern, so werden dir von diesem himmlischen Fruchtbaume die Früchte des heiligen Geistes zu Theil werden. Fr. Wer ist also Schuld daran, wenn sich diese Früchte des heiligen Geistes nicht an uns zeigen? Antw. Wir selbst. Belehrung. Ach ja, mein christlicher Leser! wir selbst sind Schuld daran, wenn sich die Früchte des heiligen Geistes nicht in uns zeigen, da wir es mit der Sünde halten und so dem heiligen Geiste ven Eingang in unser Herz versperren. „Es kann nicht Tag werden," sagt ein christlicher Lehrer, „so lange die Finsterniß nicht weicht; so kann auch das Gute nicht auf- kommen, so lange dem Bösen nicht die Herberge im Menschen aufgekündet ist. Erst wenn dieß geschehen, hält der Geist Gottes seinen Einzug in die Hütte des Herzens und wirkt darin Liebe, die zum Leben führt und schon selber Le- 19 5 ^ 146 Erstes Hauptstück. Begriff und Gründung der wahren Kirche. bcn ist!" Nur dann also wird der heilige Geist in uns einkehren und verbleiben, wenn wir das Gift der Sünde aus.unserm Herzen entfernen. Beispiel und Anwendung. Als der Vater des Kaisers Caligula gestorben war, wurde dessen Leichnam zum Scheiterhaufen hinausgetragen, um dort nach römischer Sitte verbrannt und begraben zu werden. Der ganze Leib verbrannte zur Asche, nur das Herz nicht, an welches das Feuer nicht ansetzen wollte. Da wurden die Leibärzte berufen; diese fanden bald, daß dieses Herz eine gewisse Gattung von Gift enthielt, welches dem Feuer widerstand. Man nahm dieses heraus, und sogleich ging auch das Herz, wie der übrige Leib, in Asche über. Hat es denn zuvor an der Kraft und Stärke des Feuers gemangelt? O nein, sondern an der geeigneten Beschaffenheit des Herzens. Wehe uns also, wenn uns die Glut des heiligen Geistes nicht ergreift, wenn das Gift der Sünde seine Wirksamkeit hemmt und hindert; wir sind selbst Schuld daran! — Entfernen müssen wir also das Gift der Sünde; hüten müssen wir uns, daß wir den Tempel des heiligen Geistes in uns nicht entheiligen; denn „sonst würde uns Gott zu Grunde richten," sagt der heilige Paulus (1. Cor. 3, 17.); alle Tage sollen wir, wie St. Aloysius, den heiligen Geist um Gnade und Erleuchtung anflehcn, und Gottes Geist wird alsbald seine Wohnung in unserm Herzen aufschlagen und mit Lust darin wohnen. Legende: Der heilige Oswald, Erzbischof von Jork, (ff 992.) Die Früchte des heiligen Geistes, als da sind: Liebe md Freude, Friede und Geduld, Milde und Güte, Lang- unth und Sauftmuth, Treue und Mäßigkeit, Enthalt- ämkcit und Keuschheit — sie alle finden wir in dem -eiligen Erzbischof Osw ald, dessen gefeierter Name uns heute in der Legende begegnet, vollkommen vereinigt. Er war ein Neffe des heiligen Odo, Erzbischofs von Can- tcrburh, der den Knaben aufs Sorgfältigste erzog. Schon i. I. 972 ward Oswald Erzbischof von Jork, als welcher er allenthalben Tugend und Wissenschaften zu verbreiten suchte; überall leuchtete er durch sein erhabenes Beispiel voran. Voll tiefer Demuth Pflegte er oft den Armen die Füsse zu waschen; als er nun einmal nach vollendetem heiligen Meßopfer eben dieser frommen Ue- bung oblag, gab er seinen Geist auf um d. I. 992. Gebet. Laß uns genießen, göttlicher heiliger Geist! deine beseligenden Früchte, auf daß Friede und Freude, Liebe und Milde, Laugmuth und Geduld, Güte und Sauftmuth, Treue und Mäßigkeit, Enthaltsamkeit und Keuschheit in uns wohne, damit wir heilig leben und selig sterben können, wie dein treuer Diener Oswald. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Sechzigstes Lesestück. Am Feierabende des 1. März. Neunter 'Glaubensartikel: „Ich glaube eiueheiligekatholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen." Begriff und Gründung der wahren Kirche. Fr. Warum folgt die Lehre von der Kirche unmittelbar nach der Lehre vom heiligen Geiste? Antw. Weil der heilige Geist ganz besonders in der Kirche seine Wirksamkeit entfaltet. Belehrung. „Der heilige Geist ist die Seele der Kirche," schreibt der heilige Augustin; „er thut in der ganzen Kirche, was die Seele in allen Gliedern eines Leibes thut. Es ist daher billig, daß man dem heiligen Geiste, ja dem Geheimnisse der heiligsten Dreifaltigkeit überhaupt, die Kirche beifüge, sowie dem Bewohner sein Haus, Gott seinen Tempel, dem Erbauer seine Stadt." Fr. Was ist die Kirche? Antw. Die Kirche ist die Gemeinde aller Christen ans Erden, die durch das Bekenntniß desselben Glaubens und durch die Theilnahme an denselben Sakramenten vereinigt sind unter Einem gemeinsamen Oberhaupte (dem Papste als dem Nachfolger des heiligen Petrus) und den ihm untergeordneten Bischöfen (als Nachfolgern der übrigen Apostel). Belehrung. Das Wort Kirche, welches ursprünglich vom Griechischen Kyriakon abgeleitet ist und zu deutsch heißt „Haus des Herrn," bezeichnet hier nicht bloß ein Gotteshaus, einen Teuchel von Stein, ein aus Manerwerk oder Am Feierabende des 1. März. 147 aufgeführtes Gebäude, sondern die Gemeinde d. i. die sichtbare Vereinigung aller Christen auf Erden, die einen und denselben Glauben bekennen, einerlei Sakramente gebrauchen und ein gemeinsames Oberhaupt, den römischen Papst, anerkennen, dem alle Bischöfe untergeordnet sind. Fr. Wie ist die Kirche allmählig entstanden? Antw. Dadurch, daß die Apostel, nachdem sie den heiligen Geist empfangen hatten, in alle Welt hinausgingen, predigten und tauften, woraus an vielen Orten Christengemeinden entstanden, deren Vorsteher entweder die Apostel selbst waren oder die von ihnen aufgestellten Nettesten, und welche zusammen eine große Christengemeinde bildeten unter einem gemeinsamen Oberhaupts — dem heiligen Petrus. Biblische Erzählung. Die allmählige Ent- stehung der Kirche läßt sich nach den in der hei- ligen Schrift aufgeführten Thatsachen ungefähr in _ folgender Weise erzählen: Nachdem die Apostel am Pfingstfeste den heiligen Geist empfangen hatten, gingen sie ans in alle Welt, predigten und tauften, und vereinigten Alle um sich, die glaubten und sich taufen ließen. Aus diesen Vereinen entstanden an vielen Orten Christengemeinden, die „in der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft des Brodbrechens (des Opferbrodes) und im Gebete beharrten" (Apstg. 4, 34.), „Alles gemeinschaftlich hatten" (Apstg. 2, 41 — 44.), und die „Ein Herz und Eine Seele waren, so daß auch nicht Einer sagte, daß Etwas von Dem, was er besaß sein sei, sondern sie hatten Alles mit einander gemein." (Apstg. 4, 32.) Die Vorsteher dieser Christengemeinden waren die Apostel, die nicht bloß predigten und tauften, sondern auch Anordnungen trafen, Gesetze machten, drohten, richteten und bestraften, Unwürdige aus der Gemeinschaft der Kirche ausschlosscn (I.Cor. 5, 5. u. 1. Tim. 1, 20.) und Reumüthige Wiederaufnahmen. (2. Cor. 2, 10.) u. s. f. Und als die Christengemeinden sich vermehrten, weihten die ApostelAclteste zu Bischöfen, „sie ordneten ihnen mit Gebet und Fasten Aelteste (Bischöfe und Priester) in allen Gemeinden" (Apstg. 14, 22.) und setzten sie überall als Vorsteher der neuen Christengemeinden ein, mit dem Aufträge, daß auch sic wieder Andere weihen und einsetzen sollten, weßhalb der heilige Paulus an TituS schrieb (Tit. 1,5.): „Darum habe ich dich in Creta zurückgelassen, damit du von Stadt zu Stadt Aelteste aufstellest." — Alle diese einzelnen Gemeinden standen unter einander in enger Verbindung: sie bekannten denselben Glauben, nahmen Theil an denselben Sakramenten und bildeten zusammen eine große Christengemeinde unter einem gemeinsamen Oberhaupte — dem heiligen Petrus; man nannte sic die katholische d. h. die allgemeine Kirche oder mit Einem Worte die Ki r che. Fr. Hat die Kirche diese ihre Entstehung den Aposteln zu verdanken? Antw. Nein; sie hat dieselbe Christus, ihrem Stifter zu verdanken; (sieh das obige Bild!) Die Apostel waren nur Vollstrecker seines Willens; denn Christus hat ihnen den Auftrag gegeben, in die ganze Welt hinanszugehen, zu lehren, zu taufen und die Getauften unter der Leitung des heiligen Petrus zu regiren. Belehrung. Christus i st also der Stifter der Kirche, indem er den Aposteln seine eigene Gewalt übertrug mit den Worten: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch," und indem er sie aussandte, überall zu predigen, zu taufen und die Getauften 19 * 148 Erstes Hauptstück. Einrichtung der wahren Kirche. unter der Oberleitung des heiligenPetrus zu regiren. Darum sprach der göttliche Heiland vor sei ncr Himmelfahrt zu denApcsteln: „Gehet hin, lehret alle Völker und taufet sie re." (Matth. 28, 18—20.) Und schon früher hatte er zu ihnen gesagt: „Wer euch höret, der höret mich, und wer euch verachtet, der verachtet mich." (Luk. 10, 16.) Dadurch nun, daß Christus den Aposteln seine eigene Gewalt verlieh und sie in die ganze Welt hinaussandte, legte er den Grund zu seiner Kirche und ist sonach selbst der Stifter derselben; seine Apostel aber waren nur die Werkzeuge, deren er sich bei Gräm düng derselben bediente. Beispiel und Anwendung. Ein christlicher Prediger aus dem so ehrwürdigen und segenverbrei- tendcn Jesuiten-Orden erklärte einst seinen Zuhörern den Wunderbau der christlichen Kirche in folgendem schönen Beispiel oder Gleichniß. „ Christus der Herr," also rief er voll Begeisterung aus, „ist der Baume i st c r d e r Kirche; er hat das Schiff der Kirche gebaut, demselben die Apostel zu Steuermännern (an ihrer Spitze den heiligen Petrus), die Gläubigen zu Soldaten, die Sakramente statt der Waffen, die Tugenden statt der Pfeile, das Kreuz statt des Mastbaumes gegeben; und der günstige Wind, der es an das rechte Land treibt, ist der heilige Geist." Welch ein schönes Gleichniß! Wisse es also, Katholik! Deine heilige Kirche ist ein wahrer Gottesbau; der Sohn Gottes selbst hat sie gegründet, und der heilige Geist leitet sie noch immer und wird sie leiten bis an's Ende der Welt. Wie hoch sollst du daher deine Kirche nicht schätzen! Wie innig sollst du sie nicht lieben nnd verehren! Legende: Der heilige Suitbert, Bischof u. Apostel von Friesland. (ch713.) Mit welch einer glühenden Liebe hing dieser Heilige, dessen Fest auf den heutigen Tag fällt, an seiner heiligen katholischen Kirche! Er kannte kein größeres Glück, als die heidnischen Völker der Erde in dieselbe einznführen. Geboren in England, stand er einige Zeit unter der Leitung des frommen und heiligen Priesters Egbert.. Bald aber trieb ihn sein Eifer für das Heil der Seelen und sein glühendes Verlangen, den Gläubigen das Evangelium zu verkünden und sie durch die heilige Taufe in die Kirche Gottes aufzunehmen, hinaus in die weite Welt. Er eilte daher, von heiligem Eifer beseelt, als Glaubeus- bote nach Friesland und hatte daselbst alsbald den Trost zu sehen, wie eine unzählbare Menschenmenge dem Hei- dcnthuiue entsagte und in die von Christus gestiftete Kirche sich mit Freuden aufnehmen ließ. Nachdem er auf solche Weise Viele der katholischen Kirche zugeführt hatte, zog er sich in die Einsamkeit zurück, um sich zum Tode vorzubereiten. Und so endete er seinen der Menschheit so wohl- thätigen Lebenslauf in dem von ihm selbst gestifteten Kloster Königswerth i. I. 713. Gebet. Göttlicher Herr und Heiland, Jesus Christus! du hast die katholische Kirche gegründet auf Erden; gib, daß wir dieselbe lieben, in derselben leben, wirken und sterben, als treue-und fromme Kinder derselben, wie dein heiliger Diener Suitbertus, der du lebest und regirest in alle Ewigkeit. Amen. MM MW: Einnndsechzigstes Lesestück. Am Feierabende des 2. März. Einrichtung der wahren Kirche. Fr. Welche Einrichtung hat also der göttliche Heiland seiner Kirche gegeben? Antw. Er hat seiner Kirche die Apostel als Vorsteher gegeben, denen er ein dreifaches Amt übertrug: Das Lehr-, Priester- und Hirtenamt; an ihre Spitze hat er ein sichtbares Oberhaupt gestellt, unter dessen Oberleitung sie ihr Amt verwalten sollten, und ihnen Am Feierabende des 2. März. 14 » F den heiligen Geist verliehen, auf daß derselbe sie leite und regire. Belehrung. Christus der Herr hat also, wie wir schon wissen, 1) die Apostel als Vorsteher seiner Kirche aufgestellt, mit den Worten: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich auch euch" (Joh. 20, 21.) und ihnen das Lehr-, Priester- und Hirtenamt übertragen, d. h. er hat ihnen die Macht und den Befehl gegeben, zu lehren, zu opfern und die heiligen Sakramente auszuspenden, sowie die Kirche zu regiren. An ihre Spitze hat er alsdann 2) ein sichtbares Oberhaupt gestellt, auf daß die Apostel ihr Amt nur unter seiner Oberleitung verwalten sollten. Damit sie aber alle miteinander diese ihre Pflichten treu erfüllen und die ihnen anvertrauten Lehren und Gnadenschätze treu bewahren und auch Andern mittheilen könnten, so hat er ihnen 3) den heiligen Geist gesandt, der sie leiten und regieren sollte. Beispiel und Anwendung. Herrlich, ja wunderbar ist die Einrichtung, die Christus 'seiner Kirche gegeben; (sieh das nebenstehende Bild!) wer sie näher betrachtet, der muß zur treuen Anhänglichkeit an dieselbe hingezogen werden; cS wird ihm ergehen, wie jenem Engländer in der nachfolgenden Erzählung. Ein katholischer Priester in London wurde von einem der Hochkirche Englands angehörigen Irrgläubigen gefragt: „Was ist denn die katholische Kirche? wie sieht sie denn aus?" und er antwortete: „Gott ist der Gründer der katholischen Kirche, Gottes Sohn ist ihr Erlöser, Gottes Geist ist ihr Heiligmacher; die seligste Jungfrau ist ihre Königin, die Engel sind ihre Beschützer, die Heiligen ihre Fürbitter; die Patriarchen sind ihr Stamm, die Propheten ihr Orakel, die Apostel ihre Begründung; der Papst ist ihr Haupt, die Cardinäle sind ihre Räthe, die Bischöfe ihre Hirten, die Priester ihre Stimme, die Diakonen ihre Haushälter, die Subdiakonen ihre Diener; die Märtyrer sind ihre Zeugen, die Lehrer ihr Licht; die Bekenner sind ihre Stärkung, die religiösen Orden ihre Unterstützung, die heiligen Jungfrauen ihre Zierde, die Gläubigen ihre Kinder. — Die Taufe ist ihre Wiege, die Firmung ihre Kraft, das allerheiligste Sakrament des Altars ihre Nahrung; die Buße und letzte Oeluug sind ihre Heilmittel, die Priesterweihe ist ihre Gerichtsbarkeit, die Ehe ihre Pflanzschule. — Die zehn Gebote Gottes sind ihre Mauern, ihre eigenen Gebote ihre Wälle; die evangelischen Räthe ihre Außenwerke. — Der Leib unsers Herrn Jesu Christi ist ihr Schatz, die Unfehlbarkeit ihr Kennzeichen, das Evangelium ihr Bürge, die Einigkeit ihr Mittelpunkt, die Allgemeinheit ihr Siegel, die heilige Schrift ihr Beweis, die Ueberlieferung ihre Festigkeit. — Die Concilien sind ihre Würde, Wahrheit ist ihre Richtschnur, Sanftmuth ihr Geist, Eifer ihre Quelle, Gebet ihr schirmender Schild, Geduld ist ihr Sieg. — Der Glaube ist ihr Thor, die Hoffnung ihr Weg, die Liebe ihr Ziel, die Gnade unsers Heilandes ist ihr Reichthum, die Keuschheit ihre Blüte. Gerechtigkeit ist ihre Pracht, Klugheit ihr Auge, Starkmuth ihr Arm, Mäßigung ihr Leib. — Die Gerechten sind ihre Freude, Sünde ist ihr Abscheu, die Sünder sind ein Gegenstand ihres Mitleides. Die Irrgläubigen sind ihr Kummer, die Juden ihre lebendigen Zeugnisse, und die Bekehrung Aller ist die Ursache ihres beständigen Seuszens und Betens zu, Gott. Die Ausdauer ihrer Glieder ist ihr Verlangen, die Verherrlichung Gottes ihr Ruhm. — Die heilige Dreieinig> keit ist der Gegenstand ihrer Anbetung, der geschlachtete Gottmensch ihr Opfer, die Ceremonien sind ihr Schmuck. — Die Erde ist ihre Verbannung, das Kreuz ist ihr Antheil, der Himmel ist ihre Heimat. — Jesus Christus ist ihr Bräutigam, seine Gegenwart ihr Ruhm, das Ende der Welt ist der Tag ihrer Krönung. Ihr Kampf ist auf Erden, ihre Leiden sind im Fegfeuer, ihr Triumph ist im Himmel." — So sprach voll Begeisterung der katholische Priester, und sein irrgläubiger Zuhörer fühlte sich tief ergriffen von dieser Schilderung der katholischen Kirche. — Er verlangte alsbald noch einen umfassenderen Unterricht, und nach wenigen Wochen trat er ein in den Schooß des sichtbaren Gottesreiches auf Erden. — O möchten doch alle Un- und Irrgläubigen diese schöne und wunderbare Einrichtung der Kirche Gottes betrachten; gewiß, mit Freuden würden sie in ihre Arme eilen! 13 » Erstes Hanptstück. Einrichtung der wahren Kirche. Fr. Warum hat Christus ein sichtbares Oberhaupt in seiner Kirche ausgestellt, da er ja selbst das Oberhaupt der Kirche ist? Antw. Weil ein sichtbares Oberhaupt zur Erhaltung der Einheit und Einigkeit in der Kirche unumgänglich nothwcndig ist. Belehrung. Christus ist allerdings das Oberhaupt der Kirche, aber das unsichtbare, und dieses ist und bleibt er, so lange seine Kirche besteht. Allein er hat angeordnet, das; nach seinem Hingang zum Vater seine Kirche auch ein sichtbares Oberhaupt haben müsse, weil dasselbe zur Erhaltung der Einheit und Einigkeit in der Kirche unumgänglich nothwcndig ist. „In einem Schiffe", sagt der heilige Hieronymus, „muß ein Steuermann, in einem Hause ein Herr und in einem Kriegsheere ein Feldherr sein, auf dessen Wink sich Alles bewegt: ebenso muß auch in der ganzen Kirche ein sichtbares Oberhaupt sein." Ganz treffend schreibt in dieser Beziehung auch der heilige Ambrosius: „Wenn Jemand den Einwurf macht, die Kirche sei mit Einem Oberhaupte und Bräutigam — Jesus Christus zufrieden, und verlange außer ihm keines, so ist die Antwort bereit und leicht. Wie wir Christus den Herrn nicht nur als Urheber der einzelnen Sakramente, sondern auch als innersten Ausspender haben (denn er ist es, der da taust und losspricht); und wie er dennoch Menschen zu äußern Ausspendern der Sakramente bestellt hat; ebenso hat er auch der Kirche, welche er selbst mit seinem Geiste lenkt, einen Menschen als Vertreter und Vollzieher seiner Macht vorgesetzt. Da die sichtbare Kirche eines sichtbaren Oberhauptes bedarf, so hat der Erlöser den Petrus als das Oberhaupt und den Hirten aller Gläubigen aufgestellt." Beispiele und Anwendung. Die Nothwmdigkeit eines sichtbaren Oberhauptes in der Kirche zur Erhaltung der Einheit und Einigkeit haben selbst manche Gegner der katholischen Kirche anerkannt. Ich führe beispielsweise nur zwei Zeugnisse an. Der gelehrte Protestant Pustkuchen schreibt: „Wenn cs der Zweck Jesu war, alle seine in der ganzen Welt zerstreuten Verehrer in Eine Gottesfamilie zu vereinigen, so folgt daraus, daß diese sichtbare Gesellschaft auch ein sichtbares Oberhaupt haben müsse; denn eine sichtbare Kirche ohne sichtbares Haupt wäre ein halber, nicht ganzer Körper. Zu ihrem größten Nachtheile entbehrte die protestantische Kirche bis jetzt dieser, für jede Gesellschaft so höchst notwendige Bedingung. Daher jene vielen Spaltungen und Streitigkeiten, welche gleich von ihrem ersten Ursprung an in derselben überhand nahmen und ihr den nahen Untergang drohten." — Selbst Melanchthon, Luthers Gehilfe, sah sich durch die große Uneinigkeit unter den Reformatoren genöthigt, in seinem Schreiben an Franzi., König von'Frankreich, einzugestehen: „Wir erkennen vor allen Dingen, daß eine kirchliche Negierung eiwaS Heilsames ist; daß es, um die Hirten zu regieren, Bischöfe geben, und der römische Papst über alle Bischöfe sein müsse." — Mit bereitwilligem Herzen sollen wir uns daher dem sichtbaren Obcrhaupte der Kirche als treue Katholiken stets kindlich fromm unterwerfen, wohl erkennend, daß ohne dasselbe eine wahre Einheit und Einigkeit in der Kirche nicht möglich sei. Wir ersehen dieß auch aus der Lebensgeschichte des heiligen Papstes Simplicius, dessen Fest heute in der katholischen Kirche gefeiert wird. Legende: Der heilige Simplicins, Papst, tt 483.) Dieser Heilige war gebürtig aus Tibur oder Tivoli. Unter den heiligen Päpsten Leo und Hilarius war er die Zierde der Geistlichkeit Roms und folgte daher auch Letzterem auf dem Stuhle Petri nach i. I. 467. Damals nun zeigte es sich so recht deutlich, wie noth- wendig das sichtbare Oberhaupt in der Kirche Gottes auf Erden sei; denn es waren stürmische Zeiten für die Kirche gekommen, und ihr Glaube war den gewaltigsten Anfällen ausgesetzt. Die Barbaren und Feinde der Kirche hatten nämlich einen großen Theil des Abendlandes mit dem Aberglauben des Heidenthnms und der Irrlehre angesteckt, und es wäre um die Kirche Gottes auf Erden und um die Einheit im Glauben schlimm gestanden, wenn nicht Gott der Herr den heiligen Simplicius als sichtbares Oberhaupt derselben vorgesetzt hätte. Dieser schützte mit aller Macht die Kirche Gottes und wachte über die Reinheit und Einheit im Glauben. Nachdem dieser Heilige über fünfzehn Jahre der Kirche mit der nnermüdeten Sorgfalt eines obersten Hirten vorgestanden hatte, starb er im Jahre 483. Sein Leib wurde am 2. März in der Kirche zum heiligen Petrus beigesetzt. 151 Am Feierabende des 3. März. Gebet. Göttlicher Herr und Heiland Jesus Christus, der du deiner heiligen Kirche eine so herrliche Einrichtung und vor Allem ein sichtbares Oberhaupt gegeben hast, verleihe uns ans die Fürbitte des heiligen Papstes Simplicins, daß wir deiner heiligen Kirche stets treu anhängen und ihrem sichtbaren Oberhaupte uns mit kindlicher Liebe unterwerfen, der du lebest und re- girest in Ewigkeit. Amen. Zweiundsechzigstes Lesestück. Am Feierabende des 3. März. Der heilige Petrus — als das sichtbare Oberhaupt der Kirche. Fr. Wen hat der Herr als das sichtbare Oberhaupt seiner Kirche aufgestellt? Antw. Den heiligen Apostel Petrus. Fr. Woher wissen wir das? Antw. Wir wissen das 1) aus den Worten Jesu und 2) ans verschiedenen THatsachen. Fr. Jnwieferne wissen wir dieß aus den Worten Jesu? Antw. Wir wissen dieß aus den Worten Jesu, 1) weil Christus auf Petrus als auf den eigentlichen Gründ- stein seine Kirche gebaut, 2) ihm insbesonders dieSchlüs- sel des Himmelreiches übergeben, und 3) ihn allein beauftragt hat, die ganze Heerde zu leiten. Biblische Beispiele. In der heiligen Schrift wird uns Alles dieß auf folgende Weise erzählt. Als Jesus in die Gegend von Cäsarea kam, (sieh das nachfolgende Bild!) fragte er seine Jünger: „Wofür halten die Leute den Menschensohn?" Und sie sprachen: „Einige für Johannes den Täufer, Andere für Elias und Andere für Jeremias oder einen der Propheten." Da sprach Jesus zu ihnen: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?" Da antwortete Simon Petrus: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes." Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: „Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut hat dir das nicht geoffenbart, sondern mein Vater, der im Himmel ist; und ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Holle sollen sie nicht überwältigen. Und ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben." (Matth. 16.) Wer erkennt nicht aus diesen Worten deutlich, daS Christus den Petrus zum Obcrhaupte seiner Kirche bestellt hat, indem er ihn zum Grundstein seiner Kirche erwählt, und ihm die Schlüsselgewalt anvertraut? Wahrlich, nur die gehässigsten, leidenschaftlichsten Feinde der Kirche können so Etwas läugnen! — Auch nach seiner Auferstehung, als Jesus noch vierzig Tage ans Erden wandelte und öfter seinen Jüngern erschien, gab er dem heiligen Petrus den nämlichen Vorzug und bestellte ihn zum Oberhaupte der ganzen Kirche. Es geschah dieß auf folgende Weise: Jesus sprach zu Petrus: „Simon, liebst du mich mehr, als diese?" Petrus erwiederte: „Herr, du weißt, daß ich dich liebe." Jesus sprach: „Weide meine Lämmer!" Jesus fragte ihn dann zum zweiteumale: „Simon, liebst du mich?" Petrus sprach: „Ja, Herr, du weißt, daß ich dich liebe." Er sagte zu ihm: „Weide meine Lämmer!" Da fragte ihn Jesus zum drittemuale: „Simon liebst du mich?" Da ward Petrus traurig und sprach:,, Herr, du weißt Alles, du weißt, daß ich dich liebe." Und Jesus sprach: „Weide meine Schafe!" (Joh. 21, 15. ff.) Deutet dieses nicht Alles darauf hin, daß Jesus eine größere Liehe und Standhaftigkeit von Petrus forderte, weil er ihm auch ein größeres Amt, eine höhere Würde, als den übrigen Aposteln übertrug? Die wiederholten Worte: „Weide meine Lämmer, weide meine Schafe" sagen: „Du sollst der Hirt sein über meine ganze Heerde." — Weil Petrus der Grundstein der Kirche sein sollte, so hat Christus eigens für ihn gebetet, daß „sein Glaube nicht abuehme," und ihn beauftragt, „seine Brüder dereinst zu befestigen." (Luk. 22, 32.) — Sage es selbst, mein christlicher Leser! hätte sich der göttliche Heiland deutlicher aussprechen können? Hat er in den hier angeführten Stellen nicht deutlich genug erklärt, daß P c - trus das sichtbare Oberhaupt seiner Kirche sei? Fr. Jnwieferne erhellt auch aus verschiedenen Thatsachen, daß Christus den heiligen Petrus zuin sichtbaren Oberhaupte seiner Kirche ernannt habe? Antw. Dieß erhellt daraus: 1) weil Petrus nach Christi Himmelfahrt das Amt eines Oberhauptes wirklich ausgeübt, und 2) weil er von der Kirche auch stets als das Oberhaupt der Apostel und als der Hirt der ganzen Heerde Christi anerkannt worden ist. Biblische Beispiele. 1) Der heilige Petrus hat nach Christi Himmelfahrt das Amt eines Oberhauptes wirklich ausgeübt. Dieß erhellt aus folgenden Thatsachen, die uns in der heiligen Schrift erzählt werden: Er ordnet als sener treue Diener, den der Herr über sein Hauswesen gesetzt, die Wahl eines neuen Apostels an (Apstg. 1.); er tritt am Pfingstfcstc zuerst öffentlich auf, um nach dem Worte des heiligen Ephräm sowohl die Gläubigen, als auch die seiner Obhut auvcrtrau- ten Apostel, als ein Vorgesetzter, der dieses Namens Werth ist, zu vcrthcidigcn; er wird um des Namens Jesu willen mit Johannes zuerst eingckerkert; er wirkt das erste Wunder, und verhängt die erste Strafe über Ananias; er schließt durch die Bekehrung des Cornelius den Heiden zuerst das Himmelreich auf; er reist nach der Bemerkung des heiligen Chrysosto- mus, wie ein Feldherr im Heere bei allen Gemeinden umher, um sie im Glauben zu bestärken; um seinetwillen hielt Paulus es für nothwendig, nach Jerusalem zu reisen, um ihn zu sehen und zu verehren, und bleibt fünfzehn Tage lang bei ihm; er entscheidet auf der ersten Kirchenversammlung zu 152 Erstes Hauptstück. Der heilige Petrus — als das sichtbare Oberhaupt der Kirche. NMW MM l'ML WM Lk MM -IKK iN'L 'E ?«Ä"k iiLM - - Ms '. Jerusalem über die Verbindlichkeit des jüdischen Gesetzes. (Apstg. 15.) Lauter Thatsachen, die es deutlich genug beweisen, daß der heilige Petrus nach Christi Himmelfahrt das Amt eines Oberhauptes wirklich ausgeübt habe. — 2) Wurde der heilige Petrus aber auch stets als das Oberhaupt der Apostel und als der Hirt der ganzen Heerde Christi anerkannt. Dieß geschah schon von Seite der Apostel und Jünger. Ihn nennen die Jünger gewöhnlich allein ausdrücklich; so heißt es z. B.: „Petrus mit den Elfen." (Apstg. 2, 14.) Sämmtliche Evangelisten stellen ihn bei den Verzeichnissen der Apostel stets an die Spitze. So heißt es z. B. bei Matth. (10, 2.): „Die Namen der zwölf Apostel aber sind diese: „Der Erste Simon, welcher Petrus genannt wird" rc. Deßgleichen hat aber auch die ganze Kirche von den frühesten Zeiten an Petrus stets als ihr sichtbares Oberhaupt betrachtet. So nennt z. B. Origen es den Petrus den Ersten der Zwölfe, den Fürsten der Apostel, den festen Felsen, worauf Christus die Kirche gegründet. Der heilige Cyprian schreibt von ihm: „Auf Einen baut der Herr seine Kirche, und ihm empfiehlt er seine Schafe zu weiden. Dem Petrus wird der Vorrang gegeben, damit Eine Kirche Christi und Ein Lehrstnhl erscheine. Wer den Stuhl . Petri verläßt, auf welchem die Kirche gegründet ist, darf der- ^' selbe noch glauben, der Kirche Christi anzugehören?" Dem heiligen Ephrem ist Petrus „die Zunge der Schüler, die Stimme der Prediger, das Auge der Apostel, der Wächter des Himmels, der Erstgeborne, der Schlüsselträger." Aehn- ! lich äußern sich alle heiligen Kirchenväter. Hiemit übereinstimmend sagt auch schon das erste allgemeine Concilium vonNicäa: „ Petrus ist die Spitze, das Haupt der Apostel." ^ Sogar die Irrlehrer der ersten Jahrhunderte erkannten Petri Primat, d. i. oberstes Vorsteheramt, indem sie, wie z. B. Manes, ihre Obergewalt über ihre Anhänger von Petrus ableiteten. — Ist es also nicht thöricht, Mein christlicher Leser! wenn all diesen unwiderlegbaren Zeugnissen gegenüber die Gegner der katholischen Kirche dennoch behaupten wollen, daß Christus der Herr kein sichtbares Oberhaupt in der Kirche aufgestellt hübe in der Person des heiligen Petrus? Sollen wir nicht vielmehr Gott dem Herrn dafür danken, das er seine Kirche auf ein so festes Fundament gestellt hat, aus Petrus, den Felsen? Und sollen wir uns nicht vom Herzen darüber freuen, daß wir jener Kirche angehören, die ebendest- j halb so unerschütterlich fest steht, weil sie ein sichtbares Ober- ; Haupt hat? Ja, wir wollen uns glücklich Preisen, Kinder der s 153 Am Feierabende des 4. März. katholischen Kirche zu sein, wie die heilige Kaiserin Kuni- gunda, deren Fest auf den heutigen Tag fällt, und von der uns so viel Schönes erzählt wird in der Legende: Die heilige Kunigunde, Kaiserin und Jungfrau, (ff 1040.) Diese große Dienerin Gottes war eine Tochter des Grafen von Luxemburg und vermählte sich nach dem Wunsche ihrer Eltern mit Heinrich, dem Herzoge von Bayern, und nachmitligem deutschen Kaiser, den die Kirche gleichfalls unter die Heiligen zählt. Beide legten am Hochzeitstage das Gelübde jungfräulicher Neinigkeit ab. Seltene Demuth, anhaltender Gebetseifer, strenge Abtödtnng, mütterliche Sorgfalt für die Armen und Kranken, große Freigebigkeit zur Beförderung der Verherrlichung Gottes glänzt besonders im Tugendkranze der jungfräulichen Kaiserin. Aber ihre Frömmigkeit sollte auch durch Trübsale, wie das Gold im Ferm, geprüft und bewährt werden. Schadenfrohe Verläumder verbreiteten das ärgerliche Gerücht, die Kaiserin habe die eheliche Treue gebrochen, und wußten durch teuflische Einflüsterung sogar dem Kaiser Argwohn beizubringen, so daß sich die Heilige zur Beseitigung des Aergernisses veranlaßt sah, ihre Unschuld öffentlich nicht nur durch Worte, sondern nach den Forderungen der damaligen Zeit auch durch die Feuerprobe darzuthun. Sich mit dem heiligen Kreuze bezeichnend ging sie daher mit bloßen Füßen würdevoll über glühende Pflugeisen, mit Venen eine Strecke Wegs von fünfzehn Schritten belegt war, ohne sich die Fußsohlen' auch nur im Geringsten zu verletzen. Kunigunde zeigte ihr edles Herz dadurch, daß sie ihren Verläumdern groß- müthig verzieh. Ein Jahr nach dem Tode ihres Gemahls, bei welcher Gelegenheit erst das oben erwähnte Gelübde durch den Kaiser selbst bekannt wurde, begab sich Kunigunde in das von ihr gestiftete Jungfranenkloster zu Kauf- Mehl», Hausbuch. ungen. Dort starb sie eines seligen Todes am 3. März 1040. Ihre sterbliche Hülle wurde neben der ihres heiligen Gemahls in der von ihnen gebauten Domkirche zu Bamberg beerdigt. Gebet. O Gott, der du der heiligen Kunigunde die Eitelkeit alles Irdischen zu erkennen gegeben hast, verleihe uns auf ihre Fürbitte, daß auch wir die Eitelkeit aller irdischen Dinge erkennen und nur Dich und deine heilige Kirche lieben, die du auf den Felsen Petrus gegründet hast, der du lebest und regirest in Ewigkeit. Amen. Dreiundsechzigstes Lesestück. Am Feierabende des 4. März. Der römische Papst — als Nachfolger des heiligen Petrus. Fr. War auch nach dem Tode des heiligen Petrus noch ein sichtbares Oberhaupt in der Kirche nothwendig? Antw. Freilich; wie der Grundstein in einem Hause nothwendiger Weise bleiben muß, wenn cs nicht Zusammenstürzen soll, so muß auch das sichtbare Oberhaupt in der Kirche fortbestehen. Belehrung. Das sichtbare Oberhaupt ist das Fundament, der Grundstein, worauf Christus seine Kirche gegründet hat; wenn nun die Kirche, sowie Christus sie gestiftet hat, immer fortbestehen sollte, so mußte 1) auch der Fels, das Fundament, worauf er sie gebaut, d. h. das sichtbare Oberhaupt fortbestehen, welches er selbst aufgestellt hatte, um die Kirche zu regiren; denn wie ein Gebäude Zusammenstürzen müßte, wenn man den Grundstein Herausreißen würde; ebenso müßte auch die Kirche zusammenfallen, wenn man den Felsen, das Fundament, worauf sie gebaut ist, hinwegnehmen würde. 2) Wenn schon ein sichtbares Oberhaupt damals nothwendig war, als die Kirche noch klein, und keine oder nur wenige Irrlehren waren; um wie viel nothwendiger war nicht dasselbe späterhin, als die Kirche sich verbreitet, Irrlehren und Spaltungen sich vermehrt hatten, um den vielen Feinden gegenüber, welche die Kirche Christi zu zerreißen drohten, die Einheit in derselben zu erhalten ? Fr. Wer ist nun seit dem Tode des heiligen Petrus das sichtbare Oberhaupt in der Kirche? Antw. Der heilige Vater, der Papst, welcher der rechtmäßige Nachfolger des heiligen Petrus auf dem bischöflichen Stuhle zu Rom ist. Belehrung. Das ganze Alterthum bezeugt es uns, daß der heilige Petrus seinen bischöflichen Sitz in Rom auf- 20 134 Erstes Hauptstück. Der römische Papst UW»! schlug und daselbst den Martertod erlitt; daher ist jeder rechtmäßige Bischof zu Rom (sieh das obige Bild!) Nachfolger des heil. Petrus in seiner ihm von Christus übertragenen Würde und Gewalt, und sonach auch der Erbe seines obersten Hirtenamtes, d. i. das sichtbare Oberhaupt der Kirche. Deßwegcn wurde der römische Bischof von jeher der Bischof der Bischöfe, Hoher- priester, Statthalter Christi, das Oberhaupt der Kirche, heiliger Vater, Papst (vom Worte kupa, Vater) genannt. — Die heiligen Väter sprechen cs deutlich aus, daß der Bischof von Rom rechtmäßiger Nachfolger des heiligen Petrus, und somit auch das rechtmäßige Oberhaupt der Kirche sei. So schreibt z. B. der heilige Cyprian: „Auf Petrus ist die gesammte Kirche der Einheit wegen gegründet. Dieser Apostel ist der Grundstein und Mittelpunkt der ganzen Kirche. Seinen Vorrang hat er auf die römische Kirche übertragen; daher der bischöfliche Stuhl derselben, der Stuhl Petri, die Kirche von Rom, die erste und vornehmste ist. Mit ihrem Bischöfe müssen alle - als der Nachfolger des heiligen Petrus. Bischöfe in Verbindung stehen." — In ähnlicher Weise sprechen sich auch mehrere Kirchenversammlungen aus; so z. B. jene zu Florenz, welche sagt: „Wir entscheiden, daß der heilige apostolische Stuhl, der römische Papst, das geistliche Vorsteheramt über den ganzen Erdkreis habe, und daß er der Nachfolger des heiligen Petrus, des Apostel- fürstcn, der wahre Statthalter Christi, das Haupt der ganzen Kirche, der Vater und Lehrer aller Christen sei." Beispiel und Anwendung. Als während der Mi- letianischen Kirchenspaltung der heilige Hieronymus nicht wußte, auf welche Seite er sich schlagen solle, wandte er sich an den Papst, den heiligen Damasus, um bei ihm sich Raths zu erholen. — „Ich bin ein Abendmahlgenosse Dessen," so schrieb er ihm, „der auf dem Stuhle des heiligen Petrus sitzt; ich weiß, daß die Kirche auf diesem Felsen erbaut ist... Wer das Lamm außerhalb dieses Hauses ißt, der verunreinigt sich; wer sich nicht in die Arche Noas flüchtet, der kommt in der Sündflnth uni. Hier ist die Kirche in drei Theile zerrissen, deren jeder mich auf seine Seite ziehen will. Ich weiß nicht, wo die Wahrheit ist; inzwischen schreie ich laut: „Dem, welcher auf dem Stuhle des heiligen Petrus sitzt, gehöre ich an." — So sollen auch wir als treue Katholiken uns stets an den Nachfolger des heiligen Petrus halten und zur Zeit kirchlicher Wirren laut mit dem heiligen Hieronymus ausrufen: „Ich gehöre Dem an, der auf ,, rem Stuhle des heiligen Petrus sitzt." Fr. Wozu soll uns diese wichtige Lehre anspornen? / Antw. Zur innigen Verehrung und Liebe, sowie ^ zur treuen Anhänglichkeit an den heiligen römischen Stuhl, an den Statthalter Christi, an den heiligen Vater zu Rom. Beispiel und Anwendung. Als ein erhabenes Vorbild und Muster in dieser Beziehung leuchtet uns voran jener berühmte Irländer O'Connel, der mit so unerschrockenem Muthe für die Sache der heiligen katholischen Kirche in Irland stritt und kämpfte. Einst wurde er von Einem in spöttischer Weise ein Papist genannt, wodurch jener ihn beschimpfen wollte. Da wendete er sich sogleich um und entgegnete muthig: „Erbärmlicher, du glaubst mich zu beleidigen, wenn du mich einen Papisten nennst? Nein, du ehrest mich. Ja, ich bin ein Papist, d. h. mein Glaube geht durch eine ununterbrochene Reihe von Päpsten hinauf bis auf Jesus Christus. Also allerdings Papist. Hättest du nur einen Funken von meinem Sinn, du Kurzsichtiger! so würdest du begreifen, daß es in religiöser Beziehung besser ist, vom Papst als vom König, von der Tiara als von der Krone, von dem Bischofsstäbe als vom Degen, vom Priestcrklcide als vom Weltrocke, von Concilien als von Parlamenten abzuhängen. Schäme dich, weder den wahren Glauben, noch die rechte Einsicht zu haben, und schweige!" — Das heißt ein treuer Anhänger des Papstes und der heiligen katholischen Kirche sein. Möch- 155 Am Feierabende des 5. Man. lest auch du, mein Christ! mit gleicher Entschiedenheit gegen alle Diejenigen auftreten, welche deine heilige Kirche oder ihre Lehren und Einrichtungen beschimpfen und in den Koth hcr- abziehen wollen! Legende: Der heilige Casimir, königlicher Prinz von Polen, (i 1483.) Heute begegnet uns in der Legende ein wahres Muster der Heiligkeit, ein Prinz von kgl. Geblüte, der sich wie durch jede Tugend, so insbesondere auch durch seine kindliche Liebe und Un- terwürsigkeit gegen den römischen Stuhl auszeichnete. Es ist dieß der heilige Casimir, Sohn Casimirs III., Königs von Polen. Geboren den 5. Oktober 1458, berechtigte er schon in seiner frühesten Jugend zu den schönsten Hoffnungen; Unschuld, Andacht des Herzens? Eingezogenheit und gefällige Anmuth machten ihn schon als Knaben bei Gott und den Menschen beliebt. Und mit den Jahren nahm er auch immer mehr an Weisheit und Frömmigkeit zu. Mit einer wahrhaft kindlichen Liebe verehrte er die seligste Jungfrau Maria; ihr zu Ehren soll er jenen herrlichen Lobgesang verfaßt haben, der mit den Worten beginnt: „AlleTage sing' und sage Lob Marien, du mein Mund!" und den er täglich abbetete. — Im Jahre 1471 wählten die Ungarn den heiligen Casimir zu ihrem Könige. Gerne hätte er die ihm angebotene Krone ausgeschlagen; allein aus Unterwürfigkeit gegen seinen Vater zog er mit einem Kriegsheere ans, um das Recht seiner Wahl geltend zu machen. Sobald er aber erfuhr, daß der rechtmäßige König Ungarns mit 16,000 Mann ihm entgegenziehe, und daß Papst Sixtus IV. diesen Krieg mißbillige, so kehrte er nach Polen zurück, weil er das Blut seiner Soldaten nicht vergießen und in allen Stücken ein gehorsamer Sohn des heiligen Vaters, des Oberhauptes der heiligen katholischen Kirche, sein und bleiben wollte. — Von nun an entsagte er aller irdischen Herrlichkeit und übte sich nur in den Werken der Andacht, der Abtödtung und der christlichen Nächstenliebe, so daß man ihn mit Recht „einen Vater der Armen" nannte. Reich an Verdiensten starb er am 4. März 1483. Gebet. Heiliger Casimir! erbitte uns bei Gott die Gnade, daß wir uns als gehorsame Kinder der Kirche dem heiligen Vater zu Rom, als dem rechtmäßigen Nachfolger des heiligen Petrus willig unterwerfen, die Herrlichkeiten dieser Welt verachten und nur die unvergängliche Herrlichkeit des Himmels zu erringen suchen. — Durch Christum unfern Herrn. Amen. Vierundsechzigstes Lesestmk. Am Feierabende des 5. März. Die kirchliche Unterordnung (Hierarchie.) Fr. Mußten auch die Apostel Nachfolger haben? Antw. Ja, auch die Apostel mußten Nachfolger haben, da das dreifache Amt, welches ihnen Christus übertragen hatte, in der Kirche fortbestehen mußte. Belehrung. Wie das Amt eines Kirchenobcrhauptes in der Kirche fortbestehen sollte, so auch das dreifache Amt, welches alleil Aposteln gemein war, nämlich das Lehr-, Priester- und Hirtenamt. Nach Christi Anordnung aber mußte es von den Aposteln ans ihre Nachfolger übergehen und in diesen ununterbrochen fortdauern bis ans Ende der Welt; denn bei Uebertragung dieses Amtes sprach der göttliche Heiland: „Und sieh, ich bin bei euch bis an's Ende der Welt;" was offenbar nicht zu den Aposteln allein gesagt sein konnte, da sie ja nicht leben sollten bis zum Ende der Welt. Somit beziehen sich diese Worte auf die Nachfolger der Apostel. Fr. Wer sind die Nachfolger der Apostel? Antw. Die Bischöfe, welche rechtmäßig geweiht und mit dem Kircheuoberhaupte, dem Papste, in Verbindung stehen. Darum konnte schon der heilige Cyprian ausrnfen: „Den Aposteln sind wir nachgefolgt und regiren die Kirche Gottes mit derselben Gewalt." Fr. Welche Gewalt haben sonach die Bischöfe? Antw. Dieselbe Gewalt, wie die Apostel, zu lehren, zu opfern, die heiligen Sakramente ausznspcnden und die Kirche Gottes zu regiren, jedoch nur m i t und unte r ihrem Ob er Haupte, dem Papste. Belehrung. Als die rechtmäßigen Nachfolger der Apostel haben die Bischöfe auch dieselbe dreifache Gewalt, wie die Apostel selbst, die Gewalt zu lehren, und zu predigen, das Opfer des neuen Bundes darzubringcn, die heiligen Sakramente auszuspendcn und die Kirche Gottes zu regiren, aber nur mit und unter ihrem Oberhaupte, demPapst, indem jeder Bischof den ihm vom Papste angewiesenen Theil oder Sprengel der Kirche (Bisthum, Diözese) verwaltet, und 156 - Erstes Hauptstück. Die kirchliche Unterordnung (Hierarchie.) LSLW indem sie sich zuweilen versammeln, um über das allgemeine Wohl der Kirche zu berathen und gemeinschaftlich mit dein Papste Bestimmungen und Anordnungen zu treffen. Biblische Beispiele. Schon die Apostel wählten und weihten im Namen Christi Bischöfe und übertrugen ihnen jene dreifache Gewalt, die sie selbst von Christus erhalten hatten. So wählte und weihte z. B. Paulus den Titus zum Bischof auf der Insel Creta und den Timotheus zum Bischof in Ephesus, und ertheilte ihnen deßhalb Anweisungen für ihr Hirtenamt. An Titus z. B. schreibt er: „Ich habe dich in Creta zurückgelassen, damit du, was mangelt, ersetzest und von Stadt zu Stadt Aelteste aufstellest, wie ich dir auch (mündlich) geboten habe. Rede und ermahne, und weise zurecht mit aller Macht (wie einem Oberhirten zukommt) rc." (Tit. 1, 5>; 2, 15.), und an Timotheus: „Predige das Wort, halte an damit, es sei gelegen oder ungelegen, überweise, bitte, strafe in aller Geduld und Lehrweisheit! rc." (2. Tim. 1, 6; 4, 2.) In der Abschiedsrede zu Milet aber ermahnte er Mehrere zugleich, die er in Kleinasien als Bischöfe bestellt und um sich versammelt hatte: „Habet Acht auf euch und die ganze Heerde, in welcher ench der heilige Geist zu Bischöfen gesetzt hat, die Kirche Gottes zu regiren, die er mit seinem Blute sich erworben." — Ebendasselbe thaten die von den Aposteln eingesetzten Bischöfe, d. i. sie stellten an ihrer Statt in Christi Namen Bischöfe auf, und so ist's noch bis heute. Fr. Durch wen üben die Bischöfe ihr Amt in den einzelnen Gemeinden (Pfarreien) des Bisthums aus? Anlw. Durch die von ihnen gesandten Priester oder Seelsorger. Belehrung. Wie der Herr den zwölf Aposteln noch zweiundsiebenzig Jünger erwählt hatte, damit sie diesen in Verkündung des göttlichen Wortes rc. beiständen, ebenso wählten und weihten auch die Apostel Aelteste oder Priester als Gehilfen der Bischöfe. So heißt es z. B. schon von Paulus undBarnabas: „Sie verordnet»! den Gläubigen unter Gebet und Fasten Aelteste (sogenannt, weil die Priester in der Regel aus der Zahl der durch Alter und Weisheit ausgezeichneten Glieder der Gemeinde gewählt wurden) in allen Gemeinden." Ebendasselbe thaten aber auch die von den Aposteln eingesetzten Bischöfe, und so ist's auch noch heut zu Tage. Noch immer senden sie Priester oder Seelsorger in die einzelnen Gemeinden oder Pfarreien hinaus und bevollmächtigen sie, die Seelsorge auszuüben. Fr. Welche Reihenfolge oder Abstufung ergibt sich sonach in der Kirche Gottes auf Erden? Antw. Es ergibt sich folgende schöne Abstufung: die Bischöfe sind dem Papste, die Priester den Bischöfen, und die Gläubigen, d. i. alle Mitglieder der Kirche, die nicht Priester sind, den Priestern untergeordnet. Man nennt dieß die kirchliche Unterordnung oder Hierarchie. (Sieh das obige Bild.) Belehrung. Die katholische Kirche in ihrer herrlichen Unterordnung ist in Wahrheit ein wunderbarer Gottesbau; dadurch gleicht die Kirche, wie der heilige Clemens sagt, einem Kriegsheere, in welchem die Gemeinen den Hauptleuten, 157 Am Feierabende des 6. März. die Hauptleute den Obersten, und diese dem Feldherrn untergeordnet sind; dadurch wird die Kirche eine feste Kette, eine wohlgeordnete, undurchdringliche Schlachtreihe, an der alle feindlichen Angriffe abprallen; dadurch endlich wird die Einheit und gute Ordnung in der ganzen Kirche aufrecht erhalten. Fr. Welche Pflichten gehen aus dieser kirchlichen Unterordnung für die Gläubigen hervor? Anlw. Alle jene Pflichten, die nothwendiger Weise ans den Vollmachten der geistlichen Vorsteher hervorgehen. Belehrung. Wie schon öfter bemerkt, hat der göttliche Heiland seinen Aposteln eine dreifache Vollmacht verliehen, 1) zu lehren, 2) zu opfern und die heiligen Sakramente auszuspenden und 3) zu regiren. Hieraus nun ergibt sich für die Gläubigen die Pflicht, daß sie 1) Das, was ihre geistlichen Vorsteher lehren und predigen, gerne anhören und treu befolgen, 2) dem heiligen Meßopfer fleißig und andächtig beiwohnen und die heiligen Sakramente eifrig und würdig empfangen, endlich 3) sich ihrer geistlichen Leitung in willfährigem Gehorsame unterwerfen, dieselben als Abgesandte und Stellvertreter Gottes hochschätzen und dankbar ehren und ihnen unerschütterlich treu anhangen. Beispiel und Anwendung. Während der blutigen Verfolgung, die der grausame Huncrich, ein arianischer Fürst, gegen die Katholiken erregte, machten sich Personen jeden Alters und Standes durch ihren Muth und ihre Festigkeit im Glauben, sowie dnrch ihre Liebe und treue Anhänglichkeit an ihre geistlichen Vorsteher bemerkbar. „Das Volk," sagt ein Geschichtschreiber, „folgte den verbannten Bischöfen und Priestern nrit Wachskerzen in der Hand. Die Mütter trugen ihre Kinder in den Armen, legten sie dann den Bekennern zu Füßen und sprachen zu ihnen mit thronenden Augen: Wem überlasset ihr uns, wenn ihr dem Märtyrertode zueilt? wer soll unsere Kinder taufen? wer soll uns Beichte hören? wer uns von unfern Sünden befreien? wer uns nach dem Tode begraben? wer wird das heilige Opfer für uns darbringen? Ach, dürften wir doch mit euch gehen!" Welch eine rührende Treue, welch eine unerschütterliche Anhänglichkeit und Liebe zu den Vätern und Dienern der Kirche? Ach, wie selten ist sie in unfern Tagen geworden! Legende: De rh eilige Friedrich, Abt. (fl 1070.) Gar sehr beschämt uns in dieser Beziehung der heilige Friedrich, dessen Lebensgeschichte uns die Legende am heutigen Tage erzählt. Dieser zeigte eine tiefe Unterwürfigkeit, innige Hochachtung und Liebe gegen seine geistlichen Obern, und obschon aus einer berühmten und vornehmen schwäbischen Familie entsprossen, zeichnete er sich dennoch durch kindlichen Gehorsam und tiefe Demnth aus. Man wählte ihn wegen seiner hervorragenden Tugenden zum Abte des Klosters Hirschau im Württem- bergischen. Als solcher war er ein wahrer Jünger der Liebe gegen Gott und seine Mitmenschen. Die Drangsale, die er unverdient wegen Ver- läumdungen stillschweigend ertrug, banden ihm den schönen Kranz, mit dem er sein Leben heilig beschloß im Jahre 1070. Gebet. Heiliger Friedrich, du Muster wahrerDe- muth und Unterwürfigkeit! bitte bei Gott für uns, damit auch wir in treuer Liebe und Ergebung unterthan seien den uns von Gott Vorgesetzen geistlichen Obern. Dnrch Christum, unfern Herrn. Amen. Fünsundsechzigstes Lesestück. Am Feierabende des 6. März. Die ersten zwei Kennzeichen der wahren Kirche: Einigkeit und Heiligkeit. Fr. Wie viele Kirchen hat Christus gestiftet? Antw. Christus hat nur Eine Kirche gestiftet. Belehrung. Sowie Christus nur Einen Glauben gelehrt, nur Eine Taufe eingesetzt hat, so hat er auch nur Eine Kirche gestiftet. Daher redet er stets und überall nur von Einer Kirche. So sagt er bei Matth. (16, 18.): „Auf diesen Felsen will ich meine Kirche (nicht Kirchen) bauen." Ebenso reden auch die Apostel nur von Einer Kirche, für die sich Christus hingegeben hat. (Ephes. 5, 25.) Sie nennen die Kirche den Leib Christi; da aber Christus nur Einen Leib hat, so hat er auch nur Eine Kirche gestiftet. In derselben Weise äußern sich auch alle heiligen Kirchenväter. So schreibt z. B. der heilige Chprian: „Es ist ein einziger Gott und ein einziger Christus und eine einzige Kirche und ein einziger Stuhl, durch des Herrn Wort auf den Felsen gegründet." Fr. Läßt sich aber diese Eine Kirche leicht erkennen? Antw. Ja; denn steift sichtbar, d. h. aus wahrnehmbaren Zeichen leicht erkenntlich. 158 Erstes Hanptstück. Die ersten zwei Kennzeichen der wahren Kirche: Einigkeit nnd Heiligkeit. Belehrung. Diese Eine von Christus gestiftete Kirche muß natürlicher Weise sichtbar, ans wahrnehmbaren Zeichen leicht erkenntlich sein; denn sonst hätte Christus nicht unter Androhung ewiger Verdammnis; befehlen können, daß wir uns an die Kirche wenden und sie hören sollen, indem er (bei Matth. 18, 17.) spricht: „Hat dein Bruder wider dich gesündigt, so sag' es der Kirche; wenn er aber die Kirche nicht hört, so sei er dir wie ein Heide und öffentlicher Sünder!" Wäre die Kirche nicht sichtbar in ihren Vorstehern und Gliedern, in der Verkündigung und dem Bekenntnisse ihrer Lehre, so wie in dem Opfer und in der Ausspendung der heiligen Sakramente, so wäre cs unmöglich, nach der Vorschrift Christi nnd der Apostel den Vorstehern der Kirche zu gehorchen, ihre Lehre zu hören und an ihren Sakramenten Theil zu nehmen. Fr. An welchen wahrnehmbaren Zeichen erkennt man nnn aber die wahre Kirche Christi? Antw. An folgenden vier: sie mnß 1) einig, 2) heilig, 3) katholisch oder allgemein und 4) apostolisch sein. Belehrung. Die wahre Kirche muß 1) einig sein, weil kein Reich bestehen kann, das wider sich selbst uneins ist (Luk. 10, 17.); 2) heilig, weil ihr Stifter heilig, und ihr Zweck die Heiligung der Menschen ist; 3) katholisch oder allgemein, weil sie für alle Völker und alle Zeiten gestiftet ist (Matth. 28, 19.) und nach der Verheißung Christi und der Propheten sich über den ganzen Erdkreis verbreiten soll; 4) apostolisch, weil ihr Ursprung und ihre Lehre apostolisch ist (Eph. 2, 20.), und ihre Vorsteher rechtmäßige Nachfolger der Apostel sein müssen. Fr. Welche Kirche hat diese vier Kennzeichen? Antw. Nur die römisch-katholische Kirche; sie allein ist einig, heilig, ka tholisch nnd apostolisch. Fr. Jnwiefcrne ist die römisch-katholische Kirche einig? Antw. Sie ist einig, weil sie allezeit und überall denselben Glauben, dasselbe Opfer, dieselben Sakramente und Ein gemeinsames Oberhaupt hat. .(Sieh das nebenstehende Bild.) Belehrung. Die katholische Kirche ist allenthalben einig in ihrer Lehre; was man lehrt an dem einen Orte, das lehrt man auch am andern und zwar in der ganzen Welt; überall wird dasselbe Opfer gefeiert, überall dieselben sieben heiligen Sakramente ausgespendet, und dies; kommt daher, weil man in der katholischen Kirche Ein gemeinsames Oberhaupt hat, den römischen Papst. Gehe also hin, mein Christ! nach Asien oder nach Afrika, nach Amerika oder nach Australien; überall wirst du in der katholischen Kirche dieselbe Predigt hören, dieselben Sakramente empfangen, an demselben Opfer Theil nehmen, überall wirst du unter demselben Oberhaupte stehen, dem Papste zu Rom. Beispiel und Anwendung. Um die Einheit in der katholischen Kirche ist es etwas Wunderbares und Tröstliches. — Es war im Spätherbste des JahreS 1845, wo ein deutscher Jüngling, verleitet durch die goldnen Berge, die er in Amerika zu finden glaubte, den Wanderstab ergriff, um in jenes ferne, so hoch gelobte Land hinüberzuziehn. Wehen Herzens verließ er sein geliebtes Vaterland, und nur die süße Hoffnung auf eine goldne Zukunft konnte ihm die schwere Trennungsstunde von all den lieben Seinigen in Etwas erleichtern. Unter den Segenswünschen seiner Freunde und Angehörigen eilte er dem Ziele seiner Sehnsucht zu. Nach einer etwa zehnwochentlichen, gefahrvollen Reise hatte er seine neue Heimat zum ersten Mal betreten. Ein unerklärbarer Schauder durchzuckte seine Seele; er stand allein und verlassen da, fremd und der Sprache des Landes unkundig, ohne Freund und Rath; und mit Wehmuth dachte er hierüber an all Diejenigen, die er verlassen, die er geliebt, und von denen er so schöne und zärtliche Beweise von Gegenliebe empfangen hatte. — In der neuen Welt angelangt, durchwanderte er die Straßen New-Vorks, einer der vorzüglichsten Städte Amerika's. Mit großen Augen betrachtete der deutsche Fremdling all die herrlichen und großartigen Gebäude der Stadt, und zog planlos durch die schönen Straßen 13» Am Feierabende des 6. Mär',. und Gassen. Da hörte er auf einmal eine Glocke ertönen, sanft und freundlich, als lüde sic ihn ein. Er überhörte ihren Ruf nicht, ging hin — und siehe, ein katholischer Priester erscheint im heiligen Ornate, um am Altäre zu entrichten das erhabene Opfer des neuen Bundes. Auf dem Chore ertönt ernst und feierlich das Kyrie, und nachdem es beendet, stimmt der Diener des Altars mit kräftiger und lieblicher Stimme das Gloria an. — Voll heiligen Entzückens fällt der deutsche Fremdling auf seine Kniee nieder und preiset Gottes Macht und Herrlichkeit. In sich selbst versunken, kann er nur ausrufen: „O himmlische, heilige Kirche! Wie in meinem Baterlande, so sprichst du auch hier dieselbe Sprache, feierst dieselben Geheimnisse, und verkündest dasselbe göttliche Wort! — O wunderbare Einheit! Die gold- neu Berge, die ich mir versprach, Hab' ich nicht gefunden; aber meinen Glauben Hab' ich wieder und meine Kirche und ihre Segnungen und ihren Trost! Tausend Dank dem Himmel! Mehr verlang' ich nimmer!" — Mit Thränen im Auge verließ er das Gotteshaus zu New-Pork und suchte sich sein Glück. Fr. Jnwieferne ist die römisch - katholische Kirche heilig? AntW. Sie ist heilig: 1) weil ihr Stifter und ihre Lehre heilig sind; 2) weil sie alle von Christus eingesetzten Heiligungsmittel treu bewahrt und ausspendet; 3) weil in ihr immer Heilige waren, deren Heiligkeit auch durch Wunder und außerordentliche Gnadengnaben von Gott bestätiget wurde/ Belehrung. Die katholische Kirche ist heilig; denn wer kann es läugnen, daß ihr Stifter, Jesus Christus, der eingeborne Sohn Gottes, und die göttliche Lehre, die er auf Erden gebracht, heilig seien? Ferner zeigt die Kirche Allen den Weg zur Heiligkeit. „Die Kirche," sagt der heilige Chrysostomus, „ist vortrefflicher als die Arche. Diese hat Thiere aufgenommen und erhalten; die Kirche nimmt Thiere auf und verwandelt sie. Es geht hinein ein Geier, und es geht heraus eine Taube; es geht hinein ein Wolf, und es geht heraus ein Lamm; die Natnr wird zwar nicht geändert, aber die Boshaftigkeit wird entfernt." Daher vergleicht er die Kirche mit einer geistigen Apotheke, in welcher ein Jeder, der will, sich Arzneimittel zur Heilung seiner kranken und verwundeten Seele holen kann. Daher hat es auch in der katholischen Kirche immer Heilige gegeben. Dieses ersiehst du, mein christlicher Leser! am Deutlichsten aus diesem Buche selbst; denn alle Tage wird dir da die Lebensgeschichte eines Heiligen aus der Legende in Kürze erzählt, und in der Legende selbst findest du an manchem Tage mehr als sieben Heilige aufgezählt; oder betrachte den Kalender! Wie viele Heilige sind da angegeben! Sie alle gehören der heiligen katholischen Kirche an, sie alle sind nur in ihr und durch sie heilig geworden. Sollte sonach die katholische Kirche nicht heilig sein? Auch der heutige- Tag bestätigt uns auf's Neue diese Wahrheit; denn die Kirche feiert heute das festliche Andenken an mehrere Heilige, z. B. an den heiligen Bischof Grodegang, au die heilige Coletta, den heiligen Abt Fridolin, an die zweiundvierzig heiligen Märtyrer unter den Sarazenen u. s. w. Wir wollen aber unter allen diesen nur die Lebensgcschichtc der heiligen Coletta in Kürze betrachten. Legende: Die heilige Jungfrau Coletta, Verbesserin des Ordens der heiligen Klara, tt 1447.) Diese Heilige war die Tochter ei- nes Zimmermannes und wurde zu Corbin in der Pi- kardie i. I. 1380 geboren. Ihr Vater war besonders friedfertig undsehr barmherzig gegen die Armen, u. ihre Mutter war der Andacht außerordentlich ergeben, so daß sie auf das Guthaltpn ihres Beichtvaters täglich beichtete n.kom- munizirte. Dieser fromme Sinn der Mutter ging nun auch schon frühzeitig auf die Tochter über, die alsbald in der christlichen Tugend und Vollkommenheit die auffallendsten Fortschritte machte. Sie haßte Alles, was den Sinnen schmeichelte. Während die Weltkinder den Freuden und Vergnügungen dieses Lebens nachgingen, unterhielt sie sich in stiller Zurückgezogenheit und in frommer Andacht mit ihrem göttlichen Bräutigame, Jesus Christus; in ihm fand sie ihre Freude und Seligkeit; ihm allein diente sie im Gebete und strenger Abtödtung. Nach einiger Zeit gab ihr Gott seinen Willen zu erkennen, daß sie den Orden der heiligen Klara verbessern sollte. Sie begab sich daher, um dem göttlichen Willen nachzukommen, in verschiedene Länder, traf alle Anstalten zur Verbesserung des genannten Ordens und stiftete sicben- zehn neue Klöster und Convente. Ueberall erneuerte sie in den ihr untergebenen Klöstern den Geist des heiligen Franziskus, und starb dann selig im Herrn am'6. März 1447 zu Gent. 160 Erstes Hauptstück. Die letzten zwei Kennzeichen der wahren Kirche: Allgemeinheit nnd Apostolicität. Gebet. Verleihe uns, o Gott! deine göttliche Kraft und Stärke, damit wir im Schooße deiner Einen heiligen Kirche durch treue Benützung der in ihr hinterlegten Heiligungsmittel heilig nnd selig werden mögen, wie deine treue Dienerin Coletta. Durch Jesnm Christum unfern Herrn. Amen. Sechsundsechzigstes Lesestück. Am Feierabende des 7. März. Die letzte» zwei Kennzeichen der wahren Kirche: Allgemeinheit nnd Apostolicität. Fr. Ist die römische Kirche auch allgemein oder- katholisch? Antw. Die römische Kirche ist offenbar auch katholisch oder allgemein; denn sie ist über den ganzen Erdkreis verbreitet nnd breitet sich noch immerfort ans. Belehrung. Die römische Kirche ist allgemein der Zeit nach; denn sie hat von Christus an allezeit bestanden; Niemand kann es ihr nachsagen, daß sie durch Abfall und Trennung entstanden sei, wie die übrigen Peligions- sekten; selbst ihre größten Feinde können keinen Zeitpunkt angeben, wo die Kirche einmal, wenn auch nur auf Einen Tag, untergegangcn gewesen wäre. Sie ist allgemein der Zeit nach; denn sie paßt für alle Zeiten und unterliegt keiner Mode. Sie ist aber auch allgemein dem Orte nach; denn sie ist verbreitet in allen Ländern der Welt; sie ist jener große Baum, der aus dem Senfkörnlein entstanden ist und nun seine Aeste über die ganze Erde ausbreitet. Daher schreibt der heilige Augustin: „Die Kirche kennt keine Gränzen, wie etwa dieser oder jener Staat oder wie die ketzerischen Sekten, die von einer Provinz oder von einem Königreiche umschlossen werden; sie erstreckt sich über alle Menschen, sie begreift alle Nationen. Von Morgen bis Abend, von Mittag bis Mitternacht hat die Kirche das Helle Licht des Glaubens leuchten lasten und die Finsterniß des Götzendienstes vernichtet, von der die Erde bedeckt war." Die katholische Kirche ist endlich allgemein demOrte nach auch deßhalb, weil sie sich noch immerfort ausbreitet; noch immer wird in ihr der Auftrag des Herrn vollzogen: „Gehet hin und lehret alle Völker!" Denn in ihr besteht der Missionsverein und viele andere Anstalten, wie z. B. die Propaganda zu Rom, das Priesterhaus für auswärtige Missionen zu Paris u. s. w., welche alle die Ausbreitung der katholischen Kirche in allen Ländern der Welt und bei allen Völkern und Nationen der Erde zum Zwecke haben. (Sieh das obige Bild.) LM Beispiel und Anwendung. Ein eifriger Katholik sprach sich einigen Gegnern der katholischen Kirche gegenüber, die ihr das Merkmal der Allgemeinheit absprechen wollten, auf folgende kräftige Weise aus: „Alles Menschliche, (also sprach er,) ist auf eine gewisse Zeit und auf einen gewissen Ort beschränkt. Wenn es diese Zeit Überstunden hat, dann vergeht es, wie des Grases Blume, die heute blüht und morgen in den Ofen geworfen wird. Aber so gewiß die katholische Kirche eine einige, eine heilige ist, so gewiß kann sie auch auf keine Zeit beschränkt sein. Und so gewiß sie auf keine Zeit beschränkt ist, so gewiß ist sie auch auf keinen Ort beschränkt. Sie ist keine Kirche für dieß oder jenes Volk, für diesen oder jenen Welttheil, sondern für alle Völker und Welttheile. Kein Volk ist, das nicht durch sie in die vielbesprochene Gesittung unsrer Zeit hineingezogen worden wäre. Sie allein schafft den Wilden und Barbaren in einen gesitteten Menschen um; sie allein hebt den Gesitteten auf eine immer höhere Stufe der Gesittung. In ihr ist das wahre Gesetz jedes Fortschrittes gegeben, außer ihr ist nur Rückschritt. Weit entfernt, das Eigenthümliche eines jeden Volkes in Sitte, Kunst und Wissenschaft zu verachten, bildet sie es wahrhaft aus und veredelt es. Sie heiliget das eigenthümliche Leben, wie des Einzelnen, so der Völker, und ebendeshalb ist sie auch über Raum und Zeit, über das Schwanken menschlicher Ansichten erhaben. Mit einem Worte, unsere Kirche ist eine allgemeine, wie keine der Gesellschaften , die sich gleichfalls Kirchen nennen, ist und je sein kann." Am Feierabende des 7. März. 161 Und dieser Katholik hat Recht, mein christlicher Leser! Denn alle Jahrhunderte bestätigen die Wahrheit dieses Ausspruches mehr als zur Genüge; sie sagen es uns laut und deutlich, daß unsere heilige Kirche allgemein oder katholisch sei, und Deß wollen wir uns freuen und Gott ewig dafür danken! Fr. Trägt endlich die römische Kirche auch das vierte Merkmal an sich? Ist sie apostolisch? AntW. Ja; denn sie hat keine andere Lehre, keine andern Sakramente, keine andern Vorsteher, als die von den Aposteln Herkommen. Belehrung. Die Kirche ist apostolisch; denn 1) ihre Lehre stammt von den Aposteln; Alles, was wir von der Gottheit, Dreifaltigkeit, Menschheit Christi, von den heiligen Sakramenten, vom Meßopfer, vom Fegfeuer re. wissen und glauben, das haben die Apostel gelehrt und Diejenigen, die mit ihnen gelebt haben; nach ihnen pflanzten ihre rechtmäßigen Nachfolger eben diese Lehre fort, so daß noch heut zu Tage die Lehre der katholischen Kirche apostolisch ist, weil sie von den Aposteln herstammt. Die Kirche ist aber 2) auch deßwegcn apostolisch, weil wir, in ihr die ununterbrochene Reihenfolge haben von einem Bischof zum andern, von einem Papst zum andern, von Pius IX. bis zu Pelrus. In Anbetracht dieser Apostolizität der katholischen Kirche ruft Bossuet aus: „Was ist das nicht für ein Trost für die Kinder Gottes, was ist das nicht für ein überzeugender Beweis der Wahrheit, wenn sie sehen, daß man von dem gegenwärtigen Papste zu Rom ununterbrochen bis auf Petrus, welchen Christus zum Fürsten der Apostel eingesetzt hat, zurückgeführt wird! Welcher Zusammenhang! Welche Ueber- gabe! Welche bewunderungswürdige Folge!" ^ Beispiel und Anwendung. Neben einer katholischen Nachbarin in Irland saß einst, (so erzählt vr. Ä- E. Veith,) eine Bürgersfrau anderer Confession und strickte. Wie nun die Frauen darin den Männern nicht nachstehen, daß sie mit besonderer Vorliebe von solchen Dingen reden, die sie nicht auf's Beste verstehen, so gab auch Jene dem Gespräche eine gewaltsame Wendung, fing etwas Neues an und sprach: „ Ich glaube keineswegs, daß euer jetziger Papst ein Nachfolger des Petrus sei." Die Nachbarin erwiderte die Rede mit dem Bekenntniß einer anderen Art von Unglauben. „Und ich," sagte sie, „glaube nicht, daß der letzte Faden in deinem Knäuel einer und derselbe mit demjenigen sei, den du eben um die Stricknadel gewunden hast." Die Gegnerin, die in den Sinn dieses Einwurfes»nicht einging, lachte über die Rede. „Wie wirst du mich," fragte Jene, „des Gegentheils überweisen?"— „Nichts leichter als das," erwiderte die Andere: „Wickle den ganzen Knäuel auf, und du wirst finden, daß vom Ende bis zum Anfang nur ein und derselbe Faden sei." — „Wohl," erwiderte die Nachbarin: „wickle du einmal die Reihe der Päpste auf, und du wirst, bis hinauf zu Mchler, Hausbuch. Petrus, eine ununterbrochene Aufeinanderfolge finden." — Ja, mein Christ! lies nur die Kirchengeschichte nach, und du wirst finden, daß die katholische Kirche apostolisch ist, daß auf Petrus um das Jahr 66 Linus, auf diesen Kletus um d. I. 78, auf ihn Clemens I. i. I. 91, dann um d. I. 100 Evaristus, i. I. 109 Alexander I., darauf i. I. 119 Sixtus I. folgte, und so geht die Reihenfolge fort bis auf Pius IX. Wie die Päpste, so folgten auch die Bischöfe auf einander; daher schreibt der heilige Jrenäus: „Wir können Diejenigen hcrzählen, welche von den Aposteln als Bischöfe eingesetzt worden und bis zu uns die Nachfolger derselben sind." Legende: Der heilige Thomas von Aguin, Kirchenlehrer, (st 1274.) Auf den heutigen Tag fällt das Fest eines heiligen Kirchenlehrers, der von Christus und seiner heiligen katholischen und a p o st o l i s ch e n Kirche mit solcher Gelehrsamkeit n. wunderbarenSal- Luug geschrieben hat, daß ihm Christus selbst vom Kreuze herab zurief: „Du hast gut von mir geschrieben, Th omas!" Es ist dieß der hl. Thomas von Aguin. Aus einer hochadeligen Familie im Königreiche 'Neapel i. 1.1225 geboren, erhielt er sein? erste Erziehung im Kloster auf dem Berge Kassino. Gleich vortrefflich waren die Gaben seines Verstandes wie seines Herzens. Als er sich entschloß, in den Predigerorden zu treten, fingen ihn seine Brüder auf dem Wege nach Paris auf und verwahrten ihn in einem ihrer Schlösser. Aber weder Bitten noch Drohungen waren im Stande, ihn in seinem Entschlüsse wankend zu machen. Mau zerriß ihm seine Mönchskleider; er wollte sich aber lieber mit den Stücken derselben decken, als andere anziehen. Eine von seinen Schwestern, weicherer durch Briefe gleiche Gesinnung beibrachte, wurde in der Folge Abtissin in dem Kloster zu Kapua. Im Umgänge mit Gott, im vertrauensvollen Gebete fand er fortwährend Kräftigung seiner Gemüthsruhe und der ausharrenden Geduld bei den vielen Kränkungen, die er erdulden mußte. Endlich ließ ihn die Mutter mittels eines vom Fenster herabgelassenen Strickes bei der Nacht heimlich die Flucht ergreifen. Auf solche Weise kam er im Jahre 1244 nach Neapel wieder zurück. Von hier aus ging er nach Rom, Paris und Köln, wo er längere Zeit verweilte 21 162 Erstxs Hauptstück. Die vier Kennzeichen finden sich außer der Kirche nicht. und sich den göttlichen Wissenschaften unter der Leitung des berühmten Albert des Großen widmete. Als er in Paris als Lehrer sich aufhielt, trug ihm Papst Urban IV. ans, die kirchlichen Tagzeiten auf das hohe Frohnleichnamsfest zu verfassen, deren Einfachheit, Würde und Salbung allgemein bewundert wird. Papst Clemens wollte ihn ans den erz- bischöflichen Stuhl von Neapel erheben; allein er schlug diese Würde aus und bat den Papst, ihn für immer mit jeder Beförderung zu verschonen, j Auf einer Reise nach Lyon wurde ' er krank und mußte in einer Cistcrcicnser-Abtci verbleiben, j Dort starb er nach Empfang der heiligen Sterbsakramentc j i. I. 1274. Gott ließ auf seinem Grabe viele Wunder geschehen. Gebet. Gib uns, o Gott! die Gnade, daß wir von Dir und deiner heiligen katholischen und apostolischen Kirche stets mit demselben Eifer und mit derselben Salbung und Ehrfurcht reden und schreiben mögen, wie der große Lehrer deiner Kirche, der heilige Thomas von Aquin. Durch Christum, unfern Herrn. Amen. Siebemmdsechzigstes Lesestmk. H.ä'rxie» nicht ein einziges gemeinsames Oberhaupt, daher auch kein Einheit.— Uebcrdieß steht einem Jeden das Recht zu, die heilige Schrift auszulegen und zu glauben, wie er will, und so müssen sie nothwendiger Weise, wie der heilige Paulus sagt (Ephes. 4, 14.) „von jedem Winde der Lehre hin- und Hergetrieben werden." Es ist eine Einheit in der Lehre gar nicht möglich; vielmehr herrscht daselbst der Geist der Zwietracht, (sieh das obige Bild!) — der das Feuer der Uneinigkeit, unter die Streitenden wirft. Am Feierabende des 8. März. Diese vier Kennzeichen finden sich außer der Kirche nicht. Fr. Tragen denn die von der katholischen Kirche getrennten Religionssekten diese vier Kennzeichen nicht an sich? Antw. Nein; sie sind, weder einig, noch heilig, noch katholisch, noch auch apostolisch. Fr. Warum sind sie nicht einig? Antw. Weil sie kein gemeinsames Oberhaupt haben und die heilige Schrift willkührlich ans legen dürfen. Belehrung. So wenig in einem Staate Einheit und Ordnung möglich ist, wo ein Oberhaupt fehlt, ebenso wenig können die von der katholischen Kirche getrennten Sekten einig sein, da sie kein gemeinschaftliches Oberhaupt haben; denn in jedem Lande ist die weltliche Obrigkeit auch das Oberhaupt der nichtkatholischen Religionsgesellschaften; sie haben also Beispiele. Außer der katholischen Kirche ist keine Einheit. Ich führe hier, um dich, mein christlicher Leser! von dieser Wahrheit zu überzeugen, nur z. B. die protestantische Kirche an. Die Protestanten sind unter sich uneins sogar in den wichtigsten und wesentlichsten Glaubensartikeln. Die Lutheraner erkennen eine einzige Person in Jesus Christus an; Calvin und Beza aber zwei Personen, wie Nestorius. Calvin nennt Gott den Urheber der Sünde, was die Lutheraner für einen abscheulichen Jrrthum ausgeben; Luther behauptet die Allgegenwart Christi als Mensch, was Calvin und Zwingli läuguen. Calvin findet in der heiligen Schrift drei Sakramente: Taufe, Abendmahl und Buße; Zwingli verwirft das Sakramente der Buße und erkennt die Taufe und das Abendmahl an re. rc. Kann bei so widersprechenden Meinungen und Ansichten von einer ^Einheit die Rede sein? — Daher bekennt der Protestant Suckow öffentlich, daß man in der protestantischen Kirche das Bunteste, Verschiedenartigste und Wicdersprechendste, nicht bloß in Büchern, sondern auch nicht selten im Jugenduuterrichte und auf den Kanzeln aussprechen hört. Und schon Herzog Georg von Sachsen gab 163 Am Feierabende des 8. März. Einigen, die ihn fragten, was die Widersacher der katholischen Kirche glauben, zur Antwort: „Was die Lutheraner jetzt glauben, weiß ich zwar; was sie aber künftiges Jahr glauben werden, weiß ich nicht." Fr. Sind die nichtkatholischen Religionssekten auch nicht heilig? AntW. Nein; denn 1) waren ihre Stifter nicht heilig; 2) haben sie viele Glaubensarkitel und Heilignngs- nüttel verworfen, hingegen Grundsätze aufgestellt, die der Heiligkeit widersprechen; endlich 3) können sic auch keinen durch Wunderkraft bestätigten Heiligen aus ihrer Mitte aufweisen. Belehrung und Beispiele. — Betrachten wir 1) die Stifter z. B. des Protestantismus, so werden wir sehen, daß sie Nichts weniger, als heilig waren. Martin Luther, 1484 zu Eisleben in Sachsen geboren, trat in den Augustinerorden und legte im dreiundzwanzigsten Jahre die Gelübde der Armuth, Keuschheit und des Gehorsames ab. Einige Jahre später brach er sie und heirathete Katharina von Bora, eine ehemalige Nonne. Das war der Gründer des Protestantismus. Johann Calvin, ein anderes Haupt des Protestantismus, war Priester und begann seine Predigt im Jahre 1537, zwanzig Jahre später als Luther. Auch er trat das Gelübde der Keuschheit mit Füßen und verheirathete sich. Somit waren ein abtrünniger Mönch und ein abtrünniger Priester die Gründer des Protestantismus. — 2) Haben dieselben viele Glaubensartikel undHei- ligungsmittel verworfen, z. B. das heilige Meßopfer und die meisten Sakramente, hingegen Grundsätze aufgestellt, die der Heiligkeit widersprechen. So lehrte z. B. Luther, daß der Glaube allein selig mache, und Calvin stellte den Satz auf, daß Gott von Ewigkeit her einen Theil der Menschen ohne ihre Schuld zur ewigen Ber- dammniß und einen andern zur ewigen Seligkeit vorherbestimmt habe. Welch eine verderbliche Lehre! Wer würde da mehr nach Heiligkeit streben? Denn nach diesem Grundsätze würde es dem Menschen, wenn er einmal zur Verdammniß bestimmt ist, dennoch Nichts helfen, wenn er auch noch so heilig leben würde. Endlich 3) können sie keinen einzigen Heiligen aus ihrcrMitte aufweisen, der seine Lehre und Sendung durch ein Wunder bestätigt hätte; alle Heilige, die z. B. im protestantischen Kalender Vorkommen, sind aus der katholischen Kirche genommen. Wie kann also hier von einer Heiligkeit die Rede sein? Fr. Kann sich keine von den uichtkatholischeu Religionsgesellschaften allgemein nennen? AntW. Nein, weil sie erst in späterer Zeit entstanden sind und nicht aufgehört haben, sich wieder in eine Menge von Sekten zu spalten, von denen keine einzige weder allgemein verbreitet ist, noch sich auf die von Christus verordnete Weise immerfort verbreitet. Die einen von ihnen sind vor dreihundert, andere vor zweihundert und manche erst im vorigen Jahrhundert entstanden; kaum entstanden, sind viele schon wieder verschwunden. Fr. Kann sich endlich keine dieser Sekten apostolisch nennen? AntW. Auch dieß nicht; denn sie sind erst lange nach den Aposteln und zwar durch Losreißung von der alten apostolischen Kirche entstanden. Belehrung. Wir können von allen nichtkatholischen Religionssekten genau den Zeitpunkt angeben, wo sie sich von der katholischen, d. i. von der alten apostolischen Kirche getrennt haben, z. B. die Manichäer im dritten, die Arianer im vierten, die Hussiten im fünfzehnten, die Lutheraner und Calvinisten im sechzehnten Jahrhundert u. s. f. Sonach haben sic keine rechtmäßigen Nachfolger der Apostel und darum auch keine von Christus gesandten Lehrer oder Hirten. In dieser Beziehung schreibt schon Tertullian: „Die Abtrünnigen sollen uns die Reihenfolgen ihrer Hirten zeigen; sie sollen dieselben uns sehen lassen im Hinaufsteigcn von einem Bischöfe zum andern bis in die ersten Zeiten der Kirche, daß sie keinen andern Stifter haben, als die Apostel oder apostolische Männer, welche mit ihnen gelebt haben. Können sie das nicht aufweisen, so sollen sie zum Zeugniß die Wahrheit bekennen, daß ihre Kirche nicht die wahre ist, weil sie nicht apostolisch ist." Beispiel und Anwendung. Nur die katholische Kirche kann Nachweisen, daß sie apostolisch sei: alle andern Religionsgesellschaften sind erst später, ja oft erst in den neuesten Zeiten entstanden. Hierauf bezieht sich folgende schöne Antwort eines in einein protestantischen Lande wohnenden Katholiken. Auf die Frage, ob ihn der Gedanke nicht beunruhige, unter Solchen begraben zu werden, die er als Ketzer ansehen müsse, erwiederte er: „Nicht im Geringsten; man grabe nur um wenige Schuhe tiefer, und man wird aus lauter Katholiken stoßen." Legende: Der heilige Johann von Gott, Ordensstifter. (st 1550.) Ueberaus selig fühlte sich daher im Schooße der einigen, heiligen, apostolischen und katholischen Kirche der heilige Ordensstifter Johann von Gott, dessen Fest heute in der Kirche gefeiert wird. Er wurde geboren im Jahre 1495 in Portugal und verließ als neunjähriger Knabe das väterliche Haus und kam nach Spanien, wo er bei einem Hirten freundliche Aufnahme fand. Treue, Fleiß, Gewissenhaftigkeit und schuld- 164 Erstes Hauptstück. Die katholische Kirche ist die allein wahre und allein seligmachende Kirche. loser Wandel waren seine Gefährten; allein sie wichen von ihm, als er als Soldat in böse Gesellschaft und großes Sittenverdcrbniß gerieth. Vom Schlachtfelde kehrte er nach Spanien zurück und söhnte sich durch wahre Lebensbesserung mit Gott und seinem Gewissen völlig wieder aus. Sein inniges Neuegefühl trieb ihn an, nach Afrika zu reisen , um dort den gefangenen Christen beiznftehen oder die Marterkrone zu erlangen. Allein die Hand des Herrn führte ihn von da wieder zurück nach Spanien. In der berühmten Stadt Granada widmete er sich dem Dienste der armen Kranken und fing, unterstützt von dem Erzbischöfe der Stadt, bald an, eine Genossenschaft zu bilden, Achtundsechzigstes Lesestück. Am Feierabende des 9. März. Die katholische Kirche ist die allein wahre und allein seligmachende Kirche. Fr. Da die katholische Kirche allein diese vier Kennzeichen an sich trägt, was folgt hieraus? Antw. Hieraus folgt 1) daß sie allein die wahre, die alleinseligmachende Kirche sei, und 2) welche den Namen der barmherzigen Brüder erhielt und in haß ein Ieder nnter Berlurst der ewigen Seligkeit verpflichtet ist, ein Mitglied der MIMMkiMMMnMill katholischen Kirche zu werden und zu bleiben. Belehrung. Da die katholische Kirche allein die Kennzeichen der wahren Kirche an sich trägt, so muß sie 1) offenbar allein die wahre Kirche sein; ist sie aber allein die wahre Kirche, so ist sie auch die alleinseligmachende; denn nur die Wahrheit macht selig; daher schreibt der heilige Augustin: „Außer der katholischen Kirche kannst du Alles haben, nur das Heil nicht; du kannst Ehre haben, du kannst Sakramente haben, du kannst Alleluja singen, du kannst Amen sagen, du kannst an den Vater, Sohn und heiligen Geist glauben; aber das Heil kannst du nirgends finden, als nur in der katholischen Kirche;" denn sie allein ist „die Säule und Grundfeste der Wahrheit," die das Schatzkästlein der ewigen Wahrheit treu bewahrt. (Sieh das nachfolgende Bild!) Es folgt hieraus, 2) daß ein Jeder unter Verlurst der ewigen Seligkeit verpflichtet sei, ein Mitglied der katholischen Kirche der ganzen Christenheit sich ausbreitete. Er hatte nicht nur zu werden und zu bleiben. Diese Verpflichtung lehrt das leibliche, sondern noch mehr das geistige Wohl des uns Jesus selbst mit den Worten (Matth. 18,17.): „Wenn Nächsten im Auge, und es erregte Staunen, was er in . jeder Hinsicht wirkte. Das Feuer der Liebe, welches in jemand die Kirche nicht Hort, so ser er dir, wie e,n Heide seinem Herzen brannte, war so groß, daß er bei einem und öffentlicher Sünder," und (Mark. 16, 16.): „Wer Brande des Spitals in den Flammen unbeschädigt so nicht glaubt (den Aposteln und ihren rechtmäßigen Nachfol- lange verweilte, bis die Kranken alle gerettet waren. Er- g^), der wird verdammt werden." Mit Recht heißt daher schöpft durch unausgesetzte Thätigkeit in Werken der Liebe entschlief er am 8. März i. I. 1550 unter dem Ausrufe: „O Jesu! in deine Hände empfehle ich meinen Geist." Gebet. Mit dankbarem Herzen erkennen wir es, o göttlicher Herr und Heiland Jesus Christus! daß nur die katholische Kirche die alleinseligmachende. Beispiel und Anwendung. Selbst die von der Kirche Getrennten erkennen es an, daß die katholische Kirche in den Grundlehren nicht irre, und daß man in Betreff des Seelenheiles in ihr volle Sicherheit finden könne. — Die Prinzessin unsre Kirche wahrhaft einig, heilig, katholisch Elisabeth Christine von Wolfcnbüttel hielt es für nothwendig, und apostolisch sei, und Wir Litten Dich, gib uns v°r ihrer Vermählung mit Karl von Oesterreich, nachherigem deine Gnade, auf daß wir, wie der heilige Johann von Kaiser Karl VI., zur Beruhigung ihres Gewissens, da zu derselben ihr Rücktritt zur katholischen Kirche gefordert wurde, Gott, als treue und fromme Kinder dieser Kirche leben bei den Lutheranern selbst, zu deren Glauben sie sich be- und sterben, der du lebest und regirest in alle Ewigkeit, kannte, sich Raths zu erholen. Die zu Helmstädt versammel- AEm ken protestantischen Theologen thaten den Ausspruch, daß die _ Katholiken in ihren Grundlehren nicht irreten, und daß man Am Feierabende des 9. März. 165 in ihrer Religion selig werden könne. — „Wenn das so ist," sagte die Prinzessin, als sie die Entscheidung vernahm, „so findet kein Bedenken statt, und ich nehme morgen den Glauben der römischen Kirche an, deren Theologen nicht Gleiches von den Protestanten zugeben; denn in einer so wichtigen Angelegenheit ist der durch Eucrn eigenen Ausspruch offenbar mehr gesicherte Theil wohl der klügste." Eben diese Sprache führte der Vater der Prinzessin und trat wie sie zur römischen Kirche über. — Wie müssen und können wir uns also nicht preisen, da uns die große Gnade zu Theil ward, Mitglieder der wahren, der alleinseligmachenden Kirche zu sein! Fr. Welche Verpflichtung geht aber daraus für uns hervor? Antw. Die^ Verpflichtung, daß wir mit Leib und Seele an dieser Einen wahren Kirche hängen, ihr mit zärtlicher, kindlicher Liebe ergeben seien und uns stets als wahre Kinder derselben, als treue Katholiken beweisen. Belehrung. Christlicher Leser! Du bist ein Mitglied der wahren, alleinseligmachenden Kirche; freue dich dessen; ehre, achte, schätze, liebe aber auch deine Kirche! Sei ihr ergeben mit zärtlicher, kindlicher Liebe, wie ein frommes Kind der beßten und liebreichsten Mutter. Siehe nur, was dir deine heilige katholische Kirche ist! Sie ist dir die sorgsamste, zärtlichste Mutter; ja, sie ist dir weit mehr als deine leibliche Mutter; denn diese hat dich zum Tode geboren, die Kirche aber zum Leben. , Die natürliche Mutter konnte dir nicht mehr geben, als daß du das Kind eines Menschen geworden, die Kirche aber hat dich zu einem Kinde Gottes gemacht. Von deiner Mutter hast du nur Milch und Speise für deinen Leib erhalten, die Kirche labt dich mit göttlicher Speise und tränkt dich mit dem allerheiligsten Blute Christi. Darum ehre und liebe deine wahre Mutter, die katholische Kirche, die, wenn dein Vater und deine Mutter längst im Grabe ruhen, dich dennoch nicht verläßt und immer bestrebt ist, dich ewig glückselig zu machen! Laß die Welt sagen, was sie will; du halte dich an die Eine Kirche. Dieß soll der Stern sein, der dich leitet; dieß das Zeichen, welches dich vergewissert; dieß das Band, welches dich zu dem einzig wahren Ziel und Ende hinzieht! — Aber nicht genug ist es, daß du deine heilige Kirche achtest und liebest, du mußt es auch durch deinen Lebenswandel beweisen, daß du ein wahres Kind der katholischen Kirche, ein treuer eifriger Katholik bist; das erst macht der Mutter Freude, wenn sie sieht, daß das Kind gedeiht und gut anschlägt. Beispiele und Anwendung. Als Muster und Vorbild eines treuen und frommen Kindes der heiligen katholischen Kirche begegnet uns unter unzählig Andern ganz besonders die heilige Theresia in der Geschichte der Heiligen. Wie glücklich und selig fühlte sie sich im Schooße der heiligen katholischen Kirche! Daher war sie ihr aber auch mit unerschütterlicher Treue und Liebe zugethan. Oft rief sie aus: „O wie freue ich mich, ein Kind der katholischen Kirche zu sein! Wie unaussprechlich theuer ist mir der Name eines katholischen Christen, den ich trage! Heilige Kirche, du Braut des Erlösers, du Mutter der Kinder Gottes, du Meisterin der Wahrheit, du Spenderin der Gnaden, du Schatzmeisterin der Erbarmungen Gottes, — nie werde ich Deiner vergessen! Eher möge mir die Zunge am Gaumen kleben, eher möge die Rechte mir erstarren, als daß ich deiner Liebe, deiner Treue vergesse! Mein einziges Streben soll dahin gehen, dein ewig dankbares und folgsames Kind zu sein." — Im Sterben hatte sie keinen süßern Trost, keine festere Hoffnung, als die Worte: „Ich sterbe als eine Tochter der katholischen Kirche." O daß auch du, mein Christ! als eine treue Tochter, als ein treuer Sohn deiner heiligen katholischen Kirche leben möchtest, auf daß du einst im Sterben darin einen gleich großen Trost findest, wie St. Theresia, oder wie jene Heilige, deren Fest wir heute feiern, und die sich gleichfalls im Leben und Sterben als eine treue Tochter der Kirche bewährte; es ist dieß die heilige Franziska. Legende: Die heilige Franziska, Wittwe und Stifterin der Collatinerinnen oder Oblaten. (fl 1440.) Die heilige Franziska, eine edle römische Dame, gab sowohl durch die Erziehung ihrer Kinder, als auch durch die eheliche Eintracht, in der sie mit ihrem Gemahl vierzig Jahre lang lebte, dem Adel das schönste Beispiel. Die verschiedenen häuslichen Unfälle, durch die sie der Herr prüfen und ihre Tugend vollends läutern wollte, ertrug sie mit christlicher Geduld; nicht im Mindesten verlor sie dadurch ihre Seelenrnhe; vielmehr sprach sie oft voll Ergebung mit dem frommen Dulder Job: „Gott hat es gegeben, Gott hat es genommen. Ich freue mich dieses Verlustes, weil es der Himmel so gewollt hat. Was mir auch Gott zuschicken mag, stets werde ich seinen heiligen Namen loben und preisen." So dachte und sprach sie, als ihr Gemahl aus der Stadt verbannt, als 16 « Erstes Hüuptstück. Welche Pflicht Jene haben, die von der Kirche getrennt sind re. ihr ihreKinder durch den Tod entrissen wurden. Nach dem TodeihresGemahls trat sie in den Orden der Oblaten, den sie stiftete. Die Frauen dieses Ordens werden Oblaten genannt,weil sie den Eintritt in ihren Orden Ob- lation (Opferung) nennen. Franziska wurde nun allen Angehörigen ihres Ordens ein wahres Muster der Frömmigkeit und vollendete ihren tugendhaften Lebenslauf im Jahre 1440, indem sie sich noch im letzten Augenblicke ihres Lebens überaus glücklich pries, im Schooße der heiligen, alleinseligmachenden Kirche sterben zu können. Gebet. Auch wir preisen uns glücklich, o göttlicher Herr und Heiland Jesus Christus! daß du uns in deiner unendlichen Erbarmung in den Schooß deiner heiligen, alleinseligmachenden Kirche ausgenommen hast; gib nur, daß wir in derselben auch fromm leben und selig sterben, wie deine heilige Dienerin Franziska, der du lebest und rcgirest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. „Man kann Gott nicht zum Vater haben," sagt der heilige Cyprian, „wenn man die Kirche nicht zur Mutter hat;" und der heilige Hieronymus setzt bei: „Wer immer das Lamm außer diesem Hause ißt, der ist profan — ein Unge- weihter. Wer nicht in der Arche Noes sich befindet, kommt in der hereinbrechenden Sündfluth um." Fr. Gehen also alle Irrgläubigen, die von der Kirche getrennt sind, ewig zu Grunde? Antw. Wir müssen bei den Irrgläubigen unterscheiden zwischen verschuldetem und unverschuldetem Jrrglaub en. Belehrung. In verschuldetem Irrglauben leben, d. h. irrgläubig aus eigener Schuld sind: 1) Diejenigen, welche die katholische Kirche kennen und von ihrer Wahrheit überzeugt sind, aber in dieselbe nicht eintreten; 2) die sie, woferne sie forschen wollten, erkennen könnten, aber aus Gleichgiltigkeit oder andern strafbaren Beweggründen zu forschen unterlassen. — Irrgläubig ohne ihre Schuld sinh Jene, welche die katholische Kirche nicht kennen, dabei aber aufrichtig die Wahrheit suchen und indessen nach bestem Wissen den Willen Gottes thun. Diese Letzter» bleiben, wenn auch der sichtbaren Verbindung nach von der Kirche ausgeschlossen, dennoch dem Geiste nach mit ihr vereinigt, und haben Antheil an ihren Gnaden. Indessen entbehren sie doch noch gar mancher Heilmittel und Segnungen unserer heiligen Religion, z. B. des allerheiligsten Meßopfers, des wahren Abendmahles, der priesterlichen Lossprechung, der heiligen Sterbsakramente u. s. w. Neunundsechzigstes Lesestück. Am Feierabende des 10. Marz. Welche Pflicht Jene haben, die von der Kirche getrennt sind, und wie wir uns gegen sie benehmen sollen. Fr. Welche Bcrpflichtung legt die Wahrheit, daß die katholische Kirche die alleinseligmachende sei, Jenen auf, die noch von der Kirche getrennt sind? Antw. Die Verpflichtung, daß sie in dieselbe eintreten. Belehrung. Da man nur in der wahren Kirche, in der katholischen, selig werden kann, so ist es für alle Jene, welche sich außerhalb derselben befinden, strenge und heilige Pflicht, in dieselbe ciuzutrcten; denn wie Diejenigen, welche sich zur Zeit der Sündfluth nicht in der Arche Noe's befanden, rettungslos zu Grunde gingen (sieh das nachfolgende Bild!); ebenso werden auch alle Jene zu Grunde gehen, welche sich nicht in der Arche der katholischen Kirche befinden. Beispiel und Anwendung. Daß es wirklich schuldlos Irrende gibt, sehen wir aus folgendem Beispiele. Am Anfänge des fünften Jahrhunderts lebte in Marseille ein durch Wissenschaft und Beredsamkeit berühmter Priester, Namens Salvinus. In einem seiner Werke redet er von dem Glauben der Gothen und Vandalen, die alle in einer damals sehr verbreiteten Ketzerei, dem Arianismus, ausgewachsen und erzogen waren. Weit entfernt, sie Alle ohne Ausnahme als gleich schuldig anzusehen, sagt er von ihnen: „Die Barbaren wissen Nichts, als was sie von ihren Lehrern vernommen haben. Ihr ganzes Gesetz besteht in dem empfangenen mündlichen Unterricht und in den überkommenen Traditionen. Sie sind zwar Häretiker (Irrgläubige), aber ohne cs zu wissen. Ganz gewiß ist bei uns die Wahrheit, aber sie glauben, sie sei allein bei ihnen. So täuschen sie sich ungeflissentlich. Welches wird am Tage des Gerichtes ihre Strafe sein für diesen Jrrthum? Das weiß der göttliche Richter allein." — So schreibt dieser christliche Lehrer. Hüte dich daher, mein Christ! über Andersgläubige irgend je ein verdammendes Urtheil zu fällen; dem Herrn allein überlasse das Gericht! Am Feierabende des 10. März. 167 Fr. Wie sollen wir nns nnn den Irrgläubigen gegenüber benehmen? Antw. Wir sollen ihnen stets mit aufrichtiger Liebe begegnen, durch erbaulichen Lebenswandel und durch Gebet zu ihrer Bekehrung beitragen. Belehrung. Wahre, aufrichtige Liebe gewinnt am Meisten die-Herzen, und ein auferbaulicher christlicher Lebenswandel überzeugt Andersgläubige am Meisten von der Wahrheit unserer heiligen Religion; daher müssen wir ihnen vor Allem mit aufrichtiger Liebe begegnen und ihnen durch einen frommen Wandel voranlcuchten. Ueberdieß hat auch das Gebet eine besondere Kraft, vorzüglich aber das Gebet, das wir für Andere aus christlicher Nächstenliebe verrichten; daher sollen wir für unsere irrenden Brüder auch fleißig zu Gott beten und zum Missionsverein, der es sich zur Aufgabe macht, die Un- und Irrgläubigen zu bekehren, nach Kräften unser Scherflein beitragen. Beispiel und Anwendung. Liebevolles Betragen gegen Andersgläubige ist das vorzüglichste Mittel, sie von der Wahrheit unsers Glaubens zu überzeugen und auf unsere Seite zu bringen. — In der ägyptischen Wüste, die von vielen rechtgläubigen Vätern bewohnt war, lebte auch, wiewohl weit von ihnen entfernt, in einsamer Zelle ein Irrgläubiger; er war von der Sekte der Manichäer, die auch ihre Priester und Einsiedler hatten. Der Manichäer wollte eine Reise machen, verirrte sich in der Wüste, ward von der Nacht überfallen und gelangte endlich zur Zelle eines der rechtgläubigen Väter. Er stand lange vor der Thüre, unentschlossen, ob er es wagen solle, um eine Nachthsrberze zu bitten. Allein die ungestüme Witterung und die Furcht vor den wilden Thieren, deren Gebrüll er vernahm, ließen ihm keine Wahl; schüchtern und leise klopfte er an. Der Rechtgläubige öffnete die Thüre und erkannte in ihm sogleich den berüchtigten Irrgläubigen, nahm ihn aber dennoch freundlich auf, führte ihn in die Zelle, setzte ihm von Allem, was er in seinem kleinen Vorrathe an Lebensmitteln hatte, reichlich vor, betete mit ihm zu Tische, aß mit ihm und bereitete ihm ein bequemes Lager zur Nachtruhe. In der Nacht dachte der Manichäer' bei sich selbst: „ Dieser Mann kennt mich wohl; er hält mich für einen Irrgläubigen — und doch ist er so liebreich gegen mich! Bei den llnsrigcn wäre er wohl nicht so gütig ausgenommen worden. Er ist wahrlich ein Diener Gottes; er zeigt cs durch die That. Die Liebe ist ja das sicherste Kennzeichen der wahren Jün- / ger Jesu, das Jesus selbst angegeben hat. — Am Morgen fiel der Irrgläubige seinem Gastwirthe zu Füßen und sprach zu ihm: „Nun bin ich auch deines Glaubens; laß uns Freunde sein!" Sie wurden Freunde, besuchten sich sehr oft und waren jedesmal selig in Gott. — So ward durch Liebe eine Seele gewonnen, die durch Lieblosigkeit und rauhes Betragen in ihrem Jrrthume wäre bestärkt worden. Fr. Dürfen wir aber deßhalb, weil wir Kinder der katholischen, alleinseligmachenden Kirche sind, schon mit Bestimmtheit hoffen und glauben, daß wir der ewigen Seligkeit theilhaftig seien? Antw. O nein; wenn wir faule und todte Glieder der katholischen Kirche sind, indem wir nur der Sünde leben, so können wir nichts Anderes, als nur die ewige Verdammniß erwarten. Belehrung. Ach, es gibt so viele faule und todte Glieder in der katholischen Kirche, die zwar Katholiken heißen, aber nicht katholisch leben und sich so durch ihre Sünden die ewige Verdammniß zuziehen. Ihnen gilt das Wort des Herrn (Matth. 8, 12.): „Die Kinder des Reiches werden in die äußerste Finsterniß hinausgestoßen werden." Beispiel und Anwendung. Es muß also dein eifrigstes Streben sein, o Christ! katholisch zu leben; denn sonst nützt es dir Nichts, Katholik zu heißen, d. h. der katholischen Kirche anzugehören. Alexander ber Große erfuhr einmal, daß einer seiner Solvaten seinen Namen führe, aber in seinem Betragen ganz und gar kein Alexander sei. Ernsten Tones sprach er deßhalb zu diesem Feiglinge: „Lege entweder deinen Namen ab, oder handle eines Alexanders würdig!" Ebenso ruft uns auch unsere gemeinschaftliche Mutter, die heilige katholische Kirche, zu: „„Entweder lege den Namen „Katholik" ab, oder lebe als „Katholik!"" Katholisch sein ist gut, katholisch leben noch viel besser; — Das Erste macht mich groß, das Zweite noch viel größer. Der Name nicht allein, das Leben macht mich selig. 168 Erstes Hauptstück. Von der Verbreitung und Erhaltung der Kirche. kegende: Die vierzig heiligen Märtyrer. (1- 320.) Diese tapfer» Kämpfer Christi wollten nicht bloß Anhänger der heiligen katholischen Kirche heißen, sondern auch in der That sein; daher opferten sie für dieselbe ihr Blut und Leben. Nachdem sie dem Kaiser Li ein ins als tapfere und ausgezeichnete Soldaten treu gedient und manchen Sieg erfochten hatten, siegten sie auch über sich selbst und bekannten sich freudig und unerschrocken als Anhänger der heiligen katholischen Kirche oder der Lehre Jesu. Sie opferten den Götzen nicht, sondern verharrten standhaft in der Anbetung des Einen wahren Gottes. Weder durch Verheißungen, noch durch Drohungen konnten sie zur Verlängnnng ihres Glaubens gezwungen werden. Da ersann endlich der Statthalter Agricola eine langsame schreckliche Todesart, zu der er sie alle vernrtheilte. Sie wurden nämlich nackt der größten Kälte ausgesetzt und zuletzt verbrannt zu Sebaste in Kleinarmenien i. I. 320. Gebet. Rüste uns ans, o Gott! mit christlicher Standhaftigkeit, damit auch wir mit gleichem Muthe unfern heiligen Glauben bekennen, wie die vierzig heiligen Märtyrer, und uns nicht bloß damit begnügen, Katholiken zu heißen, sondern auch als Katholiken zu leben und zu sterben. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Siebenzigstes Lesestück. Am Feierabende des 11. März. Von der Verbreitung und Erhaltung der Kirche. Fr. Wodurch erweist sich die katholische Kirche noch ganz besonders als die wahre Kirche und als Gottes Werk? Antw. Durch ihre schnelle Verbreitung und wunderbare Erhaltung, obschon sie mit gewaltigen Feinden nach Innen und Außen zu kämpfen hatte. Belehrung. Die Predigten der Apostel hatten einen höchst siegreichen Erfolg, so daß sich die christliche Kirche unglaublich schnell über den ganzen Erdkreis verbreitete, obschon Juden und Heiden, Könige und Kaiser alles Mögliche tha- ten, um ihre Verbreitung zu verhindern, indem sie aus Haß die Christen drei Jahrhunderte lang auf die grausamste Weise verfolgten und nicht Martern genug ausfindig machen konnten (sieh die nachfolgenden Marterwerkzeuge), um die glaubenstreuen Christen zum Abfall zu zwingen. — Und als die Verfolgungen gegen die Kirche aufgehört hatten, traten neue, nicht minder mächtige und gefährliche Feinde gegen die heilige katholische Kirche auf, die Jrrlehrer nämlich, welche sich von der katholischen Kirche losrissen und eigne Gemeinden oder Sekten bildeten. Während aber diese Sekten kamen und vergingen, blieb die katholische Kirche unversehrt stehen, fest wie ein Fels mitten im stürmischen Meere; ihre Feinde gingen unter, sie aber stand unbesiegt da; nie wurde sie überwältigt. Ebendieß ist aber ein neuer Beweis, daß die katholische Kirche die allein wahre sein müsse, da Gott selbst sie so wunderbar schützt und erhält, und wir müssen hieraus zugleich erkennen, daß sie nicht Menschen-, sondern Gotteswerk sei. Beispiel und Anwendung. Als man einmal dm göttlichen Heiland vor den hohen Rath brachte und ihn verklagte, daß er eine neue Lehre vortrage, so that der Rathsherr Gamaliel den weisen Ausspruch: „Ist seine Sache Mcnschenwerk, so wird es von selbst wieder zerfallen; ist seine Lehre aber aus Gott, so können wir ihn nicht hindern." Seitdem Gamaliel dieses ausgesprochen hat, sind nun über achtzehnhundert Jahre verflossen und die Lehre Jesu besteht noch und ist in alle Welttheile verbreitet, ungeachtet aller Verfolgungen und Anfeindungen. Wir müssen also sagen, unsere Kirche ist Gotteswerk, sonst wäre sie schon lange nicht mehr. Fr. Woher wissen wir, daß die heilige katholische Kirche auch in Zukunft nicht überwältigt werden kann? Antw. Wir wissen dieß ans den ausdrücklichen Worten Jesu Christi, der gesagt hat: „Die Macht der Hölle wird sie nicht überwältigen." Belehrung. Die heilige katholische Kirche kann nie überwältigt werden. „Das Schifflein der Kirche", sagt der heilige Anselm, „kann Wohl mit Wellen bedeckt werden; allein es kann, da Christus bei ihr ist, nicht untergehen." Christus selbst hat es ihr versprochen mit den Worten: „Die Macht der Hölle wird sie nicht überwältigen." 16 » Am Feierabende des 11. März. Sie steht schon über achtzehn Jahrhunderte, und noch immer hat sich dieser Ausspruch des Herrn als wahr erwiesen. Wunderschön schreibt in dieser Beziehung der heilige Chry- sostomus: „Der heilige Geist regiert die Kirche mit seiner Gnade; daher wird sie nicht alt, nicht unterdrückt. . . . Christus hat gesagt: „Die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen." Es könnte leichter Himmel und Erde zu Grunde gehen, als die Kirche. Sie wird angefochten, aber nicht besiegt. Stürme erheben sich; allein sie sinkt nicht; die Fluchen bedecken sie nicht. Pfeile werden gegen sie losgeschossen, aber sie wird nicht durchlöchert; Maschinen gegen sie aufgestellt, aber ihr Thurm geht nicht zu Grunde. Den Köcher wird der Teufel ausleereu, aber die Kirche doch nicht verletzen. So viele haben sie angegriffen, und Niemand hat sie besiegt. Sie leuchtet wieder schöner als die Sonne." Beispiele und Anwendung. Eine fabelhafte Sage der Araber weiß von der großen Pyramide zu rühmen, daß dieselbe von den ägyptischen Königen vor der Sündflüth erbaut worden, und von allen menschlichen Werken das einzige gewesen sei, das die Fluth überdauerte. Ich kenne aber eine andere Pyramide, die noch unverwüstbarer ist, als jene; und diese ist die apostolisch-katholische, also römische Kirche, welche gegen die furchtbaren Wogen der Arianischen und Nestoriani- schen Irrlehren, der Bilderstürmerei, des Islam, der Reformation und späterer, auf ihr Verderben gerichteten Bestrebungen sich aufrecht erhalten hat.— Daher mußte selbst Napoleon einst auf St. Helena den feierlichen Ausspruch thun: „Völker gehen vorüber, Throne stürzen zusammen — die Kirche allein bleibt stehen." — Welch ein tröstlicher Gedanke ist dieß für jeden treuen Katholiken! Wenn wir oft sehen müssen, wie unsere Heilige katholische Kirche von so vielen Feinden angegriffen und verfolgt wird, so können wir uns mit dem Gedanken trösten: „ Die Kirche kann zwar angefoch- Mchler, Hausbuch. ten, aber nicht besiegt wer- den; denn selbst die Pforten der Hölle können sie nicht überwältigen." Fr. Sollte man aber nicht meinen, daß auch andere Religionssekten z. B. die protestantische, die sich schnell und weithin verbreiteten, ein Wunder-Werk seien? Antw. Durchaus nicht; denn die Gründe der schnellen Verbreitung bei diesen Sekten waren ganz andere, als bei der katholischen Religion. Die Religion, welche die Apostel lehrten, verbreitete sich allenthalben, obschon sie ihren Bekennen: die schwersten und strengsten Verpflichtungen auferlegte; das ist also ein Wunderwerk. Die Religion aber, die Luther und seine Anhänger lehrten, verbreitete sich so schnell und so weit, weil sie den Sinnen schmeichelte und den sündhaften Neigungen des Menschen größere Freiheit gewährte. So z. B. lehrte Luther, daß das Fasten und andere Abtödtungen Nichts nützen, daß die guten Werke zur Seligkeit nicht nothwendig seien, daß man die Keuschheit nicht halten könne, und daß mithin auch den Priestern der Ehestand erlaubt sei; ferner hob er die Ohrenbeicht auf u. s. w. Da ist es also kein Wunder, daß sich bei der verderbten Natur des Menschen diese Lehre so schnell und weithin verbreitete. Fr. Noch muß ich hier die endlich Frage beifügen: Woher kommt es denn, daß so viele Religionssekten entstehen? Antw. Darüber dürfen wir uns nicht wundern; denn Christus und die Apostel haben es deutlich und oft genug vorausgesagt. Belehrung. So spricht z. B. Christus bei Matth. (24, 11.): „Und es werden viele falsche Propheten aufstchen und Viele verführen." Der heilige Paulus schreibt an Timotheus (II. 4, 3.): „Es wird eine Zeit kommen, da sic die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach ihren Gelüsten sich Lehrer über Lehrer nehmen werden, welche die Ohren kitzeln; und von der Wahrheit werden sie das Gehör abwenden, zu den Fabeln aber hinwenden." Ja, Gott selbst läßt es zu, daß Sekten entstehen: 1) damit durch den Abfall, 17V Erstes Hanptstück. Gemeinschaft der Heiligen, und zwar die streitende Kirche. -?/"> welchen Gott gewöhnlich wieder durch Bekehrung heidnischer Völker reichlich zu ersetzen pflegt, die Kirche von den faulen und ansteckenden Gliedern gereinigt werde; denn wie der Sturm und das Ungewitter die Natur von den schädlichen und verderblichen Ausdünstungen rc. reinigt und Felder, Wiesen und Auen erfrischt, stärkt und neu belebt, so reinigt die Irrlehre die Kirche von den faulen und ansteckenden Elementen und stärkt und belebt die noch empfänglichen Gemüther und Glieder; und dann 2) damit die Lehre der Kirche auf's Nene bekräftigt und immer klarer erkannt werde. „ Warum," fragt dcrh. Chry sostomus, „verhindert es der Herr nicht, daß seine Kirche angefeindct werde? Er verhindert dieses nicht, weil er ihre Kraft zeigen will. Wenn Niemand sie an fechten würde, so könnte man sagen, Sie würde wohl überwunden werden, wenn sie bekämpft würde.... Christus sagte nicht: „Die Pforten der Hölle werden sich nicht an sie wagen," sondern: „Sie werden sie nicht überwältigen." Legende: Der heilige Sophronius, Patriarch von Jerusalem, (fl 639.) Aus diesem hier angegebenen Grunde wurde die Kirche auch zur Zeit des heiligen Sophronius, dessen Fest wir heute feiern, von verschiedenen Jrrlehrern (Eutychianern und Monothcliten) gewaltsam angegriffen und bekämpft; allein sie wurde nicht besiegt; denn der heilige Sophronius, geboren zu Damaskus, zeichnete sich so sehr in oen göttlichen Wissenschaften aus; daß er alle Irrlehren siegreich niederkämpfte. In Anerkennung dieser seiner Verdienste, die er sich durck, die mnth- volle Vertheidigung der heiligen katholischen Kirche erwarb, wurde er zum Patriarchen von Jerusalem erhoben, als welcher er ein wahrhaft heiliges Leben führte bis zu seinem um das Jahr 639 erfolgten Tod. Gebet. O Herr, der du uns die tröstliche Verheißung gegeben hast, daß selbst die Pforten der Hölle deine heilige Kirche nicht überwältigen werden, gib, daß wir sie lieben und nach unfern schwachen Kräften sie gegen ihre Feinde allezeit zu verthcidigen suchen, wie dein treuer Diener Sophronius. Durch Christum unfern Herrn. Amen. -- — EiiillndsieLenzigstes Lesestiick. Am Feierabende des 12. März. Gemeinschaft der Heiligen, und zwar die streitende Kirche. Fr. Umfaßt die heilige katholische Kirche bloß die Christglänbigen auf Erden? Antw. Nein; sie umfaßt auch noch die armen Seelen im Fegfener und die Auserwählten im Himmel, die alle miteinander geistiger Weise vereinigt sind und so die Gemeinschaft der Heiligen bilden. Fr. Was ist sonach die Gemeinschaft der Heiligen? Antw. Sie ist die geistige Vereinigung der Christgläubigen ans Erden, der armen Seelen im Fegfeuer und der Auscrwählten im Himmel, welche alle miteinander Glieder eines Leibes (der heiligen katholischen Kirche) sind, von dein Christus das Haupt ist, und die so miteinander in Verbindung sichen, daß an den geistlichen Gütern des einen Gliedes auch die andern Theil nehmen. Belehrung. Der heilige Paulus vergleicht gar schön die Mitglieder der Kirche mit einem menschlichen Leibe, indem Am Feierabende des 12. März. 171 MM er schreibt: „Gleichwie wir an Einem Leibe viele Glieder haben, so sind wir Viele Ein Leib in Christo, einzeln oder untereinander Glieder." (Rom. 12, 4—5.) Die Glieder dieses Leibes sind nicht bloß die Katholiken auf Erden, sondern auch die Heiligen im Himmel und die armen Seelen im Fegfeuer. Christus aber ist das Haupt dieses großen, geistlichen Leibes. Nun merket! Alle Glieder des menschlichen Leibes sind durch Fleisch, Sehnen und Adern zur gegenseitigen Unterstützung mit einander verbunden. Gesetzt, der Fuß verletzt sich durch einen Dorn, so beugt sich sogleich der ganze Leib, um dem Fuße zu Hilfe zu kommen: die Augen sehen nach der wunden Stelle, der Mund fragt, wie dein Uebel abzuhelfen sei, die Ohren hören aufmerksam zu, die Hände greisen nach dem wunden Theile, legen das Pflaster über und verbinden ihn. „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit." (1. Cor. 12, 26.) Was nun am natürlichen Leibe geschieht, das geschieht auch an dem geistlichen Leibe, der da ist die Kirche Gottes, die Vereinigung aller Heiligen im Himmel, auf Erden nnd im Reinigungsorte, die Alle als Glieder eines Leibes untereinander verbunden sind; jedes sucht dem andern zu helfen, jedes Glied nimmt daher auch seine Zuflucht zu dem andern. Fr. Warum heißt man die Glieder dieser Gemeinschaft „Heilige"? Antw. Weil sie alle zur Heiligkeit berufen, durch die Taufe geheiligt, und Viele von ihnen schon zur vollendeten Heiligkeit gelangt sind. Fr. Zwischen wem besteht diese Gemeinschaft? Antw. Zwischen den Mitgliedern der Kirche, die noch auf Erden leben oder im Fegfeuer leiden oder schon im Himmel in der ewigen Glorie sind; daher unterscheidet man 1) eine streit ende, 2)eine leidendeund 3) eine tri- nmphirende Kirche. Fr. Wie stehen dieMit - gliederaufErden untereinander in christlicher Gemeinschaft? " Antw. Dadurch, daß sic sich gegenseitig durch ein frommes Beispiel ermuntern und durch Gebet, das heilige Meßopfer und gute Werke einander unterstützen können. Belehrung. Durch die'gegenseitige Gemeinschaft, in der wir als Glieder der heiligen katholischen Kirche zu einander stehen, nehmen wir besonders, im Stande der Gnade An- theil an allen Meßopfers, Gebeten und guten Werke, die in der katholischen Kirche verrichtet werden, und überhaupt an allen geistlichen Gütern derselben. Daher schreibt der heilige Paulus (1. Cor. 12, 24.): „Gott hat den Leib so eingerichtet, daß die Glieder auf gleiche Weise füreinander sorgen." Beispiel und Anwendung. Der heilige Einsiedler Makarius Pflegte oft zu seinen untergebenen Brüdern, wenn er sie zur Arbeit oder zum Gebete aufmuntern wollte, zu sagen: „ Brüder! die Einen von uns sollen beten, die Alldem arbeiten! Die da beten, beten auch für Die, die da arbeiten; und Jene, die arbeiten, arbeiten auch für Jene, die da beten; denn an dem Schatze, welchen mein Bruder sammelt, nehme auch ich Theil." — Warum konnte der fromme Vater, so sprechen? Antwort, weil er es begriff, was die christliche Gemeinschaft sei; er erkannte es, daß wir Alle durch die Liebe mit Christus vereint sind; folglich sind wir gleichsam in Aller Herzen, die Gott lieben, in Aller Zungen, die Gott loben, in Aller Hände, die sich zum Gebete erheben u. s. f. Wir sind ja Alle Glieder des Einen Hauptes, das da ist Christus Jesus. Fr. Warum nennen wir die Kirche Gottes ans Erden die streitende Kirche? 22 * 172 Erstes Hauptstück. Gemeinschaft der Heiligen, und zwar die streitende Kirche. Alltw. Weil sowohl die Kirche Gottes auf Erden im. Allgemeinen beständig im Kampfe liegt mit den Kindern dieser Welt und den Mächten der Hölle, als auch insbesondere jedes einzelne Mitglied derselben für seine Seligkeit noch streiten und kämpfen muß gegen das Fleisch, gegen die Welt und gegen den Teufel. (Sieh das vorhergehende Bild!) Belehrung. Die Kirche Gottes ans Erden.heißt mih Recht die streitende; denn 1) sie selbst hatte seit ihrer Gründung fortan zu kämpfen mit den Kindern dieser Welt und mit den Mächten der Hölle. Wie das Leben des Herrn von der Krippe bis zum Kreuze eine ununterbrochene Kette von Verfolgungen und Kämpfen war, so hatte auch die Kirche Christi, wie wir schon in der vorausgehenden Lektion gesehen haben, zu allen Zeiten ihre Feinde, die von Haß gegen die Braut des Gekreuzigten erglühten und sie gerne vom Erdboden vertilgt hätten. Kaum war die junge Christengemeinde in's Leben getreten, so traten Juden und Heiden, Fürsten und Völker gegen sie auf und wütheten mit Feuer und Schwert, mit Ketten und Banden gegen ihre Anhänger, um den Abfall vom Glauben zu erzwingen. Und als die Verfolgungen beendigt waren, standen Jrrlehrer im Schooße der Kirche auf und entrissen Tausende aus den Armen der Kirche Gottes. Das war ein heißer Kampf durch alle Jahrhunderte von Arms an bis auf unsre Tage. Müssen wir da nicht mit Recht die Kirche Gottes auf Erden die streitende nennen? Aber auch 2) jedes einzelne Mitglied der Kirche hat noch insbesondere für seine Seligkeit zu streiten und zu kämpfen gegen das Fleisch, gegen die Welt und gegen den Teufel. „Beständig hat der Mensch zu kämpfen mit diesen drei Feinden," sagt der heilige Johannes vom Kreuze. „Die Welt ist der schwächste Feind; der Teufel ist nur schwer zu erkennen; das Fleisch aber ist am Hartnäckigsten; seine Anfälle dauern so lange, als der alte Mensch bleibt. Auf daß man jeden dieser Feinde überwinde, ist es nothwendig, mit allen dreien zu kämpfen." Wie wir aber gegen diese Feinde kämpfen müssen, um sie zu besiegen, das zeigt uns am Deutlichsten durch sein Beispiel jener große Heilige, von dem uns heute erzählt die Legende: Der heilig eGregorinS der Große, Papst. (1- 604.) Auch dieser hatte zu kämpfen gegen die Welt, das Fleisch und den Teufel. Die Welt besiegte er durch Welt- verachtnng, das Fleisch durch strenge Abtödtnng, den Teufel durch Gebet und durch festes Anschließen an Gott. Im Jahre 544 zu Rom geboren und schon frühe zum Prätor gewählt, ging er dieser seiner Würde gemäß in Gold und Seide einher und empfing die größten Ehren. Allein nur zu bald sah er ein, daß er bei diesem Amte den Kampf mit dem oben genannten dreifachen Feind nicht bestehen und also an seiner Seele den größten Schaden erleiden würde. Deßhalb vertheilte er seine kostbaren Kleider und das übrige Hausgeräthe unter die Armen nnd legte in dem Kloster, welches er zu Rom in seinem Hause errichtet hatte, das Ordenskleid des heiligen Benediktas an. Dort führte er ein Leben innerlicher und äußerlicher Abtödtnng, bis er vom Papste Benedikt I. zu einem der sieben Diakonen der römischen Kirche geweiht wurde. Als Diakon wollte er, durch Mitleid bewogen, beim Anblicke einiger Engländer in Rom, nach Großbritannien gehen, um dort das Evangelium Jesu zu verkünden; ward aber auf Bitten des römischen Volkes nach dreitägiger Entfernung durch Eilboten wieder zurückberufen, und von demselben sogar nach dem Tode des Papstes zu dessen Nachfolger erwählt. Bei den vielen kirchlichen Geschäften, die er alle selbst leitete, predigte er noch sehr oft, und sorgte väterlich für die Armen, die er aus den entlegensten Gegenden kannte. In all seinen Schriften und Handlungen findet man den reinsten Glauben, eine innige, mit den Wegen Gottes vertrante Liebe und eine Salbung von Oben, die Alles lehrt und dem Worte erst Leben gibt. Wie er selbst nur immer nach dem Himmlischen trachtete, so ermahnte er auch in seinen Predigten: „Wenn ihr auch nicht Alles, was ihr in der Welt habt, verlassen könnt, so behaltet doch wenigstens die zeitlichen Güter nur so, daß ihr dabei nach den ewigen Gütern streben könnet." Nachdem er sich durch seine Tugenden, seine Kenntnisse, durch seine Sanftmuth, verbunden mit Starkmnth in Führung der kirchlichen Angelegenheiten, den Beinamen des Großen nnd zwar mit vollem Rechte erwor- Am Feierabende des 13. März. 173 Len und den Kampf gegen die Welt, das Fleisch und den Teufel siegreich bestanden hatte, entschlief er, von seinen vielen Arbeiten und vom steten Kampfe erschöpft, reich an Verdiensten i. I. 604 am 12. März. Gebet. Ach, Herr und Gott! Nur zu sehr fühlen wir es, daß unser Leben ein beständiger Kampf ist wider die Welt, das Fleisch und den Teufel; hilf und stehe uns Lei, auf daß wir diese Feinde glorreich besiegen und einst die Siegerkrone im Himmel erlangen mögen, wie der große und heilige Papst Gregor ins. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Zw eiimdsiebmzigstes Leseftück. Am Feierabende des 13. März. Gemeinschaft der Heiligen, und zwar die leidende Kirche. Fr. Zur Gemeinschaft der Heiligen gehören auch die armen Seelen im Fegfeuer, (sieh das nebenstehende Bild), und es ist nun die Frage: Wodurch stehen wir mit diesen in Gemeinschaft? Antw. Dadurch, daß wir ihnen 1) durch das heilige Meßopfer, 2) durch Gebet und 3) durch andere gute Werke zu Hilfe kommen können. Fr. Wie heißt also das erste und vorzüglichste Mittel, wodurch wir den armen Seelen im Fegfeuer zu Hilfe kommen können? Antw. Das heilige Meßopfer. Belehrung. Das heilige Meßopfer ist ein kräftiges, ja, das allerkräftigste Mittel, die armen Seelen aus dem Fegfeuer zu erlösen. Daher schreibt der heilige Ephrem: „Den Verstorbenen wird große Hilfe geleistet durch die Opfer, welche die Lebenden darbringen. Hast du noch nie Wein gesehen im Fasse zur Zeit, wann die Trauben am Weinstocke, reif werden? Da, wo die noch lebende Traube im Weinberge reist, wallt der todte Wein in dem Fasse auf. So und noch mehr empfinden es die Verstorbenen, wenn man in heiliger Liebe ihrer gedenkt." Schon im alten Testamente hat man für die Verstorbenen Opfer dargebracht, wie aus der bekannten Stelle (2. Makk. 12, 43—46.) deutlich genug erhellt, wo es heißt: „Judas (der Makkabäer) sandte zwölftausend Drachmen Silbers nach Jerusalem, damit ein Opfer für die Sünden der Verstorbenen dargebracht würde."— In der katholischen Kirche aber wurde von jeher das heilige Meßopfer für die Verstorbenen dargebracht und stets als ein wirksames Mittel zur Erlösung derselben anerkannt. Deß- MMW i" ^ halb sagte auch die heilige Monika, als vor ihrem Tode die Frage war, wohin man ihren Leib begraben sollte, zu ihrem Sohne, dem heiligen Augustin, und zu den umstehenden Priestern: „Leget meinen Leib, wohin ihr immer wollt; um dieses allein bitte ich, daß ihr bei dem Altäre des Herrn meiner eingedenk sein wollet." Beispiel und Anwendung. Es ist aber auch -gar nicht zu läugnen, daß das heilige Meßopfer das erste und vorzüglichste Mittel zur Erlösung der armen Seelen im Fegfeuer sei. Um für die Wahrheit dieser Behauptung mindestens ein einzelnes Beispiel anzuführen, wollen wir dasselbe der Lebensgeschichte eines heiligen Mannes entnehmen, gegen dessen Nüchternheit und Umsicht kein Zweifel aufkommen kann. Vor einem Schüler des heiligen Philippus Neri, Namens Alphonsus, stand plötzlich einmal, nach beendigtem Gottesdienste, ein gewisser Johannes Animuccio, welcher Regens der Musik im Vatican gewesen war, und auch im Oratorium des heiligen Philipp oftmals diesen Dienst versehen hatte. „Bringe," sprach er, „dem Philippus meine Bitte, daß er vor dem Herrn meiner gedenke." Erst nachdem er eben so Plötzlich wieder verschwunden, siel es dem Alphonsus ein, daß dieser Mann nimmer unter den Lebenden, sondern vor drei Jahren schon gestorben sei. Philippus aber, der nicht säumte, den Wunsch des Verstorbenen zu erfüllen, sagte nach einigen Tagen den Brüdern 174 Erstes Hauptstück. Gemeinschaft der Heiligen, und zwar die leidende Kirche. seiner Genossenschaft: „Unser Freund Animuccio ist schon am Ziele." — Säume daher nicht, mein Christ! dem heiligen Meßopfer recht oft beizuwohnen und es dem himmlischen Vater zum Tröste der armen Seelen aufzuopfern, oder wenn es in deinen Kräften steht, auch hin und wieder zum Tröste derselben ein heiliges Meßopfer darbringen zu lassen; denn Nichts verschafft den leidenden Seelen im Fegfeuer großem Trost, Nichts mehr Linderung, als das heilige Meßopfer. Fr. Welches ist das zweite Mittel zur Erlösung der leidenden Seelen aus dem Fegfeuer? Antw. Das Gebet. Belehrung. Auch durch das Gebet können wir den armen Seelen große Hilfe gewähren, daher heißt es schon im zweiten Buche der Makkabäer (12. Cap.): „Es ist ein heiliger und heilsamer Gedanke für die Verstorbenen zu beten, damit sie von ihren Sünden erlöset werden." Zum Gebete für die Verstorbenen fordert uns deßhalb der heilige Ambrosius mit den Worten auf: „Nicht durch Trauern, sondern durch Gebet, nicht durch Thränen, sondern durch Opfer empfehlet die Seele der Verstorbenen dem Herrn!" Und St. Cyrillus fügt bei: „Laßt uns für die Verstorbenen beten; denn ihre Seelen finden darin eine große Erleichterung." Beispiel und Anwendung. Wie wirksam das Gebet für die Verstorbenen sei, ersehen wir aus folgendem Beispiele. Als die heilige Ludgard vernommen hatte, daß der ehrwürdige Abt zu Foniak, Namens Simon, gestorben sei, begab sic sich in ihr Betkämmerlein, fiel Gott zu Füßen und bat ihn inbrünstig, er möchte doch der abgeleibten Seele dieses Abtes gnädig sein. Nach vielen Gebeten erschien Christus der heiligen Ludgard und sagte: „Sei getrost, meine Geliebte! deinetwillen will ich Dem gnädig sein, für welchen du bittest." Ludgard verdoppelte das Gebet und verrichtete selbes noch eifriger und inbrünstiger, so zwar, daß Christus zum Zweitenmale der heiligen Ludgard erschien und sie mit dem erfreulichen Versprechen tröstete, daß die Seele, für welche sie so eifrig bitte, ehestens aus dem Fegfeuer werde erlöst werden. Die heilige Ludgard, mit diesem Versprechen nicht beruhigt, sprach in heiliger Einfalt: „O Jesu, du Herr meines Herzens! unmöglich ist's, daß ich kann getröstet sein; ja, ich werde nicht aufhören zu weinen, bis du mir die Seele schenkest, für welche ich bitte." Durch diese herzdringenden Worte gleichsam überwunden, erschien ihr Christus stimmt der Seele, für welche Ludgard so inständig gebetet hatte, und sprach: „Sieh, meine Geliebte! sei nun getrost; denn hier hast du die Seele, für welche du, um sie aus den Flammen des Fegfeuers zu erlösen, so viel, so lang und so oft mich gebeten hast", worauf die heilige Ludgard sich zu den Füßen Jesu warf, um ihm für diese Gnade aus ganzem Herzen zu danken; die erlöste Seele aber, nachdem sie der heiligen Ludgard gedankt hatte, verschwand, mit großem Glanze umgeben. — Soll dich, mein Christ! dieser Vorfall, der uns in der Lcbensgeschichte der heiligen Ludgard erzählt wird, nicht aufmuntern zum fleißigen Gebet i für die armen Seelen im Fegfeuer? Ja, bete für sie oft ! und eifrig, damit sie recht bald zur Anschauung Gottes gelangen; siehe, es ist dieß ja dein eigner Nutzen, indem sie alsdann vor dem Throne Gottes auch für dich selbst ihre mächtige Fürbitte Anlegen werden. Fr. Welches ist endlich das dritte Mittel, den armen Seelen zu helfen? > Antw. Gute Werke. ( Belehrung. Durch Fasten, Almosen, Empfang der st heiligen Communion, durch Aufopferung gewisser Ablässe zum Tröste der armen Seelen und durch andere gute Werke können wir f den Verstorbenen gleichfalls die erwünschtesten Dienste leisten. Daher heißt es in der heiligen Schrift (Eccl. 3.): „Gleichwie das Wasser das Feuer auslöscht, so widersteht das Al- ^ mosen den Sünden," und der alte Tobias sprach einst zu seinem Sohne :„Dein Brod und deinen Wein stelle auf das Grab des Gerechten" (Tob. 4.); er wollte damit sagen: „Speise und tränke die Armen und erweise ihnen noch andre i Werke der Barmherzigkeit zum Tröste der Verstorbenen." — Ganz treffend spricht sich in dieser Beziehung die heilige Brigitta aus: „Wie sich freut ein Hungriger der Speise, die in seinen Mund kommt, und ein Durstiger des Trankes, ein Nackter des Kleides und ein Kranker des Bettes, in welches er gelegt wird: so freuen sich die Seelen im Reinigungsorte der guten Werke, die wir für sie verrichten; denn sie werden des Guten theilhaftig, das für sie in der Welt ge- schisht." Beispiel und Anwendung. Sancio, König von Leon, starb durch Verrath an Gift. Nun legte die Königin Guida, seine Gemahlin, die ihn zärtlich liebte, ihren königlichen Schmuck ab, und ging in ein Kloster, um da Gott zu dienen und mit größerm Nutzen seiner Seele helfen zu können. Tag und Nacht betete sie eifrig, und an den Samstagen fastete sie jedesmal zur Ehre der Mutter Gottes. Und siehe! gerade an einem Samstage, da sie für ihn betete, erschien ihr Sancio, in einem schwarzen Trauerkleide, mit einem Ausdrucke erschrecklicher Pein. Er dankte ihr für ihr-Gebet und bat sie, damit fortzufahren und es noch zu vermehren. ^ „Ach!" sagte er, „wenn ich dir, theure Gattin! sagen könnte, wie erschrecklich meine Qualen im Fegfeuer sind, o wie würde da dein Mitleid mit deinem Sancio noch zunehmen! Ach! bei der göttlichen Barmherzigkeit, hilf mir, Guida! hilf mir!" st. Nach dieser Erscheinung widmete sich die Königin vierig Tage lang ununterbrochen dem Gebete und dem Fasten, und nach ^ Verlauf dieser Zeit sah sie.ihn wieder mit himmlischem Glanze umgeben, und er sprach zu ihr: „Jetzt bin ich befreit von ^ meinen Peinen. Dieses verdanke ich dir, fromme Königin! f Sei dafür ewig von Gott gesegnet! Verharre in deinen hei- Ist 175 Am Feierabende des 14. März. ligcn Hebungen! Betrachte die Strafen im andern Leben und vor Allem die Herrlichkeit des Himmel, wohin ich vorausgehe, um dich dort zu erwarten und dein kräftiger Fürbitter zu sein!" — Ahme, o Christ! dieses schöne Beispiel nach; es wird dir und den armen Seelen zum Tröste und Segen gereichen. Legende: Die heilige Jungfrau Euphrasia. (1- 410.) Ein ähnliches Beispiel, wie die Königin Guida, gab uns auch die hl. Euphrasia, deren Fest auf den heutigen Tag fällt. Sie stammte aus einer sehr angesehenen Familie; denn sie war die Tochter des Anti- gonus, eines sehr nahenVerwandten des Kaisers Thco- dosins. Schon in ihrer frühesten Jugend erwählte sie sich den göttlichen Heiland zu ihrem Bräutigam^ vertheilte ihre ererbten großen Reich- thümer theils zur Unterstützung der Nothleidenden auf Erden, theils zum Tröste der armen Seelen im Fegfeuer und suchte ihr Heil in einen: Kloster, wo sie dastand als ein Wunder der Demuth, des Gehorsams, der Keuschheit, der Abtödtung und der Liebe. Sie war 30 Jahre alt, als sie von Gott um das Jahr 410 zur ewigen Belohnung gerufen wurde. ^ Gebet. Heilige Jungfrau Euphrasia! bitte bei Gott für uns, damit wir dir auf dem Wege der Tugend Nachfolgen und besonders jene Liebe nachahmen mögen, die du gegen die Nothleidenden auf Erden und gegen die armen Seelen im Fegfeuer bewiesen hast, auf daß wir auch einst ebenso, wie du, zur ewigen Belohnung gerufen werden. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Dreinndsiebenzigstes LesesM. Am Feierabende des 14. März. Gemeinschaft der Heiligen, und zwar die triumphirende Kirche. Fr. Zur Gemeinschaft der Heiligen gehören endlich auch noch und ganz besonders die Heiligen im Himmel; es entsteht daher die Frage: Worin besteht die Gemeinschaft mit den Heiligen im Himmel? AntW. Darin, daß wir sie verehren, und sie uns und den Seelen im Fegfeuer durch ihre Fürbitte und Verdienste zu Hilfe kommen. Belehrung. Wenn wir die Heiligen fromm und andächtig verehren und anrufen, so werden sie uns durch ihre mächtige Fürbitte bei Gott zu Hilfe kommen und uns durch ihre Verdienste unterstützen; denn ihre heilige Liebe zu uns hat im Lande der Vollkommenheit nicht abgenommen, sondern ist noch vollkommener geworden; deßhalb fühlen sie das innigste Mitleid mit unfern Schmerzen und Sorgen, von welchen sie der liebe Gott in Kenntniß gesetzt, und die sie einst auch an sich selbst erfahren, und bereitwillig erhören sie unfern Hilferuf und bitten bei dem Allmächtigen um Abhilfe oder, wenn diese nicht in seinem weisesten Plane läge, um Trost und kräftige Gnade, damit wir die Prüfung bestehen und für den Himmel gewinnreich machen können. Sie kennen die Gefahren, die unserer Seele nachstellcn; haben sic ja selbst einst damit zu kämpfen gehabt; und sie fühlen es jetzt im Genüsse der himmlischen Freude noch besser, als wir, wie unendlich viel der Erdenpilger gewinnen oder verlieren kann, je nachdem er in diesem Lebenskämpfe siegt oder überwunden wird; darum legen sie ihre Fürbitte für uns ein. Beispiel und Anwendung. Im zweiten Buche der Makkabäer lesen wir von einem Traumgesichte, welches dem frommen Helden Judas vom Himmel zu Theil wurde, als er eben mit seinem Volke von den überlegenen Kricgsschaaren des syrischen Königs Demetrius schwer bedrängt ward, und Religion und Vaterland in größter Gefahr schwebte. Da erschienen ihm zwei entschlafene Heilige, und zwar zuerst Onias, der Hohepriester, ein von Jugend auf in jeder Tugend geübter Mann; der breitete seine Hände ans und betete für das ganze Volk der Juden. Dann zeigte sich noch ein anderer Manu, ehrwürdig an Alter, von bewunderungswürdigem Aussehen und von großer Herrlichkeit umstrahlt. Da sprach Onias: „Das ist der Freund der Brüder, des Volkes Israel; der ist's, welcher so viel für das "Volk und die ganze heilige Stadt betet, Jeremias, der Prophet Gottes." Und Jeremias streckte die Hand aus, und gab dem Judas ein goldenes Schwert mit den Worten: „Nimm das heilige Schwert als Geschenk von Gott; damit wirst du die Feinde meines Volkes Israel erlegen." Das war die Er- 176 Erstes Hauptstück. Gemeinschaft der Heiligen, nnd zwar die trimnphircnde Kirche. scheinung, und die Frucht der Fürbitte dieser Heiligen war die, daß der syrische Feldherr Nikanor von Judas in einer einzigen Schlacht gänzlich überwunden wurde, und mit 35,000 seiner Krieger todt auf dem Wahlplatz blieb. — So beten auch für uns die Heiligen Gottes und stehen uns im Kampfe bei, auf daß wir den Sieg über die Feinde unseres Heiles erringen. (Sieh das obige Bild!) Fr. Welchen Trost gewährt uns der Glaube an die Gemeinschaft der Heiligen? AntW. Einen zweifachen Trost 1) im Leben und 2) im Sterben. Belehrung. Wie beseligend, wie herzerhebend ist es für den rechtgläubigen Erdenpilger, wenn er bedenkt, daß er mit so vielen Tausenden und Millionen vollkommner Seelen nnd verklärter Brüder in naher und werkthätiger Verbindung steht! Wie beseligend ist dieser Gedanke für ihn 1) schon im Leben, wenn er aufblickt zum Himmel und dort all die Heiligen Gottes schaut, die für ihn bitten nnd ihm ihre hilfreichen Hände entgegenstrecken; und wenn er hinwiederum hinabblickt in das Fegfeuer und bedenkt, daß er seinen leidenden Freunden im Reinigungsorte durch Gebet, durch das heilige Meßopfer und gute Werke die Qualen des Fegfeucrs erleichtern, ihre Leidenszeit abkürzcn oder sic gänzlich aus dem Orte ihrer Reinigung befreien kann! Wie tröstlich und beseligend ist für ihn eben dieser Gedanke ferner auch 2) im Tode, indem er das Bewußtsein in sich tragen darf, daß die Heiligen im Himmel für ihn ihre Verdienste bei Gott einlegen werden, damit er um so schneller und sicherer zur Anschauung Gottes gelangen möge, und daß die Kirche Gottes auf Erden seiner auch nach dem Tode nicht vergißt, sondern durch ihr Gebet und das heilige Opfer ihn unterstützt, bis er zur ewigen Glorie gelangt und mit allen Heiligen im Himmel auf Ewig vereinigt ist! Beispiel und Anwendung. Welchen Trost, welche Beseligung der Glaube an die Gemeinschaft der Heiligen gewährt, ersehen wir aus der Lebensgeschichte der frommen, aber vom Schicksale so schwer geprüften Maria Stuart, Königin von Schottland. Als man ihr das Todcsurtheil vorlas, blieb sie ganz ruhig und bat nur, daß man ihr den Besuch ihres Beichtvaters gestatten möchte, der mit ihr in demselben Schlosse eingekerkert war. Was man sonst dem gröbsten Verbrecher bewilliget, das verweigerte man dieser unglücklichen Königin, sie mußte — ohne den Trost des Beichtvaters sterben. Dagegen schickte man ihr den anglikanischen Dechant von Peterborough, damit er sie im neuen Glauben unterrichte und sie noch vor ihrem Tode dem Lichte Englands zuführe. Aber mit welchem männlichen Ernste trat da nicht die Königin Schottlands auf! „Ich bin in der katholischen Kirche geboren," sprach sie, „ich bin in derselben erzogen, ich will in derselben auch sterben; nie, ewig nicht werde ich aus dieser beseligenden kirchlichen Gemeinschaft treten, wo man auch im Jenseits noch in Liebe miteinander verbunden bleibt und der armen Seele du^b Gebet und heilige Opfer gedenkt." — HierauMnückte sie ihr Cruzifix au das Herz und rief aus voll inneren Trostes: „Wie könnte meine Hand das Bild des Heilandes berühren, ohne daß mein Herz von Liebe zu ihm durchdrungen würde!" — Muthig bestieg sie das Blutgerüst und empfing gottergeben den Todesstreich, da sie eben die Worte des 30. Psalmes betete: „Herr! in deine Hände empfehle ich meinen Geist!" — Siehe, so getrost kann der Katholik leben und sterben, weil er weiß, daß er zur Gemeinschaft der Heiligen gehört! Legende: Die heilige Mathildis, deutsche Kaiserin, (ch 968.) Der Gedanke, ein Glied in der Gemeinschaft der Heiligen zu sein, war für die heilige Mathildis, deren Fest auf den heutigen Tag fällt, nicht nur sehr tröstlich, sondern auch ein Sporn zur Heiligkeit. „Ich gehöre zur Gemeinschaft der Heiligen," also sprach und dachte sie oft, „also muß ich auch dahin streben, heilig zu werden." Und was sie anstrebte, das erreichte sie auch wirklich mit der Gnade Gottes; sie wurde eine große Heilige. Mathildis war die Tochter des Grafen Theo- dorich, eines mächtigen Fürsten der Sachsen. Da sie eine treffliche Erziehung genossen und von Jugend auf nur der Tugend und Frömmigkeit ergeben war," so erwählte 177 Am Feierabende des 1b. März, sie der nachm, deutsche Kaiser Heinrich der Vogelfänger i. I. 913 zu seiner Gemahlin. Aber auch bei dieser hohen Würde blieb Mathildis die Mutter der Armen und Leidenden, das Beispiel der Gottesfurcht und der ehelichen Treue. In Glück und Unglück zeigte sie sich gleich groß; denn sie war in allen Stücken dem göttlichen Willen er- > geben. Sterbend ^ hob sie ihre Blicke zum Himmel empor und schloß sanft ihre Augen i. I. 968 Mi 14. März. Ihre Leiche wurde zu Quedlinburg neben der des Kaisers beigesetzt. Gebet. Herr, himmlischer Vater! mit dankbarem Herzen erkennen wir es, daß wir zur Gemeinschaft der Heiligen berufen sind; stärke uns, damit wir mit gleichem Eifer, wie die heilige Kaiserin Mathildis, unser ganzes Leben hindurch dahin streben, wirklich heilig und selig zu werden. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Bierundsiebenzigstes Lesestück. Am Feierabende des 15. März. Wer nicht zur Gemeinschaft der Heiligen gehört, und was wir hieraus lernen sollen. Fr. Wer gehört nicht zu dieser Gemeinschaft der Heiligen? Antw. Es gehören nicht dazu: 1) die Katholiken, die in schweren Sünden dahinleben, 2) die nicht der wahren Kirche angehören, oder auch 3) aus wichtigen Gründen davon ausgeschlossen sind. Belehrung. Es gehören nicht zur Gemeinschaft der Heiligen: 1) die Sünder, d. h. so lange sie Sünder bleiben. Zwar sind diese, wenn sie alle geoffenbarten Wahrheiten glauben und der Kirche sich unterwerfen, noch Mitglieder der Kirche (gehören ja auch die faulen und trägen Schüler zur Schule); allein sie gewinnen den Nutzen nicht, welcher aus der Gemeinschaft der Heiligen fließt, wie Mehler, Hausbuch. ein todtes Glied vom Körper keine Säfte mehr nimmt und empfängt. Es gehören nicht zur Gemeinschaft der Heiligen 2) Diejenigen, welche von der katholischen Kirche getrennt sind, als: die Ketzer oder Irrgläubigen, welche die Lehre der Kirche verlassen haben, und die Schismatiker, welche sich von den Vorstehern, besonders dem Oberhaupte der Kirche lostrennen. Dieß ist Wohl ganz natürlich; denn wer kein Glied einer Stadt, einer Gemeinde ist, kann auch an den Gütern, Vortheilen und Nutznießungen dieser Stadt oder Gemeinde keinen Antheil nehmen, eben so wenig, als ein vom Körper getrenntes Glied von ihm mehr Kräfte und Säfte annehmen kann. 3) Es sind endlich nicht in dieser Gemeinschaft alle Jene, welche von der Kirche ausgeschlossen sind, die Excommunicirten, die wegen irgend eines großen Vergehens mit dem Kirchenbann belegt wurden. Beispiel und Anwendung. Welch empfindsame Strafe es sei, aus der Gemeinschaft der Heiligen ausgeschlossen zu sein, das ersehen wir aus nachfolgendem Beispiele. Kaiser Theodosius der Große ließ, durch sein heftiges Temperament verleitet, in der Stadt Thessalonich, wo man seinen Statthalter ermordet hatte, auf der Stelle 7000 Menschen enthaupten, Unschuldige mit Schuldigen ohne Unterschied. Da er sich gerade zu Mailand befand, so hielt ihm der Bischof dieser Stadt, der heilige Kirchenlehrer Ambrosius, in einem Briefe sein Verbrechen vor; aber Theodosius schien sich nicht viel daraus zu machen. Bei der nächsten Gelegenheit trat er, wie gewöhnlich, in die Kirche, um mit den übrigen Gläubigen die heiligen Geheimnisse zu feiern. Aber der heilige Ambrosius trat ihm in den Weg und sagte: „Fürst! du begreifest wohl die Abscheulichkeit deiner Sünde nicht, da du es wagest, hieher zu kommen. Wie kannst du dich doch unterstehen, in das Heiligthum des schrecklichen Gottes zu treten, und deine in das Blut der Unschuldigen getauchten Hände auszustrecken, um den heiligen Leib Jesu Christi zu empfangen? Entferne dich, Kaiser! und füge doch so vielen Todtschlägen, deren du dich schuldig gemacht hast, nicht noch die Sünde der Entheiligung des Hauses des Herru hinzu!" — Der Kaiser wollte sich entschuldigen durch das Beispiel Davids, der ja auch so große Verbrechen begangen und doch Gnade gefunden habe; aber der heilige Ambrosius antwortete ihm: „Bist du David gefolgt in der Sünde, so folge ihm auch in der Bußei" — Theodosius mußte die Kirche verlassen. Er zog sich in seinen Palast zurück und ließ sich acht Monate lang nicht mehr sehen. Aber in der Wehmuth des Herzens klagte er oft seine innere Qual dem vertrautesten seiner Hofherrn, mit Namen Rufinus, indem er seufzte: „O kein Mensch mag es wohl erfassen, was ich in meiner Seele leide!" — Als sich nun mittlerweile das Fest der Geburt des Herrn nahete, überwältigte ihn die Sehnsucht nach der Kirche. „Der Tempel des Herrn," rief er, „steht dem geringsten meiner Unterthanen offen, und mir ist er verschlossen!" — Er bat den heiligen Bischof um Aushebung des Kirchenbannes und that öffentlich Buße. — Ach! wie 178 Erstes Hauptstück. Wer nicht zur Geineinschaft der Heiligen gehört, nnd was wir hieraus lernen sollen. viele Sünder schließen sich selbst von der Gemeinschaft der Heiligen aus und fühlen diesen Verlust nicht!! Fr. Welche Lehre sollen wir hieraus für uns ziehen? Antw. Die wichtige Lehre, daß wir uns um keinen Preis der Welt von der Gemeinschaft der Heiligen trennen lassen sollen, weder durch die Sünde überhaupt, noch auch durch Ketzerei, Un- oder Irrglauben. Belehrung. Schon im zwölften Lesestück (S. 34.) habe ich dir, mein christlicher Leser! gezeigt, wie abscheulich und verderblich es sei, sich durch Glaubensverläugnung und Abfall von dem wahren Glauben und somit auch von der wahren Kirche zu trennen. Dasselbe gilt nun auch hier wieder. Alle, die sich von der Gemeinschaft der Heiligen trennen, trennen sich auch zugleich von Gott und stürzen sich so in's ewige Verderben; denn „wer vom Geiste Christi leben will", sagt der heilige Augustin, „der muß am Leibe Christi sein," d. h. sich in der Kirche, in der Gemeinschaft der Heiligen befinden; wer nicht am Leibe Christi ist, der stirbt ab und geht zu Grunde, wie ein vom lebendigen Leib getrenntes Glied. Daher dürfen wir uns um keinen Preis der Welt von der wahren, alleinseligmachenden Kirche oder von der Gemeinschaft der Heiligen trennen. Beispiel und Anwendung. Das traurige Loos Derer, die sich freiwillig von der Kirche trennen, bedenkend, erbebte der heilige Einsiedler Agathon vor Nichts mehr, als vor der Beschuldigung, er sei ein Ketzer. Einst kamen mehrere Brüder zu ihm; sie hatten von seiner tiefen Demuth gehört, und wollten ihn prüfen, ob er diese Tugend wirklich besäße. „Vater," sprachen sie zu ihm, „Viele ärgern sich an dir, und sagen, du seiest vom Laster der Hoffart eingenommen, und du verachtest Andere und verläumdest sie, um dein eignes Licht desto besser glänzen zu lassen. Sehr Viele behaupten auch, du treibest Unzucht und entehrest deine grauen Haare mit schändlichen Lastern." Agathou erwiederte: „Diese Fehler wohnen in mir; ich bekenne es, und ich kann meine Ungerechtigkeiten, die groß sind, nicht läugnen." Und er fiel auf die Erde nieder und bat die Brüder, sie möchten für ihn die Barmherzigkeit Gottes anrufen. Da die Brüder sahen, daß sie mit diesen Beschuldigungen Nichts ausrichteten, erhoben sie neue und sprachen: „Sehr Viele wollen auch wissen, daß du vom Glauben abgefallen seiest und dich der Ketzerei ergebest." Als der ehrwürdige Greis dieses hörte, umwölkte eine heilige Entrüstung seine Stirne, und in tiefem Ernste sprach er: „Obwohl ich viele Sünden an mir habe, ein verworfener Ketzer bin ich doch nicht; fern sei dieß von meiner Seele!" — Da warfen sich die Brüder vor ihm nieder, baten ihn um Verzeihung und fragten ihn, warum er alle Beschuldigungen, nur nicht jene der Ketzerei oder des Abfalls vom Glauben, so ruhig hingenommen habe? Und der heilige Greis gab zur Antwort: „Jene ersten Beschuldigungen habe ich aus Demuth ertragen, damit ihr mich für einen Sünder halten möchtet; denn auch Jesus hat alle Schmach der Juden ertragen, um uns ein Beispiel der De. muth zu geben. Die Rede, da ihr mich einen Ketzer nanntet, konnte ich nicht ertragen, weil die Ketzerei Trennung von Gott ist. Ein Ketzer reißt sich los vom wahren und lebendigen Gott, und verbindet sich mit dem Teufel und seinem Anhänge; abgefallen von Engel des Friedens, der ihn aus dem irdischen Jammerthale in die himmlische Heimat führt und ihn mit der Krone der Vergeltung krönt. (Sieh das nebenstehende Bild!) Belehrung. „Kostbar in den Augen des Herrn ist der Tod seiner Heiligen," singt schon der königliche Sänger David (Ps. 115, 6.). Und in Wahrheit! er ist kostbar; denn mit Freuden nimmt der Herr seine Diener auf, um sie für ihre Kämpfe und Siege auf ewig zu krönen. Was ist also der Tod für den Gerechten anders, als ein Engel des Friedens, der ihn aus dem irdischen Jammerthale in die himmlische Heimat führt? Ja! der Fromme denkt sich den Tod mit Petrus als ein Verlassen der irdischen Hülle und als ein Einziehen in die ewigen Wohnungen. Lange war die Seele beengt in dem Leibe von Erde, jetzt tritt sie hinaus und wird frei. (2. Petr. 1, 14.) — Dem Frommen ist der Tod, wie er es dem heiligen Paulus war, ein Aufgelöstwerden von den Banden, die uns an die Erde fesseln und ein Daheimsein bei dem Herrn. „Ich wünsche aufgelöst zu werden und bei Christo zu sein." (Philipp. 1, 23.) — Dem Frommen ist der Tod, wie dem heiligen Jakob, ein Erntetag. Wie der Landmann lange und sehnlich wartet, bis die Saat reif ist, so wartet der Fromme auch lange. Jetzt sind sie reif die Früchte, und er sammelt sie ein mit Freude und Dank. (Jak. 5, 7.) — Der Fromme hält mit Paulus den Tod für eine Sabbatfeier. Des Lärmens und der Zerstreuungen war das Leben hindurch kein Ende. Jetzt auf einmal verschwinden die Werktage. Es herrscht eine feierliche Stille. Es ist der Sabbat, der Vorabend des großen heiligen Tages und des ewigen Lebens. (Hebr. 4, 10.) — Der Fromme hält den Tod mit dem heiligen Johannes für einen Augenblick, wo wir den Herrn sehen und ihm gleich sein werden. (1. Joh. 3, 2.) — Der Fromme sieht mit Christo den Tod an als eine Hochzeitfeier. Der Königsohn hält Hochzeit. Und ich bin auch zur Hochzeit geladen, spricht der Fromme, und schmückt sich mit dem schönsten und köstlichsten Kleide. Jetzt ist der Augenblick da, und er tritt hinein unter die Hochzeitsgäste zum Freudenmahle, und dieser Augenblick ist der Tod. (Matth. 22.) — Und so stirbt der fromme Christ mit frohem Muth und innerem Frieden. Er macht sich bereit auf den Weg. Die heilige Kirche salbt ihn, auf daß er von aller Makel rein und stark werde, das Angesicht Gottes zu schauen; sie salbt ihn mit einem heiligen Oele zum Besitze des Reiches Jesu, gleichwie man Könige salbt zu Verwaltern der Gerechtigkeit. Froh und ruhig stirbt der Fromme; wie sein Licht in der Hand, leuchtet seine Seele. Wenn man schon seine Hülle in die Erde senkt, so lebt doch sein Geist und stirbt nie. Beispiele und Anwendung. Als der heilige Petrus von Alkantara den Tod herannahen fühlte, warf er sich auf die Kniee nieder, und stimmte mit Heller Stimme den Psalm an: „Ich freue mich über Das, was mir gesagt ist worden: Wir werden eingehen in das Hans des Herrn." — Als der heilige Hieronymus fühlte, daß er dem Tode nahe sei, da redete er die Umstehenden mit freudiger, heiterer Miene folgendermassen an: „Fort mit jeder Trauer! Erfreut euch vielmehr mit mir; denn dieß ist die wahrhaft angenehme Zeit; dieß ist der Tag des Jubels, den ich höher schätze, als alle andern Tage meines Lebens; heute wird mir der Herr die Wahrheit seiner Verheißung bezeugen, und meine Seele, die hier in Verbannung lebte, wird, durch Christi Blut erlöset, heute in ihr Vaterland gelangen." — Der gottlose König Heinrich VIII. von England hatte einst tausend Pfund Sterling auf das Haupt des frommen und seiner Kirche treu ergebenen Cardinals Reginald Polus gesetzt. 185 Am Feierabende des 18. März. W der Cardinal dieß hörte, verwunderte er sich sehr und sprach zu seinen Freunden: „Wie mag der König so sehr verlangen, mir das Leben zu nehmen! Wünsche ich doch selber, je früher, je lieber zu sterben. Ich wüßte nicht, was in aller Welt mir das Leben theuer und wünschenswerth machen könnte. Oder was hat der Tod Schreckliches, daß ich ihn fürchten sollte? Will der König, daß ich sterbe? Wohlan, er mag mir, wenn es Gott gefällig ist, das Leben nehmen; er wird mir dadurch eben so wenig einen Verdruß bereiten, als wenn er mich zwingen wollte, meine Kleider auszuziehen und mich schlafen zu legen." — Sehet, so reden die Gerechten vom Tode! „ Wer den Herrn fürchtet, Dem wird's wohl gehen an seinem Ende." Dem Frommen ist daher wirklich das Sterben so angenehm, wie dem Müden daS Schlafengehen. Fr. Was ist der Tod dem Sünder? Antw. Dem Sünder ist der Tod ein furchtbarer Bote des Schreckens und der Verzweiflung, der ihn vor den strafenden Richter führt. Belehrung. Für den Sünder ist der Tod ein schreckliches Erwachen; er ruft und schleppt ihn aus der Mitte der Sünder, aus seinen Freuden und Vergnügungen vor den strengen, ewigen Richter. Darum sagt derPsalm ist (33,22.): „Der Tod der Sünder ist sehr böse"; und der heilige Paulus (Hebr. 10, 31.) ruft aus: „O! wie erschrecklich ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!" — „Der Tod ist," schreibt der heilige Augustin, „ebenso böse dem Bösen, als er dem Guten gut ist; denn die von dem Körper getrennten Seelen der Frommen befinden sich in der Ruhe; die Seelen der Gottlosen aber leiden vielfache Pein, bis die Körper der Frommen zum ewigen Leben wieder erweckt werden, die Körper der Gottlosen aber zum ewigen Tode, den man den andern Tod nennt." Beispiel und Anwendung. Der König Herodes, auf dessen Befehl die bethlehemitischen Kinder ermordet wurden, der den Hohenpriester Aristobulus, als er in einem Teiche badete, ergreifen und so lange, bis er ertrank, unter dem Wasser halten ließ, der auf ein ungegründetes Mißtrauen seine Gattin Mariane, ihren Vater und Bruder, ja sogar seine drei Söhne und seine Schwiegermutter hinrichten, viele vornehme Staatsbeamte und 300 Stabs-Offiziere erdrosseln und zwei Rechtsgelehrte verbrennen ließ, dachte in seiner Verstocktheit, selbst auf dem Sterbebette, so wenig an Buße und Besserung des Lebens, daß er vielmehr seine Schwester und ihren Gemahl zu sich kommen ließ und sie dergestalt anredete : „ Ich weiß, daß die Juden über meinen Tod sich freuen und frohlocken werden; aber ich will ihnen diese Freude verderben und bewirken, daß sie an meinem Sterbetage weinen und trauern sollen. Ich habe die vornehmsten der Juden zusammenrufen und sie im Hippodromus einsperren lassen. Sobald ich meine Seele ausgehaucht habe, so lasset die Einge- Mchler, Hausbuch. sperrten durch abgeschickte Soldaten unverzüglich tödten, damit das ganze jüdische Reich, ja, jedes einzelne Haus, auch wider Willen, meinen Tod bitter beweine!" — Krankheit verzehrte das Mark seiner Kräfte; seine Füsse schwollen ungeheuer auf; stark eiternde, mit Würmern bedeckte, übelriechende Geschwüre bedeckten seinen Leib; er versuchte sich selbst das Leben zu nehmen, wurde aber daran gehindert. — Er starb — am Heißhunger, in der Verzweiflung. — Siehe, mein Christ! so stirbt der Sünder. Fr. Was sollen wir thun, damit wir nicht den schrecklichen Tod des Sünders, sondern den seligen Tod des Gerechten sterben? Antw. Wir sollen recht oft an den Tod denken und uns so auf unsere Sterbstunde gut vorbereiten. Belehrung. Das öftere Andenken an den Tod ist überaus nützlich; es hat schon viele Bekehrungen bewirkt. Wie viele laue Seelen, wie viele Sünder sind durch diesen heilsamen Gedanken zum Guten ermuntert worden, haben die Klöster bevölkert und sind zu den ewigen-Freuden gelangt! „Nichts dient dir so zur Mäßigung in allen Dingen," sagt der heilige Hieronymus, „als der Gedanke an die Kürze und Ungewißheit des Lebens. In Allem, was du immer thust, habe den Tod vor Augen!" Und derh. Laurentius Justinianus ermahnt uns: „Betrachte, o Mensch! häufig, daß du schon gestorben seiest, da du weißt, daß du sterben mußt! Bedenke, wie die Augen im Kopfe werden verdreht, wie die Adern im Leibe werden zerrissen werden, wie das Herz von Schmerzen wird zerschnitten werden! Eine solche Uebung des Geistes weckt und nährt in uns die Demuth." Ja, „die Betrachtung des Todes," setzt der heilige Climacus bei, „macht uns Alle in Mühen und Arbeiten geduldig und bewirkt, daß wir uns an Schmach mehr ergötzen." — In dieser heilsamen Betrachtung übten sich beßhalb auch alle frommen Seelen, und nicht ohne großen Nutzen und Segen. Beispiele und Anwendung. Ein frommer Einsiedler wurde einst gefragt, welches Mittel er für das kräftigste halte, um sich bei Zeiten auf einen guten Tod vorzubereiten, und er gab zur Antwort: „Denke an jedem Morgen, daß dieses dein letzter Tag, und jeden Abend, daß dieses deine letzte Nacht sei, und handle nach diesem Gedanken!" — Der heilige Johannes ließ sich als Patriarch von Alexandrien schon frühzeitig sein Grabmal Herrichten, verbot aber, die Arbeit vor seinem Tode ganz zu vollenden. An jedem Festtage, wenn er feierlichen Gottesdienst hielt, mußten die Arbeiter vor ihn hintreten, und ihn fragen, ob er befehle, sein Grabmal zu vollenden, weil er ja nach dem Worte des Herrn weder den Tag noch die Stunde wisse, wann der Dieb komme und Hereinbreche. Der heilige Mann befahl dann, wieder ein wenig an seinem Grabmale fortzuarbeiten, und erneuerte dabei lebhaft in sich den Gedanken an sein Ende. Derselbe 186 Gewißheit und Möglichkeit der Auferstehung. Erstes Hauptstück. Heilige ging auch häufig auf den Friedhof und sah derBeerdigung der Tobten zu, mit der Versicherung gegen seine Gläubigen, daß es sehr nützlich sei, die Gräber und Särge zu betrachten. — Maria Anna, von der Opferung genannt, hatte in ihrer Zelle den Sarg, in den sie nach ihrem Tode gelegt werden sollte, und legte sich jeden Abend längere Zeit in denselben, bevor sie sich zur Ruhe begab. Beinahe den ganzen Tag hatte sie vor ihren Augen einen Todtenkopf, worauf die Worte geschrieben standen: „Gedenke, daß ich einst war, was du nun bist! Doch nicht sagen kann ich dir, was ich nun bin!" Ihr Tod war kostbar in den Augen des Herrn, und für sie selbst überaus glückselig, weil sie sich gut darauf vorbereitet hatte. So wirst auch du, mein Christ! dereinst glückselig sterben, wenn du oft an den Tod denkst und dich auf die Sterbestunde wohl vorbereitest. Legende: Der heilige Eduard, König von England, (ch 978.) Wer in Gott lebt, wird auch glückselig in Gott sterben. Dieß sehen wir an dem heil. König Eduard, dessen Fest wir heute feiern. Er stammte von kgl. Geblüte in England ab, welches in seinem Geschlechts mehrere Heilige zählte. Seine Mutter Egelfelda erzog ihn mit aller Sorgfalt für Gott und den Himmel, starb aber leider - schon,alsEduard kaum noch sieben Jahre alt war. Der edle Prinz erhielt nun eine Stiefmutter Al- srida und einen Stiefbruder Ethelred. Eduard folgte als der ältere Sohn i. I. 975 dem Vater ans dem Throne nach. Als Herrscher über England war er nun aber auch zugleich ein treuer und eifriger Diener seines Gottes. Er war auf dem Throne überaus demüthig, gottergeben, voll Selbverläugnnng, keusch und mäßig, gerecht und gütig, liebevoll und freundlich gegen Jedermann und ein wahrer Brodvater der Armen. — Allein seine Stiefmutter sah es nur mit Unwillen, daß ihr Sohn Ethelred nicht König geworden, und sann in ihrem bösen Herzen ans Mittel, den jungen König aus dem Wege zu räumen, um ihren eigenen Sohn auf den Thron zu erheben. Nur zu bald fand sie auch wirklich Gelegenheit, ihren ruchlosen Plan auszuführen; sie ließ den heiligen König auf eine mcuchel- mörderische Weise ermorden i. I. 978 in einem Alter von 16 Jahren. Den heiligen Eduard aber überraschte der Tod nicht unvorbereitet; denn er hatte stets in Gott gelebt; daher entschlief er auch selig im Herrn, der seinen treuen Diener alsbald durch viele Wunder verherrlichte. Gebet. Heiliger König Eduard! bitte für mich, auf daß ich, — ich mag nun durch einen plötzlichen Tod, wie du, oder auf eine andere Weise sterben, allzeit heilig sterbe und dann mit dir Gott, dem König der Könige, im Reiche der Glorie ewig huldigen möge. Amen. Achtimdsiebenzigstes Lesestülk. Am Feierabende des 19. März. Gewißheit und Möglichkeit der Auferstehung. Fr. Nach dem Tode wird der Leib begraben; bleibt er dann immer in der Erde? AntW. Nein; er bleibt nicht immer in der Erde; denn am jüngsten Tage wird ihn Gott wieder anfer wecken und für immer mit der Seele vereinigen, von welcher ihn der Tod geschieden hat. Diese Glaubenswahrheit wird nun im' eilften Glaubensartikel ausgesprochen mit den Worten: „Ich glaube die Auferstehung des Fleisches." Fr. Ist es gewiß, daß wir Alle auferstehen werden? AntW. Ja, es ist dieß mit den deutlichsten Worten in der heiligen Schrift ausgesprochen. Belehrung. Für diesen Glaubenssatz von der Auferstehung des Fleisches finden wir zahlreiche und klare Aussprüche und Zeugnisse in der heiligen Schrift. So heißt es bei Johannes (5, 28—29): „Es kommt die Stunde, in der Alle, die in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören werden. Und es werden hervorgehen, die Gutes gethan haben, zur Auferstehung des Lebens; die aber Böses gethan haben, zur Auferstehung des Gerichtes!" Und bei Daniel (12, 2.): „Die Menge Derer, die da schlafen im Staube der Erde, werden auferstehen; die Einen zum ewigen Leben, die Andern aber zur Schmach und ewigen Schande." Ebenso schreibt der heilige Paulus (1. Cor. 15, 12.): „So wie Christus auferstanden ist, werden auch wir auferstehen; sonst wäre unser Glaube eitel und gotteslästerisch, und wir wären noch in Sünden. " (Sieh das folgende Bild.) — Gestützt auf diese klaren Zeugnisse der heiligen Schrift, können wir mit Recht sagend 187 Am Feierabende des 19. März. „Wir sind mehr vergewissert der Auferstehung aus unfern Gräbern, als der Auferstehung aus unfern Betten." — Fr. Ist es denn möglich, daß die in Staub zerfallenen Leiber wieder zum Leben zurückkehren? AntW. Warum nicht? Der den Menschen aus Nichts erschaffen konnte, wird doch Wohl auch den in Staub zerfallenen Leib wiederherstellen und beleben können. Belehrung. Wir dürfen durchaus nicht an der Auferstehung des Fleisches zweifeln, indem wir es etwa für unmöglich halten, daß die in Staub zerfallenen Leiber wieder zum Leben zurückkehren; denn siehe, durch Gottes Allmacht können unsere in Staub zerfallenen Glieder ebenso leicht wieder zum Leben auferweckt werden, als sie einstens aus dem Nichts hervorgerufen wurden. Darum schreibt schon der heilige Paulus an die Corinther (I. 15, 35 ff.): „Aber wird Jemand sagen: Wie stehen die Tobten auf? In welchem Leibe werden sie kommen? Dn Thor! Was du säest, lebt nicht auf, wenn es nicht zuvor stirbt." — Natur und Vernunft beweisen uns klar die Möglichkeit der Auferstehung. Oder zeigt sich uns in der Natur nicht fortwährend das Bild der Auferstehung? „Das Licht," sagt der heilige Gregor, „wird täglich den Augen entzogen, als stürbe es, und es wird wieder zurückgerufen, als stünde es wieder auf; und die Bäume verlieren ihre Grüne, und sie werden wieder erneuert, als erständen sie wieder; auch sterben die Samen und verfaulen, und sie erstehen wieder und keimen." — Was so oft und so unverkennbar in der Schöpfung Gottes vorkömmt, das sollte im Meisterwerke der Schöpfung, im Menschen, nicht geschehen? — Beispiel und Anwendung. Eben dieser heilige Lehrer vertheidigte die Glaubenslehre von der Auferstehung des Fleisches einem Ungläubigen gegenüber, der von derselben Nichts wissen wollte, weil er es für unmöglich hielt, daß der erstorbene und in Staub zerfallene Leib je wieder zum Leben zurückkehren könne. Er redete den Ungläubigen also an: „Du glaubst an die Auferstehung nicht! Wohlan denn, schaue es in der Natur der Wesen und erkenne es aus Dem, was man bis auf den heutigen Tag allenthalben sieht! Wie du weißt, ist es jetzt Winter. Die Bäume stehen wie abgestorben da; denn wo sind die Blätter des Feigenbaumes? Wo die Trauben des Weinstockes? Allein diese Wesen, im Winter gestorben, grünen im Frühlinge wieder, und wenn die Zeit da ist, so wird ihnen, wie vom Tode Erweckten, die Kraft des Lebens wieder gegeben. Denn Gott, der deinen Unglauben sah, gab dir an diesen sichtbaren Dingen jährlich ein Bild der Auferstehung, damit du sähest, was an leblosen Wesen geschieht, und dadurch glaubest, daß es auch an belebten Wesen geschehen könne und geschehen werde." — Unmöglich können wir also, meine lieben Christen! die Auferstehung des Fleisches läug- nen; sie ist zu deutlich ausgesprochen in der heiligen Schrift und tritt uns zu offen entgegen in der ganzen Natur. Nur der Gottlose will von einer Auferstehung Nichts wissen, weil der Glaube an eine Auferstehung ihn in seinem Sündenleben aufhalten oder wenigstens erschrecken müßte. Nur wer viehisch lebt, der möchte sich so gerne bereden, daß es keine Auferstehung für ihn gebe, sondern daß er wie das Vieh in der Erde verfaulen werde. Ganz recht hat daher jener Oberst einem gottlosen Menschen, der die Auferstehung läug- nete, geantwortet: „Dieser Mensch lebt sicherlich viehisch, weil er glaubt, er werde wie ein Vieh in der Erde bleiben." — Eine außerordentliche tröstliche Wahrheit hingegen ist die Lehre von der Auferstehung für den Gerechten. Wie tröstlich wird sie daher nicht auch stets gewesen sein für jenen großen Heiligen, dessen Fest heute in der ganzen katholischen Kirche so feierlich begangen wird, für den heiligen Nährvater Joseph! Legende: Der heilige Joseph, Nährvater Jesu Christi. Joseph stammte in gerader Linie von den berühmtesten alten Patriarchen und vom Könige David ab. 24 * 188 Erstes Hauptstück. Art und Weise der Auferstehung. MN Sein Vater hieß; Jakob und sein Großvater Mathan. Er war arm, und mußte sich seinen Lebensunterhalt mit der harten Handarbeit erwerben. Joseph wohnte zu Nazareth, einer kleinen Stadt in der Zunft Zabnlon in Galiläa, und trieb da das Zimmermannshandwerk. Die heilige Schrift erzählt uns Weniges von seiner Lebensgeschichte; dieß aber ist hinreichend, uns von seiner hohen Vollkommenheit zu überzeugen, und unser Herz mit der größten Ehrfurcht gegen ihn zu erfüllen. Durch seine Vermählung mit Maria ward er zum Erzieher, Nährvater und Pfleger des im Fleische erschienenen Heilandes der Welt bestimmt. Mit wenigen Worten gibt ihm das Evangelium den größten Lobspruch, der gegeben werden kann: „Joseph war gerecht." Er erfüllte genau alle Gesetze des Herrn, und sein Sinn und Wandel war ganz untadelig in den Augen Gottes., Joseph lebte mit Maria in der vollkommensten Eintracht, diente Gott in allen Arten der Tugenden, und erwarb durch emsige und unverdrossene Arbeitsamkeit für sich und seine geliebte Familie den Unterhalt. Hatte er auch vor und bei der Geburt Jesu Christi manch Hartes und Bitteres zu tragen, so war seine Freude und sein Erstaunen um so größer, als er bei der Opferung im Tempel zu Jerusalem hörte, was der Geist Gottes durch den Greisen Simeon und durch die Prophetin Anna von dem zarten Kinde offenbarte. Da die heilige Geschichte bei der Erzählung der Hochzeit zu Kana des Josephs nicht erwähnt, so ist es wahrscheinlich, daß er noch vorher, als Jesus das öffentliche Lehramt antrat, gestorben sei. Er wird als Beispiel und Fürsprecher der Sterbenden vorzüglich verehrt. Daher sollst du, o Christ! oft im Leben deine Zuflucht zum heiligen Joseph nehmen, damit er dir eine glückselige Sterbstunde erflehe und eben dadurch auch ei ne glückselige Auferstehung am Tage des Gerichtes. Gebet. O allerkeuschester Bräutigam Mariä, heiliger Joseph! erbitte mir die Gnade, so rein und gerecht zu leben, wie du, und bewirke, daß ich das Glück erlange, in den Armen Jesu und Mariä zu sterben, wie du, damit ich dereinst am Tage der allgemeinen Auferstehung auf ewig mit dir und ihnen vereinigt werde. Amen. Nennundsiebenzigstes Lesestück. Am Feierabende des 20. März. Art und Weise der Auferstehung. Fr. Wie wird die Auferstehung des Fleisches geschehen? Antw. Sie wird auf folgende Weise geschehen: Gott der Herr wird am jüngsten Tage seine Engel mit der Posaune schicken; diese, werden den Todten zurufen: „Ihr Todten! stehet auf und kommet zum Gerichte!" Und in einem Augenblicke werden die Todten auferstehen. (1. Cor 15, 22.) (Siehe das nachfolgende Bild.) Biblische Beispiele. Die furchtbare Scene der Auferstehung ließ Gott der Herr schon im A. T. seinem Propheten Ezechiel in einer heiligen Vision schauen. Ezechiel hat uns dieß selbst in folgenden Worten geschildert: „Die Hand des Herrn kam über mich und führte mich hinaus im Geiste des Herrn und ließ mich nieder mitten auf ein Feld, das voll von Gebeinen war. Und er führte mich durch sie hindurch allenthalben ringsum; es waren ihrer aber sehr viele auf der Oberfläche des Feldes und sie waren sehr dürr. Und er sprach zu mir: Menschensohn! meinest du wohl, daß diese Gebeine lebendig werden? Und ich sprach: Gott, Herr! du weißt es! Und er sprach zu mir: Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Ihr dürren Gebeine, höret das Wort des Herrn! So spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Siehe! ich will Geist in euch bringen, daß ihr lebendig werdet. Ich will euch Nerven geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und will euch Geist geben, daß ihr lebendig werdet, und ihr sollt erfahren, daß ich der Herr bin. Und ich weissagte, wie er mir geboten hatte. Und da ich weissagte, fing es zu rauschen an, und siehe! es regte sich; und Gebein näherte sich zu Gebein, ein jegliches zu seinem Gliede. Und ich schaute, und siehe! Nerven und Fleisch kam über sie, und Haut zog sich darüber; Geist aber hatten sie noch nicht. Und er sprach zu mir: Weissage zum Geiste, weissage, Menschensohn! und sprich zum Geiste: So spricht Gott, der Herr: Komme, du 189 Am Feierabende des 20. März. x .X ^ . Geist! von den vier Winden und wehe diese Getödteten an, daß sie wieder lebendig werden! Und ich weissagte, wie er mir geboten hatte. Da fuhr der Geist in sie, und sie lebten und stellten sich auf ihre Füße — ein großes, sehr großes Heer." (Ezechiel. 37, 1. ff.) — Ein ähnliches Gesicht finden wir auch im N. T. in der geheimen Offenbarung. Der heilige Johannes, der desselben gewürdiget wurde, erzählt es uns selbst: „Ich sah einen weißen Thron und Jemanden, der darauf saß; vor dessen Angesicht flohen Himmel und Erde, und es ward kein Platz für sie gefunden. Und ich sah die Todten groß und klein stehen vor dem Throne.... Und das Meer gab die Todten, welche in ihm waren, und der Tod und die Hölle gaben die Todten, welche in ihnen waren." (Offcnb. 21, 11 — 13.) Fr. Wie werden die Leiber anferstehen? Anlw. Die Leiber der Auferstandenen werden nicht alle gleich sein, sondern die Leiber der Bösen werden elend, die Leiber der Guten aber wie verklärt und dem verherrlichten Leibe Christi ähnlich sein, Belehrung. Diese Verschiedenheit, die sich an den Leibern der Auferstandenen kund geben wird, deutet der Apostel schon in folgenden Worten an: „Wir werden zwar Alle auferstehen, aber nicht Alle verwandelt (verherrlichet) werden" (1. Cor. 15, 51.), und: „Jesus Christus wird den Leib unserer Niedrigkeit umgestalten, daß er gleichgestaltet sei dem Leibe seiner Herrlichkeit. "(Phil. 3, 21.). — Wie die Sonne am Hellen Tage, so werden auch die Gerechten im Reiche des himmlischen Vaters glänzen in einem wunderbaren Lichte. Dieses wird sie umfließen und ihnen Schmuck und Zierde geben. Ganz anders werden die Bösen, die sich mit aller Unreinigkeit und Schande befleckt haben, am jüngsten Tage zum Vorschein kommen. Sie werden sich selbst Finsterniß und Qualen gebären. Wie milder Sonnenglanz und schwarze Nacht von einander verschieden sind, so die Auferstehung der Gerechten und der Sünder.— Die verklärten Leiber der Gerechten werden (nach 1. Cor. 15, 42—44.) insbesonders folgende vier Eigenschaften an sich tragen: 1)Unverweslichkeit oder Leidcns- Unfähigkeit. „ Gesäet wird der Leib in Ver- weslichkeit, auferstehen wird er in Unverwes- lichkeit!" 2) Glanz und Herrlichkeit. „ Gesäet wird er in Unehre, auferstehen wird er in Herrlichkeit." 3) Beweglichkeit oder Behendigkeit: „Gesäet wird er in Schwachheit, auferstehen wird er in Kraft." 4) Feinheit, Geistigkeit. „Gesäet wird ein thierischer Leib, auferstehen wird ein geistiger Leib." Ein gar schönes Bild dieser Verklärung gibt uns die Raupe. Wer würde in der Raupengestalt den künftigen Schmetterling ahnen? Wie nun die Raupe ihr erstes Kleid ablegt und als Schmetterling ein viel schöneres anzieht, so wirst auch du, o Christ! einst mit einem viel schöneren Gewände angethan werden. IW Erstes Hauptstück. Warum es eine Beispiel und Anwendung. Diese wunderbare Verkeilung zeigte sich wenigstens zum Theil bei manchen Heiligen schon gleich nach dem Tode, wie z, B. bei der heil. Lhdwina,beim heil. Franz von Assis u. a. Nachdem dieser letztgenannte Heilige seine Seele Gott übergeben hatte, veränderte sich Alles, was er Mangelhaftes an seinem Leibe hatte; die Runzeln seines hohen Alters verschwanden, dafür glänzte an ihm die Schönheit des jugendlichen Alters; seine Angen waren so natürlich, daß Niemand glauben konnte, er sei todt. Das Volk lief schaarcnwcise herbei, um ihn zu sehen; er war ein vollkommenes Bild eines verherrlichten Leibes. Blo- sius, welcher dieses erzählt, sagt, man habe nichts Wunderbareres gesehen; man konnte seinen Augen nicht trauen; ja, der Leib des Heiligen verblieb in dieser Lieblichkeit, ohne die gewöhnliche Verwesung zu erfahren. — So sah auch, wie uns der heilige Petrus Damianus erzählt, Romuald, Sohn des Herzogs von Ravenna, den heiligen Bischof und Märtyrer Apollinaris, als er ihn, in tiefe Andacht versunken, um seine Fürbitte anrief, plötzlich in bischöflichen Gewändern und im Schimmer überirdischer Klarheit vor sich stehen. So oft künftighin Romuald die Sonne anfgehen sah, schien sie ihm, wie er sich ausdrückte, im Vergleiche zu jener Klarheit eine irdische Lampe zu sein. — O wie unaussprechlich muß jene himmlische Verklärung sein! Lasset uns daher fromm und gerecht leben, meine Christen! damit auch an uns einst wahr werde das Wort des Herrn: „Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne im Reiche ihres Vaters." Legende: Der heilige Joachim, Bekenner. Wie die Sonne im Reiche des himmlischen Vaters wird auch glänzen der heilige Joachim, dessen Andenken wir heute feiern; denn er steht unter der Zahl der Gerechten, dessen erhabene Tugenden die heiligen Väter Epiphanius und Damascenus mit den größten Lobspriichen erheben. Durch seinen heiligen Wandel er- Auferstehung des Fleisches gebe re. warb er sich Gottes Wohlgefallen in einem so hohe Grade, daß er znm Vater -der seligsten Jungfrau Maria auserkoren wurde. Wenn wir die einzelnen Glieder verdienstvoller Familien ehren; welche Verehrung sollen wir alsdann nicht dem heiligen Joachim zollen, da ihn der Sohn Gottes selbst zum Vater seiner hochbegnadig- teu Mutter erwählen wollte, und da er nun gewiß unter der Zahl der Heiligen und Gerechten glänzen wird als Stern erster Größe! Darum wenden wir uns an dich, heiliger Joachim! und rufen deine mächtige Fürbitte an. Gebet. Bitte für uns, du naher Verwandter des Herrn! damit wir hienieden ein frommes und heiliges Leben führen und einst unter der Zahl der Heiligen Gottes glänzen mögen im Reiche des himmlischen Vaters. Durch Christum, unfern Herrn. Amen. Achtzigstes Lesestück. Am Feierabende des 21. März. Warum es eine Auferstehung des Fleisches gebe, und wozu uns diese Glaubenslehre ermuntern soll. Fr. Warum werden unsere Leiber wieder auferstehen ? Alltw. 1) Damit auch der Leib Theil nehme an dem Lohne oder der Strafe, sowie er Theil hatte an der Ausübung guter oder böser Werke; 2) damit der Sieg Christi über den Tod vollständig sei. Belehrung. Zwei Gründe sind es also ganz besonders, warum unsere Leiber wieder auferstehen werden: 1) Damit auch der Leib Theil nehme an dem Lohne oder an der Strafe, wie er Theil hatte an der Ausübung guter und böser Werke, weßhalb der heilige Paulus schreibt (2. Cor. 5, 10): „Wir Alle müssen erscheinen vor dem Richterstuhle Christi, damit ein Jeder, je nachdem er in seinem Leibe Gutes oder Böses gethan hat, darnach empfange." — „Man begräbt," sagt Ludwig de Ponte, „auf Erden den Leib oft mit großer Ehre, während die Seele vor Gott verdammt ist; dagegen wird der Leib oft schmählich zu Grabe gebracht, während Seele unv Leib zugleich Gott gedient und ihn verherrlicht haben; so ist es also billig, daß ein Tag (der allgemeinen Auferstehung) bestimmt ist, wo über beide zugleich gerichtet wird." — 2) D a- mit der Sieg Christi über den Tod vollständig sei. „Wenn dieses Sterbliche angezogen hat die Unsterblichkeit," sagt wiederum der heilige Paulus (1. Cor. 15), „dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht: Am Feierabende des 21. März. 191 X > / / Hl !> MM ÜAix !- MjWM V>'i! M »MW» -1_ „Verschlungen ist der Tod im Siege; Tod, wo ist dein Sieg?" Fr. Wozu soll suns die Glaubenslehre von der Auferstehung des Fleisches ermuntern? Ailtw. Sie soll uns dazu ermuntern, 1) daß wir bei dem Tode der Unsrigen nicht übermässig trauern, 2) daß wir alle körperlichen Leiden und selbst den Tod mit christlicher Geduld ertragen, und 3) daß wir unfern Leib stets in Ehren halten. Belehrung. Der Glaube an die Auferstehung soll uns 1) trösten bei dem Tode unserer Freunde, auf daß wir nicht übermäßig trauern, weinen und wehklagen, und „uns nicht betrüben, wie die Uebrigen, die keine Hoffnung haben." (I.THess. 4, 12, ff.) „Lasset uns die Entschlafenen nicht beklagen," sagt der heilige Cyprian, „sondern uns nach ihnen sehnen! Es ziemt sich nicht, das schwarze Trauergewand anzulegen, wenn Jene im Himmel die weißen Kleider tragen." Wie garstig steht einem Christen die übermäßige Trauer bei dem Tode seiner Angehörigen und Freunde! Wahrlich, sie werden selbst von Heiden beschämt! 2) Dieser Glaube soll uns ermuntern und ermuthigen, auf daß wir alle körperlichen Leiden und selbst den Tod mit christlicher Geduld ertragen. Welche Martern standen nicht die Machabäischen Brüder ans! Es wurden ihnen die Zungen herausgeschnitten, Hände und Füße abgehanen; man zog ihnen die Haut vom Leibe, setzte sic in glühende Pfannen. Aber felsenfest standen die Glaubenshelden da. Was konnte sie so stark, so standhaft, so unerschütterlich machen? DerGedanke an die einstige Auferstehung. Sie bekannten dieß selbst vor dem Tyrannen Antiochns; denn sie Alle sprachen: „Böscwicht! Du kannst uns wohl in diesem zeitlichen Leben unterdrücken; allein der König der Welt wird uns, die wir für sein Gesetz sterben, am Tage der Auferstehung zum ewigen Leben wiederum auferweckcn." (2.Mach. 7.) 3) Der Glaube an die Auferstehung des Fleisches soll uns endlich v o m Bösen abschrecken, daß wir unfern Leib in Ehren halten und ihn nicht zur Sünde m i ß b r a u ch e n; deßhalb ruft uns der Apostel (1. Cor. 6, 20)zu: „Verherrlichet und traget Gott in euerem Leibe;" denn er wird mit der Seele entweder ewig belohnt oder ewig bestraft werden. Beispiele und Anwendung. Der heilige Bischof und Märtyrer Ignatius hatte unendlich viel zu leiden. Aber bei allen diesen Leiden blieb er dennoch so ruhig und getrost, daß er nach Nichts mehr, als nach Leiden, nach dem Tode verlangte. Woher diese Ruhe, dieser Heldenmuth, diese Heiterkeit der Seele im Angesichte des Todes? Einzig und allein von der Erinnerung an die Auferstehung zu einem neuen, besseren und ewigen Leben. „ Es ist herrlich für mich," ruft er aus, „von der Welt zu Gott unterzugehen, um als eine schönere Sonne in ihm wieder aufzugehen." — Diesen Trost soll auch dir, o Christ! der Gedanke an die einstige Auferstehung bei Leiden und Trübsalen gewähren! Habe aber auch Acht, daß du deinen Leib stets in Ehren hältst und ihn nicht zur Sünde mißbrauchest! Ja, mißbrauche niemals Augen, Zunge, Ohren, Hände und deine übrigen Glieder zum Bösen, sondern „weihe sie dem Dienste der Gerechtigkeit zur Heiligung" (Rom. 6, 19), damit sie dereinst auch den Lohn der Gerechtigkeit empfangen mögen! Ahme in dieser Beziehung das schöne Beispiel nach, welches uns der treue Diener Gottes Iakobus mit dem Beinamen „der Verstümmelte," gegeben hat. (Sieh das 1S2 Erstes Hauptstück. Es gibt ein ewiges Leben; denn unsere Seele ist unsterblich. vorhergehende Bild.) Dieser sollte mit seiner Zunge den göttlichen Heiland verläugnen, mit seinen Händen den Götter» Weihrauch streuen, mit seinen Füßen das Bildniß des Gekreuzigten zertreten; aber er stellte sich seinen Mördern voll heiligen Muthes entgegen und sprach: „Wie könnet ihr mir zumuthen, daß ich meine Glieder mißbrauchen solle, die dem Dienste meines Gottes geweiht sind? Reißet mir die Zunge heraus, hauet mir Hände und Füße ab; das möget ihr thun, aber meinen Herrn und Gott werde ich nicht verläugnen." Und nun begann die Marter, die volle neun Stunden dauerte; man riß ihm ein Glied nach dem andern vom Leibe; allein der standhafte Dulder und Blutzeuge rief voll süßen, inneren Trostes aus: „Geh' nur hin, meine Hand! geh' nur hin, mein Fuß! geh' nur hin, meine Zunge! rc. Am Tage des Gerichtes bei der Auferstehung der Todten wird euch Alle der ewige Schöpfer wieder zu finden und zu einem herrlichen Ganzen zu vereinigen wissen. Ihr habt dem Herrn gedient, und der Herr wird euch dafür auch belohnen." — Wohl uns, wenn wir am Tage des Gerichtes diese letzten Worte auch zu unser» Gliedern sagen können! Legende: Der heilige Benedikt, Ordensstifter und Abt. (f 543.) War es nicht auch bei jenem großen und berühmten Heiligen, dessen Fest heute in der katholischen Kirche gefeiert wird, der Gedanke an die einstige Auferstehung, der ihn in allen Leiden und Trübsalen tröstete und ihn ermunterte, Leib und Seele stets rein zu erhalten vor jeder Sünde? Dieser treue Diener Gottes, St. Benedikt wurde um das Jahr 480 zu Nursia im Herzogthum Spoletto von adeligen Eltern geboren. Diese schickten ihren hoffnungsvollen Sohn zum Studiren nach Rom. Als er da das Verderben der Sitten bei der römischen Jugend wahrnahm, entschloß er sich, die Welt zu verlassen, um nicht in den Abgrund zu stürzen, sondern seinen Leib und seine Seele rein zu bewahren auf den Tag des Gerichtes und der einstigen Auferstehung. Erging aus Rom heimlich weg und nahm den Weg nach einer Wüste. Nach Verlauf von drei Jahren wurden Hirten, die in dieser Gegend mit ihren Heerden herumschweiften, seiner gewahr. Benedikt sprach Worte des Heiles zu ihnen mit solchem Nachdrucke, daß mehrere derselben, die bisher nicht viel anders als ihr Vieh gelebt hatten, zu guten Menschen umgeschaffen wurden. Der Glanz seiner Heiligkeit machte ihn den Mönchen eines nahen Klosters bekannt, und sie wünschten sehr, ihn zu ihrem Abte zu erhalten. Sie drangen so lange in ihn, bis er einwilligte. Als aber einige dieser Mönche, die eine freie Lebensweise gewohnt waren, das sanfte Joch des untadelhaftcn Wandels, das er ihnen auflegte, zu schwer fanden, so faßten sie den unseligen Entschluß, Gift unter seinen Wein zu mischen. Als er nach seiner Gewohnheit das Getränk mit dem Kreuzzeichen segnete, zersprang das Gefäß, und das Geheimniß der Bosheit ward offenbar. Er stand mit ruhigem Gemüthe vom Tische auf und sprach: „Gott erbarme sich euer, Brüder! Warum wolltet ihr mir das thun? Ich habe es euch ja zuvor gesagt, daß euer und mein Wandel nicht znsammenstimmen. Gehet und suchet euch einen Vorsteher, der ist, wie eure Sitten; mich könnet ihr nicht mehr haben." Mit diesen Worten verließ er das Kloster und ging wieder in seine geliebte Einsamkeit zurück. Der Orden, den der heilige Benedikt stiftete, und der noch jetzt besteht, hat der Kirche Päpste, Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe gegeben, und eine große Anzahl Gelehrter hervorgebracht. Der heilige Benedikt starb im Jahre 543 den 21. März. Gebet. Stehe uns bei, o Gott! wir bitten Dich, mit deiner göttlichen Gnade, damit wir Leib und Seele stets rein bewahren, wie St. Benedict, ans daß am Tage der allgemeinen Auferstehung unser Leib mit der Seele wieder vereinigt und mit ihr zur ewigen Glorie berufen werde. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Eimmdachtzigstes Lesestück. Am Feierabende des 22. März. Zwölfter Glaubensartikel: „Und ein ewiges Leben. Amen." Es gibt ein ewiges Leben; denn unsere Seele ist unsterblich. Fr. Was bekennen wir mit dem letzten Glaubensartikel ? Antw. Wir bekennen dadurch, daß es für alle Menschen ein ewiges Leben gebe, welches, je nachdem sie dieses irdische gut oder böse zugebracht haben, auch von verschiedener Beschaffenheit sein wird. 193 Am Feierabende MM Belehrung. Nach der allgemeinen Auferstehung werden sich die Todten vor dem Richterstuhle Gottes versammeln, um das große Endurtheil der Verdammniß oder der Beseligung zu hören. Die Bösen werden gehen in's ewige Feuer; „die Gerechten aber in's ewige Leben." — Daher folgt auf die Lehre von der Auferstehung sogleich' dieser letzte Glaubensartikel, der vom ewigen Leben der Gerechten sowohl, als der Gottlosen handelt. Fr. Ist es also gewiß, daß wir auch nach dem Tode noch fortleben? Antw. Ja, es ist dieß gewiß; denn unsere Seele ist unsterblich; dafür bürgt uns 1) die göttliche Offenbarung, 2) die'geistige Natur unserer Seele, 3) unser eigenes Gefühl und 4) unsere eigene Mrnunft. Belehrung. Wir sind unsterblich; dieß beweist uns 1) unwiderlegbar die göttliche Offenbarung. Schon im Buche der Weisheit (2, 23.) heißt es: „Gott hat den Menschen unsterblich erschaffen und nach seinem Bilde und Gleichniß ihn gemacht." Und wie nachdrücklich ermahnt nicht Christus seine Jünger und alle Christen, Diejenigen nicht zu fürchten, welche den Leib, nicht aber die Seele tobten können; wohl aber sollten sie Jenen fürchten, der Leib und Seele in's ewige Verderben stürzen kann! Ferner wird der göttliche Richter einst zu den Gottlosen sprechen: „Gehet hin, ihr Verdammten! in's ewige Feuer!" Was hätten diese Worte für einen Sinn, wenn die Seelen nach dem Tode des Leibes nicht mehr fortlebtcn? Oder wie könnte Gott solche Aussprüche thun, wenn die Seelen sterblich wären? — Und überhaupt, was ist das ganze Werk der Erlösung anders, als eine fortlaufende Kette von Beweisen für unsere Mchlsr, Hausbuch. des 22. März. ewige Fortdauer? Würde Wohl Jesus auf diese Erde gekommen sein und sich so vielen Erniedrigungen, Mühen und Leiden unterzogen haben, wenn unsere Seele nicht unsterblich wäre? Es läßt sich also die Unsterblichkeit der Seele nicht läugnen, da uns die göttliche Offenbarung die vollste Sicherheit hierüber gibt. 2) Kann es aber auch gar nicht anders sein, wenn wir nur die Seele selbst betrachten. Die Seele ist nämlich geistiger Natur, sie ist ein Geist und hat mit körperlich irdischen Dingen Nichts gemein; daher kann sie nie der Verwesung oder Auflösung anheimfallen, wie dieß beim Körper der Fall ist, sie kann nie sterben, ist also unsterblich. 3) Wenn unsere Seele sterblich wäre, so wären wir die unglücklichsten Menschen; denn Gott hat ein Verlangen nach etwas Unendlichem in unsere Seele gelegt; daher kommt es, daß wir in diesem Leben niemals eigentlich recht froh werden können; denn „wir haben keine Ruhe, bis wir ruhen in Gott." Auf Erden findet unsere Seele keine wahre Befriedigung; immer strebt sie himmelwärts. (Sieh das obige Bild!) So spricht also auch unser eigenes Gefühl für die Unsterblichkeit der Seele. Endlich 4) muß die gesunde Vernunft erkennen, daß unsre Seele unsterblich sei. Oder sollte uns Gott mit so herrlichen Gaben des Geistes und Leibes nur deßhalb ausgestattet haben, damit wir sterben und zu Grunde gehen, wie das vernunftlose Vieh? Wie könnte es ferner die göttliche Gerechtigkeit zulassen, daß die Gottlosen oft in diesem Leben die erste Rolle spielen, während die Tugendhaften verfolgt werden, wenn es nicht eine Ewigkeit gäbe, in welcher die Guten ewig belohnt und die Bösen ewig bestraft würden? Jede gesunde Vernunft muß es also anerkennen und eingestehen, daß die Seele des Menschen unsterblich ist. Beispiel und Anwendung. Es erzählt uns Aeneas Sylvins von einem Fürsten, der in Oesterreich lebte und ein Alter von dreiundneunzig Jahren erreichte; er hatte während seiner Lebenszeit nichts Anderes gethan, als gegessen, getrunken, gespielt und sich jede mögliche Unterhaltung verschafft; er hatte nie erfahren, was Armuth, Elend, Schmerz und Unglück sei, und immerfort flog das Schifflein seines Lebens dahin, von günstigem Winde getrieben. Als er nun endlich starb, und sein Tod dem Kaiser Friedrich IV. angekündet wurde, sprach dieser: „ Hier habe ich den deutlichsten Beweis von der Unsterblichkeit der Seele und von einem künftigen ewigen Leben; denn der gerechte Gott muß dort eine Ausgleichung treffen, da wir hier sehen, wie die Bösen ohne Strafe dnrchkommen, und die Guten ohne Belohnung sterben." —„Wenn du also siehst, mein Christ! (ruft uns der heilige Chrysostomus zu) daß es den Guten auf Erden schlecht und den Schlechten gut gehe, so denke daran, daß es eine Ewigkeit und eine Vergeltung gebe!" Nur der 25 194 Erstes Hauptstück. Es gibt ein ewiges Leben; denn unsere Seele ist unsterblich. Thor, der da sagt, es gibt keinen Gott, kann auch die Behauptung ausstcllen, daß es keine Ewigkeit und kein ewiges Leben gebe. Fr. Welchen Eindruck muß diese wichtige Lehre von der Unsterblichkeit oder ewigen Fortdauer der Seele ans das Gcmüth der Menschen Hervorbringen? Antw. Der Böse muß dadurch erschüttert, der Fromme aber zum Guten noch mehr ermuntert und in seinen Leiden gestärkt und getröstet werden. Belehrung. Wie erschütternd muß für den Gottlosen der Gedanke sein: „Meine Seele ist unsterblich; sie wird fortleben in der Ewigkeit, aber ach! ewig unglückselig sein!" Darum läugnet der Gottlose gar so gerne die ewige Fortdauer oder die Unsterblichkeit der Seele, und zwar deß- wegen, um desto freier und unbeirrter nach seinen Gelüsten leben zu können. Ueberaus tröstlich und erfreulich ist hingegen eben diese Lehre von der Unsterblichkeit der Seele für den Frommen, da er weiß, daß auf dieses mühselige Leben ein anderes, unaussprechlich glückseliges Leben folgen werde, wo jede Tugend belohnt, alle Leiden in Freuden verwandelt werden! Beispiele und Anwendung. Es gibt ein ewiges Leben; dcrMeusch i st unsterblich. Der Gottlose läugnet zwar diese Wahrheit, weil sie ihm furchtbar ist. Als Oberst von Man st ein Einen kennen lernte, der an keine Unsterblichkeit und an kein ewiges Leben glaubte, so sagte er: „Dieser Mensch lebt sicherlich viehisch, weil er glaubt, er werde wie ein Vieh in der Erde bleiben." — Um so tröstlicher ist aber diese Wahrheit für den Frommen; durch sie wird er ermuthigt und gestärkt in allen Leiden und Widerwärtigkeiten dieses Lebens. Als die Heiden den h. Pionius zum Tode abführten, und er, da er doch wußte, was ihm bevorstand, freudig und munter vorwärts schritt, fragten sie ihn, warum er denn da so eile, wo Andere so langsam gingen, und er antwortete ihnen: „Ihr irret euch; ich gehe nicht zum Tode, ich gehe zum Leben." Und wie wahr seine Worte sind, bezeugte selbst sein todter Körper noch. Denn nachdem man ihn mit Nägeln an die Balken geheftet, und zu seinen Füßen ein Feuer angezündct hatte, ließ man ihn allein sterben. Nachdem das Feuer schon erloschen war, kehrten die Henkersknechte ans den Richtplatz zurück und fanden daselbst den Körper des Heiligen zwar todt, aber durch das Feuer nicht im Mindesten verletzt, ja, sein Gesicht hatte sogar die Farbe und den Ausdruck des Lebens beibehalten. — Wir lesen von einer frommen Mutter, daß sie ihren Sohn Symphorianus, rer in der Blüthe des jugendlichen Alters stand, zum standhaften Bekenntniß des Glaubens und zum Martyrertode durch folgende Worte ermunterte: „Mein liebes Kind! sei eingedenk des ewigen Lebens; siehe den Himmel an und Den, der oben thronet; das Leben wird dir nicht entrissen, sondern nur in ein besseres wird es verwandelt." Und getrost ging der Knabe zum Martertod. Siehe, mein Christ! so ermunternd, so trostvoll ist der Gedanke an die Unsterblichkeit der Seele und an das ewige Leben im Himmel für den Frommen und Gerechten. Legende: Der heilige Nikolaus von der Flue, Einsiedler, (ch 1487.) Der fromme Diener Gottes, Nikolaus von der Flue, dessen Andenken wir heute begehen, fand gleichfalls gar oft Trost und Beruhigung in dem Gedanken an die Unsterblichkeit und au das ewige Leben im Himmel; besonders tröstete er sich damit in seiner letzten, äußerst schmerzlichen Krankheit. — Er war der Sohn gottesfürchtiger Landleute zu Saxeln in der Schweiz. Von seiner frühesten Jugend an war sein ganzes Wesen ernst, aber dennoch sanft, mild und liebenswürdig. So sehr er auch die Arbeit liebte, fand er doch Zeit genug in der Abgeschiedenheit seiner heimathlichen Berge zu stillem Gebete, womit er strenges Fasten verband. Verehelichet mit einer frommen Frau, erzog er seine acht Kinder in der Furcht und Liebe des Herrn. Zn den Waffen gerufen, war er ein tapferer und edelmüthiger Kriegsmann. Im Frieden bekleidete er neunzehn Jahre die Stelle eines Richters und Landraths und erwarb sich das ungetheilte Zutrauen und die allgemeine Zufriedenheit. Im Jahre l467 zog er sich in die Einsamkeit seiner Berge zurück, wo die Seinigen ihm eine Hütte mit einer Kapelle erbauten. Hier betete und fastete er und genoß wunderbarer Weise über zwanzig Jahre keine Speise, außer monatlich einmal das allerheiligste Altarssakrament. Bei ausgebrochenem Hader und kriegdrohender Feindschaft unter den Eidgenossen trat er als ein Engel des Friedens aus seiner Einsamkeit hervor und stiftete Versöhnung. Vor seinem Lebensende noch durch 195 Am Feierabende des 23. März. eine schmerzliche Krankheit geläutert, gab er, 70 Jahre alt nach dem Empfang der heiligen Sakramente nnd unter Lobpreisungen Gottes selig seinen Geist auf am 22. März 1487. Gebet. O Herr nnd Gott! Du hast uns eine unsterbliche Seele gegeben nnd uns Alle znm ewigen Lichte berufen; stehe uns bei, damit wir unsere unsterbliche Seele retten und das ewige Leben erlangen, wie dein frommer Diener Nikolaus von der Flue, durch Christum unfern Herrn. Amen. Zweiundachtzigstes Lesestück. Am Feierabende des 23. März. Der Himmel und seine Freuden. Fr. Wie wird das ewige Leben der Gerechten beschaffen sein? Antw. Es wird eine immerwährende, unaussprechliche Seligkeit sein. (Sieh das nebenstehende Bild!) Belehrung. Das ewige Leben des Gerechten ist ein ganz anderes Leben, als selbst das glückseligste Leben auf Erden. Dieses zeitliche Leben verlangt schöne, kostbare Gewände zu seinem Glücke. Aber im ewigen Leben werden Kleider von Engelshänden gewoben. Mit diesen Kleidern an- gethan, prangt jeder Heilige, nicht im schnöden Gold und Silber, sondern in einem Lichtgewande, das ihn so herrlich kleidet, wie Christus auf Tabor erschienen ist.— Das irdische Leben wähnt sich glücklich in einer schönen Wohnung, die aus Holz und Stein gebaut' ist. Aber die Heiligen im ewigen Leben bewohnen eine Stadt, „deren Mauern aus Edelsteinen, deren Thore aus Perlen, deren Strassen reines Gold sind, wie durchscheinendes Glas." (Offenb. 21, 18.) — Das irdische Leben erfreut sich am Glanze des Goldes und ergötzt sich am Silberklange. Und doch sind das Schätze, welche der Zahn der Zeit zerstört, während im ewigen Leben unverwüstliche Schätze hinterlegt sind. — Das zeitliche Leben schätzt als der Güter höchstes die Gesundheit; und doch ist es gewiß, daß der Tod allem zeitlichen Leben gar bald ein Ende macht. Im ewigen Leben hingegen weiß man Nichts von Krankheit, Nichts von Tod. Da „ wird kein Tod mehr sein," sagt Johannes, „ noch Trauer, noch Klage, noch Schmerz." Es ist ein glückseliges, ewiges Leben, ein Leben ohne Ende. Fr. Wie heißt der Ort, wo die Gerechten diese Seligkeit genießen? Antw. Dieser Ort heißt „Himmel." IMG Belehrung. Um uns den glückseligen Zustand der Auserwählten darzustellen, gebraucht die heilige Schrift zur Bezeichnung des Ortes, wo die Gerechten ihre Seligkeit genießen, verschiedene Namen; am Gewöhnlichsten heißt dieser Ort „Himmel"; er wird aber auch genannt: Paradies, Reich Gottes, ewige Freude, ewiger Lohn, Haus des himmlischen Vaters, das himmlische Jerusalem, Berg Sion, die Stadt des lebendigen Gottes, das himmlische Vaterland n. s. f. — Der heilige Johannes schildert uns in seiner Offenbarung (21. Kap.) den Himmel unter dem Bilde „einer Stadt, die umgeben ist von einer großen, hohen Mauer aus den kostbarsten Edelsteinen, versehen mit zwölf Thoren aus zwölf Perlen. Und die Gassen der Stadt waren reines Gold. Und diese Stadt erleuchtet die Herrlichkeit Gottes, und ihre Thore sind Tag und Nacht nicht geschlossen; denn es wird keine Nacht dort sein. In ihr sind die Ehre uud die Herrlichkeit der Völker." Fr. Worin besteht die ewige Glückseligkeit, welche die Gerechten im Himmel genießen? Antw. Sie besteht 1) in der Anschauung Gottes. 2) im Besitze alles Guten und im Genüße ewiger Freuden und Herrlichkeit, und endlich 3) im Genüße der Gesellschaft aller Engel und Heiligen. 25 * 196 Erstes Hauptstück. Der Himmel und seine Freuden. Belehrung. O mein lieber Leser! Das ist eine unnennbare Seligkeit im Himmel; denn siehe, die Gerechten werden daselbst 1) Gott an schauen, d. h. sie werden ihn sehen, wie er ist, und werden mit ihm in inniger Liebe vereinigt sein. „Jetzt sehen wir," sagt der Apostel, „durch einen Spiegel räthselhaft; alsdann aber von Angesicht zu Angesicht;" „denn wir werden ihn sehen, wie er ist." O wer kann uns erklären, was das heißt: „Gott auschauen"! „Was sieht Der nicht," ruft der heilige Augustin aus, „der Alles in Gott, dem ewigen Lichte, schaut! Wenn wir Gott sehen, so sehen wir auch die himmlische Freude, die freudige Ewigkeit, die ewige Seligkeit u. s. f." Sonach ist mit dieser Anschauung und Liebe Gottes auch zugleich verbunden 2) der Besitz alles Guten, ewige Freude und Herrlichkeit. „Da wird Gott abtrocknen alle Thränen von ihren Augen. Der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Klage, noch Schmerz." (Offenb. 21, 4.) „Sie werden trunken werden vom Ueberflusse deines Hauses, (o Gott!) und mit dem Strome deiner Wonne wirst du sie tränken." (Ps. 35, 9.) „Was wird die Seele des Gerechten im süßen Paradiese besitzen?" fragt der heilige Bonaventura, und er antwortet: „Gesundheit ohne Krankheit, Jugend ohne Alter, Sättigung ohne Ueberdruß, Freiheit ohne Knechtschaft, Schönheit ohne Entstellung, Unsterblichkeit ohne Leiden, Ueberfluß ohne Mangel, Frieden ohne Störung, Sicherheit ohne Furcht, Wissenschaft ohne Schranken, Lob und Ehre ohne Tadel, Freude ohne Traurigkeit." — Dazu kommt noch, 3) daß wir Alles dieses genießen werden in der Gesellschaft aller Engel und Heiligen. „Dort sind die Myriaden von Engeln," ruft der heil. Ephrem aus, „dort die Throne der Apostel, die Sitze der Propheten, die Scepter der Patriarchen, die Kronen der Märtyrer, die Schaaren der Erzpriester und Priester, der Könige und Fürsten, die Wohnungen der Gerechten." In ihrer Gesellschaft werden wir überglücklich sein; denn wenn wir schon auf Erden uns so selig fühlen im Kreise frommer, edler Männer; um wieviel seliger werden wir nicht sein in der Gesellschaft aller Engel und Heiligen! — Und noch Etwas, mein lieber Leser! All diese Genüsse werden ewig dauern; denn „die Gerechten werden ewig leben." (Weish. 5, 10.) Und gerade dadurch werden die Himmelsfreuden erst wahre Freuden. Denn „cs ist unmöglich, daß man wahrhaft glücklich sei," sagt der heilige Bernhard, „wenn man nicht versichert ist von der Dauer des Glückes." Je größer das Gut ist, welches wir besitzen, desto schrecklicher ist der Gedanke, es verlieren zu müssen. Der Genuß aller zeitlichen Güter wird durch die traurige Gewißheit verbittert, daß man sie einst und vielleicht bald verlieren wird. Im Himmel ist dieß nicht mehr zu befürchten. Mit Recht können wir also sagen: „Der Himmel ist der Ort voll lauter Freud, frei von jedem Leid, durch die ganze Ewigkeit." Beispiel und Anwendung. An all diese Herrlichkeit und Seligkeit im Himmel erinnerte sich der heil. Fulgen- tius, als Italiens König Theodor ich in einem feierlichen Triumphe voll Pracht und fürstlicher Herrlichkeit, in Begleitung von tausend glänzenden Höflingen zum ersten Male in die Stadt Rom über den öffentlichen Platz Palma Aurea einzog. „Brüder!" rief Fulgentius bei diesem Anblicke freudig staunend seinen Begleitern zn: „Wie wonnevoll muß uns das himmlische Jerusalem einst glänzen, da schon die irdische Roma so schön ist! Und mit welcher Herrlichkeit wird Jesus Christus seine Bekenner und Heiligen im Himmel dereinst schmücken, wenn er hier auf Erden schon den Dienern schnöder Eitelkeit so großen Glanz bescheert!" Fr. Können wir diese ewige Glückseligkeit begreifen? Antw. Nein; „kein Auge hat es gesehen, kein Ohr gehört, und in keines Menschen Herz ist es gekommen, was Gott Denen bereitet hat, die ihn lieben." (I.Cor.2,9.)' ' Belehrung. Die Seligkeit des Himmels mit Worten zu schildern, das ist keiner menschlichen Zunge möglich, das ist keinem Erdenpilger gegeben. „Diese Glorie," sagt der heilige Augustin, „diese Schönheit, diese Majestät, die unsere Seligkeit sein wird, ist über alle Gedanken, Gefühle und Worte erhaben; was Gott seinen Freunden bereitet, übersteigt allen Glauben, übertrifft unsere Hoffnung und Liebe, unsere Wünsche und unser Verlangen. Diese Seligkeit kann man wohl erwerben, aber nicht genug schätzen; sie kann verdient, aber nicht beschrieben werden." Und schon lange vor ihm schrieb der heilige Paulus (1. Cor. 2, 9.): „Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr gehört, und es ist in keines Menschen Herz gekommen, was Gott Denen bereitet hat, die ihn lieben." Beispiel und Anwendung. Hierokles erzählt von einem blödsinnigen Manne, der auf den Straßen umherging und, wie cs die öffentlichen Ausrufer zu thun Pflegen, so laut als möglich schrie: „Ein Haus ist zu verkaufen!" So oft aber die Leute ihn fragten, was für ein Haus er meine, und wie es aussehe, zeigte er ein unförmliches Bruchstück von einem Ziegelstein vor, und sprach: „Hier ist ein Stück von dem Hause, das zu verkaufen ist; ihr könnt daraus entnehmen, wie das Ganze beschaffen." — Nicht unähnlich verhält es sich mit unsrer Ansicht und Kenntniß von dem großen Hause des Lichtes und der Herrlichkeit, das wir den Himmel der Seligen nennen. Es soll von uns erworben, errungen, verdient, erkauft werden; aber wir können es nicht erfassen, nicht schauen. All' unser Wissen ist überhaupt nur Stückwerk, was der Glaube von der jenseitigen Herrlichkeit uns lehrt; 197 Am Feierabende des 23. März. acht weit über unsre Vorstellungen hinaus; und sofern wir es versuchen wollen, den Himmel zu schildern, können wir auch nur das Bruchstück eines Ziegels vorzeigen anstatt des Palastes selbst, und mit dem heiligen Paulus müssen wir ausrufen: „Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr gehört und in keines Menschen Herz ist noch je eingedrnugen, was Gott Denen bereitet hat, die ihn lieben!" Fr. Werden die Seligen im Himmel alle in gleichem Maße glückselig sein? Antw. Nein; sondern „ein Jeder wird empfairgen gemäß seiner Arbeit," d. h. nach seinen Verdiensten. (1. Cor. 3, 8.) „Denn, wer sparsam säet, der wird auch sparsam ernten, und wer reichlich säet, wird auch reichlich ernten." (2. Cor. 9, 6.) Belehrung. Sowie der König nach errungenem ^ Siege seine treuen Diener verschieden belehnt nach dem Maße ihres Eifers und ihres Verdienstes; ebenso wird auch das Maß und der Grad der Seligkeit eines Jeden dort im Himmel verschieden sein nach dem Maße der Verdienste. Wie könnte auch ein gleich nach der Taufe gestorbenes Kindlein die nämliche Glorie im Himmel haben, wie der heil. Stephanus, der sich aus Liebe zu Jesus steinigen ließ! — Dadurch entsteht aber keine Eifersucht oder Mißgunst unter den Heiligen; denn es herrscht unter ihnen die Eintracht der Liebe. „Wenn ein Vater mehrere Söhne hat," sagt der heilige Franz von Sales, „und sie alle gleich kleidet, so beneidet der jüngere den altern nicht, weil er mehr Tuch bei seinem Kleide hat, als er; denn er weiß, daß es so sein muß. Ebenso wenig beneidet ein Heiliger im Himmel den andern um die größere' Glorie; sie sind ja Alle selig, und sie Alle wissen, daß ein Jeder genieße, was er verdient hat." Legende: Der heilige Victorian, Pro- consul zu Karthago und Märtyrer. (f 484.) Welch einen hohen Grad der Glorie wird nicht jener Heilige einnehmen, dessen Fest wir heute feiern, da er so freudig für Christus litt und starb! Es ist dieß der heilige Victorian, ein Bürger von Adru- metum, entsprossen aus einer sehr angesehenen Familie. Aus Achtung und besonderer Vorliebe ernannte ihn Hn- nerich, König der Vandalen in Afrika, welcher Arianer war, zum Befehlshaber von Karthago, mit dem Titel eines Proconsuls. Als er aber erfuhr, daß Victor! an Katholik sei, bot er Alles auf, um ihn zum Abfalle zu bewegen. Er ließ ihm melden, daß, wenn er seinen Befehlen Folge leisten wollte, und seine Religion annähme, er ihn als den liebsten seiner Diener anschen und ihn mit Gunstbezeigungen überhäufen werde. Victorian cntgegnete den Abgeordneten großmüthig: „Saget dem Könige, daß ich mein ganzes Vertrauen auf Jesnm Christum setze, und er mich also zu den Flammen, den wilden Thieren oder zu was immer für einer Marter nach Belieben verdammen könne. Niemals werde ich die katholische Kirche verlassen, in deren Schooß ich getauft worden bin. Gäbe es auch kein anderes Leben als das gegenwärtige, so möchte ich mich doch nicht einer Undankbarkeit gegen meinen Gott schuldig machen, den ich zu kennen das Glück habe, und der die kostbarsten Gnaden über mich ausgeschüttet hat." — Eine so unerschrockene Antwort brachte den Tyrannen in Wuth; und er verur- theilte Victorian zu den grausamsten Peinigungen. Der Heilige litt sie mit Freude und ward würdig, die Marthrerkrone davon zu tragen und die Freuden des Himmels zu erringen. Gebet. Wir bitten dich flehentlich, o Herr! laß auch uns so muthig und standhaft kämpfen, wie deinen treuer Diener Victorian, damit wir dereinst, wenn wir unfern Kampf siegreich gekämpft haben, eingehen können in die ewigen Freuden des Himmels, durch Christum unfern Herrn. Amen. 198 Erstes Hauptstück. iu.. Dreiimdachtzigstes Lesestück. Am Feierabende des 24. März. Mittel, den Himmel zu gewinnen. Fr. Durch welche Mittel können wir uns den Himmel und die himmlische Seligkeit erwerben? Antw. ES gibt hiezu verschiedene Mittel; wir können ihn gewinnen durch Gewalt, durch Kauf, durch ein stilles, frommes Leben, durch Armnth und Trübsal und besonders durch Sehnsucht und öftere Betrachtung des Himmels und seiner Freuden. Belehrung. Der heilige Bernhard sagt, man könne auf vierfache Weise zum Himmel gelangen. Die Einen reißen ihn mit Gewalt an sich, die Andern kaufen ihn, Andere Mittel, den Himmel zu gewinnen. stehlen ihn, Andere werden gleichsam dazu gezwungen. Die nehmen den Himmel mit Gewalt, welche Alles verlassen und Christo Nachfolgen; die kaufen ihn, welche zeitliche Güter aus Liebe zu Christo den Armen geben und sich hiedurch Schätze für den Himmel sammeln; die stehlen ihn, welche ihre guten Werke in der Nacht der Verborgenheit thun; Jene endlich werden gleichsam zum Himmel genöthigt, welche durch Ar- muth und durch das Feuer der Trübsal geprüft und gereinigt werden. Fr. Welches ist sonach das erste Mittel, den Himmel zu gewinnen? Atttw. Ein frommes, heiliges Leben. Belehrung. Wenn wir hienieden schon wie im Himmel wandeln; wenn wir bei all unserm Thun und Lassen nur Gottes Ehre, unsrer Seele Heil und unsrer Mitmenschen zeitliches und ewiges Wohl vor Augen haben; wenn wir kämpfen gegen unsere innen, Begierden und Neigungen, und Gewalt anwendcn, um das Himmelreich an uns zu reißen; wenn wir stets ernstlich bedenken, daß der Weg zum Himmel schmal und die Himmelsthüre enge sei; wenn wir uns bemühen, durch Werke christlicher Nächstenliebe uns einen Schatz im Himmel zu Hinterlegern so dürfen wir sicher darauf rechnen, daß uns Gott in seiner Liebe und Barmherzigkeit aufnehmen werde in die Wohnungen der himmlischen Glorie und Herrlichkeit. Beispiel und Anwendung. Ein solch frommes und heiliges Leben führte die heilige Elisabeth; sie wandelte auf Erden schon, wie im Himmel; ihr Herz war voll Liebe gegen Gott und ihre Mitmenschen. Alles, was sie hatte, gab sie den Armen, um sich einen Schatz im Himmel zu hinterlegen. (Sieh das obige Bild!) Als man ihr einst Borwürfe machte wegen ihrer allzngroßen Freigebigkeit gegen die Armen, antwortete sie: „Ich nmß die Nackten kleiden, damit mir Gott einst im Himmel das Gewand der ewigen Glorie und Herrlichkeit verleihe; ich muß speisen die Hungrigen, damit er mich sättige mit dem Ueberflusse seines Hauses; ich muß tränken die Durstigen, damit auch er mich einst tränke mit dem Strome seiner himmlischen Wonne." Und als man sie fragte, warum sie die schweren Prüfungen, die über sie kamen, so geduldig ertrage, entgegnete sie voll christlichen Hel- denmuthes: „Der Himmel leidet Gewalt, und nur die Gewalt brauchen, reißen ihn an sich." — Dabei wandelte sie stets vorsichtig auf dem schmalen Wege, der zum Himmel führt, und stellte sich diesen Weg so enge und gefährlich als nur möglich vor. „Wenn sich ein Wanderer," also pflegte sie zu sagen, „eine Brücke, über die er gehen soll, enger vorstellt, als sie in Wirklichkeit ist, so wird er nie ins Wasser fallen; wohl aber kann er in dasselbe stürzen, wenn er sich die Brücke weiter denkt als sie ist. Ebenso wird man, wenn man sich den Weg zum Himmel enger vorstellt, als er 199 Am Feierabende ist, gerettet werden; aber wenn man sich denselben zu weit denkt, verloren gehen." — O mein Christ! glaube mir's, wenn du so wandelst, wie die heilige Elisabeth, so hast du das zuverläßigste Mittel gefunden, den Himmel zu gewinnen. Fr. Welches ist das zweite Mittel, um den Himmel zu gewinnen? Antw. Die geduldige Ertragung der beiden und Triibsale dieses Lebens. Belehrung. Leiden und Trübsale sind der königliche Weg zum Himmel; denn wie Christus der Herr nur durch Leiden eingehen wollte in seine Herrlichkeit, so können auch wir nur durch Leiden gelangen zur ewigen Glorie und Herrlichkeit; nur vom Kalvarienberge aus fährt man auf in den Himmel. Beispiel und Anwendung. Als einst der heilige Franz Seraph sehr krank darniederlag, heftige Kopfschmerzen und dabei große Versuchungen litt, so daß er meinte, es nicht länger ertragen zu können, hörte er eine Stimme, die ihm zurief: „Franziskus! Wenn der Erdboden lauter Gold wäre, das ganze Meer ein köstlicher Balsam, alle Berge und Hügel lauter Edelsteine; würdest du nicht Alles gerne leiden, wenn du einen solchen Reichthum erobern könntest?" Und der Heilige antwortete: „O Herr! ich bin nicht würdig eines solchen Reichthnms." Da entgegnete die Stimme: „Wisse, daß das ewige Leben dieser Reichthum sei, welchen ich dir aufbewahrt habe, und daß diese Schmerzen, die du jetzt leidest, unterdessen das Pfand seien." Von nun an litt der heilige Franziskus alle Schmerzen mit der größten Geduld. — O wer sollte, mein christlicher Leser! nicht gerne Alles leiden, um dadurch die Freuten des Himmels zu gewinnen? Denn all die Leiden dieses Lebens stehen in gar keinem Vergleiche zu der künftigen Herrlichkeit, die uns im Himinel erwartet. Fr. Welches ist endlich das dritte Mittel, um die ewige Seligkeit des Himmels zu erreichen? Antw. Eine heilige Sehnsucht nach der himmlischen Herrlichkeit und ein oftmaliger frommer Aufblick zum Himmel. Belehrung. Wer sich oft nach der himmlischen Glorie sehnt, und wer oft den Himmel und seine unvergänglichen Schätze betrachtet, der muß einen Eckel an allem Irdischen empfinden und getrost der einstigen Vergeltung entgegensetzen. „Sieh die Böglein an," sagt der heilige Augustin; „wenn sie sich recht hoch in die Lüfte erheben, kann sie der Jäger nicht erreichen. So bist auch du, wenn deine Gedanken allzeit auf den Himmel gerichtet sind, sicher vor der Eitelkeit der Welt." Wer oft nach dem Himmel sich sehnt, wird auch nach und nach zur Höhe desselben sich erschwinge». des 24. März. Beispiel und Anwendung. Die vornehmen Inden trugen, während sie sich in der Babylonischen Gefangenschaft befanden, an einem Finger der rechten Hand einen goldenen Ring, auf welchem der Name der Stadt- Jerusalem Angeschnitten war, und wenn sie den Druck der Gefangenschaft recht tief empfanden, so schauten sie auf den Ring, um sich durch das Andenken an Jerusalem zu trösten. Auch wir leben in einem fremden Lande und unter dein Drucke vielfachen Elendes, das mit jedem Tage wechselt. Wenn nun die Inden in ihrem Elende schon darin Trost fanden, daß sie an die Stadt Jerusalem dachten: saget an, meine Christen! werden wir dann in unfern Leiden und Widerwärtigkeiten einen nicht noch weit größern Trost finden, wenn wir an das himmlische Jerusalem denken, diese ewige Stadt Gottes, in welcher seine Auserwählten eine Freude genießen werden, die all' unfern Begriff übersteigt und nie endet? Lasset uns daher eine heilige und heiße Sehnsucht im Herzen tragen nach dem himmlischen Jerusalem, damit wir einst darin wohnen und ewig uns erfreuen dürfen in Gesellschaft aller heiligen Engel, an deren Spitze jener heilige Erzengel steht, dessen Fest heute in der Kirche gefeiert wird. Legende: Der heilige Erzengel Gabriel. Dieieu Heiligen Erzengel finden wir bei den wichtigsten Rathschstissen Gottes mit dem Menschengeschlechts beschäftigt; ihn hatte Gott der Herr zum besonder» Werkzeuge hiebei ansersehen. So erscheint er dem Propheten Daniel und gibt ihm Aufklärung über die göttlichen Geheimnisse; dem Zacharias erscheint er beim Ranchaltar und kündigt ihm die Geburt, die Größe und Bestimmung des heiligen Johannes an; der seligsten Jungfrau Maria erscheint er und spricht: „Gegrüßt seist Du, voll der Gnaden, der Herr ist mit Dir, Du bist gebenedeit unter den Weibern!" Als aber Maria hier- 20V Erstes Hauptstück. Die über erschrack, sprach der Engel zu ihr: „Fürchte Dich nicht, Maria. Dn hast Gnade gefunden bei Gott! Siehe, Dn wirst empfangen in deinem Leibe und einen Sohn gebären, und Dn sollst seinen Namen Jesus heißen. Dieser wird groß sein und der Sohn des Allerhöchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird herrschen im Hause Jakobs ewiglich, und seines Reiches wird kein Ende sein." Die heilige Jungfrau zweifelt nicht an der Erfüllung dessen, was der Engel ihr verkündet; aber da sie die beständige Keuschheit gelobt hatte, wünschte sie zu wissen, wie diese mit der glorreichen, ihr verheißenen Mutterschaft zu vereinigen sei. Darum sprach zu ihr der Engel Gabriel: „Der heilige Geist wird über Dich kommen, und die Kraft des Allerhöchsten Dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das aus Dir geboren werden soll, Sohn Gottes genannt werden." Um die Wahrheit der wunderbaren Geburt des Erlösers zu bestätigen, führt der Engel die wunderbare Empfängniß der Elisabeth an. Und so erscheint der heilige Erzengel Gabriel als ein anserwähltes Werkzeug Gottes im großen Werke der Erlösung. Gebet. O Gott, der dn vor allen heiligen Engeln den Erzengel Gabriel deine Menschwerdung zu verkünden erwählt hast; verleihe gnädiglich, daß wir, die wir sein Fest hienieden feiern, einst im Himmel seinen Beistand erfahren und uns in der ewigen Glorie erfreuen dürfen, durch Jesum Christum, unfern Herrn. Amen. Vierundachtzigstes Lesestück. Am Feierabende des 25. März. Die Hölle und ihre Qualen. Fr. Welches wird ewig das Leben des Gottlosen sein? Antw. Es wird ewig ein Leben ohne Gnade und Freude sein, ein Leben voll unaussprechlicher Qualen. Belehrung. Wie die Gerechten ewig und zwar unaussprechlich selig leben werden, so werden auch die Gottlosen, nämlich Diejenigen, welche in der Feindschaft Gottes, d. h. in einer Todsünde dahinsterben, ewig leben, aber ein Leben ohne Gnade und Freude, ein Leben voll unaussprechlicher Qualen, ein Leben, das eigentlich kein Leben, sondern der schrecklichste Tod genannt zu werden verdient. Daher heißt aber auch dieses Leben in der heiligen Schrift (Offenb. 21, 8.) der zweite, der ewige Tod. „Den Feigen und Ungläubigen, und den Verruchten und den Mördern, und den Unzüchtigen und den Zauberern und den Götzendienern und allen Lügnern — denen wird ihr Theil sein im Hölle und ihre Qualen. Pfuhl, der mit Feuer und Schwefel brennt — es ist der zweite Tod." Fr. Wo werden die Gottlosen dieses ihr so qualvolles Leben zubringen? Antw. In der Hölle. Fr. Gibt es denn eine Hölle? Antw. Ach ja, es gibt eine Hölle; in der heiligen Schrift ist dieß unwiderlegbar deutlich ausgesprochen. Belehrung. Das Dasein der Hölle und ihre Beschaffenheit wird uns zur Genüge in der heiligen Schrift darge- than. Sie wird uns geschildert als ein Ort der Qual (Luk. 16, 28.), wo „die Verdammten gequält werden Tag und Nacht in alle. Ewigkeit." (Offenb. 20, 10.); als eine ewige Pein, „die Verdammten werden eingehen in die ewige Pein" (Matth. 25, 46.); als ein unauslöschliches Feuer, „ es ist dir besser, lahm in das ewige Leben einzuge- hen, als zwei Füße zu haben, und in die Hölle geworfen zu werden, in's unauslöschliche Feuer" (Mark. 9, 45.); als die äußerste Finsterniß, wo Heulen und Zähneknirschen ist, „die Kinder des Reiches werden in die äußerste Finsterniß hinausgeworfen werden; da wird Heulen und Zähneknirschen sein." (Matth. 8, 12.) Auf die Worte der heiligen Schrift- gestützt, ' Am Feierabende des 25. März. Svl hat daher die heilige katholische Kirche stets das Dasein der Hölle gelehrt, und alle Jene als Ketzer verdammt, welche sie läugnen wollten. Beispiel und Anwendung. Wer das Dasein der Hölle läugnet, der lebt sicherlich gottlos; denn er läugnet sie nur deßhalb, weil er sie fürchten muß. Als man einst Jemanden fragte, warum er an keine Hölle glaube? so antwortete er: „Wenn ich das glauben würde, so müßt' ich selbst hinein, und darum glaub' ich's nicht." — Es gibt ja Biele unter den Menschen, ja sogar unter den Christen, die sich gerne bereden möchten, daß es keine Hölle gebe, damit sie um so ungestörter fortsündigen können. Traue ihnen nicht, mein christlicher Leser! sie wandeln den Weg des Verderbens. Fr. Welche Strafen und Qualen werden die Verdammten in der Hölle leiden müssen? Antw. Sie werden unaussprechliche Strafen und Qualen leiden müssen; denn 1) werden sie der göttlichen Anschauung beraubt; 2) werden sie an Leib und Seele unaussprechlich gefoltert und gequält; 3) müssen sie in der häßlichen Gesellschaft der Teufel und der Verdammten leben, und Alles dieses dauert 4) ewig, ohne Trost, ohne Linderung, ohne Ende. (Sieh das vorhergehende Bild!) Belehrung. O du, mein Gott! wer kann wohl die Qualen der Hölle schildern? Wer kann aufzählen all die furchtbaren Strafen der Verdammten? So wenig man die Glückseligkeit der Auserwählten im Himmel schildern kann, ebenso wenig kann man all die Strafen beschreiben, welche die Verdammten iu der Hölle leiden müssen. Dennoch wollen wir, so weit es uns möglich ist, dieselben näher betrachten. Möchte uns hiebei ein heilsamer Schrecken ergreifen! Fr. Worin besteht die erste Strafe und Qual der Hölle? Antw. Darin, daß die Verdammten der Anschauung Gottes beraubt und ausgeschlossen sind aus der Gesellschaft der Seligen. Belehrung. Aus dem Munde des ewigen Richters ergeht an die Verdammten das furchtbare Urtheil: „Weichet von mir, ihr Vermaledeiten! in's ewige Feuer!" (Luk. 13,27.) Sobald der Sünder diese Welt verlaßen hat und vor den Thron des höchsten Richters getreten ist, hat er die ganze Schönheit Gottes gesehen; er hat alle seine Güter begriffen; denn der Himmel, wo er regiren sollte, hat sich geöffnet, und er hat für einen Augenblick dessen Herrlichkeit geschaut. Ach! er muß sich davon trennen, und diese Trennung wird ewig dauern! Welcher entsetzlicher Verlurst! Welche qualvolle Reue wird mit diesem Verlurste verbunden sein! — Ebenso Mehler, Hausbuch. wird der Verdammte auch ausgestoßen aus der Gesellschaft allerSeligen im Himmel; darum sprach Abraham zu dem reichen Prasser in der Hölle: „Es ist zwischen uns und euch eine große Kluft, so daß die, welche von hier zu euch hinübergehen wollen, nicht können, und die, welche von dort herübergehen wollen, auch nicht können." (Luk. 16, 26.) Beispiel und Anwendung. Als David den Ab- salon verurtheilte , nimmermehr vor ihm zu erscheinen, da war diese Strafe für Absalon so groß, daß er antwortete: „Saget meinem Vater, er möchte mir entweder erlauben, sein Angesicht wieder zu seben, oder er soll mich tödten lassen!" (2. Kön. 14, 24.) Als einst Philippus II. in der Kirche einen Großen seines Reiches unehrerbietig dastehcn sah, sagte er zu ihm: „Nimmermehr sollen Sie vor mir erscheinen!" Dieses schmerzte nun diesen Großen so sehr, daß er, nach Hause gekommen, vor Schmerzen starb. Wie groß muß da erst der Schmerz der Verdammten sein, wenn Gott ihnen sagen wird: „ Gehet fort von mir! Ich will euch nicht mehr sehen!" — Ach ja, mein Christ! Gott verloren zu haben, das ist ein namenloser Verlurst. Nicht die Hölle, nicht die Finsternisse, nicht das Feuer machen die Hölle aus; die Pein, welche die Hölle ausmacht, ist der Schmerz, daß man Gott verloren hat; es ist dieß, wie der heilige Bernhard sagt, „eine Pein, die so groß, als Gott selbst ist, d. h. sie ist unendlich." Und du, o Mensch! kannst fernerhin noch sündigen und so leichtsinnig deinen Gott verlieren?! — Fr. Welches ist die zweite Strafe der Hölle? Antw. Eine zweite Strafe der Hölle besteht darin, daß die Verdammten in der Hölle an Leib und Seele unaussprechlich gefoltert und gequält werden. Belehrung. Ja, sie werden Unaussprechliches leiden müssen 1) am Leibe; denn Gott der Herr wird sie in den Feuerofen Wersen, „wo Heulen und Zähneknirschen sein wird." (Matth. 13,41.) „Heulen und Zähneknirschen herrscht in der Hölle," sagt der hl.Gregor derGroße; „die Zähne müssen knirschen, die sich hier des Frasses freuten; die Augen müssen weinen, die hier lüstern nach unerlaubten Dingen herumrollten; alle Glieder müssen der Pein unterliegen, wenn sie sich solchen Lastern unterwarfen, die man mit jedem Glieds besonders begehen kann." — 2) Aber auch die Leiden der Seele werden unaussprechlich sein; denn innere Qual und Verzweiflung wird die Verdammten foltern bei dem Gedanken an all das Böse, das sie gethan, und an die vielen Gnaden, die sie mißbraucht haben; unaussprechliche Betrübniß und Trostlosigkeit wird sie erfüllen, weil sie die Glückseligkeit des Himmels durch eigene Schuld verloren haben! „Ihr Wurm wird nicht sterben." (Jsai. 66, 24.) Beispiele und Anwendung. Der Pater L mant wurde von Irokesen gefangen. Diese Wilden 26 202 Erstes Hanptstück. Von der um seinen Leib dürre Baumrinden und zündeten sie an. Er war noch jung und stark, und widerstand daher der Wirkung des Feuers eine geraume Zeit. Nun rissen ihm die wüthen- den Irokesen beide Augen aus und unterhielten siebenzehu Tage lang unter und neben ihm glühende Kohlen. Welch'eine Todesstrafe! Ist aber das die Marter der Hölle? Nein! In der Hölle ist der Verdammte in einen Feuerteich versenkt. „Du wirst sie wie in einen Feuerofen legen." (Ps. 20, 9.) Das Blut siedet ihm in den Adern, das Mark in den Gebeinen. — Eine der furchtbarsten Qualen für die Verdammten sind aber ganz besonders die ewigen Vorwürfe des Gewissens, wodurch sie beständig an ihre Laster und Verbrechen erinnert werden. Die heilige Schrift nennt dieß den Wurm, der nicht stirbt. — Zur Zeit, als Clemens VIll. auf dem apostolischen Stuhle saß, wurde ein Scheintodter in der Kirche St. Maria de Monticelli beigesetzt. Unten in der Gruft erwachte er, schrie vergeblich um Hilfe, tappte im Dunkeln herum, stieß an Todtengebeine, und war endlich der Verzweiflung nahe, als, noch zur rechten Zeit, ihm Rettung wurde, indem man einen Leichnam in die Gruft brachte. Man fragte ihn nachher, was für Träume oder Phantasiebilder während seiner Bewußtlosigkeit ihm vorgeschwebt? Und er erwiederte ohne Hehl: „Ich habe in meiner Jugend im Zorne einen Mord begangen; dieß wurde unaufhörlich mir vorgeworfcn; immerfort hörte ich die Drohung: „Wohlan, du Verräther! die Zeit ist da, deine Strafe zu empfangen!" — Das ist die Qual der Verdammten. O furchtbare Qual der Hölle! Dank dem Himmel, daß wir noch leben, daß feue Nacht für uns noch nicht hereingebrochen ist, in der Niemand mehr wirken kann! Eifrig wollen wir die Gnadenfrist benützen, die uns der Herr noch schenkt, und sogleich wollen wir zur seligsten Jungfrau Maria unsere Zuflucht nehmen, auf daß sie uns ihre Hand reiche und uns abziehe vom Wege des Verderbens. Feiern wir ja heute eines der schönsten Marienfeste: Mariä Verkündigung. Legende: Mariä Verkündigung. Mariä, der von Gott auserwählten Jungfrau, wird heute durch den Erzengel Gabriel (sieh die gestrige Legende!) angekündigt, daß sie vom heiligen Geiste empfangen und den >sohn des Allerhöchsten gebären werde. So sehr dieser Antrag des Engels über alle Begriffe der keuschen Jungfrau war, so demüthig unterwarf sie sich den Fügungen Gottes und sprach: „Sieh! ich bin eine Dienerin des Herrn; mir geschehe nach deinem Worte!" Heute ist also das Wort Fleisch geworden, um uns zu erlösen von der Sünde, vom ewigen Tode und von den Qualen der Hölle. O ewig anbetungswürdiges Geheimniß! Nun dürfen wir die Hölle nicht mehr fürchten, wenn wir nur nicht säumen, die Früchte der Erlösung uns zu Nutzen zu machen. Gebet. O Gott, der du gewollt hast, daß die seligste Jungfrau Maria auf die Verkündigung deines Engels deinen eingebornen Sohn empfange, wir flehen kindlich zu Dir, laß uns ihren heiligen Wandel nachahmen, Ewigkeit der Höllenstrafen. auf daß wir den Qualen der Hölle entgehen und zur ewigen Seligkeit gelangen, durch ebendenselben Jesum Christum deinen Sohn, unfern Herrn. Amen. XX X X X^xdX Fmlfundachtzigstes Lesestück. Am Feierabende des 26 . März. Von der Ewigkeit der Höllenstrafen. Fr. Wodurch werden die Qualen der Hölle noch mehr erhöht? Antw. Dadurch, daß die Verdammten all diese Strafen und Qualen leiden müssen in der häßlichen Gesellschaft der Teufel und Mitverdammten. Belehrung und Beispiele. Wie sehr müssen die Qualen der Hölle nicht erhöht werden dadurch, daß die Verdammten sich von Niemanden umgeben sehen, als nur von den Teufeln und den übrigen gottlosen Bewohnern der Hölle! Ach, wer wäre wohl im Stande, auch nur ein schwaches Bild hievon zu entwerfen? Wahrlich, kein Bild, kein Gleichnis; erreicht die Wirklichkeit. Als die heilige Brigitta, wie man in ihren Schriften liest, eines Tages den Herrn fragte, warum die Teufel nicht sichtbar erscheinen, sagte der Herr: „Wenn ihre entsetzliche Häßlichkeit gesehen würde, wie sie an sich selbst ist, so würde die Seele des Zuschauers von Sinnen 203 Am Feierabende des 26. März. «M kommen; sein Leib würde zittern und beben, er würde vor Furcht sterben." Und die Verdammten sehen nicht Einen Teufel, sondern unzählige Teufel! Gerne möchten sie ihre Augen verschließen, aber es ist umsonst; sie möchten selbe Herausreißen, aber sie vermögen es nicht. Immerdar müssen sie die häßlichen Leiber der Mitverdammten und die schreckbaren Gestalten der Teufel sehen. Welch eine furchtbare Qual! Fr. Wodurch endlich wird die Hölle erst recht eigentlich zur Hölle? Antw. Dadurch, daß die Höllenstrafen ewig sind. Belehrung. Furchtbare Wahrheit: „Die Höllenstrafen dauern ewig." „Aus der Hölle gibt es keine Erlösung," sagt die heilige Schrift. Ist der Verdammte in den Abgrund der Qualen gestürzt, so schließt sich dessen Mündung und wird nimmermehr sich öffnen. In der Hölle gibt es wohl ein Thor zum Eintritte, aber kein Thor zum Austritte. Hinunter wird man wohl kommen, nicht aber herauf; denn die Strafen der Hölle dauern ewig! — Diese Ewigkeit der Höllenstrafen ist aber ein Glaubenssatz; cs ist nicht etwa eine bloße Meinung, sondern eine Wahrheit, die Gott selbst uns in so vielen Schriftsteller! bezeugt: „Weichet von mir, ihr Verfluchten, in's ewig ». Feuer!" (Matth. 25, 41.) „Und diese werden in die ewige Pein eiu- gehen." (Ebenda.) „ Sie werden mit dem ewigen Untergänge bestraft werden." (2. Thess. 1, 9.): „Tag und Nacht erlöscht es nicht (das Feuer); ewig steigt sein Rauch empor." (Jsäi. 34.) Ewig also dauert die Strafe der Hölle, und gerade dadurch wird sie zu einer Höllenstrafe. Wer einmal verloren geht, geht für immer verloren! Ach, wie lange dauert dieses Immer? Niemand kann dir dieses schildern, mein christlicher Leser! Nur in schwachen Zügen kann man dir einige Andeutungen hievon geben. Beispiel und Anwendung. Ein berühmter Missionär, mit Namen Jakob Bridain, besaß eine volksthümlichs Beredsamkeit voll Begeisterung und rührender Bilder. Als er einst über den Tod predigte, rief er mit seiner starken und Hellen Stimme, so daß zehntausend Menschen auf freiem Felde ihn verstehen konnten: „Wohlan, wisset ihr, was die Ewigkeit ist? Die Ewigkeit ist eine Pendeluhr, woran der Pendel bei Grabesstille ohne Aufhören nur die beiden Worte spricht: „Allzeit! immer! Allzeit! immer!" Und wenn während dieser stets von Neuem wiederkehrenden Zeit ein Verworfener in entsetzlicher Augst fragt: „Wie viel Uhr ist es?" Dann antwortet ihm die Stimme eines andern Elenden: „Es ist Ewigkeit."— So oft Kaiser Karl V., nachdem er die Herrlichkeit der Welt verlassen und sich in ein Kloster zurückgezogen hatte, seine Uhren betrachtete, dachte er jedesmal an die Ewigkeit der Höllenstrafen, und es kam ihm vor, als ob die Pendel seiner Uhren unaufhörlich die Worte wiederholten: „Immer," „Nimmer!" (Sieh daö obige Bild!) — O mein Christ! wüßtest du nur, was es sagen wollte, „Ewigkeit — ewig leiden," so würdest du wohl begreifen, daß tausend Jahre nicht Einmal mit einem Augenblicke zu vergleichen seien. Würde ein Engel zu einem Verdammten sagen: „Du wirst aus der Hölle kommen nach Verlauf so vieler Jahrhunderte, als es Tropfen im Wasser, als es Blätter auf den Bäumen, als es Sandkörner im Meere gibt," so hätte der Verdammte eine größere Freude, als ein Bettler bei der Nachricht, er sei König geworden. Denn all diese Jahrhunderte werden vorübergehen und sich unendliche Male vervielfältigen, und die Hölle wird immer wieder von vorne anfangen. — O Ewigkeit! o Ewigkeit! o ewige Hölle! Wie ist es möglich, daß die Menschen an dich glauben und doch sündigen? O mein Christ! bedenke, daß die Hölle auch dich erwartet, wenn du sündigest. Schon brennt unter deinen 26 * 204 Erstes Hauptstück. Mittel, der Hölle zu entgehen. Füßen bas ewige Höllenfeuer, und ach! in diesem Augenblick, da du dieß liesest, wie viele Seelen werden von demselben verschlungen! Bedenke, daß, wenn du einmal in der Hölle angelangt bist, du dieselbe nie wieder verlassen wirst. Und wenn du etwa die Hölle schon verdient hast, o so danke Gott, daß er dich noch nicht in dieselbe gestoßen hat, und eile, eile, um das Nebel soviel als möglich gut zu machen, beweine deine Sünden, und wende alle Mittel an, d7 denkt. So oft dich also die Welt, das Fleisch oder der Teufel zur Sünde reizt, da waffne dich jedesmal mit dem Gedanken an den Tod und das Gericht, an denHim- mel u. an die Hölle, und du wirst vor der Sünde zurückbeben, wie vor einer giftigen Schlange. Belehrung. Aber nicht nur vomBö- s e n schreckt uns der Gedanke an die vier letzten Dinge zurück, sondern er ermuntert uns auch zum Guten. Darum sagt wiederum der heilige Ambrosius: „Durch den Gedanken an die vier letzten Dinge, durch dieses sehr einfache und leichte Mittel wirst du dir jeden Tag eine unsterbliche Krone im Himmel erwirken." Wie sehr stärkte sich nicht durch dieses Andenken der heilige Paulus im heißesten Kampfe! (1. Cor. 9, 27.) Beispiel und Anwendung. Welch bewunderungswürdige Fortschritte machte nicht der heilige Hieronymus in der christlichen Tugend und Vollkommenheit! Wodurch? Einzig und allein durch die eifrige Betrachtung der vier letzten Dinge. Zu diesem Zwecke hatte er sich ans dem Getümmel der Welt zurückgezogen und in die wildeste Einöde verschlossen; viele Jahre wohnte er da unter den Thieren des Waldes und führte ein überaus strenges Leben. Und als man ihn um die Ursache seines strengen Lebens fragte, so antwortete er: „Ich tödte mich ab, damit mich einst nicht der Tod tödte; ich richte mich selbst, damit ich einst nicht beim jüngsten Gerichte verurtheilt werde; ich schließe mich ein in diese Höhle, damit ich einst nicht cingeschlossen werde in jene furchtbare Hölle, wo Heulen und Zähneknirschen sein wird; ich versage mir die Freuden der Welt, damit mir einst nicht versagt werden mögen die Freuden des Himmels." — Ahme nach, mein Christ! dieses erhabene Beispiel des heil. Hieronymus und betrachte oft die vier letzten Dinge; dadurch wirst du mehr und mehr in der Tugend und christlichen Vollkommenheit zunehmen und dir eine unsterbliche Krone im Himmel erwerben, wie jener Heilige, dessen Andenken wir heute feiern, und von dem uns soviel Schönes erzählt die Legende: Der heilige G u n t r am, König von Burgund, (ch 593.) Der heilige Guntram war ein Sohn Clotars l. und ein Enkel CH lodwi gs I. und der heiligen Clotild. Im Jahre 561 wurde er als König von Orleans und WM-K- MUß 208 Erstes Hauptstück. Burgund gekrönt, und nun zierte ihn seine Frömmigkeit nicht minder, als seine KönigSlrone. Seine Reichthümer verwendete er nur zur Unterstützung der Armen und zur Erbauung und Ausscknnücknng der Kirchen. Dieser tugendhafte Fürst war von besonderer Ehrfurcht durchdrungen Von den vier letzten Dingen. gegen die Bischöfe, die er als seine Väter ansah, als seine Lehrmeister ehrte und zu Rathe zog. Seine unbegrenzte Liebe gegen die Armen bewährte sich besonders zur Zeit der Pest und Hnngersnoth. Er gab nicht nur die ausdrücklichsten Befehle, daß man den Kranken auf alle mögliche Weise beispringen sollte, sondern bestrebte sich auch selbst durch Gebete und Fasten den göttlichen Zorn zu besänftigen; Tag und Nacht lag er in frommer Andacht und besonders in häufiger Betrachtung der letzten Dinge vor Gott und flehte unter Thränen der Nene um Gnade und Verzeihung und um Befreiung von einer Plage, die er als eine Strafe seiner Sünden betrachtete. — Dieser gute und heilige Fürst starb am 28. März 593, im 68. Jahre seines Lebens und im 32. seiner Regierung. Sein Grab wurde durch viele Wunder verherrlicht. Gebet. Verleihe uns, o Gott! daß auch wir unter Thränen der Nene, wie der heilige König Guntram, recht oft die vier letzten Dinge des Menschen betrachten mögen, damit wir, hiedurch heilsam erschüttert, vor der Sünde znrückbeben und die Tugend immer mehr lieb gewinnen und ausüben, durch Christum unfern Herrn. Amen. Zweites Hanptstück. A--W M M-'' SM« ^WM. U « MM i> ^ IMS ^ ^w,v^v. VL_Q ^XWvQv^^ Wie wir zu Gott reden sotten. WM SE! Zweites Hanptstück. wie wie zu Zoll reden sotten, oder die Lehre vom Gebete. Achtundachtzigstes Lesestück. Am Feierabende des 29. März. Bedeutung und Eintheiluug des Gebetes. Fr. Was wurde im ersten Hauptstücke unsers christkatholischen Haus- und Familienbuches behandelt? Antw. Die wichtige Frage: „Wie Gott zu uns geredet hat"; es wurde gezeigt, wie liebevoll sich uns Gott geoffeubart habe, und wie Alles dieß kurz im apostolischen Glaubensbekenntnisse enthalten sei. Fr. Wovon handelt nun das zweite Hanptstück? Antw. Es handelt vom Gebete; es wird da die wichtige Frage ausführlich beantwortet: „Wie wir zu Gott reden sollen." Fr. Können wir denn zu Gott reden? Antw. Freilich; wir können kindlich und vertrauensvoll zu Gott reden im Gebete; denn das Gebet ist eine Erhebung des Gemüthes zu Gott oder, was dasselbe ist, eineUnterrednng mitGott. (Sieh das große Bild!) Belehrung. Ja, das Gebet ist eine Erhebung des Gemüthes zu Gott. Daher sagt der heiligeAugu- stin: „Was ist das Gebet Anderes, als ein Aufsteigen der Seele vom Irdischen zum Himmlischen, ein Aufsuchen dessen, was oben ist?" Das Gebet ist eine Unterredung mit Gott; denn beten heißt nichts Anderes, als mit Gott reden. »Es ist ein vertraulicher Umgang, eine Vereinigung des Menschen mitGott," sagt der heilige Johannes Climakus. Beten können nur die edelsten Wesen, die Engel und Menschen. Sonne, Mond und Sterne, die Thiere der Erde und alle andern Wesen sind zwar auch Geschöpfe Gottes und zu seiner Verherrlichung erschaffen; aber beten können sie nicht. Welch ein tröstlicher Gedanke: Wir können zu Gott reden! Wir können mit ihm sprechen im frommen, kindlichen Gebete! Seitdem die erste Sünde begangen wurde, und das Paradies geschlossen ist, haben wir kein anderes Mittel mehr, mit Gott in Verkehr zu treten und seine liebliche Stimme zu vernehmen, als nur das Gebet. Beispiel und Anwendung. Der heilige Franz von Sales, Bischof zu Genf, erklärte einst den Kindern die Freuden der ersten Eltern im Paradiese. „Eine ihrer süßesten Freuden," sprach er, „war die, daß Adam und Eva mit dem lieben Gott selbst umgehen, und mit ihm wie mit einem liebevollen Vater reden durften." — Da rief nun ein Knabe aus: „Ach! wie Schade, daß es jetzt nicht mehr so ist! Wie gerne möchte ich mit Gott selbst reden, und wie schön wäre es, mit ihm umgehen zu können!" Der heilige Bischof war hierüber sehr erfreut, lächelte über diesen wehmüthigen Ausruf des Knaben und sprach: „Sei getrost, mein Kind! wenn uns auch das Paradies durch die erste Sünde verloren ging, den lieben Gott selbst haben wir doch nicht verloren; überall ist er uns nahe, und zu jeder Stunde und an jedem Orte können wir mit ihm reden — nämlich im Gebete. Im Gebete können wir mit Gott Umgang pflegen, wie Kinder mit ihrem liebevollen Vater!" — Freue dich also, mein Christ! Im Gebete haben wir ein Mittel, mit Gott zu reden und zu verkehren und bei ihm Trost und Freude, Ruhe und Besclig- ung zu finden! Fr. Warum reden wir denn im Gebete zu Gott? Antw. Um ihn entweder zu loben oder ihm zu danken oder ihn um eine Gnade zu bitten; daher gibt es ein Lob-, Dank- und Bittgebet. Belehrung. Wir reden im Gebete zu Gott, um ihn 1) zu loben. Gott loben aber heißt, an Gott sich erfreuen wegen seiner unendlichen Vollkommenheit und ihn dcßhalb preisen und anbeten. Es ist unsere heiligste Pflicht, Gott den Herrn zu loben; denn dazu sind wir erschaffen, und einst im Himmel wird es unser ewiges Geschäft sein; dort werden wir in jenes: „Heilig, heilig, heilig!" einstimmen, durch welches die himmlischen Chöre Gott den Herrn ewig loben und preisen. (Offenb. 4.) — Wie wir Gott loben müssen wegen 212 Zweites Hauptstück. Bedeutung und Eintheilung des Gebetes. seiner unendlichen Vollkommenheit, so müssen wir ihm 2) auch danken für all' die Beweise seiner unaussprechlichen Liebe, für alle Gnaden und Wohlthaten, die er uns in so reichem Maße schenkt. Undank ist ein abscheuliches Laster, die Dankbarkeit aber das beste Mittel, neue Wohlthaten zu erlangen. „So freigebig ist Gott," sagt der heilige Chrysostomus, „ daß er uns um so mehr Wohlthaten erweiset, wenn er sieht, daß wir das Geschenkte gut und mit Dank annehmen." Eva dankte Gott für die Geburt Kain's, und Gott gab ihr dafür noch etwas Besseres, nämlich Abel, den Gerechten. — Endlich reden wir im Gebete auch noch deßhalb zu Gott, um ihn 3) um seine Gnade zu bitten. Hiezu fordert uns Christus selbst auf, indem er sagt (Luk. 11, 9.): „Bittet, so wird euch gegeben werden; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgethan!" Wer also nicht bittet, wird auch Nichts empfangen. Beispiele und Anwendung. Die heilige Schrift ist voll von Lob-, Dank- und Bittgebeten. So lobt und preist der große König David Gott den Herrn unaufhörlich in seinen Psalmen. „Des Herrn Lob soll sprechen mein Mund," ruft er aus, „und alles Fleisch soll Preisen seinen heiligen Namen ewig, ja immer und ewig!" (Ps. 144, 21.) „Erzählen will ich, Herr! alle Deine Wunder, mich freuen und frohlocken in Dir, lobsin- g c n Deinem Namen, Allerhöchster!" (Ps. 9,2—3.) Die drei Jünglinge im Feuerofen zu Ba- , bhlon lobten und priesen und dankten Gott und riefen: „Lobet und erhebet den Herrn über Alles in Ewigkeit; denn er befreite uns mitten aus der brennenden Flamme!" (Daniel 3, 88.)— So auch die seligste Jungfrau: „Hoch preiset meine Seele den Herrn, und mein Geist frohlocket in Gott meinem Heilande; denn Großes hat an mir ge- than, der da mächtig ist." (Luk. 1, 48 — 49.) Und der heilige Paulus fordert Alles auf zum Lobe Gottes mit den Worten (Ephes. 5, 19.): „Singet und jubelt dem Herrn in euern Herzen!" — Und wie schön vereinigte nicht König Alphon s von Arragonien all diese Arten des Lob-, Dank- und Bittgebetes mit einander, indem er betete: „Ich preise deinen heiligen Namen, o Herr! und danke dir im Gefühle meiner Niedrigkeit, daß du mich nicht unter die Zahl der vcrnunftloscn Thiere gesetzt, sondern zu einem Menschen, ja noch mehr, zu einem Christen und überdieß zum Beherrscher eines Königreiches gemacht hast, worin ich das Werkzeug deiner Wohlthätigkcit sein kann. Ich bitte dich, verleihe mir deine Gnade, damit ich die großen Pflichten meines Berufes treu erfülle!" — So sollen auch wir, mein christlicher Leser! den Herrn stets loben und Preisen, ihm danken für all seine Gnaden und Wohlthaten und alle Tage ihn wieder um neue bitten, da wir ja selbe bei unserer Schwachheit so überaus nothwendig brauchen. Legende: Der heilige Abt Eustasius, (fl 628.) .Das Leben dieses Heiligen war ein beständiges Lob-, Dank- und Bittgebet; denn das Gebet war sein Leben und seine Freude. Er stammte aus einer adeligen Familie in Burgund und war ein Lehrjünger des heiligen Columban. Unter der Hand eines solchen Geleitsmannes gewann er bald den Geist des Gebetes, der Demuth, der Entsagung und gänzlichen Abtödtung. Im Jahre 611 sah er sich, als Nachfolger des heiligen Columban, an der Spitze von 600 Mönchen, die ihn alle als ihren Vater verehrten. Sein Eifer ließ sich nicht durch die Mauern seines Klosters beschränken; er predigte das Evangelium den Bewohnern der Franche-Comts, unter denen Viele in den Finsternissen des Un- und Irrglaubens schmachteten. Im Jahre 617 kam er als Glaubensprediger auch nach Bayern, und nachdem sich eine Menge von frommen und heiligen Männern um ihn gesammelt hatte, um unter seiner Leitung den Weg zum Himmel 213 Am Feierabende ru wandeln, starb er 628 als ein glorreicher Ueberwin- der der Irrlehren und als ein treuer Diener seines Herrn. Gebet. Herr, himmlischer Vater! gib, daß auch unser Leben ein beständiges Lob-, Dank- und Bittgebet sei, wie das Leben deines heiligen Dieners Eustasius, auf daß wir dich auch dereinst ewig loben und preisen dürfen in der himmlischen Glorie, durch Christum, unfern Herrn, der mit Dir und dem heiligen Geiste lebt und regirt in Ewigkeit. Amen. Nenmmdachtzigstes Lesestück. Am Feierabende des 30. März. Lieblichkeit und Wirksamkeit des Gebetes. Fr. Welchen Segen verschafft das Gebet, da cs eine Unterredung mit Gott ist, dem Frommen? AntW. Es erfüllt das Herz des frommen Beters mit einer außerordentlichen Seligkeit; denn er empfindet Gottes Nähe und die lieblichen Wirkungen seiner himmlischen Segnungen. Belehrung. „Siehe, o Mensch! welche Glückseligkeit dir zu Theil geworden ist," also ruft der heilige Chryso- stomus aus, „welche Ehre, da du vertraulich mit Gott umgehen, mit Christus Unterredungen Pflegen darfst! Keine Zunge kann es erklären, welche Vortrefflichkeit und Seligkeit diesem vertraulichen Umgänge mit Gott im Himmel eigen sei." Was kennen wir uns aber auch Lieblicheres und Süsseres denken, als mit Gott reden, ihm sein Herz öffnen und mit ihm offen und traulich, kindlich und herzlich sprechen dürfen, wie ein Sohn, wie eine Tochter zum Vater? — Die Heiligen Gottes fanden darum auf der ganzen Erde nichts Anziehenderes und Lieblicheres, als im frommen Gebete vor Gott zu liegen und ihr Herz vor ihm ausznschütten. Sie fühlten da oft deutlich genug Gottes Nähe und Lieblichkeit. (Sieh das obige Bild!) Beispiele und Anwendung. Im Gebete fand die heilige Wittwe Marcella Trost und Beseligung, und oft betheuerte sie, daß sie in der Unterredung mit Gott, im Gebete weit mehr Vergnügen und Seligkeit empfinde, als sie ehedem bei den Freuden der Welt empfunden habe. — Der heilige Gerhard fand in den Uebungen des Gebetes, in der Unterhaltung mit Gott eine so große Lieblichkeit, daß er nur sehr schwer vom Gebete sich trennen konnte. Oft schien er Jene zu beneiden, deren einziges Geschäft es war, Gott Tag und Nacht zu loben. „O wie glücklich sind Jene," sprach er oft, „die in einem Berufe leben, deren Verrichtung ganz des 30. März. Gebet und das Lob Gottes ist!" — Und welchen Trost, welche Seligkeit fand nicht im^Gebete der heilige Einsiedler Antonius! Oft durchwachte er ganze Nächte in stiller, heiliger Betrachtung; und wenn dann beim Anbruche des Tages die Strahlen der ausgehenden Sonne seine Höhle erleuchteten, so rief der frommelDiener Gottes nicht selten aus: „O schöne Sonne! warum störest du mich in meinem Gebete!" — So selig fühlten sich die Heiligen in der Nähe ihres Gottes. Bete, mein Christ! ebenso, wie die Heiligen, und du wirst sicherlich auch eine ähnliche Beseligung und Süssig- keit beim Gebete in deinem Herzen empfinden. Fr. Ist aber dieß die einzige Wirkung oder Frucht des Gebetes? AntW. O nein; im wahren, frommen Gebete liegt auch eine außerordentliche Wirksamkeit und Kraft. Belehrung. Nichts ist wunderbarer, wirksamer, wohlgefälliger und dem Menschen ersprießlicher, als das Gebet, das von dem Altäre eines reinen und zerknirschten Herzens wie Weihrauch zu Gott emporsteigt. Es erhebt uns zu Gott, es vermindert unsre Betrübnisse, es stärkt unsre Schwäche, es vermehrt unsre Tugend, es öffnet die Pforten des Himmels, es überwindet die Kräfte der Hölle, mit Einem Worte: es ist allmächtig. Stark und mächtig ist ein König; Alles muß seinem Winke gehorchen. Stark und mächtig unter den Thieren ist der Löwe, der allen übrigen an Kraft überlegen 214 Zweites Hauptstück. Lieblichste ist und durch sein Brüllen Alles in Furcht und Schrecken setzt. Stark und mächtig unter den Elementen ist das Wasser und das Feuer; der Gewalt des erstem kann Nichts widerstehen ; das andere legt in einer Geschwindigkeit ganze Städte in Asche. Stark unter den Getränken ist der Wein; aber stärker und mächtiger, als dicß Alles ist das Gebet, das Gebet des Gerechten nämlich; denn ihm kann selbst der allmächtige Gott nicht widerstehen; durch das Gebet wird sein Herz überwunden. Sonach gibt es kein wirksameres Mittel zur Erlangung der Tugenden und zur Unterdrückung der Sünden als das Gebet. Gar schön schreibt deßhalb der heilige Ephrem: „Das Gebet wehret dem Stolz, löschet die Nachsucht aus, tilget den Neid und führet zur Frömmigkeit. Das Gebet segnet den Menschen mit Stärke, das Hauswesen mit Gewinn. Das Gebet ist das Siegel der Jungfrau, die Treue der Ehe, die Waffe der Reisenden, die Wache der Schlafenden, die Zuversicht der Wachenden, die Fruchtbarkeit des Ackerbaues, die Rettung der Schiffenden. Das Gebet vertheidigt die Bernrthcilten, löset die Gebundenen, tröstet die Trauernden; das Gebet ist die Krone der Gatten und verschafft den Verstorbenen Ruhestätte. Das Gebet ist die Wurzel unzähliger Güter, und mächtiger, als die königliche Macht. Nichts verscheucht so sehr die Lauheit und die Drangsale, als das Gebet. Wer in der Drangsal betet, in dessen Seele kann viel Vergnügen hinabsteigen. DaS Gebet ist den Sündern zur Mutter gegeben; diese Mutter heilet sie mit den Thränen, dis sie weinen." Beispiel und Anwendung. Wenn wir also fleißig beten, so werden wir sicherlich den Weg zum Himmel nicht verfehlen. — „Hast du Alles, was du brauchst zur Wanderschaft?" fragte einst ein Vater seinen in die Fremde ziehenden Sohn am Abende vor der Abreise. — „Alles," antwortete dieser, „bis auf's Wanderbuch!" — „Ein Wandcrbnch," erwiderte der Vater, „hilft durch die ganze Welt!" Er nahm ein Gebetbuch und gab es ihm mit den Worten: „Wenn du fleißig betest, mein Sohn! so wird dich Gott nicht verlassen; er wird mit dir sein und dich segnen und dich beschützen in jeder Gefahr." — Ja, mein Christ! glaube mir's, wenn du fleißig und andächtig betest, so wirst du sicher den Gefahren der Welt entgehen; denn der Herr, dein Gott, wird dich liebevoll beschützen; so oft du betest, ist er dir nahe. Legende: Der heilige Abt Johannes Clima- kns. (fl 605.) Die Kraft und Wirksamkeit des Gebetes hat nicht leicht ein Heiliger in so hohem Grade an sich selbst erfahren und an Andern bewiesen, als der heilige Johannes Climakns, dessen Gedächtnis; wir heute feierlich begehen. Zur. Bestätigung dieser Wahrheit nur Ein Beispiel ans seiner LebenSgcschichte. Einst kam zu ihm und Wirksamkeit des Gebetes. ein Mönch, mit Namen Isaak, den die heftigsten Versuchungen wider die Reinigtest fast in Verzweiflung gebracht hatten. Unter Thränen entdeckte ihm der Unglückliche den schweren Kampf, den er zu bestehen habe. Johannes Climakns sagte ihm: „Mein Sohn, laß uns zu Gott im Gebete unsere Zuflucht nehmen!" und sogleich warfen sie sich beide auf die Kniee nieder, den Himmel um Beistand anzufleheu, und von jener Zeit an ward Isaak keinen Augenblick mehr von dem unlauter» Geiste beunruhigt. Siehe, so viel vermag das Gebet des Gerechten! — Dieser große und heilige Diener Gottes nun soll um das Jahr 525 in Palästina das Licht der Welt erblickt haben. Schon in seinem siebenzehnten Jahre wählte er den geistlichen Stand und erhielt in einem Kloster auf dem Berge Sinai das Ordenskleid. Durch seinen frommen Wandel erbaute er nun alle seine Brüder. Nach neunzehnjährigem Aufenthalte im Kloster begab er sich in die Wüste, und verlebte da unter Gebet und Abtödtungen aller Art seine Tage; zugleich schrieb er ein vortreffliches Buch, die heilige Leiter oder Climax genannt, (daher sein Beiname Climakns.) — Hier nun verbreitete sich der Ruf seiner Heiligkeit immer weiter, und Viele reisten zu ihm, um geistlichen Unterricht zu erhalten. Unter diesen kamen auch die Mönche des Berges Sinai und drangen mit Bitten in ihn, er möchte doch ihr geistlicher Vorsteher werden. Nur ans Liebe zu seinen Brüdern nahm er diese Last auf seine schon entkräfteten Schultern und führte seine Untergebenen so weise und väterlich auf der Bahn der Tugend und des Heiles, daß sie ihn bei seinem Tode, der im Jahre 605 erfolgte, wie Kinder ihren Vater beweinten. Gebet. Laß auch uns, o Herr! in deiner göttlichen Milde und Barmherzigkeit die Kraft und Wirksamkeit des Am Feierabende des 31. März. 215 Gebetes erfahren, und gib, daß wir so eifrig beten, so fromm leben und so glückselig sterben mögen, wie der heilige Johannes Climakus. Um dieses bitten wir dich durch Christum nnsern Herrn. Amen. Neunzigstes Lesestück. Am Feierabende des 31. März. Nothwendigkeit des Gebetes. Fr. Ist es nothwendig, daß wir im Gebete oft zn Gott reden? l AntW. Ja; denn das Gebet ist Allen, die den hinlänglichen Gebrauch ihrer Vernunft haben, zur Seligkeit nothwendig. Fr. Warum ist das Gebet Allen zur Seligkeit so nothwendig? AntW. 1) Weil Christus selbst durch sein Wort nns zn beten befohlen und durch sein Beispiel zn beten gelehrt hat, und 2) weil er vom Gebete gar viele Gnaden abhängig gemacht hat. Belehrung. „Gleichwie unfruchtbare Gegenden kein anderes Mittel haben," sagt Segneri, „um ihren Bedarf zu decken, als einen anhaltenden Verkehr mit reicheren Ländern, ebenso hat auch unsere Erde kein anderes Mittel, aus ihrer Dürftigkeit herauszukommen, als den ununterbrochenen Verkehr mit dem Himmel, der durch das fortwährende Gebet unterhalten wird." Ja, das Gebet ist uns zum geistigen Leben so nothwendig, wie die Speise und das Athemholen zum natürlichen Leben. Daher hat uns auch der göttliche Heiland das Gebet so nachdrücklich befohlen thcils durch sein Wort, indem er sagt: „Man muß immer beten und nicht aufhörcn;" (Luk. 18, 1.) „Bittet, so wird euch gegeben!" (Matth. 7, 7.), theils durch sein Beispiel, indem er selbst oft ganze Nächte im Gebete verharrte. (Luk. 6,12.) (Sieh das obige Bild!) Ueberdieß hat er vom Gebete gar viele Guaden abhängig gemacht; denn ohne Gebet erlangen wir die nothwendigcn Gnaden nicht, um im Guten bis zum Ende zu verharren. „Gott wird seinen guten Geist Denen geben, die ihn darum bitten." (Luk. 11, 13.) Mit Recht nennen daher die heiligen Väter das Gebet einen Kanal, durch welchen alle Gaben vom Himmel herab der menschlichen Seele zustießen; eine Kette, woran wir uns zu Gott empor- schwingcn und dessen Gnade zu uns herabziehen; einen Schlüssel, womit wir das Himmelreich aufschließen und den Zutritt in dasselbe eröffnen; eine Vormauer, hinter welcher wir alle Anfälle unserer Feinde abwehren müssen. Nicht beten, und doch von der Sünde frei bleiben, nicht beten, und doch im Guten verharren, nicht beten, und doch ewig selig werden wollen, ist ebenso viel, als Gott versuchen und ein Wunder von ihm begehren; ist ebenso viel als ohne Augen sehen, ohne Zunge reden, ohne Ohren hören, ohne Füße gehen wollen. Siehe, so nothwendig ist uns also das Gebet. Beispiel und Anwendung. Gott könnte uns zwar ohne Gebet alles Gute geben; doch er will nicht. Er ist unser Herr und Gott; darum will er gebeten sein, damit wir unsere Abhängigkeit von ihm desto mehr erkennen. Er ist unser Vater, und verlangt daher von uns, seinen Kindern, wie alle weisen Eltern thun, daß wir Alles von ihm erbitten, damit wir auf selche Weise zugleich Ansehen, daß er allein der Ausspcnder aller Gnaden ist, die sowohl zu unserm zeitlichen, als ewigen Wehle nothwendig und ersprießlich sind. Er macht es hierin gleichsam wie vor Zeiten die Lacedämonier mit ihren Kindern, welche denselben, damit sie in der Kunst zu schießen immer geschickter würden, niemals ein Stück Brod in die Hände gaben, sondern das Brod auf einen hohen Balken legten, wornach alsdann die Kinder, wenn sie Hunger hatten, mit ihren Bogen so lange zielen und schießen mußten, bis sie selbes getroffen und hcrabgeworfen hatten. „Sieh', mein Sohn!" sagten sie, „das ist das Brod! Willst du es haben und essen, gut! so ziele nur darnach und mache, daß es 216 Zweites Hauptstück. Notwendigkeit des Gebetes. herabfalle!" -— Siehe! spricht ebenfalls Gott, der himmlische Vater, zu seinen angenommenen Kindern, siehe da! meine unendliche Gnade und Hilfe ist alle Stunden und Augenblicke für dich bereitet; willst du sie haben, gut! ziele nur darnach! erhebe dein Gemüth zu mir, bete und ruse, und es werden so viele Gnaden herabfallen, als du treffen und durch ein würdiges Gebet von mir verlangen wirst! Thust du das nicht, willst du mich nicht einmal darum ansprechen, so magst du Hunger leiden und den Untergang deiner Seele deiner eigenen Nachlässigkeit zuschreibcn. Fr. Was folgt für uns aus dieser Notwendigkeit des Gebetes? Antw. Aus dieser Notwendigkeit des Gebetes folgt für uns die Pflicht des Gebetes, oder mit andern Worten: weil uns Gott Nichts ohne Gebet geben will, so müssen wir fleißig beten; denn nur „wer bittet, der wird empfangen." Belehrung. „Nimm einen Fisch aus dem Wasser," sagt der fromme Geisteslehrer Scaramelli, „und bald wirst du ihn vor deinen Augen sterben sehen; entferne dich vom Gebet, und bald wirst du vor Gott und seiner Gnade sterben. Denn sowie das Wasser das körperliche Leben des Fisches ist, so ist das Gebet das geistige Leben des Menschen. Sowie nun ferner der Fisch, wenn er mit Vernunft und Glaube begabt wäre, die schwere Verpflichtung hätte, sich aus dem Wasser nicht zu entfernen, wovon die Erhaltung seines Lebens abhängt; ebenso ist der Christ schwer verpflichtet, das Gebet, Flehen und Bitten nicht zu unterlassen, wovon gegenwärtig das Leben der Gnade und in Zukunft das unsterbliche Leben der ewigen Herrlichkeit abhängt." Das Gebet ist also für uns eine heilige Pflicht, die wir fleißig und gerne üben sollen; denn wer nicht bittet, wird auch Nichts empfangen. Beispiel und Anwendung. Der ebengenannte Geisteslehrer erklärt uns dieses in nachfolgendem schönen Beispiel oder Gleichnisse. „Denke dir einen König," sagt er, „der ein recht gütiges Herz hat, welcher von Mitleiden zu den Armen, die im Umfange seiner Staaten leben, bewegt, alle mit dem Röthigen auf eigene Kosten versehen wollte, und daher allen seinen Statthaltern und Beamten den Befehl er- theilte, aus dem königlichen Schatze alle Armen mit Häusern zu versehen, um darin zu wohnen, mit Kleidern, um sich zu bedecken, mit Lebensmitteln, um sich zu nähren, und diesen seinen Willen und sein Versprechen öffentlich auf allen Plätzen bekannt zu machen. Wenn du nun unterdessen einen Armen mit zerlumpten Kleidern, vor Kälte zitternd und vor Hunger schmachtend antreffen würdest, und auf die Frage, warum er von der Güte seines Königs keinen Gebrauch mache, die Antwort erhieltest: „Ich habe keine Lust dazu, um das Nöthige zu bitten;" was würdest du zu einem solchen Menschen sagen? Du würdest zu ihm sagen: „Es geschieht dir j Recht, wenn du vor Hunger ermattest und vor Kälte stirbst; deine Faulheit ist Schuld daran." Gerade dieses ist es, was ich auch zu dir sagen, muß. Der König des Himmels hat dir versprochen, dich mit geistigen Gütern für dein Heil und die Vollkommenheit deiner Seele zu versehen, und er hat dieses Versprechen der ganzen Welt in den vier Evangelien kund I werden lassen. Du bist jener Arme, von dem ich rede, der st des Gewandes der christlichen Tugenden entblößt, kalt im Dienste Gottes, unachtsam und nachläßig in Bewahrung vor k Sünden ist: weil du dir nicht die Mühe nehmen willst, die göttliche Hilfe fortwährend und aus vollemHer- zen anzu rufen, d. h. zu beten. Es geschieht dir also ganz recht, so sage auch ich, wenn du nie einen Schritt zur Vollkommenheit thust, ja, wenn du vielleicht gar rückwärts gehst mit der Gefahr, in den Abgrund zu stürzen." — Erkennst du hieraus nicht die Pflicht des Gebetes, mein Christ? Wehe also Demjenigen, der nicht betet! Sein Leben § gleicht einem Baume ohne Saft, seine Handlungen fallen herab zur Erde, wie im Herbste die gelben ausgetrockneten ^ Blätter. Es fehlt ihm das Licht für seinen Geist, die wahre Ruhe für sein Herz und die Kraft für seinen Willen. Darum sollen wir, meine Christen! die Pflicht des Gebetes stets treu und eifrig erfüllen, wie jene Heilige, deren : Name heute im Martyrologium steht. Es ist dieß die heilige Balbina. Legende: Die heilige Balbina, Jungfrau und Märtyrin. (P 130.) MWU HB,»,» WMMIMWM' Diese Heilige war eine Tochter des römischen Hanpt- manncs Quirinus und lebte wie ihr Vater in früher Jugend in den Finsternissen des Heidenthums; bald aber führte Gottes Erbarmung beide nicht nur znm Lichte des Christenthnms, sondern verlieh ihnen auch die Krone der Märtyrer. Quirinus war nämlich Aufseher über die gefangenen Christen, und da er ihre erhabenen Tugenden, 217 Am Feierabende des 1. April. ihre Liebenswürdigkeit, ihren frommen christlichen Sinn gepaart mit unerschütterlicher Standhaftigkeit oft genug ni bewundern Gelegenheit hatte, so wurde er durch diese erhabenen Tugendbeispiele alsbald so sehr angezogen, daß er selbst ein Christ wurde, indem er vom heiligen Papste s Alexander I., der sich unter den gefangenen Christen ^ befand, die heilige Taufe empfing. Erleuchtet vom gött- i liehen Lichte glaubte auch seine Tochter an Jesus Christus und empfing ebenfalls vom heiligen Alexander , die Taufe. (Sieh das vorhergehende Bild!) Von nun an übte sie unaufhörlich als eine eifrige Braut Christi die Pflicht des Gebetes. — Die Bekehrung des Haupt- s mannes blieb nicht lange verborgen; der neue Statthalter Aurelius ließ ihn vor sich rufen, und als er standhaft im Bekenntnisse des Glaubens verharrte, auf die grausamste Weise foltern und endlich enthaupten. Die Kirche feiert seinen Gedächtnißtag am 30. März. —- Balbina überlebte ihren Vater nicht lange. Auch sie wurde vor den Richterstuhl des Statthalters gebracht und aufgefordert, dem Christenthume zu entsagen und den s Götzen zu opfern. Aber gestärkt von Oben bekannte sie ganz frei Jesum als den Sohn des lebendigen Gottes und besiegelte dieses Bekenntnis; mit ihrem Blute im Jahre 130. Gebet. Heilige Balbina! bitte bei Gott für uns, auf daß auch wir die Pflicht des Gebetes eifrig erfüllen und durch Wort und That Christum Jesum immer und überall bekennen als den Sohn des lebendigen Gottes. Gib uns Muth und Kraft hiezu, o Gott! durch ebendenselben Christum unfern Herrn. Amen. Einundneimzigstes Lesestück. Am Feierabende des 1. April. Eigenschaften des Gebetes, und zwar die ersten drei. Fr. Auf welche Weise müssen wir im Gebete zu Gott reden? oder wie müssen wir beten? Antw. Wir müssen beten: 1) mit gehöriger Vorbereitung, 2) mit Andacht, 3) mit Demuth, 4) mit Vertrauen, 5) mit Ergebung in den Willen Gottes und 6) mit Beharrlichkeit. (Heute betrachten wir nun die ersten drei Eigenschaften und morgen die letzten drei.) Fr. Was heißt das: Wir müssen beten mit gehöriger Vorbereitung? Antw. Das heißt: wir müssen vor Allem bedenken, daß wir im Gebete mit Gott reden, und daher unfern Geist sammeln und „unser Herz dazu bereiten, auf daß man nicht sei, wie ein Mensch, der Gott versucht." (Eccl. 18,23.) Mchlcr, Hausbuch. Belehrung. Wenn man mit einem Fürsten oder großen Herrn sprechen will, so nimmt man zuvor alle seine Gedanken zusammen, man überlegt wohl, was man sagen, wie man seine Bitte vortragen will, ja, man denkt sogar darüber nach, welche Leibesstellung man annehmen wolle. Um wie viel mehr ist aber das zu beobachten, wenn man sich zum Gebete begibt? Denn man redet da nicht mit einem Menschen, nicht mit einem Fürsten oder Großen dieser Erde, sondern mit Gott, dem höchsten Könige des Himmels und der Erde, vor dem sich alle Kniee beugen. Darum sagt auch der heilige Geist: „Ehe du betest, bereite dich dazu vor, und sei nicht wie ein Mensch, der Gott versucht!" (Eccl. 18, 23.) Der Zithernspieler stimmt zuvor sein Instrument, und dann erst spielt er vor einem großen Herrn; ebenso müssen auch wir die Zither unsers Herzens stimmen, damit sie den Ohren des Allerhöchsten angenehm töne. — Vor dem Gebete sammle also deine Gedanken und erinnere dich, daß du dich in der Gegenwart Gottes befindest, der dich sieht, der Alles, was du thust, denkest und redest, hört und beobachtet. Beispiel und Anwendung. Ein schönes Beispiel, wie wir uns zum Gebete vorbereiten sollen, gibt uns der heilige Abt Stephanus. So oft er zum Gebete oder in die Kirche ging, drückte er die Thüre fest hinter sich zu und sprach: „Ihr Sorgen und ihr zeitlichen Gedanken! bleibet inzwischen hier draußen, bis ich wieder zu euch zurückkomme; denn ich habe jetzt ein ernstes, wichtiges Geschäft." (Sieh das obige Bild!) — So sollst es auch du machen, mein christlicher Leser! Lege ab alle irdischen Gedanken, alle zeitlichen Sorgen, wenn du zum Gebete gehst, und stimme dein Herz zur Andacht; denn das ist die zweite Eigenschaft, die unser Gebet 28 218 Zweites Hauptstück. Eigenschaften des Gebetes, und zwar die ersten drei. haben muß, wenn es Gott wohlgefällig und uns nützlich sein soll. Fr. Wann beten wir mit Andacht? Antw. Wir beten mit Andacht, wenn wir von Herzen beten und alle zersteuenden Gedanken während des Gebetes von uns nach Kräften ferne zn halten suchen. Belehrung. Wenn wir beten, so muß das Herz fühlen, was der Mund spricht; denn Gott sieht beim Gebete auf's Herz, nicht auf die Lippen. „Beim Gebete muß mehr die Stimme des Herzens, als des Mundes gehört werden," sagt der heilige Bonaventura. Nichts mißfällt Gott dem Herrn mehr, als ein zerstreutes und unaufmerksames Gebet. Daher beklagt er sich über alle Jene, die voll Zerstreuung nur mit dem Munde beten. „Dieß Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit von mir." (Matth. 15, 8.) Hinweg also mit allen Zerstreuungen! Denn wenn wir selbst Schuld daran sind oder sie freiwillig zulassen, so sind sie sündhaft. Stets sollen wir gegen dieselben kämpfen dadurch, daß wir uns beim Gebete aller weltlichen Gedanken möglichst entschlagen und uns Gott, den Allgegenwärtigen, recht lebendig vorstcllcn. — Wenn wir beten, so sollen wir uns (also sagt ein geistlicher Lehrer), auf der einen Seite den Schutzengel stehend denken, der unser Gebet im Buche des Lebens aufzeichnet, wenn es Belohnung verdient; auf der andern Seite den Teufel, der es im Buche des Todes anmerkt, wenn es der Strafe würdig ist. Auf solche Weise werden wir gewiß alle Zerstreuung von uns ferne halten und mit Sammlung des Geistes und mit Andacht beten. Beispiel und Anwendung. Mit Andacht, mit heiliger Inbrunst und voll Sammlung des Geistes betete der heilige Bernhard; er ließ sich durch Nichts irre machen im Gebete und hielt es für eine unendliche Beleidigung Gottes, während des Gebetes zerstreut oder unaufmerksam zu sein. „Ich füge Gott eine große Unbild zu," sagt er selber, „wenn ich ihn bitte, mein Gebet zu erhören, da ich doch selbst, während ich es ausgieße, dasselbe nicht höre. Ich bitte ihn, er wolle auf mich merken; aber ich merke weder auf mich, noch auf ihn, sondern (was das Schlimmste ist) ich bringe noch Unflath vor sein Angesicht, wenn ich unnütze und unlautere Dinge in meinem Herzen behalte und hege." — Lerne also vom heiligen Bernhard mit Andacht beten, mein christlicher Leser! Sei überzeugt, daß Gott auf dein Gebet nicht achten wird, wenn du selbst nicht darauf achtest, d. h. wenn du voll Zerstreuung und ohne Andacht betest. Fr. Wir sollen ferner mit Demuth beten — was will dieses sagen? Antw. Dieses will sagen, daß wir beten sollen mit lebhafter Erkenntniß unserer Schwachheit und Unwürdigkeit. Belehrung. Wenn wir beten, sollen wir uns demüthi- gen und vor Allem unsere Schwachheit und unsere Hilfsbedürftigkeit erkennen. „Wenn wir beten," sagt der heilige Augustin, „so sind wir Bettler, die von Gott ein Almosen erflehen. Wenn nun der Bettler voll Stolz um eine milde Gabe bitten würde, was würde er wohl davon tragen? Statt der milden Gabe sicherlich einen derben Verweis ob seines stolzen, ungeziemenden Benehmens. So ergeht es auch Dem, der ohne Demuth betet." —. David, dieser große und mächtige König, erkannte in der Demuth seines Herzens gar wohl seine Armuth und Nichtigkeit; darum rief er aus, wenn er vor Gott im Gebete kniete: „Herr! ich bin ein Bettler und arm; erbarme dich meiner, o Gott!" (Ps. 19.) — Wenn wir beten, sollen wir uns aber auch noch dadurch demüthigen, daß wir unsre Sündhaftigkeit und Unwürdigkeit anerkennen. Erinnern wir uns an das Gebet des Pharisäers und des Zöllners- (Luk. 18.) Jener betet mit Hochmuth und preist das Verdienst seiner Fasten und Gebete an. Dieser betet mit Demuth, bekennt sich als Sünder, schlägt an seine Brust und wagt nicht den Blick zum Himmel zu erheben. Welches der Ansgang dieser beiden so verschiedenen Gebete war, weiß Jedermann. Das Gebet jenes Pharisäers wurde verworfen; der Zöllner aber wurde erhört. Jener lud durch seinen Hochmuth die Verwerfung auf sich, dieser wurde von Gott wegen seiner tiefen Demuth gerechtfertigt. „Das Gebet also," müssen wir mit dem heiligen Bernhard sagen, „welches für das ewige Leben geschieht, muß auf Demuth gegründet und auf Gottes Erbarmung, wie es sich geziemt, gestützt sein." Beispiel und Anwendung. Papst Clemens V. hatte sich über die Venetianer, welche seine Stadt Ferrara mit Gewalt eingenommen hatten, sehr erzürnt, und das ganze venetianische Gebiet mit dem Kirchenbanne belegt. Alle Bitten und Vorstellungen halfen Nichts, um seinen Zorn zu besänftigen. Da ersann Fr anziskus Dandalus, ein Mann von großer Weisheit, aus Liebe zu seinem Vaterlande ein ganz eigenthümliches Mittel, um den Papst zu versöhnen. Eines Tages, als der Papst öffentliche Tafel hielt, erscheint Dandalus im Speisesaale mit schweren Ketten am Halse, kriecht auf Händen und Füßen unter den päpstlichen Tisch, und beginnt die hcrabfallenden Brosamen aufzulesen. Dadurch wollte er den Papst an das chananäische Weib erinnern, welches, als Christus sich ebenfalls hart und unerbittlich zeigte, durch seine Demuth das Herz Christi rührte und erlangte, was es wünschte. Der Papst wurde auch wirklich durch die Demuth des Dandalus gerührt, und verzieh den Venetianern. — O komm auch mit uns in das Haus des Herrn, o christliche Demuth! begleite uns, so oft wir beten, und hilf uns, den Herrn zu rühren, und zum Erbarmen und Verschonen geneigt zu machen! Wir wissen es ja, 219 Am Feierabende des 2. April. dak nur »das Gebet des Demüthigen durch die Wolken dringt, und daß du, o Herr! den Hoffärtigen widerstehest." (Sir. 35,21.) 9 eaende: Der heilige Hugo, Bischof von Grenoble, (si 1132.) Voll Andacht und Demuth betete auch der heilige Bischof Hugo, dessen Andenken die Kirche heute feiert; ja, anhaltendes Gebet zu Gott und nachdrückliche Ermahnungen und Belehrungen, die er in Predigten an seine Heerde richtete, waren die vorzüglichsten Mittel, dem Sittenverderbniß seiner Zeit entgegenzuarbeiten. Dieser Heilige wurde im Jahre 1053 im französischen Bisthume Balence von adeligen und gottesfürchtigen Eltern geboren. Nach rühmlich vollendeten Studien empfing er die heiligen Weihen und gewann sich bald hierauf als Chorherr zu Valence durch seinen frommen und auferbaulichen Wandel die allgemeine Hochachtung und Liebe. So sehr sich der Heilige auch dagegen sträubte, so ward er dennoch 1080 zum Bischof von Grenoble erwählt, und nun arbeitete er mit unermüdetem Eifer an dem Seelenheile der ihm anvertrauten Heerde, trat mit allen Kräften dem damaligen Sittenverderben entgegen und gab dem heiligen Bruno dadurch, daß er ihm die fünf Meilen von seiner Residenzstadt entlegene Einöde schenkte, Gelegenheit zur Gründung des Karthäuserordens. Auch er selbst ließ sich später diesem Orden beizählen und lebte in seiner bischöflichen Residenz ganz wie ein Karthäuser — in Armuth, Abtödtung und Gebet; dabei war er aber ein wahrer Vater der Armen und ein muthi- ger Kämpfer für die Sache der Kirche. So große Tugenden blieben aber nicht ohne große Leiden und Prüfungen; denn »wen der Herr lieb hat, den züchtiget er." Nebst unzähligen äußerlichen Widerwärtigkeiten hatte der heilige Hugo mehr als vierzig Jahre lang an seinem Leibe viele Kopf- und Magenschmerzen, in seiner Seele viele Versuchungen zu leiden. Aber er duldete mit Ergebung und kämpfte mit christlichem Heldenmuthe; dafür ward ihm auch die Krone der Vergeltung zu Theil, nachdem ihn der Herr von den irdischen Banden und Leiden befreit hatte am 1. April 1132. Gebet. O Herr! wir bitten dich, laß uns deinem treuen Diener Hugo Nachfolgen in seinem Gebetseifer und in seiner christlichen Geduld, auf daß auch wir einst die Krone der Vergeltung empfangen mögen, durch Christum unfern Herrn. Amen. Zweiundnennzigstes Lesestück. Am Feierabende des 2. April. Eigenschaften des Gebetes, und zwar die letzten drei. Fr. Wann beten wir mit Glauben und Vertrauen? Antw. Wenn wir glauben und zuversichtlich hoffen, daß Gott, der ja allmächtig und voll Liebe ist, unser Gebet erhören werde, insoferne es zu seiner Ehre und zu unserm Heile dienlich ist. Belehrung. Glaube und Vertrauen bilden nothwen- dige Eigenschaften des Gebetes; ohne Glauben und Vertrauen gibt es kein wahres und wirksames Gebet. Daher sagt auch der heilige Augustin: „Sinkt dein Glaube, so sinkt auch dein Gebetseifer; denn wie kann Derjenige beten, der nicht glaubt?" Und der heilige Bernhard schreibt: „Unser Vertrauen bestimmt das Maaß der Gnaden, die wir von Gott erlangen; ist unser Vertrauen groß, so werden" wir auch große Gnaden empfangen. Denn die göttliche Barmherzigkeit ist ein unerschöpflicher Quell; wer zu demselben das größte Gefäß des Vertrauens trägt, der wird auch eine desto größere Menge Güter daraus schöpfen. Das Oel deiner Barmherzigkeit gießest du, o Gott! in Gefäße voll von Vertrauen." Daher sagt schon der heilige Apostel Jakobus (1, 6.): „Man soll beten im Glauben und Vertrauen ohne allen Zweifel." Warum sollten wir aber nicht mit Glauben und Vertrauen beten? Wir wenden uns ja im Gebete an Gott, der allmächtig und voll Liebe ist, der uns also alles Gute geben kann und um Jesu willen auch wirklich geben will, wie dieß der göttliche Heiland selbst ganz deutlich ausspricht, indem er betheuert: „Wahrlich, wahrlich sag' ich euch, wenn ihr den Vater in meinem Namen um Etwas bitten werdet, so wird er es euch geben." (Joh. 16, 23.) Beispiel und Anwendung. Als der heil. Johannes 28 * 22V Zweites Hauptstück. Eigenschaften des Gebetes, und zwar die letzten drei. vom Kreuz Abt im Kloster zu Barza war, wo er wegen der großen Armuth dieses Klosters sich allein auf die göttliche Fürsorge verlassen mußte, stellte ihm einst der Klosteraufseher vor, daß, weil an der damals herrschenden Pest achtzehn Personen im Kloster erkrankt waren, nothwendig Betten erbettelt werden müßten. Johannes antwortete: „Von Herzen wünsche ich, daß den Kranken gedienet werde; aber auch, daß wir den Weltlichen nicht überlästig werden. Wir haben ja den Herrn im Hause, der uns helfen muß, und die Zeit, die wir zum Betteln verbrauchen, wollen wir mit Beten zubringen." Somit begab er sich zum Gebete und trug dem Herrn mit solchem Vertrauen die Noch der Seinigen vor, daß theils in derselben Nacht, theils am andern Morgen zwanzig Polster nebst nochwendigen Effekten geschickt wurden. Soviel vermag ein vertrauensvolles Gebet. „Verlieret also euer Vertrauen nicht!" sagt der Apostel; „denn es wird groß belohnt." (Hebr. 10, 35.) Fr. Wir sollen ferner beten mit Ergebung in Gottes heiligen Willen; was heißt das? Antw. Das heißt, wir sollen es Gott überlassen, wann und wie er uns erhören will. Belehrung. »Wir dürfen von Gott nicht verlangen," sagt der heilige Franz von Sales, „an diesem oder jenem Orte, auf diese oder jene Weise, zu dieser oder jener Zeit, diese oder jene Gabe zu empfangen. Unser Bitten und Verlangen muß allgemein sein. Wir dürfen Gott Nichts vorschreiben; sowie es einem unwissenden und betäubten Kranken nicht zusteht, dem weisen Arzte vorzuschreiben, welche Arznei ihm derselbe reichen soll. Wir sollen also nur um Dinge beten, die dem Willen Gottes entsprechen und uns znm Seelenheile nützlich sind." So betete jener Aussätzige bei Lukas. (5,12.) Er rief nicht: „Herr! mache mich gesund!" sondern: „Herr! wenn du willst, so kannst du mich gesund machen." So betete auch Christus selbst am Oelberge: „Vater! nimm diesen Kelch von mir; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst!" Beispiel und Anwendung. Wilhelm von Lyon erzählt, daß einst ein Einsiedler, da er in seinem Gärtchen Gemüs angepflanzt hatte, inständig um Regen betete, weil er diesen für seine junge Saat für nothwendig hielt. Bald darauf flehte er um heiteres Wetter, und es geschah nach seinem Wunsche. So hatte er längere Zeit für sein Gärtchen immer jenes Wetter erlangt, um das er gebetet hatte; aber zu seiner Ueberraschung ging von seiner Aussaat Nichts auf. Anfangs meinte er, es wäre Heuer überhaupt ein Mißjahr; als er aber später einen andern Einsiedler besuchte und in dessen Garten Alles vortrefflich gedeihen sah, so klagte er diesem seine Noth und setzte bei: „Ich hatte doch immer gerade jenes Wetter, um das ich gebetet." Der andere Einsiedler erwiderte ihm: „Freund! ich glaube, Gott strafte dich, weil du ihm gleichsam vorschriebst, was für ein Wetter er dir schicken sollte, und weil du ans die Ergebung in seinen heiligen Willen vergessen hast." — Sei also vorsichtig, mein Christ! bei deinem Gebete; schreib' dem Herrn Nichts vor, sondern bete voll Ergebung in Gottes heiligen Willen! Höre, was der heilige Ambrosius sagt: „Wie der Kranke ganz dem Arzte sein volles Zutrauen schenkt, ihm die Wahl der Medicinen und die Art der Heilung überläßt, so sollen auch wir es der Weisheit und Güte Gottes überlassen, wie er uns helfen will." Fr. Was heißt das: Wir sollen mit Beharrlichkeit beten? Antw. Es heißt, wir sollen im Gebetseifer nicht ermüden, wenn uns Gott nicht sogleich erhört, sondern nur um so eifriger zu beten fortfahren. Belehrung. „Gott will gebeten, gezwungen, ja gleichsam auf eine ungestüme Weise genöthigt sein," sagt der heil. Gregor; daher läßt er uns oft lange warten. Allein dieser Aufschub ist keineswegs eine Verweigerung, sondern vielmehr eine recht heilsame Prüfung. Er will dadurch in unS den Eifer unsers Verlangens vermehren, unsere Treue erproben, uns den Werth seiner Gaben schätzen lehren. Darum ermüde nicht in deinem Gebete! Beispiele und Anwendung. Die heilige Monika, Mutter des heiligen Augustinus, betete viel und lang, Tag und Nacht um die Bekehrung dieses ihres Sohnes. Ost fing sie an muthlos und zaghaft zu werden und zu zweifeln, ob denn Gott ihr Gebet erhören werde; und dennoch hörte sie nicht auf zu beten. Da ward sie endlich erhört; ihr Sohn bekehrte sich und ward späterhin eines der größten Lichter der heiligen katholischen Kirche und ein Heiliger des Himmels. So belohnt Gott die Beharrlichkeit im Gebete. Wir sehen dieß auch aus gar vielen Beispielen in der heiligen Schrift. Jener Blinde am Wege hörte nicht auf zu rufen: „Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!" obschon ihm befohlen wurde, zu schweigen; er fing immer 221 Am Feierabende des 3. April. wieder auf's Neue an; und dieser seiner Beharrlichkeit wegen ward er endlich erhört. >— So machte es auch das chana- näische Weib. (Sieh das vorhergehende Bild!) Obschon ihr der göttliche Heiland eine scheinbar harte und abweisende Antwort gab, so hörte sie doch nicht auf, für die Befreiung ihrer Tochter, die vom Teufel besessen war, zu bitten, bis sie Erhörung fand. (Matth. 15, 22. ff.) — Als ein ganz besonderes, wahrhaft bewunderungswürdiges Beispiel der Beharrlichkeit im Gebete zeigt uns endlich der heilige Chryso- stomus jenen Gichtbrüchigen im Evangelium, der achtunddreißig Jahre am Rande des Schwemmteiches, zitternd wie ein Schilfrohr am Ufer eines Flusses lag. Dann ruft er ergriffen vom heiligen Eifer aus: „Schämen wir uns, meine Christen! schämen wir uns! Der Gichtbrüchige wartete achtunddreißig Jahre, um die Gesundheit zu erlangen; und obwohl sein Wunsch nicht wegen seiner Nachlässigkeit unerfüllt blieb, sondern wegen der Eilfertigkeit Anderer, die ihm zuvorzukommen suchten; so verlor er doch den Muth nicht; nie wurde er müde zu warten, nie verzweifelte er an der Erlangung jener Gnade. Und wir, wenn wir höchstens zehn Tage zu Gott gefleht haben, und nicht erhört worden sind, werden sogleich lau, entmuthigen uns und hören auf zu beten!" O Christ! werde nicht so schnell muthlos in deinem Gebete! Harre ans und sei überzeugt, cs kommt die Stunde der Erhörung sicherlich noch, wenn du je um Etwas bittest, das dir zum Heile nützlich und nothwendig ist. Legende: Der heilige Franz von Paula, Stifter der mindern Brüder, (ch 1508.) Wieviel erlangte nicht dieser Heilige, dessen Fest auf den heutigen Tag fällt, durch sein vertrauensvolles, gottergebenes und beharrliches Gebet! Wir ersehen dieß aus seiner Lebensgeschichte. Er war geboren zu Paula, einem Städtlein in Unteritalien, im Jahre 1416, und war der Sohn armer, aber sehr gottes« fürchtiger Eheleute. Schon in seinem dreizehnten Jahre wurde er in ein Franziskanerkloster gebracht. Später ging er nach Rom und Assisi, wo er im Bnßgeiste noch mehr zunahm, und zuletzt wählte er sich zu seinem Lebensaufenthalte eine kleine Felsenhöhle bei Paula, wo der Ruf seiner Tugenden so viele Jünger ihm zuführte, daß er sich schon im Jahre 1458 veranlaßt sah, mit Genehmigung des Erzbischofs ein Kloster und eine Kirche zu bauen. Die Regel, welche Franziskus seinen Brüdern vorschrieb, war auf Büßfertigkeit, Nächstenliebe und De- muth gegründet und wurde im Jahre 1474 vom Papste Sixtus IV. bestätiget. Bald verbreitete sich der Franziskaner-Orden in Italien und Sicilien, und überall hin begleitete den heiligen Ordensgcneral die auffallendste Wnndergabe. Ludwig XI., König von Frankreich, der an Entkräftung darnieder lag, lud den heiligen Mann ein, an seinen Hof zu kommen. Als der Diener Gottes im königlichen Schloße ankam, warf Ludwig sich ihm zu Füßen, mit der Bitte, von Gott Verlängerung seines Lebens zu erflehen; Franziskus wies ihn aber darauf hin, daß auch dem Leben der Könige ein Ziel gesteckt sei, und ermahnte ihn, sich auf sein Ende vorzuberciten. Es gelang ihm auch durch sein Gebet und durch öftere Unterredung, daß der König sich in den Willen Gottes völlig ergab und bußfertig in seinen Armen daS Leben beschloß. Als Franziskus seine eigene nahe Auflösung merkte, schloß er sich drei Monate lang in eine enge Zelle ein, einzig mit Gott und der Ewigkeit beschäftigt, und entschlief nach dem Empfang der heiligen Sterbsakramente am 2. April 1508. Gebet. Unterstütze uns durch deine mächtige Fürbitte, heiliger Franz von Paula! daß wir so fromm und heilig leben und so vertrauensvoll, so gottergeben und so beharrlich beten mögen, wie du. Gib uns deine Gnade hiezu, o Herr, himmlischer Vater! durch Christum, deinen Sohn, unfern Herrn. Amen. Dreiundneuiizigstes Lesestück. Am Feierabende des 3. April. Warum unser Gebet so oft nicht erhört werde. Fr. Warum wird unser Gebet so oft nicht erhört? Antw. Ans zwei Gründen: 1) weil wir nicht um dasRechte, und 2) nicht auf die rechteWeise beten. Fr. Wann beten wir nicht um das Rechte? Antw. Wenn wir nur um Geld und Gut, um zeitlichen Segen und Wohlstand und um andere derlei Dinge bitten, nicht aber um Das, was zur Ehre Gottes und zum Heile unserer Seele gereicht. 222 Zweites Hauptstiick. Warum unser Gebet so oft nicht erhört werde. Belehrung. „Der ist ein Thor," sagt der heilige Chrysostomus, „welcher, wenn ihm die Wahl gelassen wird, anstatt des köstlichen Geldes schlechtes Blei wählt, welcher die indischen Perlen verachtet und mit Fleiß werthlese Muscheln sammelt, welcher, wo er das köstlichste Obst genießen könnte, sich mit säuern Schlehen und Hagbutten begnügt. Mit Einem Worte, der ist ein Thor, welcher das Nützlichste und Nothwendigste, das er haben kann, weder verlangt noch begehrt." Und dennoch gibt es genug solche Thoren ; denn gar Viele bitten nur um Geld und Gut, um zeitlichen Segen und Wohlstand; an ihre Sünden, an Himmel und Seligkeit denken sie nicht. „Viele rufen im Gebete Gott an," sagt gar schön der heilige Augustin, „aber nicht als Gott. Sie begehren Sachen von Gott, wodurch sie zeigen, daß sie nicht die Ehre Gottes, sondern etwas Anderes suchen, das sie alsdann in ihren Gelüsten verzehren können. Sie würdigen Gott den Herrn zu ihrem Untergebenen, zu ihrem Diener herab, zum Diener ihrer Begierlichkeit, ihrer Hoffart, ihres Geizes und ihres wollüstigen Lebens." — Wie soll sie da Gott erhören? Beispiele und Anwendung. Als Ludwig XI., König von Frankreich, an einer bedenklichen Krankheit darnieder lag, sandte er reiche Geschenke an die Kirche des heiligen Eutro- pius, damit daselbst für ihn gebetet würde. Er ließ sich aber vom Abte des dortigen Klosters das Kirchengebet vorlegen, das für ihn währenddes heiligen Opfers gelesen wurde; und da er fand, daß darin vom Heile des Leibes und der Seele die Rede war, so sprach er darüber sein Mißfallen aus. „Eines nach dem Andern," sagte er, „und Jedes zu seiner Zeit! Man muß nicht von Gott zu viel auf einmal begehren! Für jetzt handelt es sich um die Genesung des Leibes; was die Seele anbelangt, dazu wird sich ein anders Mal die Gelegenheit finden!" — Wie viele Christen gleichen diesem Könige, — sie beten nur um irdische Güter; ihr Seelenheil und die himmlischen Güter sind ihnen nur eine Nebensache. Was Wunder dann, wenn Gott ihr Gebet nicht erhört? Auch in der heiligen Schrift begegnet uns ein Beispiel, das hieher paßt. König Jeroboam streckte seine Hand gegen den Propheten Gottes aus, und ans der Stelle verdorrte sie; wie er aber das merkte, sagte er zu dem Propheten: „Bitt' für mich, daß mir meine Hand wieder hergcstellt werde!" Anstatt um Verzeihung für seine Sünden zu bitten, weil er sich am Propheten Gottes vergreifen wollte, bat er um Wiederherstellung seiner Hand. An seine Hand allein dachte er, an seine Seele gar nicht. So machen auch wir es gar oft. Hat man Schaden an Geld und Gut, an Haus und Hof, an Vieh und Feld, da weint und jammert man; mau klagt über schlechte Zeiten, über Krankheit, die uns befallen hat; man lauft zum Propheten des N. B., zum Priester nämlich, und ruft: Bitt' für mich, daß der erlittene Schaden wieder gut werde, daß ich meine Gesundheit wieder bekomme u. s. w. An unsere Seele aber, wie es dieser gehen möge, denken wir gar nicht, diese macht uns die geringste Bckümmerniß. O das ist gefehlt, weit gefehlt! Wir beten nicht um Rechtes; darum hört uns Gott nicht. Ja, nicht selten würde es uns zum größten Verderben gereichen, wenn uns der liebe Gott in unfern thörich- ten Bitten erhören würde. Willst du also Erhörung finden, mein Christ! so bete vor Allem um solche Dinge, die sich auf Gottes Ehre und dein Seelenheil beziehen, um zeitliche , Dinge aber nur insoferne, als sie hiezu dienen. Daher ruft uns der göttliche Heiland zu: „Suchet vor Allem das Reich ii Gottes und seine Gerechtigkeit; alles Uebrige wird euch als Zugabe gegeben werden." Fr. Wann beten wir nicht auf die rechteWeise? I, AntW. Wenn wir beten ohne Vorbereitung, ohne « Andacht, ohne Demuth, ohne Glauben und Vertrauen, ohne Ergebung in Gottes heiligen Willen, ohne Be- !.' harrlichkeit, kurz, wenn unser Gebet die oben angegebenen s sechs Eigenschaften nicht hat. Belehrung. Ach, wie viele Christen beten nicht auf die rechte Weise! Die Einen kommen voll Zerstreuungen und voll irdischer Sorgen zum Gebete, die Andern ohne Reue und Lebensbcsserung; Viele beten ohne alle Andacht und Sammlung des Geistes, voll Unaufmerksamkeit, voll innerer Kälte und Lauheit; Vielen fehlt es an Glauben und Vertrauen, ^ an Ergebung in Gottes Willen oder an Ausdauer; Viele endlich beten Gott an mit ihrem Munde, durch ihr Leben aber lästern sie ihn. Wie soll oder kann Gott alsdann ein solches Gebet erhören?! „Alle Diejenigen," sagt der heilige Augustin, „die schlecht leben, lästern Gott, wenn auch ihre Zunge schweigt. Was hilft es, wenn deine Zunge einen Hymnus anstimmt, dein Leben aber nur Fluch und Bosheit athmet? " Beispiel und Anwendung. Habe also Acht, mein Christ! daß du stets auf die rechte Weise betest; denn ein Gebet ohne Andacht, ohne Demuth u. s. w. findet bei Gott keine Erhörung. In alten Geschichten wird erzählt, wie einst die Römer drei seltsame Männer zu Abgesandten nach Bithy- ninen erwählt haben, wovon der Eine an der Fußgicht litt, der Andere ein verbundenes Haupt zur Schau trug, der Dritte ein. träges und gleichgültiges Gcmüth zu erkennen gab. Als Cato die Leute sah, sprach er: „Diese Gesandtschaft hat weder Kopf, noch Herz, noch Füße!"— So kann es auch unserm Gebete ergehen, welches wir zu Gott emporsenden, damit es unsere höchsten Angelegenheiten vertreten soll. Wenn unser Gebet nicht fest steht im Glauben und Vertrauen, so hat es keinen Fuß; es ist herzlos, wenn es zerstreut ist, ohne Andacht und leer, und es ist ohne Kopf, wenn wir nicht beachten noch wissen, was wir sagen. Solches Gebet erhört Gott freilich nicht. 223 Am Feierabende des 4. April. Legende: Der heilige Richard. Bischof. (st 1253.) Ganz anders betete der hl. Bischof Richard, dessen Fest heute begangen wird; dieser verstand es, um das Rechte und auf dierechteWeise zu bitten: daher machte er in der Tugend und Wissenschaft so außerordentliche Fortschritte. Er war der Sohn sehr ansehnlicher Eltern und kam zur Welt im Schloße Wiche, vier Meilen von Worchester in England. Von seiner Kindheit an hatte er einen besonder» Hang zum Gebete und zur Tugend. Er war ein Feind der Scherze und aller Vergnügungen, für die man in der Jugend so leidenschaftlich eingenommen ist. Seine ganze Zeit war vertheilt unter die Hebungen der Religion und die Erlernung der Wissenschaften, und sein Herz glühte von Liebe zu Gott und den Nächsten. Alsbald zog ihn der heilige Edmund, Erzbischof von Canterburh, in seine Diözese, machte ihn zum Kanzler und übertrug ihm die wichtigsten Geschäfte seines Erzbisthums. Stets war der heilige Richard ein treuer Freund und Begleiter seines Erzbischofs; er ging mit ihm selbst in die Verbannung nach Frankreich, wo er sich znm Priester weihen ließ. Nach seiner Rückkehr in die Heimat wurde er abermals Kanzler des Erzbischofs von Canterburh und bald darnach Bischof von Chichester. Aller übrigen Sorgen entledigt, widmete er nun seine ganze Aufmerksamkeit der ihm an- vertrautcn Heerde; er besuchte die Kranken, begrub die Todten, suchte die Armen auf und linderte ihr Elend. Er predigte oft und gerne und zwar mit einer solchen Salbung und Rührung, daß man daraus schließen muß, er habe den Geist des Gebetes in hohem Grade besessen. Wegen dieser seiner ausgezeichneten Rednergabe wurde er beauftragt, Kreuzpredigten wider die Sarazenen zu halten; allein ein Fieber befiel ihn, während er ans seiner Sendung begriffen war. Nun bereitete er sich mit allem Eifer auf sein nahes Ende vor und starb im Krankenhospital zu Dover am 3. April 1253. Papst UrbanIV. setzte ihn unter die Zahl der Heiligen. Gebet. Herr, himmlischer Vater! laß uns die Gnade zu Theil werden, daß wir stets nur auf die rechte Weise und um das Rechte zu dir beten, wie der heilige Bischof Richard, damit wir so Alles das erlangen, was uns zum ewigen Heile dient, durch Christum unfern Herrn. Amen. Vierundneunzigstes Lesestück. Am Feierabende des 4. April. Mündliches und innerliches Gebet oder Betrachtung. Fr. Auf wie vielfache Weise kann man beten? Antw. Auf zweifache Weise: entweder bloß innerlich, oder auch zugleich ä nß erlich; das erstere nennt man auch betrachtendes, das letztere mündliches Gebet. Fr. Wann betet man bloß innerlich? Antw. Wenn Verstand, Herz und Wille sich in frommen Gedanken und Gefühlen allein mit Gott beschäftigen, ohne dieselben mit vernehmbaren Worten ans- zudrücken. Belehrung und Beispiele. Mit Recht heißt das Gebet eine Erhebung des Herzens zu Gott; denn wir können beten, ohne daß sich unser Mund auch nur bewegt, wenn nur das Herz spricht. So betete einst Anna, die Mutter Samuels, in ihrem Anliegen zum Herrn. „Sie redete," heißt es, „ in ihrem Herzen; nur ihre Lippen bewegten sich, ihre Stimme aber ward gar nicht gehört." — Auch David ließ öfter bloß „sein Herz" mit Gott sprechen; ebenso Moses und viele andere fromme Seelen. So könnten und sollten wir gleichfalls beten lernen. Wir beten innerlich, wenn wir uns Gottes, seiner Vollkommenheiten oder Wohl- thaten erinnern, und unser Herz dabei in Ehrfurcht und dankbarer Liebe bewegt fühlen; wenn wir beim Genüße einer GotteSgabc, eines unschuldigen Vergnügens an den Geber denken, oder bei den täglichen Arbeiten und Beschwerden die Meinung und den Wunsch im Herzen erwecken und hegen, daß Alles zur Ehre Gottes und zu unserm ewigen Heile gereichen möge. Diese Gebetsweise kann man jeder Zeit und überall, mitten unter der Arbeit, wie in ruhigen Augenblicken, in der lebhaftesten Gesellschaft, wie in der Einsamkeit anwenden, ohne das geringste Aufsehen zu machen oder den Spott gebetscheuer Weltmcnschen auf sich zu ziehen. Dieses innerliche Gebet, diese frommen Regungen, Wünsche, Seufzer der Seele nimmt der Allgegenwärtige und Allwissende ebenso deutlich wahr, wie die lautesten Worte und lebhaftesten Geberden; sie gefallen ihm überaus wohl und bleiben gewiß nicht ohne Erfolg — so wenig als das Flehen der guten Anna und und des gottlübenden David. 824 Zweites Hauptstück. Mündliches und innerliches Gebet oder Betrachtung. Fr. Wie nennt man das innerliche Gebet noch? Antw. Betrachtung. Fr. Worin besteht die Betrachtung? Antw. Darin, daß man das Leben und Leiden Jesu, die göttlichen Vollkommenheiten oder andere Glaubens- Wahrheiten bei sich erwägt, um in seinem Herzen fromme Rührung, besonders aber gute Entschließungen und kräftige Vorsätze zu erwecken. Belehrung. Gegenstand der Betrachtung können sein alle Wahrheiten und Geheimnisse des Glaubens, alle Gebete und Tugenden der Religion, alle Bitten im Gebete des Herrn, die Wohlthaten Gottes im Reiche der Natur und Gnade, die letzten Dinge des Menschen, das Leben und Leiden des Erlösers und seiner Heiligen, alle erfreulichen oder traurigen Schickungen und Zulassungen GottcS. Bei der Betrachtung versetzt man sich vor Allem in Gottes Gegenwart; dann richtet man Geist und Herz auf den zu betrachtenden Gegenstand; hierauf stellt man an sich die Frage, ob man bisher dieser Wahrheit oder Pflicht gemäß gelebt habe oder nicht; bereut dann in Demuth seine Verirrungen vor dem Herrn und faßt den redlichen und festen Vorsatz zur Besserung; endlich fleht man zu Gott um Kraft und Stärke zur Ausführung der frommen Vorsätze und verbindet damit den innigsten Dank für die bei der Betrachtung empfangenen Erleuchtungen und heilsamen Anregungen. — Dieses innerliche oder betrachtende Gebet ist für uns außerordentlich nvthwendig und nützlich. Dadurch lernen wir Gott erst recht kennen und lieben; dadurch gelangen wir erst zu einem lebendigen und bleibenden Bewußtsein unserer erhabenen Bestimmung auf Erden; durch die Betrachtung wird uns das Erhabene, Heilige und Trostvolle unserer heiligen Religion erst recht klar, und wir werden dadurch angespornt, uns immer mehr in unsere heilige Religion hineinzuleben u. s. f. Wahrlich, ohne Betrachtung lernt sich der Mensch nie selbst recht kennen; denn die Betrachtung ist ein Spiegel, der uns alle Flecken und Wackeln, die unsere Seele verunstalten, zu erkennen gibt. Wer nicht betrachtet, erkennt seine Fehler und Mängel nicht, und deßhalb verabscheut er selbe auch nicht. Wer sich aber auf die Betrachtung verlegt, dem werden sich seine Fehler und die Gefahren, zu Grunde zu gehen, klar vor Augen stellen; und da er sie sieht, wird er auch darauf bedacht sein, Mittel und Rath dagegen zu schaffen. Daher haben auch die Heiligen Gottes dieses innere Gebet mit heiliger Freude geübt; bei Tag und Nacht lagen sie in frommer Betrachtung vor Gott. „ Alle Heiligen," sagt der hl. Augustin, „wurden nur durch das Gebet und durch fromme Betrachtung heilig; ihr ganzes Leben war ein stetes Beten und Betrachten." Beispiele ».Anwendung. Wenn Alles sich zur Ruhe begeben hatte und in tiefen Schlaf versunken war, so stand der heil. Papst Cölestin us oft vomBette auf, um in stiller Betrachtung mit Gott und seinem Seelenheile sich zu beschäftigen ; oft setzte er die- - ses sein betrachtendes Gebet bis Mitternacht fort. (Sieh das nebenstehende Bild!) — Obwohl David auf dem Throne saß und mit Negierungsgeschäften vollauf zu thun hatte, so pflegte er doch siebenmal des Tages zu beten, wie er selbst sagte; er stand bei der Nacht auf, um zu beten und zu betrachten. Unter Eingebung des göttlichen Geistes verfaßte er seine erhabenen Gesänge, die jetzt noch in der Kirche des neuen Gesetzes gesungen werden. — Mehrere große Fürsten, wie Karl der Große, der heilige Ludwig und der heilige Heinrich rc. weihten dem Gebete und der Betrachtung mehrere Stunden des Tages, ja sogar der Nacht. — Karl V. widmete nicht bloß in seinen letzten Lebenstagen, nachdem er die Krone niedergelegt hatte, einen großen Theil seiner Zeit der Betrachtung, sondern selbst unter den vielfachen Geschäften und Sorgen seiner Regierung hat er diese nie vernach- läßigt, so daß man schon in seinem dreißigsten Jahre von ihm zu sagen pflegte: „DerKaiser rede mehr mit dem lieben Gott, als mit Menschen." — Solltest nicht auch du, mein christlicher Leser! diese so nützliche und heilsame Gebetsweise zu erlernen und wenigstens alle Tage ein Viertelstündchen zu üben suchen? Dein Seelsorger würde dir gewiß solche Andachtsund Betrachtungsbücher an die Hand geben oder bezeichnen, die dir dabei gute Dienste leisten könnten. Fr. Wann beten wir mündlich? Antw. Wenn wir die frommen Gedanken, Empfindungen nnd Gefühle unserer Seele auch äußerlich knnd- geben oder mündlich anssprechen. Belehrung. Nicht nur mit den Kräften der Seele, sondern auch mit den Kräften des Leibes sollen wir Gott 225 Am Feierabende des 4. April. loben, preisen und verherrlichen; mit dem weisen Sirach (51,30.) sollen wir ausrufen: „Eine Lunge hat mir der Herr gegeben; ich will ihn damit Preisen," und unser Mund soll übergehen von den Gefühlen der Andacht, von welchen unser Herz voll ist, d. h. wir sollen mit dem innerlichen Gebete oft auch das äußere oder mündliche Gebet verbinden; dich fordert von uns nicht nur schon die eigene Natur, sondern auch die Pflicht der Erbauung, indem wir unsere Nebcnmen- schen wie zu allem Guten, so auch zum Gebetseifer ermuntern und darin bestärken sollen. — Auch das mündliche Gebet ist daher überaus nützlich und heilsam; die heilige Schrift fordert uns vielfach hiezu auf. Und es gehört keine große Kunst dazu, diese Pflicht des mündlichen Gebetes mit Nutzen üben zu können; denn Gott der Herr sieht bei unscrm mündlichen Gebete nicht auf die Worte, sondern nur auf die Gesinnung und auf die Einfalt des Herzens. Beispiel und Anwendung. Die himmlische Einfalt betet, und ihr Gebet lautet oft gar einfältig vor den Ohren der Welt, und es geht Mancher an ihr vorüber und möchte lächeln über sie; und doch schaut der Herr überaus liebreich auf sie herab, und die Engel haben ihre Freude an diesem einfältigen Gebete. So war auch einmal ein guter Mann, und der sprach statt eines Gebetes das A B C., und nachdem er die vierundzwanzig Buchstaben hergesagt hatte, fügte er zum Schlüße bei: „Herr, mache du diese Buchstaben zu Worten, die Dir gefallen, und ich bitte Dich nur um das, was Dir wohlgefälliger, mir aber nützlicher ist. Was aber das sei, weißt Du besser als ich." -— Zn diesem Gebete lag die tiefste Weisheit, und aus ihm athmete das größte Vertrauen, — die heiligste Liebe. — Wenn du nicht weißt, mein Christ! wie du beten sollst, so mache es, wie dieser fromme Mann, oder wenn du dir im Gebete gar nicht helfen kannst, wenn du keine Worte findest, um mit Gott zu reden, so benutze ein gutes Gebetbuch und lies in demselben mit Aufmerksamkeit und Andacht; dem Herrn wird alsdann dein mündliches Aebet gefallen, und Er wird dich erhören. Legende: Der heilige Isidor, Erzbischof von Sevilla, (fl 636.) Der heilige Erzbischof Isidor, dessen Andenken heute in der Kirche gefeiert wird, brachte gar manche Stunde des Tages, ja sogar der Nacht in Betrachtung und Gebet vor Gott zu. Dadurch machte er aber auch bei seinem anhaltenden Fleiße die bewunderungswürdigsten Fortschritte in den Wissenschaften und in der Beredsamkeit. Er war zu Carthagena in Spanien von sehr ansehnlichen Eltern geboren und fand schon in seiner frühesten Jugend die größte Freude in der traulichen Unterredung mit Gott. Sein Bruder Leander, Erzbischof von Sevilla, führte ihn mit allem Eifer auf der betretenen Bahn der Tugend und Wissenschaft vorwärts, und so kam es, daß er nach dem Tode desselben Mchler, Hausbuch. Vom Könige, von der Geistlichkeit und dem Volke wider seinen Willen zum Erzbischöfe erwählt wurde; denn er hatte bereits seinen apostolischen Eifer in Bekehrung vieler der damaligen Irrgläubigen bewiesen, wobei er sich für seinen Heiland der Todesgefahr aussetzte. Er errichtete, um die Kirche Gottes von Jrrlehrern und Sündern zu reinigen, Pflanzschulen der Gottseligkeit und Gelehrsamkeit für Geistliche. Zldephons, nachmaliger Bischof von Toledo, und Branlius, Bischof zu Saragossa, zwei der größten Lichter der damaligen Kirche, waren seine Jünger. Neben seinen vielen Arbeiten zum Seelenheile der Seinigen schrieb er auch noch mehrere gelehrte und nützliche Schriften. Ganz besonders war er ein Vater der Armen, gegen die er in seinen letzten Lebensjahren täglich wohlthätiger wurde, so daß in den letzten sechs Monaten seines Lebens sein Haus ein Spital der Armen zu sein schien. Am Ende seines Lebens ward er noch durch eine sehr schmerzliche Krankheit geprüft, die ihm aber noch gestattete, vier Tage vor seinem Ende, nachdem er seinen Schuldnern Alles geschenkt und sein weniges Geld an die Armen vertheilt hatte, sich in die Kirche führen zu lassen, wo er dem zahlreich znströmenden Volke noch einige Ermahnungen gab. Nach dem Empfange der heiligen Wegzehrung begab er sich in seine Wohnung, wo er nach drei Tagen selig im Herrn verschied, i. I. 636. Gebet. Erfülle uns, o Gott! mit einem wahren Gebetseifer, auf daß wir, wie der heilige Erzbischof Isidor, in der frommen Unterredung mit dir, im mündlichen und betrachtenden Gebete Trost und Freude finden mögen, bis wir einstimmen dürfen in die Chöre der seligen Geister. Durch Christum unfern Herrn. Amen. 29 226 Zweites Hauptstück. Zeit des Gebetes« WZ« WMLL sonst Etwas thun, so thut Alles zur Ehre Gottes/' wenn wir also so leben und arbeiten, wenn wir Alles für Gott thun, wie er Alles für uns gethan hat, so beten wir ohne Unterlaß. Und wie leicht können wir nicht all unser Thun und Lasten Gott dem Herrn aufopfern? Ein frommer Aufblick zum Himmel, ein kurzes Gebet: „Herr, dir zu lieb!" „Alles zu deiner größern Ehre!" rc. reicht hin, um uns mit Gott zu vereinigen und so all unsre Arbeit zu einem beständigen Gebete umzuschaffen. „ Der wahre Christ," sagt der heilige Clemens von Alexandrien, „betet stets und immer, zwar nicht so, daß man es gewahr wird; aber er betet im Herzen, mitten im Verkehr mit andern Menschen, auf seinem Spaziergange, bei der Arbeit und bei der Ruhe. Mit unaussprechlichen Seufzern ruft er den Vater an, und der Vater ist ihm nahe, während er ihn anruft." Fünsundnemizigstes Lesestück. Am Feierabende des 5. April. Zeit des Gebetes. Fr. Wann sollen wir beten? Antw. „Wir sollen allezeit beten und nicht Nachlassen," sagt Christus (Lnk. 18, 1.), und der heilige Paulus setzt bei: „Betet ohue Unterlaß!" Belehrung. Wir sollen also beten ohne Unterlaß; sowie Gott immerdar bei dem Menschen ist und ihm jeden Augenblick Gnade erweiset, so soll auch des Menschen Geist immer bei seinem Gotte sein. Daher war auch das Leben vieler Heiligen Gottes ein lauterer Wandel vor Gott, ein beständiges Gebet; sie erfüllten die Forderung des Herrn, daß wir allezeit beten und niemals Nachlassen sollen, wirklich im vollen Sinne des Wortes. Der heilige Abt Theodo- sius war ein so fleißiger und unabläßiger Beter, daß er sogar im Schlafe seine Lippen bewegte, als wenn er wirklich betete, und er hörte auch in Wahrheit nicht eher zu beten auf, als bis er aufgehört hatte zu leben. Fr. Ist cs denn möglich, daß wir bei unfern vielen Geschäften und Arbeiten ohne Unterlaß beten? Antw. Ja, es ist möglich; wir dürfen nur öfters Herz und Gedanken zu Gott erheben und ihm alle Arbeiten, Leiden und Freuden aufopfern. Belehrung. Wenn wir all unser Thun und Lassen aus Liebe zu Gott verrichten, wenn wir all unsere Gedanken, Worte und Werke durch eine fromme Meinung dem Herrn weihen und ihm all unsere Leiden und Freuden aufopfern, mit Einem Worte, wenn wir der Ermahnung des Apostels folgen, der da sagt: „Ihr möget essen oder trinken oder Beispiele und Anwendung. Wir wir ohne Unterlaß beten können, zeigen uns die Heiligen Gottes in unzähligen Beispielen. Ohne Unterlaß betete die heilige Familie, Joseph und Maria mit dem göttlichen Kinde; denn bei all ihrer Arbeit war ihr Herz und Sinn zu Gott emporgerichtet. (Sieh das obige Bild!) Ohne Unterlaß betete der heilige Ludovikus Bertrandus. Vier Stunden waren täglich ausschließend dem Gebete bestimmt, zwei Vormittags und zwei Nachmittags. Während des Tages bediente er sich einer Menge von Stoßgebetlein, in denen er sein Ge- müth zu Gott erhob; ja stets blieb sein Herz mit Gott vereinigt, er mochte beten oder arbeiten, essen oder trinken, ruhen oder schlafen. — Ohne Unterlaß betete der heilige Bälden: er us, ein Schmied; denn zu jedem Hammerschlage pflegte er zu sagen: „Im Namen des Herrn!" — Ohne Unterlaß betete der heilige Klimakus, ein Klosterkoch. Dieser mußte alle Tage für 230 Personen, die Fremden nicht mitgerechnet, kochen. Weil man ihn aber stets munter dabei sah, so fragte ihn Einer, ob er nicht manchmal bei dem vielen Kochen verdrießlich würde? Da antwortete er: „Keineswegs! ich denke beständig: Ich koche Alles für Gott, indem uns Christus versichert: „Was ihr den Geringsten aus meinen Brüdern gethan habt, das habt ihr mir gethan." — Die heilige Magdalena von Pazzis, die Vorsteherin in einem Nonnenkloster, fragte öfter des Tages ganz unerwartet ihre Mitschwestern: „Warum nähest du? Warum strickest, warum kochest, warum spinnest, warum kehrest du? u. s. w." Und sie durften ihr, gemäß dem im Noviziate erhaltenen Unterrichte, keine andere Antwort geben, als diese: „Gott zu Lieb, Gott zu Ehren." — Das nun, mein Christ! heißt ohne Unterlaß beten. Ebcndieß kannst auch du, wenn du all dein Thun und Lassen durch eine gute Meinung heiligest oder durch fromme Stoßgebetlein, die gleich einem abgeschoffcncn Pfeile in einem Augenblicke durch die Wolken dringen und dir bisweilen mehr Verdienst schaffen, als viele andere Gebete. Fr. Wann sollen wir noch besonders beten? Antw. Wir sollen noch besonders beten: 1) vor 227 Am Feierabende des 5. April. allen wichtigen Unternehmungen, in Versuchungen, Anliegen, geheimen und öffentlichen Drangsalen; 2) am Morgen und Abend, vor und nach dem Essen, beim Zeichen der Betglocke u. s. f. Belehrung. Zn allen wichtigen Unternehmungen, bei Versuchungen, in Leiden und Drangsalen, bei Verfolgungen, kurz in allen Anliegen sollen wir unsere Zuflucht zum Gebete nehmen. „Wirst du von heftigen Leidenschaften ange- fochten," also schreibt der hl. Ch rh s osto m us, „ oder von langwieriger Krankheit gemartert; wirst du von bitterer Armuth gedrückt, von rachgierigen Feinden verfolgt, oder von andern Uebeln an Leib und Seele bedroht, so nimm deine Zuflucht zum Gebete, und es wird dich schützen und stärken. Willst du deine Pflichten erfüllen, und in der Tugend und Frömmigkeit Fortschritte machen, so nimm deine Zuflucht zum Gebete, und du wirst die nöthigm Gnaden erlangen. Ohne Gebet aber wirst du ebensowenig bestehen können, als der Fisch ohne Wasser zu leben vermag." Beispiel und Anwendung. Wahrlich, ohne Gebet werden wir wenig oder gar Nichts ausrichten. — Zu dem Pater Alvarez, der einst in einem sehr armen Collegium Rektor gewesen, kam öfters der Schaffner des Hauses voll ängstlicher Sorge, weil er nicht wußte, womit er das Haus bestellen solle. — „Wie bist du doch so ängstlich?" sagte deshalb einmal Alvarez zu ihm; „hast du denn deine Angelegenheiten schon dem Herrn unserm Gott mitgetheilt?" Auf die Antwort: „Ich hatte noch keine Zeit zum Gebete!" — entließ er ihn mit dem Bescheide: „Das Gebet muß das Erste sein! Geh' in dein Kämmerlein und bete, und dann kehre hieher zurück! Denkst du denn, daß diese Heerde keinen Herrn habe? Aber sie hat ja einen solchen, dem sie nicht so werthlos erscheint, daß er sie zu Grunde gehen ließe! Geh' in Frieden und bedenke, daß des Hauses Gedeihen nicht von deiner Wirthschaftung allein abhängt!" — Das ist eine gar treffende Lehre für uns Alle, mein Christ! Nichts sollen wir ohne Gott, ohne Gebet anfangen; denn wenn der Herr uns nicht seinen Segen gibt, wenn er uns nicht hilft; wo ist da je an ein Gedeihen, an eine Hilfe zu denken? Daher nimm stets im Gebete deine Zuflucht zu Gott; bete in allen Nöthen und Anliegen, bete am Morgen und Abend, vor und nach dem Essen rc. (Hievon ausführlicher in den nachfolgenden Lesestücken.) Legende: Der heilige Vincentius Ferreri Bekenner, (ch 1419.) Das Leben dieses Heiligen, dessen Fest auf den heutigen Tag fällt, war ein beständiges Gebet; dadurch, daß er all sein Thun und Lassen auf Gott bezog, betete er in Wahrheit ohne Unterlaß. St. Vincenz Ferreri wurde i. I. 1357 zu Valentia in Spanien von adeligen und gottseligen Eltern geboren. Schon im lOten Lebensjahre erbaute Vincentius seine Eltern u. Bekannte durch seine innige Liebe zu Jesus n. der hl. Jungfrau, durch sein Fasten und seine Liebeswerke gegen die Armen. Im 18ten Lebensjahre trat derselbe, dem Drange seines Herzens folgend, in den Dominikaner- oder Prediger-Orden, und wirkte eine Zeit lang theilö als Lehrer, theils als Prediger in verschiedenen Klöstern seines Ordens in Spanien. Nachdem er kurze Zeit am Hofe Benedikt's XIII. als Beichtvater zugebracht hatte, wurde er auf sein inständiges Bitten zum apostolischen Missionär mit außerordentlichen Vollmachten ernannt. Jetzt war Vincenz in seinem eigentlichen Berufe. Mit wahrer Begeisterung zog der arme Mönch mit einer einfachen, für alle Fälle nothwen- digen Kleidung als apostolischer Missionär durch Frankreich, Italien, England, und an den Rhein, überall im Geiste des heiligen Johannes des Täufers Buße predigend zur Vergebung der Sünden, hinweisend ans das letzte Gericht. Die Gabe der Wunder und Sprachen war ihm verliehen, der Engel des Friedens begleitete ihn, Fürsten und Vornehme verherrlichten seinen Einzug aller Orts. Dieser gewaltige Heilige, ein Rüstzeug in der Hand des Herrn, der außerordentlichste und ausgezeichnetste Prediger, der Apostel seiner Zeit, wirkte unbeschreiblich Vieles für Gottes Ehre und das Heil seiner Kirche. Sein Leben war der Beweis seiner Lehre. Er starb im Jahre 1419 und wurde i. 1.1455 von Calixt III. heilig gesprochen. Gebet. O großer Diener des Herrn, St. Vincent ins Fer rer ins! erbitte auch uns die Gnade, daß wir die Kunst, ohne Unterlaß zu beten, erlernen mögen, indem wir hienieden all unser Thun und Lassen, all unsere Leiden und Freuden Gott dem Herrn aufopfern, um dafür einst den ewigen Lohn im Himmel zu erlangen. Amen. 29 * 228 Zweites Hauptstück. Sechsundneunzigstes Lesestück. Am Feierabende des 6. April. Das Morgengebet. Fr. Warum sollen wir sogleich am frühen Morgen zu Gott beten? Antw. 1) Weil uns das Morgengebet überaus noth- wendig und nützlich ist, und 2) weil wir dem Herrn, unfern Gott, die Erstlinge des Tages schulden. Belehrung. Das Morgengebet ist uns 1) überaus nothwendig und nützlich. Wie der Leib, nachdem er im Schlafe ausgeruht, des Morgens einer Nahrung bedarf, um sich zur Arbeit zu stärken, so bedarf auch die Seele am frühen Morgen einer geistlichen Speise, um zur Ehre Gottes ihr Tagwerk zu vollenden, in ihren Kämpfen auszuharren, ihre Widerwärtigkeiten in christlicher Geduld hinzunehmen. Diese geistige Morgenspeise ist das Morgengebet. „Wer nach Weisheit strebt," sagt der Weise, „wird sein Herz schon am Morgen Gott seinem Schöpfer geben und sein Gebet verrichten vor dem Allerhöchsten." — Wir müssen am Morgen beten; denn 2) die Erstlinge des Tages schulden wir Gott ganz besonders. Diese sind ihm am Wohlgefälligsten; durch diese weihen wir ihm alle übrigen; durch Das MorgengeVet. diese ziehen wir schon am stützen Morgen den Segen vom Himmel herab; sie sind der Gnadenthau, der uns stärkt zur Vollbringung unseres Tagewerkes, gleichwie die Israeliten, die am Morgen das Manna sammelten, den Tag über damit sich nährten. Daher fordert uns Gott der Herr selbst zum Morgengebete auf, indem er uns beim Propheten Amos (4,4.) zuruft: „In der Frühe bringet euere Opfer dar!" Und schon bei Sirach (32,18.) spricht er es deutlich aus, welcher Segen auf dem Morgengebete ruhe, indem er sagt: „Diejenigen, welche des Morgens wachen, um mich zu suchen, werden mich finden." Beispiele und Anwendung. Den frommen und heiligen Dienern Gottes, die den großen Nutzen und Segen des Morgengebetes gar wohl erkannten, war es eine süße und heilige Pflicht, am frühen Morgen ihren Gott zu loben und zu Preisen. Schon König David stimmte sogleich beim Erwachen sein Morgengebet an, indem er ausrief: „O Gott! frühe erwache ich zu dir; meine Seele dürstet nach dir, gar sehr nach dir mein Fleisch!" (Ps. 62.) — Wenn der heilige Johann von Gott bei anbrechender Morgenröthe die Kranken in den Spitälern besuchte, so erinnerte er sie sogleich daran, im Danken nicht die Letzten zu sein, indem die Vögelein im Freien draußen schon lange mit Danksagung und Lobgesang beschäftigt wären. — Wenn der heil. Franz Seraph Morgens die Vögel singen hörte, rief er seinen Ordensgenossen zu: „Nun loben unsere beflügelten Brüder ihren Schöpfer und singen ihm für den wiedererlebten Tag ein Dankliedchen. Sollten wir uns von den Vögeln beschämen lassen?!" '— Ein alter Einsiedler pflegte zu sagen: „Ich sehe in dem Morgengebete den Verlauf des ganzen Tages; denn wie dieses den Tag anfangende Gebet beschaffen ist, so ist auch der ganze folgende Tag beschaffen. Ein böses Gebet, ein böser Tag; ein ruhiges, gottgefälliges Gebet, ein ruhiger, gottgefälliger Tag!" Und dieses erscheint ganz der Wahrheit gemäß, und von Seite gottesfürchtiger Männer durch die tägliche Erfahrung auf's Genaueste bestätigt. „Denn das Gebet," sagt Johannes Climakus, „wird von den Kirchenlehrern mit Recht ein Spiegel genannt; dein Gebet offenbart dir deinen ganzen Zustand. Den halben Tag hat Der gewonnen, der am Morgen mit Jnnbrunst gebetet hat. Gib daher Gott die Erstlinge des Tages; denn ver ganze Tag wird Dem gehören, der ihn zuerst in Besitz genommen hat." — Siehe, so nothwendig und nützlich ist uns Allen, mein christlicher Leser! das Morgengebet. Durch dasselbe können wir uns einen großen Segen verdienen für Zeit und Ewigkeit. Fr. Da das Morgengebet so nützlich ist und solchen Segen bringt, — was folgt hieraus für uns? Antw. Daß wir dasselbe nie unterlassen und Alles zu entfernen suchen, was uns daran hindern könnte. (Sieh das obige Bild!) Belehrung. Der böse Feind weiß es gar wohl, welchen Nutzen und Segen uns das Morgengebet bringt; daher 229 Am Feierabende des 6. April. wendet er alles Mögliche an, um uns von dieser heilsamen Andacht abzuziehen, oder doch wenigstens darin zu stören. Entweder hält er uns im Bette zurück, so lange bis uns keine Zeit mehr zum Gebete übrig bleibt, oder er stellt uns schon gleich beim Aufstehen die vielen nothwendigen und dringenden Geschäfte, die auf uns warten, vor Augen, damit wir sogleich an die Arbeit eilen und uns keine Zeit zum Morgengebet mehr nehmen. O! der böse Feind ist schlau; er will nicht haben, daß der Mensch den Tag gleich mit Gott anfange, weil er weiß, daß ihm dadurch sein Geschäft, Menschenseelen für die Hölle zu gewinnen, um Vieles erschwert wird. Darum bietet er hier alle seine Kunstgriffe auf, und nicht selten gewinnt er. O lasse dich nicht fangen durch seine Fallstricke! Wenn deine Arbeit noch so dringend ist, rede erst mit deinem Gott! Je nothwendiger, je dringender sie ist, desto mehr brauchst du ja Gottes Gnade und Segen dazu; und die etlichen Augenblicke, welche du mit dem Morgengebete verlierest, werden für dich gewiß nicht verloren sein, sondern dir Segen und Nutzen bringen. Beispiel und Anwendung. Der berühmte Prediger Hun olt erzählt unS eine Geschichte, die es uns beweist, wie geschäftig der böse Feind ist, um uns von unserer Morgenandacht abwendig zu machen. — Ein frommer, ehrwürdiger Mann aus der Reihe jener alten Einsiedler der Wüste, welche des Morgens frühe gemeinschaftlich ihre Betstunde mit einander hielten, darnach aber während des Tages sich mit Korbflechten und dergleichen Arbeiten beschäftigten, sah einmal des Nachts den bösen Feind in den Klosterzellen der Brüder herumgehen und daselbst die Werkzeuge und Arbeitsvorräthe nach allen Richtungen hin zerstreuen. Da fragte der fromme Einsiedler: „Was fängst du doch da an? Wozu soll dieser Kram und diese Unordnung dienen?" Und der böse Feind antwortete: „Ich bereite deinen Brüdern lauter Zerstreuung, damit sie, wenn sie aufstehen, durch das Ansehen und Bewundern dieser Werkzeuge rc. nachlässiger und langsamer werden zum Gebete, und über den Geschäften, die ihnen schon sogleich bei der vorhandenen Unordnung begegnen, auf ihre Morgenan- drcht ganz und gar vergessen." — Siehst du da, so macht es der böse Feind! Zwar erscheint er nicht immer so sichtbar, allein unsichtbarer Weise übt er stets einen besondern Einfluß. Laste dich darum nicht irre machen, mein Christ! und dich nie stören in deiner Morgenandacht. Fr. Worin soll unser Morgengebet bestehen? Antw. 1) In einem recht herzlickien Danke für den erquickenden Schlaf und für den nenerlebten Tag, 2) in guten Vorsätzen für den Tag, 3) in der Bitte um den dazu nöthigen Schutz und Beistand. Belehrung und Beispiel. „Gleich beim Erwachen muß man dem Schöpfer danken," sagt der heilige Hieronymus, und dieß ist das Erste, was wir bei unserm Morgengebete thun müssen, wir müssen Gott danken für den süssen Schlaf, den er uns gewährte. O der Schlaf ist wirklich eine Gabe Gottes; wer desselben entbehren muß, fühlt dieß gar wohl; daher haben wir alle Ursache, dem Herrn zu danken für den Schlaf, der uns so sehr erquickte. Wir müssen aber auch danken für den neuerlebten Tag. Ach, während der Nacht sind wohl viele Tausende gestorben; eS ist für sie jene Nacht angebrochen, wo Niemand mehr wirken kann; uns aber hat der Herr in seiner Barmherzigkeit eine neue Gnadenfrist geschenkt, er hat uns den neuen Tag erleben lassen; welchen Dank sind wir ihm dafür schuldig! Mit diesem Dank mästen wir alsdann aber auch zugleich den ernstlichen Vorsatz verbinden, die uns verliehene Gnadenfrist nur zur Ehre Gottes und zum Heile unserer Seele zu benützen; und da wir durch uns selbst Nichts vermögen, so müssen wir Gott um den hiezu nöthigen Schutz und Beistand bitten. Auf solche Weise beteten am Morgen alle Heiligen, so betete insbesonders der heilige Ludwig von Granada. „Gott, mein Gott! zu dir erwache ich am Morgen! (so lautet sein Gebet.) Das Erwachen für dich sei der Anfang meines Denkens und meine erste Beschäftigung! Dazu drängt mich die heißeste Dankbarkeit, die ich dir schulde für so viele Wohlthaten. Du bist allein der Spender aller Güter; du bist das Meer aller Vollkommenheiten, der Abgrund alles Herrlichen, der ewige Strom der unbegränzten Barmherzigkeit und Liebe! Du bist der alleinige Gott, der Heiligste der Heiligen, der König der Könige! Du bist mein Vater, mein Erhalter, mein Heiligmacher! Du bist darum mein Alles in Allem, weil du mein Gott bist! Was soll ich dir aber, mein Herr und Gott für all diese Wohlthaten darbieten als Gegengabe? Ach, wenn ich allein alle Herzen der Menschen in mir besäße, um mit allen diesen Herzen zusammen dich zu lieben, es genügte nicht, um nur einen Theil der Huldigungen dir zu bezeugen, welche dir mit Recht gebühren. Und doch will ich dir mein ganzes Herz aufopfcrn, und will nach dem Maße meiner Kräfte dir lobsingen. Ich will heute und immerdar ganz dein sein; ich will nicht mehr mich selbst suchen, sondern dich allein in Allem und durch Alles! Aber weil ich aus mir selbst ein dir so wohlgefälliges Werk nicht ausführen kann, so bitte ich dich um deine göttliche Gnade. Schaffe in mir ein neues Herz, das nur dich sucht und liebt; gib mir einen Willen, der Nichts sehnsüchtiger anstrebt, als die Haltung deiner Gebote! Gib mir einen Verstand, der Tag und Nacht sich nur mit dir beschäftigt! Und so will ich im Guten verharren — bis zu meiner letzten Pilgerstunde hienieden. Amen." 23« Zweites Hauptstück. Legende: Der heilige Abt Wilhelm, (f 1203.) > Keinen Tag erwachte der hl. Abt Wilhelm, dessen Name uns heute in der Legende begegnet, ohne sogleich Gott dem Herrn in einem andächtigen Morgeng e- bete den Tribut seines Dankes und seiner Liebe darzubringen. Ueber- haupt zeichnete sich dieser Heilige durch eine besondere Beharrlichkeit im Gebete, sowie durch L>anstmuth, Bescheidenheit u. durch Liebe zur Einsamkeit und Abtödtnng ans. Wilhelm wurde geboren zu Paris im Jahre 1105 und erzogen in einem Kloster, in welchem sein Bruder Hug o Abt war. Nach Vollendung seiner Studien nahm er das Snbdiakonat und wurde Kanoniker von St. Genovefa in Paris, dann Abt zu Eschil in Dänemark. Daselbst lebte der Heilige in beständiger Hebung des Gebetes und der strengsten Abtödtnn- gen. Doch mußte er viel leiden von Seite einiger Mächtigen, die ihn verfolgten, und es fehlte nicht an schweren innern Prüfungen; allein durch seine Geduld und Sanftmuth trug er immer den Sieg davon, bis endlich Gott seine Verdienste in der Ewigkeit krönte i. I. 1203. Gebet. Verleihe uns, o Gott! auf die Fürbitte deines heiligen Dieners Wilhelm, daß wir Dir nicht nur jeden Morgen, sondern auch alle Tage unsers Lebens weihen, so daß wir nur Dir leben und sterben, durch Christum unfern Herrn. Amen. Siebenundneunzigstes Lesestück. Am Feierabende des 7. April. Das Tischgebet. Fr. Warum sollen wir vor und nach dem Essen beten? Antw. Weil Gott der Geber alles Guten ist, den wir um seine Gaben bitten, und dem wir für die erhaltenen Wohlthaten danken müssen. Belehrung. Jede gute Gabe kommt von Oben und bedarf des Segens Gottes; auch die Speisen, die wir genießen, Das Tischgebet. kommen von Gott, werden uns von Gott bescheert; darum ist es auch höchst billig, daß wir ein Bitt- und Dankgebet vor und nach jeder Mahlzeit zu ihm emporsenden. Würde man es nicht für eine Rohheit halten, wenn ein Fremder sich ohne weiters an unfern Tisch setzen, und davon aufstehen würde, ohne uns die gebührende Höflichkeit zu bezeigen? Schäme dich also nicht, das zu thun, was dein Heiland selbst gethan, welcher, so oft er sich selbst oder Andere gespeist, jedesmal den Segen und Dank darüber gesprochen. — An diese Pflicht des Tischgebetes erinnert uns auch der heilige Paulus, indem er (1. Cor. 10.) schreibt: „Ihr möget essen oder trinken oder sonst Etwas thun, so thut Alles zur Ehre Gottes!" Fürwahr, wenn uns Gott den Tisch nicht deckt mit seinem Segen, so werden wir verhungern müssen; Ursache genug, warum wir zu ihm vor und nach dem Essen beten sollen. Wir sehen dieß aus nachfolgender Erzählung. Beispiel und Anwendung Der 6. Juli 1846 war ein Tag des Unglücks und Schreckens für einen weiten und großen Bezirk der oberen Pfalz. Abends gegen 6 Uhr erhob sich ein furchtbar düsteres Gewölle am Himmel, unheilschwanger und Verderben drohend den herrlichen und reichen Feldfrüchten, die besonders in diesem Jahre so üppig dastanden und den reichlichsten Segen versprachen. Wirklich entlud sich ein furchtbares Hagelwetter; alles Händeringen, alles Klagen und Weinen, alles Beten und Flehen half Nichts; in 10 Minuten war aller reiche Segen, auf dessen Einbringung man schon täglich und stündlich gerechnet hatte, vernichtet. — Es lebte auch in diesem Bezirke ein gottesfürchtiger Hausvater, der viele Kinder hatte und unter ihnen auch zwei schon ziemlich erwachsene Söhne, die ihm nicht gerne mehr gehorchen wollten. Besonders suchten sie sich gewöhnlich vom Tischgebete wegzuschrauben; gerade da wurden es um sie äußerst notwendig; sie hatten noch schnell im Stalle oder in der Werkstätte oder sonst wo Etwas zu thun. Als aber an diesem Unglückstage die brave Hausmutter das spärliche Abendessen auftrug, da fand sich Alles fleißig zum Tischgebete ein; man sah nur trübe Mienen und nasse Augen. Der vernünftige Hausvater benützte diese traurige Gelegenheit zu einer ernsten Lehre und sprach: „Habet ihr's heute gesehen, wie nothwendig es ist, daß wir Gott vor und nach dem Essen um seinen väterlichen Segen bitten und ihm für das tägliche Brod danken? Ach! wenn Er seine Hand von uns abzieht, womit will ich euch nähren? Er muß den Tisch decken; Er muß uns die Speisen schenken; sonst sterben wir alle des Hungers. Merket euch das, und so oft ihr künftighin eine Gabe Gottes,' und sei es auch nur ein Stücklein Brod, genießet, so erhebet zuvor dankbar euer Auge und Herz zum Himmel! Denn ich glaube sicherlich, daß uns der liebe Gott das heutige Unglück nur deßhalb zugeschickt hat, weil so viele Menschen die großen Gaben und Wohlthaten des Himmels nicht mehr schätzen, und den Vater dort oben weder bitten, noch ihm danken; sie gehen zum Tische, wie das Schwein zum Troge." — Gar sehr merkten sich die Kinder diese nützliche Ermahnung des Vaters; 231 Am Feierabende des 7. April. sich einst auf einer Hochzeit in der Gesellschaft von vielen lustigen jungen Leuten; ehe er sich aber zu Tische niedersetzte, verrichtete er still sein Gebet. Da sagte einer der Gäste spottend zu ihm: „ Nicht wahr, bei Euch zu Hause betet wohl Alles?" — „Alles? das wüßte ich nicht!" — „Wie, nicht Alles?" — „Nein, ich habe unten im Stalle zwei Schweine, die beten nie, wenn sie fressen wollen." Da verstummte der junge Mann und redete kein Wort mehr mit dem alten Christen. „Wer ohn' Gebet zu Tische geht, Und ohn' Gebet vom Tisch aufsteht, Der ist dem Rind und Schweinen gleich, Und hat kein' Theil am Himmelreich." Fr. Worin soll das Tischgebet bestehen? Antw. 1) Vor dem Essen sollen wir Gott bitten, daß er uns seine Gaben segnen wolle; 2) nach dem Essen sollen wir ihm für die gespendeten Gaben und Wohl- thaten herzlich danken. Belehrung. „Man darf nicht eher Speise zu sich nehmen," sagt wiederum der heilige Hieronymus, „als bis man gebetet hat, und hat man sie genossen, so muß man vom Herzen dafür danken." Du magst also zu Hause oder außer demselben speisen, so bezeichne dich vor und nach dem Essen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und erhebe deine Hände bittend und dankend zum Herrn em- und auch die beiden gebetsscheuen Söhne blieben fernerhin nicht mehr vom Tischgebete weg. Das sollen auch wir uns merken, mein Christ! Denn wer nicht betet, wird auch nicht empfangen. Fr. Sollen wir uns durch Menschenfnrcht oder durch Menschenrücksicht vom Tischgebete abhalten lassen? Antw. Nein; wir sollen uns durch Nichts vom Tischgebete abhalten lassen, weder durch Lauheit, noch durch Spott, weder durch Furcht vor den Menschen noch auch durch Rücksicht auf Andere. (Sieh das obige Bild!) Belehrung. Es ist eine traurige Erscheinung unter den Christen, daß so Viele das Tischgebet unterlassen, ja sogar sich desselben schämen; es darf uns daher auch nicht wundern, wenn aus so vielen Häusern der Segen Gottes verschwindet, und Noch und Elend dafür einkehrt. „JenemHause wird Nichts abgehen," sagt der heilige Chrysostomus, „wo man mit Gott anfängt und endet, Noch und Elend aber wird da einkehren, wo man auf Gott vergißt." Beispiel und Anwendung. Versäume daher nie das Tischgebet, mein Christ! Laß dich in Erfüllung dieser heiligen Pflicht'nicht irre machen weder durch das schlechte Beispiel noch auch durch das Gespötte so vieler lauer und glaubensloser Christen. Tritt ihnen mit demselben Ernste und mit derselben Entschiedenheit entgegen, wie jener alte Töpfermeister. Dieser befand por; du bekennest dadurch deinen Glauben und ehrest Gott, von dem alles Gute kommt. Niemals wird es dir am Segen Gottes fehlen. Legende: Der gottseligeHer mann Joseph aus dem Prämonstratenser-Orden. (ft 1236.) Der gottselige H ermann, von armen Eltern zu Köln geboren,trat schon in seinem zwölften Jahre in das Kloster von Steinfeld, welches von regulir- ten Chorherren des Prämonstra- tenser-Ordens bewohnt war. Fasten, Abtödtung, Demuth u. Gebet waren die Mittel, durch welche er sich zu der höchsten Beschauung emporschwang. Er genoß nie einen Bissen, ohne zuvor Herz nndHände dankbar zum Himmel zu erheben. >— Dieser fromme S32 Zweites Hauptstück. DaS Ge Diener Gottes empfing von Gott ausgezeichnete Gnaden, ward aber auch durch lange Versuchungen geprüft. Man bemerkte stets eine zärtliche Andacht zur göttlichen Mutter an ihm, und die Erinnerung an das Geheimniß der Menschwerdung flößte ihm die feuerigste Liebe zu Jesus ein. Unbeschreiblich groß war sein Verlangen nach Erniedrigungen und Verachtungen, und in seinem Benehmen war er so einfach, daß ihn die Weltkinder für blödsinnig hielten. Der gottselige Hermann starb unweit Steinfeld am 7. April 1236. Wegen seiner Keuschheit bekam er den Beinamen Joseph. Er wird in verschiedenen Gegenden der Niederlande unter die Zahl der Heiligen seines Ordens gezählt. Gebet. Nie wollen wir deine Güte vergessen, o Herr! mit der du uns speisest und tränkest; mit deinem treuen Diener Hermann Joseph wollen wir vielmehr deine Liebe preisen und jedesmal dankbar Herz und Hände zum Himmel erheben, so oft wir deine Gaben genießen. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Achtmldnemizigstes Lesestück. Am Feierabende des 8. April. Das Gebet beim Zeichen der Betglocke. Fr. Warum sollen wir beten, wenn Morgens, Mittags und Abends mit der Betglocke das Zeichen zum Gebete gegeben wird? Antw. Wir sollen da beten, 1)um dadurch das Andenken an das ewig anbetungswürdige Geheimniß der Menschwerdung Christi zu feiern und Gott dafür zu danken ; 2) um die allerseligste Jungfrau zu verehren und uns ihrem Schutze zu empfehlen. Belehrung. Es besteht eine gar schöne, zum Herzen sprechende Sitte in der katholischen Kirche. Dreimal läßt sie uns nämlich des Tages durch das Zeichen der Betglocke ermahnen, jener unaussprechlich großen Wohlthat der Menschwerdung des göttlichen Sohnes mit dankerfülltem Herzen zu gedenken, dabei aber auch jener erhabenen Jungfrau nicht zu vergessen, die uns das Heil der Welt gebracht hat. Die Worte dieses Gebetes sind schon so alt, als die heilige Schrift selbst; denn sie sind aus derselben entnommen. — Die Anordnung selbst aber, daß man alle Tage des Morgens, Mittags und Abends die Glocken läuten und hiebei jedes Mal den englischen Gruß sprechen soll, hat Papst Urba n II. auf dem Concil zu Clermont 1095 getroffen. Er wollte durch diesen schönen Brauch den Schutz beim Zeichen der Betglocke. Mariä auf die Kreuzfahrer Herabrufen. Nun gingen zwar diese heiligen Kriege vorüber, an ihre Stelle traten aber manche andere Bedrängnisse und Anliegen der Christenheit, und streng genommen, ist ja das ganze Leben der Kirche und eines jeden einzelnen Christen ein beständiger Kreuzzug. Dcßhalb behielten spätere Päpste die Uebung bei und verliehen ihr große Abläße. Fr. Sollen wir dieses Gebet jederzeit recht andächtig und fleißig verrichten? Antw. Freilich; es erinnert uns ja an das größte Geheimniß unsrer Erlösung und zieht das Wohlgefallen und den mächtigen Schutz Mariens auf uns herab. (Sieh das obige Bild!) Belehrung. Es ist wahrlich unverzeihlich, wenn je ein Christ sich dieses Gebetes schämt. Der Türke wendet sich drei Mal des Tages gegen Mekka, um seinem Propheten für das Geschenk des Glaubens zu danken; —- welch eine Schmach ist es dann nicht, wenn ein Katholik sich schämt, beim Gebetläuten sein Haupt zu entblößen, das größte Geheimniß seines Glaubens dankbar zu preisen und sich dem mächtigen Schutze Mariens zu empfehlen!! Schon deßhalb sollten wir dieses fromme Gebet niemals versäumen, weil mit demselben gar viele Ablässe der Kirche verbunden sind, und die seligste Jungfrau Maria nicht selten Diejenigen, welche dieses Gebet eifrig und andächtig verrichten, durch ihre mächtige Fürbitte mit vielen Am Feierabende des 9. April. 233 himmlischen Gnaden und Segnungen überschüttet, wie wir aus dem nachfolgenden Beispiele ersehen. Beispiel und Anwendung. Die Dämmerung hatte bereits Berg und Thal umschleiert, und das Ave-Maria- Glöcklein im Thürmchen der Klausnerhütte sein friedliches „Gute Nacht!" in das Dunkel allen Mühseligen und Beladenen umher hinausgerufen. Auch der Einsiedler hatte sein Gebet verrichtet, und wollte sich im Aufblicke zu Jesus und Maria eben auf sein Mrohbündlein zur Ruhe niederlegen. Da wurde es mit Einemmal und in wunderbarer Weise gar licht und glänzend in seiner Zelle. Maria, die heilige Mutter Gottes, erleuchtete mit der Glorie ihrer Himmelsherrlichkeit die Mitternacht. Sie hatte einen Mantel an, der überall, wie mit goldnen Sternen, mit den golden geschriebenen Worten „Ave Maria!" besät war. — Deß staunte der Gottesmann gar sehr. — Und Maria öffnete den Mund und sprach: „Sieh'! diesem Mantel gabst du das an- muthige Geschmeide! Dein heiliger Schutzengel setzte hier mit goldenen Buchstaben einen jeglichen der Av e-Maria-Grüsse ein, mit welchen deine kindliche Andacht mich verehrt hat! Bald ist der Schmuck dieses meines Kleides vollendet, und dann sei des ewigen Lohnes gewärtig!" — Maria verschwand ; der Klausner sank in die Kniee, hob die Arme jauchzend empor und rief: „Maria Keines je vergißt, Der sie mit frommen Ave grüßt!" — Fr. Woraus besteht das Gebet beim Zeichen mit der Betglocke? Antw. Aus folgenden drei Absätzen, die ans der heiligen Schrift genommen sind und also lauten: 1) „Der Engel des Herrn (daher auch die Benennung) brachte Maria die Botschaft, und sie empfing von dem heiligen Geiste;" 2) „Maria sprach: Sieh, ich bin eine Dienerin des Herrn; mir geschehe nach deinem Worte!" 3) „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewöhnet. (Selig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, die du gesogen hast)." — Am Abende wird alsdann auch noch das Gebet für die Verstorbenen beigefügt. Legende: Der heilige Dionysius, Bischof von Corinth. (st im 2. Jahrh.) Am heutigen Tage feiert die Kirche das Andenken an den heiligen Dionysius. Dieser war Bischof von Corinth zur Zeit des Kaisers Marc-Aurel und gehörte zu jenen Hirten und Kirchenvorstehcrn, die sich im zweiten Jahrhundert durch ihre Tugend und Beredsamkeit am Meisten anszeichneten. Sein Eifer beschränkte sich nicht nur auf den Unterricht der ihm anvertrauten Schäflein, sondern er schrieb auch an verschiedene Kirchen Briefe voll apostolischer Würde und Kraft, von denen jedoch nur einige Bruchstücke zu uns gelangt sind. Die Griechen verehren diesen Heiligen als Märtyrer, weil er Mehler, Hausbuch. so Vieles leiden mußte für den Glauben; er scheint aber im Frieden gestorben zu sein; daher verehren wir ihn am 8. April als Bekenner. So strenge der heilige Dionys ins gegen sich selbst war, so milde war er gegen Andere, besonders gegen die Gefallenen. Durch Liebe suchte er sie wieder für Gott zu gewinnen, und durch Gebet suchte er Gottes Erbarmnng ans sie herabzuflehen. Ueberhaupt war ihm das Gebet die süßeste Uebnng, die angenehmste Beschäftigung; und oft pries er mit dankerfülltem Herzen das ewig anbetungswürdige Gehei mniß der Menschwerdung des göttlichen Sohnes. Gebet. Herr, himmlischer Vater! auch wir wollen, wie dein frommer und heiliger Diener Dionysius, stets mit dankbarem Herzen das ewig anbetungswürdige Geheimniß der Menschwerdung deines Sohnes preisen, besonders aber wenn des Tages dreimal mit der Glocke das Zeichen zum Gebete gegeben wird. Schenke uns hiezu, wir bitten dich demüthig, deine göttliche Gnade, und lasse uns die beseligenden Wirkungen der Menschwerdung deines göttlichen Sohnes zu Theil werden, durch eben denselben Christum unfern Herrn. Amen. Nemmndneunzigstes Lesestück. Am Feierabende des 9. April. Das Abendgebet. Fr. Wann sollen wir endlich noch ganz besonders beten? Antw. Am Abende, ehe wir uns schlafen legen. 30 234 Zweites Hauptstück. Fr. Warum sollen wir vor dem Schlafengehen nochmal beten? Antw. Weil wir Ursache genug haben, Gott dem Herrn für die während des Tages empfangenen Wohl- thaten zu danken nnd ihn um seinen Schntz während der Nacht zn bitten. Belehrung. Wie im Tempel zu Jerusalem täglich nicht nur ein Morgen-, sondern auch ein Abendopfer dargebracht wurde, so soll unser Gebet nicht nur am Morgen, sondern auch am Abende wie ein angenehmes Rauchwerk zu Gott cmporsteigcn. Dieß fordert schon die Pflicht der Dankbarkeit. Oder wären wir nicht im höchsten Grade undankbar, wenn wir uns zur Ruhe legen würden, ohne all der Wohlthateu zu gedenken, die uns Gott während des Tages erwiesen hat? „Du gibst einem armen Bettler ein Stücklein Brod zum Nachtessen," sagt der heilige Bernhard, „ und siehe! er geht nicht von deiner Thüre, ohne dir tausend Dank zu sagen. Und Gott hat dich während des ganzen Tages, nicht nur Abends, sondern auch Morgens nnd Mittags ge- speiset, und du willst ohne Danksagung zu Bette gehen? — Es wünscht dir dein Knecht und deine Magd eine ruhige Nacht, und du sagst ihnen dafür schönen Dank, obschon sie dir durch ihren bloßen Wunsch keine ruhige Nacht verschaffen können. Und dem Herrn, der dir nicht nur eine ruhige Nacht wünschen, sondern auch geben kann, gönnest du keinen Gruß und keinen Dank ? O! welch' verkehrter Sinn! Welch' undankbares Herz!" — Aber nicht nur die Pflicht der Dankbarkeit fordert uns zum Nachtgebete auf, sondern auch unser eigner Nutzen; denn wir brauchen während der gefahrvollen, finstern Nacht Gottes Schutz und Schirm, und darum müssen wir abermals bitten. Deßhalb schreibt Tertullian: „Wenn die Sonne untergeht, und die Nacht heraufsteigt, da ist das Gebet sehr nothwendig, damit wir emporsteigen zu Jesus Christus, dieser wahren, ewigen, nie untergehenden Sonne, auf daß ihr Strahl (auch während der Nacht) uns immer leuchte, und wir uns nicht verlieren in die ewige Nacht." — Keine Zeit ist aber auch geeigneter zum Gebete, als die stille Nacht. Da kann man so recht vom Herzen mit seinem Vater im Himmel reden; cs beobachtet uns kein Menschenauge, und keines Menschen Ohr belauscht unsere Worte. Nur der Engel Gottes steht um uns, um unsere Gebete zum Throne des Allerhöchsten cmporzutragen. Schon deßhalb sollten wir das Nachtgebet niemals versäumen. Beispiele und Anwendung. In dieser Beziehung geht uns der göttliche Heiland selbst mit dem schönsten Beispiele voran. Er wählte am Liebsten die Abendstunden Das Abendgebet. zum Gebete. Wenn er von seinem Lehramte ermüdet, der Erholung bedurfte, sofanderimAbend- gebete seine angenehmste Ruhe und süßesteErquickung; ja, er brachte nicht selten ganze Nächte im Gebete zu. In seine Fußstapfen traten alsdann auch die ersten Christen ein; nie legten sich dieselben ohne Gebet zur Ruhe. Ebenso machten es von jeher alle heiligen u. frommen Christen. Der heil. Franz von Sales, Bischof von Genf, las nach dem Abendessen eine Stunde lang seiner Dienerschaft aus einem erbaulichen Buche vor und schloß dann mit dem gemeinschaftlichen Nachtgebete; nach diesem erst zog er sich in sein Zimmer zurück, um die Metten zu verrichten. — Der heilige Aloysius kniete alle Abende Stundenlang vor dem Bilde der seligsten Jungfrau (sieh das obige Bild!) und verrichtete da mit einer wahrhaft englischen Andacht sein Abendgebet. — Solltest alsdann nicht auch du, o Christ! diesen schönen Beispielen folgen und nie zu Bette gehen, ohne Gott dem Herrn den Tribut deines Dankes, deiner Anbetung und Liebe dargebracht zu haben? Fr. Worin soll sonach unser Abendgebet bestehen? Antw. Darin, daß wir 1) Gott für die Wohltha- ten des Tages danken; 2) darüber Nachdenken, wie wir diese Wohlthaten angewendet haben, dabei unsre Fehltritte bereuen und Besserung geloben; 3) daß wir uns für die kommende Nacht dein allmächtigen Schutze Gottes empfehlen. Belehrung. Vor Allem sollen wir beim Nachtgebete 1) Gott dem Herrn für die Wohlthaten des Tages danken. „Wer soll sich nicht schämen," schreibt der heilige Ambrosius, „wenn er je noch ein wenig Menschengefühl hat, den Tag ohne Psalmen und Gebete zu beschließen, da er doch sieht, daß auch die allerkleinsten Vögelchen ihrem Schöpfer noch ein Lob- und Danklied singen, ehe sie den Kopf unter die Flügel stecken?" — Alsdann sollen Mir«../ -W" Am Feierabende des 9. April. 23S wir 2) in unser Inneres blicken und uns fragen, wie wir die Wohlthaten Gottes angewendet, und wie wir unsere Standespflichten re. erfüllt haben; müssen wir uns hierüber Vorwürfe machen, so müssen wir Gott um Gnade und Verzeihung bitten, und uns endlich 3) in Gottes Schutz und Schirm empfehlen. Fr. Was soll alle Tage einen wichtigen Theil un- sers Abendgebetes bilden? Antw. Die tägliche Gewissenserforschung, weil dieselbe l) das wirksamste und sicherste Mittel ist, zur vollkommenen Selbsterkenntniß zu gelangen und uns im Geiste der Demuth zu erhalten, und 2) weil wir ohne dieselbe nicht selten unser Heil und unsere Seligkeit der größten Gefahr aussetzen würden. Belehrung. Unterlasse es nie ohne dringende Noth- wendigkeit, dein Gewissen alle Abende zu erforschen; denn sie ist 1) ein treffliches Mittel, zur Selbsterkenntniß zu gelangen. Daher schreibt der heilige Ephrem: „Alle Abende betrachte und erforsche fleißig, wie du deine Kaufund Handelsgeschäfte abgeschlossen, was du für deine Seele, was du für den Himmel gewonnen oder verloren habest!" Zählt nicht der Spieler, zählt nicht der Handelsmann am Abende seine Einnahme und Ausgabe, seinen Gewinn und Verlurst? Und doch handelt es sich bei diesen nur um einen zeitlichen Nutzen oder Schaden! Um wie viel mehr solltest nun nicht du, o Mensch! täglich mit dir zur Rechenschaft gehen, da bei deinem Handel deine unsterbliche Seele, ihr Gewinn oder Verlurst auf dem Spiele steht, und da du auf solche Weise deinen Seelcnzustand am Beßten kennen lernest! — 2) Ist es sehr gefährlich, wenn wir am Abende die Gewis senserforsch ung unterlassen. O wie viele Seelen sind in, der ewigen Verdammniß, weil sie eine so heilige Uebung unterließen! Ein plötzlicher Tod raffte sie während ihres Schlafes in der Todsünde hinweg und stürzte sie zugleich in die Hölle. Hätten sie am Abend ihr Gewissen erforscht und Neue und Leid erweckt, so hätten sie die Verzeihung ihrer Sünden erlangt und wären dadurch einem ewigen Unglück zuvorgekommen. — Wie nothwendig ist also die Gewissenserforschung am Abend! Der heilige Basilius sagt: „Weil uns der Tod zur Nachtszeit leicht unvermuthet überraschen könnte, so müssen wir unsere Seele dem Herrn empfehlen, auf daß, wenn der Tod plötzlich kommen sollte, er nicht unvorgesehen komme." Beispiel und Anwendung. Schon der heidnische Römer Seneka, einer der größten Weltweisen seiner Zeit, erkannte die Nothwendigkeit der täglichen Selbstprüfung und beschämt in dieser Beziehung gar viele Christen unsrer Tage. Täglich erforschte er Abends, ehe er zu Bette ging, sein Gewissen. „Ich thue mir Gewalt an," sprach er, „und gehe täglich mit mir zu Gerichte — am Abende, wo das Licht erloschen ist, und die Meinigen im süßen Schlafe liegen. Ich betrachte da den ganzen abgelaufenen Tag und untersuche alle meine Worte und Werke; ich verhehle und verschweige mir Nichts; ich bestrafe mich, wenn ich finde, daß ich gefehlt, und sage zu mir: „Hüte dich, daß du es nicht mehr thucst!" — Wie schön hat dieser Heide nicht gehandelt! O daß auch wir bei unserm Abendgebete nie unsers inneren Seelenzustandes vergessen — und uns im Gefühle der Reue — Gottes Hilfe und Gnade erflehen möchten! Wir sollen es in dieser Beziehung machen, wie jene große und heilige Büsserin Maria von Aegypten, deren Fest die Kirche heute feiert, und die vom Tage ihrer Bekehrung an es nie mehr unterließ, täglich ihr Gewissen zu erforschen, ihren Seelenzustand zu betrachten und ihre Sünden bitter zu beweinen. Legende: Die heilige Maria von Aegypten, Büsserin. (st um 431.) Maria verließ schon in ihrem 12ten Jahre ihre Eltern und begab sich nach Alexandrien. Siebzehn Jahre führte sie dort ein sündhaftes Leben. Einst sah sie zur Sommerszeit viele Menschen aus Aegypten und Libyen dem Meere zugehen. Auf ihre Frage, wohin sie reiseten, antwortete ihr Jemand: „Nach Jerusalem, wo nach wenigen Tagen das Kreuz-Erhöhuugs- fest feierlich begangen wird." Maria schloß sich dem Zuge au, setzte aber ihr schamloses Leben fort. Bei der Kirche in Jerusalem angekommen, wurde sie von einer geheimen Gewalt zurückgehalten, so daß sie nicht hiueingehen konnte. Sie versuchte es mehrmals mit Anstrengung aller ihrer Kräfte, aber vergebens. Nun sagte ihr eine innere Stimme, daß ihr lasterhafter Wandel Ursache sei, warum sie von der Anschauung des heiligen Kreuzes zurückgehalteu werde. Maria fing jetzt an, zu weinen, zu seufzen, bat Maria, die heilige Jungfrau, mit ihr Mitleid zu haben und ihr die Gnade zu erbitten, das heilige Kreuz zu sehen, und versprach wahre Lebensbesserung. Hierauf versuchte sie es wieder, in die Kirche zu gehen, und kam ohne Widerstand hinein. Dort warf sich die Armselige auf die Erde 30 * 236 Zweites Hauptstück. hin. betete das Heiligthum an und kehrte wieder an den Ort zurück, an dem sie das Bild ihrer Fürsprecherin erblickt hatte. Voll des heißesten Dankes erneuerte sie das Versprechen ihrer aufrichtigen Besserung. Hierauf gehorchte sie einer Stimme, die ihr befahl, über den Jordan zu gehen. Siebenundvierzig Jahre lebte sie in der Wüste am Jordan und nährte sich von Wurzeln und Kräutern. Der Mönch Zosimns traf sie hier in der Wüste, dem sie diese ihre Lebensgeschichte erzählte, und den sie zugleich bat, ihr am nächsten grünen Donnerstage die heilige Kommunion zu bringen. Er that es, und als er im nächsten Jahre wieder dorthin kam, fand er sie todt auf der Erde liegen und neben ihr eine Schrift, welche ihren Namen und den Anfang ihrer Bekehrung anzeigte. Gebet. Du große und heilige Büsserin, Maria von Aegypten! lege bei Gott deine Fürbitte für uns ein, auf daß auch wir alle Tage, wenigstens beim Abendgebete unser Gewissen erforschen, unsere Sünden erkennen und beweinen und so auf dem Wege der Buße M ewigen Glorie und Herrlichkeit gelangen mögen. Durch Christum unfern Herrn. Amen. Hundertstes Lesestück. Am Feierabende des 10. April. Ort des Gebetes. Fr. Wo sollen und können wir beten? AntW. Wir sollen und können überall beten; denn die ganze Welt ist Gottes Haus, überall hört uns der allgegenwärtige Gott. Belehrung. Wir können und sollen überall beten, in der freien Natur, wie in der stillen einsamen Kammer, auf dem Felde und zu Hause, in der Rathsstube und in der Werkstätte. „Ich erfülle Himmel und Erde," spricht der Herr. (Jer. 23, 24.) — Gar schön schreibt der heilige Chrysostomus an die Gläubigen zu Antiochia: „Man kann auf dem Markte herumgehen, oder in der Gerichtsstube sitzen, und doch dabei beten. Einer kann in seiner Werkstätte sein und arbeiten, und dennoch seine Seele immer Gott aufopfern. Ein Diener, wenn er einkauft, ab- oder zugeht, ein Koch und dergleichen, können, wenn sie auch (ohne Schuld) nicht in eine Kirche kommen, gut beten. Denn Gott verschmäht keinen Ort, sondern er fordert einzig — ein andächtiges Herz und eine nüchterne Seele. Paulus betete, in Banden und Eisen liegend, auch im Gefängnisse, und bewegte doch die Grundfesten des Kerkers." Beispiel und Anwendung. Der heilige Franz von Sales erhob sich überall, wo er ging und stand, durch Ort des Gebetes. MW» MV---- diek'Betrachtung aller sichtbaren Dinge zu Gott; er beweist es uns durch sein Beispiel, daß man überall beten könne. Sah er die Schönheit der Felder an, so sprach er: „Wir sind Felder, die Gott gebaut hat, auf daß auch wir Früchte tragen sollen." — Sab er prächtig und reich geschmückte Tempel, so sprach er: „Wir sind Tempel des lebendigen Gottes: warum also sind unsere Seelen nicht mit heiligen Tugenden geschmückt?" Sah er schöne Blütben, so sprach er: „Warum erfolgen auf unsere Tugendblüthen keine Früchte?" Sah er schöne und kostbare Gemälde, so dachte er: „Nichts ist schöner als die nach dem Bilde Gottes erschaffene Seele." Sah er Gärten, so sprach er: „Wann wird der Garten unserer Seele, wohl gebaut und geschmückt, mit schönen Blumen und reichlichen Früchten aufsprossen?" Bei dem Anblicke einer Quelle seufzte er nach dem glückseligen Tage, wo wir ohne Unterlaß aus den Quellen des Erlösers trinken werden. Bei dem Anblicke eines Flusses sprach er: „Wann werden wir gleich den Flüßen, die in das Meer sich ergießen, zu Gott geben?" Ueberhaupt sah er Nichts, das ibn nicht zu Gott geführt hätte, den er, liebte, und das ihn nicht zu ihm erhoben und mit ihm vereiniget hätte. — Siebe, auf solche Weise kannst auch du überall beten, mein Christ! Alles wird dich zu Gott erheben, wenn du ihn nur wahrhaft liebest. Fr. Wo sollen wir aber ganz besonders beten? AntW. In der Kirche. (Sieh das obige Bild!) 237 Am Feierabende Fr. Warum denn? Antw. 1) Weil die Kirche vorzugsweise ein Bethaus ist; 2) weil wir da Gelegenheit zur gegenseitigen Erbauung haben, und 3) weil das gemeinschaftliche Gebet von besonderer Wirksamkeit ist. Belehrung. Wir sollen besonders in der Kirche beten; denn 1) die Kirche ist vorzugsweise ein Bethaus, wie Christus selber sagt (Matth. 21, 13.); hier wohnt unser Gott im heiligsten Sakramente leibhaftig, und ist geneigter, als sonst irgend anderswo, uns seine Gnaden zu spenden. Simeon und Anna — haben sie nicht im Tempel das Heil der Welt gesehen? Maria von Aegypten wäre nie bekehrt worden, wenn sie nicht in den Tempel nach Jerusalem gegangen wäre; das war für sie der Ort der Gnade. — 2) Ikebcr- dieß haben wir in der Kirche nicht bloß Gelegenheit zum Gebete, sondern auch zur gegenseitigen Erbauung. 3) Auch das gemeinschaftliche Gebet, das wir nur in der Kirche mit einander verrichten können, gewährt uns große Vortheile, wie es Christus selbst ausgesprochen hat, indem er sagt: „Wenn zwei aus euch auf Erden einstimmig sein werden, so sollen sie Alles, um was sie bitten werden, von meinem Vater erhalten, der im Himmel ist." (Matth. 18,19.) Wenn schon das gemeinschaftliche Gebet von Zweien so viel vermag, was wird nicht erst das Gebet einer ganzen Gemeinde vermögen? — Daher schreibt auch der heil. CHry- sostomus: „Man kann zwar auch in der Einsamkeit beten, aber nicht so, wie in der Kirche, wo das Rufen einmüthig zu Gott aufsteigt. Du wirst nicht so erhört werden, wenn du für dich allein, als wenn du mit deinen Brüdern betest; denn hier ist Etwas mehr, nämlich die Eintracht, die Zusammenstimmung und das Band des Friedens." Beispiele und Anwendung. Schon die ersten Christen kamen daher täglich zum Gebete zusammen, indem sie überzeugt waren, daß das gemeinschaftliche Gebet einen besonders wohlthätigen Einfluß übe und den Vater im Himmel gleichsam zur Erhörung zwinge. Darum schreibt schon Tertul- lian: „Wir kommen in großer Anzahl zusammen, damit wir gleich einem gewaltigen Kriegsheere mit vereinter Kraft und Stimme durch unser Gebet bei Gott Erhörung finden und unsere Bitten durchsetzen. Wir zwingen auf solche Weise gleichsam den Allmächtigen, den Unbezwinglichcn und thun ihm Gewalt an, daß er uns erhöre. Und siche da! dieser Zwang ist ihm sogar angenehm." — Der heilige Kaiser Heinrich betete zwar viel im Stillen zu Hause; aber dennoch betete er am Liebsten in der Kirche; das öffentliche Gebet war seine Herzensfreude; und da betete er mit einer solchen glühenden Andacht, mit einer so liefen Ehrfurcht, daß er Alles erbaute. Als er einst zu Straßburg in der Tomkirche dem Chorgebete des 10. April. beiwohnte, so machte dieß so großen und tiefen Eindruck auf ihn, daß er es für das größte Glück und für das schönste Geschäft ansah, das tägliche Lob Gottes absingen zu können. Er machte daher eine neue besondere Stiftung eines Kapitels von Kanonikern, die, weil er vor Menge der Geschäfte sich dem täglichen Lobe Gottes nicht widmen konnte, für ihn und in seinem Namen dieß thun mußten; denn er erkannte es nur zu gut, wie wirksam das gerne nschaftliche Gebet in der Kirche sei, und wie sehr dadurch die gegenseitige Erbauung befördert werde. Laß dich also, mein Christ! nicht von Jenen irre machen, die da sagen: „Man kann überall beten! Wozu denn das viele Kirchenlaufen? Zu Hause, unter freiem Himmel — da ist's so schön und freundlich und ruhig und still, da kann man ganz aus der Fülle des Herzens zum Vater rufen." Das ist zwar recht und schön, aber dennoch müssen wir ganz besonders in der Kirche beten; denn da wohnt Gott ganz vorzugsweise (sieh das vorhergehende Bild!), da spendet er am Liebsten und am Reichlichsten seine Gnaden. Besuche daher fleißig den Tempel des Herrn! Denn da wirst du durch das schöne Beispiel der Betenden erbaut, und gar oft wirst du genießen die beseligenden Früchte des gemeinschaftlichen Gebetes, wie jene Heilige, deren Andenken wir heute begehen. Legende: Di e heilige Mechtildis, Jungfrau und Abtissin, (ch um 1300.) MS Nichts fühlte diese Heilige schmerzlicher, als wenn sie durch Krankheit oder sonstwie gehindert war, dem gemeinschaftlichen Chorgebete bciznwohncn; denn sie wußte nur zu gut, wie gesegnet das gemeinschaftliche Gebet sei. — Mechtildis und die heilige Gertrud, ihre Schwester, waren gebürtig zu Eisleben in Obersachsen. Sie waren Gräfinen von. Hackeborn und nahe verwandt mit Kaiser Friedrich II. — Mechtildis wurde bei den Benedik- tjnerinen von RodalSdorf erzogen und bewies von Jugend S38 Zweites Hauptstück. Fürbittgebet oder für wen wir beten sollen. auf eine große Sittenreinheit und Abneigung gegen alle Welteitelkeiten. Ihr pünktlicher Gehorsam, sowie ihre Liebe zu den Abtödtungen setzte Alle, die um sie waren, in Erstaunen. Ihre Demuth vermied Alles, was einiges Aufsehen erregen konnte. Niemals wollte sie die Einsamkeit verlassen und legte daher, als sie das gehörige Alter erreicht hatte, die Ordensgelübde ab. Bald hierauf schickte man sie nach Diessen in Bayern, wo sie Vorsteherin dieses Klosters wurde und die Uebung der erhabensten Tugenden einführte. — Weil damals in dem Kloster Edelstetten in Schwaben große Lauheit eingerissen war, so schickten die Bischöfe des Landes die heilige Mechtildis dahin ab, um die Ordnung und Zucht wieder herzustellen; und gar bald gelang ihr dieses theils durch ihre liebevollen Ermahnungen und Belehrungen, theils durch ihr eigenes erhabenes Beispiel. Besonders strenge verpflichtete sie ihre Schwestern zur Clausnr und zum gemeinschaftlichen Gebete im Kloster und in der Kirche. — Die heilige Mechtildis hatte kein anderes Bett, als ein wenig Stroh; ihre Nahrung war sehr einfach; ihre ganze Zeit thcilte sie zwischen Gebet, geistlicher Lesung und Handarbeit. Der Geist der Zerknirschung, von dem sie beseelt war, erpreßte ihren Augen einen nie versiegenden Thränenstrom. Als sie auf dem Kranken- und Sterbebette lag, beklagte sie sich oft darüber, daß sie nicht mit den übrigen Schwestcrv dem Gebete und Nachtgottesdienste beiwohnen konnte; so groß war ihr Gebetseifcr. Sie starb zn Diessen um das Jahr 1300. «MW GM Gebet. Erfülle auch uns, o Gott! mit einem ähnlichen Gebetseifer, wie deine treue Dienerin Mechtildis, auf daß wir stets und überall beten, und zn Hause sowohl, als auch besonders in der Kirche deinen heiligen Namen preisen, der du lebest und regirest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Hund ertund erstes Lesestück. Am Feierabende des 11. April. Fürbittgebet oder für wen wir beten sollen. Fr. Für wen sollen wir beten? Antw. Wir sollen beten für alle Menschen: für Lebende und Gestorbene, Freunde und Feinde, für Gute und Böse, für Irr- und Ungläubige, besonders aber für Eltern, Geschwister, Wohlthätcr, für geistliche und weltliche Obrigkeit. Belehrung. Der gläubige Christ betet nicht bloß für sich, sondern gedenkt in seinem Gebete auch seiner Mitmenschen. Dazu ermahnt uns nachdrücklich der heilige Paulus, indem er schreibt (1 Tim. 2, 1—2): „Darum ermahne ich vor allen Dingen, daß Bitten, Gebete, Fürbitten, Danksagungen geschehen für alle Menschen, für Könige und für alle Obrigkeiten, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit." Wir sollen also beten 1) für Alle ohne Ausnahme, ohne Rücksicht auf Religion und Abstammung, für Freunde und Feinde, für Gerechte und Sünder, für Irr- und Ungläubige, für Lebende und Verstorbene; besonders aber sollen wir beten 2) für Könige und geistliche und weltliche Obrigkeiten, 239 Am Feierabende des 11. April. damit durch sie die bürgerliche und kirchliche Ordnung aufrecht erhalten und immer mehr befestigt werde. Noch ganz besonders sollen 3) beten die Kinder für ihre Eltern und die Eltern für ihre Kinder. Beispiele und Anwendung. Tertullian erzählt uns in seiner Schutzschrift, wie eifrig und andächtig schon die ersten Christen für die weltliche Obrigkeit, für Ruhe und Frieden auf dem ganzen Erdkreise beteten. „Wir Christen beten," so lauten seine Worte, „mit zum Himmel erhobenem Blicke, mit ausgebreiteten Armen, mit entblößtem Haupte für alle Kaiser; wir bitten, daß Gott der Herr sie lange am Leben erhalten wolle, daß er ihrem Hause Ruhe, dem Reiche Sicherheit, dem Heere Muth und Tapferkeit, dem Senate Treue und Gerechtigkeit, dem Volke Tugend und Frömmigkeit, dem gesummten Erdkreise Frieden und Einigkeit verleihen, und die frommen Wünsche des Kaisers, sowie aller Guten in Erfüllung bringen wolle." — Besonders wirksam ist das Gebet der Eltern für die Kinder. Die heilige Monika betete mit heißen Thränen um die Bekehrung ihres Sohnes Augustin und bat fromme und weise Menschen, sich seiner anzunehmen. Der heilige Bischof A m - brosius, an den sie sich auch wandte, sagte ihr unter Andern: „Sei getrost! Der Sohn, um den du so viele Thränen vergießest vor Gott, kann nicht verloren gehen." Er hatte Recht. Und als später Augustin wirklich von Christus ergriffen und festgehalten wurde, sagte er selbst zu ihr: „Deinem Gebete glaube ich es, verdanken zu müssen, daß mir Gott diesen Sinn verliehen hat." — Aus Dankbarkeit und Liebe sollen aber alsdann auch die Kinder für ihre Eltern zu Gott beten; so machte es der heilige Augustin. Als er zu Gott zurückgekehrt war und den Weg der Tugend wieder eingeschlagen hatte, wie betete er da nicht zu Gott, er möchte doch seine Mutter segnen für alle Liebe und Sorgen, die sie um seinetwillen getragen! Und als er sie durch den Tod verloren hatte, vergoß er viele Thränen, welche er nie unterdrücken konnte, so oft er an ihre so sanfte, so gefällige und zärtliche, so wahrhaft christliche Behandlungsweise dachte. Nie vergaß er sie im heiligen Meßopfer und empfahl sie dem Gebete aller Gläubigen, die das Buch seiner Bekenntnisse lesen würden. — Wie kann sich aber auch die elterliche und kindliche Liebe zarter und inniger zeigen, als wenn Eltern und Kinder für einander zum Vater im Himmel beten! Fr. Warum sollen wir denn so eifrig für einander beten? Antw. Weil es 1) gut und heilsam ist für uns selbst, sowie für Diejenigen, für welche wir beten, und 2) weil es höchst wohlgefällig ist vor Gott. Belehrung. Das Fürbittgebet hat eine besondere Kraft. Kann man ja oft schon bei den Menschen durch eine Fürbitte gar Viel ausrichten. Wir sehen dieß z. B. aus der Lebensgeschichte des heiligen Papstes Leo des Großen, von dem unten in der Legende noch Mehreres erzählt wird; denn durch seine Fürbitte rettete er Rom, indem er dadurch den grausamen Attila zum Rückzuge bewog. (Sich das vorhergehende Bild!) Der heilige Paulus aber gibt besonders zwei Ursachen an, warum er uns so nachdrücklich zum Fürbittgebete für alle Menschen und besonders für die Obrigkeiten ermahnt, indem er sagt: 1) „Dieses ist gut," und 2) „es ist wohlgefällig vor Gott, unserm Heilande, welcher will, daß alle Menschen selig werden und zur Er- kenntniß der Wahrheit gelangen." Wahrlich, es ist gut und heilsam für uns; denn niemals betet man kräftiger für sich selbst, als wenn man für Andere betet. Du opferst dein Gebet für alle übrigen Christen auf, und alle übrigen Christen opfern das ihrige für dich; du verrichtest vielleicht hie und da ein laues und zerstreutes Gebet, und viele tausend Fromme verrichten ein eifriges, inbrünstiges Gebet für dich. Also nützt das Fürbittgebet vor Allem uns selbst; es nützt aber auch Denen, für die wir beten; denn gar oft verleiht ihnen Gott auf unsere Fürbitte hin jene Gnaden, um die wir ihn bitten, z. B. die Gnade der Bekehrung oder des wahren Glaubens u. s. f. Zugleich ist aber auch dieß Gebet Gott dem Herrn höchst wohlgefällig; denn es ist ein Gebet der Liebe, daher schreibt der heilige Chrhsostomus: „Für sich beten ist gewisser Massen Naturdrang, für Andere aber beten ist immer ein Werk der Gnade. Daß Einer für sich betet, ist natürlich, sein Elend nöthigt ihn dazu; aber für Andere beten, ist ein Werk der reinsten Liebe." Es darf uns daher nicht wundern, wenn auf dem Fürbittgebete ein so großer Segen Gottes ruht, wie wir es z. B. bei dem Gebetvereine zur Bekehrung der Sünder u. s. w. ersehen. Beispiel und Anwendung. Tag und Nacht betete der heilige Franz von Sales für die vielen Sünder, für die Un- und Irrgläubigen seiner Zeit; in jedes heilige Meßopfer, das er verrichtete, schloß er sie ein und empfahl sie voll glühender Liebe dem allgütigen Gott. O wer kann sie zählen — all die Unglücklichen, die er durch seine Fürbitte gerettet? Viele Tausende sind's, die er dem ewigen Verderben entrissen! Wie wohlgefällig muß also dieses Gebet nicht Gott dem Herrn gewesen sein, der es so reichlich segnete! Wie nützlich und heilsam war es nicht für die Geretteten, da sie auf solche Weise der ewigen Verdammniß entgingen! Und wie beseligend wird es nicht für den heiligen Franz von Sales selbst gewesen sein, da so viele taufend gerettete Seelen gleichfalls wiederum als Fürbitter für ihn beim göttlichen Gnadenthrone auftraten! — Willst du also, mein christlicher Leser! mit Erfolg für dich selbst beten, so vergiß in deinem Gebete auch deiner Mitmenschen nicht! Legende: Der heil. Papst Leo der Große. (st 461.) Niemals vergaß der heilige Papst Leo, dessen Festtag heute in der Kirche gefeiert wird, in seinem Gebete, für 840 Zweites Hauptstück. Die hohe Bedeutung des heiligen Vater unsers. das Wohl der ganzen Kirche und aller Gläubigen zu Gott zu flehen; denn er kannte die Kraft des Fürbittgebetes. — Dieser Heilige wurde am Ende des vierten Jahrhunderts zu Nom geboren und schon frühzeitig wegen seiner Weisheit und Tugend zum Erzdiakon gewählt. Als solcher wurde er von den Päpsten Cölestinus und Sixtus, die ihn seiner glänzenden Eigenschaften wegen sehr hoch schätzten, zu den wichtigsten kirchlichen Angelegenheiten beigezogen. Mit tiefer Weisheit enthüllte er die Jrrthümer des Nestorins und stand mit festem Muthe demselben entgegen. Im Jahre 440 wurde Leo nach Gallien geschickt, die Mißhelligkeiten, welche zwischen den Anführern des römischen Heeres, Aetius und Albinus, ausgebrochen waren, beizulegcn. Während dieser Zeit starb zu Rom der heilige Sixtus. Einstimmig ward der abwesende Leo zu dessen Nachfolger ernannt. Als Papst verdoppelte er seine Wachsamkeit, seine Thätigkeit und sein Gebet für das Wohl der heiligen Kirche. Allgemein bewundert ward seine Weisheit, seine Beredsamkeit, seine rastlose Arbeitsamkeit, und allgemein verehrt sein heiliger Eifer, seine hohe Tugend und seine thätige Liebe. Mit würdevollem Anstande verband er fortwährend herablassende Sanftmut!), und in den trübsten Stunden verlor er nicht die Heiterkeit des Geistes, welche vorzugsweise ein Eigenthum Derer ist, die reinen Herzens und von christlicher Zuversicht beseelt sind. Attila, den König der Hunnen, der schon im Begriffe war, seinen verheerenden Zug auf Nom zu richten, hielt Leo durch Vorstellungen, Bitten und Verheißungen von ferneren Verwüstungen ab. Ebenso hatte es Nom der Verwendung des Heiligen bei Genserich zu verdanken, daß das Leben seiner Einwohner und einige Kirchen von der Plünderung verschont blieben, und keine Gebäude zerstört wurden. Er starb am 11. April des Jahres 461. Gebet. Heiliger Papst Leo, du großer Diener Gottes, dessen Fürbitte auf Erden schon so mächtig war, bitte dort vor dem Throne Gottes für uns arme Erdenpilger, auf daß wir alle die Macht deiner Fürbitte im Leben und Sterben erfahren mögen. Amen. Das He6et des Herrn. Huildertnndzweites Lesestück. Am Feierabende des 12. April. Die hohe Bedeutung des heiligen Vater unsers. Fr. Welches ist das vorzüglichste und erhabenste unter allen Gebeten? Antw. Das vorzüglichste und erhabenste unter allen Gebeten ist das heilige „Vater unser" oder „das Gebet des Herrn," und zwar 1) wegen seines Ursprunges, 2) wegen seines Inhaltes, und 3) wegen seiner Lieblichkeit und Kraft. Fr. Warum ist das Gebet des Herrn so erhaben wegen seines Ursprunges? Antw. Weil Jesus Christus selbst es gelehrt hat; darum heißt es auch das „Gebet des Herrn." Belehrung. Jesus Christus selbst hat uns dieses himmlische Gebet gelehrt. (Matth. 6, 9—13.) sSiehe oben S. 210 das große Bildis Schon seit Jahrtausenden hatte man auf mannigfache Weise zu beten versucht, mit Worten und Geberden, mit Gesang und Geschrei, mit Opfern und Tänzen, mit Freudengelagen und mit selbsterfundenen Qualen. Doch was war all dieses Gebet? Meistens nur eine trostlose, selten gesegnete Arbeit. — Da sah einmal einer von den Jüngern dem göttlichen Heilande zu, wie dieser in einiger Entfernung im Gebete verweilte; er sah, mit welcher Warme, mit welchem heiligen Feuer der göttliche Erlöser zu beten verstehe; er sah, daß sein Herr und Meister in Wahrheit auch der Meister des Gebetes sei. Dieser Anblick erfüllte ihn mit hoher Bewunderung; er fühlt sich hingerissen von dem Verlangen, auch so heiß und innig, so warm und feurig beten zu können, wie sein Herr und Gott; darum naht er sich Ihm voll Vertrauen und stellt an Ihn die flehent- licheBitte: „Herr, lehre uns beten!" (Luk. 11.) Lehre uns beten so innig und herzlich, wie du, und nur du es kannst! Und liebreich wandte sich Jesus zu seinen Jüngern 241 Am Feierabende des 12. April. und sprach (Matth. 6, 7. ff.): „Wenn ihr betet, sollet ihr nicht viel reden, wie die Heiden; denn sie meinen, daß sie erhört werden. Seid also nicht wie sie! Denn euer Vater weiß schon vorher, was ihr brauchet, che ihr ihn darum bittet. Ähr sollet deßhalb also beten: Vater unser, der du bist im Himmel! Geheiliget werde dein Name! Zukomme uns dein Reich! Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden! Gib uns heute unser tägliches Brod! Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unfern Schuldigern! Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Uebel! Amen!" — O wahrhaft himmlisches, wunderbar kräftiges Gebet! Seitdem es aus Jesu Munde floß, haben es ihm schon Millionen und abermals Millionen nachgebetet, und sie Alle werden es bekennen müssen: Ein beseligenderes, anziehenderes, an Geheimnissen reicheres, an Inhalt gewichtigeres Gebet gibt es nicht, als das Gebet des Herrn. „Was Wunder?" ruft Tertullian aus; „Gott allein verstand es, Ec allein konnte also lehren, wie Er gebeten sein will." Fr. Juwieferne ist das Vater unser seinem Inhalte nach das vorzüglichste und erhabenste Gebet? Antw. Weil es Alles enthält, was wir von Gott hoffen, und wie und um was wir zu Gott beten sollen. Belehrung. Der Inhalt des heiligen Vater unsers ist ein unerschöpflicher; „dieses Gebet ist das Mark, die Quintessenz aller Gebete," sagt ein Prediger der Neuzeit; „im Vater unser habe ich den Inbegriff der himmlischen, wie der irdischen Güter, die munter sprudelnde Quelle der Gnaden, die mächtige Sturmglocke, die die himmlischen Kräfte mir zum Schutze gegen meine Feinde Herbeirust, kostbares Manna, das sich nicht auskosten läßt, für meinen Mund, eine allerliebst klingende Harfe für mein Ohr, ein Kleinod, das Gold und Edelgestein über- trisft, für mein Herz. O was habe ich nicht Alles im Vater unser! Den goldenen Schlüssel zu Gottes Kammern, den Haupt schlüssel zur paradiesischen Pforte, die Eintrittskarte in den Hochzeitssaal des Lammes." Mit einer wahren Begeisterung schildert uns den erhabenen Inhalt und die Vortresflichkeit des heiligen Vater unsers der fromme und ehrwürdige Thomas von Kempis, indem er schreibt: „Unter Allem, was schön ist, gibt es nichts Schöneres, als die Keuschheit; unter den Wissenschaften gibt es keine höhere, kls die Weisheit; unter den Andachtsbüchern gibt es kein heilsameres, als das Leben Jesu Christi; unter den Gebeten und Lobpreisungen Gottes gibt es keine besseren Mehler, Hausbuch. und heiligeren, denn das Vater unser. — Das Gebet deS Herrn übertrifft alle Gebender Heiligen, überragt alle Lic- besaffekte der begeisterten Seelen; es begreift in sich alle Sprüche der Propheten, und die honigfließenden Worte der Psalmen und Lieder. Es bittet um Alles, was nöthig ist; es lobt Gott nach Gebühr, dnrchdringt die Wolken, steigt hin über die Engel, trägt den Geist zum Himmel und verbindet die Seele mit Gott. Selig, wer alle Worte des Herrn, die goldenen Worte des Vater unsers erwägt!" Beispiel und Anwendung. Wahrlich, es gibt kein schöneres, kein vortrefflicheres und kein erhabeneres Gebet, als das heilige Vater unser. Wir können tieß ans folgender Begebenheit ersehen. In dem Buche von den sieben Gaben wird von einer sehr andächtigen Matrone erzählt? welche in einem ganz abgelegenen Winkel der Domkirche mit großer Inbrunst knieend das „Vater unser" betete, und den Boden mit ihren ThrLnen benetzte. Der Bischof jenes Ortes, ein heiliger Mann, sah eine Taube Herabkommen vom Himmel, welche ihre Thränen sammelte und wieder zum Himmel hinauftrug. Als er dieß zu wiederholten Malen gesehen hatte, ließ er diese Frau zu sich kommen, und fragte sie, was für Gebete sie verrichte; und sie offenbarte es ihm. Da sagte der Bischof zu ihr: „O wie glücklich wärest du, wenn du den Psalter beten könntest!" Als sie ihn gelernt hatte, sah der Bischof keine Thräne, aber auch keine Taube mehr. Da nahm er ihr den Psalter und trug ihr auf, zu dem gewohnten Gebete zurückzukehren. Sie that dieses, und der Bischof bemerkte, daß die vorige Andacht, die Thränen und die Taube also- gleich zurückkehrten. — Erkenne hieraus, mein Christ! daß das Gebet des Herrn unter allen Gebeten das vortrefflichste ist in Bezug ans seinen Inhalt, aber auch zugleich in Bezug auf seine Kraft und Wirksamkeit. Fr. In wieferne ist endlich das Vater unser das vortrefflichste Gebet in Bezug auf seine Kraft und Wirksamkeit? Antw. Weil es bei Gott eine außerordentlich hohe Geltung hat, mehr als alle andern Gebete. Belehrung. Sicherlich hat das Gebet des Herrn eine außerordentlich hohe Geltung in den Augen Gottes, mehr als alle andern Gebete, weil uns Christus ermahnt, wir sollen in seinem Namen begehren, und wir werden alsdann unfehlbar erlangen, um was wir bitten. Nun aber beten wir niemals mehr im Namen Jesu, als wenn wir sogar mit seinen eigenen Worten beten. Es kann also kein kräftigeres Gebet geben, als das, welches uns Jesus selbst gelehret hat. — Daher schreibt ein christlicher Lehrer: „Das Vater unser ist für uns gleichsam ein Empfehlungsbrief des göttlichen Heilandes an den himmlischen Vater. Wie sollte der himmlische Vater die Worte nicht hören, die aus dem allerheiligsten Herzen und Munde seines göttlichen Sohnes geflossen sind!" 31 242 Zweites Hauptstück. Die Vorrede im Vater unser. Beispiel und Anwendung. Da das Vater unser eine so hohe Geltung in den Augen Gottes hat und eben- deßhalb so außerordentlich wirksam ist, so sollen wir es vor jedem wichtigen Geschäfte und auch sonst oft fleißig beten; es soll uns das Gebet aller Gebete sein, und gar oft werden wir seine Wirksamkeit und Kraft verspüren. Zu Sörup im Herzogthume Schleswig lebte ein rechtschaffener Bauersmann, welcher Beisitzer eines Friedensgerichtes war; und wer am Ort einen Prozeß führen wollte, mußte erst vor dieses Friedensgericht, ob nicht in Liebe und Güte eine Versöhnung geschehen könne. Da kamen eines Tages zwei Nachbarn vor dieses Gericht, welche einen Prozeß wider einander vorhatten, der langwierig aussah und mehr Geld gekostet hätte, als die ganze Sache werth war. Die Friedensrichter suchten zu schlichten, wie sie nur konnten; aber, wie einmal die Menschen sind, die Nachbarn ließen auf sich Anreden und blieben hart wie die Klötze. Das will dem Bauer nicht Angehen, und etliche Tage darauf läßt er die Beiden noch einmal vor sich kommen und einige gute Freunde dazu, ob jetzt sein gutes Wort eine bessere Stelle finden würde. Und wie sie beisammen sind und harren, daß er von dem Prozeß zu handeln anfange, spricht er: „Liebe Freunde und Nachbarn! unsere Vorfahren pflegten, wenn sie an eine so wichtige Sache gingen, zuvor ein andächtiges Vaterunser mit einander zu beten. Lasset uns ihrem Beispiele folgen!" — Darauf zieht er die Mütze ab, faltet die Hände und betet: „Vater unser, der du bist im Himmel, geheiliget werde dein Name!" — Und die andern Alle sprechen es mit ihm bis zum: „Vergib uns unsere Schulden, wie wir vergeben unfern Schuldigern," und bis znm Amen. —- „Nun, Nachbarn," sagt der Bauersmann, „ihr wollt also den Prozeß wirklich führen?" — Da schwiegen die Beiden eine Weile; dann sprach der Eine: „Ich will Frieden machen!" und der Andere sprach: „Ich auch!" Und sie reichten einander die Hände, und keine Viertelstunde hat's gedauert, da war der Vergleich zu Stande. — Wer hat ihn zu Stande gebracht, der Bauersmann von Sörup, oder das Vater unser? —- Siehe, mein Christ! eine solche Kraft und Wirksamkeit liegt im Gebete des Herrn. Legende: Der heilige Zeuo, Bischof von Verona, (fl 380.) Ueberzeugt von der Kraft und Wirksamkeit, die im Gebete des Herrn liegt, nahm auch der heilige Zeno, dessen Fest auf den heutigen Tag fällt, in allen Nöthen und Anliegen seine Zuflucht zu diesem Gebete, und fast immer fand er Erhörung. Zeno war von Geburt ein Afrikaner. Er gelangte auf den bischöflichen Stuhl von Verona im Jahre 362 unter Julians Negierung. Als Bischof zeichnete er sich durch Geduld in Leiden, durch Abtödtung, durch Demuth und einen wahren Hirtencifer aus. Er taufte und firmte eine Menge Heiden nnd bekämpfte mit eben so großem Eifer als Erfolg die Irrlehre der Arianer. Endlich gelang es ihm, daß er beinahe seine ganze Diözese von den Gottlosigkeiten der Ketzerei und von dem Aberglauben des Heidenthums reinigte. Unter den Tugenden empfahl er seinem Volke keine dringender, als die Liebe gegen die Armen. „Wenn ihr ener Geld den Armen gebet," rief er ihnen zu, „so werdet ihr im Himmel starkeZinsen dafür erhalten. Wer ist wohl reicher als ein Mensch, dessen Schuldner Gott selber sein will?" — Nachdem Zeno auf solche Weise seineDiö- zese mit Kraft u. Klugheit regirt hatte, empfing er endlich imHim- mel den Lohn seiner Arbeiten am 12.Apr.380. „ Gebet. Gib uns, o Gott! die Gnade, daß wir mit gleichem Eifer, wie der heilige Bischof Zeno, die Pflichten unseres Berufes erfüllen, in allen Nöthen und Anliegen aber unsere Zuflucht zum Gebete des Herrn nehmen und die Kraft und Wirksamkeit desselben erfahren mögen — durch eben denselben Christum unfern Herrn. Amen. Hundertunddrittes Lesestück. Am Feierabende des 13. April. Die Vorrede im Vater unser. Fr. Woraus besteht das Vater unser? Antw. Das Vater unser besteht aus einer Vorrede und sieben Bitten, von denen die ersten drei sich zunächst auf die Beförderung der Ehre Gottes beziehen und die letzten vier auf unser eigenes und auf das Wohl all unsrer Mitmenschen für Leib und Seele, für Zeit und Ewigkeit. Fr. Warum beginnt das Vater unser mit einer Vorrede oder einem Eingänge? Antw. Weil es sich so geziemt; denn gleichwie Einer, wenn er bei einem vornehmen Herrn um Etwas bittet, nicht sogleich mit der Bitte anfängt nnd sagt: „Gib mir Geld, gib mir Brod!" n. s. w., sondern vorher einen kurzen Eingang macht, eben so geziemt es sich auch, daß wir den lieben Gott zuvor mit dem gebührenden Titel beehren, ehe wir von ihm Etwas verlangen. Fr. Mit welchen Worten reden wir hier Gott an? Antw. Mit den Worten: „Vater unser, der du bist in dem Himmel!" 243 Am Feierabende des 13. April. MM Fr. An was erinnert uns das Wort „Vater"? Antw. Daran, daß Gott unser Vater ist, und daß wir also mit kindlicher Ehrfurcht, Liebe und Zuversicht zu ihm beten sollen. (Sieh das obige Bild!) Belehrung. Gott ist unser Vater, so gütig und erbarmungsvoll, wie kein Vater auf der ganzen Welt; er ist unser Vater, weil er uns erschaffen und an Kindesstatt angenommen hat; dieß Alles ist schon näher erklärt worden (oben S. 63—64.), und an diese tröstliche Wahrheit wollte uns vor Allem der göttliche Heiland erinnern; deßhalb befahl er uns zu beten: „Vater unser!"— Das Wort „Vater" nun soll uns ermuthigen, daß wir mit kindlicher Ehrfurcht, Liebe und Zuversicht zu ihm beten sollen. „Um in uns Menschen das kindliche Vertrauen recht lebendig zu erhalten," sagt der heilige Franz von Sales, „hat der Herr Jesus Gott dem Herrn keinen andern Namen beigelegt, als den lieblichen Namen „Vater." Er bätte ihn nennen können: Schöpfer, Herr oder Majestät; aber das that er nicht, weil diese Eigenschaften zugleich den Begriff von Strenge mit sich führen, und folglich in uns eine gewisse Furcht erzeugen könnten. Der Ausdruck „Vater" aber erinnert an Liebe und erzeugt Zutrauen, und deßwegen ist der Ausdruck „Vater" dem Gebete als das erste Wort vorgesetzt." — O lieblicher Name „Vater!" Zu Gott, dem Unaussprechlichen, dürfen wir nur sagen: „Vater!" sonst bedarf es keines Titels; wir dürfen nur rufen: „Vater!" und schon ist sein Auge auf uns gerichtet, sein Ohr unfern Bitten geneigt, sein Herz, seine Liebe für uns entzündet, seine Hände mit Gaben gefüllt, und seine Engel sind schon auf dem Wege, sie unS mitzutheilen. Wer soll da nicht mit kindlicher Liebe, mit iimigem Vertrauen beten? Beispiel und Anwendung. Ein armer Landmann hatte durch Brand, Hagelschlag und allerlei Unglücksfälle schwer gelitten; tagtäglich fühlte er die Wehen seiner unverschuldeten Armuth mehr und mehr, und er wußte nicht, wo er in seiner Bedrängniß Trost und Hilfe suchen sollte, wenn er oft Weib und Kinder um sich her so wehmüthig weinen und so schmerzlich hungern sah. Da kam er einmal auf den Gedanken, in die nahegelegene Stadt zu gehen und den reichen Fürsten, der daselbst wohnte, um Erbarmen anzuflehen. Wie gedacht, so gethau! Er macht sich auf den Weg und geht zur Stadt. „Aber, was werde ich zu diesem großen Herrn sagen? wie werde ich ihn anreden, daß ich keinen Bock mache?" Diese Frage stellte er unterwegs wohl zehn und zwanzigmal an sich; und je öfter er sich's überlegt, desto verlegener wird er. Endlich langt er beim fürstlichen Palaste selbst an; er tritt hinein; aber es wird ihm auf einmal ganz sonderbar und ängstlich um's Herz, als er alle jene ungewohnte Pracht sieht und sich wieder fragt: „Ach! was muß ich doch jetzt zu dem vornehmen Herrn sagen, wie muß ich ihn anreden?" Noch immer bleibt er sich die Antwort schuldig, und zitternd geht er in den weiten, prächtigen Säulengängen auf und ab. Da erblickte er auf einmal im Hintergründe eine freundliche Hauskapelle. „Halt!" denkt er sich, „jetzt hat's gerathen; nun will ich nicht mehr den irdischen Fürsten anreden, dessen Titulatur mir so viel Schwierigkeiten macht, nicht mehr ihm will ich meiqe Noth und mein Anliegen klagen; zu dem größten Herrn im Himmel droben will ich mich wenden; bei dem weiß ich schon, wie ich ihn anreden muß; zu ihm darf ich nur sagen: „Vater unser, der du bist im Himmel!" und er ist's zufrieden." — Beseelt von diesem glücklichen Gedanken fällt er auf seine Kmee nieder und schüttet sein ganzes, tiefbctrübtes Herz vor Gott, dem Fürsten aller Fürsten, ans. Und nachdem er sein andächtiges Gebet beendet hatte, kehrte er beruhiget in seinem Innern nach Hause zurück, hoffend mit Zuversicht, daß ihm der himmlische Vater Trost und Hilfe senden werde. Und er täuschte sich nicht. Noch war er beinahe eine halbe Stunde von seinem Dorfe entfernt, als ihm schon seine Kinder freudetrunken entgegenhüpften und ihm die Botschaft brachten, daß ihnen der edle Fürst aus der Stadt Geld und Lebensmittel in Ueberfluß zugcschickt habe. (Letzterer hatte nämlich vom Unglücke des armen, braven Landmannes Kunde erhalten und sich seiner erbarmt.) Mit Freuden vernahm's der arme Bauer und erhob voll Thränen des Dankes die Augen zum Himmel, zu jenem gnä- digen Fürsten, den er mit dem vertraulichen Worte „Vater!" hatte anreden dürfen. Siehe, wie leicht es ist, mein Christ! 244 Zweites Hauptstück. Die mit Gott zu reden! Wir dürfen da nicht verlegen sein in der Wahl der Ausdrücke; wir dürfen uns nicht fürchten, sondern mit offnem und freiem Blicke, mit Vertrauen und kindlichem Herzen dürfen wir ihm nahen und nur zu ihm sprechen: „Vater unser!" — In welch inniges Verhältnis; treten wir nicht schon durch diese Worte mit Gott! Fr. Warum beten wir unser, und nicht mein Vater? AntW. Weil Gott der Vater aller Menschen ist, und wir darum Alle, wie Brüder für einander beten sollen. Belehrung und Beispiel. Gott ist unser Aller Vater, wir sind seine Kinder. „Ihr alle seid Kinder Gottes," sagt der heilige Chrysostomus; „darum sollet ihr eines Herzens und eines Sinnes sein, auf daß ihr würdig sagen wöget: Vater unser!" Und schon bei Malachias (2, 10.) heißt cs: „Haben wir nicht Alle einen Vater? Hat uns nicht Alle ein Gott erschaffen?" Sonach sind wir alle Brüder und Schwestern unter einander. „Unter diesem Vater," sagt der heilige Augustin, „sind der Herr und der Knecht Brüder; unter diesem Vater sind der Feldherr und der gemeine Soldat Brüder; unter diesem Vater sind der Reiche und der Arme Brüder. Alle Christgläubigen haben auf der Erde verschiedene Väter, Einige adelige, Andere gemeine; aber Einen Vater rufen sie Alle an, der im Himmel ist." Ebendeßhalb hat uns der göttliche Heiland zu beten gelehrt: „Vater unser," und nicht „mein Vater." — Diese brüderliche Liebe finden wir ganz besonders schon bei den ersten Christen; sie betrachteten sich einander als Brüder und Schwestern und beteten daher in voller Wahrheit: „Vater unser!" Kein Gebet ist aber auch dem Herrn angenehmer, als das Gebet der Liebe, und keines ist wirksamer, als das gemeinschaftliche Gebet; denn wo Alle für einander beten, da hat Jeder den Segen des eigenen und zugleich des fremden Gebetes. Wenn du also betest, mein Christ! so schließe alle deine Mitmenschen als Brüder und Schwestern in dein Gebet ein, auf daß du in Wahrheit rufen und beten kannst: „Vater unser!" Fr. Warum sagen wir: „Der du bist in dem Himme l" ? Antw. Um uns zu erinnern, 1) daß Gott, der zwar überall gegenwärtig ist, dennoch ganz besonders im Himmel wohne, wo wir ihn dereinst von Angesicht zu Angesicht schauen werden (1. Cor. 13,12.); 2) daß wir ans Erden, nur Pilger sind und im Himmel unser wahres Vaterland haben; 3) daß wir beim Beten unser Herz und Gcmüth zum Himmel erheben müssen. Vorrede im Vater unser. Belehrung. 1) Christus hat die Worte: „Der du bist in dem Himmel" deßhalb beigesetzt, wie Cardinal Hugo sagt, um dadurch den wahren Gott, der vorzugsweise in der Herrlichkeit des Himmels wohnt, von allen heidnischen Göttern auf Erden zu unterscheiden. Die Heiden hatten Götter im Meere, Götter auf den Bergen, in Flüssen und Quellen u. s.f.; „unser Gott aber ist," wie schon David singt, „im Himmel." Ja, vorzugsweise im Himmel wohnt unser Gott, wo wir ihn, wie der heilige Paulus schreibt (1. Cor. 13, 12.), dereinst „von Angesicht zu Angesicht sehen werden, wie er ist," cbschon er vermöge seiner Allgegenwart überall ist — im Himmel und auf Erden. 2) Dadurch, daß wir zu einem Vater beten, der im Himmel ist, geben wir zu erkennen, daß wir hienieden nur Erdenpilger sind, im Himmel aber unsere wahre Heimath haben. Wo unser Vater ist, da müssen auch wir sein. Der heilige Augustin rief darum oft aus: „Dorthinauf gehöre ich! O wie verächtlich kommt mir die Erde vor, wenn ich den Himmel anschaue!" — Und schon der heidnische Weltweise Anaximander blieb oft mitten auf dem Wege stehen, deutete zu den Sternen hinauf und sprach: „Dort ist mein Vaterland!" — 3) Endlich beten wir: „Vater unser, der du bist in dem Himmel," auch deßhalb, damit wir durch diese Worte sogleich daran erinnert werden, daß wir beim Gebete unser Herz und Gemüth zum Himmel erheben müssen. „Wenn wir beten," sagt der heilige Bernhard, „so müssen wir in den himmlischen Hof einge- hen, in jenen herrlichen Palast nämlich, wo der König der Könige auf seinem glänzenden Throne sitzt, umgeben von dem zahllosen Heere seliger Geister." — Und so hat nun jedes Wort in der Vorrede des Vater unsers seine erhabene Bedeutung. Ja, es ist ein gar tröstlicher Gedanke für uns: „Wir haben einen Vater im Himmel!" In Leid und Freud muß uns derselbe ermuntern und trösten. Beispiel und Anwendung. Johanna von Or- vieto, die nachmals im Orden des heiligen Dominikus ein Muster vorzüglicher Heiligkeit wurde, besaß schon im frühesten Jugendalter einen sehr regen Geist und gab oft so vernünftige Antworten, wie man sie nur von erwachsenen und in der christlichen Vollkommenheit schon weit vorgeschrittenen Personen hätte erwarten können. Frühzeitig verlor das unglückliche Kind den geliebten Vater. Die trostlose Mutter nahm darum gar oft an Sonn- und Feiertagen das zarte Mädchen und führte es zum Grabe des unvergeßlichen Vaters, um da für seine unsterbliche Seele zu beten. Einmal war die Mutter vor innerer Betrübniß ganz und gar außer sich und beklagte es mit bitteren Thränen, daß der Himmel so frühe schon ihrem Kinde den Vater nahm. Da ergreift Johanna die Hand der guten Mutter und spricht: „Weißt du nicht, 243 Am Feierabende des '14. April. Mutter! daß wir dort oben noch einen Vater haben, den Himmelvater, so gut und lieb? Hast du mich ja beten gelehrt: „Vater unser, der du bist in dem Himmel;» — Diese einfache Bemerkung des frommen Kindes machte aus das niedergebeugte Mutterherz einen so gewaltigen Eindruck, daß die arme Wittwe mit einem Blicke heiliger Freude zuerst gegen Himmel und dann auf ihr Kind hinsah, dieses voll Liebe umarmte, ihre Thränen trocknete und künftighin nimmer murrte über die Fügungen der göttlichen Vorsehung. — Blick also auch du auf, mein Christ! in allen Leiden und Prüfungen des Lebens; blick hinauf zum Himmel; dort ist dein Vater, der wird dich nicht verlassen. Legende: Der heilige Hermencgild, königlicher Prinz und Märtyrer, (f 586.) Durch den frommen Aufblick zum Vater im Himmel tröstete und stärkte sich auch der heilige Hermenegild, dessen Andenken wir heute feiern, gar oft in den Leiden und Trübsalen dieses Lebens. Er war ein königlicher Prinz von Spanien und mußte wegen des Bekenntnisses des kathol. Glaubens von seinem arianisch gesinnten Vater unverdiente Mißhandlungen erdulden; ja, er ward sogar vomHofe verstoßen und in das Gefängniß geworfen. Allein Hermen egild blickte getrost zum Himmel ans und sprach: „Wenn auch mein irdischer Vater mich verstößt und verfolgt, so habe ich doch noch einen Vater dort oben im Himmel; der wird sich meiner an- nehmen und mich beschützen." — Da nun Hermen egild dem katholischen Glauben unverbrüchlich treu blieb und sich weigerte, die Communion ans der Hand eines aria- nischen Bischofes anznnehmen, wurde er auf Befehl seines unmenschlichen Vaters ermordet am 13. April 586. Gebet. O Gott! du bist unser Vater — das ist unser Trost und unsere Zuversicht! Stärke uns nur mit deiner göttlichen Gnade, auf daß auch wir, wie der heilige Hermen egild, stets deine treuen Kinder sein und bleiben mögen. — Durch Christum, unfern Herrn. Auren. Hmidertmidmertes Lesestück. Am Feierabende des 14. April. Die erste Bitte im Vater unser. Fr. Was begehren wir in der ersten Bitte: „Gc- heiliget werde dein Name"? Antw. Wir bitten, daß der Name Gottes niemals entheiliget oder gelästert, sondern daß Gott von uns und allen Menschen recht erkannt, geliebt und verehrt werde. Belehrung. Gott ist unser Vater, wir sind seine Kinder; dieß haben wir aus der Vorrede im Vater unser ersehen. Die natürlichste und nothwendigste Folge davon nun ist, daß wir Nichts sehnlicher verlangen, als daß unser Vater von uns und Allen gelobt und geliebt, gepriesen und geehrt, aber ja von Niemanden entehrt und gelästert werde. Ganz in diesem Sinne schreibt Ludwig von Granada: „Da ich bereits die Kindschaft Gottes erlangt habe, so ist es meine erste und vorzüglichste Pflicht, daß ich die Glorie deines heiligen Namens, den Sieg deines Reiches und die Erfüllung deines Willens aller Orten und ohne Unterlaß fördere." — Wenn sonach Dasjenige, was wir in der ersten Bitte des Vaters unsers aussprechen, Wahrheit werden soll, so dürfen wir uns nicht bloß mit den bloßen Worten begnügen, wir müssen vielmehr durch unser ganzes Leben 1) in uns und' 2) in Andern zur Heiligung des göttlichen Namens, d. h. zur Erkenntniß, Liebe und Anbetung Gottes nach unfern Kräften beitragen. Fr. Wie können wir den Namen Gottes in uns selbst heiligen? Antw. Wenn wir Gott allein die Ehre geben und Gottes Namen verherrlichen durch Wort und That. Belehrung. Wir heiligen den Namen Gottes in uns selbst, wenn wir Gott dem Herrn allein stets die Ehre geben und all unsre guten Handlungen, all unsre Tugenden, all unsre geistlichen und leiblichen Vorzüge als Gaben Gottes betrachten; wenn wir mit David ausrufen: „Nicht uns, o Herr! nicht uns, sondern deinem Namen gib die Ehre!" (Ps. 113, 1.) oder mit der seligsten Jungfrau Maria: (Nicht ich, sondern) „Derjenige, der da mächtig ist, hat große Dinge an mir gethan." In dieser Beziehung schreibt der heilige Bernhard: „Wisse, o Mensch! wenn du Gott dem Herrn die Ehre nicht gibst, so bist du ein Dieb, da du Gott entziehst, was ihm gehört. Nicht so, o Mensch! nicht so! Gott allein sei Ehre und Ruhm!" — Wir heiligen 246 Zweites Hauplstück. Die HM' den Namen Gottes in uns selb st, wenn wir Gott loben und preisen, wie die Heiligen im Himmel, die unaufhörlich: „Heilig, heilig, heilig!" singen (sieh das obige Bild!), und wenn wir stets den Namen Gottes nur mit tiefster Ehrfurcht aussprechen. Ganz besonders aber sollen wir den Namen Gottes heiligen durch unsere Werke, indem wir überall unser Licht leuchten lassen vor den Menschen, „damit sie unsere guten Werke sehen und den Vater preisen, der im Himmel ist." Was hilft es, wenn wir mit dem Munde sprechen: „Geheiliget werde dein Name!" durch unsere Handlungen aber Gottes Name lästern und entheiligen?! Ein leerer Schall sind Worte ohne Thaten, — ein Brunnen ohne Wasser. Beispiel und Anwendung. Der heilige Franziskus sprach den göttlichen Namen nie anders, als nur mit heiliger Ehrfurcht aus. Fand er hie und da auf dem Boden Zettelchen oder zerrissene Papicrstückleiu, worauf der Name Gottes stand, so hob er sie fleißig ans und bewahrte sie in seiner Klosterzelle an einem geeigneten Orte mit großer Ehrerbietung. Er befahl auch seinen Untergebenen, ein Gleiches zu thun. — Möchten auch wir, mein christlicher Leser! dieses schöne Beispiel nachahmen, ganz besonders aber durch all unser Thun und Lassen den heiligen Namen Gottes preisen, was am Leichtesten, wie Origcnes sagt, dadurch geschehen kann, daß wir Alles, was wir thun und leiden, zun: erste Bitte im Vater unser. Lobe und zur Ehre Gottes aufopfern. „Umsonst werden wir beten: „Geheiligt werde dein Name!" sagt der heilige A u g u st i n, „ wenn wir durch unser Leben Gott den Herrn lästern und entehren. Denn wenn ein nüchterner und ein betrunkener Sänger miteinander eine Arie anstimmen, was wird dieß für ein Gesang werden? Gerade so verhält sich's mit unserm Gebete, wenn der Mund spricht: „Geheiliget werde dein Name!" unser Leben aber so beschaffen ist, daß Gott dadurch gelästert, entheiliget, entehrt wird. Diese Disharmonie zwischen unserm Gebete und unserm Wandel kann dem Herrn nur höchlich mißfallen; denn nur zu Seiner Ehre hat er uns erschaffen." (Jsai. 43, 7.) Fr. Wie können wir in Andern den Namen Gottes heiligen? Antw. Dadurch, daß wir unsere Mitmenschen durch Wort und Beispiel znm Guten ermuntern und sie von Gotteslästerung und jeder Sünde nach Kräften abhalten. Belehrung. Gar oft können wir zur Verherrlichung Gottes und zur Heiligung seines Namens beitragen dadurch, daß wir Andere zur Tugend und Frömmigkeit durch Wort und Beispiel ermuntern; besonders können wir durch ein frommes Beispiel überaus viel zu Ehre Gottes wirken; denn „eine Unze Beispiel ist mehr Werth," sagt der heilige Franz von Sales, „als hundert Pfund Worte." — Ue- berdieß können und sollen wir den Namen Gottes in Andern auch dadurch heiligen, daß wir sie von Gotteslästerung und jeder Sünde abhalten. „Wenn duGott, deinen Herrn, von ganzem Herzen liebest," sagt der heilige Bernhard, „und sehen würdest, daß man ihn lästert und verachtet, daß man seinen Namen, anstatt ihn zu heiligen, auf die empörendste Weise entheiliget, sage mir: würdest du dieß mit ruhigem Herzen ertragen können?" Nein! nach unfern besten Kräften müßten wir die Ehre Gottes retten und mit Macht seinen heiligen Namen vertheidigen. Beispiel und Anwendung. Ein ehr- und gottvergessener Mensch scheute sich nicht, in Gegenwart des heiligen Hieronymus durch Wort und Lehre den Namen Gottes zu lästern. Voll heiligen Unwillens hierüber verwies ihm Hieronymus mit der ganzen Stärke seines Geistes ein so ungeziemendes Benehmen und sprach zu ihm: „Hunde bellen für ihren Herrn, und du willst, daß ich nicht für Christi Wahrheit belle? Wie, ich sollte stumm sein, da, wo man Gottes heiligen Namen lästert? Gott bewahre! Sterben kann ich; aber schweigen kann ich nicht." Das ist eine mächtige Sprache, o Christ! zur Ehre des göttlichen Namens! Das heißt im heiligen Eifer beten: „Geheiliget werde dein Name!" O wie oft hättest nicht auch du zu Hause, in der Wein- oder Bierscheuke und auf der Gasse Gelegenheit, auf eine ähnliche Weise die Ehre Gottes zu retten und seinen heiligen Namen zu verherrlichen, besonders den Freigeistern Am Feierabende des 15. April. 247 und Religionsspöttern gegenüber, die leider in unfern Tagen fast so häufig sind, wie die Pflastersteine auf den Straffen! Legende: Der heilige Tiburtius mit seinen Genossen Valerian und Maximus, Märtyrer. (1- 229.) Die Namen dieser heil. Märtyrer, deren Lebens- und Leidensgeschichte uns heute im Marthrologium erzählt wird, standen bei den Christen allzeit in großer Verehrung; denn aus ihrer Lebensgeschichte ersieht man so recht deutlich, wie man den Namen Gottes durch Wort und That heiligen und verherrlichen könne. Valerian hatte sich mit der heiligen Cacilia vermählt und ward durch ihre Thäncn zu Jesus Christus bekehrt. Er hatte einen Bruder, Namens Tiburtius, den er und seine Gemahlin, die heilige Cäcilia, durch Belehrung und Gebet gleichfalls den Finsternissen des Heidcuthums entriß, um ihn die beseligenden Früchte des Christeuthums kosten zu lassen. — Valerian und Tiburtius wurden als Christen eingezogen und vor den Statthalter geführt, der sie Beide zum Tode vernrtheilte. Der Gerichtsdiener, welcher sie zum Tode führte und Maximus hieß, ward durch ihre Reden und ihren Mnth so gerührt, daß er dem Heidenthnme entsagte, um mit ihnen Jesnm Christum zu bekennen. Sie empfingen alle drei die Mar- tyrerkrone i. I. 229. Hätten sie wohl den Namen Gottes schöner heiligen und verherrlichen können? Gebet. Herr, himmlischer Vater! wir bitten dich demüthig um Kraft und Stärke, auf daß auch wir in nnscrm Leben deinen heiligen Namen stets durch Wort und That verherrlichen und dereinst die Krone der Vergeltung erlangen mögen, wie St. Tiburtius und seine Leidensgenossen. — Durch Christum unfern Herrn. Amen. Hundertitiidsimstes Lesestück. Am Feierabende des 15. April. Die zweite Bitte im Vater unser. Fr. Was verlangen wir in der zweiten Bitte des Vater unscrs: „Zukomme uns dein Reich"? Antw. Wir begehren 1) die Ausbreitung des Reiches Gottes um uns, d. h., die Ausbreitung der heiligen katholischen Kirche; 2) die Einkehr des Reiches Gottes in uns, d.h. die Einkehr der göttlichen Gnade in unsere Herzen, auf daß wir 3) nach diesem Leben Alle in das Reich Gottes über uns, d. h. in den Himmel gelangen mögen. Belehrung. Das Reich Gottes ist dreifach, nämlich das Reich Gottes um uns, in uns und über uns. Sonach bitten wir, 1) daß das Reich Gottes um uns, d. h. die heilige katholische Kirche sich immer mehr verbreiten möge. Wir sollen uns nicht damit begnügen, daß wir selbst so glücklich sind, der Kirche anzugehören, sondern wir sollen auch sehnlichst bitten und wünschen, daß die katholische Kirche mit ihrer beseligenden Lehre und mit ihren Gnadenmitteln auch dahin gelange, wo noch so viele Völker im Heidenthnme leben. (Sieh das nachfolgende Bild!) Nach Kräften sollen wir zugleich zur Verbreitung der Kirche, zur Verbreitung des Glaubens und zur Verschönerung unserer Gotteshäuser das llnsrige beitragen; um so lieber wird dann Gott unser Gebet erhören, wenn wir zu ihm rufen: „Zukomme uns dein Reich!" Wir beten ferner 2) um das Reich GotteS in uns, d. i. um das Reich der Gnade. Gar Viele befinden sich in der Kirche, und dennoch gehen sie zu Grunde, weil sie nicht im Stande der Gnade leben. Darum bitten wir auch noch um das Reich der Gnade, d. h. wir bitten, daß Gott in unserm Innern das Reich der Sünde zerstören, alle unheiligen Begierden, alle sündhaften Worte, alle Werke der Finsterniß entfernen und so die Herrschaft des Teufels in uns vernichten wolle, und daß er durch Tugend nnd gute Werke mittelst seiner Alles vermögenden Gnade in uns herrschen möge. — Endlich 3) bitten wir auch noch um das Reich Gottes über uns, d. i. wir bitten, daß wir nach diesem Leben Alle in das Reich der Himmel gelangen mögen. So betete gar oft der heilige Franz von Assisi, indem er ausrief: „Zukomme uns dein Reich, auf daß du in uns mit Deiner Gnade regirest und uns zu Deinem Reiche gelangen 248 Zweites Hauptstlick. Die lassest, wo da ist die Anschauung deiner Gegenwart, die vollkommene Liebe zu dir, die beseligende Gemeinschaft mit dir, der ewige Genuß deines Wesens!" — So sollen auch wir recht oft beten und besonders zur immer weiteren Verbreitung der heiligen katholischen Kirche nach Kräften beitragen. Beispiel und Anwendung. Der heilige Franz Xaver sah es mit Verwunderung, wie französische und spanische Handelsleute mit Lebensgefahr das Meer durchschifften, um ihr Glück zu machen. „Wie?" rief er aus, „ist cS möglich, daß diese Männer eifriger sind, um ihr Glück zu begründen und vergängliche Schätze zu sammeln, als ich, um Gott Seelen zu gewinnen und sein Reich zu vergrößern? Alle Tage bete ich: „Zukomnie uns dein Reich!" und bin so träge und saumselig, zur Verbreitung dieses göttlichen Reiches Etwas beizutragen!" Dieser Gedanke bestimmte ihn, den Wandcrstab zu ergreifen und nach Indien und Japan hinzuziehen und dort Seelen für das Reich Gottes zu gewinnen. Wie von den Flügeln der Winde getragen — eilt er freudig hin in's fernste Asien, nach Indien, nach den Molukken, nach China und Japan.. Nicht Gefahren auf dem Lande halten ihn zurück, nicht Gefahren zur See, nicht Wüsten und Gebirge, nicht Stürme und feindliche Flotten, nicht Hunger und Durst, nicht die Wildheit der Völker. — Mit dem Kreuze des Erlösers und sonst mit keiner anderen Waffe gerüstet — eilt er hin, um die Welt für Christus und feine heilige Kirche zu erobern und die Völker in die herrliche Freiheit der Kinder Gottes zu führen. Franziskus allein bekehrt zwei und fünfzig Reiche, pflanzt die zweite Bitte im Vater unser. Siegesfahne des Kreuzes in einem Umkreise von dreitausend Meilen auf und tauft mit eigener Hand fast eine Million Götzendiener und Muhamedaner! Begeistert von der Liebe Gottes — richtete er überall vas Panier des Herrn auf. — Heißt das nicht in Wort und Werk beten: „Zukomme uns dein Reich?!" Und ach! was thun wir zur Verbreitung des göttlichen Reiches? Fr. Können auch wir zur immer weitern Verbreitung der heiligen katholischen Kirche beitragen? Antw. O ja, gar leicht können auch wir immer zur weitern / Verbreitung der heiligen katholischen Kirche' thcils durch unser Gebet, theils dadurch beitragen, daß wir den MissionSvercin nach Kräften unterstützen. Belehrung. Wir können zwar nicht, wie der heilige Franziskus Xaverius und tausend Andere, als Missionäre hinziehen in ferne Welttheile und da Gottes Reich verkünden; wir können aber doch wenigstens beten, daß Gottes Kirche auf Erden immer mehr Ausnahme, und seine heiligen Gebote immer mehr Beachtung und Gehorsam finden möchten; wir können wenigstens beten, daß Gottes Reich zu uns komme, und können jene Tugend- und Glaubenshelden, die da in ferne Welttheile als Missionäre hinziehen, (siehe daS obige Bild!) durch so manches Scherflein unterstützen, welches wir in frommer Gesinnung opfern. Auf solche Weise würden wir die zweite Bitte des Vater unsers nicht nur mit Worten beten, sondern auch in Werken betätigen. Seitdem die verschiedenen Missionsvereine bestehen, fehlt es uns wahrlich an Gelegenheiten hiezu nicht. Beispiel und Anwendung. Ein amerikanischer Kaper, ein Schiff, welches von der Admiralität die Vollmacht hatte, feindliche Kauffahrteischiffe wegzunehmen, hatte vor einigen Jahren im irländischen Kanäle ein mit Steinkohlen beladenes Schiff aufgebracht, und der Kapitän des Kapers ging in die Kajüte, um seine Beute in Augenschein zu nehmen. Hier fand er eine kleine Büchse mit einer Oeffnnng im Deckel, auf welchem die Inschrift stand: Missionsbüchse. Er fragte, was das zu bedeuten habe. Der Irländer fürchtete die Zerstörung seines Schiffes und seines Eigenthumes, weil die Amerikaner damals die Gewohnheit hatten, die erbeuteten Schiffe zu verbrennen, und antwortete mit einem tiefen Seufzer: „Jetzt ist Alles aus! — Ich und meine armen Kameraden hatten die Gewohnheit, jeden Sonntag ein Zweigroschenstück in die Büchse einznlegen, um frommen katholischen Missionären, die das Evangelium den Heiden predigen, in diesem schweren Amte hilfreiche Hand zu bieten." — „Das ist schön," sagte der Amerikaner, „in der That gefällt es mir." — Nach einer kurzen Pause reichte er dem Besitzer der Schaluppe die Hand, und sagte zu ihm: „So will ich Ihnen auch nicht ein Haar krümmen, und auch Ihr Schiff sollen Sie behalten." Er zog wieder ab und ließ den Ir- 249 Am Feierabende des 16. April. lander ungestört seine Reise fortsctzen. — Wenn schon einem billiqdenkmden Manne derartige uneigennützige, christliche Opfer mr Verbreitung des Glaubens so wohl gefallen, daß er sie lohnend anerkennt und anerkennend lohnt: wie sehr werden sie dem himmlischen Vater gefallen, und wie herrlich wird Er sie einst lohnen?! Darum sollen auch wir das schöne Beispiel dieser wackern katholischen Irländer nachahmen und wöchentlich, besonders am Tage des Herrn, wenn auch nicht ein Zweigroschenstück, so doch wenigstens einen Kreuzer zur Unterstützung und Förderung des ebenso schönen als segenreichen Institutes der Missionen zurücklcgen. Dann werden wir mit Ersolg beten können: „Zukomme uns dein Reich!" Legende: Die heilige Lidwina, Jungfrau, (f 1433.) AmhentigenTa- ge finden wir in der Legende eine Heilige, die allen Kranken und Leidenden zum Muster dienen soll; es ist dieß die heilige Jungfran Lidwina, die oft in ihren langwierigen und schmerzlichen Leiden zum Himmel aufblickte und betete: „Gerne will ich leiden; laß mir, o Gott! nur dereinst auch zu- kommen Dein Reich, das Reich der ewigen Glorie im Himmel!" — Sie war geboren 1380 zu Schiedam in Holland. ' Von zarter Jugend an hatte sie eine kindliche Andacht zur seligsten Jungfran und weihte sich schon im zwölften Jahre durch das Gelübde der Keuschheit Gott zum Tempel ein. Nach einigen Jahren sah sie eines Tages ihren Freundinen zu, die sich nach Landcsbrauch mit Schlittschuhfahren ergötzten. Plötzlich prallte eine derselben im raschen Laufe mit solcher Gewalt an Lidwina an, daß diese vor Schrecken auf das Eis hiu- stiirzte und eine Rippe zerquetschte. Von diesem Augenblicke an litt sie die größten Schmerzen. Lauge Zeit konnte sie weder Nahrung noch Ruhe genießen; kein Heilmittel schlug mehr an; kein Glied konnte sie mehr bewegen; achtunddreißig Jahre lang war sie durch die unerhörtesten Schmerzen an's Krankenlager angeheftet. Und sie litt dieses Alles mit einer bewunderungswürdigen Geduld; denn der Anblick des Gekreuzigten und der Auf- Rehler, Hausbuch. . 1M « blick zum Himmel machten ihr die Schmerzen nicht nur erträglich, sondern sogar süß und angenehm, bis sie endlich Gott der Herr aufnahm in sein Reich, in das Reich der ewigen Glorie und sie da krönte mit der Krone der Vergeltung am 15. April 1433. Gebet. Gerne wollen wir Alles leiden, o Herr! wie die große Dulderin Lidwina; laß uns nur auch zukommen hienieden das Reich deiner göttlichen Gnade und einst das Reich der ewigen Glorie im Himmel. Amen. Hund ertundsech stes Lesestück. Am Feierabende des 16. April. Die dritte Bitte im Vater unser. Fr. Um was beten wir mit den Worten: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden?" Anttv. Wir bitten um die Gnade, 1) daß wir und alle Menschen ans Erden den göttlichen Willen ebenso treu und freudig erfüllen mögen, wie die Engel und Heiligen im Himmel; 2) daß wir uns dem göttlichen Willen in Allem bereitwillig unterwerfen, d. h. wir bitten, daß Gottes Wille 1) durch uns, 2) an uns erfüllt werden möge. Fr. Wann geschieht Gottes Wille durch uns? Antw. Wenn wir den göttlichen Willen ebenso treu und freudig erfüllen, wie die Engel und Heiligen im Himmel. Belehrung. Wir sind auf Erden, um den Willen Gottes zu thun, um seine Gebote und Befehle genau zu vollziehen; das ist unsre einzige und höchste Aufgabe hienieden; mit unverbrüchlicher Treue und mit heiliger Eilfertigkeit, wie wir sie bei den Bewohnern des Himmels finden, den Satzungen und Forderungen Gottes Nachkommen, dieß macht den Grund unserer einstigen Glückseligkeit aus. Nichts hat daher vor Gott höheren Werth, als treue und pünktliche Erfüllung seines heiligen Willens. Darum spricht Christus (Matth. 7, 21.): „Nicht ein Jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr! wird in das Himmelreich eingehen, sondern nur der, welcher den Willen des himmlischen Vaters vollzieht." — Gar schön schreibt in dieser Beziehung der heilige Ambrosius: „Der Soldat macht sich nicht selbst die Marschroute und geht nicht dahin, wo er selbst gerne hingehen möchte, und stellt sich nicht dahin, wohin er sich selbst gerne stellen möchte; Gott bewahre! er nimmt die Befehle hiezu alle von seinem 32 230 Zweites Hanptstück. Die dritte Bitte im Vater unser. MM Generale entgegen und befolgt sie auf's Pünktlichste. — So müssen auch wir den Weg gehen, und den Posten einnehmen, den uns Gott angewiesen hat; müssen uns willig den göttlichen Geboten und Befehlen unterwerfen, d. h. treulich und pünktlich seinen heiligen Willen erfüllen. Nur so wird geschehen, um was wir bitten, wenn wir rufen: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden!" Beispiele und Anwendung. Das schönste Beispiel in der treuen Erfüllung des .göttlichen Willens hat uns Christus der Herr selbst gegeben. Bei seinen Lehren und Predigten, bei seinen Mühen und Leiden, bei seinen Martern und Qualen that er nichts Anderes, als das, was er uns im Vater unser zu beten lehrte mit den Worten: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel also auch auf Erden." Gar oft that er deßhalb auch den Ausspruch: „Meine Speise ist's, den Willen des himmlischen Vaters zu thun. ... Ich bin vom Himmel herabgekommcn, nicht, damit ich meinen Willen thue, sondern den Willen Dessen, der mich gesandt hat." M S« Rc - WM 252 Zweites Hauptstück. Die vierte Bitte im Vater unser. W-,,, / MW 'daß wir uns mit dem Nothdürftigen begnügen sollen, wie der heilige Apostel an Timotheus schreibt (1. Tim. 6, 8.): „Wenn wir Nahrung und Kleidung haben, so lasset uns damit zufrieden sein!" Fr. Warum lehrte uns Jesus beten um das „tägliche" Brod? AntW. Durch den Beisatz „täglich," „tägliches" Brod wollte uns Jesus lehren, 1) daß wir leinen Ueberfluß, sondern nur soviel verlangen sollen, als wir zu unserm täglichen Lebensunterhalte nothwen- dig haben. 2) Er wollte uns dadurch zugleich ermahnen, daß wir alle Tage um unser Brod zu Gott beten sollen, weil wir selbes alle Tage nothwendig haben. Fr. Warum lehrte uns Jesus beten: „Gib uns heute"? Warum „heute?" AntW. Jesus wollte, daß.wir bei diesem Worte „heute" uns erinnern sollen, daß wir heutige Menschen sind und nicht ängstlich besorgt sein sollen für den morgigen Tag. Mit kindlichem Vertrauen sollen wir uns in die Arme der göttlichen Vorsehung werfen. Fr. Warum lehrte uns Jesus beten: „Gib uns," und nicht: „Gib mir"? AntW. Jesus wollte uns durch dieses Wörtlein: „uns" erinnern, daß wir als gemeinschaftliche Brüder und Schwestern einander gerne das tägliche Brod wünschen und gönnen, und daß wir bereit sein sollen, unfern Uebersluß in christlicher Mildthätigkeit mit unfern ärmer» und nothleidenden Brüdern zu theilen. Belehrung. Kann sonach je ein Reicher das Vater unser mit Segen beten, wenn er bei seinem Ueberflusse den armen Mitbruder darben läßt? Nie und nimmer! „Der Herr," sagt der heilige Augustin, „will den Reichen durch den Armen beseligen und die Treue seines Ausspenders erproben. Er läßt den Armen arm sein, um ihn zu prüfen; er hat auch den Reichen gesetzt, um ihn durch den Dürftigen zu prüfen!" Wehe dem Reichen, der diese Prüfung nicht besteht! An ihm wird des Herrn Wort wahr werden: „Eher wird ein Kamecl durch ein Nadelöhr gehen, als daß ein Reicher in's Himmelreich eingehe." Beispiel und Anwendung. Gerne sollen wir mit den Armen unser Brod theilen und sie niemals hungern lassen; denn der Hunger thut weh; deßhalb lehrte uns Jesus beten: „Gib uns", und nicht: „Gib mir."— Ein schönes Beispiel hat uns in dieser Beziehung gegeben der Herzog von Burgund, ein Enkel des französischen Königs Ludwig XlV. Dieser gab schon in seiner Jugend die herrlichsten Beweise von Herzensgute. — Eines Tages ging er in den Straßen von Versailles spazircn; es war ein Jahr, in dem ein allgemeiner Mißwachs sehr große Noth unter dem Volke verursachte. Es fanden sich von allen Seiten so viele Hilfsbedürftige bei ihm ein, daß er seine Börse bald erschöpft hatte. Es blieben aber noch Manche übrig, die nach Brod hungerten. Gerührt von dem Anblicke des Elends und gedrängt vom gütigsten Herzen, so lange Hilfe zu leisten, als ihm dazu irgend welche Mittel noch zur Verfügung ständen, — griff er nach seinem Orden auf der Brust, brach mehrere Evelsteine heraus und übergab sie dann einem Edelmanne seiner Begleitung — mit den Worten: „Verkaufen Sie dich und bewirken Sie, daß diese Steine Brod werden!" — Siehe, mein Christ! auf solche, wahrhaft christliche Weise können auch wir gar oft unser Brod mit den Armen und Unglücklichen theilen. Fr. Warum lehrte uns Jesus endlich im Vater unser beten: „Gib uns unser Brod"? AntW. Um uns aufmerksam zu machen, daß wir nur um ein solches Brod zu Gott stehen sollen, das wirklich unser gehört, d. h. das wir uns auf ehrliche und redliche Weife durch Handel und Wandel, oder durch unserer Hände Arbeit verdient, nicht aber durch Ungerechtigkeit oder Trägheit, durch Unterdrückung der Armen, der Wittwen und Waisen, durch Wucher, Betrug oder Diebstahl erworben haben. Ein solches Brod ist frem- 253 Am Feierabende des 17. April. des Eigenthum, oft genug mit' dem furchtbarsten Fluch beladen; und darum können wir nie um ein solches Brod bitten; denn Jesus heißt uns beten um unser Brod. Beispiel und Anwendung. Das verderblichste und schrecklichste Brod ißt der Ungerechte und der Wucherer. — Der gottselige und wunderthätige Pater Matthäus a Basels wurde einmal zu Venedig bei einem Rechtsgelehrteu, bei einem ungerechten Advokaten nämlich, zu Gast geladen; und als er das Brod zur Hand nahm, drückte er das pure Blut heraus. Er zeigte es seinem ungerechten Gastwirthe mit den Worten: „Siehe, ein solches Brod issest du! Du verzehrest dm Schweiß und das Blut der Armen, der Wittwen und Waisen, und getrauest dich zum Vater im Himmel emporzurufen: „Gib uns unser Brod!" Erzittere bei diesen Worten und denke an das furchtbare Brod, geröthet vom Blute der Unglücklichen, denke an das Brod, das du issest!" Diese schreckliche Mahn- und Drohpredigt gilt fürwahr allen Wucherern und Allen, die sich's zum Geschäfte machen, Arme und Waise zu unterdrücken und sich von ihrem saueren Be- sitzthume zu bereichern. Fr. Verlangen wir im Vater unser bloß ein Brod für den Leib? Antw. Nein, wir verlangen auch noch ein überwe- sentliches, geistiges Brod, ein Brod für unsere Seele, nämlich Gottes Gnade, Gottes Wort und das Himmels- brod im heiligen Sakramente des Altars. (Sieh das vorhergehende Bild!) Belehrung. Da wir nicht bloß aus einem Leibe, sondern auch aus einer unsterblichen Seele bestehen, so verlangen wir in der vierten Bitte des Vater unsers außer dem leiblichen auch noch ein geistiges Brod, das Brod der Seele. Dieses ist dreifach. Das erste Brod der Seele ist die göttliche Gnade, ist frommes Gebet und andächtige Betrachtung; das zweite Brod für die Seele ist das Wort Gottes, wie Christus selbst lehrt, wenn er sagt: „Der Mensch lebt nicht vom Brode allein, sondern von jedem Worte, das aus Gottes Munde kommt." (Matth. 4, 4.) In diesem Sinne spricht auch der heilige Augustin: „Gottes Wort, welches uns täglich gebrochen wird, ist ein tägliches Brod." Wir bitten also hier, daß Gott uns das unverfälschte Wort Gottes stets durch fromme Priester verkündigen und uns geistreiche Bücher in die Hände kommen lasse, wodurch wir vom Bösen abgehalten, zum Guten ermuntert und im geistigen Leben genährt werden. — Das dritte Brod für unsere Seele ist endlich, und zwar vorzugsweise jenes Brod, von dem Christus selber sagt: „Ich bin das Brod des Lebens; wer zu mir kommt, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. . . . Wer von diesem Brode ißt, der wird leben in Ewigkeit." Wir verlangen sonach in der vierten Bitte endlich noch jenes ewige und himmlische Brod, das da vom Himmel hcrabgekommen ist, Jesum Christum im heiligen Altarssakramcntc. Beispiele und Anwendung. Beim Gebete um das leibliche Brod dürfen wir auf das himmlische Brod -nicht vergessen. — Wenn Heinrich Suso, ein frommer Dominikaner, zu Tische ging, so betete er: „Lieber JesnS, ich lade dich ein; mein H^Z hungert nach dir, erquicke mich mit deiner leiblichen Speise, aber auch mit deiner himmlischen Gegenwart!" Und im Angesichte Jesu nahm er den sparsamen Bissen zu sich, und jeder Bissen, den er genoß, ward von Christus gesegnet, ward zum lauten Lobe des Erlösers. — Auch der heilige König Ludwig soll uns in dieser Beziehung zum erhabenen Beispiele dienen. Als dieser fromme Diener Gottes aus seinem unglücklichen Kreuzzuge in's gelobte Land in die Gefangenschaft des Sultans von Soria gerathen war, empfing er beinahe alle Tage Jesum im heiligsten Attarssakramente, und voll Entzücken rief er oft dabei aus: „Das ist mein tägliches Brod, das Brod, das mir Kraft und Stärke gibt mitten im Gefängnis; bei all meinen Leiden und Trübsalcn!" — Wohl uns, wenn auch wir mit solcher Sehnsucht und Liebe recht oft den Herrn im heiligen Sakramente empfangen, indem wir ausrufen: „Herr! gib uns heute unser tägliches Brod, jenes Brod, das da vom Himmel herabgekommen ist!" — Nach diesem Himmelsbrode verlangte auch mit heiliger Sehnsucht jener Heilige, dessen Fest heute gefeiert wird, nämlich der heilige Papst Anicet. Legende: Der heilige Papst und Märtyrer Anicet. (7 173.) Dieser Heilige folgtedemheiligen Pius ans dem päpstlichen Stuhle nach und regirte glorreich die Kirche Gottes von 165— 173. Wenn er auch sein Blut für den Glauben nicht vergoß, so war er doch vielen Gefahren und Drangsalen ansgesctzt, weßhalb ihm der Name Marty- r er beigelegt wurde. Zn Rom besuchte ihn der heilige Polykarp, mit dem er sich über wichtige Lehren und Einrichtungen der Kirche besprach. — Der 254 Zweites Hauptstück. heilige Anicet wußte stets seine Heerde vor dem Gifte der Irrlehre zu verwahren und den Schatz des Glaubens in seiner ganzen Reinheit zu erhalten. Nachdem er ans seinem Sterbebett noch einmal das Brod des Lebens voll heiliger Sehnsucht und mit inniger Andacht empfangen hatte, entschlief er selig im Herrn 173, um ewig zu genießen die Anschauung Dessen, den er so oft im heiligsten Sakramente in sein Herz ausgenommen hatte. Gebet. Herr, himmlischer Vater! wir bitten dich, gib uns das tägliche Brod nicht nur für unfern Leib, sondern auch für unsre unsterbliche Seele; besonders aber stärke uns in der Stunde des Todes, wie deinen treuen Diener, den heiligen Papst und Märtyrer Anicet, mit dem Brode des Lebens, das da ist Jesus Christus im heiligst en Sakramente, hochgelobt in Ewigkeit. Amen. Hmidertmidachtes Lesestück. Am Feierabende des 18. April. Die fünfte Bitte im Vater unser. Fr. Um was bitten wir in der fünften Bitte: „Und vergib uns unsre Schulden, wie auch wir vergeben unfern Schuld!gern?" Antw. Wir bitten, Gott wolle uns unsere Sünden ebenso verzeihen, wie wir unfern Beleidigern verzeihen. Belehrung. Auf das „Gib" folgt sogleich im Vater unser das „Vergib"; denn statt dankbar zu sein für das tägliche Brod, für die täglichen Wohlthatcn, die uns Gott in so reicher Fülle schenkt, beleidigen wir ihn vielmehr tagtäglich durch Undank und Sünden aller Art; daher beten wir sogleich: „Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unfern Schuldiger»!" Wir begehren in dieser fünften Bitte, daß uns Gott alle unsere Sünden so verzeihen wolle, wie wir Denen verzeihen, die uns beleidigt haben. Daher dürfen Jene, die nicht verzeihen, auch keine Verzeihung hoffen; vielmehr sprechen sie über sich selbst das Urtheil, so oft sie das Vater unser beten. „Verzeihe deinem Nächsten," heißt es schon bei Sirach (28, 2.), „wenn er dich beleidigt hat; dann werden auch dir, wenn du bittest, deine Sünden nachgelassen." Fr. Warum lehrte uns Jesus um Vergebung unserer Sünden oder Schulden beten? Antw. Weil wir Alle ohne Ausnahme Sünder sind und also der Verzeihung bedürfen. Belehrung. Ja, wir Alle sind Sünder und oft große Sünder; selbst der Gerechte fehlt oft; daher sagt schon der Die fünfte Bitte im Vater unser. Prediger (7. Kap.): „Kein gerechter Mann ist auf Erden, der rein nur das Gute thne und niemals fehle." Und der Apostel sagt: „Wenn wir sagen, daß wir keine Sünde haben, so betrügen wir uns selbst und die Wahrheit ist nicht in uns." Dieß erkennend haben selbst schon viele heilige und fromme Männer im alten und neuen Testamente gerufen: „Vergib uns, o Herr, unsere Schulden!" Beispiele und Anwendung. Schon König David seufzte Tag und Nacht unk weinte und flehte: „Vergib mir, o Gott! meine Schulden und meiner Missethaten gedenke nicht!" — Dieselbe Bitte sprach auch der reumüthige Zöllner im Tempel: „Herr! sei mir armen Sünder gnädig!" — „Vergib mir meine Schuld!" also flehte auch Magdalena zu den Füssen Jesu. — Und wie oft betete nicht der heilige Bernhard, der doch mit vollem Rechte ein unschuldiger Engel genannt zu werden verdient, im Gefühle tiefster Demuth und Reue: „Vergib uns unsere Schulden!" — „Mit welcher Stirne," sprach er oft zu sich selbst, „erhebe ich meine Augen zum Angesichte des Vaters, der so gut ist, ich ein Sohn, der so böse ist! Brechet aus, meine Augen, in einen Strom von Thräncn! Scham bedecke mein Antlitz, mein Leben vergehe in Schmerz, und in Seufzern und Klagen über mich selbst sollen meine Tage hinschwiuden!" — O wie viele Ursache haben nicht auch wir, aus der Fülle des Herzens mit Wehmuth zu rufen: „Vergib uns, o Vater! unsere Sünd ens chuld!" Schau dich an, o Mensch! wo du willst! Ach! überall und überall findest du Mängel und Gebrechen, Am Feierabende Schulden und Sünden, Vergehungen und Missethatcn an dir! Darum darf sich Keiner ausnehmen, Keiner scheuen, zu beten und zu bitten: „Vergib uns unsere Schulden!" Fr. Wann wird uns Gott unsere Schulden verzeihen? Antw. Nur dann, wenn auch wir unfern Schuldigem, d. h. Denen verzeihen, die uns beleidigt haben; daher lehrt uns Jesus beten: „Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unfern Schuldigern." Belehrung. Der heilige Augustin schreibt: „Gott hat mit uns Sündern einen Bund geschlossen und zwar mit diesen Worten: „Vergibst du Jenen, die dich beleidiget haben, so vergebe ich dir auch jene Sünden, mit denen du mich beleidiget hast; vergibst du aber nicht, so darfst du auch von mir keine Vergebung erwarten." — Der göttliche Heiland zeigt uns diese wohlzubeherzigende Wahrheit auch in jener bekannten Gleichnißrede vom unbarmherzigen Knecht (sieh das obige Bild!), dem sein Herr eine so große Schuld nachließ, der aber seinen Mitknecht, welcher ihm nur hundert Denare schuldig war, in's Gefängnis; werfen ließ, bis er die Schuld bezahlt hätte. Als nun der Herr diese lieblose Handlungsweise des unbarmherzigen Knechtes erfuhr, rief er ihn zu sich und sprach zu ihm: „Du böser Knecht! die ganze Schuld habe ich dir nachgelassen, weil du mich gebeten hast. Hättest denn nicht auch du deines Mitknechtes dich erbarmen sollen, wie auch ich mich deiner erbarmt habe?" Und sein Herr ward zornig und übergab ihn den Peinigern, bis er die ganze Schuld würde bezahlt haben. „ So," setzt Jesus bei, „ wird auch mein himmlischer Vater mit euch verfahren, wenn nicht ein Jeder seinem Bruder vom Herzen verzeihet." Umsonst wirst du also, mein Christ! zu Gott im Himmel flehen: „Vergib uns unsre Schulden!" wenn du hartherzig gegen deinen Mitmenschen bist und Groll und Feindschaft gegen ihn in deinem Herzen trägst; vielmehr wirst du da das Gebet des Herrn zu deinem eignen Verderben beten, indem du ja Gott bittest, er möchte dir ebenso verzeihen, wie du verzeihst. Beispiel und Anwendung. Der heilige Johannes der Almosengeber hatte öfters einen großen Herrn aus Alexandrien ermahnt, sich mit seinem Feinde auszusöhnen; und da er ihn halsstärrig fand, ließ er ihn zu sich bitten, führte ihn in eine Kapelle, und verrichtete dort das heilige Meßopfer. Er ließ außer dem Ministranten Niemanden hinein. Damals war es üblich, daß der Priester bei der heiligen Messe sammt den Anwesenden das Vater unser laut betete. Als er zu der Bitte kam: „Vergib uns unsere Schulden!" schwieg der Patriarch und winkte dem Ministranten, auch zu schweigen, so daß der Herr allein die Worte vorbrachte: „Vergib uns unsere Schulden, wie auch des 18. April. 233 wir vergeben unser» Schuldiger»!" Da wandte sich nun der Heilige zu ihm und sagte voll liebevoller Sanftmnth: „Denket, ich bitte Euch, an das, was Ihr so eben zu Gott gesagt habet! Als Ihr Ihn um Vergebung batet, so habet Ihr erklärt, daß Ihr Denjenigen vergebt, die Euch beleidiget haben." Der Herr war, wie vom Blitze berührt, und im Vater unser klangen diese Worte, wie ein Donnerschlag für seine Ohren. Er warf sich unverzüglich zu den Füssen des Heiligen und sagte ihm: „Euer Knecht ist bereit, zu thun, was Ihr ihm anbefehlen werdet." Er ging hin und söhnte sich ohne Aufschub mit seinem Feinde aus. Gehe hin, mein Christ! und thue deßgleichcn, damit du das Gebet des Herrn künftighin nicht mehr zu deinem eignen Verderben betest! Legende: Der hl. Märtyrer Apollonins, Ver- theidiger des christlichen Glaubens. (stuml85.) Der heilige Apollouius war nach dem Zengistsse des heiligen Hieronymus ein römischer Rathshcrr, stand in großem Ansehen und selbst bei den Heiden im Rufe eines sehr gelehrten Mannes. Als er aber die beseligende Lehre des Christeuthums kennen gelernt und die erhabenen Tugenden der Christen zu bewundern Gelegenheit gefunden hatte, trat er freudig zum Christcnthnme über. Einer seiner Sklaven, Severns mit Namen, gab den heiligen Apollonius als einen Christen an bei Perennis, einem Vertrauten des Kaisers Commodus. Der Heilige aber verzieh seinem Ankläger 236 Zweites Hauptstiick. Die sechste Bitte im Vater unser (und zwar von den Versuchungen). vo m Hcrz en ; denn er wußte cS gar Wohl, daß uns Gott nur dann verzeih e, w e n n a n ch wirnn - fern Beleidigern verzeihen. Mit Freuden sah er dein Augenblicke entgegen, wo ihm das Glück zu Theil würde, für Christus zu sterben. — Pereunis ließ nun den hl. Apollon ins sogleich verladen und suchte ihn ans alle M LWWM mögliche Weise zum Abfalle vom Christenthnme zu bereden. Da er aber die Standhaftigkeit desselben nicht im Mindesten zu erschüttern im Stande war, so ließ er ihn vor den römischen Senat ab- führen. Apollonins übergab nun dein römischen Rathe eine schöne Rede, in welcher er sein christliches Bekennt- niß klar und deutlich darlegte; und da er standhaft ans demselben beharrte, so -wurde er zum hingerichtet um das Jahr 185. Tode vernrtheilt und fechtungen und Gefahren der Sünde von uns abwenden, oder uns doch kräftige Gnade verleihen wolle, denselben zu widerstehen. Gebet. Verleihe uns, o Gott! den Geist der christlichen Liebe, damit auch wir, wie der heilige Märtyrer Apollonins, unser» Feinden und Beleidigern vom Herzen verzeihen und in Wahrheit zu dir beten können: Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unfern Schuldigem!— Durch Christum unfern Herrn. Amen. Himdertundneuntes - Lesestück. Am Feierabende des 19. April. Die sechste Bitte lm Vater unser (und zwar von den Versuchungen). Fr. Um was flehen wir in der sechsten Bitte: „Führe uns nicht in Versuchung"? Antw. Wir bitten und begehren, daß Gott von uns gefährliche Versuchungen abwende oder uns Gnade verleihe, jenen Vcrsuchnngen, denen wir nicht entfliehen können, zu widerstehen. Belehrung. In der fünften Bitte haben wir um Nachlassung unserer Sündenschuld zu Gott gefleht, in dieser sechsten Bitte beten wir nun um Bewahrung vor dem Rückfall in die Sünde, und wir rufen daher: „Führe uns nicht in Versuchung!" d. h. wir begehren, daß Gott alle An- Fr. Was ist eine Versuchung? Antw. Eine Versuchung ist eine Lage, eine Gelegenheit, in welche uns Gott entweder selbst führt, oder in welche uns Gott kommen läßt, und in welcher wir uns entscheiden müssen, ob wir Gott oder der Welt, ob wir dem höheren, heiligen Willen oder dem Fleischeswillen Nachkommen wollen. Fr. Wie vielerlei Arten von Versuchungen gibt es? Antw. Zweierlei: gute und böse. Fr. Was versteht man unter guten Versuchungen? Antw. Jene Versuchungen oder Prüfungen, die Gott selbst über den Menschen kommen läßt, um ihm Gelegenheit zu geben, seine Liebe zu Gott und seine Tugend überhaupt zu bewähren. Belehrung. Gott selbst läßt oft Versuchungen über uns kommen; es geschieht aber dieß aus den weisesten Absichten: 1) um uns in der Demuth zu erhalten; in der Versuchung erkennen wir unsere Schwäche; da verliert sich dann aller Stolz, und gerne demüthigcn wir uns in Anerkennung unsrer Ohnmacht. 2) Um unsere Treue zu prüfen und unsere Untreue zu strafen. „Der Herr prüfet euch," heißt es schon im 5. Buche Moses (13, 3.), „damit offenbar werde, yb ihr ihn liebet oder nicht;" und Am Feierabende des 19. April. 237 3 )um unfern Tugendeifer und unsere Verdienste zu verinehren; denn jeder Kampf, jede Ueberwiuduug, welche die Tugend kostet, ist eine Perle zur Verschönerung der künftigen Krone; sonach hilft uns jede Versuchung, die wir überwinden, den Siegeskranz vollenden. Solche Versuchungen sind uns also nützlich; „Gott der Herr sendet sie uns zum Heile," sagt der heilige Chrhsostomus; denn gleichwie der heran- rückende Feind dem Soldaten nützlich ist, obgleich er auf ihn schießt und ihn zu Grunde richten will, weil er nämlich da seinen Heldenmut!) zeigen und sich den Siegcrkranz erringen kann: ebenso sind auch die Versuchungen nützlich zur Eroberung des Himmelreiches und zur Erlangung der himmlischen Siegerkrone. „Der Winzer beschneidet den Weinstock," sagt der ehrwürdige PatcrNodriguez, „damit er desto mehr trage; ebenso beschneidet auch Gott, welcher sich im Evangelium mit einem Winzer vergleicht, seine Weinstöcke, d. h. er versucht und prüft seine Auserwählten, damit sie desto reichlichere Früchte der Gerechtigkeit tragen." Wenn wir also beten: „Führe uns nicht in Versuchung!" so können wir hiemit keineswegs verlangen, Gott wolle uns vor diesen guten und nützlichen Versuchungen bewahren; diese sind ja ein vorzüglicher Prüfstein der Tugend und ein Beweis, daß uns Gott lieb hat. Bon diesen guten und heilsamen Versuchungen ist daher noch nie ein Heiliger frei geblieben; gerade die größten Heiligen sind nicht selten am Heftigsten angefochten und versucht worden, wie z. B. Abraham, der fromme Tobias u. A. Beispiele und Anwendung. Als im römischen Senate die Frage aufgeworfen wurde, ob man Carthago, die Nebenbuhlerin Rom's zerstören solle, erklärte Scipio Afrikanus gegen die Meinung aller Senatoren, man müsse diese Stadt, obwohl sie eine unversöhnliche Feindin Rom's sei, stehen lassen; denn jene, bemerkte er sehr weise, sei mit ihrer Waffengewalt ein beständiger Reiz für die römische Tapferkeit. Ebenso sind die Versuchungen des bösen Feindes ein beständiger Reiz für die Tugenden, da sie dieselben beständig in der Hebung erhalten und durch ihre Angriffe nur noch stärker machen. Wie will sich Einer in der Geduld üben, wenn er zur Ungeduld keine Ursache hat? wie in der Keuschheit, wenn er nicht zum entgegengesetzten Laster versucht wird? Es darf uns daher gar nicht wundern, wenn die Heiligen sogar oft um solche Prüfungen und Versuchungen zu Gott flehten. So beklagte sich einst ein heiliger Einsiedler, der nicht mehr von einer Versuchung sich bedrängt fühlte, die ihn früher lange Zeit hindurch geplagt hatte, wehmüthig hierüber bei Gott und sprach: „Herr bin ich es nicht mehr werth, um Deiner Liebe willen zu leiden und betrübt zu werden?" — Merke dir dieß, mein Christ! und bete niemals um Abwendung solch guter und heilsamer Versuchungen; denn das hieße zu Gott sagen: „Entziehe mir die Gelegenheit zum Kampfe und somit auch zum Siege und zur Erlangung der Siegerkrone im Himmel!" Mehler, Hausbuch. Fr. Was versteht man unter bösen Versuchungen? Antw. Jene Versuchungen, durch die uns der böse Feind zur Sünde reizt. Belehrung. In diesem Sinne kann Gott nicht versuchen, weil er die Heiligkeit selber ist und deßhalb alle Sünden unendlich verabscheut. „Niemand sage, wenn er versucht wird, er werde von Gott versucht; denn Gott kann nicht zum Bösen versucht werden, versucht aber auch Niemanden," sagt der heilige Apostel Jakob (1, 13.). Diese bösen Versuchungen kommen theils von unfern inneren Feinden (von unfern bösen Begierden, von unserm eigenen Fleische), theils von unfern äußeren Feinden (d. i. von der Welt und vom Satan). Nur in dem Sinne führt uns Gott in die Versuchung, daß er diese inneren und äußeren Versuchungen zuläßt entweder zur Vermehrung unserer Verdienste, oder zur Demüthigung unsers Stolzes und zur Strafe für unsre Sünden. Von diesen bösen Versuchungen wollen wir frei werden, wenn wir beten: „Führe uns nicht in Versuchung!" oder wir bitten wenigstens um Kraft und Stärke von Oben, um in diesen Anfechtungen und Versuchungen nicht zu unterliegen. Beispiel und Anwendung. Ach, wer kann wohl die Versuchungen zählen, denen wir überall im Leben ausgesctzt sind? (Sieh das vorhergehende Bild!) Es versucht uns unser eigenes Fleisch oder die böse Begierde; denn „das Fleisch gelüstet gegen den Geist" (Gal. 5, 17.); es versucht uns die Welt, d. h. ihre eitle Pracht, ihre bösen Beispiele und Grundsätze; es versucht uns der Teufel, „der wie ein brüllender Löwe umhergeht und suchet, wen er verschlingen könne." (1. Petr. 5, 8.). Daher betete der heilige Cassiodorus gar ost und innig zu Gott um Muth und Sieg in der Versuchung. „Es ist ein schwerer Kampf," sagte er oft, „weil er im Geheimen geführt wird, mit einem Stärkeren zu bestehen ist, — weil man die Nachstellungen des bösen Feindes nicht bemerken kann, weil der Gegner keine Mühe scheut und keine Schande kennt; denn wenn er auch besiegt ist, so weicht er doch nicht, vielmehr kehrt er noch viel trotziger zurück, je heftiger wir ihn mit der Gnade Gottes zurückschlagen. Darum dürfen wir wohl flehen: „Herr, führe uns nicht in Versuchung!" Legende: Der heilige Papst Leo IX. (P 1054.) Heute begeht die Kirche das Andenken eines Heiligen, der nicht nur gegen alle Versuchungen, gegen alle Feinde seines Heiles, sondern auch gegen die Feinde der Kirche Gottes mit Kraft und Muth kämpfte. Es ist dieß der heilige Papst Leo IX., der ans dem herzoglichen Hause von Dapsbnrg in Elsaß stammte. Er ward geboren im Jahre 1002 und empfing in der heiligen Taufe den Namen Bruno. Seine fromme Mutter erzog ihn für Gott und den Himmel, und Bruno entsprach voll- 33 258 Zweites Hauptstück. Die sechste Bitte im Vater unser (und zwar von den Mitteln gegen die Versuchungen). und mit deiner Gnade siegen mögen, durch Christum unfern Herrn. Amen. >> ", WWW W kommen der Sorgfalt seiner Erzieherin. Schon während seiner Studien zeichnete er sich durch glänzende Fortschritte in der Tugend und Wissenschaft aus, so daß ihn Berthold, Bischof von Toul, alsbald zu einer Kanoni- katstelle seines Domes beförderte. 1026 wurde er wegen seiner ausgezeichneten Frömmigkeit zum Bischof von Toul ernannt und 1048 sogar auf den päpstlichen Stuhl erhoben. Nun stand er unter dem Namen Leo IX. da als eine wahre Zierde, als ein hell leuchtendes Licht in der Kirche Gottes; durch seinen Eifer und seine Frömmigkeit, durch seine Unerschrockenheit und Sanftmuth verherrlichte er den apostolischen Stuhl. Mit Macht trat er den Mißbräuchen, sowie der Irrlehre Berengars entgegen, deßhalb hielt er viele Kirchenversammlungen in Frankreich und Deutschland und starb heilig am 19. April 1054. Gebet. Herr, himmlischer Vater! stehe uns.Lei, aüf daß auch wir, wie der heil. Papst Leo, mit Muth und Kraft gegen alle Versuchungen zur Sünde, gegen alle Feinde unsers Heiles und deiner heiligen Kirche kämpfen Hundertundzehntes Lesestück. Am Feierabende des 20. April. Die sechste Bitte im Vater unser (und zwar von den Mitteln gegen die Versuchungen.) Fr. Ist es aber schon genug, wenn wir zu Gott beten: „Führe uns nicht in Versuchung"? AntW. O nein; wir müssen auch die Mittel anwcnden, um die Versuchung mit Gottes Hilfe zu überwinden. Fr. Was sind das für Mittel? AntW. Besonders drei: 1) Flucht, 2) Wachsamkeit und 3) Gebet. „Wachet und betet," sagt Christus, „damit ihr nicht in Versuchung fallet." (Matth. 26, 41.) Fr. Welches ist das erste Mittel gegen die Versuchungen? AntW. Die Flucht. / Belehrungen. Ja, fliehen müssen wir vor Allem die bösen Versuchungen; denn wer sie aufsuchen würde, der würde die Gefahr lieben und in ihr umkommen. Fliehen müssen wir aber auch Alles das, was solche Versuchungen herbeiführt, als Müsstggang, Unmäßigkeit, Stolz und Hoffart u. s. w. Schleunige Flucht und Verachtung ist das erste und vorzüglichste Mittel gegen die Versuchungen. Je mehr man der Lockung zur Sünde Aufmerksamkeit schenkt, desto gefährlicher wird der Kampf, desto schwerer und unsicherer der Sieg. Verachten muß man den Versucher, ihm kein Gehör schenken, ihn sogleich zurückweisen. „Gleich im Anfänge leiste Widerstand!" das ist eine vorzügliche Regel. Wenn die Pflanze noch im zarten Keime liegt, ist sie leicht auszurotten; ist aber der Baum herangewachsen, wer beugt ihn mehr? Beispiel und Anwendung. Einst kam ein Jünger der Wüste, der viel von Versuchungen zu leiden hatte, zum Altvater und bat ihn um ein Mittel gegen die Versuchungen. Da antwortete ihm der ehrwürdige Vater: „ Kommst du in eine Versuchung, mein Sohn! dann mache es so, wie du es zur Winterszeit machest, wenn du am Ofen stehest, und ein Feuerfuuke auf dich hinfliegt, während du dich wärmen willst; gewiß siehst du demselben nicht mit neugierigem Auge eine Weile zu, sondern schüttelst ihn sogleich ab, weil er in kurzer Zeit das Kleid verbrennen würde. Mit derselben Bereitwilligkeit mußt du auch jene Gedankew zurückweisen, welche der Ten- Am Feierabende des 20. April. 25» sel dir in den Sinn legt, um dich zu versuchen, und die Affekte, welche er im Herzen erregt; denn sie sind wahre Höllensunken, welche, wenn sie nur ein wenig andaucrn, die arme Seele verbrennen und in Asche legen." -— Ja, das ist das vorzüglichste Mittel, mein Christ! die Flucht müssen wir ergreifen; wir müssen in dieser Beziehung das schöne Beispiel nachahmen, das uns der ägyptische Joseph gegeben hat. Er ergriff die Flucht und ließ lieber seinen Mantel zurück, als sich in die Versuchung eiuzulasscu. Und wie glänzend siegte er nicht! (Sieh das obige Bild!) Fr. Welches ist das zweite Mittel gegen die Versuchungen? Antw. Wachsamkeit. Belehrung. Der schlafende Soldat wird bald besiegt sein; wachen müssen wir und immer bereit sein, den anrückenden Feind zu empfangen und mit Muth anzugreifen. Daher ruft uns der göttliche Heiland zu: „Wachet, damit ihr nicht in Versuchung fallet!" Damit wir aber wachen können, müssen wir arbeitsam sein und mäßig im Genüße der Speise und des Trankes, müssen abtödten unfern Leib und bezähmen unsre Sinne. Beispiel und Anwendung. Auf solche Weise siegte der heilige Einsiedler Antonius über alle Versuchungen. Als ihn einst seine Jünger fragten, welcher Waffen man sich bedienen solle, um die Versuchungen des Teufels zu überwinden, so sagte er zu ihnen: „ Glaubet mir, meine Brüder! der Satan zittert vor Nachtwachen frommer Seelen; er fürchtet sich vor dem Gebete, dem Fasten, vor freiwilliger Armuth, Barmherzigkeit und Demuth, besonders aber verbrennender Liebe zu Jesus Christus; und das Zeichen seines Kreuzes ist schon allein im Stande, ihn zu entwaffnen, nnd ihn in die Flucht zu schlagen." -— Eben diese Waffe mußt auch du gebrauchen, mein Christ! wenn du in der Stunde der Versuchung siegen willst. Fr. Wie heißt das dritte Mittel gegen die Versuchungen? Antw. Gebet und Gottesfurcht. Belehrung. Ein ganz vorzügliches, allgemein bewährtes Mittel gegen Versuchungen ist frommes, kindliches Gebet, verbunden mit Vertrauen auf Gott und auf seine väterliche Hilfe. „Die auf den Herrn hoffen," sagt der königliche Sänger David, „werden nicht zu Schanden werden." Wer stets im Gebete und in heiliger Gottesfurcht vor dem Herrn wandelt, wer öfter durch den Empfang der heiligen Sakramente sich mit ihm selbst vereinigt, der wird der Versuchung nicht unterliegen. Daher ruft uus wiederum der göttliche Heiland zu: „Betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet!" Der heilige Abt Johannes gab daher seinen Untergebenen folgende Anweisung: „Zur Zeit der Versuchung müssen wir zu Gott flüchten, in seine Arme und an sein Herz eilen." Und der heilige Augustin sagt: „Sobald du zu beten anfängst, so hörst du zu sündigen auf; und sowie du die Hände zum Gebete faltest, so entflieht die Versuchung aus deinem Herzen." So bleibt cs also wahr: wer stets im Gebet und in heiliger Gottesfurcht vor dem Herrn wandelt, wird in der Versuchung nicht unterliegen. Wir sehen dieß auch aus nachfolgendem Beispiele. Beispiel und Anwendung. Von zwei Geistlichen, die sich an einem königlichen Hofe aufhielten, und ihrer Ehrbarkeit wegen sehr geachtet waren, wurde einer vom Könige selbst gefragt: „Ob es wahr sei, daß sie ein Kraut bei sich hätten, welches die Kraft habe, bösen Begierden zu wehren?" Der Geistliche versicherte, daß dem Könige die Wahrheit berichtet worden sei. Auf die Frage: „Wie denn dieses Kraut heiße?" antwortete der Geistliche: „Das Kraut, das die Kraft hat, die unreinen Gedanken und Begierden zu vertreiben, wird Gottesfurcht genannt, und ist eben so wirksam, als wie der Rauch von der Fischleber, welche Tobias auf die Kohlen gelegt hat." — Merke dir dieß, mein Christ! Wer Gott fürchtet, der kann in der Stunde der Versuchung nicht zu Grunde gehen. Legende: Die heilige Jungfrau und Abtissin Agnes, (-ff 1317.) Dieser dreifachen Waffe der Flucht, der Wachsamkeit und des Gebetes bediente sich auch die heilige Jungfrau und Abtissin Agnes, deren Fest auf den heutigen Tag fällt, um die Versuchungen der Welt, des Fleisches und des bösen Feindes zu besiegen. Zu Monte Pulciano im Toskanischen 1274 geboren, floh sie schon frühzeitig die Welt und zog sich in die klösterliche Einsamkeit zurück, wo sie unaufhörlich über ihre Sinne wachte durch strenge Abtödtung und durch Gebet. Sie 260 Zweites Hauptstück. Die siebente Bitte im Vater unser. war kaum sechzehn Jahre alt, als sie von den Klosterfrauen zu Prozeno zu ihrer Oberin verlangt wurde. Nun leuchtete sie Allen mit ihrem Tugendbeispiele voran, und mit Recht kann man von ihr sagen, sie habe durch ihre Tngendbeispiele die Welt ebenso erbaut, wie ihre Namensfreundin, die heilige Märtyrin Agnes durch ihren Heldenmuth leuchtete. Was diese in ihrem dreizehnten Jahre mit einer augenblicklichen Marter vollbrachte, das wirkte jene Tngendheldin durch ununterbrochene Abtödtnngen, die sie bis in ihr vierzigstes Jahr fortsetzte, wo sie fromm und heilig starb i. I. 1317. Gebet. Wir bitten dich, o Herr! verleihe uns ans die Fürbitte der heiligen Jungfrau Agnes, daß auch wir siegreich kämpfen gegen alle Versuchungen durch die dreifache Waffe der Flucht, der Wachsamkeit und des Gebetes, und nach überstandenem Kampfe die Krone der Vergeltung erlangen mögen; durch Christum, unfern Herrn. Amen. Hunderturid elftes Lesestück. Am Feierabende des 21. April. Die siebente Bitte im Vater unser. Fr. Um was bitten wir endlich in der siebenten Bitte: „Sondern erlöse nns von dem Nebel"? Antw. Wir bitten, daß nns Gott behüten wolle vor allen Nebeln der Seele nnd des Leibes, besonders aber vor der Sünde und der ewigen Verdainmniß. Belehrung. In dieser letzten Bitte des Vater unsers beten wir also zu Gott, er möge uns behüten vor Krankheit, Armuth, Hagelschlag, Theucrung, Hungersnoth, Krieg und allen andern zeitlichen und leiblichen Nebeln, insofern nämlich dieselben nicht zu unserm Seelenheile nothwendig ober nützlich sind; ganz besonders aber beten wir um Erlösung von der Sünde, die ja das größte und einzig wahre Nebel auf Erden ist. Fr. Warum ist denn die Sünde das größte Nebel auf Erden? Antw. Weil sie den Menschen zeitlich und ewig unglücklich macht. Belehrung. Ach, welches Unheil hat die Sünde nicht angerichtet im Himmel! Durch sie sind so viele Engel in den Abgrund der Hölle hinabgestürzt worden. Welches Unheil hat sie nicht angerichtet auf Erden! Denn durch sie kam Armuth und Noth, Elend nnd Jammer, Leiden und Krankheiten aller Art, ja selbst der Tod in diese Welt; durch sie wurde das Paradies in ein Jammerthal nmgewandelt. Nnd noch immer macht sic den Menschen an Leib und Seele, für Zeit und Ewigkeit unglücklich; denn sie entstellt in ihm Gottes Ebenbild, und macht ihn zum Gegenstand des göttlichen Haßes; sie beraubt ihn aller guten Werke und des innern Friedens schon hier auf Erden und stürzt ihn nach diesem Leben hinab in die ewige Verdainmniß. „Der Sünder," sagt der heilige Augustin, „verliert die Seligkeit, wozu er erschaffen ist, und findet das Elend, wozu er nicht erschaffen ist." Wir sehen das Verderben, welches die Sünde auf Erden anrichtet, an jenem Gichtbrüchigen im Evangelium. (Matth. 9, 1 — 8.) Um uns nämlich zu lehren, daß die Sünden oft Ursachen der Krankheiten nnd anderer Uebel seien, womit wir heimgesucht werden, so heilte der göttliche Heiland den Gichtbrüchigen nicht eher, als bis er ihm seine Sünden nachgelassen hatte. (Sieh das nachfolgende Bild!) So bringt auch heut zu Tage die Sünde noch immer Unheil und Verderben über den Menschen. Haben wir also nicht Ursache zu beten: „Herr! erlöse uns von dem Uebel der Sünde!" Beispiele und Anwendung. Es gibt kein Uebel ans der ganzen weiten Erde, außer die Sünde. Diese Wahrheit drückte in kräftiger Sprache der heilige Marti nns aus, als er auf der Straße nach Panonien von einer Räuberhorde angefalleu wurde. Als sie ihre Schwerter gegen den Jüngling zückten, um ihn zu ermorden, da erwartete der heilige Jüngling unerschrocken und heiteren Blickes den Tod. Ein Räuber rief ihm zu: „ Wie, fürchtest du den Tod nicht?" „Nein!" rief der heilige Jüngling, „ich fürchte Nichts, als Eines nur — die Sünde." Die Heiligen Gottes waren daher tausendmal lieber bereit zu sterben, als auch nur ein 261 Am Feierabende des 21. April. einziges Mal zu sündigen; denn sie erkannten es nur zu gut, daß auch schon eine einzige Todsünde ihrer unsterblichen Seele Tod und Verderben bringe. Man verlangte einst im Namen eines gottlosen Kaisers und Verfolgers von einem Blutzeugen Christi, nur ein einziges Mal Etwas zu thun, was gegen sein Gewissen und gegen Gottes Gebote war. „Nur Einmal, Herr?" antwortete der heldenmüthige Bekenner. — „Das ist, als wenn man zu Einem sagen würde: Ich verlange nichts Anders von dir, als daß du dir ein einziges Mal deinen Kopf abhauen lassest." >— Wahrlich, eine einzige Todsünde nimmt der Seele alles Leben! Fr. Wann dürfen wir Befreiung von diesem furchtbaren Uebel der Sünde hoffen? Antw. Nur dann, wenn wir Abscheu vor der Sünde und redlichen Willen im Herzen tragen, sie durch Meidling böser Gelegenheiten und durch Anwendung der christlichen Heilsmittel zu bekämpfen. Belehrunq. Wenn wir von der Sünde frei werden wollten, ohne dieselbe zu verabscheuen, ohne die Gelegenheiten zur Sünde zu meiden und die christlichen Heilsmittel dagegen anzuwenden, so würden wir einem Menschen gleichen, der in einen Sumpf versunken um Hilfe riefe, sich selbst aber keine Mühe gäbe, herauszukommen, vielmehr da ihm eine helfende Hand dargeboten würde, sich nur noch tiefer in den Sumpf hineinarbeitete. Umsonst werden wir also zu Gott rufen: „Erlöse uns von d em Uebel der Sünde!" wenn wir selbst nicht die Sünde oder die nächste Gelegenheit zur Sünde meiden, wenn wir nicht zum himmlischen Arzte Jesus eilen und bei ihm das Arzneimittel gegen die Sünde holen, wenn wir nicht wahre Buße wirken und die Sünde verabscheuen. Beispiel und Anwendung. Der heilige Athanasius erzählt uns im Leben des heiligen Einsiedlers Antonius folgende Begebenheit, die er aus dem Munde dieses großen Mannes selbst gehört zu haben verbürgt.— Antonius hörte einst an der Pforte seiner Hütte gewaltsam pochen; er trat heraus und erblickte vor sich einen Mann von riesiger Höhe und grauenvollem, fast wunderbarem Ansehen. Wer bist du? fragte Antonius. Derjenige, erwiderte der Unheimliche, den ihr den Satan nennt. Was ist dein Begehren? rief der furchtlose Bewohner der Wüste. — Ich will die Ursache wissen, warum deine Mönche und so viele Andere auf Erden mich verunglimpfen, mir fluchen und alles Unheil wünschen, so oft etwas Widriges ihnen begegnet? — Kein Wunder, erwiderte Antonius, daß sie dir fluchen, da du alles Bösen Anfang und Stifter bist. — Du lügst, rief das Ungethüm; ich bin eS nicht, der die Sünden der Menschen hervorbringt, da ich gegen Jene, die nicht wollen, Nichts vermag; sie selbst sind es, die sich verderben, da sie meinen Einflüsterungen Gehör geben, einander wechselseitig verführen und in böse Gelegenheiten und Verbrechen sich stürzen; und so sollen sie ihrer Sünden wegen sich selbst anklagcn, nicht mich! — Mit diesen Worten verschwand er vor des Einsiedlers Augen. — Wahrlich nur dadurch, daß die Menschen selbst wollen und die Gelegenheiten zur Sünde nicht meiden, nur dadurch werden so unendlich viele Sünden begangen. Alle diese werden aber auch vergebens beten: „Herr! erlöse uns vomUebel!" — Ganz anders machte es jener Heilige, dessen Fest wir heute feiern. Legende: Der heilige Anselm, Erzbischof von Canterburh. (ch 1109.) Dieser verabscheute vom ganzen Herzen die Sünde und vermied Alles, was ihn zur Sünde reizen konnte. Oft that er den AnSsprnch: „Wenn einerseits der Höllenschlund vor mir offen stände, andererseits aber die Sünde mir schmeichelnd locken würde, so wollte ich mich doch lieber lebendig in die Hölle Hinabstürzen, als der Sünde huldigen." Wer so denkt und spricht, der betet gewiß immer mit Erfolg: „Erlöse uns von dem Uebel!" — Der heilige Anselm, einer der größten Männer des zwölften Jahrhunderts in der christlichen Kirche, wurde zu Aosta in Piemont im Jahre 1033 geboren. Seine gottesfürchtige Mutter bildete ihn zur Tugend, und flößte seinem zarten Herzen Grundsätze ein, die ihn in der Folge zur Heiligkeit des Lebens führten. Nach dem Tode seiner Mutter wurde er im Dienste kalt und nachlässig, und überließ sich den Ergötzungen der Welt. Ein besonders Ereigniß rettete jedoch den 262 Zweites Hauptstück. Unglücklichen. Sein Vater fing an, ihn zn hassen und zu verfolgen, und seine Abneigung wurde so groß, daß Anselm, nachdem er Alles versucht hatte, ihn zu besänftigen, sich gezwungen sah, das väterliche Haus ganz zn verlassen. Dieser Vorfall öffnete dem Jünglinge die Angen. Er beweinte jetzt die Verirrungen seiner Jugend und suchte sie sein ganzes Leben hindurch mit aufrichtiger Buße zn sühnen. Als er die Nachricht von dem Tode seines Vaters erhielt, entsagte er der Welt gänzlich und trat in die Benediktiner-Abtei Bec ein. Schon nach drei Jahren wurde er zum Prior des Klosters gewählt, und erwarb sich durch seine Liebe und Sanftmuth, durch seine Klugheit und Demuth die Zufriedenheit der gan- MM/ M/M jWIWW» zen Genossenschaft. Später zum Abt gewählt, änderte er Nichts in seiner Lebensweise, sondern strebte nur nack- größerer Vollkommenheit. Nach dem Tode Lanfranks kam Anselm auf den erzbischöflichen Stuhl von Can- terbnrh in England, im Jahre 1093. Als Erzbischof hatte er schwere und langwierige Kämpfe mit dem Könige, der seine Unterthanen immer mit neuen Auflagen beschwerte. Sechs Monate vor seinem Tode wurde er von einer außerordentlichen Schwäche überfallen, und als er nicht mehr gehen konnte, ließ er sich täglich in die Kirche tragen, um dem hochheiligen Opfer beiznwoh- nen. In der Nacht vor den: Mittwoch in der Char- woche starb er am 21. April im 76sten Jahre seines Alters. Gebet. Laß uns die Abscheulichkeit der Sünde erkennen, o Herr! auf daß wir sie ebenso fliehen und verabscheuen, wie St. Anselm ns, und stets mit Erfolg beten können: „Erlöse uns von dem Nebel!" Amen. Das Wörtlein „Amen." Hundertundzwölstes Lesestück. Am Feierabende des 22. April. Das Wörtlein „Amen." Fr. Was bedeutet das Wörtlein „Amen", mit welchem wir das Vater unser schließen? Antw. Das Wörtlein „Amen" bedeutet so viel als: „Es geschehe!" und wir setzen es deßhalb hinzu, um dadurch unser sehnliches Verlangen und unsere Zuversicht auszudrücken, erhört zn werden. Belehrung. Schon der Prophet Jeremias (28, 6.) sprach einst zn Ananias: „Amen! Also thue der Herr! Es bestätige der Herr deine Worte!" Eben dieß wollen auch wir mit dem Wörtlein „Amen" sagen, das wir dem Vater unser beisetzen, wir wollen damit gleichsam sagen: „Eö geschehe!" oder: „Erfülle, o Herr! um was wir dich gebeten! Bestätige die Worte deines göttlichen Sohnes, die wir ihm im Vater unser nachgesprochen haben!" Und wahrlich, wir dürfen nicht zweifeln, daß Gott der Herr auch erfüllen werde, um was wir ihn im Vater unser bitten; wir beten ja mit den Worten des göttlichen Sohnes; „derVater aber," sagt der heilige Cyprian, „erkennt die Worte seines Sohnes, und wenn er uns geben wird, was immer wir im Namen Christi von ihm begehren; wie weit leichter empfangen wir Das, um was wir mit den Worten Christi selbst bitten? — Ja, mit Wohlgefallen wird er auf uns herabblicken (sieh das nachfolgende Bild!), wenn er die Worte seines Sohnes hört." Beispiel und Anwendung. Wie gern der himmlische Vater uns erhöre, wenn wir im Namen oder wohl gar mit den Worten seines Sohnes ihn um Etwas bitten, ist in folgender Parabel veranschaulicht. -— Einst kamen zwei Bittsteller zu ihrem Könige, um ihn ihr Anliegen vorzutragen. Beide hatten die nämliche Bitte und warteten mit klopfendem Herzen im Audienzsaale, bis der König erscheinen würde. Endlich erschien dieser, und der eine der Bittsteller trug recht demüthig und mit den gewähltesten Ausdrücken seine Bitte vor. Doch ernst fragte ihn der König: „Wie? da du selbst mir fremd bist, hast du kein Empfehlungsschreiben bei dir, oder kennst du Niemanden am königlichen Hofe, der dich mir empfehlen und als dein Fürsprecher auftreten könnte?" Traurig und niedergeschlagen mußte der Bittende „Nein" sagen. — Nun sprach der König weiter: „Ich kann dir also deine Bitte nicht gewähren, da du mir ganz fremd bist, und dich auch um keinen Freund, der deine Bitte unterstützen könnte, umgesehen hast." — Jetzt trug der zweite sein Gesuch einfach vor und setzte bei: „Ach, ich bin es wohl nicht würdig, daß du, o großer König! mir diese Bitte gewährest. Am Feierabende des 22. April. 263 MM Aber dein eigener Sohn, den du so innig liebst, hat mich hergeschickt, und hat mich versichert, daß du mir Alles geben wirst, um was ich Dich in seinem Namen bitten werde. Zm Namen deines innigst geliebten Sohnes also bitte ich dich, daß du meine Bitte gnädigst gewähren wollest. Nicht mir, sondern deinem Sohne zu Liebe gib mir, um was ich dich anflehe!" — Und der König lächelte huldvoll, als er den Namen seines Sohnes nennen hörte, und dem Bittsteller wurde sein Gesuch ohne Anstand gewährt. So wirksam und segensreich ist auch das Gebet Jener, die im Namen Jesu beten. Um wie viel wirksamer wird daher nicht dein Gebet sein, o Christ! wenn du sogar mit den Worten Jesu betest? Fr. Was sollen wir endlich aus allem Dein, was wir hier über das vortrefflichste aller Gebete gehört und gelesen haben, lernen? Antw. Wir sollen hieraus die hohe Bedeutung und Wirksamkeit dieses Gebetes erkennen und dasselbe recht oft und stets nur mit frommer Andacht und Aufmerksamkeit beten. Belehrung und Beispiel. Welch ein erhabenes, unübertreffliches Gebet ist das Gebet des Herrn! „Wie kurz an Worten und wie reich an Inhalt!" ruft Tertullian aus. „Es enthält nicht bloß ein Gebet, wie es sein soll, nicht bloß die rechte Weise, Gott zu verehren, und die Dinge, um welche der Mensch bitten kann, sondern Alles, was der Herr gelehrt und angeordnet hat, so daß in der That das ganze Evangelium kurz darin gefaßt ist. Auf dieses sind alle andern Gebete zu gründen; mit diesem sind alle andern zu besiegeln." — Du kannst daher, mein Christ! kein schöneres und wirksameres Gebet je beten, als das Gebet des Herrn. Bete es aber auch stets mit frommer Andacht und ehrerbietiger Aufmerksamkeit; bedenke, was du sprichst, und vergiß nicht, daß wir es vom göttlichen Erlöser selbst empfangen haben. Ahme folgendes schöne Beispiel nach! — Herr von Flammcnville, Bischof von Perpignan, traf eines Tages eine fromme Gärtnerin, die er über die Art und Weise fragte, wie sie zum Herrn bete. Wie groß war sein Staunen und seine Bewunderung, als er folgende fromme und schöne Umschreibung des Gebetes dcs Herrn aus ihrem Munde vernahm! Er gestand, daß er noch nie so schön habe beten hören. — Die schlichte, fromme Gärtnerin aber betete also: „Vater unser, der du bist in dem Himmel! Wie glücklich bin ich, o mein Gott! dich zum Vater zu haben, und welche Freude habe ich, wenn ich bedenke, daß der Himmel einst meine Wohnung sein soll! Verleihe mir, o mein Gott! die Gnade, nie als dein Kind ausznarten; laß nicht zu, daß ich Etwas thnc, was mich eines so großen Glückes berauben könnte! — Geh eilig et werde dein Name! Mein Gott, ich bin nur ein armes Weib, und also außer Stande, durch mich allein deinen heiligen Namen zu heiligen; aber ich wünsche, daß er von der ganzen Welt geheiligct werde. — Znkomme uns dein Reich! Ich wünsche, o mein Gott, daß du von nun an in meinem Herzen durch deine Gnade rcgirest, damit ich ewig mit dir regiren kann in deiner Herrlichkeit. — Dein Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden! Mein Gott, du hast mich dazu bestimmt, meinen Lebensunterhalt durch die Arbeit meiner Hände zu gewinnen; ich nehme, Herr! diesen glücklichen Stand an, und möchte ihn nicht um einen andern vertauschen gegen deinen anbetungswürdigen Willen. In Allem geschehe dein heiliger Wille! — Gib uns heute unser tägliches Brod! Mein Gott, ich bitte dich um dreierlei Brod; um das deines göttlichen Wortes, um mich zu lehren, was ich thun muß; um das Himmelsbrod in der heiligen Kommunion, das meine Seele stärkt, und um das, welches nothwendig ist, um meinen Leib zu ernähren und aufrecht zu erhalten; und ich verspreche dir, o mein Gott, daß ich das, was ich nicht brauche, Denen überlasse, die es brauchen. — Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unfern Schuldigerer! Herr, ich weiß, daß ich viele Menschen beleidiget habe, ich bitte sie von ganzem Herzen um Verzeihung; Denen, die mich beleidiget haben, verzeihe ich gleichfalls. Ich bitte dich, o mein Gott, ihnen alles Gute zu thun, was ich mir selbst wünsche, und mir alle meine Sünden gnädigst zu verzeihen! — Führe uns nicht in Versuchung! Herr, du siehst, von wie vielen Feinden ich umgeben bin, und wie schwer es mir ist, ohne deine Gnade ihren Einflüsterungen nicht zu unterliegen; ich bitte dich von ganzem Herzen um 264 Zweites Hauptstück. Der vortreffliche Inhalt und das hohe Alter des englischen Grußes. Gnade und Stärke. — Sondern erlöse uns von dem Nebel! Ich bitte dich, o mein Gott! befreie mich von dem größten Nebel, nämlich von der Sünde, die mir allein deine Gnade rauben kann. — Amen. Ich bitte dich, o mein Gott, durch dieses Wort um die Erfüllung aller Bitten, die ich dir eben vorgctragen habe." — In ähnlicher Weise und Gesinnung beteten gewiß auch jene beiden Heiligen, deren Namen uns heute begegnen in der Legende: Die heiligen Soter (ch 177) und Cajns 296), Päpste und Märtyrer. MM Der heilige Soter bestieg im Jahre 173 den päpstlichen Stuhl und war stets ein zärtlicher Vater der Betrübten. Mit großer Freigebigkeit unterstützte er die Armen, besonders Jene, welche um Jesu willen Verfolgung litten. Treu wandelnd in den Fnßstapfen seiner Vorfahren, schickte er öfters Unterstützungen an die entfernten Kirchen, besonders aber nach Corinth. Dieser heilige Oberhirte bewies stets großen Eifer für die Erhaltung der reinen Lehre; deßhalb widersetzte er sich standhaft jener Ketzerei (Montanisten), die schon unter seinem Pontificat ihr Haupt zu erheben anfing. Er starb als Märtyrer im Jahre 177. — Der heilige Cajns wurde 283 auf den apostolischen Stuhl erhoben. Er war aus Dalmatien gebürtig und ein Anverwandter des Kaisers Diokletian. Als eine Christenverfolgung ansbrach, welche zwei Jahre lang dauerte, munterte dieser heilige Oberhirt die Bekenner und Blutzeugen unaufhörlich zur Standhaftigkeit ans. Um sich seiner Heerde zu erhalten, entzog er sich der Verfolgung, starb aber schon im Jahre 296, nachdem er unendlich Viel gelitten hatte für Christus und den christlichen Glauben. Gebet. Verleihe uns, o Herr! jenen lebendigen Glauben, jenen frommen und heiligen Sinn, durch welchen sich die heiligen Märtyrer Soter und Cajus anszeichneten, auf daß wir so fromm leben, so gottergeben leiden und so andächtig beten mögen wie sie, damit wir all' unsere Gebete getrost und mit Zuversicht schließen können mit dem Wörtlcin: Amen! Der englische Hnch. Hundertmiddreizehlites Lesestück. Am Feierabende des 23. April. Der vortreffliche Inhalt und daS hohe Alter des englischen Grußes. Fr. Welches Gebet verbinden wir Katholiken gewöhnlich mit dem Vater unser? AtttW. Den englischen Gruß oder das Ave Maria, welches also lautet: „Gegrüßt seist du, Ma ria! Du bist voll der Gnaden; der Herr ist mit Dir n. s. f." Fr. Warum fügen wir dem Vater unser den englischen Gruß bei? AntW. 1) Weil wir uns nach Gott, unserm Vater, vorzüglich zu Maria, als unserer Mutter, wenden sollen, damit sie unser Gebet durch ihre mächtige Fürbitte unterstütze; 2) weil der englische Gruß ein gar vortreffliches Gebet ist, wie wir ans dem Inhalte, aus dem hohen Alter und der Ehrwürdigkeit, und ans der Wirksamkeit und Kraft desselben ersehen können. Belehrung. Ja, an Maria müssen wir uns wenden ; sie wird unser schwaches Gebet durch ihre mächtige Fürbitte bei ihrem göttlichen Sohne unterstützen. „Ihr wisset," schreibt der heilige Cyrillus, „daß Jenen der Zutritt bei Hof gewährt wird, deren die Königin sich annimmt, und daß diese Alles erhalten, um was sie bitten. Und so werden auch wir Alles erlangen, was wir wollen, wenn wir die Gottesmutter zu unserer Helferin, Mittlerin und Fürsprecherin haben beim Könige, den sie dringend für uns bittet." Fr. Worin besteht der vortreffliche Inhalt des englischen Grußes? AntW. In einem Lob- und Bittgebet; das Lobgebet besteht wiederum: 1) aus den Worten des 265 Am Feierabende des 23. April. Erzengels Gabriel: „Gegrüßt seist Du Maria, vell der Gnaden! Der Herr ist mit Dir; Dn bist gebenedeit unter den Weibern!" (Luk. l, 28.) und 2) ans den Worten der heiligen Elisabeth: „Und gebenedeit ist die Frucht Deines Leibes" (Lul. 1, 42.), wozu wir noch den Namen Jesus setzen. — DaS Bittgebet aber besteht aus dem Zusatze der Kirche: „Heilige Maria, Mutter Gottes! bitt' für uns, arme Sünder, jetzt und in der Stunde unsers Absterbens! Amen." Belehrung. Nicht ein Mensch, sondern ein Engel hat uns dieses Gebet gelehrt; (sieh das obige Bild!) daher auch die Benennung: „englischer Gruß". Müssen wir nicht hieraus schon die Vortrcfflichkeit des englischen Grußes erkennen? Nebst dem heiligen Erzengel Gabriel verdanken wir dieses Gebet auch noch der von Gott so hochbegnadigteu Elisabeth, der Mutter des heiligen Johannes, und ver unfehlbaren heiligen Kirche. So oft wir demnach das heilige Ave Maria beten, thun wir nichts Anderes, als was der heilige Erzengel Gabriel, und was die heilige Eli sa- beth gethan haben; wir loben Mariens Hoheit und Wurde und fügen nach dem Willen unserer heiligen Mutter, der katholischen Kirche, unsre Bitte um Mariens Hilfe und Beistand im Leben nnd Sterben bei; gewiß ein vortreffliches Gebet! Beispiel und Anwendung. Es war bei den alten Römern Sitte, daß sie, so oft sie einem benachbarten Volke Mehler, Hausbuch. den Krieg ankündigten, einen Herold sandten, der eine mit Eisen beschlagene, mit Blut geröthete Lanze über die Grenze des feindlichen Gebietes schleuderte; dahingegen sie einen grünenden Oclzweig in der Hand trugen, wemi sie Frieden und Bündnisse zu schließen gedachten. So sahen die Menschen der heidnischen Vorzeit zwischen sich und Gott nur Entzweiung nnd blutige Fehden, und konnten meistens nur als zürnenden Eiferer und Rächer ihn denken, der unaufhörlich den blutigen Wurfspieß schleuderte und Opfer der Sühnung forderte, bis der himmlische Abgesandte erschien, welcher der königlichen Jungfrau, und durch sie dem ganzen Menschengeschlecht«: den Oelzweig des Friedens nnd der Wohlfahrt reichte, da er mit den Worten sie grüßte: „Ave Maria, der Friede sei mit dir!" — O beseligender Gruß, welcher der seligsten Jungfrau und durch sie uns Allen vom Himmel zukam! Er ist die Morgenröthe unsers Heiles, derOel- zwcig unsers Friedens und unserer Erlösung. Welch ein vortreffliches Gebet ist es also nicht, wenn wir diesen Gruß dem heiligen Erzengel Gabriel nachsprechen! Deßhalb ruft auch der ehrwürdige Thomas von Kempen in Anbetracht dieses Gebetes ans: „Der englische Gruß, auf Anweisung des heiligen Geistes gemacht, ist ganz der Würde und Heiligkeit Mariens entsprechend. Er ist ein Gebet, das klein ist in Worten, erhaben in Geheimnissen, kurz zum Sprechen, umfassend in seiner Kraft, süßer als Honig und kostbarer, denn Gold, -— ein Gebet, das man im Munde des Herzens beständig kauen, mit reinen Lippen recht oft lesen und sprechen soll. Aber wehe den Verächtern, wehe den unandächtigen und zerstreuten Betern, die, ohne die goldenen Worte zn erwägen und ohne den Honigbechcr zu kosten, das Ave Maria so oft ohne Aufmerksamkeit und Ehrfurcht sprechen!" Fr. Ist die Gewohnheit, Maria mit dem englischen Gruße zn grüßen, schon alt? Antw. Diese fromme Sitte ist schon uralt. Belehrung. Thcils aus alten Liturgien, theils aus den Schriften der heiligen Väter ersehen wir, daß es in der Kirche von Alters her ein beständiger Brauch und eine allgemeine Gewohnheit gewesen sei, Maria mit dem englischen Gruße zn grüßen. „Jesus selbst," schreibt ein frommer Priester, „betete das Ave Maria noch nicht; aber er erfüllte es; denn er grüßte seine Mutter täglich zn wiederholten Malen. Er sprach nicht zu ihr: „Du bist voll der Gnaden;" denn seine bloße Gegenwart war für sie die Fülle aller Gnaden. Er sagte ihr nicht: „Der Herr ist mit Dir," aber Er war bei ihr, und obschon Herr, war er ihr unterthan. Er sprach nicht zn ihr: „Du bist gebenedeit unter den Weibern," aber durch die Liebe, die er ihr stets erwies, ließ er sie fühlen, wie hochgebenedeit sie sei. Er sagte auch nicht: „Ich, dein Sohn, die Frucht deines Leibes bin gebenedeit," aber er gab ihr zu erkennen, wie hoch er ihre mütterliche Liebe zu schätzen 34 266 Zweites Hauptstück. Die Kraft und wußte. Wenn wir also das Ave Maria beten, so sagen wir zu ihr das, was Jesus bei Maria gethan; denn der Sohn Gottes hat dreißig Jahre das erfüllt, was wir im Ave Maria aussprechcn." Darum darf es uns nicht Wundern, daß man die seligste Jungfrau Maria schon in den allerersten Zeiten des Christcnthums mit dem englischen Gruße zu grüßen Pflegte. Beispiele und Anwendung. Schon in jener uralten Liturgie, in jenen Gebeten, die man dem heiligen Apostel Jakob nS zuschreibt, findet sich diese Anrufung Mariens, und der heilige CH rysostomus, Bischof von Con- stautinopel, der im vierten Jahrhundert der Kirche blühte und wegen seiner Beredsamkeit der goldene Mund genannt wird, dieser betet in der heiligen Messe zu Ehren Mariens also: „ Es ist wahrhaft würdig und recht, daß wir dich Got- tcsgcbcircrin, die allezeit seligste und durchaus unbefleckte Mutter unsers Gottes verherrlichen, die ehrwürdiger, als die Cherubim, und ohne Vergleich herrlicher ist, als die Seraphim, die du ohne Verletzung der Jungfrauschaft Gott geboren hast; dich, wahre Gottesgebärerin, preisen wir: Gegrüßt seist du, Maria, voll der Gnaden! der Herr ist mit dir; du List gebenedeit unter den Weibern und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, weil du den Heiland unserer Seelen geboren hast."—- So finden wir also den englischen Gruß schon !ni vierten Jahrhunderte von dem hochbcrühmten Erzbischöfe der mor- gcnlandischen Kirche gebetet, und auch zu beten vorgeschricben, weil er ja schon damals in die Messe, in den Gottesdienst ausgenommen war. Soll uns daher der englische Gruß nicht um so ehrwürdiger sein? und sollen wir dieses Gebet nicht mit gleichem Eifer und mit gleicher Andacht beten, wie schon die Christen in den ältesten Zeiten der Kirche? Legende: Der heilige Adalbert, Bischof von Prag, Märtyrer (st 997.) Unter jene frommen Verehrer Mariens, die die göttliche Gnadenmntter oft und freudig grüßten mit dem Gruße des Engels, gehört gewiß auch der heilige Adalbert, dessen Fest auf den heutigen Tag fällt. Er war der Sohn eines der mächtigsten Großen in Böhmen nnd wurde geboren im Jahre 956. Schon frühzeitig machte er große Fortschritte in den Wissenschaften nnd Tugenden und spendete reichliche Almosen. Im Jahre 983 empfing er, früher schon zum geistlichen Stande bestimmt, die heiligen Weihen, und wurde bald darauf wegen seiner ausgezeichneten Bildung und Frömmigkeit auf den bischöflichen Stuhl zu Prag erhoben. Als Bischof that er nur Gutes und Frommes, war enthaltsam, ernst nnd streng gegen sich, liebevoll nnd barmherzig gegen Andere, de- müthig nnd pflichttreu vor Gott, predigte beinahe jeden Tag, brachte Kranken und Gefangenen Trost nnd verwendete seine Einkünfte thcils für die Armen, theils zu kirchlichen Zwecken. Weil aber seine BiSthnmSangehöri- gen, die noch nicht lange die Finsternisse des Hcidenthums verlassen hatten, sich den Lehren und Satzungen des it des englischen Grußes. treuen Oberhirten nicht fügen wollten, so reiste er nach Nom, um von dem Papste die Erlaubniß zu erhalten, sein Bisthnm zu verlassen. Vier Jahre brachte er dort unter frommen Bnßübnngen zu, als Abgeordnete aus Böhmen bei dem Papste erschienen und ihren Oberhirten zurückverlangten. Adalbert gehorchte nnd zog mit denselben nach Prag. Er fand aber wieder keinen guten Willen bei dein Volke, weßhalb er im Jahre 995 abermal nach Nom reiste. Allein er erhielt von dem Papste bald wiederum den Befehl, sich nach Prag zu begeben, jedoch mit der Erlaubniß, das Evangelium den Ungläubigen in einem andern Lande zu predigen, wenn in Böhmen sein Wirken abermals fruchtlos sein sollte. Schon auf der Reise erfuhr er, daß die Böhmen jetzt noch größeren Widerwillen gegen ihn gefaßt hätten, und beschloß, sich der Bekehrung der heidnischen Polen zu widmen. Dort wurde der Heilige von den Ungläubigen i. I. 997 gemartert. Gebet. Verleihe uns, o Gott! auf die Fürbitte des heiligen Märtyrers Adalbert, daß wir die seligste Jungfrau Maria im Leben oft nnd freudig grüßen mit dem Gruße des Engels, auf daß wir im Tode ihren mütterlichen Schutz und Beistand erfahren mögen. Amen. Hundertnndvierzehntes Lesestnck. Am Feierabende des 24. April. Die Kraft und Wirksamkeit des englischen Grußes. Fr. Woraus können wir noch ferner die Vortrefflichkeit des englischen Grußes ersehen? Antw. Aus der Kraft und Wirksamkeit, die in diesem Gebete liegt, nnd wozu uns so viele heilige 267 Am Feierabende des 24. April. Verehrer u. Verehrerinen Mariens die erbaulichsten Beweise liefern. Belehrung. Wer se den englischen Gruß mit Andacht und kindlichem Vertrauen zur Gottesmutter Maria gebetet hat, der wird ' eS gewiß auch erfahren haben, daß in diesem Gebete eine heilige und himmlische Kraft liegt. Thomas von Kempen, dieser große Geistesmann, spricht sich deßhalb hierüber also aus: „Sobald ich die seligste Jungfrau mit den Worten des Engels anrede, und sage: Gegrüßt seist du Maria! so frohlockt der Himmel; die Erde erstaunt, der Satan zieht sich zurück, die Hölle erzittert, die Traurigkeit weicht, die Freude kehrt wieder, das Herz schmilzt vor Liebe, und eine heilige Andacht durchglüht es, die Zerknirschung nimmt Einkehr in demselben, und die Hoffnung belebt es; ja, ich fühle einen solchen Trost in meinem Herzen, daß ich nicht im Stande bin, dieses mit Worten auszudrücken." — Und Marchantius schreibt: „Willst du die Kraft und Wirksamkeit des englischen Grußes erkennen? Nun denn, so wisse! Er ist ein himmlisches Gegengift, welches die Seele gegen den tödtlichen Biß der teuflischen Schlange bewahrt und gegen seine Stärke schützt; er ist eine Ruthe, mit welcher du diese verderbliche Schlange auf das Haupt schlagen und ihre feindseligen Angriffe besiegen kannst." Beispiel und Anwendung. Daher sollen wir in allen Versuchungen und Anliegen unsre Zuflucht zu Maria nehmen und sie mit einem andächtigen „Ave Maria" grüßen. -— Es hatte eine gottselige Person einst ein Stärlein aufgezogen und ihm unter vielem Andern auch den schönen Gruß auszusprechen gelchret: „Ave Maria!" So oft Jemand an der Thüre klopfte, rief das Vögelein hurtig und freundlich: „Ave Maria!" Redete man dasselbe an, so ließ es sogleich sein liebliches „Ave Maria!" als Antwort ertönen. Nun geschah es, daß einmal zufälliger Weise das Vogelhäuschen und zugleich das Zimmerfenster offen blieb; in einem Nu war das Vögelcin draußen. Während das Vögelein so hin und her irrt und sich in der schönen Natur der errungenen Freiheit freut, siehe! da kommt plötzlich ein Raubvogel und schickt sich an, das arme Stärlein als Beute zu holen. Voll Angst und Furcht flattert es hin und her, um seinem furchtbaren Feinde zu entgehen; aber vergebens! Die Gefahr wurde immer größer; da wußte sich das arme Thierlein nicht mehr zu helfen; anS vollen Leibeskräften fing es mm an, zn schreien: „Ave Maria! Ave Maria!" Und welches Wunder! wie betroffen — macht der Raubvogel linksum und ergreift die Flucht. Zitternd vor Furcht, aber auch zugleich wieder von Freude erfüllt ob der glücklichen Rettung — schlägt das vorwitzige Stärlein den Weg nach der Heimat ein und nimmt wieder Besitz von seinem frühern Quartier. -— Ach, wie viele Vögel gleichen nicht diesem unvernünftigen Vögelcin, indem auch sie, wie der verlorene Sohn, das Vaterhaus verlassen und frank und frei ihren sinnlichen Gelüsten folgen! Bis zu den Pforten des Todes und des ewigen Verderbens sind sie gekommen, und überall verfolgt sie der furchtbarste Raubvogel, der Räuber der Seelen, Lucifer, und droht sie als Beute zu verschlingen. Wie gut wäre es allen diesen, wenn sie mit dem armen Stärlein ihren Gruß an Maria sendeten und ausriefen: „Ave Maria!" Diesen himmlischen Gruß kann der höllische Raubvogel nicht leiden; er würde die gehoffte Beute fahren lassen, und die verfolgte Srele würde wieder den Weg in's Vaterhaus und zur Tugend und Rechtschaffenheit zurückfiuden. — Darum lasset uns oft beten: „Ave Maria!" In jeder Noth und Gefahr, in jeder Prüfung und Versuchung sollen wir rufen: „Ave Maria!" Fr. Was sollen wir nun, da der englische Gruß so wirksam und segenbringend ist, thun? Antw. Wir sollen dieses kräftige Gebet recht oft, recht gerne und recht andächtig beten. Belehrung und Beispiele. „Das Beispiel des Erzengels Gabriel und der heiligen Elisabeth (sieh das obige Bild!) soll uns zur Begrüßung Mariens aufmuntern," sagt Cardinal Hugo; „denn sie ist nicht so unfreundlich, daß sie die Grüßenden ohne Gegcngruß entließe;" so oft wir sie grüßen, grüßt sie uns vielmehr wieder entgegen und zwar mit lauter Tröstungen und Wohlthaten. Daher beteten die Heiligen GottcS den englischen Gruß so gerne. Alphons Rodriguez betete ihn, so oft die Stunde schlug; die heilige Katharina von Siena kniete oft, wenn sie über die Stiege hinauf- oder Herabstieg, auf den einzelnen Stufen nieder und betete in kindlicher Einfalt den Gruß des Engels, um damit ihre Himmelsmutter Maria zu preisen und zu ehren. Einen ganz wunderbaren Zug aber erzählt man aus der Lebensgeschichte des heiligen Thomas von Aguin. Dieser trug schon als Kind eine so innige Verehrung gegen die heilige Jungfrau Maria, daß er ihr zu Ehren eine Schrift, auf ein Blättchen Papier geschrieben, wie ein Kleinod immer mit sich trug, ohne daß Jemand Etwas 34 * 268 Zweites Hauptstiick. Die Verehrung Mariens, in der heil. Schrift und in der Vernunft begründet. davon wußte. Seine Gouvernante, die, als sie dies; inne wurde, mit der Bitte in ihn drang, ihr dieses Papierchen sehen zu lassen, erreichte ihre Absicht nicht. Seine Mutter selbst konnte nur mit Mühe unter dem Gebote des kindlichen Gehorsams zur Ansicht dieses Schriftchens gelangen. Wie staunte sie aber, als sie sah, eS sei darauf ver Gruß des Engels an Maria enthalten, oder das Ave Maria, wie wir es beten! Der fromme Knabe, in Besorgniß, es möchte dieses sein liebstes Gebet nun von Hand zu Hand gehen, begehrte cs schnell wieder zurück, nahm es, um es ja nicht zu verlieren, und verschlang es. Jetzt hieß es allenthalben unter den Leuten: „Dieses Kind wird ein großer Verehrer Mariens werden." Und man hat sich nicht getäuscht; es ward aus dem Kinde der weltberühmte Lehrer, den die Jahrhunderte mit dem Beinamen des Englischen ehren, — der nicht nur Vieles zur Ehre Mariens gesprochen und geschrieben hat, sondern auch ein großer Verthcidiger der Verehrung Mariens geworden ist. — O möchten alle Christen von dem Geiste des heiligen Thomas beseelt sein, wenn sie eben auch nicht wirklich thun, was er gcthan hat! Möchten alle Christen das Ave Maria als ein heiliges Geschmeide ehren, als Kostbarkeit stets im Munde haben, ja, im geistigen Sinne verschlingen, sich damit nähren, es in Fleisch und Blut verwandeln, daß der Geist, der Gedanke, der im Ave weht, ihr Geist, ihr Gedanke würde! Legende: Der heilige Märtyrer Georgins- (1- um 303.) UM.W Ans den heutigen Tag fällt das Fest des heiligen Georgins. Dieser Heilige, dem die Griechen den Titel eines großen Märtyrers schon von Alters her gegeben haben, und dessen jährliches Gedächtniß heut zu Tage noch auf eine festliche Weise von ihnen begangen wird, ist seit den ältesten Zeiten als einer der vornehmsten Blutzeugen Jesu Christi in der ganzen katholischen Kirche verehrt worden. Er wurde in Kappadozien ans einer ansehnlichen Familie geboren, begab sich nach dem Tode seines Vaters mit seiner Mutter, die aus Palästina war, dorthin, nahm Kriegsdienste und erlangte durch die Gnade des Kaisers Diokletian hohe Ehrenstellen. Als aber dieser Kaiser die Christen zu verfolgen anfing, trat er aus dem Kriegsdienste und führte mit vieler Unerschrockenheit gegen die grausamen und ungerechten Verfolgnngsbefehle Beschwerde bei dem Kaiser. Hierauf wurde er in den Kerker geworfen und Tags darauf, da alle Versuche, ihn zum Abfalle vom Glauben zu bewegen, fruchtlos blieben, vor der Stadt enthauptet. Man malt diesen heiligen Märtyrer gewöhnlich zu Pferde sitzend, wie er einen Drachen unter den Füßen hat und erlegt. Dadurch wird angcdeutet, daß der Heilige den unter dem Namen eines Drachen in der Offenbarung des Johannes augedenteten Satan durch seinen lebendigen Glauben überwunden habe. Durch die in vielen Feldschlachten erkämpften Siege, die mau der Fürbitte dieses Heiligen zuschricb, wurde die Verehrung desselben sehr verbreitet und vermehrt. ES wurden auch verschiedene Ritterorden unter dem Namen des heiligen Georgins errichtet. — Wodurch wird wohl der heilige Georgins so siegreich gekämpft und so glänzend gesiegt haben? Gewiß hat er sich oft zu Maria gewendet, gewiß hat er sie oft gegrüßt mit dem Gruße des Engels, und Maria entließ ihn nicht ohne Gegengrnß; sie schickte ihm vielmehr durch ihre mächtige Fürbitte himmlischen Trost und himmlische Stärke entgegen, auf daß er im Kampfe bestehen und als Sieger aus demselben hervorgehen konnte. Gebet. Auch wir grüßen Dich, o Himmelskönigin Maria! mit dem Gruße des Engels; entlasse uns nicht ohne Gegengrnß, sondern laß uns vielmehr die Kraft und Wirksamkeitdes englischen Grußes erfahren, indem du uns Kraft und Stärke von oben erflehest zum Kampfe, den wir hienieden, wie St. Georgins, zu kämpfen haben, bis wir einst gekrönt werden in der Glorie des Himmels. Amen. Hundertulldfitnszehiltes Lesestmk. Am Feierabende des 25. April. „Gegrüßt seist Du!" Die Verehrung Mariens, in der heiligen Schrift und in der Vernunft begründet. Fr. Was wollen wir ausdrücken, wenn wir zu Maria sprechen: „Gegrüßet seist Du?" 26 » Am Feierabende Antw. Wenn wir zu Maria sprechen: „Gegrüßt seist Du!" so grüßen wir sie nicht bloß, sondern wir ehren und preisen sie auch glücklich, weil sie zum Lohne ihrer Verdienste und Tugenden zur Mutter des Sohnes Gottes erhoben worden ist. Belehrung. Das Unglück, welches einst ein Engel, Lucifer, durch die Verführung Eva's über das ganze Menschengeschlecht gebracht hatte, sollte nun ein anderer Engel, Gabriel, (sieh das obige Bild!) wieder gut machen dadurch, daß er die fröhliche Botschaft brachte, Maria werde Mutter des göttlichen Erlösers werden, wie der ehrwürdige Beda schreibt: „Ein guter Engel unterhandelte mit Maria ob des Heiles der Menschen, weil ein böser Engel mit der Eva unterhandelt hatte ob des Verderbens der Menschen." — Ein Engel Gottes selbst also erscheint voll heiliger Ehrfurcht und grüßt Mariam! Warum sollten nun wir sie nicht grüßen, d. h., sie nicht kindlich fromm verehren, da sie so hoher Gnaden von Gott gewürdiget ward? Die Verehrung Mariä, (nicht aber Anbetung Mariä, wie die theils unvernünftigen, theils boshaften Gegner unsers Glaubens in Einem fort schreien,) bildete von jeher eine dogmatische, wesentliche Lehre in der katholischen Kirche; denn diese Verehrung ist biblisch und uralt, ist ebenso vernünftig, als nützlich. Fr. Ist die Verehrung Mariens biblisch, d. h. ist sie in der heiligen Schrift begründet? Antw. Ganz gewiß; sie ist so sehr in der heiligen des 25. April. Schrift begründet, daß man, wie ein christlicher Lehrer sagt, entweder die heilige Schrift zerreißen oder Maria zu Füssen fallen muß. Belehrung. Unendlich viele Stellen in der heiligen Schrift weisen uns auf diese Verehrung Mariens hin. Schon gleich auf den ersten Blättern der heiligen Schrift sicht neben dem gefallenen Adam Christus, der Erlöser, der zweite Adam, und neben der gefallenen Stammmutter Maria, die zweite Eva. Es ist fürwahr auch nicht Ein Buch in der heiligen Schrift, das nicht irgend eine Spur von Christus und Maria trägt. In einer Menge von Sinnbildern deutet die Bibel auf Maria hin. Oder ist die Demnth einer Esther, der Muth und Sieg einer Judith kein Bild, das auf Maria deutet? Aber auch deutliche Aussprüche finden wir schon im A. T-, die sich auf Maria beziehen. Von ihr spricht der große Prophet Jsaias: „Der Herr selbst," sagt er, „wird euch ein Zeichen (der Erlösung) geben. Sehet, eine Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären und wird ihn Emanuel nennen (d. h. Gott mit uns)." Und der Prophet Michäas vertröstet die trauernden Völker auf jenen seligen Zeitpunkt: „wo Diejenige gebären wird, die da gebären soll." (Mich. 5.) Wer ist diese Gebärerin anders, als Maria, die heilige Gottesgebärerin? — Noch häufiger aber kommt Maria und die ihr gebührende Verehrung im N. T. zur Sprache. Da begegnet uns der Gruß des Engels: „Gegrüßt seist du, Maria! rc." und der Ausspruch der frommen Elisabeth, die Marien die Mutter ihres Herrn nennt. Wenn nun Maria ein gewöhnliches Weib gewesen wäre, hätte ihr Gott je einen Engel zugesandt? Wenn Maria keine Verehrung verdienete, hätte Gott selbst sie je so hoch verehren können? Und erzählt uns nicht die heilige Schrift, daß Christus, der Sohn Gottes, selbst seiner Mutter Maria unterthan war und auf ihre Veranlassung hin das erste Wunder wirkte? daß er sie stets innig liebte und verehrte und noch vom Kreuze herab für sie sorgte? Erhellt aus all Diesem nicht deutlich genug, daß die Verehrung Mariens in der heiligen Schrift vollkommen begründet ist? Es ist also wahr, was jener christliche Lehrer sagte: „Man muß entweder die heilige Schrift zerreißen, oder Mariä zu Füßen fallen." Beispiel und Anwendung. Leonardo, ein frommer Maler, hatte den Auftrag erhalten, ein Muttergottesbild zu malen. Als er sich nun an die Arbeit machte, fiel er auf seine Kniee nieder und rief aus: „O Himmelskönigin! wie soll ich dich würdig darstellen? Dein Lob verkünden schon die Propheten des A. B., deine Größe und Macht wird uns kund gethan in den Blättern der heiligen Schrift. Dich hat 27V Zweites Hauptstück. Die Verehrung Mariens, in der heil. Schrift und in der Vernunft begründet. Gott geehrt, Gottes Sohn hat dich geliebt, und der heilige Geist hat dich auserwählt zur Braut! Wie soll ich dich also würdig darstellen?" Und nun sing er an, knicend Mariens Bild zu entwerfen; und so oft er an diesem Bilde malte, arbeitete er nie anders, als nur knieend, durchdrungen von kindlicher Verehrung gegen Maria, die Himmelskönigin. Alsbald ward das Bild vollendet, ein Meisterstück seiner Kunst. — O mein Christ! solltest nicht auch du von einer ähnlichen Verehrung gegen Maria durchdrungen sein, wenn du bedenkest, wie sehr ihre Verehrung schon in der heiligen Schrift begründet ist? Fr. Stimmt diese Verehrung Mariens auch mit der Vernunft überein? Antw. Vollkommen; denn wenn wir den Sohn als Gott und Erlöser verehren, so müssen wir ja doch auch die Mutter desselben verehren; dieß sieht wohl jeder vernünftige Mensch ein; gerade dadurch, daß wir die Mutter ehren, ehren wir den Sohn selbst. Belehrung und Beispiel. Wenn uns auch die heilige Schrift nicht zur Verehrung Mariens hinführen würde, so müßte uns schon unsere Vernunft dahin führen; denn da wir wissen, daß Christus unser Herr und Gott, und Maria seine Mutter ist, so können wir vernünftiger Weise nicht anders, wir müssen sie verehren; wenn wir den Sohn ehren, müssen wir auch die Mutter ehren. Thö- richt ist daher jene Einwendung, die nicht selten gemacht wird: „Durch die Verehrung Mariens schade man der Ehre Christi." O nein, gerade dadurch, daß wir die Mutter ehren, ehren wir ja den Sohn selbst. — Ratisbonne, welcher durch eine wunderbare Erscheinung der göttlichen Mutter Maria im Jahre 1842 vom Judenthume zum Christenthume bekehrt wurde, ward von nun an ein eifriger Verehrer Mariens. Voll heiliger Erbitterung über alle Jene, die der göttlichen Gnadenmutter die Verehrung entziehen wollen, schreibt er also: „Wie kommt es doch, o mein Gott! daß so viele, durch das Blut Christi erlöste Menschen der seligsten Jungfrau, deren Herz das Blut hergab, ihre Verehrung verweigern? Wie ist es möglich, daß diese Menschen, die scheinbar dem Buchstaben der Schrift so sehr anhangen, gerade bei Maria eine Ausnahme machen von dem Gebote der Schrift, die doch allen Menschenkindern befiehlt, ihre Mutter zu ehren? Warum handeln sie so? Sie fürchten, sagen sie, sie möchten dem Sohne nehmen, was sie der Mutter geben; sie fürchten, Mariä Ehren zu erweisen, die sie Christo schuldig sind. Ist aber diese Furcht auch vernünftig? Ist sie christlich? Ist sie natürlich? Liegt es in der menschlichen Natur, daß der Sohn auf den Ruhm der Mutter eifersüchtig sei? Soll sich der Sohn für geehrter halten, wenn man seiner Mutter die Ehre nimmt, um sie ihm allein zuzuwenden? Hätte wohl Christus zugegeben, daß seine Jünger gegen jene Mutter, die er selbst so hoch hielt, sich gleichgiltig und kalt benommen hätten?- Unbegreiflich! Leute, die sich Jünger Christi nennen, behaupten, sie wandeln zu Christus; und um ihn sicherer zu finden, verlassen sie Maria! Um den Sohn mehr zu lieben, hören sie auf, die Mutter zu lieben!! Als wäre die Liebe zu Jesus unverträglich mit der Liebe zu Maria, als hätte uns Jesus nicht geboten, unsere Brüder zu lieben, als wäre die Jungfrau, die Tochter Gottes und die Mutter Christi, nicht auch die Schwester, die Mutter der Menschen!" Wie thöricht handeln also nicht alle diese? Und wie vernünftig ist nicht die Verehrung Mariens? Legende: Der heilige Evangelist Markus, tt 68.) MM »M Der heilige Evangelist Markus, dessen Fest heute in der Kirche gefeiert wird, wie sehr wird er nicht die seligste Jungfrau Maria verehrt und gepriesen haben! Er ist es ja, der uns in seinem Evangelium die Worte aus dem Munde der seligsten Jungfrau aufbewahrt hat (Luk. 1, 48): „Von nun an werden mich alle Geschlechter selig Preisen." Hat er dadurch nicht die der göttlichen Gnadenmutter Maria gebührende Verehrung deutlich ausgesprochen? — Dieser Heilige wurde erst nach der Auferstehung Jesu Christi von dem heiligen Petrus zum christlichen Glauben bekehrt und bald der Begleiter desselben. Während er sich mit dem Apostel- 271 Am Feierabende des 26. April. fürsten zu Rom anfhielt, schrieb er auf Ansuchen der Gläubigen sein Evangelium. Um das Jahr 49 von dem sichtbaren Oberhaupte der Kirche nach Aegypten gesandt verbreitete der heilige Evangelist die christliche Lehre in verschiedenen Gegenden und schlug nach 11 Jahren seinen Sitz in Alexandria auf, wo das Christenthum so schnelle Fortschritte machte, daß die Heiden, voll Wuth darüber, den Entschluß faßten, den heiligen Markus zu tödten. Bei Gelegenheit eines Festes, das sie zu Ehren des Götzen Serapis feierten, führten sie denselben wirklich auch aus. Vor dem Beginne der Opfer suchten die Milchendsten aus dem Haufen den Heiligen auf, mn ihn zu Ehren des Serapis zu opfern, und sie fanden ihn eben, wie er das heilige Meßopfer entrichtete. Nun warfen sie ihm einen Strick um den Hals, schleppten ihn, wie ein wildes Thier, von Morgen bis zum Abend durch die Strassen der Stadt und warfen ihn dann in einen finstern Kerker. Der heilige Märtyrer öffnete seinen Mund nur zum Lobe und zum Danke gegen Gott, daß er gewürdigt wurde, um Seines Namens willen zu leiden. Mit Anbruch des Morgens kamen die tobenden Heiden wieder und wiederholten die vorige Peinigung, bis der Heilige seinen Geist aufgab — am 25. April im Jahre 68. Gebet. Göttliche Gnadenmutter Maria, die du es selbst bei dem heiligen Evangelisten Lukas vorhergesagt hast, daß dich von nun an alle Geschlechter selig preisen werden, wir verehren und Preisen dich; denn Nichts ist vernünftiger, als dieses, da du ja den Heiland unserer Seelen geboren hast, der da lebt und regirt mit dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Hundertundsechzehntes Lesestück. Am Feierabende des 26 . April. Die Verehrung Mariens ist schon uralt. Fr. Ist die Verehrung Mariens schon alt? Antw. Die Verehrung Mariens in der Kirche Gottes ist schon so alt, als die Kirche selbst. Belehrung. Unsere Glaubensgegner stellen nicht selten die Behauptung auf, daß die Verehrung Mariens erst im vierten Jahrhundert begonnen habe. Diesen aber entgegnet der ehrwürdige Eusebius, Bischof von Emissa: »Seitdem die Fackel des katholischen Glaubens die Welt zu erleuchten begann, haben alle Völker, die an Jesum Christum glaubten, auch die heiligste Mutter Maria verehrt, und sie durch den religiösen Dienst, welchen sie ihr erwiesen, für MM selig erklärt, um ihre eigene Weissagung zu erfüllen: Von nun an werden mich alle Geschlechter der Erde selig preisen." — Und Cardinal Hugo schreibt: „Es ist kein Volk, kein Geschlecht, kein Stand, der nicht zur Erfüllung dieser Weissagung mitgewirkt hätte. Juden und Heiden, Griechen und Barbaren, Männer und Weiber, Große und Kleine, Reiche und Arme, haben Mariam gebenedeit und angerufen; Himmel und Erde, Engel und Menschen stritten in die Wette, sie zu ehren. Alle Einwohner des Himmels huldigen ihr wegen ihrer erhabenen Würde und unaussprechlichen Glückseligkeit; alle Erdenpilger setzen nach Gott auf sie ihr größtes Vertrauen, und die gläubigen Seelen, die den Ueberrest ihrer Sünden in den Flammen des Fegfeuers noch abzubüßen haben, seufzen nach ihr. Sie ist die Zierde des himmlischen Jerusalems, die Freude und Wonne des gläubigen Volkes und die Ehre des ganzen menschlichen Geschlechtes." Beispiele und Anwendung. Ja, so ist es; von jeher wurde die seligste Jungfrau Maria in der Kirche verehrt. Oder wer könnte daran zweifeln, daß nicht schon die Apostel eine kindlich fromme Verehrung gegen die Mutter ihres Herrn und Meisters im Herzen getragen haben? Forschen wir alsdann nach in der Lebens- und Leidensgeschichte jener Heiligen, die Schüler der Apostel waren, und wir werden finden, daß sie alle fromme Verehrer Mariens waren. Der heilige Polykarp, der heilige Ignatius, der heilige Clemens von Rom, der heilige Jrenäns — sie alle verehrten Maria als Gottes Mutter und als eine mächtige Helferin und Fürsprecherin. Der heilige Methodius, welcher im dritten Jahrhundert lebte, spricht mit Begeisterung von der seligsten Jungfrau Maria und der ihr gebührenden Verehrung. „Wie soll ich deine Herrlichkeit mit Worten feiern, die Deiner würdig wären!" ruft er aus. „O mlltter- 272 Zweites Hauptstiick. Die Verehrung Mariens ist schon uralt. liche Jungfrau, o jungfräuliche Mutter! Du bist zu sehr über die Meuschcn erhüben, Ms baß die Zunge der Menschen dich würdig preisen könnte! O Tochter David's, Mutter meines Herrn und Gottes! ich will dich wenigstens in der Sprache deiner Väter loben; ich will Gedanken und Bilder den heilige» Schriften entlehnen" u. s. f. Wer könnte also daran zweifeln, daß die Verehrung Mariens nicht schon uralt, ja so alt, als die Kirche selbst sei? Fr. Was sollen wir also thun? Antw. Wir solleit dein Beispiele aller heiligen und frommen Katholiken folgen und Maria, die seligste Jungfrau, stets mit kindlicher Andacht und Liebe verehren, wie sie verehrt wird von den Engeln und Heiligen im Himmel. (Sieh das vorhergehende Bild!) Belehrung und Beispiel. »Alle Geschöpfe Himmels und der Erde sind verpflichtet, dich zu ehren, o Jungfrau Maria, weil du der Thron der göttlichen Majestät bist," also schreibt der heilige Gregor; diese heilige Pflicht müssen auch wir gerne und freudig erfüllen; alle jene Unglücklichen aber, die sich dieser lieblichen Verehrung Mariens schämen, mögen durch nachfolgende Erzählung sich eines Bessern belehren lassen. — In früher» Zeiten, als sich die Studiren- den in den marianischen Bruderschaften miteinander vereinigten, sah man in Mailand einen Jüngling, der es nicht unter seiner Würde fand, eine der heiligen Jungfrau geweihte, zur gemeinsamen Andacht bestimmte Kapelle an gewissen Tagen der Woche mit eigenen Händen zu säubern, die Tapeten abzustäuben und den Altar zu schmücken. Es ereignete sich einmal, da er mit diesem Geschäfte bis kurz vor dem Beginne der Lehrstunden sich verspätet hatte, daß zahlreiche Stu- dirende vorüberzogen. Dieselben sahen ihm zu, wie er eben den Staub und Kehricht in seinen seidenen Mantel barg und hinanstrng, und es gab ihnen dieß eine willkommene Gelegenheit, sich über ihn lustig zu machen. „Sehet einmal," riefen sie, „das fromme Muttersöhnchen und gottselige Weltkind, das nach beiden Seiten hinkt und aus purer Hoffart seiner Demuth sich schämt!" Der Jüngling aber erwiederte herzhaft: „Wenn ihr cs nicht anders haben wollet, so werde ich nun vor Aller Augen fortsetzen, was ich bisher im Stillen gethan habe, indem ich meinte, cs wäre so besser. Ein erbärmlicher Thor, wer sich schämt, der heiligen Jungfrau zu dienen!" Recht so! Wahrhaftig ein erbärmlicher Thor, der sich einer solchen Verehrung schämt! Wir werden darum auch keinen wahren Katholiken, keinen großen Heiligen Gottes finden, der nicht zugleich ein besonderer Verehrer Mariens war. Ja! es lehrt sogar die Erfahrung, daß schlechte Katholiken zuerst von der Verehrung Mariens abfallen, fromme Protestanten zuerst sich zu ihr hingezogen fühlen. Darum noch einmal: Nie und nimmer haben wir uns dieser Verehrung zu schämen; denn es hat noch Niemand bewiesen, daß diese Verehrung geschadet hat; aber die letzten drei Jahrhunderte und das Beispiel Vieler haben bewiesen, daß die Unterlassung dieser Verehrung Nachtheile jeder Art und Rückschritte im Christenthume gebracht hat. Legende: Der heilige Fidelis von Sigmaringen, Märtyrer, (st 1622.) Das Fest dieses Heiligen wurde zwar schon vor zwei Tagen gefeiert; allein ich glaubte, seine Lebensgeschichte nicht übergehen zu dürfen, da er ein besonderer Verehrer der seligsten Jungfrau Maria war. Denn er ^ betete, wie uns die Legende erzählt, nebst den gewöhn- ^ lichen Andachten alle Tage die kleinen Tagzeiten der Mut- ^ ter des Herrn und trug zu ihrer Verehrung das Sca- ! pnlier. Keinen Festtag der seligsten Jungfrau ließ er vorübergehen, an dem er sein Gewissen nicht von allen, ! auch den kleinsten Fehlern reinigte und seine Seele durch ! das Brod des Lebens stärkte. — Der heilige Fidelis j wurde im Jahre 1577 zu Sigmaringen geboren.' Aus- i gestattet mit herrlichen Talenten, noch mehr aber ausgezeichnet durch Fleiß und gediegene Frömmigkeit, studirtc er zu Freiburg im Breisgau, und wurde in der Folge Nechtsgelehrter und Advokat, besonders für die Armen, nachdem er mehrere Jahre hindurch adeligen Jünglingen ein frommer Geleitsmann auf ihren weiten Wanderungen gewesen war, und wie ein treuer Schutzengel durch Gebet und Beispiel sie von den Irrwegen des Lasters bewahrt, und zur zärtlichen Liebe Jesu Christi augelei- i tet hatte. Doch gar bald verließ er die Laufbahn eines Anwalts und trat in den Kapnzinerorden, wornach er ! l 273 Am Feierabende des 27. April. auch die heilige Priesterweihe empfing. Er war in Selbst- entsaqung, Gebet, Fasten und Bußeifer ein würdiger IHnaer des heiligen Franziskus und, wie schon oben gesagt ein besonderer Verehrer Mariens. Strenge gegen sich selbst, war er sanft und liebvoll gegen Andere. Aus- aesandt, um in Granbündten den katholischen Glauben ni predigen, führte er unter den grüßten Mühen und mit Verachtung aller Todesgefahr eine Menge Irrgläubiger in den Schooß der katholischen Kirche zurück, bis er endlich als treuer Diener des Herrn unter den Schwertern und Kolben seiner Verfolger den 24. April 1622 seine Seele in die Hände seines Schöpfers niederlegte mit den Worten: „Jesus! Maria! Erbarme dich meiner, o Gott!" Gebet. Heiliger Fidelis von Sigmaringen, du besonderer Verehrer Mariens! bitte für uns, auf daß wir die göttliche Gnadenmutter Maria stets in Wort und That verehren, wie du, und noch im letzten Augenblicke unsers Lebens die süßen Namen „Jesus und Maria" mit Liebe und Vertrauen aussprechen mögen, um auf ewig mit Jesus und Maria vereinigt zu werden in der himmlischen Herrlichkeit. Amen. Hmidertundsiebenzehiites Lesestück. Am Feierabende des 27. April. Von der Nachahmung Mariens. Fr. Was ist bei der Verehrung Mariens die Hauptsache? AntW. Bei der Verehrung Mariens ist die Hauptsache— die treue Nachahmung ihrer Tugenden. Belehrung. Umsonst werden wir Maria verehren und sie um ihre Hilfe anrufen, wenn wir nicht ihre Tugenden nachahmen, wenn wir vielmehr in Sünden fortleben und ihren göttlichen Sohn dadurch immer wieder auf's Neue kreuzigen. „Wie Derjenige kein guter Untcrthan seiner Königin wäre," sagt der fromme Geisteslehrer Scaramelli, „welcher ihr viel Verdruß bereitet und eine Verschwörung gegen das Leben ihres Sohnes anzettelt; so kann Der kein wahrer Verehrer Mariens genannt werden, der ihr die größte Unbild zufügt, indem er durch seine Sünden den Tod ihres Sohnes erneuert." Wir müssen also vor Allem Feinde der Sünde und Freunde der Tugend werden, wenn uns die Verehrung Mariens den gewünschten Nutzen bringen soll, d. h. wir müssen der seligsten Jungfrau und ihrem göttlichen Sohne auf dem Wege der Tugend Nachfolgen, ihnen ähnlich werden. Der heilige Thomas von Villanova erzählt, daß die Mchler, Hausbuch. Mutter Maria und ihr Sohn Jesus sich im Gesichte, in ihren Sitten und Handlungen einander sehr ähnlich waren; wenn uns nun Maria als ihre Söhne und Töchter erkennen soll, fügt er alsdann bei, so muß sie auch an uns eine Achnlichkeit mit ihrem göttlichen Sohne und mit ihr selbst wahrnehmen. Beispiel und Anwendung. Ludwig derFromme (sieh das obige Bild!) war ein Sohn Karls des Großen und Erbe seiner Staaten, noch mehr aber seiner Andacht gegen die Gottesmutter. Mit allem Eifer strebte er dahin, die erhabenen Tugenden Mariens nachzuahmen und ihr immer ähnlicher zu werden in jeder Tugend. Zu diesem Zwecke trug er ihr Bildniß beständig am Herzen und ermuthigte sich durch den oftmaligen Anblick desselben immer wieder auf's Neue zur treuen Nachfolge Mariens. Wenn er sich auf der Jagd befand, so entfernte er sich oft von seinen Höflingen, um allein zu sein, stieg vom Pferde, nahm sein Marienbild vom Halse, hing es an einen Baum, und kniete ehrerbietig vor demselben nieder, um der Königin des Himmels seine Huldigung und seine Verehrung zu bezeigen; und jedesmal bat er, sie möchte ihm doch die Gnade erflehen, daß er ihr und ihrem göttlichen Sohne in der Dcmuth und Frömmigkeit immer ähnlicher werden möge. Und wie oft wird er nicht zu Hause im einsamen Betzimmer ebendiese Bitte an die seligste Jungfrau gerichtet haben! Und in Wahrheit, dieser fromme König hat sich, wenn auch nicht durch ritterliche Tugenden, doch gewiß durch die Tugend der Demuth und Frömmigkeit in einem so hohen Grade ausgezeichnet, daß wir ihn mit Recht einen treuen Nachfolger Mariens nennen dürfen. — Möchtest auch du, mein Christ! mit der Verehrung Mariens die eifrige Nachahmung ihrer Tugenden verbinden ; sicherlich darfst du dann auf ihre Fürbitte und Hilfe 35 274 Zweites Hauptstück. Von rechnen. „Ja, säume nicht, Marien in jeder Tugend getreulich nachzufolgen," also ruft uns einer der ausgezeichnetsten Prediger der Neuzeit zu, der hochwürdigste Fürstbischof Heinrich von Breslau; „uns liegt es, so zu sagen, näher, Mariens Tugenden nachzuahmen, als es ihr lag, u"s darin vorzuleuchten; denn der Gehorsam ziemt uns, den Dienern des Herrn, eher als ihr, der Mutter des Herrn; die Demuth steht uns Sündern bester an, als ihr, der mackellosen Jungfrau; die Buße thut uns Schuldigen eher noth, als ihr, die in Unschuld ihr Leben vollbracht; und so in Bezug auf alle andern Tugenden." Fr. Wer faßt also die Verehrung Mariens falsch und irrig auf? Antw. Alle Diejenigen, die da glauben, es sei schon genug, wenn man täglich zur seligsten Jungfrau nur ein paar Ave Maria oder sonst ein Gebet verrichte; man könne da gar nicht zu Grunde gehen, mag dann auch ihr Leben beschaffen sein, wie immer. Belehrung. Die so beseligende und heilbringende Verehrung Mariens wird allerdings von Manchen übertrieben und irrig aufgefaßt, und zwar dadurch, daß sie glauben, sie thä- tcn für ihr Seelenheil schon genug, und könnten ewig nicht zu Grunde gehen, wenn sie täglich zur seligsten Jungfrau nur ein paar Ave Maria oder sonst ein Gebet verrichteten, es möge dann im klebrigen ihr Leben beschaffen sein, wie immer. In Betreff dieser falschen Verehrung Mariens schreibt wieder der berühmte Gcisteslehrer Scaramelli: „Gleichwie unter den Münzen diejenigen am Leichtesten verfälscht werden, welche den größten Werth haben, und unter den Edelsteinen jene, welche am Seltensten sind, ebenso unterliegt auch die Verehrung Mariens, da sie eines der vorzüglichsten Mittel zur Erlangung der ewigen Seligkeit ist, vielen Fälschungen der Bosheit der Menschen, welche sich von dieser Verehrung eine solche Idee bilden, die ebenso sehr ihren Neigungen entspricht, als sie dem Geiste Mariens entgegen ist; oder durch Zuthun des bösen Feindes, der den Gläubigen, um diese Verehrung für sie nutzlos zu machen, einen ganz falschen oder verkehrten Begriff davon beizubringen sucht." Beispiel und Anwendung. Zu dem bekannten Prediger Hnnolt kam einst ein leichtfertiger Jüngling, der den Freuden und Genüssen der Welt gierig nachjagte und sich dabei in Sünden und Lastern wälzte. Mit väterlichem Ernste machte der fromme Prediger den unglücklichen Jüngling auf seinen traurigen Seelenzustand aufmerksam und ermahnte ihn zur Besserung seines Lebens. 4 Dieser aber lächelte und sprach: „Lieber Pater! ich bete ja alle Tage mein Gebet zur seligsten Jungfrau Maria; die wird mich schon halten, daß ich nicht zu Grunde gehe, wenn ich auch noch so oft in Sünden falle." Mit ernster Miene entgegnete der ehrwürdige der Nachahmung Mariens. Pater: „Du hast einen sehr irrigen Begriff, mein Sohn! von der Verehrung Mariens und von ihrer Hilfe. Du meinst, sie wird dich halten, wenn du dich muthwilliger Weise der Sünde in die Arme wirfst? Du Thor! Gehe hin und stürze dich von einer Brücke hinab in einen reißenden Strom und vertraue auf die Hilfe deiner am Ufer stehenden Mutter; stürze dich mitten in's Feuer hinein, und rufe deinen Vater, daß er dich bewahre, damit du nicht verbrennest! Wenn du dich selbst immer auf's Neue in Sünden stürzest, und dadurch dir selber den Himmel stets mit neuen Riegeln versperrst, dann kann dir Gott selbst nicht helfen, er kann dich nicht selig machen, und Maria soll eine größere Macht haben, als der Schöpfer?" — Diese Worte nahm der Jüngling zu Herzen und ging in sich. Er verband von nun an mit der Verehrung Mariens auch die treue Nachahmung ihrer Tugenden und begründete so sein zeitliches und ewiges Glück. — Sündige also nicht, 0 Mensch! vermestent- lich auf Mariens Hilfe; denn diese Vermessenheit ist nicht weniger sündhaft, als jene, mit der wir auf Gottes Barmherzigkeit sündigen. Legende: Die heilige Iungfrau Zita, D i e n st- magd. (fl 1272.) lUlUIIijllilllill »««»»> Heute begegnet uns in der Legende eine Heilige, die nicht nur eine fromme Verehrerin, sondern auch eine treue Nachahmerin Mariens war; denn wie Maria, so war auch sie eine wahre Dienerin des Herrn. Es ist dieß die heilige Jungfrau und Dienstmagd Zita. Sie wurde im Jahre 1212 in Italien von armen, aber frommen Eltern geboren. Schon mit zwölf Jahren trat das ein- gezogene, fleißige Mädchen in den Dienst bei einem Bürger, dessen Haus nahe an der Kirche des heil. Frigidian lag, wo sie volle 48 Jahre bis zu ihrem seligen Ende blieb. Hier war Zita das nachahmungswürdigste Muster für Alle ihres Geschlechtes, und besonders für die 273 Am Feierabende des 28. April. Dienstboten. Sie zeigte diesen, wie sie ihren oft so beschwerlichen Stand heiligen können, wenn sie die Sünde meiden und in Einfalt des Herzens aus Liebe zu Gott ihre Pflichten erfüllen. Sie opferte sich am Morgen Gott ganz auf, wohnte, so oft es sein konnte, der heiligen Messe bei, empfing oftmals die heiligen Sakramente der Buße und des Altars, mied sorgfältig alle gefährlichen Lustbarkeiten, las in freien Stunden gerne in geistigen Büchern und lag oft voll glühender Andacht vor dem Bilde der seligsten Jungfrau Maria ans ihren Knieen, um Mariens Schutz und Hilfe zu erflehen und durch Betrachtung ihrer Tugenden sich zur treuen Nachahmung zu ermuthigen. Sie wandelte immer in Gottes Gegenwart, kam dabei den Befehlen der Herrschaft pünktlich nach, ertrug die Verfolgungen, Leiden und Beschwerden, woran es den Frommen niemals fehlt, mit Stillschweigen und Geduld, und übte sehr strenge Bnßwerke. Für die Erhaltung der jungfräulichen Reinigkeit überaus besorgt, duldete sie in ihrer Gegenwart auch kein ungeziemendes Wort. Ihre Liebe zu den Armen und Kranken war so groß, daß sie Alles, was sie sich von der ihr bestimmten Nahrung erübrigte, mit Erlaubniß der Herrschaft unter dieselben vertheilte, ja sogar fast allen Liedlohn ans die Unterstützung der Nothleidenden verwendete. Vorzüglich ließ sie sich auch angelegen sein, bei ihren Mitdienstboten Sünden zu verhüten oder Verirrte wieder auf den Weg der Tugend zu bringen; und ihre Ermahnungen begleitete ein ungemeiner Segen Gottes. Sie starb nach einer kurzen Krankheit und nach dem Empfange der heiligen Sterbsakramente sanft und getrost am 27. April 1272, und wurde i. I. 1696 von Innozenz XU. heilig gesprochen. Gebet. Gib uns, o Gott! wir bitten dich, Gnade und Stärke, damit wir, wie die heilige Jungfrau Zita, die Himmelskönigin Maria kindlich fromm verehren und die erhabenen Tugenden derselben treulich nachzuahmen suchen; durch Christum, unfern Herrn. Amen. Hundertundachtzehntes Lesestiick. Am Feierabende des 28. April. „Maria!" Die erhabene Bedeutung und die Lieblichkeit des heiligen Namens Maria. Fr. Was bezeichnet denn der Name „Maria"? Antw. Nach den Erklärungen der heiligen Kirchenväter hat der Name „Maria" vorzüglich folgende drei Bedeutungen: 1) bedeutet er soviel als „Meer", 2) soviel als „Frau", oder „Herrin", und 3) soviel als „Meeresstern". Belehrung. Nach dem hochheiligen Namen Jesus gibt es auf Erden keinen heiligeren Namen, als den Namen Maria. „Der erhabene Name Maria, welcher der göttlichen Mutter ertheilt wurde," schreibt der heil. Hieronymus, „ward weder auf Erden erfunden, noch von der Willkür der Menschen gegeben und gewählt, wie das sonst zu geschehen pflegt,, wenn Jemanden ein Name ertheilt wird. Der Name Maria kam vom Himmel herab und ward der göttlichen Mutter auf Befehl des Herrn ertheilt." — Dieser heilige Name nun trägt folgende drei Bedeutungen in sich: 1) bezeichnet er das „Meer;" „und in Wahrheit ist Maria ein Meer zu nennen," sagt der heil. Albertus Magnus, „nämlich ein Meer der Gnaden, die sie von Gott empfangen hat, und die Gott hinwiederum durch sie an Andere austheilt." — 2) Bedeutet der Name „Maria" soviel als „Frau," „Herrin," „Königin." Maria ist vie Mutter des höchsten Herrn Himmels und der Erde, des Königs aller Könige; darum gebührt ihr mit allem Rechte der Name „Maria," d. h., „Herrin," „Königin." In dieser Beziehung redet sie der heilige Bonaventura mit folgenden Worten an: „Weil der mächtigste Herr mit dir ist, so bist du selbst eine mächtige Herrin, da du durch ihn und bei ihm Alles vermagst." — Endlich 3) bedeutet Maria so viel als „ Meeresstern." Wie nun 35* 276 Zweites Hauptstück. Die erhabene Bedeutung Diejenigen, welche auf dem Meere fahren, den Polarstern öfters betrachten, um vom rechten Wege nicht abzuirren, so müssen auch wir, die wir auf dem Weltmeere durch Stürme und Ungewitter umhergetrieben werden, unsere Augen und Herzen auf Maria, diesen geheimnißvollen Meeresstern, (sieh das vorhergehende Bild!) wenden, um durch dessen Licht und Einfluß den Hafen des ewigen Heiles glücklich zu erreichen. Beispiel und Anwendung. Der hochherzige Missionär Gabriel Malagrida befand sich einst (i. I. 4749) auf dem Rückwege aus den fernen Urwäldern am Maran- non nach Lissabon, als sein Schiff schon nahe am Landungsplätze und vor den Augen einer großen Volksmenge, die dort seiner harrte, von einem furchtbaren Sturme überfallen wurde. Die Masten zerbrachen, die Segel zerrissen, die Gebälke krachten und begannen aus den Fugen zu weichen; Schiff und Mannschaft schienen verloren, und Niemand hielt eine Rettung für möglich. Malagrida allein gab die Hoffnung nicht auf. Er nahm ein Bildniß der heiligen Gottesmutter, das er in den brasilianischen Wildnissen stets bei sich getragen, heftete dasselbe an den Hauptmast, und ermahnte die Mannschaft im Geiste der Demuth und Buße ihre Zuflucht zu nehmen zu Maria, diesem Meeresstern, der sicher rettet aus den Stürmen und hingeleitet an's Ufer Alle, die auf ihn vertrauen. Und siehe, gar bald legte sich der Sturm, und die Landung ging ohne Gefahr von statten, worauf alle Geretteten, vom Volke begleitet, betend und dankend in die Domkirche zogen. — So sollen auch wir, mein Christ! in allen Stürmen des Lebens unsere Zuflucht zu Maria nehmen, sie wird uns sicher retten und an ihrer Hand herausführen aus allen Gefahren des Leibes und der Seele. Fr. Wodurch gibt sich die hohe Bedeutung des heiligen Namens „Maria" am Deutlichsten zu erkennen? Antw. Durch die außerordentliche Lieblichkeit, die von jeher alle frommen Verehrer dieses heiligen Namens empfunden haben, so oft sie ihn mit Ehrfurcht aussprachen. Belehrung. Der Name „Maria" ist süß und lieblich; alle frommen Verehrer Mariens geben uns hie- für das lauteste Zeugniß; ja, selbst die Engel Gottes finden eine gewisse Süßigkeit darin, diesen heiligen Namen recht oft zu hören, wie Richard von St. Lorenz darthut. Es steht nämlich im Hohenliede geschrieben, daß die Engel Gottes dreimal fragen: „Wer ist Die, so aus der Wüste heraufsteigt, wie eine Rauchwolke von Spezereien? Wer ist Die, welche wie die aufsteigende Morgenröthe hervorkommt? Wertst Die, so heraufsteigt aus der Wüste, übcrfließend von Lust?" Nach wem fragen wohl die Engel Gottes so häufig? Nach Maria. Warum wiederholen sie diese Fragen so oft? Und Richard antwortet: „Weil es auch den Engeln süß und die Lieblichkeit des heiligen Namens Maria. ist, den Namen Maria recht oft zu vernehmen; darum können sie nicht müde werden, darnach zu fragen." , Beispiele und Anwendung. O welche Süßigkeit f empfanden die Heiligen Gottes, wenn sie den lieblichen Namen „Maria" aussprachen! — Der selige Heinrich Suso versicherte, daß, wenn er den Namen Maria nenne, sein Vertrauen außerordentlich wachse, und er zu einer innigen Liebe entzündet werde; er versicherte, daß dieser süße Name wie Honigseim im Grunde seiner Seele zu schmelzen scheine, und deßhalb rief er freudetrunken aus: „O süßer Name, o Maria! was wirst du erst selber sein, wenn dein Name schon so lieblich und liebenswürdig ist?!"— Ein ähnliches Gefühl der süßesten Freude empfand auch der heilige Bernhard, so oft er den heiligen Namen Maria aussprach. Daher ruft er aus: „O große, o fromme, o lobwürdige Jungfrau Maria! Dein Name ist so süß und lieblich, daß man ihn nicht nennen kann, ohne von Liebe zu dir und zu Gott, der denselben dir ertheilt hat, entflammt zu werden." Und der heilige Alphons Liguori, der so viel Wunderschönes über Mariens Größe und Herrlichkeit geschrieben hat, dieser fromme und treue Verehrer der Himmelskönigin findet kaum Worte genug, um uns die Lieblichkeit und Freude zu schildern, die er beim Aussprechen des heiligen Namens Maria empfand. Er hat seine Gefühle hierüber besonders in nachfolgendem wunderschönen Gedickte niedergelegt: Nenn' ich Maria, so fühl' ich mich gleich An seligem Frieden und Freude so reich; Beim Klange des Namens erhebt sich das Herz, Befreit von Schmerz. Heil Dem, der Maria mit Innigkeit liebt! Nenn' ich Maria, die zärtlich ich lieb', So erlieget die Seele dem süssesten Trieb; Der unaussprechlichen Schönheit Glanz Entzündet sie ganz. Heil Dem, der Mariä zu dienen sich übt! Nenn' ich Maria, so kann meine Brust Nicht fassen das Uebermaaß himmlischer Lust Ihr lieblicher Name verzehret schier Die Seele in mir. Heil Dem, der sie liebend das Leben hingibt! — Auch du, mein Christ! wirst eine ähnliche Freude und Lieblichkeit in deinem Herzen empfinden, wenn du mit gleicher Liebe und Andacht, wie die Heiligen Gottes, den heiligen Namen „Maria" aussprichst und verehrest. Legende: Der heilige Vitalis, Märtyrer zu Ravenna, (fl um d. I. 62.) Wie oft wird nicht auch der heilige Vitalis, dessen Fest wir heute feiern, den heiligen Namen Maria mit Liebe und Andacht ausgesprochen und darin Trost und Lieblichkeit in seinem Herzen empfunden haben! Der heilige Vitalis, geboren zw Mailand, war der Vater der beiden heiligen Gervasius und Protasius. Da 5 Am Feierabende des 29. April. ihn die Vorsehung nach Ravenna geführt hatte, geschah es, daß ein Christ, mit Namen Ur- siein, des christlichen Glaubens wegen zum Tode vernrtheilt wurde; doch wähnte man eine Zeitlang, er würde abfallen, so stark war der Eindruck, den der Anblick der Qualen auf ihn gemacht hatte. Vitalis, bestürzt über die Gefahr seines christlichen Mitbruders, sah die selbstihmdrohende Marternichtmehr, sondern eilte demselben entgegen, und ermahnte ihn dringend, die Gelegenheit nicht zu verscherzen, die ihm eine unsterbliche Krone erwerben werde. Ursicin ermannet sich wieder, und empfängt großmüthig den Todesstreich. Vitalis nahm den Leichnam des Märtyrers weg. und gewährte ihm ehrfurchtsvoll die Bestattung. Sobald der Richter, Paulinus mit Namen, den Vorgang vernommen hatte, ertheilte er Befehle, Vitalis gefänglich einzuziehen. Er ward lebendig verbrannt, nachdem er zuerst die Folter und mehrere Peinigungsarten bestanden hatte. Der heilige Vitalis ist der Hauptpatron von Ravenna; daselbst bewahrt man seine Reliquien in der prächtigen Kirche seines Namens auf, welche 547 von dem Kaiser Justinian gebaut worden, und dermalen einer berühmten Benediktinerabtei zugehört. Gebet. Erhaben und lieblich ist dein heiliger Name, Maria! Bitte für uns, daß wir denselben kindlich fromm verehren und ihn oft und andächtig anrufen, wie der heilige Märtyrer Vitalis, im Leben sowohl, als im Sterben. Amen. Himdertmidneuiizehntes Lesestück. Am Feierabende des 29. April. Die Kraft des heiligen Namens „Maria." Fr. Woraus läßt sich die hohe Bedeutung des heiligen Namens „Maria" noch ferner erkennen? 277 Antw. Aus der besondern, wunderbaren Kraft, die in diesem heiligen Namen liegt. Belehrung. Nach dem Namen Jesus gibt cs, wie Richard von St. Lorenz sagt, keinen Namen, in welchem man so mächtige Hilfe fände, und der den Menschen so große Gnaden ertheilt, als der Name Maria. Auf den Namen Maria kann man die Worte des heiligen Bernhard anwenden: „Wenn man ihn predigt, so ist er ein Licht, das, uns erleuchtet; erwägt man ihn in seinem Herzen, so ist er eine Speise, die uns stärkt; ruft man ihn an, so bringt er uns Hilfe in allen Nöthen." — Selbst die Teufel haben, wie der ehrwürdige Thomas von Kernst is schreibt, eine so große Furcht vor der Himmelskönigin Maria, daß, wenn sie nur ihren Namen hören, sie vor Dem, der denselben ausspricht, wie vor einem verzehrenden Feuer fliehen. Welch eine Macht liegt im heiligen Namen Maria! Wir sehen dieß ganz besonders aus nachfolgendem Ereigniß, zu dessen Erinnerung in der Kirche das Maria-Namensfest eingeführt worden ist. (Siehe hiezu das nachfolgende Bild!) Erzählung. Der Anlaß zu diesem Feste aber war folgender: Im Jahre 1683 belagerten die Türken die Stadt Wien. Ihr Kriegsheer war so zahlreich, und das Glück begünstigte dermaßen ihre Waffen, daß alle Hoffnung für die unglückliche Stadt verloren zu sein schien, und daß Kaiser Leopold I. seine Hauptstadt verließ und die Flucht ergriff. In dieser dringenden Noth nahm man von allen Seiten seine Zuflucht zu Maria. Ueberall rief man den heiligen Namen Maria mit Ehrfurcht und Begeisterung an. Am Tage ihrer freudigen Geburt aber betete man mit doppeltem Eifer. Einwohner und Soldaten riefen mit vereinter Stimme die Himmelskönigin um ihre Hilfe an, und ihr Gebet wurde erhört; denn Plötzlich erblickte man auf fernen Hügeln fliegende Fahnen. Es war der fromme polnische Held So- biesky, der an der Spitze seiner Polen anrückte. Das Kriegsheer war gering; aber die Frömmigkeit des Führers und der Soldaten hatte ihm den Schutz des Allerhöchsten gewonnen. Am 12. September wohnte Sobiesky einer heiligen Messe, in welcher er selbst dienen wollte, knieend und mit über die Brust gekreuzten Händen bei und empfing die heilige Com- munion, nach welcher er sich und alle seine Soldaten feierlich unter den Schutz Mariä empfahl und den apostolischen Segen erhielt. Darauf durchlief er alle Reihen und schrie: „Lasset uns nun muthig vorangehen; denn wir sind unter dem Schutze der Mutter unsers Gottes; lasset uns zum Kriegsgeschrei den heiligen Namen Maria wählen!" Bald erblickte man das Lager der Ungläubigen, vor deren unzähligen Menge und donnerndem Geschütze die Polen unwillkürlich zurückbebten und bekannten, daß sie nur vom Himmel den Sieg hoffen können. Das Treffen begann; aber der Anfall der Christen 278 Zweites Hauptstück. Die Kraft des heiligen Namens Maria. kW war so fürchterlich, daß der Chan der Tartaren angstvoll die Flucht ergriff, und den Großvezier, der vor Zorn schäumte, mit sich fortriß; und in wenigen Stunden war das ganze Heer zerstreut. Die Niederlage war so groß, daß das ganze Schlachtfeld mit Todten bedeckt war. Was sich durch die Flucht retten wollte, fand seinen Tod in der Fluchen der Donau. Die vorräthigen Lebensmittel, die Artillerie, die Fahnen, Alles wurde eine Beute des Siegers. Sobiesky zog triumphircnd in Wien ein, und ging vor Allem in die Kirche, durch ein feierliches Iv Ileum, das er selbst an- stimmte, dem Herrn zu danken. Seit dieser merkwürdigen Schlacht trug er bei allen seinen Unternehmungen ein Bildlich der allerseligsteu Jungfrau Maria bei sich. — Um für diese Wohlthat zugleich ein ewiges Denkmal der Dankbarkeit zu stiften, befahl Papst Jnnocenz XI., daß in der ganzen Welt am ersten Sonntage nach Maria Geburt das Fest des glorreichen Namens Maria feierlich begangen werden solle. Fr. Was folgt hieraus für uns? Antw. Dieses, daß wir den so mächtigen und heiligen Namen Mariens recht oft und mit Andacht auSsprechcn sollen. Belehrung. Hiezu fordert uns schon der heil. Alb er- tns Magnus mit den Worten auf: „Bist du von Finsternissen umgeben, und findest du den Weg nicht, so hebe deine Augen zu Jener empor, die dich erleuchten kann; rufe die Gottesmutter an, und sprich den heiligen Namen „Ma- ria" aus! — Wirst du von fleischlichen Anfechtungen gequält und in Gefahr gesetzt, überwunden zu werden und in eine unerlaubte Lust zu willigen, so sprich den geheiligten Namen „Maria" aus, und du wirst erfahren, daß sie nicht umsonst Maria heiße!" — Und der ehrwürdige Canisius schreibt: „Wenn je irgend einem Geschöpfe ein vortrefflicher und liebenswürdiger Name ist beigelegt worden, der oft gedruckt, geschrieben, gelesen, gelobt und verherrlichet zu werden verdient, so ist es gewiß der heilige Name Maria. O daß wir ihn oft vor Augen hätten! daß er oft von unserm Munde, oft zu unfern Ohren ertönen möchte! O daß er allezeit mit tiefster Ehrerbietung ausgesprochen würde!" Beispiele und Anwendung. Wir sollen es in dieser Beziehung machen, wie der große Papst Jnnocenz III. Dieser setzte ein außerordentliches Vertrauen auf den heiligen Namen Maria; in allen Nöthen und Gefahren rief er denselben mit Andacht und kindlicher Zuversicht an. „Maria heißt der Stern, und dieser Stern leuchtet mir zum Himmel," sagte er oft. „Durch diese Zwei, durch das Holz und durch den Stern, können die Schiffe unter so vielen Gefahren an das Gestade kommen, nämlich durch den Glauben des Kreuzes und durch die Kraft des Lichtes, welches uns geboren hat Maria, der Stern des Meeres." — Ganz besonders aber sollen wir den heiligen Namen Maria aussprcchen auf dem Sterbebett; denn da zeigt er am Meisten seine wunderbare Kraft. Wir sehen dieß aus der Lebensgeschichte des heiligen Camillus Lellis. Schon im Leben ermahnte dieser Heilige oft seine Ordensbrüder, sie sollten häufig die Sterbenden daran erinnern, die heiligen Namen Jesus und Maria anzurufen. Und als er selbst auf's Sterbebett kam, befolgte auch er treulich, was er im Leben so oft den Sterbenden anempfohlen hatte; er sprach nämlich unzählig oft die heiligen Namen Jesus und Maria aus, und zwar mit so zarter Andacht, daß Alle, die ihn hörten, dadurch von Liebe entflammt wurden. Und wie sanft und selig war sein Tod! Mit gekreuzten Armen gab er seinen Geist auf, die Augen geheftet auf zwei Bilder von Jesus und Maria; auf seinem Antlitze aber leuchtete himmlischer Friede. Seine letzten Worte waren die süßen Namen: Jesus und Maria! — Bitten wir, mein lieber Leser! Gott der Herr wolle uns die große Gnade gewähren, daß unter den letzten Worten, die über unsre Lippen gehen, der heilige Name Maria sei! „O süßer Tod, o sicherer Tod," ruft der heilige Alphons Liguori aus, „den ein solcher Name des Heiles begleitet und beschützt! Gott ertheilt nur Jenen, die er selig machen will, die Gnade, diesen Namen in ihrer Todesstunde aussprechen zu können." Wahrhaft selig also Derjenige, der den Namen Maria recht oft und recht andächtig im Leben und Sterben ausspricht, wie jener Heilige, dessen Anvenken wir heute begehen. Am Feierabende Legende: Der heilige Petrus, Märtyrer. Geboren zu Verona i. I. 1205, gab dieser Heilige schon in seiner zartesten Jugend das lauteste Zeugniß für seinen heiligen Glauben. Kaum 20 Jahre alt, trat er in den Predigerorden, in den Orden des heiligen Dominikus, und führte durch seine Reden viele Irrende ans den rechten Weg zurück. Bosheit und Verleumdung suchte seine Sittenreinheit zu verdunkeln; aber gar bald wurde seiue Unschuld anerkannt, und nun verdoppelte derHei- lige seinen Eifer u. predigte mit Macht und Unerschrockenheit gegen die Jrrlehrer, von denen er endlich ermordet wurde i. I. 1252. Sterbend betete er noch das apostolische Glaubensbekenntnis; und gab seinen Geist auf, um hinüberznwallen in jenes ewige Leben, welches er so oft im letzten Artikel des apostolischen Glaubensbekenntnisses bekannt hatte. Gebet. Heilige Jungfrau und Gnadenmutter Maria! wir rufen deinen heiligen und mächtigen Namen an und bitten dich um deine mütterliche Fürsprache bei Jesus, deinem Sohne, damit anch wir unfern heiligen Glauben stets so frei und unerschrocken bekennen, wie St. Petrus von Verona, und für denselben Blut und Leben opfern mögen. Amen. HuiidertuildMlizigstcs Lesestück. Am Feierabende des 30. April. „Du bist voll der Gnaden!" Maria — ein Gefäß der Gnaden. Fr. Warum nennen wir Maria „voll de r Gnaden" ? Antw. Weil Maria 1 ) ein Gefäß der Gnaden und 2 ) eine Spenderin der Gnaden ist. des 30. April. 279 Fr. Inwiefern ist Maria ein Gefäß voll der Gnaden? Antw. Maria ist ein Gefäß voll der Gnaden: 1) weil sie schon vor ihrer Geburt mit Gnaden erfüllt war, 2 ) weil sie an Gnaden stets zugeuommen, und 3) weil sie den Urheber der Gnaden geboren hat. Fr. Mit welchen Gnaden war Maria schon vor ihrer Geburt erfüllt? Antw. Sie ward unbefleckt, ohne Sünde empfangen; sie allein blieb unter allen Geschöpfen der Erde vom Gifthauche der Erbsünde, sowie von jeder andern Sünde frei. Belehrung. Schon im Augenblicke ihrer Empfängnis; erscheint uns Maria als die Gnadenvolle; denn vom ersten Augenblicke ihrer Empfängnis; an ist sie die Lilie (sieh das nachfolgende Bild!) ohne Dornen gewesen, d. h. sie wurde unbefleckt — ohne Sünde empfangen. (Siehe oben S. 76 — 77.) Daher sagt der selige Franziskus Suarez: „Maria hat im ersten Augenblicke ihrer Empfängniß mehr Vorzüge und Gnaden erhalten, als alle Seelen der Heiligen, ja sogar als alle Chöre der Engel, weil sie von Gott auch mehr geliebt wurde, als alle Heiligen und englischen Geister." — Diese Lehre von der unbefleckten EmpfängnißMariens ist begründet in der heiligen Schrift, in der Erblehre und im Glauben der heiligen katholischen Kirche. Oder hätte Diejenige, welche der Schlange (d. i. dem Teufel) den Kopf zertreten sollte, hätte Jene, die zu Gott sagen konnte: „Du bist mein Sohn!" auch nur einen Augenblick im Zustande der Sünde, also in der Gewalt des bösen Feindes sich befinden können? Ziemte es sich Wohl, sagen die heiligen Lehrer, daß Jene, die bestimmt war, der Welt Denjenigen zu geben, welcher durch seinen Tod das Reich der Sünde zerstören sollte, mit Sünden befleckt war? Unmöglich. — Maria ist also ohne Sünde empfangen; dieß muß schon die gesunde Vernunft anerkennen, und so ist wahr, was wir oben gesagt haben: Maria ist voll der Gnaden, weil sie schon vor ihrer Geburt mit Gnaden erfüllt war. Beispiel und Anwendung. Als am 8 . Dezember 1854 der Glaubenssatz von der unbefleckten Empfängniß Mariens feierlich ausgesprochen worden war, da erfreuten sich alle Herzen der frommen und wahren Verehrer Mariens, und ein allgemeiner Jubel herrschte in der ganzen katholischen Kirche. Jndeß fehlte es, wie dieses bei dem Unglauben unserer Zeit nicht anders zu erwarten stand, auch nicht an Spöttern, die sich über diese so tröstliche Glaubenslehre, wie überhaupt über alles Religiöse und Göttliche lustig machten. Unter allen Frevlern (so wird in mehreren »M 280 Zweites Hauptstück. Maria — ein Gefäß der Gnaden. Zeitschriften unterm 10. Jan. 1855 von Berchtesgaden aus geschrieben) that sich aber im benachbarten Salzburg ein junger Mensch hervor, den sein Geld und seine Jugendkraft übermüthig machte. In einem belebten Gasthause machte er vor mehreren Andern, die, wie gewöhnlich, über Nichts nachgedacht, aber über Alles absprechen, die unbefleckte Empfängniß zum Gegenstände seines Hohnes und schmutzigen Witzes, so daß sich selbst ein paar Anwesende ärgerten. Was geschieht? Nicht lange nachher gallopirt der muthwillige Witzbold ganz munter auf seinem Rößlein. Als er im Non- nenthale in der Nähe des Hahnwirthes zu der daselbst errichteten steinernen Bildsäule der unbefleckten Jungfrau gekommen, schleuderte ihn das Pferd so gewaltig an die Säule, daß er sich Brust, Arme und Beine brach, und besinnungslos von dannen getragen werden mußte. Nach unsäglichen Leiden starb der junge Mann einige Tage später, ohne je mehr zu Besinnung gekommen zu sein. — Erkenne hieraus, mein Christ! wie sehr Gott der Herr selbst eifert für die Ehre der allzeit unbefleckten Jungfrau und Mutter Maria und bekenne es laut und freudig mit der heiligen katholischen Kirche, daß Maria ohne Sünde empfangen, und daß sie schon deßhalb voll der Gnaden sei. Fr. Warum nennen wir noch ferner Maria „voll der Gnaden"? Antw. Weil sie an Gnaden stets zugenommen und den Urheber der Gnaden selbst geboren Hab. Belehrung. Maria ist die Guadenvolle nicht nur deßhalb, weil sie schon vor ihrer Geburt mit Gnaden erfüllt war, sondern auch deßhalb, weil sie 1) an Gnaden stets zugenommen, indem sie durch ihren heiligen Wandel, durch ihre guten Werke u. s. f. die heiligmachende Gnade immer mehr vermehrte und so zur höchsten Stufe der Heiligkeit und Gerechtigkeit gelangte. Daher singt schon der Psalmist (Ps. 44, 3.): „Schön bist du vor allen Menschenkindern; Anmuth ist ausgegofsen über deine Lippen, und darum hat dich Gott beglückt in Ewigkeit." Und der heilige Petrus Chrysologus schreibt: „Andere Heilige erhielten zwar Theilchen der Gnade, aber in das Herz Mariens goß sich deren ganze Fülle aus." — Maria ist die Gnadenvolle, 2) weil sie denUrheber der Gnaden geboren hat. Muß Jene nicht voll der Gnaden sein, die den Herrn der Gnaden selbst unter ihrem Herzen trug? „Die seligste Jungfrau," sagt der heilige Thomas von Aquin, „hat eine solche Fülle der Gnaden erhalten, daß sie dem Urheber der Gnade am Nächsten kam; und eben darum hat sie Jenen, der voll der Gnaden ist, empfangen." Beispiel und Anwendung. Schon im A. B. war Obededom, der die Arche des Bundes, ein Vorbild der seligsten Jungfrau Maria, in seinem Hause beherbergte, an allen Gütern reichlich gesegnet. Um wieviel mehr muß also nicht erst Maria, diese lebendige Arche Gottes, die den Quell aller Gnaden und Segnungen in sich trug, an allen geistigen Gütern, an Tugenden, Gnadengaben und Verdiensten gesegnet sein, die allein ein unsterblicher Neichthum, ein Schatz für die Ewigkeit sind! — Mt Recht nennt daher die Kirche Maria „eine Mutter der göttlichen Gnaden"; denn von ihr allein gelten im eigentlichen und vollen Sinne die Worte der heiligen Schrift: „Der mich erschuf, ruhte in meiner Hütte" (Eccl. 24.). — Freudigen Herzens sollen wir daher die seligste Jungfrau Maria recht oft begrüßen mit den Worten: „Du bist voll der Gnaden!" Legende: Die heilige Katharina vonSiena, Jungfrau, (ch 1380.) Wer kann es wohl zählen, wie oft diese Heilige, deren Fest auf den heutigen Tag fällt, Maria, die göttliche Gnadenmutter, mit den Worten begrüßte: „Du bist voll der Gnaden!" — Die heilige Katharina erblickte das Tageslicht zu Siena im Jahre 1347 und bildete sich von ihrer Jugend an in der Frömmigkeit zur schönsten Seele. Im Jahre 1362 legte sie das Kleid des dritten Ordens des heiligen Dominikus an; sie war damals in ihrem fünfzehnten Lebensjahre. Ihr größtes Vergnügen war, sich in ihre einsame Zelle einzuschließen und feuerigen Gebeten obzuliegen. Ihre Abtödtungeu kannten keine Gränzen mehr. Drei Jahre hindurch beobachtete sie ein stetes Stillschweigen, welches sie nur dann unterbrach, wenn sie mit Gott oder ihrem Ge- wissensrathe redete. Einen guten Theil des Tages und der Nacht widmete sie der Hebung himmlischer Beschauung, woraus sie eine reiche Fülle übernatürlichen Lichtes, Am Feierabende des 1. Mai 281 eine zärtliche Liebe zn Gott und einen feurigen Eifer für die Bekehrung der Sünder schöpfte. Nachdem sie aus solche Weise ihren Ordensschwestern als Muster derTu- gend vorangelench- tet, Feinde versöhnt und Irrende auf den Weg des Heiles zurückgeführt hatte, starb sie gottergeben und heilig, wie sie gelebt i. I. 1380. Gebet. Maria, du Gefäß der Gnaden! wir grüßen dich mit jener kindlich frommen Gesinnung, mit welcher dich die heil. Katharina von Siena so oft grüßte, und bitten vich, du wollest uns jene Gnaden von Gott erflehen, die uns zu einem frommen und gottgefälligen Leben noth- wendig sind, bei Jesus, deinem Sohne, hochgelobt in Ewigkeit. Amen. Hunderteinundzwanzigstes Lesestück. Am Feierabende des 1. Mai. Maria — eine Spenderin der Gnaden. Fr. Behält die seligste Jungfrau die Guaden, welche ihr Gott in so reichem Maße verliehen, nur für sich? Antw. O nein, sie theilt von denselben auch ihren frommen und eifrigen Verehrern gerne mit. Belehrung. O wie freut es mich, mein christlicher Leser! daß ich dir diese tröstliche Wahrheit gerade heute am ersten Mai, also am ersten Tage jenes Monats erklären kann, welchen die frommen und eifrigen Katholiken ganz besonders der Verehrung Mariens zu weihen pflegen, indem sie in den sogenannten lieblichen „Maiandachten" die Tugenden Mariens betrachten, ihre Macht und Größe loben und preisen und sie um ihre mächtige Fürbitte und Hilfe anrufen. Wie sehr muß dich der Gedanke, welcher unserm Mehler, Hausbuch. heutigen Lesestück zu Grunde liegt: „Maria ist eine Spenderin der Gnaden" — wie sehr, sage ich, muß dich nicht dieser Gedanke anspornen zur eifrigen Theilnahme an dieser lieblichen Maiandacht! Sollte dir jedoch in jener Stadt, in jenem Marktflecken, in jenem Dörfchen, wo du wohnest, keine Gelegenheit geboten sein, an einer solchen Maiandacht Theil zu nehmen, so nimm dieses dein Hausbuch hier und stelle selbst eine Maiandacht an, indem du täglich ein Lesestück über das Ave Maria und die übrigen Gebete und Andachten zu Ehren Mariens (es sind gerade einunddreißig Lesestücke vom 23. April bis zum 23. Mai, also für die einunddreißig Tage des Monats Mai berechnet) — mit Aufmerksamkeit durchlesest, und dich dem Schutze der seligsten Jungfrau empfiehlst. Sei überzeugt, eine solche Andacht wird für dich nicht ohne Segen bleiben; Maria ist ja eine Spenderin der Gnaden. Fr. Welche Guaden werden uns durch die seligste Jungfrau Maria zu Theil? Antw. Sie bewirkt durch ihre mächtige Fürbitte bei Gott, daß in den Gerechten die Gnade vermehrt, den Sündern aber die verlorne Gnade wieder zurückgegeben werde. Belehrung. Es gereicht der seligsten Jungfrau Maria zur größten Freude, wenn sie uns von der Fülle ihrer Gnaden mittheilen kann. Wir finden diese Wahrheit bestätiget, wenn wir die tausend und abermals tausend Votivtäfelchen betrachten, die uns so oft an jenen Gnadenorten begegnen, wo sich Maria auf die wunderbarste Weise als die Gnadenvolle, als die Mutter der göttlichen Gnaden zu erweisen pflegt. — Da fühlen sich die Gerechten neu gestärkt und mit neuen Gnaden überhäuft; die Sünder aber finden da nicht selten die verlorne Gnade wieder. Mit Recht kann deßhalb der heilige Thomas von Aquin sagen: „Maria ist nicht nur für sich, sondern auch für alle Menschen voll der Gnade gewesen; jeder Heilige hat zwar Gnaden empfangen, um das Heil einiger Anderer zu befördern; sie hingegen ist damit so häufig erfüllt worden, daß sie zum Heile der ganzen Welt Mitwirken konnte, welches ihr nach Jesus allein eigen ist." Beispiel und Anwendung. Als eine besondere Gnadenmutter, aus deren freigebigen Händen die Gnaden gleichsam ausstrahlen, wird uns Maria in jener wunderbaren Medaille von der unbefleckten Empfängniß dargestellt, die so allgemein verbreitet ist, und deren Entstehung uns in folgender Weise erzählt wird. Gegen das Ende des Jahres 1830 hatte die Schwester M...., Novizin in einem geistlichen Orden der barmherzigen Schwestern in Paris, im Gebete ein Gemälde gesehen, welches die heilige Jungfrau 36 283 — eine Spenderin der Gnaden. Zweites Hauptstiick. Maria Maria so darstelltc, wie sie unter dem Titel der unbefleckten Empfängniß abgebildet wird, aufrecht stehend und die Hände ausstreckend. Aus ihren Händen fuhren Strahlen gleich Lichtströmen von ungemeinem Glanze. In demselben Augenblicke hörte sie eine Stimme, welche ihr sagte: „Diese Strahlen sind das Sinnbild der Gnaden, welche Maria den Menschen erbittet." — Rund um das Bild herum las sie folgende Anrufung in goldenen Buchstaben geschrieben: „O Maria, empfangen ohne Sünde! bitte für uns, die wir unsere Zuflucht zu dir nehmen!" — Einige Augenblicke nachher wendete sich das Bild, und auf der Rückseite bemerkte die Schwester den Buchstaben U., aus dessen Mitte sich ein Kreuz emporhob, und darunter die heiligen Herzen Jesu und Mariä. Nachdem sie Alles genau betrachtet hatte, sagte ihr eine Stimme: „Nach diesem Muster muß eine Medaille geprägt werden, und die Personen, welche dieselbe tragen, nachdem sie kirchlich gesegnet ist, und mit Andacht jenes kurze Gebet sprechen, werden sich eines besonder» Schutzes der Mutter Gottes zu erfreuen haben." — Diese Erscheinung ist ein lautes Zeugniß für die unendlich vielen Gnaden, die uns durch Maria zufließen. Aber es ist dich nicht bloß eine Erscheinung, ein Bild geblieben, es ist auch zur Wirklichkeit geworden. Tausende, die diese wunderbare Medaille mit kindlichem Vertrauen und mit heiliger Verehrung gegen die unbefleckte Empfänglich Mariä getragen haben, ärnteten bereits beseligende Früchte ihres kindlich frommen Sinnes; sie haben es erfahren, daß aus den Händen Mariä Allen, die ihr mit Zuversicht nahen, überreiche Gnaden zuströmen. Fr. Da Maria uns so gerne Gnaden mittheilt, was folgt daraus für uns? Antw. Es folgt hieraus für uns, daß wir Maria recht oft und andächtig um die Gnaden bitten sollen, die uns zu unserm Heile nothwendig sind; der Gerechte soll bitten um Vermehrung der heiligmachenden Gnade, und der Sünder um Wiedererlangung der verlornen Gnade. Belehrung. Auch hiezu fordert uns wiederum der heilige Thomas von Aquin auf, indem er schreibt: „Nimm deine Zuflucht zur Gnadenmutter Maria! Durch sie kannst du, o Christ! in allen Gefahren von allen Nebeln befreit werden, und durch die Fürbitte dieser glorreichen Jungfrau das Heil erlangen; denn sie ist jener ge- heimnißvolle Thurm David's (sich das nebenstehende Bild!) wovon tausend Schilde herabhangen, das ist, sichere Heilsmittel in allen Gefahren. Du kannst auch bei allen guten Handlungen Beistand und Hilfe von ihr erhalten; denn sie sagt: „In mir ist die Hoffnung des Lebens und der Tugend." — Besonders aber soll der Sünder zur Gnaden mutt er Maria seine Zuflucht nehmen, damit er durch sie die verlorne Gnade wieder erlangen möge. Beispiel und Anwendung. Ein großer Sünder kam einst zum heiligen Bernhard und klagte ihm mit Weh- muth die Größe und die furchtbare Unzahl seiner Sünden. „Es ist unmöglich," rief der reuige Sünder unter bitten: Thränen aus, „daß ich je mehr Verzeihung, je mehr Gnade bei Gott finden kann!" —- Voll heiligen Mitleids entgegnete ihm der heilige Lehrer: „Nicht doch, mein Sohn! zu verzweifeln hast du keine Ursache; denn siehe! wenn du auch fürchtest, bei Gott keine Gnade mehr zu finden, so hoffe doch, daß du sie bei Maria finden werdest! Sie heißt ja nicht umsonst die „Gnadenvolle"; Gottes Engel selbst hat sie so getauft." Nach diesen Worten nahm er die heilige Schrift und schlug die Stelle bei Lukas auf, wo der Engel Gabriel zu Maria spricht: „Fürchte dich nicht; denn du hast Gnade gefunden." — „Verstehst du wohl diese Worte, mein Sohn!" fuhr alsdann der heilige Vater weiter fort, „Maria hat Gnade gefunden?" Wie so? Hat sic denn je einmal die Gnade verloren, daß sie dieselbe wieder finden mußte? Gott bewahre! Man kann aber auch finden, was Andere verloren haben. Siehe nun, mein sündiges Herz! du bist es, der durch die Sünde die Gnade Gottes verloren hat; Maria hat deine verlorene Gnade gefunden. Wohlan denn! zaudere nicht, verzage nicht! Mach' dich auf und eile hin zur Gottesmutter; falle ihr zu Füßen und sprich zu ihr: „Mutter der göttlichen Gnaden! ach, sieh' an wich Armen! Ich habe die göttliche Gnade verloren, und du hast sie gefunden. Mutter! Mutter! gib mir die verlorene Gnade wieder; erwirke mir die Aussöhnung mit deinem göttlichen Sohne und sei fernerhin mein Schutz und meine Stütze, daß ich nicht abermals so leichtsinnig sündige und falle und nicht 283 Am Feierabende des 1. Mai. so boshaft mit den Gnaden des himmlischen Vaters scherze!" — So sprach der gottbegeisterte Lehrer, und der tiefgerührte Sünder athmete freier; er eilte hin zu Maria und betete und flehte, wie ihm der heil. Bernhard gerathen hatte; er weinte über seine Sünden, that ernstliche und strenge Buße und starb selig, noch im Tode bekennend, daß Maria voll der Gnaden sei und eine Mutter der Barmherzigkeit für jeglichen Sünder.— Mein sündiges Herz! verzage also nicht, wenn deine Sünden groß und zahlreich sind! Eile zu Maria, der Gnadenmutter, und rufe sie an; sie wird dir die verlorne Gnade wieder verschaffen; denn sie ist eine Spenderin der Gnaden. r/MKA Legende: Die heiligen Apostel Philippus (f 80) und Jakobns (st 62). Heute begeht die Kirche das Fest der beiden Apostel Philippus und Jakobus des Jüngern. Philippus, ein Fischer aus Bethsaida, wurde wegen seines edlen Herzens vom göttlichen Heiland znm Jünger erwählt. Das einzige Wort: „Folge mir nach!" und der liebenswürdige Blick des göttlichen Heilandes war schon genug, den Philippus unzertrennlich an ihn zu fesseln. Er erklärte sich auf der Stelle znm Nachfolger und Jünger Jesu. Sein Herz war durch das eifrige Forschen in dem Gesetze und den Propheten, und durch die reine Gottesfurcht zur gläubigen Aufnahme des Messias schon vorbereitet. Philippus hatte kaum den Messias erkannt, als er schon eifrig bemüht war, das Glück, welches ihm zu Theil geworden, auch Andern mitzutheilen. Er hatte einen -Freund, der Nathanael hieß. Auch dieser war voll Gottesfurcht und Rechtschaffenheit. Gewiß hatten sich beide schon öfters über den zu erwartenden Messias unterredet, und Philippus wußte, wie sehr eine Nachricht von demselben ihn erfreuen würde. Daher eilte er jetzt zu ihm und rief ihm mit der größten Freude entgegen: „Wir haben ihn gefunden, von dem Moses und die Propheten geschrieben haben. Es ist JesuS, der Sohn Josephs von Nazareth." Als Jesus die zwölf Apostel aus seinen Jüngern auswählte, wurde auch Philippus in die Zahl derselben gesetzt. Was wir von ihm in dem Evangelium lesen, zeigt uns, daß er dieser ehrenvollen Auswahl werth war; denn er offenbarte nebst vieler Wissbegierde und Freimüthigkeit eine große Anhänglichkeit an seinen Herrn und Meister und einen warmen Eifer für das Amt, zu dem er berufen war. In Phrhgien, wo er das Evangelium des Gekreuzigten verkündete, fand erden Martertod, durch den seinen Arbeiten und Leiden die Krone aufgesetzt wurde. In Hieropolis wurde er an ein Kreuz geheftet und mit Steinen an demselben todt geworfen. Dieß geschah im Jahre 80. Jakobns der Jüngere war ein Sohn des Al- phäus und ein Bruder des Judas Thaddäus und des Simon, der ihm in dem bischöflichen Amte zu Jer-usa» lem uachfolgte. Er ward nach der Himmelfahrt des Herrn bestimmt, die Kirche in Jerusalem zu regiren. Jakobus betrug sich in seinem bischöflichen Amte so weise und gerecht, daß er von allen Aposteln geehrt, von allen Gläubigen geliebt und selbst von dem bessern Theile der Juden hochgeschätzt wurde. Wie aber durch seinen Eifer die Zahl der Bekehrten sich vergrößerte, so vermehrte sich auch der Haß, den die Hohenpriester und Schriftgelehrten auf ihn warfen; allein kein Haß und keine Verfolgung war im Stande, den mnthigen Apostel in seinem Eifer aufznhalten. Jeder Widerstand, den er erfahren mußte, vermehrte seinen Eifer, jedes Leiden, das er um Christi willen duldete, erhöhte seine unerschütterliche Geduld. Er verbarg sich nicht vor der Wuth seiner Feinde, sondern zeichnete sich durch ein goldenes Blech, das er au der Stirne trug, öffentlich als Diener des Gekreuzigten aus. Der hohe Rath forderte von ihm, daß er auf die Zinne des Tempels steigen und vordem Volke öffentlich bezeugen solle, Jesus der Gekreuzigte sei nicht der Messias. Der treue Jünger des Herrn stieg zwar auf die Zinnen des Tempels, bezeugte aber vor allem Volke mit freudiger Unerschrockenheit, daß Jesus der Gekreuzigte, der wahre Messias und Sohn Gottes, von den Todten auferstanden sei. Hierüber wurden die neben ihm stehenden Priester in solche Wuth versetzt, daß sie ihn von der Zinne hinnnterstiirzten. Der Heilige, der auf seinen Knieen noch für seine Mör- 284 Zweites Hauptstück. Von der innigen Vereinigung Gottes mit Maria und Mariens mit dem Herrn. der betete, wurde mit einer Walkerkeule so heftig geschlagen, daß er todt zur Erde siel. Dieß geschah im Jahre 62, im 96sten Jahre seines Alters. Gebet. Maria, du Spenderin der Gnaden! zu dir nehmen wir unsere Zuflucht und bitten dich, du wollest den Gerechten die Vermehrung der heiligmachenden Gnade, uns armen Sündern aber die Wiedererlangung der verlornen Gnade erbitten bei Jesus Christus, deinem Sohne, der mit Gott dem Vater und dem heiligen Geiste lebt und regirt in alle Ewigkeit. Amen. Hund ertzw einndzwanzigstes Lesestück. Am Feierabende des 2. Mai. „Der Herr ist mit Dir!" Bon der innigen Vereinigung Gottes mit Maria nnd Mariens mit dem Herrn. Fr. Was sagen die Worte: „Der Herr ist mit Dir"? Antw. Diese Worte sagen, daß Gott auf eine ganz ausgezeichnete Weise mit der seligsten Jungfrau ist, weil sie die geliebteste Tochter des himmlischen Vaters, die wahrhafte Mutter des göttlichen Sohnes und die allerreinste Braut des heiligen Geistes ist. (Sieh das obige Bild!) Belehrung. Die Vereinigung Gottes mit Maria ist eine dreifache: 1) durch die Fülle der Gnaden, 2) durch die Menschwerdung des Sohnes Gottes, und 3) durch die himmlische Herrlichkeit, wodurch sie jetzt mit Gott auf die vollkommenste Weise vereinigt ist. Mit Recht konnte darum der Erzengel Gabriel zu Maria sagen: „Der Herr ist mit Dir!" — Ja, der Herr, d. i. Gott, der Dreieinige, ist mit Maria; denn sie ist die geliebteste Tochter des himmlischen Vaters, die wahrhafte Mutter des göttlichen Sohnes und die allerreinste Braut des heiligen Geistes. Johannes Car- thagena spricht sich hierüber also aus: „Der Herr ist mit Dir,Maria; denn mit Dir ist die Allmacht desVaters, der Dich fruchtbar gemacht hat. Mit Dir ist die Weisheit des Sohnes, der Dich bereitet hat, seine würdige Mutter zu werden. Mit Dir ist die Rciuigkeit des heiligen Geistes, der Dich bei der Empfängniß und Geburt als die reinste und unbefleckte Jungfrau erhalten hat. Mit Dir ist der Vater, der Dich von Ewigkeit her zur Mutter des Lebens erwählet hat. Mit Dir ist der Sohn, der neun Monate lang in Deinem jungfräulichen Leibe wohnen wollte. Mit Dir ist der heilige Geist, der Dich mit allen himmlischen Gnaden erfüllen und solche durch Dich der ganzen Welt mittheilen wollte." Beispiele und Anwendung. Durch die ganze Lebensgeschichte der seligsten Jungfrau finden wir es bestätigt, daß der Herr mit ihr war; sie trug ihn ja in ihrem Leibe und in ihrem Geiste; bei allen wichtigen Geheimnissen der Erlösung finden wir Jesum bei Maria. „Der Herr ist mit dir, o Jungfrau!" ruft ein frommer Lehrer der Kirche aus, „da ihn die Hirten aufsuchen, und die Magier anbeten; denn sie fanden das Kind mit Maria, seiner Mutter. Der Herr ist mit dir, da du nach Aegypten entfliehest, und dort verweilest. Der Herr ist mit dir, da du ihn im Tempel aufopferst, und Simon und Anna ihn anbetcn. Der Herr ist mit dir, da du ihn als zwölfjährigen Knaben in den Tempel hinaufführst, und, obschon du ihn verloren hattest, ihn doch selbst hier in deinem Herzen trugst. Der Herr ist mit dir, da er das erste Wunder wirkt, und das Wasser in Wein verwandelt, da er die Ehe heiliget zum Zeichen, daß alle Eheleute Jesum und Mariam zur Hochzeit laden und sich ihren Segen erbitten sollen. Der Herr ist endlich mit dir, da er gekreuzigt wird, da er stirbt und wieder aufersteht, wobei er dir sagen konnte: „Ich bin auferstanden und bin nun bei dir und will nun bei dir bleiben, auf ewig vereint durch die Glorie des Himmels!" — So war also der Herr stets mit Maria; wer konnte da wider sie sein? Nichts vermochten gegen sie die Angriffe der Welt, des Fleisches und des bösen Feindes. Fr. Wodurch hat denn die seligste Jungfrau Maria diese so große Gnade verdient, daß der Herr stets mit ihr war? Am Feierabende des 2. Mai. 285 Antw. Dadurch, daß auch sie stets mit dem Herrn war, d. h. in Tugend und Heiligkeit vor Gott dem Herrn wandelte. Belehrung. Maria hat sich nie durch die Sünde von Gott getrennt; vielmehr hat sich Niemand tiefer in Gott versenkt, Niemand enger an ihn angeschlossen, als Maria. Der Herr war mit Maria und Maria mit dem Herrn, und in dieser seligen Vereinigung nur war es möglich, daß sie zu einem so hohen Grade von Heiligkeit und Vollkommenheit und dadurch zur höchsten Würde einer Gottesmutter und Himmelskönigin gelangen konnte. Siehe! soviel^ vermag die Vereinigung einer Seele mit Gott, soviel die vollkommene Hingabe an den Ewigen und Unwandelbaren! Maria hat es gefühlt und mit ihr alle Heiligen, wie süß es sei, mit Gott vereint zu sein. Beispiele und Anwendung. Wenn wir die Lebensgeschichte frommer und gottesfürchtiger Seelen durchlesen, so zeigt sich uns, welche namenlose Seligkeit dieselben in der innigsten Vereinigung mit Gott gefunden haben. Gott besitzen war ihnen ein weit größerer Schatz, als alle Güter und Reichthümer der Erde. — Wenn sich der heil. Franziskus von Assisi so ganz mit seinem Gott und Herrn vereiniget hatte, so fand er vor lauter himmlischer Wonne keinen Ausdruck für jene Seligkeit, die er in seinem Herzen suhlte. Alles, was er Hervorbringen konnte, bestand in dem einzigen Ausrufe: „Mein Gott und mein Alles!" Hundertmal wohl wiederholte er diese Worte mit einer Glut heiliger Liebe und mit einem Ausdruck' von Freude, die ihn mehr als einen Engel, denn als einen Menschen erscheinen ließ. — Der heilige Ordensstifter Ignatius konnte in Wahrheit von sich sagen: „Ich bin mit Gott, und Gott ist mit mir;" denn er lebte und schwebte nur in Gott. Er hätte aber auch diese selige Verbindung um keinen Preis der Welt aufgegeben; er empfand es nur zu gut, was es heiße, Gott besitzen und mit Gott sein. Darum rief er oft sich selbst und seinen Ordensgeistlichen zu: „Wenn ich Gold und Silber habe, was habe ich? und wie lange werde ich's besitzen? Wenn ich aber Gott besitze, wenn Gott mit mir ist, und ich mit ihm, was habe ich da?" Und er antwortete sich selbst: „Rosen ohne Dornen — Feuer ohne Rauch — einen Besitz ohne Ende!" -— In gleichem Sinne spricht sich auch der geistreiche Verfasser der Nachfolge Christi aus. „Ohne Jesus sein," schreibt er, „ist qualvolle Hölle; bei Jesus sein, ist ein süßes Paradies. Ist Jesus bei dir, dann kann dir kein Feind schaden. Wer Jesum gefunden hat, der hat einen großen Schatz gefunden, ja! ein Gut, höher als alle Güter. Wer Jesum verliert, der verliert zuviel und mehr als die ganze Welt. Wer ohne Jesus lebt, der ist der Aermste bei allem Reichthume; wer aber mit ihm vereiniget ist, der ist der Reichste bei aller Armuth." (2. Buch. 8. Cap.) — So überglücklich fühlten sich die Heiligen Gottes im Besitze des Herrn! Um wieviel seliger mußte nun nicht Maria sein, da im vollkommensten Sinne des Wortes der Herr mit ihr, und sie mit dem Herrn war! — Ach, und wir streben so wenig nach dieser seligen Vereinigung mit Gott!! Zwar gibt es Viele, die es gerne mit Gott halten möchten; allein auf der andern Seite möchten sie es auch mit der Welt nicht verderben. Das ist ein Zwitlerding; und wehe Jenen, die ihr Herz so schonungslos theilen zwischen Gott und der Welt! Gott dem Herrn allein soll unser Herz angehören, und wir dürfen alsdann sicher hoffen, daß der Herr auch stets mit uns sei, wie mit Maria. Legende: Der heilige Athanasius, Bischof, (i 373.) Vom heiligen Athanasius, dessen Fest heute in der Kirche gefeiert wird, kann man gleichfalls mit Recht sagen, daß der Herr stets mit ihm war, weil er selbst stets mit dem Herrn war, d. h. in Tugend und Heiligkeit vor Gott wandelte. Athanasius war zu Alexandrien in Aegypten geboren, und im Christeuthume sehr sorgfältig erzogen. Er widmete sich frühe schon der Erforschung der heiligen Schriften und der vollkommenen Erkenntniß der Lehre des Heiles. Der Bischof Alexander schätzte ihn sehr hoch, und bat auf seinem Sterbebette seine Geistlichkeit und die Gemeinde, ihm keinen andern, als seinen geliebten Athanasius zum Nachfolger zu wählen. Groß war der Segen, den Athanasius überall, wo er hinkam, als Lehrer, als Tröster, als Friedensstifter und als vollkommenes Muster der Gottseligkeit verbreitete; und nicht weniger groß die Hochschätzung, das Vertrauen und die Liebe, die er sich dadurch bei allen Rechtgläubigen erwarb. Dabei hatte er aber Vieles zu leiden von den damaligen Feinden der Kirche, von den Arianern, die es bei dem Kaiser Konstantin dahin brachten, daß dieser ihn im Jahre 336 nach Trier ver- 286 Zweites Hauptstück. Maria — die Gesegnete und die Segenspenderin. bannte. Im nächsten Jahre wieder znrückberufen, wurde Athanasius von der Obrigkeit und dem Volke, von den Bürgern und den Laudleuten mit Jubel und Freude empfangen. Und diese Freude war keine eitle Freude, sie zeigte sich fruchtbar in Thaten. Reichliche Almosen wurden gegeben, erquickt wurden die Wittwen und Waisen. In nicht geringer Zahl widmeten sich Jünglinge und Jungfrauen zu desto vollkommnerem Dienste Gottes dem ehelosen Leben. Ein Geist der Gottseligkeit und der Liebe athmete ans den von der Gnade Gottes heimgesuchten Gemeinden. Allein im Jahre 355 wurde er, der stets der Gegenstand des kaiserlichen Zornes und des Grolles der Arianer war, von den bewaffneten Soldaten gezwungen, Alexandrien zu verlassen. Während seines Aufenthaltes in der Wüste verfaßte er viele Schriften, welche alle voll des Geistes, der Kraft und des Lichtes sind. Im Jahre 362 kehrte er abermals zu seiner Kirche zurück, und starb am 2. Mai 373, nachdem er länger als ein halbes Jahrhundert die stärkste Säule im Tempel Gottes gewesen. Gebet. O Gott, verleihe uns Kraft und Stärke, auf daß wir schon hienieden in steter Vereinigung mit dir leben, wie Maria, die seligste Jungfrau, und wie der heilige Bischof Athanasius, damit wir dereinst ans ewig mit dir vereinigt werden im Himmel. Amen. HmldertdreiundMnzigstes Lesestiick. Am Feierabende des 3. Mai. „Du List gebenedeit unter den Weibern." Maria — die Gesegnete und die Segeuspenderiu. Fr. Warum grüßen wir Maria mit den Worten: „Du bist gebenedeit unter den Weibern"? Alltw. Weil sie 1) die Gesegnetste ans ihrem Ge- schlechte ist, und 2) weil sie uns überschwenglichen Segen gebracht hat. Fr. Inwiefern ist Maria die Gesegnetste aus ihrem Geschlechte? Antw. Maria ist die Gesegnetste aus ihrem Geschlechts, weil sie aus allen Weibern zur Gottesmutter auserkoren wurde, und weil sie allein Mutter und Jungfrau zugleich ist. (Sieh daö obige Bild!) Belehrung. Das Wort „gebenedeit" heißt soviel als „gesegnet." Mit Recht können und müssen wir Marian: die „Gesegnete," ja die „Glückseligste" aus dem weiblichen Geschlechts nennen: 1) weil sie aus allen Weibern zur Gottesmutter auserkoren wurde, und 2) weil sie allein Mutter und Jungfrau zugleich ist. Daher ruft der heil. Petrus Chrysologus aus! „Die heilige Jungfrau ist in Wahrheit gebenedeit; denn sie verdiente durch die Wirkung des heiligen Geistes zu empfangen und die Krone der Neinig- keit immer zu erhalten. Sie ist gebenedeit, weil sie die Ehre hatte, ein Kind, das Gott war, zu empfangen und die Königin der Jungfrauen zu bleiben. Sie ist gebenedeit; denn sie ist größer, als der Himmel, starker als die Erde, fähiger, als alles Erschaffene, weil sie Jenen empfing, der das Weltgebäude erhält und ihr Schöpfer ist, und weil sie Jenen ernährte, von dem alle lebenden Geschöpfe ernährt werden." Beispiel und Anwendung. Der ehrwürdige Prediger Augustin von Leonissa war ein begeisterter Lobredner Mariens; zu ihrem Lob und Preis hielt er viele Predigten, und als er einst die Worte des englischen Grußes: „Du bist gebenedeit unter den Weibern!" erklärte, sing er an, voll heiliger Begeisterung also zu reden: „Maria ist in Wahrheit gebenedeit und gesegnet vor allen Weibern; denn sie ist frei geblieben vom Fluche, der alle übrigen aus dem weiblichen Geschlechts getroffen hat, und hat dafür Gnaden empfangen, wie keine andere ihres Geschlechtes. Maria blieb Jungfrau, und war doch fruchtbar dabei, da sie Mutter Gottes geworden ist; sie hat ohne irgend eine Makel der Sünde empfangen, ohne Mühe und irgend eine Beschwerde ihr göttliches Kind im Mutterleibe getragen und ohne Schmerzen geboren." Hierauf ruft er mit dem heiligen Bernhard aus: „Du bist gebenedeit, o Jungfrau! unter allen Weibern, die du dem allgemeinen Fluche des weiblichen Geschlechtes entgangen bist! Du bist gesegnet unter den Weibern; denn du wirst nicht unfruchtbar bleiben; du wirst empfangen, aber ohne Sünde; du wirst in deinem Leibe eine Frucht tragen, aber ohne Beschwerden; du wirst gebären, aber ohne Traurigkeit." O Sprache der Begeisterung! Müssen nicht auch wir einstimmen und mit heiliger Freude die seligste Jungfrau Maria begrüßen als „die Gebene- deite unter den Weibern"? Fr. Warum ist Maria noch ferner „die Gesegnetste ihres Geschlechtes"? Am Feierabende des 4. Mai. 287 Antw. Weil sie uns überschwenglichen Segen gebracht hat, indem sie uns den Erlöser der Welt gebar und so den Fluch von der Erde nahm, den Eva über dieselbe gebracht hatte. Belehrung. Maria hat den Heiland der Welt geboren; dadurch wurde die ganze Welt vom ewigen Verderben gerettet, und so hat Maria uns Allen in Christus einen überschwenglichen Segen gebracht; sie war also nicht nur selbst gesegnet, sondern hat auch uns von diesem ihren Segen mitgetheilt. Gar schön schreibt hierüber der heilige Augustin: „Maria ist in Wahrheit die Gesegnete unter den Weibern; denn sie hat uns Segen gebracht. Eva war die Urheberin der Sünde, Maria die Urheberin der Gnaden; Eva hat uns geschadet dadurch, daß sie uns den Tod gebracht hat; Maria hat uns genützt dadurch, daß sie uns wieder das Leben verschafft hat; jene hat uns verwundet, diese hat uns geheilt." Beispiele und Anwendung. Als Jahel den feindlichen Heerführer Sisara getvdtet hatte, sangen Debora, die Richterin, und Barack, der Anführer der Israeliten: „Gesegnet unter den Weibern sei Jahel, das Weib Habers; sei gesegnet in ihrem Zelte!" (Nicht. 5, 24.) -— Nachdem ferner Judith Israel aus der Hand des grausamen Holofernes errettet hatte, sprach Ozias, der Fürst des Volkes zu ihr: „Gesegnet bist du vor dem Herrn, dem höchsten Gott, vor allen Weibern auf Erden! Heute hat er deinen Namen also erhöht, daß dein Lob nimmer weichet aus dem Munde des Menschen," und es jauchzte ihr das Volk entgegen: „Du bist der Ruhm Jerusalems, und die Freude Israels, du die Ehre unsers Volkes! Denn du bist starkmüthig gewesen, weil du die Keuschheit geliebt. Darum hat auch die Hand des Herrn dich gestärkt, und darum wirst du gesegnet sein in Ewigkeit." Mit unvergleichlich größerem Rechte widmen aber wir nach dem Vorgänge des Engels Maria den Lobspruch: „Du bist gebenedeit unter den Weibern!" Denn sie hat nicht nur dem Feinde des jüdischen Reiches, sondern dem Erzfeinde des gesammten Menschengeschlechtes, dem Satan, der Schlange im Paradies, den Kopf zertreten und uns dadurch Alle vom ewigen Verderben errettet. — Freudig wollen also auch wir mit allen Lehrern und Vätern der Kirche Mariam preisen als die Gebenedeite und Gesegnete aus dem ganzen weiblichen Geschlechte. Legende: Kreuzerfindung (i. I. 327). Die heilige Helena, Mutter des Kaisers Constan- tin des Großen, eine fromme Verehrerin und Nachfolgerin der gebenedeitenIungfrau Maria, entdeckte in Jerusalem das heilige Kreuz, an welchem Christus das große Werk der Erlösung vollbracht hat, und ließ eine Kirche an dem Orte bauen, wo dieser kostbare Schatz gefunden worden war, im Jahre 327. Das Andenken an dieses wichtige und erfreuliche Ereigniß wird nun am heutigen Tage festlich in der Kirche begangen. Gebet. O Gott! der du in der herrlichen Auffindung des heilbringenden Kreuzes, deines Leidens Wunder erneuet hast, gib uns, daß wir durch den Preis des Lebensbaumes das Unterpfand des ewigen Lebens erlangen, der du lebst und regirest in Ewigkeit. Amen. Hundertvierundzwanzigstes Lesestück. Am Feierabende des 4. Mai. „Und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus." Jesus, der Hochgebenedeite im Himmel und auf Erden, die Frucht Mariens. Fr. Warum steht im englischen Gruße der Zusatz: „Und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus"? Antw. Um anzudeuten, daß die Verehrung Mariens von der Verehrung Christi unzertrennlich ist, und daß wir den Baum um der Frucht willen, d. h. die Mutter um des Sohnes willen lobpreisen. Belehrung. Der Ausdruck „die Frucht deines Leibes" ist außerordentlich bezeichnend und reich an Geheimnissen. Die Frucht erst gibt dem Baume seinen Werth. „Das ist ein guter Baum," pflegt man zu sagen; „denn er bringt delikate Früchte." So verhält es sich auch mit Jesus und Maria. Maria wäre nie die Gebenedeite gewor« 288 Zweites Hanptstück. Jesus, der Hochgebenedeite im Himmel und auf Erden, die Frucht Mariens. den, wenn sie nicht eine so gesegnete Frucht hervorgebracht hätte, die da ist Jesus Christus, Gott vom wahren Gott, hochgepriesen in Ewigkeit! — Eva nahm die Frucht und brachte uns den Tod— Maria gab die Frucht und brachte uns das Leben. Sollen wir da nicht freudetrunken mit Elisabeth ausrufen: „Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes?!" -Noch einen andern Umstand müssen wir hier betrachten. Christus wird nicht der Ge- benedeite unter den Männern, wie Maria die Gebenedeite unter den Weibern genannt; er heißt allgemeinhin und ohne alle Beschränkung „der Gebenedeite," um dadurch anzudeuten, daß er in jeder Hinsicht hochgelobt und gepriesen sei im Himmel und auf Erden, und daß keine Vergleichung Statt finde — vom Schöpfer zum Geschöpfe. Mit Recht rief daher alles Volk, als der göttliche Heiland seinen Einzug in Jerusalem hielt, an welche Begebenheit uns die Kirche am Palmsonntag erinnert: „Gebenedeit sei, der da kommt im Namen des Herrn!" (Sieh das obige Bild!) Beispiele und Anwendung. Der heilige Bernhard machte gar häufig die Worte der heiligen Eli sab eth: „Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes!" zum Gegenstände seiner frommen Betrachtungen. In heilige Andacht vertieft — rief er dann aus: „O Maria, du gnadenreicher Baum im neuen Paradiese! O Jesu, du kostbare Frucht an diesem Baume des Lebens! Wie mächtig, wie stärkend, wie heilsam ist die Kraft dieser himmlischen Frucht! Dem Gerechten bringt sie Gnade, dem Sünder Verzeihung. Ihr Gerechten der Erde! könnet ihr noch länger zögern, zu Maria hinzueilen, um von der Frucht ihres Leibes zu genießen? Ihr Sünder in diesem Thränenthale! könnet ihr noch länger die Frucht verschmähen, die eure wunden Seelen heilt, eure Schmerzen hebt, eure Gewissensbisse stillt, eure Seelenruhe wieder gibt, eure Genesung befördert, und euch Stärkung gewährt zur Rückkehr in's Vaterhaus?!" — O wer sollte diesen tröstlichen Zuruf des heiligen Bernhard nicht mit Freuden vernehmen! Fr. Wozu soll uns dieses ermuntern? Antw. Dazu, daß wir Alle, wir mögen Gerechte oder Sünder sein, uns in der Stunde der Gefahr und der Versuchung zu Maria flüchten, unter ihrem mütterlichen Schutzmantel, wie unter einem schattigen Baume, Schirm und Hilfe suchen und uns sättigen an der gebenedeiten Frucht ihres Leibes. Belehrung. Maria selbst ladet uns Alle ein, daß wir zu ihr unsere Zuflucht nehmen und uns an ihrer Frucht erquicken sollen, indem sie uns mit dem weisen Sir ach (24, 26.) zuruft: „Kommet Alle zu mir, die ihr mein begehret, und sättigt euch an der gebenedeiten Frucht meines gesegneten Leibes!" Wer sollte dieser liebevollen Einladung nicht folgen? Fliehe zu Maria, meine Seele! in der Stunde der Gefahr und der Versuchung; Maria ist ja ein mächtiger Baum, der seine Neste, wie St. Bona- Ventura sagt, weit und hoch ausbreitet, weit zu den Menschen, weit zu den Engeln, ja sogar weit und hoch empor zu Gott, dem Allerhöchsten. Unter diesem Baume wirst du Schutz und Hilfe finden. Und Jesus ist die Frucht dieses Baumes; durch sie wirst du erquickt und gestärkt in der Hitze des Kampfes, auf daß du den Sieg erringest und die Krone des Lebens^ Gar viele Heilige haben es schon erfahren, wie vortheilhaft es sei, Jesum und Maria voll kindlichen Vertrauens mit den Worten der heiligen Elisabeth zu preisen und zu ehren: „Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus." Zur Ermunterung und Erbauung will ich dir, mein christlicher Leser! nur ein Beispiel erzählen. Beispiel und Anwendung. Der heilige Thomas von Kempen erzählt von sich selbst, daß er einmal, nachdem er sowohl seine geistlichen als leiblichen Hebungen vollendet hatte, sich zur Ruhe begab. Kaum hatte er aber eingeschlafen , so bemächtigten sich seiner die furchtbarsten und abscheulichsten Bilder, die ihm endlich so zusetzten, daß er darüber erwachte. Allein auch im wachenden Zustande verlor sich die gewaltige Versuchung nicht; der böse Feind vielmehr suchte alle Kräfte aufzubieten, um den treuen Diener Gottes in die Falle zu bringen. Da konnte sich Thomas nicht mehr anders helfen; er nahm, wie sonst gewöhnlich bei allen Versuchungen, seine Zuflucht zur seligsten Jungfrau, und hob an, sie mit dem englischen Gruße zu verehren. Er betete voll Sammlung des Geistes: „Gegrüßt feist du, Maria!" — Allein die Versuchung verlor sich nicht; sie schien vielmehr zuzunehmen, sobald er den Mund zum Gebete geöffnet hatte. Thomas läßt sich indessen nicht irre machen; 289 Am Feierabende des 5. Mai. er fahrt fort: „Du bist voll der Gnaden!" Die Zudringlichkeit des bösen Feindes wird noch heftiger. Er betete weiter: „Der Herr ist mit dir!" Die Gefahr weicht nickt. „Du bist gebenedeit unter den Weibern!" Die Versuchung bleibt dieselbe. Als er aber endlich zu den Worten kommt: „Und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus Christus," und wie er die beiden hochheiligen Namen Jesus Christus ausspricht, da legt sich auf einmal der furchtbare Sturm in seiner Seele, es verschwinden alle unlauteren Bilder, und Thomas fühlt einen heiligen Frieden und eine namenlose Ruhe in seinem Herzen. Als Sieger geht er aus der Schlacht und feiert einen Triumph in seiner Seele. — Könntest du, mein Christ! nicht auch gar häufig durch dasselbe Mittel und auf dieselbe Weise siegen, wie Thomas von Kempen? Gehe darum hin und thue desgleichen! Legende: Die heilige Monika, Wittwe. (t 387.) MW MM Zu Jesus, der gebenedeiten Frucht Mariens, nahm auch gar oft ihre Zuflucht die heilige Monika, deren Fest heute in der Kirche gefeiert wird. Sie war die Mutter des heiligen Augustin und wurde im Jahre 332 von christlichen Eltern in Afrika geboren. Schon frühzeitig wurde sie an Ordnung und an Beherrschung der Leidenschaften gewöhnt. Wie sie ein Muster für die Jungfrauen gewesen war, so wurde sie ein solches auch für die Frauen in ihrer Ehe. Ihren Mann, der noch Heide und von zorniger, wilder Gemüthsart war, wußte sie mit solcher Sanftmnth, Geduld und Verständigkeit zu ertragen, daß nie ein Streit zwischen diesen Eheleuten entstand. Sie hatte auch das Glück und den Trost, durch ihren reinen Wandel, ihre seltene Sanftmnth und ihr inniges Gebet ihren ungläubigen Mann gegen das Ende seines Lebens für Jesnm Chri- Mehler, Hausbuch. stum zu gewinnen. Ihr älterer Sohn, Augustinus, verursachte ihr Sorgen und Kummer, weil er nämlich einen leichtfertigen Wandel führte, und sich sogar schamlosen Ketzern anschloß. Sie flehte bei Tag und bei Nacht für ihn zum Vater des Lichtes und der Gnade, und ermahnte ihn unter vielen heißen Thränen. Als sie eines Tages tief bekümmert für den Verirrten betete, sagte ein heiliger Bischof zu ihr: „So wahr du lebst, unmöglich kann ein Sohn solcher Thränen zu Grunde gehen!" Und er ging auch nicht zu Grunde. Augustinus bekehrte sich zu Mailand, wohin ihm seine Mutter nachgereist war, und trat mit ihr die Rückreise in das Vaterland an. In einem gottseligen Gespräche sagte sie zu ihrem Sohne: „Was mich betrifft, so hat Nichts mehr Reiz für mich in diesem Leben. Nur Eines war es,weßhalb ich noch einige Zeit in diesem Leben zu weilen verlangte, daß ich dich als einen katholischen Christen sähe, ehedenn ich sterben würde." Sie starb in ihrem 66sten Lebensjahre, nachdem sie die Ihrigen noch anfgefordert hatte, ihrer am Altäre des Herrn zu gedenken. Gebet. Heilige Mutter Monika, die du durch deine mütterliche Fürbitte die Bekehrung deines Sohnes erwirket hast, bitte auch für uns, damit wir uns wahrhaft zu Gott bekehren und einst ewig selig seien im Genüße der gebenedeiten Frucht Mariens, die da ist Jesus Christus, hochgelobt in Ewigkeit. Amen. Himdertsünfilndzwanzigstes Lesestiick. Am Feierabende des 5. Mai. „Heilige Maria, Mutter Gottes!" Maria ist Gottes Mutter. Fr. Warum hat die katholische Kirche dem englischen Gruße die Worte beigefügt: „Heilige Maria, Mutter Gottes! bitt für uns arme Sünder jetzt und in der Stunde unsers Absterbens. Amen!"? Antw. Um uns dadurch zu lehren: 1) was wir von Maria glauben, 2) was wir vonMaria hoffen sollen. —> Wir sollen nämlich von Maria glauben, daß sie Mutter Gottes sei und deßhalb unsere besondere Verehrung verdiene; wir sollen von Maria hoffen Hilfe im Leben und im Sterben, jetzt und in der Stunde unsers Absterbens. Fr. Ist Maria in Wahrheit „Mutter G ottes"? Antw. Ja, Maria ist in Wahrheit „Mutter Gottes"; denn sie hat nicht einen bloßen Menschen geboren, sondern Jesnm Christum, der Gott und 290 Zweites Hanptstiick. Mensch zugleich ist, und Den alle Engel und Heiligen anbeten. (Sieh das obige Bild!) Belehrung. Maria ist im wahren und eigentlichen Sinne des Wortes „Mutter Gottes." Zwar gebar sie die Gottheit nicht, aber sie gebar cincnSohn, der Gott ist; sie gebar einen Leib, mit dessen Fleisch und Blut, so aus Maria genommen ward, ein Gott persönlich, unzertrennlich und geheimnißvoll vereiniget war. Darum sprach schon der Engel zu Maria: „Das Heilige, das aus dir wird geboren werden, wird Gottes Sohn genannt werden." Und der heilige Johannes Da- mascenus schreibt zu dieser Stelle: „Aus Maria also ist geboren der Sohn Gottes und der mcnschgewordene Gott, nicht ein Mensch, der Gott nur trug, sondern Gott im Fleische; nicht durch eine Veränderung der Natur, sondern durch die Einigung n'ach der Persönlichkeit. — Wie? soll also Die, welche aus sich den menschgcwordenen Gott geboren hat, nicht die Gottesgebärerin sein? Sie ist eigentlich und wahrhaft die Mutter Gottes." — Diese wichtige Lehre hat die Kirche Gottes stets unerschütterlich festgehalten und in mehreren Kircheuversammlungen gegen Jrrlehrer auf's Lebhafteste vcrthcidigt. So wurde die gottlose Irrlehre des Patriarchen Nestorins, welcher der göttlichen Gnadenmuttcr Maria den Titel: „Gottesgebärcrin" und „Gottes Maria ist Gottes Mutter. Mutter" rauben wollte, vom Concilium zu Ephesus verdammt, und als sich i. I. 451 die Väter auf dem Concilium zu Chalcedon in Bithymen versammelten, wurde aus's Neue über eben diese Irrlehre das Verdammungsurtheil ausgesprochen, und die versammelten Väter schrieen, wie mit Einer Stimme: „Man schreibe: Die heilige Jungfrau ist Mutter Gottes — die Jungfrau Maria ist Mutter Gottes! — Maria ist Mutter Gottes! Christus ist Gott! Maria ist seine Mutter!" — Wahrlich, nur Unglaube und Bosheit können der seligsten Jungfrau Maria die hohe Würde und den erhabenen Titel einer Mutter Gottes und Gottesgebärerin streitig machen. Beispiel und Anwendung. Unter jene ungläubigen und boshaften Thoren, die sich darin gefielen, der seligsten Jungfrau jede himmlische Würde, sowie den Titel einer Gottesmutter abzusprechen, gehörte ganz besonders der griechische Kaiser Constantinus Copronymus. Der lächerliche Beweis aber, den er dafür sich ausgedacht, bestand darin, daß er eine mit Gold gefüllte Börse emporhielt, und die Leute, die er belehren wollte, um den Werth derselben fragte. Hatten sie nach dem Augenmaß ihr Urtheil abgegeben, so schüttete er das Gold heraus und fragte neuerdings, was die Börse nunmehr für einen Werth habe? Die Anwendung, die er dann von diesem rohen Gleichnisse machte, war die, daß es mit der Gottesgebärerin, der Mutter Christi, ähnlich sich verhalte. Solange sie den Erlöser der Welt noch unter ihrem Herzen getragen, sei sie die Gesegnete unter den Weibern und zu jener Zeit der höchsten Verehrung würdig gewesen; nachdem sie ihn aber an's Licht dieser Welt geboren, habe dieser ihr Vorzug aufgehört. Wer erkennt an diesem geistlosen Ansspruche nicht sogleich die unsittliche Gemeinheit, welche die zarten und heiligen Vorrechte der Mutterwürde mit Füßen tritt? Könnte nicht einer so niedrigen Sinnesart gemäß, jeder Sohn zu seiner Mutter sagen: „Einst, als du noch mit deinem Herzblut mich ernährt, bist du meine Mutter gewesen; jetzt aber, seit ich zur Reife gediehen, hast du cs zu sein aufgehört, und bist mir fremd geworden?" — Wie tief und geistvoll war hingegegen die Erkenntniß jenes Weibes, das von Begeisterung hingerissen, mitten aus den gedrängten Schaaren des Volkes ihre Stimme erhob und ausrief: „Selig ist der Leib, der dich getragen hat!" Sie sagte keineswegs im Sinne des griechischen Kaisers: „Selig war.der Leib, der dich getragen, und so lange er dich getragen;" sondern ihr freudiger Zuruf war der Art, daß er eben sowohl auf die ganze endlose Zukunft, als auf das Vergangene sich bezog. Sie pries die Mutter selig, deren wunderbaren Sohn sie vor Augen sah, dessen Worte sie vernahm; und darum ist auch ihr Zuruf der Kirche Werth und theuer geblieben; darum läßt sie auch ihre Kinder fortan im Ave Maria beten: „Heilige Maria, Mutter Gottes!" Fr. Wozu sind wir also als treue Katholiken verpflichtet? 2!)1 Am Feierabende des 5. Mai. Anttv- Wir sind verpflichtet, den Glaubenssatz der Kirche, daß Maria Mntter Gottes sei, freudig zu bekennen und mit Math zu vertheidigen. Belehrung. Stets und überall sollen wir mit Freuden bekennen, daß Maria die Mntter des göttlichen Sohnes, also die Mutter Gottes, Gottesgebärerin sei. Mit dem heiligen Kirchcnrath von Ephesus sollen wir ausrnfen: „Wir bekennen, daß unser Herr Jesus Christus der eingeborne Sohn Gottes ist, vollkommener Gott und vollkommener Mensch, von Ewigkeit her erzeugt aus dem Vater — der Gottheit nach; in der Zeit aber geboren aus Maria der Jungfrau — der Menschheit nach. Es ist eine Einigung zweier Naturen geworden, weßwegen wir Einen Christus, Einen Sohn, Einen Herrn bekennen. Und nach diesem Verständnisse bekennen wir auch, daß die heilige Jungfrau Gottesgebärerin sei." Beispiel und Anwendung. Als ein treuer Bekenner und Vertheidiger der erhabenen Muttergottes-Würde Mariens begegnet uns in der Geschichte der heilige Maxi- minus. Dieser war einst Kanzler des Reiches unter Kaiser Constanz; da ihm aber die ketzerische Hofluft unerträglich wurde, so zog er sich in eine einsame Klosterzelle zurück. Der Kaiser wollte ihn für seine ketzerischen Ansichten und Lehren gewinnen; allein umsonst. Als nun alle Versuche, ihn zu gewinnen, gescheitert waren, warf man ihn in's Ge- sängniß und verbannte ihn nach Thrazien. Der Weg nach dem Orte seiner Verbannung führte durch die Gegend, wo gerade jetzt das Heer lagerte. Unter den Soldaten und dem ganzen Heere verbreitete man nun geflissentlich das Gerücht, der Abt Maximinus habe die Mutter des Herrn gelästert; man hoffte, er werde darauf hin von den wilden Kriegern in Stücke zerrissen werden. Aber die Soldaten, weit bessere Christen als der Kaiser und seine Hofbischöfe, begehrten seinen Segen, statt ihm irgend ein Leid anzuthun. Maximinus hatte eben im Kreise der aus dem Lager ihm ent- gcgenströmenden Menge auf seinen Knieen gebetet, als einer aus der Schaar das Wort nahm und zu ihm sagte: „Mein Vater! man will uns bereden, daß Ihr der jungfräulichen Mutter des Erlösers den Namen einer Mutter Gottes versaget; wir beschwören Euch, hebet dieses Aergerniß!" Als Maxi minus dieß hörte, warf er sich wiederum auf die Erde, hob die Hände empor und sprach mit lauter Stimme unter Thränen der tiefsten Empfindung: „Wer immer noch nicht bekennt, daß Maria, die heilige, Hochbegnadigte Jungfrau, die Mutter Gottes, desSchöpfersHimmels und der Erde ist, der sei verflucht vom Vater, vom Sohne und vom heiligen Geiste, von allen himmlischen Mächten und allen Heiligen nun und in alle Ewigkeit!" — Thränen füllten die Augen der Umstehenden, und von allen Seiten rief man ihm zu: „Ehrwürdiger Vater! welches große Unrecht thut man Euch an!" — Dieses Zeug- niß für den Glauben der Kirche hinsichtlich der heiligen Jungfrau fällt in das siebente Jahrhundert. O daß auch wir mit gleichem Muthe, mit gleicher Freudigkeit stets vor aller Welt bekennen möchten: „Maria ist Mutter Gottes; denn sie ist die Mutter unsers göttlichen Erlösers, der da ist Gott von Ewigkeit!" Legende: Der heilige Papst Pins V. (ch 1572.) Heute feiert die Kirche das Fest eines Heiligen, der die seligste Jungfrau Maria ganz besonders als Mntter Gottes und Gottesgebärerin verehrte und auf sie all sein Vertrauen setzte. Er ist es, der in der katholischen Kirche zur Danksagung für jenen Sieg, den die Christen im Jahre 1571 bei Lepanto über die Türken durch die besondere Fürbitte und Hilfe Mariens erfochten, das No senkranz fest auf den 1. Sonntag im Oktober anordnete und in der lauretanischen Litanei die Worte beisetzte: „Helferin der Christen." Dieser heilige und fromme Verehrer Mariens ist Papst Pius V. Von edlen und rechtschaffenen Eltern stammend erblickte er im Jahre 1504 den 27. Januar das Tageslicht. Seine ersten Kinderjahre schützte die reinste Unschuld und frühe lebhafte Andacht. Dann ergab er sich mit bestem Erfolge den Wissenschaften, und mit noch größerem Ernste den Hebungen der Frömmigkeit. Schon im fünfzehnten Jahre trat er in den Orden des heiligen Dominikus, wo er bald alle Pflichten seines Standes mit solcher Strenge und Genauigkeit erfüllte, daß er schon bejahrten Mönchen zum Vorbilde diente. Seine Lostrennung von allem Irdischen war ganz bewunderungswürdig, und die evangelische Armuth übte er in ihrer ganzen Vollkommenheit aus. Im Jahre 1556 wählte ihn der Papst Paul IV. wider seinen Willen zum Bischöfe, und ernannte ihn ein Jahr darnach zum Cardinal. Alle diese Würden erhöhten den Glanz seiner Tugenden, ohne die 292 Zweites Hauptstück. Ma mindeste Veränderung in seinen bisher gewohnten An- dachts- und Tugendübungen hervorzubringen. Durch diese seine Tugend und Frömmigkeit verdiente er es vollkommen, daß er im Jahre 1566 auf den päpstlichen Stuhl erhoben wurde. Seine Sparsamkeit setzte ihn in den Stand, daß er Arme und Kranke unterstützen und fromme Stiftungen zum Beßten des Jugendunterrichtes machen konnte. Nach vielen großen und edlen Thaten nahm ihn der Herr zu sich in die ewige Glorie des Himmels 1572. Gebet. O mächtige Jungfrau Maria! Du bist Mutter Gottes und vermagst Alles bei Gott; bitte also für uns, damit auch wir, wie der heilige Papst Pius V., unsere Lebenswege mit frommen und edlen Thaten bezeichnen und einst ausgenommen werden mögen in die Glorie des Himmels durch Christum, unfern Herrn. Amen. Hmidertsechsundzwanzigstes Lesestück. Am Feierabende des 6. Mai. Maria ist auch unsere Mutter. Fr. Welch' tröstliche Wahrheit fließt für uns aus der Lehre, daß Maria Mutter Gottes oder die Mutter Christi ist? Antw. Es fließt für uns hieraus die tröstliche Wahrheit, daß Maria auch unsre Mutter sei; denn da Christus unser Bruder werden wollte, so hat er seine Mutter auch zu unsrer Mutter gemacht. Belehrung. Mit vollem Rechte dürfen wir Maria auch unsre Mutter nennen; denn 1) Christus ist unser Bruder, also ist seine Mutter auch unsere Mutter. „O Herrin!" ruft der heilige Anselm aus, „wenn der Sohn Gottes durch dich unser Bruder ward, bist du nicht durch ihn unsere Mutter geworden?" Und der heilige Augustin lehrt, daß Maria als die Mutter Christi dadurch schon auch zugleich die Mutter seiner Glieder sei, die ihm als ihrem Haupte innig verbunden sind. 2) Maria ist unsere Mutter, weil sie uns, wenn wir sie fromm verehren, das Leben der Gnade erwirkt. Daher schreibt gar schön der ehrwürdige Scaramelli: „Es gebührt Maria mehr, als Eva, der Name einer Mutter der Lebendigen; denn wenn unsrer ersten unglücklichen Mutter ein so schöner Titel gegeben wurde, weil wir durch sie dieses gebrechliche Leben ererbt haben, so gebührt dieser herrliche Name noch mehr Maria, der neuen ist auch unsere Mutter. -ß Eva, unserer glücklichsten Mutter, die ihren Verehrern das vornehmste Leben der Gnade, das glücklichste Leben der Glorie erwirkt und für sie ein sicheres Unterpfand ihrer Vorherbestimmung zur ewigen Glückseligkeit ist." Beispiele und Anwendung. Der heilige Alphons Maria von Liguori, den wir schon mehrfach als einen innigen Verehrer Mariens bezeichnet haben, nannte die selige Jungfrau nie anders, als seine Mutter. Er stellt uns aber auch die Wahrheit, daß Maria wirklich unsere Mutter sei, in seinen Schriften auf folgende, geistreiche Weise dar: „Bei der Erzählung von der Geburt Jesu Christi bedient sich der heilige Lukas des Ausdruckes, Maria habe ihren Erstgebornen zur Welt gebracht: Und sie gebar ihren erstgebornen Sohn. Wenn der Evangelist sagt, sie habe ihren erstgebornen Sohn geboren, so muß sie nothwendiger Weise noch andere Söhne gehabt haben; — nun ist es aber eine Glaubenswahrheit, daß Maria keine andern leiblichen Söhne außer Jesus hatte; sie muß also geistlicher Weise noch Kinder haben, und diese sind wir." —- Dasselbe offenbarte der Herr auch der heiligen Gertrud; denn als diese eines Tages die angeführte Stelle beim Evangelisten Lukas las, ward sie ganz verwirrt, weil sie nicht begreifen konnte, wie man Jesus den Erstgebornen Mariä nennen könne, da Maria doch nur Jesum Christum zum Sohne gehabt habe. Da erklärte ihr Gott, daß Jesus leiblicher Weise ihr erst- geborner Sohn gewesen sei, daß aber alle Menschen geistiger Weise die später gebornen Söhne Mariens seien. — O süßer Gedanke: „Maria ist unsere Mutter!" 283 Am Feierabende des 6. Mai. Fr. Wozu soll uns dieser Gedanke ermuntern? Anttv. Zum kindlichen Vertrauen aufMariens Schutz und Hilfe. Belehrung. Wie ein Kind mit Liebe und Vertrauen zur Mutter eilt, so dürfen auch wir zu Maria unsere Zuflucht nehmen (sieh das vorhergehende Bild!); sie ist ja unsere Mutter. „ O seliges Vertrauen, o sichere Zuflucht!" ruft wiederum der heilige An s c lm aus; „die Mutter meines Gottes ist auch zugleich meine Mutter. Mit welcher Gewißheit können wir also unsere Seligkeit hoffen, da dieselbe von der Entscheidung unsers guten Bruders und unserer mitleidigen Mutter abhängt!" Und der heilige Bernhard fügt bei: „Eva war für uns eine grausame Stiefmutter; denn durch sie hat die höllische Schlange den ersten Menschen mit seinem todtenden Gifte angehaucht; aber Maria ist uns eine wahre Mutter, weil sie uns Allen ein Gegengift zum Heile bereitet hat. Jene war das Werkzeug der Verführung, diese das Werkzeug der Aussöhnung. Warum soll der gebrechliche Mensch fürchten, sich Maria zu nähern? Sie hat nichts Herbes, nichts Abschreckendes; sie ist voll der Milde und Barmherzigkeit. Durchblättere die ganze evangelische Geschichte; und findest du an ihr nur den mindesten Schein einer Hartherzigkeit, nur das mindeste Zeichen des Unwillens oder der Strenge, so mag sie dir verdächtig sein, und durch ihre Gegenwart Scheu erwecken! Triffst du aber im Gegentheile bei ihr ein Mutterherz an, das voll des Mitleidens, der Güte und der Barmherzigkeit ist, wie du es gewiß finden wirst, so sage Jenem Dank, der dir aus so großer Güte eine Mittlerin gab, an welcher nichts Strenges, nichts Abschreckendes ist!" — Nimm also zu Maria voll kindlichen Vertrauens deine Zuflucht; sei überzeugt, sie wird sich deiner annehmen wie eine Mutter ihres Kindes. Beispiel und Anwendung. Wir sehen dieß aus der Lebensgeschichte der heiligen Theresia. Als diese ihre leibliche Mutter sterben sah, warf sie sich in Gegenwart vieler Personen auf die Kniee nieder, und beschwor Marias sie möchte von nun an ihre Mutter sein. „Es ist des himmlischen Vaters anbetungswürdiger Wille," rief sie aus, „daß ich meine liebe, theuere irdische Mutter verlieren soll. Maria! sieh nun du herab auf dein schwaches Kind und nimm dich meiner an in Liebe und Sorgfalt! Sei mir eine gute Mutter und führe mich zu dir und deinem Sohne, zu meinem göttlichen Bruder Christus Jesus! Als folgsames Kind will ich deinem mütterlichen Rufe folgen." So sprach die zarte Theresia; und was sie hier gelobte, das erfüllte sie auch treulich im Leben. Sie war eine gehorsame Tochter Mariens, und Maria war ihr eine zärtliche und sorgsame Mutter — mehr, als es je eine irdische Mutter sein kann. Sichtbar waltete Mariens Schutz über allen Unternehmungen der heiligen Theresia. Aus Dankbarkeit und kindlicher Liebe wählte sie deßhalb Mariam auch als Beschützerin und Leiterin für alle von ihr gestifteten Klöster. — Ja, glaube es, mein Christ! wer ein Irenes Kind der göttlichen Gnadenmuttcr Maria ist, und ein eifriger Nachahmer ihrer Tugenden, der wird durch sein ganzes Leben die tröstliche Wahrheit bestätigt finden, daß Maria auch unsere Mutter sei. Fr. Wozu soll uns die Wahrheit, daß Maria unsere Mutter ist, noch ferner ermuntern? Antw. Zur innigen Gegenliebe. Belehrung und Beispiel. Nur aus Liebe ist Maria unsere Mutter geworden. „Durch die Worte Christi: Sieh da deine Mutter! ward Maria um der großen Liebe willen, die sie zu uns trug, nicht nur die Mutter des heiligen Johannes, sondern auch die Mutter aller Menschen," also schreibt der heilige Bernhardin von Siena. Mit mütterlicher Liebe umfaßt sic alle ihre Kinder. Es ist daher nicht mehr als billig, daß auch wir sie entgegenlieben zärtlich und innig, wie je ein gutes Kind seine gute Mutter lieben kann; wir sollen sie lieben, wie der heilige Stanislaus Kostka. Wenn dieser nur Maria nennen hörte, so erglühte sein Herz und sein Angesicht schon vom Feuer heiliger Liebe. Als er eines Tages mit einem Priester aus der Gesellschaft Jesu ein Bild- niß der Mutter Gottes besuchte, fragte ihn dieser, wie sehr er denn Mariam liebe? „O mein Pater!" antwortete der Jüngling, „was kann ich Ihnen hierauf anderes antworten, als: Sie ist meine Mutter!" — O warum sollten wir Mariam nicht lieben, mein Christ? Ist sie ja eine so liebevolle Mutter, wie keine andere Mutter auf Erden! Legende: Der heil. Johannes Damascennö, Kirchenlehrer, (f 780.) Wie ein guter Sohn seine Mutter liebt, so liebte und verehrte auch der heilige Johannes Damasce- nus, dessen Fest ans den heutigen Tag fällt, die göttliche Gnadenmntter Maria; denn mit aller Schärfe des Geistes trat er gegen jene Bilderstürmer seiner Zeit auf, welche die Bilder Christi, Mariens und anderer Heiligen in ihrem gottlosen und boshaften Sinne zerstörten. — Johannes stammte ans Damaskus von edlen und frommen Eltern, aus einer alten, adeligen Familie. Schon frühzeitig verachtete er die Welt und ihre Ehren und Freuden; daher schlug er alle Ehrenstellen aus und begab sich in die Einsamkeit, um sich ganz der christlichen Vollkommenheit widmen zu können. Hier nun entwickelte er seine Talente zum Beßten der Kirche und erwarb sich durch seine vortrefflichen Schriften, die er besonders gegen die Bilderstürmer seiner Zeit verfaßte, den Namen 294 Zweites Hauptstück. Von der Fürbitte und Hilfe Mariens. eines Kirchenlehrers. Bei seinen wissenschaftlichen Arbeiten vergaß er aber niemals auf die Uebungen der Andacht und der Vollkommenheit, und so starb er selig im Herrn um das Jahr 780. Gebet. Seligste Jungfrau Maria! sei unsere Mutter und bitte bei Gott für uns, ans daß wir über unfern irdischen Geschäften auf die Uebungen der Andacht und Frömmigkeit nicht vergessen und dereinst, wie St. Johannes Damascenus, selig im Herrn sterben mögen. Amen. Huttdertsiebemmdzwailzigstes Lesestück. Am Feierabende des 7. Mai. „Bitt' für uns!» Von der Fürbitte und Hilfe Mariens. Fr. Warum rufen wir zu Maria: „Bitt' für uns!"? Antw. Weil wir wissen, daß sie uns eine mächtige Fürbitterin und Helferin ist am Throne Gottes; denn sie kann und will für uns bitten. (Sieh das nachfolgende Bild!) Fr. Woher wissen wir, daß Maria für uns bitten und uns Helsen kann? Antw. Wir wissen dieses daher, weil sie Mutter- Gottes ist und als solche Alles bei ihrem göttlichen Sohne vermag. Belehrung. Maria ist Gottes Mutter, wie wir im vorletzten Lesestück gesehen haben; daher vermag sie Alles bei ihrem göttlichen Sohne. „Da die Bitten Mariens die Bitten einer Mutter sind," sagt der heilige Alphons Liguori, „so sind sie für Jesus gewissenmassen Befehle, weßhalb es auch unmöglich ist, daß, wenn sie bittet, sie unerhört bleibe." Und schon der heilige Cyrillus schreibt: „Ihr wisset, daß Jenen der Zutritt bei Hof gewähret wird, deren die Königin sich annimmt, und daß diese Alles erhalten, um was sie bitten. Und so werden wir auch Alles erlangen, was wir wollen, wenn wir die heilige Gottesmutter zu unserer Helferin, Mittlerin und Fürsprecherin haben beim Könige, den sie dringend für uns bittet." Beispiel und Anwendung. Als der römische Feldherr Coriolan unschuldiger Weise von seinen Feinden zum Tode verurtheilt wurde, rettete er sich heimlich durch Flucht, ging zu den Feinden über, zog mit einer zahlreichen Armee vor die Stadt und ließ ihnen deren gänzliche Verheerung ankündigen. In größter Angst schickten die Römer eine Gesandtschaft nach der andern mit großen Summen Geldes an Coriolan, um Schonung zu erflehen. Allein Alles war fruchtlos. Endlich ging seine Mutter zu ihm und bat um Schonung. Kaum hatte sie ausgeredet, so gewährte er ihr Alles. Noch an demselben Tage hob er dieBelagerung auf, und die Stadt war gerettet. — Wenn dieser wilde Heide seiner Mutter Nichts abschlagen konnte, wie wird denn der liebreichste und heiligste Sohn Gottes seiner zärtlich geliebten Mutter Etwas abschlagen können? „Nein!" sagt der heilige Bernhard, „es ist seit Menschengedenken nicht erhört worden, daß Derjenige nicht Erhörung gefunden hätte, welcher die heilige Mutter Gottes um ihre Fürbitte andächtig angerufen hat." — Zweifle daher nie, mein Christ! an Mariens Macht; sie ist Gottes Mutter; als solche kann sie für uns bitten, als solche kann sie uns helfen. Fr. Woher wissen wir, daß Maria für uns bitten und uns helfen will? Antw. Wir wissen dieses daher, weil sie auch unsere Mutter ist und als solche gewiß für uns bitten und uns helfen will. Belehrung. Maria will für uns bitten, sie will uns Helsen; sie ist ja eine liebreiche Mutter, eine gütige Jungfrau; „sie ist ja unsere Mutter," sagt der heilige Bonaventura; „kann denn eine Mutter ihrer Kinder vergessen?" — Vertieft in die Betrachtung der unaussprechlichen Liebe und Güte, die Maria gegen uns, ihre Kinder, an den Tag legt, ruft der schon oft erwähnte heilige Am Feierabende des 7. Mai. 2!)5 Bernhard aus: „Maria, diese unvergleichliche Jungfrau, ist Allen Alles geworden; sie hat sich aus einem Uebermaße von Liebe Allen zur Schulden» gemacht; sie öffnete Allen den Zutritt zu ihrem Mutterherzen, damit Alle an ihrer Fülle Theil nehmen. Der Gefangene findet bei ihr Erlösung, der Kranke Gesundheit, der Betrübte Trost, der Sünder Nachlaß seiner Missethaten, der Gerechte Gnade, die Engel des Himmels Vergnügen und Seligkeit. Mit welchem kindlichen Vertrauen sollen wir nun einer so liebreichen Mutter nicht nahen!" Beispiel und Anwendung. Diese unendliche Güte und Liebe der seligsten Jungfrau, womit sie uns so gerne helfen will, zeigte sich besonders bei der Hochzeit zu Kana. Es waren die Apostel zugegen, es waren viele Verwandte der Brautleute da; aber Niemand hatte eine so zarte Liebe und Aufmerksamkeit, wie Maria. Ohne gebeten zu sein, geht sie zu ihrem göttlichen Sohne und bittet um Abhilfe der Noch. „Sohn! sie haben keinen Wein mehr!" ruft sie in mitleidiger Liebe; und nicht lange, so fand sie Erhörung. Wenn Maria schon ungebeten so liebreich hilft, um wie viel mehr nicht dann, wenn man sie mit kindlichem Vertrauen um ihre Hilfe anfleht! -— Zweifle daher nie, mein Christ! an Mariens Güte; sie ist un s e r e M u t t e r, und als solche will sie uns gewiß helfen. „Schon damals, als Maria noch in diesem Thränenthale lebte," also ruft der obengenannte heilige Bonaventura aus, „war sie ungemein barmherzig und liebreich gegen die Mühseligen; um wie viel mehr jetzt, da sie glückselig im Himmel herrscht! Je klarer sie jetzt die unzähligen Mühseligkeiten der Menschen kennt, desto mehr gibt sie ihre unvergleichliche Barmherzigkeit durch Wohlthaten zu verstehen. Sie ist ja unsere Mutter. Kann denn eine Mutter ihrer Kinder vergessen?" Legende: Der heilige Bischof undMar ihrer Stanislaus, (fl 1079.) Der heilige Stanislaus, dessen Andenken heute in der Kirche gefeiert wird, stammte aus einer der edelsten Familien Polens. Schon in seiner Jugend liebte er besonders das Gebet und die Hebungen eines ernsthaften und abgetödteten Lebens, ganz vorzüglich aber verehrte er die Gnadenmutter Maria und setzte auf sie all sein Vertrauen, weil er wußte, daß ihm diese liebevolle Mutter in allen Anliegen helfen kann und will. In seinem Studium machte er schnelle Fortschritte und zeichnete sich durch seine Kenntnisse im kanonischen Rechte und in der Gottesgelehrtheit aus. Wegen dieser seiner Tugend und Gelehrsamkeit weihte ihn Lam p ert Z ula, Bischof von Krakau, zum Priester und ernannte ihn zum Kanonikus seiner Domkirche. Einige Zeit nachher übertrug er ihm die Verkündung des göttlichen Wortes, welchem Amte Stanislaus mit bewunderungswürdigem Segen Vorstand. Seine Predigten bewirkten eine allgemeine Sittenverbesserung und bewogen sogar mehrere Personen, der Welt zu entsagen, um Jesus zu folgen. Er besaß das Vertrauen von ganz Polen. Kein Wunder also, daß er nach Lamp erts Tod mit allgemeinem Beifall zum Bischof von Krakau erwählt wurde. Nun war sein Haus eine Zufluchtsstätte der Armen, der Witt- wen und Waisen; mit glühendem Eifer kam er seinen großen und heiligen Pflichten nach, und mit aller Unerschrockenheit trat er dem lasterhaften Leben des Königs Voll es laus II. entgegen. Voll Haß und Rachgier verfolgte dieser eben- deßhalb den Heiligen n.ruhte nicht eher, als bis derselbe als Opfer seiner Grausamkeit fiel i.J. 1079. 296 Zweites Hauptstück. Maria — eine besondere Zuflucht der Sünder. Gebet. Göttliche Jungfrau Maria! wir setzen' wie der heilige Bischof und Märtyrer Stanislaus, auf dich all unser Vertrauen, weil wir wissen, daß du uns in allen Nöthen und Anliegen helfen kannst und helfen willst; bitte für uns, damit uns Gott ausrüste mit jenem Muthe, der weise und standhaft das Unrecht bekämpft und die verderbliche Leidenschaft durch sein heiliges Gesetz besiegt, auf daß Ordnung und Sittenreinheit wieder auf Erden hergestellt werde. Amen. Hundertachtimd zwanzigstes Lesestnck. Am Feierabende des 8. Mai. „Bitt' für uns, arme Sünder!" Maria — eine besondere Zuflucht der Sünder. Fr. Warum sagen wir: „Bitt' für uns, arme Sünder?" Warum setzen wir bei: „arme Sünder"? Antw. Weil wir Alle Sünder sind, Maria aber eine besondere Zuflucht der Sünder genannt wird und auch wirklich ist. (Sieh das nebenstehende Bild!) Belehrung. Wir Alle sind Sünder, und wer da sagt, er habe keine Sünde, der betrügt sich selbst, und die Wahrheit ist nicht in ihm. Daher müssen wir Alle zu Maria rufen: „Bitt' für uns, arme Sünder!" denn sie ist eine besondere Zuflucht der Sünder. „Sie ist," sagt der heilige Johannes Damascenus, „von Gott für Alle, die durch ihre Missethatcn den Tod verdient haben, als eine Zufluchtsstätte bestimmt worden; und sie ist vorzüglich beflissen, jenen Sündern, die sie anrufen, die Gnade einer vollkommenen Bekehrung und Aussöhnung mit Gott zu erlangen, wie es unzählige Menschen bezeugen, die durch ihre Fürbitte bekehrt und zur Seligkeit geführt worden sind." — Der heilige Bonaventura vergleicht deßhalb Maria mit der Taube, die den Oelzweig, ein Sinnbild des Friedens und der Versöhnung, in die Arche zurückbrachte; und der heilige Bernardin von Siena sagt, sie sei der wunderbare Regenbogen, den Gott nach der Sündfluth zum Zeichen der Vergebung und der Versöhnung erscheinen ließ. Papst Inno een z III. nennt sie den Mond, wodurch die Finsternisse der Sünde zerstreut werden. Der fromme Ludovikus Blosius ist der Meinung, es sei kein so abscheulicher Sünder auf Erden, dem die heiligste Jungfrau nicht auf's Bereitwilligste die Hand böte und den Schooß ihrer Barmherzigkeit nicht eröffnete, wenn er um Beistand zu ihr fleht. Daher ruft uns ein frommer Dichter zu: O haltet an Maria fest! Arm ist allein, wer sie verläßt, Und was ihr auch für Schuld verübt, Und wie ihr auch den Herrn betrübt, Sein noch so drohend Strafgericht Schirmt jene nur, verdammt sie nicht. Beispiel und Anwendung. Zum heiligen Alp ho ns von Liguori kam eine große Sünderin und klagte ihm unter Thränen den furchtbaren Zustand ihrer Seele. Alphons hatte inniges Mitleid mit dieser reuigen Magdalena und wies sie, wie er sonst gerne that, auf Maria, die Zuflucht der Sünder hin. „Habe Vertrauen, meine Tochter!" sprach er liebreich zu der niedergebeugten Seele, „habe Vertrauen! Ich will dir einen Ausweg zeigen, auf dem du wieder zurückkeh- rcn kannst zu deinem himmlischen Vater. Siehe! wir haben eine Mutter; sie heißt Maria; und diese ist eine besondere Zuflucht der Sünder. Was thut eine Mutter nicht für ihre Kinder? Läßt sie, wenn eines fällt nicht alle andern stehen, und eilt dem gefallenen entgegen? Wie sucht sie nicht dessen Schmerzen zu lindern und die beschmutzten Händchen und Glieder zu reinigen! Eile hin zu dieser liebreichen Mutter! Sie wird dir vom Sündcnfalle aufhclfen und mit mütterlicher Sorgfalt deine beschmutzte Seele reinigen." Alphons ertheiltc seinen weisen Rath nicht vergebens; die Sünderin ging hin und that, wie ihr befohlen ward; und sie fühlte es lebhaft, daß Maria eine besondere Zuflucht der Sünder sei. — Eile also auch du, o sündiges Herz! zu Maria, der Zuflucht der Sünder! Folge der Mahnung des heiligen Am Feierabende des 8. Mat. 2!>7 Bernhard, der allen Sündern zuruft: „Wenn dich, o Sünder! die Größe und Abscheulichkeit deiner Laster schreckt; wenn die Rachestimme deines Gewissens dich foltert; wenn dich die Schrecken des Gerichtes durchbeben, und wenn du am schwindelnden Abgrunde der Trostlosigkeit, oder gar am Rande der Verzweiflung stehest, so rufe zu Maria! Sie ist ja die Stiege der armen Sünder zum Himmel." Fr. Was wird aber von Seite des Sünders erfordert, wenn er bei Maria eine Zufluchtsstätte finden will? Antw. Rene und der Entschluß zur Besserung. Belehrung und Beispiele. Wo keine Rene und kein Entschluß zur Besserung ist, wird man Mariens Fürbitte und Hilfe vergebens suchen. Als eines Tages, so erzählt wiederum der obengenannte heilige Alphons Liguori, ein großer Sünder zu Maria flehte: „Maria! zeige, daß du meine Mutter bist!" erwiderte ihm die seligste Jungfrau: „Zeige, daß du mein Sohn bist!" — Maria ist also allerdings die Zuflucht der Sünder, aber nur jener, die sich bessern wollen; sie theilt die Gaben und Gnaden Gottes aus, aber nur unter ihre aufrichtigen Diener, nicht unter ihre abgesagten Feinde. Groß und mächtig war die Fürsprache der Königin Esther bei Assuerus; hat sie aber deswegen für den gottlosen Aman ein Fürwort eingelegt? Wie sehr er sich auch vor ihr krümmte und flehte, er niußte dennoch an den Galgen. Die einzige Hilfe und der Schutz der Israeliten war die Arche des Bundes; und dennoch wurden drcißigtau- send Mann getödtet, obwohl sie die Arche bei sich hatten. (1. Kön. 4.) „Kein Wunder," sagt Theodorct, „da sie zwar die Arche ehrten, aber dabei voll Sünden waren." Die Arche ist ein Vorbild der allerseligsten Jungfrau Maria; also kann auch ein Solcher verloren gehen, der auf diese Arche sein Vertrauen setzt, wenn er den Sünden nicht entsagt. Wahr ist es, daß sich auf ihre Fürbitte manche Sünder wunderbarer Weise bekehrt haben und selig geworden sind; aber merke wohl: wunderbarer Weise! Wirstauch du dich auf ein solches Wunder verlassen können? Dann waren auch die Winzer besser daran, wenn sie, statt sich in ihren Weinbergen zu plagen, ihre Fäßer mit Wasser füllen und mit Vertrauen erwarten würden, daß Christus auf die Fürbitte Mariens dasselbe in Wein verwandeln werde. Bermessent- lich auf Mariens Schutz und Hilfe sündigen, ist also ebenso gefehlt, als vermessentlich auf Gottes Barmherzigkeit zu sündigen, (wie schon oben im 117. Lesestück gezeigt worden ist). Legende: Der heilige Märtyrer Florian, (fl 290.) Die katholische Kirche feiert heute die herrliche Erscheinung des heiligen Erzengels Michael, welche un- Mchler, Hausbuch. ter Papst Gelasins I. auf dem Berge Gorgano geschah, und der zu Ehren der Bischof von Siponto auf diesem Berge eine berühmte Kirche erbauen ließ. Da uns die Legende hierüber nur wenig erzählt, so will ich die LebeuSgeschichte des heiligen Florian nachtragen, dessen Fest schon ans den 4. d. M. fällt. Dieser Heilige, der Sage nach zu Zeiselmauer in Nnterösterreich geboren und einer der Hanptleute im kaiserlichen Heere, hatte gehört, daß Aquilinus, der Statthalter in Nori- kum, dem heutigen Oberösterreich, die Verfolgungsbefehle Diokletians und Maximians mit aller Grausamkeit an den Christen vollziehe; da machte er sich sogleich auf Antrieb des heiligen Geistes dahin sauf den Weg, um den verfolgten Glaubensbrüdern beizustehen. Zn den Waffengenossen, denen er unterwegs begegnete, und die den Be^ fehl hatten, Christen Kufzusuchen, sprach er: „Einer von Denen, die ihr aufsuchet, steht hier vor euch. Ich bin ein Christ. Gehet und hinterbringet euerm Statthalter, daß ich hier bin." Hierauf vor Aquilinus geführt, forderte dieser ihn auf, den Götzen zu opfern, wenn er das Leben retten wolle. Florian aber entgegnete: „Opfern werde ich nie; handle nur nach deinem Befehle!" Der Statthalter ließ nun den Glaubenshelden entkleiden und mit Stöcken schlagen; er aber sprach: „Jetzt, da ich geschlagen werde, bringe ich ein wahres Opfer meinem Herrn Jesus Christus dar, der mich hiezu gestärkt und zu dieser Ehre erhoben hat." Als endlich Aquilinus alle Mühe fruchtlos sah, fällte er das Urtheil, daß der christliche Kriegsmann in der bei Lorch vorbeifließenden Ens ersäuft werden sollte. Dieß Urtheil wurde auch alsogleich vollzogen. Der Leichnam wurde von den Wellen auf einen hervorragenden Felsen ausgesetzt und von einer gottseligen Frau, Namens Valeria, auf ihrem Landgute unweit Linz beerdigt. Der heilige Florian 38 298 Zweites Hauptstück. Maria wird besonders in Wasser- und Feuergefahren um seine Fürbitte angerufeu. Unstreitig soll dieß weit mehr geschehen, auf daß wir nicht in die Hölle kommen, in jenes Feuer, das ewig brennt „und nie erlischt." (Mark. 9,43.) Gebet. Wir arme Sünder, die wir zu Maria mit kindlichem Vertrauen unsere Zuflucht nehmen, wir bitten dich, o Gott! beschütze uns auf die Fürbitte der göttlichen Gnadenmutter und des heiligen Flori an von allen Gefahren der Seele und des Leibes >— durch Christum, unfern Herrn. Amen. Hundertneummdzwanzigstes Lesestück. Am Feierabende des 9. Mai. „Bitt' für uns jetzt!" Maria — unsere Helferin im Leben. Fr. Was wollen wir mit den Worten sagen: „Bitt' für uns jetzt"? Antw. Wir wollen uns dadurch Mariens Schutz und Hilfe im Leben erflehen, und bitten, daß sie sich unser, so lauge wir in diesem Thränenthale Pilgern, hilfreich annehmen wolle, wie eine Mutter ihres Kindes. Belehrung. Das Wörtlein „Jetzt" hat im Ave Maria eine tiefe Bedeutung. Jetzt, so lange wir leben, ist die Zeit der Gnade und Barmherzigkeit; nach dem Leben kommt die Zeit der Gerechtigkeit. Dort kann uns Maria nimmer helfen; denn das Gericht hat der Vater nur dem Sohne übergeben; mit Maria aber hat er die Barmherzigkeit gctheilt. Darum schreibt der berühmte Kanzler der Universität zu Paris, Wilh. Gerson: „Das Reich Gottes besteht in der Barmherzigkeit und in der Gerechtigkeit. Gott hat es nnn getrennt, und das Gericht seinem Sohne, das Reich der Gnade und Barmherzigkeit aber Mariä übertragen, indem er wollte, daß alle Gnaden, die den Menschen zukommen, nur durch die Hand Mariens an sie gelangen, und daß sie dieselben nach Will- kühr austheile." Auf solche Weise sind die Worte des Psal- rnisten bestätiget: „Bei Gott ist die Macht, und bei dir ist die Barmherzigkeit." In diesem Leben also, so lange die Zeit der Gnade dauert, kann uns Maria helfen; darum rufen wir zu ihr: „Bitt' für uns jetzt, d. h., stehe uns bei in diesem Erdenleben, du Mutter der göttlichen Gnade und Barmherzigkeit! und verleihe uns durch deine Fürbitte die nöthigen Gnaden zu einem frommen und heiligen Wandel, auf daß wir zur Zeit des Gerichtes, wo unsere Helfenn un MM WUUM deine milde Herrschaft der Erbarmung und Gnade endet, nicht zittern dürfen vor der Gerechtigkeit des ewigen Richters!" Fr. Wann sollen wir im Leben zn Maria unsere Zuflucht nehmen? Antw. Wir sollen in allen Gefahren und Nöthen dieses Lebens, in zweifelhaften Fällen u. s. w. unsere Zuflucht zu Maria nehmen. Belehrung. Daß Maria die beseligende Herrschaft der Liebe und Barmherzigkeit besonders in diesem Leben gegen uns ausübe, das beweisen uns tausende von tröstlichen Begebenheiten, und die Kirche Gottes selbst bestätigt dieß durch die Worte, die in der lauretanischen Litanei so oft verkommen, und die wir später alle ausführlicher erklären werden. Deßhalb heißt Maria: Das Heil der Kranken, die Zuflucht der Sünder, die Trösterin der Betrübten, die Helferin der Christen u. s. f. Daher sollen wir in gesunden und kranken Tagen, in allen Gefahren und Nöthen dieses Lebens zu Maria unsre Zuflucht neh- ' men und zu ihr rufen: „Bitt für uns jetzt!" Mit Freu- ^ den sollen wir folgen der Mahnung des heil. Bernhard, der uns zuruft: „In allen Gefahren, in allen Nöthen, in zweifelhaften Fällen denke an Maria, ruf Maria an! Nie weiche sie von deinem Munde, nie von deinem Herzen! Und Am Feierabende des 9. Mai. 299 damit du Theil habest an ihrer Fürbitte, so folge dem Beispiele ihres himmlischen Wandels! Wer ihr folgt, geht nicht irre' wer sie anruft, verzweifelt nicht; hält sie dich, so wirst du nicht fallen; beschützt sie dich, so hast dn Nichts zu fürchten; führt sie dich, so wirst du nicht müde. — Maria öffnet den Schooß ihrer Barmherzigkeit, damit Alle von ihrer Fülle empfangen: der Gefangene die Erlösung, der Kranke die Gesundheit, der Betrübte Trost, der Sünder Vergebung, der Gerechte neue Gnaden." Beispiel und Anwendung. Der Abt Palladius ist Bürge für eine Begebenheit, die ein merkwürdiges Zeugnis; von dem mächtigen Schutze Mariens gibt, den sie uns in allen Gefahren und Nöthen dieses Lebens gewährt. Ein Bürger von Alexandrien, der mit seiner Gemahlin und einer sechsjährigen Tochter ein musterhaftes Leben führte, und auch sonst durch die Werke der Wohlthätigkeit sich einen guten Namen erworben hatte, ward durch seine Geschäfte bestimmt, nach Constantinopel zu reisen. Seine Gemahlin, die ihn bis zum Schiffe begleitet hatte, fragte ihn beim Abschiede: „Wem empfiehlst du uns während deiner Abwesenheit? unter wessen Schutz hast du uns gestellt?" Er antwortete: „Unter die Obhut unsrer lieben Frau, der heiligen Gottesgebärerin." Wenige Tage nachher, als sie bei ihrem Arbeitstische saß und das Kind neben ihr, hatte der einzige Diener des Hauses sich die Gelegenheit ersehen, beide umzubringen, alles Werthvolle zu rauben und dann die Flucht zu ergreifen. Schon stand der Ruchlose, mit einem tüchtigen Messer bewaffnet, auf der Schwelle der geschlossenen Thüre, als er, plötzlich mit Blindheit geschlagen, weder vor- noch rückwärts den Weg fand. Nachdem er dann vergeblich der Gebieterin zugerufen, daß sie herauskommen möchte, gerieth er in solche Wuth, daß er sich selbst erstach; doch starb er an der Wunde nicht früher, als bis sein Vorhaben auf gerichtlichem Wege aus seinen eigenen Bekenntnissen ermittelt wurde. — Möge dich, mein christlicher Leser! diese wunderbare Begebenheit ermuntern, daß auch du dich und die Deinigen stets unter den mächtigen Schutz Mariens stellest; du wirst da die Wahrheit der Worte erfahren, die St. Bernhard ausgesprochen: „Wenn Maria dich hält, so wirst du nicht fallen; wenn sie dich beschützt, so hast du Nichts zu fürchten." Fr. Wann sollen wir aber ganz besonders bei Maria im Leben Schutz und Hilfe suchen? Antw. In Versuchungen gegen den heiligen Glauben und gegen die heilige Neinigkeit. Belehrung. Am Meisten bedürfen wir die Hilfe und den Schutz Mariens, wenn in uns Glaubenszweifel oder Versuchungen gegen den heiligen Glauben entstehen; da müssen wir also auch zu ihr unsere Zuflucht nehmen und rufen: „Bitt' für uns jetzt!" Denn Maria hat sich in allen Glaubenskämpfen stets als eine siegreiche Heldin bewährt, so daß die Kirche Gottes selbst von ihr sagt: „Sie hat alle Ketzereien auf der ganzen Erde vernichtet." — Nicht minder gefährlich sind auch die Versuchungen gegen die heilige Neinigkeit; wir müssen daher ebenso, wie der heilige Aloysius (sieh das vorhergehende Bild!) bei Maria Hilfe suchen und mit dem heiligen Johannes Damascenus zu ihr flehen: „Nahe dich, Mutter meines Heilandes! Nahe dich, und ich werde mitten in den Flammen der Versuchung nicht brennen, — unter tausend Schlingen der Nachstellung werde ich sicher sein, — unter Winden und Wellen der Anfechtungen wird mich die Gefahr des Schiffbruches nicht schrecken! Ich fürchte Nichts, wenn du meine Schutzfrau bist, — bin nicht ängstlich über meine Schwachheit, wenn ich von dir gestärkt werde. Dein Name ist mein Schild, dein Beistand meine Rüstung, deine Hilfe mein Schwert. Durch dich greife ich den Feind herzhaft an; durch dich treibe ich ihn beschämt zurück und erhalte den herrlichsten Sieg." Beispiele und Anwendung. Maria steht uns besonders in Versuchungen gegen den heiligen Glauben gerne bei. Davon war der heilige Franziskus Xaver ins vollkommen überzeugt. Daher ließ er bei seinen Missionen, wenn er das apostolische Glaubensbekenntniß erklärte, nach jedem Artikel in der Volkssprache singen: „Heilige Maria, Mutter unsers Herrn Jesu Christi! erbitte uns von deinem vielgeliebten Sohne die Gnade, diesen Artikel der christlichen Lehre fest zu glauben!" — Bei Maria sollen wir aber auch Schutz und Hilfe suchen in allen Versuchungen gegen die heilige Neinigkeit; wir sollen es da machen, wie der heilige Thomas von Villanova. Dieser wurde oft auf die furchtbarste Weise vom bösen Feinde angefochten und geplagt, so daß er nicht selten darüber in tiefe Betrübniß gerieth. Das einzige Mittel, welches ihm in dieser traurigen Lage jedesmal Hilfe und Stärke verschaffte, war die Zuflucht zur seligsten Jungfrau Maria. Darum gibt er uns aber auch in seinen Schriften folgenden schönen Rath: „Wenn der Teufel uns versucht, so müssen wir es machen wie die kleinen Hühner, die, wenn sie den Geier erblicken, sich schnell unter die Flügel ihrer Mutter verbergen. Eben so müssen auch wir, sobald wir bemerken, daß eine Versuchung über uns kommt, ohne Verzug unter den Schutzmantel Mariens fliehen und zu ihr rufen: „Du, o meine Königin und Mutter! du mußt uns vertheidigen; denn nach Gott haben wir keinen andern Zufluchtsort als dich, die du unsere einzige Hoffnung, unsere einzige Zuflucht bist, auf die wir all unser Vertrauen setzen!" Legende: Der heilige Gregor von Nazianz, Kirchenlehrer und Erzbischof zu Constantinopel. (-s- 389.) Gregor, dessen Fest die Kirche heute feiert, gehört unter die glänzendsten Lichter der katholischen Kirche und 38 * Zweites Hauptstück. Maria SW wird wegen seiner tiefen Religionskenntniß vorzugsweise der Gottesgelehrte genannt. Derselbe wurde indem Bezirke von Nazianz, einer kleinen Stadt in der Nähe von Cäsarea, in Cappadocien geboren und gehörte einer wahrhaft heiligen Familie an; denn sein Vater Gre- gorins, seine Mutter Non na, sein Bruder Cäsa- rins und seine Schwester Gorgonia stehen unter der Zahl der Heiligen. Daß Gregorius unter solcher Umgebung nur zur Tugend und Heiligkeit heranwachsen mußte, ist wohl kein Wunder. Schon in feiner frühesten Jugend lebte er in strenger Enthaltung und eilte deß- halb zu seinem geliebten Freunde, dem heiligen Basilius, in die Einsamkeit, wo er unter Wachen, Fasten und Beten Gott dem Herrn diente, und gewiß auch die seligste Jungfrau Maria kindlich fromm verehrte, die es ihm so oft bewies, daß sie unsere Helferin im Leben sei. Als Bischof stellte er durch seine Schriften und seinen Eifer die in Constantinopel verfallene katholische Lehre wieder her; allein ans Liebe zum Frieden verließ er zweimal den bischöflichen Sitz und wollte lieber den Ehren und Neichthümern entsagen, als Anlaß zur Verwirrung und Unordnung geben. Er starb reich an Verdiensten i. I. 389. Gebet. Heilige Maria, du unsre Helferin im Leben! erwirke durch deine mächtige Fürbitte bei Gott, unsere Helferin im Tode. dem Liebhaber des Friedens, daß er unfern Herzen friedliebende Gesinnungen einflößen möge, damit wir das Band der Eintracht nie stören unv einst die ewigen Freuden genießen ^ bei Jesus, unserm Herrn. Amen. Hundertnnddreißigstes Lesestück. Am Feierabende des 10. Mai. „Bitt' für uns in der Stunde unser« Absterbens! Amen." Maria — unsere Helferin im Tode. Fr. Warum setzen wir am Schlüße des englischen Grußes noch die Worte bei: „Und in der Stunde unsers Absterbens?" Antw. Weil der Augenblick des Todes der gefährlichste im ganzen Leben ist, und wir deßhalb gerade da Mariens Trost und Hilfe am Meisten bedürfen. Belehrung. Furchtbare Leiden erwarten uns auf dem Sterbebette, die Gewissensbisse über unsere Sünden, die Angst vor dem nahen Gerichte, die Ungewißheit unserer Seligkeit peinigen da unser armes Herz. Dazu kommen die gewaltigen Versuchungen des bösen Feindes, der gerade in diesem schrecklichen Augenblicke mit erneuerter Kraft seinen letzten Versuch macht, unsere unsterbliche Seele zu gewinnen. Nehmen wir Alles dieß zusammen und erinnern wir uns noch an die körperlichen Leiden, die ohnehin schon die Krankheit mit sich im Gefolge hat.— ach! wem kann es da entgehen, daß wir in der Stunde des Todes außerordentliche Hilfe und Stärke brauchen, um nicht am Ende unserer irdischen Reise noch den rechten Weg zur himmlischen Heimath zu verfehlen? Maria, , die uns eine so gütige Mutter im Leben sein will, will es uns auch nicht minder im Tode sein; seitdem sie ihren inniggeliebten Sohn sterben sah, will sie auch alle ihre andern Kinder sterben sehen. Oder, was wäre das für eine Mutter, die das geliebte Kind im Tode verläßt? Nein! Maria läßt ihre treuen Söhne und Töchter, ihre frommen Diener und Dienerinen gewiß da nicht im Stiche, wo sie ihrer Hilfe am Meisten bedürfen; tausend Beispiele bestätigen uns dieß. Lassen nur wir es nicht fehlen, auf sie stets unser kindliches Vertrauen zu setzen und recht oft zu ihr zu rufen: „Bitt' für uns, arme Sünder, in der Stunde unsers Absterbens!" Am Feierabende des 10. Mai. 3tt1 Fr. Welche Gnaden erwirkt die seligste Jungfrau Maria nicht selten den Sterbenden? Atttw. Verschiedene Gnaden für die Wohlfahrt des Leibes sowohl, als auch der Seele. (Sieh das obige Bild!) Fr. Welches sind die vorzüglichsten Gnaden für die Wohlfahrt des Leibes? Atttw. Die seligste Jungfrau erfleht ihren treuen Dienern Geduld zur Ertragung ihrer Leiden und versüßt ihnen nicht selten die Todesstunde. Belehrung und Beispiele. Wir haben Beispiele, daß Maria den Sterbenden in eigener Person erschien, sie in ihren Leiden tröstete und ihnen die Stunde des Todes versüßte. Der heilige Johannes von Gott, Stifter des Ordens der barmherzigen Brüder, hatte immer eine zärtliche Andacht zur seligsten Jungfrau. Als es mit ihm zum Sterben kam, verlangte er sehnsüchtig seine liebe Mutter zu sehen. Maria erschien ihm auch wirklich und sprach zu ihm: „Johannes! ich verlasse meine Diener in dieser Stunde nicht." Sein Tod war daher auch ungemein trostreich. Nachdem er aus der Hand des Erzbischofes von Granada die heiligen Sterbsakramente empfangen hatte, verließ er seine Lagerstätte, knieete sich nieder, umfaßte das Kreuz und mit den Worten: „Jesu! in deine Hände empfehle ich meinen Geist!" starb er sanft und selig. — Der eifrige Pater Binctti aus dem Jesuitenorden erzählt, daß er einen sterbenden Diener Mariens ausrufcn hörte: „O mein Pater, wenn sie wüßten, wie froh ich jetzt bin, daß ich der Mutter Gottes gedient habe! Ach, ich kann Ihnen gar nicht beschreiben, welche Freude ich jetzt empfinde!" — Und Pater Suarez aus demselben Orden starb so gerne und freudig, daß er ausrief: „Ich hätte nicht geglaubt, daß der Tod so süß wäre." Warum aber? Weil er Maria immer kindlich verehrte. — Erkenne hieraus, mein Christ! wie sehr die göttliche Gnadenmutter Maria ihren Dienern den Tod versüßt! Fr. Welche Gnaden erwirkt die seligste Jungfrau ihren sterbenden Dienern in Bezug ans die Seele? Atttw. Besonders folgende: Sie läßt sie nicht ohne den Empfang der heiligen Sakramente sterben und hilft ihnen kämpfen gegen die Gewalt des bösen Feindes. Belehrung. Wenn wir der seligsten Jungfrau Maria im Leben treulich dienen, so dürfen wir sicherlich darauf rechnen, daß sie uns besonders in Bezug auf unsere Seele und unser Seelenheil alle mögliche Hilfe und allen möglichen Schutz zu Theil werden läßt. Unter ihrem Schutze könnnen wir dann mit dem Psalmisten (Pf. 22, 4.) ausrufen: „Wenn ich auch wandle mitten in den Schatten des Todes, so will ich doch nichts Uebles fürchten, weil du bei mir bist. Deine Ruthe und dein Stab, die haben 302 Zweites Hauptstück. Maria — unsere Helserin im Tode. mich getröstet, d. h. gerettet vor den Angriffen des bösen Feindes, den du durch deinen Stab und deine Ruthe vertriebst." — Sie bewirkt insbesonders, daß wir mit den heiligen Sakramenten gestärkt werden, wie wir in der obigen Erzählung über das selige Ende des heiligen Johannes von Gott ersehen haben, und steht uns im Kampfe gegen den bösen Feind bei. Daher sagt der heilige Anton in: „Alle Feinde fliehen vom Sterbebette, wann die Himmelskönigin erscheint. O, wenn Maria für uns ist, wer ist da wider uns?" Und der heilige Bonaventura fügt bei: „Maria sendet ihren sterbenden Dienern den Erzengel Michael und alle andern Engel zur Vertheidigung zu, damit sie dieselben vor den Versuchungen des Teufels beschützen und die Seelen Derer in Empfang nehmen, die sich der Mutter Gottes hier auf Erden auf eine besondere Weise anempfohlen haben." Beispiel und Anwendung. Eine rührende Geschichte von dem treuen Beistände, den die göttliche Mutter ihren treuen Dienern bei den Versuchungen und Anfechtungen des bösen Feindes auf dem Sterbebette leistet, erzählt uns die Kapuzinerchronik. Bruder Antonius war sehr krank; da ließ er seinen Beichtvater rufen und sprach zu ihm: „Ich werde nächsten Samstag sterben." Der Beichtvater fragte ihn, woher er das wisse? „Mir hat es," antwortete er, „meine Frau gesagt, und ich bin daher guter Dinge." Allein in derselben Nacht versuchte der böse Feind mit seinen Genossen einen heftigen Angriff auf ihn. Vor Angst und Schrecken wollte er aus dem Bette herausspringen, und wegen des Geräusches liefen ihm die Brüder zu Hilfe. Sie fanden ihn bebend und zitternd daliegen und hörten aus seinem Munde die seltsamen Worte: „Es ist nicht wahr, wie du sagst, ich habe dafür gebüßt und Alles wieder seinem Herrn zurückgestellt. Es ist zwar wahr, ich habe ohne Er- laubniß im Kloster einen Apfel genommen und ein andersmal einen Wein getrunken, ich habe aber dafür Buße ge- than." Aus diesen Worten merkten die Brüder, daß der Teufel gegen ihn Klage führe und geheimes Gericht über ihn gehalten werde, zugleich sahen sie mit Schrecken, daß Jemand ihn fortziehen wolle. Aber da kam Maria zu Hilfe, und verließ in diesem Kampfe ihren Diener nicht; sie erschien ihm mit den heiligen Franziskus und Antonius an ihrer Seite, sprach ihm Muth zu und verjagte die Feinde. Der sterbende Bruder erzählte dieß Alles, als er wieder zu sich kam, lobte nun unaufhörlich M a r i a und munterte auch die Brüder auf, mit ihm die liebe Frau zu preisen. Ruhig und heiter blieb er nun bis zum Samstag, wo er unter dem Ave Maria-Läuten ganz ergeben im Herrn entschlief.— Eines solchen Beistandes von Seite der göttlichen Mutter wirst auch du, mein lieber Leser! einst in der Stunde des Todes dich getrösten können, wenn du im Leben Mariam treu und innig liebest; denn Maria kann ihren Kindern in der Stunde des Todes unmöglich ungetreu werden, sagt der heilige Alphons von Liguori, wenn sie ihr treu gedient und sie durch häufige Andachten geehrt haben. von Florenz. (st 1459.) Dieser Heilige, dessen Andenken wir Heute feiern, und welcher zu Florenz i. I. 1389 geboren wurde, war ein besonderer Verehrer Mariens; denn in seinem Leben wird erzählt, daß man ihn schon in seiner Kindheit gar oft in der Kirche vor dem Bildnisse der seligsten Jungfrau Maria auf den Knieen liegen sah, deren Tagzeiten er auch als Erzbischof ungeachtet seiner vielen Geschäfte täglich betete. Er war für ihre Ehre so begeistert, daß er einen Ketzer, der sie gelästert und sich nicht bekehren wollte, auf's Strengste abstrafen ließ. — St. Antonin liebte ganz besonders die Armuth; sein Wahlspruch war: „Ein Nachfolger der Apostel darf keine andern Neichthümer haben, als die Tugend." Nachdem er dreizehn Jahre lang seinem Bisthume mit Eifer, Wachsamkeit und Sanftmuth vorgestanden hatte, starb er als ein Vater der Armen und Unglücklichen i. I. 1459. In seiner Todesstunde empfand er die mächtige Hilfe Mariens, die er in seinem Leben so kindlich fromm verehrt hatte. Gebet. O Maria, du Helferin im Sterben, laß auch uns, wie deinem treuen Diener Antonin, in der Stunde nnsers Todes deine mächtige Hilfe zu Theil werden und drücke uns als liebende Mutter unsere Augen zu, damit wir dieselben in der Ewigkeit wieder öffnen und mit Entzücken schauen mögen die Herrlichkeit des Himmels. Amen. Am Feierabende des 11. Mai. 303 Hmlderteimmddreißigstes Lesestück. Am Feierabende des 11. Mai. Der englische Gruß Morgens, Mittags und Abends. Fr. Durch welche Gebete pflegen wir in der katholischen Kirche die seligste Jungfrau außer dem Ave Maria noch ganz besonders zu verehren? Antw. Vorzüglich durch folgende vier: 1) durch den englischen Gruß Morgens, Mittags und Abends, 2) durch den Rosenkranz, 3) durch die lauretanische Litanei und 4) durch das Salve Regina. (Diese vier Gebete wollen wir nun in den nachfolgenden Lesestücken ausführlicher durchgehen und zum Gegenstände unserer Maiandacht machen.) Fr. Warum betet man täglich dreimal beim Glockenzeichen das: „Der Engel des Herrn" oder den englischen Gruß? Antw. Damit wir uns an die Menschwerdung Jesu Christi dankbar erinnern und Maria als die Mutter unsers .Erlösers verehren. Belehrung. Dreimal des 'Tages erinnert uns die Kirche durch das Glockenzeichen (sieh das nebenstehende Bild!) an die Menschwerdung Jesu Christi im Schvoße der allerreinsten Jungfrau Maria, und ladet uns ein, Gott für dieses Geheimnis seiner Liebe zu danken, und Maria als die Mutter unsers Erlösers, zu verehren. Der Ursprung dieses frommen Gebrauches ist schon sehr alt. Die erste Einführung desselben mit dem Glockenzeichen geschah durch den Papst Urban II. im Jahre 1095. Da wurde verordnet, daß Morgens und Abends zum „Ave Maria" geläutet werden solle; später verordnet Papst Calixtus III. im Jahre 1456, daß auch Mittags geläutet werde. Anfangs wurde bei dem dreimaligen Absetzen des Geläutes nur ein Ave Maria gebetet; später aber setzte man vor einem jeden Ave Maria eine Antiphon, so daß in drei Antiphonen das Geheimnis der Menschwerdung verehrt wird. Fr. Wie heißt die erste Antiphon, und was wird in derselben ausgesprochen? Antw. Die erste Antiphon heißt: „Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und sie empfing vom heiligen Geiste"; in diesen Worten ist der Rathschluß oder die Absicht Gottes ausgesprochen, daß er seinen ein- gebornen Sohn für uns wollte Mensch werden lassen. Belehrung. Unter allen Töchtern Adam's war es nur Maria allein, die Gott für würdig fand, den Erlöser der Welt zu empfangen und zu gebären. Er ließ sie daher durch einen Engel fragen, ob sie einwilligen wolle, Mutter des Welt- Heilandes zu werden; er überließ es ihr, diesen Antrag anzunehmen oder auszuschlagen. Ohne zu sündigen, hätte Maria diesen Antrag ausschlagen können, weil sie es aus Demnth gethan haben würde; aber würde dann der Sohn Gottes auch Mensch geworden sein? Was wäre also aus uns geworden, hätte Maria diesen Antrag abgewiesen? Wir Alle würden noch tief in Finstcrniß und im Schatten des Todes sitzen, in Sünden und Lastern begraben liegen, würden Sklaven des Teufels, Kinder des Zornes und der Rache Gottes sein, und würden nach unserm Tode der Hölle anheimfallen. Aber sieh, Maria denkt nach über den Gruß des Engels, und der Engel wartet auf ihre Antwort. Maria spricht, und was sie spricht, das sagt uns die zweite Antiphon. Fr. Was enthält die zweite Antiphon, und wie lautet sie? Antw. Die zweite Antiphon enthält die Einwilligung Mariens und lautet: „Maria sprach: Sieh ich bin eineDienerin des Herrn; mir geschehe nach deinem Worte!" Belehrung. Maria nimmt also den Antrag des Engels an, sie willigt ein, die Mutter des Erlösers zu werden. O welche Freude für den Himmel! welcher Trost für die Erde! Kaum hat Maria diese Worte: „Mir geschehe!" ausgesprochen, als auch das ewige Wort des Vaters die Herrlichkeit des Himmels verließ, auf die Erde Herabstieg und durch die geheimnißvolle Mitwirkung des heiligen Geistes Fleisch annahm in dem reinsten Leibe der keuschesten Jungfrau Maria; in demselben Augenblicke geschah die Menschwerdung desSohnesGottes. Daher folgt nun die dritte Antiphon. Fr. Wie lautet die dritte Antiphon, und was enthält sie? Antw. Die dritte Antiphon lautet: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewöhnet"; wir preisen damit die Menschwerdung des göttlichen Sohnes. Belehrung. Mit Recht fallen wir bei den Worten dieser dritten Antiphon auf die Kniee und beten den Sohn 304 Zweites Hauptstiick. Der englische Gruß Morgens, Mittags und Abends. Gottes im jungfräulichen Leibe Mariens an; denn die Menschwerdung des göttlichen Sohnes ist für uns das anbetungswürdigste, das freudenreichste und trostvollste Geheim- niß. Nur aus Liebe zu uns ist ja Gottes Sohn Mensch geworden, um uns, die wir seine Feinde waren, von der Sünde und dem ewigen Tode zu erlösen; und Maria hat durch ihre Einwilligung die Menschwerdung des göttlichen Sohnes möglich gemacht; es ist daher eine schöne Sitte, wenn fromme Christen am Ende des englischen Grußes die Worte hiuzusetzen: „Gott und Maria sei Dank!" Ja, Gott und Maria sei Dank! Durch sie ist uns die größte aller Gnaden zu Theil geworden: die Menschwerdung des göttlichen Sohnes. Mit Freuden sollen wir also auf die Kniee fallen und mit dankerfülltem Herzen dieses ewig anbetungswürdige Geheimniß loben und preisen. Beispiel und Anwendung. Wir sollen hierin das erhabene Beispiel der heiligen Maria Magdalena von Pazzi nachahmen, die sich durch eine tiefinnige Verehrung gegen das hochheilige Geheimniß der Menschwerdung auszeichnete. Mit dankbarem Herzen, mit Thränen im Auge war sie fast unaufhörlich in die Betrachtung der unendlichen Liebe vertieft, die Jesus dadurch zeigte, daß er sich nicht scheuete, die Glorie des Himmels zu verlassen und durch die Wirkung des heiligen Geistes in den Schooß Mariens herab- zusteigcn. So sehr war sie von Ehrfurcht gegen dieses heilige Geheimniß durchdrungen, daß man auf ihrem Herzen die Worte eingegraben fand: „Lt verb um earo t'uotum est" Hund das Wort ist Fleisch geworden). -— So oft der Priester diese Worte in der heiligen Messe betet, fällt er auf seine Kniee nieder; so oft im Hochamte das ,M inesrnnlus 68 l" vom Chore ertönt, neigen sich ehrfurchtsvoll alle Diener des Altars — und wie benimmst du dich/mein Christ! wenn vom Kirchthume herab die Glocken ertönen und dich zum „der Engel des Herrn" eiuladen und zur dankbaren Erinnerung an das große, ewig anbetungswürdige Geheimniß der Menschwerdung Jesu Christi? Dreimal erinnert dich die Kirche während des Tages an diese unaussprechliche Wohlthat, und wie oft denkest wohl du daran? Dreimal sollst du dich des Tages auf deine Kniee niederwerfen bei den Worten: „Und das Wort ist Fleisch geworden," und die gränzenlose Liebe deines Gottes preisen! Aber ach, wie benehmen sich da gar viele Christen so undankbar! Mit bedecktem Haupte gehen sie durch die Gassen und Strassen, als wüßten sie gar nicht, was die Kirche mit dem dreimaligen Glockenzeichen will. O welch ein Undank! welch eine Verblendung! Fr. Warum ertönt denn dreimal: am Morgen, Mittags und Abends vom Kirchthurme herab das Ave- Maria-Geläute? Antw. Damit sich die Christen recht oft an dieses Geheimniß der Menschwerdung erinnern sollen. Belehrung. Am frühen Morgen, wenn du vom Schlafe erwachest, tönt es gar lieblich vom Kirchthurme herab: „Ave Maria!" und es bringt der Engel auch dir den Gruß und spricht: „Gedenke, o Mensch, der Liebe deines Gottes, der für dich Mensch geworden! Vergiß heute nicht der Wohlrhat deiner Erlösung und Heiligung, entweihe heute nicht deine menschliche Natur durch eine Sünde, sondern bewahre sie rein, da sie der Sohn Gottes selbst angenommen hat, um sie einst auch im Himmel zu verklären!" — Und am Mittag tönt es wieder vom Kirchthume herab: „Ave Maria!" damit du unter den Sorgen und Mühen des Tages, unter deinen Geschäften nicht vergessen mögest, daß du ein Christ bist, der sein Herz nicht an die irdischen Güter hängen dürfe; ein Christ, der nicht vergessen darf, daß er um das kostbare Blut des menschgewordenen Sohnes Gottes erkauft ist; — ein Christ, der mitten in der Last des Tages sein Herz zu Gott erheben und von Dem Hilfe und Beistand, Segen und Gedeihen erbitten muß, der für ihn Mensch geworden ist. — Am Abende tönt es wieder vom Kirchthurme herab: „Ave Maria!" damit du dich nicht verleiten lassest zu den Werken der Finsterniß, damit du nun Gott Dank sagest für alles Gute, das du am Tage genossen hast, und damit du gedenkest, wie es einst auch bei dir Nacht wird und du heimgehcn mußt in's andere Leben. Beispiel und Anwendung. Ueberhaupt sollen wir recht oft das Ave Maria beten und uns dabei an das erhabene Geheimniß der Menschwerdung Christi dankbar erinnern. Hugo, der wackre Ritter, satt des Eitlen und Besseres begehrend, ging zum Abte und bat inständig, in des Klosters Mauern ihn aufzunehmen nur als Laienbruder. Jedoch den Abt verdroß, den edlen Kriegsmann beizugesellen nieder» Laienbrüdern, dem Orden selbst, der Zahl der Brüder wünscht' er einzuverleiben solchen wackern Ritter. Und es befahl der Abt der Brüder einem, ihn das Brevier zu lehren; doch, der Kriegsmaun des Lernens ungewohnt, begriff von Allem zwei süße Wörtchen nur: Ave Maria! Ave Maria! war fortan sein Weidgruß, Ave Maria! sein Gebet und sein Leibspruch. Ave Maria! seufzt' er gehend, stehend, Ave Maria! lallt' er noch im Traume. Ave Maria! war sein Morgensegen, sein Abendsegen hieß Ave Maria! Es lautete das letzte Wörtchen, womit sein Herz ihm brach: Ave Maria! Als nun bestattet war der edle Ritter, wuchs eine Lilie aus des Frommen Grabe, und deutlich las man und mit goldnen Buchstaben auf jedem Blatt der Blume: Ave Maria! — So soll das Ave Maria auch unser Morgen- und Abendsegen sein, unser Gebet am Hellen Tage und in der dunklen, finstern Nacht. L eg e nd e: Derheil. Bisch ofMamertus. (ch477.) Wie oft wird nicht der heilige Mamertus, Bischof von Vienne in Frankreich, dessen Fest auf den heutigen Am Feierabende des 12. Mai. 3V5 Tag fällt, den englischen Gruß gebetet, wie oft das Geheimniß der Menschwerdung des Sohnes Gottes mit dankerfülltem Herzen gepriesenhaben! Er war ja überhaupt ein Mann des Gebetes; zu demselben nahm er bei den vielen und großen Drangsalen, von welchen die Stadt Vienne damals heimge- sncht wurde, ganz besonders seineZu- flncht, indem er die Bittgänge, wie sie noch heut zu Tage vor Christi Himmelfahrt abgehalten werden, einführte und dadurch die Strafen Gottes von der unglücklichen Stadt abwendete. Der heilige Mamertus starb im Jahre 477. Gebet. Bitte für uns, heiliger Bischof Mamertus! ans daß wir Alle Freunde des Gebetes werden und mit gleicher Liebe und Dankbarkeit das Geheimniß der Menschwerdung Preisen, wie du, damit Gott von uns gnädigst abwende alle Drangsale, sowie alle Gefahren für Leib und Seele — durch Jesum Christum, unfern Herrn. Amen. Hmdertzwemnddreißigstes Lesestück. Am Feierabende des 12. Mai. Der Rosenkranz: seine Bedeutung und Entstehung. Fr. Was ist der heilige Rosenkranz? Antw. Der heilige Rosenkranz ist eine altherkömmliche Andacht, ein überaus vortreffliches und nützliches Gebet, bestehend aus fünfzehn Absätzen, deren jeder zehn Ave Maria und ein Vater unser enthält, und wobei die vorzüglichsten Geheimnisse unserer Erlösung eingelegt werden. Belehrung. Was für den Priester das Psalterium, d. h., die 150 Psalmen Davids sind, das ist für jeden Laien, der des Lesens unkundig ist, der heilige Rosenkranz; darum besteht auch er aus fünfzehn mal zehn, d. h. aus150 Ave Maria. Daß diese Gebetsweisc eine schon altherkömm- Mehler, Hausbuch. liche sei, wird uns in der unten nachfolgenden geschichtlichen Zusammenstellung gezeigt werden; daß sie aber eine lobwürdigc, Gott angenehme und nützliche Andacht sei, müssen wir aus der schönen Einrichtung und aus dem Inhalte dieses Gebetes erkennen. Es ist nämlich darin Alles enthalten, was uns je heilig und erhaben, dem Geiste unserer heiligen Religion angemessen und der Ehre Mariä rühmlich und entsprechend sein kann. Wir beginnen mit dem Bekenntnisse unscrs Glaubens, bitten dann im Namen und mit den Worten Jesu im heiligen Vater unser und verehren Mariam durch häufige Wiederholung des englischen Grußes. Ueber- dieß fügen wir bei den einzelnen Absätzen von je 10 Ave Maria nach dem hochheiligen Namen Jesus die wichtigsten Geheimnisse der Erlösung bei. Sonach ist der Rosenkranz eine sehr nützliche und leichte Weise, sowohl innerlich als mündlich zu beten, die von der Kirche gutgeheißen und seither von ihr geübt und angerühmt wurde. Fr. Wie theilt man den Rosenkranz ein? Antw. Nach den verschiedenen Geheimnissen, die dabei eingelegt werden, zerfällt der Rosenkranz in den „freudenreichen," in den „schmerzhaften," und „glorreichen." Belehrung. Beim Nosenkranzgebete werden nach den verschiedenen Zeiten des Kirchenjahres 15 Geheimnisse eingelegt, welche die bedeutsamsten Ereignisse aus dem Leben Jesu und seiner jungfräulichen Mutter enthalten. Nach diesen Geheimnissen nun theilt man Pen Rosenkranz ein: 1) in den freudenreichen, weil dieser die so erfreulichen Geheimnisse der Em- pfängniß, Geburt und Kindheit Jesu enthält; in den schmerzhaften, welcher die so traurigen Geheimnisse des Leidens unv Sterbens Jesu umfaßt; und 3) in den glorreichen, der jene Geheimnisse enthält, welche sich auf die Verherrlichung Jesu und seiner heiligsten Mutter beziehen. 'MI, 30 306 Zweites Hauptstiick. Der Rosenkranz: seine Bedeutung und Entstehung. Den ersten betet man vom Advent bis zur Fastenzeit, den zweiten in der Fastenzeit und den dritten von Ostern bis wieder zum Advent. Da nun auf diese Weise die vorzüglichsten Geheimnisse unsers Glaubens wie duftende Rosen in einem Kranze aneinandergcreiht sind, so heißt man diese Gebetweise mit Recht „Rosenkranz". Bekanntlich besteht eine Rose aus grünen Blättern, stechenden Dornen und einer herrlichen Blume. Diese fehlen denn auch hier nicht; die grünen Blätter sind die freudenreichen, die stechenden Dornen sind die schmerzhaften, die herrlichen Blumen sind die glorreichen Geheimnisse. Diese grünen Blätter rc. selbst sind durch die eingestreuten Vaterunser und Ave Maria zu einem lieblichen Kranze zusammengeflochten. Fr. Von wem wurde der Rosenkranz eingeführt? Anlw. Wie wir den Rosenkranz jetzt haben, wurde er im 13. Jahrhundert vom heiligen Dominikus eingeführt. (Sieh das vorhergehende Bild!) Belehrung und Erzählung. Die Anfänge des Rosenkranzes gehen in's christliche Alterthum zurück. Wir finden dort, daß das Vater unser in einer bestimmten Anzahl wiederholt wurde, wobei die Einsiedler zum Abzählen sich kleiner Steinchen oder K örner bedienten. So berichtet z. B. Palladius von dem Abte Paulus, derselbe habe dreihundert Mal das Gebet des Herrn gesprochen und jedesmal, um nicht zu irren, ein Steinchen in seinen Schooß fallen lassen. Später bediente man sich einer Schnur von Körnern, die man häufig am Halse trug. Diese Weise wurde außer dem Vater unser bald auch auf den englischen Gruß, den man mehr und mehr an jenes Gebet auzureihen pflegte, angewendet. Sowie wir aber den Rosenkranz jetzt haben, wurde er im 13. Jahrhundert vom heiligen Dominikus eingeführt. Die Veranlassung war folgende: In einem großen Theile Spaniens herrschten die Mauren, die sich zum Islam bekannten und die Christen hart bedrängten. In Südfrankreich und einem Theile Italiens hauste die Sekte der Albigenser, welche die Menschwerdung Jesu, den Ehestand, das Priesterthum und alle heiligen Sakramente verwarfen und sogar behaupteten, daß die Welt nicht von Gott, sondern vom Teufel erschaffen worden sei. Da diese Jrrlehrer zugleich die Einziehung der Kirchengüter predigten, gewannen sie viele Große für sich, und ihre Lehre griff wie ein verheerender Strom um sich. Diese Bedrängniß der Kirche ging dem heiligen Dominikus sehr zu Herzen, und er klagte dem Herrn in großer Weh- muth seine Noth. Da er nun eines Tages wieder in tiefster Betrübniß auf den Knieen lag und betete, sagte ihm eine innere Stimme: „Dominikus! willst du die Sünder bekehren, so weise sie an Maria und lehre sie den heiligen Rosenkranz beten." Der Heilige folgte unverwcilt der inncrn Eingebung und ermahnte die Gläubigen, sie sollten ihre Zuflucht zu Maria nehmen und zu ihrer Ehre den heiligen Rosenkranz, den er sie so oft lehrte, beten. Und sieh', das Mittel übertraf alle Erwartung; die Albigenser bekehrten sich in Massen zum katholischen Glauben, und die verhärtetsten Sünder thaten Buße. Viele Bischöfe führten darauf die Andacht in ihren Sprengeln ein, und bald wurde dieselbe von der ganzen Kirche gutgeheißen und den Gläubigen stets auf alle Weise, sogar durch die Einsetzung eines eigenen Festes empfohlen. Legende: Der heilige Pankratius, Märtyrer, tt 304.) Viele Kirchen in Italien, England, Frankreich, Spanien und Deutschland tragen den Namen dieses Heiligen, dessen Andenken wir heute feiern. Die Legende erzählt, daß der heilige Pankratius zu Nom in seinem vierzehnten Lebensjahre gelitten habe und daselbst i. 1.304, nachdem er Jesum großmüthig bekannt hatte, unter Diokletian gemartert worden sei. Am Feierabende des 13. Mai, 307 Gebet. Selige Jungfrau Maria, die wir im heiligen Rosenkränze fromm verehren, erflehe uns bei Gott Kraft und Stärke, damit auch wir mit dem jugendlichen Märtyrer St. Pankratius Jesnm, deinen Sohn, großmüthig bekennen und für ihn Blut und Leben opfern. Amen. Himdertdreümddreißlgstes Lesestück. Am Feierabende des 13. Mai. Der Rosenkranz: seine Vortrefflichkeit nnd Kraft. Fr. Warum hat die Kirche den Gläubigen den Rosenkranz so nachdrücklich empfohlen? Antw. Weil derselbe 1) ein sehr vortreffliches und 2) ein sehr wirksames Gebet ist. Fr. Inwiefern ist der Rosenkranz ein sehr vortreffliches Gebet? Antw. Der Rosenkranz ist ein sehr vortreffliches Gebet 1) wegen seines höchst heiligen und auferbaulichen Inhaltes und 2) wegen seiner Einfachheit. Belehrung. Der Rosenkranz ist vortrefflich 1) wegen seines Inhaltes; denn Alles, was er in sich enthält, ist höchst heilig und auferbaulich. Er enthält, wie schon oben gesagt worden ist, vor Allem das apostolischeGlau- bensbekenntniß, diesen erhabenen Inbegriff aller Glau- bcnswahrheiten; dann das Vater unser, jenes Mustergebet, das uns Christus der Herr selbst gelehrt hat; ferner den englischen Gruß, der vom Himmel stammt, der Jcsum und Maria mit süßen Worten preist, und uns ihrer Alles vermögenden Fürsprache versichert. Damit verbinden wir gleich im Anfänge die Bitte um die drei Haupt lügenden: Glaube, Hoffnung und Liebe, und fügen endlich die schönsten und vorzüglichsten Geheimnisse aus der Lebens- und Leidensgeschichte Jesu und Mariens bei. Sage es nun selbst, mein Christ! ist dieß Alles nicht höchst heilig und auserbaulich? — Der Rosenkranz ist aber auch noch vortrefflich 2) wegen seinerEinfach- hcit; er ist ja überaus faßlich. Der Bauersmann, wie der Gelehrte; Der, welcher weder lesen noch schreiben gelernt hat, wie der in allen Kenntnissen und Wissenschaften Bewanderte; das Kind, wie der Erwachsene kann ihn verstehen und leicht dem Gedächtnisse einprägen, weßhalb er sich zugleich zur gemeinsamen Volksandacht zu Hause, wie in der Kirche oder auf dem Wege bei Prozessionen und Wallfahrten vorzüglich eignet. Beispiele und Anwendung. Daher haben Hohe und Niedere, Gelehrte und Ungelehrte von jeher den Rosenkranz mit besonderer Vorliebe und Andacht gehetet. Der heilige Franz von Sales betete den Rosenkranz, ungeachtet seiner überaus vielen Arbeiten, alle Tage. Merkwürdig ist die Antwort, die einst der heilige Bischof seinem Sekretär gab. Außerordentliche Beschäftigungen hatten ihm nicht erlaubt, den Rosenkranz zu der von ihm bestimmten Stunde zu beten, und erst bei Anbruch der Nacht bereitete er sich noch, obwohl ganz abgemattct, zur Erfüllung dieser frommen Pflicht vor. Dieses wahrnehmend bat ihn der Sekretär, die Noth- wendigkeit der Ruhe zu berücksichtigen und darum seinen Rosenkranz auf den morgigen Tag zu verschieben. Der Heilige aber erwiederte ihm: „Mein Freund! man muß, was noch zur rechten Zeit geschehen kann, nicht auf den morgigen Tag verschieben." — Ein großer Liebhaber des heiligen Rosenkranzes war auch der ehrwürdige Ber km ans. Dieser trug immer seinen Rosenkranz bei sich. „Ich habe," sagte er, „drei Schätze, mit denen ich gerne sterben will: mein Crucifix, meinen Rosenkranz und das Buch meiner Ordensregel." Er starb wirklich mit dem Rosenkränze in der Hand. Wohl Dem, der diese Andacht gerne und eifrig verrichtet! Denn es liegt darin eine große, segenreiche Kraft. Fr. Jnwieferne liegt im Rosenkränze eine große, 39 * 308 Zweites Hauptstück. Der Rosenkranz: seine Vortrefflichkeit und Kraft. segenreiche Kraft? oder inwiefern ist er ein wirksames Gebet? Antw. Weil Gott den eifrigen Betern des Rosenkranzes durch die Fürbitte Mariens schon zahllose Gnaden verliehen hat und noch immer verleiht. (Sieh das vorhergehende Bild!) Belehrung. Die Geschichte und die Legende bezeugen cs uns, daß schon viele fromme Beter des Rosenkranzes auf die Fürbitte der seligsten Jungfrau Maria im Leben zahllose Gnaden, in den Stunden der Versuchung und der Gefahr wunderbare Hilfe, auf dem Sterbebette eine besondere Stärke und einen süßen innern Trost von Gott empfangen haben. Mit Recht konnte daher der heilige Alphons Liguori ausrufcn: „ Wie viel Gutes verdankt die Welt dieser herrlichen Andacht! „Wie Viele sind durch dieselbe von ihren Sünden befreit, wie Viele dadurch zu einem heiligen Leben angeleitet worden! Wie Viele, die jetzt im Himmel sind, verdanken ihr einen seligen Tod!" —> Diese wunderbare Macht und Wirksamkeit des Nosenkranzgebetes will ich dir, mein christlicher Leser! nun in einigen Beispielen zeigen, damit du dieses Gebet recht lieb gewinnen mögest. Beispiele und Anwendung. Als der heilige Franz Xaver von Meliapor abreisen wollte, kam ein Kaufmann zu ihm, bat ihn um seinen Segen und irgend ein sichtbares Zeichen seiner Freundschaft. Da der Pater Nichts hatte, gab er ihm den Rosenkranz, den er am Halse trug, und sagte zu ihm: „Dieser Rosenkranz wird dir nicht unnütz sein, wenn du Vertrauen in Mariens Fürbitte setzest." Dieser Kaufmann gerieth bald in Gefahr; denn das Schiff, worauf er sich befand, wurde an den Felsen geschleudert und zertrümmert. Die meisten Matrosen und Reisenden gingen zu Grunde; nur Einige hielten an dem Felsen fest; unter diesen auch der Kaufmann. Sie faßten den Entschluß, um dem Hungertode zu entgehen , sich auf einige Bretter des zertrümmerten Schiffes zu werfen und sich den Wellen zu überlassen, ohne irgend eine andere Hoffnung als nur etwa diese, daß einige Strömungen sie an das Land treiben würden. Der Kaufmann, voll Vertrauen auf die heilige Jungfrau, hielt den Rosenkranz Xavers in der Hand und fürchtete sich nicht unterzugehen, so lange er denselben habe. Als er kaum auf den Brettern auf dem Wasser schwamm, kam er von sich und glaubte auf Meliapor bei Pater Franz zu sein. Wie staunte er nicht, als er wieder zu sich kam und sich auf einer unbekannten Küste befand?! Er sah weder seinen Unglücksgefährten noch die Bretter, denen er sein Leben anvertraut hatte. Durch die Vorübergehenden erfuhr er, daß er auf der Küste von Negapatan sei. Er erzählte voll Freude und Staunen Allen, wie er auf wunderbare Weise gerettet worden sei. — Eine ähnliche Begebenheit finden wir in einem Buche, das den Titel führt: „Geheimnisse. um alle Gnaden zu erlangen." Der fromme Verfasser erzählt, daß man bei einem Erdbeben eine Frau unter den Ruinen eines Hauses, das über derselben zusammengestürzt war, hervorgezogen habe. Ein Priester ließ nämlich die Steine wegräumen und fand unter denselben diese Frau mit ihren zwei Kindern in den Armen, welche alle unbeschädigt und ganz gesund waren. Als man dann die Frau fragte, welcher Andacht sie wohl ihre wunderbare Rettung zuschreibe, so sagte sie, daß sie nie unterlassen habe, täglich den Rosenkranz zu beten und eine gewisse Muttergotteskapelle zu besuchen.— Es darf uns daher nicht wundern, meine Christen! daß die Kirche den Rosenkranz mit reichlichen Ablässen beschenkt hat; sie will uns dadurch zum oftmaligen und eifrigen Abbeten desselben ermuntern, da sie den großen Segen kennt, der auf diesem Gebete ruht. Im Leben und Sterben nimm also oft, mein christlicher Leser! deine Zuflucht zum heiligen Rosenkränze; — du wirst viel Trost und Stärke darin finden. Legende: Der heil. Bischof Servatius. (ff384.) Heute begeht die Kirche das Andenken an den heiligen Servatius, Bischof von Tongern. Derselbe verwaltete 37 Jahre lang das bischöfliche Amt mit aller Treue und Sorgfalt. Mn- thig trat er der Aria- nischen Irrlehre entgegen und bot Alles auf, um die reine Lehre in seiner Kirche zu erhalten. Er verlegte hierauf seinen Sitz nach Mastricht und flehte unter Thräneu und Gebeten, unter Wachen und Fasten zu Gott, um den göttlichen Zorn zu besänftigen und die Einfälle der Feinde in Gallien dadurch abzuwenden. Da ihm aber Gott kund machte, daß er beschlossen habe, die Sünden der Gallier durch Kriegsverheerungeu zu züchtigen, so ergab er sich in Gottes Willen und starb heilig den 13. Mai 384. Gebet. O Maria, du Königin des heiligen Rosenkranzes, die du den frommen Verehrern dieses Gebetes jederzeit deine mütterliche Liebe und Hilfe angedeihen lassest, hilf auch uns, damit wir, wie der heilige Bischof Servatius, treu den Pflichten unsers Amtes und Berufes Nachkommen und dafür einst die Krone der Vergeltung empfangen mögen durch Jesum Christum, unfern Herrn. Amen. Am Feierabende des 14. Mai. 309 AMMK Hundertviermiddreißigstes Lesestück. Am Feierabende des 14. Mai. Die lauretanische Litanei. Fr. Welche Gebetsformel pflegt man häufig mit dem Rosenkränze zu verbinden? Antw. Die lauretanische Litanei, sogenannt, weil sie in der zn Loretto (lat. Imuratum) der seligsten Jungfrau gewidmeten Kirche zuerst gebetet oder gesungen wurde. Belehrung und Erzählung. Wenn ich die Ursache angeben soll, woher diese Litanei zu Ehren Mariens den Namen „die lauretanische" erhalten hat. so muß ich weiter ausholen; denn es liegt ihr eine Geschichte zu Grunde. Schon bei den allerersten Christen wurde jenes Haus zu Nazareth, in welchem Maria geboren, vom Erzengel Gabriel begrüßt wurde, und worin Jesus mit Maria und Joseph so lange gelebt hat, in höchsten Ehren gehalten. Die heiligen Apostel haben es selbst zu einem Bethause gemacht, und die heilige Kaiserin Helena erbaute über dasselbe einen Prachtvollen Tempel. Dieses Haus war bis zum Jahre 1291 zu Nazareth der Sammelplatz und der Ort inbrünstiger Andacht vieler Tausend gottesfürchtiger Christen. Weil aber um diese Zeit die Christen von den Türken so unterdrückt waren, daß jenes ehrwürdige Haus wie verödet dastand, so wurde es' von den heiligen Engeln, die Mariam im Himmel loben und preisen (sieh das nebenstehende Bild!) und ihre Verehrung überall hin verbreitet wissen wollen, aus dem Grunde gehoben, und über eine ungeheuere Länder- und Mceresstrecke nach Dalmatien, nach vier Jahren von da nach Ancona, einer Landschaft in Italien, gebracht, und in einem Walde des Neciwetaner Gebietes niedergcsetzt. Dieser Wald gehörte einer gottseligen Frau, Namens Lanretta, und von dieser hat dieses heilige Haus Mariens den Namen „das lauretanische Haus" bekommen. Nach acht Monaten wurde es wieder aus dem Walde auf einen Hügel gesetzt, steht daselbst noch und wird überaus in Ehren gehalten. Diese Geschichte ist zwar höchst wunderbar, und vielleicht möchten sie Einige unter die Fabeln eines dummen und leichtgläubigen, finstern Zeitalters setzen. Allein sie ist durch die Zeugnisse, durch die dalmatischen und ankonischen Urkunden, durch das Ansehen der glaubwürdigsten Geschichtschreiber so gewiß, daß man allen menschlichen Glauben, alles geschichtliche Ansehen aus der Welt verbannen müßte, wenn man sie im Ernste bezweifeln wollte. Die Kirche hat sogar auf den, 10. Dezember eigene Tagzeiten von der Ue- bertragung dieses Hauses von Nazareth nach Loretto im Brevier der Geistlichen angeordnet, und das Gebet, welches die Kirche bei diesen Tagzeiten betet, ist sehr lehrreich für uns. Sie betet: „O Gott, der du das Haus der seligsten Jungfrau durch das Geheimnis) des eingefleischten Wortes gehei- liget und dasselbe durch ein Wunder in den Schooß deiner Kirche übertragen hast, verleihe, daß wir uns von den Hütten der Sünder entfernen, und würdig gefunden werden, Inwohner deines heiligsten Hauses im Himmel zu sein." Ist dieß kein geistvolles Gebet? Möchten wir nur auch unsere Häuser heiligen durch einen christlichen Wandel, durch Gerechtigkeit und Gottesfurcht in denselben! Möchten wir das Haus unserer Seele, den Leib rein und ehrbar erhalten, damit er einst wieder mit der Seele vereiniget, auch übertragen werde in das himmlische Land! Fr. Ist auch die lauretanische Litanei ein sehr empfehlenswerthes Gebet? Antw. Ganz gewiß; daher hat die katholische Kirche diese Andacht mit Ablässen beschenkt, und die seligste Jungfrau hat ein großes Wohlgefallen daran, so daß sie den frommen Betern dieser Litanei durch ihre Fürbitte schon gar viele Gnaden erwirkt hat. Belehrung. Dass die lauretanische Litanei ein sehr empfehlenswerthes Gebet sei, erhellt schon aus dem Umstande, daß die heilige katholische Kirche selbst dasselbe 310 Zweites Hauptstück. Die lauretanische Litanei, empfiehlt und es mit vielen Ablässen beschenkt hat. Denn wer diese Andacht ehrerbietig verrichtet, erhält nach einer Bestimmung des Papstes Pius VII. vom 30. Sept. 1817 einen Ablaß von 300 Tagen; wer sie aber täglich betet, der gewinnt einen vollkommenen Ablaß an den fünf Hanptsesten Mariens, wenn er an denselben reumüthig beichtet, kommunicirt und bei Besuch einer Kirche nach der Meinung des Papstes die gewöhnlichen Gebete verrichtet.— Aber auch Gott der Herr und die seligste Jungfrau Maria haben großes Wohlgefallen an diesem Gebete; daher wurden den frommen Betern desselben nicht selten schon große Gnaden verliehen, wie wir aus nachfolgendem Beispiele ersehen. Beispiel und Anwendung. Weltberühmt ist der Name des Karmeliten Dominikus Ruzzola, der in Spanien, Italien und Deutschland mit unermüdlichem Eifer die Ehre Christi und seiner Kirche förderte, dem seine Zeitgenossen das Verdienst des glänzenden Sieges zuschrieben, welchen das katholische Heer am weißen Berge erfochten, und der (im Jahre 1530) in Wien von hinnen geschieden. Von ihm wird erzählt, daß er einst in Begleitung zahlreicher Gefährten auf einer Wanderung nach Valencia von der Nacht überfallen wurde. Der Himmel war so dicht mit Wolken bedeckt, daß kein Sternenschimmer die schwarze Finsterniß milderte, der Fußpfad von früheren Regengüssen so sumpfig, oft bodenlos, daß seine Begleiter fast bei jedem Schritte einsanken, und keiner dem andern beizustehen vermochte. In dieser Noth wendete Dominikus seinen Blick zum nächtlichen Himmel empor, stimmte das bekannte Gebet an, welches die lauretanische Litanei genannt wird, und die Anderen beteten ihm nach; siehe, da erschien über ihrem Haupte ein glänzendes Meteor, gleich einem Lichtballe, das ihren Pfad beleuchtete; der Boden ward unter ihren Füßen fester, und so legten sie noch zwei spanische Meilen zurück, bis sie wohlbehalten in Valencia anlangten. — Für uns sollen wir hieraus die Lehre ziehen: Wenn wir die seligste Jungfrau, sei es nun im Rosenkränze, oder in der lauretanischen Litanei, oder sonst einem Gebete, mit wahrer Ehrfurcht anrufen, so wird auch uns das Licht des Glaubens nicht untergehen, unser Weg wird sich befestigen; wir werden freudig erkennen und erfahren, daß die Vorsehung uns in der Nacht dieses Lebens eine himmlische Mutter und Führerin gegeben, die reich an Liebe, Güte und Macht ist, um Allen beizustehen, die ihre mütterliche Fürbitte suchen. Fr. Was enthält die lauretanische Litanei? Antw. Sie enthält Lobsprüche auf die seligste Jungfrau Maria, von denen die einen bestimmt, die andern aber symbolisch oder sinnbildlich sind. Belehrung. Maria wird in der lauretanischen Litanei unter den schönsten und erhabensten Bildern dargestellt, um dadurch ihr Lob auszusprechen; nach jedem Lobspruche aber rufen wir sie sogleich um ihre Fürbitte an mit den Worten: „Bitt' für uns!" — Die wunderlieblichen und tiefsinnigen Titel, die hier Maria crthcilt werden, sind vorzüglich aus dem hohen Liede entnommen und wurden ihr großen- theils schon von alten Kirchenvätern zuerkannt. So ruft z. B. schon Andreas von Jerusalem aus: „Du bist jetzt geworden, o Maria! die Bundeslade, in welcher der wahre Gott seine Ruhe genommen; du bist jetzt geworden die Arche, in welcher der göttliche Noe das menschliche Geschlecht vom Untergang errettet; du bist jetzt geworden das ehrwürdige Gefäß, in welchem das lebendige Brod, so vom Himmel kam, aufbewahrt ist; du bist jetzt geworden das geistliche Paradies, in welches der wahre Adam einzog, der Heiland der Welt; du bist endlich das goldene Haus, in welchem Gott Fleisch geworden, und der irdische Himmel, wo Gott seinen Stuhl aufgcschlagen, um unter uns zu wohnen." — Die einen von diesen Lobsprüchen auf die seligste Jungfrau Maria sind nun bestimmt, die andern aber symbolisch ober sinnbildlich; was sie bedeuten, das will ich dir nun, mein christlicher Leser! in den nachfolgenden Lesestücken näher erklären. Legende: Der heilige Märtyrer Bo nifac ins. (ch um d. I. 307.) In der Legende begegnet uns heute die Lebensgeschichte des heiligen Märtyrers Bo nifac ins. Dieser war ein römischer Bürger und lebte mehrere Jahre lang PW MAS L-L. Am Feierabende des 15. Mai. 311 in einem sündhaften Verhältnisse mit Aglar,, einer vornehmen und reichen Dame. Endlich ward er von der göttlichen Gnade erleuchtet, und er entschloß sich nun mit reumüthigem Herzen zur Besserung seines Lebens, ja er faßte sogar den Entschluß, als Märtyrer für Christus -u sterben. Wirklich führte er diesen seinen Entschluß auch treulich aus. Er begab sich daher von Rom nach ! Tarsus, der Hauptstadt Ciliciens, wo damals Kaiser ^ Maximian Galerius die Christen grausam verfolgen ließ, j Bonifacius trat unerschrocken zu den heiligen Mar- ! tyrern hin, umarmte und ermunterte sie unter Hinwei- ! sung auf die ewige Seligkeit zur Ausdauer. Kaum hatte ! man dieses Benehmen des heiligen Bonifacius bemerkt, so schleppte man ihn vor Gericht und forderte ! ihn auf, Christum zu verläugnen. Allein der heilige Märtyrer beharrte auf dem Bekenntnisse seines Glaubens. Man warf ihn daher in einen Kessel siedenden Wassers, aus dem er aber unverletzt hervorging. Endlich ward er zur Enthauptung verurtheilt. Unter Gebet empfing er den Todesstreich um d. I. 307. Gebet. O Gott, der du das Haus der seligsten Jungfrau Maria durch das Geheimniß des eingefleischten ! Wortes gcheiliget und dasselbe durch ein Wunder in , den Schooß deiner Kirche übertragen hast, verleihe, daß wir uns, wie der heilige Märtyrer Bonifacius, von den Hütten der Sünder entfernen und würdig gefunden werden, Inwohner deines heiligsten Hauses im Himmel zu werden >— durch Christum, unfern Herrn. Amen. Hundertsünfunddreißigstes Leseslück. Am Feierabende des 15. Mai. Was Maria nach den bestimmten Lobsprnchen der lanretanischen Litanei an nnd für sich selbst ist. Fr. Was drücken die bestimmten Lobsprüche aus, welche der seligsten Jungfrau Maria in der lauretani- schen Litanei ertheilt werden? Antw. Sie drücken aus: 1) was Maria an und für sich selbst ist, 2) was sie für uns, und 3) was sie in Beziehung auf alle Gerechten ist. Fr. Was ist also Maria nach diesen Lobsprüchcn an und für sich selbst? Antw. Sie ist 1) heilig, 2) Mutter, 3) Jungfrau. Fr. Mit welchen Worten wird Maria in der lau- retanischen Litanei als „heilig" bezeichnet? Antw. Mit den Worten: „Heilige Maria, heilige Gottesgebärerin, heilige Jungfrau aller Jungfrauen." Belehrung. Nachdem wir, wie in jeder Litanei den Eingang gemacht mit Anrufung der Barmherzigkeit des dreieinigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes, wodurch wir an den Tag legen, wem allein Anbetung gebührt, von wem allein unser Heil und unsere Erlösung, und jede Gabe und Gnade kommt, auf wen allein wir unser Vertrauen setzen und alle unsere Gebete beziehen, nachdem wir diesen Eingang gemacht, rufen wir aus: „Heilige Maria! Heilige Gottesgebärerin! HeiligeJung- srauallerJungfrauen!" Wir wollen dadurch besonders die Heiligkeit Mariens recht hervorheben und würdig preisen. Maria ist aber auch in Wahrheit heilig; heilig schon durch ihren Namen „Maria", welcher, wie der heilige Hieronymus bemerkt, nicht von Menschen erfunden, sondern vom Himmel herabgekommen und der göttlichen Mutter auf Befehl des Herrn ertheilt worden ist; Maria ist heilig durch ihre Würde als Gottesgebärerin; sie ist endlich heilig durch ihren frommen, heiligen, jungfräulichen Wandel als Jungfrau aller Jungfrauen. (Sieh das obige Bild!) Fr. Mit welchen Ausdrücken nennen wir Maria in der lauretanischen Litanei „Mutter"? 312 Zweites Hauptstück. Was Maria nach den bestimmtenLobsprüchen der lauret. Litanei an und für sich selbst ist. Antw. Zehnmal wird sie da „Mutter" genannt; sie heißt: „Mutter Christi", „Mutter der göttlichen Gnaden", „allerreinste", „allerkeuscheste", „nngeschwächte", „unbefleckte", „liebliche", „wnnderbarliche Mutter," „Mutter des Schöpfers", „Mutter des Erlösers." Belehrung. Maria ist die „Mutter Christi"; sie hat ja Christum geboren, den Gottmenschen, und wir preisen sie daher mit Recht als „Gottesgebärerin" und „Mutter Christi". Wir nennen sie ferner die „Mutter der göttlichen Gnaden"; denn sie hat Je- sum, den Gnadenspender geboren, hat Gnade in Fülle empfangen und bewirkt auch uns von Gott jede Gnade, wie schon oben im Ave Maria bei den Worten: „Du bist voll der Gnaden!" gezeigt worden ist. — Wir nennen sie die „allerreinste Mutter"; denn die Reinheit ihrer Seele wurde nie durch eine Sünde, nie durch eine Unvollkommenheit getrübt. Maria heißt ferner die „allerkeuscheste, ungeschwächte, unbefleckte Mutter," weil sie vor, in und nach der Geburt eine Jungfrau geblieben ist, wie schon oben (Seite 88) erklärt wurde. — Maria ist eine „liebliche Mutter", thcils weil ihre Reinheit und Tugend einen überaus annehmlichen Liebreiz über ihr heiliges Angesicht .und über ihr ganzes Aeußere ausgoß, theils weil sie durch ihre Tugenden vor Gott und den Menschen Liebe und Wohlgefallen fand, auch wegen ihrer Liebe zu Gott und den Nächsten, mit denen sie voll Güte, Sanftmuth und Freundlichkeit umging. Wir nennen sie endlich eine „wunder- barliche Mutter", weil in ihr das größte Wunder vorging, die Menschwerdung Gottes, ja die Menschwerdung Dessen, durch den Alles gemacht ist; darum heißt Maria auch eine „Mutter des Schöpfers", und eine „Mutter des Erlösers", weil von der Frucht ihres Leibes der En- gel gesagt hat: „Er wird Israel von seinen Sünden erlösen." Beispiel und Anwendung. Daß Maria eine wahre Mutter, und zwar eine überaus gute, liebliche und wunderbare Mutter sei, ersehen wir aus nachfolgender Legende. Es war einst ein frommes Mägdlein; das hatte eine gute Mutter, und die starb, und Männer trugen sie fort und begruben sie. Da weinte das Mägdlein und klagte und rief: „O meine Mutter, meine gute Mutter! Wer wird mir nun Speise und Trank geben? Wer wird mich pflegen und lieben? Nun bin ich verlassen auf der Welt, und kein Mensch erbarmt sich meiner." Und das Mägdlein ging hinaus in den Wald und sah eine Kapelle, unserer lieben Frau geweiht, und kniete nieder vor ihrem Bilde und betete: „O milde Himmelsmnttcr, Maria! meine Mutter ist todt, und ich ich habe Niemand, der sich meiner erbarmt. Ich bin eine arme Waise, o verlaß mich nicht in meiner Noth!" Und wie das Mägdlein so betete, da ward es Helle in dem Kirchlein, und das Mägdlein hörte einen süßen Gesang, wie es noch keinen gehört hatte, und empfand einen Wohlgeruch, lieblicher als zur Maizeit. Und darauf erschien eine Jungfrau. Die trug ein Kleid, weißer denn Schnee, und eine goldene Krone war auf ihrem Haupte, und Engel waren bei ihr, die sangen schön. Und die Jungfrau lächelte süß und milde und sprach zu dem Mägdlein: „Mein Kind, wisse, ich bin Maria, Gottes Mutter, und habe dein Gebet gehört. Ich will fortan auch deine Mutter sein." Und die Jungfrau berührte mit ihrer Hand des Kindes Stirne und verschwand. Das Herz des Mägdleins aber war getröstet, und es ging freudig aus dem Kirchlein nach Hause. Und Maria, Gottes Mutter, war mit dem Mägdlein von dieser Stunde an, und behütete es vor allen Gefahren des Leibes und der Seele, und es war fromm und rein und keusch. Und da das Mägdlein starb, nahm es Maria zu sich in den Himmel, und gab es seiner Mutter wieder, die auch dort war. — Zu dieser lichlichen, wunderbarlichen Mutter Maria mußt auch du, mein Christ! deine Zuflucht nehmen; sie wird dir Mutter sein und dich einführcn in die Glorie des Himmels, wo sie ewig thront an der Seite ihres göttlichen Sohnes. Fr. Mit welchen Worten wird Maria in der lau- retanischen Litanei als „Jungfrau" gelobt und gepriesen? Antw. Mit den Worten: „Jungfrau aller Jungfrauen"; „du allerweiseste", „ehrwürdige", „lobwürdige", „mächtige", „gütige", und „getreue Jungfrau." Belehrung. Maria heißt „Jungfrau allerJnng- frauen", weil ihre Jungfrauschaft selten, einzig und vortrefflich war; selten, denn sie hatte als die Erste unter ihrem Volke die Keuschheit so hoch geschätzt, daß sie gegen die Sitte ihres Landes das Gelübde ewiger Keuschheit gemacht ; einzig, denn sie war Jungfrau und Mutter zugleich; vortrefflich, denn sie war Jungfrau am Leibe und Geiste, in Gedanken, Worten und Werken. — Wir nennen Maria die „allerweisestc Jungfrau", weil sie bei all ihrem Thun und Lassen nur nach dem ewigen Ziele strebte und dabei die besten Mittel anwendete; wir nennen sie die „ehr- und lobwürdigste Jungfrau"; oder sollten wir Die nicht ehren und loben, die vom göttlichen Sohne, ja von der ganzen heiligen Dreifaltigkeit selbst so hoch geehrt und von den Engeln und Heiligen gelobt und gepriesen wurde und noch wird? Maria heißt ferner eine „mächtige" Jungfrau; denn wer sollte mächtiger unter allen Frauen und Jungfrauen sein, als Maria die Mutter Gottes, die Mutter Dessen, der alle Macht hat im Himmel und auf Erden? Maria ist aber auch eine „gütige" Jungfrau, weil sie schon im Leben voll Liebe, Sanftmuth und Güte gegen ihren Nächsten war, und cs noch immer ist im Him- Am Feierabende des kk). Mai. 313 mel, und weil sie innigsten Antheil nimmt an dem Heile unsers Leibes und unserer Seele. Sie ist endlich in der That auch eine „treue" Jungfrau. Wie treu war sie nicht in ihrem ganzen Leben! Nie hat sie die Bahn der Tugend verlassen; Nichts war im Stande, sie von ihrer Unschuld und Tugend, von ihrem Vertrauen auf Gott, von der treuen Erfüllung des göttlichen Willens abzubringen; sie war treu im Kleinen wie im Großen. Und so steht Maria da als die Jungfrau aller Jungfrauen, als das Muster und als die Liebhaberin aller Jungfrauen, wie uns der heilige Gregor der Große in nachfolgender Erzählung berichtet. Beispiel und Anwendung. Ein unschuldiges Mädchen, mit Namen Musa, an welchem man eine zwar harmlose, doch nicht selten lärmende Fröhlichkeit zu beobachten gewohnt war, hatte mit einem Male ein so ernsthaftes und schweigsames Wesen angenommen, erfüllte dabei ihre kleinen Pflichten mit solcher Genauigkeit und benahm sich gegen Jedermann so sanft und bescheiden, daß diese sehr auffallende Veränderung nicht minder die Sorge als die Neugierde ihrer Eltern und Verwandten weckte. Erst nach vielen Bitten und Fragen erhielt man von ihr die Auskunft: „Die Allerseligstc, von einer glänzenden Schaar von Jungfrauen begleitet, sei ihr erschienen und habe sie gefragt, ob sie Lust habe, in diese himmlischen Reihen ausgenommen zu werden?" — und nachdem sie eingewilligt, habe sie die Mahnung gehört: „Wohlan entsage dem kindischen Leichtsinne; sei fromm und bedachtsam, und nach dreißig Tagen werde ich dich aufnehmen." Der Erfolg entsprach auch diesen Aussagen des Kindes. Als die dreißig Tage verflossen waren, ward Musa von einem bedenklichen Unwohlsein ergriffen; plötzlich rief sie mit dem Ausdrucke des Jubels: „Ich komme, himmlische Frau! ich komme!" Und gleich darauf verschied sie und ward in den Himmel ausgenommen unter die Zahl der heiligen Jungfrauen. — O daß doch alle Jünglinge und Jungfrauen mit gleicher Bereitwilligkeit, wie Musa, dem mütterlichen Zurufe Mariens folgen möchten! Gewiß auch sie würden alsdann von Maria, der Jungfrau aller Jungfrauen und der Liebhaberin aller jungfräulichen Seelen, in die Glorie des Himmels ausgenommen werden. Legende: Der heilige Isidor, Landmann. (P 1170.) Ein treuer Diener Gottes und ein frommer Ver-, ehrer Mariens, der göttlichen Mutter und Jungfrau, war der heilige Landmann Isidor, dessen Fest wir heute begehen. Seine Eltern waren zwar arme, aber fromme Landlente zu Madrid, der Hauptstadt in Spanien, wo er um das Jahr 1110 geboren wurde. Sie ließen sich die gottselige Erziehung ihres Sohnes durch Wort und Beispiel ihre Hauptsorge sein. Isidor wuchs heran in aller Unschuld und Frömmigkeit, in Einfalt und Demuth des Herzens, und trat dann als kräftiger Jüngling in die Dienste eines Edelmannes von Madrid, um dessen Möhler, Hausbuch. Felder zu bestellen und blieb in demselben bis an sein heiliges Ende. Er schloß mit einer ebenfalls gottesfürch- tigen Jungfrau, Maria Tnribia mit Namen, ein eheliches Bündniß, das Gott mit einem Knaben, der jedoch schon frühe starb, segnete, wonach beide fromme Eheleute in strenger Enhaltsamkejt lebten. Täglich wohnte Isidor der heiligen Messe bei, was ihm sein Herr auch gerne gestattete, da er Nichts versäumte und seine Arbeiten immer gesegnet waren. Er wurde zwar von Neidern bei dem Herrn verklagt, als vernachlässige er dadurch seine Arbeit; allein sein Herr erkannte den Ungrnnd der Anklage, ja, er soll gesehen haben, daß Engel dem gebetseifrigen Ackersmann bei dem Pfluge behilflich waren. Isidor hielt sich vorzüglich an zwei christliche Grundsätze, deren Befolgung sicher zu einem erfreulichen Ziele führen, nämlich: „Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, so wird euch das klebrige beigegebcn werden!" (Matth. 6, 23.) und: „Jeder arbeite und schaffe mit den Händen etwas Gutes, ans daß er habe zu geben den Dürftigen!" (Eph. 4, 28.) Unbekannt der Welt, führte er ein so stilles, in Christo verborgenes Leben, und entschlief sanft im Herrn i. I. 1770. Auch seine Gattin, die fünf Jahre nach ihm starb, wird als Heilige verehrt. Gebet. Mit kindlicher Liebe, wie St. Isidor, verehren wir dich, du göttliche Gnadenmntter und Jungfrau Maria; bitte für uns, daß wir dir auch in der Tugend und Frömmigkeit Nachfolgen mögen. Amen. 40 314 Zweites Hauptstück. Was Maria nach den bestimmten Lobsprüchen der säuret. Litanei für uns ist. Hundcrtsechsmlddreißigstes Lesestück. Am Feierabende des 16. Mai. Was Maria nach den bestimmten Lobsprüchen der lauretanischen Litanei für uns ist. Fr. Was ist Maria nach den bestimmten Lobsprü- chen der lauretanischen Litanei für uns? Antw. Sie ist für uns: 1) die Ursache unserer Fröhlichkeit, 2) das Heil der Kranken, 3) die Zuflucht der Sünder, 4) die Trösterin der Betrübten, und 5) die Helferin der Christen. (Da schon oben S. 296 erklärt worden ist, daß Maria eine besondere Zuflucht der Sünder sei, so erklären wir hier nur noch die vier übrigen Punkte.) Fr. Warum nennen wir Maria „die Ursache unserer Fröhlichkeit"? Antw. Weil sie uns durch die Frucht ihres Leibes vom ewigen Untergang gerettet und uns den Eingang zur himmlischen Freude geöffnet hat. Belehrung und Beispiel. Als Judith, jene große Heldin, als Siegerin über Holofernes nach Bethulien zurück kam, freute sich Alles, und alles Volk rief: „Der Herr hat dich gesegnet in seiner Kraft; denn durch dich hat er unsere Feinde zunichte gemacht." Ja, die Fröhlichkeit über diesen Sieg war in Israel so groß, daß Joakim, der Hohepriester zu Jerusalem, selbst kam mit allen Priestern, um Judith zu sehen, und als er sie sah, rief er aus: „Du bist der Ruhm Jerusalems und die Freude Israels, du die Ehre unsers Volkes." — „Und das Volk," heißt es, „war fröhlich und drei Monate lang feierte man das Freudenfest dieses Sieges mit Judith, ja, der Festtag dieses Sieges ward von den Hebräern in die Zahl der heiligen Tage ausgenommen." Werdet ihr nun nicht selbst sagen: „Wenn die Juden Judith als die Ursache ihrer Fröhlichkeit ansahen, um wie viel mehr müssen wir Maria für die Ursache einer weit höheren Freude halten, da sie der Herr mehr noch als Judith gesegnet in seiner Kraft, da die Frucht ihres Leibes, Jesus, uns von dem ewigen Tode errettet hat?" Wer soll in Maria nicht die Ursache der Fröhlichkeit finden, da sie zugleich auch das Heil der Kranken ist? Fr. In wieferue ist Maria „das Heil der Kranken?" Antw. Weil schon unzählige Kranke durch Maria Trost und Hilfe gefunden, ja, auf ihre Fürbitte hin sogar die Gesundheit wieder erlangt haben. Belehrung. Wir lesen zwar in der heiligen Schrift kein Beispiel, daß Maria einen Kranken geheilt habe, aber gehen wir nur in eine der heiligen Jungfrau zu Ehren erbaute Kirche, betrachten wir die vielen Votivtafeln u. s. w., oder lesen wir die Geschichte der Heiligen, und wir finden Beweise genug, daß unzählige Kranke bei Maria in ihren Leiden Trost und Erquickung, ja, nicht selten schon auf ihre Fürbitte hin sogar die Gesundheit des Leibes und der Seele gefunden haben. Aus tausend Beispielen nur Eines, und zwar aus der allerneuesten Zeit. Beispiel und Anwendung. Bilbao in Spanien nebst den benachbarten Ortschaften war von der Cholera auf schreckliche Weise heimgesucht worden. Die Gemeinderäthe beschlossen deßhalb zu Ehren Derjenigen, welche wir Alle „Heil der Kranken" nennen, und für welche jeder Bis- cayer die zärtlichste und begeistertste Verehrung hat, am 8. Sept., dem Tage ihrer gnadenreichen Geburt, eine feierliche Prozession zu veranstalten. Seitdem diese, die zahlreichste, feierlichste und herrlichste, deren man sich erinnern kann, stattgefunden, hat die schreckliche Seuche so rasch abgenommen, daß noch vor Ablauf der Octav weder in Bilbao, noch der Umgegend ein Cholerafall mehr sich zeigte; der schreckliche Gast, der so viele Thränen verursachte, war verschwunden. Es wurden öffentliche Danksagungen veranstaltet, und um das Andenken an eine so große Wohlthat zu Am Feierabende des 16. Mai. 315 verewigen, haben einige eifrige Gläubige beschlossen, eine Denkmünze zur Erinnerung an dieses Ereigniß Prägen zu lassen. Die Medaille trägt auf der einen Seite die heilige Jungfrau mit der Umschrift: „Wir haben am 8. Sept. zu ihr gefleht," und auf der Kehrseite die Worte: „Sic hat uns von der Pest am 16. desselben Monats befreit 1855." — Sollen wir also, meine Christen! auf dem Krankenbette uns nicht mit Vertrauen an Maria wenden und zu ihr rufen: „Maria, Heil der Kranken, bitt für uns"!? Magst du selbst, oder mögen Andere krank sein, nimm deine Zuflucht zu Maria im Gebete; du wirst es erfahren, daß Maria ist „das Heil der Kranken." Fr. Warum wird Maria „die Trösterin der Betrübten" genannt? Antw. Weil es kein Anliegen, keine Trübsal, keine Noth gibt, an welcher Maria nicht Antheil nimmt, und in der sie uns nicht hilft, wenn wir zn ihr rufen: „Bitte für uns!" Belehrung und Beispiel. „Ein vortreffliches Mittel," schreibt Scaramelli, „bei geistiger Niedergeschlagenheit, bei Kleinmuch uud Mißtrauen ist die Hoffnung auf die seligste Jungfrau Maria; sie pflegt mit ihrem himmlischen Lichte die Finsternisse der Traurigkeit zu verscheuchen, und den bestürmten Herzen den Frieden wieder zu geben." Wie viele Christen haben dieß nicht schon erfahren in den Augenblicken des Klcinmuthes und der Trübsal! Als der heilige Franz von Sales noch zu Paris studirte, empfahl er sich vorzüglich der Fürbitte Mariens. Er fiel einst in eine unaussprechliche Angst über sein Seelenheil, er hielt sich für verloren, und diese grauenvolle Vorstellung erfüllte ihn mit Schrecknissen und brachte ihn an den Rand der Verzweiflung; selbst seine körperlichen Kräfte schwanden, und sein Zustand war in der That erbärmlich. Da ging Sales in die Kirche zum heiligen Stephan, wo ihn der Anblick eines Gemäldes der heiligen Jungfrau immer mit Vertrauen erfüllt hatte. Hier warf er sich auf seine Kniee nieder und empfahl sich dringend der Fürbitte Mariens. Kaum hatte er sein Gebet vollendet, so verschwand alle Seelenangst, die drückende Last war vom Herzen genommen, und Ruhe und Friede kehrten wieder zurück. — Sehet da die Trösterin der Betrübten! Fr. Warum nennen wir endlich Mariam „die Helferin der Christen"? Antw. Weil sie den Christen gegen die Feinde ihres Glaubens kämpfen und siegen hilft. Erzählung und Anwendung. Aus nachfolgender Begebenheit läßt es sich deutlich ersehen, daß Maria eine besondere Helferin der Christen sei. (Sieh das vorhergehende Bild!) Es war im Jahre 1571, als der türkische Kaiser Selim II. in der Absicht, ganz Europa dem Joche Muhameds zu unterwerfen und den christlichen Namen auf dem ganzen Erdboden auszurotlen, mit Venedig wegen der Insel Cypern einen blutigen Krieg begann. Die große Gefahr aller christlichen Länder machte Einigung nöthig. Der heilige Vater forderte deßhalb die europäischen Mächte zum gemeinsamen Kampfe gegen den Erbfeind des christlichen Namens auf; aber seine Stimme ward nicht gehört. Nur die Spanier und Venetianer halfen zusammen; ihnen gesellte der Papst auch noch seine wenigen Truppen bei, und so lief die im Verhältnisse zur türkischen Flotte nur winzige christliche Flotte unter Johann dem Oesterreicher, einem Sohne Kaiser Karl's V., aus. Zur nämlichen Zeit hielten die Mitglieder der Rosenkranzbruderschaft, welche der heilige Dominikus gegründet hatte, allenthalben feierliche Bittgänge, um durch die Fürbitte Mariä einen glücklichen Ausgang des Krieges zu erlangen. Die christliche Armee selbst stellte sich unter den Schutz Mariä, bevor am 7. Oktober des Jahres 1571 die blutige Seeschlacht bei Le- panto begann. Am Tage dieser entscheidenden Schlacht arbeitete Papst Pius V. mit seinen Cardinälen, als er plötzlich an's Fenster trat, einige Augenblicke gegen Himmel sah und nun auf einmal in die freudigen Worte ausbrach: „Nun soll nicht mehr die Rede von Geschäften sein! Nur Dankgebete sollen wir zum Himmel schicken für den Sieg, den Gott so eben der christlichen Armee verliehen hat!" Und wirklich war geschehen, was der Heilige in so weiter Ferne im Geiste geschaut hatte. Die Christen hatten einen vollkommenen Sieg erfochten. Voll Freude hierüber fügte der Papst den Lobspruch: Du Helferin der Christen! in die Litanei ein, und verordnet das Fest des heiligen Rosenkranzes, welches Gregor XIII. der ganzen Christenheit vorschrieb, und das am ersten Sonntag im Oktober gefeiert wird. — So half also Maria den ersten Christen gegen die Feinde ihres Glaubens siegen. Sei in Wahrheit und im vollen Sinne des Wortes „Christ," und auch du wirst Mariens Hilfe tausendfach auf deiner irdischen Pilgerfahrt empfinden! Glaube mir: Sie läßt sich nicht vergebens eine Helferin der Christen nennen! Mit Macht hat sie ja von jeher gegen alle Feinde des Christcnthums, gegen alle Ketzereien gekämpft und Jenen Beistand und Hilfe gewährt, die sich in solchen Glaubenskämpfen für die Ehre der christlichen Kirche besonders her- vorgethan haben. Darum sagt die Kirche Gottes selbst, daß Maria alle Ketzereien auf der ganzen Erde vernichtet habe. Legende: Der heilige Johannes von Nepomuk, Märtyrer. (ch 1385.) Ein großer Heiliger und gewiß auch ein großer Verehrer der göttlichen Gnadeninutter Maria begegnet uns heute in der. Geschichte der Heiligen; es ist dieß Johannes von Nepomuk, der Märtyrer der heiligen Verschwiegenheit. Wie oft wird er nicht an Maria eine Trösterin und Helferin gefunden haben? — St. Johannes erhielt seinen Beinamen von seinem Geburts- 316 Zweites Hauptstück. Was Maria nach den bestimmten Lobsprüchen der lauret. Litanei für alle Gerechten ist. Nepomuk in Böhmen, wo er im Jahre 1330 das Licht der Welt erblickte. Er trat in den Priesterstand und predigte als Seelsorger in Prag Gottes Wort so kräftig und hinreißend, daß in Kurzem eine allgemeine Sittenverbesserung wahrgenommen wurde. Nur aus Liebe zu den Armen nahm er die Stelle eines Almosenpflegers und Beichtvaters der Königin Johanna, Tochter Alberts von Bayern, an, die von der rohen Gemnthsart ihres Gemahls Vieles zn erdulden hatte. Auch in dieser Stellung wirkte der Heilige mit Segen und ward allgemein hochgeachtet. Nur König Wenzeslaus, ungezähmt in seinem ausschweifenden Lebenswandel, grollte dem strengen Sittenrichter. Er forderte sogar von ihm die Entdeckung unter dem Siegel strenger Verschwiegenheit anvertranter Geheimnisse, die der fromme Mann abzulegen nicht vermochte. Darüber ergrimmte der König so sehr, daß er den unschuldigen Priester grausam foltern, und, nachdem er durch diese vergebliche Marter seine Absicbt nicht erreicht hatte, in der Nacht in den Moldaufluß stürzen ließ. Bald sah man auf dem Wasser ein Helles Licht in Gestalt funkelnder Sterne, die den heiligen Leib umgaben. Alles Volk lief herbei und verwunderte sich. Bei anbrechendem Tage wurde der Leichnam des Märtyrers aufgefuuden und von den Domherren mit großem Triumphe in die Kathedrale übersetzt, wo er von selbiger Stunde an von allem Volke um Fürbitte bei Gott angerufen ward. Die Bulle der Heiligsprechung erschien im Jahre 1729. Gebet. Maria, du Ursache unserer Fröhlichkeit, du Heil der Kranken, du Zuflucht der Sünder, du Trösterin der Betrübten, du Helferin der Christen! bitte für uns, damit wir nach dem Beispiele des heiligen Johannes von Nepomuk unfern Mund sorgfältig bewahren und einst jenen Heiligen, die sich mit der Zunge nicht versündigt haben, beigezählt werden mögen durch Christum, unfern Herrn. Amen. Hundertsiebenuuddreißigstes Lesestück. Am Feierabende des 17. Mai. Was Maria nach den bestimmten Lobsprnchen der lauretanischen Litanei für alle Gerechten ist. Fr. Was ist Maria für alle Gerechten? Antw. Maria ist in Bezug auf alle Gerechten des A. und N. Testaments eine „Königin"; daher heißt sie in der lauretanischen Litanei: eine Königin der Engel, der Patriarchen, der Propheten, der Apostel, der Bekenner, der Märtyrer, der Jungfrauen, eine Königin aller Heiligen. (Sieh das nachfolgende Bild!) Fr. Warum ist Maria „die König in der Engel"? Antw. Weil sie dieselben an Ruhm, an Heiligkeit und an Würde übertrifft. Belehrung und Beispiel. Soviel auch die heilige» Engel im A. und N. Testamente Ruhm erlangt haben, so heißt es doch von keinem derselben, wie von Maria: „Bon nun an werden mich alle Geschlechter selig preisen." Bei Tobias verbot sich ein Engel alle Ehrenbezeugung; Maria aber wird von einem Engel selbst auf Geheiß Gottes mit einer Ehrfurcht angeredet und begrüßt, wie er sic nur einem Wesen bezeugen konute, das er für erhabener ansah, als alle Engel, die er sonach betrachtete als die Königinderselben; nnd so heißt Maria mit Recht „die Königin der Engel." Fr. Warum wird Maria „die Königin der Patriarchen, der Propheten und der Apostel" genannt? - Antw. Weil sie 1) die Patriarchen an demüthi- gem Glauben nnd an heiliger Sehnsucht nach dem Erlöser übertraf; 2) weil sie die Braut des heiligen Geistes war, die Propheten aber nur Werkzeuge desselben, und 3) weil sie die Mutter Christi war, die Apostel aber nur Freunde Christi. Sie steht sonach als Königin erhaben über alle Patriarchen, Propheten und Apostel. Fr. Warum heißt Maria „die Königin der Martyre r"? Am Feierabende des 17. Mai. 317 / />. ^ Antw. Weil sie mehr gelitten hat, als alle heiligen Märtyrer. Belehrung. Kein Märtyrer hat je gelitten, was Maria litt; denn ein siebenfaches Schwert durchdrang ihr Herz. Die Märtyrer litten nur kurze Zeit, einige Stunden oder Tage; Maria aber litt ihr ganzes Leben, von dem Augenblicke an, da sic wußte, daß Joseph ihre Keuschheit in Zweifel zog bis zu dem schaudervollsten Augenblicke, wo ihr gekreuzigter Sohn das Haupt neigte und den Geist aufgab. Jedes Wort, das gegen ihren Sohn geredet wurde, durchstach ihr Herz, jede Wunde, die sie an dem zerfleischten Leibe Jesu sah, ward auch eine schmerzliche Wunde ihrer Seele, sie starb den Schmerzen nach einen tausendfachen Tod, sie verlor aber ihre Empfindung durch keine Ohnmacht, sie stand selbst noch unter dem Kreuze, um Alles neu und mit jedem Pulsschlage zu empfinden. Beispiel und Anwendung. Denke oft, mein Christ! an diese Leiden Mariens, wenn du in der lauretanischen Litanei betest: „Du Königin der Märtyrer, bitt' für uns!" Hüte dich aber zugleich, ihren göttlichen Sohn durch Sünden zu beleidigen und dadurch ihre Schmerzen zu erneuern! — Es wird erzählt, daß ein Jüngling von einer inbrünstigen Andacht zur schmerzhaften Mutter, zur Königin der Märtyrer, erfüllt war. Als er einst in eine Sünde gefallen war, und das Bild wieder betrachtete, welches das Herz Mariens mit sieben Schwertern darstclltc, da erschienen ihm statt sieben acht in ihrem Herzen, und er erkannte sogleich, daß dieses achte Schwert seine begangene Sünde sei. — Ach, mit wie vielen Schwertern, oder wenn auch dies; nicht, mit wie vielen Dolchen, oder wenn auch das nicht, mit wie vielen Messern, oder wenigstens mit wie vielen Nadelstichen durchbohrt — würde wohl uns das Herz Mariens erscheinen, wenn wir all die unzähligen Sünden sehen könnten, durch welche Christus mit jedem Augenblicke beleidigt und auf's Neue gekreuzigt und der Mutter liebend Herz auf's Neue verwundet wird! O halte es nicht, mein Christ! mit diesen Unglücklichen, die Sünde auf Sünde häufen und dadurch die Leiden Jesu und die Schmerzen Mariens immer wieder erneuern! Umsonst würdest du da zu Maria rufen: „Königin der Märtyrer, bitt' für uns!" Fr. Warum wird endlich Maria in der laurctani- schen Litanei gepriesen als „Königin der Bekenner oder Beichtiger", als „Königin der Jungfrauen", und als „Königin aller Heiligen"? Antw. Weil sie alle Bekenner an Tugenden, alle Jungfrauen an Unschuld und Neinigkeit und alle Heiligen an Heiligkeit übertroffen hat. Belehrung. Maria ist die Königin der Bekenner oder Beichtiger; denn kein Glaube, kein Vertrauen, keine Liebe zu Gott und den Nächsten, kein Eifer im Gebet, keine Demuth, keine Liebe der Feinde, keine Büßfertigkeit, so groß diese Tugenden auch bei den Bekennern sind, übertraf ihren Glauben, ihre Gottseligkeit. — Sie ist die Königin der Jungfrauen; denn nicht nur, daß sie die erste war, welche die Fahne der ewigen Keuschheit aufpflanzte, schätzte sic diese Tugend so hoch, daß sie lieber auf die Würde einer Mutter Gottes, als auf die der jungfräulichen Keuschheit verzichtet hätte. So ist denn Maria auch die Königin aller Heiligen; denn keiner aus allen war schon in dem ersten Augenblicke seines Lebens so reich an Verdiensten. Legende: Der heilige Bruno, Bischof zu Würzburg, (ch 1045.) Der heilige Bruno, dessen Fest die Diözese Würz- bnrg am heutigen Tage begeht, war ein Sohn Conrads, Herzogs von Kärnthen. Derselbe wurde mit großer Sorgfalt erzogen und schon frühzeitig nicht nur zur Wissenschaft, sondern auch zu einer gründlichen Frömmigkeit angeleitet. Auf dieser ruhmvollen Doppelbahn machte er glänzende Fortschritte, von denen er uns in seinen Werken, die er über die Psalmen und Kirchcnge- sänge verfaßte, ehrenwerthe Denkmäler hinterließ. — Wegen seiner hohen Verdienste wurde er im Jahre 1033 auf den bischöflichen Stuhl von Würzburg erhoben und stand seiner geliebten Heerde mit christlicher Weisheit und mit dem wachsamsten Hirteneifer über elf Jahre 318 Zweites Hauptstück. Die symbolischen Lobsprüche Mariens in der lanretanischen Litanei. lang vor. Seine Einkünfte vertheilte er entweder unter die Armen oder stiftete damit neue Kirchen und stellte verfallene wieder her. Die Domkirchc zum heiligen Kilian in Würzburg ist dermalen noch das schönste Denkmal seines Hirteneifers und seiner thätigen Frömmigkeit. Er starb gottergeben und selig im Herrn im Jahre 1045. Nach beinahe 200 Jahren (1202 und 1203) erscholl in ganz Deutschland und Italien der Ruf der an seinem Grabe geschehenen Wunder; wcßhalb er heilig gesprochen wurde, wie man glaubt, von Papst Jnnocenz lV. Gebet. Heilige Maria, dn Königin der Heiligen! erwirke uns durch deine Fürbitte bei Gott die Gnade, daß auch wir, wie der heilige Bischof Bruno, unsere irdischen Reichthümer lind Güter nur zum Besten unsrer armen Mitmenschen und unserer heiligen katholischen Kirche verwenden und uns so die Herrlichkeit des Himmels erkaufen mögen. Amen. Hundcrtachtmlddreißigstes Lcscstück. Am Feierabende des 18. Mai. Die symbolischen Lobsprüche Mariens in der lanretanischen Lianei: 1) Spiegel der Gerechtigkeit, 2) Sitz der Weisheit. Fr. Wie lauten die symbolischen oder sinnbildlichen Lobsprüche Mariens in der laureta- nischen Litanei? Antw. Die symbolischen oder sinnbildlichen Lobsprüche Mariens, deren zwölf sind, lauten: Du Spiegel der Gerechtigkeit, du Sitz der Weisheit, du geistliches Gefäß, dn ehrwürdiges Gefäß, dn vortreffliches Gefäß der Andacht, dn geistliche Rose, du Thurm Davids, du elfenbeinener Thurm, du goldnes Haus, du Arche des Bundes, du Himmelspforte, du Morgenstern. — Sie sind, wie schon oben gesagt, großentheils dem hohen Liede entnommen und haben einen tiefen Sinn, wie wir aus den nachfolgenden Belehrungen ersehen werden. Fr. Warum heißt Maria „Spiegel der Gerechtigkeit"? Antw. Weil sie alle Tugenden in sich vereinigt, welche die christliche Gerechtigkeit vollkommen ausmachen. (Sieh das nachfolgende Bild!) Belehrung. Maria wird uns wie ein Spiegel vorgehalten, in dessen Reinheit wir alle unsere Mängel und Unvollkommenheiten sehen, und nach dem Vorbilde ihrer Vollkommenheit verbessern können und sollen. Was wir in Beziehung auf unser Aeußeres, auf unfern Leib, dessen Gestalt und Anzug bemerken, wenn wir uns in einem Spiegel besehen, das bemerken wir in Beziehung auf unser Inneres, auf unsere Seele und ihre Beschaffenheit, wenn wir uns Mariens vollkommene Gerechtigkeit gleich einem Spiegel vor die, Augen unseres Geistes halten. Da sie der Inbegriff aller Tugenden ist, so finden wir, wenn wir uns mit ihr vergleichen, welche Tugenden uns noch mangeln, und weil Maria jede Tugend ganz vollkommen besitzt, so können wir, wenn wir die Tugenden, die wir etwa besitzen, an den reinen Spiegel der ihrigen halten, finden, was unfern Tugenden noch an Vollkommenheit mangelt. — Wie nützlich wird es also nicht für uns sein, wenn wir uns recht oft in diesem Spiegel der Gerechtigkeit besehen? Beispiel und Anwendung. Eine fromme Mutter hatte eine eitle und putzsüchtige Tochter, die sich nicht oft genug im Spiegel besehen konnte. Mit Wehmuth bemerkte die Mutter, wie selbe von Tag zu Tag an Eitelkeit und Weltliebe zunehme, und sann ernstlich auf Mittel, diesem Verderben ihres Kindes zu steuern. Eine Tages machte sie eine Wallfahrt in die nahe gelegene Maria-Hilfs-Kirche und flehte da unter Thränen zu Maria für ihre unglückliche Tochter. Nahe an der Wallfahrtskirche wurden den Wallfahrern, wie cs gewöhnlich der Fall ist, Bilder zum Kaufe angeboten; eines davon nun, welches die seligste Jungfrau als den Spiegel der Gerechtigkeit darstellte, gefiel der frommen Mutter ganz besonders. Sie kaufte selbes, und als sie nach Hause kam, hing sie dieses schöne Bild, nachdem sie den Spiegel weggenommen hatte, an die Stelle desselben. Alsbald kam die putzsüchtige Tochter, um sich wieder im Spiegel zu beschauen; aber wie erstaunte sie, als sie Am Feierabende des 18. Mai. 318 an der Stelle desselben einen ganz anderen Spiegel erblickte, Maria nämlich, den Spiegel der Gerechtigkeit! Mit Freuden bemerkte die Mutter den tiefen Eindruck, den das Bild auf ihre Tochter machte, und benützte diesen glücklichen Augenblick zu einer heilsamen Lehre für dieselbe. „Ja, mein Kind!" also sprach sie voll Ernst und Würde, „dich soll von nun an dein Spiegel sein; darin sollst du dich besehen alle Tage deines Lebens ! Maria soll dein Vorbild sein; der Spiegel der Gerechtigkeit soll dir zeigen, wie abscheulich die Eitelkeit und die Weltliebe sei, wie schön und erhaben hingegen die Tugend und Gottesliebe! Lege ab deinen eitlen Sinn und ahme nach die schönen Tugenden Mariens, unsers erhabensten Vorbildes!" Die sinnreiche Erfindung und die würdevollen Worte der frommen Mutter blieben nicht ohne Segen. — O möchte in allen Familien Maria jener Spiegel sein, in dem sich Alle besehen und nach dem sich Alle richten! Bedienen wir uns ja eines gewöhnlichen Spiegels, um die Gestalt unsers Leibes zu beobachten und dessen Anzug und Schmuck zu ordnen, um wievielmehr müssen wir uns eines geistigenSpiegels bedienen, eines erhabenen Vorbildes und Musters, in welchem wir die Beschaffenheit unsrer Seele kennen lernen, und nach welchem wir sie ausbilden und vervollkommnen sollen? Ist nicht die Schönheit der Seele mehr Werth, als die des Leibes? Dieser geistige Spiegel nun sei uns Allen Maria, die da genannt wird und in Wahrheit ist „der Spiegel der Gerechtigkeit. " Fr. Warum heißt Maria „Sitz der Weisheit"? Antw. 1) Weil Jesus Christus, die ewige Weisheit selbst, sie zu ihrem Throne erwählt hat, und 2) weil Maria mit dem Geiste der himmlischen. Weisheit ganz erfüllt war. Belehrung. Maria ist der Sitz der Weisheit; denn in ihrem jungfräulichen Leibe hat die ewige Weisheit des Vaters, Jesus Christus, Fleisch angenommen und neun Monate im jungfräulichen Schooße Mariens gewohnt; überdieß wurde ja auch Maria selbst vom heiligen Geiste überschattet und mit himmlischer Weisheit erfüllt. Wenn du also, mein Christ! zur wahren Weisheit gelangen willst, so eile oft hin zu Maria und rufe zu ihr: „Heilige Maria, du Sitz der Weisheit, bitte für uns!" Beispiel und Anwendung. Heinrich D i l s o n trat in den Jesuitenorden; zeigte sich aber so stumpf und gedächt- nißschwach, daß er nichts Geistiges zu erlernen vermochte. Als er aber eines Tages im höchsten Schmerze deßwegen vor einem Bilde der heiligen Jungfrau niedergeworfen lag, und ihr Leib und Seele und alle seine Kräfte auf immer geweiht hatte, wurde er mit einem Male so gedächtnißstark, daß ergänze Predigten behalten und nach Jahren noch vortragen konnte; dabei so einsichtig in göttlichen Dingen, daß die tiefsten Theologen des Ordens urtheilten, er schöpfe wie aus dem gründlichsten Brunnen seine wunderbaren Erklärungen. — Die göttliche Mutter Maria hatte ihm durch ihre Fürbitte die Gabe der Weisheit und des Verstandes erwirkt; er hat nicht umsonst zu Maria, dem Sitze der Weisheit, gerufen; so werden auch wir nicht vergebens bei Maria wahre, himmlische Weisheit suchen; sie wird uns selbe am Throne der göttlichen Weisheit erwirken, wenn wir nur mit kindlich frommen Herzen darnach verlangen, wie Heinrich Dilson, oder wie jener Heilige, dessen Fest wir heute feiern. Legende: Der heilige Felix von Kantalizio, Kapuziner-Laienbruder zu Rom. (ff 1587.) Auch dieser Heilige, welcher 1515 zu Kantalizio, einem Flecken in Italien, von armen, aber gottesfürch- tigen Eltern geboren wurde, und keine besondere wissenschaftliche Bildung genoß, gelangte durch seine innige Verehrung gegen die seligste Jungfrau Maria zur wahren, himmlischen Weisheit. Denn er trug eine innige Zuneigung zur göttlichen Mutter. An den Vorabenden ihrer Feste fastete er und genoß Nichts als Wasser und Brod; Samstags betete er den ganzen Psalter und täglich einen Rosenkranz. Man nannte ihn gemeiniglich „den Geliebten der heiligen Jungfrau" wegen der vielen Gnaden, die er von ihr empfangen. — Im vierten Jahre nach seinem Eintritt in den Kapuzinerorden wurde er nach Rom geschickt, um daselbst das Amt eines Almosensammlers zu versehen, welches Amt er vierzig ganze 32V Zweites Hauptstück. Die symbolischen Lobsprüche Mariens in der lanretanischen Litanei. Jahre so bescheiden mit christlicher Demnth u. Klugheit verwaltete, daß er sich bei Allen den Namen eines Heiligen erwarb. Mit bloßen Füßen ging er täglich durch die Stadt und sam- melte das Almosen. Vielhundertmal wiederholte er die Worte: „voo A,-alias, Gott sei Dank!" nicht nur, wenn er Almosen empfing, sondern auch in Schmerzen, Verfolgungen u. s. w. Er nahm Alles dankbar aus Gottes Hand an. Von dem Almosen, das er so reichlich empfing, genoß er das Wenigste; denn er fastete ohne Unterbrechung und tödtete sich auf alle mögliche Weise ab. Dabei aber war er voll Liebe gegen seine Mitmenschen. Er tröstete, er ermunterte zum Guten, er schreckte von der Sünde zurück, wo er nur konnte. Besonders aber waren die Kranken und Hausarmen seiner Liebe sehr angelegen. Beim Tage besuchte er die Armen und Kranken der Stadt, bei Nacht die Kranken im Kloster. — Nachdem nun sein so tugendhaftes Leben das 72ste Jahr erreicht hatte, gefiel es dem Herrn, seinen treuen Diener zur ewigen Belohnung heimznrufen. St. Felix gab mit heiterm Angesichte seinen Geist auf i. I. Ehr. 1587. Gebet. Heilige Maria, du Spiegel der Gerechtigkeit, du Sitz der Weisheit! erflehe auch uns bei Gott jene höhere, jene himmlische Weisheit, mit welcher dein eifriger Verehrer St. Felix erfüllt war, ans daß wir wie er hienieden nur Gottes Ehre suchen und einst mit heiterm Angesichte sterben können. Amen. Hundertneummddreißigftes Lesestück. Am Feierabende des 19. Mai. Die symbolischen Lobsprüche Mariens in der lanretanischen Litanei: I), du geistliches, 4) dn ehrwürdiges Gefäß, 5) dn vortreffliches Gefäß der Andacht, 6) dn geistliche Rose. Fr. Warum wird Maria in der lanretanischen Litanei ein geistliches, ein ehrwürdiges, ein vortreffliches Gefäß der Andacht genannt? Antw. Weil sie den Erlöser der Welt, jenen unaussprechlichen Schatz, in sich faßte und stets mit heiliger glühender Andacht erfüllt war. Belehrung. Wir ehren nicht nur das heiligste Sakrament, in welchem sich der Sohn Gottes zur Speise hinterlassen hat, sondern auch die, obwohl leblosen und aus bloßem Metall gefertigten, geistlichen Gefäße, in welchen dich göttliche Geheimniß vollbracht oder aufbewahrt zu werden pflegt. Um wie viel mehr geziemt sich, daß wir Maria, deren reinsten Schooß der Herr sich zum Wohnsitz auserkoren, als geistliches und ehrwürdiges Gefäß preisen! Die heilige Schrift nennt ferner die Christen, in welche sich eine göttliche Gnade oder eine Tugend in reichem Maaße ergötzen hat, Gefäße dieser Gnade oder Tugend. „Wenn Jemand sich reiniget, so wird er sein ein Gefäß zur Ehre, geheiligt und nützlich dem Herrn, zu jedem guten Werke geschickt." (2. Tim. 2, 21.) Nun war aber Maria stets mit heiliger glühender Andacht erfüllt; wie bezeichnend ist daher der Ausdruck „vortref fliches Gefäß der Andacht!" — Aber auch wir, meine Christen! sollen Gefäße der göttlichen Gnade, Gefäße der Andacht sein; darum ruft uns schon der heilige Paulus (1. Cor. 6, 19.) zu: „Verherrlicht und traget Gott in euerm Leibe!" Was müssen wir da thun? Die nachfolgende Erzählung soll uns diese Frage beantworten. Beispiel und Anwendung. Zum heiligen Bernhard kam einst ein Mann, der von ihm die Wissenschaft der Heiligkeit erlernen wollte, und fragte ihn, was er denn thun müsse, damit Gottes Gnade und die Liebe zur Andacht und zum Gebete bei ihm einkehre? Da entgegnete der Heilige ganz kurz, indem er sprach: „Bringe zu Gott ein leeres Herz, damit es der heilige Geist erfüllen und zu einem Gefäße der Gnade und der Andacht umbilden könne." Also leer muß dein Herz sein, mein christlicher Leser! leer von aller unreinen Lust, von aller Anhänglichkeit an die Erde und irdischen Dinge; daher ruft schon der heilige Paulus den Thessalonikern zu (I.THess.4,4 — 5.): „Das ist der Wille Gottes, euere Heiligung, daß ihr euch von Hurerei enthaltet, daß jeder sein Gefäß in der Heiligung und in Ehren zu erhalten wisse, nicht in unreiner Lust, wie die Heiden, die Gott nicht kennen." — Maria war frei von all diesen Dingen; daher ist sie geworden ein geistliches, ein ehrwürdiges Gefäß, ein vortreffliches Gefäß der Andacht. Auch du wirst es werden, mein Christ! wenn du deine Seele rein hältst von allen sündhaften und irdischen Dingen; es wird alsdann in dir einkehren Gottes Gnade und die Liebe zur Andacht und Frömmigkeit. Bitte um diese Gnade, so oft du zu Maria rufest: „Du geistliches, du ehrwürdiges Gefäß, du vortreffliches Gesäß der Andacht, bitt' für uns!" Am Feierabende des 19. Mai. 321 Fr. Warum wird von Maria der symbolische Ausdruck gebraucht: „Du geistliche Rose?" Antw. Weil Maria unter allen Menschen, unter allen Gerechten, Heiligen und Auserwählteu das ist, was die Rose unter den Blumen. (Sieh das obige Bild!) Belehrung. Die Rose ist unter allen Blumen die wunderbarste, die schönste, die angenehmste, die Königin der Blumen. Man gebraucht sie unter allen Völkern als das Sinnbild der Unschuld und Tugend. Die Rose entwickelt sich aus einem Strauche, der voll Dornen ist, und selbst die Blätter dieses Strauches sind rauh und voll feiner Spitzen; die Rose selbst aber, wie zart, wie weich ist sie nicht? Sie hat nichts Rauhes, nichts Stechendes von dem Stengel und den Blättern des Strauches angenommen, sie ist ein Wunder der Allmacht Gottes, und Maria ist das Wunder der Gnade Gottes, der sie, obgleich abstammend von Ahnen, die alle mit der gemeinsamen Sünde behaftet waren, dennoch selbst von dieser gemeinsamen Sünde unbefleckt erhielt, unbefleckt auch mitten in einer verdorbenen Welt. Die schönste Blume ist die Rose durch ihre Farbe, wie die angenehmste durch ihren Geruch. Die Schönheit ihrer Farbe besteht in dem ineinander fließenden Weiß und Roth, und die Schönheit der Seele Mariens in der Unschuld, Herzensreinheit Mehler, Hausbuch. und Liebe zu Gott und dem Nächsten. Mit diesen Eigenschaften verband sie alle Tugenden, welche vor Gott die reinsten Düfte und besten Gerüche von sich gaben. Sie ist eine Rose im geistigen Sinne — eine geistliche Rose. Mit Rosen pflegen sich Jungfrauen zu zieren, durch Rosen und deren reinen Saft pflegt man einen guten Geruch zu verbreiten, aus der Rose sammeln die Bienen die feinsten und süßesten Stäubchen. Nun denn, so mache auch du, mein christlicher Leser! Gebrauch von dieser geistigen Rose! Traget sie, so zu sagen, bei euch, ihr christlichen Söhne und Töchter! und bestrebet euch, wie die Rose unter Dornen sich entfaltet, ohne selbst dornig zu sein, daß auch ihr, obgleich aufwachsend unter vielen Acrgernissen und unter einem großen Verderbnisse der Zeit, doch unverdorben bleibet durch den guten Gebrauch der Gnaden Gottes! Bestreben wir uns Alle, durch die Ausübung der Tugenden auch einen guten Geruch zu verbreiten, wie der Apostel sagt: „Seid ein guter Geruch Christi!" und sangen wir ein, wie die Bienen den Honig der Rose, von Maria, der geistlichen Rose, den Honig der Keuschheit, der Redlichkeit, der Demuth und Gerechtigkeit; sammeln wir uns von ihrem Beispiele alle Tugenden, die uns vor Gott so angenehm machen, wie die Äose vor den Menschen! Ahmen wir in dieser Beziehung nach den heiligen Papst Cölestinus, dessen Andenken wir heute festlich begehen. Legende: Der heil. Papst Petrus Cölestinus. (ch 1296.) Dieser Heilige verbreitete durch seine Tugend und Heiligkeit einen Wohlgeruch vor Gott, wie eine Rose. Von tugendhaften Eltern 1221 in Apulien geboren, ver- rieth er schon in frühester Jugend durch seine Fortschritte in der Frömmigkeit, sowie in den Wissenschaften, deutlich genug, was einst aus ihm werden würde. Kaum zwanzig Jahre alt, zog er sich in die Einsamkeit zurück; allein bald suchte man ihn auf und nöthigte ihn sogar, in den geistlichen Stand zu treten und in Rom die heiligen Weihen zu empfangen. Doch alsbald kehrte er wieder inseine geliebte Einsiedelei zurück, wo sich mehrere Jünger um ihn sammelten. Später vereinigte er diese um sich in einem Kloster, wo er die Regel des heiligen Benedikt nach ihrer ursprünglichen Strenge einführte. Bei aller Strenge gegen sich war er aber stets liebreich gegen Andere. Seine heldenmäßigen Tugenden machten ihn zum Heiligen, und wegen seiner Heiligkeit wählten ihn die zu Perosa versammelten Cardinäle zum Kirchenoberhaupte. Allein nach fünf Monaten entsagte er zur Verwunderung der Welt seiner Würde und starb in der Einsamkeit i. I. 1296. Sein ganzes Leben hindurch war er ein treuer Verehrer Mariens gewesen, dieser geistigen Rose, an deren Wohlgeruch er sich gar 41 322 Zweites Hauptstück. Die symbolischen Lobsprüche Mariens in der lauretanischen Litanei. oft in seiner Einsamkeit erquickte. Daher wird auch in seiner Lebensgeschichte erzählt, daß ihm die seligste Jungfrau mit dem hl. Evangelisten Johannes erschienen sei, als er eben in einem geistlichen Buche andächtig las. Gebet. Göttliche Gnadenmut- ter Maria, du geistliche Rose! erquicke auch uns, wie deinen treuen Verehrer, den hl. Papst Cölesti- nus, mit dem Wohlgeruche deiner Tugenden und erbitte uns bei Gott die Gnade, daß auch wir durch einen frommen Lebenswandel, gleich himmlischen Rosen, einen angenehmen Wohlgeruch verbreiten auf Erden, damit wir einst versetzt werden mögen in den Garten des himmlischen Paradieses. Amen. Hundertvierzigstes Lesestück. Am Feierabende des 20. Mai. Die symbolischen Lobspriiche Mariens in der lauretanischen Litanei: 7) Thurm Davids, 8) elfenbeinerner Thurm. Fr. Warum heißt Maria „Thurm Davids"? Antw. 1) Weil Maria sich durch ihre Hoheit und Schönheit unter allen Menschen ebenso auszeichnete, wie der Thurm Davids vor allen übrigen Gebäuden zu Jerusalem, und 3) weil Maria eine sichereZuflucht, ein starker Schutz ist gegen die Feinde unsers Heiles ebenso, wie der Thurm Davids eine sichere Zufluchtsstätte und eine starke Achutzwehr war gegen die Feinde des Landes. Belehrung. Bei allen Völkern hielt man einen Thurm für ein Sinnbild der Schönheit, der Größe und der Zuflucht in Gefahren vor drohenden Feinden; schon frühzeitig fing man daher an, in den Städten Thürme zu erbauen, welche denselben ein größeres Ansehen, eine besondere Zierde verleihen und den Einwohnern zur Zeit feindlicher Anfalle als Zuflucht und Schutzwehre dienen sollten. Unter allen Thürmen aber zeichnete sich besonders der Thurm Davids aus, den er in Sion hatte errichten lasten. Derselbe war ein Waffenthurm; majestätisch stieg er in die Höhe und war sowohl zur Zierde, als auch zum Schrecken der Feinde mit Schildern und Waffen behängen. (Sieh das nachfolgende Bild!) Wie nun dieser Thurm unter allen Gebäuden durch seine Hoheit und Schönheit weithin hervorragte, und den Israeliten zum besondern Schutze wider ihre Feinde diente, so ragt auch Maria durch ihre Hoheit und Würde, durch ihre Schönheit und Größe unter allen Sterblichen weit hervor und gereicht uns zur sichern Zuflucht wider die Feinde unsers Heiles; mit Recht wird sie daher (nach Hohcl. 4, 4.) der Thurm Davids genannt. — Zu diesem Thnrme nun, zu dieser mächtigen Schutzwehr sollen wir unsere Zuflucht nehmen, wenn uns die Feinde unsers Heiles verfolgen, zu ihr sollen wir eilen in der Stunde der Versuchung und der Gefahr; sicherlich werden wir daselbst Schutz und Hilfe finden. Daher schreibt der heilige Thomas von Aquin: „In allen Gefahren kannst du, o Christ! von allem Uebel befreit werden und durch die Fürbitte der glorreichen Jungfrau Maria das Heil erlangen; denn sie ist jener geheimnißvolle Thurm Davids, von dem tausend Schilde herabhangen, d. i., sichere Hilfsmittel in allen Gefahren." Dieß bestätigt uns auch nachfolgende Begebenheit. Beispiel und Anwendung. Im Jahre 1635 predigte der berühmte Pater Zuchi zu Rom, der ein ganz be- sonderer Verehrer der seligsten Jungfrau Maria war. Am Tage der unbefleckten Empfängniß sagte er unter Anderm auf der Kanzel, daß, wer immer die Keuschheit bewahren und seine Seele retten wolle, seine Zuflucht zu Maria nehmen müsse, die da sei der Thurm Davids. In diesem Thnrme könne man stets Schutz und Hilfe sinken bei allen Versuchungen und Gefahren gegen die heilige Reinigkeit und gegen alle Feinde unsers Seelenheiles überhaupt. „Sobald ihr versucht werdet," fügte er alsdann bei, „verberget euch in diesem Thurme und rufet zu Maria: Heiligste Jungfrau! ich schenke dir meine Augen und Ohren, meine Hände, meinen Mund und mein Herz. Hilf mir, daß ich niemals Gott und dich beleidige, meine Beschützerin! Heiligste Jungfrau, ich bin versucht; hilf mir, meine Gebieterin! Ich gehöre Jesus und Maria an, denen ich mich geschenkt habe." — Ein adeliger Jüngling, der dem Laster der Unzucht ergeben war und bisher trotz dem wiederholten Empfang der heiligen Am Feierabende beS 20. Mai. 3L8 Sakramente immer in die alten Sünden fiel, hörte den Pater dieß predigen. Er war nach Rom gepilgert, um sich von seinen Sünden zu reinigen. Kaum hatte er die herzliche Mahnung gehört, als er auch beschloß, sie zu befolgen. Täglich betete er nun, nach Hause zurückgekehrt, dieß kurze Gebet, nahm immer bei Versuchungen seine Zuflucht zu Maria, und als er nach vier Jahren zu seinem Beichtvater zurückkehrte, dem er früher gewöhnlich beichtete, und dieser erstaunt, daß sein Beichtkind jetzt nicht einmal läßliche, viel weniger schwere Sünden bekenne, ihn fragte, welches Mittel er angewendet habe, um von seinen Lastern frei zu werden, gab er unter Freudcnthränen die Antwort: „Seitdem ich jenen heiligen Mann predigen hörte und seinen Worten Folge leistete, fühlte ich mich in den schändlichsten Versuchungen immer, so beschützt und vertheidigt, daß es mir schien, ich würde sogar in noch heftigere Versuchungen nicht Unwilligen können." — Siche, mein Christ! so mächtigen Schutz finden wir bei Maria; säume also nicht, dich in den Thurm Davids zurückzuziehen, wenn dich die Feinde deines Heiles verfolgen; daselbst wirst du sicher sein und deine Seele retten. Fr. Warum wird der seligsten Jungfrau Maria in der lauretanischen Litanei die Bezeichnung: „Elfenbeinerner Thurm" beigelegt? Antw. Maria wird „elfenbeinernerThurm" genannt, weil das Elfenbein wegen seiner Weiße und Festigkeit ein Sinnbild der erhabensten Schönheit und Würde, der größten Sittcnreinheit und Stärke ist, durch welche sich Maria ganz besonders auszeichnet. Belehrung. Weil das Elfenbein sich glatt und glänzend, wie ein Spiegel bearbeiten läßt und doch zugleich sehr stark ist, wurden unter Salomon elfenbeinerne Häuser errichtet. Hieraus wird für Maria eine neue herrliche Bezeichnung „elfenbeinerner Thurm" (Hoh. 7, 4.) geschöpft. „Ist doch," sagt der heilige Petrus Damianus, „das Elfenbein vorzugsweise geeignet, eine kostbare Bearbeitung zu erhalten, und wird DaS, was daraus verfertigt ist, allen andern Werken vorgezogcu. Das Elfenbein glanzt von wunderbarer Lauterkeit und zeichnet sich durch große Stärke aus; was ist aber lauterer, als jene Jungfrauschaft, welche zu schauen die Bewohner des himmlischen Reiches gelüstet? was stärker, als die Kraft der Jungfrau, die der Herr zum Werkzeuge erwählte, um die Macht der Hölle zu zertrümmern?" — Somit ist Maria in Wahrheit ein elfenbeinerner Thurm; denn sie gleicht dem Elfenbein an Schönheit und Weiße; Nichts kommt ja ihrer Keuschheit, Sittenreinheit und Würde gleich. Sie gleicht aber auch einem Thurm c durch ihre Gcistesstärke und Festigkeit; denn unerschütterlich fest stand sie da bei allen Reizen zur Sünde, unbeweglich stand sie in allen Versuchungen, in allen Stürmen der Leiden und Trübsale, selbst unter dem Kreuze stand sie und wankte nicht. Sage es, mein Christ! verdient Maria nicht die Bezeichnung: „Elfenbeinerner Thurm"? Beispiel und Anwendung. Ja, Maria ist ein elfenbeinerner Thurm, und auch wir sollen ihr an Sitte nrciu- heit und an Starkmuth gleichen; oft sollen wir zu Maria beten, auf daß sie uns diese beiden Tugenden erwirken wolle; wir sollen es machen, wie die heilige Jungfrau und Märtyrin Justina. Diese wurde unter Diokletians Negierung deS Glaubens wegen angeklagt. Ihre grausamen Verfolger und besonders ein gewisser Zauberer Cyprianus boten alle Mittel auf, die heilige Jungfrau zur Unzucht zu verführen. Allein Justina warf sich auf ihre Kniee nieder und flehte voll Inbrunst und Vertrauen zur seligsten Jungfrau. „O Maria! du elfenbeinerner Thurm, du Beschützerin der Unschuld! stehe mir bei, auf daß auch ich rein und unbefleckt bleibe, wie Elfenbein, und stark, wie ein Thurm, gegen alle Feinde meines Heiles und gegen alle Verfolger meiner Unschuld und meines Lebens!" Und stehe da, alsbald kam Hilfe von Oben. Iustina wurde, wie der heilige Gregor von Nazianz berichtet, durch die Fürbitte der allerseligsten Jungfrau Maria aus den schamlosen Händen Derjenigen befreit, welche ihr ihre Jungfrauschaft rauben wollten, sowie auch von den Zaubermitteln Cyprians, der sie durch seine bösen Künste zur Unzucht verführen wollte; ja, dieser Letztere hat sich sogar bekehrt uns sein Blut für Jesus vergossen. So mächtig ist die Fürbitte Mariens! Sollst nicht auch du, mein 41 * 324 Zweites Hauptstück. Die symbolischen Lobspruche Mariens in der lanretanischen Litanei. Christ! mit Inbrunst und Vertrauen zu Maria, die wir lobpreisen als den „elfenbeinernen Thurm," deine Zuflucht nehmen, und sie anflehen, auf daß sie dich durch ihre mächtige Fürbitte rein erhalte, wie Elfenbein, und dich stark mache, wie einen Thurm, gegen alle Feinde deines Heiles? Legende: Der heilige Bern Harbin von Siena. (ch 1444.) Dieser Heilige, dessen Fest ans den heutigen Tag fällt, hat es oft und znr Genüge erfahren, daß Maria der Thurm Davids, ein elfenbeinerner Thurm sei; in diesem Thurme schützte er sich gegen alle feindlichen Angriffe, welche die Welt, das Fleisch und der böse Feind wider ihn verfluchten, wie wir aus seiner ganzen Lebensgeschichte ersehen. — Der heilige Bernhardin von Siena, ein Franziskaner von der strengeren Observanz, wnrde im Jahre 1380 zu Massa bei Siena ans der Familie Albizeschi geboren, verlor aber beide Eltern schon vor seinem siebenten Lebensjahre, wurde in zartester Kindheit von der frommen Schwester seiner Mutter zur Uebung aller Tugenden angehalten und von seinen väterlichen Oheimen zu Siena der Leitung der geschicktesten 'Lehrer übergeben. Neben der Hebung der jungfräulichen Reinigkeit, die ihn auf's Lieblichste zierte, verlegte sich Bernhardin besonders mit allem Eifer auf die Forschung in der heiligen Schrift. Im siebenzehnten Jahre trat er in die Genossenschaft zu unserer lieben Frau, welche zu Siena im Spitale della Scala zum Dienste der Kranken errichtet war, wo er sich zur Zeit der Pest im Jahre 1400 besonders auszeichnete. >— Nach drei Jahren legte er an seinem Geburtstage, dem Feste Mariä Geburt, bei den Franziskanern der strengeren Observanz zu Columbiere das Ordensgelübde ab. Seine Obern übertrugen ihm das Predigtamt, wozu er aber wegen natürlicher Schwäche und Heiserkeit seiner Stimme Anfangs nicht so passend erschien, bis er durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau Maria von diesem Uebel befreit wurde. Von jetzt an war das Wort Gottes in seinem Munde ein zweischneidiges Schwert. Wie ein Apostel zog Bernhardin in Italien später von Stadt zu Stadt und predigte mit aller Kraft, besonders oft auch gegen das Würfel- und Karten-Spiel. Der süßeste Name Jesus, den er auf einer glänzenden Tafel (1118 —losus llominum Salvator) seinen Zuhörern vorhielt, war seine stärkste Waffe. Unter Anssprechung der süßesten Namen Jesus und Maria starb er auch am 20. Mai 1444, und wurde nach sechs Jahren von Nikolaus V. unter die Zahl der Heiligen versetzt. Gebet. Heilige Jungfrau Maria, du Thurm Davids, du elfenbeinerner Thurm! zu dir nehmen wir, wie der heilige Bernhard in von Siena, unsere Zuflucht in allen Gefahren des Leibes und der Seele; erhalte uns rein durch deine mächtige Fürbitte, wie Elfenbein, und mache uns stark, wie einen Thurm, gegen alle Feinde unsers Heiles! Amen. Hmiderteimmdvierzigstes Lesestück. Am Feierabende des 21. Mai. Die symbolischen Lobsprüche Mariens in der lanretanischen Litanei: 9) Goldenes Haus, 10) Arche des Bundes. Fr. Warum ertheilen wir der seligsten Jungfrau Maria den Lobspruch: „Goldenes Haus"? Antw. Weil sie mit dem Golde der Liebe und der Lauterkeit, sowie mit dem mehr als goldenen Schatze der göttlichen Gnade erfüllt war. Belehrung. Salomon führte viele Gebäude auf; aber unter allen diesen zeichneten sich zwei Häuser aus: das Haus, das er Gott, und das Haus, das er für sich selbst gebaut hatte. Jedes dieser beiden Häuser konnte ein goldenes genannt werden; denn da war Alles von Gold, selbst die Wände waren mit dem feinsten Golde überzogen, und alles Geräthe des Hauses war von Gold. (3. Kön. 10.) Wie nun dieses Haus, das Salomon baute, vor allen übrigen ausgezeichnet war an Pracht, weil es bestimmt war, von der Herrlichkeit Gottes selbst erfüllt zu werden, und auch das andere Haus, weil daselbst Salomon seinen Thron haben wollte, so ist auch Maria von Gott mit mehr als goldenen Schätzen geziert worden, mit dem Neichthume der Gnaden. Da das (Hold auch ein Sinnbild der Liebe und der Lauterkeit ist, so war Maria in der That ein goldenes Am Feierabende des 21. Mai. 325 Haus (sieh das obige Bild!); denn Alles hatte bei ihr den Grund in der Liebe Gottes, aus welcher, wie das reine Gold aus dem Feuer, alle ihre Gedanken, Worte und Werke hervorgingen. O daß wir doch weniger Werth auf das irdische Gold, mehr Werth aber auf das himmlische Gold eines reinen Herzens legen möchten! Lerne, mein Christ! bei diesem Lobspruche Mariens selbst ein goldenes Haus im geistigen Sinne werden! Wir werden es aber, wenn wir reine Gesinnungen und reine Handlungen haben. Sei also im geistigen Sinne golden in Gesinnung und Handlung! Bester ist eine goldene Seele, als ein goldenes Kleid. Beispiel und Anwendung. Alphons der Weise, König von Arragonien, bekannt durch seinen frommen christlichen Sinn, besuchte auf einer Reise, kurz vor dem Weihnachtsfeste, einen spanischen Ritter, der ihm einen äußerst festlichen Empfang bereitet hatte, aber wegen seines Lebenswandels in sehr schlechtem Rufe stand. Beim Abschiede sprach der König die bedeutsamen Worte zu seinem Freunde und Gastwirthe: „Edler Ritter! Ihr habt mich sehr feierlich und ehrenvoll empfangen. Ich dank' Euch dafür! Aber in wenigen Tagen kommt der König der Könige und will Weihnacht bei Euch feiern. Darum zieret zu seinem Empfang Euer Herz ebenso schön, als Ihr Euer Schloß um meinetwillen gezieret habt!" Und der Ritter befolgte diesen weisen Rath seines braven Königs. Das Weihnachtsfest wurde für ihn ein Fest der göttlichen Einkehr. Möchten auch wir ein Gleiches thnn, und unser Herz zu einem goldenen Hause umgestalten, das da geziert ist, wie Maria, mit dem Golde der göttlichen Gnade und Liebe! Mit Freuden wird alsdann der göttliche Heiland darin sein Geburtsfest feiern und in nnS seine Wohnung aufschlagen, wie in jenem goldenen Hause, das da ist Maria, die Gottesmutter. Fr. Warum geben wir der seligsten Jungfrau den schönen Titel: „Arche des Bundes"? Antw. Weil in ihr, nicht etwa wie in der Arche des Bundes die steinernen Tafeln des Gesetzes, sondern der göttliche Gesetzgeber selbst ruhte, der mit uns einen neuen Bund errichtet hat. Belehrung und Erzählung. Die Arche des Bundes war bei den Juden das ehrwürdige Behältniß der Gesetztafeln, das Andenken an den Bund, den Gott am Berge Sinai mit Israel geschlossen hatte. Die Gewässer des Jordan zertheilten sich, als die Israeliten die Bundeslade durchtrugen, trockenen Fußes gingen sie durch. Die Mauern und Thürme Jerichos stürzten zusammen, als sie die Arche des Bundes um diese feindliche Stadt trugen. Der Götze darin stürzte in Trümmer zusammen, da die Philister die Bundeslade neben ihn hinstellten. (1. Kön. 5.) Ja, diese Lade des Bundes hatte so großes Ansehen, daß Salomon zu Abiathar, der den Tod verschuldet hatte, sprach: „Du bist zwar ein Mann des Todes, aber ich will dich heute nicht tödten, weil du die Arche Gottes des Herrn getragen hast." Wir nennen also Maria „Arche des Bundes"; denn in ihr waren nicht etwa die steinernen Tafeln des Gesetzes niedergelegt, sondern in ihrem jungfräulichen Leibe ruhte der Gesetzgeber selbst, der mit uns einen neuen Bund errichtet hat. Erinnere dich also, mein Christ! bei diesem Lobspruche Mariens an die ganze Anstalt, die Jesus zu unserm Heile getroffen; nimm deine Zuflucht zur Fürbitte Mariens; sie wird dir von Gott die nöthigen Gnaden erbitten, auf daß du treu erfüllen kannst deinen Bund mit Gott, den du in der heiligen Taufe geschlossen hast. Verehre sie fromm und kindlich, dann werden sich auch die Gewässer der Trübsal zertheilen, auf daß du unbeschädigt hindurchkommen kannst; dann wirst du dem bösen Feinde entgehen; denn wenn Maria, die Arche des Bundes, in deinem Herzen steht, wird die Macht des Satans gebrochen, und wenn du auch deiner Sünden wegen den zeitlichen und ewigen Tod verdient hättest, so wird der Herr doch deiner schonen; wie Salomon zu Abiathar, so wird auch der barmherzige Gott zu dir sprechen: „Du bist zwar des Todes schuldig; aber ich will dich nicht tödten, weil du Maria, die Arche Gottes, die Arche des 32 « Zweites Hauptstück. Die symbolischen Lobsprüche Mariens in der lauretanischen Litanei. Bundes, in dir trägst." D wie tröstlich ist für uns dieser Gedanke! Legende: Der heilige Einsiedler Hospitins. tt 681.) Der h. Hospitins, dessen Andenken wir am heutigen Tage feiern, hatte es der Gnade Gottes und gewiß auch der mächtigen Fürbitte Mariens zu verdanken, daß er ein so heiliges und abgetödtetes Leben führen konnte; denn da er wußte, daß Maria das goldene Haus und die A rch e d es B un- des sei, so nahm er in seiner Einsamkeit gewiß oft zu ihr seine Zuflucht. — Dieser Heilige verschloß sich in das alte Gemäuer eines verfallenen Thurmes bei Villafranka in der Provence. Unter einem härenen Bußkleide trug er große eiserne Ketten, und lebte nur von Brod und Datteln. In der Fastenzeit verdoppelte er seine Buße. So lebte er viele Jahre in der Einsamkeit voll Ergebung in die göttlichen Fügungen. Der Himmel verlieh ihm die Gabe der Wunder und Weissagung. Als Hospitins seine letzte Stunde herannahen fühlte, ließ er sich die Ketten abnehmen und betete lange Zeit, mit dem Angesichte auf der Erde liegend. Dann legte er sich auf eine Bank nieder, wo er am 21. Mai 681 selig im Herrn entschlief. Au stad ins, Bischof von Nizza, beerdigte ihn; zu Nizza werden auch seine Reliquien aufbewahrt. Gebet. Maria, du goldenes Haus, du Arche des Bundes! sei unsere Fürsprecherin und Helferin, damit auch wir ein so frommes und heiliges Leben führen mögen, wie der heilige Einsiedler Hospitius, indem wir die Welt verachten und nur den Himmel suchen, wo du, o Himmelskönigin! in Gesellschaft aller Heiligen und Seligen den Lohn deiner Tugeu^ und Heiligkeit genießest immer und ewig. Amen. Hnndertzweimidoierzigstes Lescstmk. Am Feierabende des 22. Mai. Die symbolischen Lobsprüche Mariens in der lauretanischen Litanei: 11 ) Pforte des Himmels, 12 ) Morgenstern. Fr. Warum rufen wir Maria an als „die Pforte des Himmels"? Antw. Weil Jesus, der uns den Himmel wieder eröffuete, durch Maria, wie durch eine Pforte zu uns auf diese Erde herabgesticgen ist. Belehrung. Jesus allein ist der Weg, durch den wir selig werden; daher sagt er selbst: „Ich bin der Weg; Niemand kommt zum Vater als durch mich." Aber eben dieser Jesus ist, wie durch eine Pforte, durch Maria zu uns auf diese Erde herabgekommen; wir können also sagen: Maria hat uns Denjenigen gegeben, der uns den Himmel wieder eröffnete; mit Recht nennen wir sie daher die „Himmels- Pforte." Für wen nun Maria bittet bei Jesus, dem wird er gewiß die Pforte des Himmels nicht verschließen. Deßhalb schreibt schon der heilige Ephrem: „Der Name Maria ist für Den, der ihn andächtig anruft, ein Schlüssel zur Himmelspfort." Und der heilige Fnlgentius nennt Maria die Himmelsleiter. „Jede Leiter," sagt er, „hat einen doppelten Zweck; man kann auf ihr von der Höhe in die Tiefe und von der Tiefe in die Höhe steigen. Auf dieser Leiter ist Gott zu uns auf die Erde herabgestiegen, damit wir Menschen wieder zu ihm durch Maria in den Himmel hinaufsteigen können." O welch ein tröstlicher Gedanke! Durch Maria können wir P den Himmel hinaufsteigen! Sie ist ja die Himmelsleiter und die Pforte des Himmels. Daher verehre sie stets, o Christ! kindlich fromm; rufe sie in allen Nöthen und Anliegen um ihre Hilfe und Fürbitte an, empfiehl ihr all deine Schritte und Tritte und bitte sie, daß sie dich durch die gefährlichen Wogen dieses Lebens hinübergeleite in den Hafen der himmlischen Seligkeit. Beispiel und Anwendung. Dicht an der berühmten Seestadt Marseille erhebt sich ein schroffer Felsen, dessen Gipfel von einer kleinen Veste gekrönt wird. Innerhalb ihrer Mauern aber befindet sich eine Kapelle mit einem Frauenbilde. Dort hinauf wallfahrten Diejenigen, die eben im Begriffe sind, sich auf die weite See zu begeben, um vorher den mütterlichen Schutz der Jungfrau anzurufen; wiederum eilen auch Jene hinauf, die glücklich von der Seefahrt heimgekehrt sind, um dort ihr Dankgebet darzubringen. Seefahrer, dem Wortverstande nach, sind vergleichungsweise 327 Am Feierabende des 22. Mai. nur Wenige; es ist uns jedoch anschaulich genug, daß wir sammt und sonders auf den stürmischen Wogen deS vielbewegten Lebens umhcrgctriebcn werden, und nach Glück und Freude, oder im besten Falle, nach dem innern Frieden suchen. Und so wird es uns Allen nahe genug gelegt, auf dieser verhängnisvollen Fahrt, wo so viele Gefahren uns bedrohen, die heilige Jungfrau als Beschützerin anzurufen, welche Allen, die auf Erden kämpfen und dulden, mit himmlischem Mitleide und mit mütterlicher Hilfe zur Seite steht, und an welche die Kirche in dem schonen Hymnus: msris stetig" die Worte der Liebe und Verehrung richtet: „Sei gegrüßt, o Jungfrau, Leitstern auf dem Meere, hehre Gottesmutter, selige Himm elspsorte!" — Durch Maria werden wir also den Hafen der himmlischen Seligkeit gewiß erreichen und durch die Himmclspforte eingehen in die ewige Herrlichkeit, wenn wir sie mit Vertrauen anrufen und ihr im Leben Nachfolgen. Fr. Warum wird Maria endlich auch noch „Morgenstern" genannt? Antw. Weil mit der Geburt Mariens der Tag der Gnade und des Lichtes anbrach, und bald darauf die Sonne der Gerechtigkeit, Jesus Christus selbst folgte. Belehrung. Der Morgenstern verkündet den nahen Tag. Wenn er erscheint, fliehen die Finsternisse; denn bald nach ihm brechen die Strahlen der Sonne herauf; er tröstet auch Jene, die eine harte Nacht gehabt und mit Sehnsucht den Tag erwartet haben. Wir nennen darum Maria den „Morgenstern", weil, als sie geboren ward, der Anbruch des Tages der Gnade und des Lichtes war; denn bald folgte auf sie die Sonne der Gerechtigkeit — Jesus Christus. In Maria lag also der Keim aller Freude, alles Heiles und Trostes, der Keim alles Segens, den wir durch Jesum empfangen. Noch leuchtet sie uns gleich dem klaren Morgenstern vom Himmel herab, und tröstet uns auf den dunkeln Wegen dieses Lebens. Denn an ihrer Herrlichkeit sehen wir, daß auch uns ein besseres Leben erwartet, wenn wir, wie sie, Gott lieben und ihm dienen. Sie ist wie ein freund-' liches Gestirn, auf welches wir in der Nacht unserer Trübsale und Stürme Hinsehen und denken sotten: „Das ist die Zeit unserer Prüfung; einst aber wird für uns ein ewig freundlicher Tag anbrechen." Sie ist ein freundliches Gestirn, auf welches wir in der Nacht der Sünde und Gottlosigkeit blicken sollen, um durch ihr Licht zur wahren Neue und Büßfertigkeit und so zur Sonne der Gerechtigkeit im Himmel zu gelangen; wenn Maria, der Morgenstern, erscheint, muß die Nacht der Sünde und Bosheit weichen. (Sieh das obige Bild!) Beispiel und Anwendung. Der ehrwürdige Diener Gottes Johannes Eusebius Nieremberg aus der Gesellschaft Jesu wurde einst beim frühen Morgengrauen zu einem Kranken gerufen, der von Jugend auf bis in's hche Alter allen Lastern sich ergeben hatte und absichtlich solche Gräuelthaten verübte, wodurch er glaubte, Gott am Tiefsten zu beleidigen. Auch jetzt noch, obwohl dem Tode nahe, war er gegen jede heilsame Ermahnung verstockt geblieben. In der Nacht aber, die seiner plötzlichen Sinnesänderung vorherging, da er eben schlaflos und elend dahinschmachtete, stand urplötzlich eine leuchtende Frauengestalt vor seinen Augen, die ihn ernst und liebevoll zugleich anblickte und dann schnell wieder verschwand. Es war ihm, als wäre der leuchtende Blick dieser himmlischen Frau bis in die Tiefen seiner Seele hineingedrungeu, und er, der nie sein Gewissen erforscht, sah jetzt klar und deutlich sein ganzes vergangenes Leben vor sich liegen, sowie die Zahl und Größe aller seiner Sünden in so schauerlicher Gestalt und Menge, daß ein namenloser Schmerz ihn ergriff, und Ströme von Thränen aus seinen Augen sich ergoßen. Doch der Stern, der am Abend seines Lebens ihm noch geleuchtet, bewahrte ihn auch vor Verzweiflung. Mt der Reue, die sein Herz ob seiner Sünden und Frevelthaten ergriff, erwachte in ihm auch ein festes Vertrauen zur göttlichen Barmherzigkeit. Als der ehrwürdige Pater Eusebius verwundert über die plötzliche Bekehrung dieses ergrauten Sünders an sein Bett trat, erzählte er ihm alle seine Verirrungen und Laster mit der größten Genauigkeit und Ordnung und im bittersten Seelen- schmerze. Er empfing nun die heilige Absolution, lebte dann 388 Zweites Hauptstück. noch fünf Tage ganz ergeben in Gottes heiligen Willen und starb ruhig unter dem Schutze Derjenigen, die ihm in der letzten Stunde die Augen noch geöffnet und als milder Morgenstern in der finstern Nacht seines gottvergessenen Lebens geleuchtet hat, daß er glücklich das Ufer der glückseligen Ewigkeit erreichte. — O himmlischer Morgenstern! leuchte auch uns einst in der Stunde des Todes! Eile uns zu trösten, o heilige Maria! wenn einst an uns selbst die Zeichen unserer nahen Auflösung geschehen; wenn die Glieder erkalten, die Zunge schweigt-, die Augen brechen, dann zeige Dich uns als den tröstenden Morgenstern, der uns den Tag ewiger Ruhe in Gott ankündigt! Legende: Die heilige Jungfrau und Märtyrin Julia, (ch 439.) «E?-Ä KM,"-' Heute begehen wir das Andenken an die.heilige Jungfrau und Märtyrin Julia. Als Genserich,'König der Vandalen, in Afrika die Stadt Karthago im Jahre 439 eingenommen hatte, ward Julia, aus edlem Ge- schlechte, mit andern Familien als Sklavin von einem Handelsmanne erkauft, der sie nach Syrien abführte, und dort an einen Einwohner des Landes, Namens Eusebius , verkaufte. Die Liebe zu ihrem göttlichen Heilande, welche das Herz der blühenden Jungfrau beseligte, machte ihr die Sklaverei zum sanften Joche; denn sie diente überall ihrem Jesus mit einem unermüdeten Fleißc, mit einer Aufmerksamkeit, Treue und Sanftmuth, welche bei der härtesten Arbeit nicht murrte, so daß ihr heidnischer Herr, dem sie die Wirtschaft besorgte, sie bewunderte und mit Hochachtung gegen sie und gegen ihre Religion erfüllt wurde, die ans einer Tochter edler Eltern eine so arbeitsame und getreue Magd bildete. Er gestattete ihr daher, die freie Zeit dem Gebete und der Das Salve Regina. Lesung erbaulicher Bücher widmen zu dürfen, wodurch sie, sowie durch strenges Fasten und Wachen die unversehrte Neinigkeit erhielt. Während einer Reise nach Frankreich landete ihr Herr auf der Insel Corsika, wo noch Alles in den Finsternissen des Heidenthums lag, und eben die Einwohner ihren Götzen Opfer brachten! Eusebius begab sich dahin; sie aber blieb am Ufer deö Meeres, seufzte vom Grunde ihres Herzens zu Gott und weinte über die Blindheit der Heiden. Als Felix', der Landvogt, erfuhr, daß Julia eine Christin sei, suchte er sie anfangs durch Verheißungen, dann durch Backenstreiche und Ausreißnng ihrer schönen Haare zum Abfalle zu bewegen. Sie aber antwortete: „Die wahre Freiheit besteht im Dienste Jesu Christi; um Nichts in der Welt werde ich diese Freiheit verkaufen." — Der erzürnte Landvogt ließ sie an's Kreuz schlagen, woran sie freudig den Geist aufgab. Gebet. Heilige Maria, du Pforte des Himmels, du Morgenstern! leuchte mir voran auf dem Wege der Tugend und Gerechtigkeit, auf daß ich mit unerschütterlicher Treue Jesu, deinem göttlichen Sohne, diene, ihm lebe und sterbe, wie seine treue Dienerin, die heilige Julia, und einst durch die Pforte des Himmels in die ewige Herrlichkeit eingehen möge. Auren. HmldertdreinMierzigstes Lesestück. Am Feierabende des 23. Mai. Das Salve Regina. Fr. Durch welches Gebet ehren wir außerdem noch sehr häufig die göttliche Mutter Maria? Antw. Durch das sogenannte „Salve Ketins," zu Deutsch: „G egrüßt seist du, Königin!" welches also lautet: „Gegrüßt seist du Königin! Mutter der Barmherzigkeit; du, unsers Lebens Süßigkeit und unsere Hoffnung, sei gegrüßt! Zu dir schreien wir elende Kinder Eva's; zu dir seufzen wir Trauernde und Weinende in diesem Thränenthale. Eja, unsere Fürsprecherin! wende deine barmherzigen Augen zu uns und zeige uns nach diesem Elende Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes! O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria!" Belehrung. Wie viel des Schönen, Erhabenen und Tröstlichen ist nicht für uns Erdensöhne in diesem Salve Regina enthalten! Wir nennen darin Maria eine Mutter der Barmherzigkeit, und unsers Lebens Trost; denn sie hat uns Christum zu unserm Heile geboren, der da ist, unser wahres Leben, unser Trost und die wesentliche Barm- 339 Am Feierabende des Z3. Mai. Herzigkeit; wir nennen sic unsere Hoffnung; denn auf ihrer mächtigen Hilfe und Fürbitte beruht nach Gott all' unsere Hoffnung; wir nennen sie unsere Süs- sigkeit, d. h. unsere Freude und Wonne; denn wer sollte an Maria, der lieblichen Mutter des göttlichen Sohnes, keine Freude haben? Wer sollte sie nicht so begrüßen, da Jesus selbst sie als seine Mutter mit der zärtlichsten Liebe eines Kindes geliebt hat! (Siehe das nebenstehende Bild!) Mit heiliger Freude sollen wir daher recht oft das Salve N e g i n a beten; denn Maria selbst hört dieses Gebet gar gerne und läßt Jene nicht unbelohnt, tie es fleißig beten und damit ein frommes Leben verbinden. Mr sehen dieß ans nachfolgendem Beispiele. Beispiel und Anwendung. Pater Auriema erzählt von einem armen Hirtenmädchen, das eine besondere Liebe und Verehrung gegen Maria im Herzen trug. Wenn sie das Vieh weidete, eilte sie oft in die nahegelegene Muttergotteskapelle und betete da mit kindlicher Andacht das Salve Regina. Oft pflückte sie Blumen aus dem Felde, machte einen Kranz davon, stieg auf den Altar der kleinen Kapelle und setzte ihn dem Muttergvttesbilde auf, indem sie voll kindlicher Einfalt sprach: „O, meine liebe Mutter! ich wünschte, daß ich dir eine goldene, mit Edelsteinen geschmückte Krone auf's Haupt setzen könnte; aber weil ich arm bin, so mußt du dich schon mit diesem ärmlichen Blumenkränze begnügen; nimm ihn denn an als ein Zeichen meiner Liebe zu dir!" Auf diese und ähnliche Weise fuhr die arme Jungfrau fort, ihre geliebte Königin zu verehren und ihr zu dienen. Hören wir nun aber, auf welche Weise diese gute Mutter den Besuch und die Liebe dieses guten Kindes erwiederte! Das Hirtenmädchen wurde krank und war nahe am Sterben. Sie lag da auf dem Krankenbette in einer ärmlichen Hütte, einzeln stehend an der Landstraße. Ihre Angehörigen hatten nothwendig zu thun mit den Feldarbeiten und ließen deßhalb das arme Kind ganz allein ihrem Schicksale über, nicht wähnend, daß es seinem Lebensende schon so nahe sei. Das gute Mädchen fühlte lebhaft die Annäherung des Todes; aber sie sah sich aller Hilfe bloß, und hätte doch so gerne noch die heiligen Sterbsakramente empfangen. Da ruft sie laut und mächtig um diese Gnade zu Maria, zu ihr, die sie Mehler, Hausbuch. ihr ganzes Leben hindurch so zärtlich geliebt und verehrt hatte. Und siehe! die himmlische Mutter läßt sich nicht vergebens bitten. — Zwei Missionäre kamen eben dieses Weges; ermüdet von der schon allzuweiten Reise — nahmen die beiden Priester Einkehr in der ärmlichen Hütte und erblickten da das unschuldige Mädchen schon fast im TodcS- kampfe. O wie schlug das Her; der Sterbenden so freudig! „Seid mir gegrüßt, ihr Boten Gottes!" rief sie ihnen leise entgegen, „meine gute Himmelsmutter hat euch zu mir gesandt. O verlasset mich nicht in meinen Todesnöthen, und spendet mir noch den Trost unserer heiligen Religion; gebt mir Je- sum auf die Reise in die Ewigkeit!" Mit Freuden erfüllten die frommen Diener Gottes den heiligen Wunsch des guten Mädchens. Der Eine hörte ihre Beicht, und der Andere ging in die nahe gelegene Kirche, um ihr Jesum im heiligen Sakramente als letzte Wegzehrung zu bringen. Nachdem die heilige Handlung vollendet war, lächelte sie lieblich und sanfk, und gab selig den Geist auf, noch leise sprechend die Worte: „O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria!" — O wie herrlich belohnt Maria ihre frommen Verehrer! Fr. Von wem rührt dieses schöne Gebet her? Antw. Von zwei sehr frommen Verehrern der göttlichen Gnadenmutter Maria: von Hermanns contractns und vom heiligen Bernhard. Belehrung und Erzählung. Diesen wunderschönen Lobgesang, der in der katholischen Kirche schon viele Jahrhunderte im Brauche ist, vcrfaßteHermanus contractus, aus gräflichem Stamme geboren. Er wurde contisctu8 genannt, weil er am ganzen Leibe sehr armselig und krüppelhaft war. Er besaß eine große Wissenschaft, die er, wie er sagte, durch die Fürbitte Mariens übernatürlich von Gott erlangt hatte. Deßhalb ist es glaubwürdig, daß auch verherrliche Lobgesang, das 8alvo Kotzing, auf eine besondere Weise vom heiligen Geiste ihm eingegeben wurde. Die Schlußworte: „O milde, o gütige, o süße Jungfrau Maria!" setzte aber der heilige Bernhard bei. Es wird uns dieß aus folgende Weise erzählt. Als sich in der ehemaligen Reichsstadt Speier der römische Kaiser und eine große Menge von Fürsten versammelt hatten, kam auch Bernhard, der heilige Abt von Claravall (Clairvaux), als päpstlicher Gesandter dahin. Er wurde von sämmtlicher Geistlichkeit und einer großen Menge Volkes mit höchsten Ehren empfangen und in die Domkirche geführt, wo er beim Einzuge in die Kirche das 8slvö Ketzins anstimmte und absang. Als er dieses vollendet hatte, und nahe zum Hochaltar gekommen war, worauf das Bildniß der Mutter Gottes glänzte, kniete er sich nieder und sang: „0 clemons!" d. h. o Milde! Er stand auf, ging etwas näher zum Choraltar, kniete wieder nieder und sang: „0 pis!" d. h. o Gütige! Endlich fiel er bei dem 42 330 Zweites Hauptstück. Das Salve Regina. Hochaltäre wieder nieder auf seine Kniee und sang: „0 dul- o>8 virgo Msris!" d. h. o süße Jungfrau Maria! Hierauf soll auch der heilige Bernhard von Maria die Stimme vernommen haben: „Salve Lornarüa!" Sei gegrüßt, Bernar- dus! Zum ewigen Andenken hängen in der Domkirche zu Speier noch heut zu Tage drei Lampen, worauf die Worte eingezeichnet stehen: 0 «Jemens, o pia, o ciuleis vii-AO Alarm! — Und so habe ich dir denn, mein christlicher Leser! so kurz und gut als möglich, die schönen Gebete zu Ehren Mariens erklärt und dir darin die erhabenen Tugenden, die Macht und Liebe der göttlichen Gnadenmutter gerade in einunddreißig Lektionen gezeigt. Ich habe dieß nicht ohne Absicht gethan; vielmehr wollte ich dir dadurch für die einunddreißig Tage des Monats M a i Stoff zur geistlichen Lesung und zur Betrachtung geben, auf daß du so auch für dich allein in deiner einsamen Kammer zu Hause die ebenso lieb, liche, als segensreiche Maiandacht feiern kannst. O säume nicht, Maria kindlich fromm zu verehren; denn von jeher hat sich Maria als Mutter bewiesen allen Denen, die sie innig und aufrichtig liebten und verehrten. Wie alle frommen Verehrer Mariens hat dieß auch erfahren der heilige Bischof Desiderius, dessen Lebensgeschichte uns am heutigen Tage kurz erzählt wird, wie folgt. Legende: Der heilige DesiderinS, Bischof und Märtyrer, (ch 411.) Dieser heilige Bischof folgte in seiner seelsorglichen Amtsführung treulich dem Beispiele der Liebe, das der oberste Seelenhirt Jesus gegeben hatte; denn er liebte seine Heerde so innig, daß er sein Leben für sie hinopferte. Als rohe heidnische Völker in jenen Theil Galliens , wo die Stadt Langres liegt, und wo der heilige Desiderius seinen bischöflichen Sitz hatte, einfielen und überall furchtbare Verwüstungen anrichteten, ging er ihnen mit seiner Geistlichkeit entgegen, um ihre Wildheit zu besänftigen; allein er konnte Nichts ausrichten, sondern wurde mit seinen Gefährten von den Unmenschen getödtet, um das Jahr 411. Durch seinen Martertod erwarb er sich die Palme des Friedens und die Krone des ewigen Lebens. Gebet. O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! In einer langen Reihe von Betrachtungen haben wir deine Größe und Herrlichkeit, deine Güte und Macht kennen gelernt; voll kindlichen Vertrauens flehen wir nun zu dir, nimm uns Alle als deine Kinder an, sei uns Mutter, sei uns Mittlerin und Fürsprecherin! Führe uns durch dieses Thränenthal, auf daß auch wir, wie der heil. Bischof und Märtyrer Desiderius, einst die Palme des Friedens und die Krone des ewigen Lebens erlangen und uns ewig erfreuen in der Anschauung der gebenedeiten Frucht deines Leibes, Iesus, hochgelobt in Ewigkeit. Amen. Drittes Hauptstück. K MW M ML M F Was Gott zu unserer Heiligung und Beselignng gethan hat, und was er noch immer thut, Mi KV Drittes Hauptstück. / Was galt M unserer Heiligung und wseliguug gelhan Hai, und was er noch immer ihui, oder die Lehre von der Gnade und den Gnadcnuntteln. Hmldertvierundvierzigstes Lesestück. Am Feierabende des 24. Mai. Von der Gnade überhaupt. Fr. Welche zwei wichtigen Fragen wurden im ersten und zweiten Hauptstiick unsers christkatholischen Haus- imd Familienbuches beantwortet? Antw. Die zwei wichtigen Fragen: „Wie Gott zu uns geredet hat," und „Wie wir zu Gott reden sollen." Fr. Welche Frage wird nun im dritten Hauptstiick beantwortet? Antw. Die Frage: „Was Gott zu unserer Heiligung und Beseligung gethan hat, und was er noch immer thut." Fr. Was hat Gott zu unserer Heiligung und Beseligung gethan, und was thut er noch immer? Antw. Gott hat die heiligen Sakramente eingesetzt, um durch dieselben alle Jene zu heiligen und zu beseligen, die sie würdig empfangen; und noch immer heiligt und beseligt er uns durch diese heiligen Sakramente sowohl, als auch insbesonders durch seine göttliche Gnade. (Sieh das große Bild!) Fr. Wovon handelt also das dritte Hauptstiick? Antw. Es handelt von der Gnade und von den Gnaden Mitteln (oder von den heiligen Sakramenten). Belehrung. Die Lehre von der Gnade und den Gnadenmitteln ist für uns außerordentlich wichtig und trostreich. Die Gnade ist ja das Band, das un§ an das Herz des liebevollen Gottes knüpft; die Gnade ist ja das Leben unserer Seele; denn ohne sie stirbt sie den Tod, den ewigen Tod. Die Gnade gibt der Seele jene Heiligkeit, ich möchte sagen, jene Form und Gestalt, in der wir als reine Eben- bilver Gottes vor Gott erscheinen dürfen; sie gibt unfern Werken erst Verdienst, dem Willen jene heilige Kraft der Vollendung, die er, auf sich selbst beschränkt, nie erlangen kann; denn schwach sind wir aus eigener Kraft, aber stark werden wir in Christus Jesus durch die göttliche Gnade. Beispiel und Anwendung. Achilles war, wie die Griechen aus grauer Vorzeit erzählen, der tapferste Held bei der Belagerung von Troja; aber seine Stärke ging nicht aus der eigenen Kraft hervor, sondern aus seinen überirdischen Waffen, die ein erfindungsreicher Gott ihm geschmiedet hatte. Diese Waffen beschwerten ihn nicht, sondern sie hoben ihn wie auf Flügeln empor; deßwegen war sein Laus so schnell, deßwegen war seine Stärke so gewaltig und eisern. Mein Christ! In dieser uralten Fabel liegt eine ewig junge , eine himmlische Wahrheit verborgen. Alles, was wir mit der menschlichen Kraft vollbringen, das ist mit drückender Mühe verbunden, das ist stets unbehilflich und jammervoll; aber aus den überirdischen Waffen der göttlichen Gnade, die Jesus Christus uns verdient hat, fließt eine unüberwindliche Stärke, die mit dem geringsten Aufwande von Arbeit das Größte vollbringt; die himmlischen Waffen der Gnade beschweren uns nicht, sondern heben uns wie auf Flügeln empor; diese himmlischen Waffen gleichen jenen sichern Pfeilen der alten Helden, die gewiß treffen. Wenn wir also auch schwach sind aus eigener Kraft, so vermögen wir doch Alles durch die Gnade Jesu Christi, des Gekreuzigten. Fr. Was ist denn Gnade überhaupt? Antw. Eine Gnade überhaupt ist eine Wohlthat, ein Geschenk, worauf wir keinen rechtlichen Anspruch haben, eine Wohlthat, die uns erwiesen, eine Gabe, die 334 Drittes Hauptstück. uns gereicht wird, nur aus Liebe und Wohlwollen, ohne daß wir sie fordern können, weil wir sie nicht verdient haben. Fr. Was ist nun die Gnade in Bezug auf Gott? Antw. Sie ist eine Gabe, eine Wohlthat, welche Gott dem Menschen aus Wohlwollen, Güte und Barmherzigkeit an Leib oder Seele ertheilt ohne sein Verdienst, d. i. ohne daß der Mensch ein Recht hat, sie von Gott zu fordern. Fr. Wie theilt man sonach die Gnade ein? Antw. In natürliche und übernatürliche, in äußere und innere, in unmittelbare und mittelbare. Belehrung und Beispiele. Wenn die Gnade uns was immer für ein zeitliches Gut ertheilt, welches un- serm Leibe oder nnscrm zeitlichen Leben einen Nutzen oder Vortheil verschafft, so heißt sie natürliche Gnade, wenn sie hingegen auf was immer für eine Weise unser Seelenheil befördert und uns eine höhere Kraft verleiht zur Erreichung unserer Bestimmung, so heißt sie übernatürliche Gnade. Wenn Gott hiebei von außen auf den Menschen einwirkt, so heißt sie äußere, bringt er aber im Innern des Menschen eine Wirkung zu seinem Heile hervor, so heißt sie innere Gnade. So ist z. B. die Verkündigung des Wortes Gottes eine äußere Gnade, weil dadurch von außen auf den Menschen eingewirkt wird; durchdringt aber das Wort Gottes das Innerste des Menschen, werden die Augen seines Gemüthes erleuchtet, und der Wille bewegt, der Stimme des Rufenden zu folgen, so ist dieß eine innere Gnade, weil diese Wirkung im Innern des Menschen vor sich geht. Bisweilen empfängt ein Mensch einen Ruf zum Glauben, oder die Bekehrung von Gott selbst, wie z. B. die heiligen Apostel, insbesondere der heilige Apostel Paulus, dann der Hauptmann Cornelius, der zur Rechten Jesu Gekreuzigte, das ist eine unmittelbare Gnade. MeistentheilS aber bedient sich Gott gewisser Mittel, uns seine Gnaden zu ertheilen, z. B. der Glaubensboten, wie er zu jenem Kämmerer der Königin Candace den Philippus sendete (Apostelg. 8.), bei der heiligen Afra in Augsburg den heiligenNarcissus einkehren und im Gebete übernachten ließ, dergleichen Beispiele wir in großer Anzahl finden; oder er bedient sich christlicher Eltern, guter Lehrer, eifriger Prediger und Seelsorger, frommer Beichtväter, guter Bücher oder erbaulicher Beispiele, oder auch schreckender Strafgerichte, allgemeiner Drangsale, der Leiden, Krankheiten und der Trübsale, oder anderer, oft scheinbar kleiner Umstände, wo- Von der Gnade überhaupt. durch er auf uns einen solchen Einfluß äußert, daß wir glauben, uns bekehren, Buße thun ober einen strengen Lebenswandel anfangen, und dieß ist dann eine mittelbare Gnade. Fr. Bon welcher Gnade ist hier zunächst die Rede? Antw. Von der innern, übernatürlichen Gnade, also von jener Hilfe oder Gabe, welche uns Gott um der Verdienste Jesn Christi willen zu unserm ewigen Heile verleiht. Diese theilt man ein 1) in die Gnade des Beistandes, auch wirkliche oder vorübergehende genannt, weil sie vorübergehend auf die Seele wirkt, und 2) in die Gnade der Heiligmachung, auch bleibende, heiligmachcnde oder Gnade der Rechtfertigung genannt, weil sie in der Seele verbleibt, dieselbe ziert und ausstattet. — Alles dieß wird in den nächstfolgenden Lesestücken ausführlicher erklärt werden. Heute gehen wir zur Legende über und suchen uns in derselben das so eben Erklärte noch deutlicher zu machen. Legende: Die heilige Joha nna, eine Jüngern: Christi. Die heilige Johanna war die Frau des Chusa. eines Verwalters des Herodes. Als der göttliche Hei land sie von einer Krankheit geheilt und ihr Herz für seine heilige Lehre gewonnen hatte, wurde sie eine treue Jüngerin und Anhängerin ihres göttlichen Erlösers und führte ein frommes, heiliges Leben, bis sie selig im Herrn entschlief. Dieß ist Alles, was wir von dieser Heiligen wissen ans dem Evangelium des heiligen Lukas (8, 3.). In dieser kurzen Lebensgeschichte zeigt sich uns die göttliche Gnade auf mannigfaltige Art. Der göttliche Hei- 33ö Am Feierabende des 25. Mai. land heilte die heilige Johanna von einer Krankheit; das war eine natürliche Gnade, weil sie sich ans den Leib oder das zeitliche Leben bezog. Er verkündete ihr seine göttliche Lehre; das war eine übernatürliche, äußere Gnade, weil der göttliche Heiland dadurch von Außen ans die heilige Johanna eiuwirkte, um dadurch ihr Seelenheil zu befördern; zugleich wirkte er aber auch auf ihren Verstand und Willen, daß sie seine göttliche Lehre annahm; nnddießwar eine üb er natürliche und innere Gnade, eine Gnade des Beistandes. Nachdem sich endlich Johanna zur Lehre Jesu bekannt und sonach zum Christenthum bekehrt hatte, lebte sie fortan fromm und heilig bis an ihr seliges Ende, d. h. sie lebte und starb in der heiligmachenden Gnade. Gebet. Gib, o Gott! daß auch wir, wie die heilige Johanna, dem Rufe der göttlichen Gnade folgen und im Stande der heiligmachenden Gnade leben und sterben, durch Christum unfern Herrn. Amen. Hmdertsünfundvierzigstes Lesestück. Am Feierabende des 25. Mai. Von der Bedeutung und Nothwendigkeit der wirklichen Gnade. Fr. Worin besteht die wirkliche Gnade oder die Gnade des Beistandes? Antw. Die wirkliche Gnade besteht darin, daß Gott unfern Verstand erleuchtet und unfern Willen bewegt, das Böse zu meiden, das Gute zu wollen und zu vollbringen. Belehrung. Die wirkliche Gnade bewirkt sonach in dem Menschen, was die Sonne im Weltall bewirkt. (Sieh das obige Bild!) Sie erleuchtet nicht nur die Erde und die übrigen Planeten, sondern übt eine anziehende Kraft aus, so daß sie sich stets um die Sonne als ihren Mittelpunkt bewegen. Gleiche Wirkungen bringt die Gnade auch in der Seele des Menschen hervor; sie erleuchtet seinen Verstand und zieht und regt den Willen an zum Guten. Daher schreibt der heil. Augustinus: „Die Gnade bewirkt, daß wir nicht nur das zu Vollbringende erkennen, sondern auch das Erkannte vollbringen; nicht nur das zu Liebende glauben, sondern auch das Geglaubte lieben." Jnsoferne man nun den Einfluß der wirklichen Gnade auf den Verstand betrachtet, heißt sie erleuchtende; betrachtet man aber ihre anregende Kraft in Bezug auf den Willen, so heißt sie anregende Gnade. Beispiel und Anwendung. Schon König David flehte zu Gott um diese Gnade des Beistandes, d. h. um die göttliche Einwirkung auf seinen Verstand und Willen, indem er ausruft: „Gib mir Verstand, so will ich forschen in deinem Gesetze und es beobachten von meinem ganzen Herzen. Neige mein Herz zu deinen Zeugnissen." (Ps. 118, 34 ff.) — So sollst auch du recht oft beten, mein Christ! um die göttliche Gnade; denn dieselbe ist uns Allen unumgänglich nothwendig. Fr. Warum ist uns der Beistand der Gnade so nothwendig? Antw. Weil wir ohne dieselbe nicht das Geringste zu unserm Heile anfangen, fortsetzen oder vollenden können. Belehrung. Wie nothwendig uns die Gnade Gottes zu unserm Heile sei, das drückt schon der heilige Paulus (Phil. 2, 13.) mit den Worten aus: „Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen, als das Vollbringen wirkt." Und der heilige Irenaus schreibt: „Die Gnade Gottes ist uns so nothwendig, wie der dürren Erde das Wasser. Ohne Regen kann kein Gras wachsen, keine Blume blühen, kein Baum fortkommen, keine Frucht gedeihen. So können wir auch ohne Gnade Gottes keine Tugend üben und keine Frucht bringen (zu unserm Heile)." Beispiel und Anwendung. Die heilige Katharina von Genua erkannte nur zu gut diese Schwäche und Ohnmacht, in der sich der Mensch ohne die Gnade Gottes befindet. Daher brach sie oft in den Klageruf aus: „O mein Gott! ich kann durch mich selbst nichts Gutes thun; ich bin nur fähig, Böses zu vollführen. Ach, wenn mir der Herr nicht beständig mit seiner Gnade beistehen würde, was würde aus mir werden!" Bei den verschiedenen Fehlern, die sie hie und da aus Schwachheit beging, pflegte sie zu sagen: „Siehe da, wiederum ein Kraut aus meinem Garten!" — Im Gefühle dieser menschlichen Schwäche rief selbst auch schon der heilige Paulus aus: „Ich weiß, daß in mir nichts Gutes wohnt. Denn das Wollen liegt mir nahe, aber das Vollbringen des Guten erreiche ich nicht. Ich habe (zwar) Lust am Gesetze Gottes dem innern Menschen nach; ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetze meines Geistes widerstreitet, und mich gefangen hält unter dem Gesetze der Sünde, das in meinen Gliedern ist. Ich unglücklicher Mensch! Wer wird mich von dem Leibe dieses Todes befreien?" (Röm. 7, 18 — 24.) Ach, wer aus uns 336 Drittes Hauptstiick. Von der Bedeutung und Notwendigkeit der wirklichen Gnade. Allen muß nicht ein gleiches Geständnis; machen und sonach die Nothwendigkeit der göttlichen Gnade erkennen! Fr. Da uns nun die Gnade Gottes so überaus nothwendig ist, so entsteht die Frage: Gibt Gott aber auch allen Menschen seine Gnade? Antw. Ja, Gott gibt allen Menschen hinlängliche Gnade, daß sie die ihnen obliegenden Gebote halten und selig werden können. Belehrung. »Gott will, daß alle Menschen selig werden und zur Erkenntniß der Wahrheit gelangen," also schreibt der heilige P.aulus. (1. Tim. 2, 4.) Wenn nun aber Gott will, daß Alle selig werden, so gibt er gewiß auch Allen seine Gnade, daß sie selig werden können. „Ja, Gott gibt uns in der That seinen Beistand," fügt der heilige Chrysostomus bei; darum sagt der heilige Apostel Paulus (1. Cor. 10, 13.): „Gott ist getreu; er wird euch nicht über euere Kräfte versuchen lassen, sondern bei der Versuchung auch den Ausgang geben, daß ihr ausharren könnet" — d. h. Gott läßt uns nicht bloß nicht über unsere Kräfte versucht werden, sondern er steht uns auch in der Versuchung bei, unterstützt und kräftigt uns, wenn wir auch das Unsrige thun und es an gutem Willen, an Hoffnung auf ihn, an Ergebenheit und Geduld nicht fehlen lasten. Ganz schön schreibt in dieser Beziehung der heilige Ephrem: „Der Schatz der göttlichen Gnade ist einer sehr wasserreichen Quelle gleich, die Jedem, dem cs davon zu schöpfen beliebt, zur Genüge gibt. Die Quelle verwehrt es Keinem, wenn er will, davon zu schöpfen." So ist es also wahr, was der heilige Augustin sagt: „Nie verläßt Gott den Menschen, wenn er nicht vorher von dem Menschen verlassen wird," und der heilige Bernhard: „Wir beklagen uns, daß uns die Gnade fehle; aber dürfte die Gnade vielleicht sich nicht mit mehr Recht beklagen, daß wir ihr fehlen?" Beispiel und Anwendung. An der Gnade Gottes fehlt es uns also nicht, wenn wir sie auch nur immer bereitwillig annehmen und benützen würden. Zwei Einsiedler gruben in der Wüste gute schwarze Erde aus und trugen, da es ihnen an Fuhrwerk und Lastthieren fehlte, die Erde sackweise in ihren Garten, um den Boden desselben zu verbessern. — Der Jüngere der zwei Brüder ward über die Sonnenhitze und die beschwerlichen Fliegen so unwillig, daß er fast bei jedem Schaufelstiche murrte. „Lieber Bruder!" sagte der Aeltere, „bitte doch Gott um Geduld." „Ich habe doch schon oft genug gebeten", erwiderte der Jüngere, „aber seine Gnade hilft mir dennoch nicht!" Der Aeltere grub stille fort, bis er wieder einen Sack gefüllt hatte, und sprach dann: „ Hilf mir den Sack auf die Schulter nehmen!" Der Jüngere schob ihm den Sack mit angestrengter Kraft rückwärts auf die Schulter. Der Aeltere zog ihn aber vorwärts wieder herab, daß der Sack zur Erde fiel. „ Was soll das heißen?" rief der Jüngere. „Meine Hilfe kann dir Nichts nützen, wenn du sie vorsätzlich wieder vereitelst!" — „Siehe," sagte der Alte, „so ist cs mit dem Beistände Gottes. Gott ist immer bereit, uuS beizustehen. Wenn wir aber mit der göttlichen Gnade nicht Mitwirken, sondern ihr vielmehr widerstreben, was kann uns die Gnade Gottes dann helfen?" — Du siehst also, mein Christ! daß es uns an der Gnade Gottes niemals fehlt, wenn wir sie nur auch gerne annehmen und bewahren. Ww sollen es in dieser Beziehung machen wie jener Heilige, dessen Fest auf den heutigen Tag fällt! nämlich der heilige Papst Urban, der nicht nur selbst die göttliche Gnade treu benützte, sondern auch Andere zur treuen Benützung derselben ermahnte. Von ihm wird uns Folgen- des erzählt in der Legende: Der heilige Papst Urban, (f 230.) Dieser Heilige war der Sohn eines römischen Bürgers nnd wurde im Jahre 223 auf den römischen Stuhl erhoben. Zur Zeit der Christenverfolgung hielt er sich mit zwei Priestern und drei Diakonen bei den Grabstätten der heiligen Märtyrer in einer Höhle verborgen. Dort von dem Stadtvogte ergriffen, wurden sie vor das Gericht geführt und in's Gefängniß geworfen. Mit bekümmertem Herzen vernahmen die Christen die Gefangensetzung ihres geliebten Bischofes. Viele derselben besuchten ihn im Gefängniß, brachten die ganze Nacht bei dem heiligen Bekenner unter Gebet und Lobpreisungen Gottes zu, nnd begaben sich erst am Morgen wieder nach Hause. Urban wurde mit seinen Gefährten zum zweiten Male vor den Richter geschleppt, der ihm vorwarf , daß er die Cäcilia, ihren Gemahl Valerian und dessen Bruder in's Verderben gestürzt und sich in ihren hinterlassenen Reichthümern einen großen Schatz zugeeignet 337 Am Feierabende des 26. Mai. habe. Mit hoher Würde sprach der Heilige: „Diejenigen , von denen du redest, sind nicht zu Grunde gegangen , sondern sie haben das Himmelreich' erlangt. Erkenne doch, Verblendeter! den ewigen Schöpfer, dem ui Liebe Cacilia ihr Vermögen spendete, und freudig in den Tod ging. Nur Die gehen im Tode zu Grunde, die ihres falschen Glaubens und ihrer bösen Werke wegen dem Schöpfer mißfallen." Hierauf wurden die heiligen Märtyrer wieder in's Gefängniß abgeführt. Dort erklärte der Gefangenwärter Anolinus, überwältigt von so hoher Gottseligkeit, so froher Zuversicht und so inniger Liebe, seinen Glauben an Jesus Christus, wurde getauft und durch den heiligen Chrysam bekräftigt. Zu dem Tempel der Diana geführt, wo sie sich weigerten, zu opfern, ermunterte Urban die Seiuigen zur Standhaftigkeit in diesem letzten Kampfe, und sprach: „Sehet, jetzt ruft uns Gott zu sich mit den Worten: Kommet zu mir, die ihr Mühe habt und beschwert seid, ich will euch erquicken!" Hierauf wurden sie enthauptet im Jahre 230. Gebet. O Gott, du Geber alles Guten, der du uns mit deiner göttlichen Gnade überhäufest, verleihe uns auf die Fürbitte des heiligen Papstes und Märtyrers Urban Kraft und Stärke, auf daß wir deine Gnade stets mit bereitwilligem Herzen annehmen und treu mit derselben Mitwirken, durch Christum unfern Herrn. Amen. Hmldertsechsimdvierzigstes Lesestück. Am Feierabende des 26. Mai. Wie wir uns der Gnade Gottes gegenüber verhalten müssen. Fr. Was muß der Mensch seinerseits thun, damit ihm Gottes Gnade stets zu Theil werde und ihm selbe zum Heile gereiche? Antw. Er muß 1) fleißig und andächtig Gott um Gnade bitten, 2) treulich mit derselben Mitwirken. Belehrung. Gott gibt jedem Menschen die zu seinem Seelenheile nothwendigen Gnaden, jedoch nicht alle Gnaden theilt er ohne alle Bedingniß aus. Manche Gnaden erhält der Mensch nur, wenn er darum bittet, und wenn er mit der vorausgegangenen Gnade mitwirkt. Benützt er also eine Gnade nicht, so empfängt er auch die folgende außerordentliche Gnade nicht. Gleichwie nun an einer Kette die ganze Ordnung gestört und die ganze Kette getrennt ist, wenn man auch nur einen einzigen Ring aus der Mitte hcrausnimmt, ebenso kann auch durch eine einzige, nicht angenommene Gnade die ganze Gnadenkette zerbrochen werden, Mehler, Hausbuch. und auf diesen Ungehorsam ein ewiges Verderben folgen. Mit der göttlichen Gnade verfährt Gott der Herr, wie ein kluger Hausvater. Wenn dieser am späten Abend eine Kerze in seinem Hause brennen sieht, deren Licht sich Niemand bedient, weder zum Aus- und Eingehen, noch um bei der Arbeit zu sehen; wenn die Knechte und Mägde nichts thun, als schlafen, so löscht er das Licht aus; denn wofür soll er es unnütz brennen lassen? „Die faulen Knechte," denkt er, „werden schon sehen, woher sie Licht bekommen, wenn sie erwachen." Ebenso macht es Gott der Herr mit seinem Gnadenlichte; bedienst du dich desselben nicht, weder um aus deinem Sündcnstande herauszukommen, noch um den Weg der Tugend zu betreten, fahrest du fort, in deinen Lastern zu verharren und zu schlafen in deiner Trägheit und Lauigkeit im Guten, so entzieht er dir seine Gnade; denn wofür soll dieses Licht ohne Nutzen leuchten? Und du kannst zusehen, wer dir ein neues Licht verschaffe. Fr. Was ist also das Erste, wenn wir Gottes Gnade erlangen wollen? Antw. Daß wir fleißig, ja täglich um dieselbe zu Gott beten; denn auch hier gilt das Wort des Herrn: „Bittet, so werdet ihr empfangen." Belehrung und Beispiel. Wenn auch Gott der Herr mit seiner Gnade, mit seiner göttlichen Huld und Erbarmung dem Menschen entgegenkommt, so will er doch auch von unserer Seite eingeladen, gebeten sein. Es ist dieß eine Prüfung unserer Liebe. So kam einst der göttliche Heiland den beiden Jüngern, die nach Emaus gingen, liebevoll entgegen; aber er wollte wieder weiter gehen. Als sie ihn jedoch baten, er möchte bei ihnen bleiben, so willigte er sogleich ein. So theilt auch uns Gott oft ungebeten seine Gnade mit; oft aber scheint es, als ob er sie wieder zurückziehen, als ob er sich von uns wieder entfernen wolle. Da nun müssen wir ihn zum Bleiben einladen und ihn darum bitten. — Hast du das auch immer gethan, mein Christ? Ach, leider nicht! Höre, was dir der heilige Bonaventura zuruft: „Wenn ein Jahr lang ununterbrochen Dürre und Trockenheit herrschen würde, würdest du da nicht inbrünstig um Regen bitten? Siehe, die Dürre und Trockenheit deines Herzens dauert bei dir schon 20—30 Jahre, und du verlangst nicht den Regen der Gnade des heiligen Geistes?" O wie thöricht >bist du doch, o Meusch! Bete daher eifrig um Gottes Gnade; denn wenn uns Gott auch Allen hinlängliche Gnade verleiht, so will er doch auch um viele Gnaden gebeten sein. Fr. Was müssen wir noch ferner unserseits thun, damit uns die Gnade zum Heile gereiche? 43 338 Drittes Hauptstück. Wie wir uns der Gnade Gottes gegenüber verhalten müssen. Antw. Wir müssen treu mit derselben (Mitwirken; denn „Gott, der uns ohne unser Zuthun erschaffen hat," sagt der heilige Augustin, „will uns nicht ohne unser Zuthun selig machen." Belehrung. In der geheimen Offenbarung (3, 20.) spricht Gott der Herr selbst: „Siehe, ich stehe vor der Thüreund klopfe an. (Sieh das obige Bild!) So Jemand meine Stimme höret und die Thüre mir aufthut, zu dem will ich eingehen und mit ihm mein Abendmahl halten, und er mit mir." „Gott der Herr reicht dir die Hand," sagt der heilige Chrysostomus, „gib ihm die dcinige!" Wir müssen also dem Herrn die Thüre unseres Herzens öffnen und ihm die Hand reichen zur treuen Mitwirkung; nur so wird uns seine Gnade zum Heile gereichen. „Unser Helfer ist zwar der Herr," schreibt St. Augustin; „allein geholfen kann nur Dem werden, der auch freithätig Etwas versucht; denn Gott wirkt unser Heil in uns nicht, als ob wir leblose Steine oder solche Gegenstände wären, denen die Natur keine Vernunft oder keinen freien Willen eingeschaffen hat." — Ein schönes Sinnbild der himmlischen Gnaden, mit denen wir Mitwirken müssen, ist das Manna. Es fiel vom Himmel, wie uns die Gnade vom Himmel zukommt; allein um das Manna genießen zu können, mußte man noch Vieles thun; man mußte es sammeln , man mußte es mahlen und erst durch Fleiß zur Speise bereiten. So ist es auch mit der Gnade; wir müssen treulich mit ihr Mitwirken; nur so wird sie uns zum Heile gereichen. Wir sehen dieß an zahlreichen Beispielen. Beispiele und Anwendung. David wirkte mit der Gnade, als er auf das Wort des Propheten Nathan seine Sünden bekannte und Buße that; und Gott verzieh ihm seineMissethat. — Die Nin iviten wirkten mit der Gnade, als sie auf die Predigt des Propheten Jonas Buße thaten in Sack und Asche; und der Herr schonte ihrer. — Magdalena, Zachäus und der gute Schächer am Kreuze wirkten mit der Gnade; als sie sich bekehrten; und sie fanden Alle Gnade und Verzeihung. Auch der heilige Paulus wirkte treulich mit der Gnade; daher konnte er von sich sagen: „Ich habe mehr als sie Alle gearbeitet; doch nicht ich, sondern die Gnade Gottes mit mir." (1. Cor. 15, 10.) — Es wäre also thöricht, wenn wir von der Gnade Gottes Alles erwarten, selbst aber dabei Nichts thun wollten. Eiii römischer Soldat, welcher bei einem öffentlichen Schauspiele kämpfen wollte, fürchtete sich sehr, und fragte bei der Göttin Minerva an, ob er wohl den Sieg davon tragen werde, und er erhielt zur Antwort: „Sei nur guten Muthes und du wirst siegen!" Durch diese Verheißung aufge- muntert, trat er herzlich seinem Feinde entgegen, bekam aber gleich einen Kolbenschlag, so daß er fast zur Erde fiel. Vertrauend auf die Verheißung der Göttin, wehrte er sich aber nicht, erhielt einen Schlag nach dem andern und sank endlich besiegt zu Boden. Da erhob er wehklagend die Hände zum Himmel und sprach: „Wo ist die Treue der Götter? Mir wurde der Sieg verheißen, und nun liege ich besiegt zu Boden!" Es ward ihm die Antwort: „Du hättest nicht müßig sein, sondern muthig kämpfen sollen; denn die Götter helfen nur dem Thätigen!" Dieß ist auch uns gesagt, mein Christ! Gott ist bereit, uns der unendlichen Verdienste seines eingebornen Sohnes theilhaftig zu machen, damit wir selig werden; er will aber auch, daß wir das Unsrige dazu thun und mit der Gnade wirken, die er uns spendet. Gott hilft nur den Thätigen. Er hat uns den Weg gezeigt, der zum Leben führt, er hat uns seine Gebote gegeben; an uns aber liegt es, diesen Weg zu wandeln und diese Gebote zu halten; denn es heißt: „Willst du zum Leben eingehen, so halte die Gebote!" Gott hat uns den Sieg verheißen über alle Feinde unseres Heiles und will uns die Krone des ewigen Lebens geben. Wenn wir aber lau und träge die Hände in den Schooß legen und nicht kämpfen gegen unsere Feinde, so werden wir nimmermehr siegen; denn ohne Kampf gibt es keinen Sieg, ohne Sieg keine Krone. Gott hilft nur den Thätigen, und nur, wer ausharret bis an's Ende, der wird gekrönt werden. Wir sehen dieß auch wieder an jenem Heiligen, dessen Fest heute die Kirche feierlich begeht; es ist dieß der heilige Philippus Neri. Er wurde gekrönt, weil er tapfer kämpfte und in der Gnade Gottes ausharrte bis an's Ende. Am Feierabende des 27. Mai. 83S Legende: Der heilige Philippus Neri, Priester. (f 1595.) Philippus Neri, geboren zu Florenz im Jahre 1515, gab schon von früher Jugend au unzweideutige Beweise künftiger Heiligkeit. So streng war sein Fasten, daß er oft drei Tage nüchtern blieb. Damit verband er unermüdet Gebet und Betrachtung, Nachtwachen und häufigen Besuch der sieben Hauptkirchen Roms. Im Jahre 1551 zum Priester geweiht, widmete er sich mit allen Kräften der Seelsorge, der Verkündigung des heiligen Evangeliums und dem Beichtstühle, und stiftete zu diesem Zwecke die Genossenschaft der Oratorianer. Er ist Allen Alles geworden; den Nothleidenden erwies er alle Arten von Liebesdiensten, und die Liebe Jesu, die sein Herz verwundet, war so innig und flammend, daß er zur Zeit der heiligen Messe und der Betrachtung häufig mit dem Leibe gen Himmel erhoben wurde. Niemals nahm er eine der ihm angebotenen kirchlichen Würden an. Unverletzt bewahrte er stets seine Jungfräulichkeit; insbesonders hatte er eine recht innige Andacht zur unbefleckten Jungfrau Maria. Er besaß in hohem Grade die Gabe, die Geister zu unterscheiden und Zukünftiges vorherzusagen, sowie er auch Kranken wunderbar ihre Gesundheit wieder gab und selbst Todte zmn Leben erweckte. Er war für Alle das leuchtendste Muster des Gehorsams, der Armuth, der Selbstverläugnung und jeglicher Tugend bis an sein Ende, welches den 26. Mai 1595 erfolgte. Gebet. Herr, himmlischer Vater, du Spender- aller Gnaden! wir bitten dich, verleihe uns die zur ewigen Seligkeit' so nothwendige Gnade! Wir geloben dir, von nun an mit derselben treulich mitzuwirken und sie zu unserm Seelenheile so gewissenhaft zu benützen, wie dein frommer Diener St. Philippus NeriuS; stärke uns, o Gott! durch Jesum Christum, deinen Sohn, der da lebt und regiert in alle Ewigkeit. Amen. Hundertsicbermndvierzigstes Lesestück. Am Feierabende des 27. Mai. Was wir in Bezug auf die Guade besonders meiden müssen. Fr. Was müssen wir in Bezug auf die Gnade besonders meiden? Antw. Besonders folgende drei Stücke: 1) sollen wir den Ruf der göttlichen Gnade nicht überhören, 2) der göttlichen Gnade nicht widerstehen, 3) weder auf die göttliche Gnade, noch auf unsere eigene Kraft stolz sein. Fr. Was heißt das: Wir sollen den Ruf der göttlichen Gnade nicht überhören? Antw. Es heißt: Wir sollen die Mahnungen und Warnungen Gottes, durch die er uns an sich ziehen will, nicht übersehen, nicht unbeachtet lassen. Belehrung und Beispiel. Gott der Herr sucht uns durch mancherlei äußere Ereignisse, durch plötzliche Todesfälle, Krankheiten, Glück und Unglück an sich zu ziehen, er sendet uns seine Gnade auf die mannigfaltigste Weise. Bald kommt sie zu uns wie ein Stern, der mild und ruhig am Himmel aufsteigt, (sieh das nachfolgende Bild!) bald wie ein Pfeil, der plötzlich das Herz trifft, bald wie ein er- quickenderRegen, der das dürre Erdreich aufweicht, bald wie ein Hammer, der Felsen zerschmettert. Verachte dergleichen Warnungen Gottes nicht; denn Nichts ist gefährlicher, als den Tag der göttlichen Heimsuchung nicht zu erkennen. Ein Beispiel hiezu liefert uns das traurige Schicksal Jerusalems. Diese unglückliche Stadt hatte den göttlichen Heiland so oft in ihren Mauern; sie sah seine Wunder, sie hörte seine beseligende Lehre u. s. f., und dennoch glaubte sie nicht an ihn, verfolgte und haßte ihn vielmehr bis in den Tod. Daher rief auch der göttliche Heiland voll tiefer Weh- muth aus: „Jerusalem, Jerusalem, wie oft wollte ich Deine Kinder versammeln, wie eine Henne ihre Küchlein unter ihre Flügel sammelt! Du aber hast nicht gewollt." (Matth. 23, 37.) Fr. Was heißt das: Wir sollen der Gnade Gottes nicht widerstehen? Antw. Es heißt: Wir sollen dieselbe, sei es aus 43* 340 Drittes Hauptstück. Was wir in Bezug auf die Gnade besonders meiden müssen. Leichtsinn oder Lauheit oder wohl gar aus Bosheit, nicht von uns flössen. Belehrung. Die göttliche Gnade nöthigt den menschlichen Willen nicht, sondern läßt ihm vollkommene Freiheit; daher können wir der Gnade widerstreben; aber wehe uns, wenn wir dieses thun! Gottes Gnade kann uns alsdann nicht zum Heile, sondern nur zum Verderben gereichen; wir werden dadurch unsere Seele tief verwunden. Darum ruft uns der heilige Chrhsostomus zu: „Schlage mit dem Fuße nicht aus wider den Stachel, wenn du dich nicht verwunden willst!" Und der Psalmist (Ps. 94, 8.) ermahnt uns: „Heute, wenn ihr Gottes Stimme höret, so verhärtet eure Herzen nicht!" Nie wollen wir der göttlichen Gnade die Thüre unscrs Herzens verschließen, nie die Hand zurückziehen, wenn uns Gott die seinige anbietet. Ach, welch' eine Bosheit wäre es, wenn wir der göttlichen Gnade widerstehen würden?! Beispiel und Anwendung. In Sicilien war ein reicher Handelsmann; dieser ließ sich mit einer leichtfertigen Person des andern Geschlechtes in ein sündhaftes Ver- hältniß ein, nahm sie endlich in's Haus, und später sogar auch auf seine Handlungsreisen mit. Da suchte ihn der liebe Gott mit einer schweren Krankheit heim, um ihm die Augen zu öffnen. Auf das dringende Zureden des Beichtvaters ließ er sie aus dem Hause weisen und versprach, sich vom Herzen zu bekehren. Allein kaum war er wieder gesund, so nahm er sie auch wieder zu sich. Bald darauf erhob sich ein heftiger Sturmwind auf dem Meere, wo er sich mit ihr in einem Schiffe befand. Das Schiff scheiterte. Indessen hatte er mit seiner ehrlosen Gesellschafterin das Glück, ein Brett zu ergreifen. Sie schwammen Beide mehrere Tage auf dem wüthenden Meere umher, erweckten Neue und Leid über ihre Sünden, versprachen Gott, wenn er sie retten würde, sich auf der Stelle zu trennen und ein strenges Bußleben zu führen. So kamen sie glücklich an's Land; sie trennten sich auch wirklich. Allein nach wenigen Tagen, als der Schrecken vergessen war, suchten sie sich wieder auf und lebten wieder, wie vorher. Endlich suchte ihn Gott abermals mit einer gefährlichen Krankheit heim. Die Aerzte gaben ihn verloren. Jetzt ließ er einen Beichtvater rufen und die liederliche Person ohne Barmherzigkeit aus dem Hause jagen. Auch versprach er Gott und dem Beichtvater Alles, und Jeder glaubte, es wäre ihm recht Ernst; Alles erfreute sich über seine Bekehrung. Als sich aber nach einigen Tagen seine Krankheit änderte, und die Aerzte ihm sagten, er wäre außer Gefahr, ließ er sogleich die Dirne zu sich rufen, bat sie um Verzeihung wegen der Verstoßung, und indem er ihr die Hand reichte, — war er todt. — Mein Christ! Erkenne hieraus, wie verderblich und schrecklich es ist, der göttlichen Gnade zu widerstehen! Es gibt ein Maß der Gnade; ist dieses voll, dann zeigt Gott uns statt der Gnade seinen Groll! Fr. Was will das sagen: Wir sollen nicht stolz sein auf die göttliche Gnade, noch auf unsere eigene Kraft? Antw. Dieses will sagen, daß wir uns nicht über Andere erheben und uns nicht auf unsere geistigen oder körperlichen Vorzüge, Fähigkeiten und Tugenden Etwas einbilden sollen. Belehrung. Alles, was wir sind und haben, ist ein Geschenk der göttlichen Gnade; wir müssen daher stets de- müthig bleiben und unsere Armseligkeit bekennen, selbst auch dann, wenn wir mit den herrlichsten Anlagen ausgestattet und mit göttlichen Gnaden überschüttet würden. Es ist ja dieß nicht unser Eigenthum, sondern nur ein hinterlegtes Gut. Würden wir stolz darauf sein, so würde der Herr uns dasselbe entziehen und uns dafür strafen. „ Wenn der König bei einem Armen einen Schatz hinterlegt," also sagt der heilige Makarius, „so darf ihn Der, welcher ihn zur Verwahrung hat, nicht als sein Eigenthum ansehen, oder Etwas davon verschwenden, sondern muß allezeit seine Armuth bekennen; denn der Schatz ist nicht sein, sondern ein mächtiger Herr, der König, hat ihn hinterlegt und wird ihn nach Gefallen wieder fordern. Auf gleiche Weise müssen Die, welche von Gott Gaben empfangen haben, gesinnt sein, müssen demüthig bleiben und ihre Armuth bekennen. Wollte der Arme ans den fremden Schatz trotzen und sich dessen überheben, als ob cs sein Eigenthum wäre, so würde der König den Schatz von ihm nehmen." Beispiel und Anwendung. Ein Altvater der Wüste pflegte, wenn er hörte, daß ein Bruder in eine schwere Sünde gefallen sei, bitterlich zu weinen, und sprach: „Er heute, ich morgen! Denn ich bin ein Mensch, wie er; und wenn ich noch nicht gefallen bin, so kam es bloß daher, weil Gottes besondere Gnade mich aufrecht erhielt." — So müssen auch wir denken, mein Christ! und der Herr wird uns seine Gnade nicht entziehen; denn „dem Demüthigen gibt Gott seine Gnade; dem Hoffärtigen aber widersteht er." Nimm dir in dieser Beziehung ein Beispiel an jener frommen und demüthigen Magd des Herrn, deren Lebensgeschichte ich dir heute aus der Legende erzählen will. Legende: DieheiligeJungfrauMariaMag- dalena von Pazzis. (ch 1607.) Die heilige Maria Magdalena von Pazzis 'WXxXxXXXH. Am Feierabxnde des 28. Mai. 341 / ist ein auserlesenes Beispiel der Tugend undHeiligkeit; bei all den reichen Gnaden, mit denen sie der Herr überhäufte , blieb sie stets demüthig und voll Mißtrauen auf ihre eigenen Kräfte. Sie wurde 1566 zu Florenz geboren und betrat von der Wiege an den Weg derchristlichenVoll- kommenheit. Als sie in die Schule geschickt wurde, gab man ihr Speisen n. dgl. mit, um sich von Zeit zu Zeit damit zu laben; allein sie schenkte dieselben den Armen und Unglücklichen, die ihr begegneten. Kanin sieben Jahre alt, fing sie schon an, sich auf allerlei Art abzutödten; von Tag zu Tag nahm sie an Tugend und Frömmigkeit zu. Im siebzehnten Jahre trat sie endlich in das Kloster der Karmeliterinen zu Florenz, indem sie freudig auf alle irdische Pracht und Herrlichkeit verzichtete und Jesum zum Bräutigam wählte. Da nun erreichte ihre Liebe zu dem Gekreuzigten einen so hohen Grad, daß sie bisweilen ein Crucifix ergriff und mit lauter Stimme ansrief: „O Liebe! o Liebe! ich will niemals aufhören, dich zu lieben!" — Es gefiel dem Allerhöchsten, seine Dienerin auch mit Widerwärtigkeiten heimzusuchen. Fünf Jahre lang wurde sie fast Tag und Nacht von den entsetzlichsten Anfechtungen geplagt, und in den drei letzten Jahren ihres Lebens mußte sie verschiedene schmerzliche Krankheiten ausstehen. Aber glänzend bestand sie die Prüfung in der Leidensschule; gestärkt von Oben durch die göttliche Gnade, rief sie oft voll Liebe zu Jesus aus: „Leiden! nicht sterben!" — Sie starb heilig i. 1. 1607. Gebet. O Gott! im Gefühle der Reue bekennen wir es, daß wir oft deinen Gnadenruf überhört, und der uns dargebotenen Gnade Widerstand geleistet haben; ach, Herr! wir bitten dich, siehe nicht auf diese unsere Bosheit und entziehe uns deine Gnade nicht! Stärke uns, und wir wollen von nun an deine treuen Diener sein, und dich, wie oie heilige Magdalena von Pazzis, zum Bräutigam unsers Herzens wählen. Amen. Hnndertachtundvierzigstes Lesestück. Am Feierabende des 28. Mai. Von der Gnade der Heiligmachung oder Rechtfertigung; Bedeutung und Wesen derselben. Fr. Was ist die heil! gm ach ende Gnade? Antw. Sie ist eine unverdiente, übernatürliche Gabe, welche der heilige Geist unserer Seele mitthcilt, durch welche wir aus Sündern Gerechte, Kinder Gottes und Erben des Himmels werden. Belehrung. Die heiligmachende Gnade ist also 1) eine „übernatürliche" Gabe, weil Gott dem Menschen durch sie, wie durch eine geistige Zeugung das übernatürliche Leben mittheilt, welche geistige Lebenskraft in uns bleibend ist, so lange wir sie nicht durch die Todsünde zerstören. Daher ist auch die heiligmachende Gnade im Gegensätze zur wirklichen Gnade eine bleibende. 2) Die heiligmachende Gnade ist eine „unverdiente" Gabe, weil sie ein ganz freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes ist, indem wir sie weder durch unsere natürlichen Kräfte erwerben, noch selbst mit Hilfe der wirklichen Gnade eigentlich verdienen. Daher schreibt der heilige Paulus (Rom. 3, 24.): „Alle werden gerechtfertigt ohne (ihr) Verdienst durch seine Gnade, die in Jesu Christo ist"; und (Tit. 3, 5—7.): „Er hat nicht wegen der Werke der Gerechtigkeit, die wir gethan, sondern nach seiner Barmherzigkeit uns gerettet durch Erneuerung des heiligen Geistes, welchen er reich - lich auf uns ausgegossen hat durch Jesum Christum unser» Heiland, daß wir gerechtfertigt durch seine Gnade Erben seien nach der Hoffnung des ewigen Lebens." „Die Gnade Christi," sagt der heilige Augustinus (de nst. et ^rut.) „wird nicht als Lohn für das Verdienst, sondern unverdient ertheilt; gerade deßhalb heißt sie Gnade." — 3) Die heiligmachende Gnade rechtfertigt den Men scheu, d. h. versetzt ihn aus dem Stande der Sünde in den Stand der Gerechtigkeit und Heiligkeit; deßwegen nennt man sie auch „Gnade der Rechtfertigung." Fr. Worin besteht sonach dasWesen derRecht- fertigung? Antw. Darin, daß wir von der Schuld befreit und in das Wohlgefallen Gottes ausgenommen werden. Belehrung. Die Gnade der Rechtfertigung nimmt von uns die Schuld und verleiht uns Gottes Wohlgefallen; daher 342 Drittes Hauptstück. Vsn der Gnade der Heiligmachung oder Rechtfertigung rc. -Es,- schließt die Rechtfertigung in sich: 1) die Reinigung von allen, wenigstens schweren Sünden, nebst der Nachlassung der ewigen Strafe, und 2) die Heiligung und Erneuerung des innernMenschen, wie dieß wiederum der heilige Paulus (1. Cor. 6, 11.) ausspricht mit den Worten: „Ihr seid abgewaschcn, ihr seid ge- heiliget, ihr seid gerechtfertigt im Namen unsers Herrn Jesu Christi und im Geiste unsers Gottes." Die Rechtfertigung bewirkt sonach in der Seele des Menschen eben das, was die Sonne bewirkt, wenn sie in die Finsterniß hineinscheint; da muß alle Finsterniß weichen, und überall herrscht Licht und Helle, wohin ihre Strahlen dringen. So muß auch aus der Seele der Gerechtfertigten alle Finsterniß der Sünde weichen, und es zeigt sich in ihr überall nur das Licht und die Klarheit der innern Heiligung und Erneuerung. Beispiel und Anwendung. In den Geschichtsbüchern der Makkabäer wird erzählt, daß der Fürst Nehem-ias, als er den neuerbauten Tempel von Jerusalem einweihcn wollte, die Priester zu einer Cisterne gesendet habe, in welcher nach der Zerstörung der Stadt das Feuer, das unaufhörlich im Tempel brannte, verborgen worden war. Und wiewohl sie dort nichts Anders fanden, als ein trübes, schlammiges Wasser, ließ es Nehemias dennoch hcrbeiholen, und über den im Freien errichteten Altar, sowie über das darauf geschichtete Holz und über das Opferthier ausgicßen. In dem Augenblicke nun, als die bisher verhüllte Sonne aus den Molken trat, und der erste Strahl den Holzstoß berührte, entzündete sich eine mächtige Flamme, und Alles ward augenblicklich verzehrt. — Diese Begebenheit, die nur als eine Überlieferung der Väter verbürgt wird, kann als ein bedeutsames Bild erachtet werden, das uns das Wesen der Rechtfertigung veranschaulicht und uns zeigt, was sie von uns hinwegnimmt, und was ^ sie uns verleiht. Das schlammige Wasser in der Tiefe ist die Sündenknechtschaft und die Gott entfremdete Gesinnung; der Sonnenstrahl aus ewigen H Höhen ist die erneuernde Macht des heiligen Geistes; ^ die Flamme, die dieser Strahl entzündet, ist die Freude des Heiles und die Kraft der Tugend. Sobald der Strahl der heiligmachenden Gnade das menschliche Herz bescheint, so muß aller Schlamin der Sünde verschwinden, die Flamme der Tugend M aber muß sich entzünden, und Gottes Wohlgefallen N wird alsdann auf dem Gerechtfertigten ruhen. Fr. Da die heiligmachende Gnade uns von der Sünde reinigt, uns gerecht und heilig und zu Kindern Gottes macht, was folgt daraus? Antw. Daraus folgt, daß es für unsere Seele nichts Kostbareres geben kann, als die heiligmachende Gnade. Belehrung. Wahrlich, es gibt für unsere Seele nichts Kostbareres, als die heiligmachende Gnade. Willst du wissen, mein Christ; wie viel diese Gnade Werth sei? Wohlan, lege auf die eine Wagschale all das vergossene Blut Jesu Christi, und stehe, wenn du nicht in der Gnade Gottes stehst, hat es keinen Werth für dich; bist du aber im Stande der Gnade, dann wiegst du dieses Blut auf. Ein Kleid ist sie für deine Seele, in welchem sie der höchste Gott so sehr liebt, daß er sie für seine Braut erkennt; ein Geldstück ist es, mit welchem du dir den Himmel erkaufen kannst; ja, brächtest du einst vor den Thron Gottes nichts Anderes hin, als den Stand der Gnade, so wäre Gott schuldig, dir den Himmel dafür zu geben; einen Theil der göttlichen Natur hast du empfangen; denn im Stande der Gnade bist du ein Kind Gottes, auf dem das Auge des heiligen Schutzengels mit Wohlgefallen ruht. (Sieh das obige Bild!) Daher finden auch die heiligen Väter nicht Worte genug, um den hohen Werth der heiligmachenden Gnade würdig zu rühmen. Sie nennen dieselbe ein Licht der Seelen, eine Sonne der Herzen. Was ist aber schöner, als das Licht? glänzender als die Sonne? Sie wird ferner genannt eine Quelle, die hinüberfließt in das ewige Leben, ein glänzendes Gold, welches alle Werke der Menschen vergoldet, eine Perle, ein Schatz, werth, um für all' unser Hab und Gut eingekauft zu werden. Der heilige Thomas von Aquin nennt die heiligmachende Gnade „ein Theilchen der göttlichen Wesenheit," und der heil. Hilarius sagt, sie sei das allerhöchste Brautkleid, womit der heilige Geist die Seele bekleide als eine werthe Braut Christi. 343 Am Feierabende des 29. Mai. Beispiel und Anwendung. Es wird erzählt, oaß einst die türkischen Kaiser ihren Günstlingen ein kostbares gvlddurchwirktes Kleid zu schenken pflegten. Wer in ein solches Kleid gekleidet war, konnte ohne Gefahr durch das ganze Reich reisen. Alle Thore mußten sich ihm öffnen, die Kriegsheere ihm weichen, gerade so, als wenn der Kaiser selbst gekommen wäre. Der war also im Reiche ein glücklicher Mensch, welcher ein solches Kleid zum Geschenke erhalten hatte. Doch unvergleichlich glücklicher ist die Seele, welche nicht von einem sterblichen Menschen, sondern von dem unsterblichen Gotte zum Zeichen seiner unendlichen Liebe und Güte mit dem kostbaren Kleide der heiligmachenden Gnade geschmückt worden ist; denn nun ist sie ein Tempel des heiligen Geistes, ein lebendiges Glied des Leibes Jesu Christi, theilhaftig der göttlichen Natur und ein Gegenstand des Wohlgefallens in den Augen Gottes und des ganzen Himmels; nun ist sie ein Kind Gottes, und es öffnen sich vor ihr die Pforten des Himmels; denn als Kind Gottes ist sie auch eine Erbin Gottes und eine Miterbin Jesu Christi. — Wegen der Vortrefflichkeit der heiligmachcnden Gnade schätzten auch die Heiligen Gottes dieselbe überaus, wie wir z. B. aus der Lebensgeschichte des heiligen Bischofs Germanus ersehen, dessen Festtag heute gefeiert wird. Legende: Der heilige Germanus, Bischof von Paris, (ff 576.) Der heilige Germanus, welcher im sechsten Jahrhundert die Zierde der gallischen Kirche war, wurde um 496 im Bezirke von Autun geboren. Sein Netter, der fromme Priester Scapilio, nahm es auf sich, ihm die erste sittliche und wissenschaftliche Bildung zu geben. Der Jüngling zeigte einen seltenen Andachtseifer und wuchs Heranim Gewände der Gnade und Unschuld zu einem wahrhaft frommen Diener des Herrn. Er wurde Priester und bald hierauf Abt von St. Shmphorian. Im Jahre 555 wurde er sogar gegen seinen eigenen Willen zum Bischöfe von Paris ernannt. Als solcher änderte er Nichts in seiner Lebensweise; er blieb arm und demü- thig; als der größte Schmuck galt ihm das Kleid der heiligmachenden Gnade. Dieser liebreiche Oberhirt bot all seine Klugheit auf, die Zwistigkeiten der weltlichen Fürsten beizulegen. Er war der liebreichste Vater der Armen und arbeitete unermüdet im Weinberge des Herrn. So hatte er das achtzigste Jahr erreicht, als er in einem Gesichte über den Tag seines Todes eine Offenbarung erhielt. Er ließ hierauf an seine Bettstatt die Worte schreiben: „Am 28. Mai!" Niemand wußte, was dieß zu bedeuten hätte, bis der Tod des Heiligen, der an diesem Tage erfolgte, das Räthsel löste im Jahre 576. Seine Reliquien befinden sich in der Abtei von St. Germain und werden in einem prachtvollen Sarge von Gold und Silber, reich geschmückt mit kostbaren Perlen und Edelsteinen, aufbewahrt; weit herrlicher aber als sein Sarg wird dieser Heilige selbst glänzen im Gewände der Herrlichkeit dort oben in der Glorie des Himmels. Gebet. O Gott, du Gnadenspender! verleihe, daß wir allen irdischen Schmnck verachten und uns schmücken mit dem Kleide der heiligmachenden Gnade, auf daß auch wir einst, wie der heilige Bischof Germanus, im Gewände der Herrlichkeit glänzen mögen in der Glorie des Himmels, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Hundertnemmndvierzigstes Lesestück. Am Feierabende des 29. Mai. Wie der Sünder zur heiligmachenden Gnade gelangt. (Gang der Rechtfertigung.) Fr. Wie gelangt der Sünder zur heiligmachenden Gnade — oder auf welche Weise geht der Mensch vom Stande der Sünde über in den Stand der Gerechtigkeit und der Heiligkeit? Antw. Auf folgende Weise: Zuerst erleuchtet die zuvorkommende Gnade den Sünder und treibt ihn an, daß er sich zu Gott hinwende. Nun aber muß der Sünder diesem Zuge folgen, d. h. er muß mit dem Beistände der Gnade sich freiwillig zu Gott hinwenden und Alles glauben, was Gott geoffenbart hat, insbesondere, daß wir durch Jesus Christus gerechtfertigt werden. Dieser Glaube bewirkt nun in dem Sünder, daß er von der Furcht vor der göttlichen Gerechtigkeit heilsam er-' schiittert wird, jedoch so, daß er zugleich von der gött- 344 Drittes Hauptstück. Wie der Sünder zur heiligmachenden Gnade gelangt. lichen Barmherzigkeit Verzeihung zu erlangen hofft. Jetzt fängt er an, Gott zu lieben, bereut seine Sünden, faßt den Vorsatz, ein neues, gottgefälliges Leben zu führen, und empfängt, wenn er noch nicht getauft ist, das Sakrament der Taufe, oder, wenn er schon getauft ist, das Sakrament der Buße. Dadurch empfängt er nun die heiligmachende Gnade, mit ihr die Nachlassung der Sünden und innere Heiligung, wodurch er wirklich gerecht, Gott wohlgefällig, ein Kind Gottes und Erbe des Himmels ist. (6cmo. Irillenl. sess. 6.) Belehrung und Beispiel. Ich will dir, mein Christ! diese Sache durch ein Gleichniß oder Beispiel aus der Natur noch deutlicher erklären. Siehe, beim Uebergang aus dem Stande der Sünde in den Stand der Gnade geht eine ähnliche Umwandlung vor, wie beim Uebergang der Natur vom Winter in den Frühling. Damit nämlich die Wintercrde in die heitere, schöne Frühlingsflur sich umwandle, müssen vor Allem die erwärmenden Strahlen der Sonne auf sie niederfallen. Nun wird ihr erstarrter Boden weich, die harte Eisrinde schmilzt und gleitet in unzähligen Bächlein über Klippen und Thälcr in die Tiefe; aus der Erde sproßt bann junges Grün, die Blumen tauchen hervor, zuerst das stille Veilchen, dann seine übrigen Schwestern, und mit Wohlgefallen weilt das Auge auf der neubelebten Natur. — Ist nicht dieser Uebergang der Wintererde zur Frühlingsflur ein schönes Bild vom Uebergange aus dem Stande der Sünde in den Stand der Gerechtigkeit und Heiligkeit? Erst muß den Sünder der warme Strahl der Gnadensonne treffen; nun wird sein Verstocktes Herz weich, von den Wangen fließen die Bäche der Neuethränen; es kommen gute Gedanken und Vorsätze. Die Demuth, deren Sinnbild das Veilchen ist, hebt sich zuerst empor, dann folget ihr der Blumenschmuck aller Tugenden, und Gottes Auge weilt nun mit Wohlgefallen auf dieser neu- belebten Seele. Fr. Bei wem finden wir am Deutlichsten diesen Gang der Rechtfertigung? Antw. Bei allen Bekehrten, bei allen frommen und heiligen Büßern. Belehrung. Aus der Bekehrungsgeschichte aller heiligen und frommen Büßer können wir den Gang der Rechtfertigung, d. i. die Art und Weise ersehen, wie sie aus Sündern Gerechte wurden, oder wie sie aus dem Stande der Sünde in den Stand der Gnade gelangten. Gott trieb sie durch seine zuvorkommende Gnade an, daß sie sich zu ihm hinwendeten, an Gott glaubten, von der Furcht vor der göttlichen Gerechtigkeit heilsam erschüttert, von der Hoffnung ans die Barmherzigkeit und Güte aber ermuthigt wurden, so daß sic anfingen, Gott zu lieben, die Sünden zu verabscheuen, ein neues, gottgefälliges Leben zu führen und durch den Empfang des heiligen Sakramentes der Taufe, oder wenn sie schon getauft waren, der Buße in den Stand der heiligmachcnden Gnade einzutreten. Wir sehen dicß z. B. am heiligen Ignatius, am heiligen Augustinus, an der heiligen Maria von Aegypten, an der heiligen Büßerin und Märtyrin Eudoxia und an vielen Andern. Sie alle find aus Sündern Büßer, aus Büßern Heilige, Kinder Gottes und Erben des Himmelreiches geworden. Beispiel und Anwendung. Um die Sache noch deutlicher zu erklären, führe ich Folgendes aus der Lebensgeschichte des heiligen Augustinus an, für dessen Bekehrung seine Mutter so viele Thränen vergoß. Nachdem dieser nämlich, längere Zeit in Rom verweilt und diese Stadt mit dem blendenden Glanze seines außerordentlichen Geistes, aber auch mit seinem geistigen Hochmuth und mit Sinnengenuß erfüllt hatte, kam er durch göttliche Fügung nach Mailand, welcher Stadt damals der heilige Ambrosius als Erzbischof Vorstand. Durch das Gerücht der ausgezeichneten Predigten dieses heiligen Mannes angelockt, hört Augustin dessen Predigten voll Neugierde und wird dadurch nach und nach in seinem Innern merkwürdig nmgewandelt. Indessen verzehrt er sich lange im unentschiedenen Kampfe mit sich selbst. In diesem wirft er sich eines Tages unter einen Feigenbaum nieder und läßt Am Feierabende des 30. Mal. 343 den Thränen, welche ihm die Scham über seine Unentschlossenheit anspreßt, freien Lauf. Da hört er auf einmal die Stimme: „ Nimm und lies! Nimm und lies!" Betroffen springt er auf, und öffnet das Buch der Briefe des heiligen Paulus. Da kamen ihm die Worte unter die Augen: „ Wie am Tage lasset uns wandeln, nicht in Schmausereien und Trinkgelagen, nicht in Schlafkammern und Unzucht, nicht in Zank und Neid, sondern ziehet den Herrn Jesum Christum an und pfleget der Sinnlichkeit nicht zur Erregung der Lüste!" Jetzt fällt es ihm plötzlich wie Schuppen von den Augen, sein Herz ist durch Gottes Gnadenstrahl vollkommen umgeschaffen und bekehrt. Von diesem Augenblicke au klimmt er in der Heiligkeit von Stufe zu Stufe empor, und erfüllt bald alle christlichen Länder mit dem Ruhme seiner himmlischen Weisheit, wie seiner tiefen Selbstverleugnung und De- muth, und wird in der Kirche 'jenes strahlende Licht, das durch dreizehn Jahrhunderte herab so Vielen, namentlich Gottesgelehrten zum Himmel leuchtet. (Sieh das vorhergehende Bild!) — Aehnliches finden wir in der Geschichte aller heiligen Büßer, die aus Sündern Gerechte wurden. Legende: Der heilige Knabe Cyrillus, Märtyrer zu Cäsarea in Kappadocieu. (ch um 200.) Die göttliche Gnade hatte auch den heiligen Knaben Cyrillus, dessen Gedächtniß am heutigen Tage in der katholischen Kirche gefeiert wird, auf eine wunderbare Weise aus den Finsternissen des Heidenthums und der Abgötterei herausgeführt zum Lichte des wahren Glaubens, und wie selig fühlte sich nicht der junge Cyrillus im Lichte dieses beseligenden Glaubens! Nichts konnte ihn bewegen, denselben zu verläugnen. Als nämlich sein Vater, der tief im heidnischen Aberglauben versunken war, Mehler, HausLuch. sah, daß sein Sohn, der heimlich in der christlichen Religion unterrichtet worden war, sich weigere, seine Götzen auzubeten, jagte er ihn aus seinem Hause und mißhandelte ihn auf alle mögliche Weise. Hierauf wurde er vor den Statthalter von Cäsarea gerufen, welcher Alles aufbot, den Knaben zum Abfall zu zwingen. Allein Alles war vergebens. Man zeigte ihm Feuer und Schwert; aber voll männlichen Ernstes, voll christlichen Helden- muthes eutgegnete Cyrillus: „Ich fürchte weder das Feuer noch das Schwert. Ich brenne vor Verlangen, zu meinem Gott zu kommen. Nebergebet mich bald dem Tode, damit ich das Glück habe, ihn desto eher zu sehen." In diesen schönen Gesinnungen starb alsdann der unerschütterliche Bekenner Jesu Christi im dritten Jahrhunderte. Gebet. Verleihe uns, o Gott! die Gabe der Thränen, damit wir, wie die heiligen Busser, unsere Sünden beweinen, ans dem Stande der Sünde in den Stand der Heiligkeit und Gerechtigkeit gelangen und dir fortan mit unverbrüchlicher Treue, wie St. Cyrillus, dienen mögen, so daß uns weder Feuer noch Schwert jemals von deiner Liebe zu trennen im Stande sei, durch Christum unfern Herrn. Amen. Himdertfünfzigstes Lesestmk. Am Feierabende des 30. Mai. Wodurch die heiligmachcnbe Gnade in uns geschwächt oder gänzlich verloren wird. Fr. Wodurch wird die heiligmachende Gnade in uns geschwächt, wodurch gänzlich verloren? AntW. Geschwächt wird sie durch die läßliche Sünde, gänzlich verloren aber durch die Todsünde. Belehrung. Schon durch die läßliche Sünde wird die heiligmachende Gnade, wenn auch nicht in ihrem Wesen, doch wenigstens in ihren Aeußerungen geschwächt, und so ihr gänzlicher Verlust vorbereitet; gänzlich ver- aber ^ird sie durch die Todsünde: denn „die die sündigt," heißt es bei Ezechiel (18, 20.), „soll " Und der heilige Basilius bemerkt gar schön: der Rauch die Bienen vertreibt; wie ein garstiger die Tauben verscheucht: so wird auch der heilige diese himmlische Taube, und seine Gnade aus unserm verscheucht durch die beweinenswerthe, abscheuliche " Jede Todsünde ist sonach gleichsam ein Schwert, 44 loren Seele, sterben. „Wie Geruch Geist, Herzen Sünde. 346 Drittes Hauptstück. Wodurch die heiligmachende Gnade geschwächt oder gänzlich verloren wird. welches das Band zwischen Gott und den Menschen zerhaut; und so geht durch die Todsünde die heiligmachende Gnade wieder verloren; denn wie der Blitz verheerend in der Natur wirkt (sieh das obige Bild!): eben so die Todsünde in einer mit der heiligmachenden Gnade ausgestatteten Seele. Beispiel und Anwendung. Die heilige Theresia war schon in ihrer zartesten Jugend ein Muster der Tugend und eines ausgezeichneten gottseligen Wandels. Ihre Eltern thaten alles Mögliche, um sie für Gott zu erziehen, und sie hatte in der christlichen Vollkommenheit große Fortschritte gemacht. Allein im zwölften Jahre ihres Alters raubte ihr der Tod ihre gottesfürchtigc Mutter, und nun nahm ihr Leben eine ganz andere Richtung. Es kamen ihr nämlich allerlei Arten von Büchern unter die Hände; durch ihre Neugierde getrieben, las sie Alles, und besonders gerne, wie sie selbst sagte, die Romane. Da nun erlosch gar schnell wiederum die göttliche Liebe in ihrem Herzen, und von Tag zu Tag nahm die Weltliebe in ihr immer mehr zu; sie bekam jetzt einen Hang zur Eitelkeit und Eigenliebe; es erwachte in ihr die Begierde zu sehen und gesehen zu werden, und sie liebte den Aufputz und das Vergnügen. Sicherlich wäre sie an den äußersten Rand des Verderbens gekommen, wenn sich Gott ihrer nicht erbarmt und sie von ihren Abwegen wieder zurückgerufen hätte. — Auf solche Weise entfernt die Sünde den Menschen mehr und mehr von der Liebe zu Gott und versetzt ihn aus dem Stande der Gnade wieder in den Stand der Sünde. — Darum ermahnt der heilige Johannes (I. 2, 15.): »Habet nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist! Wenn Jemand die Welt lieb hat, so ist die Liebe des Vaters, also auch die heiligmachende Gnade, nicht in ihm." — Ein so großes Unheil richtet also die Sünde in dir an, christliche Seele I Sie raubt dir die heiligmachende Gnade entweder gänzlich, oder schwächt dieselbe wenigstens in dir. Ach, ich bitte dich, fliehe doch wenigstens die Todsünde! Oder ist es nicht die größte Bosheit, wenn du das kostbare Kleid der heiligmachenden Gnade mit dem Schmutze der Todsünde befleckest oder gänzlich ruinirest? Das Kleid, womit die Jungfrau an den Altar trat, um den Bund der Ehe zu schließen, schätzt auch die Ehefrau noch hoch und bewahrt es mit Sorgfalt. Was würde man aber von einer Frau sagen, welche geflissentlich ihr Brautkleid besudelte oder in Gegenwart ihres Mannes mit Füssen träte? Würde sie nicht für unverschämt gehalten werden und den Zorn ihres Mannes sich zuziehen? Was wird nun aber dir widerfahren, christliche Seele, wenn du das kostbare Kleid der heiligmachenden Gnade, welches dich zum Gegenstände des Wohlgefallens in den Augen Gottes und der himmlischen Heerschaaren macht, leichtsinnig und gewissenlos mit der Sünde besudelst? Was wird dir geschehen, wenn du die Gnade Gottes mit Füssen trittst oder sie um die Wollust der Sünde verkaufst? Ach, es wird dir ergehen, wie Jenem, der kein hochzeitliches Kleid anhatte! Fr. Kann man mit Bestimmtheit wissen, ob man sich im Stande der Gnade befinde? Antw. Der Mensch hat keine Gewißheit, ob er sich im Stande der Gnade befinde; es gibt jedoch einige Kennzeichen und Vermuthüngen, welche eine moralische Wahrscheinlichkeit gewähren. Belehrung. Die heilige Schrift sagt: „Der Mensch weiß nicht, ob er der Liebe oder des Hasses würdig sei." Daraus ist klar, daß wir in diesem Leben ohne besondere Offenbarung Gottes keine unfehlbare Gewißheit haben, ob wir uns in der Gnade und Freundschaft Gottes befinden oder nicht; aber immer gibt es einige Merkmale, die eine Art moralischer Wahrscheinlichkeit hierüber gewähren. Ein solches Kennzeichen ist, wenn man immer an Tugend und Vollkommenheit zu wachsen Verlangen hat. Nicht minder ist es ein Merkmal, daß man im Zustande der Gnade sich befindet, wenn man seine Freude nur an Gott hat, oder wenn der Mensch Gott mit Fröhlichkeit dient und gerne von Gott und himmlischen Dingen redet und ebenso gerne davon reden hört. Es sagt ja schon das Sprüchwort: „Wovon das Herz voll ist, davon geht der Mund über." Hast du Gott mit seiner Gnade im Herzen, so wird er auch in deinem Munde, d. h. in deinen Worten sein, und es wird dich freuen, wenn er auch in deine Ohren kömmt, das will sagen, wenn du davon reden hörst. Endlich ist vollkommene Ergebung in Gottes heiligen Willen und die Bereitwilligkeit, jeden Augenblick, wo der Herr es verlangt, zu sterben, ebenfalls ein Zeichen, daß man sich im Stande der Gnade befindet; denn diese Gleichförmigkeit ist eine Wirkung der Gnade. Wo die Gnade fehlt, da ist Widerspenstigkeit; wo aber die Gnade ist, da ist auch volle Ergebung. Beispiel und Anwendung. Der berühmte Prediger Hunolt spracheinst also zum versammelten Volke: „Es weiß zwar Niemand, ob er im Stande der Gnade sei, aber doch kann man mit menschlicher Gewißheit darauf schließen. Daß der Kanzeldeckel jetzt herunterfalle, und mir das Haupt zerschmettere, daß die ganze Kirche einstürze und uns Alle erschlage, das wäre keine Unmöglichkeit, auch wäre kein Wunder ! s ! ! Am Feierabende des 31. Mai. 347 dazu nöthig, eS könnte auf ganz natürliche Weise geschehen. Und dennoch, wenn ich darum stets mit Angst und Schrecken die Kanzel besteigen und immer auf den Deckel sehen wollte, ob er nicht herunterfalle; wenn Einer aus euch deßwegen zu Hause bleiben und in keine Kirche mehr gehen wollte, oder wenn er nur mit Furcht und Zittern in derselben bleiben müßte, weil das Gewölbe einstürzen könnte; wäre das nicht eine thörichte Furcht? Nein, diese Kirche steht schon so lange und ist nicht eingestürzt, man merkt auch an dem Gewölbe keine gefährlichen Ritzen; darum gehst du ohne Scheu herein; du hast eine menschliche Gewißheit, daß sie nicht einfallen werde. Eine gleiche Gewißheit hat ein frommer Christ, daß er im Stande der Gnade sei, und diese Gewißheit hat er aus dem Zeugnisse seines Gewissens. Wenn er seine Seele retten will, wenn er ernstlich gesinnt ist, Gott zu gefallen, Gott zu lieben, Gottes Willen zu thun, wenn er keine schwere Sünde weiß, die er nicht schon bereut und gebeichtet hat, wenn er fest entschlossen ist, keine einzige Todsünde aus was immer für einer Ursache zu begehen, und diese seine Gesinnung schon seit längerer Zeit durch die Beobachtung der Gebote Gottes bewiesen hat, dann darf er hoffen, daß er bei Gott gut stehe, daß er im Stande der Gnade sich befinde." Legende: Der heilige Ferdinand, König von Castilien und Leon, (st 1252.) Dieser Heilige, dessen Andenken wir heute begehen, lebte und starb im Stande der hei- ligmachenden Gnade; denn sein Leben war nur ein Leben in Gott, und vor der Sünde floh er, wie vor einer giftigen Schlange. Der heilige König Ferdinand III. war der älteste Sohn des Königs Alphons von Leon in Spanien um das Jahr 1199geboren. Seinesromme Mutter erbte nach dem Tode ihres Vaters das Königreich Castilien, überließ aber die Krone ihrem 18jährigen Sohne Ferdinand, den sie bisher in aller Gottesfurcht und Sitteneinfalt erzogen hatte. Wirklich zeigte Ferdinand auch fortan vielen Eifer für Religion und ernstes Streben nach Tugend. An seinem Hofe herrschte zwar ein anständiger Glanz, aber dabei die strengste Sittlichkeit und Eingezogenheit; er selbst war das Muster eines christlichen Gatten und Vaters. Eine aufrührerische Partei suchte den jungen König mit seinem Vater in Zwiespalt und Krieg zu verwickeln, wovor der gute Sohn zurückschauderte, und durch alle Mittel die Versöhnung herbeisührte. Nach dem Tode seines Vaters Alphons wurde Ferdinand auch König von Leon (1230) und konnte nun um so mehr den Kampf gegen die Ungläubigen (Mauren), den er sich in reinster Absicht auf die Ehre und Sache Gottes zum Ziele gesetzt hatte, mit stärkerem Nachdrucke fortsetzen. Die Reinheit seiner Absicht dürfte auch daraus hervorgehen, daß Ferdinand das Bildniß der gnadenvollen Jungfrau Maria öffentlich Lei seinem Heere mittragen ließ, wie er denn selbst ein Liebfrauenbild an seiner Brust trug, und seine Siege dem Schutze Gottes zuschrieb. Die errungenen Kriegsvortheile wurden stets zu den frömmsten Zwecken benützt. Für seine Person übte der demüthige fromme Diener Gottes ein strenges Fasten, trug ein Bußkleid in Form eines Kreuzes, und zeigte allseitig, daß sich die Pflichten der Religion mit den beschwerlichsten Standes- und Lebens-Verhältnissen vereinigen lassen. Ferdinand starb am 30. Mai 1252, und wurde von Clemens X. im Jahre 1671 den Heiligen beigezählt. Gebet. Wir bitten dich, o Herr, himmlischer Vater! erleuchte unfern Verstand und stärke unfern Willen, damit wir das Verderben der Todsünde erkennen und sie als das größte Nebel verabscheuen, da sie uns die heiligmachende Gnade und mit ihr die ewige Seligkeit raubt; nur dir wollen wir leben und sterben, o Gott! wie dein treuer Diener, der heilige König Ferdinand, durch Christum unfern Herrn. Amen. Hund erteinmidfünfzigstes Lesestück. Am Feierabende des 31. Mai. Früchte der heiligmachenden Gnade: gute, verdienstliche Werke. Fr. Welche Früchte bringt der gerechtfertigte Mensch mit der Gnade hervor? Antw. Gute, verdienstliche Werke. Belehrung. Wenn der Mensch im Stande der heiligmachenden Gnade sich befindet, so bleiben die Früchte hievon nicht aus; diese Früchte aber sind gute, verdienstliche Werke, d. h. solche gute Handlungen, die wir aus und in der Liebe Gottes und in Beziehung auf Gott, also den göttlichen Geboten gemäß verrichten, und wodurch wir uns das ewige Leben verdienen. Daher sagt der heilige Isidor: „Die Frommen und Gerechten sind fruchtbare Bäume, und die Frucht, die sie tragen, sind die guten Werke." Ebendieß hat schon der göttliche Heiland mit den Worten ausgesprochen: „Es bringt jeder gute Baum gute Früchte." (Matth. 7, 17.) Wie kann es aber auch anders sein? Der Gerechtfertigte ist ja als ein lebendiger Reh? 44* 348 Drittes Hauptstück. Früchte der heiligmachenden Gnade: gute, verdienstliche Werke. dienen, wie dieß der heilige Kirchenrath von Trient (6. Sitzung) deutlich ausgesprochen hat. Belehrung. Durch die guten Werke, die wir im Stande der Gnade verrichten, verdienen wir: 1) die Vermehrung der heiligmachenden Gnade; denn wie wir durch treue und weise Benützung und Vcrwal- tung der irdischen Güter und Gaben dieselben vermehren und erweitern, so vermehren wir auch durch die Ausübung der guten Werke die heiligmachende Gnade in uns, und wie durch Uebung und Anstrengung unsere körperlichen Kräfte an Stärke, die Organe des Gesichtes, des Gehöres und Geschmackes an Feinheit und Schärfe, der Verstand an Klarheit zunimmt, so vermehrt sich auch mit dem übernatürlichen Beistände die heiligmachende Gnade in uns durch die Ausübung guter Werke. Daher spricht der göttliche Heiland: „Jedem, der hat, wird gegeben, damit er im Nebenfluß habe" (Matth. 25, 29.); daher ergeht an uns Alle die Aufforderung: „Wer gerecht ist, werde noch gerechter!" (Offeub. 22, 11.) — 2) Die ewige Seligkeit ist der zweite und beseligendste Lohn, der uns für die im Stande der Gnade verrichteten guten Werke zu Theil wird. Diese Wahrheit spricht schon der heilige Paulus (2. Tim. 4, 7 — 8.) in den Worten aus: „Ich habe den Kampf gekämpft. . . . Im Nebrigen ist mir die Krone der Gerechtigkeit hinterlegt, welche mir an jenem Tage der Herr, der gerechte Richter geben wird; nicht allein aber mir, sondern auch Allen, die seine Ankunft lieb haben." In diesem Sinne sagt auch der heil. Bona- ventura: „Die (im Stande der Gnade verrichteten) guten Werke sind die Pforte in das himmlische _Vaterland." Wer sollte da nicht mit allem Eifer dahinstrebcn, in den Stand der heiligmachenden Gnade zu gelangen, um so recht viele verdienstliche Werke für dyi Himmel verrichten zu können! Mit Nachdruck ermahnt uns daher die heilige Katharina von Genua zur fleißigen Ausübung guter Werke, indem sie sagt: „Wenn der Mensch sehen könnte, wie unermeßlich der Herr in der andern Welt das Gute belohnt, das er hienieden wirkt, so würde er mit seiner Erkenntnißkraft, mit seinem Gedächtnisse und mit seinem Willen einzig dahin wirken, gute Werke zu thun, mögen ihm dieselben auch noch so schwer fallen." Beispiel und Anwendung. O daß wir dock, Alle, meine Christen! dieser Aufforderung Nachkommen und recht viele gute Werke verrichten möchten, dem Beispiele aller Heiligen und aller frommen Christen folgend, die sich durch Ausübung guter Werke die Pforte des Himmels öffneten; zweig mit dem lebendigen Wcinstocke Jesus Christus verbunden; muß er also nicht Früchte und zwar die bester. Früchte Hervorbringen? Ganz treffend ist hier das Gleichniß des heiligen Johannes Klimakus, der da schreibt: „Derjenige Mensch, welcher wohlriechende Gegenstände bei sich trägt, wird bald von seiner Umgebung erkannt werden, daß er solche bei sich habe, wenn er auch nicht erkannt sein will; so wird auch Derjenige, der die Gnade Gottes hat, bald erkannt, daß er dieselbe besitzt, und zwar aus seinen Worten und aus seinen Werken." Fr. Warum nennen wir die guten Werke auch verdienstliche Werke? Antw. Weil sie uns 1) die Vermehrung der hei- ligmachenden Gnade, und 2) die ewige Seligkeit ver- 349 Am Feierabende des 1. Jnni. denn mit Recht können wir jedes gute Werk, das wir im Stande der Gnade verrichten, einen Himmelsschlüssel nennen. Ein Laienbruder, der in einer Ordensgemeinde sich viele Jahre lang mit der Sorge und Verfertigung der Kleider beschäftigte, kam zum Sterben. Da verlangte er, man möchte die Nähnadel, mit welcher er zu arbeiten Pflegte, ihm mit m's Grab legen. „Seht diese Nadel!" rief er aus. „Ich hoffe, sie ist für mich ein Schlüssel des Paradieses geworden; denn jeden Stich, den ich damit gemacht habe, pflegte ich Gott und seiner größeren Ehre zu weihen." — Ja, mein Christ! So oft du ein Almosen gibst aus Liebe zu Gott, eine Freude dir versagst, einem Liebesdienst u. dgl. um Gottes willen dich unterziehst: so oft legest du einen Pfennig nieder in die Hände Gottes; er sammelt sie dir in deiner Sparkasse für das Himmelreich; und wenn er sie dir einst öffnet, sieh, da liegen lauter Goldstücke darin. Welche Schätze hast du dir erworben! Wie wirst du dann dich freuen! — Eile und lege zusammen, täglich, stündlich! Fr. Woher kommt den guten Werken, die wir im Stande der Gnade verrichten, die Verdienstlichkeit oder der innere Werth zu? Antw. Nur von Gott, nur von den Verdiensten Jesu Christi, dessen lebendige Glieder wir durch die heiligmachende Gnade werden. Belehrung. Von Gott also, von den unendlichen Verdiensten Jesu Christi, dessen lebendige Glieder wir durch die heiligmachende Gnade werden, erhalten unsere guten Werke jenen hohen Werth, so daß sie uns die Vermehrung der heiligmachenden Gnade und die ewige Seligkeit verdienen. Daher sagt der göttliche Heiland selbst: „Ich bin der Weinstock (sieh das vorhergehende Bild!), ihr seid die Reben; wer in mir bleibt, und ich in ihm, der bringt viele Frucht; denn ohne mich könnet ihr Nichts thun." (Joh. 15, 5.) Oder was vermag die Rebe ohne den Weinstock? Und wem gebührt also das Verdienst, wenn der Weinstock Früchte trägt, der Rebe oder dem Weinstocke? So haben also alle unsere guten Werke ihre Verdienstlichkeit von Jesus Christus, dem lebendigen Weinstocke, mit welchem vereinigt wir erst ans wilden zu veredelten und fruchttragenden Rebzweigen geworden sind. Beispiel und Anwendung. Die Wahrheit, daß all unsere guten Werke ihre Verdienstlichkeit oder ihren hohen Werth nur von Gott, von den Verdiensten Jesu Christi haben, zeigt uns ein christlicher Lehrer in folgendem Beispiel oder Gleichniß: Bilde dir ein (sagt er), es liege ein großer Haufen falscher Münzen vor deinen Augen. Was nützt nun dieß Geld einem Bettler? — Nichts! Er kann damit keine Schuld bezahlen, nicht das geringste Bedürfniß sich bestreiten; bei der großen Menge Geldes bleibt er doch arm und ein Bettler. — Was nützen alle Werke, wenn sie zwar das äußere Gepräge von Tugenden haben, aber wenn ihnen das Verdienst Christi abgeht, wodurch sie erst ihren innern Werth von Gott erhalten? Sie gleichen eben jenen falschen Münzen; nicht die geringste Sünde kann durch sie ausgelöscht, nicht die geringste Seligkeit im Himmel dafür erkauft werden. In der Welt, die blos nach dem äußern Schein geht, mögen solche Münzen wohl gelten, nicht aber vor Gott, der außer dem Gepräge auch noch den wahren Werth beachtet. Legende: Die heilige Jungfrau Petronilla. Die Früchte der heiligmachenden Gnade zeigten sich recht deutlich im Leben dieser Heiligen, deren Fest auf den heutigen Tag fällt; denn ihr ganzes Leben und Wirken ist eine fortlaufende Kette von guten und verdienstlichen Werken. Die heilige Jungfrau Petronilla glänzte wie ein Helles Gestirn unter den ersten Jüngern und Jüngerinen der Apostel. Sie blühte zu einer Zeit, wo die Christen sich durch hel- denmüthige Gottes-- und Nächstenliebe auszeichneten. Sie lebte zu Rom und wird eine Tochter des heiligen Petrus genannt, nicht dem Fleische, sondern dem Geiste nach; denn dieser heilige Apostel hat sie im Glauben unterrichtet und getauft. Nach ihrem seligen Hinscheidcn wurde sie an der ardeatischen Strasse beerdigt, wo vor Alters eine Kirche ihres Namens war, diesto berühmt wurde, daß Papst Gregor III. daselbst eine Station errichtete. Gebet. Wir bitten dich, o Gott! verleih uns durch die Fürbitte der heiligen Jungfrau Petronilla, daß wir dir im Stande der heiligmachenden Gnade dienen» und unser Leben mit recht vielen guten und verdienstlichen Werken bezeichnen mögen, durch Christum unfern Herrn. Amen. Hmidertzweiundsünszigstes Lesestück. Am Feierabende des 1. Juni. Beschaffenheit der guten Werke. Fr. Was wird zu einem guten, verdienstlichen Werke erfordert? 85V Drittes Hauptstück. Beschaffenheit der guten Werke. Antw. 1) Der Stand der Gnade, 2) heilige Absicht oder die gute Meinung. Beispiel. Der hochselige Bischof Witt- mann von Regensburg (f 1833.) wandelte als ein Muster der Tugend und Frömmigkeit, als ein Mann voll Gottes- und Nächstenliebe. (Sieh das nebenstehende Bild!) Er that unendlich viel Gutes, nie aber suchte er hiebei seine Ehre oder Menschenlob, sondern nur die Ehre Gottes und seiner Mitmenschen Heil; er that Alles in der Liebe zu Gott und aus Liebe zu Gott, d. h. im Stande der Gnade und in frommer Absicht, und das sind eben die zwei Eigenschaften, die unsere guten Werke haben müssen, wenn sie verdienstlich sein sollen. Fr. Was heißt das: Wir müssen die guten Werke im Stande der Gnade verrichten? Antw. Das heißt: Wir müssen sie verrichten in der Liebe Gottes, indem wir nämlich durch die heiligmachende Gnade in der Liebe und im Wohlgefallen Gottes uns befinden und mit ihm vereinigt sind. Belehrung und Beispiel. Nur diejenigen guten Werke, die wir im Stande der heiligmachcnden Gnade verrichten, haben vor Gott einen Werth, sind verdienstlich; im Stande der Sünde kann der Mensch nichts Verdienstliches für den Himmel thun. Lege bei finsterer, dunkler Nacht auf eine Seite ein kostbares Stück Gold, auf die andere ein Stück Eisen; stelle auf die eine Seite das schönste, künstlich ausgearbeitete Bild, auf die andere das schlechteste, häßlichste Gemälde, und sage mir dann, welches Stück ist kostbarer, welches Bild schöner? Du kannst weder den Werth, noch die Schönheit bestimmen; denn in der Finsterniß kannst du mit den Augen Nichts unterscheiden. Kostbar sind in den Augen Gottes die guten Werke eines Menschen am Hellen Tage, d. h. im Stande der Gnade. Alles, was er thut, wird jhm belohnt. Aber wie beweinenswerth ist eine Seele, die in der Nacht arbeitet! Alles, was du in dieser Nacht thust, ist in Finsterniß eingehüllt, ist vergebens, wird von Gott nicht gesehen und nicht beachtet. — Wenn ich dir, mein Christ! diese Wahrheit durch ein anderes Beispiel klar machen soll, so höre! Nimm ein Blatt Papier und schreibe in eine Reihe hundert Nullen nacheinander. Alle sind Nichts ohne Eins; alle Nullen heißen und bedeuten Nichts, wenn nicht eine Zahl davor gesetzt wird. Sechs Nullen z. B. sind Nichts; setze aber Eins davor, so hast du die Zahl Million. So verhält es sich auch mit unfern Gedanken, Worten und Werken; geschehen sie ohne Gott, ohne heiligmachende Gnade, so sind sie Nichts, gelten Nichts und verdienen Nichts; geschehen sie aber mit Gott, d. h. im Stande der heiligmachenden Gnade, so haben sie Segen, Werth und Verdienst. — Wie im Herbste, wenn die Sonne allgemach von uns weichet, und die Kälte zmümmt, nicht allein die Früchte, sondern auch die Blätter von den Bäumen fallen, so erkaltet auch die Seele des Sünders, wenn Gott, die Sonne der Gerechtigkeit, von ihm gewichen, in der Liebe, und wird von allen guten Werken entblößt; sie ist dann im Stande der Ungnade Gottes ebenso wenig fähig, ein gutes, für den Himmel verdienstliches Werk zu verrichten, wie der Baum im Herbste, Früchte zu tragen. - Fr. Ist sonach das Gute, das wir im Stande der Todsünde vollbringen, ganz unnütz? Antw. Keineswegs. Man hat zwar kein Verdienst davon für die ewige Seligkeit, allein es macht doch Gott zur Ertheilung der heiligmachenden Gnade geneigter; wir erlangen dadurch von der göttlichen Barmherzigkeit die Gnade der Bekehrung, zuweilen auch Abwendung zeitlicher Strafen. Belehrung. Wenn auch die Werke, im Stande der Sünde verrichtet, nicht verdienstlich für den Himmel sind, (sagt der bekannte Prediger Hunolt), so darf man doch nicht unterlassen, sie zu verrichten, zu beten, die heilige Messe zu hören u. dgl. Eben weil du in Sünden bist, sollst du desto fleißiger sein in Uebung guter Werke. Wenn du eine zerbrochene Eisenstange hast, wirfst du sie gleich weg? Gewiß nicht; aber sie taugt doch zu Nichts mehr? Oder wenn ein Guldenstück in der Mitte auSeinandcrgebrochen ist, wirfst du es gleich weg? Und doch, es ist keine gangbare Münze mehr; du kannst Nichts damit kaufen. Obwohl zerbrochen, haben dennoch beide noch einen Werth. Ebenso ist cs mit den guten Werken, die man im Stande der Sünde verrichtet; allerdings taugen sie nicht für den Himmel, sind keine gang- »W 33t Am Feierabende des 1. Juni. bare Münze für den Himmel und verdienen keine Belohnung; mdeß sind sie nicht umsonst, sondern haben doch noch einen Werth. Außerdem, daß sie zeitlichen Segen verschaffen, nützen sie dazu, um sich in guten Werken zu üben. Warum pflegen die Soldaten, wenn sie im Frieden sind, und von weitem keinen Feind zu fürchten haben, sich im Gebrauche der Waffen zu üben, mit einander zu fechten und zu schießen, als ob sie wirklich schon dem Feinde gegenüberständen? Warum schießen die Jäger oft auf ein bestimmtes Ziel, auf ein Stück Holz oder Papier, obwohl sie das Wild im Walde erlegen sollten? Ist es nicht beiderseits eine vergebliche Arbeit? Nein, diese Uebung ist dazu bestimmt, daß die Soldaten im Kriegführen, die Jäger im Treffen desto mehr Gewandtheit bekommen, damit dann, wenn der Feind anrückt oder ein Wild sich blicken läßt, jene den Sieg, diese die Beute desto sicherer davon tragen. Auf gleiche Weise dient auch Dem, der im Stande der Sünde ist, die Uebung guter Werke. Sie nützen ihm zwar insoferne Nichts, als er das rechte Ziel, die ewige Seligkeit, nicht erreicht, allein er bekömmt dadurch eine gewisse Leichtigkeit und Gewohnheit, diese Tugendwerke auch dann, wenn er mit Gott ausgesöhnt ist, zu verrichten, und dann das Himmelreich zu verdienen. Sie dienen ferner dazu, um den gerechten Zorn Gottes noch eine Zeit lang ferne zu halten, daß der Sünder nicht gleich, wie er es verdient hat, mit Plötzlichem Tode bestraft werde; sie sind gleichsam ein Wall, wenn auch von lauter Leichnamen aufgerichtet, hinter welchem er sich noch eine Zeit lang gegen den Feind vertheidigen kann, bis er neue Hilfe bekommt. Beispiele und Anwendung. Daß uns die guten Werke, auch wenn sie im Stande der Sünde verrichtet werden, dennoch in vielfacher Beziehung sehr nützlich sind, indem sie von uns nicht selten zeitliche Strafen abwenden u. dgl., dich ersehen wir aus vielen Beispielen. So wird uns z. B. von den Einwohnern Judäa's gemeldet: „Und weil sie sich demüthigten, wandte sich der Zorn Gottes von ihnen, und sie wurden nicht völlig vertilgt; denn auch in Juda wurden gute Werke gefunden." (2. Chron. 12, 12.) Ferner von Achab: „Hast du Achab nicht gesehen, wie er sich demüthigte vor Mir? Weil er sich also demüthigte um Meinetwillen, will Ich das Unglück nicht bringen in seinen Tagen, sondern erst in den Tagen seines Sohnes." (3. Kön. 21, 29.) — Auch in der Weltgeschichte begegnet uns ein ähnliches Beispiel. Die Hand des Herrn fing an, sich über die lasterhafte Frede- gunde, Gemahlin des Franken-Königs Chilperich, auszustrecken. In der Zeit von einigen Monaten starben ihr schnell nacheinander drei Kinder ait einer Seuche. Sie fing nun an, ernstlich über ihre Verbrechen nachzudenken, und sagte zu ihrem Gemahl: „Bisher hatte uns Gott verschont, so sehr wir ihn auch beleidigt haben, aber jetzt trifft er uns auf der empfindlichsten Seite, da er unsere Kinder wegnimmt. Trachten wir, sein Strafgericht abzuwenden, und theilcn wir die durch unsere Härte gesammelten Schätze als Almosen aus." Chilperich verminderte nun die übertrie- denen Auflagen, und spendete reichliche Geschenke unter die Armen aus. Die strafende Gerechtigkeit Gottes wurde durch die Fürbitten der Armen versöhnt. Die Königin wurde noch einmal mit einem Sohne gesegnet, welcher später unter dem Namen Clotar II. über Frankreich herrschte. — So belohnt Gott selbst auch die im Stande der Sünde verrichteten guten Werke, ein Umstand, der uns anspornen soll, Gutes zu thun, selbst auch dann, wenn wir gesündigt haben, ja, wir sollen da um so mehr Gutes thun, auf daß sich Gott unser erbarme und uns die Gnade der Bekehrung schenke. Fr. Was heißt das: Wir sollen die guten Werke in heiliger Absicht verrichten? Antw. Es heißt: Wir sollen das Gute vollbringen um Gottes willen, aus Liebe zu ihm. Belehrung. Bei all' unfern guten Werken, bei all' unfern Arbeiten und Geschäften kommt Alles auf die gute Meinung an; eine gute Meinung heiligt sogar das unbedeutendste Werk und verleiht ihm Werth und Verdienst in den Augen Gottes. Mit Recht sagt man daher: „Die gute Meinung verwandelt Blei in Gold." — Wie ein Maler gemeines Holz vergoldet oder versilbert, so können auch wir die geringsten Arbeiten, um mich so auszudrücken, vergolden, d. h. heilig und verdienstlich machen durch eine heilige Absicht oder gute Meinung. Der göttliche Heiland selbst spricht den hohen Werth der guten Meinung in den Worten aus: „Wer einem von diesen Geringsten nur einen Becher kalten Wassers zu trinken reicht im Namen eines Jüpgers, wahrlich, sage ich euch, er wird seinen Lohn nicht verlieren." (Matth. 10, 42.) — Wegen dieser hohen Bedeutung sollen wir die gute Meinung öfters während des Tages, besonders aber an jedem Morgen erwecken. Es kann dieß mit sehr wenigen Worten geschehen, indem wir z. B. sprechen: „Mein Gott und Herr! Alles zu deiner größeren Ehre!" oder: „Herr, dir zu Lieb!" oder: „O mein Gott! ich opfere dir auf alle meine Gedanken, Worte und Werke zu deiner Ehre und Verherrlichung" u. s. w. Beispiel und Anwendung. „Ach, wie werde ich selig werden? Wenn ich doch nur wüßte, was ich armer, un- gelehrter Mann zu thun hätte, um Gottes Wohlgefallen und das Heil meiner Seele zu gewinnen!" Also seufzte bei Tag und Nacht ein kleingläubiger Jünger der Wüste, und er härmte sich entsetzlich ab. Da erschien ihm ein Engel und lud ihn ein, ihm zu folgen. Der Einsiedler machte sich auf und folgte dem Engel, wohin er ging. Sie kamen nun zu einer einfachen Hütte; ein ärmlich gekleidetes, aber freundliches 352 Drittes Hauptstück. Nothwendigkeit der guten Werke und verschiedene Arten derselben. Dienstmädchen reinigte heiteren Angesichtes den schmutzigen Boden der ärmlichen Wohnstube und sang freudig ihr Liedchen: Herr! Alles dir zu Lieb! Ja, was ich thu' und üb', Sei dir, o Herr, geweiht Für Zeit und Ewigkeit! — Sie gingen ruhig vorüber und kamen in einen großen, herrlichen Dom, Auf heiliger Stätte verkündete eben ein ausgezeichneter Prediger Gottes Wort vor einer unabsehbaren Volksmenge — mit einer Kraft und Begeisterung, daß Alles staunte, Viele in Thränen zerflossen und zur Lebensbesserung angefeuert wurden. Der Prediger verließ die Kanzel und ging gerade an unfern beiden Wanderern stolz vorüber, wobei man nur zu deutlich merken konnte, wie viel er auf seine Rednergabe sich einbilde, und von welch hohem Geiste er beseelt sei. — Da Hub der Engel an und sprach: „Sage mir, mein Freund! wer hat nun Größeres vor Gott gethan — das arme Dienstmädchen oder der große Prediger?" Ohne Anstand entgegnete der Einsiedler: „Doch ganz gewiß — der vortreffliche Prediger." — „Du irrst gar sehr, mein Kind!" erwiderte der Engel; „denn Gott der Herr steht vor Allem auf die fromme Gesinnung, auf die guteMein- u ng; durch sie werden unsere Handlungen Gott wohlgefällig, wir selbst aber selig. Schreibe dir dieses in's Herz! Darnach lebe und handle!" Ja, so ist es, mein Christ! Was man nicht aus Liebe thut, hat keinen Werth. Werke, die auch äußerlich den Anschein des Guten haben, aber nicht mit der rechten Absicht verrichtet werden, gleichen den schönen Aepfeln, die man an einen giftigen Baum heftet. Ein mit solchen Früchten behangener Baum sieht herrlich aus; er erhält aber durch sie, so gut und wohlschmeckend sie auch sind, da sie nicht aus seiner Wurzel hervorgetrieben werden und ihm nicht angehören, keinen Werth. Jeder, der ihn genau ansieht, erkennt, daß und wie sie angebunden sind. Die Aepfel werden sich auch an einem fremden Baume nicht lange erhalten, da es ihnen an Nahrungssaft gebricht. Und wenn sie ihn noch so lange zieren, wird er darum um irgend Etwas besser? Er ist und bleibt ein giftiger Baum. Ebenso wird der Mensch, der sich mit guten Werken, die nicht aus der Liebe des Herzens entspringen, behängt, dadurch nicht tugendhaft, sein Herz ist und bleibt vergiftet. Legende: Der heilige Abt Enneko. (P 1057.) Ein fruchtbarer Baum im Garten Gottes voll lieblicher Früchte, d. i. voll guter Werke, die er im Stande der Gnade und in frommer Absicht verrichtete, war der heilige Enneko, Abt des Klosters St. Salvator zu Onnia in Spanien, dessen Name uns heute in der Legende begegnet. Dieser lebte ganz für Gott und für die Genügen, besonders war er ein Vater der Armen und ein Tröster der Kranken. Das größte Verdienst aber erwarb er sich bei Gott und bei den Großen des Reiches dadurch, daß er die eingerissenen Feindschaften anszusöhnen suchte. Er starb heilig im Jahre 1057. Gebet. Gib, o Gott! daß auch wir fruchtbare Bäume werden in deinem Garten, wie der heilige Abt Enneko, und Früchte bringen in Liebe und aus Liebe zu dir, Fruchte zum ewigen Leben — durch Christum unfern Herrn. Amen. Hmldertdrenmdfüliszkgstes Lesestnck. Am Feierabende des 2. Juni. Nothwendigkeit der guten Werke und verschiedene Arten derselben. Fr. Muß jeder Christ gute Werke ausüben? Antw. Ja, jeder Christ muß gute Werke ausüben; denn 1) ist der Glaube des Christen ohne die Werke todt; 2) kann die heiligmachende Gnade nicht in uns sein und bleiben ohne die guten Werke; 3) müssen wir uns durch die guten Werke den Himmel als Lohn verdienen und als Krone erringen. Belehrung. Siehe also, mein Christ! wie nothwen- dig uns die guten Werke sind! Denn 1) ohne dieselben hat unser Glaube keinen Werth; „der Glaube ohne die Werke ist todt," sagt der heilige Apostel Jakobus (2, 26.). Und der heilige Hieronymus schreibt: „Der christliche Glaube ist eine schöne Lampe; das Oel in derselben sind die guten Werke. Wie nun eine Lampe, wenn sie auch noch so schön und kostbar wäre, unnütz ist, wenn sie aus Mangel an Oel nicht brennen und leuchten kann, so nützt auch der Glaube Nichts, wenn er sich nicht in guten Werken thätig erweist." „Was nützet es, meine Brüder," Am Feierabende des 2. Juni. 353 iZM ME !U'LM schreibt der heilige I ak ob ns, „wenn Jemand sagt, er habe den Glauben, hat aber die Werke nicht? Wird der Glaube ihn selig machen können? — Der Glaube ohne Werke ist IM.« — 2 ) Kann die heiligmachende Gnade micht in uns sein und bleiben ohne die guten Werke; denn durch gute Werke müssen wir dieselbe nach Außen kund geben und zugleich in uns nähren und erhalten. Wie das Feuer durch den Rauch, so muß sich auch die heiligmachcnde Gnade durch die guten Werke kund geben; wird diese heilige Flamme in uns nicht durch gute Werke genährt, so erlischt sie. Daher schreibt Pater Suarcz: „Das Feuer erlischt ohne Wärme, der Schnee ohne Kälte schmilzt, die Luft ohne Bewegung verdirbt, das Wasser ohne Zug wird faul: ebenso verdirbt und stirbt endlich die göttliche Gnade und Liebe in unserm Herzen ohne die guten Werke." 3) Durch gute Werke müssen wir uns endlich den Himmel als Lohn verdienen und als Krone erringen; wer mit leeren Händen vor Gott erscheint, der empfängt von ihm die Krone des Lebens nicht. Daher sagt der göttliche Heiland selbst: „Jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, wird ausgehauen und in's Feuer geworfen." (Matth. 3, 10.) Wie thöricht also Diejenigen handeln, welche diese Pflicht, Mchler, Hausbuch. gute Werke zu üben, außer Acht lassen, sehen wir aus nachfolgendem Beispiele. Beispiel und Anwendung. Einst gab ein Fürst seinem Hofnarren einen Stock mit den Worten: „Wenn du Einen findest, der ein größerer Narr ist, als du, so übergib ihm diesen Stock." Einige Jahre nachher wurde der Fürst krank, und der Hofnarr besuchte ihn. (Sieh das nebenstehende Bild!) Da der Kranke zu diesem sagte, daß er ihn bald verlassen werde, so fragte er: „Und wo willst du hin"? — „In eine andere Welt," antwortete der Fürst. — „Wann willst du wieder kommen? Etwa innerhalb eines Monats?" — „Nein." — „Innerhalb eines Jahres?" — „Nein."— „Wann denn?"— Niemals.— „Und womit hast du dich ans eine so weite Reise und zu dem Aufenthalte an dem Orte, wohin du gehest, versehen?"— Mit gar Nichts! — „Wie?" versetzte der Narr, „da nimm meinen Stock! Bist du im Begriffe, auf ewig wegzureisen, und hast keine Anstalt getroffen, noch dafür gesorgt, wie du in der andern Welt, aus der du niemals zurückkchren wirst, glücklich leben kannst? Da nimm hin meinen Stab; denn einer solchen Thorheit habe ich mich noch nie schuldig gemacht. Du bist ein größerer Narr, als ich." — Hat dieser Hofnarr nicht die Wahrheit gesprochen? Oder kann cs wohl einen größeren Thoren geben, als einen Menschen, der mit leeren Händen — als ein Baum ohne Früchte — vor Gott erscheinen will? Uebe daher, mein Christ! gute Werke, so lange du kannst, und warte nicht, bis jene Nacht hercinbricht, in der du nicht mehr wirken kannst! Fr. Welche gute Werke sollen wir vor allen übrigen ansüben? Antw. Diejenigen, 1) welche durch die Gebote Gottes und der Kirche allen Christen geboten, 2) welche zur Erfüllung unserer Standespflichtcn nothwcndig und nützlich sind. Belehrung. Wie viele gute Werke können wir da nicht täglich, ja stündlich verrichten, wenn wir die Gebote Gottes und der Kirche stets treulich und mit heiliger Liebe erfüllen und unfern Standespflichtcn mit Lust und Eifer obliegen? Gott verlangt da nichts Außerordentliches von uns. Daher schreibt ein Prediger der Neuzeit: „Bildet euch nicht ein, daß jene Menschen allein dem göttlichen Willen nachleben, welche solche Werke thun, solche Tugenden übe», die in aller Menschen Augen fallen, welche von Jedermann geschätzt und bewundert werden. Nein, der geringste Stern, der am Himmel hängt, der das schwächste Licht von sich gibt, und von den Menschen kaum bemerkt wird, dieser Sterir ist ebensowohl von der Hand des Herrn dahin gesetzt, sein Strahl ist ebensowohl von der Macht Gottes angezündet, als das prächtige Sonnenlicht, welches Alles beleuchtet, erwärmt und 45 334 Drittes Hauptstück. Nothwendigkeit der guten Werke und verschiedene Arten derselben. belebt. Der kleinste Stern steht im Dienste Gottes, wie die Sonne. Ebenso der Hausvater, der in der Stille für das Wohl seiner Kinder sorgt; die Hausmutter, die Tag und Nacht ihre Kinder Pflegt; der Hausherr, der über sein Gesinde wacht; die Hausfrau, die ihrem häuslichen Geschäfte weislich vorsteht; der Künstler, der seiner Kunst obliegt und sein Werk mit allem Fleiße verfertigt; der Handwerksmann, der in seiner Werkstätte sitzt, und den ganzen Tag mit der mühsamsten und verdrießlichsten Arbeit zubringt; der Taglöhner, der mit den schwersten Bürden beladen ist; der Ackcrsmann, der sein Feld bebauet, sein Vieh ernährt; der Knecht, der auf den Wink seiner Herrschaft jeden Augenblick etwas Anderes vornimmt; die Magd, welche die Speisen bereitet und die Hausarbeiten jeglicher Art besorgt; mit Einem Wort, Derjenige, der irgend Etwas thut, was seinem Stande gemäß ist, es mag so gering und schlecht sein, als es nur immer wolle, thut den Willen Gottes, und also ein gutes, Gott wohlgefälliges Werk." — O wie viele gute Werke können wir da ausüben, wie viele Schätze können wir uns da Alle für den Himmel sammeln, wenn wir nur ernstlich wollen! Fr. Welche gute Werke werden ganz besonders in der heiligen Schrift empfohlen? Alltw. Beten, Fasten und Almosengeben. Belehrung. Die drei vornehmsten guten Werke sind Beten, Fasten und Almosengeben, wobei jedoch unter Beten alle Werke der Andacht, unter Fasten alle Werke der Abtödtung und unter Almosengeben alle Werke der christlichen Nächstenliebe verstanden werden. Zur fleißigen Ausübung dieser drei guten Werke fordert uns schon der heilige Erzengel Raphael in jener herrlichen Unterweisung auf, die er dem alten und jungen Tobias gab mit den Worten: „Das Gebet mit Fasten und Almosen ist besser, als Schätze von Gold aufzuhäufcn." (Tob. 12, 8.) Und der heilige Bernhard ermuntert uns gar nachdrücklich zur Uebung dieser guten Werke, indem er schreibt: „Drei Dinge sind es, wovon sich Alle enthalten müssen, welche gerechtfertigt zu werden verlangen. Erstens müssen wir uns enthalten der bösen Werke, zweitens der fleischlichen Begierden, drittens der Sorgen der Welt. Ferner sind es drei Dinge, deren wir uns befleißen müssen, die auch des Herrn Predigt auf dem Berge enthält: Almosen, Fasten, Gebet. Es sollen den bösen Werken die Werke der Barmherzigkeit entgegengesetzt, wider die fleischlichen Begierden das Fasten angcwendet werden, und an die Stelle der weltlichen Sorgen trete die Liebe Gottes und häufiges Gebet!" — Mit besonderm Eifer sollen wir also vorzugsweise diese drei guten Werke: Beten, Fasten und Almosengeben -— ausüben; sollen uns dadurch recht viele Schätze für den Himmel sammeln und recht viele Aepflein über den Zaun werfen, wie jener alte Gärtner, von dem uns Folgendes erzählt wird. Beispiel und Anwendung. Ein alter Gärtner war gegen die Armen sehr wohlthätig, und manches Stück Geld, wofür er sich ein neues Kleid, ein zierliches Hausgcräth oder irgend ein Vergnügen hätte verschaffen können, gab er den Nothleidendcn, die ihn um Hilfe ansprachen. Dabei sagte er gewöhnlich: „Je nun, ich muß wieder ein Aepflein über den Zaun werfen." Man fragte ihn einmal, was er mit diesen sonderbaren Worten sagen wollte. Da erzählte der Gärtner: „Ich rief einst einige Kinder zu mir in meinen Garten, und erlaubte ihnen, von dem Obst, das unter den Bäumen lag, so viel zu essen, als sie wollten, verbot ihnen aber. Etwas in die Tasche zu stecken und mit sich zu nehmen. Einige Knaben waren jedoch so listig und warfen einige der schönsten Aepfel über den Gartenzaun, um sie draußen wieder zu finden. Diese Knaben handelten allerdings schlecht, und ich ließ sie deßhalb nie wieder in meinen Garten kommen. Allein, wie die Biene auch aus mancher Giftpflanze Honig zieht, so lernte ich aus dieser bösen That Gutes. Sieh, fiel mir ein, es ist mit uns Menschen in der Welt, wie mit den Kindern in diesem Garten. Wir dürfen die Güter dieser Welt zwar gebrauchen, aber Nichts davon mitnehmen. Was wir aber davon den Armen geben, das wersen wir gleichsam über den Gartenzaun, und wir werden es einmal jenseits des Zaunes, in der Ewigkeit wieder finden." — Merke dir, mein Christ! diese weise Lehre; versage dir, wie dieser brave Gärtner, manches Vergnügen, tödte dich ab, faste, damit du Almosen geben kannst, und sei überzeugt, daß Gott dann auch dein Gebet gerne erhören wird; denn der heilige Augustin sagt: „Willst du, daß dein Gebet zu Gott sich aufschwingc, so mache ihm zwei Flügel: Fasten und Almosen." Legende: Die heilige Blandina, Jungfrau und Märtyrin, (fl 177.) Heute begegnen uns in der Legende die Nainen jener berühmten heiligen Märtyrer zu Lyon, welche im zweiten Jahrhundert unter Kaiser Mark Aurel den Martertod erlitten haben, und die also heißen: der heilige Bischof Photinus, der heilige Diakon Sanktus, der heilige Attalus und die heilige Jungfrau und Dienstmagd Blandina. Sie alle übten die Werke der Andacht, der Abtödtung und der christlichen Nächstenliebe; ganz besonders aber zeichneten sie sich aus durch das hel- denmüthige Bekenntniß ihres Glaubens. Keine Qual, keine Marter konnte von der Grausamkeit und Bosheit der Menschen ausfindig gemacht werden, um die Standhaftigkeit dieser treuen Glanbensbekenner zu erschüttern; sie starben alle freudig für Christus. Als eine wunder- Am Feierabende des 3. Juni. 355 bare Glaubsnsheldin aber erscheint unter ihnen dse heilige Dienstmagd Blandina. Man geißelte sie, man gab sie wilden Thieren Preis, man setzte sic in den glühenden Stuhl, man wickelte sie in ein Netz und warf sie einem Stiere vor; aber Alles vergebens. Blandina betete; sie war ganz versunken in einer vertraulichen Unterredung mit Christus und schien gar Nichts zu suhlen. Als endlich selbst die Henker ermüdeten, erwürgte man si'e wie das unbefleckte Opferthier. Niemals hat selbst nach dem Geständnisse der Heiden ein Weib solche und so viele Qualen erduldet, wie die heilige Blandina; sie starb im Jahre 177. Gebet. Verleihe uns, o Gott! auf die Fürbitte der heiligen Jungfrau und Märtyrin Blandina Kraft und Stärke, damit wir durch Werke der Andacht, der Abtödtung und der christlichen Nächstenliebe die Krone der ewigen Vergeltung erlangen mögen — durch Christum unfern Herrn. Amen. worden ist; denn „unser Gebet, " sagt der heilige Augu - st in, „steigt zum Himmel empor, und Gottes Gnade steigt dafür herab"; allein auf ordentliche, unmittelbare und unfehlbare Weise wird uns die göttliche Gnade durch die heiligen Sakramente zu Theil; sie sind die Kanäle, durch welche uns dieselbe zufließt. Mit Recht heißen sie daher auch „Gnadcnmit- tel". Fr. Was ist ein Sakra- , _ment? Antw. Ein Sakrament ist ein äußeres, von Jesus Christus eingesetztes Zeichen, das uns eine innere Gnade mittheilt. Belehrung. Das Wort „Sakrament" bezeichnet im Allgemeinen eine heilige und dabei verborgene Sache, ein heiliges Geheimniß. Im engern Sinne aber ist ein Sakrament ein äußeres, von Jesus Christus eingesetztes Zeichen, das uns eine innere Gnade mittheilt. — Demnach sind zu jedem Sakramente drei Stücke nothwendig: 1) ein äußeres Zeichen, 2) die Einsetzung durch Jesus Christus, und 3) die innere Gnade, die es mittheilt. Fr. Was wird also vor Allem zu einem Sakramente erfordert? Antw. Ein äußeres Zeichen, das heißt, bei jedem Sakramente muß Etwas Vorkommen, das in die Sinne fällt, nämlich eine Sache, die man sieht, und Worte, die man hört. HmidertlüermldsLmszigstes Lesestück. Am Feierabende des 3. Juni. Was ein Sakrament ist, und was dazu erfordert wird. Fr. Durch welche Mittel können wir die uns so nothwendige Gnade erlangen? Atttw. Durch die heiligen Sakramente, weß- halb sie auch Gnadenmittel genannt werden. Belehrung. Zwar können wir Gott zur Mittheilung seiner Gnade auch durch andere Mittel bewegen, besonders durch das Gebet, wie schon im zweiten Hauptstück gezeigt Belehrung. Weil wir sinnliche Menschen sind, weil wir aus Leib und Seele bestehen, so hat Gott, wie der heilige Chrhsostomns bemerkt, in seiner Weisheit es für gut befunden, uns die Gnade, welche ganz geistig ist, durch äußere, sichtbare Zeichen mitzutheilen, damit der sinnliche Mensch wisse, daß und wann ihm die innere Gnade zu Theil werde, und damit ihm die besondere Gnadenwirkung, die er in jedem einzelnen Sakramente empfängt, versinnbildet werde. Daher kommt bei jedem Sakramente Etwas vor, das in die Sinne fällt, nämlich eine Sache oder Handlung, die man sicht, und Worte, die man hört. Das, waS man sieht, heißt die Materie, das, was man 45* 356 Drittes Hauptstück. Was ein Sakrament ist, und was dazu erfordert wird. hört, die Form des Sakramentes. So ist z. B. bei der Taufe das Wasser, bei der Firmung der heilige Chrhsam, beim heiligen Abendmahl die Gestalten des Brodes und Weines u. s. f. die Materie, die Worte aber , die dabei gesprochen werden, wie z. B. bei der Taufe: „Ich taufe dich im Namen des Vaters rc.," sind die Form. Wenn Eines von diesen Beiden, Materie oder Form, fehlt, wenn man z. B. laufen würde ohne Wasser, oder wenn man zwar Wasser über den Täufling abgießen würde, ohne jedoch die Worte dazu zu sprechen: „Ich taufe dich rc. ," so wäre dicß kein Sakrament. „Kommt das Wort zum Element (zurMaterie), so wird cs erst ein Sakrament," sagt der heilige Augustinus. Fr, Was wird zweitens zu einem Sakramente erfordert? Antw. Die Einsetzung durch Jesus Chri st u s. Belehrung, Nur Gott, nur Jesus Christus kann mit äußeren Zeichen eine innere Gnade verbinden; denn weder ein Ate»sch, noch ein Engel ist Herr über die Gnade Gottes. Daher müssen die heiligen Sakramente von Jesus Christus eingesetzt sein. „ Wer ist der Urheber der heiligen Sakramente," sagt der heilige Ambrosius, „wenn nicht Jesus Christus? Haben wir sie nicht vom Himmel empfangen?" Insbesondere zeigen uns die heiligen Väter in ihren Schriften, daß uns Christus die Gnade Gottes durch die unendlichen Verdienste seines Todes am Kreuze erworben habe, diese Verdienste uns aber mittelst der heiligen Sakramente mittheile. So schreibt der heilige Augustin: „Der Evangelist hat sich eines trefflichen Ausdruckes bedient, da er nicht sagte: Die Seite des Herrn wurde durchbohrt, sondern geöffnet, (sieh das nebenstehende Bild!), damit so gewissermassen der Eingang zum Leben eröffnet wurde, von wo aus die Sakramente der Kirche ihren Ursprung nehmen, ohne welche man in's ewige Leben nicht cingehen kann." Ebendeshalb haben die heiligen Sakramente ihre Kraft und Wirkung auch nur von Christus und seinen unendlichen Verdiensten. Christus ist der Urheber der heiligen Sakramente; er ist gleichsam die Quelle, die heiligen Sakramente aber sind die Gefäße, womit wir ans dieser Quelle schöpfen. Beispiel und Anwendung. Christus der Herr, dieser himmlische Arzt, ist cs, der aus lauter Liebe zu uns die heiligen Sakramente als göttliche Heilmittel für unsere kranke Seele eingesetzt hat. — ES war ein Arzt in einem Lande, der genoß großen Ruhm seiner Geschicklichkeit und seiner großen Menschenliebe wegen. Das Land aber, in welchem er lebte, war sehr groß, und sehr viele Kranke lagen in den Häusern der Städte und Dörfer. Denn da gab es deren, welche unheilbar, und Andere, welche zwar geheilt, aber nach einiger Zeit wieder in die alte Krankheit zurückgefallcn waren. Viele andere Acrzte boten alle Mittel auf, sie zu heilen; aber sie vermochten Nichts gegen die ansteckenden Seuchen. Nun ging aber der geschickte und gute Arzt in die traurigen Wohnungen der Leidenden; und das Elend der Armen that seinem Herzen wehe. Und sieh, er bereitete sieben Kräuter zu; die vcrordncte er den Kranken, um dieselben zu gebrauchen nach der Beschaffenheit ihrer Ucbel. Und sie warm heilbringend Denen, die sie recht gebrauchten, die sie aber nicht recht oder gar nicht anwendeten, starben. Als aber auch die Bewohner anderer Länder von dem geschickten und guten Arzte hörten, baten sie ihn, auch in ihr Land zu kommen. Und der edle Menschenfreund kam zu ihnen, brachte ihnen die sieben wohlthätigen Kräuter, tröstete und heilte sic. Und Unglückliche, an Menge unzählbar, genossen von den Kräutern und priesen laut den Urheber ihrer Rettung von Tod und Grab, und man wird durch Jahrhunderte mit Dank und Liebe sich des menschenfreundlichen Arztes und seiner sieben heilbringenden Kräuter erinnern. — Du fragst, lieber Leser! wer ist dieser geschickte und menschenfreundliche Arzt? — Es ist Christus. Das große Land ist die Erde mit ihren verschiedenartigen Leiden; die Kranken stellen die in Unwissenheit Irrenden und die vorsätzlichen 337 Am Feierabende des 3. Juni. Sünder vor; die sieben Kräuter aber bezeichnen die sieben heiligen Sakramente; durch die vielen andern Aerzte werden die Weisen aller Zeiten verstanden, welche die wahre Wissenschaft der Erkenntnis; Gottes und seines Heiles zwar lehren wollten, aber dieselbe nicht nach dem Sinne des Evangeliums auffaßten. Die Fremden aus allen Ländern aber bezeichnen die ungezählten Schaarcn, die sich der Lehre Jesu und seiner Heilsmittel schon durch Jahrhunderte erfreuten, und in denselben Heil und Segen, Kraft und Stärke gefunden haben. Fr. Welches ist daher das dritte und letzte Stück, das zu einem Sakramente erfordert wird? Antw. Die innere wirkende Gnade. Belehrung und Beispiel. Die heiligen Sakramente sind keine bloß unfruchtbaren Zeichen, sondern kräftige, wirksame Zeichen, d. h., sie deuten die Gnade nicht bloß an, sondern sie wirken auch die Gnade, die sie andeuten, wenn wir unserer Seits kein Hinderniß setzen. Das äußere Zeichen bei einem Sakramente sieht man, die innere Gnade aber sieht man nicht, und dennoch ist D'as, was man bei einem Sakramente nicht sieht, weit größer als Das, was man sieht. — Als einst der heilige Ambrosius einen Erwachsenen getauft hatte, hielt er eine eindringliche Rede an denselben und sprach zu ihm: „Du hast gesehen, was du mit deinen leiblichen Augen sehen konntest; nicht gesehen hast du, was es wirkte, weil man eS nicht sieht. Was man nicht sieht, Das ist weit größer, als Das, was man sieht; denn Das, was man sieht, ist zeitlich, was man nicht sieht, das ist ewig." —- Ja, so ist es, mein Christ! Das, was man bei den heiligen Sakramenten sieht und hört, ist nur unbedeutend; groß ist aber die Wirkung, die sie in uns Hervorbringen, wenn wir sie würdig empfangen. Diese Wirkungen werde ich dir, mein Christ! mit Gottes Hilfe morgen erklären; heute wollen wir noch die Lebensgeschichte jener heiligen Königin betrachten, deren Fest auf den heutigen Tag fällt, und die es uns zeigt, wie wirksam die heiligen Sakramente sind, wenn wir sie würdig empfangen. Legende: Die heilige Clotildis, erste christliche Königin von Frankreich, (s 545.) Clotildis, eine Tochter Chilperichs, Königs der Burgunder, wurde schon im zarten Alter eine Waise, indem der Oheim alle die Ihrigen, bis auf eine Schwester, ermordete; doch hatte sie das große Glück und die Gnade von Gott, daß sie im katholischen Glauben erzogen wurde, ungeachtet sie in der Mitte der Arianer lebte. Frühe lernte sie die Güter des Geistes höher als alles Irdische schätzen und bewahrte unter den Reizen der Eitelkeit, die sie umgaben, durch christliche Klugheit und Wachsamkeit ihre Unschuld. Als Clodwig I., der König der Frauken, Kunde von den seltenen geistigen und körperlichen Vorzügen dieser Fürstentochter erhielt, warb er um ihre Hand und schloß im Jahre 493 den ehelichen Bund, nachdem er das Versprechen gegeben hatte, seiner Gemahlin in Ausübung ihrer Religion volle Freiheit zu gestatten und auch selbst den christlichen Glauben anznnehmen. Die Neuvermählte errichtete in dem Palaste ein kleines Bethaus, wo sie einen großen Theil ihrer Zeit in heiliger Andacht Gott diente; übte strenge Abtödtuug, wachte sorgfältig über die Untergebenen, spendete reichliches Almosen, wobei sie immer die Absicht hatte, ihren Gemahl für den christlichen Glauben zu gewinnen. Clotildis redete öfters mit ihm darüber und endlich, überzeugt von der Wahrheit der christlichen Religion, als er eines Tages in einem Treffen der größten Gefahr dadurch entkam, daß er Jesum Christum um Hilfe angerufen hatte, ließ er sich im Jahre 496 vom heiligen Remigius taufen. Nach seinem Tode ergab sich Clotildis ganz den Uebungen der Gottseligkeit und stärkte sich besonders durch den oftmaligen würdigen Empfang der heiligen Sakramente zur Reise in die Ewigkeit, in welche sie auch getrost und freudig einging im Jahre 545. Gebet. Wir bitten dich, o Herr! schenke auch uns die Gnade, daß wir uns recht oft auf unserer irdischen Pilgerreise, wie die heilige Königin Clotildis, durch den würdigen Empfang der heiligen Sakramente stärken mögen, damit auch wir getrost und freudig hinübergehen können in die Ewigkeit — durch Christum unfern Herrn. Amen. 358 Drittes Hauptstück. Von der Wirksamkeit der heiligen Sakramente. Hundertfünsundsünfzigstes Lesestück. Am Feierabende des 4. Juni. Von der Wirksamkeit der heiligen Sakramente. MM MM WM MM ML! MW Fr. Was wirken die heiligen Sakramente? Alltw. Sie wirken unsere Heiligung, indem sie entweder die heiligmachende Gnade, die wir nicht haben, uns verleihen, oder die heiligmachende Gnade, die wir bereits haben, in uns vermehren und stärken. Jedes Sakrament ertheilt aber auch noch eine besondere, eigene Gnade, die man die sakramentalische Gnade nennt. Belehrung. Die Seele hat ihre Krankheiten wie der Körper. Die schwersten geistigen Krankheiten sind Lauigkeit, Unempfindlichkeit für göttliche Dinge, der Aussatz der Sünde, weltliche Begierden und die Wunden im täglichen Kampfe. Gegen alle diese Krankheiten hat der barmherzige Samaritan aus dem Oel und dem Weine seiner göttlichen Verdienste, aus seinem kostbaren Blute Arzneien uns bereitet; dieses sind Heilmittel aus der himmlischen Apotheke, die auf Erden nirgends zu finden waren, und die der König seinen Armen sendet, so lange sie fern von seinem Angesichte pilgern. Der heilige Geist bereitet sie und theilt sie uns durch seine Gnade mit. Darum ist auch ihre Kraft allmächtig, sie heilen alle Krankheiten und alle, sogar tödtliche Wunden. O wer hat es nicht schon empfunden, welche Kraft und Wirksamkeit bei würdigem Empfange in den heiligen Sakramenten liegt? Sie sind es, die die heiligmachende Gnade uns er- theilen oder sie in uns vermehren; überdies; verleiht uns jedes Sakrament auch noch eine besondere, sakramentalische Gnade. So verleiht unS z. B. die Taufe nebst der heiligmachenden Gnade auch noch die besondere Gnade, welche nothwendig ist, um als Kinder Gottes nach den Forderungen des Evangeliums leben zu können; die Firmung ertheilt uns nebst der Vermehrung der heiligmachenden Gnade auch noch jene sakramentale Gnade, welche man braucht, um bei jeder Gelegenheit den Glauben zu, bekennen und zu vertheidigcn, und so ist es bei allen iibigen Sakramenten. Beispiel und Anwendung. Man erzählt, daß es einst auf der Insel Kreta wunderbare Brunnen oder Heilquellen gab (sieh das obige Bild!), welche bei gehörigem Gebrauche den Kranken die Gesundheit und den Gesunden eine merkwürdige Kraft und Stärke verliehen, die sogar die verlorne Schönheit Wiedergaben und das Alter verjüngten. — Haben wir, meine Christen! in unserer heiligen katholischen Kirche nicht auch solche wunderbare Heilquellen? Sind es nicht die heiligen Sakramente, welche in Bezug auf unsere Seele ähnliche Wirkungen hervorbringcn, wie die Heilquellen auf der Insel Kreta in Bezug auf den Leib? Sie sind es ja, die durch Ertheilung der heiligmachenden Gnade die kranke Seele dvs Sünders wieder gesund machen und die mit der heiligmachenden Gnade bereits ausgerüstete Seele des Gerechten noch mehr stärken und kräftigen, die der Seele die verlorne Schönheit wieder verleihen und den in Sünden Ergrauten wieder verjüngen und neu beleben für Gott und die Tugend. Fr. Was folgt für uns aus dieser so großen Wirksamkeit und Heiligkeit der heiligen Sakramente? Am Feierabende des 4. Juni. 359 Antw. Daß wir von denselben stets mit Ehrfurcht sprechen und dieselben oft und würdig empfangen sollen. Belehrung. Es herrscht vielfach der gottlose Gebrauch unter rohen und jähzornigen Leuten, daß sie das Wort Sakrament, Sakra u. s. w. ini Zorne mißbrauchen. Das ist eine große Entehrung dieser hochheiligen, göttlichen Gnadcnnnttcl. Uber noch häufiger kommt es vor, daß man in unserer glaubenslosen Zeit sich um die heiligen Sakramente und ihre Wirksamkeit wenig oder gar nicht kümmert und sie daher nur empfängt, wenn cs eben sein muß. Auch das ist ein trauriges Zeichen der Zeit. Wäre irgendwo eine Goldgrube, in der man gediegenes Gold haben kann, o wie Viele würden weder Mühe noch Gefahr scheuen und hineilen, um sich zu bereichern: selbst die Reichsten würden hingehen, um ihre Schätze noch mehr zu vergrößern. In den heiligen Sakramenten werden himmlische Güter ausgetheilt, ewige Güter, — und man geht so selten hin! Beispiel und Anwendung. Ein besonderes Beispiel der Rache Gottes wegen Verachtung der heiligen Sakramente hat uns die Kirchengeschichte an Michael, dem dritten Kaiser von Konstantinopel, aufbewahrt. Dieser Fürst wurde in seinem jugendlichen Alter von der Kaiserin Theodora, seiner Mutter, nach allen Grundsätzen der christlichen Sittenlehre erzogen. Allein als er an Jahren zunahm, schüttelte er das Joch der mütterlichen Zucht von sich, gab den Rathschlägen der Gottlosen Gehör, und vergaß der ersten weisen Belehrungen. Ja, er kam so weit, daß er heilige und göttliche Dinge verachtete, und damit sein Gespülte trieb, wie er denn einstens Jemand, der den Erzbischof von Konstantinopel vorstellen sollte, auf der Schaubühne mit einem geistlichen Kleide angethan er- scheinen ließ, begleitet von Vielen, welche die Bischöfe spielten, und aus den verehrungswürdigsten Verrichtungen des Christenthums, besonders aber aus der Verwaltung der heiligen Sakramente, ein Lustpiel anordnctc. — Dieß geschah gerade an dem Tage, wo die Kirche die herrliche Auffahrt Jesu Christi in den Himmel feierte. Sich aber, da entstand unter fürchterlichem Toben des Meeres plötzlich ein Erdbeben, welches die ganze folgende Nacht fortdauerte, die große,- vom Kaiser Justin auf- gerichtetc Säule zu Boden warf, und das ganze Volk in die äußerste Furcht und Verwirrung versetzte! Doch — der unglückliche Kaiser ward nicht betroffen; er blieb wie gefühllos, verabscheute seine Sünde nicht, verharrte vielmehr in den angeführten Entheiligungen, und zwang so die göttliche Gerechtigkeit, ihn zur nämlichen Zeit des Sceptcrs und des Lebens zu berauben, was dadurch geschah, daß ihn, als er eben bei Tische trunken der heiligen Verrichtungen spottete, seine eigenen Söhne ermordeten. -— Fluch Dem, der das Heiligste alles Heiligen, die heiligen Sakramente entehrt, verachtet! Es steht geschrieben: „Jeder Mensch, der unrein ist und hinnahct zu Dem, was gehciliget worden, soll umkommen vor dem Herrn." (Levit. 22, 3.) Legende: Der heilige Bischof und Märtyrer QuirinuS. (ch 309.) Ein ganz anderes Beispiel der Ehrfurcht vor den heiligen Sakramenten und den Geheimnissen nnsers heiligen Glaubens gibt uns der heilige Bischof Quirinus, dessen Fest wir heute^feiern. Denn so oft er dieselben ausspendcte oder selbst empfing oder von denselben predigte, so geschah es nur mit der tiefsten Ehrfurcht. Quirinus, welcher zuerst Bischof zu Lorch war, später aber das Bisthum zu Sissek an der Grenze Kroatiens leitete, wurde in der Verfolgung unter Diokletian auf der Flucht ergriffen und den Göttern zu opfern aufgefordert; er opferte aber sein Leben für den Glauben. 360 Drittes Hauptstück. Von der Zahl und Auf Befehl des heidnischen Statthalters Amantius in Oberpannonien wurde er nämlich auf die Brücke des in der Nähe von Sabaria (Stein am Anger) gelegenen Flusses Günz geführt und von da, nachdem man ihm einen Mühlstein an den Hals gehängt hatte, in das Wasser gestürzt. Durch wunderbare göttliche Fügung schwamm er einige Zeit oben auf dein Wasser und benützte auch noch diese letzten Augenblicke seines Lebens dazu, die auf der Brücke und am Gestade stehenden Christen zur Standhaftigkeit und zur Ausdauer im treuen Bekenntnisse ihres Glaubens zu ermuntern. Betend sank er endlich unter, und während das Wasser seinen Leib aufnahm, eilte sein Geist zu Dem, für welchen er so lange und so eifrig gearbeitet und so muthig gekämpft hatte, im Jahre 309. Gebet. Laß uns, o Herr! im Leben recht oft die wunderbare Kraft deiner heiligen Sakramente erfahren und gib uns im Leiden Geduld, damit wir als Nachahmer deines frommen und heiligen Dieners Quiri nus dir Wohlgefallen und einst an deinen Freuden Theil nehmen, der du lebest und regirest, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Hmldertsechsmidsmifzigstes Lesestück. Am Feierabende des 5. Juni. Von der Zahl und Verschiedenheit der heiligen Sakramente. Fr. Wie viele Sakramente hat Christus eingesetzt? AntW. Sieben, nicht mehr und nicht weniger, — und diese heißen: 1) die Taufe, 2) die Firmung, 3) das heilige Altarssakrament, 4) die Buße, 5) die letzte Oel- ung, 6) die Priesterweihe und 7) die Ehe. (Sieh oben S. 332. das große Bild!) Fr. Woher wissen wir das? AntW. Wir wissen das 1) aus der heiligen Schrift, 2) aus den heiligen Vätern, 3) aus der Ueberlieferuug der von der katholischen Kirche getrennten Sekten und 4) aus der Lehre der katholischen Kirche. Belehrung. Es gibt nicht mehr und nicht weniger als sieben heilige Sakramente; dieß wissen wir 1) aus der heiligen Schrift; denn in derselben finden wir sic alle, wenn auch nicht dem Namen, doch der Sache nach angeführt, wie wir später bei jedem einzelnen Sakramente ersehen werden. 2) Auch in den Schriften der heiligen Väter finden wir die Siebenzahl der heiligen Sakramente deutlich ausgesprochen. 3) Tic Nüssen und Griechen und Verschiedenheit der heiligen Sakramente.^ alle jene Sekten, die in den ersten Jahrhunderten von der katholischen Kirche abgefallen sind, haben gleichfalls sieben heilige Sakramente, ein augenscheinlicher Beweis, daß die Lehre von den sieben Sakramenten so alt ist, als die Kirche selbst. Endlich 4) hat auch die katholische Kirche von jeher gelehrt, daß es sieben heilige Sakramente gebe, und erklärte jederzeit Diejenigen für Jrrlehrer, welche im Laufe der Zeit das eine oder andere Sakrament nicht annehmen wollten. Und da nun die Kirche, diese „Säule und Grundfeste der Wahrheit" (1. Tim. 3, 15.) beständig die Siebcn- zahl der heiligen Sakramente gelehrt und festgehalten hat, sollen nicht auch wir als treue Sohne und Töchter der heiligen katholischen Kirche diese Lehre freudig und dankbar annehmen? Beispiel und Anwendung. Die S-iebenzahl der heiligen Sakramente wurde zu Constanz in der fünfzehnten Sitzung, zu Florenz in dem den Armeniern übergebenen Dekret und zu Trient in der siebenten Sitzung ausdrücklich bestimmt. Nun bin ich versichert, sprach ein frommer Katholik, daß ich nicht im Jrrthume bin, wenn ich mich in meinem Glauben an die Kirche halte, die Jesus Christus gestiftet und die Apostel unterrichtet haben; an jene Kirche, deren Lehre sich in kurzer Zeit in der ganzen Welt durch ein offenbar göttliches Wunder verbreitet hat, und welche Gott wunderbar schützt und erhält; an jene Kirche, deren Lehre seit ihrem Ursprünge bis auf unsere Zeiten von den größten Heiligen und Gelehrten angenommen worden ist. Wie viel habe ich nicht als Katholik vor der sogenannten Reformation voraus, welche nur zwei Sakramente, die Taufe, und was bei ihr das Abendmahl heißt, anerkennt! Wie danke ich meinem Gott, daß er mich in die katholische Kirche ausgenommen hat, wo die Gnadenguelle der heiligen Sakramente in ihrer ganzen Fülle fließt! — So sollst auch du denken und sprechen, mein lieber Leser! und sollst Gott danken für die Segnungen, die er dir besonders durch die sieben heiligen Sakramente in der heiligen katholischen Kirche zu Theil werden läßt. Fr. Warum hat Christus gerade sieben Sakramente eingesetzt? AntW. Weil gerade so viele zum übernatürlichen Leben der Seele nothwendig sind. Belehrung. Sieben Dinge sind dem Menschen nöthig, um das natürliche Leben zu erhalten, und es für sich und seines Gleichen nützlich machen, zu können. Er muß geboren werden, er muß wachsen, er muß genährt werden, er muß Heilmittel zur Genesung an- wendcn, wenn er in eine Krankheit gerathen ist, er muß seine Kräfte wieder sammeln, wenn sie geschwächt worden sind; cs muß Obrigkeiten, mit dem nöthigcn Ansehen bekleidet, geben, um für das allgemeine Wohl sorgen Am Feierabende des 5. Juni. 361 zu können, und endlich muß er sich selbst und das Menschengeschlecht durch gesetzmäßige Geburt von Kindern fortpflanzen. Dieß Alles ist aber auch zum geistigen, übernatürlichen Leben nothwendig, und daraus leuchtet auch die Sieben za hl der Sakramente ein. Die Taufe läßt uns für Jesus Christus geboren werden; die Firmung vermehrt die Gnade Gottes in uns und stärkt uns durch ihre Kraft; die Eucharistie ist eine durchaus himmlische Nahrung für unsere Seele; die Buße gibt unserer Seele die Gesundheit wieder, wenn sie durch die Sünde verletzt worden; die letzte Oelung tilgt unsere noch übrigen Sünden und erneuert die Kräfte der Seele; die Priesterweihe setzt in der Kirche den Dienst der Sakramente fort, und die Ehe die Gläubigen. Fr. Sind die heiligen Sakramente unter sich verschieden? Antw. Ja, sie sind verschieden 1) der Nothwen- digkeit nach, 2) der Würde nach, und 3)der Wirkung nach. Belehrung. Die heiligen Sakramente sind verschieden 1) der Nothwendigkeit nach, d. h. es ist eines noth- wendiger als das andere; einige sind nicht allen Menschen Mchler, Hausbuch. nothwendig. Der Nothwendigkeit nach ist das erste und vor allen andern nothwendigste Sakrament die Taufe; denn ohne die Taufe kann man nicht selig werden, noch ein anderes heiliges Sakrament empfangen. DaS nächste der Nothwendigkeit nach ist die Buße für Jene, die nach der Taufe schwer gesündigt haben; dann kommt das heilige Altarssakrament; dann die Firmung und für gefährliche Kranke die letzte Oelung. Die Priesterweihe und die Ehe stehen der Nothwendigkeit nach zuletzt; nicht als hätten sie weniger Werth, sondern weil sie zwar der Gesammtheit der Kirche und der Menschheit, aber nicht jedem Menschen nothwendig sind. 2) Der Würde nach ist das vornehmste und heiligste das Altarssakramcn t, weil es ja den Urheber der heiligen Sakramente, Jesnm Christum selbst, wahrhaft und wesentlich enthält, und die heiligen Engel anbetend vor demselben niederfallen. (Sieh das nebenstehende Bild!) Der heilige Dionysius nennt es daher „das Geheimniß der Geheimnisse." Das nächste ist dann die Priesterweihe, da sie die Macht crtheilt, dieses und alle übrigen heiligen Sakramente zu verwalten; dann die Taufe, die Firmung, die Buße, die letzte Oelung, die Ehe, wie nämlich ein jedes in näherer Verbindung mit dem heiligen Altarssakramente steht. — Besonders zu merken ist 3) der Unterschied den Wirkungen nach. Einige Sakramente crtheilcn nämlich die heiligmachende Gnade, andere vermehren sie bloß; einige drücken ein unauslöschliches Merkmal ein, andere nicht. Fr. Wie theilt man daher die heiligen Sakramente ein? Antw. 1) In Sakramente der Todten und der Lebendigen, 2) in solche, die nur einmal, und in solche, die öfter empfangen werden können. Belehrung. 1) In Bezug auf den Seelenzustand Derjenigen, für welche die heiligen Sakramente bestimmt sind, theilt man sie ein in Sakramente der Todten und der Lebendigen. — Sakramente der Todten heißen die Taufe und die Buße, weil man bei ihrem Empfange das Leben der Gnade noch nicht hat oder doch nicht haben muß, und weil man also geistiger Weise todt ist oder todt sein kann; die Firmung, das heilige Altarssakrament, die letzte Oelung, die Priesterweihe und die Ehe hingegen heißen Sakramente der Lebendigen, weil man, um sie zu empfangen, das übernatürliche Leben, d. h. die heiligmachende Gnade haben muß, man muß also bei ihrem Empfange geistiger Weise lebendig sein. 2) In Bezug auf 46 362 Drittes Hauptstück. Von der Zahl und Verschiedenheit der heiligen Sakramente. die Wiederholbarkeit oder Nichtwiederholbarkeit theilt man die heiligen Sakramente in solche, die man nur Einmal im Leben, und in solche, die man öfter empfangen kann. Die Taufe, Firmung und Priesterweihe können nur Einmal-empfangen werden, weil sie ein unauslöschliches Merkmal eiudrücken; die übrigen Sakramente kann man öfter empfangen. Fr. Was versteht man unter diesem unauslöschlichen Merkmal? Antiv. Man versteht darunter eine Weihe und Würde, die ewig bleibt entweder zum Gerichte oder zur Verherrlichung. Belehrung. Die Taufe, Firmung und Priesterweihe drücken, wie so eben gesagt wurde, der Seele ein unauslöschliches Merkmal ein, d. h. ein Zeichen, eine Weihe und Würde, wodurch sie von Andern unterschieden wird. Die Taufe drückt uns nämlich den Charakter eines Christen, die Firmung den Charakter eines Streiters Christi und die Priesterweihe den Charakter eines Dieners Christi ein. Diese Charaktere sind zwar nicht sichtbar, weil das ein rein geistiger Unterschied ist; aber in den Augen Gottes werden dieselben gar wohl beachtet und angesehen; sie werden uns zum Gerichte oder zur Verherrlichung dienen, je nachdem wir die Gnaden der obengenannten drei heiligen Sakramente benützt haben oder nicht. — Diese Merkmale sind auch unauslöschlich, d. h. sie können nie und nimmer vernichtet werden, weil man, wenn man einmal Christ, Priester oder Streiter Jesu Christi ist, nicht mehr aushören kann, es zu sein. Eben darum können auch diese Sakramente nicht mehr wiederholt werden, weil man nicht von Neuem werden kann, was man ohnehin schon ist. Zwar können diese unauslöschlichen Merkmale herabgewürdiget werden, und man würdigt sie, leider! nur allzusehr herab; aber vernichtet können sie nie werden. Beispiel und Anwendung. Die unauslöschlichen Merkmale können durch keine schwere Sünde, durch keinen Abfall vom Glauben, durch keinen Austritt aus dem Priesterstande, durch keine noch so feierliche Abschwörung der Religion vernichtet werden; sie bleiben der Seele ewig eingedrückt entweder zum Gerichte oder zur Verherrlichung. Folgende Geschichte bestätiget uns diese ernste Wahrheit auf eine furchtbare Weise. Kaiser Julian fiel nach zwanzig Jahren, nachdem er die heilige Tanfe empfangen hatte, vom Glauben ab und kehrte zum Heidenthume zurück. Wohl wissend, daß er in der Taufe und in der Firmung Merkmale empfangen habe, die seiner Seele ewig bleibend eingedrückt seien, wollte er sich dieser Merkmale entledigen. Er opferte daher öffentlich Thiere, die er den Götzen schlachten ließ, und ließ daS Blut der Thiere über sich ansgießen, auch bestrich er sich mit dem Blute, und wusch seine Hände in demselben und meinte, so habe er das Merkmal, das er in der Christentaufe und in der Firmung empfangen habe, vertilgt und ausgelöscht. Doch der Thor! umsonst wüthete er gegen den in diesen heiligen Sakramenten empfangenen Charakter seiner Seele. Diese Eigenschaften der Seele werden dnrch keine Unreinigkeit, durch keine teuflische Erfindung, durch keine Kunst der Hölle ausgelöscht, ewig werden sie an ihm bleiben, ihm seinen Abfall vom Glauben vorwerfen, um Rache wider ihn schreien, Schmach und Schande und Verwirrung auf ihn häufen, und wird er einst am Tage des Gerichtes anfer- stehen, so wird er sich als einen getauften Christen, als einen Kämpfer Christi sehen und bekennen müssen, und diese Merkmale werden dann sein Gericht nur erschweren, weil er vom Glauben abfiel, und wider Christum, nicht für ihn kämpfte, sondern die Fahne des Heiles treulos und schändlich verlassen hat. — Uni so herrlicher aber werden diese unauslöschlichen Merkmale an allen Jenen erscheinen, die als wahre Christen leben und sterben, die so wirken und wandeln, wie der große und heilige Bischof Bonifacius, dessen Fest auf den heutigen Tag fällt. Legende: Der heilige Bonifacius, Bischof und Märtyrer, (ch 755.) MW »MM Bonifaz war um das Jahr 680 in England aus einem sehr vornehmen Geschlechts geboren. Der erbauliche Wandel und die Lehre einiger Mönche, die in das Haus seines Vaters kamen, erweckten in seinem zarten Gemüthe das Verlangen, dem Mönchsstande sich widmen zu dürfen. Als er von seinem Vater die Erlanbniß hiezu erhalten, ging er in das Kloster Exeter. Erglüht vom heiligen Eifer für die Ehre Gottes und für das 363 Am Feierabende des 6. Juni. F>eil der Seelen, bejammerte er jene Völker, die noch in der Abgötterei lebten. Er beschloß daher, der Bekehrung der Ungläubigen sich zu widmen und sein Vaterland zu verlassen. Mit einein Empfehlnngsschreibcn seines Bischofs an den Papst Gregor II. versehen, reiste Bonifaz nach Nom, wo er von dem kirchlichen Oberhaupte die Erlaubnis; und den Segen zur Verkündung des Evangeliums erhielt. In Bayern, Franken unv Thüringen verkündigte er die heilige Lehre, bekräftigte die Gläubigen, fachte den erloschenen Glauben an, bekehrte viele Abgötterei.- zu Jesus Christus und taufte sie. Im Jahre 723 kam er zum zweitenmal nach Rom, wo er vom Papste zum Bischöfe geweiht wurde. Mit rastlosem Eifer arbeitete er jetzt in Hessen an der Bekehrung der Ungläubigen bis 732, in welchem Jahre er vom Papste Gregor III- zum Erzbischöfe für Deutschland ernannt wurde. Als solcher kam er auch wieder nach Bayern, bekräftigte die Priester und Gläubigen, und verfügte Vieles zum größeru Glanze des Reiches Gottes. Mit dem Herzoge' Utilo theilte er Bayern in vier Kirchensprcngel und hielt eine Versammlung der Bischöfe zu Regensburg, um die Verbesserung des Kir- chcnweseus zu bewirken. Im Jahre 741 wurde er auf den bischöflichen Stuhl zu Mainz berufen, wo er bis zum Jahre 754 segensreich wirkte. In diesem Jahre machte er sich mit einigen Gehilfen auf, in Friesland das Evangelium zu predigen, wurde aber schon im nächsten Jahre am 5. Juni nebst zweiuudfünfzig andern Christen von einer Rotte Ungläubiger getödtet. Gebet. Verherrliche auch in uns, o Gott! wie in deinem treuen Diener Bouifacius, die in der Taufe und Firmung unserer Seele eingedrückten unauslöschlichen Merkmale, so daß wir nach einem frommen und heiligen Leben im Glanze und in der Glorie aller Heiligen und Seligen im Himmel erscheinen mögen — durch Christum unfern Herrn. Amen. Hundertsiebemmdsünfzigstes Lesestnck. Am Feierabende des 6. Juni. Von der Ansspendung und dem Empfange der heiligen Sakramente. Fr. Wer darf die heiligen Sakramente ausspendcn? Antw. Nicht alle Menschen ohne Unterschied, sondern nur jene, die dazu einen höhern Beruf, die Macht von Gott haben, als da sind die Bischöfe und Priester der Kirche. Nur Ein Sakrament kann, weil es zum Heile für Alle nothwendig ist, im Falle der Noth und Gefahr von Jedem giltig ertheilt werden — nämlich die Taufe. Belehrung. Die Gewalt, die heiligen Sakramente anszuspendcn, haben die Apostel von Christus selbst empfangen; daher schreibt der heilige Paulus (1. Cor. 4.): „Jedermann halte uns für Diener Gottes und für Ausspender seiner Geheimnisse." Es können also nicht alle Christen ohne Unterschied die heiligen Sakramente ausspendcn, sondern nur die Nachfolger der Apostel, die Bischöfe, und ihre Gehilfen, die Priester. Diese Wahrheit bestätigt auch der heilige Kirchcnrath von Trient mit den Worten: „Wer sagt, alle Christen haben die Gewalt, das Wort Gottes und die Sakramente zu verwalten, der sei im Banne!" (8v88. 7. cnn. 10.) Und schon der heilige Ambrosius schreibt: „Es ist ein großer Unterschied zwischen dem geistlichen und weltlichen Stande. Die Sakramente des alten Bundes waren viel geringer, als die des neuen, und konnten doch nur von gewissen Personen verwaltet werden. Nur die Priester aus dem Stamme Aaron durften dieses Amt verwalten, und weil cs Ozias sich anmaßte, wurde er auffallend von Gott bestraft." Fr. Kann aber auch ein sündhafter Priester die heiligen Sakramente giltig ausspenden? Antw. Allerdings; denn die heiligen Sakramente haben ihre Kraft nicht vom Priester oder Ausspender, sondern von Christus. Belehrung und Beispiel. Der Mensch ist bei der Ausspendung der heiligen Sakramente nur der Diener, das Werkzeug Christi; (1. Cor. 4, 1.) Christus tauft, firmt und spricht los durch ihn. Dcßhalb kann ein lasterhafter Ausspender dem Sakramente die Kraft nicht rauben; wenn auch sein Wandel mit Gränelthaten besudelt, wenn seine Hände mit fremdem Gute besteckt, wenn sein Herz ohne Glauben und Andacht wäre, ja wenn er gerade von einer Sünde herkäme, das Sakrament, von ihm gespendet, es gilt, — es wirkt doch; denn weder der Pflanzt, ist Etwas, noch der begießt, sondern der das Gedeihen gibt — Gott! — Ein guter Same, sagt der heilige Augustin, mag ihn dcr Sämann mit reinen oder unreinen Händen ansstreuen, er keimt doch und sproßt und trägt Früchte. — Mag das Bilv des Kaisers, sagt der heilige Gregor von Nazianz, in einem goldenen oder eisernen Ringe und zwar in jedem auf gleiche Weise cingestochcn sein, ist das Siegel, wenn man beide in Wachs drückt, gleich, und man weiß nicht, welches vom eisernen und welches vom goldenen Ringe kommt. — Ein Dukate ans der Hand eines Nichtswürdigen gilt so gut, wie ans der Hand eines Frommen.— Die heilige Brigitta belehrte eine Seele, welche fürchtete, aus den Händen eines 364 Drittes Hauptstück. Bon der Ausspendung und dem Empfange der heiligen Sakramente. 'IM «M Ml unwürdigen Priesters die Absolution und Kommunion empfangen zu haben, und deshalb glaubte, der Kraft des heiligen Sakramentes nicht theilhaftig geworden zu sein, auf folgende Weise: „Sei hierüber unbesorgt; denn der Pförtner sei noch so aussätzig, so kann er doch, wenn er die Schlüssel hat, nicht weniger als ein Gesunder öffnen. Ebenso ist cs auch mit der Absolution und mit dem Sakramente des Altars." Fr. WaS wird aber zum würdigen und wirksamen Empfange der heiligen Sakramente erfordert? Antw. Eine würdige Vorbereitung, die darin besteht, daß man sich selbst prüfe und die heiligen Sakramente mit lebendigem Glauben, mit fester Hoffnung und brennender Liebe, mit gehöriger innerer und äußerer Andacht empfange. Insbesondere soll man alle Hindernisse, welche der Wirksamkeit derselben entgegenstehen, Hinwegräumen und alle Vortheite vollkommener Zubereitung treulich anwenden. — Wie die Apostel beim letzten Abendmal, so müssen wir uns beim Empfange der heiligen Sakramente benehmen; nie aber dürfen wir hiebei dem Judas gleichen. (Sieh das nebenstehende Bild!) Belehrung. Heilige Sachen muß man auch auf eine heilige Weise behandeln; daher muß man bei den heiligen Sakramenten freiwillig und gerne, mit Glauben, Vertrauen und Liebe, mit Demuth und Andacht erscheinen. Wie schwer versündigen sich da nicht Jene, welche nur aus Gewohnheit, weil dieses oder jenes Fest cinfällt, weil sie in diese oder jene Bruderschaft eingeschrieben sind, oder weil es die Kirche so befiehlt, die heiligen Sakramente empfangen? — Insbesondere soll mau alle Hindernisse, welche der Wirksamkeit der Sakramente cntgcgeustehen, beseitigen, und alle Vortheite zur Aufnahme der sakrameutalischcn Gnade anwcnden. Das Feuer besitzt die Kraft, zu brennen; nasses Hol; aber hindert es, sie an demselben zu äußern. Je trockener das Holz ist, desto besser kann das Feuer an demselben seine Wirkung zeigen. Die Sakramente werden in uns um so größere Wirkungen hervorbriugen, je mehr wir die Hindernisse entfernen und unser Herz vorbereitcn. Die Sonne leuchtet freundlich in unsre Wohnungen hinein; allein wenn wir ihr den Zutritt verwehren, indem wir die Fenster vermauern oder mit Läden verschließen, so kann sic ihre Kraft freilich nicht äußern; das Zimmer bleibt finster, obschon die Sonne draußen herrlich scheint. So ist cs auch in uuserm Herzen, wenn wir uns auf die heiligen Sakramente nicht gehörig vorbereitcn und der Gnade den Eingang in dasselbe absichtlich versperren. Beispiel und Anwendung. Eine christliche Jungfrau, die es zwar mit Gott halten, aber auch mit der Welt nicht brechen wollte, ging öfter zum Empfange der heiligen Sakramente, ohne daß sich jedoch die so heilsamen und wunderbaren Wirkungen, die sie sonst bei würdigem Empfange Hervorbringen, in und an ihr zeigten. Sie beklagte sich daher einmal bitterlich hierüber bei ihrem Seelenarzte. Allein dieser redete sie also an: „Wer zur stärkenden Heilquelle ein größeres Gefäß mitbringt, kann mehr daraus schöpfen, als der nur ein kleines mitbringt. Wer keines oder nur ein durchlöchertes mitbringt, für den fließt sie vergebens. Wenn aber Jemand sogar ein vergiftetes Gefäß mit sich brächte, und das gedeihlichste Wasser daraus tränke, so würde es ihm selbst das Leben kosten. — Gerade so verhält es sich mit den Gnadenwirkungen der heiligen Sakramente nach einer mehr oder minder würdigen Vorbereitung, oder gar nach einem unwürdigen Empfang." — Die laue Christin ward von der Macht dieser Worte getroffen und fühlte nur zu gut, daß die Schuld einzig und allein an ihr liege, wenn die heiligen Sakramente ihre beseligenden Wirkungen bei ihr nicht äußern. — An dir selbst also liegt die Schuld, mein Christ! wenn du die Guadcnwirkungen der heiligen Sakramente in dir nicht ver- 365 Am Feierabende des 7. Juni. spürest. Dreimal wehe aber insbcsondcrs Denen, welche die heiligen Sakramente sogar unwürdig empfangen! „Ein sehr großes Verbrechen," sagt der heilige Johannes Da- mascenus, „ein Verbrechen, das auf die Christen furchtbare Strafen herabzieht, ist der unwürdige Empfang der heiligen Sakramente. Die Enthciliger derselben werden ewig aus dem Kelche der göttlichen Rache trinken müssen." — Möchten wir,nns Alle zum Empfange der heiligen Sakramente stets so würdig vorbcrciten, wie der heilige Norbert, dessen Fest heute gefeiert wird! Legende: D er heilige Norber ins, Erzbischof von Magdeburg, (st 1134.) Dieser ist ans einer der ersten Familien Deutschlands zu Santen im Herzogthume Kleve um das Jahr 1080 geboren. In seiner Jugend lebte er lange Jahre in den Vergnügungen und Freuden der Welt dahin, bis ihn, wie einst den Saulus, ein fürchterlicher Donnerschlag halbtodt zu Boden streckte, ihn aber zugleich zu einem neuen bessern Leben anfrüttelte; denn als er nach einer Stunde wieder zum Bewußtsein kam und sich seines sündhaften Lebens erinnerte, rief er mit Paulus aus: „Herr! was willst du, daß ich thnn soll?" Und es war ihm, als vernehme er die Antwort: „Meide das Böse, thue das Gute; suche den Frieden und wende dahin all dein Thnn!" — Treulich folgte Norbert ns dieser himmlischen Stimme; sein Leben wurde von nun an ein Leben in Gott. Er ließ sich zum Priester weihen, und da ihn jetzt die Welt vielfach verfolgte, weil er sie so schnöde verlassen hatte, so begab er sich in eine einsame Gegend, Prä Monstra tum genannt, wo er den Grund zum Prämonstratenser-Orden legte. Durchseine Heiligkeit, sowie durch seine außerordentliche Rednergabe als Prediger wurde er alsbalv weithin berühmt, und so wurde er zum Erzbischof von Magdeburg gewählt, obschon er sich dagegen sträubte. — Die erzbischöfliche Würde änderte Nichts an seiner Lebensweise; er leitete vor Allein die Geistlichen und dann auch das Volk zur Gottseligkeit an und leuchtete ihnen voran durch Liebe, Sanftmut!) und Geduld. Nach viermonatlichen Leiden starb er fromm und gottergeben, 53 Jahre alt, im Jahre 1134 am 6. Juni. Sein Leib ruht jetzt in der Hauptkirche zu Prag. Gebet. Himmlischer Vater! laß uns stets und in allen Begebenheiten des Lebens deine Stimme vernehmen und ihr treulich folgen in Leid und Freud, wie der heilige Norbertus; stärke uns recht oft durch den würdigen Empfang der heiligen Sakramente, damit wir unsere irdische Pilgerfahrt glücklich vollenden und zu Dir gelangen, der du lebest und regirest in Ewigkeit. Amen. Hnndertlchlmidsiüiszigstes Lesestück. Am Feierabende des 7. Juni. Von der heiligen Taufe. Bedeutung und Wesen der heiligen Taufe. Fr. Was ist die Tanfe? Antw. Die Taufe ist ein Sakrament, in welchem der Mensch dnrch das Wasser und Wort Gottes von der Erbsünde, und von allen andern wirklichen Sünden, wenn er dergleichen vor der Taufe begangen hat, ge- reiniget und in Christo als ein neues Geschöpf zum ewigen Leben wiedergeboren und geheiliget wird. Fr. Ist die Tanfe wirklich ein Sakrament? Antw. Ja; denn es sind ihr alle Merkmale eines wahren Sakramentes eigen: 1) die Einsetzung durch Jesus Christus, 2) ein äußeres Zeichen, 3) die innere Gnadenwirkung. Fr. Hat Christus die Taufe wirklich eingesetzt und wann? Antw. Christus hat die Tanfe wirklich eingesetzt, und zwar nach der Lehre der heiligen Väter zu jener Zeit, als er sich von Johannes im Jordan taufen ließ. Befohlen hat er sie jedoch erst, als er vor seiner Himmelfahrt zu den Aposteln sprach: „Gehethin, lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes!" (Matth. 28,19.) 366 Drittes Hauptstück. Von der heiligen Taufe. Belehrung. Die heiligen Väter und nach ihnen der römische Katechismus lehren, daß Christus die Taufe schon danials eingesetzt habe, als er sich im Jordan von Johannes taufen ließ. (Sieh das obige Bild!) „Christus wollte sich taufen lassen," sagt der heilige Gregor von Nazianz, „um den alten Adam im Wasser zu begraben und insbesondere das Wasser zu heiligen, damit cs die Kraft habe, Jene zu heiligen, welche getauft werden;" und der heilige Augustin schreibt: „Weil Jesus Christus sich in's Wasser tauchte, so hat das Wasser die Kraft erhalten, alle Sünden abzuwaschen." — Den Befehl zu taufen aber hat der göttliche Heiland seinen Jüngern erst bei seiner Auffahrt in den Himmel ertheilt mit den Worten: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin rc." (Matth. 28, 18—20.) Fr. Was ist bei der Taufe äußeres Zeichen? Antw. 1) Natürliches Wasser (Materie) und 2) die hiebei angeordneten göttlichen Worte (Form.) Belehrung. Die Materie bei der Taufe, und zwar die zur Giltigkeit derselben erforderliche Materie ist natürliches Wasser, welches überall zu haben ist, — sei es nun Fluß-, Quell-, Sumpf-, Regen- oder Meerwasser, — sei es aus Schnee oder Hagel aufgelöst, wenn cs nur nicht künstlich erzeugt ist, wie z. B. Rosenwasser, kölnisches Wasser, oder sonst eines, das aus Blumen, Kräutern rc. gewonnen wird. Darum sagte Christus: „Wer nicht wic- dergeboren ist aus dem Wasser rc." (Joh. 3.), und der Schatzmeister der äthiopischen Königin sprach znm Apostel Philippus: „Hier ist Wasser, was hindert dich, mich zu taufen?" (Apostelgcsch. 8.) — Geweihtes Tauswasser jedoch, wenn man es haben kann, ist die vorgeschriebene Materie. Mit diesem Wasser nun wird der Täufling abgewaschen entweder durch Eintauchen, oder durch Uebergie- ßen, oder durch Besprengung, je nach dem Gebrauche der Kirche, nach dem man sich auch zu richten hat. Vorgeschrieben ist nur die Abwaschung des Hauptes. Im Noth- falle aber genügt es, irgend einen Theil des Leibes mit Wasser zu begießen, so daß das Wasser über die Haut abfließt. — Die Form bei der heiligen Taufe besteht in den Worten: „Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes," welche Worte Jesus Christus selbst seinen Jüngern auf die Zunge gelegt hat, da er ihnen befahl, alle Völker zu lehren und sie zu taufen im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Fr. Warum hat der göttliche Heiland gerade natürliches Wasser zur Materie der Taufe bestimmt? Antw. Weil man dasselbe überall haben kann, und weil es zugleich die Wirkungen der Taufe auf eine wunderbare Weise sinnbildet. Belehrung und Beispiel. Christus der Herr hat nicht ohne weise Absicht natürliches Wasser zur Materie der Taufe bestimmt; man kann es überall haben, und dann sinnbildet es die Wirkungen der Taufe auf eine gar schöne und wunderbare Weise; denn wie das Wasser die Makeln des Leibes abwascht, so wascht die Taufe die Makeln der Seele, nämlich die Sünden ab; und wie das Wasser geeignet ist, den Leib zu erfrischen, so wird auch die Gluth der Begierlichkeit durch die Taufe großentheils gelöscht. — Der heilige Ephrem schreibt: „Das Wasser ist ein Bild der Sünde; in der Sündfluth war es eine Strafe, und in der Taufe Christi ist es ein Rettungsmittel." Von unendlichem Werthe ist sonach das Wasser, mit welchem der Mensch getauft wird, und mit Recht sagte einst Ludwig der Heilige, König von Frankreich: „Die drei Hände voll Wasser, mit denen ich einst getauft worden bin, sind kostbarer, als die Königskrone, die ich jetzt auf meinem Haupte trage." In das Taufwasser hat ja Gott alle Schätze des Himmels versenkt und alle Tropfen desselben in unschätzbare Perlen verwandelt; denn die Taufe bringt im Täufling die wunderbarsten und beseligendsten Wirkungen hervor. Fr. Was wirkt die Taufe? Antw. Durch die Taufe wird der Täufling von der Erbsünde und allen vor der Taufe begangenen Sünden Am Feierabende des 8. Juni. 367 gereinigt und in Christo als ein neues Geschöpf zum ewigen Leben wiedergeboren und geheiligt. Beispiel und Anwendung. Groß und wunderbar sind die Wirkungen der heiligen Taufe, und ihre Erklärung würde einen zu großen Raum für das heutige Lesestück cin- nehmen; daher verspare ich sie für morgen und erzähle hier nur folgende Geschichte, aus der wir ersehen können, welch' erhabene Wirkungen die Taufe im Täufling hervorbringt. — Ein christlicher Fürst, der gegen Ende des achten Jahrhunderts die Völker beherrschte, welche im heutigen Kärnthen wohnten, Herzog Ingo, gab seinen Vasallen und Rittern, die noch dem Götzendienste stöhnten, ein großes Gastmahl, wozu er auch viele Landleute vom niedersten Stande einlud, die bereits im Christenthmue wohlbefestiget waren. Diese Letzteren bewirthete er an seiner eigenen Tafel und ließ ihnen köstliche Weine in goldenen und silbernen Bechern auftragen, den Edelleuten hingegen wies er in den äußern Gängen und Höfen der Burg ihre Plätze an, und ließ ihnen ganz gemeine Gerichte und schlechten Wein in irdenen Schalen aussetzen. Als die Kühnen und Ehrenfesten dieses so sorgfältig vorbereiteten Schimpfes gewahr wurden, traten sie, aufs Höchste entrüstet, vor den Herzog hin und führten bittere Klage. Allein dieser hatte nur eben auf ihr Murren gewartet. „Was wollt ihr?" erwiderte er, „worauf pocht ihr? Ihr wohnet zwar in Burgen und Schlössern, ihr trinket aus vollen Humpen und habt mit Schwert und Lanzen des Gerassels viel; diese Landleute hingegen Hausen bei schlechter Kost und friedlicher Arbeit in ihren niedrigen und russigen Hütten; nichts desto weniger sind sie besser als ihr. Denn da sie das Evangelium Christi angenommen haben und durch die Taufe rein geworden sind, so sind ihre Seelen klar und glänzend, und deßhalb habe ich sie an meine Tafel gezogen; ihr hingegen, die ihr im wüsten Heidenthume und im gottlosen Jrrlhume verharret, seid schwarz und unrein, und mir zum Eckel, darum ich auch befohlen habe, euch nur mit irdenen Geschirren zu bedienen. Sie sind für eures Gleichen gut genug!" — Siehe, mein Christ! so erscheinen die Getauften auch in den Augen Gottes rein und glänzend, und sie werden gewürdigt, am himmlischen Gastmahle Theil zu nehmen, da sie durch die heilige Taufe Kinder und Erben Gottes geworden sind, was ich dir in der nächsten Lektion näher darthun werde. Legende: Der heilige Abt Robert, (ch 1159.) Wie wird sich nicht auch dieser Heilige, dessen Andenken wir heute begehen, ewig erfreuen am himmlischen Gastmahle? Er hat die beseligenden Wirkungen der heiligen Taufe erfahren, und weil er die Taufgnade treu bewahrt hat, so ist er ein Erbe des Himmels geworden. — Robert war zu Jork in England geboren. Beten und Studiren waren seine Lust und sein Vergnügen von Jugend auf. Er widmete sich dem geistlichen Stande, wurde zum Priester geweiht, und bekam eine Pfarrei an seinem Geburtsorte; trat sie aber aus Liebe zur Einsamkeit, bald wieder ab, und begab sich in den Orden des heiligen Benedikt. Fünf Jahre nach seiner OrdenS- Profeß wurde er zum Abte des Klosters Neumünster in Northnmberland ernannt, dem er recht väterlich vor- Christi 1159 verfolgte. Gebet. Herr, mein Gott! bisher hat mich die Welt mehr, als dein heiliges Gesetz und die Pflichten meines Standes beschäftigt; aber von nun an sollst du meine liebste, meine einzige Beschäftigung sein; wie der heilige Abt Robert, will ich dein Kind sein und bleiben, zu dem du mich durch die heilige Taufe erhoben hast, auf daß ich auch einst Erbe des Himmelreiches werde, durch Christum unfern Herrn. Amen. Hmidertlleummdfnnfzigstcs Lesestück. Am Feierabende des 8. Juni. Wirkungen der heiligen Taufe. Fr. Welche besondere Wirkungen bringt die heilige Taufe im Innern des Täuflings hervor? Antw. Die Wirkungen der heiligen Taufe sind zweifach: 1) befreit sie den Täufling von Nebeln, 2) verschafft sie ihm besondere Güter. Belehrung. Wir haben schon gestern diese Frage kurz beantwortet und gesagt, daß durch die Taufe der Täufling von der Erbsünde und von allen vor der Taufe begangenen Sünden gereinigt und in Christo als ein neues Geschöpf zum ewigen Leben wiedergeboren und geheiligt wird. Wir 368 Drittes Hauptstück. Wirkungen der heiligen Taufe. sehen hieraus, daß uns die Taufe von Uebeln befreit und uns besondere Güter verleiht. Daher schreibt schon der heilige Basilius: „Die Taufe äußert eine doppelte Macht. Sie zerstört in uns den Leib der Sünde und die Früchte des Todes, welche die Sünde darin erzeugt, und sie errichtet das Reich des heiligen Geistes und bringt jene Früchte in uns hervor, die ihm eigen sind." Fr. Von welchen Uebeln befreit die Taufe? Antw. Sie befreit den Täufling von der Erbsünde und von allen vor der Taufe begangenen Sünden, zugleich aber auch von allenStra - fen der Sünde. Belehrung. Der Mensch wird durch die Taufe von aller Sünde gereinigt, d. h., es werden in der Taufe die Erbsünde und alle Sünden, dw der Mensch vor der Taufe begangen hat, nachgelassen, zugleich aber auch sowohl die zeitliche als ewige Strafe der Sünde. Dieß läßt uns Gott schon durch den Propheten Ezechiel (36, 25.) weissagen mit den Worten: „Ich will reines Wasser über euch ausgießen, auf daß ihr von allen eueren Unreinigkeiten rein werdet." Ferner sprach ja der heilige Petrus zu Jenen, die ihn auf seine erste Predigt fragten, was sie thun sollten: „Thut Buße, und lasset euch taufen im Namen Jesu zur Vergebung euerer Sünden!" — Und in Betreff der Nachlassung der zeitlichen und Ewigen Sündenstrafen lehrt Eugen IV. ausdrücklich: „Wirkung dieses Sakramentes ist die Nachlassung aller Strafe, welche für die Sünde zu erstehen ist. Deßhalb ist den Getauften keine Ge- nugthuung für die früheren Sünden aufzuerlegen, sondern sie gelangen, wenn sie sterben, bevor sie eine Sünde begehen, sogleich in den Himmel und zur Anschauung Gottes." — Es ist dieß auch natürlich; denn durch die Taufe wird der Mensch wiedergeboren und durchaus ein neuer Mensch, und als'solcher hat er keineswegs mehr einzustehen für die Sünden und für die Schuld des alten Menschen. Ueberdieß wird der Mensch durch die Taufe mit Christus vereinigt und nimmt sonach Theil an den Verdiensten und an der vollgültigsten Genugthuung Christi. — Gar schön wird uns diese doppelte Wirkung der Taufe durch das Taufwasser ge- sinnbildet. WiedasWasser reinigt und löscht; so reinigt auch die Taufe von allen Sünden und löscht zugleich das Feuer des Reinigungsortes und der Hölle auS, d. h. sic läßt sowohl die zeitlichen als die ewigen Sündenstrafen nach. In Anbetracht dieser Wirkungen ruft der heilige Clemens von Nom auS: „Fliehet zu diesem Wasser! Dieß allein kann die Gewalt des künftigen Feuers löschen." Beispiel und Anwendung. Diese unbegreifliche Reinigung von allen Sünden und Umwandlung in eine ebenso unbegreifliche Schönheit der Seele, welche durch die Taufe geschieht, hat Gott auch manchmal bei Ertheilung der heiligen Taufe durch äußere wunderbare Zeichen zu erkennen zu geben sich gewürdigt. So erzählt ein ehrwürdiger Schriftsteller, Thomas Boz, und ich habe diese Geschichte bei mehreren glaubwürdigen Männern gelesen: „Im Jahre 1296 brach Cassanus, König der Tartaren, mit einer großen Armee in Armenien ein, und hätte das ganze Land mit Feuer und Schwert verheert, wenn ihm nicht der König von Armenien seine einzige Tochter zur Ehe gegeben hätte. Doch ließ auf ihre Bitten Cassanus, der ein Heide war, es sich gefallen, daß seine Braut, die eine Christin war, ihren Glauben behalten dürfe. Nach Jahresfrist ward die Königin von einem Kinde entbunden, aber zum großen Schrecken war es mißgestaltet, häßlich und schwarz. Cassanus, vom Aberglauben dahingerissen, glaubte, seine Gemahlin müsse eine Ehebrecherin sein, und verurtheilte beide, Mutter und Kind, zum Feuertode. Da erbat sich die unglückliche Mutter nur noch, dieß ihr Kind taufen zu dürfen. Es wurde ihr erlaubt; und sieh! die Taufe war kaum vollzogen, so änderte sich die Gestalt des Kindes, es war überaus schön und ansehnlich. Durch dieses Wunder bewogen, schenkte Cassanus nicht nur der Mutter und dem Kinde das Leben, sondern ließ sich selbst die heilige Taufe ertheilen." Was nun Jemand auch von dieser Geschichte halten mag, ich finde keinen Grund, an ihrer Wahrheit zu zweifeln; denn auch die heilige Ottilia erhielt durch die Taufe das Augenlicht, dessen sie zuvor beraubt war. (Sieh das obige Bild!) So verhält es sich mit der Taufe auf ähnliche Weise bei jedem Menschen: er, der zuvor durch die Sünde mißgestaltet Am Feierabende des 8. Juni. 36» ist erhält durch die Taufe eine unbeschreibliche Schönheit, Reinheit und Unschuld, wodurch er ein Gegenstand der Bewunderung des Himmels, des Wohlgefallens Gottes wird. Fr. Welche besondere Güter verschafft die heilige Taufe dem Täufling? Antw- Besonders folgende drei: 1) durch sie wird der Mensch wiedergeboren und geheiligt, 2) wird er dadurch ein Kind Gottes und Erbe des Himmelreiches, Z) wird er durch die Taufe mit Christo verewigt und seiner Kirche einverleibt. Fr. Was heißt das: „Der Mensch wird durch die Taufe wiedergeboren und geheiligt"? Antw. Das heißt: er wird geistiger Weise umgeschaffen zu einem neuen, heiligen Leben. Belehrung und Beispiel. Vor der Taufe leben wir in der Sünde, und das Leben in der Sünde ist der Seele Tod; durch die Taufe werden wir von der Sünde befreit, und sonach wird die Seele lebendig, sie wird geboren für Gott und den Himmel. Mit Recht nennt die heilige Schrift diese Umwandlung „Wiedergeburt," und weil sic im Geiste und durch den Geist Gottes vermöge der heiligmachenden Gnade geschieht, so heißt sie eine „geistige Wiedergeburt." — „Nicht die Geburt, sondern die Wiedergeburt," sagt der heilige Augustin, „macht einen Christen, weil Niemand durch seine leibliche Geburt, sondern nur durch die geistige von seinen Sünden gereinigt wird." — Der Missionär Pater Smet erzählt, daß ein achtzigjähriger Greis sich von ihm taufen ließ, der von nun an in voller Wahrheit ein Lebm in Gott lebte. Nach zwei Jahren kam er auf das Sterbebett, und als man ihn fragte, wie alt er sei, antwortete er: „Nur zwei Jahre; denn ich rechne mein Leben nur von der Zeit an, da ich durch die heilige Taufe für Gott geboren wurde; die achtzig Jahre vorher waren ein Leben des Todes." O wie wahr hat dieser fromme Greis gesprochen! Fr. Welches ist das zweite von jenen Gütern, die uns die Taufe verleiht? Antw. Die Kindschaft Gottes und die Anwartschaft auf das Himmelreich. Belehrung. Durch die heilige Taufe werden wir Kinder Gottes und Erben des Himmelreiches. Daher schreibt der heilige Paulus (Gal. 3, 26.): „Ihr seid demnach alle Kinder Gottes durch den Glauben an Jesum Christum, weil ihr Alle, die ihr in Christo getauft Mehler, Hausbuch. seid, Christum angezogen habet." Wenn wir aber Kinder und Söhne Gottes sind, so sind wir auch Erben des Himmelreiches; „denn wer ein Sohn ist, der ist auch ein Erbe durch Gott." (Gal. 4, 6—7.) Ein getauftes Kind ist wie ein KLnigskind in der Wiege, dem die Krone gewiß ist und zugehört, vbschon es nicht darum weiß. Mit Recht kann man daher sagen: „Wer in's Taufbuch eingeschrieben wird, der wird auch eingeschrieben in's Buch des Lebens. Wer nun verdammt wird, von dem kann man eigentlich nicht sagen, daß er die Seligkeit nicht erlangt, sondern daß er sie wieder verloren hat, und daß sein Name, der bereits im Buche des Lebens stand, wieder ausgestrichcn worden ist. Einem Getauften gilt nicht das ewige Leben zu gewinnen, sondern eines von den beiden — entweder es zu behalten, oder zu verlieren." — Beispiele und Anwendung. Durch die Taufe werden wir Kinder Gottes. Welch ein Trost für uns! — Bon Ludwig dem Heiligen wird erzählt, daß er feilte Kinder nach der heiligen Taufe jedesmal voll heiliger Freude in seine Arme nahm und sie zärtlich küßte mit den Worten: „Liebes Kind! zuvor warst du mein Kind, jetzt bist du Gottes Kind geworden. Gott sei gelobt in Ewigkeit!" — Durch die heilige Taufe werden wir aber auch Erben des Himmels. Der obengenannte Missionär Pater Smet erzählt: „Ich sah einmal eine junge Frau bei dem Grabe ihrer Tochter sitzen. Sie unterhielt sich mit einer Waise, welche von ihr an Kindes Statt angenommen worden war und erst die heilige Taufe erhalten hatte. „Sieh, mein Kind," sagte sie und zeigte nach dem Himmel, „sieh, wie glücklich man ist, wenn man getauft ist! Meine kleine Clementine ist jetzt im Himmel, und wenn du stirbst, wirst du sie dort wieder sehen; denn durch die heilige Taufe sind wir Alle Erben des Himmels geworden." — Siehe, mein christlicher Leser! mit solch' beseligenden Gedanken kann sich der fromme Christ trösten und stärken. Fr. Welches ist endlich das dritte von jenen Gütern, die uns durch die heilige Taufe zu Theil werden? Antw. Die Vereinigung mit Christo und seiner Kirche. Belehrung. Durch die Taufe wird der Mensch mit Christo vereinigt und seiner Kirche einverleibt. „Ihr Alle," sagt der heilige Paulus, „die ihr in Christo getauft seid, seid Christo einverleibt." „Wir Alle sind in Einem Geiste zu Einem Leibe getauft." Als Glieder des Leibes Christi werden wir nun durch die Taufe auf die feierlichste Weise in die Kirche Jesu ausgenommen, außer welcher kein Heil ist, und erhalten so das Recht, an allen in der Kirche von Christus niedergclegtcn Gnadcnschätzen, an allen Gebeten, Opfern und Werken der Kirche und aller Gläubigen Theil zu nehmen, da Alles, was in der Kirche 47 370 Drittes Hanptstück. T gebetet, geopfert und Gutes getha» wird, Gemeingut ist, an dem auch jeder einzelne Gläubige Thcil nimmt. Welch eine «erhabene und segenrciche Wirkung! Fr. Wird in uns durch die Taufe nicht auch die Schwachheit und Begierlichkeit ausgerottet? Antw. Nein; die Schuld der Begierlichkeit wird in dem Getauften nachgelassen, zum Kampfe aber bleibt die Begierde, sagt der heilige Augustin. Belehrung und Beispiel. Gott ließ die menschliche Schwäche und Begierlichkeit auch nach der Taufe in uns zurück, damit wir stets im Vertrauen auf Gottes Gnade kämpfen müssen, um so den Sieg und die Siegerkronc zu erringen; zugleich aber auch deßhalb, daß wir immer für unsere Tugend fürchten und gegen unsere Feinde wachsam sein müssen. So scheint es der Herr auch mit den Israeliten gemacht zu haben. Er befreite sie zwar aus der Dienstbarkeit der Acgypticr, versenkte den Pharao sammt seinem Kriegs- Heere in das Meer, führte aber die Israeliten doch nicht sogleich in jenes verheißene gelobte Land, sondern übte sie zuvor in vielen und verschiedenen Fällen; und da er sic hierauf in den Besitz des versprochenen Landes kommen ließ, vertrieb er zwar die vorigen Einwohner, ließ ihnen aber dennoch einige Nationen übrig, welche sic nicht vertilgen konnten, damit es dem Volke Gottes nie au Gelegenheit fehlte, die kriegerische Tugend und Tapferkeit zu üben. Legende: Der heilige Bischof Medardns. (1- 545.) !N den Taufgelübden rc. Von der Nothwendigkeit nnd den beseligenden Wirkungen der heiligen Taufe überzeugt, gab sich der heilige Bischof Medardns, dessen Fest auf den heutigen Tag fällt, alle nur erdenkliche Mühe, um die Einwohner von Flandern zum christlichen Glauben zu bekehren und sie durch die heilige Taufe aus Kindern des Zornes und der Sünde zu Kindern Gottes und zu Erben des Himmelreiches umznbilden. — Dieser Heilige wurde um das Jahr 457 zu Salcneh in der Pikardie geboren. Sein Vater war ein edler Franke und seine Mutter eine vornehme und fromme Römerin, die ihren Sohn in aller Sorgfalt zur Tugend und Frömmigkeit anleitete. Schon in seinem Knabenalter zeichnete sich daher Medardus durch edle Gnlmüthigkeit und durch erbarmendes Mitleid gegen Unglückliche und Hilfsbedürftige aus. Nachdem er sich den Studien gewidmet hatte, und in Bezug auf Fleiß, Ordnungsliebe, Gehorsam, Eingezogenheit und reine Gottesfurcht gar bald ein Vorbild seiner Schnlgenossen geworden war, entsagte er den Freuden und Hoffnungen der Welt, begab sich in den geistlichen Stand und wurde als Priester eine glänzende Zierde im Heiligthnme des Herrn. Groß war der Segen, den er stiftete durch seinen glühenden Eifer in Verkündung des göttlichen Wortes und durch das Licht seines heiligen Wandels. Es darf uns daher nicht wundern, daß er im Jahre 530 znm Bischof zu Vermand und 531 zu Tournai erwählt wurde. In letzterem Sprengel gab cs damals noch viele Götzendiener, die er alle, wie schon dben gesagt wurde, durch die Macht seiner Rede zu Jesus Christus bekehrte und durch die heilige Taufe zu Kindern Gottes umbildcte. Reich an Verdiensten' und allgemein betrauert, starb dieser große Diener Gottes im Jahre 545. Gebet. O Gott, der du uns durch die heilige Taufe wiedergeboren und geheiligt, zu deinen Kindern und zu Erben des Himmelreiches umgeschaffen hast, verleihe uns auf die Fürbitte des heiligen Bischofs Medardus, daß wir hienieden als deine Kinder leben, und einst als Erben des Himmels uns ewig erfreuen in der Gesellschaft aller Heiligen und Anserwählten, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Himdertimdsechzigstes Lesestück. Am Feierabende des 9. Zuni. Bon den Taufgelübden, von der öftern Erneuerung und von der treuen Beobachtung derselben. Fr. Werden uns die bezeichnten Wirkungen oder Gnaden der heiligen Taufe ohne alle weitere Verpflichtung mitgetheilt? Am Feierabende des 9. Juni. 371 Antw. Nein; die Taufgnade wird uns nicht ohne gewisse Verpflichtungen gegeben; denn es wurden uns oder in unserem Namen dem Tanfpathen heilige Gelöbnisse, heilige Versprechungen abverlaugt, die man Tauf- gelübde nennt, und die darin bestehen, dag wir 1) Gott und der Kirche gehorsamen, 2) dem Tenfel nnd allen seinen Werken und aller seiner Hoffart entsagen, und Z) würdig wandeln in dem Berufe, zu dem wir durch die heilige Taufe berufen sind. Belehrung. Bei der Taufe schließt Gott mit dem Täufling und der Täufling mit Gott einen Vertrag, den wir Taufbund nennen. Gott verspricht nämlich dem Täufling seine Gnade und die ewige Glückseligkeit; der Täufling hingegen verspricht, an den dreieinigen Gott zu glauben, Christo und seiner Kirche zu gehorsamen, dem Teufel, allen seinen Werken und all seiner Hoffart zu entsagen und würdig zu wandeln als Geheiligter» als Kind und Erbe Gottes, als Bruder Christi, als Glied der heiligen katholischen Kirche und als Werkzeug des heiligen Geistes. — Diese heiligen Versprechungen nun, die wir in der Taufe machen, heißen Taufgelübde; und diese sind, wie der heilige Augustin sagt, „unverletzliche Gelübde"; denn wenn alle andern nachgelassen werden können, von den Taufgelübden kann Niemand, kann keine Gewalt im Himmel und auf Erden loSbindcn. Sie werden nicht einem Menschen, sondern Gott gegeben —- in der Kirche, im Hause Gottes, im Angesichte des Himmels und der Erde, in Gegenwart aller Engel, welche Zeugen sind des Wortes und der Treue, die mau gelobt. Wehe uns also, wenn wir hierin treulos würden! Fr. Was sollen wir also thun, damit wir uns einer solchen Treulosigkeit nie schuldig machen? Antw. Wir sollen 1) die Taufgelübde öfter erneuern und 2) dieselben auch treulich im Leben beobachten. Fr. Wie sollen wir die Taufgelübde öfter erneuern? Antw. Mit Herz und Mund, mit Andacht und Verstand nnd zwar in folgenden Worten: „Ich glaube an Gott den Vater, den allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde. Ich glaube an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, der geboren wurde und gelitten hat. Ich glaube an den heiligen Geist, eine heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Nachlassung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Ich widersage dem bösen Feinde, allen seinen Werken, aller seiner Hoffart. Christe Jesu! mit dir bin ich verbunden, dir hange ich au, dir allein will ich folgen, dir zu leben, dir zu sterben begehre ich. Im Namen des Vaters nnd des Sohnes und des heiligen Geistes! Amen." Beispiel und Anwendung. Die Erneuerung der Taufgelübde ist eine treffliche Waffe gegen den bösen Feind und ein herrliches Mittel zur Erlangung des Sieges im Tugcndkampfe. Wenn sich der böse Feind dem heiligen Chrysostomus mit seinen verderblichen Nachstellungen und Versuchungen zu nähern suchte, so erneuerte er sein Taufgelübde und wies so den Versucher jedes Mal siegreich zurück. Die wenigen Worte, deren er sich hiebei bediente, waren: „Ich entsage dir, o Satan; ich verachte nnd verabscheue dich und will an dir keinen Theil mehr haben. — Du aber, mein Jesns! sei mein Herr und Meister, wie du mein Erlöser bist; dir hange ich an; dir ergebe ich mich." — Durch diese heilsame Hebung wurde er ein Heiliger. Gleicher Segen wird auch uns zu Theil werden, wenn wir oft das Andenken an die heilige Taufe feiern und die Erneuerung unseres Taufbundes damit verbinden. Fr. Wann sollen wir die Tanfgelübde erneuern? Antw. 1) Am Tage unserer ersten heiligen Kommunion, 2) an jedem Sonntag, 3) ganz besonders aber an unserm Tauf- und Namenstage, r Belehrung und Beispiel. Wir sollen unsere Tanf-' gelübde recht oft erneuern; es soll dieß geschehen beim Empfange der heiligen Firmung, wo der heilige Geist in unsere Seele hcrabsteigt, es soll geschehen beim Empfange der heiligen Kommunion, bei einer Taushandlnng, oder bei der Taufwasserweihe u. s. f.; ganz besonders aber sollen wir die Tanfgelübe erneuern 1) am Tage unserer ersten heiligen Kommunion, weil dieser nach dem Gnadentage der heiligen Taufe der zweite große Gnadentag ist, an dem wir also Gott dem Herrn aufs Neue Treue geloben und dem bösen Feinde entsagen sollen; 2) an jedem Sonntage, weil sich da der Christ überhaupt geistiger Weise erneuern soll, und 3) am Tauf- und Namenstage, weil uns diese Tage am Nachdrücklichsten an die in der Taufe empfangenen Gnaden und an die daselbst übernommenen Pflichten erinnern müssen. Der Tanftag war schon den alten Christen so wichtig, daß sie ihn jährlich auf eine festliche Art feierten, ihre Tanfgelübde erneuerten, und dadurch, besonders zur Zeit der Verfolgung, ihren Glauben stärkten. Welche herrliche Wirkungen würde nicht ein solcher feierlicher Jahrtag auch in den Gemüthern der jetzigen Christen hcrvorbringen! Ohne Zweifel würde bei Vielen der kalte Glaube erwärmt, der gesunkene Eifer gehoben und der ganze 47* Drittes Hauptstück. MMWWWWM. WZ iMK MM MW KÄA ^Wli, Christ gleichsam erneuert werden. — Bischof Ney von Annccy (gestorben am 31. Jan. 1842) stammte ans einer nicht reichen, aber sehr frommen Familie. Den 22. April 1770 erblickte er das Licht der Welt und zwei Stunden nachher das des Glaubens. Der Glaube, wovon er stets erfüllt war, machte ihm diesen Tag zum köstlichsten von allen. Er beging jährlich in Mitte seiner geistlichen Familie feierlich das Andenken an diesen Tag, indem er sein Tanfgelübde erneuerte und Gott für die Gnade dankte, deren süsse Empfindungen er kaum zu verbergen vermochte. „Am 22. April 1770," so schrieb er an seine Freunde, „habe ich das Glück gehabt, zwei Stunden später, als ich Mensch geworden bin, Christ zu werden. Ach, wozu würde mir die erste Geburt genützt haben, wenn Gottes Barmherzigkeit mir nicht die zweite verliehen hätte! Diese ist es auch, welche ich jährlich feiere, indem ich mein Taufversprechen erneuere und den Herrn preise für die unnennbaren Von den Taufgelübden rc. Gnaden, die er an den edlen Titel eines Christen geknüpft hat." Möchten alle Christen diesem schönen Beispiele folgen und ihre Taufgelübde recht oft erneuern, besonders aber an ihrem Geburts- und Namenstage! Fr. Ist es aber genug, wenn wir die Tauf- gelübde nur öfter erneuern? Antw. Nein, wir müssen uns vielmehr auch bestreben, Das, was wir bei Erneuerung der Tanfgelübde aussprechen, im Leben zu erfüllen. Belehrung. Was würde es uns helfen, getauft zu sein und das Siegel der Anserwählnng an der , Seele zu tragen, wenn wir dabei die Wege der Gottlosigkeit und der Verdammuiß wandeln? Ein Staatsmann ehrt das Ordenskreuz, welches sein Fürst ihm an die Brust geheftet hat, und strebt durch edle Thaten sich dieses Schmuckes würdig zu erzeigen. Ebenso besudelt auch oer getaufte Christ das Zeichen der Taufe nicht durch Laster, sondern erhöht dessen Glanz durch Werke der christlichen Liebe. — Durch die Taufe sind wir gehei- liget zum Tempel des heiligen Geistes. Wehe Dem, der ihn befleckt! Durch die Taufe sind wir Kinder Gottes und Erben des Himmels geworden. Wehe Dem, der dieses großes Anrecht um Sünden und Laster an den bösen Feind so leichtsinnig verkauft! „Erkenne, o Christ!" ruft uns der heilige Leo zu, „erkenne deine Würde, zu der du erhoben bist! Durch das Bad der Wiedergeburt bist du ein Kind Gottes geworden. Kehre also nicht mehr zurück in den Schmutz der Sünde! Vergiß nie, welchem Haupte und welchem Körper du nunmehr als reines und geweihtes Glied angehörest! Erwäge oft, wie du befreit wurdest aus dem Kerker der Finsterniß, und wie du eingeführt und ausgenommen wurdest in das Reich der Freiheit und des ewigen Lichtes!" Beispiel und Anwendung. Adalgisus, König von Friesland, empfing (sieh das obige Bild!) mit inniger Andacht und Freude die heilige Taufe; als er aber getauft war, schrieb Ebroin, Herzog von Franken, einen Brief an ihn, worin er ihm viel Gut und Gold verhieß, wenn er vom christlichen Glauben wieder abfallen würde. Adalgi- sns aber warf den Brief in Gegenwart seines Hofgesindes in's Feuer und sprach: „Wie dieß Papier, so muß Der brennen, der den Bund aufhebt oder zerreißt, den er einmal mit seinem Gott geschlossen hat." — Welch eine kräftige Sprache! So sollen auch wir reden und handeln, mein 373 Am Feierabende des 10. Juni. Christ! und dadurch zeigen, daß wir nicht nur wissen, was wir in der heiligen Taufe versprochen, und welchen Bund wir mit Gott geschlossen haben, sondern daß wir auch als treue Anhänger Christi und seiner heiligen Kirche leben und sterben wollen. Legende: Die heiligen Märtyrer Primus und Feliciau. (ff 286.) Wohl hat Niemand den Taufbund treuer gehalten, als diese beiden heiligen Märtyrer, deren Lebens- und Leidensgeschichte heute in der Legende erzählt wird; denn als sie durch die heilige Taufe in die Kirche Gottes ausgenommen waren, da erwiesen sie sich fortan als treue Diener und Anhänger Jesu Christi und ihres heiligen Glaubens. Sie waren Brüder und lebten mehrere Jahre zu Rom, wo sie sich wechselseitig zur Hebung aller Arten guter Werke ermunterten. Die Güter, welche sie besaßen, theilten sie unter die Armen ans. Oft brachten sie Tage und Nächte in den Gefängnissen zu, um den Bekennen: alle Liebesdienste zu erweisen; ja, sie wagten es sogar, an den öffentlichen Orten zu erscheinen, um die Gläubigen zur Standhaftigkeit und Ausdauer zu erihren Muth zu erschüttern. Zuletzt verdammte man sie zur Enthauptung, welche am 9. Juni vollzogen wurde. Die Christen trugen ihre Leiber weg und beerdigten sie bei Nomento. Gebet. Herr, himmlischer Vater! stärke auch uns mit deiner göttlichen Gnade, ans daß wir unfern Tauf« bnnd ebenso treu halten, wie die heiligen Märtyrer Primus und Felician, und daß durch Nichts unsere Treue und Anhänglichkeit au Dich und Deine heilige Kirche erschüttert werden möge, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Hmlderteimmdsechzigstes Lesestück. Am Feierabende des 10. Juni. Nothwendigkeit der heiligen Taufe. Fr. Warum steht die Taufe unter den sieben heiligen Sakramenten oben an? muntern. Um das Jahr 286 wurden endlich auch sie ergriffen. Die Kaiser Diokletian und Maximian ließen die heiligen Märtyrer mit unerhörter Grausamkeit geißeln und dann in die kleine Stadt Nomento, die zwölf Meilen von Rom liegt, abführen, damit man sie dort noch schärfer züchtige. Der Richter übergab sie wieder den Händen der Henker, die sie anfangs auf verschiedene Weise folterten, dann jeden insbesondere peinigten, und sie durch tausend Kunstgriffe zn bewegen suchten, den Götzen Weihrauch zn opfern. Allein die Gnade Jesu Christi erhielt beide aufrecht, und nichts war im Stande, Antw. Weites das erste und noth- wendigste Sakrament ist, indem man ohne die Taufe weder ein anderes Sakrament empfangen, noch selig werden kann. „Wer nicht wiedergeboren ist ans dem Wasser und dem heiligen Geiste, der kann in das Reich Gottes nicht eingehen." (Joh. 3, 5.) Belehrung. Die Nothwendigkeit der heiligen Taufe für Jung und Alt, für Kinder und Erwachsene, ist über allen Zweifel erhaben. Der Herr hat dieß klar und deutlich in obigen v, Worten ausgesprochen, die der heilige Kirchen, O rath von Trient also auslegt: „Wer nicht, sei es auch ein Kind von Einem Tage, wirklich oder doch dem Wunsche und der Begierde nach aus dem Wasser, wie aus einer Mutter, und aus dem heiligen Geiste, als Vater, wiedergeboren wird, der kann in das Reich Gottes nicht eingehen." — Wie sträflich handeln sonach nicht gene unchristlichen Eltern, die ihre neugebornen Kinder nicht sobald als möglich zur heiligen Taufe bringen lassen! wie gottlos jene Mütter, welche durch heftigen Zorn oder andere Leidenschaften ihrer Leibesfrucht schaden, so daß dieselbe vielleicht nicht einmal zur heiligen Taufe gelangt! wie teuflisch endlich gar jene Rabenmütter, die ihrem Kinde nach der Geburt sogleich Leben und Seligkeit rauben! 374 Drittes Hauptstück. Nothwendigkeit der heiligen Taufe. Beispiel und Anwendung. Von der Nothwendigkeit und Wichtigkeit der heiligen Taufe überzengt, unternahm der heilige Franziskus Taverius (sieh das obige Bild!) die gefahrvollsten und beschwerlichsten Reisen nach Indien und Japan, um den heidnischen Völkern daselbst die heilige Taufe und mit derselben das Licht des Christenthums zu bringen, und auch heut zu Tage noch treffen die christlichen Missionäre die sorgfältigsten Anstalten, um die sterbenden Kinder der Heiden durch das Bad der Wiedergeburt für den Himmel zu retten. Herr Veröl es, apostolischer Missionär, erzählt uns dieß in folgenden Worten: „Die Art und Weise, wie wir zu Werke gehen, um den sterbenden Kindern der Götzendiener die Taufgnade zu verschaffen, ist diese. An den bevölkertsten Plätzen der Mission halten wir Personen, welche eigens darauf angewiesen sind, dieses Werk christlicher Liebe zu verrichten. Die hiemit beauftragten, mit der heiligen Taufhandlung wohl vertrauten Personen sind meistens Frauen von gewissem Alter, die einige Erfahrung in der Behandlungsweise der Kinderkrankheiten besitzen, und unter diesem Vorwände leicht überall Eingang finden. Mit einigen unschädlichen Pillen, deren Kraft sie ungemein rühmen, und mit einer Flasche Weihwasser versehen, begeben sie sich in die Häuser, wo sie wissen, daß kranke Kinder sind. Sie fangen mit dem Fühlen des Pulses an und erkennen daraus mit ziemlicher Gewißheit, ob Todesgefahr ist oder nicht. Im er- steren Falle benachrichtigen sie die Eltern von der Gefahr des Kindes und geben vor, daß das Wichtigste und Noth- wendigste für den Augenblick sei, die Stirn des kranken Kindes mit dem in ihrer Flasche befindlichen Wasser zu waschen. Dieses Waschen erhöhe die Wirksamkeit der später anzuwen- deuden Mittel. Die Eltern, die keine Ahnung von diesem frommen Betrüge haben, willigen mit Freuden ein. Auf diesem Wege frommer List wird jährlich sieben- bis achttausend Kindern die Taufe crtheilt." — Hieraus sollen auch zugleich christliche Eltern erkennen, welch eine strenge und heilige Pflicht es für sie sei, ihre Kinder sobald als möglich zur heiligen Taufe zu bringen oder bringen zu lassen, damit sie durch das Bad der Wiedergeburt gereinigt, Kinder Gottes und Erben des Himmelreiches werden mögen. Fr. Ist die Taufe auch schon unmündigen Kindern nothwendig? Antw. Ganz gewiß; denn die Worte Christi: „Wer nicht wiedergeboren ist aus dem Wasser rc.," und: „Lehret alle Völker und taufet sie" — beziehen sich offenbar auf alle Menschen, auf jedes Geschlecht und Alter, folglich auch auf die Kinder. Belehrung. Daß man auch die Kinder, wie die Erwachsenen taufen müsse, war allezeit Lehre der Kirche; stets deutete sie die Worte Christi in diesem Sinne — und mit ihr deuteten sie ebenso die heiligen Väter. So schreibt der heilige Hieronymus: „Wie man die blutigen Körper der Kinder, sobald sie aus dem Mutterleibs kommen, abzuwaschen pflegt, so bedarf die geistige Geburt des heilsamen Bades; denn Keiner ist von aller Makel rein, wenn er auch nur einen Tag gelebt hat." Fr. Welches Loos trifft nun aber jene Kinder, welche ohne die heilige Taufe sterben? Antw. Das ist uns ein Geheimniß, da uns Gott hierüber Nichts geosfenbaret hat; jedenfalls aber dürfen wir annehmen, daß auch für sie das Leben eine Wohl- that Gottes ist. Belehrung. Da solche Kinder mit der Erbsünde behaftet sind, so können sie auf den Himmel keinen Anspruch machen; denn Unreines kann in den Himmel nicht eingehen. Aber auch in das ewige Feuer werden sie nicht verflossen; denn mit dem ewigen Feuer der Hölle wird nur die eigene, persönliche Sünde bestraft. Wo kommen sie nun hin? Gott hat für sie einen Ort geschaffen, wo sie, zwar der himmlischen Seligkeit, der Gesellschaft der Heiligen, des Antlitzes Gottes beraubt, doch, wie der heilige Thomas vonAquin lehrt, eine natürliche Freude und Liebe im Herrn empfinden. Obwohl nun dieß tröstlich für uns ist, so muß doch jeder Vater, jede Mutter sich beeifern, ihr Kind nicht ohne Taufe sterben zu lassen; denn die Freude der ungetansten Kinderdort — verhält sich zur Wonne der getauften im Himmel, wie der Schein einer matten Lampe zum Sonnenglanze am hellsten Tage. Fr. Da die Taufe zur ewigen Seligkeit so unumgänglich nothwendig ist, welche Vorsorge oder vielmehr Anordnung hat daher die heilige Kirche getroffen? Am Feierabende des 10. Juni. 373 Antw- Die Anordnung, daß im Nothfalle Jedermann taufen kann. Belehrung. Tie eigentlichen und gewöhnlichen Ausspender der Taufe sind die Bischöfe und die dazu auf- gestellten Priester. Weil aber die Taufe zur Seligkeit unumgänglich nothwendig ist, so kann im Nothfalle Jedermann taufen, sei es Mann oder Frau, sei es ein Geistlicher oder Laie, ein Gläubiger oder Ungläubiger. Dabei sind aber folgende drei Punkte zu merken: 1) muß Derjenige, der tauft, die Meinung haben, wahrhaft zu taufen, d. i. das Sakrament zu ertheilen, das Christus eingesetzt hat, und das die Kirche Christi, wenn sie tauft, ertheilt; 2) muß er natürliches Wasser, oder wenn es leicht sein kann, Taufoder Weihwasser nehmen, welches er über das Haupt des Täuflings, oder wenn dieß nicht sein kann, doch über den Körper desselben ausgießt, indem er 3) zu gleicher Zeit, wo er das Wasser über den Täufling ausgießt, die Worte spricht: „Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. " Fr. Können zwei Personen mitsammen Eine« taufen? Antw. Nein; nur ein und dieselbe Person kann und darf die Taufhandlnng vornehmen; würde z. B. eine Person das Wasser über den Täufling ausgießen, und eine andere die Worte sprechen: „Ich taufe dich re.," so wäre die Taufe nicht giltig. Belehrung. Wenn der Eine das Wasser ausgießt und der Andere die Form ausspricht, so ist die Taufe nicht giltig, weil Derjenige, der die Form ansspricht, nicht thut, was er sagt, nämlich: „Ich taufe dich," und im Gegentheil der Andere, der es thut, nicht sagt, was er thut- Dieß wird auch bekräftigt durch Das, was das Concilium von Florenz im Dekret des Papstes Eugen von den Erfordernissen zur Giltigkeit der Sakramente lehrt, wo es heißt: „Das Sakrament besteht ans drei Bcstandthcilen. Aus Dingen, welche die Materie sind; aus Worten, und die sind die Form, und aus der Person des Ausspenders, der das Sakrament vollbringt," nicht aus den Personen, sondern in der einfachen Zahl, „aus der Person des Ausspenders." Beispiel und Anwendung. Dieses Alles ist sehr wichtig, und Jedermann soll es wissen, weil, wenn Gefahr vorhanden ist, Jedermann taufen darf und soll. Ja, es ist eine heilige Pflicht für uns, im Nothfall die heilige Taufe zu ertheilen; wir sollen in dieser Beziehung, wenn es die Noth erfordert, das Beispiel jenes christlichen Jünglings nach- ahmcn, von dem Folgendes erzählt wird. In einem Pariser- Hospital wurde ein Kind geboren, das allem Anscheine nach nur wenige Stunden leben konnte. Während man nur der Mutter gedachte, und diese vom Tode zu retten suchte, vergaß man ganz die Pflicht, dem armen Kinde die Wohltbat des Sakramentes der Wiedergeburt angedeihcn zu lassen. Da rief ein junger Mann voll Glaubenseifer: Man solle geschwind den Priester rufen, damit das arme Kind nicht ohne Taufe sterbe. — Anstatt zu gehorchen, ergoß man sich aber in Spöttereien über den Glaubenseifer dieses jungen Mannes. — „So will ich selbst hingehen und den Pfarrer holen," rief er nun. Aber eben als er das Zimmer verlassen wollte, kam das Kind dem Hinscheiden nahe. Geschwind holte er jetzt Wasser, goß cs über das Haupt des sterbenden Kindes unter Aussprechung der vorgeschriebenen Worte, und öffnete ihm so die Pforten des Himmelreiches. Legende: Die heilige Margaretha, Königin von Schottland, (f 1093.) Bon derNoth- wendigkcit der heiligen Taufe überzeugt, sorgte diese heilige Königin, deren Fest heute die Kirche feiert, besonders dafür, daß ihre Kinder nach der Geburt sobald als möglich zur heiligen Taufe gelangten. — Die hl.Mar- garetha war um d. 1.1046 in Ungarn , wohin ihr Vater Eduard, ans dem königlichen Hause von England sich geflüchtet hatte, als eine Enkelin des Königs Stephan des Heiligen geboren. Eduard kam wohl nach England zurück, starb aber nach kurzer Zeit. Die widrigen Reichsverhältnisse veranlaßtcn den Prinzen Edgar und seine Schwester Margaretha zur abermaligen Flucht, wo sie, mehr nach höherer Fügung, vom Könige Malcolm III. von Schottland thcilnehmend ausgenommen wurden. Margaretha glänzte in Schottlanv als der schönste Tngendstern, so daß Malcolm im Jahre 1070 sie zur königlichen Gemahlin nahm. -— Bald gab sie als Königin, Gemahlin und Mutter ein hohes Beispiel getreuester Pflichterfüllung. Sie sah Schottland als eine große Familie an, deren Mutter sie sei. Margaretha belehrte ihren Gemahl, daß die Könige auf Erden Gottes Stelle vertreten, also die Völker in Gerechtigkeit, Weisheit und Güte beherrschen sollen. Ihre Kinder unterrichtete die gute Mutter selbst im Lesen und Schreiben, hielt sie besonders zur Gottesfurcht und zum 376 Drittes Hauptstück. Die Begierd- und Bluttaufe. 7 - >»VM WWW« Kirchenbesuche an, und sorgte für die ausgezeichnetsten Lehrer und Erzieher. In ihrer Umgebung herrschte die strengste Eingezogenheit und Sitt- samkeit; sie duldete es auch bei ihren Untergebenen nicht anders und sah auf genaue Beobachtung der Kirchengebote. Eigenhändig arbeitete sie für die Zierde des Hauses Gottes, und war im ausgezeichnetsten Sinne eine Mutter der Wittwen und Armen. Nach vielen Heimsuchungen des Herrn starb sie als Wittwe im Jahre 1093. Clemens X. erhob sie zur Patronin von Schottland. Gebet. Welch große Gnade hast du uns, o himmlischer Vater! dadurch erwiesen, daß du uns die heilige Taufe, ohne die wir nicht znr ewigen Seligkeit gelangen könnten, zu Theil werden ließest und uns so die Pforte des Himmels geöffnet hast! Stärke uns auf die Fürbitte der heiligen Königin Margaretha zu einem frommen und heiligen Wandel, auf daß wir alle einst durch diese Pforte eingehen zu deiner ewigen Anschauung. Amen. Hulldertzweiundsechzigstes Lesestück. Am Feierabende des 11. Juni. Die Begierd- und Blutläuse. Fr. Kann die Wassertaufe niemals ersetzt werden? Antw. Wenn sie unmöglich ist, so kann sie ersetzt werden 1) durch die Begierd taufe oder 2) durch die Bluttaufe. Fr. Was ist die Begierdtaufe? Antw. Ein Verlangen und ernster Wille, die Taufe zu empfangen, verbunden mit einer vollkommenen Neue oder Liebe zu Gott; „denn wer die Liebe hat," schreibt der heilige Johannes (I. Joh. 4, 7.), „Der ist aus Gott geboren und kennet Gott." Belehrung und Beispiel. Auf diese Begierdtaufe scheint auch JesuS hinzuweisen, da er sagt: „Wer glaubt und getauft ist, wird selig werden; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden." (Mark. 16, 16.) Da setzt er nicht mehr hinzu: „Wer aber nicht getauft ist." „Dieß that er," sagt der heiligeBcrnhard, „um uns zu erkennen zu geben, baß, wenn man die heilige Taufe nicht empfangen kann, man durch dieBegierde nach der Taufe selig werden könne." — Der heilige Cyprian führt einen sehr schönen Beweis hierüber: „ Daß nicht nur das Leiben für den Namen Christi erfülle, was au der Taufe abgeht," sagt er, „sondern auch der Glaube und die Hinwendung des Herzens durch die wahre Reue zu Gott den Mangel der Taufe ersetzen kann, wenn sie wegen Mangel an Zeit oder eines anderen Hindernisses wegen nicht kann beigcbracht werden, davon ist jener Schächer ein Beweis, zu dem Jesus gesagt hat: Heute wirst du bei mir im Paradiese sein; denn jener Schächer ist nicht wegen des Namens Christi gekreuzigt worden, sondern wegen seiner Missethatcn. Da mag man sehen, daß die Taufe ersetzt wird, wenn man sie nicht empfängt, da es Umstände im Falle der Noth nicht zulassen." — Diese Wahrheit wird uns auch durch folgendes Beispiel in der Kirchengeschichte bestätigt. — Als Valentinian, der jüngere Sohn des Kaisers Valentinian des Großen, in einem Kriegszuge gegen die Barbaren meuchelmörderisch getödtet Am Feierabende des 11. Juni. 377 wurde, bedauerte Alles, daß er die heilige Taufe noch nicht empfangen hatte. Er war aber im Christenthume schon unterrichtet, und hatte von Mailand den heiligen Ambrosius nach Vienne gerufen, der ihn taufen sollte. Während Ambrosius auf der Reise war, starb Valentinian an den Wunden der Meuchelmörder. Der heilige Ambrosius hielt eine Rede auf seinen Tod, und sagte in derselben: „Ich höre, ihr betrübet euch, weil er das Sakrament der Taufe nicht empfangen hat; aber sie war ja eben der Gegenstand seines Verlangens. Darum ließ er mich rufen. Soll er nun nicht die Gnade haben, die er so sehnlich verlangt? Ja, er hat sie erhalten, weil er nach ihr verlangte; denn wenn die Märtyrer ihr vergossenes Blut tauft, so hat diesen Valentinian seine Frömmigkeit, seine Begierde, sein Wille getauft." Fr. Was ist die Blut taufe? Antw. Der Marthrtod um Christi willen. (Sieh das vorhergehende Bild!) Belehrung und Beispiele. In dieser Beziehung sagt der göttliche Heiland selbst (Matth. 10, 39.): „Wer seine Seele (d. i. sein Leben) um meinetwillen verliert, der wird sie finden." Und der heilige Cyprian schreibt: „Die das Bad der Wiedergeburt nicht erhalten haben, und wegen des Bekenntnisses Christi sterben, denen nützt es das Nämliche zur Nachlassung der Sünden, als wenn sie die Wassertaufe empfangen hätten." Diese Bluttaufe empfingen alle heiligen Märtyrer, die vorher noch nicht getauft waren; unter ihnen heben wir besonders hervor die heilige Emerentiana. Diese wurde, da sie noch nicht getauft, jedoch schon gläubig war, von den Heiden gesteinigt, als sie am Grabe der heiligen Agnes betete. Sie starb also den Martyrertod für Christus. Daher sagt die katholische Kirche so schön von ihr: „Sie wurde im eigenen Blute, das sie für Christus vergoß, getauft, und übergab Gott ihre Seele." (llrov. Rom. 23. ckan.) — Ebenso sagt auch Eusebius von einer gewissen Herais: „Noch eine Katechumene erlangte sie durch das Feuer (sie wurde nämlich des Glaubens wegen verbrannt) die Taufe und ging von da in ein besseres Leben ein." — Daher hat die Kirche jederzeit auch die Bethlehemitischen Kinder, welche Herodes aus Haß gegen Jesum ermorden ließ, als Heilige verehrt, weil sie sür Jesus starben, obwohl in einem Alter, wo sie Gott weder kennen, noch bekennen konnten. Legende: Der heilige Apostel Barnabas, (ch um d. I. 70.) Heute feiert die Kirche das Fest eines Heiligen, Meblcr, Hausbuch. der nicht nur die Wasser-, sondern auch die Bluttaufe empfing, da er um des Glaubens willen starb. Es ist dieß der hl.B ar- nabas, welcher von den Kirchenvätern und selbst vom heil. Evangelisten Lnkas ein Apostel genannt wird, weil er ans bestimmten göttlichen Befehl von der Kirche zu Antiochien mit dem heil. Paulus znm apostolischen Berufe ansgeschieden uno eingeweiht wurde, und weil er an Dem, was die Apostel zur Stiftung des Christenthnms thaten, einen großen Nnthcil hatte. Als die Stadt Antiochien in Syrien ebenfalls das Christenthnm angenommen hatte, wurde Barnabas, ans den die ganze Christengemeinde sowie die Apostel ein vorzügliches Vertrauen setzten, dorthin geschickt, um das Werk des Herrn mehr zu betreiben, den dortigen neuen Christen einen vollständigen Unterricht und das heilige Sakrament der Firmung zu erthcilen. Als er dort angekommen war, und die große Anzahl der durch die Gnade Gottes nenbekehrten Christen sah, bezeigte er darüber große Freude, ermahnte die Gläubigen nachdrücklich znm Eifer und zur Beharrlichkeit, vermehrte durch seinen eifervollen Unterricht die Zahl der Nenbekehrten und trug durch die Heiligkeit seines Wandels sehr vieles zur Ausbreitung und Befestigung des thätigen Christcnthn- mes bei; denn er war ein Mann von geprüfter Rechtschaffenheit, voll des heiligen Geistes und des lebendigen Glaubens. Die Kirche von Antiochien wurde mit jedem Tage zahlreicher, und in dieser Stadt erhielten die Anhänger Jesu zuerst den Namen Christen. Auch der heilige Paulus kam nach Antiochien, um des Barnabas Gehilfe und Mitarbeiter bei einer so reichen Ernte zu sein. Nach einigen Jahren begleitete Barnabas den Paulus auf seiner Reise nach Selencien, Chpern, Sala- mina, Paphos und Listra. Er theilte mit Paulus alle Arbeiten und Leiden, die Verfolgung der Inden und den Spott der Heiden. Er rechnete es sich ebenfalls zur Ehre, um des Namens Jesu willen Schmach und Verfolgung leiden zu können, und starb so für seinen heiligen Glauben im Jahre 70. Gebet. O Gott, der du durch den heiligen Apostel Barnabas so Viele znm wahren Glauben und zur ewigen Seligkeit geführet hast, verleihe auch uns auf 48 378 Drittes Hauptstück. Von den Taufpathen. die Fürbitte dieses Heiligen, daß wir, die wir auf deinen heiligen Namen getauft sind, einst Theil nehmen an deiner Herrlichkeit, duirch Christum unfern Herrn. Amen. Hllildertdrciundsechzlgstes Lesestück. Am Feierabende des 12. Juni. Bo» den Taufpathen. Fr. Wozu werden bei der Taufe Path en genommen? Antw. Um als Bürgen zu dienen, daß ihre Täuflinge die Gnade der Taufe, welche sie empfangen, getreu bewahren, und das Versprechen, welches sie für dieselben thun, erfüllen werden. Belehrung. Bei der Taufe werden aus kirchliche Anordnung Pathen genommen. Ihre Bestimmung ist die eben angegebene. Der heilige Thomas von Aquin sagt darüber : „ Wie Derjenige, welcher zur Welt kommt, eine Amme, die ihn nährt, und einen Lehrer, der ihn unterrichtet, nöthig hat, so müssen auch Diejenigen, welche durch die Taufe in der Gnade Gottes zu leben beginnen, der Sorge und Einsicht einer weisen Person anvertraut werden, auf daß sie in der christlichen Gottseligkeit wachsen und so heilige und vollkommene Menschen werden." Fr. Welche Obliegenheiten hat ein Taufpathe? Antw. Der Taufpathe muß 1) den Täufling zur Taufe bringen und daselbst statt seiner, wenn Letzterer noch unmündig ist, die Taufgelübde ablegen; 2) muß er sich bei der Nachlässigkeit oder dem Tode der Eltern um das geistige und leibliche Wohl Dessen, den er aus der Taufe gehoben hat, anuehmeu. Belehrung. Der Taufpathe muß den Täufling 1) zur heiligen Taufe bringen und statt seiner die Taufgelübde ablegen. „Die heilige Kirche, diese sorgsame Mutter," sagt der heilige Augustin, „gibt den Kindern die Füße anderer Leute, damit sie kommen; sie gibt ihnen anderer Leute Herz, damit sie glauben, und anderer Leute Zungen, damit sie bekennen." 2) Sollen sich die Taufpathen bei der Nachlässigkeit oder dem Tode der Eltern nach Kräften um das zeitliche und ewige Wohl der aus der Taufe Gehobenen annehmen. Sie sind gleichsam Mitväter, Mitmüt- ter, daher die Bezeichnung „Gevatter," „Gevatterin," weil sie mit Vater und Mutter, insbesondere aber in Ermangelung derselben für eine gute Erziehung ihrer Taufkinder sorgen, auf sie stets ein obachtsames Auge haben, sie von Zeit zu Zeit vom Bösen abmahnen und zum Guten ancifern sollen. Fr. Worauf soll man also bei der Wahl eines Pathen sehen? Antw. Da die Pathen so wichtige und heilige Verpflichtungen haben, so soll mau in der Wahl derselben durchaus nicht gleichgültig zu Werke gehen, vielmehr soll man darauf sehen, daß der Pathe 1) das gehörige Alter habe, 2) katholisch sei, 3) in den Geheimnissen der Religion und in andern zur Seligkeit nothwendigen Stücken wohl unterrichtet, und endlich 4) von guten Sitten sei. Belehrung. Die Pathen sollen folgende Eigenschaften besitzen: 1) sollen sie das gehörige Alter haben; eine Mannsperson muß wenigstens vierzehn, eine Weibsperson wenigstens zwölf Jahre alt sein. Denn wie könnte die Kirche Kinder, die selbst noch nicht verstehen, was sie thun, als Bürgen annehmen? 2) Sollen sie katholisch sein. Die Kirche lang ja doch nicht Leute als Bürgen annehmen, die ihr nicht zugethan sind; weßhalb auch nur katholische gewählt werden sollen. 3) Wer selbst nichts von Religion und göttlichen Dingen weiß, der kann unmöglich für religiöse Erziehung Bürgschaft leisten. Darum muß ein Taufpathe vor Allem in den Geheimnissen der Religion und in Sachen des Glaubens wohl unterrichtet, und 4) ein tugendhafter und braver Katholik sein. Wie könnte ein böser und verkehrter Mensch für die gute Erziehung seines Taufkindes Bürgschaft leisten? Deßhalb schließt die Kirche offene und .verschneite Sünder, Trunkenbolde rc. von Pathenstellen aus. O! wie thöricht handeln jene Eltern, die bei der Wahl ihrer Gevattersleute nur darauf sehen, ob dieselben reich und angesehen seien, ob sie dem Täufling klingende Münzen zum Angebinde machen u. s. w., nicht aber auf deren sittlichen Werth und Wandel! Beispiel und Anwendung. Ganz vernünftig und christlich hat in der Wahl eines Taufpathen gehandelt Herzog Heinrich von Sachsen, Vater der sächsischen Churfürsten Moritz und August, ein milder, gutmüthiger und herablassender Fürst. — Am 31. Julius 1526 wurde ihm sein zweiter Sohn August geboren. Weit entfernt, bei der Bestimmung eines Taufpathen auf hohen Rang und Stand zu sehen, wählte er einen seiner Unterthanen; und der Grund dazu war bloß die anerkannte Frömmigkeit dieses Mannes. Ilnvermuthet bekam der ehrwürdige Archidiakon Abt zu Chemnitz ein fürstliches Handschreiben, des Inhaltes: „Weil wir zu Euch sonderliche Meinung tragen, begehren wir gütlich Am Feierabende des 12. Juni. 37 !» / - WUM bittcnd, Ihr wollet auf Sonnabend nach ^ssuinlionis Nsriao gegen Abend zu Freiburg bei uns ankommen, und Sonntags darnach unfern Sohn nach christlicher Ordnung zum Sakra- mem der heiligen Taufe bringen helfen, alsdann des Kindes Pathe und unser und unserer lieben Gemahlin lieber Gevatter sein. Heinrich." — Der Archidiakon erschien zur bestimmten Zeit und wohnte als Taufpathe der heiligen Handlung bei. Nach Beendigung derselben reichte er als Geschenk für den Prinzen einen Dukaten, sich entschuldigend, daß er bei seiner Armuth keine würdige Gabe für einen solchen Pa- thcn hätte. Der Herzog aber antwortete: „Ich habe nicht darauf gesehen, sondern es war mir bloß an eurem andächtigen Gebete gelegen und um einen frommen christlichen Pathcn für mein Kind zu thun." Mit diesen Worten machte er seinem Gevatter einen Becher voll Dukaten zum Geschenke. — Lerne hieraus, mein Christ! daß man bei der Wahl der Gevattersleute vor Allem auf Tugend und religiösen Wandel sehen muß. Fr. Soll man der großen und schweren Verpflichtungen wegen angebotene Pathenflellen nicht znrückweisen? Antw. Nein, wenn man nicht sehr wichtige Gründe hat; denn wie könnte man je ohne billigen Grund einen Dienst so großer, christlicher Liebe abweisen und auf diese Weise die Anordnung und Einrichtung der Kirche stören! Belehrung. Taufpathenstelle zu übernehmen ist stets ein Werk christlicher Nächstenliebe; darum soll sich dessen Niemand ohne höchst wichtige Gründe weigern; denn „ein rechtschaffener Mann wird gerne Bürge für seinen Nächsten," sagt Sirach. (29, 19.) Wer sollte nicht gerne Alles thun, um eine Menschenseele Gott zuzuführen und aus ihr ein Kind Gottes zu machen? Es hat Jesus Christus für uns Versicherung und Bürgschaft übernommen. (Hcbr. 7.) Wer sollte sich nun weigern, dem Dienste zu obliegen,' dem zu unterziehen sich unser Gott und Herr nicht gescheut hat? Beispiel und Anwendung. Ein schönes Beispiel in dieser Beziehung geben nns jene frommen Neger auf St. Domingo. Als nämlich ein Theil von St. Domingo unter französischer Herrschaft stand, betrachteten angesehene Colonistcn es als eine heilige Pflicht, Morgens und Abends ihren Negern gemeinschaftlich den Katechismus zu erklären. Die Bestunterrichteten mußten alsdann den Neuangekommenen, die sie als ihre Brüder betrachteten und liebten. Unterricht ertheilen, sie im Gebete und in den Wahrheiten der Religion unterweisen, und so zum Empfange der Taufe vorbereitcn. Wenn nun die jüngst angekommenen Afrikaner von dem Missionär für würdig befunden wurden, die Taufe zu empfangen, so wurden die ältern, d. i. die bisherigen Lehrer derselben, dazu bestimmt, Pathenstelle bei denselben zu vertreten. (Sieh das obige Bild!) Es wäre schwer, die Gefühle der Freude und des Glückes zu beschreiben, welche diese guten Neger empfanden, wenn sie ihre Kameraden und bisherigen Schüler zur heiligen Taufe führen durften; es war für sie ein Festtag. Die Erinnerung an eine solche Ehre wich niemals aus ihrem Gedächtnisse; die Pathen stelle verschaffte ihnen aber auch eine tiefe Ehrfurcht, große Anhänglichkeit und den lebhaftesten Dank von Seite der Neubekehrten, von denen sie als Väter betrachtet und das ganze Leben hindurch innig geliebt und geehrt wurden. — Möchten von diesen braven Negern alle Taufpathcn und alle Täuflinge lernen! Fr. Was entsteht aus der Gevatterschaft? Antw- Eine geistliche Verwandtschaft. Belehrung. Aus der Gevatterschaft bei der Taufe sowohl, als bei der Firmung entsteht eine geistliche Verwandtschaft 1) mit Dem, der tauft oder sinnt; 2) mit dem Getauften und Gesinnten; 3) mit dessen Eltern, so daß die Pathen oder Gevattern mir diesen Personen nach Anordnung der Kirche keine Heirath eingehen können, es werde denn dieses Hinderniß durch Dispensation, d. i. durch besondere Erlaubnis) der geistlichen Obern gehoben. — Damit nun diese geistliche Verwandtschaft nicht unter Mehrern gestiftet, und so die Ehehindernisse vermehrt werden, so läßt die Kirche in der Regel nur Einen eigentlichen Taufpathen zu, höchstens zwei von verschiedenem Geschlcchte; die Uebrigen, die etwa noch zugelassen werden, sind nur als Taufzeugen anzusehen, welche sonach nicht geistlich verwandt sind. 380 Drilles Hauptstück. Von den Ceremonien bei der hl. Tmrfe, und zwar vor der eigentl. Taufhandlung. Fr. Warum hat die Kirche diese geistliche Verwandtschaft angeordnet? Antw. Aus Ehrfurcht gegen diese heiligen Sakramente, und damit die Gevattern durch dieses geistliche Band desto enger mit ihren Pathen verbunden und zur Erfüllung ihrerPflichten gegen dieselben angehalten werden. Legende: Der heilige Johannes von St. Fakuudo, Augustiner-Eremit, (f 1479.) Möchten doch alle Taufpathen ihre übernommenen Pflichten so treu und eifrig erfüllen, wie der heil. Johannes v o n S t. Faku n - do, dessen Fest wir heute feiern, die Pflichten seines heiligen Berufes erfüllte! — Der hl. Johannes wurde um das Jahr 1419 zu Sa- hagunsSt.Fakun- do) im Königreiche Leon in Spanien von edlen und got- tesfürchtigen Eltern geboren, und wurde frühzeitig den dortigen Benediktinern zur Erziehung übergeben. Unter die Familiären des Bischofs von Burgos ausgenommen, wurde der junge Johannes dem frommen Bischöfe bald sehr liebenswürdig, wegen erprobter Rechtlichkeit zum Priester geweiht und ihm eine Chorherrnstelle verliehen. Allein Johannes bat um Enthebung von derselben, und ging zur höheren theologischen Ausbildung nach Salamanca, erhielt dort eine einfache Kaplanei, und wirkte eifrigst in der Verkündigung des göttlichen'Wortes. Er mußte sich in Folge vieler Anstrengungen und der Hebung großer Abtödtung und harter Bußwerke einer schweren Operation unterwerfen, wobei er das Gelübde machte, im Falle der Wiedergeuesung in ein Kloster zu gehen. Wirklich trat er bei den Augustiner-Eremiten ein und wurde bald ein Muster seiner Mitbrüder. Auf Befehl übernahm er das Predigtamt, und trug dadurch ungemein Vieles zur Beilegung der in Salamanca herrschenden Unruhen bei. Seine erste Predigt stieß bei Einigen an, die deßhalb seinem Leben Nachstellungen bereiteten, denen der Heilige durch ein Wunder entging; ja, sein ärgster Gegner warf sich ihm renmiithig zu Füssen. Der heilige Eremit war besonders sorgfältig in der Vorbereitung auf den Tag des Gerichtes. Er sagte oft: „Ich bin keinen Tag, keine Stunde sicher, daß ich nicht vor den Richterstuhl Gottes gefordert werde." Er erlangte wegen seiner Frömmigkeit außerordentliche Gnadenerweisungen Gottes, und erfuhr zuletzt noch den Tag seines Hinscheidens. Wohl vorbereitet starb er am 12. Juni 1479. Er wurde von Alexander VIII. im Jahre 1690 heilig gesprochen. ! Gebet. Heiliger Johannes von St. Fa- i kundo, du treuer Diener des Herrn! bitte bei Gott ^ für alle Jene, die da Pathenstelle übernommen haben, ^ auf daß sie ihre heiligen Pflichten ebenso treu und eifrig erfüllen, wie du erfüllt hast die Pflichten deines heiligen ! Berufes, damit sie einst als treue Diener befunden und mit dir ewig belohnt werden im Himmel. Amen. Hundertvimmdsechzigstes Lesestück. fl Am Feierabende des 13. Juni. ? Von den Ceremonien bei der heiligen Taufe, und zwar vor der fl eigentlichen Tanfhandlung. fl Fr. Was bedeuten die vielen Ceremonien bei der I heiligen Taufe? fl Antw. Sie stellen äußerlich dar, was die Taufe fl Innerlich in der Seele des Täuflings wirkt, und sollen fl die Umstehenden zur Ehrerbietung 'gegen dieses heilige ! Sakrament bewegen. f > , Fr. Warum wird der Täufling nicht gleich in die ^ i Kirche gelassen? ^ Antw. Um anzudeuten, daß er dessen unwürdig sei, bevor er das schändliche Joch der Sünde abgeworfen, ! und sich ganz Christo dem Herrn und seiner Herrschaft ! ^ gewidmet hat, so wie, daß die Taufe die Thüre zur fl Gnade Gottes, zum Reiche des Himmels, zur Gemein- ! schüft der Heiligen sei. Fr. Warum wird dem Täufling der Name eines Heiligen gegeben? Antw. 1) Um anzuzeigcn, daß er durch die Taufe unter die Zahl der Christen, welche der heilige Paulus „Heilige" nennt, ausgenommen werde; 2) damit er einen Fürbitter und Schutzpatron habe; 3) damit ihm der Heilige, dessen Namen er erhält, ein Muster und Vorbild sei, nach dem er sein Leben einrichten könne. Belehrung und Beispiele. Schon in den ältesten Zeiten der Kirche erhielten die Täuflinge den Namen eines Heiligen. Gewöhnlich mußten die Katechumenen in der vierten Am Feierabende des 13. Juni. 381 Fastenwoche vor dem Bischöfe erscheinen und ihre Namen angeben, damit sie in die Kirchenbücher eingetragen werden konnten. Der früher geführte heidnische Name wurde mit dem Namen eines Heiligen verwechselt. In der Passionsgeschichte des heiligen Balsamus fragt der Präses Severus den heiligen Balsa mus: „Wie heißest du?" — Und er antwortet: „Mit meinem Geburtsnamen heiße ich Balsamus, mit meinem Taufnamen aber Petrus." Auch in den Akten des heiligen Bonifacius bei Ruinart fragt der Richter: „Wie nennest du dich?" Der heilige Bonifaz antwortet: „Ich habe dir soeben gesagt: Ich bin ein Christ. Willst du aber meinen Namen wissen; so habe ihn: ich heiße Bonifacius." In den Akten des heiligen Hilarian sagt der Diakon Tatian: „Nach meinem Geburtsnamen werde ich Tatian genannt, mit dem Taufnamen aber Christian." Nicht selten änderten die Katechumenen ganz ihre Geburtsnamen, und führten nur den Taufnamen. — Der heilige Dionysius von Alexandrien und der heilige Chry- sostomus ermahnen die Christen, daß sie bei der Taufe keine heidnischen Namen beilegen sollen, sondern Namen der Heiligen, damit die Katechumenen durch das Beispiel der Heiligen auch zur Tugend angcspornt würden. — Wie thöricht handeln daher nicht jene Eltern oder Taufpathen, die für ihre Kinder bei der heiligen Taufe nur recht vornehm klingende Namen aussuchen und sich nicht entblöden, sogar Namen von heidnischen Helden zu begehren; das soll durchaus nicht geschehen! Den Namen eines Heiligen muß der Täufling erhalten; nur das hat einen Sinn. Fr. Warum haucht der Priester dem Täufling in's Gesicht? Antw. Um die Macht des bösen Feindes zu vernichten, seine höllische Gluth im Herzen des Täuflings auszulöschen und dafür nach dem Beispiele Jesu den belebenden heiligen Geist einzuhauchen und das geistliche Leben zu verleihen. Fr. Warum legt der Priester öfters die Hand über das Haupt des Täuflings? Antw. Um anzudeuten, daß er von nun an Gottes Eigenthum sei, unter seinem Schutze stehe und seiner Kirche angehöre. Fr. Was bedeuten die vielen Exorcismen oder Beschwörungen? Antw. Daß die Verbindung des Täuflings mit dem bösen Geiste aufhören, die Sünde nicht mehr über ihn herrschen, daß er den Versuchungen zum Bösen kein Gehör geben solle, und der Satan im Namen Jesu aus ihm vertrieben werde. Fr. Warum wird der Täufling so oft mit dem Kreuze bezeichnet? Antw. Um anzudeuten, 1) daß die Taufe kraft des Kreuzestodes Christi und seiner Verdienste die Erbsünde abwasche; 2) daß der Täufling von nun an ein Anhänger Christi, des Gekreuzigten, sei, unter dessen Kreuzesfahne er ritterlich gegen die Feinde seines Heiles streiten, und dem er ans dem Wege des Kreuzes und der Selbst- verläugnung bis zum Tode Nachfolgen wolle. Wir sollen in dieser Beziehung dem heiligen Märtyrer Theodor von Her allea gleichen (sieh das obige Bild!), der ein treuer Kriegsmann seines Kaisers, aber auch ein treuer Kämpfer für seinen Herrn und Heiland war, be- reit, jeden Augenblick Blut und Leben für seinen Glauben einzusetzen. Fr. Warum wird dem Täufling Salz in den Mund gelegt? Antw. Dadurch wird angedentet, 1) daß er durch die Glaubenslehre und Gnadengabe von der Fäulniß der Sünde bewahrt werde, 2) an guten Werken Geschmack finde, und 3) seine Lust habe an der Nahrung der göttlichen Weisheit. 382 Drittes Hauptstück. Von den Cerenicnicn bei der Hs. Taufe, und zwar vor der eigentl. Taufhandlung. Fr. Warum werden ihm Ohren und Nase mit Speichel bestrichen? Antw. Um anzudeuten, daß gleichwie Christus dem Blindgebornen Speichel in die Augen strich und ihn sehend machte, also auch durch die Taufe die geistige Blindheit der Seele von dem Täufling genommen werde, und sein Geist Licht erhalte, die göttliche Weisheit zu erschauen. Auch wird, wie der heilige Ambrosius sagt, dadurch der Täufling belehrt, seine Ohren der priesterlichen Ermahnung zu öffnen, und ein guter Geruch Christi zu werden. Fr. Warum fragt der Priester den Täufling: „Widersagst du dein Teufel und allen seinen Werken und aller seiner Hoffart"? Antw. Damit ein Christ wisse, daß es sein Beruf mit sich bringe, dem Teufel, seinen Eingebungen und Werken und seiner Hoffart zu widersag'en und wider dieselben zu streiten. Daher redet der heilige Ambrosius einen Getauften gar schön an: „Als dich der Priester gefragt hat: Widersagst du dem Teufel und allen seinen Werken? was hast du geantwortet?—Ich widersage. — Widersagst du auch der Welt, ihrer Pracht und ihren Wollüsten? — Ich widcrsage. — Sei also deines Versprechens eingedenk, und laß es dir niemals aus dem Sinne kommen! Du hast dem Priester anstatt Gottes gleichsam deine Handschrift gegeben. Wenn du einem Menschen deine Handschrift gegeben hast, so bleibst du ihm verbunden. Nun aber wird deine Handschrift nicht auf Erden, sondern im Himmel aufbewahrt." Fr. Warum wird der Täufling auf der Brust und den Schultern mit dem heiligen Oele gesalbt? Antw. Dieß geschieht nach dem Zeugnisse des heiligen Ambrosius und CH rhsostom us, um ihn zu einem tapfern Streiter Christi zu machen; denn gleichwie vor Alters die Kämpfer, ehe sie die Kampfbühnc bestiegen, sich mit Oel salbten, also wird der Täufling mit Oel 1) auf der Brust gesalbt, damit er Muth und Stärke erlange, den Teufel, die Welt und das Fleisch tapfer zu bestreiten, und 2) zwischen den Schultern, damit er gestärkt werde, das Joch Christi, sein Gesetz, uuermüdet und unverdroßen zu tragen und die mühselige Laufbahn dieses Lebens mit unverbrüchlicher Treue gegen Gott und seine heiligen Gebote zu durchlaufen. Fr. Warum wird bei der Taufe der „Glaube an Gott Vater" nnd das „Vater unser" gebetet? Antw. Damit, wenn Erwachsene getauft werden, dieselben hiedurch das Glaubcnsbekenntniß im Angesichte der Kirche ablegen; wenn aber Kinder getauft werden, die Gevattern dieses statt derselben thun, welche dadurch gemahnt werden, besorgt zu sein, daß ihre Taufpa- then hierin und in allen andern Glaubenswahrheiten Wohl unterrichtet werden. — Dieß sind nun die Cere- monien bei der heiligen Taufe, und zwar bis zur eigentlichen Taufhandlung. Morgen will ich die Erklärung derselben vollenden, heute aber die Legende jenes Heiligen erzählen, der es durch sein frommes und heiliges Leben bewies, wie man nach der heiligen Taufe sich stets als treuen Anhänger Jesu, des Gekreuzigten, bewähren muß. Legende: Der heilige Antonius von Padua, Ordensmann, (fl 1231.) «NE 'VW . Dieser Heilige kämpfte ritterlich gegen die Feinde seines Heiles unter der Kreuzesfahue des Herrn, dem er auch auf dem Wege des Kreuzes und der Selbstver- läugnuug bis zum Tode uachfolgte. Daher hat er sich auch unter den Schülern des heil. Franz von Assis einen ausgezeichneten Ruhm und besondere Verehrung erworben. Er ward geboren zu Lissabon in Portugal, im Jahre 1195, und erhielt in der heiligen Taufe den Namen Ferdinand. Die erste Erziehung erhielt er im Hause seiner christlichen Eltern. Schon in seiner Jugend offenbarte er einen ernsten Sinn und ein frommes Gemüth. Sein Mitleiden gegen Arme und Noth- Am Feierabende des 14. Juni. 383 leidende wird vorzugsweise gerühmt. Im fünfzehnten Jahre seines Alters verließ Antonius die Welt und nahm das Ordenskleid in einem Kloster nahe bei Lissabon. Aber nach zwei Jahren schon verließ er wegen der vielen Besuche seiner Verwandten, die ihm beschwerlich waren, mit Bewilligung des Abtes dieses Kloster und begab sich in das znm heiligen Kreuze bei Koimbra. Da widmete er sich mit großem Fleiße den geistlichen Wissenschaften, in denen er, sowie in der Vervollkommnung seines GemütheS, glänzende Fortschritte machte. Im Jahre 1221 trat er in den Orden des heiligen Franziskus und nahm den Namen Antonius an, auf daß er seinen Eltern und Verwandten verborgen bliebe. Nach empfangener Priesterweihe widmete er sich dem Predigtamte mit einem Eifer, der wahrhaft apostolisch genannt zu werden verdient. Am Herrlichsten zeigten sich die Früchte davon zn Padua, wo er im Jahre 1231 in der Fasten predigte und ebenso viele als große Bekehrungen bewirkte, wozu seine strenge Lebensweise und sein heiliger Wandel ungemein viel beitrug. Antonius starb am 13. Juni 1231, im 36sten Jahre seines Alters. Schon im folgenden Jahre wurde er von Papst Gregor IX. in die Zahl der Heiligen erklärt. — Den Beinamen „von Padua" erhielt er, weil er inPadua starb und begraben wurde. Gebet. O Gott, der du uns die unaussprechlich hohe Gnade der heiligen Taufe zu Theil werden ließest, stärke uns, damit wir ebenso ritterlich kämpfen, wie der heilige Antonius von Padua, und deinem göttlichen Sohne auf dem Wege des Kreuzes und der Selbstver- läugmmg bis zum Tode Nachfolgen, durch ebendenselben Christum unfern Herrn. Amen. Hundertsünsundsechzigstes Lesestück. Am Feierabende des 14. Zum. Von den Ceremonien der heiligen Taufe, und zwar bei und nach der eigentlichen Taufhandlnng. Fr. Was geschieht nun, ehe die eigentliche Taus- Handlung, die heilige Taufe selbst vorgenommen wird? Antw. Der Priester fragt den Täufling zuvor noch ausdrücklich, ob er getauft werden wolle, um anzudeuten, daß der Mensch, welcher in Adam dem Teufel aus freiem Willen gehorchte, nur wenn er wolle, in die Zahl der Kinder Gottes ausgenommen werde, damit er so den göttlichen Geboten freiwillig gehorchend das ewige Heil erlangen möchte. Fr. Warum wird dem Täufling (sieh das obige Bild!) dreimal Wasser auf das Haupt gegossen? Antw.. Dieß geschieht, wie der heilige Gregor der Trotz e schreibt, in der Absicht, um die drei Ta ge der Begräbnis; des Herrn gcheinmißweise anzudeuten, damit nämlich, wenn das Kind dreimal aus dem Wasser gehoben wird, die Auferstehung dadurch ansgedrückt werde. In früheren Zeiten der Kirche wurden nämlich die Täuflinge dreimal im Wasser untcrgetaucht, welcher Gebrauch aber aus verschiedenen Ursachen abgekonnnen ist. Fr. Warum wird der Getaufte auf dem Scheitel des Hauptes mit Chrhsam gesalbt? Antw. Diese Salbung ist so zu sagen die Krönung des jungen Christen. Gleich wie nämlich im alten Bunde die Könige gesalbt wurden, gleichwie auch Jesus der Gesalbte ist, und der heilige Apostel Petrus die Christen ein auserwähltes Geschlecht, das königliche Priesterthum, ein heiliges Volk nennt, so wird der Getaufte durch diese Salbung Christo dem Gesalbten einverleibt und seines Priesterthumes und seiner königlichen Würde thcilhaftig. Belehrung. Welch ein hoher Stand ist also der Stand der Christen! Sie sind Gesalbte des Herrn, und im geistlichen Sinne Priester, indem sie sich Gott dem Herrn als wohlgefällige Opfer im Gebete, durch Abtödtung re. jeden Augenblick darbringen; sie sind Könige, indem sie über ihre Neigungen herrschen, dieselben der Vernunft und diese dann Gott unterwerfen sollen. Ileberdieß sind sie Könige wegen des Rechtes, das sie durch die Taufe zum Himmelreich erlangen. — Sic werden auch durch den Chrhsam zu Tempeln des heiligen Geistes und zu heiligen Gefäßen eingeweiht, welche mit der Zeit durch die heilige Kommunion den kostbaren Leib und das kostbare Blut Christi in sich fassen sollen. Welch' eine Schmach thut sich der Christ an, der seine hohe Würde durch eine schwere Sünde mit Füssen tritt und sein Herz, den Tempel Gottes, verunreinigt! - UW 8WW DWs 384 Drittes Hauptstück. Von den Ceremonien der Hs. Taufe, und zwar bei und nach der eigentl. Taufhandlnng. Fr. Was bedeutet das weiße Kleid, das dem Getauften gegeben wird? Anlw. Nach der Lehre der heiligen Väter wird dadurch die Reinheit und Schönheit, womit die Seele nach Abwaschung der Sünden in der Taufe geschmückt wird, und die Unschuld und Unversehrtheit, welche der Getaufte in seinem ganzen Leben bewahren soll, angedeutet. Belehrung. Schon in den ersten Zeiten des Christen, thums wurde den Täuflingen, sobald sie aus dem Tanfwas- ser hervorgingen, ein schönes, weißes Kleid angezogen, und es galt als ein Sinnbild der in der Taufe empfangenen Seelenreinheit, sowie als Aufforderung, von nun an die Reinheit der Seele nie mehr durch eine Sünde zu beflecken oder zu verlieren. „Ansgezogen habt ihr euere alten Kleider," ermahnt der heilige Cyrillus, „und solche angezogen, die nach dem Geiste sind; immer müsset ihr also in weißen Kleidern einhcrgehen. Nicht dcßhalb sage ich es, als müßtet ihr immer weiße Kleider tragen, sondern weil es sich jetzt geziemt, mit wahrer, blendender Weiße, mit dem Geistigen gekleidet zu sein; damit ihr mit dem Propheten Isaias sagen könnet: Meine Seele frohlocke im Herrn, er hat mich mit dem Kleide des Heils angethan, und mich mit dem Gewände der Freude umgeben." Dieses weiße Kleid pflegten Die, welche am Ostersamstage getauft worden waren, eine ganze Woche zu tragen und am folgenden Sonntage die heilige Kommunion in demselben zu empfangen; daher die Benennung: „weißer Sonntag." Beispiel und Anwendung. In der Vandalischen Verfolgung war ein gewisser Elpidoforus beauftragt, die heiligen Glaubensbekenner grausam zu peinigen. Er war früher Christ gewesen, und bei seiner Taufe hatte als Pathe gestanden ein Diakon Mnritta. Als nun der Diakon vor den Haß und Grausamkeit speienden Elpidoforus geführt wurde, zog er in der größten Stille das von der Taufe des Elpidoforus noch aufbcwahrte weiße Taustuch heraus, spaunte es vor den Augen aller Gegenwärtigen aus und fing mit diesen Worten zu sprechen an, wobei die ganze Stadt äußerst, ja bis zu Thränen gerührt wurde: „Dieß sind die Leintücher, Elpidoforus, du Knecht der Lüge! die dich einst vor dem göttlichen Richterstuhl anklagen werden. Zum Zeugnisse deiner Verwerfung und deiner ewigen Verdammniß werde ich sie sorgfältig anfbewahren. Diese weißen Gewände, o Unglücklicher! haben dich bedeckt, als du ganz rein aus dem Taufbrunnen mit mir aufstiegest; diese werden dir, unseliger Mensch! einst harte Vorwürfe machen, wenn du in den Höllenort eingehest; wie ein Kleid zogst du den Fluch an, zerreißend und wegwerfend das Bündniß der Taufe und des wahren Glaubens." — Wehe uns, meine Christen ! diese Worte gelten auch uns, wenn wir das weiße Gewand der Unschuld und Reinigkeit, welches wir in der heiligen Taufe empfangen haben, mit Füßen treten oder mit Sünden und Lastern beflecken. Fr. Warum wird dem Getauften eine brennende Kerze in die Hand gegeben? Antw. Um dadurch anzudeuten 1) die Flamme der Liebe Gottes und des Nächsten, welche das Kind von nun an gleich den fünf klugen Jungfrauen auf dem Pfade dieses Lebens dem Herrn stets entgegen tragen soll, damit es, wenn es an das Ende seines Lebens kommt, zum ewigen Hochzeitmahle eingelassen werde. 2) Die christliche Lehre, welche den Getauften von den Finsternissen des Irrthnms, der Unwissenheit und Sünde bewahrt, seinen Verstand erleuchtet und ihn sicher aus dem Wege der Tugend zur Seligkeit leitet. 3) Das Licht des guten Beispiels, welches der Getaufte immer leuchten lassen soll. (Goffine.) Fr. Mit welchen Worten entläßt endlich der Priester den Täufling? Antw. Mit dem Segenswunsche: „Gehe hin im Frieden! der Herr sei mit dir!" aus daß Gottes Friede und Gnade denselben auf all seinen Wegen durch's Leben begleiten möge. Beispiel und Anwendung. Als einst einem frommen Ritter, Hans von Bernhold, ein Töchterlein mit Namen Be ata Christian« getauft worden war, schloß der taufende Priester die Taufhandlung mit den Worten: „Gehe hin im Frieden, mein Kind! der Herr sei mit dir! Mögest du in Wahrheit eine Beata Christian« d. h. eine se- ligs Christin sein; möge dir Gott die Gnade verleihen, daß du die so eben erhaltene Taufgnade bis an's Ende treu bewahrest, und so Gottes Frieden in dir wohne, auf daß man von dir sagen könne: Lempör saäöin d. i. „allzeit dieselbe"! — Dieses wurde nun dem Töchterlein, als sie etliche Jahre alt war, von ihrer frommen Mutter erzählt; und nun nahm das gute Kind diese Worte stets zu ihrem Wahlspruch. Als sie später an den Hof kam und von den Schmeicheleien und Lockungen der Welt tausend Anfälle zu erfahren hatte, schrieb sie in ihr Gedenkbüchlein: „Allzeit dieselbe!" — In ihrem nachmaligen Ehestande bot immer ein Kreuz dem andern die Hand; Krankheiten und Todesfälle unter den Ihrigen wechselten beständig mit einander ab. Allein sie gedachte nur der Worte: „Allzeit dieselbe!" Und Ruhe und Frieden kehrte in ihr Herz zurück. — Als endlich ihr Sterbstündlein nahte, und ihr der gewisse Abschied aus der Welt angekündigt ward, da rief sie aus: „Ich bleibe bei meinem Spruch: Allzeit dieselbe!" — Und man setzte auf ihren Grabstein die 385 Am Feierabende schöne Inschrift: „Von der Taufe bis zum Tod — blieb sie treu stets ihrem Gott." — Möchte man auch von uns Allen dieses sagen können! Möchten auch wir von der Taufe bis zum Grabe immer dieselben bleiben! O wie ruhig dürften wir dann unsre Augen schließen! Legende: Der heilige Erzbischof Basilius, (f 379.) Auch die heil, katholische Kirche begeht heute das Fest eines Heiligen, von dem man sagen kann, daß er von der Taufe bis zum Grabe immer derselbe blieb, indem er das in der Taufe empfangene weiße Gewand der Unschuld und Reinigkeit stets treu bewahrte. Mit Recht dürfte man daher auch auf seinen Grabstein die Worte setzen: „Von der Taufe bis zum Tod war er treu stets seinem Gott." Es ist dieß der heilige Erzbischof Basilius. Ans einem angesehenen Geschlechts zu Cäsarea in Kappadocien entsprossen, gehörte er zu einer ganz aus Heiligen bestehenden Familie. Zuerst widmete er sich den schönen Wissenschaften, insbesonders der Beredsamkeit mit dem glänzendsten Erfolge. Doch bald faßte er, geleitet durch ernste Betrachtung der heiligen Schrift, den Entschluß, der Welt gänzlich zu entsagen, theilte seine Güter unter die Armen aus, und widmete sich dem Gebete, der Betrachtung und den Uebungen der Buße in stiller Abgeschiedenheit. Gesendet, um das Evangelium zu verkünden, führte er in Pontus und in Cäsarea die Irrenden durch die Kraft seiner Beredsamkeit zur Einheit der katholischen Kirche zurück. Im Jahre 370 wurde er zum Erzbischof in Cäsarea gewählt. Er vertheidigte standhaft den Glaubenssatz, daß der göttliche Sohn gleicher Natur und Wesenheit mit dem Vater sei. Durch seine Enthaltung und Selbstverläugnung, ein strenges Fasten und unab- Mchler, Hausbuch. des 15. Juni. lässiges Gebet, durchseine lilienreine Jungfräulichkeit, seine Liebe zur stillen Zurückgezogenheit, seinen Eifer für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen, durch seine Standhaftigkeit in Erduldung aller Leiden und Müh- sale um Jesu Christi willen, verbunden mit seiner feurigen Beredsamkeit, seiner tiefen Gelehrsamkeit und dem Neichthume seiner Schriften, hat er sich in der Kirche den Beinamen des Großen erworben. Mit den Worten: „Herr, in deine Hände gebe ich meine Seele zurück," verschied der Heilige im Jahre 379. Gebet. Gib, o Gott! daß wir das weiße Gewand der Unschuld und Reinigkeit, welches wir in der heil. Taufe empfangen haben, ebenso sorgfältig und unbefleckt bewahren, wie der heilige Erzbischof Basilius, und daß wir überall das Licht des guten Beispiels leuchten lassen, damit wir dir stets gefallen mögen, der du lebest und regirest in alle Ewigkeit. Amen. Hnndertsechsundsechzigstes Lesestück. Am Feierabende des 15. Juni. Bon der heiligen Firmung. Bedeutung und Wesen der heiligen Firmung. Fr. Was ist die Firmung? Antw. Sie ist ein Sakrament, in welchem der Getaufte durch Handauflegung, Salbung und Gebet des Bischofes vom heiligen Geiste gestärkt wird, damit er seinen Glauben standhaft bekenne und demselben getreu nachlebe. Belehrung. Das Wort „Firmung" heißt so viel als „Stärkung" (von dem lateinischen Worte lirmare, stärken); denn die Firmung stärkt uns zum treuen Bekenntnisse des christlichen Glaubens. — Die Firmung ist in Wahrheit ein Sakrament; denn es enthält alle Merkmale eines Sakramentes: 1) das äußere Zeichen, und zwar») die Materie, nämlich die Händeauflegung des Bischofs und d7e Salbung mit Chrisam. Schon die Apostel legten den Firmlingen die Hände auf (Apostelgesch. 8, 17.); aber auch die Salbung mit Chrisam wurde von jeher in der Kirche angewendet. Daher schreibt schon der heilige Paulus an die Corinthier (2. Cor. 1, 21.): „Gott ist es, der uns sammt euch in Christo befestiget, und der uns ges albet hat." — b) Die Form des Sakramentes der Firmung besteht in den Worten: „Ich bezeichne dich mit dem Zeichen des Kreuzes und stärke dich mit dem Chrisam des Heiles im 49 386 Drittes Hauptstück. Bedeutung und Wesen der heiligen Firmung. s' Namen des Vaters rc." 2) Dieses äußere Zeichen ist aber auch ein wirk- sames, kräftiges Zeichen; denn es bringt eine innere Wirkung hervor: Stärkung im Glaub en (hievon ausführlicher in der nächsten Lektion). Endlich ist die Firmung 3) auch von Jesus Christus eingesetzt. Fr. Woher wissen wir, daß Christus die Firmung eingesetzt habe? Antw. 1) Aus der heiligen Schrift und 2) aus der beständigen Lehre der Kirche. Fr. Was lehrt uns hierüber die heilige Schrift? Antw. Sie lehrt uns, daß schon die Apostel gesinnt, d. h. den Gläubigen die Hände aufgelegt und ihnen den heiligen Geist mitgeiheilt haben; unmöglich aber hätten die Apostel durch die Händeauflegung den heiligen Geist mittheilen können, wenn nicht Christus die Firmung angeordnet hätte, da nur Gott einem sichtbaren Zeichen, wie z. B. die Händeauflegung ist, die Kraft zutheilen kann, eine übernatürliche Wirkung (z. B. die Mittheilnng des heiligen Geistes) hervorzubringen. Belehrung und Beispiele. Schon die Apostel haben nach dem Zeugnisse der heiligen Schrift gefirmt, und zwar zu Antiochia und zu Ephesus. Hört, wie uns dieses in der Apostelgeschichte erzählt wird! Auf die Predigt des Diakons Philippus hatten viele Einwohner von Samaria das Wort Gottes (das Evangelium) angenommen und wurden von ihm getauft. „Als die Apostxl, die in Jerusalem waren, hörten, daß Samaria das Wort Gottes angenommen habe, sandten sie den Petrus und Johannes zu ihnen. Da diese gekommen waren, beteten sic für sie, daß sie den heiligen Geist empfangen möchten; denn er war noch über keinen derselben gekommen, sondern sie waren nur getauft im Namen des Herrn Jesu. Da legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den heiligen Geist." Ebenso heißt es von den zwölf Ephesern, die nur die Taufe des heiligen Johannes erhalten hatten: „Paulus ließ sie taufen, und da er ihnen die Hände auslegte, kam der heilige Geist über sie." Da ist nun offenbar von einem äußern Zeichen, dem Händeauflegen, die Rede, womit eine innere Gnade, die Ertheilung des heiligen Geistes, verbunden war, also von einem Sakramente, welches noch dazu deutlich von der Taufe unterschieden wird; — „sie waren nur im Namen Jesu getauft," heißt es, „nun aber empfingen sie den heiligen Geist;" eS wird also auch die Gnade, die sie schon in der Taufe erhalten hatten, wieder deutlich unterschieden. Sollte das eine bloße Ceremonie gewesen sein? Warum legte denn der Diakon Philippus den Samaritern die Hände nicht auf, er, der sich durch viele Zeichen und Wunder ausgezeichnet hatte? Warum müssen zu dieser Ceremonie eigens zwei Apostel nach Samaria kommen? Und warum gehen diese dahin? Um eine leere Ceremonie zu verrichten, wozu auch Philippus Ansehen genug gehabt hätte? Gewiß nicht. Ferner, woher wußten sie denn, daß sie diese Ceremonie verrichten müßten, und daß durch das Gebet und die Händeauflegung der heilige Geist über die Getauften kommen werde? Die heiligen Apostel mußten also dazu einen Auftrag von Jesus empfangen haben. Wir sehen sonach aus der heiligen Schrift, daß Christus die Firmung eingesetzt habe. Fr. Was lehrt in dieser Beziehung die katholische Kirche? Antw. Sie hat von jeher gelehrt, daß die Firmung ein Sakrament und also von Jesus Christus eingesetzt sei. Belehrung. Diese Lehre der Kirche finden wir durch alle Jahrhunderte ausgesprochen in den Zeugnissen der heiligen Väter, welche deutlich erklären, daß die Firmung stets in der Kirche für ein Sakrament angesehen und als solches verwaltet worden sei. So schreibt z. B. der heilige Augustin: „Der heilige Chrisam (d. i. die Firmung) ist in der Zahl der sichtbaren Zeichen (oder Sakramente) so heilig, als die Taufe." Daher hat auch der Kirchenrath von Trient über alle Jene den Kirchenbann ausgesprochen, welche sagen: „Die Firmung der Getauften sei eine unnütze Ceremonie und kein wahres und eigentliches Sakrament." Fr. Wurde denn auch schon in den ältesten Zeiten der Kirche gefirmt? Antw. Ja, wie die Apostel zu Samaria und Ephesus gefirmt haben, so firmten auch ihre Nachfolger, die Bischöfe, vom Anbeginne der Kirche bis auf den heutigen Tag. (Sieh das obige Bild!) Am Feierabende des 16. Juni. 387 Belehrung und Beispiele. Die Kirchengeschichte bezeugt cs deutlich, daß schon in den ältesten Zeiten die Bischöfe herumreisten, um den Getauften die Hände aufzulegen und den heiligen Geist über sie herabzurufen. — Der heilige Hieronymus gibt schon das Zeuguiß über den zu seiner Zeit herrschenden Gebrauch, daß die Bischöfe auf das Land reisten, um Jenen die Firmung zu ertheilen, welche von den Priestern und Diakonen getauft worden waren. „Dieß ist die Sitte der Kirche," schreibt er, „daß zu Denjenigen, die in kleinern entfernter» Städten durch die Priester und Diakonen getauft werden, der Bischof hinausgehe, um ihnen unter Anrufung des heiligen Geistes die Hände aufzulegen." — Beda erzählt von dem heiligen Cuthb ert, Bischof in England, daß er sein Bisthum durchreisend, den Getauften die Hände aufgelegt habe, um den heiligen Geist zu ertheilen. — Papst Gregor ermahnte deßhalb schon die Bischöfe, daß sie die entfernten Landkirchen besuchen sollten, um den Getauften das Siegel des Herrn mitzutheilen. Geht aus all diesen Zeugnissen und Beispielen nicht deutlich genug hervor, daß die Firmung jederzeit in der Kirche für ein Sakrament gehalten und als solches verwaltet worden sei? Legende: Die heiligen Märtyrer Vitus, Modestus und Crescentia (st um das Jahr 300.) MW« «« In der Lebens - und Leidensgeschichte dieser heiligen Märtyrer, deren Andenken wir heute begehen, zeigte es sich so recht deutlich, daß die heilige Firmung das Sakrament der Stärkung sei; denn ausgerüstet mit der Kraft dieses Sakramentes, bekannten sie standhaft und muthig ihren heiligen Glauben, trotzend allen Verfolgungen, allen Martern und Qualen. — Der heilige Vitus war zu Mazara in Sicilien von heidnischen vornehmen Eltern geboren. Seine Erziehung wurde zwei christlichen Personen, Modestus und Crescentia, anvertraut, die ihn schon in seiner Kindheit zur Erkennt« niß des einzig wahren Gottes und seines eingebornen Sohnes brachten. Nun war Nichts mehr im Stande, ihn vom wahren Glauben abznbringen. Den Verfolgungen seines Vaters entging er dadurch, daß er sich in Begleitung seiner Erzieher über das Meer auf jenes Vorgebirge begab, das noch heutzutage von ihm den Namen führt. Hier verkündete er die Lehre Jesu Christi, wurde aber alsbald mit seinen beiden Erziehern dem Kaiser Di ocleti an verrathen, welcher stein das Amphitheater führen und wilden Thieren vorwerfen ließ. Allein die wilden Thiere legten sich, wie Lämmer, zu den Füssen der Bekenner. Man tauchte sie daher in einen siedenden Kessel und brachte sie dann auf die Folterbank, wo man sie lange peinigte, bis sie unter Lobpreisungen Gottes ihren Geist aufgaben um das Jahr 300. Eine christliche Frau, Florentina, beerdigte ihre Leichen. Gebet. Herr, himmlischer Vater! du hast uns in deiner unendlichen Güte und Barmherzigkeit durch das heilige Sakrament der Firmung zum Kampfe gegen das Böse gestärkt; verleihe uns nun auf die Fürbitte der heiligen Märtyrer Vitus, Modestus und Crescentia, daß wir diesen Kamps auch siegreich bestehen — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Hundertsiebemmdsechzigsles Lesestück. Am Feierabende des 16. Juni. Die Wirkungen der heiligen Firmung. Fr. Was wirkt die Firmung? Antw. Sie wirkt 1) Vermehrung der heiligmachenden Gnade, 2) ertheilt sie uns eine besondere Kraft und Stärke zum Tugendkampfe und zum Bekenntniß unsers Glaubens, und 3) drückt sie uns ein unauslöschliches Merkmal ein. Fr. Jnwieferne wirkt die Firmung die Vermehrung der heiligmachenden Gnade in uns? Antw. Weil wir in derselben den heiligen Geist und mit ihm die Fülle der Gnaden selbst empfangen. Belehrung. Durch die Firmung wird in uns die heiligmachende Gnade vermehrt, ja, wir werden durch sie der ganzen Fülle der Gnaden theilhaftig, indem wir den heiligen Geist selbst empfangen, was die Apostelgeschichte 49* 388 Drittes Hauptstück. Die Wirkungen der heiligen Firmung. (8, 17.) deutlich ausspricht mit den Worten: „Die Apostel legten ihnen (den Getauften) die Hände auf, und sie empfingen den heiligen Geist." Daher schreibt der heilige Isidor: „Die Firmung ist gleichsam die Vollendung der Taufgnade, wodurch wir die Kraft des heiligen Geistes erhalten." Beispiel und Anwendung. In der Lebensgeschichte des heiligen Franz von Sales wird die Wahrheit, daß uns in der heiligen Firmung die Fülle des heiligen Geistes zu Theil wird, vollkommen bestätigt. Als nämlich dieser fromme Diener Gottes in seiner Jugend die heilige Firmung empfing, trat die so eben bezeichnete Wirkung recht lebhaft an ihm hervor. Er lag eben zu Anneci in Savoyen den Studien ob, als der Bischof die Spendung der Firmung in dieser Stadt vornehmen wollte. Durch anhaltendes Gebet , durch inbrünstiges Verlangen bereitete sich der fromme Jüngling auf das hohe Glück vor, das auch ihm zu Theil werden sollte. Und diese innige Frömmigkeit trat während der heiligen Handlung so lebhaft selbst in seinem Aeußern hervor, daß der Bischof sich später nicht enthalten konnte, vor mehreren Zuhörern die Behauptung auszusprechen, Franz von Sales werde das Wunder seines Jahrhunderts werden. Von jener Zeit an gab sich die Fülle des heiligen Geistes in dem frommen Jünglinge auf besondere Weise kund. Er war zum Manne geworden; das bewies sein ganzes Benehmen und namentlich die Ordnung, die von nun an in seinen Andachtsübungen herrschte. Für täglichen Kirchenbesuch, für geistliche Lesung und Betrachtung waren nun bestimmte Zeiten vorgeschrieben, und die Standhaftigkeit, mit der er alle diese Uebungen fortsetzte, brachte die erwähnte Vorher- sagung des Bischofs in Erfüllung. -— Auf gleiche Weise wird auch noch heut zu Tage allen Jenen, die die heilige Firmung würdig empfangen, die Fülle der Gnaden, die Fülle des heiligen Geistes zu Theil. Fr. Wozu werden wir in der heiligen Firmung gestärkt? Antw. Zum Kampfe gegen das Böse, zum Wachsthum im Guten und besonders zum treuen Bekenntniß unsers heiligen Glaubens. Belehrung. Dadurch, daß wir in der Firmung den heiligen Geist selbst empfangen, erhalten wir auch zugleich Kraft und Stärke, um unfern Glauben unerschütterlich treu zu bewahren und zu bekennen, um siegreich zu kämpfen gegen die drei mächtigen Feinde unsers Heiles: gegen den Satan, die Welt und das Fleisch, um in der Tugend und Vollkommenheit immer mehr zu wachsen. „Durch die Taufe werden wir Kinder Gottes, Gläubige," wieder heilige Isidor sagt, „ aber durch die Firmung werden wirStreiter Christi und Vertheidiger des göttlichen Glaubens." Und der heilige Petrus DamianuS schreibt: „In der Taufe wird uns der heilige Geist gegeben zur Tilgung der alten Sündenschuld, in der Firmung aber zur Abwehr neuer Sünden; dort werden wir rein und mackellos, hier muthig und thatkräftig." Beispiel und Anwendung. Diese Gnadenwirkungen der Firmung zeigten sich deutlich an den Aposteln, als am Pfingstfeste der heilige Geist über sie herabkam. Aus furchtsamen und unwissenden Menschen wurden sie auf einmal furchtlose, muthige und erleuchtete Kämpfer für Gottes Ehre und Christi Lehre. Sie fürchteten weder den Tod, noch die grausamsten Verfolgungen. Gleiche Wirkungen brachte die heilige Firmung auch bei den ersten Christen hervor, die mit 388 Am Feierabende unerschütterlichem Muthe die Lehre Christi bekannten" und treu nach den Vorschriften derselben lebten. — Gegen das Jahr 272 lebte zu Cäsarea in Palästina ein Kriegsmann, Namens Marinus, der sich nicht weniger durch seine Neichthümcr, als durch seine Frömmigkeit auszeichnete. Da er dem Range nach der Nächste war zu einer Hauptmannsstelle, meldete er sich zu derselben, als sie vakant geworden. Gleichzeitig trat ein Mitbewerber auf, welcher den Landesstatthalter, Namens Achäus, dadurch für sich zu gewinnen suchte, daß er vorgab, die römischen Gesetze verböten, den Marinus zu der Würde eines Hauptmannes im Heere zu erheben, weil er ein Christ und als solcher ein Feind des Kaisers sei. Alsbald ließ der Statthalter den Heiligen vor sich laden, welcher ungescheut seinen christlichen Glauben bekannte. Hierauf wurden ihm nur drei Stunden Zeit vergönnt, um sich über sein künftiges Schicksal zu besinnen, so daß er entweder sterben oder seiner Religion abschwören sollte. Kaum hatte Theoktenus, der Bischof von Cäsarea, diese Vorgänge erfahren, so ging er auf der Stelle zum Marinus. Er traf ihn, als er eben die Wohnung des Prätors verließ. Er redete ihn an und erinnerte ihn an das Sakrament der Stärke, das er empfangen. Dann ergriff er ihn bei der Hand und fragte ihn, mit der einen Hand auf Marinus Degen, mit der andern auf die heilige Schrift deutend, was von Beiden er wähle. (Sieh das vorstehende Bild!) Ohne sich zu besinnen, wies Marinus auf das heilige Buch und nahm es in die Hand. „So halte dich an den Herrn, deinen Gott," rief der Bischof, „und bete zu ihm! Seine Gnade wird dich stärken, und dir das geben, was du aus eigenem Willen dir erwählt hast. Gehe hin im Frieden!" Vor den Richterstuhl des Prätors gerufen, um sich über seine Wahl zu erklären, erschien Marinus mit Würde und Festigkeit. Sein Glaube ließ ihn nicht nur nicht im Stiche, sondern kräftigte ihn zum kühnen Bekenntniß des Namens und der Sache seines Heilandes. Gleich darauf wurde er zur Enthauptung verdammt, und das Urtheil aus der Stelle an ihm vollzogen. So mächtig, so unerschütterlich stark wurde St. MarinuS in seinem Glaubensbekenntnisse durch die heilige Firmung! Fr. Welche Wirkung bringt die heilige Firmung noch hervor? Antw. Sie drückt uns als Streitern Christi ein unauslöschliches geistiges Merkmal auf. Belehrung. Dieses spricht schon der heilige Paulus mit den Worten aus (2. Cor. 1, 21 — 22.): „Gott ist es, der uns sammt euch in Christo befestigt, und der uns gesal- bet, der uns auch das Siegel aufgedrückt und das Pfand des Geistes in unsere Herzen gegeben hat." Durch dieses Merkmal unterscheiden sich die Gefilmten von allen Denen, die noch nicht gefirmt sind, und werden dadurch ganz besonders als Streiter Christi bezeichnet. Dieses Merkmal ist unauslöschlich, d. h. der Gefilmte bleibt ein Kämpfer des 16. Juni. Christi, wenn er auch die Waffen nicht gebraucht; er ist dann ein unwürdiger und strafbarer, aber doch ein Kämpfer, den zwar nicht die Ehre des Sieges, aber desto mehr die Schande der Feigheit und gleichsam die Strafe eines Ausreißers trifft. Legende: Der heilige Bischof Benno (f 1106.) Ein treuer Kämpfer Christi, der stets das Siegel, d. i. das unauslöschliche Merkmal der heiligen Firmung auf der Stirne und das Pfand des heiligen Geistes im Herzen trug, und an dem sich die Wirkungen der heiligen Firmung durch's ganze Leben oft genug und aufs Wunderbarste bewiesen, ein solch treuer Kämpfer Christi begegnet uns gerade heute in der Geschichte der Heiligen; es ist dieß der heilige Bischof Benno. Aus einem adeligen Geschlechts zu Hildesheim in Sachsen geboren, wurde er schon im fünften Jahre dem Vorsteher eines Klosters zur religiösen und wissenschaftlichen Bildung übergeben. Als der Jüngling auf den Scheideweg kam, wo er sich einen Stand, d. h. einen Weg wählen sollte, um auf demselben dem Himmelreiche entgegen zu wandeln, bot ihm sein Vater, anstatt ihn auf die Wichtigkeit der Wahl, auf die Gefahren und Pflichten eines jeden Standes aufmerksam zu machen, sogleich ein Fräulein aus einem ansehnlichen Hause zur Ehe an, mit einem hinreichenden Gehalte, um mit ihr, bis er ein einträgliches Amt im Staate erhalten würde, leben zu können. Allein der Sohn, den ein tief religiöser Sinn weiser machte, als sein weltkluger Vater war, bat um Aufschub unter dem Vorwände, daß er noch zu jung sei; was sich der Vater indeß gefallen ließ. Bald darauf starb sein Vater, und die Mutter gestattete willig dem 390 Dritter Glaubensartikel. Wichtigkeit und Ausspender der heiligen Firmung. Sohne das Verlangen, auf dem geradesten Wege zur völligen Vereinigung mit Gott wandeln zu dürfen. Erzog mit achtzehn Jahren das Ordenskleid des heiligen Benediktus an, da die Liebe zu Jesus schon früher von seinem Herzen Besitz genommen hatte. Um sich in den Wissenschaften noch mehr zu vervollkommnen, ward er nach Paris geschickt, wo ihm die Doktorwürde zu Theil wurde. Seiner Kenntnisse und Gottseligkeit wegen wurde er bald nach seiner Rückkehr in's Kloster zum Abt desselben und im Jahre 1066 zum Bischöfe von Meißen ernannt. Als solcher predigte er auch den Wenden, die an der Elbe wohnten. Er errichtete und verbesserte Kirchen und den öffentlichen Gottesdienst, und führte einen neuen auf das Herz wirkenden Kirchengesang ein. Nachdem er vierzig Jahre Bischof war, starb er selig im Herrn im Jahre 1106. Gebet. O Gott, der du uns durch das ruhmvolle Bekenntniß des heiligen Bischofs Benno einen Schild und Wall verliehen hast, gib uns die Gnade, daß wir durch seine Nachahmung an Tugenden wachsen und uns seiner Fürbitte in allen Anliegen erfreuen, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Hundertachtundsechzigsles Lesestück. Am Feierabende des 17. Juni. Wichtigkeit und Ausspender der heiligen Firmung. Fr. Ist die Firmung zur Seligkeit so nothwen- dig, wie die Taufe? Antw. Keineswegs; allein sie ist sehr behilflich zur Seligkeit, und es wäre eine schwere Sünde, wenn man sie aus Nachlässigkeit nicht empfinge. Belehrung. Obschon die Firmung zur Seligkeit nicht unumgänglich nothwendig ist, so ist sie uns doch wenigstens im Geschäfte des Heiles sehr ersprießlich; denn Diejenigen, welche nur die Taufe empfangen haben, sind schwach, wie neugeborne Kinder; sie sind Soldaten ohne Waffen. Sie sind daher noch nicht fähig, den geistigen Kampf zu bestehen wider die Welt, das Fleisch und den Teufel. Man nehme die Firmung hinweg, und der Mensch ist gleichsam ein Blinder, der nicht weiß, wohin er geht, ein Kämpfer ohne Kraft, ein Krieger ohne Muth; mit Einem Worte: die Firmung macht den getauften Christen erst zu einem vollkommenen Christen. Da aber Gott von uns fordert, daß wir vollkommen werden sollen, so geht hieraus für uns Alle die Verbindlichkeit hervor, dieses Sakrament zu empfangen. Ach, wer kann bei den zahllosen Kämpfen und Versuchungen /M.'l WWW widerstehen und siegen, wenn er nicht die Kraft von Oben erhält durch die heilige Firmung? Der Nichtgefirmte wird hundertmal unterliegen da, wo der Gefirmte siegen wird. Mit Recht bemerkt daher der heilige VinzentiusFerrerius, daß der Antichrist am Ende der Zeiten Alles aufwenden werde, die Christen vom Empfange dieses Sakramentes abzuhalten; dadurch werde er bewirken, daß die Nichtgefirmten gar leicht vom Glauben abfallen, die Gefirmten aber demselben unerschütterlich treu bleiben. — Wer erkennt hieraus nicht die Wichtigkeit der Firmung? Beispiel und Anwendung. Ein Reisender hatte sehr gefährliche Wege zu passiren, wo sich Räuber und wilde Thiere aufhielten. Man machte ihn auf diese Gefahren aufmerksam und bot ihm die nöthigen Waffen an, um im Noth- falle sich gegen die Angriffe so gefährlicher Feinde schützen zu können. Allein er vertraute zu sehr auf seine eigene Kraft, schlug all die wohlmeinenden Warnungen und Mahnungen in den Wind und wollte von Waffen durchaus Nichts wissen. Er setzte seine Reise fort; aber kaum im nahegelegenen Wald angelangt, wurde er von Räubern angefallen, ausgeraubt und grausam um's Leben gebracht. So schwer mußte dieser unglückliche Wanderer seine Unklugheit büssen! — Würde nicht auch ein Christ ebenso unklug handeln, der auf seiner irdischen Wanderschaft den fortwährenden Gefahren und Versuchungen des bösen Feindes, der Welt und des Fleisches ausgesetzt ist, wenn er es versäumen würde, sich mit dem heiligen Sakramente der Firmung zu stärken und dadurch jene Waffen anzuziehen, die ihm gegen jene Feinde, jene wilden Bestien und Seelenräuber nöthig sind, welche die Pilgerreise durch das Leben so gefährlich machen? Fr. Ist es also strafwürdig, wenn man den Empfang der heiligen Firmung absichtlich versäumt? 3S1 Am Feierabende des 17. Juni. Anttv- Freilich wäre dieß sehr strafwürdig, weil man sich auf solche Weise vieler Gnaden beraubt. Belehrung und Beispiele. Mit dem Empfange dcr heiligen Firmung sind, wie wir im gestrigen Lesestück gesehen haben, große und wunderbare Wirkungen verbunden. Wie strafwürdig wäre es also nicht, wenn man den Empfang dieses heiligen Sakramentes absichtlich versäumen würde? Die Kirche des Alterthums erachtete es daher für eine strenge Pflicht, dieses Sakrament zn empfangen, und legte Eltern, die es versäumten, ihre Kinder firmen zu lassen, eine dreijährige Buße auf, eine Buße, welche nur für schwere Sünden angeordnet war. — Auch begegnet uns in der Kirchen- gcschichte ein Beispiel, aus dem wir ersehen können, welch schlimme Folgen die Vernachlässigung der heiligen Firmung mit sich bringen kann. Ein Mann, Namens Novati an, wurde während einer Krankheit, wo er in Todesgefahr war, getauft. Er vernachlässigte in der Folge den Empfang des Sakramentes der Firmung. Ein schwaches Kind im Glauben, ein Streiter ohne Waffen, wird er bald ein Spielball des Teufels. Von unwürdigen Beweggründen getrieben fand er Mittel, sich zum Priester weihen zu lassen. Er verursachte eine Spaltung, die in Ketzerei ausartete, und verwirrte lange Zeit die Kirche. Er starb eines elenden Todes, und die heiligen Väter sagen uns unbedenklich, daß er in alle diese Verbrechen deßhalb fiel, weil er den Empfang des Sakramentes der Erleuchtung und Stärkung vernachlässigte. Fr. Wie nennt man daher dieses heilige Sakrament wegen seiner hohen Bedeutung und Wichtigkeit noch? Antw. Das Sakrament der Vollendung, weil es den getauften Christen erst zu einem vollkommenen Christen macht, wie schon oben in der Belehrung erklärt worden ist. Fr- Was folgt hieraus? Antw. Es folgt hieraus, daß dieses Sakrament eigentlich nur von den Bischöfen ausgespendet werden kann, als den rechtmäßigen Nachfolgern der Apostel. (Sieh das vorstehende Bild!) Belehrung. Die Taufe kann im Nothfalle von Jedermann ertheilt werden, weil es das nothwendigste Sakrament ist; die Firmung aber, weil es das Sakrament der Vollendung ist, ertheilt nur der Bischof. Wir finden dieß durch jene bekannte Stelle aus der Apostelgeschichte (8. 14 ff.) bestätiget. Philippus, der Diakon, taufte zwar eine große Schaar von Männern und Frauen zu Samaria; allein firmen konnten nur die Apostel; und darum wurden zu dieser heiligen Handlung Petrus und Johannes dahin gesandt. Ebenso firmle zu Ephesus der heilige Apostel Paulus. — Nur Ausnahmsweise dürfen die Missionspriestcr, welche weit entfernt von einem Bischöfe das Evangelium predigen, mit specieller Erlaubniß des Papstes die Neugetauftcn firmen, damit diese mitten unter Heiden in Ermanglung der Firmgnade nicht etwa im Glauben wieder schwach werden und unterliegen möchten. Legende: Der heilige Ramuold, Abt zu St. Emmeram in Regensburg. (P 1001.) Ij», ^ Von der Wichtigkeit der heiligen Firmung überzeugt, bemühten sich von jeher alle frommen und heiligen Christen, dieses Sakrament der Stärke sobald als möglich zu empfangen. Unter diesen steht mit oben an der heilige Ramuold, dessen Andenken wir am heutigen Tage begehen. Er ward 901 in Franken von einem deutschen Rittergeschlechte geboren und widmete sich schon frühzeitig der Erlernung der geistlichen Wissenschaften. Als er sich in seinen Jünglingsjahren zu Trier durch das heilige Sakrament der Firmung gestärkt hatte, machte er große Fortschritte in der Tugend und Weisheit. Um das Jahr 930 trat er in das Kloster St. Maximin und erwarb sich daselbst durch seine De- muth und Gottseligkeit alsbald einen großen Namen. Deßhalb berief ihn der heilige Bischof Wolfgang im Jahre 975 nach Regensburg als Vorstand der Abtei St. Emmeram, welche damals eines eifrigen und einsichtsvollen Leiters bedurfte. Diese Eigenschaften besaß 3!»2 Drittes Hauptstück. Empfang der heiligen Firmung. Ramuold und brachte deßhalb reiche Früchte der Gottseligkeit hervor. Mit seiner einnehmenden Liebenswürdigkeit verband er eine uubegränzte Sorgfalt für die Armen und Kranken, zu deren Verpflegung er zwei Häuser baute, wo er sanfte und liebevolle Wärter anstellte und auch selbst die niedrigsten Dienste verrichtete. Aber auch im Leben dieses Heiligen blieben die Widerwärtigkeiten und Drangsale nicht aus. Zwei Jahre lang entbehrte er das Augenlicht und fiel noch überdieß in die Ungnade des Kaisers. Nichts aber war im Stande, den Muth und das Vertrauen Ramuold's zu beugen. Nachdem er ein hohes Alter erreicht hatte, empfing er im Jahre 1001 die Krone des ewigen Lebens. Gebet. Herr, himmlischer Vater! laß uns die hohe Wichtigkeit der heiligen Firmung erkennen, und die Gnadengaben, die du uns in derselben er- theilt hast, ebenso treu benützen, wie St. Ramuold, auf daß auch wir nach diesem Erdenleben die Krone der Vergeltung empfangen, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Hundertnemiundsechzigstes Lese stuck. Am Feierabende des 18. Juni. Empfang der heiligen Firmung. Fr. Wer kann die Firmung empfangen? Antw. Jeder getaufte Mensch. Belehrung. Nur der Getaufte ist dieses Sakramentes fähig; denn so wenig ein Künstler sein Bild auf das Wasser malen, so wenig ein Mensch, der nicht geboren ist, mit dem Schwerte sich umgürten kann, ebenso wenig kann ein Ungetanster gesinnt werden; und wenn er sich in die Reihe der Firmlinge einschliche, so wäre die Salbung mit Chrisam, welche die Hand des Bischofes ihm ertheilte, kein Sakrament. Am Pfingstfeste kam ja das Feuer des heiligen Geistes nur über die Jünger Jesu; über die Juden und Heiden, über die Ungetansten, obgleich sie in großen Schaaren herbciströmten, kam es nicht; denn wie gesagt, nur der Getaufte ist dieses Sakramentes fähig. Fr. Wann soll man die Firmung empfangen? Antw. Es ist rathsam, den Empfang dieses Sakramentes, wenn kein Nothfall eintritt, bis gegen das siebente Jahr oder nach der ersten heiligen Communion zu verschieben. Belehrung. Das bischöfliche Ordinariat Regensburg verordnet in dieser Beziehung (Verordnungsbl. 1659 Nro- VII. S. 56), wie folgt: „Dem Beispiele anderer Di'öcesen folgend, ist als Regel festzustellen, daß künftighin nur solche Kinder zur heiligen Firmung zugelassen werden, welche das eilfte Lebensjahr schon erreicht oder wenigstens das zehnte Jahr vollständig zurückgelegt haben. Nur im Falle von bedeutender Kränklichkeit oder bevorstehender Auswanderung, oder wo Gefahr vorhanden ist, daß wegen besonderer Umstände das Kind später die Firmung versäumen oder nur schwer eine Gelegenheit dazu finden könnte, bleibt es gestattet, Kinder auch vor dem zurückgelegten zehnten Lebensjahre zur heiligen Firmung zu bringen." — Diese Verordnung ist bestimmt nur aus den weisesten Gründen gegeben worden. Ich will hier besonders nur folgende vier angeben: 1) weil man mehr Ehrfurcht vor dem Sakramente selbst hat, wenn man es nach eigener Vorbereitung empfängt; 2) weil es mehr wirkt, wenn man sich sorgfältig darauf vorbereitet; 3) damit das Bekenntniß, welches in der Taufe 393 Am Feierabende durch Andere geschehen, jetzt in der Firmung durch Denjenigen selbst geschehe, dem das Sakrament der Firmung ertheilt wird; 4) um der Gefahr vorzubeugen, das Sakrament noch einmal und alsdann ungiltig zu empfangen, welche Gefahr nicht eintretcn kann, wenn der Firmling bei reiferm Alter mit Bewußtsein das Sakrament empfangen hat. Fr. Wie soll man die Firmung empfangen? Antw. Man soll 1) im Stande der Gnade sein und inbrünstig um die Gaben des heiligen Geistes bitten, 2) Gott versprechen, als ein guter Christ zu leben und zu sterben, 3) sich nicht entfernen, bevor der Bischof den Segen gegeben hat. Belehrung. Zum würdigen Empfang der Firmung ist nothwendig, daß der Firmling 1) im Stande der Gnade sei, da die Firmung ein Sakrament der Lebendigen ist, und man sonach das Leben der Seele schon haben muß, wenn man es mit Nutzen, d. h. zur Vermehrung der heiligmachenden Gnade oder des übernatürlichen Lebens empfangen will. Daher muß man sich zum Empfange der heiligen Firmung vorbereiten; man muß nämlich s) sein Gewissen von allen, wenigstens schweren Sünden reinigen durch das heilige Sakrament der Buße; b) muß man sich in den Grundwahrheiten des Glaubens, namentlich in Dem, was die Firmung angeht, wohl unterrichten lassen; weßhalb man, wie schon oben erklärt wurde, keine unmündigen Kinder „ohne rechtmäßige Ursache" zur heiligen Firmung zulassen darf; e) muß man, wie die Apostel zu Jerusalem (sieh das vorstehende Bild!), nach der Gnade des heiligen Geistes herzliches Verlangen tragen und deßhalb Gebete und gute Werke (Fasten, Almosen rc.) verrichten. — 2) Bei der Firmung selbst soll man inbrünstig um die Gaben des heiligen Geistes bitten und Gott versprechen, als ein guter Christ zu leben und zu sterben; auch soll man sich nicht entfernen, bevor der Bischof den Segen gegeben hat. In dieser letzteren Beziehung wurde auf der Synode zu Lüttich (1287) festgesetzt: „Die Firmlinge sollen ermahnt werden, daß sie zeitig zur Firmung kommen, so zwar, daß sie schon dem ersten Gebete beiwohnen und bis zum letzten Gebete, welches über die Gefirmten verrichtet wird, da bleiben." — 3) Nach der Firmung soll man, wie sich von selbst versteht, Gott demüthig für die empfangenen Gnaden danken und den Tag besonders gottselig zubringen; endlich soll man die Gnade des heiligen Geistes durch beharrlichen Kampf gegen die Feinde des Heiles und durch Eifer im Guten bewahren und vermehren, der Ermahnung des heiligen Paulus entsprechend, Metzler, Hausbuch. des 18. Juni. der da schreibt: «Wisset, daß ihr ein Tempel des heiligen Geistes seid, und Gott in euch wohne; traget und verherrlichet also Gott in euerm Leibe! Betrübet nicht den heiligen Geist, mit welchem ihr versiegelt seid auf den Tag der Erlösung; löschet den heiligen Geist nicht aus! .... Bewahret also das durch den heiligen Geist euch anvertraute Gut!" (1. Cor. 2 u. 3.) Beispiel und Anwendung. Ein gar schönes Beispiel in Bezug auf den würdigen Empfang der heiligen Firmung geben uns die Japanesen. Diese empfangen, wie uns der Jesuit Johannes Hejus erzählt, dieses Sakrament mit einer so frommen und andächtigen Gesinnung, daß ein Bischof von Japan sagte, er habe nie und bei keinem Christenvolke eine solche Liebe, Andacht und Verehrung gegen dieses heilige Sakrament angetrosfen, als wie bei den Japanesen. Darum darf es uns nicht wundern, daß die Gnade dieses Sakramentes auch in den Japanesen sich besonders wirksam zeigte und sie stärkte, auch in den grausamsten Verfolgungen standhaft zu bleiben. — Ach, mit wie vielem Mar- tyrerblute wurde der Acker des Herrn, den der heilige Franz Taver zuerst in Japan bebaut hatte, daselbst getränkt! Schon im Jahre 1590 wurden mehr als 20,000 Christen beiderlei Geschlechtes theils enthauptet, theils gekreuziget, theils lebendig verbrannt. — Ebenso wenig darf es uns aber auch wundern, daß in unfern Tagen der Glaube mancher Christen so schwach, so leicht verführbar, bei jeder Versuchung so nachgiebig ist, da mit so geringer Andacht die heilige Firmung oft empfangen und die darin empfangenen Gnaden so gering geschätzt werden. Legende: Die heiligen Märtyrer Markus und Marzellianus. (f 286.) 50 394 Drittes Hauptstück. Firmpathe und Firmname. Mit gleicher Standhaftigkeit, wie die gefirmten Japanesen, kämpften und starben auch schon im dritten Jahrhundert die beiden heiligen Brüder und Märtyrer Markus und Marzellianus, deren Fest auf den heutigen Tag fällt. Sie stammten aus einer der ersten Familien Roms; da sie sich aber zum Christenthum bekannten, so wurden sie unter Diocletian an den Füssen mit Nägeln durchbohrt und brachten hierauf Tag und Nacht unter den größten Martern mit beständigem Lobe Gottes zu, indem sie versicherten, daß sie niemals eine so köstliche Mahlzeit genossen hätten, als während sie mit Freuden diese Peinen für Christum erdulden mußten. Unter Lobgesängen gaben sie ihren Geist auf im Jahre 286. Gebet. O ihr heiligen und glorwürdigen Blutzeugen Jesu Christi, Markus und Marzellianus! möchte doch auch ich, der ich gestärkt bin durch die Gnadengaben des heiligen Geistes im Sakramente der Firmung, ebenso von heiliger Liebe entzündet sein, wie ihr, damit ich aus Liebe zu Christus alles Irdische verachte, und alle Unbilden und Beleidigungen der Welt geduldig ertrage, auf daß ich dann einst mit euch am Tische des himmlischen Königs die Seligkeiten des ewigen Lebens genießen möge! Amen. Himdertundsiebenzigstes Lesestück. Am Feierabende des 19. Juni. Firmpathe und Firmname. Fr. Warum sind auch bei der Firmung Pathen angeordnet? Antw. Damit sie die Firmlinge zur Firmung führen und ihnen nachher im geistlichen Kampfe mit Rath und That beistehen. (Sieh nachfolgendes Bild!) Belehrung. Die Firmpathe» haben eine doppelte Bestimmung: 1) bei der Firmung selbst führen sie den Firmling zur Firmung. Der Firmpathe stellt sich alsdann während der Firmung selbst hinter den Firmling und legt die rechte Hand auf die rechte Schulter desselben, zum Zeichen, daß er den Firmling im Kampfe des Lebens unter seinen Schutz und Schirm nehme. Nach der heiligen Salbung mußte er alsdann in früher» Zeiten die Stirne des Gefirmten mit einer leinenen Binde bedecken, auf daß der heilige Chrisam nicht ablaufen konnte. In neuerer Zeit aber trocknet man den heiligen Chrisam gleich nach der Firmung mit Baumwolle ab. 2) Hat der Firmpathe auch noch eine besondere Bestimmungfürdas Leben des Firnis lings: er soll nämlich der Beiständer des letzter» sein, um ihm beim Kampfe Muth ein- zuflössen, ein Zeuge, der ihn an seine Pflichten erinnert, ein Lehr und Fechtmeister, der ihm Unterricht gibt, wie er zur Zeit der Versuchung nach dem Helme des Heiles greifen und gesetzmäßig streiten soll. Daher werden auch vom Firm- pathen dieselben Eigenschaften erfordert, wie vom Taufpathen. Beispiel und Anwendung. Diese Pflichten des Firmpathen zeige ich dir, mein Christ! in einem kurzen Beispiel oder Gleichniß. Du hast wohl schon oft gesehen, daß ein neu geworbener Soldat einen im Kriege erfahrenen Mann an seiner Seite hat, der ihn die militärischen Uebungen lehrt, damit der Neuling einst gegen die Feinde sich vertheidigen könne. Ebenso hat der Pathe die Pflicht, den Gefirmten den geistlichen Streit zu lehren, oder wie der heilige Karl Borrom äus sagt: Er soll zum Führer dienen, daß der Gefirmte im geistigen täglichen Streite den Gegner besiege; er soll ihn in den Wegen des Heiles, in der Ausübung der christlichen Tugenden durch Beispiel und Ermahnung unterrichten; er soll ihn auf die Gefahren der Seele, auf die Hinterlist des Teufels, auf die Falschheit der Welt, auf die Täuschung der irdischen Freuden aufmerksam machen; er soll ihn vor Abwegen warnen, in der Verzagtheit ermuthigen, in Zweifeln ihm rathen, nach dem Falle ihn aufrichten. O daß doch alle Firmpathen diese großen und heiligen Verpflichtungen auch nach ihren Kräften treu erfüllen möchten! Fr. Welche Eigenschaften fordert daher die Kirche von den Firmpathen? Antw. Folgende: Der Firmpathe soll ein anderer fein, als der Taufpathe, er soll gleichen Geschlechtes mit dem Firmlinge, katholisch, schon gefirmt, eines unsträflichen Wandels und von einem solchen Alter sein, daß er seine Pflichten als Firmpathe erfüllen kann. Belehrung. Alle diese Eigenschaften sind in der Synode von Köln 1562 ausführlich angegeben. In Betreff der Firmpathen ist überdieß noch zu merken: 1) daß dieselben die geistlichen Eltern des Firmlings werden, weßhalb auch hier dieselbe geistliche Verwandtschaft und mithin dasselbe 395 Am Feierabende des 19. Juni. Ehehinderniß entsteht, wie bei der Taufe. Aus diesem Grunde kennen Eltern nicht Firmpathen ihrer Kinder sein. 2) Nach einer ausdrücklichen Verordnung des bischöflichen Ordinariates Negensburg (im obengenannten Verordnungsblatt) muß der Pathe um die ihm zngemuthete Pathenschaft wissen und dazu seine Einwilligung geben, „da ohne die Zustimmung des Betheiligten die Pathenschaft nicht eintritt, und somit in solchen Fällen die betreffenden Firmlinge, dem kirchlichen Gesetze zuwider, ohne Pathen gcfirmt würden. Erst nachdem der Pfarrer über die ausgesprochene Zustimmung des Pathen die nöthige Gewißheit erlangt hat, darf er in die etwaige Zulassung eines Stellvertreters willigen." Fr. Ist eS uothwendig, daß dem Firmling außer dem Taufnamen bei der Firmung auch noch ein anderer Name eines Heiligen beigelcgt werde? Antw. Nein, es ist durchaus nicht uothwendig; es kann jedoch neben dem Taufnamen, der an erster Stelle zu nennen ist, auch noch ein anderer Name beigefügt werden, falls Firmling oder Pathe es verlangen. Belehrung. Daß der Firmling bei der heiligen Firmung mit seinem Taufnamen genannt wird, dieß geschieht wahrscheinlich deßhalb, um ihn auf's Neue zu ermahnen, seinem heiligen Vorbilde nachzufolgen. Daß aber dem Taufnamen auch noch ein Firmname beigefügt werde, ist nicht uothwendig; auf Verlangen des Firmlings oder des Firm- pathens kann es jedoch geschehen. In altern Zeiten der Kirche erhielt hie und da der Firmling auch noch einen Firmnamen, d. h. den Namen eines Heiligen bei der Firmung, wenn nämlich der Taufname etwa ein unschicklicher oder unchristlicher war. Beispiel und Anwendung. Der Bischof will den Firmling dadurch, daß er ihn bei seinem Taufnamen nennt, auf's Neue ermuntern, seinem heiligen Vorbilde nachzufolgen. Dieser Aufforderung soll nun der Firmling auch treulich folgen; er soll es in dieser Beziehung machen, wie jener fromme Mönch, mit Namen Bonifacius, von dem uns der heilige Petrus Damiani Folgendes erzählt. Als dieser in der Ueberzeugung, daß es seine Schuldigkeit sei, in die Fußstapfen seines Namenspatrons einzutreten und dessen Tugenden nachzuahmen, eines TageS nachforschte, was für ein Heiliger Bonifacius gewesen, und als er erkannte, daß derselbe ein großer Blutzeuge war, der nicht allein Hab und Gut, sondern auch Leib und Leben zur Ehre Gottes und zum Bekenntnisse seines Glaubens heldenmüthig dargegeben, sprach er voll Rührung zu sich selbst: „Bisher ist mein Name Bonifacius nur ein leerer Schall gewesen. Ich lasse mich mit dem Namen eines Märtyrers nennen und habe mir noch nicht einmal die Tugend der Selbstverläugnung angeeignet. Bei Gott und meinem heiligen Namenspatron gelobe ich, entweder meinen Namen abzulegen, oder ein Märtyrer zu werden." — Wie gesagt, so gethan. Bonifacius verläßt die Welt, geht in ein Kloster, führt einen heiligen Lebenswandel und erhält von Gott die Gnade, mit der Martyrcrkrone geschmückt zu werden. Dieser Bonifacius hat also nicht vergebens den Namen des heiligen Märtyrers Bonifacius geführt. — So sollen alle Christen dem Heiligen Ehre machen, dessen Namen ihnen ihre Mutter, die heilige Kirche, in der Taufe oder auch in der Firmung beigelcgt hat. Sie sollen die Tugenden des Heiligen sich anzueignen trachten und bedenken, daß sie ebenso oft zur Nachfolge des Heiligen aufgemuntert und angctrieben werden, als man sie beim Namen nennt. Legende: Die heiligen Märtyrer Gervasius und Protasius. (ch im 1. Jahrhundert.) Auch in der Legende begegnen uns heute zwei Blutzeugen Christi, deren erhabenes Beispiel in Bezug auf Liebe gegen die Armen und in Bezug auf Glaubenstreue unsere Bewunderung und Nachahmung verdient. Diese zwei heiligen Blutzeugen heißen Gervasius und Protasius. Sie waren Söhne frommer Eltern, des heiligen Vitalis nämlich und der heiligen Valeria, welche gleichfalls ihr Leben für den Glauben hingegebcn hatten. In aller Gottesfurcht erzogen, wuchsen die beiden Brüder zu großen Dienern Gottes und zu treuen Bekennern ihres heiligen Glaubens heran. Sie schenkten ihr Vermögen den Armen, und ihren Dienern die Freiheit. Dadurch reizten sie den Haß der heidnischen Priester, welche es dahin brachten, daß sie aufgefordert wurden, den Götzen zu opfern. Allein sie widersetzten sich standhaft diesem Antrag und bluteten beide zu Mailand für die Wahrheit des christlichen Glaubens im ersten Jahrhundert. Gebet. Verleihe uns, o Gott! auf die Fürbitte der heiligen Märtyrer Gervasius und Protasi»,ie 50 * 396 Drittes Hauptstück. Die Ceremonien bei der heiligen Firmung. die Gnade, daß wir hienicden auf Erden das erhabene Tugendbeispiel deiner frommen und heiligen Diener, besonders aber derjenigen, deren Namen wir in der heiligen Taufe und Firmung empfangen haben, treulich nachahmen, um mit ihnen einst im Himmel an der ewigen Freude und Herrlichkeit Theil zu nehmen, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Hilnderteimmdsiebenzigstes Lesestück. Am Feierabende des 20. Juni. Die Ceremonien bei der heiligen Firmung. Fr. Wie wird die heilige Firmung ertheilt? Antw. Auf folgende Weise: 1) Der Bischof streckt die Hände über alle Firmlinge aus und ruft den heiligen Geist über sie herab; 2) dann legt er jedem insbesondere die Hand auf und salbt den Firmling mit Chrisam, indem er auf die Stirne des Firmlings das Zeichen des heiligen Kreuzes macht und spricht: „Ich bezeichne dich mit dem Zeichen des Kreuzes und stärke dich mit dem Chrisam des Heiles im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen." 3) Nach der Salbung gibt der Bischof dem Firmling einen gelinden Backenstreich, indem er spricht: „Der Friede sei mit dir!" Endlich 4) am Schlüße ertheilt der Bischof Allen insgesammt den heiligen Segen. Fr. Was bedeutet das Krenzzeichen, das der Bischof auf die Stirne des Firmlings macht? Antw. Es bedeutet die Pflicht, daß wir uns des Glaubens an den Gekreuzigten und des heiligen Krcnz- zeichens niemals schämen, sondern Jesum den Gekreuzigten frei und offen bekennen sollen. Belehrung und Beispiele. Die Stirne ist der Sitz der Scham und Freimütigkeit; denn jede Beschämung, aber auch die Unbefangenheit liest man dein Menschen von der Stirne und von dem Gesichte herab; die Stirne ist der Sitz der Offenheit; denn was auf der Stirne gezeichnet steht, ist für Jedermann klar und offen. Das Kreuz also, welches der Bischof auf unsere Stirne macht, bedeutet die .Iflicht, daß wir uns des heiligen Kreuzzeichens und des FirnubenS an Jesum den Gekreuzigten nicht schämen, sondern ihn frei vor der ganzen Welt bekennen sollen. (Sieh das obige Bild!) Daher schreibt der heilige Augustin: „Er- röthe nicht vor Scham über das Kreuz Christi! Darum hast du auf der Stirne, gleichsam auf dem Sitze der Scham das Zeichen des Kreuzes selbst empfangen. Betrachte deine Stirne, um nicht vor einer fremden Zunge dich zu fürchten!" Ohne Scheu müssen wir unfern heiligen Glauben an Jesus den Gekreuzigten bekennen, gleich dem heiligen Paulus, der in seinem Briefe an die Römer (1, 16.) schreibt: „Ich schäme mich des Evangeliums nicht, indem es eine Kraft Gottes ist zum Heile für Jeden, der daran glaubt." Fr. Was bedeutet der Chrisam, womit der Bischof die Stirne des Firmlings salbt? Antw. Der Chrisam bedeutet die Gaben des heiligen Geistes; er zeigt au, daß wir durch die Firmung die Gnade, die Stärke, die Fülle des heiligen Geistes erlangen. Belehrung. Wie treffend drückt der Chrisam die Gnaden und Wirkungen der heiligen Firmung aus! Er besteht aus Oel und Balsam, u) Das Oel gibt Stärke den matten Gliedern; — auch bei der Firmung wird der schwache Mensch im Glauben gestärkt. Mit Oel salbten sich die Kämpfer in alten Zeiten; — bei der Firmung wird der Mensch auch ein Kämpfer, er tritt ein in das große geistige Heer Jesu Christi. Das Oel, wenn es auf Stoffe fällt, läßt Spuren zurück, welche das Wasser nicht abwascht; — wie schön deutet es das geistige, unauslöschliche Merkmal an, welches der Seele des Gefilmten eingeprägt wird! — b) Der Balsam, der zweite Bestandtheil des Chrisams, hat einen eben so schönen Sinn. Er senkt sich mit Wasser vermengt immer auf den Boden, auf die unterste Stelle des Gefässes; der Christ soll ebenfalls vorzüglich mit der Waffe der Demuth kämpfen, nicht auf die eigene Klugheit und Kraft, sondern auf Den bauen, der die Schwachen stärkt. — Der Balsam schützt gegen Fäulniß, wcßhalb man die Leichen balsamirt; 307 Am Feierabende des 20. Juni. er zeigt daher an, daß der Gefirmte sich vor der Verwesung, vor der Sünde bewahren könne und solle. — Der Balsam haucht einen lieblichen Geruch aus; der Mensch, welcher der Gnade der Firmung treu bleibt, ist Gott gefällig, wie der Duft des beßten Weihrauches. (2. Cor. 2, 15.) Beispiel und Anwendung. Durch die heilige Firmung tritt der Mensch ein in das große, geistige Heer Jesu Christi. Der Firmling soll daher bei der heiligen Firmung den festen Entschluß fassen, von nun an nur unter der Fahne Christi zu kämpfen, und oft soll er sich im Leben an diesen heiligen Entschluß erinnern, auf daß er immer treu und muthig für seinen Glauben streite. Hören wir, was hierüber St. Hieronymus an seinen geliebten Freund Heliodorus schreibt: „In diesem Sakramente," spricht er zu ihm, „bist du ein Soldat Christi geworden. Was hast du bis auf diesen Tag gethan, um diesem deinen Stande zu entsprechen? Wo sind die Gräben, die du zum Nachtheile deiner Feinde gezogen hast? Wo sind die Wälle, die du, dich wider ihre Pfeile zu verwahren, aufgeworfen hast? Wie viele Winter bist du im Felde gestanden? Wo sind die Strapazen, die du geübt hast? Die schmetternde Kriegstrompete läßt sich vom Himmel aus hören. Der große König in seiner vollen Rüstung tritt hervor, die ganze Welt zum Kampfe aufzufordern. Sein zweischneidiges Schwert mähet Alles nieder, was ihm begegnet. Wie wirst du aus dem Orte deiner weichlichen Ruhe zum Streite auftreten? Wie wirst du dich aus dem Schatten in die Hitze des Treffens wagen? Wie wird dieser weichlich gekleidete Körper die Last des Panzers tragen können?" „Ach, meine Brüder!" ruft er alsdann aus, „erinnert euch, daß Jene, und nur Jene werden gekrönt werden, welche nach den Gesetzen des Evangeliums streiten! Gehet denn; kehret wieder in's Schlachtfeld zurück, worauf ihr schimpflich gefallen seid; bestreitet rechts und links alle Feinde euers Heiles; zeichnet euch durch Wunder der Tapferkeit aus, und ihr werdet den Preis davon tragen, der euch im Himmelreiche zugedacht ist!" — Möchten doch Alle, die durch das heilige Sakrament der Firmung unter die Kämpfer Christi ausgenommen worden sind, dieser Ermahnung des heiligen Hieronymus folgen, wohl bedenkend, daß sie durch die Salbung mit Chrisam zum muthigen Kampfe gestärkt worden sind! Fr. Warum gibt der Bischof dem Firmling nach der Salbung einen gelinden Backenstreich? Antw. Um ihn zu erinnern, daß er nun schuldig sei, um des Namens Jesu willen alle Arten von Unbilden geduldig zu ertragen. Belehrung. „Durch die Firmung wird der Christ ein Streiter Christi," sagt der heilige Carl Borromäus; „er wird dadurch dem christlichen Kriegsdienste einverleibt, in dem er nicht die Annehmlichkeiten und Bequemlichkeiten dieses Lebens, sondern vielmehr Ungemach suchen und Leiden geduldig ertragen muß; stets muß er in der Schlachtreihe stehen und der feindlichen Geschosse gewärtig sein. An diese Pflicht soll der Backenstreich den Firmling erinnern." Beispiel und Anwendung. Der Bote von Jericho erzählt uns folgenden schönen, für jeden Gefilmten höchst lehrreichen Zug. Ein großer Diener Gottes (den viele von uns kannten, als er noch unter uns pilgerte, und der vor wenig Jahren in die Freude seines Herrn ausgenommen ward,) erhielt einst in einer großen Stadt den Auftrag, Almosen für die Armen einzusammeln; was er auch mit seiner gewöhnlichen, jedoch seltenen Demuth und Nächstenliebe that. Da er nun in einen Gasthof kam, seine demüthige Bitte vorzutragen, und einem Tische sich näherte, die Gabe der Barmherzigkeit zu empfangen, ward einer der Gäste entrüstet, sing an, empörende Reden gegen den ehrwürdigen Stand des Einsammlers auszustoßen, und schlug und spie ihm endlich schamlos in's Gesicht. Der Gottesmann aber sprach, heiter wie ein Engel lächelnd: „Lieber Herr! Sie waren nun so gütig, mir zu geben, was mir gebührt, und ich danke Ihnen; bitte Sie aber auch nun um eine Gabe für die Armen." — Der Lästerer aber ward von dem Gewichte so großer Demuth zermalmt, blickte versteinert zu dem Bittenden auf, fand kaum Worte, ihn um Verzeihung zu bitten, und der Diener Gottes ging mit reichen Geschenken für seine Armen davon. — Von diesem edlen Manne sollen alle Firmlinge, ja alle Christen lernen, woran uns der in der Firmung erhaltene Backenstrcich erinnern, und wozu er uns ermuntern soll. — Märtyrer (f 538.) Auch die Kirche feiert heute das Andenken au einen großen und heiligen Diener Gottes, der es uns durch sein erhabenes Beispiel zeigt, wie wir im Kriegsdienste 398 Drittes Hauptstück. Bedeutung und Benennung des heiligsten Altarssakramentes. NIMM lilünüüHl! des Herrn alle mögliche Schmach und Verfolgung ertragen sollen. DerName dieses Heiligen istSilverius. Er war aus Kampanien gebürtig und folgte dem heiligen Agapitus im Jahre 536 auf dem päpstlichen Stuhle nach. Die Bosheit und Verleumdung seiner Feinde brachte es dahin, daß er in's Elend verwiesen wurde. Zwar wurde er nach erkannter Unschuld zurückberufen ; allein aufZuthun der Kaiserin Theodora wurde er auf der Insel Palmira zurückgehalteu, wo er wahrscheinlich des Hungertodes starb im Jahre 538. Gebet. Wir bitten dich, o Herr! laß uns die Pflicht, an die uns der Backenstreich in der heiligen Firmung erinnert, treuerfüllen; laß uns nicht die Annehmlichkeiten und Bequemlichkeiten dieses Lebens suchen, sondern vielmehr Ungemach und Leiden, die du uns schickest, ebenso geduldig und gottergeben ertragen, wie der heilige Papst und Märtyrer Silverius, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Hundertzweiundsiebenzigstes Lesestück. Am Feierabende des 21. Juni. Vom allerheiligsteu Altarssakrament. Bedeutung und Benennung dieses heiligen Sakramentes. Fr. Was ist das heiligste Altarssakrament? Antw. Das heiligste Sakrament des Altars ist der wahre Leib und das wahre Blut unsers Herrn Jesu Christi, der unter den Gestalten von Brod und Wein zur Nahrung unserer Seele wirklich und wesentlich gegenwärtig ist. Belehrung. Wir betrachten nun, mein lieber Leser! das erhabenste aller heiligen Sakramente, das Sakrament der Liebe; denn in diesem heiligen Sakramente gibt sich uns der göttliche Heiland selbst und zwar auf die wunderbarste Weise zur Nahrung unserer Seele hin. Sowohl aus der Gabe, als auch aus der Art und Weise, wie Er diese Gabe spendet, gibt sich also die unendliche Liebe Jesu gegen uns zu erkennen. Er offenbart uns diese seine Liebe 1) durch die Gabe, die er uns im heiligen Altarssakramente spendet. Denn in allen andern heiligen Sakramenten gibt er uns nur einzelne besondere Gnaden; im heiligen Altarssakramcnte aber gibt er Sich uns selbst, sein eigenes Fleisch und Blut, seinen Leib und seine Seele, seine Gottheit und Menschheit. O! wer kann diese Liebe erfassen? „Welcher Hirte hat je seine 1;." "i 7-'. '. ! ' -. > 7 .' Heerde so geliebt," ruft der heilige Chrysostomus aus, „daß er sie mit seinem eigenen Fleische und mit seinem Blute nähren wollte?" 2) Aber auch in der Art und Weise, wie sich Jesus im heiligsten Sakramente als Himmelsgabe für uns hingibt, zeigt sich seine unaussprechliche Liebe. -— Welcher Sterbliche könnte je Gottes Angesicht schauen? Er ist ja, wie der heilige Paulus (1. Tim. 6.) sagt, von einem so leuchtenden Lichte umgeben, daß es jedes Auge blendet. „Er bewohnt ein unzugängliches Licht; kein Mensch hat ihn noch gesehen, noch kann ihn je ein Mensch sehen." Was thut uun der göttliche Heiland, um uns seine Gegenwart möglich, seinen Anblick erträglich zu machen? Antwort. Er hüllt sich aus unendlicher Liebe und tiefster Demuth in die niederen Gestalten des Brodes und Weines ein, daß uns ja keine Furcht zurückschrecke, sondern daß wir vielmehr mit Vertrauen und Liebe zu ihm hingehen. Wer erkennt hierin nicht abermals seine unendliche Liebe! Beispiel und Anwendung. Wer hat je so geliebt, 399 Am Feierabende des 21. Juni. wer seine Liebe je so handgreiflich bewiesen» wie Jesus im heiligsten Altarssakramente, da Er sich selbst uns zur Speise gibt? Wenn je zwischen Freunden eine recht innige Liebe bestand, so war dieß ganz gewiß der Fall zwischen Jonathas, dem Sohne Sauls, und zwischen David. Die Schrift bezeugt von Jonathas, daß er den David wie seine Seele liebte. (1. Kön. 18, 3.) Und welchen Beweis seiner Liebe gab er demselben? Jonathas zog sogar seinen Rock ans, den er am Leibe trug, und gab ihn dem David. Auch seine übrigen Kleider gab er ihm; nur seinen Gürtel, sein Schwert und seinen Bogen behielt er zurück. Jonathas gab also dem David zum Zeichen seiner Liebe — nicht sich selbst, sondern nur sein Kleid, und dieses nicht ganz; und doch heißt es, daß er ihn wie seine eigene Seele geliebt habe, die durch innige Liebe fest an Davids Seele hing. Wie nun muß man sich ausdrücken, die Liebe des Erlösers gegen uns zu erklären, der nicht sein Kleid, sondern sich selbst, und zwar ohne Ausnahme, ohne Vorbehalt uns gegeben hat? Doch — es gibt keine Worte hiefür; eine solche Liebe kann nur bewundert, aber nicht zur Genüge erklärt werden. Fr. Welche Benennungen führt daher dieses Sakrament der Liebe? Antw. Es führt verschiedene Benennungen; es heißt: Sakrament des Altars, Eucharistie, das allerheiligste Sakrament, Fronleichnam unsers Herrn, Brod des Lebens, Himmelsbrod, Abendmal, Tisch des Herrn, Com- munion, Wegzehrung, das hochwürdigste Gut. Belehrung. Es heißt Sakrament des Altars, weil es auf dem Altäre vollbracht und aufbewahrt wird; Eucharistie, d. i. treffliche Gnade, weil es die kostbarste Gnade Gottes ist; das allerheiligste Sakrament, weil es den Allerheiligsten, Jesum selbst enthält; Fronleichnam unsers Herrn Jesu Christi, weil es den hochheiligen Leib unsers göttlichen Heilandes enthält; Brod des Lebens, Himmelsbrod, weil es das Leben der Seele nährt und erhält zum ewigen Leben, und weil es vom Himmel kam und zum Himmel führt; Abendmal, weil es der Herr beim letzten Abeudmale eingesetzt hat; Tisch des Herrn, weil uns der Herr Alle zu diesem Male einladet, uns Alle an seinen Tisch zieht; Communion d. i. Vereinigung, weil wir durch dieß Sakrament mit Christus vereinigt werden; Wegzehrung, weil es eine geistige Speise ist, die uns auf dem Wege zum Himmel stärkt; das hochwürdigste Gut, weil kein anderes Gut auf Erden so sehr unsere Liebe und Hingabe verdient. Fr. Findet sich beim heiligsten Altarssakramente auch Alles, was zu einem Sakramente erfordert wird? Antw. Ja; denn es ist vorhanden: 1) das sichtbare Zeichen, 2) die unsichtbare Gnade und 3) die Einsetzung durch Jesus Christus. Belehrung und biblische Erzählung. Bei dem heiligen Altarssakramente ist vorhanden: 1) das sichtbare Zeichen, und zwar die Materie: ungesäuertes Brod nämlich und Wein vom Weinstocke, und die Form, die Worte: „Das ist mein Leib," „Das ist mein Blut." 2) Die unsichtbare Gnade — Jesus Christus selbst, der Urheber und Spender aller Gnaden, und 3) die Einsetzung durch Jesus Christus. Der göttliche Heiland hat nämlich dieses heilige Sakrament eingesetzt beim letzten Abendmale, am Vorabende seines bittern Leidens. (Sieh das vorstehende Bild!) Die heilige Schrift erzählt uns dieß ungefähr mit folgenden Worten: „Als der göttliche Heiland vor seinem Leiden — nach der Vorschrift des Gesetzes mit seinen Aposteln das Osterlamm aß, nahm er das Brod in seine heiligen und ehrwürdigen Hände, erhob seine Augen gen Himmel zu Gott, seinem allmächtigen Vater, dankte ihm, segnete das Brod, und gab es seinen Jüngern mit den Worten: „Nehmet hin und esset; das ist mein Leib, welcher für euch hingegeben wird." Dann nahm er den Kelch mit Wein, dankte wieder, segnete und reichte ihn seinen Jüngern, indem er sprach: „Trinket Alle daraus; das ist mein Blut, das Blut des neuen Bundes, welches für euch und für Viele wird vergossen werden zur Vergebung der Sünden. So oft ihr Dieses thuet, so thuet es zu meinem Andenken." So setzte Jesus das heilige Abendmahl ein, in welchem er sich selbst den Seinen unter den Gestalten des Brodes und des Weines zur Nahrung der Seele wahrhaft hingibt. — Mit welch inniger Liebe sollen wir daher, so oft als möglich, dieses Himmelsbrod empfangen! Welch ein erhabenes und nachahmungswürdiges Beispiel begegnet uns da nicht gerade heute in der Lebensgeschichte der Heiligen? Es ist dieß der heilige Jüngling Aloysius, dessen Fest heute in der Kirche begangen wird, und der nicht satt wurde, recht oft am Tische des Herrn zu erscheinen und sich da mit dem Brode des Lebens zu erquicken und zu stärken. Legende: Der heilige Aloysius, das Muster der Unschuld, ('s 1591.) Dieser große Heilige, dieses Muster der Unschuld und Buße, wurde geboren am 9. März 1568 in Italien auf dem Schloße Kastiglione, wo sein Vater Fürst und Markgraf war. Seine fromme Mutter war bemüht, ihren Sohn Gott ganz zu widmen und flößte ihm frühe schon Liebe und Andacht zu unserm Heilande Jesus 400 Drittes Hauptstück. Die Glaubenslehre von der Gegenwart Jesu im heiligsten Altarssakrament. 24. Jahre seines Alters seine engelreine Seele in die Hände seines Schöpfers. Gebet. O Gott, du Ausspender himmlischer Gaben, der du in dem englischen Jüngling Aloysius mit einer bewunderungswürdigen Unschuld eine ebenso große Buße vereinigt hast, verleihe uns durch seine Verdienste und Fürbitte, daß wir, nachdem wir ihm in der Reinigkeit nicht gefolgt sind, ihn wenigstens in der Buße nachahmen, und uns auf unserer irdischen Pilgerreise recht oft stärken mit dem Brode des Lebens, mit dem wahren Fleisch und Blut deines göttlichen Sohnes, der mit dir lebt und regirt in Ewigkeit. Amen. Christus und zu dessen jungfräulichen Mutter ein. Aloysius benützte auch die gottseligen Unterweisungen und guten Beispiele derselben so, daß er schon im 4. Lebensjahre oft in einem Winkel knieend im Gebete gefunden wurde und mit 9 Jahren vor einem Bildnisse der seligsten Jungfrau Maria das Gelübde ewiger Reinigkeit ablegte. Er floh auch den Schatten einer Sünde, wohnte täglich der heiligen Messe bei, empfing, wie schon oben gesagt, wenigstens an jedem Sonn, und Festtage mit glühender Andacht die heilige Kommunion, fastete dreimal in der Woche, und stand um Mitternacht zum Gebete und zur Betrachtung himmlischer Dinge auf. Wenn sein Vater und andere hohe Personen bemüht waren, ihn von seiner Vorliebe zum geistlichen Stande abzubringen und ihm Geschmack für zeitliche Ehren und Freuden einzuflößen, so antwortete er immer: „Was nützt das zum ewigen Leben?" — Im 18. Jahre trat er mit Erlaubniß seines Vaters in den Jesuitenorden zu Rom, wo er bald durch Abtödtung, Demuth und Gehorsam allen Ordensbrüdern zum Muster diente. Der heilige Jüngling war bald reif für den Himmel; im Dienste der Pestkranken im Spitale zog er sich das Fieber zu, das nach dreimonatlichem Krankenlager seine Auflösung herbeiführte. Er gab am 21. Juni 1591 im Hundertdreimdsiebenzigstes Lesestück. Am Feierabende des 22. Juni. Die Glaubenslehre von der Gegenwart Jesu im heiligsten Altarssakrament. Fr. Was geschah mit dem Brod und Wein, als Jesus darüber die Worte sprach: „Das ist mein Leib," „das ist mein Blut?" Antw. Das Brod wurde in den wahren Leib, und der Wein in das wahre Blut Jesu Christi verwandelt; von Brod und Wein aber war Nichts mehr vorhanden, als nur deren Gestalten, d. h. Alles, was von Brod und Wein in die Sinne fällt, als Form, Farbe, Geschmack, Geruch u. s. w. Fr. Woher wissen wir dieses? Antw. 1) Aus den Worten Jesu, 2) aus der Lehre der Apostel und der Kirche, und 3) selbst die Vernunft bestätigt uns diese Wahrheit. Fr. Wie beweisen wir dieß 1) aus den Worten Jesu? Antw. Wir beweisen dieß aus den Worten Jesu, weil er schon früher seinen Jüngern verheißen hatte, daß er ihnen sein Fleisch wahrhaftig zu essen und sein Blut wahrhaftig zu trinken geben werde, und weil er dann beim Abendmale ausdrücklich erklärte, daß Das, was er ihnen nun als Speise und Trank darreiche, wirklich sein Leib und sein Blut sei. (Sieh das nachfolgende Bild!) Belehrung und Erzählung. Christus hat schon Am Feierabende des 22. Juni. 401 MMZÄ früher seinen Jüngern verheißen, daß er ihnen sein Fleisch wahrhaftig zu essen und sein Blut wahrhaftig zu trinken geben werde. — Es war um die Osterzeit, ein Jahr früher, als Jesus mit seinen Aposteln das letzte Abendmal hielt, da er mit 5 Broden und zwei Fischen 5000 Mann in der Wüste gesättigt hatte. Von diesem Wunder angezogen, kam des andern Tages wieder eine Menge Volkes bei Jesus zusammen; und als sie noch immer über das Wunder der Brodvermehrung staunten, redete der göttliche Heiland mit ihnen von einem noch weit kostbareren Brode, das er seinen Gläubigen zu essen geben wolle. „Das Brod, welches ich geben werde," sprach er (Joh. 6, 52 ff.), „ist mein Fleisch für das Leben der Welt." Da stritten die Juden unter einander und sprachen: „Wie kann uns dieser sein Fleisch zu essen geben?" Jesus aber sprach zu ihnen: „Wahrlich, wahrlich sage ich euch, wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht essen und sein Blut nicht trinken werdet, so werdet ihr das Leben nicht in euch haben. Denn mein Fleisch ist wahrhaftig eine Speise und mein Blut ist wahrhaftig ein Trank." — Christus erklärte dann späterhin beim Abendmale ausdrücklich, daß das, was er seinen Jüngern nun als Speise und Trank darreiche, wirklich sein Leib und sein Blut sei; denn er sagt ausdrücklich: „Dicß ist mein Leib;" dieß ist mein Blut." — „Wenn Jesus Christus selbst," also schreibt der heilige Cyrillus, „die Versicherung gibt, daß dieß sein Leib ist, wer möchte von nun an wagen, es zu bezweifeln? Wenn er sagt: „Dieß ist mein Blut," wer könnte Bedenken tragen, daß cs nicht so sei?" Mehler, Hausbuch. Beispiel und Anwendung. Christus selbst also hat es klar und deutlich ausgesprochen, daß er uns im heiligen Altarssakramente sein Fleisch und Blut zur Nahrung unserer Seele gebe; wer also daran noch zweifeln kann, den trifft mit Recht jener Vorwurf, den einst die heilige Franziska von Chantal gegen einen Irrgläubigen ausgesprochen. Diese Heilige war kaum fünf Jahre alt, als ein angesehener Herr reformirten Glaubens in ihrer Gegenwart es versuchte, den katholischen Lehrsatz von der wahrhaften Gegenwart Christi im allerheiligsten Sakramente des Altars auzufechten. Voll Eifers für die Wahrheit der katholischen Lehre nahm sie das Wort und sprach: „Sie glauben also nicht, daß Jesus Christus im allerhciligsten Sakramente des Altars gegenwärtig sei; und doch hat er es gesagt. Sie erklären ihn somit für einen Lügner. Wenn Sie es wagten, die Ehre des Königs anzulasten, so würde mein Vater dieselbe mit seinem letzten Blutstropfen vertheidigen und Sie wo möglich tödten. Was haben Sie einst von Gott zu erwarten, Sie, der Sie seinen Sohn einen Lügner heißen?" Der Calvinist, bestürzt über den Eifer, womit das Kind redete, schwieg und bemühte sich, durch kleine Geschenke seine junge Gegnerin zu besänftigen. Diese aber von glühendem Eifer für ihren Glauben beseelt, nimmt diese Geschenke und wirft sie in's Feuer mit den Worten: „So wird es allen Ketzern ergehen! Sie alle werden in der Hölle brennen, weil sie die Worte unsers Herrn Jesu Christi nicht geglaubt haben." Fr. Was lehren hierüber 2) die Apostel und die heilige katholische Kirche? AntW. Auch sie lehren, daß im heiligen Altars- sakrament der wahre Leib und das wahre Blut Jesu Christi unter den Gestalten des Brodes und Weines zugegen ist. Belehrung. Daß die Apostel Dieses glaubten und lehrten, ersehen wir deutlich aus den Worten des heiligen Paulus, der also schreibt (1. Cor. 10, 16.): „Der Kelch der Segnung, den wir segnen, ist er nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Und das Brod, das wir brechen, ist es nicht die Gemeinschaft des Leibes des Herrn?" — Dasselbe glaubte und lehrte von jeher auch die heilige katholische Kirche; wir sehen dieß aus ihren uralten gottesdienstlichen Gebeten und Gebräuchen, aus der ganzen Kirchengeschichte, aus den Aussprüchen der Concilien, sowie 402 Drittes Hauptstück. Die Glaubenslehre von der Gegenwart Jesu im heiligsten Altarssakrament. aus den zahlreichen Zeugnissen der heiligen Väter und kirchlichen Schriftsteller. So schreibt z. B. schon in den allerersten Zeiten der Kirche der heilige Bischof und Märtyrer Ignatius an die Gemeinde zu Smyrna von den Jrrlehrern: „ Sie entfernen sich von der Eucharistie (vom heiligen Altarssakrament), weil sie nicht bekennen, daß sie das Fleisch un- sers Erlösers Jesu Christi sei, das nämliche, das für unsere Sünden gelitten hat, und welches der Vater durch seine Güte auferweckte. Die dieser Gabe widersprechen, sterben in ihrem Widerspruche dahin und gehen ohne Hoffnung zu Grunde." Beispiel und Anwendung. Bedürfen wir wohl, meine christlichen Leser! noch eines weitern Beweises für die Gegenwart Jesu Christi ini heiligsten Altarssakramente, da die Apostel, da die heilige katholische Kirche, da alle frommen und heiligen Diener Gottes also geehrt und geglaubt haben und in diesem Glauben glücklich und selig waren? Möchten wir doch Alle in dieser Beziehung einen so lebendigen unv unerschütterlichen Glauben im Herzen tragen, wie der heilige Ludwig, König von Frankreich! Zu seiner Zeit zeigte sich Jesus Christus in einer Kirche zu Paris unter der Gestalt eines Kindes in der heiligen Hostie. Als man nun diesen heiligen König aufforderte, hinzugehen, um dieses Wunder zu betrachten und anznstaunen, gab er folgende von seinem großen Glauben Zeugniß gebende Antwort: „Mögen Jene, die an der Gegenwart Jesu Christi im heiligsten Sakramente zweifeln, hingehen, um dieses Wunder zu schauen! Was mich betrifft, so glaube ich so fest an die Gegenwart Jesu in diesem heiligen Geheimnisse, als wenn ich ihn mit eigenen Augen in der heiligen Hostie erblicken würde." Fr. Was muß endlich 3) selbst auch die Vernunft in Bezug auf diese Glaubenslehre anerkennen? Antw. Sie muß anerkennen, daß die Worte Jesu: „Das ist mein Leib," — „Das ist mein Blut" im wörtlichen Sinne verstanden werden müssen, und daß also der wahre Leib und das wahre Blut Jesu Christi im heiligen Altarssakramente unter den Gestalten des Brodes und Weines vorhanden sei. Belehrung. Ist Christus im heiligen Altarssakrament nicht gegenwärtig, dann lebt die katholische Christenheit seit Jahrhunderten im krassesten Götzendienste, und unsere Voreltern haben sich vom Götzendienste hinweg zu einem andern Götzendienste gewendet. Ist dieses denkbar? Im heiligen Altarssakramente wollte uns, wie schon oben gesagt wurde, der göttliche Heiland einen ganz besondern Beweis seiner göttlichen Liebe geben. Was wäre aber das für ein Beweis von Liebe, wenn wir im heiligen Altarssakramente nichts Anders hätten, als nur Brod und Wein? Und was soll der Genuß des bloßen Brodes für die Seele nützen, wenn es nicht das Fleisch und Blut Jesu ist zur Nahrung unsrer Seele? Bloßes Brod ist ja für die Seele, was eine hölzerne Speise für den Leib wäre. Beispiel und Anwendung. Dem launen- und possenhaften römischen Kaiser Heliogabalns gefiel es einstens, die vornehmsten Glieder des römischen Senates zu einem Gastmale einzuladen, zu welchem er die glänzendsten Anstalten getroffen zu haben schien; denn in den Speisesälen war Alles auf's Prunkvollste hergerichtet, die Sitze mit kostbaren Teppichen bedeckt, und die Tafeln mit goldenen und krystallenen Gefäßen beladen. Die Gäste in größter Anzahl halten ihre Plätze bereits eingenommen, und mit großem Pompe wurden die Gerichte aufgetragen; allein was auf den Schüsseln mit Gestalt und Duft und Farbe täuschte, war entweder aus Holz geschnitzt, oder aus Lehm und Salz und hundert andern ungenießbaren Dingen zusammengehäuft, geknetet und künstlich bemalt, so daß die schnöde und läppisch betrogenen Gäste hungriger fortgingen, als sie gekommen waren. —- Machen es nicht ebenso alle Diejenigen, die über das Abendmal Christi, über das königliche Gastmal der ewigen Liebe den Nebel ihrer seltsam erzwungenen, frostigen Ansichten verbreiten? Sie verwandeln den Tisch des Herrn in das Gastmal des Heliogabalus, und würdigen das Wesen und die Wahrheit zu einer hohlen Bedeutung herab. Allein keine Vcrnünftelei vermag etwas gegen den klaren, unverkennbaren Ausspruch Jesu Christi: „Das ist mein Leib," „das ist mein Blut!" Legende: Der heilige Paulinus, Bischof von Nola. (ch 431.) Wie oft mag sich wohl dieser heilige Bischof, dessen Fest wir heute feiern, gestärkt haben am himmlischen Gastmale des heiligen Altarssakramentes, fest überzengt 4S3 Am Feierabende des 23. Juni. von der Wahrheit der göttlichen Worte, daß man da den wahren Leib und das wahre Blut Jesu Christi empfange! >— Paulinus verband mit einer ausgezeichneten Geburt die herrlichsten Anlagen des Geistes und Herzens und zeichnete sich schon frühzeitig durch ausge- breitete Kenntnisse in verschiedenen Fächern der Wissenschaft aus. Die Nichtigkeit aller irdischen Dinge erkennend und veranlaßt durch die frommen Unterredungen, die er mit dem heiligen Ambrosius zu Mailand, sowie mit andern frommen und heiligen Männern hielt, theilte er alsbald sein großes Vermögen unter die Armen und begab sich in die Einsamkeit. So sehr er nun wünschte, abgeschieden zu leben, so wurde er doch als ein Helles Licht auf den Leuchter gestellt, indem man ihn zum Bischof von Nola erwählte, so sehr er sich auch dagegen sträuben mochte. Da nun vereinigte er Ernst mit väterlicher Milde und that sich durch Tugend und Frömmigkeit in einem so hohen Grade hervor, daß seine früheren Verfolger in kurzer Zeit seine Lobredner wurden. Hochgeehrt vor Gott und den Menschen endete der heilige Bischof Paulinus sein frommes Leben am 22. Juni 431. Gebet. Stärke uns, o Gott! durch das Fleisch und Blut deines göttlichen Sohnes im heiligsten Altars- sakramente, auf daß wir ebenso muthig und freudig, wie St. Paulinus, auf dem Wege zum Himmel wandeln und die ewige Seligkeit erlangen, durch ebendenselben Christum, unfern Herrn. Amen. Hmtdertviermidsiebenzigstes Lesestück. Am Feierabende des 23. Juni. Die Art und Weise der Gegenwart Jesu im heiligen Altars- sakramcnte. Fr. Wie ist Jesus im heiligen Altarssakramente zugegen? Antw. Jesus ist im heiligen Altarssakramente wahrhaft, wirklich und wesentlich unter den Gestalten des Brodes und Weines und zwar andauernd zugegen mit Leib und Seele, mit Gottheit und Menschheit, mit Fleisch und Blut. (Sich das nachfolgende Bild!) Fr. Was heißt das: Jesus ist wahrhaft, wirklich und wesentlich zugegen? Antw. Jesus ist im heiligen Altarssakramcnte 1) wahrhaft zugegen, d. h., nicht bloß in einem Sinnbilde, 2) wirklich, d. h. nicht bloß durch den Glauben, 3) wesentlich, d. h. nicht bloß durch seine Gnade, sondern MW ME Dlsk«MliIslUMWMWssslsMMMfll!!sMMMlsMM7MÜWWWMMMslMM.U'l mit Gottheit und Menschheit, mit Fleisch und Blut, mit Leib und Seele. Belehrung. Diese drei Ausdrücke hat die Kirche im Concil zu Trient gewählt, um dadurch die Irrlehre der Lutheraner und Reformirten zu widerlegen und zu verdammen. Nach der lutherischen Lehre ist nämlich der wahre Leib und das wahre Blut Jesu Christi in und unter dem Brod und Wein zugegen; es ist „Brod und Wein in Gottes Wort gefaßt und daran gebunden." Es ist dicß aber nur beim Gebrauche; außer dem Gebrauche oder Genüsse ist es für kein Sakrament zu achten.' Nach der Lehre Calvins bleibt Brod und Wein, was sie sind, und Derjenige, der glaubt, empfängt nur eine höhere göttliche Kraft; nach Zwingli's Lehre endlich bedeutet nur das Brod und der Wein den Leib und das Blut, ist es also nicht wirklich und wahrhaft, sondern nur sinnbildlich. Wie irrig sind aber diese Auslegungen! Wie kann denn das Brod ein Zeichen oder Sinnbild von^ einem menschlichen Leibe oder Fleische sein? Es ist ja gar keine Ähnlichkeit zwischen beiden vorhanden; das Brod kann nie Fleisch bedeuten. Wenn man ferner die Worte Jesu: „Dieß ist mein Leib," willkühr- lich mit: „Dieß bedeutet meinen Leib" erklären dürfte, 51* 404 Drittes Hauptstück. Die Art und Weise der Gegenwart Jesu im heiligen Altarssakramente. was könnte man da aus der heiligen Schrift nicht Alles herausbringen? So könnte man alsdann auch, z. B., mit den Läugnern der Gottheit Christi sagen, die Stellen: „Dieser ist der Sohn Gottes," „dieser ist mein geliebter Sohn," u. s. w., seien so zu verstehen, als wenn cs hieße: „Dieser bedeutet meinen geliebten Sohn," „Dieser stellt den Sohn Gottes vor." — Ebenso irrig ist es auch, wenn man behaupten wollte, daß JesuS erst beim Empfange gegenwärtig sei. Offenbar hätte dann Jesus sagen müssen: „Dieß wird mein Leib," (wenn ihr ihn nämlich empfanget). Die heilige katholische Kirche hingegen, geleitet vom Geiste Gottes, hat sich von jeher an den buchstäblichen Sinn der Worte Jesu gehalten: „Das ist mein Leib," wohl wissend, daß dieß das große und erhabene Vermächtniß des göttlichen Heilandes sei. Beispiel und Anwendung. Leonardo, ein got- tesfürchtiger, frommer Maler, gcrieth auf einer Kunstreise in die Gesellschaft akatholischer Männer, die sich über den blinden Glauben der Katholiken und insbesondere über die katholische Glaubenslehre von der Gegenwart Jesu im heiligsten Altarssakramente lustig machten. Man hielt eine wirkliche und wesentliche Gegenwart für ungeräumt. Der Eine, ein Reformirter, behauptete, daß Brod und Wein den Leib und das Blut Jesu nur bedeute; wieder ein Anderer, ein Lutheraner, gab vor, daß Brod und Wein der Leib und das Blut Jesu beim Genüsse werde, und außer dem Gebrauche oder Genüsse gar kein Sakrament sei. Da zeichnete Maler Leonardo ganz ruhig in einem kurzen, aber trefflichen Umrisse ein Bild. Man erblickte daraus Christum den Herrn und ihm zur Seite die beiden sogenannten Reformatoren Luther und Zwingli. Dem göttlichen Heilande legte er die Worte der Einsetzung in den Mund: „Dieß ist mein Leib;" den beiden Reformatoren hingegen die Worte ihrer Auslegung, nämlich Luthern die Worte: „Dieß wird mein Leib," und dem Zwingli die Worte: „Dieß bedeutet meinen Leib." — Unten stand die Frage: „Wer von diesen Dreien hat Recht?" Luther oder Zwingli, Menschen, die wie wir Alle so leicht dem Jrrthume unterworfen waren, oder Christus, die ewige Wahrheit und Weisheit?" — Nachdem die Zeichnung vollendet war, gab er sie den unfriedlichen Reisegefährten. Diese erkannten auf den ersten Blick die schlagende Wahrheit in diesem Bilde. Sie verstummten und sprachen nie mehr so lieblos über den Glauben der Katholiken. Fr. Was heißt das: Christus ist unter den Gestalten des Br ödes und Weines gegenwärtig? AntW. Das heißt: Er ist nicht im, nicht mit und nicht unter dem Brod und Wein zugegen, sondern unter den Gestalten des Brodes und Weines; die Substanz des Brodes und Weines hört ans, und es bleibt davon nur Das noch übrig, was in die Sinne fällt, d. i. Geruch, Farbe, Geschmack u. s. w. Belehrung. Im heiligen Altarssakramente ist Das, was vor der Consecration Brod und Wein war, nach vollbrachter Consecration wahrhaft und wesentlich der Leib und das Blut des Herrn; nur die Gestalten des Brodes und Weines bleiben noch übrig, d. i. Farbe, Geruch und Geschmack u. s. w. Dieß läßt sich wieder aus den Worten Jesu beweisen; denn er hat nicht gesagt: „Dieses Brod, oder hierin, hiebei, hierunter ist mein Leib," sondern, „Dieß ist mein Leib;" d. h., er hat erklärt, daß Dasjenige, was er in seinen Händen habe, kein Brod mehr sei, sondern sein Leib. Beispiel und Anwendung. Der ehrwürdige Rodri- guez hat diese Glaubenswahrheit durch folgendes Beispiel zu versinnlichen und zu erklären gesucht. „Für unser Auge," sagt er, „für unfern Tastsinn, für unfern Geschmack und Geruch scheint es wohl, daß noch Brod und Wein vorhanden sei; aber der Glaube sagt uns das Gegenthcil. Man kann behaupten, daß hier cinigermassen vorgehe, was dem Patriarchen Isaak begegnete. Sein jüngerer Sohn Jakob bedeckte sich die Hände mit Ziegcnfellen, um von dem Vater für Esau gehalten zu werden, der er nicht war, wodurch er die Erstgeburt und den Segen zu erlangen suchte. Die Stimme ist Jakobs Stimme, sagte Isaak, als er ihn berührte und betastete; aber die Hände sind Esaus Hände. Gerade so scheint Das, was wir in unserm Sakramente sehen, berühren und schmecken, Brod und Wein zu sein; die Stimme aber, welche der Glaube ist, kommt dem Mangel der Sinne zu Hilfe, wie die Kirche sagt; sie, die Stimme des Glaubens, überzeugt uns als von einer ganz gewissen Sache, sagt der heilige Cyrillus, daß das Brod, welches unfern Augen erscheint, kein Brod ist, obwohl es wie Brod schmeckt, sondern der Leib Jesu Christi; und daß der Wein, welcher sich unfern Augen zeigt, kein Wein ist, obwohl der Geschmacksinn ihn für Wein hält, sondern das Blut Jesu Christi." — Durch ein anderes Beispiel wird die Sache noch anschaulicher. Wie uns die heilige Schrift erzählt, ward die Frau des Loth in eine Salzsäule verwandelt. Gleichwie also in dieser Verwandlung die innerliche Wesenheit des Körpers verwandelt wurde, und die äußerliche Gestalt geblieben ist, so geschieht auch etwas Aehnliches in diesem erhabenen Geheimnisse. Denn es wird die innere Wesenheit des Brodes in den Leib Christi verwandelt, und zugleich bleibt die äußere Gestalt des Brodes dieselbe, wie früher. Dasselbe gilt vom Kelche. Es bleibt nämlich die Gestalt, der Geschmack, der Geruch des Weines, aber nicht seine Wesenheit; sondern unter der Gestalt des Weines ist das Blut und der ganze Christus gegenwärtig. Legende: Die heilige Edeltrudis, Jungfrau und Abtissin. (P 679.) Auf den heutigen Tag fällt das Fest der heiligen Jungfrau und Abtissin Edeltrudis, die es recht innig 405 Am Feierabende dcS 24. Juni. und lebendig fühlte, daß Jesus im heiligen Altarssakramente wahrhaft, wirklich und wesentlich zugegen sei; daher ging sie auch nach der Mette, die um Mitternacht gebetet wurde, nie mehr zu Bette, sondern blieb betend in der Kirche vor dem Tabernakel knieen bis zur Zeit, wo die Genossenschaft aufstand. — Diese Heilige war die Tochter des frommen Anna, Königs der Ostangeln, und der heiligen Hereswhda, die ihre Kinder mit aller Sorgfalt in der Gottesfurcht erzogen, so daß Vier- Töchter aus dieser frommen Familie unter der Zahl der Heiligen stehen. — Edeltrudis heirathete aus Zureden ihrer Eltern zuerst den Fürsten Tonbrecht und nach dessen Tod den König Egfried von Northumberland, lebte aber mit beiden in der Enthaltsamkeit und widmete ihre ganze Zeit den Religionsübungen nnd den Werken der Nächstenliebe. Mit Einwilligung ihres Gemahls trat sie endlich in das Kloster Elh, wo sie alsbald zur Abtissin ernannt wurde. Da nun fanden ihre Schwestern allzeit an ihr eine liebevolle Mutter, die ihnen in allen Tugenden als Muster vorleuchtete; besonders aber gab sie ihnen durch Uebung der freiwilligen Armuth und der Andacht das schönste Beispiel. Schmerzen nnd De- müthigungen waren für die heilige Ed eltrudis Gegenstände der Wonne; besonders aber bewährte sich ihre Geduld und Ergebung in ihrer letzten Krankheit, durch die sie am 23. Juni 679 in das ewige Vaterland versetzt wurde. Gebet. Wir glauben, o Herr! mit freudigen und dankbaren Herzen, daß du im heiligsten Altarssakramente wahrhaft, wirklich, wesentlich und andauernd unter den Gestalten des Brodes und Weines zugegen bist; verleihe uns nur auch die Gnade, daß wir jederzeit mit einer so innigen Andacht und Liebe vor deinem heiligen Tabernakel knieen und beten mögen, wie die heilige Edeltrudis, bis uns einst das Glück zu Thcil wird, dich ewig Preisen zu können im himmlischen Vaterlande. Amen. HundertfimsmidsiebeiiWstes Lesestück. Am Feierabende des 24. Juni. Fortdauer der Gegenwart Christi und Nntheilbarkeit desselben im heihigen Altarssakramente. Fr. Hat Christus auch seiuen Aposteln die Gewalt gegeben, Brod und Wein in sein heiliges Fleisch und Blut zu verwandeln? Antw. Ja, diese Gewalt hat er ihnen gegeben beim letzten Abendmale mit den Worten; „Thut dieses zu meinem Andenken!" (Sieh das nebenstehende Bild!) Von 406 Drittes Hauptstück. Fortdauer der Gegenwart Christi u. Untheilbarkeit desselben im heil. Altarssakramente. den Aposteln aber ist diese Gewalt auf die Bischöfe und Priester übergegangen, welche dieselbe in der heiligen Messe ausüben, indem sie über Brod und Wein die Worte sprechen: „Das ist mein Leib," „Das ist mein Blut." Fr. Äst also nach der Wandlung kein Brod und kein Wein mehr auf dem Altäre? Antw. Nein; es ist auf dem Altäre, wie schon gestern erklärt wurde, der wahre Leib und das wahre Blut Jesu Christi unter den Gestalten von Brod und Wein. Fr. Wie lange bleibt Christus mit Fleisch und Blut gegenwärtig? Antw. So lange, als die Gestalten vorhanden sind; darum haben wir oben gesagt: „Jesus Christus ist im, heiligen Altarssakramente andauernd zugegen." Belehrung. Christus ist nicht bloß beim Genüsse zugegen, sondern solange nach der Wandlung oder Consekration die Gestalten des Brodes und Weines vorhanden sind. Sobald Christus der Herr die Worte ausgesprochen hatte: „Dich ist mein Leib, Dieß ist mein Blut," so war auch schon der Leib und das Blut Christi gegenwärtig, auch ehe es die Apostel genossen; denn das Wörtlein „ist" bezeichnet die gegenwärtige, nicht aber die zukünftige Zeit. Christus hat nicht gesagt: „Dieß wird mein Leib sein, es wird mein Leib werden;" nein, sondern: „Dieß ist mein Leib," er ist es jetzt und wirklich, und bleibt so lange vorhanden, als die Gestalten vorhanden sind. — Solange der Sonne Gestalt am Himmel sichtbar ist, herrscht auf der Erde Licht und Wärme; sie verschwinden mit der äußern Gestalt der Sonne. So lange die Gestalten des Brodes und Weines nach der Consekration sichtbar sind, ist Jesus Christus im allerheiligsten Altarssakramente zugegen und verbreitet Licht und Wärme über alle Jene, die ihn gläubig anbeten und würdig empfangen. Beispiele und Anwendung. Die bleibende Gegenwart Jesu Christi im heiligen Altarssakramente wurde von jeher in der Kirche geglaubt. Schon der heilige Cyrillus von Alexandrien vertheidigt diesen Glauben, indem er schreibt: „Ich höre, daß Einige vorgeben: das Altarssakrament könne Denen, die es genießen, keine Heiligung erthei- len, wenn cs von einem Tage zum andern aufbewahrt wird. Das ist fürwahr eine .offenbare Thorheit; denn Jesus ist keiner ferneren Verwesung und sein heiliger Leib keiner solchen Veränderung fähig." Zeugniß ist ferner auch der beständige Glaube der Christen. So ist es z. B. schon nach der Schutzschrist des heiligen Justin gewiß, daß man das heilige Abendmal durch die Diakonen an Abwesende schickte; es wurde an Kranke gesendet. So war es zu den Zeiten der Verfolgung auch allen Gläubigen erlaubt, das heilige Abendmal mit auf Reisen und nach Hause zu nehmen, um auch außer dem Gottesdienste den Leib des Herrn an andern Tagen zu genießen und sich zur bevorstehenden Gefahr der Marter zu stärken. Beispiele sind: die heilige Märtyrin Domna und die heilige Jungfrau und Märtyrin Eudoxia. Daraus geht also deutlich hervor, daß schon die ersten Christen an die bleibende Gegenwart Jesu im heiligen Altarssakramente glaubten, so lange die äußeren Gestalten fort- dauern. Fr. Ist Jesus Christus unter jeder Gestalt und in jedem Theile der heiligen Hostie ganz und ungetheilt gegenwärtig? Antw. Ja, Christus ist unter jeder Gestalt, sowohl des Brodes, als des Weines, ganz und ungetheilt gegenwärtig, wie er ganz und ungetheilt im Himmel ist, und wenn der Priester die heilige Hostie bricht oder theilt, so bricht oder theilt er nur die Gestalten; der Leib Christi selbst ist in jedem Theile ganz und lebendig zugegen. Belehrung. Christus ist also 1) unter jeder Ge- stalt und 2) in jedem Theile der heiligen Hostie ganz und ungetheilt, mit Fleisch und Blut, mit Gottheit und Menschheit, mit Leib und Seele zugegen. Dieß erhellet aus der heiligen Schrift, weil Jesus Christus nicht einzeln jeden Th eil segnete, den er den Aposteln mittheilte, sondern die ganze Menge Brodes auf einmal, welches er dann unter die Apostel vertheilte. Noch deutlicher ist dieß beim Kelche ausgesprochen, da Christus, als er ihn seinen Jüngern gab, sagte: „Nehmet und theilet ihn unter euch!" (Luk. 22.) — Als die Jünger an der Möglichkeit dieser Sache zweifelten, fragte sie Christus: „Verstehet ihr es noch nicht? Denket ihr nicht an die fünf Brode für diefünf- tausend Mann? und an die sieben Brode für viertausend Mann?" (Matth. 16, 9.) Jawohl, wenn dem göttlichen Heiland diese wunderbare Brodvermehrung möglich war, warum sollte er nicht in jeder einzelnen Hostie, ja in jedem einzelnen Theilchen der heiligen Hostie zugegen sein können? Beispiel und Anwendung. Als Samonas, Bischof von Gaza, mit einer Caravane nach Palästina reiste, fragte ihn ein Saraccne, wie er sich denken könne, daß aus dem Brode der Leib und das Blut Jesu Christi werde. Der heilige Bischof antwortete ihm, daß Gott durch ein Wunder das wirken könne, was er täglich in der Ordnung der Natur Am Feierabende des 24. Juni. 407 wirkt. »Bei deiner Geburt," sprach der Bischof, „bist du auch nicht so groß gewesen, wie du jetzt bist; wer macht dich wachsen; wird nicht Das, was du gegessen hast, in deine Substanz verwandelt?" — „Aber," setzte der Muselmann bei, »wie ist es möglich, daß derselbe Leib Jesu Christi in allen euern Kirchen sei, und daß er nicht getheilt werde, wenn man die Hostie bricht?" — „Gott ist Nichts unmöglich," antwortete der Bischof, „und diese Antwort muß hinreichen; um dich aber zu überzeugen, daß es nicht unmöglich sei, so will ich dir dieses in Gleichnissen zeigen. Ist nicht dasselbe Bild, wenn man ein Spiegel-Glas zerbricht, in allen Stücken, und werden meine Worte nicht von jeder Person der Versammlung ganz verstanden? Ein Jeder hört davon nicht etwa ein Stückchen, sondern das ganze Wort. Und so empfängt man von dem Leibe Christi, wenn der Priester die heilige Hostie bricht oder theilt, nicht etwa ein Stückchen, sondern den ganzen Leib. Oder warum sollte beim göttlichen Worte, das da Fleisch geworden ist, nicht geschehen können, was schon bei dem Worte unsers Mundes geschieht? — Auch die Sonne am Himmel dient uns hier zum Gleichnisse. Du siehst, daß ein und dieselbe Sonne an mehreren Orten zugleich und dennoch überall ganz und ungelheilt zugegen ist; darf es dich also wundern, daß derselbe Christus, diese Sonne der Gerechtigkeit, in so vielen Hostien und an so vielen Orten zugleich und zwar ganz und ungethcilt gegenwärtig ist?" — Der Saracene war beschämt, und die anwesenden Christen wurden gar sehr erbaut und bestärkt in ihrem Glauben. Legende: Der heilige Johannes der Täufer. Ja wahrhaftig, im heiligen Altarssakramente ist jenes Lamm Gottes (sieh das Bild am Endel) gegenwärtig, von welchem schon der heilige Johannes der Täufer, dessen Fest heute in der Kirche feierlich begangen wird, gesagt hat: „Sehet das Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt!" — Durch die Geburt dieses heiligen Vorläufers Christi, dessen Vater Zacharias und dessen Mutter Elisabeth hieß, war die große Anstalt, welche der allbarmherzige Vater im Himmel zur Erlösung der Menschen beschlossen hatte, eröffnet. Alle guten Seelen freuten sich, den so lange mit heißem Verlangen erwarteten Zeitpunkt der nahen Ankunft des Messias erlebt zu haben. An dem aufwachsenden Knaben war es immer mehr sichtbar, daß er zu etwas Außerordentlichem bestimmt sein müsse. Als Jüngling blieb er von dem Geräusche der Welt abgesondert, in ruhiger Einsamkeit im väterlichen Hause, und die ersten Jahre seines männlichen Alters durchlebte er, ferne von dem Verderben der Welt, in einer stillen Wildniß, und bereitete sich durch strenge Enthaltsamkeit und stete Selbstüberwindung, durch Gebet und Betrachtung ans seinen großen Beruf vor. Als er 30 Jahre alt war, ging er aus der tiefen Wildniß hervor in die Gegend am Jordan, und verkündete den Inden laut und offen: „Das Reich Gottes, der Messias ist nahe!" Erhielt ihnen ihren verkehrten Sinn vor und foderte sie zur Bekehrung ans, außer welcher sie den Messias nicht würdig empfangen könnten. Sehr viele Menschen ans allen Gegenden und aus allen Ständen kamen zu Johannes in die Wüste, bekannten ihre Sünden und ließen sich taufen. Auch Jesus kam zu Johannes an den Jordan, um da durch die Taufe znm Erlöser der Sünder und zum Könige des göttlichen Reiches feierlich eingeweiht zu werden. Vom heiligen Geiste erleuchtet, erkannte Johannes in dem Herankommenden die göttliche Würde. Durch die Worte: „Sehet! dieser ist das Lamm Gottes" wollte er seinen Schülern und dem Volke zu verstehen geben, daß sie nun nicht mehr ihm, sondern Jesu Nachfolgen sollen, wie denn auch wirklich in dem Augenblicke zwei seiner Jünger ihn verließen und Jesu nachfolgten. Auf Befehl des Herodes wurde Johannes auf Verlangen der blutdürstigen Herodias im Kerker enthauptet. Gebet. Wir bitten dich, allmächtiger Gott! laß uns auf dem Wege des Heiles wandeln, die Ermahnungen des heiligen Johannes des Täufers befolgen und zn Dem gelangen, den er verkündet hat, und der beständig unter uns sichtbar weilt im heiligsten Altarssakramente, nämlich zu Jesus Christus, der mit dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit, zu Ewigkeit. Amen. 408 Drittes Hauptstück. Anbetung Jesu im heiligsten Altarssakramente und Beschaffenheit dieser Anbetung. Hmldertsechsundsiebenzigstes Lesestück. Am Feierabende des 25. Juni. Anbetung Jesu im heiligsten Altarssakramente und Beschaffenheit dieser Anbetung. Fr. Was fordert von uns die Gegenwart Jesu im heiligsten Altarssakramente? Antw. Daß wir ihn als unfern Herrn und Gott anbeten. Belehrung. Jesus Christus ist im heiligsten Altarssakrament, wie wir bewiesen haben, wahrhaft und wesentlich zugegen; Christus aber ist Gott, also müssen wir ihn auch anbeten; denn es steht geschrieben: „Du sollst Gott deinen Herrn anbeten." (Matth. 4, 10.) „Es sollen Ihn anbeten alle Engel Gottes." (Hebr. 1, 6.) — Er wurde schon von den Weisen als Kind in der Krippe angebetet (Matth. 14.), von den Aposteln auf dem Schiffe (Matth. 28, 17.), von dem Aussätzigen und Blindgeborncn auf öffentlicher Siraße; sollten wir nun den Herrn Himmels und der Erde nicht unter den Brodsgestalten anbeten, vor dem sich alle Kniee beugen im Himmel und auf Erden und unter der Erde? (Phil. 2, 7—11.) Beispiel und Anwendung. So oft der König Darius in den Krieg zog, führte er das Bildniß der Sonne auf einem kostbaren Wagen mit sich und ließ dasselbe öfter unter Paukenschlag dem Kriegsvolke zeigen, mit dem Befehle, daß ein Jeder auf seine Kniee fallen und dasselbe anbeten solle. Wenn jene Heiden dem geschnitzten Bilde der Sonne, welche sie unter die Zahl der Götter versetzt hatten, eine solche Ehre erwiesen, dann wird es sich gewiß für uns geziemen, daß wir vor dem heiligen Sakramente, welches ist der wahreLeib und das wahreBlut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, der Sonne der Gerechtigkeit, wie ihn der Apostel nennt, ehrerbietig und anbetend unsere Kniee beugen, so oft es zur Anbetung ausgestellt, oder von uns empfangen wird. Fr. Was sollen wir also thun, um Jesu im heiligen Altarssakramente die schuldige Anbetung darzubringen ? Antw. Wir sollen ihn recht oft und recht gerne besuchen. Belehrung und Beispiel. Alle frommen Diener Gottes jeden Standes und jeder Würde (sieh das obige Bild!) machten es sich von jeher zur heiligen und süßen Pflicht, ihren göttlichen Heiland im hochwürdigsten Gute, das bei uns im Tabernakel aufbewahrt wird, recht oft zu besuchen, und fanden Wonne und Seligkeit in seiner Nähe. Die heilige Magdalena von Pazzis eilte am frühen Morgen, zu Mittag und am späten Abende, und, wenn sie sonst während des Tages einen müssigen Augenblick fand, zu Jesus im heiligsten Sakramente, um ihn zu besuchen und anzubeten. Mit Eifer empfahl sie zugleich diese gesegnete Andacht allen ihren Freunden und Freundinen, indem sie sprach: „Ein Freund, der bei seinem Freunde wohnt, besucht denselben oftmals, wünscht ihm guten Morgen, guten Abend und gute Nacht; und er läßt auch keine Gelegenheit vorüber, wo er während des Tages mit ihm sich besprechen kann. Also besuche auch du den Herrn oftmals im allerheiligsten Sakramente, wenn deine Geschäfte es dir gestatten. Am Fusse des Altares wird zumal das innerliche Gebet gut betrieben. Opfere bei allen Besuchungen dem ewigen Vater oftmals das kostbare Blut seines eingebornen Sohnes; und du wirst bald empfinden, daß diese Besuchungen sehr geeignet sind, die Liebe in dir zu vermehren!" Fr. Wie sollen wir uns beim Besuche des heiligsten Altarssakramentes benehmen? Antw. Wir sollen daselbst erscheinen 1) voll äußerer und 2) voll innerer Ehrerbietung. Fr. Worin soll die äußere Ehrerbietung bestehen? 469 Am Feierabende des 25. Juni. Alltw. Darin, daß wir in tiefster Demuth auf unsere Kniee niederfallen und uns vor der unendlichen Majestät Gottes im Gefühle unserer Nichtigkeit dcmüthigen. Beispiel und Anwendung. Als einst Moses auf dem Berge Horeb die Schafe Jethros, seines Schwagers, weidete, erschien ihm der Herr in einer Feuerflamme mitten aus einem Dornbüsche, und er sah, daß der Dornbusch brenne und nicht verzehrt werde. Moses wollte hingeheu und diese große Erscheinung näher betrachten; der Herr aber sprach zu ihm: „Nahe dich nicht; löse deine Schuhe von deinen Fußen; denn der Ort, worauf du stehest, ist heiliges Land." (E;-od. 3, 5.) Hieraus wöget ihr ersehen, wie wir uns an dieser heiligen Stätte, wo Christus, der Sohn Gottes gegenwärtig ist, zu verhalten haben. Wenn Gott verlangte, daß Moses, bevor er den Ort, wo ihm der Herr in einem brennenden Dornbüsche erschien, betrete, seine Schuhe ablege, welche Ehrfurcht werden wir dann hier an den Tag legen müssen, wo Jesus Christus im heiligen Sakramente wahrhaft, wirklich und wesentlich gegenwärtig ist? In der That, es geziemt sich, daß wir jene vierundzwanzig Aelteste nachahmen, von welchen der heilige Johannes in seiner geheimen Offenbarung schreibt: „Sie fielen nieder vor Dem, der auf dem Throne saß, und beteten an Den, der da lebt in alle Ewigkeit, und legten ihre Kronen nieder vor dem Throne und sprachen: Würdig bist du, Herr, unser Gott, zu empfangen Preis und Ehre und Kraft; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen wurden sie und sind sie geschaffen." (Offenb. 4, 10. 11.) Fr. Wodurch sollen wir die innere Ehrerbietung an den Tag legen? Antw. Dadurch, daß wir Jesnm mit innigster Liebe und mit glühender Andacht im heiligsten Altarssakramente anbeten, indem wir uns hiebei mit frommen Betrachtungen und Gebeten beschäftigen. Beispiel und Anwendung. Von der heiligen Dienerin Gottes, Anna vom Kreuze, können wir es am Beßtcn lernen, wie wir voll innerer Ehrerbietung vor Jesu im heiligen Altarssakramente erscheinen, und womit wir uns daselbst beschäftigen sollen. — Diese Heilige war früher eine Gräfin von Feria; sie wurde mit 24 Jahren Wittwe und widersetzte sich jeder Theilnahme an einem zweiten Ehebündnisse. Sie sagte allem Glanze und allen Lüsten der Welt ein ewiges Lebewohl, und wurde eine Nonne der heiligen Klara. Sie ließ sich eine Zelle bauen, deren Fenster in die Kirche ging und gegen den Altar gerichtet war, auf dem das allerheiligste Sakrament stand; unter diesem Fenster und in dieser Anschauung brachte die andächtige Braut Christi alle ihre Zeit in Gegenwart ihres geliebten Herrn zu, von Dem sie sich nicht trennen konnte. Einmal wurde sie von einer hohen Frauensperson, die ihre Anverwandte war, gefragt, was sie thue, und was sie die ganze Zeit hindurch Mehler, Hausbuch. bete und denke, so lange sie vor dem Allerhciligstcn stehe, und wie sie sich so lange Zeit beschäftigen könne? Die Heilige antwortete: „ Ich würde gerne die ganze Ewigkeit da verweilen. Ist hier nicht unser guter Gott? O du erhabener, gütiger Gott! Und ihr fraget mich, was ich vor Ihm thue; und was ich da bete? Ich liebe Ihn; wer verdient unsere Liebe mehr, als Er? Ich lobpreise Ihn; und wem gebührt Ehre und Preis mehr, als Gott? Ich danke Ihm; von wem haben wir größere Wohlthaten empfangen, als von Gott? Ich opfere Ihm; wem sollen wir uns selbst und Alles, was wir haben und haben könnten, weihen, wenn nicht jenem Gott, von dem wir Alles empfangen haben? Ich bitte Ihn, wer kann uns größere Gnaden verleihen, als Er, der Urheber der Gnade, der Herr des Weltalls? Was thut ein Armer vor einem Reichen? Was thut ein Kranker vor einem Arzte? Was thut ein Dürstender, wenn er einer Quelle nahe ist? Was thut ein Hungriger, der bei der vollen, reichen Tafel sitzt?" >— So sprach jene große Dienerin Gottes; so müssen auch wir es machen; mit diesen und ähnlichen Empfindungen und Handlungen müssen wir uns beschäftigen und uns unterhalten, wenn wir das allerheiligste Sakrament des Altars in unser» Kirchen besuchen. Legende: Der heilige Prosper, Kirchenlehrer. (fl 463.) Im römischen Marthrologiumu. in der Legende liest man am heutigen Tage den Namen des heiligen Kirchenlehrers Prosper, der gleichfalls in Jesus, dem göttlichen Heilande, seine Ruhe und Freude fand. Dieser Heilige war um das Jahr 403 in Aquitanien geboren. Seine Schriften zeigen, daß er sich nicht minder auf die schönen Wissenschaften als auf die Schriftforsch- nng verlegte. Wegen der Reinheit seiner Sitten nennt ihn ein gleichzeitiger Schriftsteller einen heiligen und ehrwürdigen Mann. Nachdem er mehrere Jahre hindurch mit Muth und Gelehrsamkeit gegen die Irrlehre der Halbpelagianer in seinen Schriften aufgetreten war, wurde er im Jahre 440 vom heiligen Papst Leo 52 410 Drittes Hauptstück. Die Früchte oder der Nutzen des fleißigen Besuches des heil. Altarssakramentes. dem Großen nach Rom berufen, wo dieser ihn zu seinem Geheimschreiber machte und in den wichtigsten Angelegenheiten der Kirche gebrauchte. Prosper vernichtete auch die pelagianische Irrlehre; „seinem Eifer, seiner Wissenschaft und seinen unermüdeten Anstrengungen," sagt Phot ins, „hatte man die gänzliche Ausrottung dieser Ketzerei zu verdanken." — Dabei war er immer bemüht, die Wittwen und Waisen zu unterstützen und zu trösten; daher sah er getrost dem Tode entgegen und starb selig im Herrn um das Jahr 463. Gebet. Göttlicher Herr und Heiland, Jesus Christus! mit innigster Liebe und mit glühender Andacht beten wir dich an im heiligsten Altarssakramente; in tiefster Demuth fallen wir auf unsere Kniee nieder und demüthigen uns im Gefühle unserer Nichtigkeit vor deiner unendlichen Majestät. Blicke gnädig auf uns nieder und erfülle unsere Herzen mit dem Feuer deiner göttlichen Liebe, der du lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Hundertnndsiebemlndsiebenzigstes Lesestück. Am Feierabende des 26. Juni. Die Früchte oder der Nutzen des fleißigen und andächtigen Besuches des heiligen Altarssakramentes. Fr. Was soll uns ganz besonders zum fleißigen Besuche und zur frommen Anbetung des heiligsten Altarssakramentes ermuntern? Antw. Die Pflicht der Dankbarkeit und Liebe gegen Jesus, den Gott der Liebe, dann aber auch unser eigener Nutzen. Belehrung. Sollten wir Jesu, dem unendlich Liebevollen, der uns gerade durch die Einsetzung des heiligsten Altarssakramentes den sprechendsten Beweis seiner göttlichen Liebe gab, nicht von Herzen danken und ihm dadurch unsere Gegenliebe bezeigen, daß wir Ihm im heiligen Sakramente unser Herz zum Opfer bringen? Und wenn uns die Liebe Jesu nicht zum fleißigen und andächtigen Besuche des heiligen Altarssakramentes bewegen kann, so soll es doch unser eigener Vortheil thun, indem die Besuchung und fromme Anbetung des heiligsten Altarssakramentes eine reiche Quelle von Gnaden ist. Beispiel und Anwendung. Der ehrwürdige Balthasar Alvarez, Beichtvater der heiligen Theresia und ein großer Lehrer des innerlichen Lebens, pflegte sich zum Opfer der heiligen Messe mit großer Inbrunst vorzubereiten. Einst kniete er vor dem hochwürdigsten Gute in Anbetung und Betrachtung versenkt. Da zeigte sich plötzlich seinem Geiste in der geheiligten Hostie das Kindlein Jesus, welches die Arme gegen ihn ausgestreckt und seine Hände mit so vielen kostbaren Perlen und Edelsteinen überfüllt hatte, daß es dieselben kaum zu halten vermochte; und zugleich hörte Alvarez die Worte aus dem Munde Jesu: „Wenn nur Jemand wäre, der mir sie abnähme!" — Siehe, mein Christ! wie reich Jesus im heiligsten Sakramente des Altars an Gnaden, und wie er bereit ist, dir selbe zu spenden! Oeffne also dein Herz und nimm in Empfang, so viel du kannst! Fr. Welche Gnaden können wir vorzüglich durch fromme und gläubige Anbetung des heiligen Altarssakramentes erlangen? 411 Am Feierabende des 26. Juni. Antw. Die mannigfaltigsten Gnaden in Bezug auf unsere leibliche und geistliche Wohlfahrt; denn Jesus ist im heiligsten Altarssakrament Jenen, die ihn andächtig besuchen, ein Helfer in ihren Gefahren, ein Führer auf ihren Wegen, ein Rathgeber in ihren Zweifeln, eine Fackel in ihren Finsternissen, eine Stütze in ihren Schwachheiten, ein Tröster in ihren Leiden. (Sieh das voranstehende Bild!) Fr. Welche Gnaden werden uns also insbesonders zu Theil in Bezug auf unsere leibliche Wohlfahrt? Antw. Wir finden da Rath und Trost in aller Betrübuiß, Hilfe und Stärke in allen Gefahren und leiblichen Nöthen, auch oft in Krankheiten und leiblichen Schmerzen. Belehrung. Im heiligsten Altarssakramente hat der göttliche Heiland gleichsam seinen Gnadenthron aufgeschlagen; in allen unfern Anliegen und Nöthen dürfen wir uns ohne Furcht dem Himmelskönig im heiligen Sakramente nahen; seine Ohren sind stets bereit, uns zu hören, und seine Hände stets geöffnet, um uns mit der Fülle seiner göttlichen Huld und Liebe zu überschütten. Freudig ruft deßhalb die heilige Theresia aus: „Es ist nicht Jedermann erlaubt, mit dem Könige zu reden; höchstens kann man hoffen, ihm sein Begehren durch einen Dritten mitzu- theilen. Um aber mit Dir, o König der Glorie! zu reden; bedürfen wir keines Dritten; Du bist stets bereit, Allen im heiligsten Sakramente des Altars Gehör zu geben. Jeder, der nur will, findet Dich hier immer, und kann auf's Vertraulichste mit Dir reden. Und wenn man auch endlich Zutritt zu dem Könige erhält, welche Mühe kostet es nicht? Der König gibt nur selten im Jahre Audienz; aber mit Dir, o mein Gott! kann man in diesem Sakramente Tag und Nacht, so oft man nur will, reden." — Vertrauensvoll dürfen wir uns also diesem Gnadenthrone nahen; denn da finden wir Rath und Trost in jeder Betrübniß, Erquickung in Krankheit und Leiden, wie wir z. B. aus der Lebensgeschichte der heiligen Gorgonia, einer Schwester des heiligen Gregor von Naziauz, wissen, und überhaupt Hilfe und Stärke in allen Gefahren und leiblichen Nöthen. Beispiel und Anwendung. In der Lebensgeschichte der heiligen Klara lesen wir folgenden merkwürdigen Zug, der uns die Macht und Herrlichkeit des heiligsten Altarssakramentes und die wunderbare Hilfe, die uns oft durch dasselbe zu Theil werden kann, so recht deutlich beurkundet. — Kaiser Friedrich II. verheerte das Thal von Spoleto, welches dem heiligen Stuhle gehörte. Unter seinem Heere war eine große Zahl Sarazenen und anderer Ungläubigen. Von diesen Barbaren, Feinden der Kirche, ließ er 20,000 im Lande zurück. Sie belagerten unter andern Städten auch die Stadt Assisi. Allererst stürmten sie auf St. Damian los, welches Kloster außer den Stadtmauern lag. Schon hatten sie die Mauern des Klosters erstiegen. Klara, die Dienerin Gottes, ließ sich, und zugleich ein Gefäß, in welchem das heiligste Sakrament des Altars eingeschlossen war, zur Pforte tragen. Nachdem sie das Hochheilige dort aufgestellt hatte, betete sie, zur Erde geworfen, es an; unter einem Strome von Thränen flehte sie in diesen Worten: „Sollte es möglich sein, daß deine Mägde, die du hier versammelt und in deiner Liebe ernähret hast, in die Hände dieser Ungläubigen fallen? Uebergib, o Herr! die Seelen, welche dich bekennen, nicht den wilden Thieren, und bewahre deine Mägde, die du durch dein theuercs Blut erlöset hast!" Auf dieses ihr Gebet hörte sie die Stimme: „Ich will euch allezeit bewahren." Und wirklich nahmen die Feinde sogleich theils die Flucht, theils stürzten sie, vom Schwindel ergriffen, von den Mauern, die sie erstiegen hatten. — So gesegnet und wirksam ist die Andacht zum heiligsten Altarssakramente! Sollen wir also nicht in allen leiblichen Anliegen und Nöthen zu demselben unsere Zuflucht nehmen? Aber nicht minder wirksam ist diese Andacht auch in Bezug auf unsere geistliche Wohlfahrt. Fr. Welche Gnaden werden uns hiedurch zu Theil in Bezug ans unsere geistliche Wohlfahrt? Antw. Die wunderbarsten Gnaden; denn in Bezug auf unsere Seele finden wir im heiligsten Altarssakramente Stärke in Versuchungen, innere Wonne und Seligkeit, oft die Gnade der Bekehrung, immer aber Kraft und Stärke zu einem frommen, heiligen Leben. Belehrung und Beispiel. Der heilige Alphons Liguori schreibt: „Ich kann dich versichern, daß Christus einer Seele, die ein wenig versammelt vor dem allcrheilig- sten Sakramente verweilt, mehr Trost und Freude gewährt, als die ganze Welt mit all ihren Festen und Vergnügungen nur geben kann. Gehet also hin, kostet und sehet!" — Wer dieser Aufforderung folget, mein Christ! der wird gewiß im heiligsten Altarssakramente finden: Stärke in Versuchungen, innere Wonne und Seligkeit, gar oft die Gnade der Bekehrung, immer aber Kraft und Stärke zu einem frommen und heiligen Leben; denn die Erfahrung lehrt es zur Genüge, daß alle Jene, die Jesum im heiligsten Altarssakramente gerne besuchen und anbeten, jedesmal auch fromme Christen sind. — Vor einigen Jahren kam ein wackerer französischer Soldat mit seinem Regiments nach Orleans. Seit der Ankunft dieses Regiments bemerkte der Priester an der 52 * 412 Drittes Hauptstück. Beförderung der Andacht zum aUerheiligsten Altarssakramente. dortigen Cathedrale jeden Tag mit Bewunderung einen Militärsmann, der eine, zwei, oft drei Stunden lang unbeweglich, aufrecht wie eine Säule mitten in der Kirche vor dem Chorgitter sich aufhielt. — Eines Tages besuchte ein Hauptmann mit seiner Frau die Cathedrale. Der Pfarrer ließ ihn in die Sakristei treten, erzählte ihm die Sache und fügte bei: „Warten Sie einen Augenblick, er muß gleich kommen." ES schlägt 1 Uhr, und der Militärsmann begibt sich auf seinen Posten; der Hauptmann sieht ihn und ruft aus: „Aber das ist ja mein Vertrauenssoldat, ein trefflicher Kriegsmann und braver Bursche." Man läßt ihn kommen, und: „Was machst du denn hier?" fragte ihn sein Vorgesetzter. „Herr Hauptmann! ich stehe zwei Stunden Schildwache für den lieben Gott; sehen Sie, Herr Hauptmann! das ist mir ein angenehmer Dienst, das macht mir das Blut warm: es gibt überall Schildwachen, in Paris gibt es vier für den Herrn Präsidenten, der Herr General hier hat zwei, der Oberst hat eine Schildwache. Als ich hieher kam, sprach ich, zu mir: Der liebe Gott ist doch noch viel mehr als alle diese Leute, und hat keine Schildwache; nun denn, so will ich ihm Schildwache stehen, wenn ich freie Zeit habe, und ich versichere Sie, die Zeit wird mir nicht lang, weil ich ihn liebe, wie Sie ihn lieben, Herr Hauptmann!" In der That, der Hauptmann hatte das Glück, seinem Leben nach ein Christ zu sein. Der Hauptmann aber sprach kein Wort und lobte im Innern die Frömmigkeit des Soldaten. — Wahrlich, wer Jesum im heiligen Altarssakramente innig und aufrichtig liebt, der kann nur ein frommer Christ, ein treuer Kämpfer Christi, ein wahrer Jünger des Herrn sein, er mag was immer für einem Stande ange- hören. —> Zwei so treue Kämpfer Christi, zwei wahre Jünger des Herrn begegnen uns heute auch in der Legende: DieheiligenBrüderund Märtyrer Johannes und Paulus, (ch um 362.) Diese zwei Heiligen begleiteten in den Kriegsheeren Julian's des Abtrünnigen hohe Ehrenstellen. Sie erfochten einen zweifachen Sieg: über den lockenden Welt- ruhm und über die abschreckende Grausamkeit der Henker. Das Glück dieser Welt konnte sie nicht blenden, und die vorübergehenden Qualen schienen ihnen keiner Beachtung werth; denn sie verglichen dieselben mit der unermeßlichen Herrlichkeit des Himmels. Ihre Geduld war unerschütterlich; denn ihr lebhafter Glaube ließ sie in Gott einen unendlichen Vergelter schauen, der ihnen nach errungenem Siege die Krone der Unsterblichkeit aufseben werde. Sie starben freudig für Jesus um das Jahr 362. Gebet. Wir bitten dich, allmächtiger Gott, laß uns über die Verherrlichung der heiligen Marthrer Johannes undPaulus doppelt freuen, da sie Ein Glaube und Ein gleicher Martertod zu wahren Brüdern gemacht hat, und laß uns auf ihre Fürbitte hin jener Früchte und Gnaden theilhaftig werden, die aus dem heiligsten Altarssakramente in so reicher Fülle ausströmen, durch Christum unfern Herrn. Amen. Hmldertachtundjieüenzigstes Lesestück. Am Feierabende des 27. Juni. Die Anordnungen der Kirche zur Beförderung der Andacht zum allerheiligsten Altarssakramenie. Fr. Was thut die Kirche, um uns zum andächtigen und häufigen Besuche des heiligen Altarssakramentes einzuladen und zu ermuntern? Antw. Sie bewahrt erstens das Allerheiligste stets im Tabernakel und läßt daneben das sogenannte „ewige Licht" brennen. Belehrung und Erzählung. Schon von jeher wurde in der Kirche das Allerheiligste an einem geheiligten Orte (Tabernakel oder heiliges Gezelt genannt) aufbewahrt. Um nun den Gläubigen den Ort, an welchem Jesus, das Licht der Welt, auf eine geheimnißvolle Weise gegenwärtig ist, gleich auf den ersten Blick bemerklich zu machen und sie zur brennenden Andacht zum Allerheiligsten zu 413 Am Feierabende des 27. Juni. entzünden, brannte schon im 4. Jahrhundert eine beständige Lampe, das ewige Licht genannt, vor dem Tabernakel. In den unruhigen Zeiten der Verfolgung konnte dieser Gebrauch bei den meisten Kirchen wohl nicht stattstnden; aber in den Zeiten des Friedens war er allgemein eingeführt. Wir können schon aus dem vierten Jahrhundert die klarsten Zeugnisse dafür Vorbringen. Der heilige Paulinus erzählt nicht nur, daß in der Kirche des heiligen Felix zu Nola eine ewige Lampe aufgestellt war, sondern daß diese auch bei der Nacht, da die Kirche leer war, gebrannt habe. An den vornehmsten Festtagen wurden diese Lampen mit Balsamöl und andern wohlriechenden Oelgattungen gefüllt, wofür ein eigener Fond angewiesen war. Für die Lampe der St. Pauluskirche in Rom gab Gregor I. den ganzen Ertrag, welcher jährlich aus den öffentlichen Wassern (gquas sulvius genannt) gezogen wurde. Dieser Papst erzählt uns in dem ersten Buche seiner Dialogen folgende Begebenheit. Als an einem gewissen Tage zufällig kein Oel für die Lampe da war, füllte der Aufseher Con stanz die Lampe mit Wasser, setzte nach Gewohnheit Papiergarn in die Mitte, zündete es dann an, welches so gut wie Oel brannte. — Am Osterabend oder Charsamstag Pflegten diese Kirchenlampen ausgelöscht, mit ganz neuem Oel gefüllt, und nach Erzeugung des neuen Lichtes wieder angezündet zn werden. Fr. Wodurch will uns die Kirche noch weiter zur fleißigen Anbetung des heiligsten Altarssakramentes ermuntern ? Antw. Dadurch, daß sie das heiligste Altarssakrament oft zur Anbetung ans setzen läßt. (Sieh das obige Bild!) Belehrung und Erzählung. Dieses ist in sehr vielen Kirchen vorzugsweise am Donnerstag der Fall zur Erinnerung an die Einsetzung dieses heiligen Sakramentes, oder bei dem sogenannten „vierzig stündigen Gebete." — Die Geschichte sagt uns in Betreff dieser vierzig stündigen Anbetung, daß dieselbe zuerst, jedoch ohne Aussetzung des Allerheiligsten, von einem Mailänder Kapuziner, mit Namen P. Joseph, im Jahre 1556 zum Andenken an die 40 Stunden, während welcher Christus im Grabe lag, eingeführt worden sei. Nicht viel später (1560) hieß Papst Pius IV. gut, daß eine Bruderschaft in Nom eine vierzigstündige Andacht zum Andenken an die bierzigtägige Fasten Christi hielt; aber auch hier ist noch von einer Aussetzung des Allerheiligsten keine Rede. Mit vierzigstündiger Aussetzung des Hochwürdigsten wurde diese Andacht erst gegen Ende des sechszehnten Jahrhunderts üblich. Es scheint, daß ursprünglich die 40 Gebetstunden unmittelbar, also auch die Nacht hindurch auf einander folgten. Auf diese Art z. B. wurde die vierzigstündige Anbetung in vielen Orten des Erzbisthums von Bologna gefeiert zur Zeit, als der nachherige Papst Benedict XIV. dort noch Erzbischof war. Da aber die Fortsetzung der Andacht auch die Nacht hindurch manche Aergernisse zur Folge hatte, und überhaupt bei dem Leichtsinne der Menschen bedenklich schien, so suchte man die 40 Stunden der Anbetung dadurch zu erzielen, daß man das Hochwürdigste drei bis vier Tage nach einander aussetzte, wie es gegenwärtig fast überall gebräuchlich ist. Beispiel und Anwendung. Mit heiliger Freude und mit inniger Andacht sollten wir an diesem 40stündigen Gebete Theil nehmen! Ach, wie oft steht Jesus da im heiligsten Sakramente ganz allein und ganz verlassen! Wir sollten das schöne Beispiel des seligen Joseph Labre bewundern und, soweit es unsere Verhältnisse möglich machen, auch treulich nachzuahmen suchen. Dieser eifrige Diener Gottes ward zu Nom allgemein der vierzigstündige Arme genannt, weil er die meiste Zeit des Tages in den Kirchen zubrachte, wo das heiligste Altarssakrament ausge- 414 Drittes Hauptstück. Beförderung der Andacht zum allerheiligsten Altarssakramente." setzt war, und das vierzigstündige Gebet gehalten wurde. Es schien, daß er die ganze Zeit, wo er daselbst nicht das kirchliche Stundengeber hielt oder andere mündliche Gebete verrichtete, in Entzückung war. Alle, die ihn sahen, hielten ihn für einen großen Heiligen. Fr. Wodurch sucht die Kirche noch ferner unsere Andacht zum heiligsten Altarssakramcnte zu beleben? Antw. Dadurch, daß sie das Allerheiligste häufig in feierlicher Procession herumtragen läßt, in feierlichster Weise aber am Fronleichnamsfeste. Belehrung und Erzählung. Die Kirche wollte das heiligste Altarssakrament nicht nur in allen Gotteshäusern als einen Gnadenschatz und als ein Denkmal der ewigen Liebe aufbewahren, sondern sie ordnete auch an, daß dasselbe oft in feierlichen Prozessionen herumgetragen werden solle, wie dieß z. B. bei den Donnerstagsämtern, an den Titularfesten der Bruderschaften, an den Dankfesten u. s. w. gar häufig der Fall ist. Ja, es wird zur vorzüglichen Anbetung und Verherrlichung des heiligsten Altarssakramentes sogar alle Jahre ein eigenes Fest gefeiert, das Fronleichnamsfest, an welchem Jesus im heiligsten Altarssakramcnte in feierlichster Prozession durch die geschmückten Strassen und Gassen der Städte, Märkte und Dörfer getragen und von Millionen hochgelobt und gebenedeit wird. Die Veranlassung hiezu war folgende. Robert, Bischof von Lüttich, wurde nämlich durch die Bitten einer frommen Klosterfrau dortselbst veranlaßt, die Einsetzung des heiligen Abendmals auf eine außerordentliche Weise, durch die feierliche Herumtragung des hochwürdigsten Gutes, zu verherrlichen; doch ehe er noch die Prozession halten konnte, ging er mit Tod ab. Sein Nachfolger, Kardinal Hugo, hielt aber die Prozession wirklich mit einer Pracht, welche den tiefsten Eindruck auf die Gemüther der Anwesenden machte. Von diesem guten Erfolge war Jakob Pontaleo, ein Erzdiakon, Zeuge, und als er nach einigen Jahren unter dem Namen Urban IV. den päpstlichen Thron bestiegen, hielt er selbst zu Or- vieto am 19. Juni 1264 eine prachtvolle Prozession mit dem hochwürdigsten Gute. Von dem guten Erfolge dieser öffentlichen Verherrlichung des heiligen Altarssakramcntes überzeugt, feierte sie Clemens V. auch in Rom im Jahre 1311, und 1315 wurde diese Prozession von Johannes XX. in der ganzen Christenheit eingeführt. Von dort an wurde die Aussetzung des heiligen Altarssakramentes, erst verschlossen in einem goldenen oder elfenbeinernen Gefässe, und dann auch sichtbar zwischen Glas oder Krhstall, immer gewöhnlicher; so auch die Bittgänge mit demselben, besonders in allgemeinen Anliegen. Fr. Was geschieht endlich noch oft in der Kirche, um den Gläubigen Gelegenheit zn geben, ihre Andacht und Ehrerbietung gegen das allerheiligste Sakrament des Altars beweisen zu können? Antw. Es wird das Allerheiligste oft in würdiger und feierlicher Weise zu den Kranken gebracht. Belehrung und Beispiel. Wir sollen auch diese weise Einrichtung und Anordnung der Kirche, wo selbe bebesteht, sorgfältig benützen, indem wir, so oft es uns möglich ist, das Allerheiligste mit Andacht zu den Kranken begleiten und hiebei für das leibliche und geistige Wohl des Kranken zu Gott beten. — Eine besonders zarte Andacht dieser Art legte Theodosius II., Herzog von Brianyon, an den Tag. So oft nämlich das Allerheiligste zu einem Kranken getragen wurde, und mochte es auch mitten in der Nacht sein, unterbrach er sogleich auf das gegebene Glockenzeichen seinen Schlaf und eilte mit einer großen Lampe oder Fackel zur Anbetung und Begleitung des Allerheiligsten herbei. Auch seine Dienerschaft mußte es mit brennenden Kerzen begleiten. „Besonders zur Nachtszeit," pflegte er zu sagen, „wo die müden Unterthanen der nächtlichen Ruhe genießen, muß der Fürst dem höchsten Herrn das Ehrengeleite geben." Legende: Der heilige Ladislaus, König von Ungarn, (ss 1095.) Gar oft kniete dieser Heilige, dessen Andenken wir Am Feierabende heute feiern, vor Jesus im heiligsten Altarssakramente voll tiefer und inniger Andacht. Er war der Sohn des Königs Bela von Ungarn und wurde im Jahre 1031 geboren. Schon in seiner Kindheit bemerkte man an ihm eine besondere Liebe zum Gebete und zur Keuschheit, verbunden mit einer zärtlichen Liebe gegen die Armen. Als er im Jahre 1080 den Thron bestieg, führte er in seinem Palaste ein sehr strenges Leben; an der Tafel beobachtete er stets die Regeln der nüchternsten Mäßigkeit und erlaubte sich nicht einmal den Gebrauch des Weines. Die Kirchen, wie die Armen fühlten oft die Wirkungen seiner Freigebigkeit. Feind allen eitlen Belustigungen, widmete er seine ganze Zeit den Hebungen der Andacht und seinen Verufspflichten und setzte sich bei jeder seiner Handlungen die Erfüllung des göttlichen Willens zum alleinigen Ziel. Dabei zeichnete er sich durch Gerechtigkeitsliebe gegen seine Unterthanen, durch Großmuth gegen seine Feinde, sowie durch Tapferkeit bei der Vertheidigung seines Landes aus. Als er den Oberbefehl in dem großen Kreuzzuge übernehmen wollte, berief ihn Gott nach vielen und großen Kämpfen und Siegen zu sich in die ewige Herrlichkeit, in das himmlische Jerusalem im Jahre 1095. Gebet. Jesus Christus, du unser Herr und Gott, den wir anbeten und Preisen im heiligsten Sakramente des Altars, stärke uns, auf daß auch wir so fromm und heilig leben, wie der heilige König Ladislaus, und einst ausgenommen werden in das himmlische Jerusalem, wo wir dich mit allen Heiligen und Engeln unaufhörlich anbeten und preisen werden von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Hmidertneunundsiebenzigstes Lesestück. Am Feierabende des 28 . Juni. Das heilige Altarssakrament als Opfer. Vom Opfer im Allgemeinen. Fr. Ist Jesus im heiligsten Altarssakrament bloß zur Anbetung zugegen? Antw. Nein; Er ist auch zugegen, um sich für uns in der heiligen Messe als Opfer, und in der heiligen Communion als Seelenspeise darzugeben. (Vorerst nun vom heiligen Meßopfer!) Fr- Was ist ein Opfer? Antw. Ein Opfer ist überhaupt eine sichtbare Gabe, welche Gott dargebracht wird, um ihn als den höchsten Herrn zu ehren und anzubeten. des 28. Juni. 415 Belehrung. Zu einem Opfer wird sonach erfordert 1) eine sichtbare Gabe, da das Opfer von jeher einen Theil der öffentlichen Gottesverehrung ausmacht; 2) diese Gabe wird nur Gott dem Herrn dargebracht,' denn „Niemand," sagt der heilige Augustin, „hat jemals ein Opfer irgend einem Andern als Demjenigen dargebracht, der Gott ist, oder den er für Gott hielt;" 3) wird sie Gott dargebracht, um ihn als den höchsten Herrn anzuerkennen, zu ehren und anzubeten. Daher muß auch die geopferte Sache vernichtet oder verändert werden, zum Zeichen, daß Gott das Recht habe über Leben und Tod, und daß wir so unsere Nichtigkeit und unsere Abhängigkeit von ihm anerkennen. <— Fr. Hat es zu jeder Zeit Opfer gegeben? Antw. Ja, zu jeder Zeit hat es Opfer gegeben, und im alten Bunde waren sie von Gott selbst streng geboten. Belehrung und Beispiele. Opfer hat es vom Anbeginn der Welt her gegeben; von jeher haben die Menschen dem Allmächtigen ihre Anbetung durch Opfer an den Tag gelegt; schon die Vernunft lehrte sie, daß dieß eine Pflicht sei, welche die Gerechtigkeit, die Dankbarkeit und die 416 Drittes Hauptstück. Vom Opfer im Allgemeinen. Liebe von jedem Geschöpfe fordere. „Der Mensch, dessen Vernunft durch die Sinne zu Kenntnissen gelangt," schreibt der heilige Thomas von Aquin, „findet es seiner Natur gemäß, die Gemüthsregungen durch sinnliche Zeichen auszu- drückcn, und da er seine gänzliche Abhängigkeit von Gott nicht mißkennen kann, so leitet ihn die Vernunft dahin, daß er, wie er sterblichen Herren zur Bezeigung seiner Uuter- thänigkeit sinnliche Gaben bringt, also auch gegen seinen höchsten Schöpfer auf diese Weise die schuldige Unterwürfigkeit bezeuge. So hat denn das Opfer seinen Grund im Naturgesetze." Und wir finden daher kein Volk und keine Zeit ohne Opfer. Gehen wir zurück bis an die Wiege der Menschheit, so begegnet uns schon das Opfer Abels (1. Mos. 4.), der Gott dem Herrn von den Erstlingen seiner Heerde opferte; wir finden, daß Noe (1. Mos. 8.) und Abraham (1. Mos. 15.) Thiere opferten; ja, letzterer war sogar bereit, seinen einzigen Sohn als Opfer zu schlachten. — Opfer finden wir selbst auch bei Heiden. Am Reinsten aber war die Opferidee beim israelitischen Volke ausgebildet, dem Gott der Herr selbst verschiedene Opfer streng geboten hatte. Fr. Was für Opfer waren dem jüdischen Volke von Gott selbst geboten? Antw. Theils blutige, nämlich: Brand-, Fried- nnd Sühnopfer, theils unblutige, nämlich: Speise-, Trank- und Rauchopfer. (Sieh das voransgegangene Mld!) Belehrung. Durch das mosaische Gesetz waren die Opfer und die Art und Weise zu opfern auf's Genaueste vorgeschrieben. Man theilte die Opfer in blutige und unblutige. Zu den blutigen Opfern gehörte: 1) das Brandopfer, welches für das vorzüglichste und vollkommenste Opfer galt; das Opferthier ward ganz vom Feuer verzehrt; 2) das Opfer der Wohlthaten oder Friedopfer, um Gott theils für die empfangenen Wohlthaten zu danken, theils um neue zu bitten; daher auch Dank- oder Bit topf er. Bei diesem Opfer wurde nur ein Theil verbrannt; der andere Theil theils von der Familie Dessen verzehrt, der das Opferthier hergegeben hatte, theils unter die Armen verthcilt; 3) das Sühnopfer, um die Verzeihung der Sünden zu erlangen. Hiebei wurde ein Theil des Opferthieres auf dem Altäre und der andere außerhalb der Stadt verbrannt; cs sollte hiedurch angedentet werden, daß der Sünder aus der Gemeinde ausgestoßen zu werden verdient hätte. — Zu den unblutigen Opfern gehörten: 1) die Speiseopfer, bestehend aus dem feinsten ungesäuerten Mehl oder aus Gebackenem mit Oel und Weihrauch; 2) die Trankopfer, bestehend aus Wein, der um den Altar gegossen wurde, und 3) die Rauchopfer, welche täglich am Morgen und Abend auf dem goldenen Rauchal- tare dargcbracht werden mußten, wie wir z. B. vom Zacharias wissen. Fr. Sollten diese alttestamentlichen Opfer auch im neuen Bunde fortbestehen? Antw. Nein; da sie nur Vorbilder des unbefleckten Opfers des neuen Bundes waren, so konnten sie nicht länger als der Bund dauern; sie mußten daher dem unbefleckten Opfer des Neuen Bundes weichen, welches im Alten Bunde theils schon vorgebildet, theils schon verheißen war. Belehrung. Die alttestamentlichen Opfer sollten nicht für immer fortbestehen, sie waren nur Vorbilder des unbefleckten Opfers des Neuen Bundes und sollten deßhalb nicht länger als der Alte Bund dauern. In dieser Beziehung schreibt der heilige Augustin: „Die alten Opfer sind abgeschafft worden, weil sie nur einfache Verheißungen waren. Die Erfüllung der verheißenen Dinge machte den Verheißungen ein Ende. ... Die verschiedenen Opfer der Heiligen der Vorzeit waren bloß Sinnbilder des Einen wahrhaftigen Opfers; denn viele Opfer sollten dieses Eine, gleich vielen Worten Eine Sache aussprechen. Und diesem allerhöchsten und wahrhaften Opfer wichen alle vorgebildeten Opfer." Fr. Wodurch wurde das Opfer des Neuen Bundes vorgebildet? Antw. Durch das Opfer Melchisedechs. Belehrung und Erzählung. Gleichwie Melchi- sedech Brod und Wein opferte (1. Mos. 14, 18.), so opfert auch Christus sich selbst unter den Gestalten des Brakes und Weines bis zum Ende der Welt. Darum heißt cs Psalm 109.: „Der Herr hat geschworen, und cs wird ihn nicht gereuen: Du bist der Priester ewiglich nach der Ordnung Melchisedechs." — Als nämlich Lot, Abrahams Vetter, zu Sodoma wohnte, kamen fremde Könige mit einem Kriegsheere und rückten gegen die Stadt Sodoma an. Abraham hörte, daß von diesen Feinden Lot mit den Seinigen gefangen fortgeführt, und ihm Alles geraubt worden sei. Auf diese Nachricht bewaffnete Abraham seine Knechte; er brachte 318 Bewaffnete zusammen. Mit diesen griff er die Feinde bei der Nacht an, befreite den Lot wieder aus ihren Händen, und nahm ihnen auch das Geraubte wieder ab. Am Feierabende des 29. Juni. 417 Da nun Abraham siegreich zurückkchrte, ging ihm Melchise- dech, der König von Salem, entgegen, um ihm Glück zu wünschen, und brachte Gott zur Danksagung für diesen Sieg ein Opfer; und das Opfer, das er Gott darbrachte, bestand in Brod und Wein. (1. Mos. 14.) — Dieses Opfer Mel- chisedcchs ist daher ein Vorbild vom Opfer des Neuen Bundes. Fr. Von wem wurde das Opfer des Neuen Bundes schon verheißen? Antw. Vom Propheten Malachias. (1, 10—11.) Belehrung. Bei dem Propheten Malachias ist die Rede von einem Opfer, das auf dem ganzen Erdkreise dargebracht werden soll. Gott der Herr läßt nämlich den Propheten Malachias also zu den Priestern sprechen: „Ich habe kein Wohlgefallen an euch, spricht der Herr der Heerschaaren, und nehme kein Opfer mehr an von euerer Hand; denn vom Aufgange der Sonne bis zum Untergänge wird mein Name herrlich werden unter den Völkern, und an allen Orten wird meinem Namen geopfert, und ein reines Speis-Opfer dargebracht werden." — Dieses „an allen Orten" darzubringende „reine Speiseopfer" ist und kann nur — das unblutige Opfer des Neuen Bundes sein; denn nur dieses wird „an allen Orten" dargebracht, nur dieses ist wahrhaft „rein" und ein wahres „Speiseopfer. " Legende: Der heilige Bischof undMar ihrer Irenaus, (P 202.) Wie freut es mich, daß gerade auf den heutigen Mchlcr, Hausbuch. Tag das Fest des heiligen Bischofs und Märtyrers Irenaus fällt! Er ist es ja, der die Lehre vom heiligen Meßopfer und vom heiligen Abendmal mit allem Nachdruck gegen die Irrlehrer seiner Zeit vertheidigte und es ihnen bewies, daß dieses Opfer an die Stelle der Opfer des Alten Bundes getreten sei, indem er schreibt: „Es waren Opfer im Alten Bunde, es sind Opfer im Neuen Bunde; Opfer dort im Volke, hier in der Kirche. Aber die Art des Opfers ist verändert . . . Dieses reine Opfer (des Neuen Bundes) bringt nur die Kirche dem Schöpfer dar, ihm sein Werk opfernd mit Danksagung." — Dieser Heilige folgte dem heiligen Bischof und Märtyrer Phot in ns im Jahre 177 auf dem bischöflichen Stuhle zu Lyon. Als ein guter Hirte trat er nun in die Fußstapfen des obersten und beßten Hirten Jesus Christus ein, dem es nicht zuviel war, sogar das Leben für seine Schafe hinzugeben. Jrenäus verwaltete sein bischöfliches Amt mit ebenso angestrengtem Eifer, als großer Klugheit und leuchtete durch seinen ganz unbefleckten Tugendwandel als ein Helles Licht auf dem Leuchter Jesu Christi. Als ein würdiger Schüler des heiligen Polykarp hatte er die Liebe und Sauftmuth seines frommen Lehrers ererbt. Durch seinen Wandel und durch seine Predigten wurden alle Bewohner der Stadt Lyon zum Christenthume bekehrt. Nachdem er mit bewunderungswürdiger Weisheit und voll heiligen Mnthes die Wahrheit gegen die Irrlehre vertheidigt hatte, vollendete dieser heilige Bischof sein durch ununterbrochene Nächstenliebe geheiligtes Amt durch den Martertod im Jahre 202, indem er in einem Alter von mehr als hundert Jahren vor den Richterstuhl geschleppt und mit vielen seiner Glaubensgenossen enthauptet wurde. Gebet. Heiliger Bischof und Märtyrer Jrenäus, der du die Lehre vom heiligen Meßopfer mit solcher Weisheit und Unerschrockenheit gegen die Jrr- lehrer vertheidigt hast, bitte für uns bei Gott um Gnade und Stärke, auf daß wir die Größe dieses heiligen Opfers erkennen und die Segnungen desselben uns zu Nutzen machen für Zeit und Ewigkeit. Amen. Hundertundachtzigstes Lesestück. Am Feierabende des 29. Juni. Vom heiligen Meßopfer im Besondern. Fr. Welches ist das immerwährende, von Malachias vorhergesagte Opfer? Antw. Das heilige Meßopfer. Belehrung. Das eigentliche Opfer des Neuen Bundes 53 418 Drittes Hauptstiick. Vom heiligen Meßopfer im Besondern. ist Jesus Christus selbst, der Sohn Gottes, der durch seinen Tod am Kreuze sich seinem himmlischen Vater für uns aufgeopfert hat; Er ist das Opfer und der Priester zugleich, „der sich selbst (auf dem Altäre des Kreuzes) als ein unbeflecktes Opfer Gott dargcbracht hat." (Hebr. 9, 14.) — Da aber das Opfer schon eine Forderung des natürlichen Gesetzes und im Wesen jeder Religion begriffen ist, da ferner das Christenthum weit vollkommener sein sollte als das Judenthum, so ergibt sich hieraus der Schluß, daß auch im Neuen Bunde ein Opfer bestehen mußte, das alle Opfer des Alten Bundes an Vortresflichkeit weit übertraf. Daher konnte mit dem Tode Jesu nicht alles Opfer aufhören; es mußte auch im neuen Gnadenbunde ein immerwährendes Opfer geben, um jenes, das am Kreuze Einmal vollbracht wurde, allezeit zu vergegenwärtigen und uns die Früchte desselben zuzuwenden. (Sieh daö obige Bild!) Dieses immerwährende Opfer nun ist das heilige Meßopfer. Fr. Wer hat das heilige Meßopfer eingesetzt? Antlv. Jesus Christus hat das heilige Meßopfer eingesetzt, als er beim letzten Abendmal sich selbst unter den Gestalten des Brodes und Weines dem himmlischen Vater anfopfcrte und auch seinen Aposteln dieß sein Opfer fortan zu feiern gebot. Belehrung und Erzählung. Als beim letzten Abendmale das Osterlamm schon verzehrt und Alles geschehen war, was zur Feier der OsterlammSmahlzeit gehörte, nahm Jesus auf's Neue das Brod und den Kelch in seine allerheiligsten Hände. Er that da, was bei jedem Opfer geschah und geschehen muß: er sonderte diese Gaben von allen übrigen aus und zwar zu einem heiligen, religiösen Zwecke; denn als er diese Gaben in seinen Händen hielt, wendete er sich zu seinem Vater und zeigte ihm dieselben als die noch äußeren Sinnbilder, unter welchen ihm das angenehmste Opfer dargebracht werden sollte. Jesus sprach, indem er diese Gaben segnete, ein Dankgebet darüber, wodurch er zu erkennen gab, daß er diese Gaben zu einem gottesdienstlichen Gebrauche bestimme, zu einem Gebrauche, wodurch Gott gehuldigt, ihm Dank gesagt, seine Gnade und Hilfe ange- rufen werden sollte. Da haben wir also, was zu einem Opfer gehört: die Darbringung äußerer Gaben zur Anerkennung der Oberherrschaft, Allmacht und Majestät Gottes. — Nach dem Begriffe, den wir vom Opfer schon aufgestellt haben, muß aber die Gott dargebrachte Sache auch entweder gänzlich zerstört, oder in ihrem Wesen verändert werden; auch das geschah; denn Jesus veränderte diese Gaben in ihrer Wesenheit, da er Brod und Wein in seinen Leib und in sein Blut verwandelte, so daß also kein Brod und kein Wein mehr da war, sondern etwas ganz Anderes: nämlich sein Fleisch und sein Blut. Aus allen diesen Handlungen müssen wir also schließen, daß Christus Gott dem Herrn wirklich ein Opfer darbrachte; daß das, was er that, wirklich ein Opfer gewesen sei, und zwar dasselbe Opfer, welches er bald darauf am Kreuze dargebracht hat. — Dieß erhellt aus seinen Worten. Er sprach ja: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird; Das ist mein Blut, welches für euch und für Viele zur Vergebung der Sünden vergossen wird." Jesus sagte nicht: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben werden wird, sondern: der für euch hingegeben wird, d. i. also schon jetzt, schon in diesem Augenblicke wird mein Leib für euch hingegeben; wie ich ihn morgen am Kreuze blutiger Weise hingebe, so gebe ich ihn jetzt schon unblutiger Weise hin, opfere ihn, bringe ihn meinem himmlischen Vater dar. So sagte Jesus auch von seinem Blute: „welches vergossen wird;" nicht: welches vergossen werden wird; d. i. Mein Blut wird jetzt schon wirklich vergossen. — Ueberdieß gab er auch seinen Aposteln den Befehl, dieses Opfer darzubringen, mit den Worten: „Thuet dieß zu meinem Andenken!" Fr. Was ist demnach das heilige Meßopfer? Antw. Es ist das immerwährende Opfer des Am Feierabende des 29. Juni. 41» Neuen Bundes, in welchem sich Christus der Herr unter den Gestalten des Brodes und Weines seinem himmlischen Bater durch die Hände des Priesters unblutiger Weise opfert, wie er sich einst am Kreuze blutiger Weise geopfert hat. Belehrung. Das Opfer des Neuen Bundes heißt „Meßopfer," „Messe." Dieser Ausdruck „Messe" ist schon sehr alt; denn schon Papst Pius I. (-P 157) sagt in einem Briefe an Justus, Bischof von Vienne: „Indem Hause unserer Schwester Entropia lesen wir Messe," und Papst Cornelius (f 252) schreibt an den Bischof Lupicinus, „daß es den Christen wegen der Kittern Verfolgung nicht vergönnt sei, öffentlich Messe zu lesen." — Messe kommt vom lateinischen Worte Illissu, LIismo, die Entlassung oder Sendung, weil nämlich die Katechume- nen vor Beginn, und die Gläubigen nach dem Schluß der heiligen Opferfcier mit den Worten aus der Kirche entlassen wurden: „Ita missa est/^ d. i. „Gehet, es ist die Entlassung," oder auch, weil in der heiligen Messe Gottes Sohn von dem Vater auf den Altar herabgesandt und hinwieder von den Gläubigen zu Ihm hinaufgeschickt, Ihm als Opfer vorgestcllt wird. In diesem Sinne schreibt der heilige Bona- ventura: „Es wird das Opfer Messe genannt von „schicken." Denn cs stellt die Sendung vor zwischen Gott und den Menschen; Gott sendet Christum, seinen Sohn, auf den Altar, und wieder sendet die gläubige Kirche ebendenselben Christum zum Vater, damit Er für die Sünder bitte." Die heilige Messe der Bedeutung nach aber ist das immerwährende Opfer des Neuen Bundes, indem sich Christus der Herr unter den Gestalten des Brodes und Weines seinem himmlischen Vater durch die Hände des Priesters unblutiger Weise opfert, wie er sich einst am Kreuze blutiger Weise geopfert hat. Fr. Ist also das Meßopfer ein anderes Opfer, als das Opfer am Kreuze? Antw. Nein; es ist dasselbe Opfer, nur die Art und Weise zu opfern ist bei beiden verschieden. Belehrung. Das heilige Meßopfer ist (wie schon aus der oben bei der Einsetzung desselben angegebenen Erzählung erhellt) dem Wesen nach ein und dasselb e Opfer, wie das Opfer am Kreuze; denn in beiden ist es der Nämliche, der opfert und geopfert wird, Jesus Christus. (Der opfernde Priester ist nur der Diener und sichtbare Stellvertreter Christi.) Nur die Art und Weise zu opfern ist in beiden verschieden; denn am Kreuze opferte sich Christus blutiger Weise; in der heiligen Messe aber opfert er sich unblutiger Weise; indem er das am Kreuze vollbrachte Opfer erneuert, ohne mehr zu leiden und zu sterben. Mit Recht stellt daher das heilige Concilium von Trient den Glaubenssatz auf: „Die heilige Messe ist das einzige und das nämliche Opfer, der nämliche Jesus, der einmal sich selbst am Kreuze geopfert hat, und sich nunmehr durch das Amt des Priesters auf dem Altäre opfert, ohne daß sich zwischen dem einen und dem andern einiger Unterschied einfände, als bloß in der Art und Weise; da es nämlich auf dem Kreuze ein blutiges Opfer war, nun aber auf dem Altäre ein unblutiges ist. . . Wer also sagt, in der Messe werde Gott kein wahres und eigentliches Opfer dargebracht, der sei im Banne!" Beispiel und Anwendung. Der heilige Kaiser Heinrich ll. begab sich immer eine halbe Stunde vor Beginn der heiligen Messe in seine Hofkapelle, kniete sich dort vor ein Crucifix hin und betrachtete unverwandten Blickes den göttlichen Heiland in seiner Todesqual. Bald füllten Thränen des tiefsten Mitleids das Auge deS frommen Kaisers, und Seufzer der bittersten Reue entstiegen seiner Brust. „Der Anblick des Crucifixes," Pflegte er zu sagen, „ist die beßte Vorbereitung auf das heilige Meßopfer; denn da vergegenwärtigt sich dem gläubigen Auge die Größe jener Liebe, mit der sich Jesus einst auf dem Calvarien- berg für uns hingeopfert hat, und mit der er noch täglich auf dem Altäre dieses Opfer erneuert." — Möchten auch wir, meine christlichen Leser! recht oft jener Liebe gedenken, die sich einst blutiger Weise am Kreuze geopfert hat, und sich noch täglich unblutiger Weise auf dem Altäre für uns opfert! Fr. Ist denn das Meßopfer nothwendig, da schon das Opfer am Kreuze zur Erlösung der ganzen Welt genügte? Antw. Das heilige Meßopfer ist neben dem Opfer am Kreuze nothwendig, nicht um uns auf's Neue zu erlösen, sondern um uns das blutige Opfer am Kreuze auf eine lebendige, wiewohl unblutige Weise darzustellen und uns die Früchte des blutigen Opfers am Kreuze zuzuwenden. Belehrung. Das blutige Opfer am Kreuze wird durch das unblutige Opfer in der heiligen Messe erneuert, nicht damit wir auf's Neue erlöst werden, indem das Opfer am Kreuze schon zur Erlösung der ganzen Welt genügte, sondern damit wir eine immerwährende Gedächtnißfeier und eine lebendige, wiewohl unblutige Darstellung des blutigen Krenzopfers haben, wodurch Gott 53* 420 Drittes Hauptstück. Alterthum und Bestimmung des heiligen Meßopfers. vollkommen verehrt wird, und uns die gnadenreichen Früchte der Erlösung zufließen. Sonach ist das heilige Meßopfer neben dem Opfer am Kreuze insbesouders auch deßhalb noth- wendig, um uns die Früchte des blutigen Opfers am Kreuze, nämlich die Früchte der Erlösung zu zuwenden. Siehe, ich will dir die Sache durch folgende zwei Gleichnisse näher erklären. Wie das Wasser, das aus einer mächtigen Quelle entspringt, durch die Bäche den Fluren zugeleitet wird, und wie das Wasser in den Bächen eigentlich das Wasser der Quelle ist, so strömt die Gnade, welche Christus am Kreuze erwarb, uns durch die Messe zu, und die Gnade der Messe ist die Gnade des Kreuzes. Das Kreuz ist der Lebcnsbaum, an welchem himmlische Früchte wachsen, und die Messe ist die goldene Schale, in der uns die Früchte gereicht werden. hin wurde er vom Herrn zum ersten Lehrer und zum Oberhaupte der Kirche bestimmt. Er, der den Herrn dreimal verläugnete, betheuerte später auch dreimal, daß er ihn mehr liebe, als Alle. Darum ward ihm auch die Obhut, Sorge und Leitung seiner Lämmer und Schafe also seiner ganzen Kirche übergeben. Eben dieser feurige', ganz für seinen göttlichen Meister erglühte Petrus war es auch, welcher am Pfiugstfeste mit unerschrockenem Muthe dem Judenvolke zuerst verkündete, daß Jesus, der Gekreuzigte, von dem Grabe auferstanden und verwahre Messias sei. Von diesem Zeitpunkte an bis zu seinem Tode verbreitete Petrus mit der angestrengtesten Mühe das Reich Gottes. In Rom, der Hauptstadt der Welt, gründete er seiner und seiner Nachfolger Sitz, von dem so viele heilige Oberhirten Herabstiegen, um als Märtyrer das Blutgerüst zu besteigen. Petrus wurde gegeißelt und dann mit dem Haupte abwärts gekreuziget im Jahre 65. Legende: Der heilige Apostelfürst Petrus, tt 65.) Heute begeht die Kirche das Fest der beiden Apostelfürsten Petrus und Paulus auf die feierlichste Weise. Ich will jedoch heute nur die Lebensgeschichte des heiligen Petrus erzählen, jenes Apostels, der ja Theil nahm an jenem großen Abendmale, wo der göttliche Heiland das heilige Meßopfer- eingesetzt hat. Dieser Heilige hieß früher Simon und war von Geburt ein Galiläer. Als ihm aber sein Bruder die Nachricht brachte: „Wir haben Christum gefunden," da entbrannte er von der heftigsten Begierde, Jesum zu sehen; er wurde auch unverweilt von Andreas zu ihm geführt. Jesus blickte den Simon an und sagte: „Du bist Simon, der Sohn des Jonas; aber von nun an sollst du Petrus heißen." Sogleich wurde nun Petrus zum Jünger Jesu ausgenommen. Er bezeugte bei jedem Anlasse vor allen übrigen Aposteln lebendigen Glauben, innige Liebe und die treueste Anhänglichkeit an seinen göttlichen Meister. Jesus war einst in der Gegend von Cäsarea Philipp!; hier fragte er die Apostel, für wen er von den Leuten gehalten werde. Und aus die Antwort, daß ihn Einige für Johannes den Täufer, Andere für den Elias und noch Andere für den Jeremias ansahen, sprach er weiter: „Und für wen haltet ihr mich?" Petrus antwortete: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes." Auf dieses Bekenntniß Gebet. O Gott, der du den heutigen Tag durch den Martertod deiner Apostel Petrus und Paulus geheiligt hast, verleihe uns, daß wir ihrer Lehre in Allem getreu Nachkommen, durch Jesum Christum, unfern Herrn. Amen. _ Hnnderteimmdachtzigstes Lesestück. Am Feierabende des 30. Juni. Alterthum und Bestimmung des heiligen Meßopfers. Fr. Wurde das heilige Meßopfer schon von den Aposteln an allezeit in der Kirche gefeiert? Antw. Ja; wir ersehen dieß theils aus der heiligen Schrift, theils aus den unläugbaren Zeugnissen der heiligen Väter, aus den Beschlüssen der Coucilien u. s. w. Belehrung und Beispiele. Schon zu den Zeiten der Apostel wurde das heilige Meßopfer Gott dem Herrn dargebracht, d. h., es wurde Brod und Wein in den Leib und in das Blut Jesu verwandelt, und der Leib und das Blut Jesu Gott dem Allerhöchsten aufgeopfert. Ja, wir finden, daß die Apostel selbst schon nach der Vollmacht Christi dieses Opfer darbrachten; denn der heilige Paulus schreibt: „Wir haben einen Altar, von welchem zu essen keine Macht haben, die der Stiftshütte dienen." (Hebr. 13, 10.) Wo ein Altar ist, muß auch ein Opfer sein. — Ein Zeugniß hiefür, daß die Apostel wirklich das heilige Meßopfer darbrachten, gibt uns die Lebensbeschreibung des heiligen Andreas, welche die achaischen katholischen Priester 421 Am Feierabende des 30. Juni. »»'MI,HU LMz-iL'-'' zu Patras verfaßt haben. Nachdem nämlich der heilige Apostel vor dem Statthalter Aegeas die Geheimnisse des Kreuzes vorgetragen, erwiederte dieser: „Solche Dinge kannst du Leuten erzählen, welche dir glauben; was mich anbelangt, so werde ich, insofern du mir nicht gehorchest und den mächtigen Göttern opferst, dich geißeln und an das Kreuz heften lasten, das du rühmest." Andreas sprach: „Allerdings opfere ich täglich dem allmächtigen, einigen und wahren Gott, nicht aber den Dampf des Weihrauchs, auch nicht das Fleisch oder das Blut der Stiere; sondern ich opfere das unbefleckte Lamm, welches, nachdem es geopfert worden, doch ganz, unzertheilet, unbefleckt und lebendig bleibt."-Aber auch die heiligen Väter bezeugen es unläugbar, daß das heilige Meßopfer von den Aposteln an stets in der Kirche gefeiert wurde. So schreibt z. B. schon der heilige Jrenäus, der ein Schüler des heiligen Johannes war: „Das Opfer des Neuen Bundes ist das heilige Abendmal. Jesus Christus hat es, da er es als ein Sakrament eingesetzt hat, zugleich auch als ein Opfer eingesetzt, .... das die Kirche, welche es von den Aposteln empfangen hat, Gott in der ganzen Welt darbringt." — Eben diese Wahrheit wird auch durch die Aussprüche der Concilien bestätigt. Schon die erste allgemeine Kirchenversammlung zu Nicäa im Jahre 325 zeigt, wie man sich beim heiligen Meßopfer benehmen soll, und daS Concil von Ephesus im Jahre 431 lehrt, „daß in den Kirchen das unblutige Opfer gefeiert werde." — Wozu also noch mehrere Beweise für das hohe Alterlhum der heiligen Messe? Wir gehen daher auf die erhabene Bestimmung des heiligen Meßopfers über, und fragen, 1) wem, und 2) wozu wird das heilige Meßopfer dargebracht? Fr- Wem wird das heilige Meßopfer dargcbracht? Antw. Nur Gott allein; jedoch feiern wir auch dabei das Gedächtniß der Heiligen. Belehrung. Das heilige Meßopfer bringen wir nur Gott dem Herrn allein dar; denn er allein ist der Herr, dem alle Ehre und Anbetung gebührt; nur ihm also kann das heiligste, anbetungswürdigste Opfer entrichtet werden, weil es die feierlichste Art der Anbetung ist. (Sich das obige Bild!) Jndeß kann man die heilige Messe auch zu Ehren eines Heiligen darbringcn, oder das Gedächtniß der Heiligen dabei feiern, indem wir Gott danken für die ihnen verliehene Gnade und Seligkeit und sie um ihre Fürbitte anrufen. Eine heilige Messe zu Ehren eines Heiligen darbringcn, heißt also nichts Anders, als während der heiligen Messe den Namen des Heiligen nennen, Gott unter Anrufung dieses Heiligen bitten, er möge uns die Früchte des heiligen Meßopfers zukommen lassen. Das C o n- cilium von Trient drückt sich hierüber also aus: „Die Kirche lehrt nicht, daß den heiligen Märtyrern das Opfer dargebracht werde, sondern allein Gott, der sie gekrönt hat." Und der heilige Augustin schreibt: „Wir errichten den Märtyrern keine Tempel, wir haben für sie kein Priesterthum, keinen Gottesdienst, keine Opfer. — Wer von den Gläubigen hat je gehört, daß der Priester am Altäre in seinem Gebete sagte: Ich opfere dir, Petrus! ich opfere dir, Paulus! dir, Cyprian! Bei ihren Gräbern wird Gott dem Herrn das Opfer nur deßhalb dargebracht, um bei dieser Feier Gott Dank zu sagen wegen ihres Sieges und uns durch erneuertes Andenken an sie mit Gottes Beistand zur Nachahmung solcher Siege zu ermuntern." Fr. Wozu bringen wir Gott das heilige Meßopfer dar? Antw. Wir bringen es Gott dar als Lob-, als Dank-, als Sühn- und als Bittopser. Belehrung. Wir bringen Gott dem Herrn das heilige Meßopfer dar 1) als Lobopfer zu seiner Ehre und Verherrlichung. „Gewiß," sagt der heilige Laurentius 422 Drittes Hauptstück. Alterthum und Bestimmung des heiligen Meßopfers. Iustinianus, „durch kein Opfer wird Gott mehr geehrt, als durch das heilige Meßopfer, welches der göttliche Heiland, um dem Vater eine vollkommen würdige Ehre zu erweisen, seiner Kirche hinterlassen hat;" in der heiligen Messe wird ja Gott geehrt gleichfalls von Gott, von Jesus Christus nämlich, der da ist Gott von Gott, Gottes wahrer und eingeborner Sohn. — Die heilige Messe wird Gott dargebracht 2) als Dankopfer für alle von ihm empfangenen Gnaden und Wohlthaten; daher heißt das heilige Meßopfer auch Eucharistie, d. i. Danksagung. Ja, Christus selbst hat es durch sein Beispiel gelehrt, daß das heilige Meßopfer besonders zur dankbaren Anerkennung der von Gott empfangenen Wohlthaten eingesetzt sei; er erhob nämlich bei der Feier der ersten heiligen Messe, die am Gründonnerstage durch ihn selber stattfand, vor der Wandlung „die Augen zum Himmel und dankte seinem himmlischen Vater." Wir können aber auch Gott in Wahrheit nicht würdiger danken, als durch das heilige Meßopfer. — Ferner bringen wir das heilige Meßopfer Gott dar 3) als Sühnopfer für die vielen ihm zugefügten Beleidigungen; denn in der heiligen Messe wird das unschuldige Lamm Gottes geopfert, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt, dessen Blut zum Himmel schreit — nicht um Rache, wie das Blut Abels, sondern um Gnade und Verzeihung. Christus selbst hat dieß mit den Worten ausgesprochen, die der Priester bei jeder heiligen Messe wiederholt: „Das ist mein Blut, das für euch wird vergossen werden zur Vergebung der Sünden." Daher sagtEusebius von Cäsarea: „Im heiligen Meßopfer wird die Sühne für die ganze Welt dargebracht, für die Seelen Aller ein Opfer, für jede Makel und Sünde das reinste Opfer." — Endlich bringen wir Gott das heilige Meßopfer dar 4) als Bittopfer, um von Gott Hilfe in allen Nöthen des Leibes und der Seele zu erflehen. Das heilige Meßopfer ist der goldene Himmelsschlüssel, mit dem wir uns die Thüre zur göttlichen Schatz- und Gnadenkammer aufsperren können. Christus selbst ist es ja, der für uns bittet; was wird er uns also nicht Alles beim Vater erwirken? Mit Recht bemerkt daher der heilige Hieronymus: „Es ist gar kein Zweifel, daß uns Gott gewährt, um was wir ihn in der heiligen Messe bitten; und was noch mehr ist, oft gewährt er sogar Das, um was wir nicht bitten." Beispiel und Anwendung. Durch Nichts können wir Gott den Herrn mehr ehren, loben und preisen, ihn bitten und ihm danken, als durch das heilige Meßopfer. — Von einer frommen Seele, die der Eifer für die Ehre Gottes fast verzehrte, wird erzählt, daß sie in der Inbrunst ihres Gott liebenden Herzens oft anszurufen pflegte: „Ach, mein Gott! hätte ich doch so viele Herzen und so viele Zungen, als Blätter an allen Bäumen, als Sterne am ganzen Himmel, als Wassertropfen in allen Meeren sind, um dich würdig lieben und ehren zu können! O hätte ich in meiner Hand alle Geschöpfe, ich würde alle zu deinen Füssen legen, damit alle sich verzehrten in deiner Liebe! Aber wenn nur ich dann, o Herr! dich noch mehr lieben könnte, als sie Alle, ja, noch mehr als alle Engel, noch mehr als alle Heiligen, noch mehr als der ganze Himmel!" Als sie eines Tages diese Seufzer der Liebe wieder hören ließ, sieh! da stand der Herr vor ihr und sprach: „Was klagest du so, meine Tochter? Mit einer einzigen Messe, die du mit Andacht hörest, wirst du mir alle jene Ehre erweisen, die du mir wünschest, ja, noch unendlich mehr!" — Wie sehr sollen wir es uns also nicht angelegen sein lassen, recht oft mit Andacht und heiliger Liebe dem Opfer des Neuen Bundes beizuwohnen, um da Gott den Herrn würdig zu loben und zu Preisen, ihn zu bitten und ihm unfern Dank und unsere Liebe zu Füssen zu legen! Legende: Der heilige Apostel Paulus. (fl65.) In der Kirche wird heute Pauli Gedächtniß gefeiert, d. h., das Andenken an jenen großen Weltapostel, der schon in seinem Brief an die Hebräer (13, 10.) vom heiligen Meßopfer schreibt: „Wir haben einen Altar, von welchem fl zu essen keine Macht haben, die der / Stiftshütte dienen." — Dieser heilige Apostel hieß früher Saulus und war zu Tarsus in Cilieien von jüdischen Eltern ans dem Stamme Benjamin geboren. In Saulus wohnte ein grimmiger Haß gegen das Christenthum und die Bekenner desselben, und in seiner Seele herrschte Tod und Finsterniß, bis ihm Ana- nias auf Befehl des Herrn die Hände anflegte, wo der heilige Geist über ihn herabkam, und er als Paulus durch Gottes Gnade in Licht und Leben übertrat, und überall das Wort des Herrn verkündete. In nahe und entfernte Länder trug sein kräftiger Arm das Kreuz Christi und die heilige Ueber- gabe des göttlichen Wortes. Durch seine Bemühungen ward das Christenthum nicht nur in Asien, sondern anch in den europäischen Inseln des Mittelmeeres bekannt. Immer predigend, immer auf Reisen, sammelte Paulus Juden und Heiden zur Zahl der Gläubigen. Er achtete keine Gefahren, keine Mühseligkeiten, wenn es galt, den Namen Jesu und seine Religion unter den Völkern zu verbreiten. Als er im Jahre 58 in Jerusalem ankam, Am Feierabende des 1. Juli. 423 gelang eS seinen Feinden, ihn gefangen zu nehmen, und er würde in einem Aufstande des Volkes in Stücke zerrissen worden sein, wenn ihn Lhsias nicht ans die Burg Antonia gebracht hätte. Von da kam er an den Statthalter Felix in Cäsarea, wo er 2 Jahre lang im Kerker schmachtete. Als er sein römisches Bürgerrecht geltend machte, wurde er im Jahre 61 nach Nom geführt und der kaiserlichen Leibwache als Gefangener übergeben. Nach erhaltener Freiheit zog er wieder in das Morgenland, predigte unter Verfolgungen und Todesgefahren das Evangelium und ging dann wieder zum heiligen Petrus nach Rom zurück, wo ihn Kaiser Nero bald in das Gefängniß werfen ließ, weil er eine seiner Frauen zum christlichen Glauben bekehrt hatte. Nero sprach das Todesnrtheil über ihn ans, und der heilige Paulus wurde am 29. Juni im Jahre 65 enthauptet. In seinen 14 Briefen, die er in heiligen Angelegenheiten entweder an ganze Christengemeinden oder an die Hirten derselben schrieb, spricht er immer mit Demuth, Nichts für sich, Alles für Jesnm und das Glück der Seelen begehrend, deren Loos ihm so thener ist. Gebet. O Gott, der du durch die Predigten des heiligen Paulus unendlich viele Heiden bekehret hast, wir bitten dich, verleihe, daß wir seine Lehre wohl fassen und befolgen, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Hundertzweiundachtzigstes Lesestück. Am Feierabende des 1. Juli. Wirkungen oder Früchte der heiligen Messe. Fr. Welcher Segen oder welche Früchte werden uns durch das heilige Meßopfer zu Theil? Antw. Unendlich ist der Segen, unzählbar sind die Früchte, die uns durch das heilige Meßopfer zu Theil werden. Belehrung. Der heilige Laurentius Juftiniauus schreibt in dieser Beziehung: „Es kann durch keine menschliche Sprache ausgedrllckt werden, welch reichliche Früchte und welch große Gaben aus dem heiligen Meßopfer hervorguellen. Der Sünder wird mit Gott versöhnt, der Gerechte noch gerechter gemacht, die Verdienste werden vermehrt, die größten Sünden nachgelassen, die Tugenden nehmen zu, die Laster ab; die Versuchungen des Teufels werden überwunden, die Kranken werden geheilt, die Gefallenen aufgerichtet, die Schwachen unterstützt." — Das heilige Meßopfer ist, wie wir gestern erklärt haben, das erhabenste Lob-, Dank-, Bitt - und VersLhnungsopfer und daher auch wunderbar UM in seinen Wirkungen. Tie beseligendsten Wirkungen oder Früchte bringt es aber hervor als Sühnopfer; denn cs bewirkt, daß wir von der göttlichen Barmherzigkeit 1) die Gnade der Neue und Busse zur Vergebung der Sünden und 2) Nachlassung der zeitlichen Sündenstrafen erlangen. „Dieß heilige Geheimniß," sagt der heilige Thomas von Aquin, „ist eine Reinigung der Sünden, indem cs entweder künftige verhindert, oder weil Gott kraft dieses Geheimnisses jene Sünden, welche der Mensch nicht erkennt oder vergessen hat, nachläßt." Daher lehrt die heilige Kirchenversammlung zu Trient: „daß das heilige Meßopfer wahrhaft ein Versöhnungsopfer sei und bewirke, daß wir, wenn wir mit wahrem Herzen und rechtem Glauben, mit Furcht und Ehrerbietung, zerknirscht und rcumüthig vor Gott hintreten, in rechtzeitigem Beistände Barmherzigkeit und Gnade finden; denn versöhnt durch dieses Opfer vergibt Gott, indem Er uns die Gnade und das Geschenk der Buße verleiht, selbst schwere Verbrechen und Sünden." In Anbetracht dieser erhabenen Wirkung ruft Timotheus, Bischof von Jerusalem, aus: „Der Messe verdankt die Erde ihre Erhaltung; ohne sie wäre sie schon längst durch die Sünden der Menschen vernichtet worden." Fr. Wem kommen die Früchte der heiligen Messe zu? Alltw. Die allgemeinen Früchte kommen der ganzen Kirche zu, den Lebendigen und den Verstorbenen; die besonderen Früchte aber kommen zu 1) dem Priester, welcher das Opfer verrichtet, 2) Jenen, für welche er es insbesondere darbringt, 3) Allen, welche derselben andächtig beiwohnen. 424 Drittes Hauptstück. Wirkungen Belehrung. Die allgemeinen Früchte der heiligen Messe kommen der ganzen Kirche zu, den Lebendigen und den Verstorbenen. (Sieh das vorausgegangene Bild!) Daher betet der Priester im Aufträge und Namen der Kirche gleich am Anfänge des Kanons für „alle Rechtgläubigen und Bekenner deS katholischen und apostolischen Glaubens," und nach der Wandlung fleht er zu Gott, „Er möge gedenken seiner Diener und Dienerinen, die mit dem Zeichen des Glaubens uns vorangegangen sind und nun im Frieden schlummern." — Im Besonder« aber kommen die Früchte der heiligen Messe zu: 1) dem Priester, welcher das Opfer entrichtet; denn jedes gute Werk äußert seine Wirkung an Dem, der es verrichtet; also auch das heilige Meßopfer; 2) Jenen, für welche eS insbesondere dargebracht wird, und 3)Allen, welche demselben andächtig beiwohnen. „Wer die heilige Messe (andächtig) gehört hat," schreibt der heilige Chry- sostomus, „der wird an jenem Tage in allen Dingen Glück haben, in seinen Arbeiten, in der Kunst, im Kaufen, auf Reisen, und der Herr wird ihn an Leib und Seele stärken." Beispiel und Anwendung. Der heilige Bischof Johannes, der Almosengeber genannt, erzählt uns folgende Begebenheit, aus der wir ersehen können, welch ein reicher Segen allen Denen zu Theil wird, die dem heiligen Meßopfer oft und andächtig beiwohnen. — Zur Zeit, da in der Weltstadt Alexandria noch das Christenthum herrschte, lebte daselbst ein ehrsamer Bürger, seines Gewerbes ein Schuhmacher, der bei mäßiger Arbeit und mit einer zahlreichen Familie gesegnet, dennoch in einem ganz behaglichen Wohlstände sich erhielt; während sein nächster Nachbar und Handwerksgenosse, obwohl er für keine Familie zu sorgen hatte, bei rastloser Thätigkeit doch seinen Hausstand nicht vorwärts brachte, und seinen Erwerb immer mehr verkümmern sah. Da gewann er es einmal über sich, bei dem Glücklichen nebenan sich zu erkundigen, welche besondere Mittel ihm zu Gebote stünden, daß ihm Alles so trefflich gedeihe? Der Wackere theilte ihm sein Geheimnis mit. „Ich habe," so gestand er ihm, „sehr ansehnliche Schätze aufgefunden, und es ist mir unverwehrt, täglich hinzugehen, um mir einen bescheidenen Antheil davon zu holen; und so ist es freilich nicht zu verwundern, wenn mein Hauswesen sich allgemach verbessert." Diese Mittheilung konnte ihren Zweck nicht verfehlen; kaum vernommen, rief sie schon das dringende Verlangen hervor, jene Stätten des Glückes kennen zu lernen; und auch jetzt zeigte sich der Nachbar nicht spröde. „Es findet sich dort," so versicherte er, „für alle Bürger unserer Stadt des Reichthums genug;" und so bestellte er den Sehnsuchtsvollen auf den nächsten Morgen. Als jedoch dieser Morgen kam, wußte er verschiedene Hindernisse namhaft zu machen und den Erwartungsvollen mit tröstlichen Worten zu bcschwich- oder Früchte der heiligen Messe. tigen. „Für heute," so beschloß er, „wollen wir die heilige Messe anhören und unser Vorhaben bis auf Morgen verschieben." Da er jedoch in den nächst folgenden Tagen immer das Gleiche wiederholte, riß endlich dem Manne, der sein Glück suchte, die Geduld. „Zur Messe," rief er höchlich entrüstet, „kann ich gehen, wann es mir gefällt, und den Weg in die Kirche weiß ich selber zu finden; wie lange noch wirst du mit leeren Verheißungen mich täuschen?" Der Andere, der nur auf diesen Vorwurf gewartet, hatte die Antwort schon in Bereitschaft. „Zürne nicht," sagte er; „denn schon habe ich zu wiederholten Malen den Ort dir gezeigt, wo der verborgene Reichthum bewahrt wird, aus welchem ich täglich so viel Heil und Segen schöpfe, daß mein Haushalt fröhlich gedeiht; thue du das Gleiche, und beherzige das Wort des Herrn: „Suchet vor Allem das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, das Uebrige wird euch dann hinzugegeben werden!" — Möchten alle Christen diese Worte des frommen Schuhmachers beherzigen und befolgen; gar bald würden sie dann auch den Segen an sich und ihrem ganzen Hauswesen bemerken, der auf der fleißigen Anhörung der heiligen Messe ruht; mit dem frommen Pater Avila würden sie alsdann gestehen und ausrufen müssen:, „O wie glücklich bin ich bei der heiligen Messe! Da mag meine Noth noch so groß sein, wenn ich nur die heilige Messe habe, so ist mir geholfen. Denn wenn ich Jesum in der heiligen Messe vor mir liegen habe, so erlange ich Alles, was ich immer will." Legende: Der heilige Einsiedler Theobald. (fl 1066.) Dieser Heilige, der ein Abkömmling der Grafen von Champagne war, hat gewiß oft genug die Segnungen und Früchte des heiligen Meßopfers an sich selbst erfahren, da er schon in seiner Jugend mit ganz besonderer Freude diesem hochheiligen Opfer beiwohnte. — Als er die Lebensgeschichten der heiligen Einsiedler las, ward er dadurch so gerührt, daß er sich entschloß, in ihre Fnßstapfen einzntreten. Obschon sein Vater sich bemühte, ihn in der Welt zurückzuhalten, indem er ihm vortheilhafte Heirathsanträge machte und glänzende Stellen am Hof oder im Kriegsheere versprach, so war dennoch Alles vergebens; er begab sich in die Wüste von Salanigo, wo er durch Fasten, Wachen und andere Bußwerke sich alsbald einen so ausgedehnten Ruf wegen seiner Heiligkeit erwarb, daß man den Einsiedler von Sala- j nigo überall mit Ehrfurcht nannte. Mit Geduld ertrug ^ er die Schmerzen seiner langwierigen Krankheit. Als s er seinem Ende sich nahe fühlte, ließ er den Abt Petrus von Vangadice rufen und empfing aus seinen s Händen die heilige Wegzehrung. Er starb 1066 un- j gefähr 33 Jahre alt. Vom Papst Alexander III. ! wurde er heilig gesprochen. j Gebet. Herr, himmlischer Vater! wir bitten ; dich, laß unö die großen und wunderbaren Früchte des Am Feierabende des 2. Juli. 423 heiligen Meßopfers im Leben und die Segnungen der heiligen Wegzehrung auf dem Sterbebette ebenso zu Theil werden, wie deinem frommen und heiligen Diener Theobald, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Hundertdreiimdachtzigstes Lesestück. Am Feierabende des S. Juli. Eiutheilung der heiligen Messe und Ceremonien bei derselben. Fr. Wie theilt man die heilige Messe ein? Antw. In die Bormesse und in die eigentliche Opferfeier. Mehler, Hausbuch. Belehrung. Die heilige Messe zerfällt in die Vorm esse, Messe der Kate- chumcncn genannt, welche vom Stufengebete bis zuni Credo reicht, und welcher auch die Katcchumcnen, d. h. Diejenigen, die zur Taufe vorbereitet wurden, beiwohnen durfte»; und in die eigentliche Opferfeier, Messe der Gläubigen genannt, welche die drei Haupttheilc der Messe umfaßt, nämlich die Opferung, die Wandlung und die Communion. Fr. Was bedeutet und stellt die heilige Messe mit ihren Ceremonien vor? Antw. Nicht nur das Andenken an das bittere Leiden unsers Herrn, sondern sie erinnert uns an die ganze Verwaltung unsres Heiles. Belehrung. Den tiefen Sinn und die hohe Bedeutung der heiligen Messe können wir ganz besonders aus den schönen, erhabenen Ceremonien kennen lernen, die dabei Vorkommen, und welche alle aus den ältesten, ja zum Theil schon ans den apostolischen Zeiten herrühren. Dieselben erinnern uns nicht nur an das bittere Leiden unsers Herrn, sondern an die ganze Verwaltung unsers Heiles, wie wir aus nachfolgender Erklärung sehen können. — Der Eingang der Messe deutet an das Verlangen der heiligen Väter nach der Ankunft Christi; das Kyrie Eleison sinnbildet das Rufen der Patriarchen und Propheten, die mit so großer Sehnsucht und so lange die Ankunft des Messias erwarteten, und ihn von Gott zur Sühnung der Sünden erflehten. — Das Gloria deutet an die Geburt Jesu Christi. Das Gebet aber oder die Collckte, die gleich darauf folgt, seine Darstellung und Aufopferung im Tempel. Die Epistel, die an der linken Seite des Altars gelesen wird, bedeutet die Sendung des heiligen Johannes des Täufers, der die Menschen belehrte und ermahnte. — Das Graduale, die darauf erfolgte Vorbereitung der Menschen auf die Ankunft und Erkenntniß Jesu Christi. Das Evangelium, das an der rechten Seite des Altars gelesen wird, bedeutet das apostolische Lehramt Jesu Christi, wodurch Er uns von der linken Seite zur Rechten, d. h. vom Zeitlichen zum 54 426 Drittes Hauptstück. Einteilung der heiligen Messe und Ceremonien bei derselben. Ewigen, und von der Sünde zur Gnade führte. Zum Evangelium werden auch brennende Kerzen und Weihrauch gebraucht, um dadurch anzudeutcn, daß das ganze Evangelium die Welt erleuchtet, und sie mit dem Wohlgeruche der Verherrlichung Gottes erfüllt habe. Das Credo drückt aus die Wahl und Sendung der Apostel und Jünger Jesu Christi. Das Offertorium und die stillen Gebete, die unmittelbar nach dem Credo folgen, bedeuten die freiwillige Aufopferung und Vorbereitung Jesu Christi zum bevorstehenden Leiden. Die Präfation, die mit lauter Stimme gesungen wird, und mit dem „Hosanna in der Höhe" endigt, bedeutet den feierlichen Einzug Christi in Jerusalem am Palmsonntage. Die stillen Gebete des Canons, die gleich nach der Präfation folgen, deuten das Leiden Jesu Christi an. Die Aufhebung der Hostie stellt dar, wie Christus, der schweigend litt und im Stillen zum Vater betete, am Kreuze empor gehoben wird. (Sieh das obige Bild!) Das Pater Noster erinnert an das laute Gebet Christi am Kreuze. Das Brechen der heiligen Hostie bedeutet den Opfertod Christi am Kreuze. Das Agnus Dei bedeutet das Trauern der Gläubig en Christi bei Seiner Abnahme vom Kreuze. Die Kommunion des Priesters bedeutet die Grablegung Christi. Der Gesang, der nach der Kommunion folgt, sinnbildet den Freudenjubel bei der Auferstehung des Herrn. Das Jte Missa est bedeutet die Himmelfahrt Christi. Der Segen des Priesters bedeutet die Ankunft des heiligen Geistes. DaS Evangelium, das am Ende der Messe gelesen wird, bedeutet das Predigtamt der Apostel, da sie nämlich, erfüllt vom heiligen Geiste, anfiugen, das Evangelium in der ganzen Welt zu verkünden, und so durch die Bekehrung der Völker die Kirche Christi auf Erden verbreiteten. — — Wer auf all dieß mittelbar oder unmittelbar bei der heiligen Messe seine Aufmerksamkeit richtet, der wird ohne Zweifel dieselbe mit lebendigem Glauben, mit Andacht und großer Seelenfrucht hören. Fr. Warum hat die Kirche dem heiligen Meßopfer soviele Ceremonien beigefügt? Antw. 1) Um nns dadurch die erhabene Bedeutung des heiligen Meßopfers zu veranschaulichen und die Feier desselben zu erhöhen; 2) um unser Herz mit Andacht und Ehrfurcht zu erfüllen. Belehrung und Beispiel. »Da die Menschennatur von der Art ist", sagt der heilige Kirchenrath von Trient, „daß sie sich nicht leicht ohne äußere Hilfsmittel zur Betrachtung göttlicher Dinge erheben kann, so hat die Kirche, diese fromme Mutter, verschiedene Ceremonien eingeführt; besonders aber bei der heiligen Messe dcßhalb, damit sowohl die Herrlichkeit des so großen Opfers angepriesen, als auch die Gemüther der Gläubigen dadurch zur Betrachtung der erhabensten Dinge aufgeweckt werden." Wahrlich, Nichts kann uns bei einem empfänglichen Herzen mehr zur Andacht stimmen, als die erhabenen Ceremonien beim heiligen Meßopfer; denn wie die Blätter den süßen Früchten zur Zierde, wie die Rinde dem Baumstämme und die Schale dem Kern zum Schutze gereichen; so dienen auch die Ceremonien zur Erweckung, zur Erhöhung und Erhaltung der Andacht des Herzens. Oder hast du das noch nicht gefühlt, mein christlicher Leser! wenn du einem feierlichen Gottesdienste in deiner festlich geschmückten Kirche beiwohntest? Was kann es Erhabeneres und Erhebenderes geben, als die wunderbare Feier des heiligen Meßopfers in unfern Kirchen, wo Alles zusammenwirkt, um unfern Geist und unser Herz himmelwärts zu ziehen? Wehe jenen Katholiken, die so kalt und geistlos dem Opfer des Neuen Bundes beiwohnen! Sie werden gar sehr beschämt von manchem Irr- und Ungläubigen. So erzählt uns Bernhard von Busti, daß sich einst ein Muhamedaner bei einem feierlichen Gottesdienste in einer katholischen Kirche zu Florenz einfand und während desselben zahlreiche Thränen vergoß. Als man ihn nun um die Am Feierabende des 2. Juli. 427 Ursache hievon fragte, antwortete er treuherzig: „Ich beweine das Elend meiner Glaubensgenossen und die undankbare Lauigkeit der Christen; denn wenn dieser herrliche Gottesdienst zu Damaskus, wo sich an hunderttausend Türken befinden, gehalten worden wäre, so hätten sich viele Tausende auf der Stelle bekehrt." — O daß wir doch Alle von nun an mit mehr Geist und Herz dem erhabenen Opfer des Neuen Bundes beiwohnen möchten! Es würde alsdann gewiß auch jene Gnadenmutter gerne bei uns einkehreu, welche heute über das Gebirge geht, um ihre Base Elisabeth heimzusuchen. Ich füge daher noch eine kurze Erklärung über das heutige Fest bei. Legende: Mariä Heimsuchung. Heute feiert die Kirche das Andenken an den geheimnißvollen und freundschaftlichen Besuch Mariä bei ihrer from men Base Elisabeth. Der Erzengel Gabriel hatte der gottgeweihten Jungfrau Maria zu Nazareth das Gehcim- niß der Menschwerdung des Sohnes Gottes und ihrer göttlichen Mutterwürde geoffenbart. Sie glaubte und willigte ein. Aber sie erwog auch die Größe der Geheimnisse, die an ihr sich zu erfüllen begannen, und wollte nun ihrer eben so gottesfnrchtigen und frommen Base zur Ehre des Allerhöchsten und zu ihrer Beiden Freude davon erzählen. Gott wollte aber durch den Besuch Mariä bei Elisabeth neue Geheimnisse verwirklichen, nämlich die Heiligung Johannes des Täufers im Mutterschooße durch die Gegenwart der jungfräulichen, vom heiligen Geiste überschatteten Mutter Jesu. — Indem wir die allweisen Absichten Gottes hiebei dankbar Preisen, wollen wir aus dem Besuche Mariä bei Elisabeth lernen, daß die Heiligen und Frommen auf ihren Wegen von Gott geleitet werden, seine Anordnungen zu erfüllen. Wir sehen die sonst in stiller Zurückgezogenheit, unter Gebet und Arbeit lebende Jungfrau Maria eine weite beschwerliche Reise unternehmen, einen Besuch machen, um ihrer Base große Liebesdienste zu erweisen. Sie offenbarte Niemanden die höchsten ihr gewordenen Geheimnisse, aber mit der weisen Elisabeth hatte sie ihre Sache. und gotlesfürchtigen Auch unsere Besuche 54 * 428 Drittes Hauptstnck. Die lateinische Sprache und die priesterliche Kleidung bei der heiligen Messe. seien selten und nur in Absicht ans Gottseligkeit und christliche Nächstenliebe gemacht! Gebet. O Jesus, du Bräutigam meiner Seele! komm und suche mich heim, wie du einst durch Maria den heiligen Johannes heimgesncht und geheiliget hast, und laß nicht zu, daß ich je deiner mahnenden Stimme mein Ohr verschließe, sondern deinen Einsprechnngen willig folge und dir dadurch immer wohlgefälliger werde, der du lebest und regirest in alle Ewigkeit. Amen. Hundertvierundachtzigstes Lesestütk. Am Feierabende des 3. Juli. Die lateinische Sprache und die priesterliche Kleidung bei der heiligen Messe. Fr. Warum wird die heilige Messe in lateinischer Sprache gelesen? Antw. 1) Weil diese Sprache aus Rom stammt, von wo ans der Glaube zu uns gelangte; 2) weil sie nicht wie unsere Volkssprachen mit der Zeit sich ändert; 3) weil dadurch auch im Gottesdienste die Einheit und Einigkeit der Kirche auf der ganzen Erde dargestellt und befördert wird. Belehrung. Aus verschiedenen und sehr wichtigen Gründen wird die heilige Messe in lateinischer ^ Sprache gelesen; wir führen besonders folgendedrei Gründe an: 1) Da der Glaube von Rom aus zu uns gelangte, so wurde auch die römische d. i. dielateiuischc Sprache beibehalten. 2) Aendert sich ! die lateinische Sprache nicht, I wie unsere Volkssprachen. Betrachten wir nur z. B. die deutsche Sprache; gehen wir auf 100 Jahre zurück; — welch ein Unterschied zwischen der damaligen und jetzigen deutschen Sprache! 3) Soll dadurch auch im Gottesdienste die Einheit und Einigkeit der Kirche auf der ganzen Erde dargcstcllt und befördert werden., Wie erhebend ist es nicht, wenn man in einem fremden Lande einem katholischen Gottesdienste beiwohnt! Man versteht zwar die Sprache des Landes nicht; aber die Sprache der Kirche versteht man, und es hebt sich das Herz zur Andacht und zum Lobe Gottes, wenn man den Priester am Mare das freudenreiche 61oris, den Scgensgruß: „Dominus vobisLum!" re. anstimmen und singen hört; man glaubt sich da versetzt in das heimatliche Gotteshaus, und voll Bewunderung muß man die Größe, die Einheit und Einigkeit der katholischen Kirche anstaunen, und sich glücklich preisen, ein Katholik zu sein. — Als Beispiel hiezu kannst du, mein christlicher Leser! die obige Erzählung von dem jungen deutschen Auswanderer (S. 158) Nachlesen. Fr. Warum hat die Kirche für den opfernden Priester eine besondere Kleidung (sieh das voranstehende Bild!) verordnet? Antw. Damit wir uns erinnern, daß der Priester am Altäre nicht in seiner Person handelt, sondern der Stellvertreter Jesu ist, und ein hochheiliges, göttliches Geheimniß feiert. Belehrung. Schon bei den Inden und Heiden hatten die Priester bei Darbringung der Opfer eine besondere Kleidung ; ja, Gott selbst hat im alten Bunde die Priesterkleidung genau bestimmt, indem er den Befehl gab: „Aaron und seine Söhne sollen sie anhaben, wenn sie dem Altäre sich nahen, im Heiligthume zu dienen, damit sie nicht sterben der Sünde schuldig." (2. Mos. 28, 43.) Um wieviel mehr ziemt sich dem christlichen Priester bei Darbringung des heiligsten, göttlichen Opfers eine solche besondere auszeichnende Kleidung! — Die priesterliche Kleidung bei der heiligen Messe besteht ans folgenden Theilen: Schnltertnch, Albe, Gürtel, Manipel, Stole, Meßgewand (Casula.) — 1) Das Schulte rtuch, mit dem sich der Priester Hals und Schultern verhüllt, sinnbildet, daß sich der Priester vereinet mit dem göttlichen Opfer als Schlachtopfer für seine und des Volkes Sünden vor Gott hinstelle. — 2) Die Albe mit dem Gürtel zeigt an, daß der Priester die Stelle des Hohenpriesters Jesus vertrete, der (Offenb. 1 , 13.) als mit einem langen Kleide angethan und mit einem goldenen Gürtel umgürtet dargestellt wird. — 3) Der Gürtel soll noch im Besondern den Priester an die Bande Jesu erinnern, und ihn im Vorsatze der Reinigkeit befestigen. — 4) Die Manipel sinnbildet das Schweißtuch Jesu, und mahnt den Priester an die freudige Uebcrnahme von Mühe und Schmerz. — 5) Die Stole zeigt die priesterliche Gewalt an. — 6) Das Meßgewand bedeutet das Joch des Herrn, das der Priester stets mit Freuden tragen soll. 429 Am Feierabende des 3. Juli. Fr. Was bedeuten die verschiedenen Farben der priesterlichen Kleider? Antw. Weiß bedeutet die Unschuld, roth die Liebe Gottes, grün die Hoffnung des ewigen Lebens, blau Demuth und Buße, schwarz die tiefe Trauer. Belehrung. Auch die Farben des Meßgewandes, die nach den Festen wechseln, haben eine besondere Bedeutung. Wir haben fünf Kirchenfarben. 1) Die weiße (mit ihr ist gleichbedeutend die gelbe als Gold- oder Gloricfarbe) ist ein Sinnbild der Freude und Unschuld und wird gebraucht an den Festen des Herrn, der seligsten Jungfrau, der Engel und aller jener Heiligen, die nicht als Märtyrer gestorben, und ermuntert uns zur Freude über die Gnaden unserer Erlösung, und zur Nachahmung der englischen Reinig- keit. — 2) Die rothe Farbe, an Feuer und Blut erinnernd, erscheint am Pfingstfeste, wo der heilige Geist in Feuergestalt herabkam, an den Erinnerungstagen an das Kreuz, die Dornenkrone und Wunden Christi, und an den Tagen der heiligen Märtyrer, und mahnt uns an das Feuer der göttlichen Liebe, und an die Bereitwilligkeit, Blut und Leben für den Glauben hinzuopfern. — 3) Die grüne Farbe als Sinnbild der Hoffnung wird gebraucht an einigen Sonntagen von Pfingsten bis Advent, weil diese Zeit die Wanderschaft zum himmlischen Vaterland genannt wird, und wir durch die Farbe der Hoffnung ermuntert werden sollen, auf dieser Wanderschaft unverdrossen vorwärts zu schreiten, in fester Hoffnung, einstens sicher in das himmlische Kanaan zu gelangen. — 4) Die blaue Farbe als Zeichen der Buße und Trauer über die Sünden sieht man au den Buß- und Fasttagen im Advent, in der Fasten und in den Quatemberzeiten. Sie prediget uns Reue und Leid, Abtödtung und Demuth zur Tilgung unserer Sündenschuld. — 5) Die schwarze Farbe endlich ist die Farbe der Todteutrauer, und wird deßhalb am Charfreitage und bei den Messen für die Abgestorbenen gebraucht. Sie mahnt uns an die vier letzten Dinge und an die Barmherzigkeit für die Abgeschiedenen, damit auch wir einst Barmherzigkeit finden. — Beispiel und Anwendung. Welch eine erhabene Erscheinung ist nicht der Priester der katholischen Kirche, wenn er in der feierlichen Priesterklcidung hintritt an die Stufen des Altares, um Gott dem Herrn das Opfer des neuen Bundes darzubringen! So mächtig sind die Eindrücke bei dem Erscheinen des Priesters im kirchlichen Gewände, daß nicht blos Andersgläubige, daß selbst Ungläubige derselben sich nicht erwehren konnten. Ein Philosoph des vorigen Jahrhunderts und dabei ein entschiedener Gegner unsrer christlichen Religion, Diderot mit Namen, bekennt dieß laut und offen, indem er schreibt: „Nie habe ich die langen Reihen von Priestern in ehrwürdigen Gewändern, nie die jungen Leviten in weißen Chorkleidern, nie habe ich jene Mcnschcnmassen gesehen, die in andächtiger Stille cinherschreitcn, ohne davon gerührt zu werden. Niemals hörte ich den feierlichen, von den Priestern angcstimmtcn, von der zahllosen Menge beantworteten Gesang, ohne daß meines Herzens Innerstes erschüttert und meinen Augen heiße Thräncn entlockt wurden." — Wie wahr hat dieser ungläubige Philosoph nicht gesprochen! Und wie sehr sollen wir nicht Gott dem Herrn danken für die große Gnade, daß er uns in seine heilige Kirche ausgenommen hat, wo Alles geschieht, um unfern Geist und unser Herz himmelwärts zu ziehen und es für Gott und göttliche Dinge zu begeistern! Mit gleicher Liebe und Dankbarkeit sollen wir dieses hohe Glück und diese große Gnade erkennen, wie der heilige Phokas, dessen Fest auf den heutigen Tag fällt, und der lieber sterben, als auö der Kirche Christi und aus der Gemeinschaft mit Christus treten wollte. Legende: Der heilige Phokas, Gärtner und Märtyrer, (ff 303.) Der heilige PhokaS wohnte an dem Thore der Stadt Sinope in Pontus, und bebaute daselbst einen Garten, der ihm seinen Lebensunterhalt gab, und ihn noch sogar in den Stand setzte, den Armen reichliche Almosen zu spenden. In diesem den Augen der Welt gering scheinenden Handwerke ahmte er die Tugenden der Patriarchen nach und erinnerte gewisser Massen an den glücklichen Zustand, in welchem Adam und Eva vordem Sündenfalle sich befanden. Der Heilige verband mit dem Gebete die Handarbeit und zeichnete sich so sehr' durch Gastfreundschaft aus, daß seine Behausung den Fremden und Reisenden, die nirgends Unterkommen konnten, immer offen stand. Nachdem er mehrere Jahre 430 Drittes Hauptstück. Bedeutung der heiligen Communion. hindurch die Armen großmüthig unterstützt hatte, wurde er würdig befunden, sein Leben für Christus hinzugeben. Während der grausamen Verfolgung des Kaisers Diokletian ward er nämlich als Christ angeklagt, und die Henker bekamen Befehl, ihn aufzusuchen und zn tödten. Nachdem der Heilige dieselben freundlich ausgenommen und während der Nacht gastlich bewirthet hatte, gab er sich ihnen am Morgen zu erkennen und empfing mit Nuhe und Freude den Todesstreich im Jahre 303, nachdem er die Nachtzeit im Gebete und in frommer Vorbereitung auf seinen Martertod zngebracht hatte. Gebet. Heiliger Phokas, du treuer Bekenner und Blutzeuge des Herrn! bitte für uns, auf daß wir mit gleicher Liebe und Unerschrockenheit für Christus leben, leiden und sterben, wie du, und mit dir verherrlicht werden im Reiche der ewigen Glorie! Amen. Hnndertfüllsundachtzigstes Lesestück. Am Feierabende des 4. Juli. Das heiligste Altarssakrament als Communion. Bedeutung der heiligen Communion. Fr. Was ist die heilige Communion? Antw. Die heilige Communion ist die Vereinigung mit Jesus, den wir im heiligsten Altarssakrament empfangen; sie ist also der wirkliche Genuß des Leibes und Blutes Jesu Christi zur Nahrung unsrer Seele. Belehrung. Das Wort „Communion" heißt „Gemeinschaft," „Vereinigung." Die Communion ist aber auch in Wahrheit die beseligendste Vereinigung; denn da vereinigt sich Christus mit uns auf's Innigste, indem wir seinen wahren Leib und sein wahres Blut zur Nahrung unserer Seele genießen. Daher ^sagt der göttliche Heiland selbst: „Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm." (Joh. 6, 57.) Beispiel und Anwendung. Alle Heiligen Gottes fühlten und erfuhren es, daß die heilige Communion die lieblichste und beseligendste Bereinigung mit Jesus sei. „Du wolltest, o Gott der Liebe!" rief der heilige Laurentius Justinianus oftmals aus, „daß unser Herz und DeinHcrz nur Ein Herz würden." — „Wie zwei geschmolzene Kerzen," sagt der heilige Cyrillus von Alexandrien, „sich mit einander vereinigen, so wird auch Der, welcher communicirt, Eins mit Jesus." — Die heilige M echtildis hörte einst nach dem Empfange der heiligen Communion aus dem Munde des mit ihrer Seele vereinigten Jesus die Worte: „Keine Biene setzt sich mit größerer Begierde auf die Blumen, den Honig daraus zu saugen, als wenn ich zu einer Seele komme, die mich zu empfangen wünscht." — Auch du, meine christliche Seele! wirst eben diese tröstliche und beseligende Erfahrung machen, wenn du ebenso würdig, wie diese frommen und treuen Diener Gottes, die heilige Communion empfängst. Fr. Was empfangen wir also in der heiligen Commnnion? Antw. Wir empfangen den wahren Leib und das wahre Blut Jesu Christi. Belehrung. Daß wir in der heiligen Communion den wahren Leib und das wahre Blut Jesu Christi empfangen, das hat der göttliche Heiland selbst durch die Worte (Joh. 6, 56 — 57.) bestätigt: „Mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise, und mein Blut ist wahrhaft ein Trank. Wer mein Fleisch ißt, und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm." Der heilige CH ryso st omus sagt: „Dieses bedeutet, daß sein Fleisch die wahre Speise ist, welche die Seele rettet, und er will dadurch bestätigen, daß er nicht bloß dunkel oder gleichnißweise gesprochen habe." Fr. Empfangen wir Jesu Fleisch und Blut auch schon unter der Einen Gestalt des Brodes? Antw. Ja, denn in dem lebendigen Leibe Christi ist auch sein Blut enthalten; ein lebendiger Leib kann ja nicht ohne Blut sein. Belehrung. Da wir Jesum mit Fleisch und Blut, mit Gottheit und Menschheit, mit Leib und Seele, also den lebendigen und wahrhaften Leib Jesu Christi empfangen, so empfangen wir eben dadurch unter der Einen Gestalt des Brodes nicht nur den Leib, sondern auch das Blut Jesu Christi. Daher hat die Kirche durch ein Gesetz verboten, daß Jemand ohne Erlaubniß der Kirche selbst außer den Priestern, welche den Leib des Herrn im Meßopfer conse- crircn, dieses heilige Sakrament unter beiden Gestalten Am Feierabende des 4. Juli. 43 ! genieße. Christus hat zwar das heilige Altarssakrament unter zwei Gestalten eingesetzt, nicht aber unter zwei Gestalten zu empfangen geboten; seinen Aposteln hat cr's unter beiden Gestalten gereicht, weil er sie zu Priestern machte. Die Einsetzung also ist durchaus kein Gebot. Christus hat ja auch den Ehestand, die Priesterweihe und das Predigtamt eingesetzt, müssen dcßwegen Alle heirathen, Priester werden oder predigen? Ueberdieß spricht Christus selbst gar oft von per Communion unter der Einen Gestalt des Brodes, indem er sagt: „Wer von diesem Brode essen wird, der wird ewig leben, und das Brod, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt." Und: „Wer dieses Brod ißt, der wird leben in Ewigkeit." (Joh. 6, 52. 59.) Beispiele und Anwendung. Schon in den ersten Zeiten der Kirche empfing man die heilige Communion nur unter Einer Gestalt. Die Christen nahmen zur Zeit der Verfolgungen den heiligen Leib Christi mit nach Hause und behielten ihn auf ihrer Flucht oder auf ihren Reisen bei sich, damit sie im Falle der Noch oder Gefahr communiziren konnten. Nirgends finden wir, daß sie die Gestalt des Weines zu diesem Gebrauche in ihre Häuser getragen hätten. Auch die Einsiedler, welche in den Einöden wohnten, wo es keine Priester gab, empfingen, wie der heilige Basilius berichtet, die heilige Communion, die sie immer bei sich zu Hause hatten, nur unter der Gestalt des Brodes. Zu den Kranken brachte man die heilige Wegzehrung nie unter der Gestalt des Weines, sondern stets nur unter Brodsge- stalt. — Neberdieß finden wir auch einige Beispiele in den ältesten Zeiten der Kirche, denen gemäß man den Kindern die heilige Communion gleichfalls nur unter Einer Gestalt und zwar unter der Gestalt des Weines reichte, wie uns der heilige Cyprian in seiner Abhandlung von den Gefallenen erzählt. — Wie deutlich zeigen uns diese Beispiele die Glaubenswahrheit, daß Jesu Fleisch und Blut schon unter der einen Gestalt des Brodes zugegen sei! Fr. Warum ertheilt die katholische Kirche den Gläubigen die heilige Communion nur unter Einer Gestalt? Antw. Aus vielen und sehr wichtigen Gründen. Belehrung. Die Kirche hat aus vielen und sehr wichtigen Gründen die heilige Communion unter der Einen Gestalt des Brodes nicht nur gutgeheißen, sondern auch durch einen eigenen Beschluß bestätiget. Diese Gründe sind vorzugsweise folgende: 1) Man wollte verhüten, daß das heilige Blut auf die Erde geschüttet würde, was man nicht leicht verhüten kann, wenn dasselbe einer großen Menge Volkes gereicht werden muß. 2) Da das heilige Sakrament für die Kranken bereit sein muß, so war sehr zu befürchten, daß, wenn man die Gestalt des Weines länger aufbewahren wollte, er zu Essig würde. 3) Ueberdieß gibt es Viele, welche den Geschmack, ja den Geruch des Weines auf keine Weise ertragen können. Dcßhalb, damit der Gesundheit des Leibes nicht schaden möchte, was man zum Heile der Seele reichen soll, hat die Kirche weislich angeordnet, daß die Gläubigen nur die Gestalt des Brodes empfangen sollten. 4) Leiden viele Länder den größten Mangel an Wein, der anders woher nicht ohne große Kosten und aus sehr weit entlegenen Provinzen, nicht ohne große Beschwerlichkeit zugcführt werden kann. Legende: Der heilige Bischof Ulrich. (fl 973.) Auf den heutigen Tag fällt das Fest des heiligen Bischofs Ulrich, der die heilige Communion in der so eben bezcichneten Weise an viele Tausende seiner Diö- cesanen spendete und sie dadurch stärkte auf der Wanderschaft zum Himmel. — Ulrich, ein Sohn des Grafen Hu bald von Khburg und Dillingen, wurde im I. 890 geboren und von seinen Eltern schon im siebenten Jahre seines Alters den Ordensmännern zu St. Gallen übergeben. Da nun machte er bei vortrefflichen Anlagen des Geistes und Herzens in jeder Hinsicht glänzende Fortschritte. Im Jahre 924 wurde er zum Bischöfe von Augsburg geweiht. Der früher so blühende Sprengel von Augsburg war im kläglichen Zustande. Durch die verheerenden Einfälle der Hunnen und Slaven waren die Kirchen, darunter auch die Domkirche und die Häuser zerstört, viele Geistliche vom Feinde getödtet, die Dörfer ausgeplündert und verbrannt, und die der Wuth der Feinde entgangenen Gläubigen lebten in äußerster Dürftigkeit. Der unverzagte Oberhirt hielt an im eifrigen Gebete, rief das zerstreute Volk zusammen, verschaffte ihm alle mögliche leibliche und geistige Hilfe, und stellte 432 Drittes Hauptstück. Warum sich uns Jesus m der heiligen Communion mittheilen will. die im Schutte liegenden Kirchen und sonstigen Gebäude wieder her. Bei einem wiederholten Einfalle der Hunnen in Deutschland, da sie bis nach Augsburg vordrangen, leistete der würdige Bischof tapfern Widerstand, ordnete dabei noch öffentliche Gebete und Bittgänge an, und ermunterte Alle zum Vertrauen auf Gott. Und sieh', die Feinde ließen nicht nur von der Belagerung Augsburgs ab, sondern wurden auch am lO. August 055 in der gewaltigen Schlacht ans dem Lechfelde fast ganz aufgerieben. Immer fortschreitend in der Vollkommenheit, wurde der treue Diener von dem Belohner jedes guten Werkes am 4. Juli 973 in die ewige Freude ausgenommen. Er war der erste, welcher nach den jetzt zu Rom üblichen Formen feierlich heilig gesprochen wurde, und zwar schon im Jahre 993. Gebet. Stärke uns, o Gott! durch das Fleisch und Blut deines göttlichen Sohnes, auf daß wir den Feinden unsers Seelenheiles mit jenem Mnthe und mit jener Tapferkeit Widerstand leisten, mit welcher der heilige Bischof Ulrich die Feinde des Vaterlandes besiegt hat, durch Jesnm Christum, unfern Herrn. Amen. Hmldertsechsundachtzigstcs Lesestück. Am Feierabende des 5. Juli. Warum sich uns Jesus in der heiligen Communion mitthellen will. Fr. Warum will sich der göttliche Heiland allen Gläubigen in der heiligen Com- munion als Speise mittheilen ? Antw. Um uns vor Allem einen Beweis seiner zärtlichen, n n ü bersch w e n g l i ch e n Liebe zu geben. Belehrung. Wie die Sonne am Mittag am Hellsten scheint, so leuchtet die Liebe Gottes in diesem wunderbaren Mahle am Herrlichsten. Hier hat sich sein göttliches Herz weit aufgethan, wie eine Rose, die in voller Bliithe MM" steht. „O wunderbare Liebe!" ruft der heilige Chrh fest omus aus; „der Herr gibt sich uns selbst im allerheiligsten Sakramente; er gibt uns Alles, was er besitzt, so daß ihm Nichts mehr zu geben übrig bleibt. Alles hat er dir gegeben, Nichts Hai er für sich behalten. O erstaunenswürdiges Wunder der göttlichen Liebe! Dieser Gott, welcher der Herr aller Dinge ist, wird unser Eigenthum!" — Um diese Liebe in einem schwachen Bilde zu zeigen, findet man oft Christum dargestellt als liebliches Kind, ihm zur Seite das Kreuz und den Kelch; denn dadurch wird das dreifache Wunder seiner Liebe angedeutet. (Sieh das voranstehende Bild!) Beispiel und Anwendung. Wer hat je so geliebt, wer seine Liebe je so handgreiflich bewiesen, wie Jesus im heiligsten Altarssakramente, da Er sich selbst uns zur Speise gibt? Wenn je zwischen Freunden eine recht innige Liebe bestand, so war dieß ganz gewiß der Fall zwischen Jonathas, dem Sohne Sauls, und zwischen David. Die Schrifr bezeugt von Jonathas, daß er den David wie seine Seele liebte (1. Kön. 18, 3.) Und welchen Beweis seiner Liebe gab er demselben? Jonathas zog sogar seinen Rock aus, den er am Leibe trug, und gab ihn dem David. Auch seine übrigen Kleider gab er ihm; nur seinen Gürtel, sein Schwert und feinen Bogen behielt er zurück. Jonathas gab also dem David zum Zeichen seiner Liebe -—nicht sich selbst, sondern nur sein Kleid, und dieses nicht ganz; und doch heißt es, daß er ihn, wie seine eigene Seele geliebt habe, die durch innige Liebe fest an Davids Seele hing. Wie nun muß man sich auSdrücken, die Liebe des Erlösers gegen uns zu erklären, der nicht sein Kleid, sondern sich selbst, und zwar ohne Ausnahme, ohne Vorbehalt uns gegeben hat? Doch — es gibt keine Worte hiefür; eine solche Liebe kann nur bewundert, aber nicht zu Genüge erklärt werden. Fr. Warum will sich uns der göttliche Heiland noch ferner als Speise in der heiligen Communion mittheilen ? Atttw. Um sich mit uns auf's Innigste zu vereinigen. Belehrung und Beispiele. Der Herr will sich mit uns in der heiligen Communion aus's Innigste vereinigen; daher auch, wie wir schon oben erklärt haben, die Bezeichnung „Communion" oder „Vereinigung." Dieß spricht der göttliche Heiland selbst mit den Worten aus: „Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm." (Joh. 6, 57.) „Du wolltest, o Gott der Liebe!" ruft deßhalb der heilige Laurentius Justinianus aus, „daß unser Herz und Dein Herz nur Ein Herz würden." — Als Karl V. aus Am Feierabende des 5. Juli. 433 dem Sterbebette die heilige Kommunion empfangen hatte, fühlte er voll himmlischer Wonne diese süsse Vereinigung mit Jesus und rief daher wiederholt aus: „O Jesus! Du mein Herr und wein Gott! Du bleibst nun in mir und ich in Dir!" — Auf diese Vereinigung hindeutend, sprach einst Jesus selbst nach der heiligen Communion zu seiner geliebten Dienerin Margaretha von Hpern: „Siehe, meine geliebte Tochter! welch' schöne Bereinigung jetzt zwischen uns statt findet! Lieben wir uns also und bleiben wir durch die Liebe immer miteinander verbunden und trennen wir uns nie wieder!" — Wie freudig sollten wir also nicht die heilige Communion empfangen, da Christus zu uns kommt, um sich mit unserer unsterblichen Seele zu vereinigen und sie mit der Fülle seiner Gnaden zu überschütten! Fr. Welch ein dritter Grund läßt sich endlich noch dafür anführen, daß sich Jesus uns in der heiligen Communion als Seelenspeise hin gibt? Antw. Er thut dieß auch deßhalb, um uns unter einander durch das Band der Liebe und Eintracht auf's Engste zu vereinigen. Legende: Die heilige Modovena, Jungfrau, (st um 860.) - Die heilige Modovena, deren Name am heutigen Belehrung. In der heiligen Communion werden Tage in der Legende der Heiligen aufgeführt wird, war ^ ^ " von Geburt eine Jrlandenn und schon in ihrer frühesten Jugend ein Muster wahrer Frömmigkeit. Sie erschien oft mit Inbrunst und Liebe am gemeinschaftlichen Tische des Herrn, um sich da mit dem Brode des Lebens wir selbst auf's Engste miteinander verbunden durch das Baud der Eintracht und der Liebe, da wir ja Alle au einem gemeinschaftlichen Tische Theil nehmen. Daher schreibt der heilige Damascenus: „Die heilige Communion zu stärken. Nachdem sie in ihrem Vaterlande das Klostervereinigt uns nicht nur mit Christus, sondern sie vereinigt uns angetreten und in Schottland zwei berühmte Ab- . 5 ^ . - sr-r. k ^ L ^ l -^5 teien gegründet hatte , ging sie nach England lM Jahre auch selbst untereinander m Christo, so daß wir gleichsam zu Lo ihr der König Ethelwolf die Erziehung seiner Emen, Leibe zusammengefügt werden;" denn „Ein Brod, Ein Tochter Editha anvertraute. Die Königstochter wurde Leib sind wir Viele, wir Alle, die wir an Einem Brode Theil unter der frommen Leitung ihrer Erzieherin eine Heilige nehmen," sagt der heilige Paulus (1. Cor. 10, 17.). Beispiel und Anwendung. Da wir durch die heilige Communion an einem gemeinschaftlichen Tische Theil Nun begab sich die heilige Modove na auf die einsame Insel St. Andreas, um sich dem Einsiedlerleben und der Heiligung ihrer Seele zu widmen. Sieben Jahre brachte sie auf dieser Insel zu, wo sie mit heiligem Eifer Gott nehmen und Glieder einer großen Familie, Hausgenossen di^te bis an ihr seliges Ende, welches ungefähr um das Gottes und unter einander Brüder sind, so sollen wir ein- erkolate ander lieben und die von Andern erlittenen Unbilden ver zeihen. Dieß bedachte König Robert, da er eine namhafte Zahl rebellischer Edelleute, die von seinem Gerichtshöfe bereits zum Tode verurtheilt waren, zuerst mit einem Gastmale bewirthen, und dann am folgenden Morgen zum Tische des Herrn gehen ließ; worauf er zu den strengen Richtern sprach: „Geziemt es sich auch, daß wir Diejenigen auf das Schaffst senden, die Christus an seinem Tische ausgenommen hat?" — So können wir bei gar vielen geringeren Anlässen uns fragen, ob es sich gezieme, unsre Nächsten zu hassen, zu verachten, und so viel an uns ist, zu verurthei- len, die mit uns aus einer gemeinsamen Lebensquelle schöpfen? „Ein Brod, Ein Leib sind wir Viele, wir Alle, die wir an dem Einen Brode Theil nehmen." Mchler, Hausbuch. Gebet. O Jesus, du Gott der Liebe, der du dich uns in der heiligen Communion als Speise mittheilen willst, um uns einen Beweis deiner unendlichen Liebe zu geben und uns mit einander durch das Band der Liebe und Eintracht zu vereinigen, erfülle uns mit heiliger Freude, auf daß auch wir recht oft und würdig, wie die heilige Jungfrau Modovena, an diesem gemeinschaftlichen Tische deiner Liebe Theil nehmen, der du lebest und reglest in alle Ewigkeit. Amen. 55 434 Drittes Hauptstück. Von der Pflicht Hundertsiebenundachtzigstes Lesestück. Am Feierabende des 6. Juli. Von der Pflicht, die heilige Communion zu empfangen. Fr. Ist der Empfang der heiligen Communion für jeden erwachsenen katholischen Christen strenge Pflicht? Antw. Ja, es ist eine strenge Pflicht; denn Christus der Herr selbst sagt: „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht essen und sein Blut nicht trinken werdet, so werdet ihr das Leben nicht in euch haben." (Joh. 6, 54.) Belehrung. Der göttliche Heiland befiehlt uns die heilige Communion bei Todesstrafe; denn er sagt: „Wenn ihr nicht esset das Fleisch des Menschensohnes, so werdet ihr das Leben nicht in euch haben." Der Leib kann nicht lange ohne Nahrung leben; wie könnte die Seele lange im Leben der Gnade sich erhalten und in der Heiligkeit verharren — ohne himmlische Nahrung? Wie diele Gläubige würden im Dienste Gottes ermatten; wie viele würden in große Laster verfallen, wenn sie nicht durch das Brod der Stärke bewahrt würden! Wie viele würden schon voll Angst und Berzweif- , die heilige Communion zu empfangen. lung gestorben sein, wenn sie nicht den Gott alles Trostes und dieses Brod des Lebens in der letzten Wegzehrung empfangen hätten! Daher lehrte uns der göttliche Heiland in der vierten Bitte des Vaterunsers ebenso sehr um das himmlische, als um das leibliche Brod beten. (Sieh das nebenstehende Bild!) Beispiel und Anwendung. Ohne die himmlische Seeleuspeise der heiligen Communion würde unsre Seele ver« schmachten auf der Pilgerreise durch's Leben. — Wir wissen aus der heiligen Schrift, daß ein Engel den Propheten Elias, welcher schlief, weckte und zu ihm sagte, er solle aufstehen, essen und trinken, weil er eine große Reise zu machen habe. Er stand auf, aß und trank und wanderte gestärkt durch jene Speise vierzig Tage und vierzig Nächte lang, bis er am Horeb, dem Berge Gottes, ankam (3. Kön. 19.) — Das Brod, welches Elias gegessen hatte, war nach der Ansicht vieler Kirchenväter das Vorbild des heiligsten Sakramentes des Altars. Es ist aber auch gewiß, daß, wenn er dasselbe nicht gegessen hätte, er die wunderbare Kraft nicht würde erhalten haben, bis an den heiligen Berg Gottes zu wandern. Dasselbe wird mit uns der Fall sein; wir werden unser Leben nicht zu durchwandern vermögen, den heiligen Berg Gottes nicht erreichen, welcher die Herrlichkeit des Himmels ist, wenn wir von dieser göttlichen Speise nicht gestärkt werden. — Die Nothwendigkeit dieser himmlischen Speise erkennend ruft daher der fromme Verfasser der Nachfolge Christi aus: „Zwei Dinge sind mir hier aus Erden höchst nothwendig, ohne welche das Elend dieses Lebens mir unerträglich wäre; zwei Dinge habe ich vonnöthen in dem Kerker dieses Leibes, nämlich Licht und Nahrung. Die Nahrung habeich andeinemFleische undBlute, oJesu! das du mir zur Speise gegeben, und dein Wort, o Herr! ist mir die Leuchte auf meinen Wegen." (4. Buch, 11. Kap.) Fr. Wann und wie oft soll man die heilige Communion empfangen? Antw. Man soll die heilige Communion recht oft empfangen', besonders aber zur österlichen Zeit und auf dem Sterbebette. Belehrung. Daß wir die heilige Communion zur österlichen Zeit empfangen sollen, wissen wir schon aus dem 4. Kirchengebote; daß wir sie auf dem Sterbebette empfangen sollen, dazu verpflichtet uns schon der wichtige Augenblick; daß wir sie aber auch sonst noch im Leben recht oft empfangen sollen, dazu muß uns unser eigenes Interesse bestimmen; denn die heilige Communion ist das Brod des Lebens für unsere unsterbliche Seele. Daher hat uns Jesus Christus dieses heilige Sakrament unter dem Sinnbilde des Brodes gegeben, um uns zu lehren, daß es die gewöhnliche Nahrung unserer Seele sein soll. Wir finden Am Feierabende des 6. und 7. Juli. 435 unter den Heiligen nicht Einen, der die heilige Communion nicht recht oft empfangen hätte. Beispiel und Anwendung. Der heilige Pastor ermahnte die Brüder nachdrücklich, oft und würdig an den heiligen Geheimnissen Theil zu nehmen. Er wollte, daß sie eben so glühend nach der heiligen Communion, wie ein lechzender Hirsch nach der frischen Wasscrquclle, sich sehnten. „Man bemerkt," sagt er, „daß die Hirsche, wenn sie in der Wüste Schlangen verschluckt haben, von dem Feuer, das ihr Gift entzündete, glühen und Wasser zur Erfrischung aufsuchen. Ebenso verhält es sich auch mit unserer Seele; sie kann durch die Wüste dieser Welt nicht wandern, ohne Etwas von ihrem Gifte einzuschlürfeu, und sie wird nicht anders davon befreit werden, als wenn sie zum öfteren Empfange des Leibes und Blutes Jesu Christi ihre Zuflucht nimmt." — O säume nicht, christlicher Leser, recht oft und würdig die heilige Communion zu empfangen! Sie wird dich stärken auf der beschwerlichen Reise zum Himmel und dich schützen vor den zahllosen Gefahren dieses Lebens. Eben dieses Mittel war es, wodurch der heilige Goar, dessen Fest auf den heutigen Tag fällt, sich im Leben jederzeit zum Kampfe stärkte, und vor den Gefahren schützte. Legende: Der heilige Priester und Einsiedler Goar, (ch 575.) Der heilige Goar war ein Priester aus Aquitanien und kam nach Deutschland in die Gegend von Trier, wo er eine einsame Klause bewohnte. Der Ruf seines heiligen Wandels zog aber viele Menschen zu ihm, um aus seinem heiligen Munde Worte des Lebens zu vernehmen. Zur bischöflichen Würde bestimmt, schickte ihm Gott der Herr seinen Wünschen gemäß eine Krankheit, die er stille duldend bis zum Ende seines Lebens ertrug. Oft gestärkt durch das Brod des Lebens, entschlief er selig im Herrn am 6. Juli 575. Gebet. Verleihe uns, o Gott, die Gnade, daß auch wir uns im Leben recht oft stärken zum Tugendkampfe durch den würdigen Empfang der heiligen Communion, und daß wir, gestärkt durch das Brod des Lebens, ebenso selig einst entschlafen, wie der heilige Priester und Einsiedler Goar, — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Hundertachtnildachtzigstes Lesestück. Am Feierabende des 7. Juli. Von der Vorbereitung zur heiligen Communion der Seele nach. Fr. Ist es schon genug, wenn wir die heilige Communion recht oft empfangen? Antw. Nein, wir müssen sie auch recht würdig empfangen. Fr. Was müssen wir also thun? Antw. Wir müssen uns dazu recht vorbereiten, und zwar der Seele und dem Leibe nach. Belehrung. In der heiligen Communion empfangen wir Jesum Christum, den lebendigen Gott. Wie rein muß also nicht unser Leib und unsere Seele sein, wenn wir einen solchen Gast in unser Herz aufnehmen wollen? (Siehe das nachfolgende Bild!) Der Leib Christi ist wahrhaft ein Brod, aber kein gemeines, sondern ein heiliges, ein himmlisches Brod, das Brod der Engel, das Brod des ewigen Lebens. Daher mußte in den ältesten Zeiten der Kirche der Priester vor Ausspendung der heiligen Communion laut rufen: Lsnota sanctis d. h. das Heilige ist nur für Heilige. Durch diesen Zuruf wollte der Priester Jene zurückschrecken, die etwa unwürdig communiciren würden. — Waren ja schon so viele Vorbereitungen nöthig, um an den Geheimnissen des alten Bundes Theil zu nehmen, die doch nur Figuren und Schatten waren: welche Vorbereitungen sind nicht nöthig, um einen Gott zu empfangen! „Wenn eine Figur schon so viele Vorbereitung erforderte," sagt der heilige Ambrosius, „welche Vorbereitung erfordert alsdann nicht die Wahrheit!" Fr. Wie sollen wir uns der Seele nach vorbereiten? Antw. Dadurch, daß wir unsere Seele 1) von 55* 436 Drittes Hauptstiick. Von der Vorbereitung zur heiligen Commniuon der Seele nach. ^ /-^ MM allem Unrath der Sünde reinigen, und 2) sie mit Tugenden zieren. Fr. Was heißt das: Wir müssen unsere Seele von allem Unrath der Sünde reinigen? Antw. Es heißt: wir müssen wenigstens von jeder schweren Sünde frei sein; müssen uns aber auch bemühen, die läßlichen Sünden aus unserm Herzen zu entfernen, sowie jede unordentliche Neigung und alleAnhänglichkeit an das Irdische. Belehrung. Wenn wir den Herrn würdig empfangen wollen, so müssen wirunS 1) durch eine giltige Beicht von allen schweren Sünden reinigen; wie könnten wir sonst den Reinsten und Heiligsten in ein mit Sünden beflecktes Herz aufnehmen? „Die Augen des Herrn sind rein," sagt der Prophet Habakuk (1, 13.), „und können die Bosheit nicht ansehen." Was ist aber in den Augen Gottes unreiner und häßlicher, als eine schwere Sünde? Darum „prüfe sich der Mensch selbst, und dann erst esse er von diesem Brode und trinke von diesem Kelche!" (1. Cor. 11, 28.) — Wenn wir die unendliche Heiligkeit Gottes noch genauer betrachten, so wird es uns auch einleuchten, daß wir sogar 2) jede läßliche Sünde, sowie jede unordentliche Neigung und alle Anhänglichkeit an die Welt aus unserm Herzen entfernen müssen. Daher wusch der göttliche Heiland vor der Ertheilung der heiligen Communion seinen Jüngern die Füße, um anzudeuten, wie rein und unschuldig die Seele sein müsse, die den Herrn empfangen will. Beispiele und Anwendung. In der Geschichte der Cisterzienser-Mönche wird uns von einem Mönche erzählt, er habe von Gott, so oft er zur heiligen Communion ging, so große Süßigkeit genossen, daß er glaubte, Honigseim zu empfangen; und diese Wonne dauerte bei ihm jedes Mal drei Tage. Als er aber eines Tages einen der Brüder etwas gebieterisch angefahren hatte, und ohne sich mit ihm ausgesöhnt zu haben, zum Tische des Herrn ging, so fühlte er nicht nur nicht jene Süssigkeit, sondern er glaubte bittere Galle im Munde zu haben, weil er das Gebot des Herrn nicht erfüllt hatte, welches Christus im Evangelium gegeben: „Wenn du deine Gabe auf den Altar bringst, und du dich erinnerst, daß dein Bruder Etwas gegen dich habe; so laß deine Gabe dort auf dem Altäre, und gehe zuvor hin, versöhne dich mit deinem Bruder, und hernach komme und opfere deine Gabe." — Lernen wir hieraus, wie dringend Gott verlangt, daß wir uns unverzüglich mit unfern Brüdern aussöhnen, und wie selbst ein geringer Fehler uns Gottes Mißfallen zuzieht, wenn wir mit selbem behaftet zum Tische des Herrn hinzutreten! Darum sollen wir unser Herz reinigen von jeglicher, selbst auch läßlichen Sünde, so weit es nur immer in unfern Kräften steht, auf daß wir die heilige Communion würdig empfangen. — Ja, wir sollen auch jede unordentliche Neigung und alle Anhänglichkeit an die Welt aus unserm Herzen entfernen. Daher sprach einst der göttliche Heiland zur heiligen Gertrud auf die Frage, wie sie sich am Besten zur heiligen Communion vorbereiten solle: „Ich verlange nur Eines, daß, wenn du mich empfängst, du ganz leer von dir selbst seiest, und mich mit leerem Herzen empfangest;" denn je mehr die irdischen Begierden darin herrschen, fügt der heilige Alphons Liguori bei, desto weniger Raum findet die Liebe Gottes, findet der göttliche Heiland selbst in demselben. Als daher einst eine fromme Klosterfrau vor dem Tabernakel kniete und den göttlichen Heiland fragte, warum er im Ciborium, das doch nur von Erz — von Gold und Silber sei, und warum er nicht lieber in ihrer Seele wohne, so antwortete er ihr durch eine innerliche Stimme: „Meine Tochter! wenn dein Herz gegen alles Irdische so kalt und gleichgiltig, wenn dein Herz von allem Irdischen so leer wäre, wie das Ciborium, dann wollte ich lieber in deinem Herzen, als im Ciborio wohnen." — Siehst du, mein christlicher Leser! wie nothwendig es ist, daß wir aus unserm Herzen allen irdischen Sinn und alle Anhänglichkeit an die Erde entfernen, wenn wir den Herrn würdig empfangen wollen? Fr- Was heißt das: Wir müssen unsere Seele mit Tugenden zieren? Antw. Das heißt: wir müssen sie schmücken mit guten Werken, mit heiliger Andacht, mit lebendigem Glau- 437 Am Feierabende des 8. Juli. ben, mit tiefer Demuth und Ehrfurcht und mit heißer Sehnsucht. Belehrung. Wenn ein vornehmer Herr bei uns cin- kehrt, so begnügen wir uns nicht damit, die Zimmer, die wir ihm zur Wohnung bestimmen, bloß vom Schmutze zu reinigen, wir beeifern uns auch, dieselben so gut als möglich auszuschmücken. Was sollen wir alsdann bei der Einkehr Jesu in unsere Herzen nicht Alles thnn? Wir sollen unsere Herzen schmücken mit gutenWerken, durch frommes, andächtiges Gebet, durch Fasten und Almosengeben; wir sollen sie zieren mit jeglicher Tug end, mit lebendigem Glauben, mit tiefer Demuth und Ehrfurcht und mit heißer Sehnsucht. Beispiel und Anwendung. Der heilige Gregor ins erzählt, eS habe im Alterthume in der Kirche eine Sitte bestanden, wenn das Volk communiciren wollte, von welcher es heut zu Tage noch sehr wünschenswert!) wäre, daß sie noch bestände. Der Diakon erhob sich zu Denjenigen, welche communiciren wollten, und sprach mit lauter Stimme: „Die nicht vorbereitet sind, um an einem so großen und erhabenen Geheimnisse Theil zu nehmen, sollen sich zurückziehen und den Andern Platz machen!" Dann sprach er zu Jenen, welche zur Connnunivn bereit waren: „Nahet euch mit Glauben, mit Ehrfurcht und Liebe!" Und auf diese Weise wollte er uns andeuten, daß eine sehr gute Vorbereitung in der Ausübung dieser drei Tugenden bestehe, wenn eine Seele bereit sein soll, den heiligsten Leib Jesu Christi zu empfangen. — Glaube, Ehrfurcht und Liebe sollen also insbesonders die Tugenden sein, mit denen unsere Seele geziert sein muß, wenn wir hintreten zum Tische des Herrn. Legende: Der heilige Bischof Willibald (f 786.) Kaum hat je ein Heiliger mit lebendigerm Glauben, mit tieferer Demuth und Ehrfurcht und mit heißerer Sehnsucht seinen Gott und Herrn empfangen, als der heilige Bischof Willibald, dessen Fest heute in der Kirche Gottes gefeiert wird. Er war der Sohn des heiligen Richard, Königs der Westsachsen, und wurde schon von Kindheit auf in aller Gottseligkeit erzogen. O wer kann die Andacht schildern und die heilige Freude, mit welcher er schon in frühester Jugend Theil nahm an den hochheiligen Geheimnissen unserer heiligen Religion! Als er in der Tugend und in der Wissenschaft des Heiles erstarkt war, ging er hinaus in die weite Welt als Glaubensbote und predigte die beseligende Lehre des Christenthnms in Franken und Bayern, indem er auch hiebei eine wahrhaft königliche Größe zeigte. Vom heiligen Bonifacius zum Bischof von Eichstädt geweiht, erreichte sein frommer Eifer einen noch höhern Grad, und so starb er nach vielen Leiden und schweren Prüfungen, die er mit Sanftmnth und Geduld überwunden hatte, im Jahre 786. Gebet. Heiliger Bischof Willibald, du treuer Diener des Herrn! bitte für uns, damit auch wir mit so lebendigem Glauben, mit so tiefer Demuth und Ehrfurcht und mit so heißer Sehnsucht, wie du, jederzeit am Tische des Herrn beim heiligen Abendmale erscheinen, bis wir einst Theil zu nehmen gewürdigt werden am Hochzeitmale des Lammes in der ewigen Glorie und Herrlichkeit. Amen. Hmldertneummdachtzigstes Lesestück. Am Feierabende des 8. Juli. Von der Vorbereitung zur heiligen Commnnion dem Leibe nach. Fr. Wie sollen wir uns dem Leibe nach zur heiligen Commnnion vorbereiten? Antw. 1) Durch Nüchternheit und 2) durch Reinlichkeit und Ehrbarkeit. Fr. Was heißt das: Wir sollen uns d n r ch N ü ch- teruh eit zur heiligen Commnnion vorbereiten? Antw. Es heißt: wir sollen von Mitternacht an nüchtern sein, oder mit andern Worten, wir sollen von 12 Uhr Nachts an weder Speise noch Trank zu uns nehmen, wenn wir am folgenden Tage die heilige Com- munion empfangen wollen. 438 Drittes Hauptstiick. Von der Vorbereitung zur heiligen Communion dem Leibe nach. Belehrung. Es list eine schon aus den Zeiten der Apostel herstammende Vorschrift der Kirche, wie der heilige Augustin sagt, daß die Gläubigen, welche zum Tische des Herrn gehen wollen, von Mitternacht an nüchtern sein »müssen, d. h. sie j dürfen von 12 Uhr Nachts an nicht das Geringste genoffen, weder gegessen, noch ^getrunken haben. Hiezu ist man unter einer schweren Sünde verpflichtet. Von diesem Gesetze sind jedoch Kranke ausgenommen und im Nvth- falle auch Priester, wenn sie z. B. im Erkrankungsfalle des celebrirendcn Priesters das heilige Meßopfer vollenden sollen, vorher aber schon Etwas genoffen hätten. Es kann sogar auch der Fall eintreten, daß ein Laie das Allerheiligste sumiren dürfte, ohne nüchtern zu sein, wenn dieses nämlich auf keine andere Weise gegen Verunehrung geschützt werden könnte. Nach der Lehre der Theologen bricht man aber dieses Fasten weder durch die Ueberbleibsel der Speise, die man am vorhergehenden Tage oder Abende zu sich genommen hat, und wovon Etwas in den Zähnen blieb, noch durch ein wenig Wasser, das man beim Waschen zufällig hinunterbrachte, noch durch eine Mücke, die man beim Athemholen einzog, noch durch Blut oder eine andere Feuchtigkeit, die aus dem Kopfe kommt, noch durch Regen- und Schweißtropfen , durch Schneeflocken u. s. w., die Einem zufällig in den Mund gerathen; — Alles dieß muß aber zufällig und unabsichtlich geschehen. — Dis Kirche hat bei diesem Gebote, wie St. Augustin sagt, einen sehr guten Grund; sie hat nämlich dieses Fasten vorgeschrieben wegen der Ehrfurcht und Achtung, die man dem Allerheiligsten schuldig ist, „damit Nichts in den Mund des Christen komme, ehe der Leib des Herrn in denselben ein geht." Beispiele und Anwendung. Alle frommen Katholiken kamen diesem sehr vernünftigen Gebote der Kirche jederzeit mit besonderer Pünktlichkeit nach. In der Legende begegnen uns hiefür sehr viele und schöne Beispiele. Die Heiligen fasteten häufig am Tage vor Empfang der heiligen Communion. Die selige Margarita, königliche Prinzessin von Ungarn, genoß den Tag zuvor bloß Brod und Wasser. — Die selige Stephana von Son- cino wurde in einer Nacht heftig von Durst gequält; als sie nun an einen Trank dachte, fiel es ihr bei, daß sie die heilige Communion Unterlasten müßte, wenn sie den Durst löschen wolle. Sie enthielt sich daher trotz des Widerstrebens der Natur vom Tranke; dafür ward ihr aber durch die heilige Communion eine solche süsse Sättigung zu Theil, (sieh das obige Bild!) daß sie sich vierzig Tage lang von jeder Speise und jedem Getränke enthielt. — Wenn die Heiligen Gottes so sorgfältig und pünktlich waren in Erfüllung des kirchlichen Gebotes in Bezug auf die Nüchternheit; um wie viel mehr haben nicht auch wir Ursache, in dieser Beziehung sorgfältig und pünktlich zu sein? Fr. Was heißt das: Wir sollen uns dem Leibe nach zur heiligen Communion durch Reinlichkeit und Ehrbarkeit vorbereiten? Antw. Das heißt: wir sollen bei der heiligen Communion in reinlicherund ehrbarer Kleidung erscheinen. Belehrung. Wenn wir schon vor einem irdischen Könige nicht anders, als nur in reinlicher und ehrbarer Kleidung erscheinen dürfen, so ist dieß gewiß noch mehr der Fall, wann wir hingehen, um den König Himmels und der Erde zu empfangen. Die äußerliche Kleidung sei jedoch gleichweit entfernt von aller Nachlässigkeit und Unreinlichkeit, sowie von aller Ziererei und Eitelkeit; sie verstoffe nicht gegen die Regeln der Sittsamkeit und Schamhaftigkeit. Aermliche Kleidung darf aber den Armen vom Empfange des Herrn nicht abhalten. Beispiel und Anwendung. Christine, die Tochter armer, aber sehr frommer Eltern, sollte zum ersten Male zur heiligen Communion gehen. O wie sehnte sie sich nach diesem seligen Tag! Sie erschien zur bestimmten Stunde mit ihren Mitschülerinen in der Schule, um von da im festlichen Zuge zur Kirche zu gehen. Alle waren wunderschön und reichlich gekleidet; nur Christine erschien in ganz ärmlicher, aber reinlicher Kleidung. Zwei eitle und ungezogene Mädchen betrachteten die arme Christine mit höhnischen Blicken und spotteten ihrer schlechten und ärmlichen Kleidung. Christine ließ sich Alles gefallen; denn ihr Herz freute sich schon auf den himmlischen Gast, der heute bei ihr Einkehr nehmen will. Aber dem braven Lehrer entging dieß muthwillige Betragen der beiden Schülcrinen nicht; er trat vor sie hin und sprach voll Ernst: „Wisset, der göttliche Heiland hat allezeit die Armuth lieb gehabt, nie aber eitlen Putz und Schmuck. Euere Tracht ist voll Eitelkeit und euer Herz voll Schmutz, 43S Am Feierabende des 9. Juli. weil in ihm nicht die Liebe, sondern die Hoffart wohnt. Gehet und reiniget euere Seele, ehe ihr Jesum empfanget!" Und mit diesen Worten wies der Lehrer die beiden stolzen und lieblosen Mädchen vom Empfange der heiligen Communion zurück, bis sie ihren Fehler durch ein ordentliches und sittsames Betragen wieder hinlänglich gut gemacht hatten. — Also reinlich und ehrbar, nicht aber eitel und hoffärtig sollen wir erscheinen in Bezug auf unsere Kleidung, wenn wir zum Empfange der heiligen Communion gehen. Legende: Der heilige Bischof und Blutzeuge Kilian, ('s 689.) Mit heiliger Vorbereitung sowohl dem Leibe als der Seele nach erschien der heilige Kilian, dessen Fest auf den heutigen Tag fällt, und der in Würzburg besonders hoch verehrt wird, jederzeit beim Tische des Herrn. Er war ein irländischer Mönch und stammte aus hochadeligem Geblüte. Schon von zarter Kindheit an wurde er in der christlichen Gottesfurcht erzogen und erfreute höchlich seine Eltern und Lehrer durch seine schnellen Fortschritte in der Tugend und Vollkommenheit. Schon frühzeitig erglühte in seinem Herzen der sehnlichste Wunsch, als Glaubensprediger hinanszuziehen unter die Heiden und sie für Christus zu gewinnen. Als er einst in die Betrachtung der Worte Jesu versunken war: „Wer mir Nachfolgen will, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach!" (Mark. 8, 34.), gedieh sein Entschluß zur Reife. Er verließ sein Kloster, Eltern und Vaterland nnd begab sich nach Frankreich und Deutschland und von da nach Rom. Daselbst wurde er zum Bischöfe geweiht und als Glaubensbote nach Deutschland geschickt. Der Himmel segnete seine apostolischen Arbeiten, und in kurzer Zeit bekehrten sich eine Menge Heiden in der Gegend von Würzburg unter dem Frankenherzog Gosbert, der ebenfalls die heilige Taufe empfing. Auf An stiften der gottlosen Gemahlin Gosbert's wurde der Heilige im Jahre 689 ermordet. Gebet. Verleihe uns, o Gott! auf die Fürbitte des heiligen Bischofs und Märtyrers Kilian die Gnade, daß wir beim Empfange der heiligen Communion erscheinen, angethan mit dem Gewände der Unschuld und Reinigkeit an Leib und Seele, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Hundertundriemizigstes Lesestück. Am Feierabende des 9. Juli. Das Verhalten bei und nach der heiligen Communion. Fr. Wie soll man sich beim Empfange der heiligen Communion selbst verhalten? Nntw. Zum Empfange der heiligen Communion soll man mit größter Ehrerbietigkeit, mit aufgehobenen Händen und niedergeschlagenen Augen hintreten; soll dann das Speisetuch vor sich halten, das Haupt erheben, die Zunge auf die untere Lippe legen und dann die heilige Communion ehrerbietig genießen. (Man habe Acht, die heilige Hostie nicht im Munde zu behalten, bis sie ganz aufgelöst ist; sollte sie am Gaumen ankleben, so mache man sie nicht mit dem Finger, sondern mit der Zunge los!) Belehrung und Beispiele. Wer mag die innige Andacht, die tiefe Demuth und die feurigen Gefühle schildern, mit denen fromme und heilige Seelen zum Tische des Herrn hintraten? — Der heilige Aloysius empfing seine erste heilige Communion zu Castiglione im 12tcn Lebensjahre aus den Händen des heiligen Carolus Borromäus. Nach einer dreitägigen gründlichen Vorbereitung nahte endlich der selige Augenblick, wo St. Aloys seinen Gott und Herrn in sich aufnehmen sollte. Wie glänzte da sein Angesicht vor himmlischer Wonne und heiliger Freude, als er den ersten Schritt zum Liebesmale des Herrn thun durfte! Beim Genüsse des HimmelSbrodes zerfloß er in Liebesthränen, und seine Seele war voll heiliger Gefühle und voll himmlischer Seligkeit, so daß er nachmals ausrief: „Wer anfängt zu verkosten, wie süß und lieblich die Gemeinschaft und Liebe Jesu ist, der kann sich vom Empfange des Herrn nicht ohne Gefühl des tiefsten Schmerzes trennen." — Mit gleicher Sehnsucht und 44 « Drittes Hanptstüch. Das Verhalten ML Seligkeit traten auch andere Heilige Gottes, wie z. B. die heilige Katharina von Genua, die heilige Magdalena von Pazzis u. s. w. zum Tische des Herrn. — Solch ähnliche Gedanken und Gefühle sollen auch uns am Communiontische durchdringen und beleben. Fr. Wie sollen wir uns nach dem Empfange der heiligen Eommunion benehmen? Antw. Wir sollen uns mit der größten Sittsam- keit an einen ruhigen Ort der Kirche begeben und dort noch einige Zeit in andächtigem Gebete verharren. (Sieh das obige Bild!) Belehrung. Keine Zeit ist kostbarer und gnadenreicher als die nach der'heiligen Eommunion; daher sollen wir sie auf's Beßte benützen. „Nach der heiligen Commu- nion befindet sich Jesus in unserm Herzen," sagt die heilige Theresia, „gleichwie auf einem Throne der Barmherzigkeit, um uns Gnaden mitzutheilen. Er ruft uns da gleichsam zu: Was willst du, das ich dir thun soll? — Darum darf man eine so gute Gelegenheit, sich zu bereichern, nicht unbe- nützt vorüber gehen lassen; denn die göttliche Majestät pflegt die Herberge nicht schlecht zu bezahlen, wenn man sie nur bei und nach der heiligen Eommunion. gut aufnimmt." — Wie unverzeihlich ist es daher nicht, wenn man sogleich nach der heiligen Eommunion davoneilt, ohne dem himmlischen Gaste die schuldige Aufmerksamkeit und Ehrfurcht zu schenken! Beispiel und Anwendung. Der heilige Philippus Neri bemerkte einst zu seinem nicht geringen Verdruße, wie ein Mensch sogleich nach Empfang der heiligen Hostie der Kirchthüre zueilen und von dannen gehen wollte. Schnell befahl der Heilige, daß zwei Ministranten den weggehenden Mann mit brennenden Kerzen begleiten sollten. Dieser fragte betroffen, was dieser Auftritt zu bedeuten hätte, und kehrte auf die Antwort der Ministranten, daß der Priester dieses befohlen hätte, zu diesem zurück, um ihn über diese Anordnung zu Rede zu stellen. Mit liebevollem Ernste erwiederte der Heilige: „Wenn ein Priester das hochwürdigste Gut im Ciborium trage, so hätten ihn immer zwei Kirchendiener mit brennenden Kerzen zu begleiten; dieselbe Ehre gebühre auch Demjenigen, der dasselbe höchste Gut in seinem Herzen trage." Nun erkannte der Mann seinen Fehler, ging in einen Betstuhl und verrichtete daselbst die gebührende Andacht. Auch du, o Christ! bedenke, daß durch die heilige Eommunion dein Herz zum Ciborium des hochwürdigsten Gutes geworden, und vergiß nicht, die Kerze der Andacht anzuzünden, und insbesonders solche Gebete zu verrichten, wodurch du dich vor dem Herrn verdemüthigst, ihm dankest, dich ihm aufopferst, ihn liebest und um Gnaden anflehest. Fr. Wie sollen wirden Communiontag selbstzubringen? Antw. So viel als möglich in gottseligen Uebungen. Belehrung. Den Communiontag sollen wir heilig, in frommer, christlicher Weise zubringen. Insbesonders sollen wir da Jesum im heiligsten Altarssakramente recht oft und andächtig besuchen; denn es wäre eine der größten und abscheulichsten Unarten und Uuhöflichkeiten, einen Besuch nicht zu erwiedern, den man uns zuvor abgestattet hat. Ferner sollen wir uns, so weit cs unsere Arbeiten erlauben, mit frommen Gebeten und Betrachtungen beschäftigen, alle zerstreuenden Vergnügungen und Lustbarkeiten, alle unnützen oder gar sündhaften Plaudereien vermeiden und nur Jesu und unserm Seelenheils leben. Beispiel und Auwendung. Die Indier verweilen, wie uns in den Missionsberichten vom Jahre 1586 erzählt wird, nach dem Empfang der heiligen Eommunion unter frommen Dankgebeten und Danksagungen bis zum späten Abend im Tempel. Als ein besonders festlicher Tag gilt ihnen der Tag der ersten heiligen Eommunion. Eine fromme Mutter, welche das Glück hatte, ihr Töchterlein zur ersten heiligen Eommunion führen zu dürfen, schmückte dieselbe mit aller möglichen Sorgfalt. Während das gute Kind ihrer Com- munionandacht in der Kirche oblag, eilte die sorgsame Mutter nach Hause, reinigte das Schlafkämmerlein ihrer Tochter, be- Am Feierabende des 10. Juli. 441 legte den Boden mit Binsen, zierte es mit Blnmen nnd erfüllte es mit Wohlgerüchen mannigfaltiger Art; um den niedlichen Hansaltar aber schlang sie Blumenkränze nnd zündete auf demselben Lichter an. Mit Sehnsucht sah sie nun der Rückkunft des glücklichen Mädchens entgegen. Als sic heim- kehrte, eilte ihr die hochbeglückte Mutter mit offenen Armen entgegen, begrüßte und beglückwünschte die junge Braut Christi und führte sie dann in das festlich geschmückte Kämmerlein, wo sic die überraschte Tochter also anrcdete: „Siehe, du trägst nun deinen Herrn und Heiland im Herzen; weile hier in stiller Andacht, danke dem himmlischen Bräutigam für seine liebevolle Einkehr und trage ihm vertrauensvoll all die Anliegen deines Herzens vor! Oft feiere hier vor diesem HauSaltar das Andenken an deine erste Communion!" Welch zarte Erfindung mütterlicher Liebe! Nach diesen Worten verließ die fromme Mutter das Kämmerlein und die überselige Communikantin verweilte den ganzen Tag in stillen, heiligen Gebeten vor ihrem Gotte. (Sieh das vorhergehende Bild!) — Mochten wir von diesem unschuldigen Kinde lernen, wie auch wir den Communiontag würdig und heilig feiern sollen! — Dieser lieblichen Erzählung füge ich nun noch die Legende des heutigen Tages bei. Legende: Der heilige Märtyrer Cyrillus, Bischof zu Gorthna. (ch 254.) Dieser Heilige lief schon in seiner Jugend den frommen Dienern Gottes nach, nm von ihnen entweder ein heilsames Wort zu hören oder ein gutes Beispiel zunahm. In seinen männlichen Jahren wurde er ebendeshalb unter die Geistlichkeit ausgenommen und ihm endlich das Oberhirtenamt übertragen, welches er in aller Treue ein halbes Jahrhundert lang bekleidete. Da nun ließ er es sich eben so angelegen sein, bei seinen Gläubigen die Reinheit der Religion zu erhalten, als den Ungläubigen das Licht des wahren Glaubens anzuzünden. Achtundachtzig Jahre alt, sollte er den Göttern opfern; aber voll heiliger Begeisterung für seinen Glauben wies er ein solch gottloses Ansinnen mit Verachtung zurück. Er wurde deßhalb zum Feuertode verurtheilt; da er aber mitten unter den Flammen unversehrt blieb, so wurde er endlich enthauptet im Jahre 254. Gebet. Heiliger Bischof und Märtyrer Cyrillus! bitte für uns bei Gott, damit wir stets mit heiliger Andacht hintreten zum Tische des Herrn, beseelt von jenem heiligen Glauben, für den du Blut nnd Leben hinge« opfert hast, nm ewig Theil zu nehmen an der Herrlichkeit der Heiligen und Auserwählten im Himmel. Amen. Hmiderteiimlidneilnzigstes Lesestück. Am Feierabende des 10. Juli. Segen und Nutzen der würdigen Communion für die Seele. LIM '^,!Ä Fr. Welchen Segen und Nutzen bringt die würdige Communion? Antw. Sie bringt die wunderbarsten Wirkungen hervor für Leib nnd Seele. Belehrung und Beispiel. Unaussprechlich sind die Wirkungen der würdigen Communion; eher würde man die Sterne am Himmel zu zählen im Stande sein, als alle Gnaden und Wohlthaten, welche die würdige Communion der Seele und dem Leibe des Menschen verleiht; da ist so recht das Herz des göttlichen Heilandes offen, aus dem uns Gnaden über zu sehen. Es konnte daher nicht fehlen, daß er von Tag Gnaden Zuströmen. (Sieh das nachfolgende Bild!) — Als zu Tag in der christlichen Vollkommenheit immer mehr Ob cd edom, der Gethiter, das Glück hatte, daß die Bundes- Mehler, Hausbuch. 442 Drittes Hauptstück. Segen und Nutzen der würdigen Communion für die Seele. HlmtlLMDLli 0« ««Ale kü-r-kM.S. lade in seinem Hause aufbewahrt wurde, streckte Gott, der jeden kleinen Dienst reichlich belohnt, seine wohlthätige Hand nicht nur über den gefälligen Gastsreund, sondern auch über seine ganze Familie aus, indem er sie mit Segnungen und Gnaden überhäufte. „Der Herr segnete Obededom und sein ganzes Haus," heißt es 2. Köm 6. Nun denket euch, was er an jenen Seelen thun wird, die das viel größere Glück haben, nicht nur die Bundeslade bei sich zu bewahren, sondern den ganzen Leib, die Seele, das Blut und die Gottheit des Herrn selbst! Wie wird er erst seine Hand ausbreiten, um über diese seine lieben Gastfreunde in aller Fülle die Segnungen und Gnaden auszugießen! Welche Segnungen und Gnaden, und in welcher Fülle wird er sie mehr, als durch alle andern Mittel, in diesem Sakramente mittheilen! — Wir wollen cheute nur die vorzüglichsten Wirkungen der heiligen Communion in Bezug auf unsere Seele betrachten. Fr. Welche Wirkungen bringt die würdige Communion in unserer Seele hervor? , Antw. Durch die würdige Communion wird unsere Seele: 1) gereinigt und veredelt, 2) gestärkt und 3) zur künftigen Auferstehung und znm ewigen Leben befähigt. Fr. Wie wird die Seele in der heiligen Commu- nion gereinigt und veredelt? Antw. Durch die würdige Communion wird die Seele von läßlichen Sünden gereinigt und vor Todsünden bewahrt; sie wird mit Christus vereinigt, und auf solche Weise veredelt, ja gleichsam selbst immer mehr göttlich, mehr himmlisch gesinnt. Belehrung. „Wie beseligend ist es," ruft der geistreiche Alvaredo aus, „durch die heilige Communion den Erlöser in unserer Seele zu bewirthen! Er ist zu Bethlehem in einem Stalle eingekehrt und hat ihn durch seine Gegenwart in ein Paradies lobsingender Engel umgewandelt; er ist im Hause des sündhaften Zachäus eingekehrt, und hat ihm alle Sünden nachgelassen, er ist in die Vorhölle hinabgestiegen, und hat durch seine Gnade den dunkeln und traurigen Kerker in Herrlichkeit, Freude und Erlösung umgeschaffen. " Beispiel und Anwendung. Der Prophet Elisäus lud einst seine Schüler zu einem Mahle, und stellte ihnen ein Gericht vor, das aus allerlei Kräutern des Feldes bereitet war. Aber kaum hatten sie davon gekostet, so merkten sie das Gift in der Speise und sprachen voll Entsetzen: „Der Tod ist in der Schüssel!" Elisäus ließ ein wenig Mehl in die giftige Speise streuen, und alles Gift war daraus verschwunden. Die Speise war wieder gesund und schmackhaft zu essen. Diesem Gerichte gleicht unser Leben auf Erden. Es ist ein Ort der Verbannung, des Unglücks und der Trauer, mit gar mancherlei Giftstoffen verfälscht und verdorben. Wir können mit den Schülern des Propheten Elisäus ausrufen: „Der Tod ist in der Schüssel!" Der Tod in schlechten Büchern, der Tod in schlechten Häusern, der Tod durch leere Gaffer in der Kirche, der Tod in unserm Leibe, der Tod in unserer Seele, überall zeitlicher und ewiger Tod! Der Tod ist in der Schüssel! Aber Jesus im allerheiligsten Sakramente des Altars ist das Mehl des Propheten Eli- fäus; in's Leben dieser Erde gestreut, entfernt er Alles, was uns vergiften und tödten kann. Als Himmelskost mit Andacht genossen, vertreibt er den Tod aus den Häusern, den Tod aus dem Leibe, den Tod aus der Seele. Das Haus wird durch ihn vom Tode der Sünde gereinigt und mit dem Wohlgeruche der Tugend erfüllt; der Leib des Menschen erblüht durch ihn aus Tod und Verwesung zu einem neuen unsterblichen Leben, die Seele genießt durch ihn den Trost aller Heiligen, der mit jedem Tage zunimmt, der uns unendlich für alles Leiden der Erde entschädigt. Jesus im allerheiligsten Sakramente ist es, von welchem in der geheimen Offenbarung Johannis geschrieben steht: „Sieh, er wird alle Thränen abtrocknen von ihren Augen, und der Am Feierabende des 10. Juli. 443 Tod wird nicht mehr sein, und kein Geschrei und kein Leid; denn alles Vorige ist vergangen und Jesus macht Alles neu." Fr. Wie wird die Seele durch die würdige Com- muliion gestärkt? Antw. Sie wird wunderbar gestärkt auf der gefahrvollen Reise durchs Leben gegen alle Feinde des Heiles und mit Muth und Trost und Kraft erfüllt in allen Leiden und Gefahren. Belehrung. Die würdige Communion stärkt unsre Seele gegen die Feinde des Heiles und gibt ihr Muth und Kraft in Leiden und Gefahren; fa, sie verleiht der gerechten Seele eine wunderbare Stärke, um auf dem Dornenwege der Tugend mitten unter Leiden und Trübsalen standhaft fortzuwandeln. Die Welt ist, wie der heilige Cyprian sagt, ein Kampfplatz, und unser Leben ein beständiger Streit. Unsere Feinde in diesem Streite sind die bösen Geister, die verkehrten und verderbten Neigungen, die uns täglich, ja stündlich zusetzen. Langwierig und sehr beschwerlich ist dieser Kampf. Was müssen wir nun thun, um nicht zu unterliegen? Wir müssen uns mit Mundvorrath versehen, auf daß wir, dadurch gestärkt, unsere Feinde abtreiben und den Sieg erhalten mögen. Und dieser Mundvorrath ist das allerheiligste Altarssakrament, ebendeßwegen, weil wir dadurch Muth und Stärke erhalten, die Feinde unserer Seele, nämlich die bösen Geister und die Pfeile ihrer Versuchungen abzutreiben; es wird ja von der Kirche und ihren Vätern ein Brod der Engel, ein verborgenes Himmels- brod, ein seelenstärkendes Brod genannt. „Durch die heilige Communion," sagt der heilige Märtyrer Ignatius, „wird die Gewalt des Satans gehemmt, und seine Pfeile werden aufgehalten." „Jene, die zuvor furchtsam waren," spricht der heilige Chrysostomus, „werden durch die heilige Communion in Löwen verwandelt; und der höllische Geist zittert, da er ihre vom Blute Jesu Christi gerötheteu Lippen sieht." Beispiel und Anwendung. Der Prophet Elias wurde als furchtloser Prediger des wahren Gottes von der gottlosen Jezabel, der Gemahlin des Königs Achaz, bis aufs Blut verfolgt. Um sein Leben zu retten, entfloh er in die Wüste, ohne Speise und Trank, ohne alle Menschenhilfe. Die Sonnenhitze versengte seinen Scheitel, der glühende Sand seine nackten Fußsohlen. Schon nach der ersten Tagreise sank er ermüdet an einer Staude nieder und sagte ganz muthlos: „Ich habe genug, o Herr, laß mich sterben!" Er schlief hierauf völlig entkräftet ein. Da kam der Engel des Herrn, berührte ihn und sprach: „Steh' auf und iß! Denn ein weiter Weg steht dir noch bevor." Elias stand aus und aß, und wurde durch das Brod des Engels so gestärkt, daß er in der Kraft desselben vierzig Tage und vierzig Nächte fortging, ohne zu ermüden, und glücklich auf dem Berge Horeb anlangte, wo er sich in einer Höhle zum einsamen Umgänge mit Gott versteckte. Dieses Engelsbrod des Elias betrachtet die Kirche als das Vorbild des Engelsbrodes, das wir in der heiligen Communion genießen. Wir wandern durch die gefahrvolle Wüste dieses Lebens, wo die Schlange der Versuchung unsere Seele peiniget, wo die wilden Thiere unzähliger Sünden unser ewiges Leben anfallen, wo der Reif des bösen Beispiels alle grünen Keime der Tugend wegsengt, wo die Lauigkeit eines weichlichen und faulen Lebens alle Quellen der Andacht und Gottesfurcht vertrocknet. In dieser Noch ist das Leben der Seele in großer Gefahr; wir werden leicht muthlos und verzagt, wir sinken hoffnungslos nieder als Beute des nächsten besten Feindes. Aber das Engelsbrod im allerheiligsten Sakramente des Altares rüstet unsere Seele mit unwiderstehlicher Kraft aus, daß wir mu- thig weiter gehen wie Elias, daß wir unversehrt und glücklich anlangen auf dem heiligen Berge Horeb, der Heimat des ewigen Lebens, wo wir ausrasten können am Herzen Jesu, wo wir im süßen Genüsse des Erlösers allen Lärm der Welt, alle Trübsal des sündhaften Fleisches vergessen können. Fr. Juwieferne befähigt die würdige Communion unsere Seele zur künftigen Auferstehung und zum ewigen Leben? Antw. Weil sie ein Unterpfand unserer künftigen Auferstehung und ewigen Seligkeit ist. Belehrung. Dieses spricht der göttliche Heiland selbst mit den Worten aus: „Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken." Denn, „wie sollen unsere Leiber", fügt der heilige Jrenäus bei, „auf ewig verwesen können? wie sollten diese unsere Leiber, genährt vom Fleische Jesu Christi und getränkt von seinem Blute, nicht zum ewigen Leben auferstehen? Ist JesuS Christus nicht die Auferstehung und das Leben? Indem sich der göttliche Erlöser vermittelst des heiligsten Sakramentes des Altares mit unfern Leibern vereinigt, legt er in sie die Keime zum Leben und zur Herrlichkeit; es ist ein unter der Asche glimmendes Feuer, das einst in ihnen alles Unreine verzehren wird, was durch die Sünde in sie hineingekommen ist; er wartet nur auf das Zeichen der Posaune des Weltgerichtes, um in Einem Augenblicke die Leiber der Gerechten zur Aehn- lichkeit mit dem glorreichen Leibe Jesu umzuwandeln." Beispiel und Anwendung. Von dieser Wahrheit überzeugt, blickten die Heiligen Gottes dem Tode freudig in's Auge. — Als man dem heiligen Hieronymus die heilige 56* 444 und Nutzen der würdigen Communion für den Leib. Drittes Hauptstück. Segen Wegzehrung brachte, lag er bleich und abgezehrt auf der bloßen Erde; er richtete sich mit Mühe auf seine Knicc auf und betete mit lauter Stimme: „Du, o Herr! bist das Brod des Lebens. Wer dich würdig genießt, mag mit dem Leibe tausendmal sterben, seine Seele wird leben in Ewigkeit. Sein Sterben ist kein Tod, sondern ein Uebertritt vom Tode zum Leben, sein Sterben ist der Anfang des ewigen Lebens in dir. Siehe, jetzt bin ich todt; du wirst mich erwecken; ich bin krank und schwach, du bist der Arzt, mich zu heilen,; ich bin nackt und zittere vor Kälte, du bist reich, mich zu bekleiden: ich sterbe vor Hunger, du bist die Speise, mich vollauf zu sättigen!" Als er die heilige Wegzehrung genossen hatte, wurde er ganz von inbrünstiger Sehnsucht zu sterben, erfüllt. „O welcher Gewinn ist das Sterben!" rief er aus; „denn von nun an wird Christus mein Leben sein. Das gebrechliche Haus dieses Leibes wird nun abgebrochen, meiner Seele wird eine himmlische Wohnung zu Theil, die nicht von Menschenhänden erbaut ist. Ich trete aus der Finsterniß hinüber zum Licht, aus der Gefahr zur Sicherheit, aus der Armuth zum Reichthum, aus dem Kampfe zum Sieg, aus der Traurigkeit zur Fröhlichkeit, aus dem zeitlichen zum ewigen Leben. Hier war ich blind; im Himmel wird Christus mich erleuchten; hier war ich an allen Theileu verwundet, dort oben gießt der Heiland Oel in meine Wunden; hier war ich trostlos und verzagt, und siche, jetzt kommt mir entgegen die Tröstung. Wohlan, o Freunde! stimmt Jubellieder dem Erlöser an, er führt mich ein in die Erquickung seines Hauses." Legende: Die heilige Amalia. (ch 772.) Wie der heilige Hieronymus, so konnte auch die heilige Amalia, deren Andenken wir heute feiern, aus ihrem Todbette sprechen; denn sie hatte auf ihrer irdischen Wanderschaft sich oft gestärkt mit dem Brode des Lebens und durch den würdigen Empfang der heiligen Communion auch zugleich das Unterpfand ihrer künftigen Auferstehung und Seligkeit empfangen. — Diese Heilige war von vornehmer Herkunft, aber noch vortrefflicher waren ihre Sitten. Sie zeichnete sich besonders in der Liebe gegen die leidende Menschheit aus; denn sie fand die größte Freude und Seligkeit darin, Kranken und Leidenden, Armen und Unglücklichen beizustehen und ihnen Heilung oder wenigstens Linderung zu verschaffen. Im Dienste der Nächstenliebe war ihr keine Arbeit zu gering, keine Mühe zu groß. (Sieh das obige Bild!) Mit Einwilligung ihres fürstlichen Gemahls Witgcr weihte sie sich ganz dem Dienste des Allerhöchsten unw starb heilig im Jahre 772, indem sie getrost dem Tode in's Auge blicken konnte. Gebet. Laß auch uns, o Gott! die beseligenden Wirkungen der heiligen Communion auf unserer irdischen Wanderschaft recht oft und lebhaft erfahren, und laß sie uns ein Unterpfand werden unserer künftigen Auferstehung und Seligkeit, damit wir ebenso getrost, wie die heilige Amalia, dem Tode in'S Auge blicken können, durch Christum, unfern Herrn. Amen. HnndertMimrdimmzigstes Lesestnck. Am Feierabende des 11. Juli. Segen und Nutzen der würdigen Communion für den Leib. Fr. Welche Wirkungen bringt der würdige Empfang der heiligen Communion gar oft in Bezug auf den Leib des Empfängers hervor? Antiv. Auch der Leib wird dadurch oft wunderbar gestärkt und beschützt, ebenso wie einst der göttliche Heiland mit einigen Broden und Fischen viele Tausende gespeist und gestärkt hat. (Sieh das nachfolgende Bild!) Am Feierabende des 11. Juli. 445 Belehrung und Beispiele. Die würdige Commu- nion stärkt und schützt den Menschen gar oft auch leiblicher Weise. Daher schreibt der heilige Chrysosto- mus: „Wenn jede Art von Krankheiten bei Jenen wich, ^ dort bis zur späten Nacht; und forderte man sie auf, nach der langen Nüchternheit jetzt einmal Speise zu sich zu nehmen, dann erwiderte sie: „Vor Uebersättigung ist es mir unmöglich, irgend eine andere Speise zu mir zu nehmen." So hielt sie cs einmal acht Tage nach einander aus, so wie sie auch bei der Ausstellung des Sakramentes im vierzigstündigcn Gebete die ganze Zeit nicht von der Stelle wich, wo sie niedergekniet war. — In der Lebensgeschichte des heiligen Gregor vonNazianz, welcher im Jahre 389 starb, lesen wir, daß der Genuß des Leibes und Blutes Jesu Christi selbst seinem Leibe mehrmal neue Kräfte verliehen habe. — An den Tagen, wo die heilige Katharina von Siena nicht zur Communion ging, war sie so krank, daß es schien, als müsse sie in Kurzem sterben. Wie sehr sie aber auch immer erschöpft sein mochte, so wurden bei der heiligen Communion alle ihre Kräfte vollends wieder hergestellt. Ersehen wir aus diesen Beispielen nicht deutlich genug, welch wunderbaren und wohltätigen Einfluß die heilige Communion, wenn sie würdig die das äußerste Ende Seiner Kleider berühren konnten, soll „ -c - o- .r- § ten sie nicht von uns weichen, die wir so glücklich sind, nichts ^ ^ ^ nur die Kleider und das Fleisch zu berühren, sondern Ihn selbst in unser Herz aufzunehmen und zu genießen?« Wie Fr. Welches ist die wunderbarste und vorzüg- oft hat sich diese Wahrheit nicht schon bestätigt bei Tod- Wirkung, die der würdige Empfang der heiligen kranken! Nach Empfang der heiligen Wegzehrung verspürten §Emnnion ans den Leib des Empfängers hervorschon gar Viele wieder neue Kräfte, und sie erlangten all- mählig die Gesundheit wieder. Ganz deutlich finden wir ^ntw. Diese, ^ sie den Leib des Christen diese Wahrheit auch bestätigt nn Leben der Heiligen. >— . Wenn die heilige Rosa von Lima nach der ernstuchsten ' ^ o » Vorbereitung zum Tische des Herrn ging, nahm sie eines Belehrung. Ja, das ist eine wahrhaft wunderbare Engels Gestalt an, so daß sie den Priestern ein heiliges Wirkung der heiligen Communion, daß unser Leib durch Grauen erregte. Wenn nun diese sie fragten, welche Wir- sie verherrlicht wird zum ewigen Leben; denn kung das heilige Sakrament in ihr hervorbringe, so stockte Christus der Herr selbst hat gesagt: „Wer mein Fieisch ißt sie bei jedem Worte und klagte über die Unzulänglichkeit der und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben und ich Sprache; ihrer Rede kurzer Inhalt war jedoch, sie sei in werde ihn auferwccken am jüngsten Tage." So ihren Gott gewandert, und durch einen solchen Freudenjnbel erlangt also unser sterbliches Fleisch, welches durch die Be- ergötzt worden, daß Nichts im sterblichen Leben sich ihm ver- rührung des göttlichen Fleisches Christi in dem Sakramente gleichen lasse. Dazu kam dann eine solche Kraft und geheiliget wurde, ein Recht, und nimmt, so zu sagen, einen wunderbare Sättigung, daß sie, wenn ihr oft beim Samen der Unsterblichkeit in sich ans, der am jüngsten Tage Betreten der Kirche in der Nachwirkung der Fasten, Nacht- hervorsprossen und ihn zum ewigen Leben erwecken wird. Dawachen und Bußübungen der Athem ausgehen wollte, und her sagt der heilige Augustinus: „Die, welche diese Speise sie zu wiederholtenmalen in den Vorplätzen anzuhalten und und diesen Trank nehmen, werden unsterblich und unver- Kräfte zu sammeln sich genöthigt fand, festen Schrittes und weslich." Und im gleichen Sinne schreibt der heilige Cy- der Mutter voraneilend wieder heimkehrte, wenn sie durch rillus von Alexandrien: „Es ist völlig unmöglich, daß diese himmlische Speise erquickt war. Die Ihrigen erkann- jenes göttliche Brod, welches seiner Wesenheit nach das Leien dann leicht, wie vollkommen sie sich gesättiget habe; denn ben ist, die Verwesung nicht besiege, und eines Tages nicht sie eilte sogleich in ihr stilles Kämmerlein und verharrte über den Tod dieses unsers Fleisches triumphire, welches sich 446 Drittes Hanptstiick. Nutzen und mit dem Fleische vereiniget, das von Ihm genommen ist. Der Tod tritt nur in den Besitz unsers Leibes, weil die Sünde in ihm Eingang fand. Dessen ungeachtet aber muß der Leib auferstehen, weil Jesus Christus in ihn ei nt rat. Gleichwie wir unter viel Stroh einen Funken legen, um Feuer anmachen zu können, so theilt JesuS Christus sein heiligstes Fleisch dem unsrigen mit und verleibt es diesem ein, um uns zur Unsterblichkeit einen Grund zu geben, welcher die Verwesung vernichtet." Beispiel und Anwendung. Ein Jäger ging einst in einen großen Wald, um zu jagen, und als er tief in denselben hineingekommen war, hörte er auf einmal eine ferne Stimme seufzen, und als er näher hingeritten war, so fand er in einer ärmlichen Hütte einen Einsiedler liegen, und der Einsiedler lag in den letzten Zügen. „Ich seufze nicht um eine sterbliche Kleinigkeit," sagte er; „ich habe Jesum Christum zur Wegzehrung genossen; mein Herz ist abgelöst von der sichtbaren Welt, mein Herz ist auf der Wanderung in's ewige Leben begriffen. Ich seufze und rufe und singe nach dem himmlischen Vaterlande, dem ich so nahe bin, nach dem ich schmachte mit glühender Inbrunst. Endlich ist der Betrug des Lebens auS, endlich ist die Blindheit von meinen Augen gefallen, der grimmige Stachel der zügellosen Begierde ist vernichtet. Endlich bekomme ich Luft, endlich ist der Paß offen, der mich auf ewig in die Arme meines Erlösers führt. Endlich wird mein Leib verherrlicht werden, weil er geheiligt ist durch die Vereinigung mit dem Leibe Christi." — So tröstlich und beseligend ist also für uns, meine christlichen Leser! der würdige Empfang der heiligen Communion auch in Bezug auf unfern Leib. Legende: Der heilige Papst und Märtyrer Pius I. (ch 157.) Auf den heutigen Tag fällt das Fest eines Heili- ligen, der gegen das heilige Altarssakrament eine besondere Hochachtung und Verehrung trug, und daher auch, wie in seiner Lebensgeschichte erzählt wird, eine kirchliche Verordnung gab über genaue Achtsamkeit auf den Leib und das Blut unsers Herrn Jesu Christi, damit Nichts davon verschüttet werde. Gewiß hat er aber auch die beseligenden Wirkungen der heiligen Communion an Leib und Seele vielfach erfahren. — Der heilige Papst Pius I. war der Sohn eines gewissen Nufinus, von Aquileja gebürtig, und bestieg den päpstlichen Stuhl unter Kaiser Antoninus und nach dem seligen Tode des heiligen Papstes Hyginus um das Jahr 142. Mit heiligem Eifer kam er seinen großen und schweren Pflichten nach, verdammte die Irrlehre des Valentin und leitete mit Muth und Klugheit die Kirche Gottes. Die vielen Kämpfe, die er zu bestehen hatte, verdienten ihm den Ehrentitel „Märtyrer." Nach Andern aber wurde er enthauptet im Jahre 157, und sein Leichnam ward am Fuße deö Vatikanhügels beerdigt am 11. Juli. M der geistlichen Communion. Gebet. Liebreicher, göttlicher Heiland, Jesus Christus! im heiligen Sakramente des Altars hast du «weit aufgethan dein Herz voll Liebe, damit uns aus demselben ein Meer von Gnaden zuströme. Laß auch uns, wie dem heiligen Papst und Märtyrer Pius, Kraft und Stärke für Leib und Seele zufließen aus dieser unerschöpflichen Gnadenquelle, bis wir dich von Angesicht zu Angesicht schauen und genießen, der du lebest und regirest in alle Ewigkeit. Amen. Hmidertdreiundneilnzigstes Lesestück. Am Feierabende des 12. Juli. Nutzen und Segen der geistlichen Communion. Fr. Da mit dem würdigen Empfang der heiligen Communion so viele und so große Gnaden und Segnungen verbunden sind, (sieh das nachfolgende Bild!) was folgt hieraus? Antw. Es folgt hieraus, daß wir, wie schon oben gesagt wurde, recht oft und würdig die heilige Communion entweder wirklich, oder wenn dieß nicht immer möglich ist, wenigstens geistiger Weise empfangen sollen. Belehrung. Man kann nach der Erklärung des heiligen Kirchcnrathes von Trient (13. Sitz. 3. Kap.) das heilige Altarssakrament auf dreierlei Arten empfangen: 447 Am Feierabende 1 ) nur sakramentalisch, 2) nur geistig und 3) sa- kramentalisch und geistig zugleich. Nur sakramentalisch empfangen es Diejenigen, deren Seele mit einer Todsünde befleckt ist, und die sonach unwürdig com- municiren. Diese empfangen zwar das Sakrament, aber nicht zum Segen, sondern zum Verderben. Hierüber schreibt der heilige Augustin: „Wer nicht in Christo bleibt, und in wem Christus nicht bleibt, der ißt ohne Zweifel sein Fleisch geistlicher Weise nicht, obgleich er fleischlich und sichtbar die heiligen Geheimnisse des Leibes und Blutes mit den Zähnen zerdrückt." —Zweitens Jene empfangen das göttliche Sakrament nur geistig, welche von großem Verlangen entbrannt sind, sich der heiligen Communion zu nähern, und welche von dem lebhaften Glauben erfüllt sind, daß sie nach dem Ausspruche des Apostels mittelst der Liebe durch das bloße Verlangen und im Geiste sich mit jenem himmlischen Brode speisen. Drittens Jene empfangen endlich das heilige Sakrament des Altars sakramentalisch und geistig zugleich, welche, wie der Apostel sagt, sich genau und streng geprüft, und dann mit dem hochzeitlichen Gewände der Gnade geschmückt, wohl vorbereitet und befähigt zu diesem göttlichen Tische hinzutreten. Fr. Worin besteht also die geistliche Communion? Antw. In einer brennenden Begierde, Jesum im heiligen Sakramente zu empfangen, und in einer liebevollen Vereinigung mit ihm, als ob man ihn wirklich empfangen hätte. Belehrung und Beispiel. Die geistliche Communion ist eine ebenso leichte, als nützliche Andachtsübung; denn „ohne bemerkt zu werden," sagt die heilige Johanna vom Kreuz, „ohne vorher gefastet zu haben, ohne der Erlaub- niß des Beichtvaters zu bedürfen, kann man geistlich com- municiren, und man kann es so oft, als man will, da es des 12. Juli. dazu nur eines Liebesaktes bedarf," da hiezu nur das Verlangen oder die Begierde nothwendig ist, Jesum im heiligen Sakramente zu empfangen. Man kann sonach beim Besuche des heiligen Altarssakramentes, bei jeder heiligen Messe u. s. w. geistiger Weise communiciren. In der Kirchengeschichte begegnet uns hiefür folgendes schöne Beispiel. — Balduin, ein Bruder des Grafen Raimund VI. von Toulouse, wurde in der Nacht von einer Räuberbande überfallen und gebunden fortgeschleppt. Sie gaben ihm schon zwei Tage Nichts zu essen, weil er ihnen eines seiner Schlößer nicht überliefern wollte. Er verlangte einen Priester, dem er beichtete, und begehrte von ihm die heilige Wegzehrung. Eben da der Priester dieselbe brachte, kam ein wüthender Räuber dazu, welcher unter tausend Flüchen nicht zugeben wollte, daß man dem Balduin Etwas zu essen oder zu trinken gebe, bis er nicht einen andern Räuber, den er im Verhaft hatte, herausgegeben haben würde. „Grausamer!" sagte der Graf, „ich verlange keine körperliche Nahrung, sondern den Leib und das Blut unsers Herrn Jesu Christi, diese göttliche Nahrung unserer Seelen." Als man aber dabei verharrte, sie ihm zu verweigern, so sagte er: „Weil ich sie nicht genießen darf, diese himmlische Speise, so lasse man sie mir wenigstens verweisen!" und er betete sie mit großer Andacht an. So ersetzte bei diesem frommen Grafen die Begierde den wirklichen Empfang der heiligen Communion. Die gottlosen Räuber hingen ihn an einem Baume auf. Fr. Sollen wir auch diese geistliche Communion empfangen und warum? Antw. Ja, wir sollen sie so oft als möglich empfangen; denn sie ist ein zur Vervollkommnung der Seele sehr zweckdienliches Mittel und bringt mannigfaltigen Segen und Trost. Belehrung. Diese fromme Uebung der geistlichen Communion wird von allen geistlichen Lehrern und vom Tridentinischen Concil auf's Nachdrücklichste empfohlen; sie cr- theilt fast ähnliche Gnaden und Segnungen wie die wirkliche Communion und ist ein gutes Mittel, uns zur sakramen- talischen Communion zu befähigen. Der selige Pater Fab er pflegte zu sagen, daß die geistliche Communion ein großes Mittel sei, um mit vielem Segen die sakramentalische Communion zu empfangen. Fromme Seelen communiciren daher häufig auf diese Weise. Die heilige Agatha vom Kreuze that es an zweihundertmal des Tages. Daher schreibtauch der heilige Alphons Liguori: „Ich ermahne Jeden, der in der Liebe zu Jesus wachsen will, wenigstens 448 Drittes Hauptstück. Von der unwürdigen Commnnion, n. zwar v. ihrer Schändlichkeit u. Abscheulichkeit. einmal des Tages auf diese Weise, beim Besuche des allerheiligsten Sakramentes, so wie auch bei jeder heiligen Messe zu com- municiren; ja, es ist noch besser, wenn man es alsdann dreimal, im Anfänge, in der Mitte und am Ende der heiligen Messe thut. Diese Andacht ist weit heilsamer, als Manche meinen, und ist zu gleicher Zeit so leicht zu üben." Beispiel und Anwendung. Um uns zu dieser frommen und nützlichen Uebung zu ermuntern, erzählt uns eben dieser Heilige folgende Begebenheit. Der Herr gab der ehrwürdigen Schwester Paulina Mareska, Stifterin des Klosters Sanct Catharina von Siena in Neapel, zu erkennen, wie wohlgefällig Ihm die geistliche Communion ist, und welche Gnaden Er durch dieselbe austheilt; denn Er zeigte ihr, wie in ihrer Lebensgeschichte erzählt wird, zwei Gefäße, eines von Gold, das andere von Silber, und sagte ihr, daß Er in dem goldenen die wirklichen, in dem silbernen die geistlichen Communionen aufbewahre. Auch sagte Er der heiligen Johanna v om Kreuz, daß, so oft sie geistlich com- municire, sie eine ähnliche Gnade empfange, wie jene, die ihr in der wirklichen Commnnion crtheilt werde. — Wie sehr soll uns dieß Alles nicht bestimmen, recht oft diese ebenso leichte, als gesegnete Andachtsübung der geistigen Communion vorzunehmen? — Möchten wir hierin das Beispiel jenes Heiligen nachahmen, dessen Fest heute in der Kirche gefeiert wird! Legende: Der heilige Gualb ertus, Abt und Ordensstifter (ch 1073.) Dieser Heilige wurde am Ende des 10. Jahrhunderts zu Florenz geboren. Sein Vater Gnalbertus war von edlem Geschlechts und bekleidete eine ansehnliche Stelle beim Soldatenstande. Es ist wahrscheinlich, daß er auch Johannes und Hugo, seine beiden Söhne, für- eben diesen Stand erziehen ließ. Ein besonderer Vorfall aber gab dem ersten eine andre Bestimmung. Hugo wurde in einem Zwiste von einem Andern ermordet. Nach der Sitte damaliger Zeit war den nächsten Verwandten die Blutrache gestattet. Der Mörder suchte deßhalb den Augen der Gualberten sich zu entziehen. Eines Tages zog Johannes, begleitet von Bewaffneten, der Stadt Florenz zu. Hier traf er unvermnthet den Mörder seines Bruders in einer so engen Straße, daß dieser nicht entweichen konnte. Der Erschrockene stieg vom Pferde, warf sich ans die Erde und streckte die Hände, in Krenzes- form über einander gelegt, vor sich hin, angstvoll harrend auf den tödtlichen Streich. Die Gestalt des Kreuzes, die der Mörder mit seinen Händen vorstellte, erinnerte den Johannes an das heilige Siegeszeichen der Christen, und diese Erinnerung erfüllte ihn mit Ehrfurcht. Er hieß den Mörder von der Erde aufstehen, gestattete ihm vollkommene Verzeihung und hieß ihn gehen. Bald darauf kam er zur Kirche St. Miniat, in die er hineinging. Als er dort betend die Augen auf ein Bild des Gekreuzigten heftete, neigte sich das Haupt desselben sichtbar ihm zu, als wollte es ihm zu erkennen geben das Wohlgefallen Gottes an der liebevollen Schonung, die er dem Mörder bewiesen hatte. Ans dieß Wunder hin faßte er den Entschluß, der Welt zn entsagen und sich in ein Kloster znrückzuziehen. Er that es, und belebte dort seinen Geist durch Gebet und Betrachtung. Besonders oft und andächtig aber betete er vor dem Allerheiligsten und vereinigte sich da mit seinem Gott und Herrn durch die geistige Communion. Nachdem er den Orden der Vallumbrosaner gestiftet und seinen Untergebenen durch die Tugend der Selbstverläugnnng und durch pünktlichen Gehorsam vor- gelenchtet hatte, starb er heilig im Jahre 1073. Gebet. Erfülle uns, o Gott! mit jener brennenden Begierde, das Fleisch und Blut deines göttlichen Sohnes recht oft zu empfangen, von welcher der heilige Johannes Gualbcrtns und alle Heiligen Gottes erfüllt waren, damit wir uns oft im Leben mit Christus vereinigen, bis wir auf Ewig im Himmel mit ihm vereinigt werden, der dort lebt und regirt von Ewigkeit zn Ewigkeit. Amen. Hmidertviermrdnemizigstes LesesM. Am Feierabende des 13. Juli. Von der unwürdigen Communion, und zwar von ihrer Schändlichkeit und Abscheulichkeit. Fr. Wovor sollen wir uns in Bezug auf die heilige Communion ganz besonders hüten? 44S Am Feierabende des 13. Juli. Antw. Vor dem unwürdigen Empfang derselben; denn die unwürdige Communion ist 1) der schwärzeste Undank gegen den göttlichen Heiland, und 2) der entsetzlichste Gottesranb. Fr. Warum ist die unwürdige Communion der schwärzeste Undank gegen den göttlichen Heiland? Antw. Weil Derjenige, welcher unwürdig com- municirt, dem göttlichen Heiland die schrecklichste Schmach anthut in eben dem Augenblicke, wo er von ihm den größten Beweis der Liebe empfängt. (Sieh das obige Bild!) Belehrung. Gottes Liebe konnte uns nichts Größeres geben, Gottes Weisheit wußte nichts Besseres zu geben, und Gottes Allmacht vermochte uns nichts Heiligeres zu geben, als sich selbst. Diese Weisheit und Liebe, diese Allmacht und Majestät Gottes mißbraucht Derjenige, der seinen Gott und Herrn unwürdig empfängt. Welch ein Undank! Fürwahr, ein Solcher begeht ein größeres Verbrechen an dem göttlichen Heiland, als jene Juden, die ihn an's Kreuz schlugen. Diese kreuzigten ihn, ohne ihn zu kennen; aber der unwürdig Communicirende kennt ihn, empfängt ihn und verunehrt ihn. Jene kreuzigten ihn auf der Schädelstätte, und dieser kreuziget ihn in seinem Herzen, indem er den Heiligen der Heiligen mit der Sünde vereinigt. Muß eine solche entsetzliche Vereinigung dem Heiland nicht unerträglicher sein, als das Kreuz selbst?! Beispiel und Anwendung. David wurde von vielen Unfällen und Mißgeschicken betroffen; aber kein Un- Mehler, Hausbuch. glück beugte ihn tiefer darnieder, keines fühlte er schmerzlicher, als jenes mit Architophel, einem seiner vertrautesten und ersten Rathgeber, welcher sich gegen ihn auflehnte und dieParthei des aufrührerischen Absalon ergriff. „Ja, wenn mein Feind mir geflucht hätte," rief David ganz bestürzt aus, „so würde ich's ertragen haben, und wenn ein Solcher, der mich offen haßt, groß wider mich gesprochen hätte, so würd' ich mich vielleicht vor ihm verborgen haben. Aber du, mein Gleichgesinnter, mein Führer und mein Bekannter! die wir mitsammen Süssigkeiten kosteten und im Hause Gottes einträchtig wandelten!" (Ps. 54.) So rief David im tiefsten Schmerzgefühle aus. — Wenden wir dieses auf einen Christen an, der seinen Herrn und Gott unwürdig empfängt, stellt sich da nicht die ganze Schändlichkeit seiner Handlungsweise heraus? Muß ihm nicht auch Christus zurufen: „Wenn es mein Feind, ein Heide, ein Türke, ein Jude gethan und mich so schmachvoll verunehrt hätte, so wäre dieß schon ein unendliches Verbrechen ; — aber welch eine Frevelthat ist es, wenn mich einer meiner Freunde und Geliebten, wenn mich ein Christ, ein Katholik mit solchen Beleidigungen verletzt!" Fr. Warum ist die unwürdige Communion der entsetzlichste Gottesraub? Antw- Weil Derjenige, der sich erfrecht, unwürdig zu communiciren, sich am Leibe und Blute des Herrn versündigt. Belehrung. Der unwürdig Communicirende begeht dieselbe Sünde, wie Judas; denn er versündigt sich am Leibe und Blute des Herrn; „er macht sich," wie der Apostel sagt (1. Cor. 11, 27.), „schuldig des Leibes und Blutes des Herrn und ißt und trinkt sich selbst das Gericht hinein, indem er den Leib des Herrn nicht unterscheidet." Mit besudelten Lippen berührt er Den, der die Ncinigkeit selber ist, und gesellt die Glieder des dreimal heiligen Gottes zu Gliedern, die schmachvoll den schändlichsten Gewohnheiten preisgegeben sind! Kann man sich einen größern, einen entsetzlicheren Gottesraub denken? Beispiele und Anwendung. Der Katholik, der seinen Gott und Herrn unwürdig empfängt, ist sonach der größte Gottesräuber, Gottesschänder. — Gottlos hat gehandelt (sagt Debussi) jener heidnische Kaiser, welcher auf dem Kalvarienberge das Götzenbild einer unkenschen Göttin und sogar auf dem Grabe Jesu Christi eine Statue Jupiters aufstellen ließ. Ein großer Frevel! Ich kenne aber noch ein schrecklicheres Verbrechen, nämlich eine unwürdige Communion. — Groß waren jene Sakrilegien, womit die vcrab- scheuenswerthe französische Revolution die Welt in Schrecken gesetzt hat. Die Tempel des Herrn wurden in schändliche Theater verwandelt, die Tabernakel zerbrochen, die Gefässe des Heiligthums durch Schwelgerei entheiligt; die Unkeuschheit saß im Triumphe auf dem Altäre, und ein ganzes Volk warf 57 45V Drittes Hauptstück. Von der unwürdigen Communion, und zwar von ihren traurigen Folgen. sich schändlich vor einer schlechten, öffentlich preisgegebenen Buhlerin nieder. Welche Frevel! Doch ich kenne einen noch schrecklicheren, nämlich die unwürdige Communion. — Entsetzlich ist das, was man von der höllischen Grausamkeit jenes Juden erzählt, der sich eine consecrirte Hostie verschafft hatte. Diese durchsticht er mit einem Federmesser; aber das Blut, welches daraus hervorrinnt, macht ihn nur noch wüthender: er durchbohrt sie noch einmal; das Blut fließt neuerdings hervor; er wirft sie in's Feuer, worin sie aber unversehrt bleibt. Er durchsticht sie mit einem Schwerte und wirft sie endlich in einen Kessel voll siedenden Wassers, das sich vom göttlichen Blute röthete. Du bebst! Ach, ich darf sagen, es gibt noch einen schrecklicheren Frevel, nämlich die unwürdige Communion. Hier legt der Entheiliger das unbefleckte Lamm nicht bloß unter leblose Götzenbilder, sondern unter die lebendigen Götzen der schändlichsten Leidenschaften. Eine Zunge, die den Geist der Finsterniß getragen hat, wie der heilige Augustin sagt, trägt jetzt den Sohn Gottes! — Einst ließ ein Tyrann in alten Zeiten Menschen voll Leben und Gesundheit an Leichen, die schon in Fäulniß übergegangen waren, anbinden; und du Sünder, du bindest, du nagelst den jungfräulichen Leib Jesu an einen Leichnam, voll der Verwesung des Lasters und bezeichnet mit dem Siegel des Satans! Ja du vereinigst gewissermassen Jesum mit der Sünde und machst gleichsam einen Leib, ein Wesen aus beiden. Ein Fleisch der Schande wird Sein Fleisch, Sein Blut vermischt sich mit einem unreinen Blute, kreist in einem sündigen Leibe. O Schmach meines Gottes! O Triumph der Hölle! O Verbrechen des gottcsschänderischen Entheiligers! Ach, wer muß da nicht zurückbeben vor einer unwürdigen Communion! Legende: Der heilige En gen ins, Bischof von Carthago (ff 505.) Dieser Heilige, dessen Andenken wir heute feiern, war Bischof von Carthago gerade zn jener Zeit, wo die Kirche Gottes von den Arianern auf alle mögliche Weise verfolgt wurde. Geschmückt mit allen Tugenden eines wahren Bischofs, ertrug er die Drangsale und Verfolgungen von Seite seiner Feinde mit unüberwindlicher Standhaftigkeit und Geduld und vertheidigte die reine Lehre Jesu Christi mit Muth und Weisheit. Deßhalb wurde er des Landes verwiesen, und so starb er als treuer Bekenner Christi in der Verbannung im Jahre 505. Gebet. Heiliger Bischof Engenins, du treuer Bekenner Christi! erwirke uns durch deine mächtige Fürbitte bei Gott die Gnade, daß auch wir Christum treu bekennen und ihn nie verläugnen oder beleidigen durch unwürdigen Empfang des heiligen Sakramentes des Altars, das da hochgelobt sei in alle Ewigkeit! Amen. Hundertsünsundneunzigstes Lesestück. Am Feierabende des 14. Juli. Von der unwürdigen Communion, und zwar von ihren traurigen Folgen. Fr. Läßt wohl Gott die entsetzliche Sünde der unwürdigen Communion ungestraft? Antw. O nein; er straft sie entsetzlich, zeitlich und ewig, oft an Leib und Seele, am Verstand und Herzen. Belehrung. Gott rächte die Entweihung der heiligen Gefäße von Jerusalem, in welche man bloß das Blut der Böcke und Widder zu gießen pflegte, an dem Könige Balthasar (Dan. 5.): wie wird er nicht strafen Diejenigen, die das Blut und den Leib Christi mit unreinem Herzen genießen! Da dieß ein entsetzliches Verbrechen ist, so muß Gott in seiner Gerechtigkeit dasselbe auch entsetzlich strafen. Und er thut eS auch wirklich; denn nicht selten straft Gott der Herr Denjenigen, der die heilige Communion unwürdig empfängt, zeitlich und ewig, an Leib und Seele, am Verstand und Herzen. Fr. Wie straft Gott oft die gottesräuberische Communion am Verstände und Herzen? Antw. Durch gänzliche Verblendung und Verstockung, ja oft sogar durch Verzweiflung. Belehrung. Die Wolkensäule, welche den Israeliten leuchtete, machte die nacheilenden Aeghptier blind. So erblinden am Geiste alle Jene, welche unwürdig zum Tische des Herrn hinzutreten; denn nicht selten straft Gott der Herr die gottesräuberische Communion mit Verblendung und Am Feierabende des 14. Juli. 451 8M Verstockung, ja sogar mit Verzweiflung. Der unwürdig Communicirende wird nämlich nach und nach verblendet; mitten im hellsten Lichte trägt er eine Binde um seine Augen; er sieht Nichts mehr, nicht die Größe seines Frevels, nicht die Hölle, die unter seinen Füssen offen steht und bereit ist, ihn zu verschlingen. In dieser Verblendung wird er verstockt; denn welcher Heilsweg bleibt ihm noch übrig? das Bußsakrament? Ach! er wagt es nicht mehr, sein Verbrechen zu gestehen. Die Stimme des Gewissens? diese wird durch die oftmaligen unwürdigen Communionen erstickt und das entheiligte Blut Jesu Christi verwandelt sich in einen betäubenden Trank, der den Sünder in seiner Gottlosigkeit einschläfert. Das ist das Zeichen des Verderbens! Der unwürdig Communicirende könnte sich zwar noch aus seinem Abgrunde durch eine würdige Buffe und Communion emporraffen; aber er will nicht. So geht er seinem Tod und Verderben entgegen und stirbt entweder verstockt oder in der Verzweiflung, wie Judas Jskariot. Beispiel und Anwendung. Ein Mensch, der im Laufe seines ganzen Lebens sich wenig um das Christenthum bekümmert hatte, wurde plötzlich von einer tödtlichen Krankheit befallen. Seine Angehörigen ließen einen Priester rufen, und bald nach abgelegter Beicht sollte der Kranke die heilige Wegzehrung empfangen. In dem Augenblicke, wo der Priester die heilige Hostie erhob, um sie auf die Zunge des Sterbenden zu legen, rief dieser: „Halt, Vater, halt! ich habe nur Ein Mal im Leben kommunicirt, und das unwürdig, ich bin verloren!" Kaum hatte er diese Worte aus- gerusen, so verschied er unter den Zuckungen der Verzweiflung. — Ach, wie furchtbar ist doch Gott der Herr in seinen Strafgerichten gegen alle Jene, die unwürdig communiciren! Fr. Wie straft Gott oft die gottesräuberische Communion am Leibe? Antw. Durch Krankheiten und andere Ungliicksfälle, ja selbst schon durch plötzlichen Tod. Belehrung und Beispiele. In die- ser Beziehung schreibt schon der heilige Paulus (1. Cor. 11, 30.): „Darum (weil ihr unwürdig communiciret) sind unter euch viele Schwache und Kranke, und entschlafen Biele." Und der heilige Cyprian zeigt schon in einigen schrecklichen Beispielen, wie Gott die unwürdige Communion oft am Leibe deS Gottesräubers durch furchtbare Krankheiten, ja sogar durch plötzlichen Tod straft. So erzählt er von einer Frau, die, obgleich sie in der Beicht eine schändliche Sünde verschwiegen hatte, eS dennoch wagte, beim Tische des Herrn sich einzufinden. Aber was geschah? Kaum hatte sie die heilige Hostie auf der Zunge, fiel sie in schreckliche Zuckungen (sieh das obige Bild!) und starb auf der Stelle. — Auch aus der neuesten Zeit begegnet uns ein ähnliches furchtbares Beispiel. Im Jahre 1833 beichtete in Cochinchina ein junger Mensch, verschwieg aber eine Todsünde und ging nach einer solchen ungültigen Beicht zur heiligen Communion. Die Strafe folgte ihm auf dem Fusse nach. Er fällt in Raserei, eilt aus der Kirche, rennt in einsamen Gegenden und auf Bergen umher, und schreit in Einem fort: „Ich bin Judas, ich habe Jesum verrathen!" Man ermahnt ihn zur Buffe, aber umsonst; er wiederholt immer den Mark und Bein durchdringenden Nus: „Ich bin Judas, ich habe Jesum verrathen!" So lebt er, so stirbt er; — er hatte sich in dem Augenblicke, da er mit unreinem Herzen communicirte, das Gericht hineingegeffen. — „Solche furchtbare Beispiele," sagt der heilige Cyprian, „stellt Gott bisweilen auf, um uns behutsam zu machen, und uns vor der unwürdigen Communion zurückzuschrecken." Fr. Wie straft Gott endlich die unwürdige Communion an der Seele? Antw. Fast unvermeidlich mit der ewigen Ver- dammniß. Belehrung» O furchtbare Strafe, die schon der heilige Paulus (1. Cor. 11, 27—30.) mit den Worten ausspricht: „Wer unwürdig dieses Brod ißt oder den Kelch des Herrn trinkt, der ist schuldig des Leibes und Blutes des Herrn. . . Denn wer unwürdig ißt und trinkt, der ißt und trinkt sich das Gericht." — Was also beim würdigen Empfang Leben und Segen gibt, das bringt beim unwürdigen 57 * 452 Drittes Hauptstück. Die Buße als Tugend. Empfang Tod und Fluch, Gericht und Verdammniß. Es darf uns dicß aber auch nicht wundern; denn wenn man einem todten Menschen Brod in den Mund legte, würde ihn dieses beleben? O nein, eS würde sich in Würmer verwandeln, die den Todten vielmehr verzehren, als lebendig machen würden. Achnliches geschieht an der Seele, die im Stande der Todsünde das heiligste Altarssakrament empfängt. Beispiel und Anwendung. Zum heilsamen Schrecken für alle Diejenigen, die unwürdig am Tiscke des Herrn Theil nehmen, hat uns die heilige Geschichte das schreckliche Beispiel des Judas Jskariot aufbewahrt, damit wir darin die furchtbare Wahrheit erkennen, die St. Paulus ausspricht: „Wer unwürdig ißt und trinkt, der ißt und trinkt sich selbst das Gericht." — Hören wir den heiligen Chrysostomus über das Schicksal dieses unglücklichen Apostels. „Judas murrt, JesuS Christus duldet cs; er ist geizig und ein Dieb; Jesus Christus duldet es; er macht einen Anschlag, um seinen Herrn zu vcrrathcn; Jesus Christus duldet es; aber sobald er unwürdig communicirte, wurde er auf der Stelle der Gewalt des Satans überliefert. Nach dem Bissen ging der Satan in ihn ein." — Wer schaudert nicht zurück vor dieser entsetzlichen Strafe? O christliche Seele! gehe doch, niemals hin mit einem sündenbeladcnen Herzen zum Tische des Herrn! Denn es gibt keinen größern Gottesraub im Himmel und auf Erden, als eine gottesräuberische Communion. Legende: Der heilige Bonaventura, Cardinal und Kirchenlehrer, sch 1274.) tura, dessen Fest heute gefeiert wird, der die Bewunderung der größten Gelehrten und Heiligen seiner Zeit, der Ruhm und die Zierde des Franziskaner-Ordens isst der als seraphischer Lehrer (vootor serspsticus) nicht blos himmlische Weisheit besaß, sondern auch ein fast himmlisches Leben führte. Geboren i. I. 1221 zu Bagnarea in Toskana von frommen und wohlhabenden Eltern, erhielt der Knabe in der heiligen Taufe den Namen Johannes. In frühester Jugend verfiel derselbe in eine tödtliche Krankheit, von welcher er auf das Gebet des damals lebenden heiligen Franziskus von Assisi genas. Znm Danke versprach die Mutter, den Jüngling einst dem Franziskaner-Orden znzuführcn. Im 22. Lebensjahre trat Bonaventura in den Orden, und wurde unter dem berühmten Lehrer Alexander von Hales bald selbst eine große Leuchte der Wissenschaft und Frömmigkeit. Gott fügte eS, daß der große heilige Thomas von Aquin sein vertrauter Freund wurde. Zu diesem that Bonaventura den Ausspruch: „Sieh, mein Freund! das Crucifix ist das große Buch, auS dem ich Alles lerne, was ich lehre." Erst 35 Jahre alt wurde Bonaventura General seines Ordens, und von Gregor X. wegen seiner Heiligmäßigkeit und Weisheit zum Cardinal und Bischof von Albano erhoben. Er begleitete diesen Papst auch aus das Concilium von Lyon, wo der heilige Bonaventura auf die Leitung der Kirchenversammlung großen Einfluß anöübte. Gesegnet war sein Wirken als OrdenSgeneral, und groß waren seine Verdienste als Kirchenlehrer. Er starb auf dem Concil zu Lyon am 14. Juli 1274, und wurde von Sixtus IV. im Jahre 1482 heilig gesprochen. Gebet. Heiliger Kirchenlehrer Bonaventura, du erhabenes Muster der christlichen Tugend und Vollkommenheit! sei unser Fürsprecher bei Gott, auf daß wir stets so fromm und heilig wandeln, wie du, und es ja nie wagen, mit einem sündenbefleckten Herzen hinzutreten zum Tische des Herrn, unsers Gottes, der da lebt und regirt in alle Ewigkeit. Amen. Stets sollen wir Jesum Christum im heiligsten Altarssakramente mit einem ebenso reinen und wohlvorbereiteten Herzen empfangen, wie der heilige Bonaven- Hundertsechsulidneunzigstes Lesestück. Am Feierabende des 15. Zuli. Vom heiligen Sakramente der Buße. Die Buße als Tugend. Fr. Was versteht man unter Buße. Antw. Unter Buße versteht man I) die Tugend oder die Gesinnung des Herzens, wodurch der Mensch seine Sünden bereut und sich zu Gott bekehrt, 2) die 433 Am Feierabende des 15. Juli. MMMMW Strafe, wodurch er für die begangenen Sünden Genugthunug leistet, und 3) das Sakrament der Buße. Fr. Was ist also die Buße als Tugend? Antw. Sie ist ein innerer Schmerz über die begangenen Sünden, verbunden mit dem festen Entschlüsse, keine Sünde mehr zu begehen und die begangenen Sünden durch Bußwerke abzubüßen, in der Hoffnung, von Gott Verzeihung zu erlangen. Belehrung. Busse im Allgemeinen ist nichts Anders, als Reue, Traurigkeit, innerer Schmerz über das Böse, das man gethan hat. Als Tugend aber betrachtet ist sie jenes heilige Leben der Buße und Abtödtung, wie wir es bei den heiligen Büßern finden, bestehend in Reue, Vorsatz und Bußwerken, mittelst deren man Verzeihung von Gott hofft. „Ein Büßer," sagt Tertullian, „ist ein Mensch, der über sich selbst zürnt und sein eigener Feind ist, der seine Sünden beweint und verabscheut, der voll heiligen Zornes sich selbst straft und nun als Büßer gegen sich selbst so verfährt, wie er vorher als Sünder gegen Jesus verfuhr. Hat er vorher diesen durch sein sündiges Leben gekreuzigt, so ruft er nun über sich selbst, den sündigen Menschen: „An's Kreuz mit ihm! Stricke her, auf daß ich seine zügellose Freiheit fessele! Geißel her! Ich will seine ausgelassene Frechheit wohl züchtigen. Dornen her! Ich will seine Augen, Ohren und Zunge umzaunen. Das Kreuz her! Ich will seinen Verstand, sein Gedächtnis', sein Verlangen und seinen Willen an dasselbe heften." Beispiele und Anwendung. Durch diese Tugend der Buße zeichneten sich alle heiligen Büßer aus. Sie vergaffen nie die Sünden, deren sie sich schuldig gemacht, selbst auch dann nicht, wenn sie der Priester losgesprochen, wenn ihnen Gott geosfenbart hatte, daß die erhaltene Absolution auch im Himmel giltig sei. — Ein solcher heiliger Büßer war David. Nathan hatte ihm die tröstliche Versicherung gegeben, daß der Herr ihm seine Sünden nachgelassen habe, und deßungeachtet schwebten sie ihm immer vor Augen und waren Gegenstand seiner rcumüthigen Thränen und Seufzer. — Ein solch heiliger Büßer war Petrus, der sein ganzes Leben hindurch seine Sünden beweinte. (Sieh das obige Bild!) — Die reuige Thais, welcher Gott Barmherzigkeit erzeigt hatte, betete bis zu ihrem Tode folgendes Gebet, welche« sie der heilige Paphnuziuö gelehrt hatte: „Herr, der du mich erschaffen hast, erbarme dich meiner!" — Der heilige Augustin halt- an die Wände seines Zimmers die Bußpsalmen schreiben lassen; und in seiner letzten Krankheit betete er sie unter Thränen der Reue, durch welche sein Inneres erschüttert wurde bei dem Gedanken an die Ausschweifungen seiner Jugend. — Der heilige Paulus, der Vater der Einsiedler, lebte hundert Jahre in der Einöde unter wilden Thieren, und sein Haus war eine enge Höhle, sein Bett die harte Erde, sein Getränk kaltes Wasser, seine Speise wilde Palmfrüchte, und sein Kleid war aus Palmblättern geflochten. -— Der heilige Basilius, der Vater der Mönche im Morgenlande, hatte seinen Leib durch Fasten und Nachtwachen dergestalt anfgerieben, daß er nur ein Todten- gerippc zu sein schien. — Der heilige Bcncdiktus lebte viele Jahre nur von Kräutern und Wurzeln. -— Der heilige Franziskus ging stets baarfuß, gekleidet in einen rauhen Sack, und aß nur erbetteltes Brod. — Der heilige Bruno trug Tag und Nacht auf seinem bloßen Leibe ein härenes Gewand, und peinigte seine Zunge mit vicltägigcm Stillschweigen. — Der heilige Norbertus aß niemals Fleisch, hielt ein beständiges Fasten und ließ seinen Leib im Winter vor Kälte erstarren und im Sommer vor Durst und Hitze verschmachten. — Der heilige Bernhard ging zur Tafel nicht anders, als zu einer Folter. Dieser hatte wegen steter Abtödtung dergestalt allen Geschmack verloren, daß er Ocl für Wasser trank, und eine Speise nicht von der andern zu unterscheiden wußte. Ich würde nicht fertig werden, wenn ich noch fortfahren wollte, euch zu schildern, wie die Heiligen Gottes Buße thaten. Und fraget ihr sie, was sie zu einem so harten und strengen Bußlebcn angetricben habe; fraget ihr sie, warum sie in Höhlen unter wilden Thieren gewohnt, auf bloßer Erde geschlafen, von wilden Kräutern gelebt, viele Tage nacheinander gefastet, und ihren Leib unaufhörlich gepeinigt haben, so antwortet euch der heilige Bernhard im Namen Aller: „Ich fürchte das ewige Feuer, ich fürchte den Blick des Richters, der selbst den himmlischen Heerschaaren schrecklich ist! Wer gibt meinem Haupte Thränen, damit ich dem ewigen Weinen zuvorkomme!" — Haben wir wohl weniger Ursache, Buße zu thun? Fr. Ist die Buße zum Heile nothwendig? Antw. Ja, die Buße ist dem Sünder zum Heile so nothwendig, wie die Taufe dem Nichtgetauften. „Wenn ihr nicht Buße thut, so werdet ihr Alle zu Grunde gehen." (Luk. 13, 5.) 454 Drittes Hauptstück. Belehrung. Der heilige Hieronymus nennt die Buße einen zweiten Balken, der uns aus dem Schiffbruch der Sünde rettet, d. h. die einzige Hoffnung, welche einem Christen nach dem Sündenfalle übrig bleibt, um dem ewigen Tode zu entrinnen; und der heilige Bernhard schreibt so schön: „Die Bußthränen sind auch eine Art Taufe, und weil das Sakrament der Taufe nicht wiederholt werden kann, so müssen wir, die wir der Reinigung so oft bedürfen, uns durch Bußthränen gleichsam selbst wiedertaufen und abwaschen. Bei jener Taufe wurde das Wasser von außen, bei dieser aber wird es von innen genommen." — Diese Nothwendigkeit der Buße erkannten jene unzähligen frommen Büßer, die uns in der Geschichte der Heiligen begegnen, die ehevor Sünder waren und nun auf unseren Altären als Heilige stehen; diese Nothwendigkeit der Buße erkannten von jeher alle Christen, die vom Sündenfalle sich erheben und ihre unsterbliche Seele retten wollten. Christlicher Leser! säume ja nicht, diesen Anker der Buße zur Rettung deiner Seele zu ergreifen! Fr. Was soll uns ganz besonders dazu autreibeu, die Tugend der Buße zu üben? Antw. Das Bewußtsein, daß wir uns dadurch die Verzeihung der Sünden und das Wohlgefallen Gottes erwerben; denn „im Himmel ist eine größere Freude über einen Sünder, der Buße thut, als über 99 Gerechte, die der Buße nicht bedürfen." Belehrung und Beispiel. Die Buße söhnt uns mit dem beleidigten Vater im Himmel wieder aus und erwirbt uns Gottes Wohlgefallen; ja, alle Heiligen und Engel freuen sich über die Bekehrung eines Sünders. Daher wurde auch der verlorne Sohn mit größerer Zärtlichkeit ausgenommen und ehrenvoller behandelt, als sein älterer Bruder, der eine stete, aber kühle Treue bewahrt hatte; denn „auch der Landmann," schreibt der heilige Thomas von Aquin, „hat an jenem Erdreiche mehr Freude, das, nachdem es von Dornen gereinigt worden, reichliche Früchte trägt, als an einem andern, das zwar nie von Dornen und Disteln verödet war, aber auch nie so fruchtbar sich gezeigt hat." — Wie gerne sollten wir daher nicht diese schöne Tugend der Buße üben, da sie uns Gottes Wohlgefallen erwirbt und die Thüre des Himmels öffnet! — Petrus von Alkantara, der in staunenSwerther, strenger Buße seine Tage verlebte, erschien nach seinem Tode der heiligen Theresia in einer Schönheit, welche diese seraphische Jungfrau selbst, obgleich sie öfters die Bewohner des Die Buße als Tugend. Himmels in ihrer Glorie schaute, bewundern mußte. Petrus rief: „O glückliche Buße, diemir eine solche Glorie verdiente!" Auch wir werden, wenn wir die Zeit unseres Lebens nicht der Sünde, sondern der Buße weihen, einst frohlocken: „O glückliche Buße, o glückliche Abtödtung! o glückliche Strenge! nun ruhen wir, — nun jubeln wir, — nun genießen wir Gott in Ewigkeit!" Fr. Warum sollen wir endlich noch die Tugend der Buße üben? Antw. Weil die Buße dem Herzen des Büßers selbst sehr wohlthuend und sehr tröstlich ist. Belehrung und Beispiel. Wer je wahre Thränen der Buße geweint hat, der weiß es gewiß auS eigner Erfahrung, wie tröstlich und wohlthuend, ja ich darf sagen, wie süß diese Thränen sind. Die Buße verwandelt sich ja bei jeder büßenden Seele in Liebe, und die Thränen der Buße werden auf solche Weise süß, wie der heilige Augustinus so laut bekennt. Und die heilige Angela von Foligni sprach oft zu ihrer Umgebung: „ Ich bin erstaunt, wenn ich die Wonne betrachte, womit eine heilige Zerknirschung unsere Seele erfüllt und überschüttet. Wie mögen demnach fleischliche Menschen nur Vetrübniß und Trauer darin erblicken? Gleich dem Wachse, das den Honig umschließt, enthält sie eine unversiegbare Quelle von himmlischen Süssig- keitcn. Gott besucht und tröstet unsichtbarer Weise die im heiligen Schmerze zermalmten Seelen." — Weine oft, christliche Seele! mit David, mit Petrus, mit Maria Magdalena solche Thränen der Buße, und du wirst es schon im Leben erfahren, wie süß sie sind, und in der Ewigkeit wirst du mit Frohlocken erkennen, wie du durch sie das Feuer der Hölle ausgelöscht, die Engel erfreut uüd die strafende Hand des göttlichen Richters festgebunden hast; das Wort des Herrn wird an dir in Erfüllung gehen: „Selig, die hier weinen und Leid tragen; denn sie werden getröstet werden" (Matth. 5, 15.); ewig wirst du dich erfreuen in der Gesellschaft aller jener Heiligen und Auserwählten, die auf Erden die Tugend der Buße und Abtödtung geübt haben, und zu deren Zahl auch der heilige Heinrich gehört, dessen Fest wir heute feiern. Legende:DerheiligeKaiserHeinrich. (ch 1027.) Heinrich, eine hellstrahlende Zierde des bayerischen und deutschen Thrones, der Sohn Heinrichs des Kurzen, Herzogs von Bayern, und Giselas von Burgund, wurde am 6. Mai 972 auf dem Schloße zu Abbach bei Regensburg geboren, von dem heiligen Wolfgang getauft und auch erzogen. Er folgte im Jahre 995 seinem 458 Am Feierabende des 16. Juli. Vater in der Regierung, und vermählte sich mit Kunigunde, einer Tochter des Grafen von Luxemburg; doch gelobten beide eine ewige Jungfrauschaft, die "sie auch bis an ihr Lebensende bewahrten. Im Jahre 1002 zum Kaiser von Deutschland erwählt, erwarb er sich bald den Ruhm eines eifrigen, wahren Christen, eines weisen und kräftigen Regenten und eines edlen, tapfern Kriegers. Neben der Sorge für die Wohlfahrt des Staates wendete er mit besonderer Aufmerksamkeit den Blick auf sich selbst, um das eigene Seelenheil nicht zu vernachlässigen. Als er im Jahre 1014 zu Nom vom Papst Benedikt VIII. gekrönt wurde, bestätigte er alle Schenkungen, welche seine Vorfahren dem heiligen Stuhle gemacht hatten. Er gründete mehrere bischöfliche Sitze, bewirkte die Bekehrung der Ungarn durch Vermählung seiner Schwester Gisela mit ihrem Könige, und errichtete zu Bamberg, wo er sich am Liebsten aufhielt, ein Bisthum, das er auch zu feinem Erben einsetzte. Ueber- haupt waren in Italien und Deutschland viele theils neugegründete, theils reichlich beschenkte Bisthümer, Klöster, Stifte und Kirchen die sprechendsten Beweise seiner Frömmigkeit und Freigebigkeit. Nach einer ^jährigen glorreichen Negierung und im 52sten Jahre seines Alters wurde der gottselige Kaiser auf der Burg Grona im Leingau (Grün bei Göttingen) in der Nacht vom 13. auf den 14. Juli 1024 zur ewigen Belohnung abgerufen und dann in der Domkirche zu Bamberg beigesetzt. Gebet. O Gott, der du den heiligen Heinrich von der Hoheit des irdischen Reiches in das ewige Reich deiner Glorie versetzet hast, wir bitten dich demüthigst, daß du, gleichwie du ihm die Gnade gegeben hast, die Reize der Welt zu überwinden, auch uns durch deine Gnade helfest, diese Reize zu fliehen und dir mit reinem Herzen zu dienen, und wenn wir gesündigt haben, durch Thränen der Buße dein göttliches Wohlgefallen wieder zu erlangen — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Hnndertsiebemmdlleunzigstes Lesestück. Am Feierabende des 16. Juli. Die Buße als Sakrament. Fr. Was ist das Sakrament der Buße? Antw. ES ist jenes Sakrament, in welchem der Priester an Gottes Statt die Sünden nachläßt, wenn der Sünder sie herzlich bereut, aufrichtig beichtet und den Willen hat, genugznthun. Fr. Ist die Buße wirklich ein Sakrament? Antw. Ja; denn es kommen die drei Stücke vor, die zu einem Sakramente gehören: 1) die Einsetzung durch Jesus Christus, 2) das äußere Zeichen und 3) die innere wirkende Gnade. Fr. Hat Jesus Christus das Sakrament der Buße wirklich eingesetzt? Antw. Ja, und zwar am Abende jenes TagcS, an welchem er von den Todten auferstanden war. Belehrung und Erzählung. Der göttliche Heiland kam, wie uns der heilige Evangelist Johannes berichtet, am Abende jenes Tages, an welchem er von den Todten auferstanden war, in das Zimmer, wo die Apostel aus Furcht vor den Juden verschlossen waren, und sprach: „ Der Friede sei mit euch! Gleichwie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich euch," und da er dieß gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: „Nehmet hin den heil! gen Gei st! Denen ihr dieSünden Nachlassen werdet, Denen werden sie nach gelassen, und Denen ihr sie vorbe- haltenwerdet,Denenwerdensievorb eh alten." (Joh. 20, 19 — 24.) — Da nun aber ganz eigentliche Sache des Bußsakramentes dieLossprechungist, sohat Christus mit diesen so eben angeführten Worten das Sakrament der Buße eingesetzt. Fr. Geht diese Gewalt der Sündennachlassung oder Lossprechung auch auf die Nachfolger der Apostel über? Antw. Ja freilich; sie geht auf Alle über, welche den Aposteln im Priesteramte Nachfolgen; denn Christus hat seine Heilsmittel für alle Zeiten und alle Menschen, die derselben bedürftig sind, eingesetzt. 456 Drittes Hauptstück. Die Buße als Sakrament. MW M8 Ms » Fr. War denn neben der Tugend der Buße auch noch die Einsetzung des Sakramentes der Buße nothwendig? Atttw. Die Einsetzung des Sakramentes der Buße war 1) durchaus nothwendig — wegen der Natur der nach der Taufe begangenen Sünden; und sie erscheint 2) selbst als nothwendig einiger weiterer uns dadurch zukommender Bortheile wegen. Belehrung. 1) Die Einsetzung des Sakramentes der Buße war durchaus nothwendig wegen der Natur der nach der Taufe begangenen Sünden. Die Tugend der Buße, durch welche die Menschen vor Einsetzung des Sakramentes der Buße, unter dem natürlichen und geschriebenen Gesetze, wenn sie gesündiget hatten und hiedurch in die Ungnade Gottes gefallen waren, wieder zur Versöhnung mit Gott ge- langen konnten, besteht, wie bereits mehrmal gemeldet worden, in Reue, Vorsatz und Bußwerken. Diese Tugend der Buße nun faßt das Sakrament der Buße in sich, und fügt derselben bei: die Pflicht, alle seine Sünden einem Priester zu beichten, — die Lossprechung, welche der Priester im Namen und durch die Macht Christi ertheilt, und — die Schuldigkeit, die von ihm auferlcgten Bußwerke zu verrichten. — Erwünscht möchte es nun freilich manchen Christen sein, wenn, wie ehemals, Jesus Christus auch unsere Versöhnung mit Gott nach begangener Sünde bei der Tugend der Buße hätte bewenden lassen, da das Sakrament der Buße für den Sünder so viele Beschwernisse mit sich führt; allein die blosse Tugend der Buße reicht für einen Christen nach begangener Sünde nicht mehr aus zur Versöhnung mit Gott. Ihm ist auch das Sakrament der Buße hiezu nothwendig und zwar, weil die nach der Taufe begangenen Sünden freiwilliger uudfür Gott schimpflicher, weit schwerer und größer sind, als die vor der Taufe begangenen Sünden. Denn durch die Taufe wird die verderbte Natur in uns gewissermassen wieder zurecht gebracht, es wird die Erbsünde getilgt, und die Neigungen zum Bösen durch die heiligmachende Gnade geschwächt. Somit ist die Sünde des Christen freiwilliger, gegen Gott schimpflicher, schwerer und größer, als die des Nichtgetauften. Ebendeßhalb muß auch von Seite des Sünders mehr Beschwerniß bei Wiedererlangung der göttlichen Gnade gefordert werden. — 2) Die Einsetzung Am Feierabende des 16. Juli. 437 des Sakramentes der Buße erscheint ferner als noth- wendig — einiger weiterer uns dadurch zukommender Vortheile wegen, wie mehrere derselben unten bei den Wirkungen des Bußsakramentes und bei der Noth- wendigkeit und Nützlichkeit der Ohreubeicht angegeben sind. Fr. Was müssen wir also in der Einsetzung dieses heiligen Sakramentes erkennen? Antw. Wir müssen darin einen neuen Beweis dergöttlichcn Liebe undBarmhcrzigkeit erkennen. Belehrung und Beispiele. Gott der Herr ist reich an Liebe und Erbarmung und daher gerne bereit, den Sünder, der sich bekehren will, wieder in seine Gnade aus- zunehmeu. Ebendeshalb, weil Gott so unendlich barmherzig ist, hat er das heilige Sakrament der Buße eingesetzt, um Denjenigen das Leben der Gnade wieder zu geben, die es nach der Taufe verloren haben. Zwar ist es Gottes Sache allein, Sünden nachzulassen, wie es bei Jsaias (43, 25) heißt: „Ich bin es, der ich deine Missethaten tilge um meinetwillen;" dennoch hat er diese Gewalt auch den Priestern übergeben, und uns versichert, er werde ihren Spruch auf Erden auch im Himmel bestätigen. Aus unendlicher Güte hat aber Gott zu Ausspeudcrn der Sündenvergebung Menschen bestellt, Menschen — sündig, wie die andern, der Arznei der Buße ebenso bedürftig, wie sie, damit dieselben mit den Sündern, die zu ihnen kommen, um so größeres Mitleid hätten. — Ferner hat Gott das furchtbare Gericht, welches einem Jeden nach diesem Leben, und Allen am Ende der Welt bevorstcht, hier im Sakramente der Buße in das allermildeste verwandelt. „ Wenn wir uns selbst richten," sagt der Apostel (1. Cor. 11, 31.), d. h. wenn wir uns im Gerichte der Buße von dem Diener Gottes richten lassen, „so werden wir (nach erhaltener Lossprechung) nicht wieder gerichtet," d. i. über die in der Beicht bekannten und erlassenen Sünden werden wir nicht wieder gerichtet und ihretwegen nicht verdammt werden. — Endlich ist dieses Sakrament jener Quell lebendigen Wassers (Zach. 13, 1), welchen Gott in seiner Kirche zur Abwaschung der Sünden eröffnet hat (sieh das obige Bild); ein Quell, durch welchen die Krankheiten und Wunden der Sünden geheilt, das Leben der Gnade und Liebe und der Glanz der Tugenden wieder hergestellt, die verlornen Verdienste wieder gewonnen, und alle übrigen Folgen der Sünde wieder gut gemacht werden; ein Quell, der ewig offen ist, der nie versiegt, den Gott nie, so lange wir leben, verstopft; ja, Gott will vielmehr, daß wir, so oft wir fallen und uns besudeln, Mehler, Hausbuch. zu dieser Quelle eilen, um uns wieder abwaschcn und reinigen zu lasten. Fr. Was ist bei dem Sakramente der Buße äußeres Zeichen? Antw. 1) Die Handlungen des Büßenden (Materie) und 2) gewisse göttliche Worte (Form). Belehrung. Die Materie oder vielmehr gleichsam Materie bei dem heiligen Bußsakrameute sind nach der Erklärung des heiligen Conciliums zu Trient die Werke des Büßers, nämlich die Acte der Neue, der Beicht und Genugthuung. Sie heißen aber nicht darum „gleichsam Materie," als hätten sie nicht die Beschaffenheit einer wahren Materie, sondern weil sic nicht eine solche Art von Materie sind, die man äußerlich gebraucht, wie das Wasser bei der Taufe und der Chrisam bei der Firmung. Auch die Sünden kann man die Materie dieses Sakramentes nennen; denn wie wir sagen, Holz sei die Materie des Feuers, weil es von der Kraft des Feuers verzehrt wird; ebenso können die Sünden, die durch die Buße getilgt werden, mit Recht die Materie dieses Sakramentes genannt werden. — Die Form aber besteht in den Worten der Absolution: „Ich spreche dich los." Fr. Sind mit diesem äußern Zeichen auch innere G nad enwirkungen verbunden? Antw. Ja, verschiedene und wunderbare Gnadenwirkungen, die wir im morgigen Lesestück näher kennen lernen werden. Legende: Die heilige Jungfrau und Märtyrin Neinaldis. (f um 680). Diese heilige Jungfrau, deren Andenken wir heute feiern, erkannte in dem heiligen Bußsakramente einen neuen Beweis der göttlichen Liebe und Barmherzigkeit und machte fleißig Gebrauch von diesem so wirksamen Gnadenmittel, um ihre Seele zu reinigen und zu stärken zum ewigen Leben. Sie wurde um die Mitte des 7. Jahrhunderts im heutigen Brabant geboren und war die Tochter des Grafen Witger und der heiligen Amal- berga (Amalia.) Von einer so frommen Mutter wurde gewiß die größte Sorgfalt auf eine christlich fromme Erziehung ihrer Kinder verwendet. Darum fand auch die zarte Jungfrau wahre Süssigkeit in der Liebe Gottes und am beschaulichen Leben. Als sie sich später im Besitze großer Reichthümer sah, faßte sie den Entschluß, den größten Theil derselben an die Armen, Kirchen und Klöster zu vertheilen. Dann trat sie eine Wallfahrt in das gelobte Land an, wozu sie sieben Jahre verwendete. 58 458 Drittes Hauptstück. Die Wirkungen des heiligen Bußsakramentes. Nach ihrer Rückkehr lebte sie in der Nähe des Städtchens Santen bei H— durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zwcihundertstes Lesestück. Am Feierabende des 19. Juli. Bon der Reue; Beschaffenheit derselben. Fr. Welches ist das zweite zum heiligen Sakramente der Buße nothwendige Erforderniß? AntW. Die Reue. Belehrung. Das zweite zum heiligen Bußsakramente unumgänglich nothwendige Stück ist die Reue. „Die Reue ist für den Beichtenden so nothwendig," sagt der heilige Ambrosius, „wie für den Verwundeten ein Heilmittel." Und Gott der Herr selbst fordert diese Reue zur Vergebung der Sünden. „Bekehret euch zu mir," ruft er uns durch den Propheten Joel (2, 13.) zu, „von euerm ganzen Herzen mit Fasten, Weinen und Klagen." — Ganz schön erklärt die Nothwendigkeit der Reue der heilige Gregor mit folgenden Worten: „Gott verlangt von uns würdige Früchte der Buße; diese Früchte aber sind die Gefühle und Thräncn der Reue. In der heiligen Beicht sind die Worte die Zweige und Blätter, der Schmerz aber ist die Frucht. Das mündliche Bekenntniß der Sünden gilt nur insofern, als es die Frucht der innern Zerknirschung voraussetzt. Gleichwie der Erlöser über jenen Baum den Fluch aussprach, der voll von Zweigen und Blättern, aber leer an Früchten war; ebenso verwirft und tadelt er jene Beichte», die der Frucht einer wahren Reue beraubt sind." 461 MW Drittes Hanptstück. Von der Reue; Beschaffenheit derselben. W rW.M ' Ä- 7?! M WM. MM U V Mr Beispiele und Anwendung. Wenn du ohne tiefen Reucschmerz in den Beichtstuhl trittst, so gleichest du jenem Mörder, welcher zwar feine Missethaten haarklein bekannte, aber, als er gefragt wurde, ob er auch Reue über dieselben habe, antwortete: „Ja, ich habe Neue, aber nicht deßhalb, weil ich gesündigt habe, sondern, weil ich sterben muß, ohne Gelegenheit zu haben, durch noch größere Verbrechen den Tod zu verdienen." -— Was kann dir das Bekenntniß der Sünden nützen, wenn du dieselben nicht vom Herzen bereuest? Der heilige Cyprian ist der Ansicht, daß es ein viel größeres Verbrechen sei, seine Sünden nicht bereuen, als die Sünde begehen. — Der Kaiser Adrian ließ einst einen Hofbeamten tödten, weil dieser zwar erkannte, daß er in Ungnade gefallen sei, aber nicht den geringsten Schmerz darüber an den Tag legte. — Sünder! im Richterstuhle der Buße erscheinest du vor keinem irdischen Kaiser, sondern vor der höchsten Majestät Gottes und bekennest, daß du sie beleidigt hast. So hüte dich denn, ohne Schmerz über deine Sünden zu erscheinen; denn „ein größeres Verbrechen ist's, seine Sünde nicht bereuen, als die Sünden begehen." Fr. Was ist die Rene? Antw. Die Reue ist ein Schmerz der Seele und ein Abscheu über die begangenen Sünden. Belehrung. Die Reue besteht also 1) in einem inner« Schmerz, den wir in unscrm Herzen ! darüber empfinden, weil ! wir Gott beleidigt haben, und 2) in einem Ab- s ch e n vor den begangenen Sünden. Ganz schön erklärt auch dieß wieder der heilige Gregor, indem er schreibt: „Bereuen heißt nichts Anders, als die begangenen Fehler beweinen und keine neuen mehr begehen, die man zu beweinen hätte; denn wer die Sünden beweint und sie wieder begeht, der weiß entweder nicht, was Reue ist, oder er stellt sich, als wisse er es nicht." Fr. Wie muß daher die wahre Reue beschaffen sein? Antw. Sie muß 1) innerlich, 2) allgemein und 3) übernatürlich sein. Belehrung. „Es gibt keine andere Münze," sagt Tertullian, „womit man die verlorne Gnade Gottes wieder einkaufen kann, als die Reue über seine Sünden. Wie es aber viele ungiltige Münzen gibt, die beim Kaufe und Verkaufe keinen Werth haben, so ist auch manche Neue bei Gott ungiltig und ungeeignet, um durch sie Gnade und Verzeihung zu erlangen." Daher ist cs sehr wichtig, die Eigenschaften der wahren, vor Gott gütigen Reue kennen zu lernen. Diese aber sind folgende: 1) Die Reue muß innerlich sein, d. h. man muß seine Sünden nicht bloß mit dem Munde bereuen, sondern auch im Herzen als das größte Ucbel verabscheuen und aufrichtig wünschen, sie nicht begangen zu haben. „Das Kennzeichen einer wahren, gütigen und nützlichen Beicht und Buße besteht nicht in den Worten der Zunge," sagt der heilige Gregor, „sondern im Schmerze des Herzens; und nur Jener hat wahrhaft seine Gesinnung geändert und eine gute Beicht verrichtet, der mit der inner« Zerknirschung und Neue Das aus seiner Seele zu tilgen sucht, was er mit der Zunge hervorbringt." Zu dieser Reue fordert uns schon der Prophet Joel (2, 13) Am Feierabende des 19. Juli. 465 auf, indem er ausruft: „Zerreißet euere Herzen und nicht euere Kleider!" und daß nur diese Neue vor Gott einen Werth habe, spricht David (Pf. 50, 19.) mit den Worten aus: „Ein Opfer vor Gott ist ein betrübter Geist, ein zerknirschtes und gedemnthigtcs Herz, wirst du, o Gott! nicht verachten." — 2) Die Reue muß allgemein sein, d. h. man muß alle seine begangenen Sunden oder wenigstens alle Todsünden bereuen; denn da uns jede Todsünde von Gott entfernt, so muß auch jede, d. h. es müssen alle Todsünden bereut werden. Daher heißt es bei Ezechiel (18, 21.): „Wenn der Gottlose Buße thut über alle seine Sünden, so wird er leben." — Hätte man aber bloß läßliche Sünden zu beichten, so müßte man wenigstens Eine derselben wahrhaft bereuen, sonst wäre die Beicht ungiltig. 3) Die Neue muß übernatürlich sein, d. h. die Sünden müssen uns reuen nicht wegen ihrer natürlichen Folgen, sondern aus übernatürlichen Gründen: weil wir Gott beleidigt, seine Gnade verloren, die Hölle verdient haben und dergl. „SichereNeue," sagt der heilige Augustin, „bewirkt nur der Haß der Sünde und die Liebe Gottes. Wenn du deine Sünden so bereuest, daß dir DaS, was dir früher Freude und Lust gemacht hat, nun in der Seele Bitterkeit verursacht, und Das, was dich früher so sehr ergötzte, nun unaussprechlich martert, dann seufzest du recht zu Gott, dann kannst du mit Recht sagen: Dir allein, o Herr! habe ich gesündigt. " — Würde man aber seine Sünden nur deßwegen bereuen, weil sie uns zeitlichen Schaden oder Schande u. s. w. verursacht haben, so wäre dicß nur eine natürliche Reue, die Nichts nützt. „Wer daS Böse nur aus Furcht vor der Strafe meidet," schreibt wiederum der heilige Augustin, „der ist ein Feind der Gerechtigkeit, die es bestraft; und er würde, wenn er könnte, diese Gerechtigkeit vertilgen, um frei sündigen zu können. Wo den Menschen die bloße Furcht belebt, bleibt der Wille zu sündigen im Grunde immer, obschon sich der Mensch äußerlich davon enthält." Beispiele und Anwendung. In der heiligen Schrift begegnen uns verschiedene Beispiele sowohl von natürlicher, als übernatürlicher Reue.— Eine bloß natürliche Reue hatte z. B. König Saul. Er verabscheute seinen Ungehorsam gegen Gott, aber nur deßhalb, weil er sich seines Königreiches beraubt sah. -— Auch Esau brach in harte Klagen und bitteres Weinen aus; aber nur, weil er das Recht der Erstgeburt verloren hatte. — Antiochus Epiphanes, König von Syrien, ließ die ihrem Glauben treuen Juden grausam martern; er raubte die Schätze des Tempels zu Jerusalem und ließ sogar im Heiligthume des lebendigen Gottes ein Götzenbild aufstellen zur Anbetung. Dieser König Mehler, Hausbuch. wurde einst von seinen Feinden in die Flucht geschlagen. Darüber erzürnt wollte er seinen Zorn an den Juden aus- lassen. „Jerusalem," sprach er, „werde ich in einen Leichenhügel verwandeln." Das Wort war kaum anö seinem Munde, so schlug ihn Gott, der Alles hört, mit einer unheilbaren Krankheit; ein brennender Schmerz wühlte in seinen Einge- weiden, Würmer nagten an seinem Leibe, das Fleisch fiel herab, und der Gestank von ihm war dem ganzen Heere lästig. Da fing er an, alle Qualen, die er den Juden an- gethan hatte, zu bereuen; er versprach aus Rene sogar ein Jude zu werden und Gottes Allmacht überall zu predigen. (2. Machab. 9.) Welche heftige Neue! Aber was war die Ursache von dieser Neue? Nichts Anderes als der Schmerz, der in seinen Eingeweiden nagte. Dieß war nicht die rechte Ursache, — dieß war eine Reue nach der Welt. Was half dem Könige diese Neue? Nichts! „Er rief," sagt die heil. Schrift, „zu Gott, aber er erhielt keine Barmherzigkeit" (2. Machab. 9, 13); er starb elend als Heuchler und Frevler in der Fremde. —> lÄenso finden wir auch Beispiele von übernatürlicher Rene.— Eine übernatürliche Rene hatte z. B. König David. Tag und Nacht beweinte er seine Sünden voll Schmerz darüber, seinen Gott beleidigt zu haben. „Dir allein, o Gott! habe ich gesündigt," rief er aus, „und Böses vor Dir gethan!" — Eine solche Reue hatte auch die große Büßerin Maria Magdalena. (Sieh das obige Bild!) — Der heilige Petrus verlängnete kleinmüthig seinen göttlichen Meister; als er aber don ihm mit einem liebevollen Blick angeschaut wurde, weinte er bitterlich über seine Sünde. (Luk. 22.) Und er stand in jeder Nacht auf, wenn der Hahn rief, (also erzählt ein frommer Schriftsteller), und weinte, und sein Weinen war so gewaltig, daß seine Thränen ihm Furchen in die Wangen höhlten. Legende: Der heilige Vincenz von Paul, Ordens st ist er. (ch 1660.) Auch in der Lebensgeschichte dieses großen Heiligen, dessen Fest wir heute feiern, begegnet uns ein schönes Beispiel von wahrer, vollkommener Neue. Eines Tages begehrte man ihn nämlich nach Gannes, ein etwa zwei Stunden von Amiens entlegenes Dorf, um da einen gefährlich kranken Landmann Beicht zu hören, der sein ganzes Vertrauen ans den heiligen Priester setzte. Vincenz machte sich ungesäumt auf den Weg. Als er den Seclenzustand des Kranken ernstlich untersucht hatte, schlug er ihm eine Generalbeicht vor, was dieser auch willig annahm. Bald gewahrte er, daß sein Kranker noch nie mit der gehörigen Vorbereitung das heilige Bußsakrament empfangen und mithin keine Verzeihung seiner Sünden erhalten habe. Der in Thränen zerfließende Landmann klagte sich über alle seine Vergehungen an, ward losgesprochen und verspürte darauf eine Freude, die sich kaum mit Worten ausdrücken läßt. Siehe da den beseligenden Lohn einer wahren aufrichtigen Reue! — O noch viel Schönes und Erfreuliches könnte ich dir, mein christlicher Leser! aus dem Leben dieses Heiligen 59 466 Drittes Hauptstück. Von der Reue; Einteilung der übernatürlichen Rene. .MM ALUMs« WS' erzählen; allein ich muß mich kurz fassen, und kann dir daher das thatenreiche Leben des heiligen Vinzenz von Paul nur im Auszuge mittheilen. — Er wurde im Jahre 1576 im Dörfchen Poh in Gascogne geboren. Sein Vater, der Besitzer eines kleinen Erbgutes, hieß Wilhelm von Paul. Von erster Kindheit an offenbarte Vincenz eine besondere Herzensgute. Seine trefflichen Anlagen bewogen den Vater, den Knaben dem geistlichen Stande zu widmen. Als Priester vereinigte er in sich den unermüdlichen Eifer der Apostel, den feurigen Muth der Märtyrer, den werktätigen Glauben der Bekenner und die unversehrte Keuschheit der Jungfrauen. Die von ihm gestiftete Kongregation von Weltpriestern, um für das veruachläßigte Landvolk Missionen zu halten, wurde im Jahre 1632 vom Papste Urban gutgeheißen und deren Leitung ihm übertragen. Vincent ins war es auch, der die Schwesterschaft der Töchter der christlichen Liebe oder der b a r m herzigenSch w e- stern gründete. Im Jahre 1643 wurde er zum k. Staats- rathe zur Besorgung der geistlichen Angelegenheiten ernannt, und eS erregt das höchste Erstaunen, was er zum Besten der Menschheit wirkte. Seine holde Freundlichkeit gewann ihm alle Herzen. Es war rührend zu sehen, wie sein ganzes Wesen die Kinder an ihn zog; wie er sich ihnen und besonders den Kindern des armen Landvolkes und allen Armen so ganz hiugab. Ergründete die wohlthätigsten Anstalten für Arme und Kranke und nahm sich mit besonderer Liebe der armen, verlassenen Kinder, der Findelkinder an. (Sieh das obige Bild!) Er strebte, stets vor Gott zu wandeln, und um diesen Weg nicht zu verfehlen, hielt er den Blick des Geistes immer gerichtet auf Christus, der zuvor diesen Weg wandelte. Am 27. September 1660 gab er seinen Geist auf, still erlöschend wie ein ausgebranntes Licht — im 85. Jahre seines liebethätigen Wandels. Gebet. Gib, o Gott! daß wir das Tngendbeispiel deines großen und treuen Dieners St. Vincenz nachahmen, und verleihe, wenn wir gesündigt haben, ans seine Fürbitte uuserm Herzen den Schmerz und unfern Augen die Thränen wahrer, aufrichtiger Neue — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zw eihmid ertund erstes Lesestück. Am Feierabende des 20. Juli. Bon der Rene; Eintheilnng der übernatürlichen Reue. Fr. Wie vielerlei ist die übernatürliche Reue? Anttv. Zweierlei: die vollkommene und die unvollkommene. Fr. Wann ist die Reue vollkommen? Antw. Wenn sie ans der vollkommenen Liebe entsteht, d. h. wenn wir die Sünde mehr als alle andern Nebel verabscheuen einzig darum, weil sie Gott, das höchste Gut, beleidigt. Belehrung. Die vollkommene Reue ist also der Schmerz über eine Beleidigung Gottes aus vollkommener Liebe zu ihm, d. h. wir bereuen und verabscheuen da unsere Sünden nur deshalb, weil wir Gott, das höchste und liebenswürdigste Gut, dadurch beleidigt haben. „Hast du gesündigt", sagt der heilige Chrysostomus, „so weine und klage, — nicht weil du die Hölle verdient hast; dieser Beweggrund ist unvollkommen. Weine und klage, weil du Gott beleidigt hast, welcher unendlich gütig ist und dich so sehr geliebt hat, daß er seinen eigenen Sohn hinge- gebeu hat, um dich selig zu machen." 467 Am Feierabende des 20. Juli. Fr. Wann ist die Reue unvollkommen? Antw. Wenn unsere Liebe nicht vollkommen ist, und wenn uns daher die Furcht vor der Hölle und dem Verlurste des Himmels oder die Häßlichkeit der Sünde antreiben muß, daß wir dieselbe über Alles verabscheuen und Gott nicht mehr beleidigen wollen. Belehrung und Beispiel. Sieh, mein Christ! ich will dir dieß Alles durch ein Beispiel deutlicher erklären. Ein Vater hatte drei Kinder, die er täglich ans eine Wiese schickte, um drei kleine Lämmer zu hüten, deren Aufsicht er ihnen anvertraut hatte. Eines Tages schliefen die Kinder ein, und während sie schliefen, kamen Wölfe aus dem nahen Walde, stürzten sich auf die Lämmer und trugen sie davon. Durch das klagende Geblöcke ihrer Lämmer aus dem Schlummer geschreckt, sahen die Kinder in der Ferne die Wölfe, welche sie davon trugen. Alsbald singen sie an zu weinen und Alles ringsum mit ihren Klagen zu erfüllen. Sie waren alle drei untröstlich. Doch höret die Gründe ihres Kummers. Der Aelteste sagte: „Ich weine, weil mich mein Vater schlagen und mir eine Strafe auferlegen wird, daß ich sein Lamm sorttragen ließ: wäre dicß nicht, so würde ich nicht weinen." Der Zweite sprach: „Was mich betrifft, so weine ich wegen der Strafen, die man mir geben, aber auch wegen des Kummers, den mein Vater haben wird, sobald er erfährt, daß die Wölfe mein Lamm verschlungen haben." Der Jüngste, der unter den Dreien am Bittersten weinte, sagte unter einem Thränenstrome: „Mein guter Vater wird ganz untröstlich sein; lieber wollte ich mein ganzes Leben hindurch küssen, als ihm einen solchen Kummer verursachen." — Das erste dieser Kinder ist der Christ, welcher nur sklavische Furcht, eine bloß natürliche Reue hat; das zweite ein solcher, der die übernatürliche, aber unvollkommene Reue hat; und das dritte entspricht dem, welcher die übernatürliche und vollkommene Reue hat. Fr. Muß unsere Reue nothwendig vollkommen sein? Antw. Nach der Lehre der Kirche müssen wir uns zwar der vollkommenen Neue stets befleißen, weil unsere Buße um so verdienstlicher und gottgefälliger ist und um so sicherer Verzeihung erlangt, je vollkommener unsere Reue ist; indeß reicht bei der mensch, lichen Unvollkommenheit auch schon die übernatürliche unvollkommene Reue zur Giltigkeit der Beicht und zur Vergebung der Sünden hin. Fr. Was müssen wir thun, um eine wahre übernatürliche Reue zu erlangen? Antw. Wir müssen l) Gott um seine Gnade dazu bitten, 2) zugleich aber auch das Unsrige thun und durch Betrachtung rührender Wahrheiten unser Herz zur Reue zu stimmen suchen. Belehrung. Gar oft hört man klagen: „Ich kann halt bei der Beicht keine rechte Reue und Leid zusammen- bringcn." Alle diese sollen sich folgende zwei Punkte merken und befolgen: 1) Zur wahren Reue brauchen wir Gottes Beistand, da sie ein Schmerz des Herzens und Oemüthes ist und die Umänderung des Herzens zum Zwecke hat; daher müssen wir vor Allem darum beten; denn „das Herz des Königs ist in der Hand des Herrn wie Wasserleitungen, 59§- 468 Drittes Hanptstück. Von der Reue; Eintheilung der übernatürlichen Reue. und er neigt cs, wohin er will." (Sprüchw. 21, 1.) Mit dem heiligen Augustin sollen wir auSrufen und beten: „O gütigster Jesu! O liebreichster Jesu! durch jene kostbaren Thränen und durch alle deine Erbarmungen, womit du uns Armseligen und Verlornen so wunderbar zu Hilfe zu kommen dich gcwürdiget hast, gib mir die Gabe der Thränen, welche meine Seele so flammend verlangt und wünscht! Nicht weinen kann ich ja, ohne daß du es mir gibst; und wie dürre Erde ohne Wasser, ist meine Seele ohne dich." — Zugleich müssen wir aber auch 2)dasUnserige thun und durch heilsame Betrachtungen unser Herz zur Reue stimmen, z. B. durch Betrachtung des Kreuzes und der unaussprechlichen Liebe Jesu zu uns, sowie unserer Bosheit und Undankbarkeit gegen ihn u. s. w. Betrachte, wie gütig und barmherzig Derjenige ist, den du beleidiget hast," spricht der heilige Augustin; „einen solchen Vater beleidigen, Etwas wider seinen Willen thun — welche Grausamkeit!" Beispiel und Anwendung. Als Gott das Herz des sündigen David zu bitterer Reue stimmen wollte, ließ er ihm (sich das obige Bild!) durch den Propheten Nathan sagen: „Ich habe dich gesalbt zum Könige über Israel und dich gerettet aus der Hand Sauls, und habe dir gegeben das Haus Israel und Juda. Und ist dieses wenig, so kann ich noch weit Größeres Hinzuthun." (2. König. 12, 7—8.) David sollte sich erinnern, wie viel Gutes Gott ihm erwiesen, wie liebevoll er ihn aus dem Hirtcnstande auf den Thron Israels erhoben, wie väterlich er ihn in größter Gefahr beschützt, wie ausnehmend er ihn vor Andern in Gnaden angesehen habe; und sollte dieses zu wenig sein, so könne er ihm noch mehr thun. „Und ist dieses wenig, so kann ich noch weit Größeres Hinzuthun. Aber warum hast du das Wort des Herrn verachtet, um Böses zu thun vor meinen Augen?" (9.) Auf diese Vorstellung brach dem sündigen König das Herz im Leibe, und er seufzte reuevoll: „Ich habe gesündigt Wider den Herrn!" (13.) — Mein Christ! denke auch du ein wenig zurück und beherzige, wie viel Gutes dir Gott gethan, mit welcher Vorsicht er über dich gewacht, wie oft er dich dem Untergange entrissen, wie barmherzig er dich, indeß er tausend Andere ewig verloren gehen ließ, nach so vielen Sünden wieder in Gnaden ausgenommen hat, wie er dir täglich Gutes erweist und bereit ist, dir künftighin, ja sogar eine ganze Ewigkeit hindurch Gutes zu erweisen und dich mit seinen Erbarmungen zu krönen! „Und ist dieses wenig, so kann ich noch weit Größeres Hinzuthun. Aber warum hast du das Wort deS Herrn verachtet?" . .. Soll die Betrachtung dieser Liebe Gottes gegen dich, soll die Betrachtung dieses Undankes Leines Herzens gegen Gott dich nicht mächtig ergreifen und bittere Reue in dir Hervorbringen? Fr. Wann soll man im und außer dem Bußsakramente die Reue erwecken? Antw. Im Bußsakrament soll man sie erwecken vor der Beicht oder wenigstens vor der Lossprechung des Priesters; denn ohne Reue würde die Absolution Nichts helfen; und außer dem Bußsakra- mente 1) in einer Todesgefahr, und 2) so oft man das Unglück hat, eine Todsünde zu begehen, und nicht sogleich beichten kann. Dieß fordert die Sorgfalt für unser Seelenheil; denn die Reue ist so nothwendig, daß sie durch Nichts und in keinem Falle ersetzt werden kann. — Von der Nothwendigkeit der Reue überzeugt, schlossen selbst die heiligsten und frömmsten Personen ihr Leben nicht anders, als nur im Gefühle der tiefsten Neue. Unter diese dürfen wir Wohl auch jene Heilige zählen, deren Fest auf den heutigen Tag fällt. Legende: Die heilige Jungfrau und Märtyrin Margaretha, (ch im 3. Jahrhundert.) Margaretha, die Tochter eines vornehmen, heidnischen Götzenpriesters zu Antiochien, wurde einer Amme auf das Land zur ersten Pflege und Erziehung übergeben. Nach dem Tode ihrer Mutter kehrte sie in das väterliche Haus zurück, wo sich ihr Vater bald überzeugte, daß sie das Christenthum angenommen habe und demselben von ganzem Herzen zugethan sei. Er bemühte sich eifrig, sie auf andere Gesinnung zu bringen; aber sein Bemühen blieb fruchtlos. Endlich vertrieb er sie vom Hause, um sie nicht mehr sehen zu dürfen. Die Verflossene begab sich zu ihrer Pflegemutter, von der sie liebvoll ausgenommen und wie ihr Kind gehalten wurde. Sie wandelte da in liebenswürdiger Unschuld und unter- 469 Am Feierabende des 21. Juli. zog sich in bescheidener Demuth gerne dem Geschäfte, mit Mädchen von gemeinem Stande die Schafe zu hüten. Margaretha war 15 Jahre alt, als die Verfolgung der Christen unter Diokletian ausbrach. Olibrius, ein stolzer und grausamer Mann, hatte die Verfolgung in Vollzug zu setzen. Auf seiner Reise nach Antiochien sah er die Heilige, die eben ans dem Felde bei der Heerde war. Entzückt über ihre Schönheit entbrannte er in unreiner Begierde gegen sie, und ordnete deßhalb einige seiner Leute ab, sie herbeiznführcn. Ergriffen und wider ihren Willen fortgezogen, flehte sie zu Gott um Beistand und Schutz vor der drohenden Gefahr. Der Statthalter fragte sie um ihren Namen, ihre Abkunft und ihren Stand. Als er hörte, daß sie eine Christin sei, gerieth er in Zorn und befahl, die zarte Jungfrau in den Kerker zu werfen. Allein weder Kerker, noch Folter waren im Stande, ihren Heldenmnth zu brechen. Aus allen Qualen, die er ihr bereitete, ging sie freudig und Gott preisend hervor. Auf ihre Standhaftigkeit hin bekehrten sich viele Heiden znm Christenthume, welche, wie Margaretha, enthauptet wurden. Gebet. Heilige Margaretha, du Muster der Unschuld und christlichen Standhaftigkeit! bitte für uns, auf daß unsere harten Herzen durch Thränen wahrer Buße und Reue erweicht werden, damit auch wir uns alle wahrhaft zu Gott bekehren mögen, der da lebt und regirt in alle Ewigkeit. Amen. Zweihundertundzweites Lesestück. Am Feierabende des 21. Juli. Vom Vorsatze. Fr. Was ist mit der wahren Reue nothwendiger Weise verbunden? Antw. Der Vorsatz oder der ernstliche und aufrichtige Wille, das Leben zu bessern und jede Sünde, sowie jede Gelegenheit zur Sünde zu meiden. Belehrung. Wie aus der Quelle das Wasser, so muß aus der wahren Reue nothwendiger Weise der gute Vorsatz hervorgehen. Es gibt keine wahre Reue ohne ernstlichen Vorsatz; denn könnte ich wohl zu einem Manne, den ich beleidigt habe, sagen: „Es reuet mich vom Herzen, dich beleidigt zu haben; indeß will ich es künftighin doch schon wieder thun; ich bitte dich, verzeihe mir's nur!" — »Wisset ihr," fragt der heilige Isidor, „wer eine wahre Reue hat? Derjenige, der die begangenen Sünden so beklagt, daß er nicht mehr in sie verfällt; denn wer die Sünde beweint und -Mt ! MUW ME? MWZ MM wieder zu ihr zurückkehrt, der gleicht jenem Thoren, der einen rohen Ziegelstein abwäscht, den er um so mehr beschmutzt, je länger er ihn wäscht." Fr. Wie muß der Vorsatz beschaffen sein? Antw. Er muß 1) innerlich und ernstlich, 2) allgemein und 3) wirksam sein. Fr. Wann ist der Vorsatz innerlich und ernstlich? Antw. Wenn man im Herzen fest entschlossen ist, ewig die Sünde zu hassen und zu fliehen. Belehrung und Beispiel. Also nicht bloß mit dem Munde dürfen wir Besserung versprechen, nein, im Herzen müssen wir hiezu entschlossen sein, und zwar ernstlich, d. h. unerschütterlich fest, koste cs auch, was es wolle; mit andern Worten der Wille des Büssers muß so fest entschlossen sein, die Sünde auf ewig zu hasten und zu meiden, daß er lieber gleich jenen heiligen Büßern in der Wüste (sich das obige Bild!) alles Harte und Beschwerliche, ja selbst den Tod leiden, eher Alles, was ihm auf Erden lieb und theuer ist, dahingeben, als nur noch Einmal durch eine Sünde seinen Gott beleidigen will. Denke dich in die Lage eines Feldherrn, dem von seinem Könige die Erhaltung einer sehr wichtigen, aber schwer zu vertheidi- genden Festung anvertraut ist. Es erscheinen ringsum zahlreiche Feinde mit vortrefflichem Kriegsgeschütz, die sie umzingeln und streng belagern; allein der tapfere Feldherr ist fest entschlossen, männlich den ihm anvertrauten Platz zu behaupten und eher zu sterben, als ihn dem Feinde zu über- 47V Drittes Hauptstück. Vom Vorsatze. liefern oder nur mit diesem in Unterhandlungen sich einzulassen. Eben so fest muß der Vorsatz des Büßers sein. Gott hat dessen Seele wieder aus den Händen seiner und ihrer Feinde befreit, und ihm die Bewahrung derselben übertragen ; er ist nun fest entschlossen, den Angriff ihrer Feinde muthig abzuwehren und weder durch ihre Macht sich schrecken, noch durch ihre List sich täuschen, noch mit ihnen in Unterhandlung sich einzulassen. Alle Lockungen der Welt, alle Lüste des Fleisches, alle Angriffe des Teufels, alle Gewalt der bösen Gewohnheit können ihn nicht mehr zur Uebergabe seiner Seele an die Sünde, zum Treubruch an seinem Gott bewegen. Fr. Wann ist der Vorsatz allgemein? Antw. Wenn man fest entschlossen ist, alle Sünden ohne Ausnahme und jede Gelegenheit zur Sünde zu meiden. Belehrung. Der Vorsatz muß allgemein sein, d. h. der Abscheu muß sich auf alle Sünden, wenigstens auf alle Todsünden erstrecken, und der Büßer muß fest entschlossen sein, alle und jede nächste Gelegenheit zur Sünde zu fliehen, d. h. Alles das, was ihn schon bisher oft zum Falle brachte, und was ihn auch noch künftighin wieder leicht zur Sünde verleiten könnte. Beispiele und Anwendung. Alle Sünden, wenigstens alle Todsünden müssen wir also meiden, wenn unser Vorsatz allgemein sein soll; denn hier gilt das Wort des Apostels (Jak. 2, 10.): „Wer das ganze Gesetz hält, aber Ein Gebot Übertritt, der macht sich des Ganzen schuldig." — ChromatiuS, Statthalter in Rom, lag an einer Krankheit darnieder, die kein Arzt heilen konnte. Um diese Zeit wirkte der heilige Sebastian viele Wunder. Als ChromatiuS, der noch Heide war, von ihm hörte, rief er ihn zu sich und fragte: durch welche Kraft er die Wunder thue? „Durch die Kraft Jesu Christi," war die Antwort. Sebastian sagte auch, wer Christus sei, was er gethan und gelitten hat für uns. „Wenn mich Christus gesund gemacht, — erwiderte der Statthalter, — so will ich an ihn glauben." „Ja, es wird dir geschehen," sprach der Heilige; „allein zuvor mußt du deine Götzen alle vernichten." ChromatiuS hatte zweihundert Götzen von allerlei edlem Metalle. Der Statthalter verspricht es; allein er wird darauf noch kränker. Als Sebastian wieder vor ihm erschien, sagte ChromatiuS: „Du hast mich sauber betrogen, du hast mir Gesundheit versprochen, und ich bin noch kränker geworden." — „Hast du aber alle Götzenbilder zerstört und kein einziges behalten?" Ja, Eins wohl, stotterte der Statthalter, aber eS ist so niedlich, ist vom feinsten Golde, schon lange von meinen Ahnen verehrt. „Und hätte," sprach Sebastian, „das Bild den Werth der ganzen Welt, du mußt es wegschaffen, willst du gesund werden." Der Statthalter that's und wurde gesund. — Aus dieser Geschichte ziehe ich für uns die Lehre: Wenn der Sünder wahre Reue hat, so muß er sich entschließen alle Sünden, auch seine Lieblingssünden, zu meiden — keine ausgenommen; muß meiden die Weichlichkeit, die Wollust, den Geiz, den Betrug, die Verläumdung, die Trägheit, die Hoffart. — Aber auch jede nächste Gelegenheit zur Sünde müssen wir meiden. Als Gott den Abraham zum Stammvater seines auserwählten Volkes berief, da sprach er zu ihm: „Gehe aus deinem Lande, aus deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters HauS." (Gen. 12, 1.) Das verlangte Gott von Abraham, weil sonst Gefahr vorhanden war, daß der Patriarch durch seine abgöttischen Verwandten zum Götzendienst hätte verleitet werden können. So verlangt Gott auch von dem büßenden Sünder, daß dieser alle und jede nächste Gelegenheit der Sünde zu fliehen sich entschließe, daß er sich von Allem trenne, was ihn schon bisher oft zum Falle brachte, und was ihn auch noch künftighin zur Untreue verleiten könnte. Meide dieses Haus, wo du Gelegenheit zum Laster findest; scheide aus jener Gesellschaft, wo du zur Sünde angereizt wirst! Sprich also, wenn du vor der Beicht den Vorsatz der Besserung machst, wie der büßende König David: „Jede Ungerechtigkeit hasse ich vom Herzen!" (Ps. 118, 128.) jeder Sünde ohne Ausnahme entsage ich; mit deiner Gnade, o Gott, will ich jede noch so liebgewonnene böse Gewohnheit ablegen! Fr. Wann ist der Vorsatz wirksam? Antw. Wenn sich im Leben wirklich eine Besserung zeigt. Belehrung und Beispiel. „Wo keine Besserung ist, da ist die Buße falsch," sagt Tertullian, und der heilige Isidor fügt bei: „Man ist ein Spötter und kein Büsser, wenn man fortfährt, das Böse zu thun, worüber man Reue bezeigt." — Damit aber unser Vorsatz wirksam werde, muß man alle nöthigen Mittel anwendcn; denn so wenig ein Kranker gesund werden kann, wenn er die vorgeschriebenen Arzneimittel nicht gebraucht, so wenig ein Armer reich werden kann, wenn er kein Geschäft treibt, keine Arbeit unternimmt, ebenso wenig werden auch unsere Vorsätze wirksam in's Leben treten, wenn wir nicht Hand an's Werk legen, die bösen Gelegenheiten meiden, das Gegengift wider unsere bösen Gewohnheiten anwenden u. s. f. — Aber ach, wie viele Sünder sind so unbeständig in ihrem Vorsatze! Wie gar bald kehren sie wieder zur Sünde zurück! Für diese paßt gar gut das schöne Gleichniß des heiligen Augustinus von dem erschreckten Wolfe. „ Ein Wolf," sagt er, „der voll böser Art ist, wüthct, die Schafe einer Heerde zu verzehren. Es trifft sich, daß bisweilen die Hunde bellen, wenn sie ihn spüren; die Hirten erheben sich auf ihren Laut und 471 Am Feierabende des 22. Juli. verjagen ihn durch Rufen und Schlagen; der Wolf kehrt erschreckt und zitternd in den Wald zurück, ohne daß er etwas Uebles angerichtet hat. Ist nun wohl die böse Art des Wolfes geändert, so daß er, ohne je etwas Uebles anzustellen, zitternd abzieht? Nein, antwortet der Heilige. Er hat kein Uebel angerichtet, weil er nicht konnte; die Gefahr, getvdtet zu werden, machte ihn zittern; er bleibt übrigens immer der Wolf; er mag wüthen oder zittern." —- So machen auch Viele bei plötzlichen Uuglücksfällen und Krankheiten die heiligsten Vorsätze, hört aber das Unglück oder die Krankheit wieder auf, so ist es mit all den guten Vorsätzen auf einmal ein Ende. Da kann von der Wirksamkeit des Vorsatzes keine Rede sein. Legende: Die heilige Jungfrau Praxedis. Treu und standhaft in ihren frommen Vorsätzen war die heilige Jungfrau Praxedis, deren Andenken wir heute feiern. Durch Nichts ließ sie sich scheiden von der Liebe Christi. Diese Heilige war eine Tochter des römischen Senators Pude ns und eine Schwester der heiligen Prndentiana. Unter dem Oberhirtenamte des Papstes Pius I. und unter der Regierung des Kaisers Anton in des Frommen verherrlichte sie die Stadt Rom durch den Glanz ihrer Tugenden. Sie besaß große Reichthümer, die sie zur Pflege der Armen und zu den Bauten und Auszierungen der Kirchen verwendete. An der Krone der Märtyrer suchte sie Theil zu nehmen durch Tröstungen und Beisteuern, die sie ihnen gewährte. Man bewunderte an ihr vorzüglich eine große Liebe znm Gebete, womit sie strenges Fasten und anhaltendes Nachtwachen verband. Sie starb im Frieden, und ward neben ihrer Schwester an der Salarischen Straße beigesetzt. Gebet. Stärke unfern schwachen Willen, o Gott! damit wir in Erfüllung unserer Vorsätze ebenso treu und standhaft sein mögen, wie die heilige Jungfrau Praxedis, indem wir unser Leben bessern und jede Sünde, sowie jede Gelegenheit zur Sünde sorgfältig meiden, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihnndertmlddrittes Lesestück. Am Feierabende des 22. Juli. Von der Beicht. Einsetzung derselben durch Jesus Christus, und ihr beständiger Gebrauch in der Kirche. Fr. Welches ist das vierte Erforderniß zum heiligen Sakrament der Buße? Alltw. Die Beicht, d. h. das offene und ren- müthige Bekenntniß aller begangenen Sünden vor einem zum Beichthören rechtmäßig verordneten Priester, um von ihm die Lossprechung zu erhalten. (Sieh das nachfolgende Bild!) Belehrung. Fast keine Glaubenslehre ist in der heiligen katholischen Kirche mit mehr Hartnäckigkeit und Bosheit angefochten worden, als die Ohrenbeicht. Es ist für den menschlichen Stolz eine außerordentlich schwere Aufgabe, sich so sehr zu demüthigen und die geheimsten Fehler seines Herzens einem Menschen zu entdecken. Dennoch muß man nach der Ansicht aller Frommen alles Heilige, Gottselige und wahrhaft Religiöse, was in der Kirche durch Gottes Gnade erhalten worden ist, großentheils der Beicht zuschreiben. Ebendeßhalb darf es uns nicht wundern, daß der 472 Drittes Hauptstück. Einsetzung der Beicht durch Jesus Christus, u. ihr beständiger Gebrauch in der Kirche. Feind des menschlichen Geschlechtes, in der Absicht, den katholischen Glauben von Grund aus zu zerstören, durch die Genossen und Diener seiner Gottlosigkeit aus allen Kräften gegen diese feste Burg der christlichen Gottseligkeit einen gewaltigen Sturm versucht habe, und daß er alle Kunstgriffe anwendet, diese Quelle auszutrocknen, damit sich die göttliche Gnade nicht mehr über uns ergieße. Fürchtet ja der böse Feind selbst Nichts so sehr, als die Beicht, das Bekenntniß seiner Schuld, wie wir aus folgender alten Fabel ersehen. Beispiel und Anwendung. Ein frommer Einsiedler hatte sich vorgenommen, den Lucifer, der nicht selten mit seinem Besuche ihn belästigte, zu bekehren. So sprach er dann zu dem Unhold: „Wie lange noch willst du deinem Schöpfer Trotz bieten, seine Liebe verachten und die Sterblichen in dein eigenes Elend verstricken, ohne Gewinn für dich, sondern nur um deine Verdammniß zu häufen? Wäre es nicht endlich Zeit, den ruchlosen und ohnmächtigen Kampf gegen den Allmächtigen aufzugeben, aus der Finsterniß dich empor zu ringen und in Gottes Licht und Huld zurückzukehren ? Und siehe, Nichts ist leichter und geschwinder gethan, als dieses; mit wenigen Worten kann es vollbracht werden!" Da ward der Fürst der Lüge neugierig und fragte: was für Worte das wären? Der Einsiedler sagte sie ihm vor: „Herr, ich habe gesündigt; erbarme Dich meiner!" — Ganz recht, erwiderte Lucifer; doch ist noch ein Bedenken dabei: Wer soll diese Worte aussprechen: Ich oder Gott? — „Das solltest du wohl wissen," entgegnete der Eremit: „Du bist der Sünder; an dir ist es, diese Worte auszusprechen." — Da grollte der Abtrünnige und rief: „Das wird in Ewigkeit nicht geschehen!" — Ebenso machen es auch alle verblendeten und verhärteten Sünder; sie wollen vom Beichten Nichts wissen, und geben sich daher alle Mühe, die göttliche Anstalt der Beicht herabzusetzen und darüber zu schimpfen und zu lästern. Fr. Hat Christus die Ohrenbeicht eingesetzt? Antw. Ja; dieß erhellt 1) ans den Worten, die er zu seinen Aposteln sprach: „Denen ihr die Sünden nachlasset, denen sind sie nachgelassen, und denen ihr sie vorbehaltet, denen sind sie Vorbehalten;" 2) aus der wahrhaft göttlichen Milde und Barmherzigkeit, die sich in dieser Anstalt ausspricht. Belehrung. 1) Die Ohrenbeicht hat Christus selbst eingesetzt und angeordnet, da er zu seinen Aposteln und zu all ihren Nachfolgern sagte: „Denen ihr die Sünden nachlasset rc." Mit diesen Worten bestellte Christus die Apostel und ihre Nachfolger statt seiner zu Richtern über die Menschen; sie sollten aber nach Recht und Gerechtigkeit ihre Gewalt üben; nur dem Reuigen vergeben, dem Verstockten die Sünden Vorbehalten. Da nun aber die Apostel und ihre Nachfolger nicht allwissend sind, um ur- theilen zu können, wem sie die Sünden vergeben, und wem sie dieselben Vorbehalten sollen, so folgt nothwendiger Weise, daß der Sünder mit Demuth und Reue dem Priester sein Innerstes aufschließen, d. h. daß er beichten muß. Darum sagt der Kirchenrath zu Trient (Sess. 14. oap. 5.): „Offenbar können die Priester ihr Richteramt nicht ausübcn, und im Aufgeben von Strafen und Heilmitteln die Billigkeit nicht einhalten, wenn ihnen die Sünden nur überhaupt und nicht vielmehr einzeln und namentlich erklärt werden." — 2) Die Ohrenbeicht muß göttlichen Ursprunges sein; denn es spricht sichdarineine wahrhaft göttliche Milde und Barmherzigkeit aus. Konnte sich der Herr milder gegen uns zeigen? Nach einer Todsünde haben wir die Hölle verdient, d. h. unerhörte, ewige Strafen, ohne Milderung. Er konnte uns unter was immer für einer Bedingung verzeihen, und gewiß, wenn es sich um die Hölle handelte, so wäre wohl keine Bedingung zu hart. Und dennoch verlangte er in seiner unendlichen Milde und Barmherzigkeit nichts Anders, als nur ein offenes und reumüthi- ges Bekenntniß unserer Sünden. „Wenn wir unsere Sünden bekennen," schreibt der heilige Johannes (1. Joh. 1, 9.), „so ist Gott getreu und gerecht, daß er uns unsere Sünden Nachlasse und uns reinige von aller Missethat." Beispiel und Anwendung. Ganz treffend wird uns diese göttliche Milde und Barmherzigkeit, wie sie uns in der Beichtanstalt entgegentritt, in nachfolgender Parabel geschildert. — Ein Mensch aus dem Volke wurde an den Hof eines mächtigen Fürsten gelassen. Nichts fehlte zu seinem Glücke; Ehrenstellen, Reichthümer, Vergnügungen, Alles ward ihm von der Freigebigkeit des Monarchen verliehen. So viele Wohlthaten hätten ihm unbeschränkte Unterwürfigkeit und unverletzbare Anhänglichkeit für den Fürsten einflössen sollen. Dem war aber nicht so. Gefesselt, ich weiß nicht von welcher verwerflichen Leidenschaft, beging der Undankbare ein ungeheueres Verbrechen gegen seinen Wohlthäter, das zwar nicht offenkundig, aber doch dem Fürsten bekannt wurde und zwar so, daß kein Zweifel mehr übrig blieb. Da machte der König von seinem Strafrechte Gebrauch und sprach die Verurteilung des Schuldigen aus. Bleich, zitternd, gesenkten Blickes wurde der Unglückliche zur Richtstätte geführt. Schon hielt der Vollstrecker des Urtheils das Schwert über seinem Haupte erhoben: ein Schlag und der Unglückliche stirbt und leidet die gerechte Züchtigung für sein Verbrechen. Doch plötzlich erschallt eine laute Stimme: „Gnade! Gnade vom König!!" Sehet ihr diesen Menschen wieder neu aufleben? Er wagt es kaum, seinen Ohren zu glauben, sein Herz möchte vor Freude springen. Der Gesandte des Königs tritt zum Strafbaren und sagt ihm: „Mein Herr ist gut; ja, er will dir Gnade gewähren, aber du sollst dein Verbrechen 473 Am Feierabende des 22. Juli. einem seiner Diener gestehen, ohne den geringsten Umstand zu verschweigen. Dieß ist die einzige Bedingung, die sein Evelmuth an dich stellt; wähle zwischen dem Tod und diesem Rettungsmittel!" — Höret den Schuldigen; entzückt von neuer Freude ruft er: „Ach! zeiget mir diesen Diener; ich bin bereit, Alles zu gestehen; nur Eines besorge ich: mein König möchte wieder andern Sinnes werden." Noch spricht er, als ein zweiter Bote kommt und ruft: „Gnade! Gnade vom König!!" Er nähert sich dem Schuldigen und spricht: „Mein Herr ist gut, und zum Beweise seiner Milde läßt er dir die Wahl unter allen seinen Dienern; nimm Den, in welchen du das meiste Vertrauen setzest!" — Thränen der Rührung rollen aus den Augen des Schuldigen. Er kann nicht antworten, da kommt schon ein Dritter und ruft: „Gnade! Gnade vom König!!" Er nähert sich dem Schuldigen und spricht: „ Mein Herr ist gut, nicht bloß läßt er dir unter seinen Dienern wählen, er legt auch dem Diener deiner Wahl vollkommenes Stillschweigen über Alles auf, was du ihm andertrauen wirst, unter Androhung der Strafe, daß er widrigen Falls statt deiner das Schaffet besteigen müsse. Nimmst du es an, so vergißt mein Herr für immer deine Schuld, er gibt dir seine Gunst, deine Ehrenstellen, deine Würden wieder und räumt dir einen Platz in seinem Palaste an den Stufen des Thrones ein." Urtheilet über das neue Entzücken des Leidenden und über die Segnungen, die das Volk über den edlen Monarchen ausspricht! >— Die Anwendung ist leicht. Das ist die ganze Geschichte der Beicht. Wer wagt es noch, sie ein lästiges Joch zu nennen? Wer erkennt darin nicht vielmehr Gottes unendliche Milde und Barmherzigkeit? Fr. Ist also chie Beicht keine Menschenerfindung? Antw. Gott bewahre! Solche Dinge, die den menschlichen Geist demüthigen, um ihn zum Himmel zu erheben, erfindet der Mensch nicht. Belehrung. Es ist wahrhaft lächerlich, wenn man behaupten will, die Beicht sei eine Menschenerfindung. Was erfinden und erdichten denn gewöhnlich die Menschen? So Etwas, das ihnen zeitlichen Nutzen bringt, wie z. B. Dampfschiffe, Eisenbahnen, Telegraphen, Maschinen der mannigfaltigsten Art u. s. w. Wer aber sollte die Beicht erfunden haben? Etwa Papst Jnnocenz III. im Jahre 1215, wie so oft behauptet wird? Mit Nichten! Dieser hat zwar wegen der mehr und mehr überhand nehmenden Lauheit der Christen das Gebot gegeben, „daß jeder Katholik jährlich wenigstens einmal beichte;" allein die Beicht selbst hat er nicht eingeführt; ja» er konnte sie auch nicht einführen. Was würden die Priester gesagt haben, denen man eine so furchtbare Bürde auflud, in der drückendsten Hitze des Sommers und in der grimmigsten Kälte des Winters im Beichtstühle zu sitzen und Dinge anzuhören, die ihr Herz nicht erfreuen, sondern oft tief verwunden? Was würden die Mehler, Hausbuch. Gläubigen gesagt haben, denen man ein so sonderbares Ansinnen machte, all ihre Sünden und geheimsten Vergehungen einem Menschen zu offenbaren? — Unmöglich, Menschenerfindung kann die Beicht nicht sein. Fr. Ist sonach die Ohrenbeicht nicht erst seit dem Jahre 1215 in der katholischen Kirche im Gebrauche? Antw. Nein; sie ist so alt, wie die Kirche selbst. Belehrung und Beispiele. So lange die Kirche Gottes besteht, hat man gebeichtet und die Beicht stets als das einzige Mittel betrachtet, die Vergebung der Sünden zu erhalten; ja, ich darf sagen, die Beicht ist so alt, wie das Menschengeschlecht. Sogar Voltaire, der Mann des Unglaubens, erkannte es aus allen Traditionen, daß die Beicht schon bei den Juden im Gebrauche war. Adam war der erste Reuige; er beichtete, indem er offen seine Schuld bekannte: „Ich habe von der verbotenen Frucht gegessen." — Daß man schon zu den Zeiten der Apostel beichtete, das bezeugt uns die Apostelgeschichte (19, 18). Daselbst heißt es: „Viele der Gläubigen kamen und bekannten und sagten, was sie gethan hätten." Es handelt sich hier um eine Beicht vor Menschen, um eine Beicht, um die Vergebung der Sünden zu erlangen: ist das nicht die sakramentalische Beicht? — Daher schreibt auch der heilige Jakobus: „Bekennet euere Sünden (nicht Gott allein), sondern einander", d. h. Einer dem Andern, die Heerde dem Hirten, die Gläubigen dem Priester, ein Priester dem andern. (Jak. 5, 16.) Legende: Die heilige Büßerin Maria Magdalena. Heute begegnet uns in der Legende die große und heilige Büßerin Maria Magdalena, welcher der göttliche Heiland selbst all ihre Sünden mit jener Milde und Barmherzigkeit verzieh, die er auch uns im heiligen Bußsakramente so gerne zu Theil werden lassen will.— Maria, die von ihrem Geburtsorte Magdala den Beinamen Magdalena führt, ist nach der Meinung der Kirche die L-chwester der Martha und des Lazarus, in deren Hause in dem Flecken Bethanien der Heiland einkehrte. Anfangs von den Eitelkeiten und Lüsten der Welt bethört, führte sie einen so bösen Lebenswandel, daß sie allgemein als eine öffentliche Sünderin verrufen war; allein als sie der mahnenden Gnade zur Umkehr von dem Wege des Verderbens Gehör gegeben, der Liebe zu Jesus das Herz geöffnet, die Füße des Herrn mit Reuethränen gewaschen und aus seinem Munde das tröstliche Wort vernommen hatte: „Deine Sünden sind dir vergeben. Geh hin im Frieden!" —> wurde sie die treueste Jüngerin und Begleiterin ihres göttlichen Heilandes, diente ihm freudig mit ihrem Vermögen, und 60 474 Drittes Hauptstück. ergriff jeden Anlaß, ihre übergroße Liebe, ihre tief innerliche Ehrfurcht und ihren heißen Dank zu äußern. Die Liebe machte sie so stark, daß sie dem Herrn auch in seinem Leiben überall hin folgte, auch unter dem Kreuze ausharrte, und sich sogar von dem Grabe ihres Herrn und Meisters nicht trennen wollte. Solche Liebe und Treue belohnte der göttliche Heiland insbesonderS dadurch, daß er nach seiner Auferstehung der Hochbegnadigten Büßerin zuerst erschien und ihr befahl, den Aposteln zu verkünden, daß er zu seinem Vater und ihrem Vater auffahren werde. Von ihrem Ende ist nichts Bestimmtes anzugeben. Nach einigen Nachrichten soll sie in Frankreich, durch Gottes besondere Leitung dorthin gebracht, in strengster Abgeschiedenheit 30 Jahre lang ein bußfertiges Leben geführt haben. Gebet. Göttlicher Herr und Heiland, Jesus Christus, der du nur ans Liebe und Barmherzigkeit gegen uns arme Sünder die heilige Beicht angeordnet hast, verleihe uns auf die Fürbitte der großen Büßerin Maria Magdalena, daß wir recht oft und im Geiste wahrer Buße zum Beichtstühle hintreten, um unser sündenbeladenes Herz zu reinigen und dein Wohlgefallen wieder zu erwerben, der du lebest und regirest in Ewigkeit. Amen. Zweihmidertundviertes Lesestück. Am Feierabende des 23. Juli. Notwendigkeit und Nützlichkeit der Ohrenbeicht. Fr. Ist denn die Ohrenbeicht nothwendig? AntW. Ja; 1) weil sie von Christus selbst als iglest und Nützlichkeit der Ohrenbeicht. Heilmittel für die Sünder angeordnet ist, und 2) weil sie für den Einzelnen sowohl, als auch für die ganze menschliche Gesellschaft von besonderm Nutzen ist. Belehrung. Die Ohrcnbeicht ist uns nothwendig; denn sonst hätte sie 1) Jesus nicht eingesetzt. „Gehet und zeiget euch den Priestern," (wenn ihr von cuern Sünden geheilt werden wollet), so spricht und befiehlt Christus der Herr; denn er gab seinen Jüngern und ihren Nachfolgern, wie wir oben gezeigt, die Macht, Sünden nachzulassen und vorzubehalten. Wozu aber sollte es ihnen nützen, die Schlüssel des Himmels zu haben, wenn man in denselben eingehen könnte, ohne daß ihn die Diener zu öffnen brauchten? Deßwegen schreibt auch der heilige Augustin: „Niemand sage bei sich: Ich mache die Sache heimlich mit Gott ab; Gott weiß es schon. Er ist es, der mir verzeihen muß; ich mache es in meinem Herzen ab. — So ist denn ohne Ursache gesagt: Was ihr lösen werdet auf Erden, soll auch im Himmel gelöset sein? So sind denn der Kirche Gottes MM ohne Ursache die Schlüssel gegeben worden?" — Vom Anbeginn der Welt hat Gott schon die Beicht von den Menschen gefordert. Kaum hatte Adam im Paradiese gesün- diget (sieh das obige Bild!), so fragte er ihn: „Adam, wo 473 Am Feierabende des 23. Juli. bist du?" (Genes. 3,9.) Ebenso stellte er auch an Kain nach begangenem Brudermord die Frage: „Wo ist dein Bruder Abel?" (4, 9.) Wozu das? Wollte etwa Gott Etwas inne werden? O nein; dem Allwissenden war ja ohnehin Alles bekannt. „Gott fragt den Adam," sagt der heilige Chrysostomus, „um ihn anzuspornen, daß er seine Sünden bekennen soll." — 2) Die Noth- wendigkeit der Beicht erhellt aber auch aus dem Nutzen, den sie, sowohl dem Einzelnen, als auch der ganzen menschlichen Gesellschaft bringt. Fr. Welchen Nutzen gewährt die Ohrenbeicht d e m Einzelnen? Antw- Sie ist für den Einzelnen im Stande der Gnade das sicherste Mittel, ihn vor Rückfällen zu bewahren, und im Stande der Sünde ist sie das einzige Mittel, die Sünden zu tilgen. Belehrung. 1) Die Beicht bewahrt den Menschen im Stande der Gnade vor Rückfällen. Die Erfahrung lehrt es, daß die Beicht ein ganz wunderbarer Zaum für unsere Begierden und Leidenschaften sei. Der einzige Gedanke: „Ich muß diese Sünde beichten," hat schon viele Seelen vom Abgrunde zurückgezogen, zu dem sie ihre natürliche Neigung hinriß. Ueberdieß bleiben auch die priester- lichen Mahnungen und Warnungen, die Heilmittel, die der Beichtvater vorschreibt, bei frommen und guten Christen nickt ohne Frucht. 2) Im Stande der Sünde aber ist die Beicht das einzige Mittel, unsere Sünden zu tilgen. „Die Beicht," sagt der heilige Hieronymus, „ist das zweite Brett, mittelst dessen wir uns noch vom Schiffbruche retten können, wenn wir das erste, nämlich die Taufgnade verloren haben." Wer auf eine andere Weise Vergebung seiner Sünden hofft, der täuscht sich und bleibt beständig im Tode; denn das einzige und alleinige Mittel, die Sünden zu tilgen ist: „Gehet hin und zeiget euch dem Priester!" Ja, durchdieBeicht, und nur durch sie erhält der Sünder Verzeihung und die verlorne Ruhe des Gewissens und den Seelenfrieden wieder. Beispiel und Anwendung. Johannes der Jüngere aus dem Dominikaner-Orden erzählt in seiner Himmelsleiter eine sehr lehrreiche und erbauliche Geschichte, die allen Denen, welche von der heiligen Beicht wenig oder Nichts wissen wollen, die Augen öffnen und ihnen zeigen dürfte, daß die heilige Beicht allein dem Sünder wahre Ruhe und innere Beseligung verschaffe. — Ein junger Mann, kaum noch in den Dreißigern, kommt am Ende der österlichen Beicht in die Kirche — nicht um dem Geiste, sondern nur dem Buchstaben des Kirchengebotes nachzukommen und sich einen Beichtzettel zu holen. Daher war aber auch sein Herz so hart wie Stein und so kalt wie Eis; und ebenso eiskalt war auch seine Vorbereitung zur heiligen Beicht. Er stellt sich beim Beichtstühle an, steht eine halbe Stunde da; denkt hin und wieder nach Hause an seine Geschäfte und Anliegen, und an tausenderlei andere Dinge, nur an seine Sünden nicht; -— da trifft ihn endlich die Reihe, sein Vor- mann macht ihm Platz, und nur ein altes Mütterchen auf der andern Seite des Beichtstuhles verrichtet noch vor ihm ihre Beicht. Mit Ungeduld harret unser Glaubensheld auf Erlösung aus seiner unheimlichen Lage; allein das gute alte Weibchen braucht so lange, und Mißmuth bemächtigt sich mehr und mehr des ungeduldigen und von langer Weile geplagten jungen Mannes. Endlich weiß er sich nimmer zu helfen; fast unwillkührlich kniet er sich im Beichtstühle nieder, voll sicherer Erwartung, daß der Priester doch bald das heilige Kreuz über ihn machen und sich zu ihm herübcrneigen werde, um sein Bekenntniß zu hören. Doch immer noch Nichts! Ein Gefühl von Unmuth und Gleichgültigkeit wechselte inzwischen in seinem Innern, bis plötzlich sein Blick auf ein Bildchen fiel, welches innen am Beichtstühle, wie man's auch sonst häufig sieht, angebracht war, ein Bildchen, gar schön und wunderbar in der Wahl des Gegenstandes, den es darstellte. David, der fromme Büßer, lag da abgebildet auf seinen Knieen, Bußthränen stoßen aus seinen Augen, und ein Engel Gottes stand ihm zur Seite, eine goldene Schale in der Hand, um die kostbaren Thränen, die über des frommen Büßers Wangen rollten, aufzufangen, und vor den Thron des Allerhöchsten, des ewigen Richters, zu bringen. Der bisher so gefühllos dakniende junge Mann sieht dies schöne Bild; er sieht es wieder, und je mehr er es betrachtet, eine desto mächtigere Wärme durchglüht ihm's Herz; ein geheimnißvolles Feuer scheint in seinem Innern sich zu entzünden, und ein unerklärbares Gefühl bemächtigt sich seiner Seele; ein namenloser, noch nie gefühlter Schmerz preßt ihm das Herz gewaltig zusammen; und es ist. als ob eine Stimme ihm zuriefe: „Siehe da, so viel gehört zur wahren Buße! — und du — bist so trocken und empfindest nicht Einen Funken Reue! David war ein so großer König, und er schämte sich der Bußthränen nicht; und du bist ein so niedriges Geschöpf und machest auch nicht einmal ein Auge naß! David hat nur ein einziges Mal gesündiget und immer geweint; und du sündigtest immer und weintest noch niemals!" — In solche Gedanken vertieft, kniete er da; ein Gnadenstrahl der unendlichen Erbarmungen Gottes hatte ihn plötzlich getroffen; schon glänzt eine kostbare Thräne der Reue im Auge des vorher so hartherzigen Verächters der heiligen Beicht. Die langdauernde Generalbeicht des alten Mütterchens läßt ihm indeß noch Zeit genug, um einen ernsten Blick in sein Inneres zu thun und seine tiefe Versunkenheit zu erkennen. Mit Wehmuth durchschaut er sein bisheriges Leben und findet es strotzend voll von Sünden 60 * 476 Drittes Hauptstück. Nothwendigkeit und Nützlichkeit der Ohrenbeicht. und Lastern» leer an guten Werken, verloren für Zeit und Ewigkeit. Mit der tiefsten Reue verbindet er den heiligsten und ernstesten Vorsatz, ein neues Leben zu beginnen und ganz andere Wege zur Rettung seiner unsterblichen Seele einzuschlagen; da neigt sich der ehrwürdige Priester zu ihm herüber, und ertheilt ihm den heiligen Segen zum würdigen, offenen und rückhaltslosen Bekenntnisse seiner Sünden. Mit gebrochener Stimme hebt der von der göttlichen Gnade gerührte Sünder seine Anklage an; unter häufigen Thränen und Schluchzen zählt er all seine Missethaten auf und seine Glaubenslosigkeit und seine Verachtung gegen Gott und dessen heilige Gebote, gegen die Kirche und ihre Vorschriften, gegen die Religion und Tugend; und je mehr er sich ausspricht und seiner Sündenlast entleert, desto leichter wird ihm um's Herz. Der Priester merkt es gar bald, daß da etwas Wunderbares muß vorgefallen sein; deutlich genug erkennt er aus dem Bekenntnisse seines Beichtkindes, daß die göttliche Er- barmung wieder ein Wunder göttlicher Liebe wirken, und der gute Hirt abermals ein verlornes Schäflein zur Heerde heim- führcn wolle. Wie ein Vater zum lieben Kinde, wie ein treuer Freund zum geliebten Freunde, so spricht der Priester zum tiefergriffenen Pönitenten, weiset ihn auf die unendliche Barmherzigkeit Gottes hin, mahnt ihn zum innigsten Vertrauen auf den Herrn, zum standhaften Festhalten an seinen eben gemachten guten Vorsätzen und zur treuen Erfüllung derselben, schreibt ihm angemessene Arzneimittel vor gegen den Rückfall und entläßt ihn so, selbst tief erschüttert über die wunderbaren Wege der erbarmenden Liebe Gottes, nach Ertheilung der verdienten Buße und der priesterlichen Lossprechung. Ach, wie leicht war jetzt auf einmal dem jungen Manne um's Herz! Kaum war das ^bsolvo to gesprochen, so fühlte er in sich eine Ruhe, einen Frieden, eine Wonne und Beseligung, wie er sein Leben hindurch nie gefühlt, nie gefühlt selbst auch in Mite der rauschendsten, herrlichsten Vergnügen dieser Welt. Unter süssen Thränen des Dankes und der Buße wirst er sich vor dem Altäre Gottes nieder, preiset Gott den Herrn für seine grenzenlose Vatergüte und gelobet ihm hoch und theuer, fortan mit seiner Gnade nur die Wege der Tugend zu gehen und Nichts zu suchen, Nichts mehr zu verlangen, als nur Gottes Ehre und seiner unsterblichen Seele Heil. Und was er hier in diesem ernsten, heiligen Augenblicke vor dem allwissenden Gott gelobte, das hielt er künftighin in seinem Leben mit unerschütterlicher Standhaftigkeit; er ging in ein Kloster und wählte den Priesterstand, um auf ewig nur Gott allein dienen zu können. — Merkst du es nun, mein lieber Leser! wozu das einfältige Beichten sein soll? Sage mir einmal, wo fände der Sünder sonst anderswo Ruhe und den verlorenen Frieden wieder, als nur in ihr? Fr. Welchen Nutzen bringt die Beicht der bürgerlichen Gesellschaft? Antw. Sie dient zur Bewahrung der Ruhe und Sicherheit der Staaten und Reiche. Belehrung. Würden alle Menschen auf der ganzen Welt im Sinne der heiligen katholischen Kirche, d. h. wahrhaft reumüthig und aufrichtig beichten — gewiß, von einem Unfrieden, von einer Ruchlosigkeit und Unsicherheit wäre keine Rede mehr. Durch sie wird das unrecht Erworbene zurückgestellt, die Gemüther versöhnt, der Haß abgelegt, Uneinigkeiten, Feindschaften und Todschläge beseitiget, Empörungen unterdrückt, kurz jegliches Laster entfernt, jede Tugend befördert. Heben wir hingegen die Ohrenbeicht auf; wird nicht die Welt von geheimen und öffentlichen Lastern und Vergehungen strotzen? Oder was steht dem Menschen im Wege, in Geheim die abscheulichsten Laster und Ungerechtigkeiten zu begehen? Etwa die Ehre? Was wird aber die Ehre helfen, wenn man sich — fern vom Auge der Menschen — zwischen Pflicht und Eigennutz gestellt steht? Wird sie da die Hand vom Bösen abhalten? Gewiß nicht. Die Ohrenbeicht ist sonach von unberechbarem Nutzen für die bürgerliche Gesellschaft. Beispiele und Anwendung. Zur Zeit der österlichen Beicht schickte einmal ein Priester einem protestantischen Prediger, welcher gewohnt war, die Sakramente der Kirche in's Lächerliche zu ziehen, eine beträchtliche Summe, die er nicht erwartet hatte. Dieser sehr augenfällige Beweis enttäuschte den gegen die katholische Kirche aus Vorurtheil eingenommenen Prediger so ganz, daß er einmal bei Gelegenheit nicht umhin konnte, zu sagen: „Man muß gestehen, daß die Beicht etwas sehr Gutes ist." — Ein Schweizer Katholik, aus der Umgegend von Freiburg, fand auf dem Wege von Bern nach Freiburg eine große Summe Geldes und behielt sie zurück. Als er aber einige Zeit hernach zur heiligen Beicht ging, hielt ihn sein Beichtvater an, das Geld dem Magistrat in Bern einzuhändigen, weil er es auf Berner Grund und Boden gefunden hätte. Dieß geschah. — Mit Recht kann man also sagen: „Trauet Dem, welcher beichtet!" wie man sonst sagte: „Trauet Dem nicht, der nicht beichtet!" — Gar nützlich ist also die Beicht selbst für die bürgerliche Gesellschaft. — Diese Nützlichkeit und Nothwendigkeit der Beicht erkennend, machte jener Heilige, dessen Andenken wir heute begehen, nicht nur selbst eifrig Gebrauch von derselben, sondern empfahl sie auch auf's Nachdrücklichste den ihm anvertrauten Seelen. Legende: Der heilige Bischof Liborius (f um 397). Der heilige Liborius ging aus einer in Gallien hochberühmten Familie hervor. Durch die Unschuld seiner Sitten und die Heiligkeit seines Wandels verdiente er unter die Geistlichkeit der Kirche von ManS ausgenommen zu werden. Er liebte ungemein die Einsamkeit und das Gebet. Sein einziges Verlangen war, sich zur Vollkommenheit seines Standes zu erschwingen. Seine Tugen- Am Feierabende des 24. Juli. 417 den und seine Gelehrsamkeit zogen Aller Augen auf ihn; daher fielen auch alle Stimmen ihm zu, als 348 ein neuer Bischof von Maus erwählt wurde. Er bewährte sich als unermiideten Apostel in Ausübung seines Amtes; mit dem Gebete verband er lange Wachen und strenge Fasten, mit heiliger Verschwendung vertheilte er Alles unter die Armen. Er baute mehrere Kirchen und versah sie reichlich mit Allem, was zur Feier des Gottesdienstes nöthig war. Dieser treue Diener des Herrn starb um das Jahr 397 im nennundvierzigsten Jahre seiner bischöflichen Amtsführung. Gebet. Du hast, o Gott! die heilige Beicht als Heilmittel für uns arme Sünder in deiner Kirche angeordnet; verleihe uns auf die Fürbitte des heiligen Bischofs Liborius, daß wir dieses Heilmittel fleißig gebrauchen und die Segnungen desselben an uns erfahren mögen — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihundertundsünstes Lesestück. Am Feierabende des 24. Juli. Eigenschaften der Beicht. Fr. Welche Eigenschaften muß die Beicht haben, wenn sie den angegebenen Nutzen und Segen bringen soll? Antw. Sie muß 1) vollständig, 2) aufrichtig und 3) deutlich sein. Fr. Wann ist die Beicht vollständig? Antw. Wenn man wenigstens alle schweren Sünden beichtet, deren man sich erinnert, sammt der Zahl und den nothwendigen Umständen. Belehrung. Zur Vollständigkeit der Beicht wird also erfordert: 1) daß man wenigstens keine schwere Sünde wissentlich auslasse. „Es darf Nichts von dem ausgelassen werden," sagt der heilige Thomas von Aquin, „was geoffenbart werden muß; und darum muß die Beicht ganz und vollständig sein." Jndeß ist es auch gut und heilsam, die läßlichen Sünden zu beichten; wenn man aber in Betreff einer Sünde im Zweifel ist, ob sie eine schwere oder läßliche Sünde sei, so soll man sie beichten, weil man gar oft schwere Sünden für läßliche ansieht. 2) Ferner muß man auch die Zahl angeben, wie oft man diese oder jene Sünde begangen habe, und wenn man die Zahl nicht mehr recht weiß, so muß man sie so gut angeben, als man kann, und sagen: „Ich habe diese Sünde jeden Tag oder jede Woche, jeden Monat ungefähr sooft (3, 4, 5 re. mal) begangen." Ebenso muß man 3) jene Umstände angeben, welche die Gattung der Sünde ändern, oder eine sonst läßliche Sünde zu einer Todsünde machen, und überhaupt Alles, wodurch der Beichtvater in den Stand gesetzt wird, den Gcwissenszustand des Beichtkindes gehörig zu beurlheilen, und es vor dem Rückfälle zu bewahren. Sonach ist die Beicht unvollständig, wenn Einer sagt, er habe gegen die 10 Gebote Gottes, er habe gegen die Gebote der Kirche, er habe gegen das zweite oder sechste Gebot gesündigt; er muß sich bestimmter ausdrücken und sagen, wie und wie oft er gegen das zweite, sechste rc. Gebot gesündigt habe. Es ist nicht genug, wenn man sagt: „Ich habe am Sonntag den Gottesdienst versäumt," man muß auch beisetzen, wie oft und warum, ob aus Nachlässigkeit, aus Geringachtung rc. Uebrigens muß man sich bei Angabe der Umstände so ehrbar ausdrücken, als die Beschaffenheit der Sünde es gestattet, man muß Niemanden beim Namen nennen, keine überflüssigen Geschichten erzählen rc. „Diesen Fehler," sagt Scara- melli, „begehen häufig die Frauen, auch wenn sie fromm sind, die bei der Beicht lange Erzählungen und aus jeder Sünde eine Geschichte machen." Beispiel und Anwendung. Nur dann, wenn ein Kranker dem Arzte alle Umstände der Krankheit angibt, wenn er sagt, wo und wodurch er sich dieselbe zugezogen, wie lange er schon daran leide u. s. w., wird der Arzt im Stande sein, ihm ein taugliches Mittel vorzuschreiben. Der Kranke muß ihm alle seine Wunden entdecken; sonst kann er nicht geheilt werden. Ein braver Soldat war im Kriege 478 Drittes Hauptstück. Eigenschaften der Beicht. tödtlich verwundet worden — an drei verschiedenen Theilen seines Körpers. Zwei Wunden entdeckte er bereitwillig dem Arzte; die dritte aber zu entdecken, hielt ihn die Scham zurück. Der Arzt bot alle mögliche Mühe auf, um den wackcrn Krieger zu retten, und wirklich heilten die beiden Wunden allmählig ganz gut und schon. Dennoch wurde der Verwundete von Tag zu Tag schlechter, und in kurzer Zeit war er eine Leiche. Die nicht entdeckte tödtliche Wunde hatte seinen Tod herbeigeführt. — So wird es auch dem Sünder ergehen. Wenn er auch fünf und sechs von seinen Todsünden beichtet, die siebente aber verheimlichet, so wird er dennoch an dieser einzigen sterben und ewig zu Grunde gehen. Fr. Wann ist die Beicht aufrichtig? Antw. Wenn man sich so anklagt, wie man sich vor Gott schuldig erkennt, ohne Etwas zu verschweigen, zu beschönigen oder durch eitle Vorwände zu entschuldigen. Belehrung. Man muß es machen, wie der reu- müthige Zöllner. Dieser klagte weder Gott noch seine Mitmenschen an. „Er schlug an seine Brust," nicht über sich, nicht um sich, sondern gerade dahin, wo sein eigentlicher Feind verborgen war. „Damit die Beicht einfach und aufrichtig sei," sagt der heilige Bernhard, „muß man sich hüten, nie seine schlechte Absicht, in der man die Sünde begangen hat, zu entschuldigen; denn dieses heißt nicht beichten, sondern die eigene Schuld zudecken und vertheidigen; dieses heißt die göttliche Majestät anfreizen, nicht sie besänftigen." Ferner, sagt der Heilige, „darf man die Schuld nicht verkleinern, damit sie nicht in ihrer wahren Gestalt erscheine, indem man bald Andern die Schuld zuschreibt, als hätten sie uns verführt, bald die Gelegenheiten vorschützt, die uns geboten waren; weil der Mensch nie sündigt, wenn sein W Wille nicht dabei ist; denn dieses wäre eine Undank- D barkeit gegen Gottes Güte, W der bereit ist, zu verzeihen, während du Zweideutigkeiten und Entschuldigungen W vorbringest." Beispiel und Anwendung. Nichts verschafftuns so leicht Verzeihung, als ein aufrichtigesBekenntniß. Wir sehen dieß aus nachfolgender Begebenheit. — Ein Fürst ging einmal auf ein Galeerenschifs, (sieh das obige Bild!) um die Gefangenen zu sehen, die auf demselben wegen ihrer Verbrechen, in Ketten geschmiedet, arbeiteten. Es jammerte ihn ihre schwere Strafe, und er nahm sich vor, wenigstens Einem davon die Freiheit zu schenken. Er wollte aber erst untersuchen, welcher unter ihnen der würdigste wäre. Deswegen fragte er Einen nach dem Andern, warum er hier wäre. Da ging nun das Klagen und Lamentiren an. Jeder sagte, er wäre eigentlich der ehrlichste und unschuldigste Mensch von der Welt; böse Leute hätten ihn bei der Obrigkeit ver- läumdct, und so sei er an diesen Ort gekommen. Jeder bat, der Fürst möchte sich seiner erbarmen und ihm die Freiheit schenken. Endlich kam der Fürst auch zu einem noch ganz jungen Gefangenen und fragte ihn: „Was hast denn du gethan, daß man dich hieher gebracht hat?" -— „Gnädiger Herr, ich bin ein gottloser Bube gewesen. Ich habe meinem Vater und meiner Mutter nicht gehorcht, bin ihnen davon gelaufen, Hab' ein liederliches Leben geführt, gestohlen und betrogen; ich müßte ein paar Stunden Zeit haben, wenn ich alle die bösen Streiche erzählen wollte, die ich mein Leben lang begangen habe. Endlich ist mir mein Recht geworden, und gern will ich meine Strafe leiden; denn ich weiß, daß ich sie tausend Mal verdient habe." — Der Fürst wußte wohl, daß sie Alle ihre Strafe verdient hatten; aber er sagte lächelnd: „Wie kommt denn ein so abscheulicher Mensch unter diese achtbare Gesellschaft? Geschwind nehmt ihm die Ketten ab, und jaget ihn augenblicklich hinaus, damit er nicht etwa gar diese ehrlichen Leute auch noch verführe!" Sogleich wurde er von seinen Ketten erlöst und in die Freiheit gesetzt. — So macht es Gott auch mit uns; wenn wir unsere Sünden aufrichtig und reumüthig bekennen, so ist er gütig und barmherzig, uns dieselben zu verzeihen. 479 Am Feierabende des 25. Juli. Fr. Wann ist die Beicht deutlich? Antw. Wenn man sich so ausdrückt, daß der Beichtvater Alles wohl verstehen und unfern Seelenzustand gehörig beurtheilen kann, wenn man also auf verständliche Weise und in verständlichen Ausdrücken spricht. Belehrung. Gegen die Deutlichkeit wäre es dem- i nach, wenn wir nicht vernehmbar genug reden oder unver- ^ stündliche Ausdrücke gebrauchen, oder wenn wir uns nur ganz allgemein auSdrücken würden, z. B. „Ich habe Gott nicht > geliebt;" „ich habe Böses geredet oder gedacht" u. s. w. , Man muß die Sünden mit Namen und nach ihrer Art und Gattung angeben. Das heißt deutlich beichten. Uebcr- haupt sollen wir beim Bekenntnisse unserer Sünden uns ebenso unumwunden, so offen und so klar und deutlich aussprechen, wie die heilige Christina, deren Fest auf den heutigen Tag fällt, cs im Bekenntnisse ihres Glaubens ge- than hat. Legende: Die heilige Jungfrau und Märtyrin Christin« (f 300). Christin«, von heidnischen Eltern zu Tyro im toskanischen Gebiete geboren, ließ sich frühe schon von christlichen Frauen in der Religion Jesu unterrichten. Als sie eines Tages die goldenen und silbernen Hausgötzen ihres Vaters zertrümmert und das Gold und Silber den Armen ausgetheilt hatte, gerieth der Götzendiener in Wuth, ließ die Tochter fesseln und, nachdem er sich auf den Richterstuhl gesetzt hatte, vorführen. „Wie war eS dir möglich, unsre Götter so zu entehren?" fragte er ungestüm die junge Glaubcnsheldin. Sie antwortete: „Es ist nur Ein Gott, und Diesen, den Schöpfer Himmels und der Erde, bete ich an, und auch du mußt Ihn anbeten, wenn du nicht ewig zu Grunde gehen willst." Auf dieß Bekenntniß ließ sie der grimmige Vater grausam schlagen und befahl dann, sie an ein eisernes Rad zu binden, darunter Feuer durch aufgegossenes Oel zu unterhalten und sie so zu braten; allein Gott erhielt sie ganz unverletzt. Auf Befehl des verblendeten Vaters wurde sie in das Gefängniß geführt, um am folgenden Tage neuerdings gemartert zu werden; das Maß der Bosheit des Wütherichs war jedoch voll; er starb in der Nacht eines plötzlichen Todes. Der neue Stadtvogt ließ die im Gefängnisse gebliebene Jungfrau sich vorführen, und als sie im Bekenntnisse Jesu beharrte, in einen mit siedendem Peche gefüllten Kessel werfen; allein sie entging auch dieser Marter ganz unbeschädigt. Hierauf wurde sie in einen Götzentempel geführt, um dort zur Darbringung eines Opfers gezwungen zu werden; allein kaum hatte sie die Schwelle betreten, so stürzte das Götzenbild zu Boden. Viele Heiden bekehrten sich hierauf, und der neue Stadtvogt starb ebenfalls eines gähen Todes. Zuletzt wurde die siegreiche Christum mit Pfeilen erschossen i. 1.300. Ihre Reliquien ruhen zu Palermo in Sicilien. Gebet. Oeffne, o Gott! unser Herz und unfern Mund, damit wir, so oft wir im Beichtstühle erscheinen, ebenso aufrichtig und offen unsere Sünden bekennen, wie die heilige Jungfrau und Märtyrin Christi na ihren Glauben an Jesum Christum bekannte, der da lebt und regirt in alle Ewigkeit. Amen. Zweihundertimdsechstes Lesestiick. Am Feierabende des 25. Juli. Fehler bei der Beicht. Fr. Wovor soll man sich bei der Beicht besonders hüten? Antw. Vor falscher Scham und Menschenfurcht. Fr. Was ist falsche Scham? Antw. Falsche Scham ist es, wenn man sich scheut, seine Sünden aufrichtig zu bekennen, weil sie so groß oder so abscheulich sind. Belehrung. Man hüte sich ganz besonders vor dieser falschen Scham! Der böse Feind fürchtet nämlich Nichts mehr, als entdeckt zu werden. Er ist eine Schlange, welche 480 Drittes Hauptstück. 8 sich verbirgt, wenn sie beißen will, und flieht, sobald man ihrer gewahr wird. Er gleicht einem Nachtdiebe, der gesehen zu werden fürchtet. Der Teufel hat keinen gefährlicheren Fallstrick für Jene, die zur Beicht gehen, als wenn er sie über die Heimlichkeiten ihres Gewissens stumm machen kann. Durch dieses schädliche Stillschweigen wird ihnen aller Beistand, den Versuchungen zu widerstehen, und alle Mittel genommen, sich von dem Laster loszureißen. „Sobald man die Sünde," sagt der heilige Bernhard, „offenbaret, so ist sie auch geheilet. Aber durch das Stillschweigen nimmt sie zu und wächst. Entdeckt man sie, so wird sie klein, so groß sie auch zuvor war; verhehlt man sie, so nimmt sie zu." Wie blind handelt man nicht, wenn man sich schämt, seine Sünden zu beichten? Hat man sich ja auch nicht geschämt, die Sünden zu begehen. „Jene Sünde, vor der ihr am Meisten erröthen müßt," sagt der heilige Bonaventura, „ soll immer die erste sein, die ihr offenbaret; ihr werdet dann alle andern leicht beichten. Wenn der Feldherr geschlagen ist, wird ein ganzes Heer leicht zersprengt." Beispiel und Anwendung. Lassen wir uns bei unserm Sündenbekenntniß ja nicht von der so verderblichen Scham einnehmen; das ist ein besonderer Kunstgriff des bösen Fehler bei der Beicht. Feindes. „Wenn es sich darum handelt, Gott zu beleidigen," sagt der heilige Chrysostomus, „macht uns der höllische Feind verwegen und schamlos; er macht uns aber furchtsam und kleinmüthig, wenn es sich darum handelt, daß wir unsere Sünden beichten sollen. Er nimmt uns die Scham, wenn wir Böses thun wollen, und erregt sie in unS, wenn wir ein Mittel anwenden sollen, uns von dem Bösen zu befreien. Er ist gottlos und grausam, wenn er die Scham mittheilt, und wenn er sie nimmt; er macht es wie Jemand, der einem Soldaten die Waffen nähme, wenn er sich gegen seinen Feind vertheidigen sollte, und sie ihm gäbe, wenn er sich selbst tödten wollte." Daß der Teufel dieses thut, gestand er einem großen Diener Gottes selbst, der ihn sah, wie er um die Beichtstühle herumlief: „Was thust du hier, Feind Gottes und der Menschen?" sagte er zu dem Teufel. „Ich gebe zurück, was ich einst genommen und geraubt habe," antwortete er. „Aber was ist es, was du zurückstellen willst, höllischer Räuber?" Ich stelle, sagte er, den Sündern jene Scham und jenes Erröthen zurück, welches ich ihnen nahm, als ich sie verführte, die Sünden zu begehen, damit sie jetzt sich schämen, diese Sünden zu beichten. Fr. Was ist Menschenfurcht? Antw. Menschenfurcht bei der heiligen Beicht ist es, wenn man sich scheut, seine Sünden aufrichtig zu bekennen, weil man fürchtet, der Priester möchte von uns eine üble Meinung bekommen. Belehrung und Beispiele. Bei der heiligen Beicht hüte man sich ganz besonders auch vor Mcnschenfurcht! Man denke ja nicht: „Was wird sich wohl der Beichtvater von mir für eine Vorstellung machen, wenn ich mit so großen und schweren Sünden herausrücke?" Nicht umsonst hat Gott selbstsündige Menschen und keine Engel zu Beichtvätern bestimmt, damit diese wissen, wie leicht man fallen, und wie schwer man aufstehen kann, und damit sie so mit ihren Mitmenschen Milde und Mitleid üben und ihre Thränen mit den des Büßers vereinigen und die Freude über seine Bekehrung mit den Engeln im Himmel theilen. Vom Priester also hat das Beichtkind nicht das Mindeste zu befürchten; es darf auch nicht glauben, daß aus der Beicht Etwas ver- rathen werde; denn der Beichtvater ist schuldig, eher den Martertod zu erleiden, als auch nur das Geringste aus der Beicht zu offenbaren, wie wir z. B. aus der Lebensgeschichte des heiligen Johannes von Nepomuck wissen. Aehn- liche Beispiele begegnen uns auch in der Geschichte der neueren Zeit. Ich will dir, mein christlicher Leser! nur Eines erzählen. — Der fromme Jesuit Pater Richardot, welchem zu Petersburg die Seelsorge über französische, spanische und italienische Katholiken anvertraut war, entwickelte einmal eine Am Feierabende des 25. Juli. 481 nicht gewöhnliche Energie. Eines Tages ward er unver- muthet im Namen der ersten Personen des Hofes gerufen und in einen Kerker geführt, wo er einen Gefangenen verhören sollte. Man verschloß hinter ihm die Pforte, er bückt sich nieder und sieht zu seinem Schrecken einen Unglücklichen, durch die Knute zerfleischt, auf dem Boden liegen. Dieser war wegen Thcilnahme an einer Verschwörung gegen den Staat verhaftet. Nachdem der Priester ihm Muth zugesprochen hatte, bot er ihm die Tröstungen der Religion an, welche mit Freude angenommen wurden ; denn schon lange Zeit hatte der Unglückliche kein freundliches Wort mehr gehört. Mehr als eine Stunde verfloß in der vertrautesten Unterhaltung. Als ?. Richardot das Gefängniß verließ, wurde er zum Czar gerufen, welcher mehrere Fragen über den Jnkulpaten an ihn richtete. „ Majestät, ich weiß Nichts," war die Antwort, „durchaus Nichts; ich habe als Priester den Gefangenen besucht." Sonst brachte man aus ihm Nichts heraus. Die lakonische Kürze, welcher der priesterliche Ernst noch besondern Nachdruck verlieh, verschaffte ihm Achtung. Durch dieses Beispiel wird die Zahl der vielen Siege vermehrt, welche christliche Tugend über weltliche Macht davon trug. Fr. Was sollen alle Jene bedenken, die aus falscher Scham oder aus Menschenfurcht nicht aufrichtig beichten? Antw. Sie sollen bedenken, 1) daß eine Beicht, die nicht aufrichtig ist, weder Sündenvergebung noch Gewissensruhe verschafft, sondern daß sowohl sie als die darauf folgende Communion eine neue große Sünde, ein Gottesraub ist, und zur ewigen Verdammniß gereicht; 2) daß es doch besser ist, seine Sünden vor Einem verschwiegenen Priester zu beichten, als immer unruhig in Sünden zu leben, unglückselig zu sterben, und am jüngsten Tage vor aller Welt zu Schanden zu werden. Belehrung und Beispiel. O wie verderblich für Zeit und Ewigkeit ist es, Sünden zu verschweigen! Im Leben hat man keine wahre Ruhe; denn „verschwiegene Sünden," sagt der heilige Ambrosius, „geißeln das Gemüth, zerfleischen das Herz, erfüllen die Seele, ja, den ganzen Menschen mit Furcht und Schrecken;" am Tage des Gerichtes werden diese Sünden doch vor aller Welt bekannt werden; der böse Feind selbst tritt da als unser Ankläger auf (siehe das obige Bild!) — und die ewige Verdammniß folgt dann als unvermeidliche Strafe. Zur Bestätigung dieser fürchterlichen Wahrheit und zum heilsamen Schrecken erzählt der Mchler, Hausbuch. heilige Anton in, Erzbischof zu Florenz, folgende Begebenheit. — Eine junge Person, die in den strengsten Grundsätzen der Sittsamkcit erzogen worden war, fiel, als sie einstmals stark versucht wurde, in Sünde. Kaum hatte sie ge- sündiget, als sie mit Scham bedeckt und von Gewissensbissen gemartert wurde. Wie, sprach sie, sollte ich den Muth haben, meinen Fehler einem Priester zu entdecken? Die Unglückliche! Die Scham ließ sie in ein noch schrecklicheres Verbrechen fallen. Als sie im Beichtstühle war, wagte sie es nicht, ihre Sünde zu erklären. Dieß Verbrechen vermehrte noch ihre Gewissensbisse. Sie glaubte, sie durch strenge Büßungen beschwichtigen zu können. Sie ging in ein Kloster, hoffend, ihr Verbrechen bei der allgemeinen Beicht, die vor den Gelübden üblich ist, zu gestehen. Sie machte in der That einige Anstrengungen, ihr Herz zu öffnen, allein sie verdeckte ihre Sünde so sehr, daß ihr Beichtvater ihre Schuld nicht erkennen konnte. — Unterdeß starb die Superiorin des Klosters. Die junge Person führte ein so erbauliches Leben, daß die Ordensschwestern, vom Scheine getäuscht, sie an ihre Stelle wählten. Es währte nicht lange; bald fiel sie in eine tödtliche Krankheit. Immer hatte sie bei sich gelobt, im Augenblicke des Todes ihre Sünde zu bekennen, aber auch da hielt ihr die Scham den Mund verschlossen. Sie empfing die letzten Sakramente mit großer äußerer Andacht; sie entweihte sie. Als sie sich im Todeskampfe fühlte, gedachte sie, sich endlich zu erklären; aber, o schreckliches Gericht Gottes! Das Delirium befiel sie, sie starb in ihrer Sünde. Die große Strenge, die sie gegen sich geübt hatte, verbunden mit ihrem musterhaften Klosterleben, ließen an ihrer Seligkeit nicht zweifeln; doch, während man für sie betete, ließ es Gott zu, daß, zur Belehrung aller Jahrhunderte, diese Unglückliche den Klosterbewohnern im Zustande der schrecklichsten Verwirrung erschien und sagte: „Höret auf, für mich zu bitten; ich bin verdammt, weil ich in meiner Jugend eine Sünde in der Beicht verheimlicht habe." — O Gott, sei uns Allen gnädig und barmherzig, auf daß wir alle falsche Scham und alle Menschenfurcht ablegen, wenn wir im heiligen Beichtgerichte erscheinen! Legende: Der heilige Apostel Jakobus der Größere, (st 44.) Schon dieser heilige Apostel, dessen Fest heute in der Kirche begangen wird, wußte es gar wohl, wie verderblich es sei, seine Sünden aus falscher Scham oder Menschenfurcht zu verschweigen; daher ruft er schon den Christen seiner Zeit zu: „Bekennet einander euere Sünden und betet für einander, damit ihr das Heil erlanget." 61 482 Drittes Hauptstück. Wie man sich vor und in dem Beichtstühle zu benehmen hat. (Jak. 5, 16.) — Der heilige Jak ob ns war ein Bruder des Johannes, und Beide waren Söhne des Zebe- däus und Verwandte des Herrn. Man nennt ihn den „Größern," um ihn von Jakobns dem Jüngern zu unterscheiden, welcher Bischof zu Jerusalem war. — Diebeiden Brüder, Johannes und Jakobus, waren Fischer und folgten Jesu unverweilt nach, als er sie rief. Jesus würdigte den heiligen Jakobns mit Petrus und Johannes seiner besoudern Liebe, wahrscheinlich, um ihn mehr und mehr im Glauben zu befestigen, da er bestimmt war, der erste Blutzeuge seiner göttlichen Sendung und Lehre zu werden. Nicht Stolz, sondern Liebe war es, die immer in der innigsten Nähe des Geliebten sein will, daß Jakobus und Johannes, im Gefühle der genossenen Wonne bei der Verklärung Jesu, und mit Hinsicht auf die Throne, worauf bei der Wiedergeburt die Apostel sitzen würden, durch ihre Mutter Jesum baten, daß sie sitzen möchten, einer zu seiner Rechten, der andere zur Linken. Da zeigte ihnen Jesus, daß sie nach seinem Beispiele nur durch Leiden in seine Herrlichkeit eingehen könnten. Die edlen Seelen antworteten sogleich, daß sie es können, aus der Fülle des Herzens mit aufrichtiger Bereitwilligkeit, ob sie gleich nicht genugsam erwogen, daß der Geist willig, das Fleisch schwach sei. Dieß erfuhr Jak ob ns gar bald, indem er auch bei der Gefangennehmung Jesu mit den übrigen Aposteln aus Furcht die Flucht ergriff. Nach empfangener Kraft des heiligen Geistes aber predigte er den Namen Jesu in allen Dörfern und Städten des Judenlandes. Er aß weder Fleisch noch Fische, trug ein geringes Kleid, und bewirkte durch seine Predigten und seinen erbaulichen Wandel viele Bekehrungen. Dieß zog ihm den Haß der Juden und des Königs Herodes zu, der ihn i. I. 44 ^ enthaupten ließ. Gebet. Bewahre uns, o Gott! vor falscher Scham und Menschenfurcht, daß wir ja nie eine Sünde absichtlich verschweigen, und stärke uns mit deiner göttlichen Gnade, damit wir der Aufforderung des heiligen Apostels Iakobus folgen und unsere Sünden stets frei und offen bekennen, auf daß wir das Heil erlangen — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihundertundsiebentes Lesestück. Am Feierabende des 26. Juli. Wie man sich vor und in dem Beichtstühle zu benehmen hat. Fr. Wie muß man sich benehmen, wenn man zum Beichtstühle kommt? Antw. Man darf sich Andern nicht vordrängen nnd nicht gar zu nahe zum Beichtstühle hingehen; die Zeit aber, bis an uns die Reihe zum Beichten kommt, müssen wir in frommer Andacht zubringen. Belehrung. Wenn du, mein Christ! zum Beichtstühle kommst, so dränge dich nicht Andern vor. Während der Zeit, bis die Reihe an dich kommt, sollst du nicht durch Herumschauen und Schwätzen dich zerstreuen, sondern in Zerknirschung deines Herzens und mit Vertrauen zu Gott um Vergebung deiner Sünden flehen. Wenn du etwas länger warten müßtest, so kannst du aus deinem Gebetbuch etwas zur heiligen Beicht Gehöriges lesen, oder den Rosenkranz beten, oder sonst etwas Geistliches betrachten. — Stelle dich nicht zu nahe an den Beichtstuhl, so daß du die Beichten Derer, die vor dir stehen, hören könntest. Wenn du von ungefähr eine Sünde hören solltest, so bist du unter einer Sünde zum Stillschweigen verbunden. Wenn du aber aus Neugierde zuhorchest, so würdest du dich ebenfalls versündigen. Fr. Was hat man zu thun, wenn man in den Beichtstuhl tritt? Antw. Man kniet nieder, bittet um den Segen und betet die offene Schuld rc. Belehrung und Beispiel. Sobald du, mein Christ! in den Beichtstuhl trittst, kniee dich im Gefühle der Demuth nieder, wohl bedenkend, daß du hier als armer Sünder erscheinst vor dem Stellvertreter Gottes, vor dem Beichtvater. Am Feierabende des 26. Juli. 483 MW Dn mußt dich hier benehmen wieder heilige König Ludwig. Als dieser einst beichtete, und ihn sein Beichtvater voll schüchterner Unterthänigkeit mit den Worten anrcdcte: „Allerdurchlauchtigster, Großinächtigster!" fiel ihm der heilige König in's Wort und sprach: „Nicht als König kniee ich hier, sondern als armer Sünder. Hier seid Ihr der Vater, ich bin nur das Kind." — Im Beichtstuhl müssen wir also alle Erinnerung an unfern Stand, an unsere Würde und Abkunft unterdrücken und nur eingedenk sein unsrer Sündhaftigkeit. Alsdann bittet man um den priesterlichen Segen, bezeichnet sich mit dem heiligen Kreuze und sagt: „Ich armer, sündiger Mensch klage mich an vor Gott, dem Allmächtigen, und Euch Priester an Gottes Statt, daß ich seit meiner letzten Beicht, die vor (so und soviel Tagen oder Wochen) geschehen ist, folgende Sünden begangen habe." Fr. Was geschieht hierauf? Antw. Man sagt seine Sünden her. Belehrung und Beispiel. V--r Allem muß man nun sagen und angeben jene schweren Sünden, die man etwa verschwiegen hat. Hiebei ist Folgendes zu merken. Hat man in der Beicht Etwas ausgelassen, so kommt es besonders darauf an, ob dieses mit oder ohne Schuld geschehen sei. Ist es ohne Schuld geschehen, so darf man das Ausgelassene nur in der nächsten Beicht nachholen; hat man es aber ausgelassen, weil man entweder sich schämte es zu beichten, oder sein Gewissen nicht fleißig erforschte, so muß man auch sagen, in wie vielen Beichten man es verschuldeter Weise ausgelassen habe, und alle dieselben wiederholen. Der heilige Vinzentius Ferrerius erklärt dieses durch folgendes Gleichniß: „Wenn du an einem Rock," schreibt einen einzigen Knopf unrecht zugeknöpft hast, so werden alle nachfolgenden Knöpfe verwirrt, keiner kommt ^ an seine rechte Stelle. Und was mußt du dann thun? Dn mußt von dort, wo du das Loch verfehlt hast, alle Knopfe aufreißen und auf's Neue in gehörige Löcher ziehen. Anders wird der Verwirrung nicht abgeholfen. Dasselbe thut noch, wenn Jemand ungiltig beichtet oder communicirt. Da muß er von dieser gottesräuberischen Handlung an, nach welcher ihm keine der nachfolgenden Sünden mehr nachgelassen worden, alle Beichten so wiederholen, als wären sie niemals abgelegt worden. Anders kommt sein Gewissen nie in Ordnung. Der Fehler einer einzigen Buße zieht den Mangel aller folgenden nach sich." — Hat man in der letzten Beicht keine Lossprechung erhalten, so muß man es gleichfalls sagen und die Ursache angeben, warum sie Einem verweigert worden ist. Ebenso muß man auch angeben, wenn man z. B. die anf- erlegte Buße nicht verrichtet, daS fremde Gnt rc. nicht zurückgestattet, mit seinen Feinden sich nicht versöhnt hat u. s. w. Fr. Wie beschließt man die Beicht? Antw. Mit folgenden Worten: „Diese und alle Sünden meines ganzen Lebens sind mir leid, und reuen mich von Grunde des Herzens, weil ich Gott, das höchste, liebenswürdigste Gut, beleidigt habe. Ich verabscheue alle meine Sünden, und nehme mir ernstlich vor, mein Leben zu bessern und nicht mehr zu sündigen. Ich bitte um eine heilsame Buße und um die priesterliche Lossprechung." Fr. Was hat man zu thun, wenn der Beichtvater Fragen an uns stellt? Antw. Man muß bescheiden und strenge nach der Wahrheit antworten; denn wer in Beziehung auf seinen Gewissenszustand im Beichtstühle mit Wissen und Bedacht eine Unwahrheit sagt, der lügt nicht einem Menschen, sondern dem heiligen Geiste vor. Und gar leicht könnten auch wir ans ähnliche Weise gestraft werden, wie Ananias und Saphira, welche plötzlich todt zur Erde fielen, weil sie dem heiligen Geiste vorgelogen hatten. (Apostelgesch. 5.) sSieh das obige Bild!) Fr. Wie muß man sich benehmen, wenn uns der Beichtvater ermahnt und die Buße auferlegt? Antw. Man soll auf den Zuspruch des Beichtvaters und auf die Buße, die er auferlegt, wohl merken, 61 * 484 Drittes Hauptstück. Wem und wann man beichten soll. und wenn er fragt, aufrichtig und demüthig antworten. — Man habe Acht, daß man nicht aus dem Beichtstühle gehe, bevor der Priester durch den katholischen Gruß oder auf eine andere Weise das Zeichen dazu gibt. Fr. Wie hat man sich zu verhalten, wenn man die Lossprechung nicht erhält? AntW. Man soll sich dem Urtheile des Beichtvaters demüthig unterwerfen, und durch wahre Besserung der Lossprechung sich würdig machen; man denke billig und bescheiden, daß er Wohl nach seinem Gewissen und seiner priesterlichen Pflicht handeln wird, und laufe nicht zu einem andern Beichtvater hin, um von demselben die Lossprechung leichter zu bekommen. Legende: Die heilige Mutter Anna. Wenn du, mein christlicher Leser! deine Beicht wohl verrichten willst, so wende dich mit kindlichem Vertrauen an die heilige Mutter Anna, deren Fest heute in der Kirche Gottes feierlich begangen wird. Sie ist es ja gewesen, welche die ihr vom Himmel geschenkte Tochter, die seligste Jungfrau Maria, mit mütterlicher Sorgfalt in der Lehre des Heiles, in allem Guten unterwiesen und das Herz derselben zur Tugend und Unschuld herangebildet hat. Nicht umsonst heißt sie „Mutter" Anna; sie will auch uns Allen Mutter sein und uns besonders im Geschäfte des Heiles mütterlich beistehen. — Die heilige Anna wurde zu Bethlehem in der Zunft Juda geboren. Sie vermählte sich mit dem heiligen Joachim, und aus dieser Ehe entsproß die allerseligste Jungfrau Maria. — Anna war ein Muster der Frömmigkeit und Tugend als Gattin und als Mutter. Daher wird auch die Kirche zu allen Zeiten die mütterliche Frömmigkeit der heiligen Anna Preisen, und die Ehre ihrer Tochter wird von Geschlecht zu Geschlecht auf sie zurückglänzen. Möchte ihr Beispiel ein Antrieb sein für Väter und Mütter! Gebet. Heilige Mutter Anna, die du deine Tochter, die seligste Jungfrau Maria, in der Lehre des Heiles mit mütterlicher Sorgfalt unterwiesen hast, stehe auch uns mit deiner mächtigen Fürbitte bei im Geschäfte des Heiles und erflehe uns besonders die Gnade, daß wir jederzeit mit reuiger und bußfertiger Gesinnung im Beichtgerichte Gottes erscheinen und Verzeihung unserer Sünden erlangen — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihundertundachtes Lesestück. Am Feierabende des 27. Juli. Wem und wann man beichten soll. Fr. Wem sollen wir unsere Sünden beichten? AntW. Den Nachfolgern und Stellvertretern der Apostel, d. h. den Bischöfen und rechtmäßig verord- neten Priestern. Belehrung. Vor dem Bischöfe oder einem rechtmäßig verordneten Priester, d. h. vor einem solchen, der zum Priester geweiht und vom Bischöfe mit der Vollmacht, Beicht zu hören, ausgerüstet ist, müssen wir beichten; denn diesen hat Christus, wie schon oben gezeigt wurde, die Vollmacht hiezu gegeben. Der heilige Augustin schreibt hierüber also: „Den Lazarus, welchen der Herr schon vom Grabe auferweckt hatte, übergab er seinen Jüngern, daß sie ihn auflösen sollten, und zeigte dadurch, daß die Macht zu lösen den Priestern verliehen sei." Fr. Soll man sich mit dem nächstbeßten Priester begnügen? Ist es nicht vielmehr sehr rathsam sich einen eigenen Beichtvater zu wählen? AntW. Freilich, man soll sich die Wahl eines eigenen Beichtvaters sehr angelegen sein lassen. Belehrung und Beispiele. Der Weg des Heiles ist ein sehr beschwerlicher und gefahrvoller Weg; man hat hiezu gar wohl einen guten Führer und Geleitsmann nöthig, und nirgends finden die Worte der heiligen Schrift: „Wenn f 485 Am Feierabende des 27. Juli. ein Blinder den andern führt, so fallen beide in die Grube" (Matth. 15, 14.), mehr Anwendung, als gerade hier. Es thut sonach noth, daß wir uns um einen frommen, klugen und geschickten Seelenarzt Umsehen, der unsere Gebrechen erkennt, und sie auch zugleich heilen will und heilen kann. Hier gilt das Wort des Predigers: „ Wehe Dem, der allein ist; denn, wenn er fällt, so hat er Niemanden, der ihm aufhilft." (Pred. 4, 10.) Und der heilige Franz von Sales sagt in seiner Anleitung zu einem frommen Leben: „Willst du ernstlich den Weg zur Frömmigkeit an- treten, so suche dir einen tauglichen Mann, der dich leite und führe." — Als dem jungen Tobias von seinem Vater der Befehl zukam, nach Nages zu gehen, sagte er: „Ich kenne den Weg dahin nicht." — „So geh' denn," erwiderte der Vater, „und suche Jemanden, der dich führe." Und sein Führer wurde ein heiliger Engel. (Sieh das obige Bild!) — Dasselbe gilt auch für Jeden, der auf dem Wege des Heiles glücklich und sicher wandeln will. Er suche sich einen guten Führer und Gcleitsmann, einen geschickten und treuen Beichtvater, der ihn auf dem Wege der Tugend leite und ihn mit guten Grundsätzen bekannt mache; der ihm zeigt, was er meiden und thun muß; der ihn auf die Fallstricke des bösen Feindes aufmerksam macht und ihn die Kunst lehrt, den Versuchungen zu widerstehen, schädliche Bekanntschaften und sündhafte Gelegenheiten zu meiden, die Sünde zu fürchten und Gott zu lieben. — Dieß erkennend, ermahnte der heilige Ludwig, König von Frankreich, sterbend seinen Sohn: „Beichte oft und wähle zum Beichtvater einen erfahrenen Mann, der es redlich meint und dich mit Sicherheit lehren kann, was dich zum Ziele führt! " Fr. Wann soll man beichten? Antw. 1) Nach jeder schweren Sünde, und zwar unverweilt und ohne Zögern, sobald es sein kann; denn ihr wisset weder den Tag, noch die Stunde, (wo euch der Herr abruft.)" (Matth. 25.) 2) Auch sonst oft im Leben, um uns in der Tugend zu erhalten und zu stärken. Belehrung. So oft wir das Unglück gehabt haben, in eine schwere Sünde zu fallen, sollen wir uns ungesäumt zur heiligen Beicht begeben, sobald es nur sein kann. Wenn du dir in eine Hand oder in einen Fuß zufällig einen Dorn hineingestossen hättest; wenn du an irgend einem Theile des Körpers tödtlich verwundet wärest, würdest du nicht sogleich den Wundarzt rufen? Wenn du zufälliger Weise Gift erwischt hättest, würdest du nicht sogleich ein geeignetes Gegengift nehmen? Und du solltest zögern, die Wunden der Seele zu heilen, und aus ihr das Gift der Sünde wegzuräumen? Wie thöricht ist es also, die Beicht und Besserung des Lebens von Tag zu Tag bis in's hohe Alter oder in die ungewisse Zukunft zu verschieben? Beispiele und Anwendung. Die Heiligen Gottes empfehlen uns die öftere Beicht durch ihr Wort und Beispiel. — Ludwig der Heilige pflegte an jedem Freitage zu beichten, und sich nach der Beicht, wie es damals bei den Büßern Sitte war, zu geißeln. — Der Papst Clemens VIII. beichtete an jedem Abende dem frommen Cardinal Baro- nius und wollte auch Andern die Gelegenheit verschaffen, ihre Sünden zu beichten; er setzte sich deßhalb selbst öfters in den Beichtstuhl und hörte ohne Unterschied Alle, die sich näherten. — Auch der heilige Karl Borromäus, Cardinal und Erzbischof von Mailand, der heilige Franz von Sales, Bischof von Genf, pflegten wöchentlich» und ihre Domestiken monatlich zu beichten. — Vom heiligen Franz Taver lesen wir, daß er, wenn er einen Priester haben konnte, an jedem Tage mit der größten Reue, Zerknirschung und Demuth beichtete. Das waren heilige Männer, und 486 Drittes Hauptstuck. Bon der Generalbeicht. doch wußten sie alle Tage Etwas zu beichten; wir aber, die wir Nichts weniger als heilig leben, schreien Zeter, wenn wir oster als einmal beichten sollen, und rufen: „Was sollen wir denn immer beichten?" — Der heilige Chrysostomus ermahnte seine Zuhörer, so oft zu beichten, als sie Gott durch Sünden beleidigen. „Ich bin," sprach er, „Tag und Nacht bereit, euch Beicht zu hören. Sollte es aber geschehen, daß Jemand des Nachts sündigt, so kommet und wecket mich aus dem Schlafe auf, und ich will euere Beicht anhören!" — Der heilige Bernhard von Siena sagt: „Wenn in deinem Hause Feuer ausbricht, da schreist du schnell um Hilfe; und wenn in deinem Herzen die Gluth der Sünde lodert, sollst du da lange zögern und nicht zum Beichtgerichte eilen, auf daß dieses unreine Feuer gelöscht werde?" Und der heilige Antonin fügt bei: „Es ist wahrlich Wahnsinn, wenn der Mensch für seine Seele nicht einmal so viel sorgt, als für seine Schuhe; diese werden öfters gereinigt und geputzt, während mau die Seele in ihrem Schmutze läßt." — Folgen wir diesen Worten und Beispielen der Heiligen, indem wir unser Herz recht oft durch eine wahre und aufrichtige Beicht reinigen und die Gesundheit unserer Seele ebenso bei dem himmlischen Arzte suchen, wie einst Biele die Gesundheit ihres Leibes bei dem heiligen Arzte Pantaleon suchten, dessen Andenken wir heute begehen. Legende: Der heilige Arzt und Märtyrer Pantaleon, (ff 303.) Der heilige Pantaleon war Leibarzt des Kaisers Ga- lerius Maximianus. Er bekannte sich zum Christenthume; allein das böse Beispiel am kaiserlichen Hofe brachte ihn zum Abfall. Ein eifriger Christ, Namens Hermolaus, wurde tief gerührt von dem elenden Zustande, in welchen sich Pantaleon gestürzt, und redete ihm auf's Nachdrücklichste zu, zum wahren Glauben zurückzukehren. Der Schuldige gab dieser liebevollen Aufforderung Gehör, verabscheute seine Abtrünnigkeit und kehrte in den Schooß der Kirche zurück. Jetzt sehnte er sich nur mehr nach dem Augenblicke, wo er durch Vergießung seines Blutes den verübten Frevel sühnen könnte. Zur Vorbereitung zu dem Martertode, den er während der diocletianischen Christenverfolgung, welche 303 zu Nikomedien wüthete, zu leiden hoffte, vertheilte er alle seine Güter unter die Armen. Kurz nach dieser schönen Handlung ward er mit Hermolaus, Hermippus und Hermokrates in seinem eigenen Hause verhaftet. Man verurtheilte sie zu verschiedenen Folterqualen, worauf sie enthauptet wurden. Gebet. Himmlischer Arzt und Heiland Jesus Christus! zu dir wollen wir jedesmal unsere Zuflucht nehmen, so oft unsere Seele durch Sünden krank darnieder liegt; lasse alsdann in deiner göttlichen Heilanstalt, im heiligen Bußsakramente, uns Heilung, Kraft und Stärke finden, wie einst Viele bei dem heiligen Arzte Pantaleon Heilung in leiblichen Krankheiten gefunden haben; der du lebest und regirest in Ewigkeit. Amen. ZweilMdertnitdimmtes Lesestück. Am Feierabende des 28. Juli. Von der Generalbeicht. Fr. Was ist eine Generalbeicht? Antw. Generalbeicht heißt eine Beicht, in welcher man alle oder mehrere seiner Beichten wiederholt. Belehrung. Wenn man in einer Beicht alle Sünden seines ganzen Lebens, d. h. von dem Zeitpunkt an, wo man zum Gebrauche der Vernunft gelangt ist, bis auf die gegenwärtige Stunde beichtet, so ist dieß eine Lebensbeicht oder eine Generalbeicht im eigentlichen Sinne des Wortes; wiederholt man aber nur mehrere Beichten aus einem oder mehreren Jahren, so kann man dieß eine Jahresbeicht nennen, eine Generalbeicht im engern Sinne des Wortes. — Solche Generalbeichten sind für Viele theils nützlich, theils n o t h w e n d i g. Fr. Wem ist die Generalbeicht nützlich und r a th s am ? Antw. Jenen, die zur ersten Communion gehen, die einen Lebensstand antreten, die gefährlich krank sind; auch zur Zeit eines Jubiläums, einer Mission u. dergl. ist es sehr rathsam, eine Generalbeicht abzulegen. 487 Am Feierabende des 28. Juli. ASM »Li MAW Belehrung. Allgemein nützlich und rathsam ist also die Generalbeicht bei der Vorbereitung zur ersten heiligen Communion, zur Zeit eines Jubiläums, einer Mission, weil dich besondere Gnadenzeiten sind, wo wir unser Herz vollkommen reinigen sollen; ferner sollen gefährlich Kranke dieses herrliche Mittel zur Reinigung ihrer Seele nicht versäumen, ebenso auch Jene nicht, die einen Lebensstand, z. B. den geistlichen oder ehlichen Stand antreten, oder die sich in ein Kloster begeben u. s. w. Der Nutzen der Generalbeicht läßt sich da gar nicht verkennen. Denn es ist das ein ernster, feierlicher Augenblick, wo der Mensch in heiliger und reu- muthiger Stimmung all die Tage seines Lebens, all die Handlungen, all die Gesinnungen und Gedanken seines Herzens durchblickt; da wird ihm Manches klar, was er in früher» Zeiten gar nicht für sündhaft hielt; da erkennt er so recht seine Schwäche, seine entsetzliche Sündhaftigkeit, sein ganzes Nichts. Und wenn eine solche Gcneralbeicht abgelegt ist, welch eine Ruhe und Seligkeit kehrt alsdann nicht in die Seele des Büßers zurück! Wie leicht wird ihm um's Herz, wenn so viele Zentnersteine von demselben entfernt sind! Mit welcher Sorgfalt sucht er künftighin nicht Alles zu vermeiden, was ihm diese Seelenruhe und Seligkeit wieder rauben könnte! Er gleicht Demjenigen, der ein neues Kleid anzieht und mit aller Sorgfalt darauf achtet, daß er es nicht beschmutze. Beispiel und Anwendung. Wie nützlich und Gott wohlgefällig eine aufrichtige und reumüthige Generalbeicht sei, ersehen wir aus nachfolgender Begebenheit. Als der göttliche Heiland die aufrichtige Bekehrung der berühmten Büßerin' Margaretha von Cortona sah, (sieh das nebenstehende Bild!) so fing er au, ihr Unterweisungen zu geben und ihr auf mancherlei Art seine Gunst zu zeigen, und indem er sich ihr voll Zärtlichkeit und Liebe zeigte, nannte er sie oft armes Kind. Eines Tages sprach die Heilige von jenem Zutrauen erfüllt, das der kindlichen Liebe eigen ist, zu ihm: „Mein Herr! du nennst mich immer armes Kind, wann werde ich denn einmal von deinem göttlichen Munde den schönen Namen einer T och t er empfangen?" — Du bist desselben noch nicht würdig, versetzte Jesus Christus; bevor du den Namen und die Behandlung einer Tochter erhältst, mußt du dein Gewissen durch eine Generalbeicht von allen Sünden reinigen. — Als Margaretha dieses vernahm, so widmete sie sich ganz dem Nachforschen über die begangenen Sünden, und klagte sich derselben acht Tage hindurch bei dem Priester mehr mit Thränen als mit Worten an. Als die Beicht beendigt war, so nahm sie den Schleier von der Stirne hinweg, umgab den Hals mit einem Stricke und trat in dieser erniedrigenden Haltung hin, um den Leib des Herrn zu empfangen. Kaum hatte sie die heilige Communion empfangen, so vernahm sie im Innersten ihrer Seele ganz deutlich das Wort „meine Tochter." Bei diesem so süssen und von ihr so sehnlich erwarteten Laute verlor sie sich in ein Meer von Wonne und Jubel. Als sie aus dieser Verzückung wieder zu sich kam, so wiederholte sie ganz von Erstaunen ergriffen mehrmals die Worte: „O süsse Stimme, meine Tochter! o süsser Laut! o freudenvolles Wort! o Wort voll der Sicherheit, meine Tochter!"— Man sicht hieraus, welche große Kraft die Generalbeicht besitzt, um die Seele zu säubern, zu reinigen und zu verschönern: da sie diese Heilige aus dem niedrigen Stande einer Magd, in dem sie sich am Anfänge ihrer Bekehrung befand, zu dem ehrenvollen Range einer geliebten Tochter emporhob, so daß jene, die vorher der Erlöser mit der Empfindung des Mitleidcns betrachtete, darauf mit Liebe und Wohlgefallen von ihm angesehen wurde. — Daher haben auch sogar große Heilige Gottes Generalbeichten abgelegt, um ihr Herz vollkommen zu reinigen und so in die Kindschaft Gottes zu gelangen. Fr. Wem ist die Generalbeicht noth wendig? Antw. Allen Jenen, welche schon viele Jahre in sündhafter Gewohnheit dahingelebt, oder deren frühere Beichten ungiltig waren, sei es ans Mangel an Aufrichtigkeit oder an Reue und Vorsatz oder ans sträflicher Nachlässigkeit in Erforschung des Gewissens. Belehrung. Es ist gar kein Zweifel, schreibt Scara- melli, daß solche Sünder eine allgemeine Beicht ablegen müssen, wenigstens über die ganze Zeit, in der sie sakri- legisch und ungiltig gebeichtet haben. Denn da ihre Sünden niemals nachgelassen wurden, so ist es nothwendig, daß 488 Drittes Hauptstück. Von der Generalbeicht. sie alle auf's Neue der priesterlichen Gewalt unterwerfen, damit sie mit dem Blute des Erlösers rein gewaschen werden. — Gewohnheits- und Gelegenheitssünder, sowie alle Jene, die öfter unwürdig gebeichtet und communieirt haben, können auf keine andere Weise Verzeihung ihrer Sünden und Ruhe in ihrem Herzen finden, als nur dadurch, daß sie eine recht aufrichtige Generalbeicht ablegen; dadurch werden sie wieder zu Gott und zur Tugend zurückkehren. „Ich habe Personen gekannt," sagt wiederum der so eben genannte geistliche Lehrer Scaramelli, „die lange Zeit ein ausgelassenes Leben führten, aber nach einer Generalbeicht sich dergestalt umänderten, daß sie nicht bloß zu einem hohen Grade der Vollkommenheit, sondern auch zu einer hohen Stufe des beschaulichen Lebens emporstiegen." Beispiel und Anwendung. Gar viele Sünder, die schon der Verzweiflung und der Hölle nahe waren, wurden durch eine Generalbeicht ganz umgeändert, zum Vertrauen auf Gott ermuthigt und wiederum auf den Weg der Tugend zurückgeführt. — Der ebenso fromme als eifrige Priester Overberg, welcher als Regens des Priesterseminars zu Münster 1826 starb, fühlte sich einst an einem kalten, regnerischen Nachmittag in seinem Innern gedrungen, hinaus in's Freie zu gehen. Vor dem Thore geht ein Mann un- stäten Schrittes vor ihm hin, bleibt bald stehen, bald schreitet er, nachdem er sich umgesehen, hastig weiter. Overberg eilt ihm nach, erreicht ihn, begrüßt ihn freundlich und fängt ein Gespräch mit ihm an, welches der Unbekannte Anfangs unfreundlich abweist, dann aber annimmt und bald so offen wird, daß er bekennt: er sei in schweren Sünden von Jugend an gewesen» und nun sei das Maß der Verzweiflung voll; er wolle seinem Leben ein Ende machen. — „Wird's dadurch besser?" fragte ihn Overberg. Der Andere stutzt; Overberg redet ihm nun mit immer eindringlicherer Liebe zu, nimmt ihn mit sich auf sein Zimmer, hört seine Generalbeicht, und von der Stund an fing Jener an, ein anderer Mensch zu werden. — Christlicher Leser! Wenn auch du schon lange Zeit hindurch ein ausgelassenes Leben geführt, wenn du in sündhafter Gewohnheit oder Gelegenheit dahingelebt» wenn du schon öfter ungiltig gebeichtet, unwürdig communieirt hast, o so verachte dieses herrliche Mittel nicht! Lege eine Generalbeicht ab; nur dadurch wirst du wieder zur Kindschaft Gottes und zur Ruhe deines Gewissens zurückkehren. Du kannst diese tröstliche Wahrheit sogleich aus der Lebensgeschichte des heiligen Johannes Columbinus ersehen, die ich dir eben dcßhalb auch heute erzählen will, obschon sein Fest - und Sterbetag erst auf den letzten dieses Monats fällt. Leg ende: DerheiligeJohaunesColum bin us, Ordensstifter, (ff 1367.) Dieser Heilige stammte aus einem der ersten Häuser Siena's, wurde Kaufmann und ergab sich als solcher leidenschaftlich dem Eigennutze, so daß er dabei fast gänzlich auf Gott und sein Seelenheil vergaß. Als er aber einmal in der Legende der Heiligen die Lebensgeschichte der großen Büßerin Maria von Aegypten las, wurde er so mächtig ergriffen, daß er den Entschluß faßte, von nun an ein anderes Leben zu führen. Und er hielt Wort. Er verrichtete eine Generalbeicht, legte alsdann all seine Ehrenämter nieder und vertheilte einen großen Theil seiner Güter unter die Armen. Nachdem er mit Einwilligung seiner Gattin das Gelübde der Enthaltsamkeit abgelegt hatte, unterzog er sich den schwersten Bußübungen, indem er oft ganze Nächte betend und weinend über seine Sünden zubrachte. Ueberdieß suchte er die Armen in ihren elenden Herbergen und die Kranken in ihren Spitälern auf, um Allen nach Kräften Trost und Hilfe zu bieten. Sein eigenes Haus wandelte er in ein Krankenspital um, und sammelte Mehrere um sich, die seinem Beispiele folgten und sich der christlichen Vollkommenheit widmeten. Das Volk nannte den Verein dieser hochherzigen Männer Jesuaten, weil sie beständig den Namen Jesu im Munde führten. Nachdem der heilige Colnm- binus seiner Genossenschaft die Regel des heiligen Augustinus gegeben und seinen neuen Orden durch Papst Urban V. im Jahre 1367 hatte bestätigen lassen, starb er noch in eben diesem Jahre am 31. Juli eines seligen Todes. Gebet. Herr Jesus Christus, unser Gott und Heiland, verleihe uns die Gnade, daß auch wir, wie der heilige Johannes Columbinus, von den Wegen des Verderbens durch wahre Buße und Besserung auf den Weg der Tugend zurückkehren, und dir in Liebe dienen durch Werke der Buße und der christlichen Nächstenliebe. Amen. 48S Am Feierabende des 29. Juli. Zweihimdertmidzehntes LeseW. Am Feierabende des 29. Juli. Von der Genugthuung, die uns als Buße auferlegt wird. Fr. Ist mit dem Austritt aus dem Beichtstuhl das Werl der Buße schon vollendet? Antw. Nein, noch bleibt die Genugthuung übrig, d. h. wir müssen zunächst die vom Beichtvater auferlegte Buße fleißig verrichten, dann aber auch uns selbst Bußwerle auferlegen und allen Schaden gut machen, den wir dem Nächsten durch die Sünde zuge- sügt haben. Belehrung. Genugthun im Allgemeinen heißt eine Mchler, Hausbuch. schuldige Sache vollständig bezahlen oder die einem Andern zugefügte Unbild wieder gut machen. Die sakramenta- lische Genugthuung hingegen ist jene Vergütung, in welcher der Mensch für die begangenen Sünden Gott dem Herrn wenigstens Etwas entrichtet; denn eine vollkommene Genugthuung für unsere Sünden können wir Gott in Ewigkeit nicht leisten. Dieses Etwas ist nun zunächst die uns vom Beichtvater auferlegte Buße. Fr. Warum legt uns der Beichtvater eine Buße auf? Antw. Weil sie uns nothwendig ist 1) zur Besserung unscrS Lebens und 2) zur Abbüßung der zeitlichen Sündenstrafen. Belehrung. Der Beichtvater legt uns eine Buße auf, 1) weil sie uns zurBesserungunsers Lebens nothwendig ist; durch die ihm auferlegten Bnßwcrke soll nämlich der Büßer vom Sündigen abgeschreckt werden; denn Strafen, sagt man im Sprüchwort, schrecken vom Bösen ab. Statt der bösen Werke müssen nun gute Werke geübt werden. Die Sünder haben durch ihren sündhaften Wandel Andern Aergerniß gegeben und so die Kirche Gottes beleidiget. Darum genügt es nicht, daß sie ihre Buße bloß im Innern wirken, sie müssen auch äußere Bußwerke üben, d. h. Genugthuung leisten, auf daß die geärgerten Personen durch ihren neuen und frommen Wandel erbaut, gleichfalls zur Buße und Tugend angespornt werden und so der Kirche Genüge geschehe, in welcher man Nachlassung der Sünden erhält. — 2) Die Buße oder Genugthuung, die uns der Beichtvater auferlegt, ist auch zur Abbüßung der zeitlichen Sündenstrafen nothwendig. Gott läßt zwar mit der Schuld der Sünde auch die ewige Strafe — die Verdammniß —> nach, aber nicht immer die zeitlichen Strafen, die der Sünder entweder in dieser Welt, oder in der anderen im Fcg- feuer abbüßen muß. Es ist da, wie wenn z. B. Jemand eine tödtliche Wunde empfangen hat. Der Tod muß erfolgen, wenn keine schnelle Hilfe kommt. Diese Hilfe kommt; der Tod wird verhindert; aber nach überstandener Todesgefahr bleibt doch noch die Heilung und gänzliche Vernarbung der Wunde zurück. Durch Gottes Barmherzigkeit wird die Todsünde hinweggenommen, die Seele vom ewigen Untergänge errettet; allein die gänzliche Ausheilung der uns durch die Sünde geschlagenen Wunde, die gänzliche Vertilgung der zurückgebliebenen Narbe überläßt Gott unserer Sorgfalt; denn cS wäre von der göttlichen Güte gewiß zu viel verlangt, wenn wir haben wollten, er sollte uns die Sünden ohne alle Genugthuung erlassen. Gott thut 62 49V Drittes Hauptstiick. Von der Genugthuung, die uns als Buße anserlegt wird. das Seine, wir sollen auch das Unsere thun. Daher legt uns der Beichtvater eine Buße aus. Beispiele und Anwendung. Schon in der heiligen Schrift begegnen uns verschiedene Beispiele, aus denen wir ersehen, daß nach der Nachlassung der Sünden noch zeitliche Strafen übrig bleiben. Hören wir das Beispiel von David! Dieser hatte sich durch Ehebruch und Mord schwer versündigt. Gott ließ ihm seine Sünde durch den Propheten Nathan verweisen. (Sieh das vorhergehende Bild!) David erkennt sic reumüthig, und Nathan spricht: „Der Herr hat deine Sünde von dir genommen; — doch wird dein Sohn des Todes sterben." Sieh da, nach der Nachlassung der Sünde die zeitliche Strafe! — So verzieh Gott auch unfern Stammeltern die begangene Sünde, er erließ ihnen die ewige Berdammniß; aber er legte ihnen viele zeitliche Strafen auf, ein mühevolles Leben und endlich den körperlichen Tod, den der heilige Paulus den Sold — die Strafe — der Sünde nennt. — So hatte das Volk Israel eine schwere Sünde durch Abgötterei begangen; auf das Flehen des Moses ließ Gott dem Volke die Sünde nach, aber zur zeitlichen Strafe kam keiner von Denen, welche gesündigt hatten, in das gelobte Land; sie starben Alle in der Wüste. Selbst Moses kam nicht in das gelobte Land; das war die zeitliche Strafe für jene Sünde, die er durch ein Mißtrauen auf Gottes Hllfo begangen hatte. Die Sünde hatte ihm Gott nachgelassen, die zeitliche Strafe aber mußte M o s c s ertragen und auf solche Weise für seine Sünden genugthun. Fr. Hat denn nicht Christus schon für unsere Sünden überflüssig gennggethan? und ist es also noth- wendig, daß auch wir noch Genngthnung leisten? Antw. Christus hat allerdings für unsere Sünden gennggethan; dennoch will er, daß auch wir in Vereinigung mit ihm Genngthunng leisten; gleichwie er auch für uns gebetet hat, und dennoch will, daß auch wir, um selig zu werden, beten sollen. Fr. Wann sollen wir die vom Beichtvater auferlegte Buße verrichten? Antw. Wenn der Beichtvater keine Zeit dazu vorgeschrieben hat, so ist es das Beste, sie sogleich zu verrichten, und bevor man in irgend eine schwere Sünde zurückgefallen ist. Belehrung und Beispiel. Der Priester hat die Gewalt, uns Bußwerke aufzulegen von Christus selbst; denn dieser hat seiner Kirche die Gewalt gegeben, zu lösen und zu binden (Matth. 18, 18.) Wie nun der Priester vermöge dieser Gewalt lösen, d. h. die Sünden Nachlassen kann, so kann er auch binden, d. h. die Lossprechung entweder gänzlich vorenthalten oder doch Bußwerke, Strafen für die Sünden auferlegen. Eben deßhalb ist es auch unsere Pflicht, die auferlegte Buße genau und ungesäumt zu verrichten. Wenn wir nun die auferlcgte Buße nicht verrichten, so ist zwar die Beicht nicht ungiltig, wenn wir nämlich wenigstens in der Beicht den Willen hatten, sie zu verrichten; allein wir begehen eine schwere Sünde und berauben uns vieler Gnaden; hingegen ruht großer Segen auf jenen Büssern, die die auferlegte Buße gerne und treulich verrichten. Wir sehen dieß aus folgendem Beispiel. Ein sehr ausschweifender Jüngling kam einst zum heiligen Philippus Neri zur Beicht. Der Heilige nahm ihn mit vieler Güte auf und sprach, nachdem er ihn anze- hört hatte, überaus liebevoll zu ihm: „Mein Sohn, ich will nicht viel von dir verlangen; ich gebe dir bloß zur Buße auf, das Salve Regina täglich sieben Mal zu beten, eben so oft die Erde zu küssen und dabei zu sprechen: „ Es könnte leicht sein, daß ich bald sterbe!" Der Beichtende versprach es zu thun und hielt treulich Wort. Und seit jener Zeit führte er ein sehr christliches Leben, lebte noch vierzehn Jahre und starb eines heiligen Todes. Siehe, solch großer Segen ruht auf der treu verrichteten Buße! Nimm also willig die Buße an, welche der Beichtvater dir auferlegt, und verrichte sie freudig und pünktlich, und wenn dir dieselbe allzu beschwerlich zu sein schiene, so bedenke wohl, wie unbedeutend die gegenwärtigen Bußen sind im Vergleiche zu den früheren Kircheubußen und zu den ewigen Strafen, die man verdient hat! Könntest du aber die Buße wirklich nicht verrichten, so mache den Beichtvater ehrerbietig daraus aufmerksam. — Wahrlich, keine Buße sollte uns zu schwer oder zu groß sein, wenn wir bedenken, was die Heiligen für Gott gethan, wie viel besonders die heiligen Märtyrer für Christus und den christlichen Glauben gelitten und auSge- standen haben. Auch die Legende des heutigen Tages führt uns wieder mehrere heiligen Blutzeugen an, deren Beispiel uns ermuntern soll, gerne Etwas für Gott zu leiden und jede Buße und Genugthuung mit Freuden auf uns zu nehmen. Legende: DieheiligeBeatrixun di hrebeidcn Brüder, Märtyrer (ch 303.) Die beiden Brüder der heiligen Beatrix, mit Namen Siinplicius nnd Faustinus, waren i. I. 303 zu Rom während der diocletianischen Christenverfolgung enthauptet nnd in die Tiber geworfen worden. Beatrix zog die Leiber ihrer Brüder aus der Tiber und bestattete sie zur Erde; hierauf blieb sie sieben Monate hindurch verborgen bei einer tugendhaften Matrone, Namens Lucina, mit welcher sie Tag und Nacht im Gebete und andern guten Werken zubrachte. Endlich aber wurde sie entdeckt und in gefängliche Haft genommen. Ihr Am Feierabende des 30. Juli. 491 Ankläger war ein Heide aus ihrer Verwandtschaft, welcher ihre Güter an sich ziehen wollte. Sie bethenerte muthi- gen Sinnes vor dem Richter, daß sie niemals Götter von Holz und Stein anbcten werde. Ihr Bekenntniß ward mit dem Todesspruche gestraft: sie wurde im Ge- fängniß erdrosselt. Luciua begrub sie neben ihren Brüdern. Gebet. O Gott! wir erkennen es, daß wir für unsere vielen Sünden schwere Strafen verdient haben, und nehmen daher bereitwillig jede Buße an, die uns die Priester der Kirche als deine Diener und Stellvertreter auferlegen; sei nur auch du, o Gott! auf die Fürbitte der heiligen Beatrix uns gnädig und barmherzig — durch Christum, deinen Sohn, unfern Herrn. Amen. Zw eihmid ertund eilstes Lesestück. Am Feierabende des 30. Juli. Bon der Geimgthuung, die wir uns selbst als Buße auserlegen sollen. Fr. Sollen wir nur jene Buße verrichten, die uns der Beichtvater auferlegt? Antw. O nein; wir sollen uns auch bestreben, durch andere freiwillige Bußwerke der göttlichen Gerechtigkeit Genugthuung zu leisten. Belehrung. Ach, was sollen die etlichen Vater unser sein, die uns der Beichtvater als Buße auferlegt, im Ver- haltniß zur Größe und Abscheulichkeit unserer Sünden, die wir begangen haben! Jeder wahre Büßer wird es selbst in seinem Herzen fühlen, daß er Gott dem höchsten Herrn Himmels und der Erde und seiner unendlichen Gerechtigkeit für die zugefügten Beleidigungen weit mehr schuldig sei, und wird sich daher selbst freiwillige Vußwerke auferlegen. Fr. Welches sind die vorzüglichsten und geeignetsten Bußwerke, die wir uns selbst auferlegen können? Antw. Beten, Fasten und Almosengcben, sowie die geduldige Ertragung der Leiden und Widerwärtigkeiten. Belehrung. Die geeignetsten Bußwcrke, die wir uns selbst auferlegcn können und sollen, sind Beten, Fasten und Almosengeben. „Denn Nichts kann geeigneter sein, als dieses, sagt der römische Katechismus, um die Wurzeln aller Sünden auszurotten, da „Alles, was in der Welt ist, Fleischeslust ist oder Augcnlust oder Hoffart des Lebens." (1. Joh. 2, 26.) Jedermann sieht, daß diesen drei Krank- heitöstoffen eben so viele Arzneien, dem ersten nämlich das Fasten, dem andern das Almosen, dem dritten daS Gebet als die besten Gegenmittel entgegcnwirkcn. Ferner, wenn wir auch auf Diejenigen sehen, welche durch unsere Sünden beleidiget werden, so wird man leicht erkennen, warum alle Genugthuung vornehmlich in diesen drei Stücken enthalten sei. Diese aber sind Gott, der Nächste und wir selbst. Daher versöhnen wir Gott durch Gebet, den Nächsten befriedigen wir durch Almosen, uns selbst aber züchtigen wir durch Fasten." — Auch die geduldige Ertragung der Leiden und Trübsale, die uns Gott schickt, ist eine gar gute und Gott dem Herrn angenehme Genugthuung. Beispiele und Anwendung. Schon in den ersten Zeiten der Kirche finden wir Männer und Frauen, um ihre Sünden abzubüßen, ferne von allem menschlichen Verkehre — draußen in den entlegensten Wildnissen und Einöden mitten unter wilden Thieren und Skorpionen, aller Freuden des Lebens, ja sogar der nöthigstcn Bedürfnisse beraubt. Hier übten sie die strengste, selbstauferlegte Genugthuung. Und wenn man sie fragte, warum sie sich einer so qualvollen und harten Buße unterzogen, so antworteten sie, wie Ter- tullian sagt, fast Alle auf diese Weise: „Ach, wie unglücklich bin ich! Ich habe meinen Gott beleidiget. Ich weiß, daß ich gesündiget habe; ich weiß aber nicht, ob ich Verzeihung der Sünde erlangt habe; ich weiß, daß ich den Zorn Gottes gegen mich erregt habe; ich weiß aber nicht, ob ich ihn versöhnt habe. Ich habe Gott beleidiget und gesündiget, dieß genügt, mir eine Furcht einzuflößen, ob ich etwa nicht auf ewig zu Grunde gehen muß." — Außerordentlich strenge 62* 492 Drittes Hauptstück. Von der Genugthuung, MM waren damals auch die Bußwerke oder die Genugthmmg, welche die Kirche von großen Sündern forderte. Monate, ja! Jahre lang konnte man Personen jeden Geschlechtes, jeden Standes und Ranges, wenn sie schwere Sünden begangen hatten, unter den Reihen der Büßenden erblicken, wie sie vor den Kirchthüren standen, mit blassem Angesichte, mit gesenktem Blicke, in Säcke gekleidet, das Haupt mit Asche bestreut, und wie sie in dieser beklagenswerthen Stellung um Barmherzigkeit und Erbarmen flehten, die Gläubigen um ihre Fürbitte ansprachen, und unter Thränen die Bischöfe und Priester um Hilfe baten. — Solch strenge Bußwerke übten selbst fromme und heiligmäßige Christen, solch schwere Genugthuung verlangte die Kirche in den ältesten Zeiten — und du, mein Christ! willst dich mit der geringen Buße begnügen, die dir der Beichtvater auferlegt? O täusche dich nicht; bedenke vielmehr recht ernstlich die große Wahrheit: wenn du es unterlassest, Gott dem Herrn im Leben die gebührende Genugthuung zu leisten, so wirst du um so länger und strenger, und zwar ohne Verdienst für den Himmel, im Fegfeuer zu büßen haben. Denn der Herr löscht durch Feuer, was wir nicht durch Bußthränen löschen. Merke dir das wohl! Fr. Was dürfen wir bei der Genugthuung ganz besonders nicht vergessen? Antw. Dieses, daß wir das geraubte Gut, den verursachten Schaden und die gekränkte Ehre dem Nächsten wiederum gewissenhaft ersetzen, sowie das gegebene Aergerniß und schlechte Beispiel nach Kräften wieder gut machen. Belehrung. »Es ist nicht genug,» sagt der heilige Gregor der Große, „daß wir keine neuen Schulden die wir uns selbst als Buße auferlegen sollen. mehr machen, sondern wir müssen auch die früher gemachten Schulden abtragen," d. h. wir müssen das gegebene Aergerniß und den dem Nächsten zugefügtcn Schaden wieder gut machen. Wir müssen das schöne Beispiel des Zachäus nachahmen, der von sich sagen konnte: „Die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und wenn ich Jemanden betrogen habe, so erstatte ich es vierfach." (Luk. 19, 8.) Beispiel und Anwendung. Diesem füge ich noch ein anderes Beispiel bei, aus weichem du, mein christlicher Leser! ersehen kannst, wie sehr man sich bestreben müsse, den dem Nächsten zugefügten Schaden und das gegebene Aergerniß wieder gut zu machen. — Pontius von La- vaze, welcher im 12. Jahrhunderte lebte, ergab sich in seiner Jugend allen Gattungen von Lastern, Leidenschaften und Räubereien. Endlich betrachtete er einmal, von der Gnade Gottes gerührt, die Nebelthaten, welche er verübt hatte, und das Gericht, welches seiner drohend wartete, und verurtheilte sich zu aller Strenge der Buße. Am Palmsonntage, da der Bischof mit seiner Geistlichkeit und dem ganzen Volke in der Kirche versammelt, und das Evangelium gelesen war, drang Pontius, gleich einem Uebelthäter eine Kette am Halse, durch den Haufen, warf sich dem Bischöfe zu Füssen, übergab ihm ein Papier, auf welchem alle seine Sünden geschrieben standen, und beschwor ihn, sie vor dem ganzen Volke lesen zu lassen. Während man seine ganze Beicht vorlas, ließ er sich unausgesetzt mit Ruthen peitschen und bat immerhin, ihn doch empfindlicher zu schlagen, indeß er mit seinen Thränen den Boden benetzte. Er schrie, daß er aller dieser Verbrechen schuldig sei, und Gott und Menschen um Verzeihung bitte. Alle Anwesenden wurden tief gerührt, und zerflossen mit ihm in Thränen. Am andern Tage vcrtheilte er, nachdem er der Pflicht der Wiedererstattung, so viel er konnte, genug gethan hatte, seine Güter unter die Armen. Hierauf entsagte er für immer der Welt und verurtheilte sich zu einer strengen Buße, die er nur mit seinem Leben endete. Er starb heilig. (Sieh das vorhergehende Bild!) O möchten auch wir in die Fußstapfcn dieser heiligen Büßer eintreten und nach Kräften wieder gut zu machen suchen, was wir durch die Sünde und durch Ungerechtigkeit geschadet haben! Legende: Die heiligen Märtyrer Abdon und Sennen, (f 250.) Eine sehr vortreffliche Buße, die wir uns selbst auferlegen sollen, besteht auch in der geduldigen Ertragung der Leiden und Widerwärtigkeiten, die uns treffen. Die beiden heiligen Märtyrer aber, deren Fest wir heute feiern, zeigen es uns durch ihr erhabenes Beispiel, wie wir alle Leiden und Widerwärtigkeiten dieses Lebens mit christlicher Geduld und Standhaftigkeit ertragen können und sollen. Abdon und Sennen waren Perser, vornehm von Geburt, reich an Mitteln, aber noch größer an Tugend; denn sie waren wahrhafte Am Feierabende des ZI. Juli. 493 kÄMM L »,*' 7 Christen. Sie kamen bei Anlaß eines Perserkueges als Gefangene nach Nom, und bekannten während der Christenverfolgung des Dezins unerschrocken den Glauben. Mancherlei Qual und Marter wurde gegen sie angewandt, aber vergeblich; die Gnade des Himmels erglänzte nur desto herrlicher an ihnen. Sie litten endlich den Tod im Amphitheater. Die Christen zu Nom behandelten sie als ihre Brüder in Christo, weil sie die gleiche Hoffnung des ewigen Lebens mit ihnen theilten, und begruben ihre Leichname neben dem Hanse des Unterdiakons Quirinus. (Sieh das obige Bild!) Zur Zeit Constantins wurden die Ueberreste dieser Heiligen anfgefunden und auf dem Gottesacker, Pontion genannt, unfern der Tiber auf dem Wege nach Porto beigesetzt. Gebet. Wir bitten dich, o Herr! um Kraft und Stärke, damit wir alle Leiden und Widerwärtigkeiten, die du uns schickest, als Buße für unsere Sünden ebenso mit christlicher Standhaftigkeit ertragen mögen, wie die heiligen Märtyrer Abdon und Sennen, und auf die Fürbitte dieser Heiligen Gnade und Verzeihung erlangen — durch Christus, unfern Herrn. Amen. Zweihundertundzwölstes Lesestück. Am Feierabende des 31. Juli. Vom Rückfall in die Sünde. Fr. Was ist bei der Buße die Hauptsache? Aniw. Daß wir unser Leben wahrhaft bessern und nicht mehr in die vorigen schweren Sünden zurückfallen; denn wer immer in die vorigen schweren Sünden znrückfällt, bei Dem ist anzunehmen, daß seine Beichten sehr verdächtig, und sein Zustand sehr- gefährlich sei. Belehrung. Nichts vereitelt die herrlichen Früchte der Buße mehr, als der Nückfall in die vorigen schweren Sünden; dadurch wird der Zustand des Sünders immer gefährlicher. Der göttliche Heiland selbst schildert dieß mit den Worten: „Wenn der unreine Geist vom Menschen ausgefahren ist, .. . so geht er hin und nimmt noch sieben andere Geister mit sich, die ärger sind, als er, und sie ziehen ein und wohnen daselbst; und die letzten Dinge dieses Menschen werden ärger als die ersten." (Luk. 11, 26.) Der Rückfall in die Sünde gleicht dem Rückfall in eine Krankheit; je öfter sich ein solcher Rückfall wiederholt, desto gefährlicher wird der Zustand des Kranken. Daher sagt in dieser Beziehung ganz treffend der heilige Eligius: „Schon das erste Mal wird der Beinbruch nur mit vieler Mühe geheilt. Ereignet er sich aber neuerdings, so verursacht er ungleich heftigere Schmerzen, und selbst der geschickteste Arzt ist lange ungewiß, ob er das wiederholt beschädigte Glied noch einmal zum Gebrauche werde Herstellen können, da der Schaden stets um so größer ausfällt, je öfter er erneuert wird. Und so verhält es sich auch mit dem Rückfall in die Sünde, diesem wiederholten Beinbruch der Seele." Beispiel und Anwendung. Alle Diejenigen, welche immer wieder auf's Neue in ihre frühen: Sünden zurückfallen, gehen unfehlbar ihrem Verderben entgegen. Wir sehen dieß aus folgendem Beispiel. Heinrich II., König von Frankreich, fand eine besondere Lust an ritterlichen Spielen, zumal an dem Turniere, und er selbst war in demselben auch wohl geübt. Seine Gemahlin bat ihn dringend, in solchen gefährlichen Kampf sich nicht mehr einzulassen, und er versprach es ihr auch; wohnte aber dessenungeachtet dem nächsten Spiele bei, ließ von der Lust sich Hinreißen, tur- nirte und errang sogar den Preis. Als nun die Königin abermals in ihn drang und ihn beschwor, sein Leben so großer Gefahr nicht wieder unnützer Weise auszusetzen, wiederholte er ihr ernstlich sein Versprechen, doch unter der Be- dingniß, ihn nur noch ein einziges Mal in diesem ritterlichen 494 Drittes Hanptstück. Vom Rückfall in die Sünde. Kampfe fechten zu lasten, da ihn ja noch niemals Etwas passirt, sondern er vielmehr als Sieger aus dem Kampfe hervorgcgangcn sei. Da nun die Königin ihn nicht aufhalten konnte, tritt er in die Schranken, kämpft, wird tödtlich verwundet und stirbt nach kurzer Zeit an seinen Wunden. — Möchte dieß doch allen jenen Sündern zum abschreckenden Beispiele dienen, die immer in die alten Sünden zurückfallen, die immer fortsündigcn, weil ihnen noch Nichts passirt ist, d. h. weil sie wegen ihrer Sünden noch nicht gestraft worden sind. O die Strafe bleibt nicht auS; wie Heinrich II. gehen sie ihrem Verderben entgegen. Fr. Warum ist der Rückfall in die Sünde gar so gefährlich? Antw. Weil wir dadurch Gottes Liebe und Gnade immer mehr verlieren, und Gottes Mißfallen uns zuziehen. Belehrung und Beispiel. Es ist wohl natürlich, daß Gott endlich die Geduld verlieren und den Sünder seinem elenden Zustande überlassen muß, wenn dieser immer wieder in seine frühem Sünden zurückfällt und die Gnaden Gottes gleichsam mit Füßen tritt. Wir wollen einmal den Fall setzen, ein Vater habe seinem Sohne ein neues Kleid gegeben. Der Sohn beschmutzt und zerreißt das Kleid in den ersten Tagen. Der Vater gibt ihm auf seine Bitten und auf sein Versprechen, er wolle sich in Zukunft in Acht nehmen, abermals ein neues Kleid. Wenige Tage nachher hat der ungerathene Sohn das Kleid wieder zerrissen und erscheint vor dem Vater wieder mit der Bitte um ein neues. Saget an, wird der Vater nicht endlich die Geduld verlieren, und seinem Sohne, der sich nicht bessern will, noch ein neues Kleid geben? Nun gerade so verhalten sich die Sünder gegen ihren himmlischen Vater. Er gibt ihnen das Kleid der Unschuld in der Taufe, sie beschmutzen und verlieren es durch die Sünde und erscheinen dann mit der Bitte um Vergebung. Der himmlische Vater gibt ihnen das Kleid der Unschuld und Gerechtigkeit wieder im Sakramente der Buße. Wenn sie nun abermals dies Kleid verlieren und wieder in die Sünde zurückfallen: saget an, wird dann Gott nicht endlich die Geduld verlieren und die Sünder ihrem elenden Zustande überlassen? Darum trifft sie mit Recht das Wort: „Weh euch, abtrünnige Kinder! spricht der Herr, die ihr Sünde auf Sünde häufet!" — Nichts ist sonach verderblicher als der Rückfall in die Sünde. Mit Recht sprach daher der göttliche Heiland (sieh das nebenstehende Bild!) zu dem acht- uuddreißigjährigcn Kranken, den er geheilt hatte: „Siehe, du bist gesund geworden; sündige nun nicht mehr, damit dir nicht etwas Schlimmeres begegne!" (Ioh. 5, 14.) Eben diese Worte gelten auch allen Jenen, die durch das heilige Sakrament der Buße die Gesundheit ihrer Seele wieder erlangt haben. Fr. Welche Mittel sollen wir daher gegen den Rückfall anwenden? Antw. Jnsbesonders folgende: 1) sollen wir die Lehren und Vorschriften des Beichtvaters genau befolgen. Wie der Kranke die Vorschriften des Arztes genau beobachten muß, wenn er gesund werden und nicht mehr in seine Krankheit zurückfallen will, so muß auch der Büßer den Lehren und Vorschriften seines Beichtvaters strenge Folge leisten. 2) Sollen wir täglich unser Gewissen erforschen; denn „die tägliche Gewisscnserforschung," sagt Ludwig von Granada, „gewährt große Hilfe, nicht nur seine bösen Neigungen zu überwinden, sondern auch Tugenden zu erlangen." 3) Sollen wir fleißig beten, das Wort Gottes anhören und die heiligen Sakramente der Buße und des Altars empfangen; 4) öfters die letzten Dinge des Menschen betrachten; endlich 5) ganz besonders die bösen Ge- > 4S5 Am Feierabende des 31. Juli. legenheiten auf's Sorgfältigste meiden, und Alles entfernen, was uns schon oft Anlaß zur Sünde geworden ist oder gar leicht werden könnte. Beispiel und Anwendung. Die heilige Landgräfiu Elisabeth theilte einmal Almosen unter die armen Leute aus. Dem Hungrigen gab sie Speise, und dem Nackten gab sie ein Kleid, und den Durstigen tränkte sie, und die fremden Pilger pflegte sie, und es war kein Armer, dem S t. Elisabeth nicht gab. Da sah sie auch eine Jungfrau stehen. Die hatte ein schönes, langes, goldgelbes Lockenhaar. Und sie winkte die Jungfrau zu sich, und sprach zu ihr: „Allen Armen und Pilgern, die kamen, habe ich Almosen gegeben, auch du sollst nicht ohne Gabe von hinnen gehen." Und darauf wendet sich die Laudgräfin zu den Frauen, die bei ihr waren, und sagte: „Geht in das Kloster und holt eine Scheere!" Die gingen hin, die Scheere zu holen, und brachten sie, und gaben sie der Gräfin. Und St. Elisabeth nahm mit der einen Hand die Scheere, und mit der andern Hand ergriff sie das schöne, goldene Lockenhaar der Jungfrau und schnitt es ab mit raschem Schnitte. Da schrie die Jungfrau laut auf, und weinte und sprach: „Weh mir! Ihr habt mir geraubt die Zierde meines Hauptes, mein Haar lang und schön und golven." Und Alle, die umherstanden, beklagten die Jungfrau. Die heilige Elisabeth aber lächelte gütlich und wischte ab mit ihrer Hand die Thränen von den Wangen der Jungfrau sanft und mild, und sagte: „Mein Kind, weine nicht! Wisse, ich habe dir Gutes gethan, dieweil ich abschnitt dein Haar. Hätte ich nicht abgcschnitten dein Lockenhaar, so wärest du stolz geworden darauf, und Hochmuth hätte dein Herz erfüllt. Suche nicht die äußere Schönheit, suche die innere Schönheit, die immer bleibt." Und St. Elisabeth nahm die Jungfrau zu sich, und sie ward frömmer von Tag zu Tag, und pflegte die Armen, und starb zuletzt eines sanften und seligen Todes. — So müssen auch wir Alles entfernen, was uns Anlaß zur Sünde werden könnte, und müssen besonders alle Gelegenheiten zur Sünde meiden; wenn wir dieß nicht thun, so werden wir sicherlich in die alten Sünden wieder znrück- sallen. — Und nun haben wir die wichtige Lehre vom heiligen Bußsakramente vollendet, und ich kann nicht umhin, dir, mein christlicher Leser! noch einige ernste Worte an's Herz zu legen. Höre, was der heilige Anastasius dir zuruft! „Wer Gift gegessen hat, ist verloren, wenn er es nicht schnell durch ein Brechmittel von sich wirft. Darum besinne dich nicht lange, wenn du etwa aus eigenem Versehen oder durch Bosheit Anderer Gift gegessen hast! Eile soviel du kannst, dich zu entladen, und deinen Todfeind, den du im Innern trägst, von dir zu schaffen. Die Sünde ist das ärgste Gift, entledige dich desselben durch die Beicht!" Folge dieser Ermahnung und säume nicht, zu beichten, wenn du gesündigt hast! Beichte gerne und oft, wenn du in der Vollkommenheit Fortschritte machen willst. „Gleichwie die seltener genommene Arznei," sagt Scaramelli, „nur eine Erleichterung verschafft, die öfter genommene aber die Gesundheit bewirkt: ebenso bringt die seltene Beicht wohl heilsame Früchte, die öftere aber die ganze Vollkommenheit." — Beichte aber auch jedesmal recht — unter fleißiger Erforschung des Gewissens, mit wahrer Reue, mit kräftigem Vorsatz und aufrichtigem Sündcnbckenntniß, auf daß die gnadenreiche Bnßaustalt für dich nicht eine Quelle des ewigen Verderbens werde; denn „viele Christen," sagt die Heilige Theresia, „kommen in die Hölle, weil sie nicht recht beichten." Legende: Der heilige Ignatius von Lojola, Stifter der Gesellschaft Jesu (ch 1556). Heute begegnet uns im Leben der Heiligen ein erhabenes Muster und Vorbild der Tugend, welches die so eben bezeichneten Mittel sorgfältig anwendete, um ja nicht mehr in das vorige sündhafte Leben zurückzufallen, sondern vielmehr in der christlichen Vollkommenheit immer vorwärts zu kommen. Es ist dieß der heilige Ignatius von Lojola. Er wurde im Jahre 1491 in der spanischen Provinz Biskaha geboren und ganz für die Welt erzogen, so daß schon frühzeitig in ihm das Streben nach Ruhm und Auszeichnung rege wurde. Sobald sein Aller es gestattete, trat er in das königliche Heer, bei dem er sich durch seine Tapferkeit besonders auszeichnete. Im Jahre 1521 traf ihn bei der Vertheidigung der Burg zu Pampelona gegen die Franzosen eine Kanonenkugel, die ihm das rechte Schenkelbein zerschmetterte. Auf dem Schloße Lojola, wohin man ihn führte, befiel ihn ein Fieber, das ihn dem Rande des Grabes nahe brachte. Während seines Krankenlagers las er das Leben Jesu und der Heiligen, und konnte nicht müde werden, au denselben die Liebe zur Einsamkeit und zum Kreuze zu bewundern. Als er den Entschluß gefaßt hatte» ihrem 496 Drittes Hauptstiick. Bedeutung und Alter des Ablasses. Beispiele zu folgen, tödtete er seine Sinne ab, und stand oft in der Nacht auf, seine Sünden zu beweinen. Durch Gebet und Abtödtung ward sein Herz den Einflüssen der Gnade immer mehr geöffnet und endlich ganz von aller sinnlichen Lust geläutert. Im Kloster Montferrat hing er seinen Degen an einen Pfeiler neben dem Altäre auf, dadurch anzuzeigen, daß er dem weltlichen Kriegsdienste entsagt habe. Zu Manresa verfaßte er das herrliche Büchlein, welches jetzt noch unter dem Titel: „Geistliche Uebungen des heiligen Ignatius" bekannt ist, zur Erbauung und Förderung des innern Lebens der Gläubigen. Der Besuch der heiligen Orte im Jahre 1523 erfüllte sein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen der Andacht und der Zerknirschung. Zu Barzelona, Salamanca und Paris vollendete er seine Studien. Franz Lader, Nikolaus Alphonso und viele Andere überließen sich der geistlichen Führung des heiligen Ignatius. Der neue Orden, den er stiftete, wurde im Jahre 1540 vom Papst Paul III. bestätiget. Er entschlief freudig im Herrn im Jahre 1556 am 31. Juli. Sein Wahlspruch war: „Alles zur größeren Ehre Gottes!" Gebet. O Gott, der du deiner streitenden Kirche den heiligen Ignatius gegeben hast zur Verbreitung deines heiligen Namens, laß uns auf seine Fürbitte und nach seinem Beispiele so gegen die Sünde und gegen alle Feinde unsers Heiles streiten, daß wir mit ihm im Himmel gekrönet zu werden verdienen — durch Jesum Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihundertunddreizehntes Lesestück. Am Feierabende des 1. August. Vom Ablasse. Bedeutung und Alter de« Ablasses. Fr. Wodurch kommt uns die Kirche bei Abbüßung der zeitlichen Sündenstrafen zu Hilfe? Antw. Durch Ertheilung der Ablässe. Fr. Was ist ein Ablaß? Antw. Der Ablaß ist eine außerhalb des Bußsakramentes ertheilte Nachlassung der zeitlichen Strafen, welche wir, nach bereits vergebener Sünde, entweder hier oder im Fegfeuer noch abbüßen sollten. Belehrung und Beispiele. Mit der Bußanstalt steht der Ablaß in enger Verbindung und zeigt uns das Bußwesen von seiner milden Seite; denn die Kirche kommt uns durch Ertheilung der Ablässe bei Abbüßung der zeitlichen Sündenstrafen zu Hilfe; ich sage „der zeitlichen Sünden strafen;" denn durch den Ablaß, den die Kirche cr- theilt, läßt sie keine Sünden, nicht die Schuld, nicht die ewigen Strafen nach; dieß Alles wird nur im Bußsakramente durch die Absolution des Priesters nachgelassen; der Ablaß bezieht sich nur auf die zeitlichen Strafen, die dem Sünder auch nach der Nachlassung der Sünden zu tilgen übrig bleiben; daher ist auch nach unsrer obigen Erklärung der Ablaß nichts Anderes als „eine außerhalb des Bußsakramentes ertheilte Nachlassung der zeitlichen Strafen, welche wir nach bereits vergebener Sünde entweder hier oder im Fegfeuer noch abbüßcn sollten;" und zwar läßt uns die Kirche die schuldigen Sündenstrafen nach, indem sie der göttlichen Gerechtigkeit für uns Ersatz leistet aus dem unerschöpflichen Schatze der Genug- thuungen Christi und seiner Heiligen, der daher auch der geistige Kirchenschatz genannt wird. (Sieh das nebenstehende Bild!) Diese Lehre vom Ablaß ist unstreitig eines der schönsten Dogmen des Christenthums und trotz aller Lästerung und Mißdeutung sowohl der Vernunft, als auch dem Herzen des Menschen gleich wohlthuend. Ich will dir dieß, mein christlicher Leser! durch einige Gleichnisse oder Beispiele Nachweisen. — In einer Familie ist ein Kind ungehorsam: der Vater legt ihm eine Buße auf. Der Schuldige muß sie ertragen, da kommt seine Mutter oder sein Bruder oder seine Schwester und bittet für ihn um Gnade. Der Vater läßt sich erweichen und verzeiht in Anbetracht der Bitten und der Vermittlung seiner Gattin oder seiner Kinder. Dieser Familienvater ertheilt einen Ablaß. — In einem Königreiche macht sich ein Mensch eines Verbrechens schuldig. Die Gesetze verurtheilen ihn zum Tode. Schon soll er sterben; da wirft sich eine bedeutende Person dem Monarchen zu Füßen und bittet um Gnade für den Verbrecher. Der König läßt sich erbitten; der Schuldige wird begnadigt; dieser König ertheilt einen Ablaß. — Das gesammte Menschengeschlecht empört sich m Am Feierabende der Person des Adam gegen Gott. Es wird zum ewigen Tode verdammt. Alsdann stellt sich der Sohn Gottes dar und bittet um Gnade, indem er sich zum Tode dafür anbietet. Der ewige Vater läßt sich erflehen, und der Mensch wird begnadigt: Gott ertheilt einen Ablaß, und das ganze Christenthum ist gleichsam nur ein großer Ablaß, der in Anbetracht der ganz vorzüglichen Unschuld, welche sich freiwillig für die schuldige Welt hinopferte, dem Menschengeschlechte ertheilt wurde. Fr. Wer kann Ablässe ertheilen? Antiv- Die heilige katholische Kirche, d. h. der Papst und mit seiner Vollmacht auch die Bischöfe; denn Christus hat zum heiligen Petrus gesagt: „Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben; was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöset sein" rc. (Matth. 16, 19.) Belehrung. Der Vater in seiner Familie, der König in seinem Reiche genießen das herrliche Vorrecht, Gnade zu gewähren. Warum sollte die Kirche, unsere Mutter und unsere Königin, nicht dasselbe Recht in Bezug auf ihre Kinder haben? Der Erlöser beehrte sie damit, als er zum heiligen Petrus sagte: „Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben; Alles, was du auf Erden lösen wirst, wird auch im Himmel gelöset sein" rc. (Matth. 16, 19.) Diese Verheißung ist allgemein und läßt keine Ausnahme zu. Wir schließen demnach also: die Kirche hat von Jesus Christus in der Person des heiligen Petrus, der ihr Haupt ist, die Macht bekommen, den reuigen Sündern den Himmel zu öffnen, indem er ihr die Schlüssel des Himmelreiches gab; mit andern Worten: Christus hat seiner Kirche die Gewalt gegeben, Alles zu beseitigen, was uns den Himmel verschließt, also auch die zeitlichen Sündenstrafen, weil uns dieselben den Himmel verschließen; sonach hat die Kirche das Recht und die Gewalt, die zeitlichen Sündenstrafen aufzuheben, oder was dasselbe ist, einen Ablaß zu ertheilen. Beispiel und Anwendung. Daß die Kirche das Recht, Ablässe zu ertheilen, von Gott selbst, von Christus erhalten habe, magst du, mein christlicher Leser! aus folgendem Beispiel oder Gleichniß noch dentlicher ersehen. — Wenn ein Steuereinnehmer oder ein königlicher Nentbeamter ein allerhöchstes Rescript erhalten hat und laut desselben den Unterthanen anzeigt, daß ihnen wegen Mißwachs oder sonst erlittenen Feldschadens an den jährlichen Steuern und Gülten vom gnädigsten Landesherrn Alles oder ein Theil nachgelassen sei; so verdankt man diese Gnade Seiner Majestät dem Könige selbst. Eben so können Papst und Bischöfe, Mchler, Hausbuch. des 1. August. 497 so zu sagen, vom Himmel aus ein göttliches Schreiben aufweisen, nach welchem sie befugt sind, den Büßern ihre Bußen und zeitlichen Strafen entweder ganz oder zum Theil nachzulassen, weil im Evangelium selbst, in diesem göttlichen Buche, geschrieben steht: „Alles, was ihr auf Erden löset oder nachlasset, soll auch im Himmel gelöset und nachgelassen sein." So ist also ursprünglich jeder Ablaß im gewissen Sin ne soviel als einGeschenk vom Himmel, eine Wohlthat Gottes, die Er uns durch den Papst oder die Bischöfe spenden läßt. Fr. Hat es in der Kirche von jeher Ablässe gegeben ? Antw. Ja; schon zu den Zeiten der Apostel hat es Ablässe gegeben und so durch alle Jahrhunderte der Kirche. Belehrung und Beispiele. Von jeher hat die Kirche Ablässe ertheilt. Nur die Form der Ablässe hat sich geändert, das Wesen ist immer geblieben, wie es die Kirche von den Aposteln ererbte. — Man kann vier Perioden annehmen, in welchen sich die Form der Ablässe geändert hat. Die erste ganz einfache Form ist in dem apostolischen Zeitalter, wo der Blutschänder zu Corinth als das einzige Beispiel dieser Periode angeführt werden kann. Der Apostel erließ ihm einen Theil der Bußstrafe in der Person Christi auf das Bitten der Gemeinde, und nahm ihn wieder in die Kirchengemeinschaft auf. (2. Cor. 2, 10.) — Die zweite Periode fällt in die Zeiten der Verfolgungen, wo die Bischöfe den Gefallenen auf Begehren der Märtyrer einen Theil der noch schuldigen Strafen nachließcn. Die heiligen Märtyrer baten nämlich für die Gefallenen, und wandten ihnen ihre Verdienste zu, wodurch die Strafe derselben gemildert wurde. — Die dritte Periode kann man mit dem Ende des neunten Jahrhunderts anfangen, wo ein großer Theil der Vußstrafen durch Wallfahrten, Almosen, Geißelungen, Kreuzzüge rc. gelöst wurde. — Unsere jetzige Form, die die vierte und letzte Periode ist, kam im 11. Jahrhunderte auf, und ist von da an immer dieselbe geblieben. Legende: Petri Kettenfeier. Das Fest, welches heute die Kirche feiert, sinnbildet gewissermassen die Wirklingen des Ablasses. Der große Apostelfürst P etrns wurde nämlich von Herodes Agrippa, den Inden zu gefallen, in's Gefängniß geworfen. Allein der schuldlose Apostel überließ fick) ganz der göttlichen Vorsehung, und die Gläubigen beteten ohne Unterlaß für ihn. Und siehe da, ein Engel Gottes kam, zerbrach die Ketten und setzte den bewachten Petrus in Freiheit. (Sieh das nachfolgende Bild!) — Etwas Aehnliches nun 4 glaubt, es reiche zur Gewinnung eines Ablasses schon hin, nur etliche Vater unser und Ave Maria zu beten, die Kirchen zu besuchen und dann wieder in der alten Weise fortzuleben. O nein; dazu wird weit mehr gefordert; es wird gefordert 1) wahre Buße; wer keinen reuigen Sinn und kein bußfertiges Herz besitzt, der glaube ja nicht, daß er den Ablaß gewinne. Daher muß man vor jedem Ablässe durch die heilige Beicht sein Gewissen reinigen; denn so lange die Sünde noch im Herzen und die dafür verdiente ewige Strafe durch das Blut des Lammes nicht getilgt ist, kann vom Erlaß der zeitlichen Strafe, von einem Ablasse gar keine Rede sein. Oder wäre es nicht sinnlos, wenn der weltliche Richter einem znm Tode vcrurtheilten Verbrecher einige Jahre Kerkerstrafe Nachsehen wollte? Was hilft ihm solche Nachsicht, wenn das Todcsurtheil nicht zurückgenommen ist? In derselben Weise hilft auch dem Sünder der Ablaß Nichts, wenn die Sündenschuld und die ewige Strafe durch das heilige Sakrament der Buße nicht verziehen ist. Also muß man vor Allem beichten. 2) Dann muß man die heilige Communion empfangen, und 3) gewisse Gebete verrichten, bestimmte Kirchen besuchen, fa- 499 sten und Almosen geben u. s. w. Wer diese Bedingungen nicht erfüllt, gewinnt keinen Ablaß. Arme, die arbeiten könnten, aber lieber müssiz sein wollen (steh das nebenstehende Bild!), haben keinen Anspruch aufwohlthätige Spenden aus unserm Vermögen und unfern Schätzen: Christen, die nicht Ernst an- wendcn und an ihrem Seelenheile nicht arbeiten wollen, können keinen Anspruch machen auf die wohlthä- tigen Spenden aus den reichen Schätzen der Kirche Gottes. ^ Beispiel und Anwcn- dtMg. Gar schön erklärt dieß Cardinal Cajetan durch folgendes Gleichniß oder Beispiel. „Stellet euch vor," sagt er, „es habe ein reicher und frommer Bürger einen sehr reichen und öffentlichen Fond angelegt, von welchem alle Schulden der Armen bezahlt werden sollen. Wenn nun unter diesen Armen einige wären, welche, wenn auch nicht ganz, doch zum Theil, ihre Schuld selbst bezahlen könnten, und dieß Geld ersparen wollten, um damit üppiger leben zu können, würdet ihr diese nicht für boshaft, ungerecht und einer solchen Wohlthat unwürdig, ja sogar einer Strafe würdig halten, da sie ausdrücklich gegen den Willen des Spenders handelten, der den Fond nur für Jene niederlegte, welche unfähig sind, zu zahlen? Das Nämliche ist bei den nachlässigen und boshaften Büßern der Fall, welche durch Almosen, Fasten, Nachtwachen, Züchtigungen und andere Abtödtungen ihre geistigen Schulden wenigstens zum Theil abtragen könnten, sich aber unter dem Vorwände des Ablasses aller Bußwerke entheben, um ihrem Leibe schmeicheln, sich der Vergnügungen freuen zu können, und welche sagen: „Warum soll ich gegen meinen Leib so grausam sein? Habe ich nothwendig, Buße zu thun, wenn ich einen vollkommenen Ablaß gewinne? Wenn ich eine Kirche besuche, einige Vater unser und Ave Maria bete, wird mir ja alle Schuld und Strafe erlaßen!" — Dünkt es euch, daß diese wahrhaft die Gnade des Ablasses verdienen, daß sie Ursache haben, sich die Verdienste des Leidens Jesu Christi und seiner Heiligen anzueignen? Wahrlich nicht!" Hingegen dürfen wahre und auf- 63 * 500 Drittes Hauptstück. Eintheilmig der Ablässe. richtige Büßer mit aller Zuversicht hoffen, daß ihnen Früchte und Segnungen der Ablässe zu Theil werden. Legende: Der heilige Pap st und Marthi Stephanus, ('s 257.) Mit Recht trat daher der heilige Papst Stephanus, dessen Fest auf den heutigen Tag fällt, den unmenschlichen Grundsätzen des Bischofs Marcian entgegen, welcher mehreren Büßern selbst in der Stunde des Todes die Wiederaufnahme in die Kirchengemeinschaft verweigerte. — Der heilige Stephan war von Geburt ein Römer. Nachdem er die heiligen, Weihen empfangen hatte, wurde er Archidiakon der Kirche von Rom und stand diesem Amte unter den heiligen Päpsten Cornelius und Lucius vor. Als Letzterer zum Martertode geführt wurde, empfahl er ihn nachdrücklichst seiner Geistlichkeit und begehrte ihn zu seinem Nachfolger. Diesem Wunsche des heiligen Oberhirten gemäß wurde er den 13. Mai 253 zum Papste gewählt und saß vier Jahre zwei Monate und einundzwanzig Tage auf dem Stuhle des hei- die ligen Petrus. Nachdem er mit Muth und Liebe die Kirche Gottes regirt und ihre Lehre mit aller Weisheit, wie schon oben gesagt, gegen die Irrlehre Marcians b ^ und Anderer vertheidigt hatte, erhielt er in der Verfolgung des Kaisers Valerian die Marterkrone im Jahre 257. Gebet. Laß uns, o Gott! auf die Fürbitte des heiligen Papstes und Märtyrers Stephanus, der die reuigen Büßer mit solcher Liebe wieder in die Kirchengemeinschaft aufnahm, die Gnade zu Theil werden, daß wir durch wahre und aufrichtige Buße die Segnungen der Ablässe erfahren und dadurch schon hienieden in deine göttliche Huld und Gnade, jenseits aber in deine himmlische Glorie und Herrlichkeit ausgenommen werden mögen — durch Christum, unfern Herrn. Amen. ZMHmidertmidsmiszehlltes Lesestück. Am Feierabende des 3. August. Eintheilung der Ablässe. Fr. Wie vielfach ist der Ablaß? Antw. Zweifach: vollkommen und unvollkommen. Belehrung und Beispiel. Der Ablaß ist vollkommen, wenn alle zeitlichen Strafen nachgelassen wer- / den; unvollkommen, wenn nur ein Theil derselben nachgelassen wird. So gibt es unvollkommene Ablässe von 46 Tagen, von 7 Jahren u. s. w., d. h. cs werden uns da so viele zeitliche Strafen nachgelassen, als man abtragen würde, wenn man 40 Tage oder 7 Jahre lang nach den alten Kirchensatznngen Buße wirkte. — Dieser Unterschied zwischen vollkommenen und unvollkommenen Ablaß begegnet uns schon in den alten Vorschriften der Bußdisciplin. Nach derselben konnten die vorgeschriebenen Bußstrafen entweder gelindert und die Bußzeit abgekürzt, oder es konnte die ganze Bußstrafe nachgelassen werden; die Genugthuung wurde nämlich nicht nach der Länge der Zeit, sondern nach dem hohen Grade der Zerknirschung berechnet, und die Kirche bedingte daher als nothwcndiges Erforderniß zu einem gänzlichen Nachlasse den höchsten Grad der Reue oder die äußerste Noth. — Nur ein paar Beispiele hiezu! Fabiola, eine römische Matrone, erschien unerwartet in der Charwoche in der Reihe 501 Am Feierabende des 3. August. der Büßer zu Rom. Die Aufnahme wurde ihr nicht verweigert, sondern der hohe Grad ihrer Reue erzeugte einen völligen und schleunigen Nachlaß. „Welche Sünden," sagt Hieronymus, „sollen dieseThräuen nicht abwaschen; welche veralteten Mackeln soll dieß Wehklagen nicht auStil- gen?" — So erzählt auch Eusebius, daß Papst Ze- pherin den reuigen Bischof Natalis gleich in die Gemeinschaft der Kirche wieder ausgenommen und ihm sonach einen vollkommenen Ablaß verliehen habe. Fr. Was ist ein Jubiläums-Ablaß? AntW. Ein vollkommener Ablaß, den der heilige Vater alle 25 Jahre oder bei wichtigen Veranlassungen ertheilt, mit besondern Privilegien oder Freiheiten für Beichtväter und Beichtkinder auszeichnet und für die ganze Christenheit aus schreibt. Belehrung. Da der Jubiläums-Ablaß durch solche Vorzüge ausgezeichnet ist, so ist er eine besondere Zeit der Gnade und des Jubels für alle Sünder; daher auch die Benennung: „JubiläumS-Ablaß." Schon bei den Js« raeliten gab es ein sogenanntes Jubeljahr, d. h. ein Jahr der Freude und des Nachlasses. Im 3. Buch Mosis 25. Kap. liest man hierüber Folgendes. Gott sprach zu Moses: „Und du sollst sieben Jahreswochcn zählen, d. i. siebenmal sieben, zusammen neunundvierzig Jahre, und sollst mit der Posaune blasen im siebenten Monat, am zehnten Tage des Monats zur Zeit der Versöhnung. . . Und du sollst das fünfzigste Jahr heiligen, und es Erlaßjahr nennen allen Bewohnern deines Landes; denn eS ist das Jubeljahr. Da soll Jeder wieder zu seinem Eigcnchume kommen, und Jeder zu seinem vorigen Geschlechte zurückkehren; denn es ist das Jubeljahr, das fünfzigste Jahr." — Was den Juden das fünfzigste Jahr in zeitlichen Dingen war, daS soll uns Christen das Jubiläum in Sachen des Geistes sein. Im Jubeljahre wurden bei den Israeliten die Gefangenen entlassen und die Sklaven in Freiheit gesetzt: eben so wird uns zur Zeit eines Jubiläums Gelegenheit verschafft, durch wahre Buße uns aus der Knechtschaft des bösen Feindes zu befreien und die Fesseln der Sünde abzuwerfeu. Die Juden traten zur Zeit deS Jubeljahres wieder in ihre väterlichen Güter und in den Schooß ihrer Familien zurück: ebenso finden auch wir beim JubiläumS- Ablaß Gelegenheit, wieder in die Kindschaft Gottes und in das verlorne Erbe des Himmelreiches einzutreten. Geschichte deS Jubiläuinsablaffes. — Das erste Jubelfest ließ Papst Bonifacius VIII. im Jahre 1300 feierlich ausschreiben mit der Verordnung, daß so ein Jubiläum allezeit nach hundert Jahren wieder für Diejenigen soll verliehen werden, welche zu Rom die Kirchen der heiligen Apostel Petrus und Paulus andächtig besuchen würden. Daher bedeutete das Jubiläum im Anfänge auch so viel, als einen hundertjährigen Ablaß, oder ein neues Jahrhundert nach der gnadenreichen Geburt unsers Herrn Jesu Christi. Papst Bonifacius VIII. ward zur Einführung des Jubiläums durch besondere Umstände veranlaßt. Gegen das Ende des Jahres 1299 kamen von allen Enden und Orten der Christenwelt Wallfahrer ohne Zahl nach Rom. Auf Befragen, warum sie diese Pilgerfahrt so weit her anstellten, war ihre allgemeine Aussage: Sie hätten von ihren Eltern und Voreltern für gewiß gehört, daß man zu Rom am Ende eines jeden Jahrhunderts besondere Gnaden-Ablässe gewinnen könne, wenn man daselbst die Kirchen der heiligen Apostel Petri und Pauli besuchen und dabei nach Vorschrift der 'Kirche seine Andacht verrichten würde. Unter der Menge von Leuten jedes Standes und Alters, die im Jahre 1300 aus allen Gegenden zur Hauptstadt eilten, um den großen Ablaß zu gewinnen, machte ein besonderes Aufsehen ein gewisser Herr von hohem Adel aus Savoyen. Wohl etwas über hundert Jahre alt ließ er sich von seinen Söhnen nach Rom tragen, und erzählte wohl bedächtlich, er wäre vor hundert Jahre eben so wohl schon da gewesen und habe, wie jetzt, mit Andern das heilige Jahr in Nom gefeiert. Hundert Jahre werden aber selten, noch weniger, wie von jenem 302 Drittes Hanptstück. Einteilung der Ablässe. Herrn aus Savoyen, zweimal erlebt; deßhalb hielt Papst Clemens VI. für gut, die Zeit für ein Jubiläum abzukürzen und von hundert auf fünfzig Jahre herabzusctzen. — Schon auf das Jahr 1350 hat dieser Oberhirt der katholischen oder allgemeinen Kirche denselben Ablaß, welchen sein Vorfahrer Bonifacins Vlll. im Jahre 1300 ausgeschrieben hatte, für alle Die verkünden lassen, die nach fünfzig Jahren die vier Hanptkirchcn zu Rom in vorgeschriebener Andacht besuchen würden. Papst Clemens mochte sich wohl erinnert haben an das alte Testament, nach welchem cs auch schon für die Juden ein Jubeljahr gab, ein Jahr der Freude und des Nachlasses, welches je nach fünfzig Jahren mußte begangen werden. — Doch die Zeit von fünfzig Jahren ist noch immer eine lange Zeit für die sterbliche Menschheit. Wie viele Leute, die gern ein Jubiläum erleben möchten, sterben noch vorher, ehe ein fünfzigstes Jahr, ein Jubiläumsjahr wiederkehret? Dank verdient daher Paul II., der um das Jahr 1470 die Kirche regirte und als Statthalter Christi in diesem Jahre die Verordnung ergehen ließ, daß jedes fünfundzwanzigste Jahr ein heiliges Jahr sein solle, wo ein allgemeines Jubiläum sollte gehalten werden. Fr. Gibt es nicht auch Ablässe für die Verstorbenen ? Antw. Ja. Alle jene Ablässe, von denen der Papst eigens erklärt hat, daß sie den Seelen im Fegfener zu- gewendei werden können, können denselben auch zu Gut kommen, nämlich fürbittweise. Belehrung. Die Gerichtsbarkeit der Kirche oder ihre Schlüsselgewalt erstreckt sich allerdings nur auf die Glieder der Kirche auf Erden; denn der Heiland sagt: „Was ihr auf Erden binden werdet rc." (Matth. 18, 18.); sobald also Einer gestorben ist, so ist er dem kirchlichen Gerichte auf Erden entzogen und dem ewigen Gerichte Gottes übergeben. Allein wenn auch die Kirche das Richteramt hier nicderlegen muß, weil der oberste Richter eS selbst ansübt, so kann sie doch das Amt eines Fürsprechers und Anwaltes übernehmen, und weil die streitende Kirche mit der leidenden noch eine Gemeinschaft unterhält, so kann sie auch den Vermittler abgeben und einen Theil des noch abzutragenden Lösegeldes auf sich nehmen, den sie durch die noch lebenden Glieder abtragen lassen kann. Sie richtet hier nicht, spricht nicht loS, sondern sie bittet, bringt Opfer als Ersatz dar, und handelt für Andere. Daß sie dieß kann, daran dürfen wir nicht zweifeln; und daß diese Fürbitte ihre Wirkung nicht verfehlen, das Anerbieten nicht verworfen werde, dafür bürgt uns die Liebe, die Jesus gegen seine Braut, die Kirche, hat, deren Fürbitten er mit Wohlgefallen aufnimmt. (Sieh das vorhergehende Bild!) — Diese Ablässe für die Verstorbenen waren von den ersten Zeiten an in der Kirche üblich. „Sie sind die Mittel des Lebens nach dem Tode, die Genugthuung durch Darbringung des Opfers," wie die Liturgie des heiligen Leo I. sich ausdrückt, oder „der Nachlaß der Schulden auf das Gebet der Kirche", wie das Sakramentarium Galli- canum sagt. Fr. Wozu soll uns die tröstliche Lehre vom Ablaß ermuntern? Antw. Zur fleißigen Benützung desselben. Belehrung. Der Ablaß ist wahrlich eine schöne HcilS- anstalt auf Erden, wo Gerechtigkeit mit Nachsicht und Milde sich paart. Mache daher fleißig Gebrauch, mein Christ! von diesem herrlichen Heilsmittel; achte und schätze die Ablässe hoch, suche recht viele und auf eine würdige Weise zu gewinnen —sowohl für dich als auch für die Verstorbenen; denn was du für die armen Seelen im Fegfeuer thust, wird für dich nicht ohne Segen bleiben. Hilfst du ihnen aus dem Fegfeuer heraus, so werden sie dir zum Himmel hinauf helfen. Daher schreibt schon der heilige Augustinus: „Ich bete für die Verstorbenen, damit, wenn sie einst im ewigen Himmelreiche sein werden, sie es nicht versäumen, auch für mich zu beten." Legende: Der heilige Bisch of Petrus (fl 1105.) Ueberhaupt sollen wir die Gnaden und Segnungen, welche uns Gott in seiner Kirche mit solcher Liebe und in solch reicher Fülle theils durch die heiligen Sakramente, theils durch Ablässe anbietet, mit einer ähnlichen Be- 303 Am Feierabende des 4. August. reitwilligkeit auuehmen, wie der heilige PetruS, Bischof von Auagui, dessen Name unter den Heiligen des heutigen Tages in der Legende mit obenan steht. Dieser Heilige wurde in Salerno geboren und im Benediktinerkloster dieser Stadt erzogen. An der Hand der Kirche und gestärkt durch ihre Heilsmittel kam Petrus auf dem Wege der Tugend und Weisheit alsbald so weit vorwärts, daß er zum Priester geweiht und seiner- hohen Kenntnisse wegen unter Papst Alexander II. den päpstlichen Kaplänen beigczählt und sogar zum Bischöfe von Anagni im Kirchenstaate ernannt wurde. Als Bischof arbeitete er nnermüdet für Gottes Ehre und der Kirche Heil und starb reich an Verdiensten im Jahre 1105. Gebet. Gib, o Gott! daß wir mit gleichem Eifer, wie der heilige Bischof Petrus, die Segnungen und Gnaden, die du uns in deiner heiligen Kirche so oft und so liebevoll besonders durch die Ablässe darbietest, annehmen und zum Heile unserer Seele gebrauchen mögen — durch Christum, unfern Herrn. Amen. ZweilMdertnndstthzehntes Lesestück. Am Feierabende des 4. August. Vom Sakramente der letzten Oelung. Bedeutung der letzten Oelung. Fr. Was ist die letzte Oelung? Antw. Die letzte Oelung ist ein Sakrament, worin dem Kranken durch die Salbung mit dem heiligen Oele und durch das Gebet des Priesters die Gnade Gottes zur Wohlfahrt der Seele und öfters auch des Leibes ertheilt wird. (Sieh das obige Bild!) Belehrung. Dieses heilige Sakrament führte in den ältesten Zeiten verschiedene Benennungen, alS: das heilige oder gesegnete Oel, die Salbung mit dem heiligen Oele, oder das Oel der Salbung, die Oelung oder Salbung der Kranken u. s. f. Die gewöhnlichste Bezeichnung ist aber geblieben „letzte Oelung." Das Wort „letzte" darf uns aber nicht irre machen und uns nicht auf den Gedanken bringen, als ob auf die letzte Oelung sogleich der Tod erfolge; o nein, nicht allzeit muß man nach Empfang der letzten Oelung sterben; gar Viele sind schon nach derselben wieder gesund geworden. Es heißt vielmehr dieses Sakrament „letzte Oelung" deßwegen, weil sie unter allen Salbungen mit Oel die letzte ist, die ein Christ bei Lebzeiten empfangen kann; denn ihr gehen die Salbungen in der Taufe, in der Firmung und in der Priesterweihe voraus. — Fr. Woher wissen wir, daß die letzte Oelung wirklich ein Sakrament sei? Antw. Wir wissen dieß 1) aus der heiligen Schrift und 2) aus der beständigen Lehre der Kirche. Belehrung. Die letzte Oelung ist ein Sakrament; dieß lehrt uns 1) die heilige Schrift; denn daselbst lesen wir (Mark. — 13.), daß die Apostel noch zu Lebzeiten Christi die Kranken mit Oel salbten und heilten. „Sie gingen hin," heißt es da, „und predigten, daß man Buße thun sollte; sie trieben auch viele Teufel aus, salbten viele Kranke mit Oel und heilten sie." Zwar war dieß noch kein Sakrament, aber soviel geht doch deutlich daraus hervor, daß Christus seinen Aposteln den Gebrauch des Oeles bei den Kranken gelehrt haben müsse, weil sie sich sonst dessen nicht bedient hätten. Daß Christus der Herr nachmals diese Salbung wirklich zu einem Sakramente erhoben habe, erhellt aus den Worten des heiligen Jakobus (5, 14.), der da schreibt: „Ist Jemand krank unter euch, so rufe er die Priester der Kirche zu sich; diese sollen über ihn beten, und ihn mit Oel salben im Namen des Herrn; und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken zum Heile sein, und der Herr wird ihn aufrichtcn, und wenn er Sünden auf sich hat, so werden sie ihm vergeben werden." — Hier spricht der Apostel deutlich aus, daß mit der Salbung mit Oel und mit dem Gebete die Gnade der Stärkung, des Trostes und der Sündenvergebung verbunden sei; offenbar konnte der Apostel diesen bloß äußerlichen Zeichen eine so heiligende Kraft nur dcßhalb zuschreiben, weil er wußte, daß sie von Christus selbst herrühren, von ihm selbst angeordnet sind. Daher setzt er auch bei: „Im 501 Drittes Hauptstück. Bedeutung der letzten Oelung. Namen des Herrn", d. h. nach der Anordnung, Einsetzung des Herrn, in welchem Sinne die Apostel auch von der Taufe sagen: „ Lastet euch taufen im Namen des Herrn!" — Daß die letzte Oelung wirklich ein Sakrament sei, ersehen wir 2) auch aus der beständigen Lehre der Kirche, die von jeher die letzte Oelung unter die heiligen Sakramente rechnete, wie wir aus der Tradition und aus den Aussprüchen der Concilien ersehen, die auch noch durch den Glauben der griechischen Kirche unterstützt und bestätigt werden. Ja, selbst unbefangene Protestanten haben für diese Wahrheit Zeugniß abgelegt. So schreibt der protestantische Philosoph Leibnitz: „Auch die heilige Oelung hat die Schrift für sich; und wahrlich, noch immer hat sie für wohlbereitete Seelen jene fortwährende und niemals trügende Kraft der Heiligung, welche der Apostel Jakobus ihr beilegt, wo er den Gebrauch dieses Sakramentes angibt, und welche er in den Sündenuachlaß und die Befestigung im Glauben und in der Tugend setzt. Diese ist aber niemals nothwen- digcr, als in der Gefahr des Lebens und in den Schrecknissen des Todes." — Wenn selbst Andersgläubige so glänzend Zeugniß geben für die erhabene Bedeutung und Wirksamkeit dieses heiligen Sakramentes: welche Verehrung sollen alsdann nicht wir gegen dasselbe haben, da wir Kinder der katholischen Kirche zu sein das Glück haben! Möchten wir dem schönen Beispiele der Christen in China folgen, von denen Folgendes erzählt wird! — Beispiel und Anwendung. „Unsere Christen," sagt der Missionär ?. Gonet in China, „haben eine große Verehrung gegen die letzte Oelnng. Eine nur etwas bedeutendere Krankheit ist schon hinreichend für sie, um sich die letzte Oelung ertheilen zu lasten. Die Einfalt ihres Glaubens scheint aber Gott auch schon vielfach in diesem Leben zu belohnen. Unsere guten Neubekehrten, die in ihren Krankheiten keinen andern Arzt als die göttliche Vorsehung haben, finden oft in der letzten Oelung ein wirksames Mittel, ihre Gesundheit wieder zu erlangen. Ich habe mehrmals auffallende Beispiele gesehen. — In Frankreich würde man sich wundern," fährt er fort, „wenn man sehen würde, wie arme Kranke, die kaum mehr zwei oder drei Tage zu leben haben, in Schiffen fünfzehn, zwanzig, ja dreißig Stunden weit Herkommen, um die Sterbsakramente zu empfangen; und das ist hier etwas ganz Gewöhnliches. Der Mangel an Priestern und die Furcht, der Hilfe der Kirche beraubt sein zu müssen, hat diesen Gebrauch unter unfern Christen cinge- fllhrt. Und wer kann die Andacht, die Ergebung und das Vertrauen schildern, mit dem sie die heilige Oelung empfangen!" — Ja, möchten alle Katholiken diesem schönen Beispiele folgen! Diese armen Chinesen müssen oft so weite Reisen machen, um ihren kranken Angehörigen den Empfang der heiligen Oelung zu ermöglichen, und die sterbenden Kran- ken müssen sich oft so großen Beschwerden unterziehen, um die Tröstungen der Kirche auf dem Sterbebette zu erlangen. Wie leicht hingegen haben wir es! Kaum einige Schritte, und wir haben die Wohnung eines Priesters erreicht, der mit Freuden herbcieilt, um den Kranken und Sterbenden Trost und Hilfe, Kraft und Stärke im heiligen Sakramente der letzten Oelung zu bringen. Wie schwer wird daher einst unsere Schuld vor Gott fein, wenn wir dennoch den Empfang der heiligen Sterbsakramente so lange verschieben, bis uns alle geistlichen und körperlichen Kräfte verlassen haben, oder wenn wir dieselben vielleicht ganz und gar vernachlässigen! Legende: Der heilige Ordensstifter Dominikus (f 1221). «TZS WWW!»» MMN Welch eine große Ehrfurcht gegen das heilige Sakrament der letzten Oelung hatte nicht auch der heilige Dominikus, dessen Fest wir heute feiern! Mit welcher Sehnsucht verlangte er es zu empfangen, und mit welch glühender Andacht empfing er es wirklich! St. D o- minikus war in Wahrheit ein großer Heiliger und ein treuer Diener Gottes im Leben und im'Sterben. Derselbe wurde im Jahre 1170 in Alt-Kastilien geboren und einem Bruder seiner Mutter, welcher Erzpriester war, zur ersten Erziehung und zum Unterrichte übergeben. Es entwickelten sich bei ihm Gaben des Verstandes und des Herzens, die zu den schönsten Hoffnungen berechtigten. Als ihn der Bischof von Osma unter die Kanoniker seiner Kirche ausgenommen hatte, strebte der junge Mann mit seltenem Eifer nach Vollkommenheit seines Geistes, seines Gemüthes und seines Wandels. Er wurde bald unter seinen Mitbrüdern so ausgezeichnet, daß er zum Suprior des Kapitels ernannt wurde. In Am Feierabende dcö 5. August. ZV5 dieser Würde war er der Nächste am Bischöfe, und begleitete denselben auf seinen Reisen. Um diese Zeit waren es die Albigenser, Waldenser und Andere, welche falsche Lehren von dem Gebete, von dem Reinigungsorte, von der Gewalt des Papstes u. a. ansstrenten und mit hartnäckigem Trotze vertheidigten. Einen muthigen Gegner fanden diese Jrrlehrer in dem heiligen Dominikus, der mit eben so großer Anstrengung als Klugheit ihre falschen Lehren bekämpfte. Gott unterstützte das Bemühen seines frommen Dieners durch außerordentliche Gnadenwirkungen und segnete es durch glänzende Erfolge. Durch seine Demulh, seine Liebe und Sanft- muth erwarb er sich wie bei allen Rechtgläubigen so auch bei vielen Irrgläubigen die vertrauensvollste Verehrung in so hohem Grade, daß er von einigen Städten zum Bischöfe verlangt wurde. Er war aber nicht zu bewegen, diesem Verlangen zu entsprechen. Vielmehr ging er jetzt mit dem Gedanken um, einen Lesondern Orden zu stiften, dessen vorzüglicbste Bestimmung das Predigtamt sein sollte. Die Satzungen, die er hiezu entworfen, wurden vom Papst Honorius III. bestätigt. Dem heiligen Dominikus wird auch die Einführung des Rosenkranzgebetes zugeschrieben. Er starb zu Bologna im Jahre 1221 selig im Herrn, nachdem er, wie schon oben gesagt, mit inniger Andacht die heiligen Sterbsakramente empfangen hatte. Gebet. O Gott, der du deine Kirche durch die Verdienste und die Predigten des heiligen Dominikus verherrlicht hast, verleihe, daß sie auf seine Fürbitte an zeitlicher Hilfe nie Mangel leide, und daß ihren Kindern weder im Leben deine göttliche Gnade, noch im Augenblicke des Todes jene himmlische Stärke fehle, die uns durch das heilige Sakrament der letzten Oelung zu Theil wird, — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihundertundsiebenzehntes Lesestück. Am Feierabende des 5. August. Wirkungen der letzten Oelung. Fr. Welche Wirkungen bringt das heilige Sakrament der letzten Oelung hervor? Antw. Die wohlthätigsten Wirkungen für Seele und Leib. Fr. Was wirkt die letzte Oelung in Bezug auf die Seele? Mehler, Hausbuch, Antw- Sie ertheilt die Vermehrung der heiligmachenden Gnade, Verzeihung der Sünden, Stärke zum Kampfe gegen die Anfechtungen des bösen Feindes, Geduld in Leiden u. s. w. Belehrung. Zur Wohlfahrt der Seele bringt also die letzte Oelung folgende Wirkungen hervor: 1) vermehrt sie die heiligmach ende Gnade, läßt die läßlichen Sünden und auch jene Todsünden nach, welche der Kranke nicht mehr beichten kann, und tilgt die Ueberbleibscl der schon vergebenen Sünden, nämlich die zeitlichen Strafen, sowie auch die böse Neigung des Herzens und die Schwachheit des Willens, die aus der begangenen Sünde Herkommen. „Die Wirkung dieses heiligen Sakramentes," sagt der heilige Karl Borrom äus, „ist, daß sie die Ueberreste der Sünde hinwegnimmt, weil es eine Ergänzung der Buße ist. Diese Ueberreste der Sünde sind entweder schwere oder läßliche Sünden, die nach andern Sakramenten noch zurückgeblieben sind; denn es kann geschehen, daß eine schwere Sünde zurückbleibt, ohne daß es Derjenige weiß, der sie begangen hat, oder ohne daß er sie mehr beichten kann; hierin nützt nun das heilige Sakrament der letzten Oelung zur Auslöschung derselben so sehr, daß Derjenige, der sonst verdammt worden wäre, durch dieses heilige Sakrament noch selig werden kann." — Und der heilige Jakobus spricht dieß mit den Worten aus: „Und wenn er (der Kranke) Sünden auf sich hat, so werden sie ihm vergeben werden." 2) Stärkt die letzte Oelung den Kranken in Leiden und Versuchungen, 64 508 Drittes Hauptstück. Wirkungen der letzten Oelung. besonders im Todeskampfe; „Der Herr wird ihn aufrichten." (Jak. 5, 15.) Der Himmel Ihauet Linderung auf ihn herab, und wie der Abcndthau die welke Pflanze erquickt, so wird auch der kranke Christ durch die heilige Salbung und das Gebet der Kirche am Abende seines Lebens erquickt und gestärkt, so daß er getrost und ruhig hinüberschlummern kann in das ewige Leben. (Sieh das vorhergehende Bild!) — Das Concilium von Trient drückt dies mit den Worten aus: „Die letzte Oelung erleichtert das Gemüth des Kranken, und stärkt dasselbe, da durch dieses Sakrament in den Kranken ein großes Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit erweckt wird, wodurch der Kranke aufgemuntert, die Beschwernisse der Krankheit und die Schmerzen derselben leichter erträgt, und den Versuchungen des Satans, der ihm alsdann heftiger nachstellt, leichter widersteht." Mit Recht ruft daher der heilige Cyrillus aus: „Das benedicirte Oel erhält durch die Anrufung Gottes und durch das Gebet eine solche Kraft, daß cö nicht nur die Spuren der Sünde versengend, die Seele reinigt, sondern auch alle unsichtbare Gewalt des bösen Feindes in die Flucht schlägt." Beispiel und Anwendung. Alle wahrhaft frommen Christen empfangen daher in Anbetracht dieser beseligenden Wirkungen mit Freuden das heilige Sakrament der letzten Oelung, wie wir dieß ans nachfolgendem Beispiel ersehen. — In einem Spitale zu Paris lag ein junger Mann gefährlich krank; man ließ den Priester kommen und richtete einen Tisch her zur Ertheilung der letzten Oelung. Als aber der Arzt kam, ließ er den Priester und den Tisch sogleich wieder entfernen, ans Furcht, es möchte ans den Verlauf der Krankheit seines Patienten einen üblen Einfluß ausüben, wenn man ihm die letzte Oelung ertheilen würde. Da bat aber der Kranke, man möchte ihm den Priester rufen, auf daß er ihn mit Oel salbe und über ihn bete; „denn," sagte er, „die Heilmittel der Seele sind mir nothwendiger, als die des Leibes. Ich fühle cS nur zu gut, daß ich dem Tode nahe bin; man bereite daher den Tisch zur letzten Oelung; ich weiß es ja, daß dieses heilige Sakrament zur Wohlfahrt meiner Seele dient, daß es die Gnade in mir vermehrt, die Sünden und ihre Ueberbleibscl tilgt und mich in meinen schweren Leiden stärkt und tröstet." Und voll gläubigen Verlangens empfing er die heiligen Sterbsakramente und entschlief selig im Herrn.— Wenn auch du, mein christlicher Leser! einst auf deinem Sterbebette ein so gläubiges und inniges Verlangen nach der letzten Oelung in dir tragen wirst, so wirst du ganz sicherlich auch die Gnadenwirkungen dieses heiligen Sakramentes erfahren und zwar an Leib und Seele. Fr. Was wirkt die letzte Oelung zur Wohlfahrt des Leibes? Autw. Sie bewirkt oft Erleichterung in der Krankheit und selbst die Gesundheit, wenn es zum Seelenheile gedeihlich ist. Belehrung. Der heilige Thomas von Aquin sagt in dieser Beziehung: „Wenn die körperliche Genesung auch der Genesung der Seele zuträglich ist, so bringt die letzte Oelung selbe allezeit mit sich, wenn kein Hinderniß von Seite Desjenigen im Wege steht, der sie empfängt." Und der heilige Petrus Damianus ruft aus: „Das ist eine herrliche Salbe, durch welche die Gesundheit wieder gegeben wird." Ja, schon der heilige Jakobus drückt diese Wirkung mit den Worten aus: „Das Gebet des Glaubens wird dem Kranken zum Heile sein," (wird ihm zur Heilung, zur Gesundheit dienen.) Wie thöricht handeln daher alle Diejenigen, welche den Empfang der letzten Oelung so weit als möglich hinausschieben, weil sie fürchten, sie müßten nach dem Empfange derselben sogleich sterben! Beispiel und Anwendung. Es fehlt nicht an Beispielen, die es uns klar und deutlich beweisen, daß die letzte Oelung oft auch zur Wiederherstellung der leiblichen Gesundheit beitrage, wenn dieß nämlich zu unserm Seelenheile dienlich ist. Ich will hier nur ein einziges Beispiel anführen. — Ein treuer Sohn der Kirche, mit Namen Flag et, fiel bei seiner Rückkehr nach Havanna in ein» schwere Krankheit; man erklärte sie für das gelbe Fieber, das so schnelle Fortschritte machte, daß er in wenigen Tagen dem Tode nahe war. Er verlangte und empfing die heiligen Sakramente. Da trat plötzlich eine glückliche Krisis ein, und er war bald außer Gefahr. Als ihm seine Freunde Glück wünschten, sagte er: „Ich hoffte zu sterben; da mich aber Gott dieser Gnade nicht für würdig hielt, so muß ich wohl am Leben bleiben. Die Ertheilung der heiligen Sakramente hat mich am Leben erhalten. Ich war so lebendig bewegt, daß ich diesem Eindrücke die Krisis zuschreibe, die man eine glückliche nennen durfte." — Weise also, meine christliche Seele! wenn du einst schwer erkrankest, dieses vortreffliche Heilmittel der letzten Oelung nicht zurück — aus thörichter Furcht, daß du etwa sogleich sterben müssest, wenn du dieses heilige Sakrament enipfangest! O glaube das nicht; vielleicht ist es gerade das einzige und vorzüglichste Mittel, dir die Gesundheit des Leibes und der Seele wieder zu verschaffen. — Insbesondere aber wird das heilige Sakrament der letzten Oelung in den Kranken diese beseligenden Wirkungen Hervorbringen, wenn sie von einer ebenso bußfertigen Gesinnung beseelt sind, wie die heilige Büßerin und Märtyrin Afra, deren Andenken wir heute feiern. Legende: Die heilige Märtyrin Afra (f 304). Afra lebte zu Augsburg mit drei Mägden im Dienste der heidnischen Götzen und im Pfuhle schändlicher Lüste. Des Herrn Erbarmung führte den heiligen Bischof Narzissus auf seiner Flucht in ihre Behausung, 507 Am Feierabende des 6. August. wo sie ihn gastlich aufnahm. Als sie vernommen, daß dieser Mann ein Bischof der Christen wäre, und sah, wie er die Nacht in Gebet und Psalmeugesaug zubrachte, fühlte sie unwillkührlich Furcht und Scham wegen ihres bisherigen schandvollen Wandels. Ein himmlisches Licht durchstrahlte ihr Herz; sie warf sich dem Heiligen zu Füssen, bekannte ihre Sünden, und verlangte die heilige Taufe. Inzwischen verbarg sie den heiligen Bischof bei ihrer Mutter Hilaria vor den Verfolgungen blutgieriger Häscher unter Flachsbündeln. Mäh acht Tagen empfing sie mit ihrer Mutter und ihren Mägden die heilige Taufe, deren erste Gnade sie treu ihrem Heilande bis zum Tode bewahrten. In der Diocletiauischen Christenverfolgung ward auch die heilige Afra als Christin vor den Nichterstuhl gestellt, und da sie sich den Göttern zu opfern weigerte, und in ihrem Glauben an Jesus Christus standhaft blieb, so wurde sie auf einer Insel, welche der Lech bei Augsburg bildet, lebendig verbrannt am 7. August 304. Nack) acht Tagen erlitten auch die Mutter Hilaria und die drei Mägde wegen ihres Glaubens den nämlichen Martertod. Gebet. Laß uns, o Gott! auf die Fürbitte der heiligen Märtyrin Afra einst auf unserm Kranken - und Sterbebett die beseligenden Wirkungen der heiligen Oelung erfahren und schenke uns, wo nicht die Gesundheit des Leibes, doch die noch weit kostbarere Gesundheit der Seele, damit wir mit reinem Herzen erscheinen können vor dem Angesichte des ewigen Richters, unsers Herrn und Heilandes, Jesus Christus. Amen. Zweihmidertundachtzehiites Lesestück. Am Feierabende des 6. August. Vom Empfange der letzten Oelnng. Fr. Wann wird die letzte Oelung die angegebenen Wirkungen Hervorbringen? Antw. Wenn mau sie würdig empfängt. Fr. Wie soll man also die letzte Oelung empfangen ? Antw. Man soll sie empfangen 1) im Stande der Gnade, und 2) mit Glaube, Hoffnung und Liebe und mit Ergebung in Gottes heiligen Willen. Belehrung. Die letzte Oelung müssen wir empfangen 1) im Stande der Gnade; denn sie ist ein Sakrament der Lebendigen, also müssen wir beim Empfange derselben das Leben der Seele bereits haben. Daher muß man, wo möglich, vorher beichten oder doch vollkommene Neue erwecken. 2) Müssen wir die letzte Oelnng empfangen mit Glaube, Hoffnung und Liebe und mit Ergebung in Gottes heiligen Willen. Sehr nützlich und rath- sam ist es, die Engel und Heiligen, besonders aber die seligste Jungfrau Maria, die mit Recht „das Heil der Kranken" genannt wird, hiebei um Hilfe und Beistand anzuflehen. (Sieh das nachfolgende Bild!) Beispiel und Anwendung. Der heilige Pasch a- sius schildert uns im Leben des heiligen Adelard die fromme Andacht und heilige Gemüthsstimmung, mit welcher dieser Heilige die letzte Oelung empfing, mit folgenden Worten: „Wir fragten ihn, ob er mit dem Oele gesalbt sein wolle. Da hob er die Augen gen Himmel empor und bat, daß es geschehen möge. Was that damals wohl dieses heilige Gemüth? Mit welchen Thronen der Andacht war es erfüllt! Die Augen waren auf Gott geheftet, die Hände aber ausgestreckt; betend sprach er: „Nun entlaste, o Herr! nach deinem Worte deinen Diener im Frieden!" (Luk. 2, 29.) Was ist nun noch übrig, als daß ich zu dir komme?" — Wer auf solche Weise die letzte Oelung empfängt, der kann getrost seine Augen zum Tode schließen. — In Bezug auf den Empfang der letzten Oelung müssen aber auch noch die drei Fragen beantwortet tverden: 1) wer kann und soll sie empfangen? 2) wann, und 3) wie oft kann und soll man sie empfangen? Fr. Wer kann und soll die letzte Oelung empfangen ? Antw. Jeder katholische Christ, der zum Ge-- 508 Drittes Hauptstiick. Vom Empfange der letzten Oelung. WAG MW brauche der Vernunft gelaugt und gefährlich krank ist. Belehrung. Man muß also 1) Katholik sein; denn nur durch die Priester der Kirche wird cS den Kindern der Kirche gespendet. „Der Kranke rufe die Priester der Kirche zu sich!" — Man muß ferner 2) zum Gebrauche der Vernunft gelangt sein; daher können Kinder nicht gesalbt werden, wenn sie noch nicht sündigen können, da ja Nichts vorhanden wäre, was durch die Arznei dieses Sakramentes geheilt werden müßte. Endlich muß man 3)gcfährlichkranksein; denn der Apostel sagt ausdrücklich: „Ist Jemand krank unter euch rc." Sonach können Verbrecher, die hingerichtet werden, oder Solche, die gesund einer Todesgefahr sich aussctzen, z. B. Soldaten, die in die Schlacht ziehen, Schiffer, die eine gefahrvolle Seereise unternehmen, die letzte Oelung nicht empfangen. Fr. Wann soll man die letzte Oelung empfangen? Antw. Man soll sie, wo möglich empfangen, während man noch bei guter Besinnung ist und nach der heiligen Wegzehrung. Belehrung. Ach, wie unvernünftig ist es, wenn man aus Furcht vor dem Tode die letzte Oelung verschiebt oder gar unterläßt! Ist ja die letzte Oelung, wie wir schon oben gezeigt haben, auch zur Wohlfahrt des Leibes eingesetzt, und wird der Kranke die Wiedergenesung weit eher erlangen, wenn er frühzeitig das von Gott verordnete Hilfsmittel anwendet, als wenn er wartet, bis er ohne Wunder nicht mehr genesen kann; ist aber die Krankheit zum Tode, so kann er sich nichts Besseres wünschen, als selig zu sterben; und dazu wird ihm durch dieses heilige Sakrament die Gnade verliehen. Eine schwere Schuld laden auch die Angehörigen auf sich, wenn sie nicht dafür sorgen, daß der Kranke zur gehörigen Zeit mit den heiligen Sterbsakramenten versehen werde. Sie mögen sich ein Beispiel nehmen an den Schwestern des kranken Lazarus, die sogleich zu Jesus schickten, und ihm sagen ließen: „Herr, siehe, der, den du liebest, ist krank." (Joh. 11 , 3 .) Beispiel und Anwendung. Fromme Christen zögern nie mit dem Empfang der heiligen Sterbsakramente; sie empfangen dieselben vielmehr freudig und gerne. Der heilige Gebhard, Erzbischof von Salzburg, verlangte, obwohl noch keine Gefahr eines nahen Todes vorhanden war, dennoch die heiligen Sterbsakramente. „Mil Dem" — sagte er — „was das Wichtigste ist, sollen wir nicht zögern, oder auf jene Stunde warten, in welcher der Geist seiner selbst nicht mehr mächtig ist, und die Tröstungen, welche ihm durch das Allerheiligste werden sollen, nicht mehr fassen kann. Der Kranke bedarf ja des Trostes und der Stärke, und wo könnten wir beide sicherer erhalten, als durch die heiligen Sakramente?" So spricht und denkt gewiß jeder wahre Christ. Fr. Wie oft kann man die letzte Oelung empfangen? Antw. In jeder gefährlichen Krankheit kann man sie Einmal empfangen; stellt sich aber, nachdem bereits die Todesgefahr vorüber war, die Krankheit wieder von 509 Am Feierabende Neuem ein, so kann die letzte Oelung in derselben Krankheit auch wiederholt werden. Belehrung und Beispiel. „Wer bei früheren Krankheiten und Sünden," schreibt Peter von Cluny, „diese heiligende Oelung angewcndet hat, soll er sie bei nachfolgenden Krankheiten und Sünden nicht auf's Neue anwenden?" So lesen wir z. B. von der gottseligen Maria von Bagnesi, daß sie während ihrer 45jährigen Krankheit achtmal die heilige Oelung empfing.— Diese fromme Dienerin Gottes kam zu Anfang des 16. Jahrhunderts in Florenz zur Welt. Von Kindheit an entwickelte sie eine un- gemeine Frömmigkeit, und noch sehr jung faßte sie schon den Entschluß, sich ganz Gott zu weihen. Der frühe Verlust ihrer geliebten Mutter zwang sie, obwohl es ihre Kräfte kaum noch erlaubten, die Leitung des Hauswesens zu übernehmen; allein sie führte diese mit einer Klugheit, die weit über ihr Alter ging. Sie verstand die Zeit so weise einzu- theilen, daß die häuslichen Geschäfte immer so viel übrig ließen, um ihren frommen Uebungen und dem Gebete obzuliegen. Eben war sie im Begriffe, in den Ordensstand zu treten, und wollte von dem Vater sich die Erlaubniß dazu erbitten, als ihr dieser ankündigte, sie hätte sich zur Verehelichung mit einem Manne bereit zu halten, den er ihr ausersehen hätte. Darüber erschrack die gute Maria so sehr, daß sie, obgleich sie bisher sich der besten Gesundheit erfreut hatte, an allen Gliedern plötzlich von einem furchtbaren Zittern ergriffen wurde. Auf einmal schienen alle Krankheiten sie zur Beute ausersehen zu haben, und fünfundvierzig Jahre lang hatte sie mit brennenden Fiebergualen, Nervenschmerzen, Gichtübeln und empfindlichen Martern in allen Theilen ihres Körpers zu kämpfen. Wahrend dieser langen Leidensjahre hatte sie achtmal die heilige Oelung empfangen. Nachdem sie den Leidenskelch, den ihr ihr himmlischer Bräutigam dar- gercicht, bis auf den letzten Tropfen geleert und durch Wort und Beispiel unter ihren Mitmenschen unzählig viel Gutes gestiftet hatte, starb sie unter dem Vorlesender Leidensgeschichte Jesu sanft und selig am 28. Mai 1577, um, wie sie eine Braut des leidenden Jesu gewesen, nun eine Braut des verklärten Heilandes zu werden, welcher diese seine himmlische Verklärung schon während seiner irdischen Wanderschaft einst auf dem Berge Tabor zeigte — ein Ereigniß, dessen Andenken die heilige katholische Kirche gerade am heutigen Tage durch ein eigenes Fest feiert. Legende: Die Verklärung Christi. Dieses wunderbare Ereigniß erzählt uns der heilige Evangelist Matthäus (17, 1—9.) auf folgende Weise: „In jener Zeit nahm Jesus den Petrus, Jakobus und des 6. August. Johannes, dessen Bruder, mit sich, und führte sie abseits auf einen hohen Berg. Da ward er vor ihnen verklärt: und sein Angesicht glänzte wie die Sonne, seine Kleider aber wurden weiß wie der Schnee. Und siehe, es erschienen ihnen Moses und EliaS: die redeten mit ihm. PetrnS aber nahm das Wort und sprach zu Jesus: „Herr, hier ist gut sein für uns: willst du, so wollen wir hier drei Hütten bauen, dir eine, dem Moses eine und dem Elias eine." Als er noch redete, siehe da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe: diesen sollt ihr hören!" Da die Jünger dieses hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. Und Jesus trat hinzu, berührte sie und sprach zu ihnen: „Stehet auf, und fürchtet euch nicht!" Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie Niemand, als Jesum allein. Und da sie von dem Berge herabstiegcn, befahl ihnen Jesus und sprach: „Saget Niemanden dieses Gesicht, bis der ohn des Menschen von den Todten anferstanden sein wird." — Da der göttliche Heiland durch diese wunderbare Verklärung die glorreiche Majestät seiner Gottheit zeigte, und der himmlische Vater ihn als seinen Sohn bezeichnte, an dem er sein inniges Wohlgefallen habe, und den wir zu hören verpflichtet sind, so feiert heute die Kirche dieses Ereigniß durch ein eigenes Fest, um uns im Glauben an Jesum, den wahren Sohn Gottes, zu stärken, und uns zugleich zu ermuntern 51« Drittes Hauptstück. Ceremonien bei der letzten Oelung. zur treuen Anhörung und Befolgung seiner göttlichen Lehre. Gebet. O Gott, der du deinen Sohn verherrlicht und uns an Kindesstatt angenommen hast, verleihe, daß wir in der Stunde des Todes durch die Sakramente der Sterbenden gestärkt und nach unserm Hinscheiden der Herrlichkeit des Königs der Glorie theilhaftig werden, der mit dir lebt und regirt in Ewigkeit. Amen. Zweihuudertmidneunzehntes Lesestück. Am Feierabende des 7. August. Ceremonien bei der letzten Oelnng. Fr. Wie wird die letzte Oelung ertheilt? Antw. Auf folgende Weise: der Priester salbt den Kranken an den fünf Sinnen mit dem heiligen Oele und betet bei jeder Salbung: „Durch diese heilige Salbung und kraft seiner mildreichsten Barmherzigkeit vergebe dir Gott, was du durch Sehen (durch Hören rc.) gesündigt hast." Belehrung. Da die Ceremonien bei der letzten Oelung ebenso schön, als lehrreich sind, so will ich sie dir, mein christlicher Leser! ausführlicher erklären. 1) Der Priester spricht beim Eintritt in das Zimmer des Kranken: „Friede sei mit diesem Hause und mit Allen, die darin wohnen!" Mit diesen sanften Worten grüßte unser Herr seine Jünger, als er mitten unter ihnen erschien. „Fürchte Nichts, armer Kranker!" will der Priester damit sagen; „ich bin es, dein Freund, dein Bruder, dein Tröster, dein Arzt. Die Geheimnisse, die ich dir bringe, sind keine Vorboten des Todes, sondern himmlische Arzneien für deine kranke Seele und für deinen kranken Leib." Gibt es etwas Tröstenderes und Wohlthuenderes? 2) Der Priester setzt dann in die Mitte des Tisches das heilige Oel und nimmt, mit dem Chorhemde und der violetten Stola bekleidet, das Kruzifix und läßt es vom Kranken küssen. Köstlicher Kuß! Der himmlische Freund gibt ihn seinem leidenden Freunde und macht ihm Muth, indem er ihm die Wunden zeigt, die er aus Liebe zu ihm bekam. 3) Darauf sprengt der Priester geweihtes Wasser auf den Kranken und die Umstehenden und spricht im Namen des Kranken das Gebet des büßenden Königs: „Besprenge mich, o Herr! mit Hhsop, und ich werde rein sein; wasche mich, und ich werde weißer, als der Schnee!" Hiedurch will er ihn aufmuntern, seine Seele durch eine aufrichtige Beicht zu reini- WDsMj- gen. 4) Dann wendet sich der Priester zum Kranken und beschwört den Herrn, den Geist der Finsterniß von ihm zu entfernen, und ihm seinen guten Engel zu Hilfe zu schicken. Er bittet für ihn um Gnade und Barmherzigkeit, nachdem der Kranke selbst, oder in seinem Namen der Kirchendiener ein allgemeines Bekenntniß aller seiner Sünden durch Her- sagung des Lonliteor abgelegt hat. Hierauf wird das kliserers und die Allerheiligen-Litanei für den Kranken gebetet, um durch die Fürbitte aller Heiligen ihm den wahren Bußgeist zu erflehen. 5) Abermal fleht jetzt der Priester in einem kurzen Gebete um Verzeihung für den Kranken und um dessen geistliches und leibliches Wohl, tritt dann zu seinem Bette, macht dreimal über ihn das heilige Kreuz, streckt die rechte Hand über ihn aus und spricht: „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes werde in dir getilgt alle Kraft des Satans durch Auflegung unserer Hände und durch Anrufung aller heiligen Engel, Erzengel, Patriarchen, Propheten, Apostel, Märtyrer, Jungfrauen und aller Heiligen!" 6) Und nun beginnt der Priester die heiligen Salbungen. Er macht sie nach und nach auf die Augen, die Ohren, die Nase, den Mund, die Hände, die Füße, mit Einem Worte, auf alle Sinne, die Werkzeuge unserer Handlungen, ach! und nur zu oft auch unserer Sünden. Bei Am Feierabende des 7. August. 5!1 jeder Salbung spricht er, je nach dem Thcile, welcher gesalbt wird, die Worte: „Durch diese heilige Salbung und durch seine mildreichste Barmherzigkeit vergebe dir der Herr alles Böse, das du mit den Augen, dem Gehöre oder Gerüche, dem Geschmacke oder Gefühle begangen hast!" Wie furchtbar für die Hölle ist der christliche Streiter, der so auf allen seinen Gliedern das schreckliche Zeichen trägt, welches den Teufel und die Welt sammt all ihrer Macht besiegt hat! 7) Nach Bollendung der Salbungen reiniget sich der Priester die Finger mit einer Brodkrume, wäscht seine Hände und läßt das Wasser, sowie die Knäulchen, die zum heiligen Oele dienten, in's Feuer werfen. Gemeine Hände dürfen diese Gegenstände nicht anrühren, weßhalb sie nach dem Willen der Kirche verbrannt werden. 8) Wiederholt fleht nun der Priester in drei Gebeten um die geistliche und leibliche Wohlfahrt des Kranken und macht darauf, um sie durch die Verdienste des gekreuzigten Heilandes zu erbitten, mit einem Kruzifixbilde mehrmal das Kreuzzeichen über den Kranken, wobei er spricht: „Unser Herr Jesus Christus sei bei dir, dich zu beschützen, — in dir, dich zu erquicken, — neben dir, dich zu erhalten, — vor dir, dich zu führen und zu leiten, —hinter dir, dich zu stärken, >— über dir, dich allenthalben zu beschützen und zu segnen! Der heilige Geist komme über dich herab und verbleibe bei dir!" Hiedurch wird zu verstehen gegeben, daß Jesus der Gekreuzigte dem Kranken Alles in Allem sein müsse und wirklich sei. S) Endlich, nach einigen kurz wiederholten Seufzern um Verzeihung aller Sünden, um Befreiung von allen Schwachheiten, um Bewahrung vor dem Untergange, um Erfüllung jedes Verlangens für den Kranken, legt der Priester seine rechte Hand auf das Haupt desselben und spricht: „Es heile dich Gott der Vater, welcher dich im Fleische erschaffen hat! Es heile dich Gott der Sohn, welcher für dich am Kreuze gelitten hat! Es heile dich der heilige Geist, welcher dir in der Taufe eingegossen worden ist! Die heilige, glorwürdige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, wolle seine Gnade durch Wohlfahrt des Leibes und der Seele in dir vermehren, dich von allem Nebel befreien und im Guten allezeit stärken!" — In so sinnreicher, kräftiger Weise spendet die Kirche Gottes das so tröstliche Sakrament der Sterbenden aus, die heilige Oelung. Wer erkennt in diesem wunderschönen Ritus nicht die unendlichen Erbarmungen Gottes und die zärtliche, von der Wiege bis zum Grabe reichende Mutterliebe der heiligen katholischen Kirche? Fr. Welche Vorbereitungen soll man im Krankenzimmer, wo die heilige Oelung und überhaupt die heiligen Sterbsakramente gespendet werden sollen, treffen? Antw. Ungefähr folgende: Man reinige das Zimmer des Kranken; denn ein so himmlischer Gast, wie Christus im heiligen Sakramente, verdient allerdings eine besondere Aufmerksamkeit. Wo möglich überziehe man das Bett des Kranken mit reinlicher Wäsche; bedecke einen Tisch mit weißem Tuche, stelle ein Kruzifix, zwei Leuchter mit brennenden Kerzen hin und ein Gefäß mit Weihwasser. Alsdann erwarte man den Priester! Fr. Wie soll sich der Kranke benehmen, wenn ihm der Priester die letzte Oelung ertheilt? Antw. Er soll sein Gebet mit dem Gebete des Priesters vereinigen und Gott den Herrn voll Vertrauen und Ergebung um gnädige Verleihung Dessen bitten, was ihm zum geistigen und leiblichen Wohle nothwendig und heilsam ist. Beispiel. So benahm sich die heilige Theresia. Sie betete voll glühender Andacht mit dem Priester und antwortete selbst auf die Gebete desselben. Nach Empfang der heiligen Oelung aber zeigte sie eine besondere Freude und sagte Gott Dank für diese so große Gnade. Fortwährend empfahl sie sich zugleich dem mütterlichen Schutze Mariens, den sie auch lebhaft fühlte. (Sieh das vorhergehende Bild!) Fr., Was sollen die Anwesenden thnn, während der Priester dem Kranken die heilige Oelung ertheilt? Antw. Sie sollen durch eifriges Gebet dem Kranken beistehen, damit er die mit diesem Sakramente verbundenen Gnaden erlange. Zugleich sollen sie aber auch an jene Stunde denken, wo ihnen selbst einst die letzte Oelung ertheilt werden wird, und Gott um Verzeihung aller jener Sünden bitten, die sie mit den Augen, mit den Ohren, mit dem Munde rc. begangen haben. Belehrung und Beispiel. Wir sollten hier und überhaupt recht oft im Leben, besonders vor dem Schlafengehen jene fromme Uebung vornehmen, welche Pater Wolfgang Grafeneg, ein Ordensmann von erhabener Tugend, jeden Abend vornahm, bevor er sich zur Ruhe legte. Er ertheilte gleichsam sich selbst täglich die letzte Oelung. Er dachte sich nämlich, er liege auf seinem Sterbebette, nahm ein Krucifix zur Hand und hielt solches zuerst auf die Stirne, um seine innerlichen Sinne zu reinigen, wobei er sprach: 512 Drittes Hauptstück. Bedeutung der Priesterweihe. „Durch sein heiliges Kreuz und seine mildeste Barmherzigkeit verzeihe mir Gott die Sünden, welche ich durch das Gedächtnis den Verstand, den Willen und die Einbildung begangen habe!" Hierauf berührte er mit demselben die übrigen Sinne und sprach bei jedem das Gebet, das demselben entspricht: „Durch dieß heilige Kreuz und seine mildeste Barmherzigkeit verzeihe mir Gott die Sünden, die ich durch das Gesicht, daS Gehör, den Geruch, den Geschmack und das Gefühl begangen habe!" — Wahrlich, eine treffliche Vorbereitung auf das Sterbebett und auf die Stunde des Todes! Legende: Der heilige Cajetanus, Stifter der Theatiner (ch 1547). Auch die Legende liefert uns heute in der Lebensgeschichte des heiligen Cajetanus, dessen Fest auf den heutigen Tag fällt, ein gar schönes Beispiel, welches uns zeigt, wie wir uns das ganze Leben hindurch auf das Sterbebett vorbereiten, und wie wir auf demselben die heiligen Sterbsakramente empfangen sollen. — Der heilige Cajetanus war aus der durch Adel und Frömmigkeit ausgezeichneten Familie Thiena um 1480 zu Vicenza, im ehemaligen Gebiete von Venedig, geboren. Seine fromme Mutter empfahl ihn gleich nach der Geburt dem Schutze der seligsten Jungfrau Maria, und unterwies ihn in allen Tugenden, besonders in der Demuth, Sanftmuth und Reinigkeit mit so glücklichem Erfolge, daß man den Knaben Cajetan schon den Heiligen nannte. Als Jüngling erlangte er im bürgerlichen und geistlichen Rechte die Doctorwürde, widmete sich aber dem geistlichen Stande und ging nach Rom, um zu seiner Vervollkommnung ein verborgenes Leben zu führen. Er wirkte daun einige Zeit abwechselnd zu Venedig, Vicenza und Rom, wobei die Kranken und Armen der Gegenstand seiner Zärtlichkeit und steten Sorgfalt waren. Man nannte ihn gewöhnlich einen Seraph am Altäre, einen Apostel auf der Kanzel, und überhaupt den Seelenjäger. Sein Eifer für die Bekehrung führte ihn zur Stiftung der Congregation der regulirten Cleriker, gewöhnlich Theatiner genannt. Er und seine Freunde erkannten nämlich, daß eine Verbesserung am Sichersten zu erwarten sei, wenn in den Dienern der Kirche der Geist und Eifer der apostolischen Zeit wiederbelebt würde. Die strenge apostolische Armuth war die Grundlage der äußeren Verhältnisse der Theatiner; sie sollten nur von freiwillig dargebrachten Almosengaben leben. Cajetanus beförderte den Eifer für Gottesverehrung, für den Glanz des Hauses Gottes, für Beobachtung der heiligen Gebräuche, für den öfteren Empfang der heiligen Communion. Er selbst führte ein äußerst strenges Büßerleben, welches er am 7. August 1547 unter den lebhaftesten Gesinnungen der Reue und Zerknirschung schloß, nachdem er auf einem über den Boden ausgebreitcten und mit Asche bestreuten Bußkleide liegend und mit glühender Andacht die letzte Oelung empfangen hatte. Im Jahre 1671 erfolgte seine Heiligsprechung. Gebet. O Gott, der du dem heiligen Cajetan die Gnade, den Lebenswandel der Apostel nachzuahmen, gegeben hast, verleihe uns auf seine Fürbitte, daß wir ebenso fromm und heilig wandeln mögen, wie er, damit wir einst nach gläubigem und bußfertigem Empfang der heiligen Sterbsakramente ebenso selig entschlafen können, wie er, — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihundertundzwanzigstes Lesestück. Am Feierabende des 8. August. Vom heiligen Sakramente der Priesterweihe. Bedeutung der Priesterweihe. Fr. Was ist die Priesterweihe? Antw. Die Priesterweihe ist jenes Sakrament, durch welches Denjenigen, die es empfangen, die priester- liche Gewalt ertheilt wird (sieh das nachfolgende Bild!) sammt einer besondern Gnade, das Priesteramt recht zu versehen. Belehrung. Dieses heilige Sakrament ist für Kirche und Staat von höchster Wichtigkeit. „Ohne dieses Sakrament," also schreibt ein christlicher Lehrer (Gaume), „das der Kirche Diener und den Gläubigen Vorgesetzte gibt, wäre Am Feierabende des 8. August. 513 die Kirche keine Gemeinschaft mehr: Alles geriethe darin in Verwirrung und Unordnung; denn es gibt keine Gesellschaft ohne Vorgesetzte, die befehlen, und ohne Untergebene, die gehorchen. Wenn aber die Kirche nicht wäre, so wäre auch die bürgerliche Gesellschaft, deren Seele sie ist, nicht mehr. Denn es gibt keine Gesellschaft ohne Religion, keine Religion ohne Kirche, keine Kirche ohne Bischöfe und ohne Priester, keine Priester ohne das Sakrament der Priesterweihe; das Sakrament der Priesterweihe ist also die Herzwurzel der Religion und des Staates." Fr. Wie läßt sich beweisen, daß die Priesterweihe ein Sakrament sei? Antw. Es läßt sich dieß daraus beweisen, weil die drei Merkmale eines Sakramentes Vorkommen: 1)die Einsetzung durch Jesus Christus, 2) das äußere Zeichen und 3) die unsichtbare Gnade. Fr. Wann hat Christus das Sakrament der Priesterweihe eingesetzt? Antw. Beim letzten Abendmale. Belehrung. Priester hat es selbst schon bei den heidnischen Völkern der Urzeit gegeben, bei den Chaldäern und Persern, bei den Römern und Griechen, sowie auch bei unser» Vorfahren, den alten Deutschen. Bei dem israelitischen Volke wählte sich Gott selbst zum Dienste in der Stiftshütte und zur Entrichtung der heiligen Opfer den Stamm Levi und aus diesem Stamme das Haus Aaron besonders aus; die aus dem Stamme Levi sollten zum nieder» Dienste am Mare geweiht, die aus dem Hause Aaron aber zu Prie- Mehlsr, Hausbuch. stern gesalbt werden. — Allein das Priesterthum des alten Bundes war nur ein Schatten und Vorbild des Pricstcr- thums im neuen Bunde. Wie ein neues Opfer, so sollte da auch ein neues Priesterthum eingesetzt werden; und dieses neue Priesterthum hat auch Christus der Herr wirklich eingesetzt, indem er seinen Aposteln dasselbe unmittelbar übertrug, von denen aus sich selbes fortpflanzte durch das heilige Sakrament der Priesterweihe. — Christus der Herr setzte dieses Sakrament ein, als er bei der Feier des heiligen Abendmales den Aposteln befahl: „Thut dieß zu meinem Andenken!" (Luk. 22, 19.) Denn dadurch gab er ihnen und ihren Nachfolgern die Gewalt, dasselbe zu thun, was er that, d. i. Brod in seinen Leib, und Wein in sein Blut zu verwandeln, und erfüllte so die Verheißung (Ps. 109, 4.), daß er der ewige Priester nach der Ordnung Melchisedechs sein werde, oder mit andern Worten: er stiftete ein immerwährendes Pricsterthum. Er vollendete die Einsetzung des Sakramentes dadurch, daß er nach seiner Auferstehung sprach: „Wie mich der Vater gesendet hat, so sende ich euch. Empfanget den heiligen Geist. Welchen ihr die Sünden nachlasset, denen sind sie nachgelassen re." (Joh. 20.), und unmittelbar vor seiner Himmelfahrt: „Gehet hin und lehret alle Völker re." (Matth. 28.) Denn in diesen Worten gab er den Aposteln und ihren Nachfolgern auch die Gewalt über den sittlichen Leib der Kirche, dadurch übertrug er ihnen auch die übrigen Vollmachten, welche das Priesteramt ausmacheu, und stattete sie zugleich zur würdigen Führung dieses Amtes mit der Gnade von Oben aus. Deßhälb erwähnt Paulus wiederholt, daß mit dem äußern Zeichen der Hänvcauflegung eine Guadenwirkung zur Ausübung des Priesteramtcs verbunden sei, eine Verbindung, welche von keinem Apostel, sondern nur von dem Gnadenspender Jesus Christus bewerkstelligt worden sein konnte. „Vernachlässige nicht," sagt er, „die Gnadengabe in dir, welche dir gegeben worden durch die Handauflegung." (1. Tim. 4, 14.) Fr Worin besteht dasäußere Zeichen bei der Priesterweihe? Antw. Es gibt deren mehrere: so die Handauflegung und das Gebet des Bischofs, die Uebergabe des Kelches mit Wein und Brod. Belehrung und Beispiele. Bei der Priesterweihe kommen mehrere sichtbare Zeichen vor, welche die Ertheilung der unsichtbaren Gnade und Gewalt andeuten, als: die Hand- auflcgung und das Gebet des Bischofs, die Uebergabe des 65 514 Drittes Hauptstück. Bedeutung der Priesterweihe. Kelches mit Wein und Brod. Die Materie des Sakramentes ist also die Auflegung der bischöflichen Hände sammt dem Anrührcn der geweihten Gefäße; die Form aber sind die Gebete deS Bischofs. — Schon zur Zeit der Apostel bestand die Priesterweihe in der Handauflegung und im Gebete. So schreibt der heilige Paulus an den Bischof Timotheus (2. Tim. 1, 6.): „Ich ermahne dich, daß du die Gnadengabe wieder erweckest, welche in dir ist durch Auflegung meiner Hände." Und in der Apostelgeschichte (13, 1 — 4) wird die Art und Weise, wie Barnabas und Paulus zu Priestern geweiht wurden, folgender- massen erzählt: „Es waren aber in der Kirche zu Antiochia Propheten und Lehrer, (Solche, die Andere im Christenthume unterrichteten); darunter Barnabas, Simon, genannt Niger, Lucius von Cyrene, Manahen, der mit Herodes, dem Vierfürsten, erzogen ward, und Saulus. Als diese nun dem Herrn den heiligen Dienst verrichteten und fasteten, sprach der heilige Geist zu ihnen: „Sondert mir ab den Saulus und Barnabas zu dem Werke, wozu ich sie ausgenommen habe." Alsdann fasteten sie; und sie beteten und legten ihnen die Hände auf; und sie ließen sie ziehen." Also auch damals schon wurde die Priesterweihe unter Gebet und Händeauflegung ertheilt. Fr. Welches sind die vorzüglichsten Wirkungen der Priesterweihe? Antw. Besonders folgende drei: 1) erhält der Geweihte ein unermeßlich großes Maaß der Gnade; 2) drückt sie ihm ein unauslöschliches Merkmal ein, und 3) werden dadurch Diejenigen bezeichnet, die nach der Anordnung Christi die Kirche leiten und regiren. Belehrung. Groß sind die Wirkungen dieses heiligen Sakramentes. 1) Erhält der Geweihte ein unermeßlich großes Maaß der Gnade — wegen seiner innigsten Vereinigung mit Christus im heiligen Amte und wegen der Beziehung seines Berufes zum Reiche Gottes. Niemand fürwahr vermag es zu ahnen, wie sehr das Sakrament der Weihe die heiligmachende Gnade in der Seele des Geweihten vermehre. Er wird der Stellvertreter Christi als Ausspender der Gnaden (1. Cor. 4, 11.) 2) Das Sakrament der Weihe drückt dem Geweihten auch den unauslöschlichen Charakter ein. „Gleichwieder Getaufte nie mehr getauft werden kann, ebenso kann der Geweihte nie mehr geweiht werden;" nämlich wegen dieses unauslöschlichen Merkmales. So schreibt der heilige Papst Gregor der Große an Johannes von Ravenna. — 3) Durch dieWeihe werden zugleich diePersonen bezeichnet, die Christus unter dem Einfluß und der Anordnung des Oberhauptes der Kirche dazu bestimmte, die Kirche Gottes auf Erden zu leiten und zu regiren. Gewiß, die Kirche Gottes, sie wäre nicht das wohlgeordnete Kriegsheer, das sie wirklich ist, wenn die Eintheilung und Ordnung der Weihe nicht festgehalten würde, und wenn unberufene Miethlinge sich in das heilige Amt oder in die Leitung der Kirche Gottes selbst eindringen dürften; dagegen hat Christus durch die Anordnung der heiligen Weihen einen mächtigen Damm gesetzt, der nie durchbrochen werden wird. Beispiel und Anwendung. Durch die Priesterweihe erhalten also die Geweihten, wie gesagt, ein unermeßlich großes Maaß von Gnaden, ganz besonders aber auch die Gnade, das Priesterthum recht zu verwalten, die schweren Pflichten ihres heiligen Amtes treu zu erfüllen, mit Lust und Freude allen möglichen Mühen und Beschwerden sich zu unterziehen und, wenn es noth thut, selbst Blut und Leben in ihrem heiligen Dienste zu opfern. Wie wunderbar tritt nicht diese besondere Gnadenwirkung der Priesterweihe bei so vielen, treuen und frommen Priestern der Kirche hervor, z. B. bei jenen frommen Missionären, die Haus und Hof, Heimat und Vaterland, Geld und Gut verlassen und auf alle Freuden der Erde verzichten, um als fromme Priester und treue Diener des Herrn das Reich Gottes auf Erden zu verbreiten! Wie oft zeigt sich nicht diese wunderbare Wirkung der Priesterweihe zur Zeit ansteckender Krankheiten oder bei sonstigen Gefahren, wo die Priester mit Verachtung ihres eigenen Lebens hilfreiche Hand bieten! Hiezu nur Ein Beispiel. — Ein spanisches Schiff segelte mit vielen Menschen nach Amerika. Unterwegs litt es Schiffbruch. Der Kapitän ließ schnell das Boot nieder, und dieses war bald mit Menschen angefüllt. „Wo ist Don Alfonso?" rief er; so hieß der Priester des Schiffes; ihn hätte der Kapitän noch gerne ausgenommen. Allein dieser rief vom Borde hinunter: „Lebet wohl, Freunde und Brüder! Meine Pflicht beginnt jetzt." Er tröstete die Verzweifelnden, hörte die Beichte der dem Tode Geweihten, spendete die Tröstungen der Religion und wurde mit Allen in den Wellen begraben. — Welch ein rührendes Beispiel priesterlicher Pflichttreue! Woher hat wohl dieser fromme Priester einen so heiligen Muth und die Gnade empfangen, mit solcher Ausdauer und Selbsthinopferung die Pflichten seines heiligen Standes zu erfüllen? Antwort: Ganz gewiß durch das heilige Sakrament der Priesterweihe. Legende: Der heilige Märtyrer Cyriakus und seine Gefährten, (ch 303). Auch in der Lebens- und Leidensgeschichte des heiligen Cyriakus, dessen Fest wir heute feiern, ersehen wir die wunderbaren Wirkungen- des heiligen Sakramentes der Priesterweihe. Ja, er war noch nicht einmal zum Priester, sondern blos zum Diakon geweiht, und Am Feierabende des 9. August. 315 ocunoch bewies er einen Muth und eine Ausdauer in der Erfüllung seines heiligen Berufes, daß es wahrhaft zu bewundern ist. Denn er starb als Opfer seines Berufes um des Glaubens willen und begeisterte durch sein Wort und Beispiel noch viele andere Christen zum Marlertode. Unter diesen werden besonders folgende genannt: die heiligen Largus und Smaragdus, Crescentian, Sergius, Sekundus, Albanus, Viktorian, Faustin, Felix und Silvan, und vier Frauen: Memmia, Iuliana, Cyriaci- dis und Donata. Sie alle opferten freudig Blut und Leben für Christus, ihren Gott und Heiland, in der Diocletianischen Verfolgung im Jahre 303. Gebet. Wir bitten dich, o Jesu, der du zum Heile der Kirche und des Staates das heilige Sakrament der Priesterweihe eingesetzt hast, verleihe uns auf die Fürbitte des heiligen Märtyrers Cyriakus die Gnade, daß wir dem Wort und Beispiel deiner Priester und treuen Diener folgen, der du lebest und regirest, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Zweihmiderteinundzwmizigstes Lesestück. Am Feierabende des 9. August. Von der Macht und Würde des Priesters. Fr. Welche Macht und Gewalt erlangt also der Priester durch die heilige Weihe? Antw. Eine erhabene Macht und Ge walt, die selbst Engel nicht besitzen, nämlich Gewalt n) über den wirklichen und b) überden geheimnißvollen Leib Christi. Fr. Welche Gewalt erhält der Priester über den wirklichen Leib Christi? Antw. Die Gewalt, Brod und Wein in den Leib und in das Blut des Herrn zu verwandeln. (Siehe das nachfolgende Bild!) Belehrung und Beispiel. Auf das Wort des Priesters steigt beim heiligen Meßopfer der göttliche Heiland auf den Altar hernieder und verhüllt seinen Leib nnd sein Blut in die Gestalten des Brodes und Weines. Wahrlich, eine Macht und eine Gewalt, die selbst Engel nicht besitzen. Oder zu welchem Engel hat je Christus gesagt, was er zu seinen Aposteln, den ersten Priestern, sagte: „Thuet dieß zu meinem Andenken!" Die Engel umringen den Altar; ihre Stirne in den Staub gebeugt und ihr Anlitz mit ihren Flügeln verhüllt, beten sie Jesmn Christum an, das Opferlamm des neuen Bundes; — aber nur der Priester hat kraft der empfangenen Weihe die Gewalt, den Leib und das Blut des Sohnes Gottes zu ver- wandeln und das unvergleichliche Opfer zu feiern. In Anbetracht dieser erhabenen Macht Und Würde des Priesterthumö war der heilige Franz von Assis von solcher Ehrfurcht gegen den Priesterstand erfüllt, daß er sich nicht entschließen konnte, sich zum Priester weihen zu lassen. Er Pflegte zu sagen, wenn ihm ein Priester und ein Engel zugleich begegnen würden, so würde er den Priester vor dem Engel grüßen, weil die Gewalt von jenem größer sei, als von diesem. Fr. Welche Gewalt erhält der Priester über den geistlichen oder geheimnißvollen Leib Christi? Antw. Ueberden geistlichen oder geheimnißvollen Leib Christi, d. h. über die Gläubigen, erhält er die Macht, ihnen die heiligen Sakramente zu spenden, das Wort Gottes zu verkünden, für sie das heilige Meßopfer darzubringen u. s. w. Belehrung. Die Priesterweihe verleiht sonach dem Geweihten die Macht und Gewalt, den Gläubigen die heiligen Sakramente auszuspenden und zwar von der Wiege bis zum Grabe, ihnen als Bote Gottes das göttliche Wort 05* 316 Drittes Hauptstück. Von der Macht und Würde des Priesters. i'i.OEU M-ii-LM« zu verkünden, über sie den Segen des Himmels durch Gebet und durch den Segen seiner geweihten Hände herabzuziehcn und für sie das heilige Meßopfer darzubringen. Sonach erscheint der Priester als Vermittler zwischen Himmel und Erde. Welch eine erhabene Macht, die selbst Engel nicht besitzen! Denn noch nie hat Christus zu einem Engel gesagt, was er zu seinen ersten Priestern, den Aposteln gesprochen: „Denen ihr die Sünden vergebet, denen sind sie vergeben!" Die Engel freuen sich über die Bekehrung der Sünder; — aber das ganze Geschäft der Wiederversöhnung liegt in den Händen der Priester. Das ist wahrlich eine große Macht, eine bewunderungswürdige Gewalt! Beispiel und Anwendung. Zur Zeit des heiligen ChrysostomuS gab es schon manche Christen, die die erhabene Macht und Würde des Priesterthums nicht erkennen wollten, und daher den Priestern des Herrn nicht selten Undank und Verachtung bezeigten. Er machte ihnen hierüber ernstliche Vorwürfe, indem ec sprach: „Ist dieß der Dank für die Dienste, die euch die Priester des Herrn erweisen? Seid ihr nicht durch die Hand des Priesters in der heiligen Taufe wiedergeboren worden? Habt ihr nicht durch sein Amt Vergebung euerer Sünden erlangt? Bringt er nicht für euch das Opfer dar, welches euch des Leibes und Blutes Christi theilhaftig macht? Ist es nicht der Priester, der euch unterrichtet, eueren Kindern das Brod des göttlichen Wortes bricht, für euch betet und euch den Himmel öffnet?!" — Ja, so große Dienste erweisen dir, mein christlicher Leser! die Priester der Kirche; denn sie haben vom göttlichen Heiland eine wunderbare Macht empfangen. Wehe dir, wenn auch du undankbar wärest gegen die Diener des Herrn, wenn du verachten würdest ihre erhabene Macht und Würde! Die Strafe des Herrn würde sicherlich nicht ausbleiben. Fr. Ist also die Würde eines Priesters eine hohe Würde? Antw. Die Würde eines Priesters ist überaus erhaben, weil er eben durch die Priesterweihe eine so erhabene Macht erlangt. Belehrung. Die Würde eines Priesters ist die erhabenste, die sich unter den Menschen je denken läßt, und sie gründet sich auf seine zweifache Gewalt über den wahren und über den geistlichen Leib Jesu Christi. Daher ruft der heilige Augustinus aus: „O Ehrfurcht gebietende Würde der Priester, in deren Händen der Sohn Gottes, wie im Schooße der Jungfrau geboren wird! O himmlisches Geheimniß, so wunderbar durch euch auf unseren Altären gewirkt! Derselbe Gott, der im höchsten Himmel thront, ist in eueren Händen beim anbetungswürdigen Opfer! Der Himmel staunt diese Wunder an, die Hölle knirscht darüber, die Teufel zittern, die Engel ergreift eine tiefe Ehrfurcht. O Priester! habet Acht auf die Würde, die euch übertragen ist; sie erhebt euch über die Engel; sie beten die Geheimnisse an, die ihr wirket, ohne sie selbst wirken zu können. O Tiefe der Weisheit Gottes! Er bewilligt den Menschen, was er den himmlischen Geistern nicht gegeben hat! Der Priester handelt als Hoherpriester^ indem er das Schlachtopfer darbringt, und der Engel steht ihm als Diener in diesen göttlichen Verrichtungen bei. Welch eine Würde!" Legende: Der heilige Romanus, Märtyrer zu Nom (1- 258). Schon in den ältesten Zeiten der Kirche machte die erhabene Würde und das edle Benehmen der Bischöfe, Priester und Diakone selbst auf die Ungläubigen nicht selten einen so tiefen Eindruck, daß sie sich zum Christenthume bekehrten und für den Glauben starben. Unter ihnen ragt besonders der heilige Romanus hervor, dessen Andenken heute gefeiert wird. Derselbe war zur Zeit des heiligen Laurentius Soldat in Rom. Als er aber das würdevolle Benehmen der heiligen Priester und Bischöfe sah, welche für ihren Glauben freudig Blut und Leben opferten, und besonders als er die Standhaftigkeit und Freude bemerkte, mit welcher der heilige Diakon und Märtyrer Laurentius die von der Wuth seiner Schergen ersonnenen Qualen erduldete, nahm er die christliche Religion an, wandte sich an den Am Feierabende des 10. August. 517 heiligen Laurentius, der ihn unterrichtete und im Gefängnisse taufte. Als er hierauf seine Umänderung erklärte, wurde er verhaftet und am Vorabende des Mar- tyrertodes des heiligen Laurentius enthauptet. So empfing er die Krone vor seinem Führer und Lehrer. Man begrub ihn an dem Wege nach Tibur; nachher aber wurden seine Gebeine nach Lucca gebracht, wo sie unter dem Hochaltäre der Kirche seines Namens aufbewahrt werden. Gebet. Wir bitten dich, o Herr! laß uns auf die Fürbitte des heiligen Romanus die erhabene Würde und Macht des priesterlichen Standes erkennen und demselben stets jene Hochachtung und Verehrung erweisen, die ihm gebührt — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zw eihund ertzw eiundzw anzigstes Lesestütk. Am Feierabende des 10. August. Von der dem Priesterstande gebührenden Achtung. Fr. Was sind wir dem Priester seiner erhabenen Würde wegen schuldig? Antw. Ehrfurcht und Vertrauen. Belehrung. Wir sollen 1) dem Priester als dem Stellvertreter Gottes und dem Ausspendcr seiner Geheimnisse schuldige Achtung und Ehrfurcht erweisen. „Ehre, wem Ehre gebührt!" sagt der Apostel (Rom. 13, 7.) Es gebührt aber die Ehre einem Menschen vor dem andern aus verschiedenen Gründen: entweder wegen der Würdigkeit und Hoheit, zu welcher er erhoben worden ist; also ist man einem Fürsten oder König wohl größere Ehre schuldig, als einem gemeinen, wenn auch reichen Herrn; — oder wegen der Vortrefflichkeit des Amtes, das ihm aufgetragen worden ist; also ist wohl der höchste Richter einem Diener oder Schreiber vorzuziehen; — oder wegen der Person, deren Stelle er vertritt; also gebührt dem Abgesandten oder Stellvertreter des Königs fast ebendieselbe Ehre, die man dem Könige selber schuldig ist, wenn jener auch von geringem Herkommen wäre. Und aus all' diesen Ursachen gebührt den Priestern die größte Ehre und Ehrfurcht.— „Die Priester," sagt der heilige Chrysostomus, „gehören Gott auf eine ganz besondere Weise an, da sie dessen bevollmächtigten Geschäftsträger sind." Würde es einen König nicht tief verletzen, wenn man seinen Gesandten beleidigen würde? Um wievielmehr wird Gott der Herr eS übel nehmen, wenn man seine Diener und Abgeordneten, die Priester, beschimpft, kränkt, verunehrt? „Wer euch verachtet," spricht Er deßhalb, „der verachtet mich," und wiederum: „Wer meine Priester berührt, der berühret meinen Augapfel." 2) Sollen wir den Priestern auch ein großes Vertrauen schenken; denn sie sind unsere geistlichen Väter, unsere Führer auf dem Wege zu Gott und unsere Fürbitter; sie sind die Gesandten Jesu Christi an uns, um uns durch die heiligen Sakramente zu stärken, um an dem Heile un- 318 Drittes Hauptstiick. Von der dem Priesterstande gebührenden Achtung. gleich Heuchlern, welche Augen haben, die von einem großen Balken verwundet sind, einen kleinen Splitter in den Augen Anderer." — Hüte dich also, mein Christ! lieblos zu ur- theilen über die Gebrechen und Fehler eines Priesters, mache es vielmehr wie Kaiser Con staut in der Große. Als man ihm nämlich auf der Kirchenversammlung zu Nicäa i. I. 325 mehrere Klagschriften gegen Geistliche übergab, öffnete er keine derselben, sondern legte alle in einen Bündel zusammen, versiegelte dann das Packet mit seinem Ringe, und warf es in's Feuer, indem er zu seiner erstaunten Um- gebung sagte, daß Sünden, welche Geistliche begehen, nicht kund gemacht werden sollen, weil sie dem Volke zum besonder» Anstoße dienen. Derselbe Kaiser versicherte auch, daß, wenn er einen Geistlichen auf einer bösen That ertappen würde, er ihn mit seinem kaiserlichen Mantel bedecken und vor den Augen der Welt verbergen wollte. Möchten alle Christen von einer solch liebevollen Gesinnung selbst auch gegen fehlende Priester erfüllt sein, und bedeuken, daß wir Alle Sünder sind, und sonach keine Ursache haben, einen Stein gegen den Andern aufzuheben! Legende: Der heilige Laurentius, Diakon und Märtyrer (-s 258). serer Seelen zu arbeiten, um den Armen das Evangelium zu predigen, Jene, die gebrochenen Herzens sind, zu heilen, und den Gefangenen die gnadenreiche Ankunft des Welterlösers und den Tag der Vergeltung zu verkünden. (Sieh das vorhergehende Bild!) Wie viel Achtung, Liebe und Vertrauen sollen wir also nicht den Priestern schenken wegen ihrer erhabenen Würde und wegen ihrer hohen Bestimmung! Beispiele und Anwendung. Der ehrwürdige Beda erzählt von den ersten Christen Englands, daß sie ihre Priester mit unbegrenzter Hochachtung verehrten. Begegnete ein Weltlicher einem Priester, so bog er vor ihm seine Kniee, bat ehrfurchtsvoll um seinen Segen, küßte die Hand, die ihn gesegnet, und empfahl sich flehentlichst dessen frommem Gebete. Ueberall, wo ein Priester erschien, wurde er wie ein Engel des Himmels freudigst begrüßt und ehrerbietigst empfangen. Aufmerksam und mit großer Stille hörten die frommen Gläubigen auf die Predigten, und jedes Wort aus dem Munde eines Priesters wurde als Wort des Lebens begierig aufgefaßt. — Von einer ähnlichen Ehrfurcht gegen die Priester war auch der Kaiser Basilius erfüllt. Daher ermahnte er seinen Sohn Leo gar oft und nachdrücklich, die Priester ihrer erhabenen Würde wegen hoch in Ehren zu halten. Seiner Ermahnung fügte er die Worte bei: „Die Ehrfurcht, welche du den Priestern erweisest, geht auf Gott selbst zurück; denn wie wir wünschen, daß das Volk unsere Minister ehre und achte und zwar unsertwegen, so will und verlangt auch Gott der Herr, daß man seine Diener ehre und achte und zwar um seinetwillen." — Liebe und achte also, mein Christ! die Priester des Herrn; denn sie verdienen es wegen ihrer erhabenen Würde sowohl, als auch wegen ihrer hohen Bestimmung. Fr. Wie soll man sich benehmen, wenn man etwa an einem Priester menschliche Fehler und Schwachheiten bemerkt? Atttiv. Man soll daran kein Aergerniß nehmen, sondern seine Würde beachten; man soll thun und halten, was er uns sagt, nach seinen Werken aber sollen wir nicht thun. (Matth. 23, 3). Belehrung und Beispiel. »Ein Priester", sagt der heilige Isidor, „wenn er auch ein schlechtes Leben führt und seine Mängel hat, ist doch ein Engel des Allmächtigen, weil er das Amt des göttlichen Opfers verrichtet uuv für das Seelenheil Anderer sorgt." Und der heilige Gregor derGroße schreibt: „ Während Manche das Leben der Priester mehr, als ihr eigenes untersuchen, fallen sie in die Grube ^ Welch eine kindliche Verehrung und Hochachtung des Jrrthums; sie beherzigen viel zu wenig, daß ihnen das ^ieste^den^ulchmW Leben der Priester keinen Schaden zufügen würde, wenn sie unbedingtes Vertrauen schenkte er ihm! Wie ein Sohn ihren guten Ermahnungen Gehör gäben; aber sie erblicken seinen Vater, wie ein treuer Diener seinen Herrn, so Am Feierabende liebte Laurentius seinen geistlichen Vater. Daher bestellte aber auch der heilige Sixtus, als er im Jahre 257 zum Papste gewählt worden war, den heiligen Laurentius, der vorzügliche Eigenschaften des Geistes und regen Eifer für Tugend besaß, zum Ersten der sieben Diakonen bei der römischen Kirche und vertraute ihm die Verwahrung der Kirchengüter und die Besorgung der Armen an. Als Sixtus später zum Tode geführt wurde, ging ihm Laurentius nach und jammerte und weinte, und fühlte in sich ein Verlangen, eines gleichen Heiles gewürdigt zu werden. Der heilige Papst tröstete ihn und sprach: „Nach drei Tagen wirst du mir folgen." Laurentius war hoch erfreut, da er vernommen hatte, daß ihn Gott bald zu sich rufen werde. Unverzüglich theilte er das Kirchenvermögen unter die Armen aus, verkaufte die kostbaren Kirchengefäße und verwendete das erlöste Geld auf dieselbe Weise. Als der Statthalter Roms verlangte, daß ihm Laurentius die Schätze der Kirche ausliefern sollte, führte er alle Armen, die ans Kosten der Kirche unterhalten wurden, vor den Statthalter. Aber wie erstaunte der habsüchtige Mensch bei diesem Anblicke! Mit Ungestüm forderte er die Schätze der Kirche. Der heilige Diakon aber sprach: „Siehe! da ist unser Gold und unser Silber; und in diesen Jungfrauen und Wittfranen siehst du unsre Perlen und unsre Edelsteine. Uebernimm diese Schätze, versorge sie, dann wirst du den Ruhm der Stadt vergrößern, das Wohl des Kaisers befördern und dich selbst bereichern." Der Statthalter gerieth in Wuth und ließ ihn ans einem glühenden Roste eines langsamen, schmerzhaften Todes sterben. Inzwischen erhob er seine Hände zum Himmel und flehte zu Gott durch Jesum Christum und durck> die Fürbitte der heiligen Apostel für die Bekehrung Roms. Betend gab er endlich seinen Geist auf, am 10. August 258. Gebet. Erfülle, o Gott! unsere Herzen mit jener Ehrfurcht und Liebe gegen unsere Bischöfe und Priester, von welcher der heilige Laurentius erfüllt war, und verleihe uns die Gnade, die schändlichen Flammen unsrer bösen Begierden auszulöschen, sowie du den heiligen Laurentius über das Feuer, durch das er litt, hast siegen lassen — durch Jesum Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihundertdreiundzwanzigstes Lesestück. Am Feierabende des 11. August. Von der Bürde des Priesterstandes. Fr. Ist das Amt eines Priesters so leicht und angenehm, wie es sich Viele vorstellen? Antw. O nein; das Amt eines Priesters ist ein des 11. August. 519 sehr hartes und schweres Amt; denn an den Priester werden viele und große Anforderungen gestellt. Belehrung. Die pricsterliche Würde ist in Wahrheit eine schwere Bürde; denn das Amt deS Priesters wird verglichen mit dem Amte eines Winzers (Matth. 20,1. 4. 7.), eines Fischers (Matth. 4, 19.), eines Jagers (Jerem. 16, 16.), eines Hirten (Joh. 21, 17; I. Petr. 5, 2.) Lauter mühevolle Stände! Ein Winzer muß die Hitze der Sonne bei schwerer Arbeit ertragen, muß pflanzen, ausreißen, wieder pflanzen u. s. w. Der Fischer muß seine Netze anSwerfcn und darf nicht ermatten, wenn er auch in ganzen Tagen und Nächten Nichts fängt. Der Jäger muß seine Beute rastlos durch Wald und Flur verfolgen. Der Hirt muß Wachen Tag und Nacht, auf daß der Wolf ihm kein Schaf entreiße; er muß denen, die sich verirren, Nacheilen, bis er sie findet. Aehnliches muß auch der Priester thun; schwer also ist sein Amt und groß seine Verantwortung. Fr. Was fordert die priesterliche Würde insbe- sonders von dem Priester? Antw. Sie fordert von ihm vor Allen einen reinen und frommen Lebenswandel. Belehrung. Der Wandel des Priesters sei rein, sei fromm und heiligmäßig (Sieh das obige Bild!); denn in seine Hände find große Geheimnisse gelegt; ihm ist die Verwaltung und Ausspendung der heiligen Sakramente anvertraut; durch seine Hände opfert sich täglich Jesus Christus 52« Drittes Hauptstück. Von der Bürde des Priesterstandes. seinem himmlischen Vater auf; durch seinen Mund ergeht Gottes Wort an die Gläubigen. Welch eine Reinheit an Leib und Seele ist zu einem so erhabenen Amte noth- wendig! Beispiel und Anwendung. DerheiligeFranziskus zitterte oft am ganzen Leibe vor heiliger Furcht, wenn er bedachte, welche englische Reinheit dazu gehöre, die heiligen Functionen eines Priesters zu verrichten, besonders aber das hochheilige Meßopfer zu feiern. Obschon zum Priester geweiht, weigerte er sich dennoch, die heilige Messe zu lesen; und da mau ernstlich in ihn drang, doch einmal dem Herrn das heilige Opfer darzubringen, ging er stillschweigend seines WegeS; und indem er darüber nachdachte, empfahl er sich Gott. Da erschien ihm ein Engel mit einer sehr glänzenden Flasche, voll von einer Flüssigkeit, die noch Heller und glänzender war; der sprach zu ihm: „Franziskus, so klar wie diese Flüssigkeit ist, so hell und rein soll die Seele des Priesters sein." Und der Glanz der Flüssigkeit wurde so groß, daß es Franziskus schien, wenn er einen Vergleich zwischen jener Flüssigkeit und seiner Seele anstellte, als habe er nicht die hinreichende Befähigung, eine Messe zu celebri- ren, und er dürfe es nicht wagen, je diesem Amte vorzustehen.— Auf daß der Priester diese heilige Reinheit bewahre, auf daß er zur Zeit der Gefahr, wo z. B. ansteckende Krankheiten herrschen, nicht durch Familienverhältnisse von Erfüllung seiner Pflichten abgehalten werde, hat es die heilige katholische Kirche in weiser Absicht dem Priester zur strengen Pflicht gemacht, chelos zu bleiben. Er soll kein Weib und keine Kinder haben, damit er Allen Vater, Allen Alles werden könne. Fr. Was wird von dem Priester noch weiter gefordert ? Antw. Es wird noch gefordert ein unermüdeter Eifer, gepaart mit Klugheit und Liebe. Belehrung. Der Priester muß unermüdet eifrig sein; unermüdet im Gebete, da er zu seinem schweren Berufe Kraft und Stärke von Oben braucht; unermüdet in seinem Amte; beständig sei sein Auge wach für die Guten, wie für die Bösen von den Seinigen: — für die Guten, auf daß sie nicht fallen; für die Bösen, auf daß er sie rette. Zu jeder Stunde sei er bereit den Gesunden Rath, den Kranken Trost zu spenden! — Bei allem Eifer muß er aber auch stets klug und liebevoll sein; er muß sein, wie ein Vater unter seinen Kindern, gut mit den Guten und väterlich streng und ernst mit den Ungerathenen. Er suche zu bessern, nicht zu erbittern; überall zeige sich bei ihm der wahre Geist des Christenthums, geneigt zum Verzeihen und zum Lieben. Beispiel und Anwendung. Einer der Lasterhaftesten, der zur Zeit der französischen Revolution mit den gröbsten Verbrechen besudelt und mehr als einmal im Blute der Priester sich gebadet hatte, fiel in eine Krankheit. Er hatte geschworen, daß nie ein Priester einen Fuß in sein Haus setzen sollte, oder, wenn er es wagte, von selbst hineinzugehen, er nie mehr hinauskommen würde. Die Krankheit wurde indeß ernster. Ein Priester erfährt dieß, sowie auch die feindlichen Gesinnungen des Kranken. Thut Nichts; der gute Hirt weiß, daß er sein Leben für seine Schafe hingeben muß. Ohne Bedenken opfert er sich, er besucht den Kranken. Bei seinem Anblicke geräth dieser in Wuth, er sammelt alle seine Kräfte und schreit mit fürchterlicher Stimme: „Was! ein Priester bei mir? Man gebe mir meine Waffe!" — „Mein Bruder," fragt ihn der Priester, „was willst du damit thun? Ich halte dir noch mächtigere entgegen, meine Liebe und meine Standhaftigkeit." Man gab ihm seine Waffen nicht. Da streckt er aus seinem Bette einen starken Arm, er droht damit dem Priester und sagt: „Wisse, dieser Arm erwürgte zwölf deines Gleichen." — „Du irrst dich, mein Bruder," entgegnete ihm sanft der Priester, „es ist Einer weniger: der zwölfte ist nicht gestorben, dieser zwölfte bin ich. Erkenne," fügte er seine Brust öffnend hinzu, „die Narben von deinen Streichen! Gott erhielt mir das Leben, um dich zu retten." Mit diesen Worten wirft er sich dem Kranken um den Hals, umarmt ihn zärtlich und erleichtert ihm das Sterben. Haben tausend Priester nicht dasselbe gethan, dann hat eben nur Einer die Gelegenheit dazu gefunden. Das ist der Priester, der wahre Priester, wie er sein soll. Fr. Was muß also der Priester mit aller Sorg falt meiden? Antw. Jede Sünde und jedes Aergerniß. Belehrung. Der heilige Chrhsostomus schreibt hierüber: „Wenn an dem Körper nur ein geringes und unbedeutendes Glied verletzt wird, so ist dieß kein großer Schaden für den Körper; wird hingegen das Auge oder das Haupt verletzt, so geht der ganze Körper zu Grunde; so ist es auch mit einem Menschen, der auf einen erhabenen Posten als Leuchte gestellt ist, und zwar in der Absicht, um Andern zu leuchten. Fällt nämlich dieser in eine Sünde, so richtet er einen allgemeinen und sehr großen Schaden an; denn er hat sich nicht blos selbst zu Grunde gerichtet, sondern er gibt auch allen Denen ein großes Aergerniß, die bisher auf ihn gesehen haben und noch sehen." Legende: Die heilige Filomena, Jungfrau und Märtyrin. An jener Heiligen, deren Fest wir heute feiern, und deren heilige Gebeine erst am Anfänge dieses Jahrhunderts, am 2. Mai l802, in den Katakomben zu Rom aufgefunden wurden, sehen wir ein besonders erhabenes Beispiel von jungfräulicher Reinigkeit, die 521 Am Feierabende auch den Priestern des Herrn eigen sein soll. Es ist dieß die heilige Filomena. Sie war die Tochter eines griechischen Fürsten. In einem Alter von 13 Jahren nahmen die Eltern das fromme Kind mit nach Rom, wo der Vater Geschäfte bei dem Kaiser Diokletian hatte. Kaum hatte dieser die junge Filomenagesehen, sowurde er ganz für sie eingenommen. Er bewilligte dem Vater- Alles, was er wollte, und verlangte zum Preise dafür die Hand der Tochter. Durch die große Ehre geblendet, sagte der Vater sogleich zu. Beide Eltern versuchten nun Alles, um auch die Einwilligung der Tochter zu erhalten. Allein diese hatte schon zwei Jahre zuvor dem Herrn die Jungfrauschaft gelobt, und weigerte sich standhaft, des Kaisers Gemahlin zu werden. Der Vater machte ihr die schrecklichsten Drohungen; allein sie blieb mit Gottes Gnade unbeweglich. Nun wurde sie vor den Kaiser geführt. Dieser vereinigte seine Bitten, seine Schmeicheleien mit denen der Eltern; allein Filomena ließ sich nicht besiegen. Da entbrannte der Kaiser vor Zorn und ließ die zarte Jungfrau in's Gefängniß führen. Und nun beginnt ihre Martergeschichte. Zuerst ließ sie der Tyrann grausam geißeln, und als sie dem Tode schon nahe war, ließ er sie wieder in das Gefängniß bringen. Zwei Engel kamen, um sie zu heilen; und nun war sie kräftiger, als zuvor. Abermals wendete der Kaiser alle möglichen Schmeicheleien und Liebkosungen an, um sie wankend zu machen; allein Filomena blieb standhaft. Nun wurde sie mit einem Anker am Halse in die Tiber geworfen; aber zwei Engel lösten den Anker vom Halse und trugen sie sanft an das Ufer. Auf dieses Wunder bekehrten sich viele Zuschauer. Wuth- entbrannt ließ sie Diokletian hierauf durch die Strassen der Stadt Nom schleppen und mit Pfeilen auf sie schie- Mehler, Hausbuch. des 12. August. ßen. Filomena ward mit Pfeilen bedeckt; das Blut strömte aus tausend Wunden; erschöpft, sterbend brachte man sie wiederum in's Gefängniß zurück. Da würdigte sie Gott einer neuen Gnade; sie fiel in einen sanften Schlaf, und bei ihrem Erwachen war sie wieder vollkommen geheilt. Endlich ließ der grausame Tyrann dic heilige Jungfrau enthaupten. So erschwang sich ihre reine Seele zum Himmel, zu Jesus, ihrem göttlichen Bräutigam, und erhielt da den Kran; der Jungfrauen mit der Palme der Märtyrer. Sie starb an einem Freitage, den 10. August, um 3 Uhr Nachmittags. Gebet. Jesus, du reinstes Lamm, du Freund unschuldiger, keuscher Seelen! stärke uns durch das Beispiel und die Fürbitte der heiligen Jungfrau und Märtyrin Filomena, daß wir unfern heiligen katholischen Glauben hoch verehren, die jungfräuliche Reinigkeit innig schätzen und die Keuschheit nach unserm Stande sorgfältig bewahren. Wir bitten dich darum durch dein kostbares Blut. Amen. Zweihundertvierundzwanzigstes Lesestück. Am Feierabende des 12. August. Vom Berufe zum Priesterstande. Fr. Was wird von Denen gefordert, die Priester werden wollen? Antw. Es wird gefordert: 1) Mannes-Alter, 2) hohe Frömmigkeit, 3) gründliche Wissenschaft, 4) Klugheit und Bescheidenheit, 5) Beruf von Gott und 6) vollkommen reine Absicht. Belehrung. Groß ist die Würde des Priesters, und schwer ist die Bürde dieses heiligen Amtes; daher stellt die Kirche auch verschiedene und große Vorbedingungen an Diejenigen, die Priester weiden wollen. Sie fordert: 1) Mannes-Alter. Nur Menschen männlichen Geschlechtes sind zu den sehr erhabenen Diensten dieses Standes fähig, indem Gott die Weiber der Gewalt des Mannes unterworfen hat. (Genes. 3, 16.), und es sich folglich nicht geziemt, daß in den wichtigsten Dingen des Heiles ein Weib die Gewalt über die Männer, oder dieselbe Gewalt, wie diese, erhalte. — Bestimmt hat übrigens die Kirche zum Subdiakonate ein Alter von vollen 22, zum Diakonate ein Alter von vollen 23 und zur Priesterweihe ein Alter von vollen 24 Jahren. (Oono. Iriä. sess. 23. osp. 12.) Und selbst da gilt noch, was der heilige Apostel Paulus an Timotheus schrieb: „Nie- 66 522 Drittes Hauptstück. Vom mand müsse deine Jugend verachten" (1. Thimoth. 4, 12.), d. h.: Gib Niemand Veranlassung, dich deiner Jugend wegen zu verachten! — 2) Hohe Frömmigkeit; und dieß zur Förderung des Heiles der Seelen, und zur Vermeidung eigenen Unterganges. Heiliges muß heilig behandelt werden. — 3) Gründliche Wissenschaft, ohne die man dem heiligen Amte unmöglich recht obliegen kann, und ohne die oft wahr wird: „Wenn ein Blinder einen Blinden führt, so fallen beide in die Grube" (Matth. 15, 14.). — 4) Klugheit und Bescheidenheit, die nicht nur Wegweiserin und Führerin der Tugenden, sondern auch des amtlichen WirkenS sein muß. Unbesonnene, voreilige und unbedachtsame Leute sind znm Priesterstande ganz untauglich. — 5) Beruf von Gott, indem es Gott zugehört, seine Diener zu wählen, wie dem Könige die Wahl seiner Beamten zusteht. Es erwählte auch unser Herr selbst — seine Apostel, und zwar jene, die er wollte (Mark. 3, 13.). Und der heilige Apostel Paulus schreibt: „Niemand darf diese Ehre sich selbst herausnehmen, sondern man muß von Gott, wie Aaron, dazu berufen werden." (Hebr. 5, 4.) Vom Mangel an göttlichem Berufe kommt soviel Unheil! . . Die Kennzeichen dieses Berufes aber sind: übernatürliche, beständige Neigung znm Priesterstande, Lebensreinheit, Andacht und Liebe zu heiligen Dingen uud Uebungen, welche auf die Ehre Gottes zielen, Seeleneifer, Keuschheit, Verachtung der Welt, Fähigkeit und Tüchtigkeit zu den Verrichtungen dieses heiligen Standes. — 6) Vollkommen reine Absicht, wobei man nichts Anderes beabsichtiget, als Gott zu verherrlichen und an seiner eigenen Heiligung sowohl, als an der Heiligung Anderer zu arbeiten. Beispiel und Anwendung. Nicht weit von Düsseldorf lebte der Pfarrer H.. ein Geistlicher, der ein Mann war von felsenfestem Glauben und grenzenlosem Vertrauen auf des himmlischen Vaters Hilfe. Eine kleine Gemeinde hätte gerne einen eigenen Seelsorger gehabt; aber sie konnte demselben keine hinreichende Besoldung geben, und sein Unterhalt mußte hauptsächlich von der freiwilligen Unterstützung der Wohlhabenden abhängen. Gewiß für den Seelsorger, der sich dieses Namens werth bezeigen will, eine schwere Lage. Diese Stelle wurde einem braven, jungen Priester angeboten; und er, der in Allem, was ihm begegnete, Gottes Hand sah, machte sich alsbald auf den Weg. Unterwegs gesellte sich ein Bekannter zu ihm, ein vermöglicher Landmann aus der Nachbarschaft, und fragte den Priester, wo er hin wolle. „Nach D....," sagte er: „wohin ich als Seelsorger berufen bin." — „Wie?" rief sein Begleiter, „nach D...., um dort Hungers zu sterben?" — „Lassen wir das gut sein," sprach mit ruhigem Lächeln der Glau- Berufe zum Priesterstande. bcnsmann, und sing an, von andern Dingen zu reden. Aus einmal wendet er sich folgendermaßen an den Bauer: „Ich muß Euch doch Etwas sagen, das mir recht leid thut um Euch. Bisher habe ich Euch immer für einen rechtlichen Mann gehalten, und nun muß ich hören, daß Ihr Euren Taglöhnern und Dienstboten, welche den ganzen Tag für Euch arbeiten, nicht einmal satt zu essen gebt." — „Was?" fuhr der Landmanu heftig auf, „ich gebe meinen Leuten nicht genug zu essen? Wer mir so Etwas nachredet- „Nur gemach," siel ihm der Diener Gottes besänftigend in die Rede, „so bös ist's gar nicht gemeint. Ich Hab' Euch nur darauf hinzeigen wollen, daß der liebe Gott sicherlich nicht schlechter ist, als Ihr. Wenn ich in Seinem Dienste treulich arbeite, so wird Er mich gewiß nicht verhungern lassen." Das war des Mannes Glaube, und auf diesem blieb er fest bis in den Tod. Und die Stürme des Lebens und seine viele Noth konnte dieses sein festes Gebäude nicht erschüttern; denn es war auf den Fels gegründet. Wer so uneigennützige Absichten und ein so kindliches Vertrauen auf Gott im Herzen hat und nährt, der ist zum Priester des Herrn berufen. Fr. Sind aber nicht alle Christen schon durch die Taufe wahre Priester? Anlw. Nein; wie in A. B. das eigentliche Priester- thum durch leibliche Abstammung von Aaron sich fortpflanzte, so Pflanzt es sich auch im N. B. nur durch die geistige Abstammung der Weihe fort. Belehrung. Man muß unterscheiden zwischen innerem und äußerem Priesterthume; dem innern Priesterthume nach sind alle Gläubigen, besonders die Gerechten, Priester, nicht aber dem äußern Priesterthume nach. Wenn also der heilige Petrus (1. Petr. 2, 9.) alle Christen „ein königliches Priesterthum" nennt, so ist dieß nur im geistigen Sinne zu verstehen; wir sollen nämlich Alle, die wir getauft sind, innerliche oder geistige Opfer des Glaubens, der Hoffnung und Liebe, des Gebetes und der Abtödtung Gott darbringen (siehe nachstehendes Bild!), sowie wir auch geistiger Weise Könige und Herrscher sind, indem wir über unsere bösen Neigungen und Leidenschaften herrschen sollen. — Sehr schön stellt uns der heilige Ephrem dieses geistige Priesterthum in folgendem Gleichnisse dar: „Strebe mit allem Fleiße darnach," schreibt er, „daß du in deiner Brust Gott einen Tempel aufbauest, und sei Küster und Priester darin! Diene ihm unverzüglich, und weil er für dich Priester und Opfer wurde, so bringe ihm dein Herz dar und reinige es von allem Unflathe!" — Dem äußern Priesterthume aber können nicht alle Gläubigen angehören, d. h. sie könnem nicht Ausspender der Geheimnisse 523 Am Feierabende des 12. August. Gottes sein. Daher schreibt der heilige Paulus: „Christus ist es, der Einige zu Aposteln, Andere zu Propheten, Diese zu Evangelisten, Jene zu Hirten und Lehrern machte, auf daß sie nach ihren Amtspflichten an der Vervollkommnung der Heiligen zur Erbauung seines Leibes arbeiten." (Ephes. 4, 11—12.) Sündhafte Anmaßung, eine gottesräuberische Handlung wäre es also, wenn sich ein Laie, ein Unberufener priesterliche Verrichtungen erlauben würde. Beispiel und Anwendung. Der König Ozias war so mächtig, daß er ein Heer von mehr denn dreimal hundert zwei und fiebenzig tausend Mann auf den Beinen hielt. Mit diesem Vorzüge noch nicht zufrieden, wollte er sich auch in die Amtsgeschäfte der Priester eindrängen und den Weihrauch auf dem Altäre anzünden. Der Hohepriester Azarias bestrafte ihn hierüber und sagte: „Es ist dein Amt nicht, o König! daß du dem Herrn Rauchwerk anzündest, sondern das Amt der Priester, die zu solchem Dienste geweihet sind. Gehe hinaus aus dem Heiligthume; denn dieß wird dir von Gott dem Herrn nicht zur Ehre gerechnet werden." Der König wollte sich ihm drohend widersetzen; aber in demselben Augenblicke strafte ihn Gott mit dem Aussatze, der an seiner Stirne ausbrach und ihm sein ganzes Leben über anhing. So furchtbar war das Gericht, welches Gott über den gekrönten Frevler verhängte, der in frechem Stolze sich den Priestern des alten Bundes widersetzte. Wird er schonender gegen Jene verfahren, welche in die Rechte und Verrichtungen der Priester des neuen Bundes ungescheut eingreifen, deren Amt und Würde weit erhabener ist? Fr. Was können und sollen wir thun, auf daß uns Gott der Herr stets würdige Priester sende? Antw. Wir sollen recht oft zu Gott um würdige und fromme Priester beten. Belehrung und Beispiel. Hierzu fordert uns Christus selbst mit den Worten auf: „Bittet den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter in seine Ernte sende!" Und die Kirche, die die geistlichen Weihen gewöhnlich in den Quatcmberwochen vornimmt, verlangt von allen Gläubigen, daß sie in diesen Wochen fasten und beten sollen, auf daß der gütige Gott fromme Priester in seinen Weinberg senden möge. Bete und faste also, mein Christ! in den Quatcmberwochen ganz besonders in dieser Absicht! Schon der heilige Chrysosto- mus wendete sich daher bei seiner Priesterweihe an die versammelten Gläubigen und empfahl sich dem Gebete derselben, um als treuer Diener Gottes das schwere Amt des Priesterthums erfüllen zu können. Seine Worte lauten: „Und wenn ihr auch mich eueres Gebetes für würdig achten wollet, so erbittet mir viel Kraft und Wachsthum von Oben. Schon früher, als ich noch für mich allein lebte und in keine geistlichen Geschäfte verstechten war, brauchte ich Schutz und Beistand; nachdem ich aber hervorgezogcn worden bin, so bedarf ich jetzt vieler Hände, bedarf tausend Fürbitten, damit ich das mir anvertraute Pfund dem Herrn unverletzt znrück- stellen kann, an jenem Tage, wo er von Denen, welchen er seine Talente anvertraut hat, Rechenschaft abfordern wird. Bittet also für mich, damit ich einst nicht zu Denen gehöre, welche gebunden in die äußerste Finsterniß geworfen werden, vielmehr zu Denjenigen, welche Vergebung erlangen durch die Gnade und Menschenfreundlichkeit unsers Herrn Jesu Christi, welchem sei Ehre, Ruhm und Anbetung in alle Ewigkeit!" Legende: Die heilige Klara, Jungfrau und Ordeusstifterin (st 1253). Wie oft betete die heilige Jungfrau und Ordensstifterin, St. Klara, deren Fest heute die Kirche Gottes feiert, voll Inbrunst um fromme, pflichtgetreue Priester zu Gott! Diese Heilige, im Jahre 1193 in Assisi geboren, wurde in aller Gottseligkeit erzogen und machte frühe das Gelübde, immerwährend Jungfrau zu bleiben. Das Beispiel des heiligen Franziskus machte auf sie einen solchen Eindruck, daß sie in dem Alter von 18 Jahren der Welt völlig entsagte und in 66 * 584 Drittes Hauptstück. Von den Ceremonien bei der Priesterweihe, und zwar von der Tonsur rc. , "Wb - ein Kloster sich begab. Bald verbanden sich mit ihr viele andere Personen ihres Geschlechtes, und es entstand der Orden der armen Klarissinen, welcher die Kirche bisher erbaut und die Weichlichkeit der Töchter dieser Welt beschämt hat. Als Oberin zeichnete sich Klara durch Demuth, Andacht und Geduld aus. Die letzten 28 Jahre ihres Lebens brachte sie meistens auf einem schmerzlichen Krankenlager zu, wo sie sich freute, daß der Herr ihr seinen Leidenskelch zu kosten gab. Als zur Zeit des Krieges die Stadt Assisi belagert wurde, und die Ungläubigen bereits daran waren, in das außer der Stadt gelegene Kloster der heiligen Klara zu dringen, ließ sich die Heilige an die Pforte tragen, dort vor sich das Hochwürdigste in der Monstranz hinstellen und betete dann unter Thränen zu dem Allerhöchsten um Schutz für seine Dienerinen. Und sieh, plötzlich ergriffen die Ungläubigen in größter Bestürzung die Flucht. Von dieser Begebenheit nahmen die Maler Anlaß, der Abbildung der heiligen Klara eine Monstranz beizufügen. — Zweiundvierzig Jahre hatte die vielgeprüfte, wundersame Jungfrau in dem Kloster gelebt, als sie am 11. August 1253 unter himmlischen Tröstungen sanft und ruhig entschlief. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! wir vereinigen unser schwaches Gebet mit der mächtigen Fürbitte deiner treuen und heiligen Dienerin Klara und bitten dich demüthig, sende uns stets würdige Priester und getreue Arbeiter in deinem heiligen Weinberge — durch Chri- stum, unfern Herrn. Amen. Zweihundertfünfundzwanzigstes Lesestück. ^ Am Feierabende des 13. August. Bo» den Ceremonien bei der Priesterweihe, und zwar von der Tonsur und den vier niederen Weihen. Fr. Auf wie vielen Stufen gelaugt man zur Priesterweihe? Antw. Ans sieben; auf vier niederen, denen die Tonsur voransgeht, und auf drei höheren. Belehrung. Es gibt kein Sakrament, zu dessen Erreichung man durch so viele Stufen hinansteigt, wie zur Priesterweihe. „Der Altar," sagt Gaume in seiner Religionslehre, „ist ein Heiligthum, zu dem viele Stufen führen, (sieh das nachfolgende Bild!) ein heiliger, furchtbarer Berg, den man nur langsam ersteigen kann, und erst nach langen und strengen Reinigungen. Die verschiedenen Weihen sind ! die Stufen dieses geheimnißvollen Berges." Es gibt nämlich 7 Stufen oder Grade: vier niedere, denen die Tonsur vorausgeht, und drei höhere. Diese verschiedenen Grade und die dabei vorkommenden Ceremonien wollen wir nun näher betrachten; wir werden hieraus die Größe und Erhabenheit des heiligen Sakraments der Priesterweihe kennen lernen. Fr. Was versteht man unter Tonsur? Antw. Unter Tonsur versteht man die geschorne j Krone auf dem Haupte des zu Weihenden; sie ist noch keine Weihe, sondern nur eine Vorbereitung dazu, gleichsam die Einkleidung zum geistlichen Stande. Belehrung und Beispiele. Die Vorbereitung zum heiligen Sakramente der Weihe ist die Tonsur. Sie ist selbst, wie schon gesagt, keine Weihe, sondern verhält sich zu derselben, wie die Verlobung zur Ehe. Durch die Tonsur wird Der, welcher sie empfängt, von dem Laienstande getrennt und in den geistlichen Stand erhoben. Wer sie trägt, gibt damit zu verstehen, daß er gesonnen und entschlossen ist, sich dem besonderen Dienste Gottes und der Kirche zu weihen. Der Bischof ertheilt die Tonsur, indem er dem Tonsuranden einen Theil seines Haupthaares abschneidet, wobei Letzterer Am Feierabende des 13. August. 525 dem Bischöfe die Worte uachspricht: „Du, o Herr, bist mein Erbe und mein Antheil; du wirst mir mein Erbtheil wieder zurückerstatten." Dieses Abschneiden derWaare, mit welchem die Aufnahme in den geistlichen Stand geschieht, bedeutet die Verzichtleistung auf das zeitliche Gut und alles irdische Treiben, welchem der Geistliche entsagt; die Worte, welche dabei gesprochen werden, weisen auf den Dienst hin, welchen er anzutreten entschlossen ist. Als immerwährendes Zeichen dieses ihres Berufes tragen die Geistlichen ihr Haar in Form einer Krone geschoren. — Der ehrwürdige Beda behauptet, der Erste, welcher die s Tonsur getragen, sei der heilige Petrus gewesen, und nach seinem Beispiele tragen sie alle Geist- 'ichen zum Andenken an die Dornenkrone des Herrn. Die Ton- iur ist also nicht erst seit neueren Zeiten in die Kirche Angeführt worden. Schon der heilige Dionysius, der Areopagit, thut derselben Erwähnung, und der heilige H i e r o n y m u s schreibt an den heiligen Augustin: „Grüßemir bei deiner Krone den Evodius und Alippius!" DerheiligeAugustin hinwiederum schreibt an einen Freund: „Meine Bekannten bitten dich bei deiner Krone." Daraus sieht man, wie hoch die heiligen Väter die Tonsur in Ehren hielten, da sie die Geistlichen bei ihrer Tonsur grüßten und baten. Tragen auch wir Ehrfurcht gegen dieses heilige Zeichen des geistlichen Standes! Die Tonsur ist allerdings blos ein Zeichen, aber dennoch das Zeichen einer ehrwürdigen Sache; sie ist das Sinnbild der Trennung der zum Dienste des AltarcS auserseheneu Schaar von den Laien. Beten wir für Die, welche dieselbe tragen oder empfangen wollen! Gott verleihe ihnen das Licht seiner Gnade und die Vollkommenheit aller Tugenden, damit sie des heiligen Dienstes, zu welchem Gott sie berufen hat, würdig seien! Fr. Welches sind die vier niedern Grade oder Stufen in der Priesterweihe? Antw. Die erste Stufe der Weihe ist die der Pförtner (Ostiariat), die zweite die der Vorleser 526 Drittes Hauptstück. Von den Ceremonien bei Lektorat), die dritte die der Exoreisten (Exorcistat) und die vierte die der Meßdiener (Akolhthat.) Fr. Worin besteht das Amt der Pförtner oder das Ostiariat? Antw. Darin, daß sie die Thüren der Kirche und der Sakristei zu schließen, die Glocken zum Gebete und zum Gottesdienste zu läuten und Dem, welcher predigt, das Buch anfzuschlagen haben. Belehrung. Auf alle diese Pflichten macht der Bischof die zu Weihenden aufmerksam, indem er bei Ertheilung dieser Weihe den höheren Sinn dieser Verrichtungen erklärt mit den schönen Worten: „Wie ihr mit dem materiellen Schlüssel die sichtbare Kirche öffnet und schließt, so bemühet euch, durch Wort und Beispiel die unsichtbare Wohnung Gottes, die Herzen der Gläubigen, dem Teufel zu verschließen und Gott aufzuthun." — Nach dieser heilsamen Ermahnung nimmt der Bischof die Kirchenschlüssel und reicht sie den zu Weihenden zum Berühren dar, und spricht zugleich die Worte, welche die Form dieser Weihe ausmachen: „Handelt so, daß ihr Gott Rechenschaft geben könnt für alle Dinge, welche mit diesen Schlüsseln verwahrt werden." — Dieß ist die erste der vier niederen Weihen. Fr. Worin besteht das Amt der Vorleser oder das Lektorat? Antw. Darin, daß sie in der Kirche die Bücher des A. und N. T. mit lauter Stimme und deutlich vorlesen. Auch mußten sie ehemals die Gläubigen in den Anfangsgründen der christlichen Religion unterrichten. Belehrung. Rührend sind die Worte, welche der Bischof an Jene richtet, welche zu dieser Weihe zugelassen werden. „Meine vielgeliebten Söhne," sagt er, „die ihr erwählet seid zu Vorlesern im Hause Gottes, erkennet und erfüllet wohl euer Amt! . . . Glaubet vom Herzen, was ihr mit dem Munde leset, und erfüllet es in eueren Werken." Indem dann der Bischof auf den geheimnißvollen Sinn dieser Verrichtungen hindeutet, fügt er hinzu: „Wenn ihr leset, so stehet aufrecht, indem ihr dadurch zeiget, daß ihr auf der höchsten Stufe erhoben sein sollet." — Hierauf spricht der Bischof, indem er den zu Weihenden das Buch zur Berührung hinreicht, die Form dieser Weihe: „Nehmet hin," sagt.er, „und traget vor das göttliche Wort, und wenn ihr euere Pflicht getreu und mit Frucht erfüllet, so werdet ihr eueren Antheil mit Jenen der Priesterweihe, und zwar von der Tonsur rc. haben, die vom Anfänge an das Wort Gottes !) werden verkündet haben." — So geschieht die Weihe der Vorleser, deren Verrichtungen um so ehrwürdiger und höher sind, als sie bereits an der Verkündung des Evangeliums theilhabcn. Fr. Worin besteht das Amt der Exoreisten oder das Exorcistat? Antw. Darin, daß sie die unreinen Geister durchs die Anrufung des heiligen NamenS Jesu austreiben. Belehrung. Diese Gewalt ist nach der jetzigen Ueb- ung der Kirche beschränkt und wird nur von den Bischöfen und Priestern geübt. — Die Form, unter welcher der Bischof diese Weihe ertheilt, ist folgende: „Empfanget und habet die Gewalt, die Hände den vom bösen Geiste Gequälten aufzulegen, seien nun dieselben getauft oder bereiten sie sich erst auf die Taufe vor." — Höret noch die Worte, welche der Bischof zum Schluffe an die Geweihten richtet! — „Befleißet euch," sagt er, „alle Unreinigkeit von eueren Leibern und von eueren Seelen ferne zu halten, wie ihr die bösen Geister in die Flucht schlaget! Lernet von euerem Amte die Laster überwinden, damit der Feind an euch Nichts habe, was ihm gehörte. Dieß verleihe euch der Herr durch seinen heiligen Geist!" — Meine Christen! das sind Worte, welche jeder Gläubige, auch wenn er nicht zu den heiligen Weihen hintritt, sich zu Herzen nehmen darf; zu jedem Christen kann ! man ernstlich mahnend sagen: „Befleiße dich, alle Unreinig- ^ keit ferne von deinem Leibe und deiner Seele zu halten, lerne mit Hilfe der Gnade, deine Leidenschaften überwinden, damit der böse Feind in dir nicht wohne, damit Nichts von dir ihm angehöre!" Fr. Worin besteht endlich das Amt der Meßdiener oder das Akolhthat? Antw. Darin, daß sie zum Gottesdienste die Kerzen anzünden und tragen und bei der heiligen Messe Wasser und Wein für den Priester Herrichten. Belehrung. Die Form, unter welcher der Bischof ) diese Weihe spendet, ist folgende: „Nehmet hin den ! Leuchter mit der Kerze, und wisset, daß eS euer Amt ist, die Lichter in der Kirche anzuzünden im Namen des Herrn." Dabei reicht er ihnen den Leuchter sammt der Kerze zur Berührung dar. Indem er ihnen dann die leeren Kännchen zur Berührung darreicht, fährt er fort: „Nehmetdie Kännchen, um darein Wein und Am Feierabende des 13. August. 527 Wasser zu schütten für die heilige Messe im Namen des Herrn." — Nach Ertheilung dieser Weihe fordert der Bischof alle Anwesenden ans, ihr Gebet mit dem seinigen zu vereinigen. „Meine vielgeliebten Brüder," sagt er, „lasset uns Gott, den allmächtigen Vater bitten, er möge seine Diener, welche im Range der Akolythen stehen, segnen, damit sie, wie sie das sichtbare und leibliche Licht in ihren Händen tragen, so mit der Gnade unseres Herrn das geistige Licht bewahren." Dann fährt er fort: „Heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott, der dn durch deinen Sohn Jesus Christus unfern Herrn und durch seine Apostel das Licht deiner ewigen Klarheit in die Welt hast bringen lassen, der du gewollt hast, daß bei seinem Tode am Kreuze aus der Wunde seines Herzens Blut und Wasser fließe für das Heil der Welt, wir bitten dich, du mögest deine Diener, welche du zum Amte der Akolythen berufen hast, segnen; erleuchte ihre Erkenntniß, entzünde ihre Herzen mit dem Feuer der Liebe, damit sie, erleuchtet von deiner Klarheit, dir getreu dienen —durch Jesum Christum, unfern Herrn." — Dreimal erhebt der Bischof sein Flehen zum Himmel, und man erkennt aus seinem bewegten und feierlichen Gebete, wie hoch die Kirche das Amt der Akolythen, als in naher Berührung mit dem hochheiligen Opfer stehend, schätzt. — Aus dem über die niederen Weihen Gesagten, erkennet ihr zur Genüge, wie in den Augen der heiligen Kirche Alles, was zum Dienste Gottes gehört, auch dessen unterste Verzweigungen, einen hohen Werth hat. Die Pförtner, die Vorleser, die Exorcistcn, die Mcßdiener können in Folge der vom Bischöfe erhaltenen Weihe die Worte des Apostels auf sich anwenden: „Die Menschen sollen uns ehren als Diener Jesu Christi." Wir müssen sie also ehren; aber sie nicht blos ehren, sondern auch für sie beten, damit Gott seine Gnaden über sie ausgieße und sie würdige Diener seines Hciligthumes und getreue Ausspender seiner Geheimnisse werden laste. Heiden Vertrieben, wollte er nach Rom wallfahrten. Auf dem Wege kam derselbe nach dem Forum Cornelii (Jmola), sah das Volk dem Götzendienste ergeben, und beschloß, hier den wahren christlichen Glauben anzubauen. Um dieß leichter zu erzielen, sing er an als Schullehrer die Knaben zu unterrichten, um die Verehrung der Götzen durch vernünftigen Unterricht zu vernichten, und das zarte Alter für die Wahrheiten des christlichen Glaubens empfänglich zu machen. Bei dem Präfekten der Stadt darüber zur Verantwortung gezogen, erklärte der heilige Mann, daß er Jesum Christum, den Gekreuzigten, den Urheber des Heiles der ganzen Welt, den Unwissenden predige. Als er darauf beharrtc, übergab der Präfekt den Lehrer dessen eigenen Schülern, denen er verhaßt geworden war, damit sie ihn tödten könnten. Die rohen Schüler banden den heiligen Lehrer an eine marmorne Säule, durchbohrten ihn mit eisernen Griffeln und tödtcten ihn langsam und grausam. Ein seltener und schauerlicher Martertod! Der Leib des heiligen Bischofs und Marthr's Cassianns ruht in der Cathc- drale zu Jmola. Legende: Der heilige Bischof und Märtyrer Cassianns (si 362). Durch all diese niedern Weihen und Stufen stieg auch der heilige Cassianns, dessen Fest auf den heutigen Tag fällt, hinan zur erhabenen Würde des Priesters und Bischofs. Dieser Heilige, ein durch göttliche Wissenschaft und durch Heiligkeit des Lebens berühmter Mann, kam nach Sabioua (Sebcn), bekehrte die Leute jener Gegend (Brixen) zum christlichen Glauben, baute eine Kirche zu Ehren der Mutter Gottes und Jungfrau Maria, und wurde vom Patriarchen von Aquileja znm ersten Bischof von Sabiona geweiht. Von da durch die Gebet. O Gott! bewahre uns gnädig vor jenem schwarzen Undanke gegen unsere geistlichen und weltlichen Lehrer, den der heilige Bischof und Märtyrer Cassian von seinen eigenen Schülern erfahren mußte, und gib, daß wir dem geistlichen Stande stets jene Ehrfurcht und Liebe erweisen, welche ihm wegen seiner erhabenen Würde gebühret, — durch Christum, unfern Herrn. Amen. 528 Drittes Hauptstück. Von den Ceremonien bei der Priesterweihe, und zwar von den drei höheren Weihen. ZweihnndertsechsundMlizigstes Lesestück. Am Feierabende des 14. August. Von den Ceremonien bei der Priesterweihe, und zwar von den drei höheren Weihen. Fr. Wie heißen die drei höheren Weihen? Antw. 1) Die Weihe zum Subdiakon, 2) zum Diakon und 3) zum Priester, deren jede nur unter der heiligen Messe des Bischofs ertheilt werden kann, während die Tonsur und die 4 niederen Weihen auch außer der heiligen Messe erheilt werden können. Fr. Welches sind die Verrichtungen des Subdiakons? Antw. Folgende: er bringt den Kelch, die Patene und das Brod zum Altäre, mischt Wasser in den Wein, welchen der Diakon in den Kelch gegossen, und singt die Epistel bei der heiligen Messe. Belehrung. Gewöhnlich schreibt man dem Papste Fabian die Einführung der Subdiakonen zu, indem er den sieben Notaren, welche die Martyrerakten zu sammeln hatten, sieben Subdiakonen beigab. Ihre Verrichtungen sind die oben angegebenen, und darauf beziehen sich nun auch alle Ceremonien und Gebete, welche bei der Weihe der Subdiakonen üblich sind. — Durch die Uebernahme dieser Weihe verpflichtet man sich, für immer im geistlichen Stande zu bleiben; zugleich übernimmt man die Pflicht, täglich das Breviergebet zu beten und das ganze Leben ehelos und in strenger Keuschheit zuzubringen. Fr. Worin besteht das Amt der Diakonen? Antw. Darin, daß sie während der heiligen Messe dem Priester am Altäre assistiren und das Evangelium singen, daß sie predigen und die zwei heiligen Sakramente der Taufe und des Altares spenden. Belehrung und Beispiele. Die Weihe der Diakonen ist schon apostolischen Ursprungs. Die Apostelgeschichte (6. Kap.) erzählt Folgendes: „Als die Anzahl der Jünger immer größer wurde, äußerten die Griechischen gegen die Hebräischen ihre Unzufriedenheit, daß ihre Mittwen bei der täglichen Armenpflege zurückgesetzt würden. Die zwölf Apostel riefen daher die Gemeinde der Jünger zusammen und sprachen: „Das geht nicht an, daß wir das Wort Gottes hintansetzen und die Sorge für den Unterhalt der Armen übernehmen. Darum Brüder, suchet sieben Männer unter euch aus, die ini guten Rufe stehen, die voll heiligen Geistes und voll Weisheit sind. Diese wollen wir dann zu diesem Geschäfte anstellen; wir aber wollen fortwährend dem Gebete und dem Dienste des Wortes obliegen." Dieser Vorschlag gefiel der ganzen Gemeinde. Man wählte daher sieben und stellte sie den Aposteln vor, welche unter Gebet ihnen die Hände auflcgten." Unter diesen sieben war der Erste der heilige Stephanus, ein Mann voll Glaubens und voll des heiligen Geistes. — Aus obiger Stelle geht hervor, daß das Hauptgeschäft der Diakonen die Almosenpflege war. Jedoch schon zu den Zeiten der Apostel hatten sie geistliche Verrichtungen zu machen; so predigte z. B. Stephanus das Evangelium; Philippus lehrte und taufte den vornehmen Aethiopier; und in der Folge der Zeit waren die geistlichen Verrichtungen ihr Hauptgeschäft, das in Folgendem besteht: sie dürfen während der heiligen Messe dem Priester am Altäre assistiren und das Evangelium singen; sie dürfen predigen und die zwei heiligen Sakramente der Taufe und des Abendmahles spenden. — Auf alles Dreß nun beziehen sich auch hier wiederum die Ceremonien und die Gebete des Bischofs bei der Weihe der Diakonen. Fr. Wie heißt die dritte und letzte höhere Weihe? Antw. Die Priesterweihe. Belehrung. Da diese Weihe von besonderer Wichtigkeit ist, so will ich dir, mein christlicher Leser! die Ceremonien, welche dabei üblich sind, ausführlich erklären. - Der Bischof erscheint in vollem Ornate, begleitet von mehreren Priestern und besteigt seinen Sitz. Der Erzdiakon, ein Domherr, führt ihm die Neuzuweihenden, die das Meßgewand auf dem Arme tragen, vor und bittet, der Bischof möge diese Jünglinge zu Priestern weihen. Der Bischof wendet sich nun an den Erzdiakon mit der Frage: „Weißt du denn, daß sie würdig sind?" Dieser antwortet schüchtern: „So weit es die menschliche Schwäche gestattet, weiß ich, daß sie dieses Amtes würdig sind." —- Wenn nun keine Einwendung erfolgt, so werfen sich die Neuzuweihendeu auf den Boden und bekennen dadurch, daß sic der Welt abstcr- ben und sich ganz Gott opfern wollen. Inzwischen wird vom Bischöfe und den anwesenden Priestern die Litanei aller Heiligen gebetet, und diese mächtigen Freunde Gottes werden um ihre Fürbitte angerufen. Gegen das Ende der Litanei erhebt sich der Bischof und segnet dreimal die auf dem Boden Liegenden, sprechend: „Daß Du, o Gott, diese Auserwählten segnen wollest; daß du diese Auserwählten segnen und heiligen wollest; daß du diese Auserwählten segnen, heiligen und weihen wollest." Die umstehenden Priester Am Feierabende antworten dreimal: „Wir bitten dich, erhöre uns!" — Jetzt stehen Alle auf und treten paarweise zum Bischöfe hin. Sie knieen vor ihm nieder, und er legt Jedem aus ihnen, ohne Etwas zu sprechen, beide Hände auf das Haupt. Alle bei dieser Ceremonie gegenwärtigen Priester legen ihnen gleichfalls die Hände auf. Dadurch fängt man an, Denen, welche geweiht werden sollen, die Gnade und Kraft des Priester- thnms mitzutheilen, wie dieses der Bischof in einem Gebete von Gott begehrt, auf welches eine Borrede (Präfation) folgt. Hierauf ergreift der Bischof die Stole, welche Jeder von der linken Schulter quer herab gegen die rechte Seite trägt, und legt sie auf beide Schultern; denn nur die Priester dürfen sie so tragen. Er spricht dabei: „Nimm hin das Joch des Herrn; denn sein Joch ist süß, und seine Bürde ist leicht." — Alsdann legt er ihnen das Meßgewand an, welches jedoch rückwärts znsammengewickelt ist, und spricht zu Jedem: „Nimm hin das priesterliche Kleid, welches ein Vorbild der Liebe ist; denn Gott ist mächtig, dich in der Liebe wachsen zu machen und dein Werk zu vollenden!" — Auf diese Ceremonie folgt ein Gebet, worunter Alle auf ihren Knieen liegen, und darnach stimmt der Bischof den Lobgesang an: „Komm- heiliger Geist, du Schöpfer rc." Während dieses Lobgesanges salbt der Bischof mit dem Oele der Katechumenen in Kreuzesform beide Hände der angehenden Priester, und spricht bei der Salbung eines Jeden: „Durch diese Salbung und durch unfern Segen weihe und heilige diese Hände, o Herr! damit Alles, was sie segnen werden, gesegnet, und Alles, was sie wandeln (consekriren) werden, gewandelt und geheiliget werden möge im Namen Mchler, Hausbuch. des 14. August. 549 Jesu Christi, unsers Herrn!" Der Gesalbte antwortet: „Amen." Endlich läßt er sie den Kelch, worin Wein mit Wasser vermischt ist, und die Patene, worauf eine Hostie liegt, berühren und spricht dabei zu Jedem: „Empfange hiemit die Gewalt, das Opfer sowohl für die Lebendigen, als Todten zu entrichten ini Namen des Herrn!" — Vor der Aufopferung treten alle Neugeweihten zum Altäre und küssen dem Bischöfe die Hand. Darauf opfert dieser das Brod und den Wein, welche zur Messe bestimmt sind, Gott auf. Die neugeweihten Priester, welche entweder vor dem Altäre oder zu beiden Seiten desselben knieen und Meßbücher vor sich haben, vereinigen sich mit dem Bischöfe und lesen die'Messe gemeinschaftlich mit ihm. Der Bischof spricht Alles so langsam und laut aus, daß er von ihnen verstanden werden kann; sie aber beten und wandeln (consekriren) zu gleicher Zeit mit ihm. — Hat der Bischof selbst kommuni- zirt, so theilt er auch den neuen Priestern die heilige Com- munion, jedoch nur unter Brodsgestalt mit. Nach geendigter Communion stellen sich die Priester am Altäre vor den Bischof hin und beten das apostolische Glaubensbekenntnis). Hieraus knieen sie sich nieder, und der Bischof legt ihnen zum zwei- tenmale die Hände auf und spricht dabei zu Jedem jene Worte, welche der Heiland zu seinen Jüngern gesprochen hat: „Nehmet hin den heiligen Geist! Denen ihr die Sünden Nachlassen werdet, denen werden sie nachgelassen, und denen ihr sie Vorbehalten werdet, denen sind sie Vorbehalten." Er löset nun den Hintertheil des Meßkleides, der bisher zusam- mengewickelt war, und spricht dabei: „Der Herr kleide dich mit dem Kleide der Unschuld!" Nun nähern sich die Priester, einer nach dem andern, dem Bischöfe und knieen vor ihm nieder. Er nimmt die zusammengebundeucn Hände eines Jeden zwischen seine Hände und fragt: „Versprichst du mir und meinen Nachfolgern Ehrerbietung und Gehorsam?" Der Priester antwortet: „Ich verspreche sie." Hierauf gibt ihm der Bischof, welcher noch immer seine Hände hält, den Friedens-Kuß mit den Worten: „Der Friede des Herrn sei allezeit mit dir!" Nach dieser Ceremonie spricht er über die Priester einen Segen aus, auf welchen die Nachkommunion und das Uebrige folgt, was sonst bei der Messe gewöhnlich ist, jedoch mit diesem Unterschiede, daß der Bischof zwischen dem letzten Segen und dem Johannesevangelium eine kurze Anrede an die Neugeweihten hält, und sich ihrem Gebete empfiehlt. So endet die erhabene Ceremonie der Priesterweihe. Fr. Welche Abstufungen gibt es im Priesterthume? AntW. Folgende: auf der ersten Stufe stehen die 67 53V Drittes Hauptstitck. Von den Ceremonien bei der Priesterweihe, und zwar von den drei höheren Weiben. einfachen Priester, auf der zweiten die Bischöfe, auf der dritten die Erzbischöfe, auf der vierten die Patriarchen, endlich auf der höchsten Stufe steht der Bischof von Rom oder der Papst. Belehrung. Wenn gleich nur Ein Pricsterthum ist, so gibt es doch wieder verschiedene Abstufungen der kirchlichen Regiernngsgcwalt. Auf der ersten Stufe stehen die einfachen Priester, deren Rechte und Pflichten wir bereits kennen. — Auf der zweiten Stufe stehen die Bischöfe, welche die einzelnen Diöcesen regiren. Sie sind die Nachfolger der Apostel, die ersten Hirten der Kirche; sie besitzen die Fülle des Priesterthums; man heißt sic daher auch Hohepriester, weil sie die Gewalt haben, Priester zu weihen und die Getauften zu firmen. — Auf der dritten Stufe der Negierungsgewalt stehen die Erzbischöfe, welche das Verhalten der Bischöfe in gewissen Beziehungen und Gegenständen zu überwachen haben. — Auf der vierten Stufe stehen die Patriarchen. Diesen stand von Alters her eine gewisse Uebcrwachung der kirchlichen Verhältnisse über größere Gebiete der Kirche zu. In den ersteren Jahrhunderten gab es deren vier: zu Constantinopel, zu Alexandria, zu Antiochia und zu Jerusalem. — Endlich die höchste Stufe der kirchlichen Negierungsgewalt nimmt der Bischof von Nom ein, der heilige Vater, der Papst genannt, welcher Hirte und Patriarch der ganzen katholischen Welt ist, und daher auch der Bischof der Bischöfe, der oberste Hohepriester heißt. Legende: Der heilige Prie ster und Märtyrer Eusebius. Mit der erhabenen priesterlichen Würde, von welcher im heutigen Lesestück die Rede war, war auch der heilige Märtyrer Eusebius ausgerüstet, dessen Andenken heute gefeiert wird. Er bekämpfte zu Nom unter des CoustautiuS Regierung die Arianer mit vielem Eifer. Man liest in seinen Akten, daß er auf des Kaisers Befehl in seinem eigenen Gemache eiugekerkert worden sei, und daß er sein Gefängniß durch ein beständiges Gebet geheiligt habe. Nachdem er viele Leiden um des Glaubens willen erduldet hatte, starb er selig im Herrn im vierten Jahrhundert. Sein Name stand allezeit zu Nom in großer Verehrung. Gebet. Wir bitten dich, o Herr! verleihe uns auf die Fürbitte des heiligen Priesters und Märtyrers Eusebius die Gnade, daß wir aus den erhabenen Ceremonien, welche mit der Priesterweihe verbunden sind, auch die erhabene Würde des Priesterlhums er kennen und die Priester lieben und ehren, die du uns sendest — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihundertsiebenundzwanzigstes Lesestmk. Am Feierabende des 15. August. Vom heiligen Sakramente der Ehe. Die Ehe — ein Sakrament; ihre Unauflösbarkeit. Fr. Was ist die Ehe? Antw- Die Ehe ist jenes Sakrament, durch welches zwei ledige, christliche, unversprochene Personen, Manu und Weib, sich verheirathen und durch die Gnade Gottes gestärkt werden, die Pflichten ihres Standes bis in den Tod getreu zu erfüllen. Fr. Ist die Ehe wirklich ein Sakrament? Antw. Freilich; denn es kommen dabei die drei zu einem Sakramente erforderlichen Stücke vor: 1) die göttliche Einsetzung, 2) das äußere Zeichen und 3) die innere Gnadenwirkung. Belehrung. Von jeher wurde die Ehe in der Kirche für ein Sakrament gehalten, und der heilige Paulus nennt sie sogar ein großes Sakrament, weil sie ein Zeichen der unaufhörlichen Vereinigung Christi mit seiner Kirche ist. Daher erklärt auch der Kirchenrath von Trient (Löss. 24. oap. 1.): „So Jemand sagt, die Ehe sei nicht wahrhaft » . ! 'i ! i 531 Am Feierabende und eigentlich Eines von den sieben Sakramenten des evangelischen Gesetzes, eingesetzt von Christus, sondern von den Menschen in der Kirche erfunden, und ertheile keine Gnade, der sei im Banne!" — Das; sie aber wirklich von Gott, von Christus eingesetzt sei und besondere Gnaden ertheile, werden wir aus dem Folgenden ersehen. Fr. Hat Gott selbst die Che eingesetzt? Antw. Ja, Gott selbst hat die Ehe schon im Paradiese eingesetzt (sieh das obige Bild!), und Christus hat sie zur Würde eines Sakramentes erhoben. Belehrung. Gott selbst hat die Ehe eingesetzt, als er dem Adam im Paradiese die Eva zum Weibe gab, damit sie beide gottselig und in treuer, unauflöslicher Liebe zusammen leben sollten. — Nachdem Gott den Adam in's Paradies gesetzt hatte, auf das; er es bebaue und bewahre, sprach er: „Es ist nicht gut für den Menschen, daß er allein sei; lasset uns ihm eine Gehilfin machen, die ihm gleich sei." Darum sandte Gott einen tiefen Schlaf auf Adam, nahm eine von den Nippen Adams, füllte Fleisch an ihre Stelle, und Gott der Herr baute aus der Rippe, die er von Adam genommen, ein Weib und führte sie zu Adam. — Das ist die erste Ehe; das ist die Einsetzung derselben durch des Ist. August. Gott den Herrn selbst. Wir sehen hieraus, daß die Ehe nur zwischen Einem Mann und Einem Weibe stattsinden soll (Einheit der Ehe), und daß sie unzertrennlich mit einander leben sollen (Unauflösbarkeit der Ehe); denn „der Mensch wird Vater und Mutter verlassen, um seinem Weibe anzuhangen, und sie werden beide nur ein und dasselbe Fleisch sein," sprach Adam, und „er sprach dicß," wie der heilige Kirchcnrath von Trient ausdrücklich bemerkt, „aus Antrieb des heiligen Geistes, um auf die Einheit und Unauflösbarkeit der Ehe hinzudeuten." — Allein die Ehe verblieb nicht allzeit bei dieser ihrer ursprünglichen Einrichtung; denn nachdem durch die Sünde die ganze Menschheit von Gott abgefalleu war, so wurde auch der eheliche Bund nicht mehr so heilig gehalten, bis der Heiland kam, und die Ehe nicht nur nicht wieder herstcllte, wie Gott sic eingesetzt hatte, sondern auch zur Würde eines Sakramentes erhob, indem er verordnte, daß die Ehe zwischen Einem Manne und Einem Weibe, und zwar bis zum Tode des einen von beiden bestehen solle, und stellte deßhalb den Eheleuten seine geistige Verbindung mit der Kirche als Vorbild auf. (Ephes. 5.) Wir weisen dieses nach durch folgende Biblische Erzählung. Einst stellten die Pharisäer an den göttlichen Heiland die Frage: „Ist es einem Manne erlaubt, sein Weib zu entlassen?" Er aber antwortete und sprach zu ihnen: „Was hat euch Moses geboten?" Sie sprachen: „Moses hat erlaubt, einen Scheidebrief zu schreiben und (das Weib) zu entlassen." Jesus antwortete ihnen und sprach: „Wegen der Härte eueres Herzens hat er euch dieses Gebot geschrieben. Vom Anfänge der Schöpfung aber hat Gott Mann und Weib erschaffen. Darum wird der Manu seinen Vater und seine Mutter verlassen und dem Weibe anhangcn. Und cs werden Zwei in Einem Fleische sei». Sie sind also nicht mehr Zwei, sondern Ein Fleisch. Was nun Gott verbunden hat, das soll der Mensch nicht trennen." Und zu Hause fragten ihn seine Jünger abermals darüber. Und er sprach zu ihnen: „Wer immer sein Weib entläßt und eine Andere nimmt, der begeht an ihr einen Ehebruch. Und wenn ein Weib ihren Mann entläßt und einen Andern heirathct, so bricht sic die Ehe." (Mark. 10, 2 — 12.) Fr. Was folgt hieraus? Antw. Hieraus folgt klar uud deutlich, daß Christus die Ehe in ihrer ursprünglichen Einheit uud Unauflösbarkeit wieder hergestellt hat. Belehrung. Sonach kann eine gültig geschlossene Ehe niemals aufgelöst werden. „Die Eheleute," sagt Laktantius, „werden mit einander so vereinigt, daß, wer 67 * 532 Drittes Hauptstück. Vom heiligen Sakramente der Ehe. Die Ehe — ein Sakrament; ihre Unauflösbarkeit. sie trennt, nur ihre Körper zerreißt." — Zwar kann die geistliche Obrigkeit auö wichtigen Gründen gestatten, daß zwei Eheleute getrennt von einander leben; aber sie bleiben dennoch verglichet, und kein Ehetheil kann bei Lebzeiten des andern eine zweite Ehe gültig eingehen. — Dieß spricht der heilige Paulus (1. Kor. 7, 10 — 11.) in den Worten aus: „Denen, welche durch die Ehe verbunden sind, gebiete nicht ich, sondern der Herr, daß das Weib sich nicht vom Manne scheide. Wenn sie aber geschieden ist, so bleibe sie ehelos oder versöhne sich mit ihrem Manne. Auch der Mann entlasse sein Weib nicht!" Beispiel und Anwendung. Als der oströmische Kaiser Coustautin IX., von dem die Geschichte so wenig Rühmliches zu melden weiß, dem Tode nahe war, ließ er den Patrizier Romanus vor sich kommen und trug ihm mit der Hand seiner Tochter die Nachfolge in der Herrschaft des Reiches an. Nomanus, bereits mit einer Frau vermählt, die er innig liebte, und die seiner ganzen Liebe werth war, erschrack bei dieser Eröffnung so sehr, daß seine sonst so ausgezeichnet schönen Züge um so auffallender sich entstellten. Doch machte dieß auf den rücksichtslosen Gebieter keinen andern Eindruck, als daß er ihm zwischen der Hand der Tochter und dem Verluste beider Augen die Wahl ließ, wozu er ihm bis zum Abend Bedenkzeit gewährte. Diese herbe Gunst benützend, kehrte der Geängstigte zu seiner Gemahlin Helena zurück, und indem er von dem Ereignisse ihr Kunde gab, zeigte er sich entschlossen, aus Liebe zu ihr bas schreckliche Opfer zu bringen; sie aber warf sich ihm zu Füßen, beschwor ihn, seine Sehkraft und Wohl auch sein Leben zu wahren und ihr zur Trennung von ihm die Einwilligung nicht zu versagen. Sie that noch mehr. Ohne seine Antwort abzuwarten, raffte sie sich auf, floh in ein benachbartes Frauenklostcr, sendete ohne Verzug eine Botschaft an den Patriarchen und empfing aus seinen Händen den Schleier. Dann erst setzte sie ihren Gemahl durch ein Schreiben von dem Geschehenen in Kenntnis', mit der Versicherung ihn tröstend, daß sie nun sich glücklicher fühle, als wenn sic selber den Kaiserthron bestiegen hätte. Romanus erschien nun zwar vor dem Lager des kranken Gebieters, entschlossen seinen gewaltsamen Befehlen Folge zu leisten, und dieser ließ sogleich seine jüngere Tochter Theodora, eine durch Geist und Frömmigkeit nicht minder, als durch Schönheit ausgezeichnete Prinzessin, vor sich rufen, um sie dem erwählten Nachfolger antrauen zu lassen. Sie aber verwahrte sich feierlich gegen dieß Ansinnen, einem bereits verehlichten Manne ihre Hand zu reichen. „Der zwischen Romanus und seiner Gemahlin geschlossene Bund," erklärte sie, „sei von Gott geheiligt, und keine irdische Macht vermöge ihn zu lösen, ohne gegen Gottes Gebot sich zu empören." Alle Vorstellungen blieben erfolglos; sie wollte lieber sterben, als gegen GotteS Anordnung und Gebot sündigen. Welch ein rührendes Beispiel von Hochachtung und Heilighaltung des unauflöslichen Bandes der Ehe! Fr. Welche Gnaden ertheilt das heilige Sakrament der Ehe? ; Antw. Das heilige Sakrament der Ehe vermehrt 1) die heiligmachende Gnade und 2) verseiht es den Eheleuten die besondere Gnade, bis in den Tod in Liebe und Treue gottselig mit einander zu leben, ihre Kinder christlich zu erziehen, und die im Ehestande unvermeidlichen Beschwerden geduldig zu ertragen. Fr. Welches ist endlich das äußere Zeichen beim heiligen Sakramente der Ehe? Antw. Das beiderseitige Ehebündniß zweier ledigen Personen. Die Materie also ist die Handlung, wodurch die Brautleute öffentlich im Angesichte der Kirche vor dem eigenen Pfarrer und zwei Zeugen ihre beiderseitige Einwilligung zum Ehestand erklären, und die Form sind die Worte, wodurch sie diese Einwilligung zur unzertrennlichen Verbindung genau ausdrücken, und der Segen, womit der Priester den ! Ehebund heiligt. , Legende: Mariä Himmelfahrt. Die Kirche feiert heute eines der vorzüglichsten Marienfeste, die Aufnahme Mariens in den Himmel oder Mariä Himmelfahrt. Denn am heutigen Tage wurde Maria, die jungfräuliche Mutter des göttlichen Erlösers, nach einem heiligen, mühe- und leidenvollen ^ Leben auf eine ihrer Tugenden und der Mutter Gottes würdige Weise glorreich in den Himmel ausgenommen. Siehe, mein Christ! so wird die Tugend und Heiligkeit belohnt. Möchten doch alle Christen, besonders aber christliche Eheleute dieses erhabene Tugendmuster sich zum Vorbilde nehmen und so leben und wandeln, wie Maria, ans daß sie auch mit ihr nach ihrem Hinscheiden in die Glorie des Himmels ausgenommen werden mögen! (Sieh das nachfolgende Bild!) Gebet. O Gott! der du dich gewürdigt hast, den Schooß der heiligen Jungfrau Maria zu deiner Wohnung ausznerlesen; wir bitten dich, schenke uns die Gnade, daß wir ihres Schutzes theilhaftig, frohlookend ihrer Feier beiwohnen können, der du lebest > und regiresi von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 533 Am Feierabende des 16. August. MM MWWLW U« M »KE YLL- Zweihundertachtundzwanzigstes Lesestück. Am Feierabende des 16. August. Vom Empfange des heiligen Sakramentes der Ehe. Fr. Was sollen Diejenigen beobachten, welche in den Ehestand treten und das heilige Sakrament der Ehe empfangen wollen? Antw. Sie sollen 1) bei der Wahl sehr vorsichtig sein, Gott um seine Gnade und die Eltern und andere brave Männer um Rath und Aufschluß bitten; 2) in der Religion gut unterrichtet und frei von Ehehindernissen sein, endlich 3) in guter Absicht in den Ehestand treten. Belehrung. Don der weisen Wahl des Gatten oder der Gattin hängt der Friede und dis Freude eines ganzen Lebens ab. Wie viel tausend heiße Thränen der Neue würden weniger vergossen; wie mancher endlose Kummer, wie mancher täglich erneuerte Schmerz, wie mancher geheime, die blühendste Gesundheit zerstörende Gram, wie mancher entsetzliche Entschluß der Verzweiflung würde vermieden werden, wenn man bei dieser Wahl vernünftiger und ernstlicher zu Werke ginge! Daher sollen Diejenigen, die in den Ehestand zu treten gedenken, 1) bei der Wahl vorsichtig sein, Gott um seine Gnade bitten und verständige, brave Leute um Rath fragen; sie sollen also nicht so leichtsinnig zu Werke gehen, wie es z. B alle Jene machen, die nicht vorerst Gott anrufcn, und weder Gottes Willen, noch den Rath der Eltern, noch ihr eigenes Seelenheil beachten, die bei ihrer Wahl weniger ans Religion und Tugend, als auf zeitliche Vortheile und dgl. sehen, und die nicht vorerst überlegen, ob sie auch die so schweren Pflichten des Ehestandes erfüllen können. O der Ehestand ist ein schwerer, ein wichtiger Stanv! Mit Recht sagt ein christlicher Lehrer: „Die Ehe ist ein Orden, in dem man noch vor dem Novizjahre Profeß machen muß. Gäbe es da ein Probejahr, wie in Klöstern, so würden nur sehr Wenigs die Gelübde ablegen." — Da thut es also wohl noth, daß man mit Bedacht zu Werke gehe, daß man den Rath der Eltern einhole und Gott um Beistand und Erleuchtung anrufe. „Wollet ihr eine Heirath schließen," sagt der heilige Franz von Sales, „so ladet Jesum dazu ein (Joh. 2,2); denn ohne ihn habet ihr keine Hilfe. Die Heiden riefen bei ihren Hochzeiten den Adonis und die Venus an; und ihr sollet anstatt des Adonis Jesum und statt der Venus Maria anrufen." — 2) Sollen sie gehörig unterrichtet sein, beide sollen die nöthige Tugend, Einsicht und Religionskenntniß besitzen, um ihre Kinder christlich erziehen zu können. Zugleich sollen sie frei von allen Ehehindernissen sein, nämlich von jenen Hindernissen, z. B. der Blutsverwandtschaft, der Schwägerschaft, der Heimlichkeit, der öffentlichen Ehrbarkeit re., welche die Ehe zwischen zwei Personen unerlaubt oder ungültig machen. 3) Endlich sollen sie nur in guter Absicht in den Ehestand treten, nicht aus sinnlicher Lust oder aus irdischen Rücksichten. Beispiel und Anwendung. Man muß also nur aus guler und heiliger Absicht in den Ehestand treten und bei der Wahl des Ehegatten oder der Ehegattin vorzugsweise auf Tugend und Rechtschaffenheit sehen. Hiezu will ich dir, mein christlicher Leser! ein schönes Beispiel erzählen. 534 Drittes Hauptstiick. Vom Empfange des heiligen Sakramentes der Ehe. Als man zur Zeit der französischen Revolution die Töchter des Herrn von Billiais, deren ganzes Verbrechen darin bestand, daß sie Gott und den König liebten, in's Gefängniß führte, wollte ein republikanischer Offizier eine derselben retten und sprach zu ihr: „Komm mit mir! Ich will dich retten; sei meine Frau!" Sie aber antwortete: „Laß mich! Ich will lieber sterben, als die Schande haben, dir anzugehören; du bist ein Feind meines Gottes und meines Königs." — Fürwahr, das ist eine edle und heilige Absicht, wenn man beim Heirathen nicht so sehr auf Ehre und Würden, auf Geld und irdische Güter sieht, als vielmehr auf Gottesfurcht, Religion und Tugend. Aus den sogenannten Geldheirathen gehen in der Regel nur unglückliche Ehen hervor. Fr. Wie sollen Diejenigen, welche in den Ehestand treten wollen, im Brautstände leben? Antw. Sie sollen im Brautstände unschuldig leben, und nicht glauben, daß ihnen in demselben mehr Freiheit oder das Zusammenleben in Einem Hanse gestattet sei. Belehrung und Beispiel. Unversehrt sollen sie den Brautkranz zum Altäre bringen, „zum Zeichen der Freude," sagt der heilige Chrysostomus, „daß sie über sich einen Sieg erfochten und früher mit einander keine Unzucht getrieben haben." Gewöhnlich ruht kein Segen auf jenen Eheleuten, die ihren Brautstand durch Sünden entehrten. — So erzählt der ehrwürdige Pater Candidus, er habe zwei Personen gekannt, welche sich vor der Hochzeit so sehr mit einer unreinen Liebe liebten, daß keines hätte eine Stunde laug ohne das andere sein können; sobald sic aber verehlicht waren, haßten sie sich beiderseits mit solchem Widerwillen, daß sie sich nicht mehr sehen, noch leiden komüen, und gleich den wüthenden Hunden mit Zähnen und Nägeln einander zerbissen und zerkratzten. Wurden sie von einander getrennt, so quälte sie alsbald die vorige unreine Liebe und Begierde wieder, beisammen zu sein; aber beim ersten Blicke, mit dem sie sich wieder sahen, regte sich auf's Neue der bittere Haß und die Raserei, wie zuvor. Wohl eine entsetzliche Marter und Strafe! Fr. Was sollen die Brautleute unmittelbar vor dem Empfange des heiligen Sakraments der Ehe thun? Antw. Sie sollen würdig beichten und communicircn. Belehrung. Da die Ehe ein Sakrament der Lebendigen ist, so muß man beim Empfange desselben die Gnade schon haben; daher muß man durch eine aufrichtige und vollständige Beickt (am Besten durch eine Lebensbeicht) in den Stand der Gnade cintreten; da ferner die Ehe so große und schwere Verpflichtungen mit sich bringt, so ist es wohl sehr nothwendig, daß die Brautleute den göttlichen Heiland einladen und sich mit Ihm in der heiligen Eommunion vereinigen. Es gilt auch hier wieder der obige Ausspruch dcö heiligen Franz von Sales: „Wollet ihr eine Heirath schließen, so ladet Iesum dazu ein; denn ohne ihn habt ihr keine Hilfe." Fr. Wie empfängt man endlich das heilige Sakrament der Ehe selbst? Antw. Auf folgende Weise: Die Brautleute erklären vor ihrem Pfarrer (oder mit Erlaubnis desselben oder des Bischofs vor einem andern Priester) und vor zwei Zeugen, daß sie einander zur Ehe nehmen, worauf der Priester ihren Bund cinsegnet. (Sieh das vorhergehende Bild!) Die beiderseitige, mit Freiheit und Bewußtsein und auf eine deutliche Weise (gewöhnlich mit Worten) kundgegebene Einwilligung der beiden Brautleute, die sich auf die Gegenwart beziehen muß, (denn auf die Zukunft bezogen, wäre die Einwilligung nur ein Ehegelöbniß,) ist also das erste Erforderuiß zur Giltigkeit der Ehe. Diese Einwilligung muß vor dem eigenen Pfarrer, oder mit seiner oder des Bischofs Einwilligung vor einem andern Priester und vor wenigstens zwei Zeugen ausgesprochen werden. Legende: Der heilige Rochus (ch 1327.) Möchten von diesem Heiligen, dessen Lebensgeschichtc uns am heutigen Tage in der Legende erzählt wird, Am Feierabende des 17. August. 535 alle Brautleute lernen, wie man die standesmäßige Keuschheit im Leben stets treu bewahren soll! Denn der heilige Rochus wird wegen seines reinen und frommen Lebenswandels als einer der berühmtesten Heiligen des 14. Jahrhunderts, besonders in Frankreich und Italien angesehen. Er wurde zu Montpellier aus einer adeligen Familie geboren. Als er Andachts halber nach Rom reiste, boten ihm die Pestverheeruugen, von denen Italien heimgesucht wurde, vielfache Gelegenheit dar, seine Nächstenliebe au den Pestkranken auszuüben. Als er aber selbst zu Piacenza erkrankte und von Jedermann verlassen war, so schleppte er sich mühsam in einen nahen Wald, wo er besonders an seinem Fuße unglaubliche Schmerzen litt, bis ihm Gott ohne menschlichen Beistand die Gesundheit wieder gab. Nach seiner Rückkehr lebte er in Frankreich in strenger Bußübuug und widmete sich allen Werken der Nächstenliebe. Die letzten Jahre seines Lebens brachte er in Montpellier zu, wo er um das Jahr 1327 selig im Herrn entschlief. Gebet. Stärke uns, o Gott! durch deine göttliche Gnade, auf daß wir nach dem Beispiele des heiligen Rochus ein keusches und reines Leben führen und durch Geduld und Werke der christlichen Nächstenliebe uns Verdienste für den Himmel sammeln — durch Christum unfern Herrn. Amen. Zw eihimd ertilemmiidzw anz igstes Les estück. Am Feierabende des 17. August. Von den Pflichten der Eheleute. Fr. Welche Pflichten haben die Eheleute gegen einander? Antw. Folgende: 1) Sie sollen in Eintracht, Liebe und ehlicher Treue miteinander leben, bis sie der Tod scheidet: 2) sich gegenseitig durch gottseligen Wandel erbauen, 3) der Mann soll das Weib nähren und pflegen; das Weib soll dem Manne in Allem, was recht und ehrbar ist, gehorsamen. Belehrung. Die Eheleute sollen 1) die gegenseitige Liebe Christi und der Kirche zu ihrem Vorbilde nehmen und miteinander in Eintracht und ehlicher Treue leben, bis der Tod sie scheidet. Der Mann soll das Weib lieben, wie Christus seine Kirche, in vollkommener, unauflöslicher und schirmender Liebe, und das Weib soll den Mann lieben, wie die Kirche Christum, in vollkommener, unauflöslicher und dienender Liebe. 2) Die Eheleute sollen sich gegenseitig durch gottseligen Wandel erbauen. „Ehrbar sei die Ehe in Allem," schreibt der Apostel (Hebr. 13, 4.); „denn die Unzüchtigen und Ehebrecher wird Gott richten." Sie sollen miteinander beten und mit einander arbeiten. Mann und Weib sollen sein, wie zwei Augen Eines Menschen; sie sollen miteinander um sich und miteinander über sich, nämlich gegen Himmel schauen, und wenn das eine verletzt wird, soll das andere weinen. — 3) Der Mann soll seinem Weibe mit Sanftmuth begegnen, sie nähren und pflegen. „Männer!" schreibt der heilige Paulus (Ephes. 5, 24 sf.), „liebet euere Weiber, wie auch Christus die Kirche geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat . . . Niemand hat je sein eigenes Fleisch gehaßt, sondern er nährt und pflegt es, wie auch Christus die Kirche." Und der heilige Ambrosius ruft den Ehemännern zu: „Du bist nicht Herr, sondern Gatte; nicht eine Dicnstmagd hast du bekommen, sondern eine Gattin. Gott wollte, daß du das schwächere Geschlecht verständig leiten, nicht aber ihm deine Ucbermacht fühlen lasten sollst." — Das Weib soll dem Manne in Allem, was recht und ehrbar ist, gehorsamen und das Hauswesen gewissenhaft besorgen. „Sowie die Kirche Christo unterworfen ist," sagt wiederum der heilige Paulus, „ebenso seien es auch die Weiber ihren 536 Drittes Hauptstück. Von i'L8s7- ' s., ^ r! ß? >.. l! 34V Drittes Hauptstück. Von den Ceremonien bei dem heiligen Sakramente der Ehe. Gnade und Erkenntniß, auf daß sie nicht, durch irdische Vortheile oder sinnliche Liebe verblendet, auf das größte aller Güter, auf ihren heiligen Glauben, verzichten! — Durch Christum, unfern Herrn. Amen. Schätze, die ihr zum freien Gebrauche angeboten waren, zum Dienste Gottes und zur Unterstützung der Armen mit Muttersorge, lag in Mitte der Gläubigen in schlichtem Gewände voll Demuth in der Kirche auf den Knieen und ließ sich die Verbreitung und Verherrlichung der wahren Religion erste Herzensangelegenheit sein. Obschon 79 Jahre alt, besuchte sie das heilige Land, erbaute auf dem Kalvarienberge im Aufträge ihres Sohnes eine prachtvolle Kirche und gab sich alle Mühe, das Kreuz, an dem der Heiland gestorben, das aber von den Juden vergraben worden war, aufzufinden. Nach den mühevollsten und sorgsamsten Nachgrabungen wurden nahe bei dem heiligen Grabe drei Kreuze gefunden, so wie auch die beschriebene Tafel, die au das Kreuz des Erlösers geheftet gewesen war, aber abgesondert von demselben, so daß man nicht erkannte, welches unter den dreien das Kreuz Jesu war. Auf den Rath des Bischofes von Jerusalem wurde nun eine schwer kranke Frau mit jedem der Kreuze berührt, und als sie bei der Berührung mit dem dritten augenblicklich vollkommen gesund wurde, erkannte man dieses für das wahre. Die Freude der heiligen Wittwe hierüber war unaussprechlich. Sie erkrankte bald nach ihrer Heimkehr, empfing, nachdem sie ihren letzten Willen erklärt hatte, die heiligen Sakramente und entschlief betend im August des Jahres 328. Gebet. Verleihe uns, o Gott! daß uns das Licht des Glaubens, welches uns schon so früh aufgegangen, nicht zur Verwerfung gereiche, jenes Licht, welches die heilige Helena nach so später Erkenntniß zu so vielen guten Werken angetrieben hat; und gib besonders Denen, die in den heiligen Ehestand eintreten, Zweihmldertmmnddreißigstes Lesestück. Am Feierabende des 19. August. Von den Ceremonien bei dem heiligen Sakramente der Ehe. Fr. Wie wird das heilige Sakrament der Ehe crtheilt? Antw. Auf folgende Weise: 1) die Brautleute erscheinen, wenn sie noch jungfräulichen Standes sind, mit dem Brautkranze geschmückt, knieen dann am Altäre nieder und empfangen vom Priester eine Belehrung über die Pflichten und Gnaden, welche mit diesem heiligen Sakramente verbunden sind. 2) Hierauf fragt der Priester die Brautleute, ob es ihr freier, aufrichtiger und beständiger Wille sei, einander zu ehlichen; 3) nun reichen die Brautleute einander den Ehering und geben sich die Hände. 4) Der Priester bestätigt und segnet diesen Bund. Belehrung. Da auch die Ceremonien bei Ausspendung des heiligen Sakramentes der Ehe sehr sinn- und bedeutungsvoll sind, so will ich dir dieselben, mein christlicher Leser! ausführlicher erklären. 541 Am Feierabende des 19. August. 1 ) Wenn die beiden Brautleute noch jungfräulichen Standes sind, so erscheint die Braut mit einem Kranze ans dem Haupte und der Bräutigam mit einem Kranze am rechten Arm in der Pfarrkirche, begleitet von ihren Eltern und nächsten Anverwandten. Diese Kränze erinnern n) an den Sieg, welchen die Brautleute gegen die Verführung der Welt und die Lockungen des Satans und des eigenen Fleisches erfochten haben, um die Blume der Unschuld unversehrt an den Altar zu bringen; b) aber auch zugleich an die Ehre und Schönheit, in welcher die Keuschheit vor Gott und seiner heiligen Kirche dasteht. „O wie schön ist ein keusches Geschlecht im Tugendglanze!" (Weish. 4, 1.) — Nun knieen die Brautleute mit ihren Zeugen und Freunden am Altäre nieder, er, das Haupt, zur rechten, sie zur linken Seite, und es stellt ihnen der Priester in Kürze die Wichtigkeit und Heiligkeit ihres Vorhabens, sowie ihre Pflichten und die hohen Gnaden vor Augen, welche mit dem Empfange dieses Sakramentes verbunden sind. Zugleich betet er das Gebet des Herrn, um über sie Gottes Segen herabzuflehen. 2) Hierauf fragt der Priester den Bräutigam: „Ist cs noch Euer freier, aufrichtiger und beständiger Wille, diese gegenwärtige Braut in Ehren zu heirathen, ihr heilige, eheliche Treue zu halten, sie pflichtmässig zu lieben, zu ernähren und zu schützen, sie in keiner Widerwärtigkeit oder Trübsal zu verlassen, sondern beharrlich bei ihr zu bleiben, bis Euch beide der Tod scheidet, so sprechet: „Ja!" Eben diese Frage, nur mit dem Unterschiede, daß er von der Pflicht des Gehorsams und der Hochachtung Meldung thut, stellt er auch an die Braut; und nachdem beide das Jawort gegeben haben, spricht der Priester: „Zur Bekräftigung des heiligen Werkes wechselt jetzt die Eheringe und gebet einander die Hände!" 3) Die Brautleute geben nun vorerst einander einen von dem Priester zuvor gesegneten Ring. Was derselbe bedeutet, spricht der Priester aus, da er sagt: „Der Ring erinnere euch allezeit an die versprochene Treue, die ihr einander unverletzt bis in den Tod halten müsset!" — Der Ring an der Hand wird leicht und oft gesehen; durch diesen Anblick sollen die Eheleute jedesmal an die vor Gott ge- schworne eheliche Treue erinnert werden, zugleich aber auch an die Unauflösbarkeit ihres Ehebandes, was durch die runde Gestalt des Ringes gesinnbildet wird. — Nach gewechselten Ringen geben die Brautleute einander die Hände. Dieß bedeutet und bekräftiget das gemachte Versprechen. Auch soll dadurch angedeutet werden, daß man nn Ehestande schuldig sei, einander die Hände zu bieten und sich in allen Stücken Hilfe zu leisten. Darum spricht auch der Priester: „Durch die Zusanuucngcbung der Hände gelobet ihr einander vor Gott und seiner Kirche gleichsam eidlich au, daß ihr Zeit eures Lebens gegen einander treu bleiben, beständig einander unterstützen und in der Trübsal einander nicht verlassen wollet." 4) Hierauf umwickelt der Priester die beiden sich haltenden Hände kreuzweis mit der Stole. Dieses Umwickeln bedeutet, daß sie nun nach beiderseits gemachtem Versprechen durch das Band der Ehe verknüpft sind, so daß sie nur durch den Tod allein geschieden werden können. Auch bedeutet dieses Umwickeln die innerliche Vereinigung der Herzen, daß sie nunmehr Ein Herz sein und sich gegenseitig lieben und helfen sollen. — Auf die kreuzweise um die Hände gewickelte Stole legt der Priester seine Hand und spricht: „Ich bestätige, heiße gut und segne diese durch euch gemachte Heirath im Namen Gottes des Vaters und des SohncS und des heiligen Geistes." — Jetzt spricht der Priester nach uraltem Gebrauche der Kirche über das neue Ehepaar den Brautsegen. Dieß geschieht nach dem Beispiele Gottes, welcher den beiden Stammeltern Adam und Eva seinen göttlichen Segen mitgetheilt hat. (Genes. 1, 28.) Der Priester bittet Gott den Herrn, daß er den neuen Eheleuten seine Gnade verleihen, und ihnen Fruchtbarkeit, Frieden, Einigkeit und alle erwünschliche Wohlfahrt des Leibes und der Seele geben wolle. 5) Endlich pflegt der Priester in manchen Pfarreien, wenn es nicht schon gleich anfangs geschehen ist, den Wein zu weihen, welcher der Johanneswein genannt wird, und gibt beiden Brautleuten davon zu trinken. Dadurch wird die gegenseitige Liebe angedeutet, welche sie zu einander tragen sollen; denn der Wein ist seines Feuers und seiner Stärke wegen ein Sinnbild der Liebe. Fr. Was sollen die Eheleute nach geschehener Trauung thnn? Antw. Sie sollen Gott danken für die empfangenen Gnaden und den Trauungstag auf eine christliche Weise feiern. Belehrung und Beispiel. Vor Allem sollen die Brautleute Gott dem Herrn recht herzlich danken für die Gnade, die er ihnen durch dieses heilige Sakrament mitgetheilt hat, etwa mit folgenden Worten: „Bestätige, o Herr! was du durch deine Gnade in uns gewirkt hast, damit wir 542 Drittes Hauptstück. Von den Sakramentalien im Allgemeinen, und von der Kirchweihe im Besonder». Das, was wir vor deinem Angesichte versprochen haben, auch halten bis an den Tag unsers Herrn Jesu Christi." — Den Trauungs- oder Hochzeitstag selbst aber sollen sie auf eine christliche Weise feiern; sie sollen sich freuen, aber nur im Herrn; „die Eingezogenheit," schreibt der Apostel, „leuchte dabei Jedermann in die Augen!" Ferne seien hiebei alle Ungezogenheiten, Ausschweifungen und dergleichen sündhafte Ungebührlichkeiten! Die Brautleute sollen sich in dieser Beziehung ein Beispiel nehmen an Tobias und Sara.— Als ihre Verbindung gesegnet war, und Tobias Sara, sein Weib, heimführte, sprach er zu ihr: „Sara! heute, morgen und übermorgen wollen wir im Gebete verharren; es ist billig, daß wir Gott die ersten Tage unserer Ehe weihen, bevor wir thun, was unseres Rechtes ist; denn wir sind Kinder der Heiligen, und können nicht zusammenkommen wie die Heiden, die Gott nicht kennen." Wahrhaft goldene Worte, die im Herzen aller Neueingcsegnctcn stehen sollten! siegende: Der heilige Sebald, Einsiedler sch um 750). Wie Tobias und Sara, so weihten gewiß auch die Eltern des heiligen Sebald, dessen Name uns in der Legende unter der Zahl der am heutigen Tage daselbst angeführten Heiligen begegnet, nicht nur den ersten, sondern auch alle Tage ihrer Ehe Gott dem Herrn; daher wurde aber auch ihre Ehe mit einem so frommen und heiligen Sohne gesegnet. Schon im frühen ManneS- alter verließ dieser Heilige, getrieben von inniger Gottesund Nächstenliebe, das väterliche Hans, um sich ganz Gott zu widmen. Aus heiligen Absichten machte er Reisen, wobei ihn Gott wunderbar führte und leitete, und kam endlich in Nürnberg an, wo er von einer Einsiedelei ans zur Verbreitung des Glaubenslichtcs bis in sein hohes Alter sehr viel beitrug, so daß er vor der Reformation in Nürnberg, wo er stets als einer der ersten Apostel jener Gegend galt, in hoher Verehrung stand, wo die noch katholischen Bürger ihm ein prachtvolles Grabmal errichteten. Gebet. Wir bitten dich, o Herr! gib Allen Denen, die in den -heiligen Ehestand eintreten, die Gnade, daß sie dir nicht nur die ersten, sondern auch alle übrigen Tage ihrer Ehe weihen, und in ihren Kindern ebenso gesegnet werden möchten, wie die Eltern des heiligen Einsiedlers Sebald — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihnndertzwelnnddreifiigstes LesestN. Am Feierabende des 20. August. Von den Sakramentalien im Allgemeinen, und von der Kirchweihe im Besondern. Fr. Welche Lehre schließt sich nothwendig an die Lehre von den heiligen Sakramenten an? Antw. Die Lehre von den Sakramentalien. Fr. Was versteht man unter Sakramentalien? Antw. Die von der Kirche selbst eingesetzten Mittel zur Heiligung der Glieder der Kirche. Fr. Warum nennt man diese Mittel Sakramentalien? Antw. Weil dieselben darin eine Aehnlichkeit mit den heiligen Sakramenten haben, daß eine Ertheilung von Gnaden mit einer bestimmten äußern kirchlichen Handlung verbunden ist. Belehrung. Nebst den von Gott selbst eingesetzten Mitteln der Gnade, nämlich den sieben heiligen Sakramenten, hat die Kirche Kraft der ihr von Gott dazu crtheilten geistlichen Vollmacht auch noch andere Weihungen, Segnungen und Ceremonien zur Heiligung der Gläubigen Am Feierabende angcordnet. Man nennt dieselben unter Einem Namen: Sakramcutalicn, weil dieselben nach Art der heiligen Sakramente auch eine eigene Weihe der Gnade in sich schließen, wenn gleich nicht in dem Maße wie die heiligen Sakramente und nicht mit derselben Verbindlichkeit und Kraft als Mittel unserer Rechtfertigung, wie die heiligen Sakramente. Diese Weihungen, Segnungen und Cercmonien wirken auch nicht wie die heiligen Sakramente immer und unfehlbar kraft ihrer Einsetzung selbst, sondern sie sind oft nur sinnvolle Zeichen und Handlungen, welche zur würdigen Feier des Gottesdienstes gehören, und die in ihrer Wirksamkeit von der Mitwirkung des Menschen bedingt werden. Die Kirche kann diese Weihungen und Segnungen ändern, vermehren und vermindern, nicht aber die heiligen Sakramente, die von Gott selbst eingesetzt sind. (Siehe Wenin- ger's Handbuch S. 324. ff.) Fr. Wietheilt man also die Sakram entalien ein? Antw. 1) In die Weihungen, 2) in die Segnungen und 3) in die Gebräuche der Kirche. (Wir handeln also zuerst von den Weihungen der Kirche, und zwar vor Allem von der Kirchweihe). des 20. August. 343 Fr. Waö versteht man unter den kirchlichen Weihungen? Antw. Jene Gebete und Cercmonien der Kirche, durch welche Personen oder Dinge eigens zum Dienste Gottcö bestimmt werden. Die vorzüglichsten dieser kirchlichen Weihungen sind also: 1) die Weihung der Kirche selbst und alles Dessen, was zur inneru Einrichtung derselben gehört; 2) die Weihung der Gegenstände, die zum Gottesdienste gebraucht werden, und 3) die Weihungen der kirchlichen Personen. Fr. Was versteht man unter der Kirchweihe? Atttw. Den feierlichen Akt, durch welchen ein Gebäude zum Hause Gottcö eingeweiht wird. Diese Einweihung geschieht entweder bloß durch eine einfache Einsegnung, die auch von einem Priester mit Erlaubnis; des Bischofs vorgcnommen werden kann, oder durch die eigentliche Consekration, die nur der Bischof vornehmen kann. ^ Fr. Ist der Gebrauch, die Kirchen einzuweihen, schon alt? Antw. Allerdings; denn derselbe schreibt sich aus den ersten Zeiten des Christenthums her, und hat sein Vorbild schon in der feierlichen Einweihung des Salomonischen Tempels. Belehrung und Beispiele. Die heilige Schrift erzählt es uns, mit welcher Pracht und Feierlichkeit schon König Salomon und das ganze Volk Israel den Tempel in Jerusalem einweihtcn. „Der König und ganz Israel mit ihm," also heißt es im 3. Buch der Könige 8. Kap., „opferten Opfer vor dem Herrn; und Salomon schlachtete Fricdopfer, 22000 Rinder und 120000 Schafe; und also weihten sie den Tempel des Herrn, der König und die Söhne Israels," und zum Andenken an diese Festlichkeiten feierten sie alle Jahre das Fest der Tempclweihe. Viel heiliger aber als der jüdische Tempel sind die katholischen Kirchen; denn hier wohnt Gott nicht bloß symbolisch, sondern wahrhaft, wirklich und wesentlich im allerheiligsten Sakramente; daher weihten auch die Christen ihre Kirchen feierlich und mit großem Gepränge ein, sobald cs ihnen nach jenen traurigen Zeiten der Christenvcrfolgungen gestattet war, eigentliche Kirchen zu bauen. Groß war der fromme Jubel und das Frohlocken des christlichen Volkes bei einer solchen Festlichkeit. Die benachbarten Bischöfe erschienen als Thcil- 544 Drittes Hauptstück. Von den Sakramentallen im Allgemeinen, nnd von der Kirchweihe im Besonder«. nehmer oder Besucher, und nicht selten wurden bei solchen Gelegenheiten Kirchenversammlungen gehalten, um das Wohl der Christgläubigen und die Verbesserung der Sitten zu belachen. So fand bei Gelegenheit einer Kirchweihe im Jahre 344 eine Versammlung zu Antiochia statt, wobei sich 90 Bischöfe vereinigten. Diese erhöhten und heiligten die Feierlichkeit theils durch ihre Predigten, die sie an das Volk hielten, theils durch das heilige Meßopfer, welches sie darbrachten, theils auch durch ihr eigenes Gebet. Fr. Wie wird die Einweihung einer Kirche vorgenommen? Antiv. Ans folgende Weise: Der Tag vor der Einweihung ist ein Fasttag, und es werden die Vespern vor den Reliquien der Heiligen gesungen, die auf den Altar gelegt werden sollen, und die an einem andern andächtig gezierten Orte aufbewahrt werden. Alsdann am frühen Morgen des nächsten Tages zieht der Bischof dreimal um die Kirche und besprengt dieselbe mit Weihwasser. Hierauf tritt er in die Kirche ein, und schreibt auf den Fußboden in geweihte Asche in Form eines Andreaskreuzes das griechische und lateinische Alphabet, als in welchen beiden Sprachen vorzüglich die heilige Schrift des alten und neuen Testamentes geschrieben ist und gelesen wird, und in welchen beiden Sprachen der heilige Glaube anfänglich vorzüglich gepredigt ward. Alsdann werden unter Absingung der Psalmen, die mit den salbungsvollsten und kräftigsten Gebeten und sinnvollsten Ceremonien verbunden sind, die Altäre mit dem heiligen Chrhsam und heiligen Oele gesalbt und eingeweiht. Dasselbe geschieht an den Mauern der Kirche, die zur Erinnerung an die zwölf Thore des himmlischen Jerusalems mit zwölf Kreuzen bezeichnet werden. — Der vorzüglichste Gegenstand bei dieser Weihe ist der Altar (sieh das vorhergehende Bild!), als auf welchem das Opfer des neuen Testamentes dargebracht wird. Darum wäre, wenn der Altar von seiner Stelle gerückt würde, auch die ganze Kirche dadurch entweiht. Fr. Woran soll uns die Kirchweihe erinnern? Antw. An die große Wahrheit, daß auch wir lebendige Tempel Gottes sind, und daß wir ihm daher unfern Leib und unsere Seele weihen und heiligen sollen, dem Ausspruche des Apostels gemäß (1. Cor. 3, 16 — 17): „Wisset ihr nicht, daß ihr ein Tempel Gottes seid, und der Geist Gottes in euch wohnet? Wenn aber Jemand den Tempel Gottes entheiligt, so wird ihn Gott zu Grunde richten; denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr." Legende: DerheiligeAbtund Kirchenlehrer Bernhard ('s 1153). Ein solch lebendiger Tempel Gottes war der heilige Bernhard, dessen Fest die Kirche heute feiert; denn er weihte und heiligte sein ganzes Leben hindurch Leib und Seele Gott dem Herrn.— St. Bernhard, ans- gezeichnet sowohl durch Gelehrsamkeit, als auch durch Heiligkeit und Gottesfurcht, wurde i. I. 1091 auf dem Schlosse Fontaines bei Dijon geboren. Seine edle Geburt, seine vortrefflichen Leibes- und Geistesgaben, das väterliche Vermögen rc. rc. schienen ihn in seiner Jugend zu locken, in der Welt sein Glück zu versuchen; allein der Geist Gottes wies den jungen Bernhard auf sein besseres Glück hin. In einem Alter von 23 Jahren begab er sich in das Kloster Cisterz. Diesem seinen Entschlüsse widersetzten sich zwar seine Brüder und Verwandte; allein er wußte ihnen solche Gründe anzuführen, daß nicht nur seine Brüder, sondern auch eine große Anzahl anderer edler Jünglinge seinem Beispiele folgten. Nach Vollendung des Probejahres wurde er von dem Abte in das neuerrichtete Kloster zu Clairvaux als Oberer gesandt. Auf daß sein Eifer nicht erkaltete, munterte er sich selbst mit der Frage auf: „Bernhard, wozu bist du hieher gekommen?" Vom Herrn mit besonderen Gaben begnadigt, war er nicht blos ein ausge- 545 Am Feierabende des 21. August. zeichneter Klosteroberer, sondern auch Rathgeber der Päpste, Schiedsrichter der Fürsten und das Orakel seiner Zeit. Seine bloße Gegenwart reichte oft hin, Spaltungen und Streitigkeiten beizulegen. Seine vielen und ausgezeichneten Schriften verdienten ihm den Namen eines Kirchenlehrers. Durch die vielen apostolischen Arbeiten und die ungemeine Bußstrenge entkräftet, ging er nach einer schmerzlichen Krankheit am 20. August 1153 hinüber zu dem überreichlichen Belohner der treuen Arbeiter. Gebet. Herr, himmlischer Vater! der du uns durch die heilige Taufe und Firmung zu deinen lebendigen Tempeln eingeweihet hast, gib, daß wir nach dem erhabenen Beispiele des heiligen Bernhard dir stets Leib und Seele weihen und lebendige Tempel bleiben, in denen du mit Wohlgefallen deine Wohnung aufschla- gest mit Jesus, deinem Sohne, der mit dir lebt und regirt in Ewigkeit. Amen. Zweihundertdreiundreißigstes Lesestmt. Am Feierabende des 21. August. Von der Weihe der Glocken und der Kirchenparamente. Fr. Welche Gegenstände werden noch ferner für :ie Einrichtung der Kirche geweiht? Antw. Die Glockenund die Kirchenpara m ente. Fr. Warum werden die Glocken geweiht? AntW. Weil sie in der Kirche eine hohe Bedeutung haben, indem sie gleichsam die Zunge, die Sprache der Kirche sind. Belehrung. Die Glocken sind gleichsam die himmlischen Stimmen, welche die Gläubigen zur Feier des Gottesdienstes rufen (sieh das nebenstehende Bild!); ihre Bestimmung ist daher eine heilige und erhabene, wie sie ganz kurz und schön in einem alten lateinischen Vers ausgesprochen ist, der also lautet: Imucio Ovum verum, ple- Ü 6 M V060, congreA» Oierum, velunotoi, ploro, nimbos kugo, sestngus ilonoro. Zu deutsch: Ich lobe den Herrn, berufe das Volk und versammle die Priester, Beklage die Tobten, zertheil' das Gewölk und verkünde die Feste. Die erste Bestimmung der Glocken ist also, das Lob Gottes zu verkünden; daher wird bei der Aushebung der heiligen Hostie, bei dem Austrageu der heiligen Wegzehrung zu einem Kranken u. s. w. durch ein Glockenzeichen das Volk zur Anbetung des heiligen Sakramentes aufgefordcrt. Zweitens dienen dieselben zur Zusammenberufung der Geistlichkeit und des Volkes zu der Feier der heiligen Messe und zu anderen Andachten. Drittens ermahnen sie zum Gebet für die Seelen der Verstorbenen, wenn sie bei Todesfällen, Begräbnissen und Jahresgedächtnisien geläutet werden. Viertens bittet die Kirche bei der Einweihung der Glocken, daß durch sie alles Unheil, Sturm und Ungewitter von den Christen abgewendet werde. Fünftens endlich dienen sie sowohl zur Verkündigung, als auch zur größeren Verherrlichung der Feierlichkeiten und der Festtage Gottes und der Heiligen. — Weil also die Glocken zu diesen verschiedenen Absichten, oder mit einem Worte, zum gottesdienstlichen Gebrauche dienen sollen, darum werden sie vorher nach der Verordnung der katholischen Kirche feierlich eingescgnet; ja, vor Zeiten mußten sogar besonders dazu angeordnete und geweihte Personen die Glocken läuten. Fr. Wie werden die Glocken geweiht? Antw. Die Glocke wird vom Bischöfe mit geweihtem Wasser abgewaschen, mit Oel und Chrisam gesalbt, und im Mittelalter ist auch die Sitte aufge- kommen, der Glocke den Namen eines Heiligen zu geben. Belehrung. Da die Glockenwcihc wegen der hier angegebenen Ccremonien einige Aehnlichkeit mit der Taufe hat, so heißt man sie auch „Glocken taufe." Der zu weihenden Glocke wird nämlich der Name eines Heiligen beigelcgt, damit der Heilige, dem dieselbe geweiht ist, durch sein Gebet im Himmel dem Rufe der Glocke den Segen der Gnade erstehen möge, auf daß das Christenvolk diesem Rufe auch bereitwillig folge. Die Ccremonien der Abwaschung mit Wasser und der Salbung mit Chrisam und Oel scheinen darauf hinzudeuten, daß sie als Gefährtin im Leben und im Tode unser Loos zu theilen bestimmt ist. Sie ist nach dem Ausdruck der Synode zu Köln „die Posaune der streitenden Kirche." Mit uns lobt sie den Höchsten, mit uns sendet sie den Ruf um Erhörung zu den Wolken. Sie mischt ihre Töne in unsere Freuden und in unsere Wehklagen. 69 MS« Mehler, Hausbuch. 546 Drittes Hauptstück. Bon der Weihe der Glocken und der Kirchenparamente. Freudig tönt sie bei freudiger und traurig bei trauriger Stimmung unseres Herzens. Sie ist den lebendig Gläubigen ein himmlischer Laut, wahrend ihr Ton in dem Ohre des Ungläubigen oder Lasterhaften unheimlich und wohl gar unausstehlich wird. Sie bewill- kommt uns bei unserem Erscheinen in der Kirche, und ruft uns im Tode den letzten Scheidcruf nach. Wegen dieser heiligen Bestimmung nun werden die Glocken auf eine sind die Gegenstände, welche die Kirche zum Gottesdienste eigens bestimmt und geweiht hat. Eine unfreiwillige Achtung durchdringt daher oft selbst die Gleichgiltigsten, die Gottlosesten in Gegenwart heiliger Gegenstände der katholischen Kirche. Zeuge davon ist das barbarische Haupt der Armee AlarichS. Er fand in einem Kloster eine Gott geweihte, alte Jungfrau. Sogleich verlangte er ihr Gold und ihr Silber; sie aber entgegnete mit Festigkeit, daß sie einen großen Vorrath habe, und zeigte den Blicken des Barbaren solche Reichthiimer, daß er in Staunen gerieth. „Das sind," sagte sie, „die kostbaren Gefäße der Kircke des heiligen Petrus; nimm sie, wenn du es wagst; du bist dafür verantwortlich; da ich sie nicht vertheidigen kann, so wage ich sie nicht zurückzubehalten." — Der Barbar, von heiliger Ehrfurcht ergriffen, ließ es dem Alarich sagen; dieser aber befahl, daß man alle diese heiligen Gefäße in die Basilika des heiligen Petrus trage und dorthin auch die gottgeweihte Jungfrau begleite. Da dieses Kloster von der Kirche des so feierliche und sinnvolle Weise geweiht. Möchten wir ihre erhabene Bedeutung verstehen und ihrem Rufe stets bereitwillig folgen! Fr. Warum werden auch die Kirchengeräth- schaften und Paramente geweiht? Antw. Die Kirchcngeräthschaften und Paramente, d. h. die zum Gottesdienste bestimmten Gefäße, als Kelche, Monstranzen, Ciboricn rc., ebenso die znm Gottesdienste bestimmten Kleider, die Altarwäsche rc. werden geweiht, weil dieselben zum heiligen Dienste bestimmt sind und oft in die nächste Berührung mit dem allerheiligsten Sakramente selbst kommen. (Sieh das obige Bild!) heiligen Petrus weit entfernt war, so mußte man durch die ganze Stadt gehen, und diese Uebertragung geschah mitten unter der Plünderung im feierlichsten Zuge. Die heiligen Gefäße wurden auf dem Kopfe getragen, und zu beiden Seiten gingen Soldaten — das Schwert in der Hand. Die Römer und Barbaren sangen hiebei miteinander Gott dem Herrn Loblieder. — Wie beschämend würde es für dich sein, mein Christ! wenn nicht auch du eine solche Ehrfurcht gegen die geweihten Gegenstände deiner Kirche im Herzen tragen würdest, wie diese Ungläubigen, wie diese Barbaren! Nimm dir in dieser Beziehung ein Beispiel an der heiligen Wittwe und Ordensstifterin Franziska von Chantal, deren Fest wir heute feiern, und die stets eine tiefe und innige Verehrung gegen Alles hatte, was zum heiligen Dienste bestimmt war. Belehrung. Schon im A. T. wurden die zum Gottesdienste gehörigen Gegenstände besonders geheiligt und heilig gehalten; ja, Gott der Herr selbst ordnete besondere Kleider, Gefäße und Gerätschaften auf das Genaueste an, und zwar in einer Pracht und Kostbarkeit, die uns in Erstaunen setzt. Um wicvielmehr sollen also nicht wir Christen die kirchlichen Gcräthschaften und Paramente in Ehren halten, da ihre Bestimmung eine viel erhabenere ist, als im A. B.! Und wie verächtlich müssen uns jene vom Judasgeiste angesteckten Menschen erscheinen, denen für weltliche Feste Nichts herrlich genug, hingegen für die Ausstattung der Kirchen und für die Pracht deS Gottesdienstes gleich Alles zu viel und das Gemeinste gut genug ist! Die kirchlichen Gerätschaften und Paramente gehören nicht zum Dienste der Menschen, sondern zum Dienste Gottes; daher ist cs auch gerecht und billig, daß sie geweiht werden und soviel als möglich kostbar, dem erhabenen Zwecke entsprechend seien. Beispiel und Anwendung. Ja, heilig und erhaben Legende: Die heilige Franziska, Wittwe und Ordensstifterin (f 1641). Johanna Franziska, geb. am 23. Jänner 1572, zeichnete sich schon in frühester Jugend durch die innigste Anhänglichkeit an die katholische Kirche aus. Zur blühenden Jungfrau herangewachsen, wies sie mit glühendem Eifer den Antrag ab, sich mit einem kalvinischen Edelmanne zu vermählen. Sie vermählte sich aber in einem Alter von 20 Jahren auf Anrathen ihres weisen Vaters mit dem Freiherrn von Chantal, welcher sehr gottesfürchtig war, und lebte mit ihm in der glücklichsten Ehe. Ihre Hauptsorge war, die Pflichten einer christlichen Hausfrau pünktlich zu erfüllen. Nach dem Tode ihres Gemahls zog sie sich ganz von der Welt zurück, und widmete ihre Zeit einzig der Erziehung ihrer Kinder, dem Gebete, der Arbeit, der Sorge für die Armen und dem Besuche der Kranken. Dabei wurde sie von vielen inneren Prüfungen und Leiden heimgesucht, verzagte jedoch nicht, sondern diente dem Herrn mit hei- term, fröhlichem Gemiithe. Mit dem heiligen Bischöfe Franz von Sales, ihrem geistlichen Vater, wurde 547 § ft j Am Feierabende DZM MM MDL PMWWAW! jie i. I. 1610 die Stifterin des Ordens der Heimsuchung Mariä. Die heilige Ordensstifterin rang jetzt mit noch glühenderem Eifer nach der christlichen Vollkommenheit, und machte das Gelübde, „immer Das zu thun, was sie als vollkommner erkennen würde," und kam demselben auch in aller Treue nach. Sie war für alle Mitglieder des Ordens in allen frommen Hebungen ein Muster, und leitete die edelsten Seelen mündlich oder schriftlich zu den erhabensten Tugenden an. Sie ertrug mit bewunderungswürdiger Standhaftigkeit verschiedene Krankheiten, Leiden und Widerwärtigkeiten, wodurch ihr Geist immer mehr über die Welt sich erhob, und immer inniger an den Ewigen sich anschloß, mit dem sie am 6. Dezember 1641 im Himmel vereinigt wurde. Ihre Heiligsprechung erfolgte i. I. 1767. Gebet. Erfülle uns, wir bitten dich, o Herr! mit himmlischer Kraft und Stärke, auf daß wir dem Rufe der Glocken, als einer wohlmeinenden Stimme deiner heiligen Kirche, und dem Zuge deiner göttlichen Gnade mit jenem Eifer und gutem Willen folgen, wie die heilige Franziska von Chautal, und gib, daß wir das Heilige auch stets heilig halten, — durch Christum, unfern Herrn. Amen. ZweilMdertviermddreißigstes Lesestiick. Am Feierabende des 22. August. Von der Einweihung der Friedhöfe und vom Weihwasser. Fr. Welche Stätte wird zunächst der Kirche noch besonders feierlich eingeweiht, und warum? des 22. August. Anlw. Der Friedhof oder Gottesacker, damit die Leiber der im Herrn Verstorbenen an einer würdigen und heiligen Stätte im Schatten des Kreuzes Christi ruhen und den Tag der seligen Auferstehung daselbst erwarten. Belehrung. Schon die Heiden hielten die Ruhestätten der Todten für heilig und unverletzlich, und schon bei ihnen war cs der größte Frevel, die Ruhe der Todten zu stören oder die BegrLbnißplätze zu entweihen. Um so mehr mußte es die Kirche für nothwendig halten, die Friedhöfe, die Ruhestätten ihrer Kinder, feierlich einzuwcihen, weil daselbst die entseelten Menschenleiber, welche Tempel deS heiligen Geistes waren, unter dem Schatten des Kreuzes ruhen (daher auch die Benennung „Friedhof") und wie auf einem Acker Gottes gleich Samenkörnern zur künftigen Auferstehung und Verherrlichung hcranreifen sollen (daher die Benennung „Gottesacker"). — Darauf beziehen sich nun auch alle Ceremonien und Gebete, welche bei der Einweihung eines Friedhofes gebraucht werden. Fr. Welche Gegenstände werden zur Feier des Gottesdienstes besonders geweiht? Antw. Besonders folgende: 1) das Weihwasser, 2) die Kerzen, 3) die Asche, 4) die Palmen, 5) die Osterkerze, 6) die heiligen Oele, und 7) der Weihrauch. (All diese geweihten Gegenstände zur Feier des Gottesdienstes wollen wir nnn genauer betrachten). Fr. Warum weiht die Kirche das Wasser? Antw. Um Denen, die es andächtig gebrauchen, verschiedene Segnungen znznwenden. Belehrung und Beispiel. Unter den Sakrament«, lien der Kirche nimmt das Weihwasser einen vorzüglichen Platz ein; denn es wird von der Kirche selbst fast bei allen Segnungen gebraucht und auch den Gläubigen zum fleißigen Gebrauche in und außer der Kirche empfohlen. Daher läßt die Kirche an allen Sonntagen Wasser weihen. Diese Wasserweihe ist uralt, indem schon der heilige Hieronymus davon Erwähnung thut. Ja, sie ist selbst im A. T- schon vorgebildet. (Sieh das nachfolgende Bild!) Als nämlich das Wasser in und um die Stadt Jericho sehr verderbt und ungesund war, kamen die Männer der Stadt und baten den Propheten Elisäus um Hilfe. Dieser sprach: „Bringet mir ein neues Gefäß und thuet Salz hinein! Da sie das gebracht hatten, ging er hinaus zu dem Wasserbrunnen, warf das Salz hinein und sprach: „Dieses 09 * 348 Drittes Hauptstück. Von der Einweihung der Friedhöfe und vom Weihwasser. spricht der Herr: Ich habe dich Wasser gesund gemacht, und es wird fürder kein Tod darin sein, noch Unfruchtbarkeit. Also ward das Wasser gesund bis auf diesen Tag." (4. Kön. 2, Id — 22). Fr. Welche Segnungen bringt das Weihwasser bei einem gläubigfro Minen Gebrauche hervor? Ailtw. Es tilgt die läßlichen Sünden, ist bei Krankheiten sehr nützlich und dient besonders zur Vertreibung der bösen Geister u. s. w. Belehrung. Die besonder» Segnungen und Wirkungen des Weihwassers, wie sie im Weihgebete selbst angegeben sind, sind bei einem gläubig frommen Gebrauche vorzüglich folgende: 1) Tilgung läßlicher Sünden. Dieses drückt schon ein Dccretalbnch des heiligen Papstes Alexander I. in den Worten aus: „Mit Salz vermischtes Wasser wird für die Gläubigen gesegnet, auf daß sie damit besprengt, gereinigt werden; denn wenn das Blut der Böcke und Stiere und die Bestreuung mit Asche Reinigung gewährte (Hebr. 9, 13): um wieoielmehr reinigt das Salz, mit Wasser gemengt, wenn es, durch das göttliche Wort geheiligt, aus- gesprcngt wird?" — Daher wird das Volk vor dem Gottesdienste mit Weihwasser besprengt, uni dadurch anzudeuteu, daß es rein und heilig vor Gottes Angesicht erscheinen und zu ihm beten soll. Darum besprengt man auch sich selbst, sowie die Gräber der Verstorbenen mit Weihwasser u. s. f. 2) Dient das Weihwasser zur Vertreibung der bösen Geister, der Krankheiten rc. Diese Wirkung ist in der Weihe am Bestimmtesten auS- gedrückt. Freilich wird _ hiezu erfordert, daß wir uns dieser besondern Wirkungen durch fromme Gesinnung würdig machen; denn bei den Sakramentalien hängt die Wirksamkeit vorzüglich von der frommen Gesinnung Dessen ab, der sie gebraucht. Beispiele und Anwendung. Die Kirchengeschichte ist voll von Beispielen wunderbarer Hilfe, die das Weihwasser gegen die bösen Geister, gegen Krankheiten, Ungewitter und andere Unfälle jeder Art gebracht. Der heilige Gregor der Große z. B. vertrieb damit die Dämonen aus seinem Kloster. Der heilige Eligius befreite dadurch mehr als 50 Besessene. Der heilige Quintianus heilte dadurch einen Fieberkranken; der heilige CHry soft omus eine mit der Ruhr Behaftete; der heilige Fortunat einen Knaben, der ein Bein gebrochen; der heilige Malachias eine Frau, die am Krebse litt; der heilige Bernhard viele Kränkerer verschiedensten Art. Die heiligen Germanus und Lupus stillten damit ein furchtbares Gewitter. Der heilige Aphrantes vertrieb damit eine ungeheure Menge Heuschrecken, die Alles verwüsteten u. s. w. — Besonders aber dient das Weihwasser auch zum Tröste der armen Seelen. Wie der reiche Prasser dem armen Lazarus zurief, so rufen die armen Seelen auch zu uns herauf: „O mein Christ! erbarme dich unser, und tauche das Aeußerste deines Fingers in das Am Feierabende heilsame Weihwasser, und kühle uns ab; denn wir leiden sehr in diesen Flammen des Fegfeuers." Daher ist es ein löblicher Gebrauch, die Gräber der Verstorbenen oder die Tadtengebeine mit Weihwasser zu besprengen; denn ^„gleichwie ^in Regen die von der Sonnenhitze verwelkten Blumen erquickt (also schreibt ein christlicher Lehrer), so erfrischt das Weihwasser die armen Seelen im Fcgfeucr, diese auSerwähl- ten Himmelsblumen, welche von der Sonne der Gerechtigkeit gewaltig gebrannt werden." — Gebrauche daher, mein Christ'? das Weihwasser stets in heiliger und frommer Gesinnung, und du wirst gewiß die Wirkungen und Segnungen desselben erfahren, besonders aber wirst du die Feinde deines Heiles stets siegreich zurückschlagen, ebenso wie der heilige Märtyrer Symphorian, dessen Andenken wir heute feiern, über seine Feinde und Verfolger siegte. " e a e n d e: Der h eilig e Märtyrer Symphori an tt 178). Der heilige Symphorian, der zu Antun in Frankreich, unter der Regierung des Markus Aurelius litt, war der Sohn des Faustus, aus einer edlen und christlichen Familie. Vom heiligen Benignus hatte er die heilige Taufe und von seinen Eltern eine christlichfromme Erziehung erhalten; daher zeichnete er sich alsbald ebensosehr durch seine Kenntnisse, als durch seine Frömmigkeit aus. Bei einem öffentlichen Feste weigerte er sich, der heidnischen Gottheit zu opfern; deßhalb wurde er nach öfter wiederholtem Bekenntniß: „Ich bin ein Christ!" gegeißelt und endlich enthauptet. In Gegenwart seiner Mutter, die ihn zur Marter aufmunterte, vollendete der heilige Symphorian sein Opfer mit Freuden i. I. 178. des 23. August. 549 Gebet. O Gott! du hast verschiedene Mittel zu unserer Heiligung und Kräftigung durch deine Kirche anordnen lassen; darunter besonders auch das geweihte Wasser. Gib, daß wir es stets andächtig und mit gläubiger Gesinnung gebrauchen, damit wir über die Feinde des Heiles in der Stunde der Versuchung ebenso siegen mögen, wie der heilige Symphorianus über seine Verfolger und Mörder — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zwelhmldertfnnsnnddreißlgstes Lesestiick. Am Feierabende des 23. August. Von den geweihten Kerzen und von der geweihten Asche. Fr. Warum weiht die Kirche Kerzen? Antw. Weil die geweihten Kerzen die geistige Freude der Kirche und die innerliche Erleuchtung des heiligen Geistes siunbilden. Die brennenden Kerzen bedeuten nämlich den Glauben, der erleuchtet, die Hoffnung, die erwärmt, und die Liebe, die entzündet; zugleich erinnern sie uns an jene Zeiten der Christeuverfolgn'kig, wo der Gottesdienst in unterirdischen Grüften gefeiert wurde. Belehrung und Beispiele. Auch von dieser Weihe finden sich schon Andeutungen im alten Testamente. Gott der Herr selbst ließ in den Tabernakel einen goldenen Leuchter mit sieben Lichtern stellen, und Salomon stellte mehrere Leuchter aus feinstem Golde in dem Tempel auf. (2. I'nrnl. 4.) Wie sollte eS sich dann nicht um so mehr ziemen, daß wir die Gegenwart des Herrn im allerheiligsteu Sakramente, bei der heiligen Messe und bei den kirchlichen Festen und Feierlichkeiten dnrch den Gebrauch geweihter Lichter ehren? — Ueberdieß haben aber auch die geweihten, brennenden Kerzen für uns selbst eine ganz besondere Bedeutung. Bor Allem erinnern sie uns daran, daß wir uns die drei göttlichen Tugenden aneignen sollen: den Glauben, der erleuchtet, die Hoffnung, die erwärmt, und die Liebe, die entzündet; denn auch die Kerze leuchtet, erwärmt und entzündet. Ferner ermahnt sie uns zur christlichen Nächstenliebe; denn wie die Kerze uns zu Lieb leuchtet und sich dabei selbst verzehrt, so sollen auch wir durch unfern frommen Wandel unfern Mitmenschen vorleuchten und uns gleichsam durch Werke der Nächstenliebe zum Heile und Segen Anderer verzehren. Wie ferner das 58V Drittes Hanptstück. Von den geweihten Kerzen und von der geweihten Asche. str»! ri r> n r, « I UM f MW Ny-Z M/Mj MM WA ^ 7 Ä WM Licht der Kerze immer nur aufwärts strebt, du magst selbe nach Nuten oder Oben halten, so sollen auch unsere Wünsche und Bestrebungen nur nach Oben hin zielen. Unser Wandel soll im Himmel sein. Endlich erinnert uns die brennende Kerze an die Hinfälligkeit und Vergänglichkeit des menschlichen Lebens. Wenn nämlich eine Kerze angezündet worden ist, so nimmt sie allmählig ab und zehret sich selbst auf. Eine gleiche Bewandtniß hat es mit dem menschlichen Leben. In dem Augenblicke, wo wir geboren werden, haben wir auch angefaugen zu sterben, und das Leben ist schon mit dem Tode in Kampf getreten. „ Man irret sehr," sagt der heidnische Sittenlehrer Seneca, „wenn mau glaubt, der Mensch fange dann erst an zu sterben, wenn der kalte Todesschweiß am Leibe ausbricht, wenn die Augen brechen, die Wangen einfallen, das Angesicht erblasset, der Puls stille steht, und die Seele im Begriffe ist auszufahren; wir sterbe» täglich, täglich wird ein Theil unseres Lebens abgeschnitten. Die letzte Stunde, in der wir anfhören zu leben, bringt den Tod nicht, sondern vollendet.ihn nur." — „Wie es thöricht wäre," sagt er ferner, „wenn man behaupten wollte, die Sanduhr fange erst dann an auszulaufen, wenn die letzten Körnlein übrig sind; ebenso thöricht ist es, zu sagen, in den letzten Stunden des Lebens beginne der Mensch erst zu sterben. Wie die Sanduhr auszulaufen beginnt, wenn sie umgedrehl worden ist, so beginnt der Mensch schon zu sterben, wenn er geboren worden ist." Das, mein Christ! ruft dir die Kerze zu, welche in dem Augenblicke beginnt, sich selbst aufzuzehren, in welchem sie angezündet worden ist; sie sagt dir: „Wache! Denn der Tod ist schon auf dem Wege; wie ich mich selbst verzehre und nicht weiß, wie lange ich brenne, so nimmt auch dein Leben täglich ab, und du weißt nicht, wann es erlöschen wird." — Siehe', mein christlicher Leser! solch wichtige Lehren geben uns die geweihten Kerzen der Kirche. Möchtest du ihre Bedeutung wohl verstehen und beherzigen! Fr. Wann werden die Kerzen besonders geweiht? Antw. Am Feste Mariä Lichtmeß, um uns 551 Am Feierabende an die Worte Simeons zu erinnern, daß Jesus „das Licht zur Erleuchtung der Heiden" ist, und daß auch wir „als Kinder des Lichtes" wandeln sollen. (Luk. 2, 32. Ephes. 5, 8). Fr. Warum wird dabei die sogenannte Lichter- procession gehalten? Antw. Um uns desto lebhafter den Zug der ge- benedeiten Jungfrau und des heiligen Joseph, vereinigt mit Simeon und Anna, nach dem Tempel vor Augen zu stellen, und zur besonderen Huldigung Mariä, die uns das Licht der Welt gebracht hat. (Sieh das vorhergehende Bild!) Fr. Wann bedient man sich der geweihten Kerzen ganz besonders? Antw. Bei der heiligen Taufe und auf dem Sterbebette. Belehrung. In dm zwei wichtigsten Augenblicken des Lebens gibt man uns brennende Kerzen in die Hand: bei der heiligen Taufe und auf dem Sterbebett; bei der heiligen Taufe, um dem Täufling dadurch anzudcuten, daß er von der Finsterniß zum Lichte, d. i. zu Jesus Christus — berufen worden ist, welchem Lichte er nun folgen soll, indem er gleichsam selbst ein Licht ist, angezündet an der Sonne der Gerechtigkeit — Jesus Christus —, und also sein Licht leuchten läßt durch einen in der Liebe thätigen Glauben; auf dem Sterbebett, damit dem Sterbenden auf seinem Gang durch die finstere Todesnacht Jesus Christus, dieses Licht der Welt, leuchten und ihn zu dem freudenvollen Lichte des ewigen Lebens hinüberführen möge. — Denke oft, o christliche Seele! an diese ernste Bedeutung der Tauf- und der Sterbkerze! Es wird dir zum Heile gereichen. Fr. Warum weiht die Kirche am Mittwoch beim Beginne der Fastenzeit die Asche? Antw. Damit wir uns demüthigen und aufrichtige Buße thun sollen; darum sagt der Priester, während er Asche auf das Haupt streut: „Gedenke, o Mensch! daß du Staub bist und iu den Staub wiederkehren wirst." Belehrung und Beispiele. Durch Bestreuung mit geweihter Asche und durch die Erinnerung an den nahen und gewissen Tod will uns die Kirche zur Buße ermuntern und zugleich den Geist der Demuth und Selbsterniedrigung in des 23. August. uns Hervorrufen, ohne welche keine wahre Buße Gott wohlgefällig sein kann. Die Asche aber war schon von Alters her ein Symbol der Buße und Verdemüthigung; wir finden in der heiligen Schrift verschiedene Beispiele und Belege hie- für. So thaten z. B. schon die Ninivitcn in Sack und Asche Buße. Auf die Büßpredigt des Propheten JonaS (3, 6.) „stand der König Ninive's von seinem Throne aus, zog das Trauerkleid an und setzte sich in die Asche." — Judith that ein Bußkleid an, streute Asche auf ihr Haupt und warf sich nieder vor dem Herrn, „um seinen Segen auf ihr Vorhaben herabzuflchcn." (9, k.)— Als Mardo- chäus von den Anschlägen gegen das Leben aller Juden in Persien Kunde erhalten hatte, „zerriß er seine Kleider, legte einen Sack an und streute Asche auf sein Haupt . . . . Und Viele nahmen Säcke und Asche statt des Lagers." (Esth. 4, 1 — 3.) — Du siehst also, mein christlicher Leser! daß die Asche schon im A. B. ein Zeichen der Buße und Trauer, der Demuth und Selbsterniedrigung war. Erkenne hieraus auch zugleich den Sinn der geweihten Asche im N. B! Thue Buße und demüthige dich vor dem Herrn, damit er deiner schone und dich wieder in Gnaden aufnehme! Legende: Der heilige Bekenner Philippus Benitius (ch 1285). WMM! Heute feiert die Kirche das Fest eines Heiligen, der durch seinen^frommen und heiligen Wandel, sowie durch sein abgetödtetes Leben zu erkennen gab, daß er die erhabene Bedeutung der geweihten Kerzen und der 552 Drittes Hauptstück. Von den geweihtenhPalmen, von der Osterkerze und den heiligen Oelen. geweihten Asche gar wohl verstand; denn durch seine Tugenden leuchtete er wie ein Licht, und durch seine Abtödtungen und Bußwerke war er ein Muster der Demnth und Buße. Es ist dieß der heilige Philippus BenitiuS. Aus der edlen Familie Benitizu Florenz geboren, erhielt er von seinen gottesfürchtigen Eltern eine vortreffliche Erziehung. Nach Vollendung der Vorstudien widmete er sich der Arzneikunde, zu welcher ihn seine theilnehmende Nächstenliebe hinzog. Nach Erlangung des Doktorgrades flehte der junge Mann zu Gott um Erkenntniß des Weges, auf welchem er vollkommen Seinen Willen erfüllen könnte. Am Thore von Florenz hatten die Servilen ein Kloster und eine Kapelle, zur Verkündigung Mariä genannt. Hier hörte der junge Arzt die Stelle aus der Apostelgeschichte vorlesen: „Der Geist aber sprach zu Philippus: Gehe hin und nähere dich diesem Wagen!" Bald darauf sah er im Traume die seligste Jungfrau in einem Wagen sitzend, von Engeln und Heiligen umgeben, und hörte dieselben Worte ihm zurufen. Dieß führte ihn sofort in den Orden der Serviten, denen die besondere Verehrung der Mutter Gottes oblag. Aus Demuth wollte er nur Laienbruder werden, und verrichtete lange Zeit die niedrigsten Arbeiten auf dem Felde und im Hause; seine Obern vermochten ihn jedoch, sich zum Priester weihen zu lassen. Nach einiger Zeit wurde Philippus der Obere seines Ordens, und opferte alle geistige und körperliche Kraft für die Beförderung der Blüthe desselben auf. Für die Verherrlichung Gottes und die Verbreitung der Verehrung der seligsten Jungfrau unternahm Philippus in Begleitung zweier Ordensbrüder eine Missionsreise durch Frankreich, Flandern, Friesland und Oberdeutschland mit staunenswerthem Erfolge. Als zuletzt seine Kräfte ganz aufgerieben waren, hauchte er im Anblicke des Crucifixes, welches er sein Buch nannte, seine heilige Seele aus am 22. August 1285. Die Bulle seiner Heiligsprechung erfolgte i. I. 1724. Gebet. Gib, o Gott! daß wir die Bedeutung der geweihten Kerzen und der geweihten Asche recht verstehen und durch einen frommen, tugendhaften Wandel und durch ein bußfertiges Leben ebenso, wie der heilige Philippus Benitius, unser Licht vor den Menschen leuchten lassen, auf daß sie unsere guten Werke sehen und den Vater preisen, der im Himmel ist und daselbst lebt und regirt in alle Ewigkeit. Amen. Zweihnndertsechsunddreißigstes Lesestück. Am Feierabende des 24. August. Von den geweihten Palmen, von der Osterkcrze nnd den hl. Oelen. Fr. Warum läßt die Kirche am Palmsonntage Palmen weihen? Antw. Um uns an den feierlichen Einzug Christi in Jerusalem und an seinen Sieg über die Hölle zu erinnern und uns zugleich zu ermuntern, daß auch wir die Siegespakme des ewigen Lebens erringen sollen. Belehrung. Die geweihten Palmen sollen uns vor Allen an den feierlichen Einzug Jesu in Jerusa- l e m erinnern, wo das Volk mit Palmen und andern Zweigen den Weg bestreute, auf welchem Jesus einzog. (Sieh das obige Bild!) Mit welchem Jubel wurde da der göttliche Heiland begrüßt! Jung und Alt jauchzte ihm zu: „Hosanna dem Sohne Davids! Hosanna! der da kommt im Namen des Herrn!" (Matth. 21.) — Da ferner die Palme ein Sinnbild des Sieges ist (daher auch die Benennung „Siegespalme"), so deutet die Kirche durch die geweihten Palmen auch auf den Sieg hin, den Christus über Sünde, Tod und Hölle errungen hat, und den auch wir in seiner treuen Nachfolge erringen sollen. (Offenb. 7, 9.) Deßhalb trägt man die geweihten Palmen auch in Procession, um jenen Triumphzug Christi nachzuahmen, und bewahret dieselbe dann der Erinnerung und Weihe wegen in den Häusern bis zum Beginne der nächsten Fastenzeit, wo aus diesen Palmen besonders die heilige Asche am Aschermittwoch bereitet wird. Fr. Woran erinnert die Osterkerze, und wann wird sie geweiht? Antw. Die Osterkerze erinnert an Christus, den Auferstandenen, und wird am Charsamstage feierlich geweiht. Belehrung. Die Osterkerze sinnbildet Christum, den Auferstandeuen, und zugleich jene Feuersäule in der Wüste. Denn wie ehemals diese feurige Säule die Kinder Israels aus der ägyptischen Gefangenschaft führte (2. Mos. 14, 20.), 353 Am Feierabende ebenso rettete auch Christus, der Erstandene, uns Alle aus der Dienstbarkeit des Satans. — Die Weihe der Osterkerze wird am Charsamstage auf eine hochfeierliche Weise vorge- nommen. — An der Osterkerze ist Alles sehr sinn- und bedeutungsvoll. Sie muß aus weißem Wachse gefertigt sein, um uns den reinen und heiligen Leib Christi, der aus dem reinen Schooße der seligsten Jungfrau hervorgegangen ist, zu sinnbilden. An dieser Kerze werden alsdann fünf Weihrauchkörner, welche vorher gesegnet werden, in Form eines Kreuzes in fünf Oeffnungen befestigt. Diese fünf Oeffnungen bezeichnen die fünf Wundmale Christi, welche er auch nach seiner Auferstehung beibehielt, und welche wir einst am Tage des Gerichtes zu unserm Tröste oder zu unserm Schrecken an ihm erblicken werden; der Weihrauch aber erinnert an die Spezereien, mit welchen Nikodemus und Joseph von Arimathäa den Leib Jesu salbten. — Da die Osterkerze ein Sinnbild des aufcr- standenen Heilandes ist, so wird sie die ganze Osterzeit hindurch bei dem Hauptgottesdienste angezündet. Am Feste Christi Himmelfahrt aber wird dieselbe nach dem heiligen Evangelium ansgelöscht zur Erinnerung an die Auffahrt Jesu in den Himmel. Beispiel und Anwendung. Die Osterkerze ist ein Sinnbild des Sieges Christi, den er errungen hat besonders durch seine heiligen Wunden; darum sind diese fünf Wundmale auch an der Osterkerze sichtbar. So oft du also, mein Christ! die Osterkerze betrachtest, so denke auch zugleich an die heiligen Wunden Christi und an seinen Sieg, den er dadurch errungen. Nimm überhaupt recht oft deine Zuflucht zu diesen heiligen Wundmalen; durch sie wirst auch du siegen, wie Christus der Herr. — Als König Alphons von Portugal mit bekümmertem Herzen gegen die fünf Könige der Sarazenen in die Schlacht zog, ermuthigte ihn Jesus in einem Traumgesichte und befahl ihm, eine Fahne mit der Abbildung seiner heiligen fünf Wunden anfertigen und im Streite vorantragen zu lassen; er würde dadurch ebenso seine Feinde besiegen, wie Er selbst den bösen Feind durch seine heiligen Wunden und seinen Tod besiegt habe. Es geschah und Alphons trug den glänzendsten Sieg davon. — Auch wir können alle Tage einen geistlichen Sieg gegen die Feinde unserer Seele durch die fünf Wunden des Herrn erringen. Fühlt also Einer Gewissensbisse, so eile er in die offene Felsenhöhle; wird er von Versuchungen geängstigt, so flüchte er sich gleich einer verscheuchten Taube hieher und seufze an dieser Stelle! Hier füge er sein Herz an das Herz Jesu; wenn es ehedem hoch- müthig war, so wird es demüthig werden; wenn es das Irdische liebte, so wird es das Himmlische lieb gewinnen; wenn es unrein war, so wird es keusch werden; wenn es rachesüchtig war, so wird es sanftmüthig werden; wenn es Mehler, Hausbuch. des 24. August. lau und träge war, so wird es sich an der Flamme entzünden; wenn es verstockt und verhärtet war, so wird es erweicht werden. Alle frommen Affecte kann es hier erwecken und die verkehrten Neigungen mit dem Feuer der Liebe, daS hier ausgeht, wie Strohhalme verbrennen. Kurz durch die heiligen Wunden Christi werden wir stets und überall den bösen Feind besiegen, wie der göttliche Heiland selbst ihn dadurch besiegt hat. Fr. Was versteht man unter den heiligen Oelen? Antw. Die drei Oele, welche der Bischof am Gründonnerstag weiht, nämlich: den Chrisam, das Tauf- und Krankenöl. Belehrung. Die heiligen Oele, nämlich das für die Kranken, jenes für die Täuflinge und endlich der Chrisam, welcher zur Firmung u. s. w. gebraucht wird, werden vom Bischof selbst geweiht und zwar am Gründonnerstag während der feierlichen Messe unter vielen Gebeten und Cerc- mvnien. Dabei ist der Bischof von zwölf Priestern umgeben, welche alle in weiße Meßgewänder gekleidet sind, um dadurch an die zwölf Apostel zu erinnern, von welchen der göttliche Heiland an diesem Tage umgeben war. Außerdem sind noch sieben Diakonen und sieben Subdiakonen in weißen Levitengewändern da, von denen einige die heiligen Oele tragen. — Diese Oelweihe ist schon sehr alt; denn von ihr thut schon der heilige Basilius Meldung. Legende: DerheiligeApostelBartholomäus (P um d. I. 71). Einer von jenen Aposteln, die den göttlichen Heiland am Gründonnerstage umgaben, begegnet uns heute in der Lebensbeschreibung der Heiligen, heute feiert die Kirche sein Fest. Es ist dieß der heilige Apostel Bartholomäus, ein Galiläer, und wahrscheinlich derselbe, welchen der heilige Evangelist mit dem Namen NatHansel bezeichnet. Kaum hatte dieser den Ruf des Herrn zum Apostelamte vernommen, so verließ er Alles und folgte Jesu nach. Er war Zeuge von den Wundern, dem Leiden und Sterben, sowie von der Auferstehung und Himmelfahrt des Herrn, und als nach dem Pflügst- feste die Apostel in verschiedene Theile der Welt sich vcrtheilten, um das von den Juden verschmähte Evangelium den Heiden zu verkündigen, begab er sich nach Indien, wohin er eine Abschrift des Evangeliums des heiligen Matthäus mitbrachte. Von Indien aus wandte er sich nach den im nordwestlichen Asien gelegenen Län> dern und predigte auch in Lhkaonien, und zwar überall mit solchem Segen, daß sich die Heiden selbst über die schnelle Sittenändernng der neuen Gläubigen, über ihre 70 534 Drittes Hauptstück. Vom Weihrauch und von jene» Gegenständen, welche zum Privatgebrauche geweiht werden. Neinigkeit, Mäßigkeit und übrigen Tugenden verwunderten. Unermüdlicher Eifer, das Kreuz in vielen Gegenden aufzupflanzen, und durch dessen himmlisches Licht die Finsternis; des Heidenthums zu zerstreuen und die Seelen dem ewigen Verderben zu entreißen, führte den Apostel nach Großarmenien, wo ihm nach einer reichlichen Seelenernte die Palme der Marter zu Theil wurde. Nachdem er durch sein Gebet die Tochter des Königs, von einem bösen Geiste gequält, geheilt und den König sammt dein ganzen Hof und die Einwohner von zwölf Städten zum wahren Glauben bekehrt hatte, wurde ihm von den blinden Eiferern für die Götzen bei lebendigem Leibe die Haut abgezogen und er alsdann in verkehrter Stellung gekrenziget. Seine Reliquien sind i. I. 983 nach Rom gebracht worden. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott, der du deine Kirche durch das Andenken an deinen heiligen Apostel Bartholomäus erfreuest, wir bitten dich, laß uns allezeit Das glauben und befolgen, was er gelehrt hat, auf daß wir einst die Siegespalme erlangen — durch Jesum Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihundertsiebennnddreißigstes Lesestück. Am Feierabende des 25. August. Vom Weihrauch und von jenen Gegenständen, welche zum Privatgebranche geweiht werden. Fr. Warum bedient sich die Kirche des Weihrauches, und warum segnet sie ihn? Antw. Weil der Weihrauch ein Zeichen der Verehrung ist und zugleich des Gebetes, welches als ein Wohlgeruch vor Gott zum Himmel steigen soll. Belehrung und Beispiele. Der Weihrauch ist 1) ein Zeichen der Verehrung; deßhalb verbrannten schon die Heiden ihren Göttern zu Ehren Weihrauch. So erzählt man von Alexander, dem Könige der Macedonier, er habe beim Opferdienste so viel Weihrauch angezündet, daß ihm sein Hofmeister Leonidas diese Verschwendung vorhielt. Allein Alexander glaubte, gerade dadurch die Götter am Meisten zu ehren, und er ließ sich daher in seiner frommen Gewohnheit durchaus nicht irre machen. Als er aber später das Land der Sabäer erobert hatte, wo der köstlichste Weihrauch in reicher Fülle sich vorfand, schickte er seinem früheren Hofmeister eine ganze Schiffsladung von Weihrauch zu, wobei er ihm melden ließ: „Dafür, daß ich gegen die Götter mit dem Weihrauch nicht geizte, haben sie mich mit der Heimat des Weihrauches belohnt." Soviel also hielten schon die Heiden auf den Gebrauch des Weih- rauches bei ihrem Götterdienste. Aber noch mehr — Gott der Herr selbst hat im A. B. Nauchwerk für den Gottesdienst angeordnet; daher stand auch im Tempel zu Jerusalem der Rauchopferaltar. Ebenso galten auch im Oriente Räucherungen stets als Ehrenbezeugungen; daher opferten zum Zeichen der Verehrung und Anbetung auch die heiligen drei Könige Weihrauch. (Sieh daS nachfolgende Bild!) — Warum sollte also nicht auch die Kirche sich bei ihrem Gottesdienste des Weihrauches bedienen, da derselbe nicht bloß ein Zeichen der Verehrung, sondern auch 2) der Anbetung ist! Wie der Weihrauch, so soll auch unser Gebet als ein Wohlgeruch vor Gott zum Himmel emporsteigen. Daher betete schon David (Ps. 140, 2.): „Laß mein Gebet wie Weihrauch vor dein Angesicht kommen!" — Möchte auch dein Gebet, o Christ! stets dem Weihrauche gleichen und als ein Wohlgeruch vor Gott hinaufsteigen zum Himmel! — Bisher haben wir also jene Gegenstände erklärt, welche zum kirchlichen oder gottesdienstlichen Gebrauche geweiht werden. Nebst diesen läßt aber die Kirche auch verschiedene Gegenstände zu unserm eigenen frommen Gebrauche weihen, die wir nun noch in Kürze erklären wollen. Fr. Welche Gegenstände weiht die Kirche zu unserm eigenen frommen Gebrauche? Antw. Verschiedene Gegenstände, als: Brod, Wein, die neuen Früchte und andere genieß- Am Feierabende des 25. August. 555 i.^ --s-' s r , ^-1 1 / Z< bare Gegenstände, Kräuter, das sogenannte Ag- nus Dei, Kreuze, Scapuliere, Rosenkränze, Bilder und Medaillen. Belehrung. Auch zu unserm eigenen frommen Gebrauche weiht und segnet die Kirche mancherlei Dinge. Sie thut dieß 1) nach dem Beispiele Christi, der auch Brod und Fische segnete. „Er nahm die fünf Brode und die zwei Fische," heißt es (Luk. 9, 16.), „blickte zum Himmel auf, segnete sie." 2) Will sie den göttlichen Segen über die Gläubigen Herabrufen, auf daß „alle Dinge Denen, die Gott lieben, zum Besten gereichen mögen" (Röm. 8, 22.), und damit sich über Alle Gottes Segen ergieße, sowie der Fluch durch die Sünde Adams sich über alle Geschöpfe ausdehnte. (1. Mos. 3,17. und Röm. 8, 20 — 28.) — Die Dinge, welche die Kirche besonders zu unserm eigenen frommen Gebrauche weiht, sind: 1) Brod, z. B. am Oster- und am St. BlasiuSfestc. Die Kirche nimmt bei der Segnung des Brodes Bezug auf die fünf Brode, die Christus in der Wüste segnete, sowie auf den Heiland selbst, der ja „das lebendige Brod," „das Brod der Engel" ist. Schon im 4. Jahrhundert war diese Segnung des Brodes üblich. 2) Wein, am Feste des heiligen Evangelisten Johannes — zur Erinnerung an das Wunder, welches dieser Heilige wirkte, indem er durch das Zeichen des Kreuzes einen Giftbecher unschädlich machte. Die Kirche wünscht hiebei, daß wir mit dem Johannes-Wein auch zugleich die Liebe des heiligen Johannes hineintrinken möchten. 3) Die neuen Früchte und andere genießbare Gegenstände. Die Kirche betet hiebei zu Gott, er möge allen Denen, die davon in seinem heiligen Namen genießen, die Gesundheit des Leibes und der Seele verleihen. 4) Die Kräuterweihe am Feste Mariä Himmel- 70 * 55K Drittes Hauptstiick. Vom Weihrauch und von jenen Ge fahrt. An diesem Tage feiert Maria die Vereinigung mit ihrem Geliebten — ihr Brautfest; und dieses Braulfest Mariens verherrlicht nun die Kirche durch die Weihe duftender Kräuter, indem sie sich hiebei zugleich an die lieblichen Bilder erinnert, unter denen diese himmlische Braut so oft in der heiligen Schrift dargestellt wird, als die „Lilie in den Thälern," die „Blume des Feldes rc." 5) Das geweihte Agnus Dei. Es ist dich ein Wachs mit dem Abbilde des Lammes Gottes; denn ^§nu8 voi heißt „Lamm Gottes." Diese kleinen geweihten Bildnisse des Lammes Gottes in Wachs werden deßhalb so hoch in Ehren gehalten, weil der heilige Vater selbst dieselben weiht, und zwar nur alle sieben Jahre einmal. Der Anblick des Bildes soll Dem, der es an sich trägt oder gebraucht, erinnern an die Unschuld, Sanftmuth und Geduld, durch welche wir uns als Nachfolger Christi, des Lammes GotteS, auszeichnen sollen. Ist dieß unser Streben, dann wird gewiß die Kraft der hohen Weihe dieser Agnus Dei auch nicht ohne Wirkung auf uns bleiben. 6) Endlich weiht die Kirche auch noch Kreuze, Sca- puliere, Rosenkränze, Bilder und Medaillen, auf daß wir durch ihren eifrigen und andächtigen Gebrauch um so oster und segensreicher an Christus, seine gebeuedeite Mutter und die Heiligen Gottes erinnert werden. — Beispiel und Anwendung. Du siehst also, mein christlicher Leser! daß die Kirche bei all diesen geweihten Gegenständen nur das Heil deines Leibes und deiner Seele im Auge hat; gebrauche sie daher mit gebührender Ehrfurcht und Andacht; verwende sie nie zu andern Zwecken, als zu denen sie von der Kirche geweiht worden sind; denn was den geweihten Dingen ihre Kraft gibt, das ist das Gebet der Kirche; sie können also auch nur jene Wirkungen Hervorbringen, auf welche die Kirche ihr Gebet richtete. Wie strafbar und gottlos ist es also, wenn man die Sakramentalien der Kirche zu Zaubereien, zum Schatzgraben und dergleichen mißbraucht! Hüte dich aber auch, mein Christ! vor Gleichgiltigkeit oder wohl gar vor Verachtung gegen geweihte Sachen; es könnte dir sonst ergehen, wie jenem unglücklichen Mädchen, von dem der gelehrte und fromme Pater de la Colombiizre folgende betrübende Geschichte erzählt: Eine junge Person, welche das Unglück gehabt hatte, die ihr eingepflanzten guten Grundsätze zu vergessen, indem sie schlechte Bücher las und gefährliche Gesellschaften besuchte, ließ sich zu einem schweren Fehltritt verleiten, der ihre Ehre bloßstellte. — Von Gewissensbissen verzehrt, überließ sie sich der Verzweiflung, dem einzigen unverzeihlichen Verbrechen, anstatt daß sie zu den Füßen Jesu und Mariä sich warf, um Verzeihung und Barmherzigkeit zu erlangen. Von den finstersten Gedanken umherge- enständen, welchezum Privatgebrauche geweiht werden. trieben, stürzte sie sich in einen Fluß; aber wie groß war ihr Erstaunen, als sie sah, daß sie, obgleich des Schwimmens unkundig, sich nicht ertränken konnte und ungeachtet ihrer Anstrengungen beständig über dem Wasser blieb. — Inzwischen eilte ein Fischer, welcher sie wahrgenommen hatte, als sie ihr Verbrechen beging, zu ihrer Hilfe herbei; aber siehe da, im Augenblick, da er sie erreichte, gab ohne Zweifel der Dämon dieser Unglücklichen ein, daß das Scapulier, das sie am Halse trage, sie am Ertrinken hindere; Plötzlich riß sie es ab und warf es weit von sich, und zu gleicher Zeit versank sie nicht bloS in die Fluthen, sondern auch in den boden- und uferlosen Abgrund der Ewigkeit. — So furchtbar straft Gott nicht selten die Verachtung Dessen, was seine Kirche geweiht und geheiligt hat. Hüte dich also, mein Christ! halte es nie mit den Verächtern Dessen, was heilig ist, sondern folge vielmehr dem Beispiele des heiligen Königs Ludwig, dessen Fest wir heute feiern, und der als treuer Sohn der Kirche auch stets die tiefste Ehrfurcht und Verehrung gegen alles Heilige im Herzen trug. Legende: Der heilige Ludwig, König von Frankreich (ch 1270). Von seiner gottseligen Mutter Blanka und durch Mithilfe tugendhafter Lehrmeister ward Ludwig als Prinz und als Christ vortrefflich erzogen. Um ihm die Liebe zu Gott und die ernstliche Sorge für das Heil seiner Seele recht nachdrücklich an's Herz zu legen, sagte ihm seine Mutter öfters: „Lieber will ich dich des Thrones und des Lebens beraubt, als mit einer schweren Sünde befleckt sehen." Als sein Vater i. I. 1226 starb, ward Ludwig unter der Vormundschaft seiner Mutter auf den Thron gesetzt. Er gehorchte ihr bis in sein 21. 557 Am Feierabende des 26. August. Jahr mit kindlicher Liebe, sowie er auch nachher jeder Heit die nämliche Ehrfurcht gegen seine fromme Mutter bezeigte. Noch inniger aber liebte er die Kirche, diese segensvolle Mutter aller Gläubigen, durch kindliche Unterwerfung unter ihre Gebote und Räthe. Er gab nicht nur selbst ein leuchtendes Beispiel durch den andächtigen Besuch des öffentlichen Gottesdienstes und den öftern Gebrauch der heiligen Sakramente, sondern suchte auch immer, insofern es von der königlichen Gewalt abhängt, die Ehre Gottes durch öffentliche Erbauung zu befördern. Als Regent schützte er das Recht und ward ein liebevoller Vater seiner Unterthanen, vor dem Jedem der Zutritt offen stand, und der Geringste seine Noth klagen durste. Er wußte die königliche Majestät mit der De- muth, und die Höflichkeit mit der christlichen Tugend zu verbinden. Im 55. Jahre seines Alters erkrankte er auf seinem zweiten Feldzuge, den er zur Befreiung gedrückter Christen unternommen hatte, vor Tunis in Afrika, durch eine ansteckende Krankheit, die ihn balv sein Ende voraussehen ließ. Statt eines Testamentes schrieb er an seinen Sohn heilsame Ermahnungen und starb nach Empfang der heiligen Sakramente auf einein mit Asche bestreuten Bett und mit krenzweis auf die Brust geschlagenen Händen, den 25. August 1270. Gebet. O Gott! der du den heiligen Ludwig vom irdischen Reiche zum himmlischen berufen hast, ver. leihe uns auf seine Fürbitte, daß auch wir das Irdische verachten, das Heilige heilig halten und dereinst an der Herrlichkeit des Königs der Könige, Jesu Christi, deines Sohnes, Theil nehmen, der mit dir lebt und regirt in Ewigkeit. Amen. Zweihundertachtunddreißigstes Lesestück. Am Feierabende des 26. August. Von der Weihe der Personen. Fr. Weiht und segnet die Kirche bloß Sachen? Antw. Nein, sie weiht und segnet auch Personen. Belehrung. Schon oben beim heiligen Sakramente der Priesterweihe haben wir es gesehen, wie feierlich die Kirche alle Jene weiht und segnet, die sich dem Dienste der Kirche widmen; wir erwähnen hier noch besonders drei verschiedene Arten von Weihen, die 1) dem Oberhaupte der Kirche, dem Papste, 2) den Aebten, den Abtissinen und den verschiedenen geistlichen Ordens Mitgliedern beiderlei Geschlechtes, und 3) den Königen und Kaisern ertheilt werden. Fr. Warum wird dem Papste eine eigene Weihe ertheilt? Antw. Um ihn dadurch für sein hochwichtiges Amt zu heiligen und zu weihen und ihm besondere Gnaden zur Verwaltung der höchsten Würde im Reiche Gottes zu erwirken. Belehrung. Die Einweihung, oder was dasselbe ist, die Erhebung und Krönung des Papstes (sieh das nebenstehende Bild!) wird auf folgende Weise vorgenommen: Der Neuerwählte wird feierlich auf den Platz hingetragen, welchen man die Confessio Petri nennt, wo einst Tausende von Christen gemartert wurden, und wo heute noch die Ueberreste der Apostelfürsten Petrus und Paulus ruhen. Es werden daselbst viele Gebete von verschiedenen Bischöfen über den neugewählten Papst gesprochen, um über ihn „die Fülle himmlischer Segnungen und göttlicher Stärkung" zu erflehen. Das die Schultern umgebende Pallium wird ihm mit den Worten überreicht: „Empfange das Pallium, die Fülle des päpstlichen Amtes, zur Ehre des Allmächtigen Gottes, der glorreichen Jungfrau Maria, seiner Mutter, der seligen Apostel Petrus und Paulus, und der heiligen römischen Kirche." Im Meßopfer, das nun der Papst entrichtet, werden Epistel und Evangelium sowohl griechisch als lateinisch gelesen, znm Zeichen, daß der Papst das Oberhaupt der gesammten Christenheit ist. Bei der Krönung selbst wird ihm die Tiara (die dreifache goldene Krone) mit den Worten aufgesetzt: „Empfange die mit drei Kronen geschmückte Tiara, und wisse, daß du der Vater der Fürsten und Könige, der Lenker des Erdkreises und der Stellvertreter Jesu Christi, unseres Erlösers bist." Es ist kein Zweifel, daß der also Gekrönte eine besondere Mittheilung der Gnaden für die 558 Drittes Hauptstück. Von der Weihe der Personen. Verwaltung dieser höchsten Würde im Reiche Gottes empfängt.— Auch die feierliche Erhöhung der Kardinale in ihr Amt als Beistände des Apostolischen Stuhles und Rathgcber des Papstes ist ohne Zweifel mit Gnadenertheilungen verbunden. Fr. Welchen Personen ertheilt die Kirche noch ferner eine besondere Weihe? Antw. Den Aebten und Abtissinen, sowie den geistlichen Ordensmitgliedern beiderlei Geschlechtes. Belehrung. Da der Beruf und das Amt solcher Personen in besonderer Verbindung mit dem Dienste Gottes steht, so werden dieselben auch mit besonderen Segnungen in diesen heiligen Stand ausgenommen. — Die Weihe der Aebte ist übrigens nur eine feierliche Einsegnung in ihr Amt, durch welche sie nicht aufhören, unter die Priester zu gehören. Daß die Aebte mancher Klöster Stab, Ring und Insul tragen, ist eine besondere Auszeichnung, welche ihnen wegen der Verdienste ihres Ordens oder einzelner Klöster desselben verliehen ist. Auch die Abtissinen erhalten eine eigene Einsegnung zu ihrem Amte und dürfen in manchen Klöstern als eine besondere Auszeichnung einen Stab tragen. Fr. Warum werden auch Könige und Kaiser zu ihrem Amte besonders geweiht und cingesegnet? Antw. Weil sie als Regenten der Völker ein Amt begleiten, von dessen gehöriger Verwaltung viel Segen für das Wohl der Kirche Gottes entspringen kann und soll. Belehrung und Beispiele. Erhaben und wichtig, aber auch beschwerlich und mühevoll ist das Amt der Fürsten, der Könige und Kaiser, und von der Verwaltung desselben hängt gar sehr das Wohl und Weh der Kirche selbst ab; daher war es schon bei dem auSerwählten Volke Gottes, bei den Israeliten, eine fromme Sitte, die Könige zu salben. Ebendiese fromme Sitte wurde auch in der katholischen Kirche allgemein üblich, sobald sie zur Staatsreligion erhoben war. Der erste christliche Kaiser, welcher sich kirchlich einweihen oder krönen ließ, war Theodosius der Jüngere (f 450), an welchem der Patriarch Proclus die Feierlichkeit vor- uahm. Der Kaiser wurde auf die Schilde erhoben, und vom Patriarchen wurde ihm unter mehreren salbungsvollen Gebeten das Diadem um die Stirne gebunden. Das versammelte Volk wünschte dem Gekrönten in kanten Zurufen ein langes Leben. Nachdem der gekrönte Kaiser den Thron bestiegen hatte, waffnete er sich mit dem heiligen Kreuzzeichen und hielt eine Rede an das Volk. — Erkenne hieraus, mein Christ! welch eine Ehrfurcht, welch eine Unterwürfigkeit du deinem Fürsten, deinem Könige oder Kaiser schuldig bist, da Gott der Herr selbst durch seine Kirche ihr Haupt salben und krönen läßt! Darum wehe Denen, die die Gesalbten des Herrn verachten oder beleidigen! Legende: Der heilige Zephhrinus, Papst und Märtyrer (7 2 l 8 ). Auch die Kirche feiert heute das Fest eines Heiligen, der durch eine besondere Weihe zur höchsten kirchlichen Würde auf den Stuhl des heiligen Petrus erhoben wurde; es ist dieß der heilige Z ep Hy rin ns. Von Geburt ein Römer, wurde er im neunten Jahre der Regierung des Kaisers Severus im Jahre Christi 202 zum Papste erwählt. Als Oberhaupt der Kirche war er auch zugleich der Schützer und Tröster der Gläubigen, und seine Liebe fühlte tief die Leiden aller verfolgten Bekenner Christi. Er regirte die Kirche unter den größten Stürmen der Verfolgungen und der Jrrlehrer mit Muth und Herzens- stärke und beschloß sein heiliges Leben unter vielen Leiden i. I. 218. Gebet. Wir bitten dich, 0 Gott! erfülle auf die Fürbitte des heiligen Zephhrinus unsere Herzen mit heiliger Ehrfurcht gegen alle deine Diener und Dienerinen, welche du durch deine heilige Kirche weihen und zu ihrem heiligen Amte durch kirchliche Segnungen stärken lassest; — durch Christum, unfern Herrn. Amen. 55» Am ^)^Ealsei di,e^.inb(crn. Zu. nvtr Nomine >x^§L ^3 MM SMM L!« Zweihundertueummddreißigstes Lesestülk. Am Feierabende des 27. August. Von den Segnungen der Kirche. Fr. Was versteht man unter den Segnungen der Kirche? Antw. Die verschiedenen Schutz- und Segengebete, welche die Kirche über Personen oder verschiedene Gegenstände spricht. Fr. Ueber welche Personen pflegt die Kirche besonders feierliche Schutz- und Segengebete zu sprechen? Antw. 1) Ueber Diejenigen, bei welchen sie die Banngebete oder Exorcismen anwendet, 2) über Brautleute, 3) über die Wöchnerinen, 4) über die Gläubigen in und außer der heiligen Messe u. s. f. Belehrung und Beispiele. Gar häufig wendet die Kirche ihre Segnungen an, indem sie auch hierin wieder dem Beispiele ihres göttlichen Lehrmeisters folgt, welcher ja auch die Kinder segnete. „Jesus schloß sie in seine Arme," schreibt der heilige Evangelist Markus des 27. August. (10, 16.), „legte ihnen die Hände auf und segnete sie." (Sieh das nebenstehende Bild!) — Jnsbesonders aber pflegt sie ihre Schutz- und Segengebete über folgende Personen zu sprechen: 1) Ueber Diejenigen, bei welchen sie die Banngebete spricht, welche man Exorcismen nennt, und durch welche Gebete die Kirche die Gläubigen gegen die Gewalt des bösen Feindes schützen, oder aus der Gewalt desselben befreien will. Diese Gebete wendet die Kirche im Allgemeinen bei Jenen an, die getauft werden sollen, wie bereits bei den Ceremonien der heiligen Taufe nachgewiesen worden; ferner bei Denjenigen, von denen man befürchtet, daß sie besessen seien, oder äußere Einflüsse des bösen Feindes zu erdulden haben. Dergleichen öffentliche Exorcismen dürfen aber nur mit Erlaubniß der kirchlichen Oberen vorgenommen werden, was nämlich die vom bösen Feinde Besessenen betrifft. 2) Die Kirche spricht Schutz- und Segengcbete auch über Brautleute, besonders bei der heiligen Messe, die für selbe bestimmt ist. 3) Sie spricht solche Gebete überdieWöchnerincn, welche die Aussegnung verlangen. Diese Aussegnung ist zwar kein Gebot, aber doch ein frommer Gebrauch, iu Folge dessen Ehefrauen nach der Geburt eines Kindes das Beispiel Mariä nachahmend, mit dem Kinde in die Kirche gehen, dasselbe Gott aufopfern, ein kleines Opfer darbringen und den Segen des Priesters verlangen. Es wäre aber ein Aberglaube, wenn man dafür hielte, diese Aussegnung müßte unter einer Sünde vorgcnonnnen werden, und cs wäre gar wohl ein Jrrthum im Glauben, wenn man meinte, die Geburt eines Kindes beflecke eine christliche Mutter. Ebenso ist es aber auch unpassend, wenn die Mutter das Kind nicht mitbrächte, oder unterließe, ein kleines Opfer zu spenden; denn das hieße nicht, das Beispiel Mariä nachahmen, worin eben die ganze Bedeutung dieses feierlichen Actes besteht. 4) Es ist in vielen Gegenden Deutschlands auch der Gebrauch, am 3. Februar, als am Feste des heiligen Blasius, einen Segen unter Anrufung dieses heiligen Märtyrers zu empfangen, bei welchem der Priester unter Anrufung des heiligen Blasius betet, daß Gott durch Fürbitte desselben, uns vor jedem Halsübel bewahre, wegen des Wunders, durch welches dieser heilige Bischof von Sebaste einst den einzigen Sohn einer frommen Mutter vom Tode rettete. 5) Endlich gehören hieher die Segnungen der Priester und Bischöfe überhaupt, mit welchen sie 560 Drittes Hauptstück. Von den Segnungen der Kirche. Personen segnen, besonders wenn der heilige Vater den APostolischen Segen als Statthalter Christi ertheilt. Die Ertheilung des priesterlichen Segens schreibt sich schon aus den ältesten Zeiten der Kirche her. So warf sich selbst Jnstinian, der Kaiser, vor dem heiligen Sab bas nieder, und bat um dessen Segen. Ja, segnete nicht Mclchisedech schon den Abraham, den Vater der Gläubigen? (Genes. 15.) Fr. Warum segnet die Kirche verschiedene Gegenstände? Autw. Sie segnet dieselben, um ihnen durch die Segnung eine geistige Kraft und Weihe zu verleihen. Daß dieß die Wirkung der kirchlichen Segnung sei, erhellet aus den Worten des Apostels Paulus selbst, wenn er au Timotheus also schreibt: „Jedes Geschöpf wird durch das Wort Gottes und das Gebet geheiligt." (1. Tim. 4.) Fr. Sind denn nicht alle Dinge aus sich gut, da Gott dieselben bei der Schöpfung gut geheißen? Antw. Allerdings war dieß der Fall bei allen Geschöpfen, so wie selbe aus der Hand Gottes hervorgegangen; allein als der Mensch, dessentwegen Gott alles klebrige erschuf, gesündigt hatte, erging der Fluch des Herrn über die Erde, und es ist somit ganz in der Ordnung, daß man die Felder und Häuser, und die Nahrung der Gläubigen segne, und die heilige Kirche zu diesem Ende auch besondere Schutz- und Segengebete spreche. Fr. Ist der Gebrauch dieser Segnungen schon alt? Antw. Dieser Gebrauch stammt schon aus dem alten Testamente von patriarchalischen Zeiten her. Der heilige Chrhsostomus und TheophiluS bemerken bei der benannten Stelle des heiligen Paulus (1. Tim. 4.) ausdrücklich: „Es sei ein sehr alter Gebrauch, verschiedene Gegenstände eigens zu segnen." Der heilige Basilius versichert ausdrücklich, dieser Gebrauch rühre von apostolischer Ueberlieferung her. (Vergleiche WeningerS Handbuch). Beispiel und Anwendung. Da der Segen der Kirche von so hoher Bedeutung ist, so sollen wir denselben auch stetS in Ehren halten und ihn, so oft cs uns möglich ist, zu empfangen suchen, besonders aber sollen wir den priesterlichen Segen bei der heiligen Messe nie verabsäumen. — Eine Frau, die fleißig zur Kirche ging, wollte wissen, wie viel Mal sie in einem Jahre im Gotteshause gewesen sei. Weil sie nicht schreiben konnte, so bezeichnete sie jeden Kirchenbesuch dadurch, daß sie einen Pfennig in ein Sparbüchslein steckte und solches in ihren Koffer verschloß. Da nun das Jahr vorüber war, und sic vermeinte, das Büchslein voller Pfennige zu finden, öffnete sie es und sah zu ihrem größten Erstaunen nur — drei Pfennige darin liegen. Es waren die drei Sonntage, an welchen sie zur heiligen Kommunion gegangen war und deshalb noch den letzten Segen des Priesters am Schlüsse der heiligen Messe abgewartet hatte. An allen übrigen Sonn- und Festtagen war sie gleich nach dem letzten „Orcmus!" — also ohne den Segen aus der Kirche gegangen, um ja etwas früher nach Hause zu kommen. — Erkennst du hieraus nicht, mein Christ! den hohen Werth und die große Bedeutung des heiligen Segens? Versäume ihn also nicht, noch mehr aber hüte dich, ihn je zu verachten! Es gilt auch hier das Sprüchwort: „An Gottes Segen ist Alles gelegen." Legende: Der heilige Joseph ns Kalasank- tius (ch 1648). Heute feiert die Kirche das Fest eines Heiligen, dessen Lebensgeschichte so recht zum heutigen Lesestücke paßt; denn wie der göttliche Heiland, so war auch er ein wahrer Kinderfreund, der da ausrief: „Lasset die Kleinen zu mir kommen!" der sie dann in seine Arme schloß, sie segnete und auf dem Wege des Heiles führte. Es ist dieß der heilige Josephus Kalasanktius, Stifter des Ordens der regulären Cleriker der frommen Schulen. Dieser Heilige wurde 1566 aus der gräflichen Familie Calasankz zu Petralta in Arragonien geboren und gab schon als Knabe Beweise seiner Andacht, seines Bußeifers und seiner Neigung zum Kinderunterrichte, 561 Am Feierabende indem er sie beten nnd die Glaubensgeheimnisse lehrte. Als er i. I. 1585 zum Priester geweiht war, widmete er sich zuerst dem Dienste der Armen und Kranken, alsbald aber folgte er seiner Lieblingsneigung und nahm sich mit väterlicher Sorgfalt der armen verlassenen Kinder an, deren es der Pest wegen sehr viele gab. 1597 sing er an, Schule zu halten, und ertheilte armen, verlassenen Knaben nebst dem Unterrichte alles Nöthige, oft sogar die Kleidung. Bald schlossen sich ihm viele Priester als Gehilfen an und so erlangte seine Schule in kurzer Zeit große Berühmtheit und eine weite Verbreitung. Nach und nach wurden diese frommen Schulen zn einem geistlichen Orden erhoben unter dem Namen ..Paulinische Genossenschaft der regulirten Kleriker der Armen." Die Verfolgungen, die den Heiligen wegen seines'frommen Eifers trafen, ertrug er mit christlicher Geduld. Endlich geschwächt durch die Opfer der göttlichen Liebe, ging diefer heilige Kinderfreund im 92. Lebensjahre hinüber in's Himmelreich, das den Kinderseelen versprochen ist. Gebet. Göttlicher Heiland, der du die Kinder gesegnet hast, segne auch uns auf die Fürbitte des heiligen Josephus Kalasanktius, auf daß wir dir mit kindlichem Sinne dienen und einst in's Himmelreich ausgenommen werden, das den Kinderseelen verheißen ist! Amen. Zlveihundertvierzigstes Lesestück. Am Feierabende des 28. August. Von verschiedenen feierlichen Kirchengebräuchen, und zwar von den Processionen und Bittgängen. Fr. Was versteht man unter feierlichen Kirchen- gebräuchen? Antw. Alle die allgemeinen Andachtsübungen der heiligen Kirche zur Erbauung und Heiligung der Gläubigen, besonders die Aussetzung des allerheiligsten Sakramentes, die verschiedenen Andachten zu Maria und den Heiligen, und ganz besonders die Processionen und Bittgänge, Wallfahrten, Bruderschaften und Missionen, von denen wir nun auch besonders reden wollen. Fr. Was versteht man unter Processionen und Bittgängen? Antw. Feierliche Umzüge der Gläubigen unter Gebet und Abstngung heiliger Lieder rc., um Gott auch öffentlich zu preisen und seinen Schutz und Segen über Stadt und Land zu erflehen. (Sieh das nachfolgende Bild!) Mchler, Hausbuch. des 28. August. Belehrung. Die Bittgänge und Processionen sind ein Geschenk unserer Mutter, der heiligen katholischen Kirche. Sic läßt dieselben abhaltcn, 1) um Gott auch öffentlich zu Preisen, ihm zu danken, seinen Schutz und Segen über Stadt und Land herabzuflehcn und seine Strafen abzuwenden; 2) um den Sieg und Triumph des Christcnthuins zu feiern, und 3) um uns zu erinnern, daß wir auf Erden nur Pilger sind und stets vor Gott wandeln sollen. Daher zieht man mit Kreuz und Fahne auf öffentlichen Plätzen oder in der freien Natur einher, und gewiß wird Gottes Gnade und Segen nicht ausbleiben, wenn wir mit frommer, andächtiger und bußfertiger Gesinnung an diesen erhabenen Processionen und Bittgängen der Kirche Theil nehmen. Fr. Ist der Gebrauch von Processionen und Bittgängen schon alt? Antw. Ja, man findet dieselben schon im A. T.; im N. T. aber begannen dieselben, sobald die Kirche frei wurde. Belehrung und Beispiele. Schon im A. T. waren die Processionen üblich. So zog schon Josua in einer Procession siebenmal um Jericho, worauf beim Posaunenschall die Mauern der Stadt einstürzten. Auch David begleitete die Bundeslade und führte sie in Procession heim. (1. Paral. 13.) Der Triumphzug Christi am Palmsonntage war auch eine hochfeierliche Procession. Vom A. B. ging dieser Gebrauch auch auf den N. B. über. Zwar durften die Gläubigen in den ersten Zeiten des Christenthums nicht daran denken, öffentliche Processionen oder Bittgänge zu veranstalten, die Verfolgungen waren zu groß, und sie mußten froh sein, wenn sie in verborgenen Winkeln und beim Dunkel der Nacht nur den nothwendigstcn Gottesdienst halten konnten. Allein sowie diese blutigen Verfolgungen etwas nachließen, entstanden auch Prozessionen und Bittgänge. -— Schon der alte Schriftsteller Ter- tullian, welcher ohngefähr 200 Jahre nach Christi Geburt lebte, spricht von Prozessionen. Der heilige Chryso- stomus redet ebenfalls von Bittgängen, welche zu seiner Zeit gehalten wurden, um von Gott das Aufhören der anhaltenden Regengüsse zu erflehen. — Die drei Bitt-Tage vor Christi Himmelfahrt, die in der Bittwoche abgehalten werden, sind ebenfalls uralt. Als der heilige Mamertus Bischof zu Vienne in Frankreich wurde, waren die vor seiner Zeit in Frankreich schon üblichen Bittgänge sehr selten und lau gehalten worden. Da nun i. I. 469 die Stadt Vienne durch Erdbeben, Mißwachs, Feuersbrunst 71 562 Drittes Hauptstück. Von verschiedenen feiert. Kirchengebränchen, n. zwar von denProcessionen und Bittgängen. zu erflehen. Diesem Beispiele folgten die übrigen Bischöfe Frankreichs und schon i. I. 511 wurde in einer Kir- chenversammlung zu Orleans die allgemeine Beobachtung dieser drei Tage für alle Jahre anbefohlen. In der Folge ging dieses auf die ganze Kirche über.— Die Procession am Markustage soll vom heiligen Papste Gregor dem Großen i. I. 590 eingeführt worden sein, als in Rom und ganz Italien eine Pest wüthete. Die Luft war so sehr vergiftet, baß wer nur gähnte oder nieste, plötzlich todt niederfiel. Daher schreibt sich auch der Gebrauch, daß man zu den Niesenden sagt: „Gott helfe!" und daß die Gähnenden ihren Mund mit dem Kreuze bezeichnen. Der heilige Gregor ordnete zur Abwendung dieses Nebels einen großen Bittgang an, wie wir aus einer Predigt wissen, welche er bei dieser Gelegenheit hielt, und die wir noch be- sitzen. — Ausserordentliche Prozessionen und Bittgänge waren von jeher üblich, namentlich bei großen allge- meinen Anliegen, in besonderen Gefahren ' ' für Leben und Gesundheit, für das tägliche Brod und in andern Drangsalen. Und fast immer zeigte sich die segenvolle Wirkung solcher Processionen :^> und Bittgänge; denn Gott dem Herrn gefällt es gar wohl, wenn wir in ^ großen Gefahren und Anliegen mitein- ander und für einander beten, wie ^ wir dieß auch aus der Lebensgeschichte des heiligen Augustinus ersehen, der beson- dersdurch das fromme Gebet seiner Mutter Monika bekehrt wurde, und dessen Festtag heute in der Kirche gefeiert wird. und andere Leiden heimgcsucht wurde, so traf der heilige Bischof die Anordnung, daß die drei Tage vor Christi Himmelfahrt als Bitt- und Bußtage sollten begangen werden, um an denselben durch Processionen sowie durch Gebet und Fasten die Strafen Gottes abzuwenden und seine Barmherzigkeit Legende: De rheiligeBischofAugu st in (f430). Aurel ins Augustinus wurde am 13. Dezember 354 zu Tagaste, einer Stadt Numidiens in Afrika, geboren. Sein Vater war ein heidnischer Rathsherr, seine Mutter Monika aber eine eifrige und fromme Christin. Am Feierabende des 29. August. 363 Durch ihr unablässiges Gebet zu Gott bewirkte sie die Bekehrung ihres Mannes, und später auch die ihres Sohnes Augustin. Dieser ergab sich nämlich in den Jahren seiner Jugend allen möglichen Sünden und Ausschweifungen, bis endlich Gott das Thränengebet der heiligen Monika erhörte und es fügte, daß Augustinus dem heiligen Ambrosius, Bischof von Mailand, in die Hände kam, der den Verirrten durch Gebet und Belehrung auf den Weg der göttlichen Wahrheit und Tugend hinführte. In seinem 33. Jahre wurde Augustinus vom heiligen Ambrosius getauft, und nun zeichnete er sich als Christ, als Gelehrter und Kirchenschriftsteller aus; wie er sich früher von den Wollüsten Hinreißen ließ, so huldigte er nach seiner Bekehrung der Gnade, so daß man ihn zum Bischof von Hippo erwählte, wo er nun durch Lehre und Beispiel als ein Stern erster Größe in der Kirche Gottes glänzte, bis er i. I. 430 heilig starb. Gebet. Allmächtiger Gott! erhöre unser Flehen und laß uns auf die Fürbitte des heiligen Augustin die Wirkung deiner Barmherzigkeit erfahren, auf die wir mit deiner Gnade vertrauen, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihunderteinundvierzigstes Lesestück. Am Feierabende des 29. August. Von den Wallfahrten. Fr. Was versteht man unter Wallfahrten? Antw. Unter Wallfahrten versteht man die besonder» Besuchungen Gottgeweihter Oerter, welche von einer oder mehrern Personen angestcllt werden zur Ehre Gottes, der seligsten Jungfrau Maria oder sonst eines Heiligen, ohne daß jedoch die bei den Bittgängen üblichen Feierlichkeiten dabei statt finden. Fr. Sind diese Wallfahrten lobend Werth nnd nützlich? Antw. Wenn sie auf die rechte Weise vorgenommcn werden, so sind sie sehr lobenswerth, sehr heilsam und nützlich. Belehrung. Wer möchte wohl an dem Nutzen und Segen frommer Wallfahrten zweifeln? An Wallfahrtsorten vereinigt sich gar Vieles, was uns zu größerer Andacht stimmt und mit größerer Inbrunst und Zuversicht erfüllt, so daß unser Gebet leichter erhört werde. Oder welches Herz könnte so verhärtet sein, um beim Eintritt in Nazareth, wo der Sohn Gottes empfangen, in Bethlehem, wo er geboren, in Jerusalem, wo er gekreuzigt worden ist, ungerührt zu bleiben? Welch lebhafte Erinnerungen bemächtigen sich da unser! Wieviele süße Thräneu vergießt an jenen Wallfahrtsorten, die der seligsten Jungfrau besonders geweiht sind, das fromme Kind Mariens! Mit Recht nennt man diese Wallfahrtsorte auch „Gnavenorte;" denn unversiegbar fließt da die Quelle der Gnaden; da rechnet Gott nicht mehr mit uns, er spendet sie uns mit vollen Händen. Es sind göttliche Behälter und Cisternen, wo man mitten in der größten Trockenheit reichliche Master findet. Zwar ist und hört uns Gott überall; allein es kann ihm doch gefallen, wie zu gewissen Zeiten, so auch an gewissen Orten uns eher zu erhören. Und dieß zeigt sich ganz besonders an Wallfahrtsorten; natürlich aber müssen die Wallfahrten jederzeit so geschehen, wie es die Kirche verlangt. Nach dem Wunsche der Kirche muß man aber Folgendes hiebei beobachten: 1) muß man die Reise nicht aus Vorwitz oder einer andern eitlen Absicht antretcn; 2) soll man eine fromme, nicht gefährliche Gesellschaft dazu wählen; 3) die Zeit, solange man auf dem Wege ist, soll mit Beten, heiligen Gesängen oder erbaulichen Gesprächen zugebracht werden; 4) in den Wirthshäusern soll man eingezogen sein und sich vor un- mässigem Essen und Trinken wohl hüten; 5) an dem Wallfahrtsorte soll man sich mit Andacht beschäftigen, und, wenn es möglich ist, durch das heilige Sakrament der Buße sich von Sünden reinigen, und das heilige Altarssakrament empfangen ; 6) muß die Wallfahrt nicht zu einer Zeit verrichtet 564 Drittes Hauptstück. Von den Wallfahrten. werden, zu welcher die Standespflichten und Bernfsgeschäfte Jemands Gegenwart zu Hause erfordern. — Fehlen diese und dergleichen Bedingungen, so wird eine Wallfahrt mehr schaden als nützen, besonders wenn nach derselben das sündhafte Leben wieder geführt wird wie zuvor, was auch der heilige Hieronymus bestätigt, indem er schreibt: „Deßwegen ist man noch nicht zu loben, daß man zu Jerusalem gewesen ist; sondern dann ist man lobenswertst, wenn man zu Jerusalem fromm gelebt hat." Beispiel und Anwendung. Wenn wir auf die ebenbezeichnete Weise die Wallfahrten vornehmen, so bringen sie uns gewiß reichen Nutzen und Segen. Gar viele Beispiele bestätigen uns diese Wahrheit. Der fromme Elcana wall- fahrtete mit seinem unfruchtbaren Weibe Anna nach Silo; und Anna erhielt durch ihr vertrauensvolles Gebet, das sie daselbst verrichtete, die Fruchtbarkeit. (I. Kön. 1, 3.). -— Der Kämmerling der äthiopischen Königin Kandaze wallfahrtete nach Jerusalem, Gott anzubeten. Auf der Rückreise wurde er von Philippus getauft und ward ein Rechtgläubiger. (Apostelgesch. 8, 27.) — Die Kirchengeschichte erzählt uns, die (nachmals) heilige Jungfrau und Märtyrin Lucia sei mit ihrer Mutter Eu- tychia, die am Blutflusse litt, zum Grabe der heiligen Agatha gewall- fahrtet, und die Kranke wurde gesund. — Auch aus der neuesten Zeit erzählt der „Himmel sbote" folgende Thatsache, die es uns beweist, daß die Wallfahrtsorte wahre Gnadenorte sind. Ein französischer Officier, Schiffskapitän, gleich ausgezeichnet durch seinen Geist, wie durch seine Tapferkeit, deren glorreiche Insignien er auf seiner Brust trug, besuchte die Wallfahrtskirche zu unsrer lieben Frau von La Salette. Er wollte, wie er sagte, nur eine Stunde da bleiben; allein der Anblick des wunderthätigen Gnadenbildes, sowie die Andacht der zahlreichen Wallfahrer machte einen mächtigen und wunderbaren Eindruck auf sein Herz. Nach längerer Zeit kam er zu den Seinigen zurück, indem er sprach: „Es ist etwas Unerklärbares in mir vorgegangen," und Thränen rollten dabei über seine Wangen; er weinte, — er, der dem Tode getrotzt und so oft mit trocknem Auge den Schiffbruch mit angesehen hatte! „Erlauben Sie," sagte er, „daß ich noch zwei Tage hier 5K5 Am Feierabende bleibe; ich will hier thun, was ich seit 20 Jahren nicht mehr gethan." Und des andern Tages legte er eine rcumüthige Beicht ab und empfing in der heiligen Communion den Herrn der Heerschaaren. — Erkennst du hieraus nicht, mein christlicher Leser! wie heilsam und nützlich für uns Alle eine fromme, dem Geiste der Kirche entsprechende Wallfahrt werden kann und muß? Fr. Sind die Wallfahrten schon alt? Antw. Schon die Juden wallfahrteten auf Gottes Befehl dreimal des Jahres nach Jerusalem, und schon die ersten Christen wallfahrteten gerne an die geheiligten Orte. Belehrung und Beispiele. Gott der Herr selbst befahl schon den Juden, jährlich dreimal an dem Orte zu erscheinen, den er zu seiner Wohnung erwählen würde (nämlich zu Jerusalem). Die drei Feste der Wallfahrt waren Ostern, Pfingsten und das Laubhüttenfest. (5. Mos. 16, 16.) Und sie durften dabei nicht ohne Opfer erscheinen. Jesus selbst begab sich dom zwölften Jahre an an den jüdischen Hauptfesten nach dem 36 Stunden entfernten Jerusalem. Die ersten Christen aber wallfahrteten häufig nach den durch die Fußstapfen Jesu geheiligten Orten, wie denn der heilige Hieronymus, der selbst in Bethlehem lebte, erzählt: es sei nicht möglich, alle Bischöfe, Märtyrer und andere durch Gelehrsamkeit und Wissenschaft ausgezeichnete Männer herzuzählen, welche von der Himmelfahrt Christi an bis auf seine Zeit nach Jerusalem gekommen seien; (sieh das vorhergehende Bild!) sie hätten geglaubt, es gehe ihnen an der Religion oder Wissenschaft Etwas ab, wenn sie nicht Christum an dem nämlichen Orte angebetet hätten, wo zuerst das Evangelium vom Kreuze erschienen war. Dergleichen wallten auch Viele nach Rom zu den Gräbern der Apostelfürsten; schon der heilige Chrysostomus redet von dieser Sitte, indem er sagte, er selbst wünschte, den Staub der Erde zu küssen, welcher die heiligen Leiberbedecke; ebenso wallfahrtete man auch zu den Gräbern der heiligen Märtyrer und an andere heilige Orte, z. B. auf den Berg Sinai, der von vielen Tausenden aus der Nähe und Ferne besucht ward. — Auf solche Weise sind also die Wallfahrten schon sehr alt und sogar durch das Beispiel der Heiligen, ja selbst durch die Ablässe der Kirche bestätigt. Legende: Enthauptung des heiligen Johannes des Täufers. Die Kinder der Welt wollen von frommen Hebungen, von Processionen und Bittgängen, von Wallfahrten u. dgl. Nichts wissen; sie lausen lieber den Vergnügungen nach, und anstatt an Gnadenorte, gehen sie lieber an Orte der Sünde und des Verderbens, wie jene berüchtigte des 30. August. Herodias mit ihrer Tochter Salome, die ans dem Tanzboden ihre Freude und Wonne suchten und durch zierliche Tänze die Leidenschaft des wollüstigen Königs HerodeS noch mehr anznfachen wußten, so daß er ihnen Alles zu geben versprach, was immer sie von ihm verlangen würden. Erbittert über Johannes den Täufer, welcher den Muth hatte, dem Herodes offen in's Angesicht zu sagen: „Es ist dir nicht erlaubt, deines Bruders Weib zu haben!" — ließ nun Herodias durch ihre Tochter das Haupt des heiligen Johannes verlangen; und so war das Haupt des Propheten der Preis einer Tänzerin. Das Andenken an den Martertod des heiligen Johannes feiert nun heute die Kirche durch ein eigenes Fest. Gebet. Bitte für uns, heiliger Johannes Baptist«! auf daß wir die Orte der Sünde und des Verderbens fliehen und hineilen an die Gnadenorte der göttlichen Barmherzigkeit, um daselbst Heil und Segen zu finden für unsere unsterblichen Seelen — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihundertzweiundvierzigstes Lesestück. Am Feierabende des 30. August. Von den Bruderschaften und Missionen. Fr. Was versteht man unter Bruderschaften? Antw. Unter Bruderschaften versteht man gottselige, meistens von den Päpsten gutgeheißene Verbind- 566 Drittes Hanptstiick. Von de» M migen, um gemeinschaftlich für einander zu beten nnd sich wechselseitig zur Ausübung guter Werke und zum öfter» Empfange der heiligen Sakramente anzueifern und darin zu unterstützen. Belehrung. Alle Menschen der Welt bilden eigentlich eine Bruderschaft, welche das gemeinsame Beste der Menschheit zu befördern hat, nnd alle Bewohner eines Landes sind gleichsam eine Bruderschaft, welche bedacht sein soll, für das Wohl aller einzelnen Bewohner des ganzen Landes zu wirken. Soll aber etwas Besonderes geschehen, z. B. eine Eisenbahn angelegt, ein Handelsweg eröffnet werden, siehe, so sind es nicht alle Bewohner des Landes, sondern nur eine Zahl derselben, welche sich zu einem besonderen Vereine zusammenthun, um die vorgesteckte Aufgabe zu erfüllen. So haben auch alle katholischen Christen die Verpflichtung, ihre eigene Heiligung und die Erbauung Anderer zu wirken; soll aber irgend ein besonderer Zweck erreicht, ein frommes Werk geübt, eine besondere Andachtsübung gefördert werden u. dgl., so haben die Christen im Allgemeinen weder die Verpflichtung, noch Fähigkeit und Bruderschaften nnd Missionen. Gelegenheit dazu; und es verbrüdern sich Diejenigen mit einander, welche zur Ausführung des vorgefaßten Werkes Lust und Geschicklichkeit besitzen. Die Aufgabe einer solchen Bruderschaft mag dann etwa in der Beförderung einer besonderen Andachtsweise bestehen, z. B. zur besonderen Verherrlichung des heiligen Altarssakramentes, des Leidens Jesu Christi, oder zur Verehrung der heiligen Mutter Gottes; oder sie mag Werke der Nächstenliebe betreffen, z. B. Krankenpflege und Beerdigung der Todten; oder endlich mag sie auch in einem besonders emsigen, nicht jedem Christen eigenen Bestreben nach der Heiligung seiner selbst bestehen, z. B. um sich in besonders eifriger Weise zu einem guten Tode zu bereiten. Daher gibt es Corporis Christi-, Herz Jesu-, Marianische-, Herz Mariä-, Rosenkranz-, Scapulier-, Todesangst - Bruderschaften oder Bruderschaften vom guten Tode rc. re. Fr. Ist es löblich und nützlich sich solchen Bruderschaften anznschließen? Atttw. Allerdings; denn sie tragen sehr viel dazu bei, um den Eifer des christkatholischen Lebens zu erhöhen und verschaffen uns viele Gnaden. Belehrung und Beispiel. Da die Mitglieder der Bruderschaften gemeinschaftlich für einander beten und sich wechselseitig zur Ausübung guter Werke und zum öftern Empfang der heiligen Sakramente ancifern und darin unterstützen, so erhellt schon hieraus der Nutzen der Bruderschaften. Oder wer kennt nicht den Segen, der aus dem gemeinschaftlichen Gebete und aus der gegenseitigen Erbauung hervorgeht? lleberdieß sind den Bruderschaften von der Kirche auch noch reichliche Ablässe verliehen worden. Daher haben selbst schon gelehrte Männer ihren Nutzen erkannt und sich mit Freuden solchen Bruderschaften angeschlossen. Der berühmte Justus Lipsius, einer der gelehrtesten Männer der Universität Löwen, hatte die Freude, in den Armen seines Beichtvaters, des gelehrten und frommen LessiuS, zu sterben. Da dieser ihn einige Tage vor seinem Tode gefragt hatte, welche unter den Handlungen seines Lebens ihm in seiner Todesstunde am Meisten Trost und Beruhigung gewährte, antwortete ihm Lipsius ohne Zögern: „Daß ick in die Con- gregation der allerseligstcn Jungfrau eingetreten bin." Dieser gelehrte Professor, das Orakel seiner Zeit, würde sich ein Gewissen daraus gemacht haben, auch nur Ein Mal bei den Versammlungen der Congrcgation zu fehlen. Mau sah ihn öfter vor dem Ende der Mahlzeit vom Tische aufstehcn, um als treuer Sodal zu einem Bilde 567 Am Feierabende der seligsten Jungfrau zu eilen und daselbst seine Bruderschaftsgebete zu verrichten. — Möchten alle Mitglieder der Bruderschaften von einem gleichen Eifer beseelt sein; gewiß, auch sie würden den Nutzen und Segen der Bruderschaften im Leben erfahren und auf dem Sterbbette am Meisten Trost und Beruhigung darin finden, daß sie in diese oder jene Bruderschaft eingetreten sind. Fr. Was sind Missionen? Antw. Missionen nennt man eine mit der ganzen Gemeinde vorgenommene Geisteserneuerung durch Abhaltung von Betrachtungen, Unterweisungen und besonderen Feierlichkeiten, bei welchen den Gläubigen alles Das an's Herz gelegt wird, was zur Besserung und Heiligung des Lebens besonders wirksam und dienlich ist. (Sieh das vorhergehende Bild!) Fr. Seit welcher Zeit sind Missionen im Gebrauch? Antw. Der Sache nach sind dieselben so alt, als das gepredigte Evangelium selbst. Die Büßpredigt des heiligen Johannes in der Wüste war schon ein Vorbild derselben; um so mehr trägt das Lehramt Christi und seiner Apostel an sich das' Gepräge der heiligen Mission. Die eigentlichen Missionen aber, wie wir sie jetzt haben, wurden durch die geistlichen Uebungen des heiligen Ignatius von den Vätern der Gesellschaft Jesu eingeführt und verbreitet. — Späterhin schlossen sich noch mehrere Orden denselben zur Abhaltung von Missionen an. Fr. Sind die Missionen heilsam und nützlich? Antw. Allerdings; sie sind nach dem Zeugniß der Erfahrung das wirksamste Mittel zur Besserung und Heiligung einer Gemeinde. Belehrung. Man kennt keine Uebung, welche kräftiger, allgemeiner und anhaltender für die Heiligung des Volkes sich bewährt hätte, als eben die Abhaltung wohlgeordneter Missionen. Die Mission besteht ja eben in der wohlgeordneten Anwendung der uns von Gott gegebenen Mittel des Heiles und ist an und für sich eine von Gott besonders erwählte und dazu bestimmte Zeit der Gnaden. Die Erfahrung lehrt es uns ja in zahlreichen Beispielen, daß durch die Missionen nicht nur Einzelne, sondern ganze Gemeinden wunderbar umgewandelt und vom Wege des Lasters auf den Weg der Tugend zurückgeführt wurden. Nur ein Beispiel hiezu! Beispiel und Anwendung. Die Schwester Maria Bonaventura hatte sich in einem berühmten Kloster zu des 30. August. Rom dem beschaulichen Leben gewidmet; aber bald erkaltete sie in ihrem Eifer und ergab sich mehr als je dem Weltsinn und der Lauheit. Nun wurden geistliche Uebungen, eine Art Mission, abgehalten, und ihre Freundinen und Mitschwestern schickten sich an, mit allem Eifer an denselben Theil zu nehmen. Als Maria Bonaventura dieß bemerkte, sprach sie spöttisch zu ihnen: »Ziehet euch nur in die Einsamkeit zurück, gehet fort in die Einöden! Ich will keine Einsiedlerin werden. Machet nur, daß ihr recht heilig werdet, und in Verzückung gerathet; denn ihr seid ganz aus Geist zusammengesetzt; ich habe auch Fleisch, ich will auf der Erde bleiben und meine gewöhnlichen Geschäfte verrichten." — Dessenungeachtet ging sie, von Gott angetrieben, zur ersten Betrachtung, die von dem Ziel und Ende des Menschen handelte, und dachte mit aller Sammlung des Geistes über diese wichtige Grundwahrheit nach. So groß war der Eindruck, den diese Betrachtung in ihrem Gemüthe zurückließ, daß sie sogleich zu den Füßen des geistlichen Führers eilte, und zu ihm die wenigen, aber gewichtigen Worte sprach: „Vater! ich darf nicht mehr mit Gott scherzen, ich habe bereits wohl verstanden, was Gott an mir verabscheut, und was er von mir fordert. Ich will heilig werden, und zwar bald." — Sie wollte mehr reden, allein ein Guß von Thränen verhinderte sie. — Ihre Zunge schwieg, aber dafür sprachen die Thaten. Sie zog sich in ihr Zimmer zurück, schrieb und legte eine vollkommene Schenkung ihrer selbst zu den Füßen des Gekreuzigten nieder. Darauf entfernte sie Alles, was Eitles an ihr war, nahm aus ihrem Zimmer alles Ueber- flüßige hinweg, und fing an, ein zurückgezogenes, frommes, genaues, abgetödtetes und büßendes Leben bis zu ihrem Tode zu führen. — Verachte daher, mein Christ! niemals irgend eine von jenen religiösen Uebungen, Gebräuchen, Segnungen und Weihungen der Kirche; sie sind ja alle nur zu unserm Heile und Segen angeordnet. Trage vielmehr eine kindliche Verehrung gegen all diese heilsamen Anordnungen in deinem Herzen und benütze die Segnungen, Weihungen und heiligen Gebräuche der Kirche in frommer Absicht; sicherlich wirst du auch die wohlthätigen Folgen davon erfahren, wie jene fromme und treue Tochter der heiligen katholischen Kirche, Rosa von Lima, deren Fest auf den heutigen Tag fällt. Legende: Die heiligeRosa von Lima, Jungfrau (1- 1617). Diese Heilige wurde aus einer vornehmen spanischen Familie zu Lima in Amerika geboren i. I. 1586 und bewies von Jugend an große Neigung zur Frömmigkeit, zärtliche Liebe zu dem göttlichen Erlöser und kindliche Verehrung zu seiner Mutter. Den Eltern bezeigte sie den pünktlichsten Gehorsam und beeiferte sich sehr, dieselben in Allem getreulich zu unterstützen. Die heilige Katharina von Siena war ihr Vorbild, und sie machte, wie diese, sehr frühe das Gelübde, Gott in jungfräulicher Reinigkeit zu dienen. Ihr Geist war mit Gott eben so anhaltend als ihre Hände mit den 568 Drittes Hauptstück. Von den äußerlichen Arbeiten beschäftigt. Die Mutter, stets auf Versorgung der Tochter bedacht, schätzte sich überaus glücklich, als eine sehr angesehene Frau die Rosa für ihren einzigen Sohn zur Ehe verlangte. Allein Rosa weigerte sich standhaft, zu der angetragenen Verbindung ihr Jawort zu geben. Deßhalb wurde sie von den Ihrigen mit den härtesten Vorwürfen überhäuft, ja sogar mit Schlägen mißhandelt. Sie aber duldete schweigend Alles Bruderschaften und Missionen. und war voll Ehrerbietung gegen die Mutter, voll Liebe gegen die Geschwister. Später empfing Rosa das Gewand der Schwestern des dritten Ordens des heiligen Dominikus, blieb aber im elterlichen Hause, unterzog sich jeder Arbeit und diente Allen, als wäre sie die geringste von Allen. Die Leiden, die körperlichen wie die geistigen, waren der Glutofen, aus dem ihr Geist rein wie geläutertes Gold hervorging. Durch den bloßen Anblick eines Kruzifixes oder eines Bildes der Mutter- Gottes wurde ihr Herz entflammt in heiliger Liebe, und ihr Auge erfüllt mit Thronen zärtlicher Rührung. Drei Jahre vor ihrem Tode ward sie von einer gefährlichen Krankheit befallen, und hatte die ganze Zeit die peinlichsten körperlichen Leiden durch anhaltende Gicht zu erdulden. Unerschütterlich blieb aber ihre Ergebung in den göttlichen Willen, und wundervoll waren die Begnadigungen, mit denen Gott seine ausharrende Dienerin erquickte. Sie starb im 32ten Jahre ihres Alters i. I. 1617. Gebet. O Gott! der du der heiligen Rosa bei ihren Leiden die größte Geduld verliehen hast, gib uns auf ihre Fürbitte die Gnade, alle unsere Widerwärtigkeiten mit Ergebung in deinen heiligen Willen zu ertragen, und stärke uns oft au^ unserer irdischen Pilgerfahrt durch die Weihungen, Segnungen und heilsamen Hebungen der Kirche — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Viertes Hauptstück. Mehler, Hausbuch. 72 ff ^—-z/W ^LLLLL0_o 0 0 00 0 LLLSLLLI 0 0 00 o 020LLL.0L0 o VLLL^^.LLL^L^L^S V.^LLLLS.L2 S 2LS2 V 0 2 vW Was wir zu unserer Heiligung und Seselignng thun müssen. (Matth. 19, 17.) MH über Alles, bis wir ihn, die höchste Liebe, liebend finden! Dann ist unser ewiges Heil entschieden. Fr. Was heißt endlich das: die Liebe Gottes muß wirksam sein? Alltw. Das heißt: sie muß sich durch treue Beobachtung der göttlichen Gebote bewähren. Belehrung. Wir müssen Gott nicht bloß mit dem Munde und mit Worten lieben, sondern in der That durch treue Beobachtung der göttlichen Gebote, dem Ausspruche Christi gemäß (Joh. 14, 21.): „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt." Ein braver und treuer Knecht gibt seine Liebe gegen seinen Herrn dadurch zu erkennen, daß er ihm auf jeden Wink mit Freuden folgt; und ein wahrer Christ zeigt seine Liebe zu Gott dadurch, daß er freudig und pünktlich alle seine Gebote hält; denn „darin besteht die Liebe gegen Gott," schreibt der heilige Johannes, „daß wir seine Gebote halten." (2. Joh. 5, 3.) Legende: Der heilige Stephanus, König von Ungarn (st 1038). und mit Worten liebte, sondern auch in der That durch treue Beobachtung der göttlichen Gebote. Daher arbeitete er unermüdet an der Ausrottung der Abgötterei und an Befestigung des Christenthums in seinem Reiche, so daß er sich hiedurch den Ruhm und Namen eines Apostels der Ungarn erwarb; weßhalb ihn auch der heilige Vater in Rom durch viele Vorzüge auszeichnete. Eine ganz besondere Verehrung trug dieser heilige König gegen die seligste Jungfrau Maria, unter deren Schutz er sein ganzes Land stellte. Ueber- dieß war er äußerst deinüthig und nicht minder barmherzig gegen dis Armen, von denen er nie Einen ohne Almosen entließ; kurz, er war ein Vater seines Volkes und ein Muster der Tugend für Alle; daher starb er heilig und selig i. I. 1038. Gebet. Wir bitten dich, o Herr! daß deine Kirche an dem heiligen S tepHa n einen Beschützer im Himmel habe, wie sie auf Erden an ihm einen mächtigen Beförderer und ein Beispiel wahrer Gottes- und Nächstenliebe gehabt hat — durch Christum, unfern Herrn. Amen. ZMihmdertsechsundvierzigstes Lesestück. Am Feierabende des 3. September. Von den Beweggründen zur Liebe Gottes und von den verschiedenen Arten derselben. Heute begegnet uns in der Legende oder im Leben Fr. Warum sollen wir Gott lieben? der Heiligen ein Diener Gottes, der heilige König ^ Stephanus, von dem man mit Recht sagen kann, Antw. Wir sollen Gott lieben, 1) weil er das daß er Gott seinen Herrn nicht bloß mit dem Munde höchste vollkommenste Gut ist, 2) weil er uns befiehlt, 577 Am Feierabende des 3. September. ihn zu lieben, und uns zum Lohne die ewige Seligleit verspricht, 3) Weil er uns zuerst geliebt und uns unzählige Wohlthaten an Leib und Seele erwiesen hat. Belehrung. Wer sollte Gott den Herrn nicht lieben, da uns so viele Gründe zur Liebe Gottes aufsordern? Er ist ja 1) das höchste vollkommenste Gut, das aller Liebe werth ist. Wer Gott den Herrn in seiner Schönheit, Heiligkeit und Vollkommenheit betrachtet, der kann nicht anders, er muß ihn lieben. Daher schreibt der heilige Johannes: „Wer Gott nicht liebt, der kennt ihn nicht." (1. Joh. 4, 8.) — Sobald der heilige Augustin Gott den Herrn in seiner Schönheit und Vollkommenheit erkannte, wurde er auch von inniger Liebe zu ihm hingezogeu; es brannte sein Herz von göttlicher Liebe (sieh das obige Bild!), und oft rief er aus: „O Herr, mein Gott! was liebe ich, wenn ich dich liebe? Nicht eine irdische Schönheit, nicht den Glanz des Lichtes, der dem Auge gefällt, nicht süsse Medicin, nicht den köstlichen Duft "wohlriechender Blumen, nicht Manna und Honig, — daS Alles ist es nicht, was ich liebe, wenn ich meinen Gott liebe; sondern Dich liebe ich, der alle Schönheit dem Schönen, alle Süssigkeit dem Süssen, allen Wohlgeruch dem Duftenden, alle Entzückung dem Entzückenden verliehen hat, Dich, das eine höchste Gut, mein Ein und Alles!" — Das muß auch bei uns der erste Grund unserer Liebe zu Gott sein, weil er nämlich das höchste, vollkommenste Mehler, Hausbuch. und dcßhalb liebenswürdigste Gut ist; 2) müssen wir ihn aber auch deßhalb lieben, weil er eS befiehlt, ihn zu lieben, und uns zum Lohne die ewige Seligkeit verspricht. Wie oft, wie deutlich hat dieß nicht der göttliche Heiland ausgesprochen, wenn er sagt: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele, aus allen deinen Ärmsten und aus deinem ganzen Gemüthe!" Mit der Erfüllung dieses Gebotes ist aber auch das ewige Leben verbunden; den» als einst, wie wir schon oben erzählt haben, ein Schriftgclchrter zum göttlichen Heilande kam und fragte: „Meister! was muß ich thun, um das ewige Leben zu erlangen?" da erwiderte dieser: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben re." (Matth. 22, 35—40.) Willst du also, mein Christ! das ewige Leben erlangen, so mußt du Gott lieben. Du sollst ihn aber endlich 3) auch noch deßhalb lieben, weil er uns zuerst geliebt und uns unzählige Wohlthaten an Leib und Seele erwiesen hat. „Lasset uns ihn lieben," ruft der heilige Johannes aus, „weil er uns zuerst geliebt hat." (1. Joh. 4, 19.) Und der göttliche Heiland selbst schildert die Größe der göttlichen Liebe zu u»S mit den Worten: „Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn hingab rc." (Joh. 3, 16.) Wer ist endlich im Stande, all jene Gnaden und Wohlthaten auf- zuzählcn, die Gott uns schon erwiesen hat und noch immer täglich und stündlich erweist? Wer sollte also Gott den Herrn nicht lieben? Beispiel und Anwendung. Aegidius, der Gefährte des heiligen Franziskus,'suchte einen Wcltmcnschcn zur Liebe Gottes zu entzünden, indem er ihn zu einem Unglücklichen führte, der weder Augen noch Hände hatte. Er fragte diesen: „Wenn cs einen Menschen auf der Welt gäbe, der dir Augen und Hände wieder geben könnte, würdest du ihn lieben?" Mehr als das, entgegnete der Unglückliche, ich würde die härtesten Sklavendienste für ihn verrichten. — Nun wandte sich Aegidius zu dem Weltmensche» und sagte: „Dir hat Einer alle Glieder gegeben und außerdem noch unzählig viel Gutes; — was solltest du Dem thun? Solltest du ihn nicht über Alles lieben, und ihm Leib und Seele schenken?" — Ja freilich, meine Christen, das sollten wir Alle thun; es ist ja nicht mehr als billig, daß wir Den entgegen lieben, der uns so viele Beweise von Liebe gibt, indem er uns mit Gnaden und Wohlthaten gleichsam überschüttet. Fr. Wie theilt man die Liebe Gottes ein? Antw. In vollkommene und unvollkommene. Belehrung. Die Liebe Gottes ist entweder vollkommen oder unvollkommen; vollkommen ist sie, 73 578 Viertes Hauptstück. Von den Beweggründen zur Liebe Gottes und von den verschiedenen Arten derselben. wenn wir Gott ohne allen Eigennutz um seiner selbst willen lieben, d. h. wegen seiner unendlichen Vollkommenheiten, nicht aber deshalb, weil er uns strafen und belohnen kann. Unvollkommen hingegen ist sie, wenn wir Gott auch um unsertwillen lieben, d. h. deshalb, weil er uns soviel Gutes thut, uns erhält und ernährt u. s. w. — Sowohl die vollkommene als die unvollkommene Liebe ist eine wahre Liebe zu Gott; nur bildet die erstere einen höhern Grad der Liebe, von welcher Johannes schreibt (I. 4, 16—17.): „Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott in ihm," und: „ Jeder, der liebt, ist aus Gott geboren." Beispiele und Anwendung. Ich will dir, mein christlicher Leser! die Sache durch einige Beispiele noch deutlicher machen. Eine vollkommene Liebe hatte z. B. Maria Magdalena. Diese benetzte die Füsse Jesu mit Thränen der Buße und der heiligen Liebe und trocknete sie mit ihren Haaren. Sie that dieses nur aus inniger und heiliger, also aus vollkommener Liebe zu Jesus. Darum sprach auch der göttliche Heiland: „ Ihr werden viele Sünden vergeben, weil sie viel geliebt hat." (Luk. 7.) — Von einer vollkommenen Liebe zu Gott war auch jene christliche Frau zu Alexandrien beseelt; diese erschien eines Tages auf dem Marktplatze; in der einen Hand hielt sie ein Gefäß mit Wasser, und in der andern eine brennende Fackel; und da man sie fragte, was sie hiemit wolle, gab sie zur Antwort: „Mit dieser Fackel möchte ich den Himmel verbrennen, und mit diesem Wasser das Feuer der Hölle auslöschen, damit man Gott hinfort nicht aus Hoffnung einer Vergeltung, nicht aus Furcht vor der Strafe liebe, sondern einzig und allein um seiner selbst willen und wegen seiner anbetungswürdigen Vollkommenheit." — Ein Beispiel von unvollkommener Liebe zu Gott ersehen wir in dem verlornen Sohne. In seinem Elende gedachte er der schönen und sorglosen Tage, die er im väterlichen Hause gehabt, und sprach zu sich selbst: „Wie viele Taglöhner im Hause meines Vaters haben Ueber- fluß an Brod, ich aber sterbe hier Hungers! Ich will mich aufmachenund zu meinem Vater gehen. "(Luk. 15, 17 u. 18.) — Also nicht bloß aus Liebe zum Vater, sondern weil er in der Heimat vom Vater so viel Gutes genossen, macht er sich auf zur Heimkehr; seine Liebe war eine unvo llkommen e. — Begnüge dich nicht, mein Christ! mit einer unvollkommenen Liebe zu Gott; suche sie immer mehr zu läutern und zu vervollkommnen. Fr. Wodurch können und sollen wir die Liebe Got- tes in uns erhalten und immer mehr vervollkommnen? Antw. Durch Anwendung verschiedener Mittel und durch Beseitigung verschiedener Hindernisse, die der Liebe zu Gott entweder hemmend oder gar zerstörend entgegentreten. Belehrung und Beispiel. Die Mittel zur Beförderung und Vervollkommnung der Liebe Gottes sind vorzüglich folgende: Oefterer und würdiger Empfang der heiligen Sakramente; fromme Betrachtung der Größe und Güte Gottes, besonders aber des leidenden und sterbenden Heilandes, Selbstverläugnung und Geduld in Trübsalen und endlich Ausübung guter Werke. Die Hindernisse aber sind: theils die Todsünde, welche die Liebe Gottes ganz und gar aus unserm Herzen verdrängt, theils die läßliche Sünde, die dieselbe wenigstens schwächt. — Was kann also natürlicher sein, mein Christ! als daß du die Sünde mit allem Ernste meiden, gute Werke aber und die Tugend der Selbstverläugnung und Geduld fleißig üben, die heiligen Sakramente oft und würdig empfangen, die Güte deines Gottes ernstlich betrachten mußt, wenn du in der Liebe zu Gott Fortschritte machen willst; denn sieh' so wie man durch Sprechen im Sprechen sich übt, durch Arbeiten das Arbeiten sich aneignet, so lernt man lieben durch Lieben. Merke dir das und handle darnach, und du wirst in der Liebe zu Gott und mit ihr in jeglicher Tugend von Tag zu Tag wachsen und zunehmen. — Ein ganz gutes Mittel zur Beförderung der Liebe Gottes in den Herzen ihrer untergebenen Nonnen hatte die ehrwürdige Mutter Johanna Franziska Chantal ausfindig gemacht. Sie ließ nämlich, weil sie wollte, daß alle Handlungen ihrer Nonnen im Geiste der Liebe geschehen sollten, an die Wand des Klosterganges die Eigenschaften schreiben, welche der heilige Paulus dieser erhabenen Tugend gibt: „Die Liebe ist geduldig, gütig, ohne Eifersucht, ohne Ehrgeiz, ohne Selbstsucht, ohne Bosheit; sie glaubt Alles, sie hofft Alles, sie erträgt Alles." Trat der Fall ein, daß eine Nonne es an der Liebe fehlen ließ, so schickte sie dieselbe fort, mit dem Aufträge, diesen Spruch zu lesen, welchen sie den Klosterspiegel nannte. Sie selbst las ihn oft in Gegenwart ihrer Mitschwestern und sich umwendend sagte sie dann mit einer feurigen Miene: „Wenn ich die Sprache der Engel redete, und ich hätte die Liebe nicht, so wäre ich Nichts; würde ich meinen Leib Martern und brennenden Schmerzen hingeben; was würde es mir helfen, wenn ich die Liebe nicht hätte?" Legende: Die heiligenMarth rer Gorgonius, Dorotheus und Petrus (ch um 304). Von dieser heiligen Liebe zu Gott entflammt, gingen auch die drei Heiligen Gorgonius, Dorotheus und Petrus, deren Lebens- und Leidensgeschichte uns am heutigen Tage in der Legende erzählt wird, mit Freuden dem Martertode entgegen. Sie waren Kämmerlinge Am Feierabende des 4. September. 37» des Kaisers Diocletian, Männer, durch Adel, Reick>- thum und Talente ausgezeichnet, und hatten früher den Götzen gedient; als sie aber durch den heiligen Lucian zum Christenthume bekehrt worden waren, erkannten sie bald die unendliche Liebe Gottes in dem großen Werke der Erlösung und wurden von so inniger Gegenliebe zu Gott, ihrem Herrn und Heiland, erfüllt, daß sie srendig seinen heiligen Namen bekannten und für ihren Glauben heldenmüthig das Leben opferten. Sie wurden auf Befehl des erzürnten Tyrannen Diocletian erdrosselt um das Jahr 306. Die Reliquien des heiligen Gorgonius befinden sich noch heut zu Tage in der Peterskirche zu Rom. Gebet. Verleihe uns, o Gott! die Gnade, daß wir das Fest deines heiligen Märtyrers Gorgonius und seiner Gefährten mit heiliger Freude und mit Nutzen feiern, indem wir ihnen in ihrer innigen Liebe zu Gott Nachfolgen, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihundertsiebennndvierzigstes Lesestttlk. Am Feierabende des 4. September. Von der christlichen Nächstenliebe: Nothwendigkeit derselben und Beweggründe dazu. Fr. Wen sollen wir nach Gott besonders lieben? Antw. Den Nächsten, d. h. alle Menschen ohne Ausnahme. Belehrung. Nach Gott müssen wir besonders unfern Nächstenlieben, d.h. alle Menschen ohne Ausnahme; denn also lautet das Hauptgebot: „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben aus deinem ganzen Herzen rc. Dieß ist das größte und das erste Gebot. Das andere aber ist diesem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst." (Matth. 22, 37—40.) klnd der heilige Johannes bestätiget dieses mit den Worten: „Wenn Jemand sagt: Ich liebe Gott, und hasset doch seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder, den er sieht, nicht liebet, wie kann er Gott lieben, den er nicht sieht?" (1. Joh. 4, 20—21.) Ja, Gottes- und Nächstenliebe gehören zusammen. Ganz schön stellt dieß der heilige Augustin in folgendem Gleichnisse dar: „Du mußt zum Gehen zwei Füße haben, und willst du zum Himmel gehen und zu Gott kommen, so brauchst du wieder zwei Füße. Und. welche sind diese? Die beiden Füße der christlichen Liebe zu Gott und zu dem Nächsten. Wenn dir einer dieser Füße fehlt, wirst du hinken und das Ziel deiner Wanderschaft nicht erreichen." Fr. Warum sollen wir den Nächsten lieben? Antw. Weil Christus der Herr es durch Wort und Beispiel gelehret hat. Belehrung und Beispiele. Christus selbst hat uns die Nächstenliebe gelehrt 1) durch sein Wort; denn oft und nachdrücklich hat er befohlen, daß wir den Nächsten lieben sollen, indem er beifügt, daß er daran seine wahren Jünger erkenne. Als der göttliche Heiland mit seinen Jüngern Heim letzten Abendmale saß, sprach er mit Nachdruck zu ihnen: „Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr euch einander liebet, wie ich euch geliebt habe. Daran werden Alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr euch lieb habet unter einander." (Joh. 13, 34—35.) — Der heilige Johannes, der diese Aufforderungen zur Nächstenliebe so oft aus dem Munde des göttlichen Heilandes vernommen hatte, konnte daher nicht oft genug zur christlichen Bruderliebe anmahnen. Als er schon sehr alt geworden war und deßhalb keinen länger» Vortrag mehr an die Gläubigen halten konnte, da rief er ihnen beständig zu: „Kindlein! liebet einander!" Und als man ihn fragte, warum er denn immer dieselben Worte wiederhole, so gab er zur Antwort: „Dieses Gebot habe ich selbst vom Herrn empfangen, und wenn ihr dieses thut, so ist es schon genug." — Der göttliche Heiland hat uns dkeß aber auch 2) durch sein Beispiel im Leben und Sterben gelehrt. Sein Herz war voll Liebe. (Sieh das nachfolgende Bild!) Die Liebe zum Menschengeschlecht zog ihn vom Himmel auf die Erde herab; von dieser Liebe durchglüht, gab er sogar sein Leben für uns 73* 580 Viertes Hanptstück. Von der christlichen Nächstenliebe: Nothwendigkeit derselben nnd Beweggründe dazu. hin. Und was duldete er nicht Alles aus Liebe zu »ns? Welch ein erhabenes, unerreichbares Muster von Nächstenliebe! Daher ruft der heilige Johannes uns Allen zu <1. 4, 1l.): „Meine Lieben! Gott hat uns so sehr geliebt; also müssen auch wir einander lieben." Und der heilige Paulus schreibt an die Ephesier (5, 1—2.): „Seid Nachahmer Gottes, als die lieben Kinder, und wandelt in Liebe, wie auch Christus uns geliebt und sich für uns hingegebcn hat." Fr. Waö soll uns ganz besonders zur christlichen Nächstenliebe ermuntern? Antw. 1) Der Gedanke, daß jeder Mensch ein Kind und Ebenbild Gottes ist, erlöst durch das kostbare Blut Jesu Christi und berufen zur ewigen Seligkeit, nnd 2) die Vortheile, welche ans der christlichen Nächstenliebe für uns selbst entspringen. Belehrung. 1) Alle Menschen sind nach Gottes Bild und Gleichniß geschaffen (1. Mos. 1, 27.), sind Gottes Werk und tragen auf ihrer Stirne den Abdruck der Gottheit. Wie sehr muß dieß Alles den Nächsten in unfern Augen liebenswürdig machen! Daher ruft uns Gott schon durch den Propheten Malachias (2, 10) zu: „Haben wir denn nicht Alle Einen Vater? Hat uns nicht Ein Gott erschaffen? Warum verachtet also unter uns Einer den Andern?" Und ein christlicher Lehrer schreibt: „Wer Gott den Herrn liebt, der muß nothwendiger Weise auch den Nächsten lieben: sowie Derjenige, der den Vater liebt, auch - die Kinder desselben um des Vaters willen liebt! „Selbst auch den Bösen müssen wir lieben" fügt der heilige Augustinus bei, „weil er als Mensch Gottes Ebenbild ist. Liebe im Menschen nicht den Fehler, sondern den Menschen! Denn der Mensch ist ein Werk Gottes, der Fehler aber ein Werk des Menschen. Liebe Das, was Gott gemacht, nicht aber, was der Mensch gemacht hat!" — 2) Aber auch die Vorth eile, welche aus der christlichen Nächstenliebe für uns selbst entspringen, sollen uns zur Ausübung dieser Tugend mächtig anspornen. O wenn alle Menschen sich in christlicher Liebe umfingen, würde da nicht schon diese I Erde zum Himmel werden? „ Die Liebe," schreibt der heilige Chrysostomus, „erzeugt Frieden und Eintracht. Nichts aber kommt der Eintracht gleich, Nichts dem Frieden Derjenigen, die Eines Sinnes sind." Beispiel und Anwendung. Karl Friedrich, Herzog von Jülich, hatte einen Schild, der ganz mit Men- schenherzcn bemalt war, mit der Inschrift: „Dieser ist eine eherne Mauer." Er wollte damit andeuten, daß, wer die Herzen der Mitmenschen durch Liebe gewonnen, keinen Feind zu fürchten habe. Möchten daher alle Menschen einander in christlicher Liebe umfangen! Wahrlich, die Erde würde zum Himmel werden. Legende: Die heilige Jungfrau Nosalia (ch 1160). Die Geschichte der Heiligen stellt uns heute ein besonderes Muster von christlicher Gottes- und Nächstenliebe vor Augen in der heiligen Jungfrau Nosalia, einer Tochter Sinibalds, der eine der ersten Würden am kgl. Hofe zu Palermo in Sicilien bekleidete. Schon in ihrer zartesten Jugend bewies diese heilige Jungfrau ! eine besondere Liebe gegen ihre ärmeren und unglücklicheren Mitmenschen, die sie alle als ihre Brüder und Schwestern betrachtete, und denen sie gerne nach Kräften ! Almosen spendete. Noch glühender aber war ihre Liebe I zu Gott; denn aus Liebe zu Jesus faßte sie den Helden- h müthigen Entschluß, alle Freuden, Güter und Genüsse der Welt zu verachten, um nur ihm allein zu dienen. Ausgezeichnet durch herrliche Geistesgaben und körperliche Schönheit erkannte sie nämlich frühzeitig die Gefahren am kgl. Hofe. Sie verließ daher in der schönsten Jugend- blüthe den Hof nnd die Ihrigen nnd begab sich nach einem nahen Berge, wo sie eine Höhle fand, die vor Wind und Regen Schutz gewährte und durch einen etwas von der Erde erhabenen langen Stein eine Art Liegerstätte bot. Diesen Aufenthalt zog die zarte Jungfrau, nach christlicher Vollkommenheit strebend, dein Palaste vor. Wie lang sie an diesem Orte ihr strenges Bnß- leben geführt, ist unbekannt. Sie verließ denselben und 1 Am Fererabende des 5. September. 581 begab sich auf den Berg Peregriui. Da bewohnte sie eine noch engere Felsenkluft als eine vollkommene Klausnerin, abgesondert von der Welt und von allem Umgänge mit den Menschen. Ihr verborgenes Leben in Gott, ihre frommen Geistesübungen, die Abtödtnng des Fleisches, sowie die Kämpfe, die sie bestanden, und die Siege, die sie errungen, werden, weil sie geheim waren, uns bekannt werden an jenem Tage des allgemeinen Weltgerichtes. Ihr Leichnam blieb auf dem Berge Pere- grini, wurde erst spät nach ihrem Tode gefunden und durch viele Wunder verherrlicht. Gebet. Erfülle auch unsere Herzen, o Gott! ans die Fürbitte der heiligen Jungfrau Rosalia mit wahrer Gottes- und Nächstenliebe und erwecke in uns die Begierde nach himmlischen Gütern, ans daß wir allezeit das Unvergängliche dem Vergänglichen und den Himmel der Erde vorziehen — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihuildertachtmidvierzigstes Lesestülk. Am Feierabende des 5. September. Von den Eigenschaften der christlichen Nächstenliebe. Fr. Wie soll unsere Nächstenliebe beschaffen sein? AutW. Sie soll 1) aufrichtig, 2) uneigennützig und 3) allgemein sein. Fr. Wann ist unsere Liebe aufrichtig? Antw. Wenn wir den Nächsten nicht bloß mit Worten und zum Scheine, sondern so lieben, wie uns selbst. Belehrung und Beispiel. Wir müssen unfern Nächsten nicht bloß lieben mit Worten und dem Scheine nach, sondern in Werken, in der That und Wahrheit, wie der heilige Johannes (l. 3, 18.) schreibt: „Meine Kindlein! lasset uns lieben nicht mit Worten und mit der Zunge, sondern in der That und Wahrheit;" mit andern Worten: wir müssen ihn lieben wie uns selbst, d. h. wir müssen so gegen ihn handeln, wie wir an seiner Stelle wünschen würden, daß er gegen uns handeln möchte. „Alles, was ihr wollet, daß euch die Menschen thun sollen, das thuet ihnen auch!" (Matth. 7, 12.) und: „Was du nicht willst, daß man dir thue, das ihn' auch einem Andern nicht!" (Tob. 4, 16.) Demnach müssen wir unserm Nächsten, wenn er Hilfe bedarf, nicht nur Hilfe wünschen, sondern auch, soviel wir können, leisten; wir müssen, wenn er Fehler und Schwachheiten an sich hat, schonend sein in der Bcurtheilnng desselben u. s. w. Die liebe Sonne hat die Tugend, daß sie Alles, was schön ist, sichtbar macht; der Schnee hingegen verdeckt, was häßlich ist. Also macht es auch die Liebe des Nächsten. Sie sagt und offenbart, was sie Gutes und Löbliches von dem Nebenmenschcn weiß, nämlich die Tugenden; die Fehler und Mängel aber bedeckt sie mit ihrem weiten Mantel. — Wir sollen hierin dem berühmten Maler Apellcs folgen. Als dieser den einäugigen macedonischcn König Antigones malen sollte, stand er an und wußte nicht, was zu thun sei. Denn (so dachte er) male ich den König mangelhaft und einäugig, so werde ich schlechte Ehre einlegen und Schmach ernten; gebe ich ihm aber zwei Augen, so wird man sagen, ich habe geschmeichelt oder schlecht getroffen. — Er ersann sich also eine kluge Finte: er malte den König herrlich und schön, stellte ihn aber so dar, als wenn der Herrscher sich auf die Seite wendete, so, daß man nur das halbe Gesicht sehen konnte; mithin vermochte der Abgang des einen Auges von Niemanden gesehen oder bemerkt zu werden. — Thun wir nun ein Gleiches! Wenn man von einem Nebenmenschen redet, wie er beschaffen sei, oder wie er sich verhalte, da sollen wir behutsam sein, und nur Dasjenige melden, was ihm zur Ehre und zum Guten gereicht; hingegen verschweigen, was ihm Übeln Ruf bringen oder zum Schaden gereichen könnte. Die guten Werke und Sitten unsers Nächsten sollen wir mit dem Pinsel unserer Zunge abbilden; die schlimmen Werke und Sitten aber mit dem Schnee des Stillschweigens bedecken, gleichwie der natürliche 582 Viertes Hauptstück. Von den Eigenschaften der christlichen Nächstenliebe. Schnee auch einen übelaussehenden Haufen von Auskehricht mit einer weißen und säubern Decke überzieht. Fr. Wann ist unsere Liebe uneigennützig? Antw. Wenn wir dem Nächsten Gutes erweisen wegen Gott, nicht um von den Menschen gelobt oder belohnt zu werden. Belehrung. Wir müssen also den Nächsten nicht aus Eigennutz lieben, sondern Gottes wegen; wir dürfen ihm nicht Gutes erweisen, um gelobt und belohnt zu werden, sondern nur aus Liebe zu Gott. „ Wenn du eine Mahlzeit anstellst," sagt der göttliche Heiland, „so lade nicht deine Freunde, oder deine Brüder, oder deine Verwandten, oder reiche Nachbarn, damit sie dich nicht etwa wieder laden und dir wieder vergolten werde, sondern wenn du ein Gastmahl gibst, so lade Arme, Schwache, Lahme und Blinde, und selig wirst du sein, weil sie dir nicht vergelten können; denn vergolten wird dir werden bei der Auferstehung der Gerechten." (Luk. 14, 12—14.) Beispiel und Anwendung. Als ein Mann voll uneigennütziger Nächstenliebe erscheint jener Einsiedler von Cuziba in Syrien, von welchem Sophrouius soviel Schönes und Rühmliches berichtet. Solange dieser noch in seinem heimatlichen Dorfe wohnte, wo er seinen eigenen Grund und Boden bebaute, erwies er sich vorzüglich solchen Landleuten als ein heimlicher Wohlthäter, denen es an Ge- treide zur Aussaat mangelte, indem er in nächtlicher Stille hinging, ihren kleinen Acker pflügte und mit Sämereien bestellte. Seitdem er aber Einsiedler geworden, hatte er sich's zur Regel gemacht, jede Woche einmal über Jericho nach Jerusalem zu wandern. Auf diesem Wege trug er jedesmal Brod und Wasser bei sich, um die dürftigen Pilger damit zu erquicken; traf er schwache und erschöpfte Leute, so nahm er ihnen ihre Reisebündel ab, um selbe statt ihrer zu tragen, und hob wohl überdieß noch ermüdete Kinder auf seine Schulter. Außerdem führte er noch das nöthige Handwerkzeug bei sich, mittelst dessen er den Pilgern gleich auf der Straße die Schuhe und Sandalen ausbesserte; und wo er, wie es im Orient nicht selten vorkommt, eine Leiche am Wege fand, begrub er sie, indem er die dabei üblichen Gebete und Psalmen absang. Dieser Lebensweise blieb er treu bis in das hohe Greisenalter. — Was der treffliche Mann aus dem Erdenleben mit sich nahm, war das frohe Bewußtsein, daß er wirklich Alles gethan, was er nur immer vermochte, und zwar immer nur aus Liebe zu Gott, ohne seinen eigenen Vortheil oderMenschenlob dabei zu suchen. — Von gleicher Liebe war auch der heilige Camillus von Lellis beseelt, so daß er einen eigenen Orden stiftete zum Heile und Segen der leidenden Menschheit. (Sieh nebenstehendes Bild!) Seine Liebe war ebenso aufrichtig, als uneigennützig. Selig alle Diejenigen, welche in die Fußstapfen dieser edlen Menschenfreunde eintreten! Fr. Wann ist endlich unsere Nächstenliebe allgemein? Antw. Wenn wir keinen Menschen, sei er Freund oder Feind, von unserer Liebe auöschließen. Belehrung. Unsere Liebe ist also nur bann allgemein, wenn sie alle Menschen ohne Ausnahme umfaßt; daher dürfen wir keinen Menschen, er mag was für einem Stande oder Glaubensbekenntnisse angehören, er mag unser Freund oder Feind sein, -von unserer Liebe ausschließen. „Wenn ihr nur Die liebet, welche euch lieben," sagt wiederum der göttliche Heiland (Matth. 5, 46—47.), „was sollet ihr da für einen Lohn haben? Thun dieß nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßet, was thut ihr mehr? Thun dieß nicht auch die Heiden?" Und wie lieblich schildert er uns nicht diese wahre, allgemeine Nächstenliebe in der bekannten Parabel vom barmherzigen Samaritan! Beispiel und Anwendung. Aber auch in der neueren Zeit findet sich oft noch ein barmherziger Samaritan, dessen Liebe alle Menschen umfaßt, ohne Rücksicht auf Stand und Glaubensbekenntnis, ohne Rücksicht ans dessen freundliche oder feindliche Gesinnung. Nur Ein Beispiel! — Es begab sich unser gegenwärtiger heiliger Vater, Papst PiuS IX., einst in ein abgelegenes Quartier in Trastevere, wo er einen Greis ohnmächtig auf den Boden hingestreckt sah. „Es ist nur ein Jude," hörte er rufen. „Es ist ein Mensch," rief der heilige Vater, hob ihn selbst auf und ließ ihn in seine Kutsche bringen. Der heilige Vater begleitete ihn nach Hause, und verließ ihn erst, nachdem der Ohnmächtige wieder zu 583 Am Feierabende des 6. September. sich gekommen war. Dann schickte er ihm noch seinen Arzt und am folgenden Tage einen seiner Kammerdiener zu, welcher sich nach dem Befinden des armen Mannes erkundigen mußte. Welch' ein schönes Beispiel von allgemeiner Nächstenliebe hat uns hier der heilige Vater gegeben! Er sah nicht auf den Stand, nicht auf das Glaubensbekenntniß, sondern half dem Unglücklichen, weil es ein Mensch, weil es sein Nächster war. Als treue Kinder und Verehrer des heiligen Vaters sollen auch wir seinem Beispiele folgen und thun, wie er gethan. Legende: Der heilige Laurentius Iusti - nianus, Patriarch von Venedig (ch 1455). Auch die Kirche begeht heute das Fest eines liebe voranleuchtet. Es ist dieß der heilige La urentius Justin ianus, geboren 1380 zu Venedig aus der edlen Familie I u st iniani. Frühzeitig verlor er seinen Vater und zeigte schon in den Knabenjahren einen außerordentlichen Ernst. Venedig war damals den Schwelgereien ganz ergeben; der junge Laurentius aber lebte in der Einfachheit und Sittenstrenge der ersten Christen. Die Abtödtung und Selbstverlciugnung, verbunden mit Demuth und Liebe zu den Armen, stellten sich bald als Grnnd- züge im Charakter desselben heraus. Vor dem Crucifixe und dem Bilde der seligsten Jungfrau entschied er. seine Standeswahl, und trat in die Congregation der regu- lirten Chorherrn ein. Hier leuchtete Laurentius als Muster des Ordenlebens, als christlicher Dulder in großen körperlichen Leiden, als Liebhaber der . Armuth, und war demüthig genug, Spott und Verachtung von Seite d^r Welt hinzunehmen. Ein so Helles Licht sollte auf den Leuchter gestellt werden. Papst Eugen IV. ernannte den heiligen Laurentius i. I. 1433 zum Bischof von Venedig, und nach kurzer Zeit erkannte derselbe Eugen die apostolische Thätigkcit des Bischofes von Venedig, und nannte ihn vor den Cardinälen „die Zierde und Ehre des Episkopates." Laurentius übte als Bischof mit eben der Strenge die Abtödtung und Selbstverläugnung, auch dann noch, als ihn Papst Nikolaus V. i. I. 1451 mit der Würde eines Patriarchen bekleidete. Arm und auf dem Boden liegend starb er auch i. I. 1455. Seine Heiligsprechung erfolgte unter Papst Alexander VIII. i. I. 1690. Gebet. O Herr, der du dem heiligen Laurentius eine so große Liebe gegen seine Mitmenschen, besonders aber gegen die Armen gegeben hast, wir bitten dich, verleihe auch uns diese Liebe, damit wir dadurch deinen heiligen Willen vollziehen, durch Jesum Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihundertnenmmdvlerzlgstes Lesestück. Am Feierabende des 6. September. Von der Feindesliebe; Beweggründe hiezn. Fr. Da unsere Liebe, wie gesagt, allgemein sein muß, — was folgt daraus? Antw. Daraus folgt, daß wir alle Meuschen ohne Ausnahme, also auch unsere Feinde lieben müssen. Fr. Warum sollen wir unsere Feinde lieben? Antw. 1) Weil es Gott der Herr gebietet, und 2) weil Jesus, unser göttliches Vorbild, uns das Beispiel der Feindesliebe gegeben hat. Belehrung. 1) Gott der Herr selbst verlangt es von uns, daß wir unsere Feinde lieben sollen. Wir finden dieß ausgesprochen im A. wie im N. T. Schon durch Moses ließ Gott dem Volke Israel sagen: „Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen.... Du sollst nicht Rache suchen, noch des Unrechtes deiner Mitbürger gedenken!" (3. Mos. 19 , 17 — 18 .) Im N. T. wird die Feindesliebe vom göttlichen Heiland nock> weit nachdrücklicher aubefchlen. Die Schriftgelehrten und Pharisäer gaben nämlich dem Gesetze der Nächstenliebe, um ihre Lieblosigkeit zu rechtfertigen, eine willkührliche Deutung, indem sie sagten: „Du sollst deinen Nächsten lieben, deinen Feind aber hassen" (Matth. 5, 43.), als wenn unser Feind nicht auch unser Nächster wäre. Da trat nun Christus dieser willkührliche» Erklärung der Pharisäer entgegen und sprach: „Ihr habet 584 Viertes Hauptstück. Von der Feindesliebe; Beweggründe hiezu. WM /MW WM gehört, das; cs hieß: Liebe deinen Nächsten und hasse deinen Feind! Ich aber sage euch: Liebet euere Feinde; segnet Die, welche euch fluchen, thnct Gutes Denen, die euch hassen, und betet für euere Verleumder und Verfolger, damit ihr Kinder eueres Vaters im Himmel seid, der über Böse und Gute seine Sonne aufgehen und über Fromme und Lasterhafte regnen läßt!" (Matth. 5, 43 ff.) Dieß also ist das ausdrückliche Gebot unseres Herrn und Gesetzgebers. Christus hat uns aber die Feindeslicbe nicht nur besohle», sondern uns 2) auch das erhabenste Beispiel der Feindeslicbe gegeben. Begegnete er nicht seinem Berräther auf das Liebreichste, indem er zu ihm sprach: „ Bk einFreund! wozu bist du gekommen?" (Matth. 26, 50) Betete er nicht sterbend am Kreuze für seine Feinde und Mörder: „Vater! verzeih ihnen, sie wissen nicht, was sie thun"? (Luk. 23, 34.) — Dieses erhabene Beispiel des göttlichen Heilandes betrachtend, sind gar viele fromme Christen schon zur FeiudeSliebe angesporut und angeeifert worden. Beispiel und Anwendung. Ich erzähle dir, mein christlicher Leser! von den tausend Beispielen nur Eines. Als der fromme Papst Pius VI. auf dem Sterbebette lag und sich anschickte, die letzte Wegzehrung zu empfangen, ließ er sich seinen kirchlichen Ornat auziehen und aus heiliger Ehrfurcht und Verehrung gegen Jesus Christus von seinem Bette herab in einen Lehnstnhl heben. Der Kardinal von Spina, Erzbischof von Korinth, näherte sich mit Thränen in den Augen, um dem-heiligen Vater zu dienen, und fragte ihn in Gegenwart Jesu Christi, ob er seinen Feinden verzeihe. Auf diese Frage richtete Pins VI. seinen Blick nach Oben und dann auf das Kruzifix, welches er immer in den Händen hielt, und sprach: „Von ganzem Herzen, von ganzem Herzen! Ebenso wie Jener verziehen hat, der hier am Kreuze hängt." O daß auch wir durch den Anblick des Gekreuzigten, unsers göttlichen Vorbildes, zur Feindesliebe angespornt werden möchten! Fr. Was sott uns aber noch ganz besonders zur Feindesliebe ermuntern? AntW. Unser eigener Bortheil; denn wenn wir unfern Feinden nicht verzeihen, so wird uns Gotl auch nicht verzeihen. Belehrung und Beispiel. Christus der Herr selbst spricht dieß deutlich mit den Worten ans: „Wenn ihr nicht vergebet, so wird euer Vater im Himmel auch eure Sünden nicht vergeben" (Mark. 1t, 26.), und er lehrte uns ausdrücklich beten: „Vergib uns unsre Schulden, wie auch wir vergeben re." Wer also nicht verzeiht, der betet selbst das sonst so scgenrciche Gebet des Herrn zu seinem eignen Verderben; ja, wehe einem Jeden, der nicht verzeiht! Denn „ein Gericht ohne Erbarmen wird über Den ergehen, der nicht Barmherzigkeit erweist;" es wird ihm ergehen, wie der Biene. Wenn diese Rache nimmt und sticht, so muß sie sterben. — Um uns die Wahrheit, daß wir keine Verzeihung von Gott zu erwarten haben, wenn nicht auch wir unfern Feinden vom Herzen verzeihen, in einem recht klaren Bilde zu zeigen, trug einst der göttliche Heiland folgende Gleichnißrede vor: „DaS Himmelreich," sprach er, „ist einem Könige gleich, der mit seinen Knechten Rechenschaft halten wollte. Als er zu rechnen anfing, brachte man ihm Einen, der ihm zehntausend Talente schuldig war. Da er aber Nichts hatte, wovon er bezahlen konnte, befahl sein Herr, ihn und sein Weib und seine Kinder und Alles, was er hatte, zu verkaufen und zu bezahlen. Da fiel der Knecht vor ihm nieder (sieh das obige Bild!), bat ihn und sprach: „Habe Geduld mit mir, ich will dir Alles -czahlen." Und es erbarmte sich der Herr über diesen Knecht, ließ ihn los und schenkte ihm die Schuld. Als aber dieser Knecht hinausgegangen war, fand er Einen seiner Mitknechte, der ihm hundert Denare schuldig war; und er packte ihn, würgte ihn und sprach: „Bezahle, waS du schuldig bist!" Da fiel ihm sein Mitknecht zu Füßen, bat ihn und sprach: „Habe Geduld mit mir, ich will dir Alles bezahlen." Er aber wollte nicht, sondern ging hin, und ließ ihn in's Gefängnis; werfen, bis er die Schuld bezahlt hätte. Da nun seine Mitknechte sahen, was geschehen war, wurden sie sehr betrübt; und sie gingen hin und erzählten ihrem Herrn Alles, was sich zugetragen hatte. Da rief ihn sein Herr zu sich und sprach zu ihm: „Du böser Knecht! die ganze Schuld habe ich dir nachgelassen, weil du mich gebetest 585 Am Feierabende des 7. September. hast; hättest denn nicht auch dn deines Mitknechtes dich erbarmen sollen, wie auch ich mich deiner erbarmt habe?" Und sein Herr ward zornig, und übergab ihn den Peinigern, bis er die ganze Schuld bezahlt haben würde. — So wird auch mein himmlischer Vater mit euch verfahren, wenn ihr nicht, ein Jeder seinem Bruder von Herzen verzeihet." (Matth. 18, 53—35.) Somit muß »ns unser eigner Vortheil zur Feindesliebe ermuntern. Legende: Der h eil ig e Magnns, A b t (ch um 655). Von der Vortrefflichkeit und Nothwendigkeit der Feindesliebe überzeugt, übte diese Tugend in einem vorzüglichen Grade jener Heilige Gottes, dessen Andenken wir heute in der Kirche feiern. Der heilige Magnus wurde von schottischen Eltern geboren und folgte seinen Landsleuten, dem heiligen Co ln mb an und Gallus, Männern von erprobter Tugend, welche ausgegangen waren, theils um den Glauben zu verbreiten, theils um die Einsamkeit zu suchen. Sie kamen in die Gegend von Bregenz und mühten sich da ab mit der Bekehrung der dortigen Heiden; allein sie ernteten daselbst nur Haß und Verfolgung. Diesen Undankbaren und Verblendeten vom Herzen verzeihend, schüttelten sie den Staub von ihren Füßen und gingen weiter. Gallus und Magnus drangen nun südöstlich am Bodenfee vorwärts. So lauge Gallus lebte, war Magnus sein beständiger Begleiter. Er ist mit der Begründer von St. Gallen. Nach St. Gallus Tode und nach der ersten Zerstörung seines Klosters zog Magnus noch weiter östlich bis in die Gegend von Kampoduuum (Kempten). Früher eine römische Stadt, war der Ort wüst und in dem verfallenen Gemäuer hausten garstige Mehler, Hausbuch. Gewürme, und Dämonen schüchterten die Bewohner ein. Magnus erlegte einen ungeheueren Lindwurm in der Nähe des heutigen Roßhaupten, und säuberte die Gegend von Gewürm und Dämonen. Dadurch öffneten die Einwohner dem Boten Gottes ihre Herzen und baten zahlreich um die heilige Taufe. Der heilige Mann gründete zuletzt am Fuße der Alpen das Kloster Füssen und baute in der Gegend noch andere Kirchen. Wunder kraft verschiedener Art hatte Gott seinem Diener verliehen, der nach einem engelglcichen Leben als Abt von Füssen um das Jahr 655 starb. Gebet. Gekreuzigter Herr und Heiland, Jesus Christus! lehre mich durch dein erhabenes Beispiel alle meine Feinde lieben und verleihe mir auf die Fürbitte des heiligen Magnus die Gnade, daß ich allen meinen Beleidigern vom Herzen verzeihe, der dn lebest und regirest in alle Ewigkeit. Amen. Zweihuttdertsunfzigstes LcsesM. Am Feierabende des 7. September. Von der Fcinbcsliebe; Beschaffenheit derselben. Fr. Wie sollen wir unsere Feinde lieben? Antw. Wir sollen ihnen nicht nur verzeihen, sondern auch Gutes thun und für sie beten. Belehrung. Wir sollen in dieser Beziehung dem edlen Baume gleichen, der durch seinen Schatten erquickt und sogar Dem seine Früchte anbietet, der kurz zuvor noch Steine gegen ihn geworfen hat. Gerne sollen wir also unfern Feinden verzeihen, ja sogar für sie beten und ihnen Gutes thun. Hiezu fordert uns der göttliche Heiland auf mit den Worten: „Liebet euere Feinde, thuet Gutes Denen, die euch hassen, betet für Die, welche euch verfolgen und verläumdcn, damit ihr Kinder seid eueres Vaters, der im Himmel ist, der seine Sonne über Gute und Böse aufgehen und über Gerechte und Ungerechte regnen läßt." (Matth. 5, 44—45.) Beispiele und Anwendung. In dieser von Christus vorgeschriebenen Weise haben von jeher alle frommen Christen ihre Feinde geliebt. Ich will dich in einigen schönen Beispielen Nachweisen, unter welchen der heilige Stephanus (sieh das nachfolgende Bild!) oben an steht. — Siehe, wie der heilige Stephanus seine Feinde liebt! Seiuei» Erlöser gleich empfand er über die Bosheit und Unseligkeit seiner Verfolger, die ihn, den unerschrockenen Verkünder und Bekenner Jesu des Gekreuzigten, steinigten, einen viel liefern Schmerz, als über alle Uebel, die er erduldete; — und zum Zeichen dieses schmerzlichen Mitleides kniete er nieder, um 74 58K Viertes Hauptstück. Von der Feindesliebe; Beschaffenheit derselben. für sie zu beten. Für sich selbst betend blieb er aufrecht stehen, für seine Feinde betend warf er sich auf die Kniee, „weil," wie Augustin sagt, „ihre hartnäckige Erbitterung das Heilmittel eines kräftigen, flehentlichen Gebetes forderte." — Wenn also die Heiligen Gottes den Feinden so groß- müthig verzeihen konnten, da ja auch sie nur Menschen waren, warum solltest nicht auch du können, was diese gekonnt haben? — Willst du vielleicht aber auch hierauf wieder entgegnen: „Ja! das sind Heilige gewesen; ich besitze eine solche Kraft nicht," — so antworte ich dir mit dem heiligen Ambrosius: „Wenn du diese Kraft noch nicht hast, so bitte Gott darum, der sie dir gewiß geben wird!" Du kannst dieß an gar Vielen sehen, die gerade keine Heiligen waren, aber dennoch in der eben angegebenen Weise ihre Feinde liebten. Hiezu gehört z. B. die im Jahre 1850 verstorbene fromme Königin von Belgien. Es war im Winter des verhängnißvollen Jahres 1848, welches so viele Familien ins Elend stürzte, als Louise, die so eben genannte fromme Königin von Belgien, deren mildthätiger Sinn allbekannt ist, eines Abends bei ihren Ausgängen, um das Elend aufzusuchen und demselben zu steuern, in Begleitung einer ihrer Ehrendamen sich in eines jener Stadtviertel von Brüssel begab, welche man so recht als die Wohnungen des Elendes, der Noth und Entbehrung betrachten konnte. Hier ging sie von Haus zu Haus, in jedem Trost und Unterstützung spendend, von jedem Dank und Segen mitnehmend. In einem der Häuser nun traf sie einen jungen, kräftigen Mann mit einem vor der Zeit gealtertem Weibe, beide in düsterer Stimmung. Im Ofen brannte kein Feuer, im Schranke fand sich keine Brodkrume. Die Königin, gerührt von so großer Dürftigkeit, fragte nach der Ursache derselben; der Mann antwortete aber nur durch ein paar nicht zurückgehaltene Thränen und einen schrecklichen Fluch. Die Königin jedoch ließ sich nicht abschrecken; sie fragte, ja sie bat um nähere Mittheilung, und dieß mit solcher Theilnahme, daß der Unglückliche endlich gestand, er sei ein französischer Rebelle und habe sich um einer sichern Verurtheilung zu entgehen, nach Belgien geflüchtet; seine Mittel seien zu Ende, und er habe weder Verdienst noch Unterstützung. „Aber," sagte die Königin, „welches Gute hofften Sie denn von der Revolution? Welches Uebel wollten Sie in Frankreich ausrotten?" Bei diesen Worten brach der junge Mann in eine Fluth von Flüchen und Verwünschungen aus; nur Eine Gnade verlangte er, nämlich die, mit eigener Hand den Tyrannen, das Ungeheuer von der Erde zu vertilgen — Ludwig Philipp. Man kann sich denken, welch' schmerzlichen Eindruck diese Worte auf die gute Königin Louise von Orleans, Tochter des vertriebenen Königs, machen mußten. Jndeß, eingedenk der Worte Jesu, daß man selbst seinen Feinden Gutes erweisen müsse, behielt sie ihre Fassung und ließ sich in Nichts anmerken, wer sie war; nur richtete sie an den Flüchtling die weiteren Worte: „Ludwig Philipp muß Ihnen viel Böses zugefügt haben, daß Sie solchen Haß gegen ihn hegen; wohlan denn, ich will Ihnen dafür soviel Gutes erweisen, als der König Ihnen Böses gethan haben kann." Und die edle Frau übergab dem Menschen, der keinen höhern Wunsch kannte, als der Mörder ihresVaters zu werden, fünfzig Franken nebst dem Versprechen, daß künftighin für seine Bedürfnisse gesorgt werden solle. Man kann sich leicht die Verwunderung des Rebellen denken; dieselbe steigerte sich aber später zur höchsten Beschämung, als er durch einen Zufall erfuhr, wer seine Wohlthäterin war. In eiliger Hast stürzte er zu ihr und bat um Verzeihung für die schwere Beleidigung; dieselbe ward ihm auch vollständig zu Theil; denn das edle Herz kannte kein Gefühl der Rache; wohl aber hatte sie die Rettung eines Verirrten bezweckt, und in diesem Gefühle fand sie sich hinreichend belohnt. — Glückselig alle Jene, die auf solche Weise ihren Feinden verzeihen! Fr. Was sollen wir also thun: 1) wenn wir Jemanden beleidigt haben, und 2) wenn wir von Jemanden beleidigt worden sind? Antw. 1) Wenn wir Jemanden beleidiget haben, so sollen wir hingehen und uns wieder mit ihm versöhnen; 2) wenn wir aber von Jemanden beleidigt worden sind, so sollen wir gerne die Hand zum Frieden bieten, von Herzen verzeihen und lieber Unrecht leiden, als Böses mit Bösem vergelten. Belehrung. Versöhnlichkeit ist eine der vorzüglichsten Tugenden des wahren Christen. Nie sollen wir die Sonne über unserm Zorne untergehen lassen. Haben wir Jemanden beleidigt, so sollen wir hingehen und uns wieder mit ihm versöhnen. Denn also spricht der göttliche Heiland: „Wenn du deine Gabe zum Mare bringst und dich daselbst 587 Am Feierabende des 7. September. erinnerst, daß dein Bruder gegen dich Etwas habe; so laß deine Gabe allda vor dem Altäre und geh' zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe!" (Matth. 5, 23 — 24.) — Sind aber wir von Jemanden beleidigt worden, so sollen wir gerne die Hand zur Versöhnung und zum Frieden bieten, und lieber Unrecht leiden, als Böses mit Bösem vergelten. Darum schreibt schon der heilige Paulus an die Römer (12, 17—19.): „Vergeltet Niemanden Böses mit Bösem! Wenn es möglich ist, so habet, so viel an euch liegt, Friede mit allen Menschen. Rächet euch selber nicht, Geliebteste; denn es steht geschrieben: Mein ist die Rache, ich will vergelten, spricht der Herr." Beispiel und Anwendung. Was kann es Schöneres geben als ein friedfertiges, versöhnliches Gemüth! Möchten alle Christen diese Zierde sich aneignen und an nachfolgendem Beispiele sich ein Muster nehmen! Zwei benachbarte Gemeinden wollten einst einen Prozeß mit einander beginnen, und alles Reden zum Vergleich und alle Vorschläge zur Güte wollten nicht helfen; denn sie waren von Alters her einander nicht gut, und jede war der Meinung, von der andern sei ihr das größte Unrecht widerfahren, und jetzt solle es einmal Ernst werden. Da nun die beiden Gemeinden zum letzten Male beisammen waren, und die Klage beginnen sollte, stand in der einen Gemeinde ein alter Bauer ans, der bisher vergeblich zum Vergleich gerathen, und sagte: „Brüder! es ist eine wichtige Sache, die wir jetzt Vorhaben. Unsere Vorfahren haben eine solche Angelegenheit allezeit mit Gebet anzefangen. So müssen wir cs auch machen. Zieht die Hüte ab und betet mit mir ein Bat er-Uns er!" Er sing an vorzubeten, und als er an den Schluß der fünften Bitte kam: „ W ie wir vergeben uns ernSchnldigern!" erhob er seine Stimme und schaute sich um unter den Betenden. Da verstummten sie und wollten nicht weiter beten, endlich sprachen sie: „Er hat Recht, Friede, Friede soll sein!" und als dieser Beschluß gefaßt war, reichten sie sich die Hände und beteten nun mit leichtem Herzen noch einmal das Vater-Unser. — Ist dieß nicht ein wahrhaft rührendes und nachahmungswürdiges Beispiel von Versöhnlichkeit? Legende: Die heilige Jungfrau und Märtyrin Regina (fl 251). Siehe, mein christlicher Leser! auch in der Legende begegnet uns heute eine große Tngendhelvin, die uns in Bezug auf die Feindesliebe ein schönes Muster und Vorbild ist. Die heilige Regina, deren Geburt der Mutter das Leben kostete, wurde von dem Vater, einem Götzendiener, einer Amme, auf dem Lande zur Erziehung übergeben. Diese war, ohne daß es bekannt wurde, eine fromme Christin; sie ließ daher ihre Pflegetochter alsbald taufen und erzog sie nach den Vorschriften des Evangeliums. Das Kind nahm an Gnade und Liebenswürdigkeit zu, und kam als anfblühendes Mädchen in das väterliche Hans zurück. Da ihr Vater gar bald auf die Vermnthung kam, daß sie eine Christin sei, so sprach er zu ihr: „Entweder mußt du dem Christenthume entsagen, oder mein Hans verlassen." Weil sie aber Gott mehr liebte, als den leiblichen Vater, so begab sie sich zu ihrer Pflegemutter, wo sie mehrere Jahre die Schafe hütete. Als Olhbrius, der Statthalter des Kaisers Dezins, durch die Gegend zog, wo Regina ihre Heerde weidete, wurde er so von leidenschaftlicher Liebe zu ihr gefesselt, daß er sie rufen ließ und ihr erklärte, sie zu heirathen. Mit züchtigem und würdevollem Ernste antwortete die christliche Jungfran: „Ich habe schon einen Bräutigam, von dem mich Nichts zn trennen vermag — Jesnm Christum." Der Statthalter gab sich alle Mühe, sic durch Verheißungen und Drohungen auf andere Gedanken zn bringen; fand sie aber unerschütterlich, und gab endlich Beseht, sie in einen Kerker zn werfen. Nachdem sie volle vier Wochen im Kerker mit Ketten gebunden gewesen war, wurde sie wieder vor den Statthalter gebracht, und da sie seine Anträge wiederholt abwies, grausam gegeißelt und neuerdings eingekerkcrt. Als sie nun da betend auf ihren Knieen lag, erhellte plötzlich ein überirdisches Licht das finstere Gewölbe, und ein strahlendes Kreuz schwebte von Oben herab und mit ihm eine schneeweiße Taube. Himmlischer Trost erfüllte die Jungfran, und augenblicklich waren alle ihre Wunden geheilt. Sie erschien am folgenden Tage wieder vor dem Nichterstuhl des Wütherichs, der sie nochmals mit Schmeichelworten anging, und da er sie nur noch standhafter im Glauben fand, sie jetzt mit eisernen Krallen und brennenden Fackeln martern und endlich 74 * 588 Viertes Hauptstück. Von den geistlichen und leiblichen Werken der Barmherzigkeit im Allgemeinen rc. enthaupten ließ. Sterbend noch betete sic für ihre Feinde und Verfolger und entschlief selig im Herrn 251. Gebet. O Gott, der du der heiligen Inngfran und Märtyrin Regina so große Stärke verliehen hast, das; sic mnthig für ihren heiligen Glauben starb und sterbend noch für ihre Feinde betete, gib, daß auch wir unfern Feinden nicht nur vom Herzen verzeihen, sondern ihnen auch Gnteö thnn und für sie beten — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihnnderteimmdsüttszigstes Lesestmk. Am Feierabende des 8. September. Bon den geistliche» nnd leiblichen Werken der Barmherzigkeit im Allgemeinen, und von den zwei ersten leiblichen Werken ins- besonders. Fr. Wie sollen wir ihnen beispringen? Alltw. Durch die leiblichen nnd geistlichen Werke der Barmherzigkeit; denn Christus der Herr selbst sagt: „Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen." (Matth. 5, 7.) Fr. Welches sind die leiblichcn Werke der Barmherzigkeit? Antw. Folgende sieben: l) Die Hungrigen speisen, 2) die Durstigen tränken, 3) die Nackten kleiden, 4) die Fremden beherbergen, 5) die Gefangenen erlösen, 6) die Kranken besuchen, 7) die Todten begraben. (Diese leiblichen Werke der Barmherzigkeit wollen wir nun einzeln durchgehen!) Fr. Was heißt „die Hungrigen speisen?" Fr. Welche Menschen werden in der heiligen Schrift Antw. Es heißt, Armen, besonders verschämten unserer stiebe besonders empfohlen? Hansarmen, Noth- nnd Hnngcrleidenden entweder Nahr- Antw. Die Arm en, die Wittwen und Waisen ungsmittel reichen oder sie durch milde Gaben nnter- nnd überhaupt Alle, welche in leiblicher oder geist- stützen oder ihnen Getreide, Lebensmittel rc. um billigen lich er Noth sind. Preis abgeben. (Sieh das nachfolgende Bild!) M M! 38 » Am Feierabende des 8. September. Belehrung und Beispiele. Schon das Sprüchwort sagt es, daß der Hunger weh thue, und daß wir also die Hungrigen speisen sollen. Hiezu ermahnt uns auch die heilige Schrift durch Wort und Beispiel. So ruft uns der Prophet Isaias (58, 7.) zu: „Brich den Hungrigen dein Brod!" und Eccl. 4, 2. heißt es: „Einen Hungrigen sollst du nicht verachten." Dieser Aufforderung entsprechend, speiste schon Job die Hungrigen; daher sagt er von sich: „Aß ich meinen Bissen allein; hat nicht auch die Waise davon gegessen?" <31, 17.) Ein Gleiches that Tobias, der in seiner Gefangenschaft seine hungrigen Brüder aufsuchte und speiste. (1, 20.) — Die Wittwe von Sarepta speiste den hungernden Propheten Elias, und Gott segnete ihren Liebesdienst dadurch, daß ihr Mehl und Oel nicht abnahm, und ihr gestorbener Sohn vom Propheten wieder zum Leben erweckt wurde. (3. Kön. 17.) — Christus selbst übte dieses Werk der Barmherzigkeit mehrmalen. Es jammerte ihn des Volkes, welches aus Heißhunger nach seiner Lehre ihm nachfolgte und schon mehrere Tage Nichts gegessen hatte. Dcßhalb speiste er einmal fünftausend und ein andersmal viertausend Mann mit wenigen Brodcn. Fr. Was heißt „die Durstigen tränken?" Antw. Es heißt: Reisende, Arme und Kranke durch die nöthige Labung erquicken. Belehrung. Noch viel schmerzlicher ist es, Durst leiden müssen, als Hunger; denn „der Hunger thut nur weh, der Durst aber brennt." Darum hat selbst der göttliche Heiland, das sonst so schweigsame und geduldige Lamm, voll brennenden Schmerzes ausgernfeu: „Mich dürstet" (Ioh. 19, 28.); allen Denen aber, die dieses leibliche Werk der Barmherzigkeit ausübeu, hat er reichlichen Lohn versprochen mit den Worten: „Wer Einem unter diesen Geringsten nur einen Becher kalten Wassers reicht im Namen eines Jüngers, wahrlich sage ich euch: er wird seinen Lohn nicht verlieren." (Matth. 10, 42.) Rebekka hat dieß erfahren. Sie hat dem treuen Diener Abrahams, Eliazar mit Namen, der von der weiten Reise erschöpft war, zu trinken gegeben und auch seine müden Kameele getränkt. Dafür wurde sie von Gott zur Braut des frommen Patriarchen Isaak bestimmt. Beispiel und Anwendung. Diese beiden leiblichen Werke der Barmherzigkeit, ja ich darf sagen, beinahe alle Werke der Barmherzigkeit übte uns zum nachahmungswürdigen Beispiele jener edle Kaiser von China, mit Namen Hamti. Als er einst drei große Siege erfochten hatte, kam er in seine Residenzstadt Nankin zurück und wurde von seinem Volke mit lautem Jubel empfangen. Es war der Gebrauch, daß bei solchen Gelegenheiten der Kaiser jederzeit einen prächtigen Einzug in die Stadt hielt, wobei alle eroberten Waffen mitgetragen und alle Gefangenen in Ketten mitgeführt wurden; zugleich wurde die große Laterne an der Residenz, welche zehntausend Lampen hatte, angezündct, und auf den Stadtmauern wurden die prächtigsten Feuerwerke abgebrannt. Auch dießmal erwartete das Volk, das schon auf die große Feierlichkeit begierig war, mit Ungeduld den Einzug, und als es noch keine Anstalten sah, so sing cs an, unruhig zu werd.cn und laut zu murren. Da der Kaiser dieses erfuhr, so ließ er öffentlich kund mache», daß er auf das künftige Latcrnenfest den prächtigsten Triumph halten wolle, wie noch keiner in China gesehen wurde. Das Volk war über diese Gnade entzückt und versammelte sich an dem bestimmten Tage vor dem kaiserlichen Palast. Nun öffneten sich die Thore, und der Kaiser erschien — aber nicht in seiner Pracht, sondern ganz einfach und umgeben von Blinden, Lahmen und allerlei gebrechlichen, äußerst armen Menschen, deren Hunger und Durst er bei einem festlichen Mahle reichlich gestillt hatte, und die nun noch obendrein neu gekleidet und auf ein ganzes Jahr mit Geld versehen waren. Der Kaiser sprach: „Geliebte Unterthancn! drei Siege habe ich erfochten, den Feind vernichtet, und das Wohl des Reiches auf lange Jahre gegründet. Keine Pracht, kein Triumph ist im Stande, mich zu beglücken; ich fühle mich nur dann überglücklich, wenn ich die sanften Triebe meines Herzens befriedigen kann. Sehet hier diese bedauerungs- würdigen Menschen, diese armen Krüppel! Brodlos irrten sie umher; ihre Noth, ihr Kummer stieg von Tag zu Tag, und ein beschwerliches Alter beugte ihren Rücken; denn das Elend war ihre Gefährtin. Und sehet sie nun ! Die Thräuen des Kummers habe ich in Thränen der Freude verwandelt, ich habe sie gespeist und getränkt, gekleidet und reichlich beschenkt; und die vielen Tausende, welche mein Einzug gekostet haben würde, habe ich verwendet, um mich in den Werken der Barmherzigkeit zu üben, und dieß — sei mein Triumph!" — Da sah der Kaiser umher und erblickte bei seinen guten Unter- tbanen häufige Thränen der tiefsten Rührung, und auf allen Gesichtern malte sich Zufriedenheit und nugeheuchelter Beifall. Wenn in der Folge die Chinesen einem Unglücklichen Hilfe leisteten, oder einen ärmeren Mitmenschen beschenkten, so sagten sie jederzeit zu ihrer Selbstzufriedenheit: „ Ich habe ein kaiserliches Fest gehalten." — Christ! lerne auch du von diesen braven Chinesen die leiblichen Werke der Barmherzigkeit üben. DaS heißt in Wahrheit ein kaiserliches Fest halten; lerne von ihnen — die Hungrigen speisen und die Durstigen tranken! Legende: Mariä Geburt. Heute feiert die Kirche das Gebnrtsfest der seligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria, und wie schön paßt dieses Fest zu dem heutigen Lesestnck! In Maria ist uns ja heute geboren worden „die Mutter der Barmherzigkeit;" sie ist es, die alle Werke der Barmherzigkeit übte, die geistlichen und die leiblichen, und auch jetzt im Himmel noch ausübt. Mit Recht wird sie daher auch von der Kirche Gottes gepriesen als das Heil 59 « Viertes Hauptstück. Von den nächsten drei leiblichen Werken der Barmherzigkeit. der Kranken, als die Trösterin der Betrübten, als die Zuflucht der Sünder, mit Einem Worte als die Mntter der Barmherzigkeit. (Sieh das obige Bild!) — Die seligste Jungfrau Maria stammte aus dem königlichen Geschlcchte Davids; Joachim und Anna waren ihre Eltern. Durch Maria sind uns die größten Wohl- thaten und Gnaden zu Theil geworden; ebendeßhalb ist mich der Tag ihrer Geburt für uns Alle ein Tag der Freude und des Dankes, den wir heute dem Allerhöchsten darbringen sollen. Freudig wollen wir zu Maria rufen: Gebet. Du Mntter der Barmherzigkeit! wir fliehen miter deinen Schutz und Schirm und bitten dich, erlöse uns von allen Gefahren Leibes und der Seele und erflehe uns die Gnade, daß auch wir gegen unfern Nächsten die Werke der Barmherzigkeit üben, wie du sie geübt hast. Bitte für uns, o heilige GotteSgebärerin, ans daß wir theilhaftig werden der Verdienste Jesu Christi! Amen. Zweihnndertzweinndsünszigstes Lese stück. Am Feierabende des 9 . September. Von den nächsten drei leiblichen Werken der Barmherzigkeit. Fr. Was heißt „den Nackten bekleiden?" AntW. Es heißt: Arme und Hilflose, die sich nicht ehrlich kleiden können, mit Kleidungsstücken versehen, dem Befehle der heiligen Schrift gemäß: „Wenn du einen Nackten siehst, so bekleide ihn!" (Jsai. 58, 7.) Belehrung. Diesen Befehl beobachtete schon Job so genau, daß er sagen konnte: „Habe ich Den verachtet, der kein Gewand hatte, und den Armen ohne Decke? Segneten mich nicht seine Lenden, (die ich kleidete), und ward er nicht warm von den Fellen meiner Schafe?" (Job 31, 19—20.) Deßgleichen meldet die heilige Schrift von Tobias: „Er speiste die Hungrigen und gab den Nackten Kleider" (1, 20.), und von der Tabitha, daß sie voll guter Werke gewesen sei, namentlich aber für arme Wittwen Unter- und Oberkleider verfertigt habe, weßhalb diese nach ihrem Tode jammernd um ihren Leichnam standen und dem heiligen Petrus ihren großen Verlust klagten, welcher sofort der Mutter der Armen die Rückkehr in's Leben erflehte. (Apg. 9.) Beispiel und Anwendung. Auf eine gar rührende Weise übte dieses leibliche Werk der Barmherzigkeit der heilige Martin aus, welcher in seiner Jugend Kriegsdienste bei einem Nciterregimente that. Mit Liebe nahm er sich aller Nothleidenden an und vertheilte oft seine ganze Löhnung unter die Armen. Eines Tages ritt er, noch als ein Ca- techumen, bei strenger Winterkälts auf seinem Pferde, und hatte Nichts als seine Waffen bei sich. Er sah bei dem Stadtthore vor Amiens einen nackten Bettler, der das Mitleiden der Vorübergehenden vergebens anrief. Da zog er sein Schwert aus der Scheide, schnitt seinen Mantel entzwei, und gab ihm davon die Hälfte, auf daß er damit seine Blöße bedecken könnte. Manche von den umstehenden spotteten nun über seinen entstellten Mantel; Andere fühlten sich beschämt, nicht auch ein LiebeSwerk an dem Armen geübt zu haben. In der Nacht darauf hatte der heilige Martin eine Erscheinung; er sah Jesnm Christum mit der Hälfte seines Mantels bedeckt, der zu den Engeln, die ihn umgaben, sagte: „Mit diesem Mantel hat mich Martin, ob er gleich die Taufe noch nicht empfangen hat, bekleidet." —- lind wie steht cs mit dir, mein Christ? Du hast dj§ heilige Taufe bereits empfangen; übest du aber auch, wie St. Martin, dieses leibliche Werk der Barmherzigkeit? Kleidest du die Nackten nach deinem Vermögen? Ach, wie Vielen dürfte man mit dem heiligen Ambrosius zurufen: „Was willst du dem Richter einst antworten? Die Wände kleidest du, und den Menschen kleidest du nicht? Den Kopf der Pferde schmückest du, und deinen Bruder, der in zerrissenen Lumpen einhergeht, verachtest du?!" Fr. Was heißt „Fremde beherbergen?" AntW. Es heißt: verirrten Wanderern oder Reisenden, welche keine Herberge bezahlen, haben oder erreichen können, aus christlicher Nächstenliebe ein Obdach und die nöthige Verpflegung verschaffen. Am Feierabende des 9. September. 591 Beispiele und Anwendung. Dieses Werk der Barmherzigkeit übten viele Diener Gottes im A. wie im N. T., so z. B. der fromme Job, der von sich sagen konnte: „Draußen blieb kein Fremdling; meine Thüre war offen dem Wanderer;" (31, 32.) Maria und Martha, die dem göttlichen Heilande, der nicht hatte, worauf er sein Haupt hinlegte, den gleichen Dienst erwiesen; besonders aber Abraham, welcher drei Fremdlinge in sein Zelt aufnahm, sie reichlich bewirthete und ihre Füße wusch, deßhalb aber von ihnen, die Engel in Menschengestalt waren, die Verheißung vernahm, daß ihm in Jahresfrist werde ein Sohn geboren, und daß in ihm alle Völker der Erde sollten gesegnet werden, sowie Loth, welcher die zwei Engel, die ihm im Stadtthore begegneten, ohne sie zu kennen, nöthigte, bei ihm einzukehren, sie sofort bewirthete, und über Nacht behielt, und zum Danke dafür am folgenden Morgen von ihnen aus dem brennenden Sodoma geführt wurde, worüber Paulus bemerkt: „Die Gastfreundschaft vergesset nicht; denn durch diese haben Einige, ohne es zu wissen, Engel beherbergt." (Hebr. 13, 2.) — Ueberhaupt ruht nicht selten großer Segen auf christlicher Gastfreundschaft, wie wir aus nachfolgender Erzählung ersehen. — Einst wanderten bei später Dämmerung durch einen Forst zwei Freunde, froh und jung; da macht ein Reitersmann bei ihnen Halt. „ Zeigt," rief er, „mir den Weg aus diesem Wald, in welchem ich mich auf der Jagd verirrt; doch wär' es allzu spät, nun dann, so wird ein Nachtquartier mir noch willkommner sein; führt mich dahin, es wird euch nicht gereu'n; gewährt ihr mir das sichere Geleit, ist euch vom König selbst der Dank bereit." — Gasparo hört's; die Sache scheint ihm schwer. Castro, sein Freund, besann sich nicht so sehr; mit raschem Schritte wandert er voraus und führt den Fremdling in sein Vaterhaus. Hier pflegt er sein, nicht fragend nach dem Dank; gab ihm ein schlichtes Lager, Speis' und Trank, und zeigte ihm beim ersten Morgengrau'n den sichern Weg durch Waldschlucht, Hag und Zaun; als plötzlich eine schmucke Reiterschaar im Forste rechts und links zu sehen war. — Mit großer Freude sprengten kreuz und quer heran die glänzenden Castilier; sie grüßten ihren König Suinka. Bang und betroffen stand sein Führer da; allein der König tröstete ihn mild, an seiner Seite gnädig ihn behielt. Von jetzt an Castro bald, von Rang zu Rang, zu hoher Macht und Würde sich erschwang. Da hat Gasparo allzuspät gelernt, wie weit er sich von seinem Freund entfernt. — Siehe, mein christlicher Leser! so glänzend lohnt Gott oft schon auf Erden die christliche Gastfreundschaft; in der Ewigkeit aber wird er allen Denen, die aus christlicher Nächstenliebe die Fremden beherbergt haben, zurufen: „Was ihr Einem aus meinen geringsten Brüdern gethan habt, das habt ihr mir gethan." Fr. Was heißt: „die Gefangenen erledigen?" Antw. Es heißt: unschuldig Gefangene, d. i. Solche, welche um des Glaubens, der Wahrheit und Gerechtigkeit willen oder als falsch Angeklagte im Gefängnisse schmachten, loskaufen oder sonst auf rechtliche, christliche Weise zu befreien suchen, z. B. durch Fürbitte, Bürgschaft u. s. w. (Sieh das obige Bild!) Belehrung und Beispiele. Zur Ausübung dieses christlichen Werkes der Nächstenliebe fordert uns schon der heilige Paulus mit den Worten auf: „ Gedenket der Gefangenen, als wäret ihr mit ihnen gefangen!" (Hebr. 13, 3.) Und immer hat es fromme Seelen gegeben, die dieses Liebeswerk auch mit Lust und Freude ausgeübt haben. Daniel nahm sich mit allem Eifer um die keusche Susan na, die unschuldig Gefangene, an. Deßhalb verließ ihn aber auch Gott nicht, als er selbst unschuldig in der Löwengrube gefangen saß. — Rüben hatte Mitleid mit seinem Bruder Joseph, als er in der Cisterne eingespcrrt war, und suchte ihn zu befreien. — Die Gläubigen zu Damaskus befreiten den heiligen Paulus aus dem Gefängnisse, indem sie ihn in einem Korbe hcrabließen (Apostelg. 9.); und der Kerkermeister Julius behandelte ihn sehr liebevoll und gönnte ihm viele Freiheit. (Apostelg. 16,33.) — Die Numidier, welche im Innern von Afrika wohnten, machten öftere Streifzüge und verwüsteten viele Städte, die der römischen Herrschaft unterthan waren. Sie führten ganze Heerden von Christen beiderlei Geschlechts in die Gefangenschaft. Der heilige Cyprian, Bischof von Carthago, welcher nicht ohne Entsetzen die Gefahr vernahm, worin sich besonder« die christlichen Jungfrauen befanden, schickte mit Einverständniß seiner christlichen Gemeinde, die bedeutende Zuschüsse machte, siebentausendfünfhundert Pfund Silbers an die wilden Numidier, um diese Gefangenen auszulösen. — Versäume auch 5i>2 Viertes Hauptstück. Von den letzten zwei leiblichen Werken der Barmherzigkeit. du nicht, mein Christ! Aehnliches zu thun, wenn sich dir Gelegenheit hiezu bietet; folge dem Rufe Gottes, den er durch den Propheten Jsaias (58, 6 — 8.) an dich richtet mit den Worten: „Löse die Bande der Bosheit und mache los die Fesseln der Bedrückung! Dann wird dein Licht hervor- brechcn wie der Morgen, und die Herrlichkeit des Herrn wird dich aufuehmen." Legende: Der heilige Bischof Korbinian (f 730). WMi U L Der heilige Bischof Korbinian, dessen Fest auf den heutigen Tag fällt, befreite unzählig Viele, wenn auch nicht ans dem Gefängnisse, doch wenigstens aus den Fesseln des Un- und Irrglaubens: denn als Glaubensprediger verbreitete er überall, wo er hinkam, das Licht des Christenthnms. Er wurde in der Stadt Melnn in Frankreich geboren und von seiner Mutter schon frühzeitig zu allem Guten angehalten. Schon als Knabe betete er fleißig, ging gerne in die Kirche, hörte aufmerksam Gottes Wort an und las mit vieler Freude die heilige Schrift. Eben so eifrig verlegte er sich später ans die Wissenschaften. Mit seinen Brüdern ging er nach Rom und bat den heiligen Papst Gregor II., in einem Orte unweit der Stadt Rom in der Stille Gott dienen zu dürfen. Allein der heilige Vater sah an ihm einen heiligen, in den W'cgen Gottes erfahrnen Mann, der zugleich alle äußerlichen Erfordernisse eines würdigen Apostels besaß, weihte ihn zum Priester und Bischof, und gab ihm i. I. 716 die Vollmacht, wo ihn der Geist Gottes hinführen würde, das Evangelium der Gnade zu verkünden. Er bezog nun in Frankreich sein ehemaliges Kloster, ging aber bald, da er jetzt hier noch weniger Ruhe fand, durch Schwaben nach Regensburg, und be- zeichnete seine Schritte mit dem Segen des göttlichen Wortes. Theodo II., Herzog in Bayern, versuchte Alles, um ihn zu vermögen, daß er in seinem Lande bleiben und die Unwissenden ans die Wege des Heiles führen möchte. Aber vergeblich; er trat wieder den Weg nach Nom an, wo ihm der heilige Vater auftrng, nach Deutschlaud zurückzukehren. In Freising überließ ihm Herzog Grimoald nebst mehreren liegenden Gründen den Berg mit der alten Marienkirche und stiftete dort das Bisthum Freising. Hier starb er nach einer segens vollen Amtsführung, und nachdem er noch zuvor die heilige Messe gelesen hatte, sanft unter Bezeichnung mit dem heiligen Kreuze den 8. September 730. Seine Reliquien ruhen zu Freising auf verschiedenen Altären. Gebet. Verleihe uns, o Gott! ans die Fürbitte des heiligen Bischofs Korbinian, daß wir mit eben demselben Eifer gegen unsere Mitmenschen die Werke der Barmherzigkeit üben, mit welchem dieser dein treuer Diener unsere Voreltern ans den Fesseln des Unglaubens befreit hat, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihlttldertdreinndsünfzigstes Lesestück. Am Feierabende des 10. September. Von den letzten zwei leiblichen Werken der Barmherzigkeit. Fr. Was heißt: „die Kranken besuchen?" Antw. Es heißt den Kranken Hilfe leisten, sie bedienen und trösten. Belehrung. Unter Krankenbesuch dürfen wir hier keineswegs bloß eitlen Besuch verstehen, den wir nur zum Zeitvertreib und mehr zum Nachtheile als zum Nutzen eines Kranken unternehmen, sondern einen Besuch aus christlicher Nächstenliebe, um den Kranken durch erbauliche Gespräche zu trösten, zum Vertrauen auf Gott zu ermuntern, ihn, wenn er arm ist, zu verpflegen, ihm ärztliche Hilfe und besonders die Tröstungen der heiligen Religion zu verschaffen, seine Leiden zu lindern und ihn nach Kräften zu bedienen, wie es z. B. der barmherzige Samariter gethan hat, und wie es noch heut zu Tage besonders die barmherzigen Schwestern und Brüder thun. Zur treuen Ausübung dieses leiblichen Werkes der Barmherzigkeit fordert uns schon der heilige Paulus (1. Thess. 5, 14.) auf mit den Worten: „Nehmet euch der Kranken an und habet mit Allen Geduld!" Beispiele und Anwendung. Mit einer wahrhaft bewunderungswürdigen Nächstenliebe hat (nach Zeitungs- Am Feierabende des 10. September. 593 berichten vom Jahre 1845) die junge Königin von Spanien dieses leibliche Werk der Barmherzigkeit ausgeübt. Sie begegnete nämlich in Madrid einem Priester, welcher die heilige Wegzehrung zu einem Sterbenden brachte. Sogleich stieg sie vom Wagen und folgte dem Priester zu Fuß nach. An der Schwelle des Hauses bemerkten ihr die Umstehenden, daß die Sterbende eine Brustkranke und an der letzten Periode ihres Nebels angclangt sei; die Ausdünstungen könnten Ihrer Majestät gefährlich sein; und man bat sie nicht hinzugehen. Allein die edle Königin läßt sich nicht abhalten; sie drängt sich bis zum Krankenbette. Die Sterbende war ein junges Mädchen, die allein mit ihrer Mutter lebte. Beide wareu arm, Beide unglücklich; die Eine war alt und bald am Ziele eines langen, von vielen Mühseligkeiten erschöpften Lebens, und die Andere erwartete den Tod als den Retter aus ihren Leiden. Die Königin ließ ihnen alles Geld, das sie bei sich hatte, zurück — zweihundert Realen. Vom Palaste aus sendete sie zwei ihrer Aerzte zur Kranken und ließ sich von den zu ihrer Rettung vorhandenen Hoffnungen Bericht erstatten. Zugleich fügte sie ihrem ersten Geschenke noch sechshundert Realen bei, und sicherte der armen Mutter Mehl«, Hausbuch. während der Krankheit ihrer Tochter täglich achtzehn Realen zu. Die Aerzte erklärten, das einzige Mittel, deren Heilung möglich zu machen, bestehe darin, sie in einem Kuhstalle zu verpflegen. Die Königin bestimmte sogleich ihr Lustschloß unter den Mauern Madrids, dem Palaste gegenüber, als den geeignetsten und gesündesten Ort, und befahl sechs Kühe dorthin zu bringen, und eine Estrade für das Bett aufzuschlagen. Die Mutter durfte ihre Tochter nicht verlaßen und mußte ebenfalls im königlichen Lustschlosse wohnen. Die Vorbereitungen wurden in aller Eile getroffen, und die Tochter des heiligen Ferdinand mischte sich selbst in die Vorkehrungen, damit ihr wohlthätiges Werk um so schneller vollendet würde. Eine so große Frömmigkeit und Nächstenliebe einer Königin lockte Thränen der innigsten Rührung, der Dankbarkeit und des Glückes hervor, und wahrlich, der Himmel wird ein so herrliches Werk der Nächstenliebe nicht unbelohnt lassen. Fr. Was heißt: „die Todten begraben?" Antw. Es heißt den sterblichen Ueber- resten der Verstorbenen die letzte Ehre des Begräbnisses erweisen. (Sieh nebenstehen des Bild!) Belehrung. Schon der weise Sirach (38, 16.) ruft uns zu: „Mein Sohn! weine über einen Todten und vernachlässige sein Be gräbniß nicht!" Es ist daher eine heilige Pflicht, für eine anständige Beerdigung der Verstorbenen Sorge zu tragen und, wenn cs Noth thut, selbst Hand an's Werk zu legen; besonders aber sollen wir die Leiche mit andächtigem Gebete begleiten, für arme Verstorbene die heilige Messe lesen lasten u. s. f. Dieß fordert von uns die Liebe zu unser m Nächsten, damit nicht der Leichnam desselben 584 Viertes Hauptstück. Von der Pflicht, die leiblichen Werke der Barmherzigkeit zu üben rc. zum Spotte und zur Schande oder auch zum Raube der Vögel und anderer Thiere liegen bleibe; aber auch unser eigner Nutzen, indem unbegrabene Leiber wegen erfolgender Fäulniß die Luft anstecken, Pest und den Tod vieler Menschen herbeiführen würden. Beispiele und Anwendung. Besonders bekannt sind wegen tiefes Liebesdienstes die heilige Praxedis und der heilige Eutychianus. Jene, eine vornehme junge Römerin, ließ oft mit großen Geltopferu und Gefahren in der Nacht die Leichname der heiligen Blutzeugen in und außer Rom aufsuchen und heimlich in ihr Haus bringen, suchte sie auch selbst auf den Gassen, Feldern und Wiesen auf, sammelte ihr Blut andächtig i» Blutgefäße, wusch sie und trug sie vor das salarische Stadtthor, wo sie dieselben in den Katakomben ihrer heiligen Großmutter Priscilla sammt den Blutgefäßen als steten und sichern Zeugen von ihrem Martertode beisetzte. — Dieser, ein heiliger Papst, beerdigte nach dem römischen Marthrologium in eigener Person nicht weniger, als dreihundertzweiundvierzig Leichname heiliger Blutzeugen. — Ja, schon im A. T. begrub der fromme Tobias mit eigner Lebensgefahr seine erdrosselten Landsleute, die man auf öffentlicher Straße Hunden gleich unbeerdigt liegen ließ, zur Nachtszcit. Dieser Liebesdienst wurde ihm aber von Gott reichlich gesegnet; denn Raphael sprach zu ihm: „Als du betetest mit Thräuen und die Todten begrubst, und dein Esten stehen ließest und die Todten bei Tage verbärgest in deinem Hause und bei Nacht sie begrubest, da brachte ich dein Gebet vor den Herrn." (Tob. 12, 12.) — Und im N. T. begruben Nikodemus und Joseph vonArim athäa den Leichnam Jesu; daher war auch Gottes Gnade und Huld sichtbar mit ihnen. — Wie gerne sollen wir also nicht dieses Werk der Barmherzigkeit üben, da Gottes Segen darauf ruht und, wie gesagt, schon unser eigner Nutzen uns dazu bestimmen muß! Legende: Der heilige Einsiedler Nikolaus von Tolentino (ch 1309). Dieser Heilige, dessen Andenken wir heute feiern, war zu St. Angelo, nicht weit von der Stadt Fermo, um daö Jahr 1239 geboren und entsprach durch seinen heiligen und abgetödteten Lebenswandel ganz der guten Erziehung, die er von seinen gottesfürchtigen Eltern erhalten hatte; denn als er in den Orden der Eremiten des heiligen Augustinus ausgenommen war, zeichnete er sich durch englische Reinheit, durch pünktlichen Gehorsam und durch strenge Abtödtungen aus, so daß ihn seine Obern in verschiedene Klöster der Provinz schickten, um ihren Ordenögeistlichen dieses seltene Muster der Tugend zu zeigen. Endlich schickten sie ihn im Jahre 1279 nach Tolentino, wo er dreißig Jahre mit rastlosem Eifer wirkte. Bald predigte er das Wort Gottes so, daß man glaubte, Gottes Stimme selbst zu hören, bald nahm er die Beichten der Missenden auf, bald besuchte er Kranke und Sterbende und übte au ihnen mit bewunderungswürdiger Liebe das so eben besprochene W erk der Barmh erz.igkeit. Nach einer schmerzlichen Krank heit starb er selig im Herrn am 10. September 1309. Gebet. Bitte für uns, heiliger Einsiedler Nikolaus! daß wir Gott dem Herrn ebenso treu dienen und unfern Mitmenschen, besonders den Kranken und Sterbenden ebenso liebevoll beistehen mögen, wie du! Erflehe uns diese Gnade bei Christo, unserm Herrn. Amen. _ Zweihulldertvierimdsünfzigstes Lesestück. Am Feierabende des 11. September. Von der Pflicht, die leiblichen Werke der Barmherzigkeit zu üben, und von dem Segen, der darauf ruht. Fr. Sind Wir zur Ausübung der leiblichen Werke der Barmherzigkeit verpflichtet? Antw. Ja; denn auf die Unbarmherzigen wartet die ewige Verdammniß. Belehrung. Es steht uns nicht frei, ob wir die leiblichen Werke der Barmherzigkeit üben wollen oder nicht, o nein! der göttliche Heiland hat uns dieß zur strengsten Pflicht gemacht, so daß er die Unbarmherzigen zum ewigen Feuer verdammt. „Weichet von mir, ihr Verfluchten!" wird er ihnen zurufen, „in das ewige Feuer! Denn ich war hungrig, und ihr habt mich nicht gespeist; ich war durstig, und ihr habt mich nicht getränkt . . . u. s. w." (Matth. 25, 41—46.) Am Feierabende des 11. September. 595 Fr. Welche Güter werden hingegen Jenen zu Theil, die diese leiblichen Werke der Barmherzigkeit üben? Antw. Leibliche und geistliche, zeitliche und himmlische Güter. Belehrung. Großer Lohn, zeitlicher Segen und vornehmlich geistliche Gnaden, als: Vergebung der Sünden und ewiges Leben, sind Denjenigen verheißen, welche aus christlicher Nächstenliebe Almosen spenden und überhaupt die leiblichen Werke der Barmherzigkeit ausüben. „Wer den Armen gibt," sagt der heilige Geist (Spr. 28, 27.), „Der wird keinen Mangel haben; wer aber den Bittenden verachtet, Der wird Armuth leiden." „Vergesset nicht, wohlthätig zu sein," schreibt der heilige Paulus (Hebr. 13, 16.); „denn mit solchen Opfern wird Gott versöhnt." —Bei Eccl. 3, 33. heißt es: „Das Wasser löscht ein brennendes Feuer aus, und daS Almosen widersteht den Sünden." Und Tobias (12,' 9.) schildert den Segen und die Gnaden des Almosens mit den Worten: „Das Almosen errettet vom Tode, reiniget von Sünden und macht, daß man Barmherzigkeit und das ewige Leben finde." Beispiele und Anwendung. Auch zahlreiche Beispiele überzeugen uns von dem Segen und Nutzen, der auf der Ausübung der Werke der Nächstenliebe ruht. Zachäus, der die Hälfte seiner Güter den Armen gab (Luk. 19,8.), wurde der göttlichen Einkehr Jesu gewürdiget, und er vernahm aus Jesu Munde die tröstlichen Worte: „Heute ist diesem Hause Heil widerfahren; ... denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren war." — Vom Hauptmanne Cornelius erzählt die heilige Schrift, daß er fromm war, Gott fürchtete mit seinem ganzen Hause und viel Almosen gab. Dafür wurde ihm die Gnade des wahren Glaubens zu Theil; er wurde getauft sammt seinem ganzen Hause. (Act. 10.) — Die heilige Elisabeth, Landgräfin von Thüringen, war eine wahre Mutter der Armen und Leidenden; sie betrachtete dieselben als ihre Brüder und that ihnen Gutes, wo sie konnte. So wird von ihr erzählt, daß sie zur Zeit einer großen Hungersnoth gar viel Brod für's Volk von der fürstlichen Burg in die Stadt Eisenach hinabtrug, waS ihrem Gemahl, dem Landgrafen, von schlimmen Neidern so zugetragen worden ist, als ob sie leichtsinnig Alles verschwendete. Da trat er ihr eines Tages plötzlich in den Weg und fragte sie mit harten Worten: „Was trägst du da in deinem Mantel?" Und siehe, als sie den Mantel entfaltete, war alles Brod und Fleisch, was sie darunter barg, plötzlich in lauter duftende Rosen verwandelt, und es schien dem Landgrafen auf einmal, als leuchte ein Kruzifix auf ihrer Stirne. (Sich das obige Bilo!) Erkenne hierin, mein Christ! den Lohn, der auf den leiblichen Werken der Barmherzigkeit ruht. Sie sind in den Augen Gottes gleichsam liebliche und wohlduftende Rosen, die sich für uns einst in der Ewigkeit zu einem überaus schönen Kranze der Vergeltung vereinigen werden; denn aus dem Munde des ewigen Vergelters werden wir da die erfreulichen Worte hören: „Gehet ein, ihr Gesegneten meines Vaters, in die Freude des Herrn! Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt." — Diesen tröstlichen Ausspruch hat gewiß auch jene heilige Kaiserin Pulcheria, deren Fest heute gefeiert wird, bereits aus dem Munde des Herrn vernommen; denn sie war eine überaus große Wohlthäterin gegen die Kirche und gegen die Armen. 75 * 59Ü Viertes Hauptstück. Von den ersten drei geistlichen Werken der Barmherzigkeit. Legende: Die heilige Pulcheria, Jungfrau und Kaiserin (fl 453). Die heilige Pulcheria war eine Enkelin Theodo- siuS des Großen und die Tochter des oströmischen Kaisers Arkadius. Dieser starb frühzeitig, und hinterließ einem achtjährigen Knaben das Reich in großer Verwirrung. Pulcheria, dessen ältere Schwester, entfaltete bei ihrer jungfräulichen Blüthe auch große Weisheit, und erhielt und übte großen, höchst wohlthätigen Einfluß auf die Erziehung ihres Bruders, des Kaisers Theodosius II. In Sonderheit war sie besorgt, daß der Kaiser ein frommer Sohn der katholischen Kirche werde. Auch ihre Schwestern wußte sie auf den Wegen der Frömmigkeit fortzuleiten. Gott gab ihr Weisheit, während der Regierung ihres schwächlichen Bruders segensreich zum Wohle des Reiches mitzuwirken. Ihr Verlangen nach höherer Vollkommenheit bewog sie, das Gelübde der Jungfräulichkeit abzulegen. Nach einer kurzen, unglücklichen Regierung starb Theodosius, und Pulcheria wurde nun Kaiserin des oströmischen Reiches. Um die große Aufgabe der Regentschaft leichter zu lösen, brachte sie das Opfer, und vermählte sich dem trefflichen Feldherrn und Staatsmanne Marcian, einem Manne von gleich frommem Glauben, mit welchem sie in jungfräulicher Ehe lebte. Von jetzt an wurde Pulcheria wahrhaft eine große Beschützerin des katholischen Glaubens wider die Irrlehren der damaligen Zeit, wo man die Gottheit Jesu Christi läugnete und die Würde Mariens auf's Höchste verletzte. Auf Pulcheria's Betreiben wurde die Kirchenversammlung von Chalcedon (451) gehalten. Ueberaus wohlthätig war Pulcheria, wie schon oben bemerkt, auch gegen die Kirchen und gegen die Armen. Sie starb den 11. September 453. Die Väter von Chalcedon nannten sie eine zweite Helena. Gebet. Heilige Pulcheria, du Vorbild christlicher Nächstenliebe! erbitte uns bei Gott die Gnade, daß wir mit gleichem Eifer wie du die Werke der Barmherzigkeit üben und einst aus dem Munde des Herrn die tröstlichen Worte vernehmen mögen: „Gehet ein, ihr Gesegneten meines Vaters, in die Freude des Herrn!" Amen. Zweihundertsünfundsünfzigstes Lesestück. Am Feierabende des 12. September. Von den ersten drei geistlichen Werken der Barmherzigkeit. Fr. Ist man nebst den leiblichen Werken der Barmherzigkeit auch noch schuldig die geistlichen Werke der Barmherzigkeit auszuüben? Antw. Allerdings, wenn man verständig genug ist und Gelegenheit dazu hat; denn das geistliche Wohl unserer Mitmenschen muß uns weit mehr am Herzen liegen, als ihr leibliches. Besonders sind Eltern und Vorgesetzte hiezu verpflichtet. Fr. Wie heißen die geistlichen Werke der Barmherzigkeit? Antw. 1) Die Sünder zurechtweisen, 2) die Unwissenden lehren, 3) den Zweifelnden recht rathen, 4) die Betrübten trösten, 5) das Unrecht geduldig leiden, 6) Denen, die uns beleidigen, gerne verzeihen, 7) für die Lebendigen und die Todten Gott bitten. Fr. Was heißt das: „die Sünder strafen?" Antw. Es heißt, die Sünder vom Bösen abmahnen und zum Guten ermuntern. Belehrung. Hiezu fordert uns der göttliche Heiland auf durch sein Beispiel, indem er oft mit Sündern umging, ja sogar mit ihnen aß, um sie zu bessern; aber auch durch seinWort, indem er spricht: „ Hat dein Bruder gesündigt, so geh' hin und strafe ihn!" (Matth. 18, 15.) Wir nennen dieß sonst auch brüderliche Zurechtweisung, welche für uns Alle Pflicht ist, wenn wir von dem Fehler des Nächsten untrügliche Kenntniß und die gewisseste Ueberzeugung haben, und wenn mau hoffen kann, daß die Zurechtweisung mit Nutzen geschehen werde. Stets muß aber dieß mit möglichster Klugheit, Liebe, Sanftmuth und 597 Am Feierabende des 12. September. GchtMM WM HM WM Schonung geschehen, den Worten des Apostels gemäß (Gal. 6, 1.): „Brüder, wenn ein Mensch von irgend einer Sünde übereilt worden ist, so unterweiset einen solchen im Geiste der Sanftmuth!" — Besonders sind Eltern und Vorgesetzte verpflichtet, die Sünder zu strafen, wenn sich solche unter ihren Kindern oder Untergebenen vorfinden. Beispiele und Anwendung. Wie der göttliche Heiland, so suchten auch die frommen und heiligen Diener Gottes von jeher mit besonderem Eifer die Sünder zu strafen und zu bessern. Mit einem schönen Beispiele geht uns in dieser Beziehung der heilige Chrysostomus voran. O wie viele Sünder hat er nicht durch sein Wort und Beispiel bekehrt! Darum fordert er aber auch alle Christen zu einer mitleidigen Liebe gegen die Sünder auf, indem er schreibt: „Den Juden ist gesagt worden: wenn das Lastthier deines Feindes sich verirrt hat, so verachte es nicht, und wenn es gefallen ist, so richte es auf! Was soll aus diesem Wohl folgen für uns?" So fragt der heilige Chrysostomus. Und er antwortet: „Wenn die Juden gehalten sind, auf das Lastthier ihres Feindes zu achten, werden wir dann die Seelen unserer Brüder, unserer durch Jesu Blut erlösten Brüder, wenn sie sich verirrt haben, verachten? — Wenn die Juden das Lastthier pflegen und aufrichten müssen, werden wir den Menschen, den Christen nicht so viele Sorgfalt zukommen lassen, daß wir sie von ihrem Falle aufrichten, aus der Sünde erretten? Aber ach! wir sehen einen Menschen, dessen Kleid zu kurz ist, sehen wieder einen, dessen Kleid beschmutzt ist, und wir machen sie aufmerksam auf dergleichen Mängel; — wenn wir aber Einen sehen, der durch geistige Schmutzflecken verunstaltet ist, weil er einen ausgelassenen Wandel führt, so gehen wir an ihm vorüber und lassen ihn zu Grunde gehen!" — Mit gleichem Eifer und mit gleicher Liebe suchte auch der heilige Franz von Sales die Sünder zu ermahnen, zu warnen und zu bessern; und wie liebreich er zu strafen und dadurch zu bessern verstand, zeigen viele Züge aus seinem Leben. Zugleich lehrt er uns die Art und Weise, wie wir Fehlende zurechtweisen und bessern können und sollen, in folgendem schönen Gleichnisse: „Nichts ist bitterer, als die Schale der noch grünen Nuß; gleichwohl ist Nichts süßer, noch dem Magen zuträglicher, als eben dieselbe, wenn sie mit Zucker eingesotten wird. Auf gleiche Weise verhält es sich mit einem Verweis, der seiner Natur nach herb ist, aber beim Feuer der Liebe gesotten und mit Sanftmuth gewürzt, liebreich, wonnig und heilsam wird." — Wie viele Sünder würden wir zu Gott zurückführen, wenn wir die Klugheit und Liebe der Heiligen besäfsen! Fr. Was heißt: „die unwiss enden belehren?" Antw. Es heißt, Jene, welche in Sachen des Glaubens und des Heiles gar nicht oder nicht genug nn terrichtet sind, aus Liebe unterweisen. Belehrung und Beispiele. Es ist ein sehr verdienstliches Werk, wenn man die Erkenntniß Gottes zu verbreiten und die Unwissenden zu belehren sucht; denn Unwissenheit in Sachen des Glaubens und des Heiles bringt das größte Verderben. „Aus Mangel an Erkenntniß," spricht Gott der Herr selbst, „geht mein Volk zu Grunde." Daher ermahnt uns schon der weise Sirach (18, 13.) zur Ausübung dieser Tugend, indem er schreibt: „Wer Barmherzigkeit hat, der lehret und unterweiset, wie ein Hirt seine Heerde." — Solche Lehrer der Unwissenden waren schon im A. B. die Propheten, die dem Volke Israel die Wissenschaft und die Wege des Heiles zeigten; ein solcher Lehrer der Unwissenden war auch der göttliche Heiland, der überall lehrend und predigend herumging und himmlische Weisheit verbreitete. Dem Aufträge ihres Meisters folgend, gingen auch die Apostel in die ganze Welt hinaus und lehrten alle Völker. Diesem Beispiele der Apostel folgen alle eifrigen Priester und Prediger, alle Missionäre, alle fleißigen Lehrer und Eltern, die ihre Pflegempfohlenen in Sachen des Glaubens und Heiles mit Lust und Liebe unterweisen. Besonders gehören hieher jene heiligen Märtyrer, welche ihren Aufenthalt im Gefängnisse dazu benützten, um ihre Mitgefangenen im Glauben zu unterrichten und für Christus zu gewinnen, wie z. B. der heilige Babylas, Bischof von Antiochien, welcher um des Glaubens willen in das Ge- fängniß geworfen wurde und daselbst drei Jünglinge in den Wahrheiten des Heiles unterrichtete, (sieh das obige Bild!) die alsdann heldenmüthig mit ihm für Christus starben. Fr. Was heißt: „den Zweifelhaften recht rathen?" 598 Viertes Hauptstück. Von den letzten vier geistlichen Werken der Barmherzigkeit. Antw. Es heißt, Jenen, die in geistlichen Dingen zweifeln, die von Gewissensskrupeln geplagt werden, oder in ihrer Standeswahl unschlüssig sind u. s. w., einen guten Rath ertheilen. Belehrung und Beispiele. Schon im Sprüchwort sagt man: „Ein guter Rath ist besser als Geld," und in der heiligen Schrift heißt es: „Süß sind der Seele die guten Rathschläge des Freundes." (Sprüchw. 27, 9.) Deßhalb ruft uns der weise Sirach (5, 14.) zu: „Verstehst du die Sache, so gib Bescheid deinem Nächsten!" Und der heilige Hieronymus lehrt: „Jene, die du nicht mit deinem Vermögen unterstützen kannst, unterstütze mit Rath!" — Es kann aber dieß auf mancherlei Weise geschehen: 1) Dadurch, daß wir Jene, welche von Gewissensskrupcln geplagt werden oder in religiösen Dingen zweifeln, durch unfern Rath zu beruhigen suchen oder sie an einen frommen und erfahrnen Beichtvater anweiscn. So gab der göttliche Heiland jenem Jünglinge, der ihn fragte, was er thun müsse, um vollkommen zu werden, den Rath: „Verkaufe Alles, was du hast, und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; alsdann komm' und folge mir nach!" (Matth. 19, 21.) 2) Dadurch, daß wir Jene, welche in ihrer Standeswahl unschlüssig sind, mit Rath und That unterstützen. Der heilige Gregor der Wunderthäter war in seiner Jugend unschlüssig, ob er ein Rechtsgelehrter oder Weltweiser werden sollte. Da wendete er sich an den gelehrten Origen es, und dieser gab ihm den Rath: „ Widme dich ganz der Lehre Christi!" Gregor folgte und wurde ein großer Heiliger.— Auch du, mein Christ! wirst oft genug Gelegenheit finden, Zweifelhaften recht zu rathen. Versäume nicht, dieses geistliche Werk der Barmherzigkeit zu üben; „ denn du kannst," schreibt der heilige Hieronymus, „Dem, der in Zweifel ist, mit Weisheit mehr nützen, als irgend Jemand mit Geld und Gut." Legende: Der heilige Guido, Bekenner (ch 1012). Der heilige Guido, dessen Andenken wir heute feiern, ist für uns Alle ein schönes Vorbild in Ausübung der so eben erklärten geistlichen Werke der Barmherzigkeit; denn es war seine Freude, durch sein erhabenes Tugendbeispiel die Sünder wieder zu Gott zurückzuführen und Allen mit Rath und That beizustehen. Er wurde in einem nahe bei Brüssel gelegenen Dorfe geboren und von seinen zwar armen, aber tugendhaften Eltern mit allem Eifer in der Furcht des Herrn erzogen. Frühzeitig schon prägten sie ihm die Worte des Tobias ein: „Wir sind reich genug, wenn wir den Herrn fürchten." lind so wuchs der Knabe heran zu einem Vorbilde der christlichen Jugend; man nannte ihn daher allgemein den Engel des Dorfes. Als er einst in der Kirche zu Laeken, nahe bei Brüssel, voll kindlicher Andacht betete, bemerkte der Ortspfarrer mit Staunen dessen Frömmigkeit und Geistessammlung und stellte ihn sogleich als Kirchendiener an. Nun erbaute Guido Alles durch seinen frommen Wandel. Wenn er am Altäre diente, so glaubte man einen Engel zu sehen; und wie sehr ließ er sich nicht die Reinlichkeit und die Zierde des Hauses Gottes angelegen sein! Später machte er zweimal eine Wallfahrt nach Palästina. Er kam zwar glücklich zurück; allein die auf der Reise ausgestandenen Beschwerden zogen ihm mehrere Krankheiten zu, an denen er den 12. September 1012 starb. Arm verließ er die Welt, ebenso wie er in dieselbe eingetreten war; daher hieß man ihn gewöhnlich nur „den Armen von Ändert echt," weil er in diesem Städtchen starb. Gebet. Bitte für uns, heiliger Bekenner Guido! damit wir in deine Fußstapfen eintreten und einst, wenn wir sterben, eben jene Stimme zu hören verdienen, die du gehört hast: „Lasset ihn herankommen, unfern Geliebten, zur Krone der ewigen Freude!" Amen. Zweihundertsechsmidsünszigstes Lesestück. Am Feierabende des 13. September. Von den letzten vier geistlichen Werken der Barmherzigkeit. Fr. Was heißt: „die Betrübten trösten?" Antw. Es heißt: allen Unglücklichen und Betrübten durch geeignete Trostgründe das schwere Herz erleichtern und ihre Noth lindern. * Am Feierabende des 13. September. 399 Belehrung. Auf der Welt gibt es so viel Elend und Unglück, und mit Recht nennt man die Erde ein Thränen- thal; wo wir Hinblicken, da finden wir auch Unglückliche und Betrübte. Wenn wir nun Jenen, welche aus geistlichen oder leiblichen Gründen betrübt sind, herzliche Theilnahme beweisen, durch geeignete Trostgründe ihr schweres Herz erleichtern und ihrer Noth nach Kräften abzuhelfen suchen, so üben wir ein geistliches Werk der Barmherzigkeit, wozu uns schon der heilige Paulus (1. Thess. 5, 14.) auf» muntert, indem er schreibt: „Tröstet die Kleinmüthigen!" und worin uns auch der göttliche Heiland mit seinem Beispiele voranging; denn mit welcher Liebe tröstete er nicht die Wittwe zu Naim! (Luk. 7, 11 —16.) Wie oft sprach er nicht zu den betrübten Sündern das Wort des Trostes: „Deine Sünden sind dir vergeben!" Beispiel und Anwendung. Gar leicht kann ein Jeder, selbst der Aermste dieses geistliche Werk der Barmherzigkeit ausüben. — Das Jahr 1847 war für Viele ein hartes Jahr. Das Getreide war theuer, also auch das Brod. Da arbeiteten zwei Taglöhner neben einander. Der eine war lustig und sang; der andere war sehr niedergeschlagen und traurig. Vom Anderen gefragt, warum er so niedergeschlagen sei, antwortete er: „Ach, ich habe fünf Kinder, und das Brod ist so klein. Ich kann nimmer leben; ich muß zuletzt glauben, es sei kein Gott mehr im Himmel." — Da antwortete der Andere: „Sieh, ich habe sieben Kinder und noch dazu ein krankes Weib. Aber es richtet mich bei dieser harten Zeit doch der Gedanke auf: Ich Hause jetzt schon siebenzehn Jahre, und Gott hat allemal wieder geholfen." Da wurde der Andere erbaut, wunderbar getröstet und sprach: „Wenn du mit sieben Kindern nicht verzweifelst, so will ich es auch nicht. Es wird ja Gott wieder helfen." — Siehe, wie leicht es ist, Betrübte zu trösten! Gehe hin und thue desgleichen! Ermuntere deine Mitmenschen zum Glauben und Vertrauen auf Gott und zum gläubigen Ausharren, und siehe, du hast wunderbaren Trost in ihr Herz gegossen! Fr. Was heißt: „Unrecht mit Geduld leiden?" Antw. Es heißt: Schimpf und Schmach und Kränkungen aller Art aus Liebe zu Gott geduldig ertragen. Belehrung und Beispiele. Hiezu ermahnt uns schon der weise Sirach (10, 6.) mit den Worten: „Gedenke keiner Unbild, die dir dein Nächster gethan, und thue selbst Niemanden eine Unbild an!" Dieses geistliche Werk der Barmherzigkeit wird aber auch von Gott reichlich belohnt. „ Wer mit Geduld Schmach und Pein leidet um des Namens Jesu willen," also schreibt Cardinal Hugo, „Der sammelt in seinen Schooß kostbare Edelsteine, mit denen einst jene Krone geschmückt sein wird, von der die Kirche singt: Eine goldene Krone ist auf seinem Haupte; das Zeichen der Heiligkeit ist daraufgedrückt; sie ist ein Glanz der Ehre und das Werk der Starkmuth." Daher haben aber auch Christus und alle seine wahren Jünger und Nachfolger so gerne Unrecht mit Geduld gelitten. Ich will nur die heilige Magdalena von PazziS als Beispiel anführen. Diese lag todtkrank auf ihrem Bette und konnte kein Glied mehr bewegen. Als sie aber hörte, eine Mitschwester, die ihr eine schändliche Beleidigung angethan hatte, sei erkrankt, so ließ sie sich mit großen Schmerzen zu ihr hintragen, und tröstete sie mit den Worten des ewigen Lebens. — „Das hättest du auch unterlassen können," brummte eine alte Schwester; „sie hat dir weh gethan. Das Verzeihen ist genug. Warum dich noch hintragen lassen?" Magdalena erwiederte: „Ich that es mit Freuden, um ihr zu danken für die Wohlthat, die sie 60V Viertes Hauptstück. Von den letzten vier geistlichen Werken der Barmherzigkeit. mir erwiesen hat; denn ich bin froh, daß sie mir vor meinem Tode noch Gelegenheit gab, Etwas f ür meinen Erlöser zu leiden." — Siehe, mein Christ! das heißt „Unrecht mit Geduld leiden — aus Liebe zu Gott." Fr. Wie können wir das sechste geistliche Werk der Barmherzigkeit: „Denen, die uns beleidigen, gerne verzeihen" — ausüben? Antw. Wir können es ausüben dadurch, daß wir an unfern Feinden nicht nur keine Rache nehmen und ihnen vom Herzen verzeihen, sondern ihnen sogar Gutes thun und für sie beten, wie es bereits oben bei der Feindesliebe gezeigt worden ist. Fr. Was heißt das: „Für die Lebendigen und die Todten Gott bitten?" Antw. Es heißt: für die Lebendigen sowohl, als auch für die Todten unsere Gebete und Fürbitten darbringen. (Sieh das vorausgehende Bild!) „Betet füreinander," ruft uns der heilige Jakobus zu (5, 16.) „damit ihr das Heil erlanget." Es ruht großer Segen auf dein gegenseitigen Fürbittgebete. Beispiel und Anwendung. Dieses Werk der Barmherzigkeit übte ganz besonders Kaiser Lothar. Dieser ließ täglich, so oft es thunlich war, außer der Tagesmesse auch noch eine Seelenmesse lesen; in ersterer betete er für sich und die Seinigen, für das Gedeihen seines Reiches und für die leibliche und geistliche Wohlfahrt seiner Unterthanen; in letzterer aber gedachte er voll des innigsten Mitleides der armen Seelen im Fegfeuer und empfahl sie um des heiligen Leibes und Blutes Jesu willen der göttlichen Barmherzigkeit. — Gar leicht kannst auch du, mein Christ! ein Gleiches thun. Es ist eben nicht nothwendig, daß du zwei heilige Messen börest; denn die Kirche betet ja in jeder heiligen Messe sowohl für die Lebendigen, als für die Verstorbenen. Vereinige also dein Gebet mit dem der Kirche, und du übest gar schön das siebente geistliche Werk der Barmherzigkeit. Legende: Die heilige Jungfrau und Dienstmagd Nothburga (ft 1313). Heute wird uns in der Legende die Geschichte der heiligen Nothburga erzählt, die ganz zum heutigen Lesestück paßt; denn diese heilige Jungfrau und Dienstmagd übte selbst in ihrem nieder» Stande mit Eifer die so eben erklärten geistlichen Werke der Barmherzigkeit; sie tröstete und erbaute ihre betrübten Mitdienstboten, sie litt alles Unrecht, das ihr besonders von ihrer Gebieterin Ottilia zugefügt wurde, mit Geduld und verzieh ihr alle Beleidigungen, indem sie ihr auf dem Krankenbette mit aller Sorgfalt diente und nach ihrem Tode eifrig für sie betete. Nothburga wurde 1266 zu Nottenburg, einem Dörfchen in Tyrol, geboren. Von ihren armen Eltern erbte sie zwar keine Reichthümer, wohl aber Tugend und Frömmigkeit. Frühzeitig trat sie auf dem Schlosse Rottenburg in Dienst und erwarb sich durch ihre Herzensgüte, Treue und Emsigkeit gar bald die Liebe und das Vertrauen ihrer Dienstherrschaft; denn man erkannte es gar wohl, daß mit der gottesfürchtigen Dienstmagd Gottes Segen in's Haus gekommen sei. Und so ging Alles gut, so lange die alte Herrschaft lebte. Als aber nach dem Tode derselben der Sohn des Grafen Heinrich Erbe des Schlosses und der Herrschaft Rottenburg wurde, bekam Nothburga an der neuen Hausfrau Ottilia eine schlimme Gebieterin, von berste Vieles zu leiden hatte. Allein Nothburga ertrug dieß Alles mit christlicher Geduld und Pflegte, wie schon oben angedeutet, ihre Frau mit aller Liebe und Sorgfalt, als sie bald hierauf erkrankte, und nach ihrem erfolgten Hiuscheiden betete sie eifrig für dieselbe. Nun fand es Nothburga für ihr Seelenheil zuträglicher, den bisherigen Dienst zu verlassen und bei einem Bäuerin Dienst zu treten. Mit dem Dienstaustritte der Heiligen war aber der Segen Gottes vom Schlosse Rottenburg gewichen. Es folgte Unglück auf Unglück. Da nun bat Heinrich von Rottenburg die arme Dienstmagd, sie möchte doch wieder in seinen Dienst zurücktreten. Nothburga gab endlich diesen dringenden Bitten nach und verlebte so ihre noch übrigen Tage als eine treue Dienerin ihres Gottes und als eine eifrige Dienstmagd ihrer Herrschaft auf dem Schlosse Nottenburg, bis der Herr seine treue Dienerin zum himmlischen Lohne berief am 13. September 1313 im 47. Jahre ihres heiligen Lebens. Gebet. Gib, o Gott! daß wir dir mit einem gleichen Eifer dienen, wie die heilige Nothburga, die Am Feierabende des 14. September. 6t>1 ans zugefügten Beleidigungen ^tets mit Geduld ertragen und für einander beten, auf daß wir selig werden — durch Christum unfern Herrn. Amen. Zweihundertsiebemmdsünszigstes Lesestück. Am Feierabende des 14. September. Von der christlichen Selbstliebe. Fr. Dürfen und sollen wir uns auch selbst lieben? AntW. Ja, wir dürfen und sollen uns auch selbst lieben; denn Christus befiehlt: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst." — „Liebe dich selbst," sagt der heilige Clemens von Rom; „denn wie wird Der einen Andern lieben, der sich selbst nicht liebt?" — Ueberdieß hat Gott selbst schon den Trieb der Selbstliebe in uns gelegt. Fr. Wie sollen wir uns selbst lieben? AntW. Wir sollen uns auf eine vernünftige und christliche Weise lieben, d. h. unsere Seele wegen ihres hohen Werthes über Alles und unfern Leib um der Seele willen schätzen, und dieser Selbstschätzung gemäß die zeitlichen Güter weislich gebrauchen. Belehrung. Die vernünftige und christliche Selbstliebe besteht darin, daß wir nach Dem trachten, was uns wahrhaft gut und glückselig warbt. ..Suchet vor Mehler, Hausbuch. Allem das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit!" (Match. 6, 33.) Wer sich also wahrhaft selbst liebt, der trachtet nicht nach Geld und Gut, sondern vor Allem nach dem Heile seiner unsterblichen Seele. Er erwirbt sich zwar irdische Schätze, aber nur zu seinem Seelenheile; er genießt von Dem, was er hat, aber im Aufblick zu Gott, mit Maas; und Ziel; er besitzt, aber so, als ob er nicht befasse; denn er verwendet Alles zu seinem und seiner Mitmenschen Seelenheil: sein Herz hangt nicht an der Erde, sondern an seinem Gott. Beispiel und Anwendung. Der fromme Gelasius, Abt eines Klosters in der Gegend von Jerusalem, wußte allere dings den Werth der Armuth zu schätzen; denn er selbst hatte als Einsiedler in allen Abtödtungen sich geübt; dennoch nahm er auch mit dankbarem Herzen Alles an, was Gottes Güte durch fromme Hände ihm zuschickte. Er hatte Ländereien; er hatte Zugvieh, Rinder, Kälber und Schafe und die zur Besorgung des Viehstandes nöthigen Knechte; aber er besaß dieß Alles, als wenn er eS nicht besäße. Einem frommen Anachoreten, der ihn besuchte und ihm seine Besorgniß darüber äußerte, daß diese zeitlichen Güter vielleicht sein Herz zu sehr fesseln könnten, gab er zur Antwort: „Lieber Vater! an Allem, was du hier siehst, hängt mein Herz eben so wenig als das deinige an der Nadel, womit du in deiner Einsiedelei deine Matten verfertigest." — Das ist wahre christliche Selbstliebe, wenn unser Herz nicht an.dem Unsrigen hängt, sondern allein an Gott, dem einzig wahren und beseligendsten Besitze, und wenn wir Alles, was wir haben, nur zum Heile unserer Seele benützen. — Aus diesem Grunde verzichtete auch der heilige Ludwig, Bischof zu Toulouse, auf Scepter und Krone und trat in den Franziskanerorden, einzig und allein nur aus Liebe zu sich selbst, um seine unsterbliche Seele zu retten. (Sieh das nebenstehende Bild!) Fr. Können wir also auch unfern Leib und die zeitlichen Güter auf eine christliche Weise lieben? AntW. Allerdings, wenn wir sie lieben, weil sie Gottes Gaben und uns zum Dienste Gottes behilflich sind. Belehrung. Wir können und sollen auf christliche Weise lieben 1) zeitliche Güter: als Gesundheit, Vermögen, guten Namen re., indem wir dieselben als Gaben Gottes betrachten, und sie, wie wir so eben aus dem Beispiele des frommen Abtes Gelasius gesehen haben, nur zur Ehre Gottes und zu unserm und unserer Mitmenschen Seelenheil benützen, ohne daß wir unser Herz daran hängen. 2) Ebenso dürfen und sollen wir auch unsern Leib lieben; denn er ist die Wohnung der Seele und ihr Werkzeug zum Dienste Gottes; er ist geheiligt durch die heilige Taufe, ein- geweiht zum Tempel des heiligen Geistes und bestimmt zur ewigen Herrlichkeit. Daher dürfen und sollen wir für seine 602 Viertes Hauptstück. Von der Selbstliebe. Gesundheit und Erhaltung auf eine vernünftige und christliche Weise Sorge tragen. Beispiel und Anwendung. Ein Jünger der Wüste haßte seinen Leib und kasteite und züchtigte ihn auf alle mögliche Weise; wochenlang nahm er weder Speise noch Trank zu sich und zehrte so allmählig zu einem Gerippe herab. Ein weiser Altvater bemerkte dieß mit Wehmulh und fragte ihn um die Ursache hievon. Der Jünger der Wüste ent- gegnete: „Wozu soll dieser hinfällige Leib? Er hat ja keinen Werth, da er nur von der Erde stammt und zur Erde wieder kehret." — „Nicht doch, mein Freund!" versetzte der weise Altvater, „du irrest sehr; dein Leib ist nicht werthlos; er ist die Hülle deiner Seele; und um deiner Seele willen mußt du ihn vernünftiger Weise lieben und zu erhalten suchen. Höre ein Gleichniß! Der Adler bewahrt das Ei in seinem Neste mit größter Sorgfalt. Wehe Dem, der es wagen würde, das Ei zu verletzen! Dieß thut er aber nicht um des Eies, sondern um des jungen Adlers willen, den das Ei einschließt. Wenn sich einmal die Schale des Eies öffnet, und der junge Adler daraus zur Sonne emporsteigt, dann kümmert er sich nicht mehr um die Schale. Ebenso sollst auch du deinen Leib pflegen, schirmen und bewahren, weil er die Hülle deines unsterblichen Geistes ist. Und dieß sollst du so lange thun, bis dein Geist seine körperliche Hülle verläßt und zur ewigen Sonne emporsteigt." Also sprach der weise Altvater; der Jünger der Wüste aber nahm sich diese weise Lehre zu Herzen und pflegte von nun an seinen Körper auf eine vernünftige und christliche Weise. Legende: Die Erhöhung des heiligen Kreuzes. Ja, mein Christ! sorge vor Allem für die Rettung deiner unsterblichen Seele; denn sie ist dein einziger, dein kostbarster Schatz; Gottes Sohn selbst hat sie am Stamme des heiligen Kreuzes erlöst, und daher verehren wir auch diesesKreuz als Zeichen unserer Erlösung mit kindlicher Liebe und Ehrfurcht. Die heilige katholische Kirche hat deßhalb zur besonderen Verehrung des Kreuzes Christi verschiedene Feste angeordnet, so auch das heutige, das Fest der Erhöhung des heiligen Kreuzes. Der heidnische König von Persien Cosroes II., hatte nämlich im Jahre 614 die heilige Stadt Jerusalem erobert und den kostbarsten Schatz dieser Stadt, das heilige Kreuz, mit sich fortgeuommen. Nach langem, schweren Kampfe gelang es endlich dem christlichen Kaiser Heraklius,'den Perserkönig zu besiegen und ihm die heilige Beute wieder abzunehmcn. Welche Freude herrschte nun in der ganzen Kirche Gottes! Unter Jubel wurde das heilige Zeichen der Erlösung im Jahre 628, nachdem es vierzehn Jahre lang im Besitze der Heiden gewesen war, nach Jerusalem zurückgebracht, und Kaiser Heraklius selbst trug es nach abgelegtem königlichen Schmucke auf seinen eignen Schultern auf den Kalvarienberg und stellte es, in der Kirche des heiligen Grabes angelangt, unter den Dankgebeten des Volkes wieder auf seinen Altar. Dieß geschah am 14. September 629. Gebet. Herr Jesus! ziehe auch uns zu dir hinauf an das Kreuz und gib uns Kraft und Stärke, damit wir uns auf eine wahrhaft christliche Weise lieben und vor Allem für die Rettung unserer unsterblichen Seele sorgen, die du am Stamme des Kreuzes erlöset hast, und die du durch deine göttliche Gnade erhöhen willst zur himmlischen Glorie. Amen. Zw eihund ertachtundfünfzigstes Lesestück. Am Feierabende des 15. September. Von der ungeordneten Selbstliebe. Fr. Was ist der christlichen Selbstliebe entgegengesetzt? Antw. Die ungeordnete Selbstliebe oder die sündhafte Eigenliebe. Fr. Worin besteht diese sündhafte Eigenliebe? Antw. Darin, daß man 1) seine Ehre und seinen Willen der Ehre und dem Willen Gottes vorzieht; 2) daß man mehr für den Leib und das Zeitliche, als für die Seele und das Ewige besorgt ist; 3) daß man seinen eigenen Nutzen zum Nachtheile seines Mitmenschen sucht. Belehrung. Die Eigenliebe ist eine furchtbare Macht im menschlichen Herzen, eine Macht, die nur Unheil und Verderben bringt; denn 1) sie läßt in uns die Liebe Gottes nicht aufkommen; der Mensch voll Eigenliebe zieht ja seine Ehre und seinen Willen der Ehre und dem Willen Gottes vor; darum sagt der heilige Franz von Sales: „Je mehr Einer sich selbst liebt, desto weniger liebt er Gott." 2) die Eigenliebe sucht nur das Zeitliche und sorgt nur für das leibliche Wohlergehen; sie ist 3) nur bedacht auf die eignen Vortheile und achtet es nicht, wenn dabei dem Mitmenschen irgend ein Nachtheil zugeht. „In unsrer Eigenliebe," sagt wiederum der heilige Franz von Sales, „haben wir zwei Herzen, wie die Rebhühner in Paphlagonien. Gegen uns selbst haben wir ein Herz, welches ganz mild, freundlich und höflich ist, aber gegen unfern Nächsten haben wir ein hartes, ernsthaftes und strenges l ^ ' " «L?. Am Feierabende des 15. September. 603 Herz.... Wir haben eine zweifache Waage; auf der einen wiegen wir unsere Vortheile mit dem größten und beßten Nutzen für uns selbst, so viel wir nur können; mit der andern Waage wiegen wir die Vorthcile, die unfern Nächsten an- gehen, und richten damit den Ueberschlag oder Ausschlag auf unsere Seite, so viel es nur sein kann; und was kann dieß dann anders sein, als ein Abscheu und Gräuel vor Gott?" — Mit Recht nennt daher der heilige Thomas von Aquin die Eigenliebe „eine Quelle alles Nebels, aus welcher, so lange sie fließt, nur Elend und Verderben ausströmt." Beispiele und Anwendung. Die heilige Angela von Foligni erkannte gar wohl dieses Verderben der Eigenliebe ; daher fürchtete sie sich vor derselben mehr, als vor dem bösen Feinde; denn sie wußte, daß letzterer nur durch die Eigenliebe Eingang in unser Herz finden und Macht über unsre Neigungen gewinnen könne; sie wußte, daß dieser sich wie ein Wolf in den Schasstall unsers Herzens einschleiche und daraus von der Heerde frommer Gefühle und guter Gedanken ein Schäflein nach dem andern raube. Darum sprach die Heilige oft zu ihrer Umgebung: „Meine Kinder! es gibt Nichts auf Erden, Nichts in der Hölle, was ich so sehr fürchte, als die Eigenliebe. Sie dringt tiefer in unfern Geist und in unsre Seele ein, als ein schneidendes Schwert, um sie von Gott zu trennen und mit tausendfachem Verderben zu erfüllen." — Und die heilige Magdalena von Pazzis sögt noch bei: „Die Eigenliebe macht es in der Seele, wie ein Wurm, der die Wurzel der Pflanze abnagt, so daß er dieselbe nicht nur der Früchte, sondern auch des Lebens beraubt." — Wir sotten daher, meine christlichen Leser! alle unsere geistigen und körperlichen Kräfte aufbieten, um die verderbliche Macht der Eigenliebe in unserm Herzen zu unterdrücken. Fr. Was sollen wir thun, um diese verderbliche Eigenliebe in uns zu unterdrücken? Antw. Wir sollen beständig dagegen kämpfen und Gott den Herrn um seinen Beistand und den heiligen Geist um seine Gnade hiezu bitten. Belehrung. Der große Lehrer und Seelenarzt St. Franziskus Salesius erklärt uns die Mittel zur Unterdrückung der Eigenliebe ausführlicher. „Die Reize und Anfälle der Eigenliebe," sagt er, „können, wenn sie auch noch so häufig und ungestüm sind, uns dennoch nicht den geringsten Schaden bringen; wir sollen ihnen nur gleich ohne Verwirrung mit Nein antworten und begegnen. . . Unsere Eigenliebe zu dämpfen, sollen wir nur gleich mit aller Gewalt Gott loben, so oft wir an unserm Nebenmenschen etwas Gutes und Löbliches wahrnehmen; zugleich sollen wir bitten, seine göttliche Majestät wolle solches an ihm erhallen und vermehren. — Die Eigenliebe stellt sich, als ob sie allerdings todt wäre, nach Art des arglistigen Fuchses; jählings aber fällt sie uns wieder an, wie der Fuchs die Hühner. Daher ist es nöthig, daß wir immer auf der Hut seien. Und bekommen wir bisweilen einen Biß von ihr, so können wir durch Reue und Mißfallen an unserm Fehler leicht wieder curirt werden.... Ein vortreffliches Mittel gegen diese Eigenliebe ist die göttliche Liebe; denn sie brennt gleichsam die Eigenliebe aus dem Herzen heraus." (Sieh das nebenstehende Bild!) Beispiele und Anwendung. Wer also gegen den falschen Freund,der Eigenliebe Sieger werden will, der muß vor Allem beständig mit sich selbst Krieg führen. Der heilige Franziskus Taverius kündigte der Eigenliebe unversöhnliche Feindschaft an; fortwährend lag er gegen sie im Kampfe. Er erlaubte sich keinen Genuß, welcher der Eigenliebe schmeichelte; er aß und trank nicht mehr, als zur Erhaltung seines Lebens* nothwendig war. Beständig führte er gegen sich und die Seinigen das Sprüchlein im Munde: „Besiege dich selbst!" Und als man ihn um die Ursache fragte, warum er diese Ermahnung so oft wiederhole, so gab er zur Antwort: „Weil der Mensch durch den Sieg über sich selbst im Himmel den herrlichsten Triumph feiern wird." — So mußt auch du, mein Christ! stets die Eigenliebe in dir bekämpfen, und wenn dir der Kampf manchmal zu hart wird, so nimm deine Zuflucht zu Jesus und zur Gnade des heiligen Geistes; ich muß dir denselben Rath geben, den einst ein Vater der Wüste seinem Jünger gab. Als nämlich letzterer fragte: „Welches wohl das erfreulichste Leichenbegängniß wäre," gab jener zur Antwort: „Wenn du deine Eigenliebe zu Grabe tragen würdest." Auf die Frage, wie dieß geschehen könne, entgegnete der weise Lehrer: „Wenn du die Eigenliebe in dir ertödten und zu Grabe tragen willst, so nimm dir Jesum als Arzt, den heiligen Geist als Todtengräber und, wenn du die Gestorbene in's Grab gelegt hast, so pflanze das Kreuz Christi als 76* / ' 604 Viertes Hauptstück. Von den zehn Geboten Gottes überhaupt und von der Beobachtung derselben. Wächter darauf." — Befolge auch du, mein christlicher Leser! diesen Rath, und du wirst den mächtigsten und ge- fährlicksten Feind in dir, die sündhafte Eigenliebe, besiegen, wie die heilige Wittwe, deren Andenken wir heute feiern. legende: Die heilige Wittwe Katharina von Genna (ch 1510). Diese heuige war eine Tochter des Vicekönigs Jakob Fieschi von Neapel und wurde 1447 zu Genna geboren. Schon im achten Jahre ihres Alters bemerkte man an ihr klare Kennzeichen künftiger Heiligkeit, und im dreizehnten Jahre verlangte sie inständigst in ein Kloster zu gehen nnd daselbst für immer zu bleiben. Allein ihres zarten Alters wegen verweigerte man ihr die Aufnahme. Sechzehn Jahre alt, mußte sie sich nach dem Willen ihrer Eltern mit Julian Adorno, einem zwar adeligen und reichen, aber ganz weltlich gesinnten Jüngling vermählen; daher haßte nnd verfolgte dieser ausschweifende junge Mann gar bald seine stille, fromme Gattin. Darüber verfiel sie in einen solchen Trübsinn, daß sie fünf Jahre lang alle Gesellschaft mied und in ihrem Zimmer verschlossen fast wie in der Einsamkeit lebte. Auf Anrathen einiger Freunde ließ sie sich jedoch nach Ablauf dieser Zeit bewegen, manche Ergötzungen und Lustbarkeiten der Welt mitzumachen. Und siehe da, alsbald fing der Weltsinn nnd die Eigenliebe sich zu regen an, nnd es fehlte nur wenig, daß sie nicht ganz irdisch gesinnt wurde und ihrem früheren frommen Leben entsagte. Da nahm sich aber der liebe Gott wiederum seiner Dienerin an und führte sie durch eine reuige Beicht ans die frühere Bahn der Tugend wieder zurück. Und nun lebte sie ganz das Leben einer Heiligen. Mit Macht unterdrückte sie durch Beten und Fasten, ja, durch die strengsten Abtödtnngen jede Regung des Weltsinnes nnd der Eigenliebe und ertrug mit Gevnld die Leiden ihres unglücklichen Ehestandes. Unablässig betete sie zu Gott für ihren beklagenswerthen Ehemann, und als dieser in Folge seiner Ausschweifungen gefährlich erkrankte und keine Hoffnung auf Rettung mehr übrig war, so flehte sie zum Herrn nur um diese Eine Gnade, daß er die Seele dieses Unglücklichen doch auf dem Sterbebette noch retten möchte. Ihr Gebet ward erhört; denn jener starb mit allen Zeichen eines begnadigten Sünders. — Nun verdoppelte Katharina im Wittwenstande ihren bisher bezeigten Eifer in Uebung der Frömmigkeit und guten Werke; im wahren Sinne des Wortes entbrannte jetzt ihr Herz von Liebe zu Gott, so daß dieses Feuer der Liebe sogar an den äußerlichen Gliedern bemerkbar wurde. Um ihr Verlangen nach Leiden zu erfüllen, schickte ihr Gott in den letzten Jahren ihres Lebens verschiedene schmerzliche Krankheiten, in denen sie Ge legenheit fand, ihre christliche Geduld zu erproben. Und so beschloß sie ihr Leben und Leiden am 15. September 1510. Ihre Heiligsprechung erfolgte i. I. 1737 unter Papst Clemens XII. Gebet. Verleihe uns, o Gott! Kraft und Stärke, damit wir die sündhafte Eigenliebe in unserm Herzen unterdrücken und von jener heiligen göttlichen Liebe entzündet werden mögen, von welcher das Herz deiner frommen und treuen Dienerin Katharina erglühte, — durch Christum unfern Herrn. Amen. Zweihundertneummdsünszigstes Lesestück. Am Feierabende des 16 . September. Don den zehn Geboten Gottes überhaupt und von der Beobachtung derselben. Fr. Bisher haben wir von der Gottesliebe, von der Nächsten- und von der Selbstliebe gesprochen; wo ist nun aber Das, wie wir Gott, den Nächsten nnd uns selbst lieben sollen, ausführlicher enthalten? Antw. In den zehn Geboten, welche Gott selbst unter Donner und Blitz ans zwei steinernen Tafeln durch Moses dem israelitischen Volke auf dem Berge Sinai gegeben hat. (Sieh das nachfolgende Bild!) Belehrung. Da die Gebote Gottes uns ausführlicher zeigen, wie wir besonders Gott und unfern Nächsten lieben sollen, so waren sie auf zwei Tafeln geschrieben; auf der einen standen die drei ersten Gebote von der Liebe und Verehrung Gottes, auf der zweiten die sieben andern von der Liebe des Nächsten. Auf steinernen Tafeln aber waren sie geschrieben, um den Menschen auch äußerlich vor I Am Feierabende des 16. September -—l/^. ^MK .-L'. MW Augen zu halten, was ihnen ohnehin schon im Herzen geschrieben steht, und was ihnen das Gewissen zu thun uud zu meiden befiehlt. „Damit die Menschen sich nicht beklagen könnten," schreibt der heilige Augustin, „so wurde Das, was sie in ihren Herzen nicht lesen wollten, auch auf Tafeln geschrieben. Es stand allerdings in ihnen geschrieben; allein sie wollten es nicht lesen. Da ward ihnen auch äußerlich vor Augen gehalten, was sie im Gewissen schon sehen mußten; und indem gleichsam von Außen Gottes Stimme an das Ohr drang, ward der Mensch in sein Inneres zurückgeführt." Fr. Wie heißen die zehn Gebote,Gottes? AntW. 1) Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Aegypten geführt hat, du sollst keine fremden Götter 605 neben mir haben; du sollst dir kein geschnitztes Bild machen, dasselbe anzubeten. 2) Du sollst den Namen Gottes, deines Herrn, nicht eitel nennen. 3) Gedenke, daß du den Sabbath heiligest. 4) Du sollst Vater und Mutter ehren, auf daß es dir wohl gehe, und du lange lebest auf Erden. 5) Du sollst nicht tödten. 6) Du sollst nicht ehebrechen. 7) Du sollst nicht stehlen. 8) Du sollst kein falsches Zeug- niß geben wider deinen Nächsten. 9) Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib. 10) Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Acker, Knecht, Magd, Ochs, Esel, noch Alles, was sein ist. Fr. Müssen auch wir Christen die zehn Gebote Gottes halten? AntW. Ja, und zwar auf eine vollkommenere Weise, als es die Juden thaten; darum sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Wenn euere Gerechtigkeit nicht vollkommener sein wird, als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich eingeheu." (Matth. 5, 20.) Belehrung. Obschon die zehn Gebote Gottes zunächst nur dem israelitischen Volke gegeben worden sind, so sind dennoch auch wir Christen zur treuen Beobachtung derselben streng verpflichtet; denn 1) Christus ist nicht gekommen, „das Gesetz aufzuheben, sondern zu erfüllen" (Matth. 5, 17.), d. h. zu bestätigen und dessen vollkommene Beobachtung durch Wort und Beispiel zu lehren; 2) ist dieses Gesetz ohnehin schon unserni Herzen eingeprägt. „Schon die Heiden," schreibt der heilige Paulus (Rom. 2, 15.) „zeigen, daß das Werk des Gesetzes in ihre Herzen geschrieben sei, indem ihr Gewissen ihnen (davon) Zeugniß gibt, und die Gedanken sich unter einander anklagen oder lossprechen." — Hieraus erhellt also deutlich, daß auch wir Christen die Gebote Gottes beobachten müssen; daß wir sie aber auch beobachten können, das wurde schon oben Seite 571. bewiesen. Es entsteht also nur noch die Fr. Wie müssen wir die Gebote Gottes halten? AntW. Wir müssen sie, wie schon gesagt, auf eine vollkommenere Weise halten, als die Juden, 606 Viertes Hauptstück. Erstes Gebot Gottes. d. h. wir müssen sie halten 1) insgesammt und 2) aus reiner Absicht und beständig. Belehrung. Wir müssen Gottes Gebote beobachten 1) insgesammt, d. h. alle ohne Ausnahme. „Wer die übrigen Gebote alle hält," schreibt der heilige Apostel Jakobus (2, 10 —11.), „und nur ein einziges Übertritt, Der hat sich an dem ganzen Gesetze vergangen." Ferner müssen wir die göttlichen Gebote 2) auch aus reiner Absicht und beständig erfüllen, d. h. nur aus Liebe zu Gott und mit unerschütterlicher Treue. „Wer ausharret bis an's Ende, Der wird selig werden." (Matth. 10, 22). Beispiele und Anwendung. Schon Moses hat über alle Jene einen fürchterlichen Fluch ausgesprochen, welche die göttlichen Verordnungen nicht insgesammt beobachten: „Verflucht sei Derjenige," so lauten seine Worte, „der sich nicht an alle Gebote hält, die in diesem Gesetzbuche vorgeschrieben sind, und sie nicht im Werke erfüllt; und alles Volk soll sagen: Amen!" (Deuternom. 27, 26.) Ein Prediger der Neuzeit fügte diesem Fluche Mosis die ernste Bemerkung bei: „Merket es euch, ihr Christen! die Hölle ist ganz voll von Verworfenen, welche mehrere Gebote Gottes erfüllt haben. Sie sind verdammt worden, weil sie nicht alle gehalten haben." — O christlicher Leser! nimm diese ernste Wahrheit tief zu Herzen und beobachte von nun an treu und eisrig alle Gebote des Herrn; denn wie auf dem Ueber- treter derselben Gottes Fluch und Strafe ruht, so ruht auf dem treuen Beobachter der göttlichen Gebote Gottes Segen und Lohn. Daher spricht Moses wiederum zum israelitischen Volke (5. Mos. 28, 1—5.): „Wenn du die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörest, so daß du alle seine Gebote thust und hältst, so werden alle Segnungen des Herrn über dich kommen. Gesegnet wirst du sein in der Stadt und gesegnet auf dem Felde. Gesegnet die Frucht deines Landes und die Frucht deines Viehes, und die Heerden deiner Rinder und die Ställe deiner Schafe. Gesegnet wirst du sein in Allem, was du thust und wider deine Feinde unternimmst." O beseligender Lohn, der auf die treue Beobachtung der göttlichen Gebote folgt! Wahrlich, mein Christ! wenn die Gebote Gottes in unfern Tagen nicht so sehr verachtet und so boshaft übertreten würden: wir würden ganz andere Zeiten haben; es würde nicht Gottes Fluch, sondern Gottes Segen sichtbar werden!! Legende: Die heilige Ludmilla, Herzogin und Patronin von Böhmen (f 927). Folgen wir in der treuen Beobachtung der göttlichen Gebote dieser Heiligen, deren Fest auf den heutigen Tag fällt. Ludmilla war die Tochter Flaviborigs, des Grafen und Erbherrn von Melnik; sie stammte sonach aus einem sehr reichen, adeligen Geschlechts, das aber noch in den Finsternissen des Heidenthums schmachtete. Wegen ihrer allseitigen Vorzüge erbat sich Bor- Von der innerlichen Verehrung Gottes. ziwog, der damals regireude Herzog von Böhmen, die zarte Jungfrau zur Gemahlin. Bald nach der Vermählung lernte der junge Fürst bei einem Besuche des Königs von Mähren die beiden Glaubensprediger Cyrillus und Methodius kennen, die er nun sogleich nach Böhmen berief, und von denen er sich mit seiner Gemahlin in der Lehre des Christenthums unterrichten und taufen ließ. Nun war Ludmilla eine Christin und leuchtete Allen voran in Erfüllung der göttlichen Gebote, in Tugend und Frömmigkeit. Mit allein Eifer war sie bemüht, das Christenthum im ganzen Lande zu verbreiten. Dadurch aber zog sie sich den Haß ihrer heidnischen Schwiegertochter Drahomira zu, auf deren Anstiften sie von den beiden Mördern Tuman und Kuwan in ihrem Schlafgemache mit dem Schleier ihres Hauptes erdrosselt wurde i. I. 927. Gebet. Herr, himmlischer Vater! der du uns in deiner unaussprechlichen Gnade und Barmherzigkeit zum Lichte des christlichen Glaubens berufen hast, gib, daß wir durch treue Erfüllung deiner göttlichen Gebote ebenso, wie deine heilige Dienerin Ludmilla, auf dem Wege des Heiles wandeln und einst zu dir gelangen durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihundertsechzigstes Lesestück. Am Feierabende des 17. September. Erstes Gebot Gottes. Von der innerlichen Verehrung Gottes. Fr. Wie lautet das erste Gebot Gottes? Antw. Es lautet also: „Du sollst keine fremden Am Feierabende des Götter neben mir haben! Du sollst kein geschnitztes Bild machen, um es anzubeten!" Fr. Was gebietet sonach das erste Gebot? Antw. Daß wir Gott die Verehrung leisten, die ihm allein gebührt. Belehrung und Beispiele. Gott dem Herrn allein gebührt die höchste Verehrung, insbesonders die Anbetung, weil er der höchste Herr und alleiniger Gott ist. (Sieh das obige Bild!) Diese Verehrung nun verlangt er von uns im ersten Gebote, was auch der göttliche Heiland mit den Worten ausspricht: „Du sollst den Herrn deinen Gott anbeten und ihm allein dienen." (Matth. 4.) Wie thöricht handeln also alle Diejenigen, welche zwei Herren, Gott und der Welt, zugleich dienen wollen?! — Einst ermahnte der heilige Bernhard eine gottgeweihte Jungfrau, die zwar in's Kloster eingetreten war, dabei aber ziemlich irdisch gesinnt blieb. „Du hast (so schrieb er), unter dem Gewände und dem Namen des religiösen Standes, ganz auf weltliche Weise leben wollen; allein du vermochtest nicht auszuführen, was dir gefiel, und so hast du nicht die Welt, wohl aber die Welt dich zurückgestoßen. Weil du sonach Gott vertrieben hast, und die Welt dich, so bist du, wie man zu sagen Pflegt, zwischen zwei Sitzen auf die Erde gefallen." Aehnlich geht es jedem doppelsinnigen Christen, welcher Gott und der Welt zugleich dienen will; er findet nirgends auf Erden einen rechten Halt. Gehorcht er Gott und dem Evangelium, so verhöhnt ihn die Welt; gehorcht er der Welt, so peinigt ihn sein Gewissen; und so ist also wahr der Ausspruch des göttlichen Heilandes: „Niemand kann zwei Herren dienen; entweder wird er den Einen Haffen und den Andern lieben; oder er wird sich dem Einen unterwerfen und den 17. September. 607 Andern verachten. Ihr könnet nicht Gott dienen und dem Mammon." O so entschließe dich einmal, mein Christ! nur Gott dem Herrn allein zu dienen; denn ihm dienen ist herrschen. Mache es, wie jener adelige Jüngling Nepotianus, von dem der heilige Hieronymus erzählt, daß er kaum die Worte vorlesen hörte: „Niemand kann zwei Herren dienen," als er dieselben schon in folgender Weise bei sich bedachte: „Die ewige Weisheit erklärt einen solchen Doppeldienst für unmöglich. Sie befiehlt aber auch: Den Herrn deinen Gott sollst du anbeten, und ihm allein dienen." — Der Schluß, den er daraus zog, ward für ihn zur heilvollen Wendung seines Lebens. Er diente von nun an Gott dem Herrn mit Leib und Seele, und nun wird er ewig den Lohn genießen, der ihm für seinen treuen Dienst von Gott zu Theil ward. Fr. Wie vielerlei ist die Verehrung, die Gott gebührt? Antw. Zweierlei: die innerliche und die äußerliche Verehrung. Fr. Wie verehren wir Gott innerlich? Antw. 1) Durch Glaube, Hoffnung und Liebe, 2) durch Eifer für seine Ehre, und 3) durch Ehrfurcht, Anbetung und Danksagung für alles Gute. Belehrung. Wir ehren Gott innerlich 1) durch Glaube, Hoffnung und Liebe. Durch den Glauben erkennen wir Gott, durch die Hoffnung steigen wir zu ihm empor, durch die Liebe gelangen wir zu ihm. Der Glaube ist das Himmelsfenster, die Hoffnung die Himmelsleiter, die Liebe allein steigt empor und hinein. (Hievon noch aus führlicher bei den drei göttlichen Tugenden.) — 2) Wir verehren Gott innerlich durch Eifer für seine Ehre. „ Eifere für Gottes Ehre," sagt der heilige Ephrem; „gewinne ihm recht viele Seelen; werde ein geistiges Netz und fange deinem Herrn viele Fische!" — Wir verehren Gott innerlich 3) durch Ehrfurcht, Anbetung und Danksagung. Diese Anbetung, Ehrfurcht und Danksagung aber besteht, wie der heilige Thomas sagt, in einer religiösen Handlung, durch welche ein Geschöpf die unbegränztc Majestät Gottes verehrt, hochachtet und sich vor ihr demüthigt, indem es Gott anerkennt als seinen ersten Ursprung und sein letztes Ziel, als Herrn und unbeschränkten Beherrscher aller Dinge, und als seinen größten Wohlthäter. Beispiel und Anwendung. Was das heißt, Gott anbeten, zeigt uns der heilige Franziskus. Oft ries er in der Gluth seiner Betrachtung aus: „Wer bist du, <;»8 Viertes Hauptstück. Von der o Gott! und wer bin ich? Du bist so groß, und ich bin so klein! Du bist der Schöpfer des Weltalls, und ich bin ein elendes niedriges Geschöpf! Du bist Alles, und ich bin Nichts! Mit Einem Worte, du bist, was ist, und ich bin, was gar nicht ist. Wie du also das bist, was du bist, und ich jenes Nichts, das ich bin, so brenne ich vor Verlangen, vor deiner Gegenwart zu stehen!" In diesen einfachen, bewegten Ausdrücken jenes großen Heiligen ist also deutlich ausgesprochen, was Gott von uns will, wenn Er uns gebietet, daß wir Ihn anbeten sollen. Von einem heiligen Schrecken vor der Majestät dieses erhabenen Gottes erfüllt, müssen wir uns in unser Nichts erniedrigen. Wir müssen Ihn als Den betrachten, von dem wir in Allem abhängig sind. Wir müssen bekennen, daß Er allein Alles ist, und daß wir Nichts sind, als eben ein armseliges bloßes Nichts. Diese Pflichten ausüben mit dem Herzen, ihm uns selbst opfern, unfern Dienst, unsere Verehrung, unsere Huldigung darbringen, das heißt Gott anbeten; mit den himmlischen Chören ausrufen: „Würdig bist du, Herr unser Gott, zu empfangen Preis und Ehre und Kraft; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen sind sie geworden!" (Offenb. 4, 11.) — das heißt Gott anbeten. Fr. Wodurch können wir unsere innere Verehrung gegen Gott ganz besonders beweisen? Antw. Durch Gehorsam und Ergebung in seinen heiligen Willen. Belehrung und Beispiel. Das ist eine wahre Verehrung Gottes, wenn der Mensch in Leid und Freud' aus der Fülle seines Herzens spricht: „Herr, dein Wille geschehe!" — oder wenn er mit dem frommen Dulder Job ausruft: „Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's ge- gcnommen; der Name des Herrn sei gebenedeit!" O das ist gewiß Gott dem Herrn die angenehmste Verehrung, wenn wir also denken, also sprechen. Legende: Die heilige Aebtissin Hildegard (f 1179). Heute begegnet uns in der Legende eine wahre Anbeterin Gottes, die Gott den Herrn verehrte durch Glaube, Hoffnung und Liebe, durch Eifer für seine Ehre, durch Ehrfurcht, Anbetung und Danksagung, durch Gehorsam und Ergebung in seinen heiligen Willen. Es ist vieß die heilige Hildegard, geboren im Jahre 1098. Sie war entsprossen ans dem erlauchten Geschlechts der Grafen von Spanheim in der untern Pfalz, und diente schon von Jugend ans dem Herrn; denn in ihrem achten Jahre übergab man sie den Klosterfrauen aus dem St. Desi- bodenberge, wo sie von Jutta, ihrer Base, auferzogen wurde. Sie lernte das Irdische verachten, während die Weltkinder der eitlen Ehre und den Reichthümern nachjagten. Voll des innigsten Dankgefühles gegen ihren Verehrung Gottes. WNNMIMMMMIIIMIIM WMWLWWi Gott, der sie ans diesen Finsternissen errettet hatte, widmete sie sich ohne allen Rückhalt seinem Dienste. Der Himmel begnadigte sie mit mehreren Erscheinungen, und der heilige Bernhard prüfte ihren Geist und erkannte, daß er von Gott sei. Nach dem Tode der Aebtissin Jutta an ihre Stelle gewählt, verlor sie in ihrem neuen Amte Nichts von ihrer vollkommenen Vereinigung mit Gott und von dem Geiste der Beschauung, obgleich sie für die Bedürfnisse ihrer geistlichen Töchter zu sorgen hatte. Als ihre Genossenschaft sich sehr vermehrte, zog sie im Jahre 1148 mit zwölf Schwestern auf den Rupertsberg bei Bingen, wo sie auch den 17. September 1179 heilig starb. Sie hat viele erbauliche Schriften verfaßt und in denselben ihre Offenbarungen niedergelegt. Gebet. Wir bitten dich, o Herr! verleihe uns die Gnade, daß wir dich mit jener glühenden Andacht verehren und anbeten und mit jenem Eifer dir dienen, wie die heilige Hildegard, — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihunderteimmdsechzigstes Lesestück. Am Feierabende des 18 . September. Von der äußerlichen Verehrung Gottes. Fr. Müssen wir mit der innerlichen Verehrung Gottes auch noch die äußerliche verbinden? Antw. Freilich; denn da sowohl der Leib, als die Seele von Gott erschaffen ist, so sollen auch beide ihm «09 Am Feierabende des 18. September. Ehre und Huldigung erweisen; wir müssen also Gott nicht bloß im Herzen verehren, sondern diese innerliche Berehrnng auch nach Außen zeigen, z. B. durch Teilnahme am öffentlichen Gottesdienste, durch Kniebeugnng, Händefalten und s. f. (Sieh das obige Bild!) Belehrung. Es genügt nicht, daß wir Gott innerlich verehren, wir müssen unsere Verehrung gegen Gott auch äußerlich kund geben. Das Feuer auf dem Herde gibt sich nach Außen zu erkennen durch den Rauch, der aus dem Kamine emporsteigt, und das Feuer und die Glut der Andacht gibt sich nach Außen zu erkennen durch eine andächtige äußere Stellung und Geberde. „Die äußern Geberden," sagt der heilige Chrys ostomus, „sind immer Zeichen und Wirkungen der innern Andacht." — Ohne äußere Andacht ist die innere gar nicht denkbar. — Es verpflichten uns hiezu ganz besonders folgende Gründe: 1) Sowohl der Leib als die Seele sind von Gott erschaffen; daher müssen beide ihm Ehre und Huldigung darbringen; 2) es liegt schon in der Natur des Menschen, daß er seine innere Andacht auch nach Außen zeige; ferner wird 3) durch die innere Andacht die äußere befördert, endlich 4) ist die äußere Gottesverehrung zur gemeinsamen Erbauung, zur Bestärkung im Glauben, zur Erhaltung und Verbreitung der Religion nützlich und nothwcndig. Mehler, Hausbuch. Beispiele und Anwendung. Die heilige Schrift ist reich an Beispielen, aus denen wir ersehen können, daß man immer die äußere Anbetung Gottes mit der inner» verband. — Als Esdras nach dem Einzuge in Jerusalem das erste Mal im Angesichte des Volkes das Gesetzbuch aufschlug und darüber laut ein Dank- und Preisgebct sprach, da erhoben Alle die Hände und riefen: „Amen, Amen;" sie neigten sich, fielen nieder auf ihr Angesicht und beteten Gott an. (2. Esd. 8, —6.) — Als die Kinder Israels mit den Amalekitern kämpften, da erhob Moses die Hände zu Gott; hoch erhob er sie, um die Hilfe mit Gewalt zu erflehen. Die Israeliten siegten um so mehr, je höher er die Hände erhob. (2. Mos. 17, 8—13.) — Und wenn vergöttliche Heiland betete, so fiel er nicht bloß ans seine Kniee, sondern sogar auf sein heiligstes Angesicht nieder. — Wenn nun der Sohn Gottes dieses that, sollen nicht auch wir seinem Beispiele folgen? Fr. Wie versündigt man sich gegen die äußerliche Verehrung Gottes? Antw. Theils durch Vernachlässigung des Gottesdienstes, theils durch Unehrerbictigkeit bei demselben. Belehrung und Beispiele. Gegen die äußerliche Verehrung Gottes versündigt man sich 1) durch Vernachlässigung des Gottesdienstes; denn wenn es schon sündhaft und strafwürdig ist, die einem irdischen Könige schuldige Verehrung und Huldigung zu vernachlässigen, so ist dieß um so mehr der Fall, wenn wir dieß dem König der Könige, dem Herrn der Heerschaaren gegenüber thun. Und dennoch gibt es so viele Namenchristen, welche entweder den Gottesdienst ganz versäumen oder nur dann vor ihrem Gott erscheinen, wenn die Noth sie hiezu zwingt. O wie Viele machen es wie jener Edelmann, der das ganze Jahr von Gott und Gottesdienst Nichts wissen wollte; wenn aber das Elend recht groß wurde, dann kam er in die Kirche und betete mit aufgehobenen Händen: „Herr! hilf mir nur diesmal; ich will dich dann lange nicht mehr Plagen." -— O beklagenswerthe Menschen, die nur die Noth beten lehrt, und die nur zu Gott kommen, wenn sie ihn brauchen! — 2) Versündigen wir uns gegen die äußerliche Verehrung Gottes durch Unehrerbietung beim Gottesdienste, z. B. durch ungeziemende Haltung, durch leichtfertige Mienen, durch ausgelassenes Betragen, durch Lachen, Schwätzen u. s. w. Was kann sündhafter und in den Augen Gottes abscheulicher sein, als ein solches Betragen im Hause Gottes, beim Gottesdienste? Philipp II., König von Spanien, sah einst, als er die heilige Messe anhörte, zwei Hofherren, welche die ganze Zeit des heiligen Meßopfers miteinander schwätzten. Bein: Herausgehen and der Kapelle sagte der König zu ihnen: 77 61V Viertes Hanptstiick. Von den Versündigungen gegen die Gott schuldige Verehrung :c. „Höret Ihr so die heilige Messe an? Lasset Euch an meinem Hofe nicht mehr sehen!" Dieß einzige Wort war für Beide ein Blitzstrahl. Der Eine starb zwei Tage nachher, und der Andere wurde ein Narr. — Ach, wie oft dürfte man in der Kirche eine ähnliche ernstliche Rüge gegen alle Jene aussprechen, die sich im Tempel Gottes ohne alle Ehrerbietung zeigen! Legende: DerheiligeErzbischofThomas von Villanova ('s 1555). Ein ganz anderes Betragen im Hause Gottes legte der heilige Thomas von Villanova, dessen Fest heute gefeiert wird, an den Tag; er war ebenso sehr ein Muster der Andacht und Frömmigkeit, als er ein Vater der Armen war. Als der Sohn wohlhabender, gottes- fürchtiger un wohlthätiger Eltern wurde er unweit Villanova in Castilien i. I. 1488 geboren. Schon in frühester Jugend ahmte er gerne die Wohlthätigkeit seiner Eltern nach und vereinigte mit dieser schönen Tugend auch noch Gottesfurcht. Sanftmuth, Demuth, Gehorsam, Arbeitsamkeit, Herzensreinheit, Abtödtung und besonders andächtige Verehrung der Mutter Gottes. Ausgerüstet mit den trefflichsten Geistesgaben gewann der junge Mann einen Reichthum an Wissenschaft und Gottesfurcht, so daß er im achtundzwanzigsten Lebensjahre als öffentlicher Lehrer an die Universität Salamanca gerufen wurde. Der hier nöthig gewordene Verkehr mit der Welt wurde dem frommen Manne bald lästig, so daß er in den Orden der Eremiten des heiligen Augustin eintrat. Hier war Thomas ein Muster der Bußstrenge, Selbst- verlängnung und jeder Art von Tugend; nacheinander wurden ihm auch alle Aemter seines Ordens übertragen. Vieles that er da zur Hebung des geistlichen Lebens. Als Kaiser Carl V. ihn zum Erzbischöfe von Granada ernannte, wußte Thomas Alles in Bewegung zu setzen, um diesem Amte zu entkommen. Nicht mehr gelang es ihm aber i. I. 1544, wo er Erzbischof von Valencia werden mußte auf Befehl seiner Kloster-Oberen und nach dem Willen des Kaisers. Als Erzbischof änderte Thomas durchaus Nichts in der Armuth des Eremiten- Ordens, und hatte in seinem Einkommen eine reiche, ihm willkommene Quelle zur Wohlthätigkeit jeder Art, die er im höchstmöglichen Grade übte, so daß er sein eigenes Bettlager vor seinem Tode schon verschenkt hatte. Im elften Jahre verwaltete Thomas das bischöfliche Amt mit heiliger Gewissenhaftigkeit, als er den Herrn bat, desselben enthoben zu werden. Er starb am 7. September 1555. Seine Heiligsprechung erfolgte i. I. 1658. Gebet. O Gott, der du dem heiligen Thomas eine besondere Glut der Andacht und ein inniges Mitleiden gegen die Armen in das Herz gelegt hast, wir bitten dich, gieß die Schätze deiner Barmherzigkeit auch über uns aus, damit wir dich äußerlich und innerlich, mit Herz und Mund anbeten, loben und Preisen mögen, der du lebest und regirest in alle Ewigkeit. Amen. Zweihimdertzwenmdsechzigstes Lesestürk. Am Feierabende des 19. September. Von den Versündigungen gegen die Gott schuldige Verehrung, und zwar von der Abgötterei. Fr. Wie kann man sich versündigen gegen die Gott schuldige innerliche Verehrung? Antw. Ans die mannichfaltigste Weise, z. B. durch Un- und Irrglauben, durch Vermessenheit, durch Mißtrauen oder durch Verzweiflung, durch Undank nud Lauigkeit, durch Abgötterei, Aberglauben, Zauberei, Gottesraub und Simonie. Belehrung. Wie man sich nach der Erklärung im gestrigen Lesestück gegen die äußerliche Verehrung Gottes versündigen kann, so auch und zwar noch viel mehr gegen die Gott schuldige innerliche Verehrung. So kann man sich 1) gegen den Glauben versündigen durch Unglauben, Irrglauben, durch freiwillige Glaubenszweifel, durch Reden und Schriften gegen den Glauben, sowie durch Gleichgiltigkeit gegen denselben; 2) gegen die Hoffnung durch Verzweiflung oder Mißtrauen oder durch Vermessenheit und falsches Vertrauen; 3) gegen die Liebe Gottes durch Bosheit, durch Undank, durch Lauheit und Kaltstnn, durch Haß und Am Feierabende des 19. September. 611 Verachtung Gottes. Dieß Alles wird später bei den drei göttlichen Tugenden ausführlicher behandelt werden. — Noch andere Versündigungen gegen die Gott schuldige Verehrung sind: Abgötterei, Aberglauben, Zauberei, Gottesraub und Simonie. Diese Versündigungen wollen wir nun einzeln erklären, und zwar heute die Abgötterei. Fr. Was ist Abgötterei? AntW. Abgötterei ist cs, wenn man, wie es die Heiden thaten, verstorbene Menschen, Thiere, Statuen und andere Geschöpfe als Götter anbetet, oder wenn man sein Herz von Gott ab- und irdischen Dingen zuwendet. Belehrung. Die Abgötterei entzieht Gott dem Herrn die schuldige Ehre und wendet sie einem lebenden oder wohl gar leblosen Wesen zu. Eine solche Abgötterei forderte z. B. der Satan, da er sprach: „Dieses will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest." (Matth. 4, 9.)— Die Abgötterei ist entweder die grobe Abgötterei der Heiden und der Glaubenslosen, oder die feinere der Weltkinder. Fr. Auf welche Weise wird die grobe Abgötterei begangen? -AntW. Die grobe Abgötterei wird begangen, wenn man einem Geschöpfe offenbar göttliche Anbetung erweist. Belehrung und Beispiele. Dieses kann entweder aus Dummheit geschehen, wie es bei den Heiden der Fall war, welche die Geschöpfe, z. B. die Sonne, den Mond rc. ihres Nutzens und ihrer Schönheit wegen selbst für Gottheiten hielten und als solche verehrten, wie die Moabiter, Cananiter und andere; — oder es kann auch geschehen aus Bosheit, wie dieß der Fall war selbst bei den Israeliten, die sich in ihrer Bosheit durch grobe Abgötterei gegen Jehova, ihren Gott und Herrn, versündigten. Wiewohl ihnen Das, was von Gott erkannt werden kann, vor Augen lag, weil Gott es ihnen sichtbar hingelegt hatte, so sprachen sie doch zu Aaron: „Auf! mach uns Götter, die vor uns hergehe»!" Hierauf gossen sie ein goldneS Kalb, beteten es an und opferten ihm, (sieh das nebenstehende Bild!) indem sie riefen: „Dieses ist deine Gottheit, o Israel! die dich aus Aegypten geführt hat." (Exod. 32, 8.) — Diesen Gräuel der Israeliten erneuerten auch die Franzosen zur Zeit der Revolution, indem sie, sich weise dünkend, zu Thoren wurden, eine schamlose Dirne als Symbol der unerschasfenen Weisheit unter dem Namen „Göttin der Vernunft" im Tempel des Herrn auf den Altar stellten, ihr Weihrauch opferten, und „sodieHerrlichkeit des unwandelbaren Gottes auf das dargestellte Bildniß eines vergänglichen Menschen übertrugen." — Welch eine Bosheit und Verblendung! Fr. Wie wird die feinere Abgötterei begangen? AntW. Wenn man sein Herz vom Göttlichen weg- und zum Irdischen hinwendet. Belehrung. Die feinere Abgötterei wird verübt, wenn man sein Herz von Gott und göttlichen Dingen weg- und zu einem erschaffenen Gute, zu vergänglichen Gütern, Ehren und Vergnügungen hinwendet. Diese Abgötterei begehen alle Diejenigen, die da Feinde des Kreuzes Christi sind, jene Jrdischgesinntcn, die sich dem Frasse und der Füllerei ergeben; denn „ihr Gott ist der Bauch" (Phil. 3, 18. 19.); solche Abgötterei treibt der Wollüstling, der seinen Leib, „den Tempel des heiligen Geistes, die Glieder Jesu Christi zu Hurengliedern macht;" (Röm. 12, 1.) solche Abgötterei treiben jene Eltern, welche gleich dem Heli ihre Kinder mehr lieben, als Gott, indem sie denselben gestatten, eher Gott zu beleidigen, als daß sie dieselben wegen ihrer Sünden und Ausschweifungen strafen; solche Abgötterei treibt besonders auch der Geizige, der den Götzendienern gleich ist, indem er sein Silber und Gold zu seinem Götzen macht. (Os. 6, 4.) Beispiel und Anwendung. In den Wüsteneien Aegyptens starb einst einer jener Einsiedler nach langen, zwischen Gebet und Arbeit getheilten Jahren. Als man nun seine Leiche bestatten wollte, fand man unter der Schilfmatte, die ihm zum Lager gedient, einen Geldsack mit hundert 77 * 612 Viertes Hauptstiick. Von den Versündigungen gegen die Gott schnldige Verehrung rc. Silbermllnzen. Da versammelten sich die Acltcsten der Gemeinde, um sich zu berathen, waö mit dem Gelbe zu beginnen wäre. Einige wollten cs für die Armen verwenden, Andere zum Bau einer Kirche oder für Abschriften der heiligen Evangelien; allein die Väter der Gemeinde, die heiligen Aebte Makarius und Pakabo, entschieden es anders; sie sprachen: „Leget den Geldsack zu ihm hinein in's Grab, schüttet Erde darüber, und rufet dabei: Dein Geld sei ewig mit dir zu deinem Verderben!" Und die Einsiedler entsetzten sich hierüber so sehr, daß Niemand mehr an solch ein Sparen und Bewahren sich wagte. Diese strenge Maßregel des großen Makarius könnte sehr hart und grausam erscheinen, wenn man nicht darauf sieht, daß jene Einsiedler, durch das strenge Gelübde der Armuth gebunden, Nichts besitzen durften, und also das Laster des Geizes hier bis zum Sacrilegium stieg, daher es auch eine schreckende Warnung forderte. — O Götze des Goldes, wie sehr kannst du selbst den Frommen blenden! Fr. Warum ist das Laster des Götzendienstes und der Abgötterei so verabschenungswürdig? Antw. Weil cs 1) der größte Gräuel in den Augen Gottes, und 2) die größte Thorheit ist. Belehrung und Beispiele. Die Abgötterei ist t) der größte Gräuel in den An gen Gottes; darum ruft schon Moses (5. Mos. 27, 15.) aus: „Verflucht sei Derjenige, der sie begeht; denn sie ist ein Gräuel vor dem Herrn!" Nichts haben daher die wahren Anbeter Gottes mehr verabscheut, als die Abgötterei; lieber wollten sie tausendmal sterben, als vor einem Götzen ihr Knie beugen, wie z. B. die drei Jünglinge im Feucrofen und so viele heilige Blutzeugen Christi. 2) die Abgötterei ist aber auch die größte Thorheit. Kann cs denn etwas Unsinnigeres geben, als vor einem vcrnunftlosen Thiere, vor leblosen Wesen, vor einem todten Steine, vor einem Gestirne des Himmels, vor einem Elemente der Erde anbeteud niederfallen und darin seinen Gott erkennen? Die alten Schthen kannten keine andere Gottheit als den Kriegsgott, und dieser Gott war ein altes breites Schwert, welches auf einen Altar gestellt durch blutige Opfer von Pferden, Kühen, Ziegen, ja wohl sogar durch Menschenopfer abgöttisch verehrt wurde. Alle Jahre wurde ihm ein Hauptfest gefeiert, und an demselben .aus den Gefangenen jeder Hundertste geopfert. Dem Unglücklichen wurden an den Schultern die Arme abgehauen, hoch in die Luft geworfen und aus der Art, wie sie auf den brennenden Altar des Götzen herabfielen, die Zukunft und das Verborgene gedeutet. — Welche Thorheit verräth sich also nicht im Götzendienste oder in der Abgötterei! Legende: Der heilige Bischof und Märtyrer Januarius (ch 305). Die Abscheulichkeit und Thorheit der Abgötterei erkennend, wollte der heilige Bischof Januarius, dessen Fest am heutigen Tage in der ganzen katholischen Kirche, besonders aber in Neapel gefeiert wird, lieber sterben, als den heidnischen Göttern opfern. Er war in Neapel geboren und wurde wegen seiner Frömmigkeit znm Bischöfe von Benevent erwählt. Mit heiligem Eifer nahm er sich um die Ausbreitung des Christenthnms an, besuchte, von christlicher Liebe durchdrungen, seine christlichen Milbriider, welche um des Glaubens willen im Gefängnisse schmachteten, und tröstete sie mit himmlischem Tröste. Endlich wurde er selbst ergriffen und in's Ge- fängniß geworfen. Fruchtlos blieben alle Versprechungen und Drohungen; Nichts konnte ihn zwingen, den Göttern zu opfern. „Es ist nur Ein Gott," rief er ans, „den ich anbete, und dieß ist der Herr Himmels und der Erde; enern Götzendienst aber verabscheue ich." Und so litt er mit seinen beiden Glaubensgenossen, dem Diakon Fe st ns und dem Lektor Desiderius, freudig den Martertod i. I. 305. Gebet. O Gott, der du uns das Fest deiner heiligen Märtyrer Januarius und seiner Gefährten feiern lassest, gib, daß wir ebenso wie sie alle Abgötterei verabscheuen und nur dich allein anbeten, der du lebest und regirest in alle Ewigkeit. Amen. 613 Am Feierabende des 20. September. ZweilMdertdreiimdsechzigstes Lesestück. Am Feierabende des 20. September. Pom Aberglauben im Allgemeinen und von der Wahrsagerei insbesonders. Fr. Wann versündigt man sich durch Aberglauben? Antw. 1) Wenn man Gott oder die Heiligen ans eine Weise verehrt, die der Lehre oder dem Gebrauche der Kirche entgegen ist; 2) wenn man Dingen eine gewisse Kraft zuschreibt, die sie weder von Natur, noch durch das Gebet der Kirche oder vermöge göttlicher Anordnung haben. Belehrung. Man versündigt sich also durch Aberglauben: 1) Wenn man Gott oder die Heiligen unordentlich verehrt. Es gibt viele Menschen, die auf falsche und überflüssige Andächteleien mehr halten, als auf wahre innere Andacht, — die allerlei Gebete beten, die weder kirchlich noch geistreich sind; Menschen, die da glauben, daß sie nicht verdammt werden können, wenn sie alle Tage ein gewisses Gebet verrichten, oder wenn sie sechs heilige Messen lesen lassen, mag auch im Uebrigen ihr Lebenswandel noch so schlecht sein; Menschen, die da glauben, durch Hilfe des Weihwassers sich gegen alle Angriffe des bösen Feindes sichern zu können, dabei aber das sündhafte Wohlgefallen im Herzen mit Freuden nähren; Menschen, die heilige Sachen tragen und sich dadurch unfehlbar gegen jedes Unglück geschützt wähnen, u. s. f. Daß dieß ein sträflicher Aberglaube sei, geht daraus hervor, weil man nicht auf Gott, sondern auf Sachen vertraut, und bei diesem falschen Vertrauen nicht selten in Sünden und Lastern fortlebt. — 2) Sträflicher Aberglaube ist es auch, wenn man Dingen eine ge- wisseKraft zuschreibt, die sie weder vonNatur, noch von der Kirche oder vermöge göttlicher Anordnung haben. So nützlich und heilsam cs ist, wenn man im Geiste und nach dem Sinne der katholischen Kirche geweihte Sachen bei sich trägt, z. B. geweihte Kreuze, Medaillen, Amulette u. dgl., um durch den Anblick derselben zum Gottvertrauen angeeifert zu werden oder durch die Fürbitte der darauf vorgestelltcn Heiligen in Noth und Gefahr, wenn es Gott will, Hilfe zu erlangen, so sündhaft ist cs hingegen auch, wenn man auf diese Sachen ein allzugroßes Vertrauen setzt und davon sogar Hilfe bei gottlosen Unternehmungen erwartet. Beispiel und Anwendung. Einen solchen gottlosen, abergläubischen Gottesdienst, wenn ich so sagen soll, treibt eine gewisse Art von ruchlosen Räubern in Italien. Diese tragen Muttergottcs - und Heiligenbilder bei sich und verehren gar andächtig unsere liebe Frau, auf daß ihnen durch ihre Hilfe doch ein reicher Wanderer begegnen möge, den sie umbringcn und ausrauben könnten. Und ist ihnen dieß gelungen, so bedanken sie sich bei der Heiligen; wo nicht, so zerreißen sie die Bilder oder zerschlagen sie, weil sie ihnen nicht verhilflich waren. Ebenso muß sie das Heiligenbild auch ans je' er Gefahr herausreihen; und wehe ihm, wenn der Erfolg dem Wunsche nicht entspricht! — Kann der Herr an einem solchen Gottesdienste ein Wohlgefallen haben? Muß das nicht vielmehr ein Gräuel in seinen heiligen Augen sein? Fr. Welche Art von Aberglauben kommt besonders häufig vor? Antw. Die Wahrsagerei, wodurch man Verborgenes oder Zukünftiges erfahren will, indem man Wahrsager um Rath fragt, sich die Hand beschauen, Karten schlagen läßt, sich an Tranmdeutereien oder an eitle, nichtige Zeichen hält. Belehrung. Gott hat dem Menschen wohlweislich die Zukunft verhüllt; Nichts darf und kann diesen Schleier lüsten. Dessenungeachtet lassen sich Viele von einer sündhaften Neugierde hinreißcn und möchten so gerne der göttlichen Weisheit vorgreifen und in die ferne Zukunft schauen und wissen, welch ein glückliches oder unglückliches Loos sie einst treffen, welch eine gute Partie sie machen, wann sie sterben werden u. s. f. Wie thöricht, wie schändlich ist nicht diese Sünde! 1) Sie ist thöricht; denn wie sieht es mit den Wahrsagern aus? Sie bedienen sich zu ihrer Wahrsagcrei eines sogenannten Glücksrades, eines umgekehrten Siebes, einer Schüssel oder Tasse, in welcher der Kaffeesatz zurückgeblieben ist, Kartenblätter, die sie aufschlagen; oder sie verkünden dem Menschen sein Schicksal aus den Zügen und Strichen seiner hohlen Hand u. s. f. Sind das nicht die tollsten Possen? Was wissen all diese Dinge von der Zukunft? Welch ein Thor also, der einem Wahrsager glaubt! — Wohl waren auch die Propheten und andere große Heilige Gottes mit der Gabe der Wahrsagung ausgerüstet; allein sie waren es im Namen und aus Offenbarung Gottes, der sie gesendet und ihnen die wahre Kenntniß der Zukunft ertheilt hatte. — 2) Die Sünde der Wahrsagerei ist auch äußerst schändlich und verderblich, sowohl für Den, der wahrsagt; denn dieser macht sich gleichsam zu einem Gotte und raubt dem Herrn die Allwissenheit; als auch für Den, der sich wahrsagen läßt; denn er hält den Wahrsager gleichsam für 614 Viertes Hauptstück. Von den verschiedenen Arten der einen Gott und glaubt und traut seinem Worte, während er Gottes Weisheit verachtet. Beispiele und Anwendung. Wie sehr Gott diese Sünde verabscheut, und wie sehr sie den Menschen unglücklich macht, das läßt sich schon aus verschiedenen Beispielen in der heiligen Schrift Nachweisen. Wir wollen hievon nur zwei anführen. —Manasses, welcher mit seinem zwölften Jahre schon ans den Thron kam und fünfundfünfzig Jahre lang rcgirte, ergab sich ganz und gar der Abgötterei. Ergab Acht auf die Tränme, ging auf den Vogelflug, trieb die schwarze Kunst, hatte Zauberer und Wahrsager bei sich und that viel Böses vor dem Herrn, so daß er ihn reizte. Ebenso verführte er auch Juda und die Bewohner von Jerusalem. Darum ließ Gott über sie kommen die Heeresfürsten des Königs der Assyrier: und sie nahmen Manasses gefangen und führten ihn mit Ketten und Banden gefesselt nach Babylon. (2. Paralip. 33.) — Ebenso thöricht und Gott dem Herrn mißfällig handelte Ochozias, der König von Israel, welcher bei einem heidnischen Abgott wegen seiner Genesung von einem schweren Falle anfragen ließ, aber zur Strafe für seinen Ungehorsam gegen Gott, welcher alle Wahrsagerei ans das Strengste verboten hatte, auf die Ankündigung deS Elias, des wahren und heiligen Propheten, an seiner Krankheit sterben mußte. (4. Kön. 1.) — Wie damals, so haßt und strafet Gott auch noch heut zu Tage diese Sünde der Wahrsagerei. Legende: Der heilige Eustachius und seine Familie, Märtyrer (f um 118). All diese Sünden des Aberglaubens verabscheute von ganzem Herzen der heilige Eustachius, dessen Andenken wir heute feiern; deßhalb verließ er auch mit seiner ganzen Familie das Heiventhum, das so reich ist Wahrsagerei: Stern-, Zeichen - und Tranmdeuterei. an Aberglauben, und trat zur Lehre Christi über, die allen Aberglauben Verwirft und verdammt. Dieser Heilige hatte sich in dem jüdischen Kriege unter Vespasian und Titus und später auch im Kriege wider die Dazier durch seine Tapferkeit und seinen unerschütterlichen Muth so sehr ausgezeichnet, daß er von Kaiser Trajan zum General der Kavallerie und zum obersten Feldherr» ernannt wurde. Er war noch ein Heide; zeichnete sich aber da schon durch seine Mildthätigkeit gegen die Armen ans; weßhalb ihm auch ganz besonders die Gnade der Bekehrnng znm Christenthuine zu Theil ward. Einst verfolgte er nämlich auf der Jagd lange Zeit vergebens einen Hirsch, und als es ihm endlich gelang, demselben näher zu kommen, so bemerkte er mit Staunen, daß dieser Hirsch ein glänzendes Kreuz ans dem Haupte trug, an welchem er deutlich das Bildniß Christi erkannte. Durch dieses Wunder wurde er nun mit seiner ganzen Familie zum Glauben bekehrt. Als Christ zeigte er eine besondere Standhaftigkeit auch in den widrigsten Schicksalen. Wie der fromme Job, so verlor auch er' alle seine Habe, Weib und Kinder; fand sie aber wieder. Da sie dem heidnischen Aberglauben nicht huldigen und den falschen Göttern nicht opfern wollten, so gingen sie, vereint durch den Martertod, in eine bessere Welt hin über um das Jahr 118. Gebet. Herr, himmlischer Vater, der du uns zum Lichte des wahren Glaubens berufen hast, gib, daß wir allen Aberglauben und alles heidnische, sündhafte Wesen verabscheuen, wie deine heiligen Märtyrer En- stachius und seine LeidenSgenossen, und einst in der ^ ewigen Seligkeit uns ihrer Gesellschaft erfreuen, — durch Jesum Christum, unfern Herrn. Amen. ZweihmldertviermldsechziMes LesesM. Am Feierabende des 21. September. Von den verschiedenen Arten der Wahrsagerei: Stern-, Zeichen - und Tranmdeuterei. Fr. Was für verschiedene Arten von Wahrsagerei gibt es? Antw. Besonders folgende drei: 1) Sterndeuterei, 2) abergläubische Zeichendeuterei und 3) Tranmdeuterei. Fr. Was versteht man unter Sterndeuterei? Antw. Sterndenterei ist es, wenn man aus der Stellung oder Beschaffenheit der Gestirne zufällige Ereignisse oder künftige Schicksale Voraussagen will. Belehrung. Man muß die Sterndeuterei gar wohl unterscheiden von der Sternkunde. Dieses ist eine sehr Am Feierabende des 21. September. 613 ->-»-L »W vjfGUWM'M WS ''l tz ML nützliche Wissenschaft und beruht auf gewissen Gesetzen der Natur. Vermöge dieser Kenntniß läßt sich gar Manches Vorhersagen, was nach dem gewöhnlichen Laufe der Natur zutrifft, z. B. Sonnen - und Mondsfinsternisse, das Erscheinen eines Planeten oder Cometen, die Veränderung der Jahreszeiten, der Witterung, Kälte und Hitze. Es ist daher durchaus kein Aberglaube, wenn der Landmann bei seinem Anbau, und der Schiffer bei seiner Seefahrt sich nach dem Monde richtet, da der Mond wegen seiner nahen Berührung mit dem Dunstkreise der Erde einen wesentlichen Einfluß auf Regen und Trockenheit hat, und bei dem vollen und abnehmenden Monde die Gefahr auf dem Meere größer ist. — Sterndeuterei hingegen ist cs, wenn man z. B. aus der Stellung oder Beschaffenheit der Gestirne Voraussagen will, ob ein Mensch oder ein Tag glücklich oder unglücklich sein werde, welche Gemüthsart und Schicksale Kinder haben werden u. s. f. So findet man nicht selten, daß einfältige Leute die sogenannten Sternbilder (Stier, Krebs, Zwillinge re.) fiir bedeutungsvoll halten. Wird ein Kind im Zeichen des Wassermanns geboren, so muß es sich vor dem Ertrinken hüten. Bei Jenem, der im Krebse geboren ist, geht Alles rückwärts oder verkehrt u. s. w. Wer erkennt hier nicht auf den ersten Blick die Thorheit des Aberglaubens? Fr. Was ist abergläubischeZeichendeuterei? Antw. Abergläubische Zeichendenterei ist es, wenn man unbedachtsame Worte oder zufällige Begebenheiten auf ein künftiges Ereigniß, Glück oder Unglück deutet, oder auch, wenn man ans der Bewegung, aus dem Geschrei der Thiere, ans dem Niesen der Menschen u. dgl., etwas Verborgenes oder Zukünftiges erkennen will, was mit demselben in gar keinem Zusammenhänge steht. Belehrung und Beispiel. Auch hier gibt es wieder eine erlaubte Zeichendeuterei, die nämlich auf den Gesetzen der Natur oder der Erfahrung beruht, z. B. wenn man aus der Ankunft oder Abreise der Zugvögel Regen, Kälte, heiteres Wetter u. s. f. muthmaßt. Hingegen ist es sündhaft, wenn die Zeichendeuterei in der oben angegebenen Weise erscheint. Wir wollen dieß durch nachfolgende Erzählung näher beleuchten. — Sara, ein altes Mütterchen, lebte in stiller Zurückgezogenheit und verzehrte die kargen Bezüge ihrer Ausnahme in einem kleinen, ärmlichen Zimmerlein. So friedliebend und gutmüthig die Alte war, so strotzte sie hingegen, so zu sagen, vor lauter Aberglauben; die geringsten Dinge wußte sie auf Glück oder Unglück zu deuten. Wenn ihr auf dem Gange zur Kirche, die von ihrem Dörflein eine halbe Stunde entlegen war, ein Hase über den Weg lief, so hielt sie dieses für ein Zeichen eines nahen Unglückes. Tönte die Glocke wegen des daraufliegenden Schnees oder wegen Verhinderung des Schwänkels etwas dumpf, so glaubte sie, es müsse alsbald ein Vornehmer sterben, besonders von der Geistlichkeit. Wurde über einen Kranken das unwahre Gerücht ausgestreut, er sei gestorben; so freute sie sich höchlich darüber; denn sie hielt fest dafür, daß ihm dieß ein langes Leben bedeute. Dagegen gerieth sie in sichtbare Angst, wenn sie dreizehn Personen an einem Tische sitzen sah; denn sie glaubte, es müsse bald Eines davon sterben, weil nämlich Christus mit seinen Aposteln beim letzten Abendmale dreizehn ausmachte und bald darauf starb. Fiel ihr ein Zahn auf der rechten Seite aus, so hieß es: „Ach, es stirbt bald ein naher Verwandter!" Wenn Hunde heulten, wenn die Grille oder Nachteule sich hören ließ, da wurde sie ganz niedergeschlagen; denn sie hatte die Ansicht, daß dieß nichts Gutes bedeute; es müsse gar bald Jemand in der Nachbarschaft 016 Viertes Hauptstück. Von den verschiedenen Arten der sterben; vernahm sie aber das Schreien einer Elster auf dem Hause eines Kranken, da war ihr dieses eine erfreuliche Anzeige von der baldigen Wiedergenesuug des Kranken. Mit außerordentlicher Freude wurde ihr Herz erfüllt, als ein Storch sein Nest auf ihr Haus baute; „Dieß bedeutet Glück!" rief sie freudig aus. Aeußerst aufmerksam war sie darauf, wenn sie selbst oder ein Anderer niesen mußte. Am Morgen kündigte es Unglück an; Mittags hatte cs eine gute Vorbedeutung; wenn Eines öfter als dreimal nacheinander niesen mußte, da waren nach ihrer Meinung Briefe mit günstigen Nachrichten, Pakete mit Geldern u. s. f. zu hoffen. Klang ihr das linke Ohr, so war dieß ein Zeichen, daß andere Menschen bös von ihr reden; klang das rechte, so war's eine Andeutung, daß Andere Gutes von ihr sprechen. — Und was war die Folge von dieser abergläubischen Zeichen deuterci? Dieses, daß die arme Frau beständig in Angst und Sorge war, daß sie falschen Argwohn gegen Unschuldige schöpfte und sich selbst quälte. Denn wenn sie irgendwo zum Essen- geladen war, erschien sie nicht, aus Furcht, es möchten dreizehn zu Tische sitzen; klangen ihr die Ohren, so stellte sie an sich im Stillen die Frage: „Ei, wer wird doch jetzt so sehr über mich losziehcn?" u. s. f. — Dieß ist der Lohn des Aberglaubens; er macht menschenscheu, stößt Erbitterung ein und stört die Gemüthsruhe. Wahrsagerei, sowie Zeichendcutungen sind eitle, verderbliche Dinge. Fr. Was ist Tranmdenterei? Antw. Tranmdenterei ist es, wenn man gehabten Träumen glaubt oder Träume auf Glück oder Unglück deutet. Belehrung und Beispiele. Gott läßt uns allerdings oft durch Träume vor Gefahren warnen, gibt uns dadurch heilsame Erinnerungen und Winke zum Guten, wie wir dieß aus der Geschichte des ägyptischen Joseph (Genes. 37, 5.), des heiligen Nährvaters Jesu Christi (Matth. 2, 13.), ferner aus den Träumen des Königs Nabuchodonosor und Baltasar (Dan. 2, 1.; 4, 2.), des Patriarchen Jakob, der heiligen Perpetua rc. (sieh das vorausgchende Bild!) wissen. Solche Träume gleichsam als Fingerzeiger Gottes zu beobachten, ist ganz billig. Allein die meisten Träume sind nur natürliche Folgen und Erzeug niste unsrer Phantasie; meistens träumen wir von Dem, was am Tage oder Abends einen besonder» Eindruck aus uns gemacht hat. Da kann es nun allerdings der Fall sein, daß hie und da das Geträumte in Erfüllung geht, z. B. kann uns träumen, wir seien gefallen, und können zufälliger Weise ' Wahrsagerei: Stern-, Zeichen - nnd Traumdenterei. bald darauf wirklich fallen; allein deßhalb allen Träumen Glauben schenken und sie als Vorbedeutungen von künftigen Dingen ansehen zu wollen, das wäre ebenso thöricht als sündhaft. Darum schreibt schon der weise Sirach: „Unweisc Leute täuschen sich selbst mit thörichten, eitlen Hoffnungen. Wer auf Träume hält, der greift nach dem Schatten und will den Wind Haschen. Träume haben ebenso wenig Wesentliches, als das Bild im Spiegel" (Eccl. 34, 1—3.) Und Gott der Herr spricht: „Ihr sollet auf die Träume nicht Acht haben!" (Levit. 19, 26.) „Auf die Träume achten — ist ein Gräuel vor Gott." (Deut. 18, 10. 12.) — Wie verderblich und sündhaft die Traumdeuterei sei, haben besonders und gar oft schon Jene erfahren, welche von Träumen verleitet, ihr Geld und Gut in die Lotterie setzten. — Einer- Frau träumte, daß sie mit der Zahl 77 ein großes Loos in der Lotterie gewinnen würde; sie setzte so lange fort, bis sie ihr ganzes Vermögen verspielt hatte und vor Kummer starb. — Siehe, so wird gar oft die Sünde der Traumdeuterei gestraft. Legende: Der heilige Matthäus, Apostel und Evangelist (ch im 1. Jahrhdt.). Der heilige Matthäus, dessen Fest heute in der Kirche feierlich begangen wird, nnd der uns die oben erwähnten Träume des heiligen Nährvaters Joseph, wodurch dieser zur Fluch, nach Aegypten und zur Rückkehr in das Land Israel aufgefordert wurde, in seinem Evan gelium (Matth. 2, 13u. 19.) erzählt, wurde von unserm göttlichen Heilande von der Zollbank hinweg zum Apostel berufen. Augenblicklich folgte er dieser göttlichen Stimme, besiegte muthig alle entgegenstehenden Rücksichten mW MH MO MM ßWW MM Am Feierabende des 22. September. 617 harrte standhaft bei dem Herrn ans. Nach seiner Belehrung lud er den Heiland und dessen Jünger zu einem großen Gastmahle und ließ auch viele Zöllner und Sünder daran thcilnchmen — wahrscheinlich in der Hoffnung, daß auch diese das Heil bei Jesu finden sollten. Die Pharisäer murrten und ärgerten sich über den liebreichen Heiland, daß er in der Gesellschaft solcher Leute aß, mußten aber verstummen, als der Herr das trostreiche Wort sprach: „Ich bin nicht gekommen, die Gerechten zu berufen, sondern die Sünder." Ausgenommen in die Zahl der Apostel predigte der heilige Matthäus nach der Himmelfahrt Christi, voll des heiligen Geistes, in Judäa und in den umliegenden Gegenden mehrere Jahre lang die christliche Lehre und pries sich glücklich, deßhalb verfolgt und mißhandelt zu werden. Als sich dann die Apostel in die verschiedenen Länder des Erdkreises theilten, traf ihn Aethiopien und Afrika. Ehe er aber dahin abging, schrieb er ans inständiges Bitten der bekehrten Juden in syrisch-chaldäischer Sprache eine Geschichte des Lebens Jcsu, die er Evangelium, d. i. frohe Botschaft, nannte. Seine eifrige Verkündung der Lehre des Heiles hatte die scgenvollsten Wirkungen und wurde durch viele Wunder unterstützt. Er führte dabei ein sehr strenges Leben, aß nie Fleisch, sondern nur Kräuter, Wurzeln und Früchte wilder Bäume, und trank nur Wasser. So brachte er gegen dreinndzwanzig Jahre in Aethiopien zu, bis er nach dem Tode des Egippns, den er sammt der ganzen Familie zum Christenthnme bekehrt hatte, auf Befehl des Bruders desselben am Altäre, wo er eben das hochheilige Opfer des neuen Bundes feierte, getödtet wurde. Gebet. Göttlicher Herr und Heiland Jesus Christus, der du uns durch den heiligen Evangelisten Matthäus deine göttliche Lehre mündlich und schriftlich hast verkünden lassen, gib, daß wir nie eitlen Wahrsagereien, Stern-, Zeichen- und Tranmdentereien Glauben schenken, sondern nur Fr. Was ist eitle Beobachtung? Antw. Eitle Beobachtung (auch eitler Gebrauch oder eitle Acht genannt) ist es, wenn man eitle Mittel zu irgend einem Zwecke anwendet, z. B. um Krank. Hellen bei Menschen oder Vieh zu heilen, oder um ge. wisse Kenntnisse, Künste oder Wissenschaften zu erlangen. Belehrung. Die eitle Beobachtung ist sonach ein Aberglaube, vermöge dessen man sich von gewissen Dingen, von eitlen Mitteln Wirkungen verspricht, wozu kein vernünftiger Grund berechtiget, da sie weder von Gott, noch von der Kirche, noch von der Natur dazu bestimmt sind. Diese Sünde wird häufig begangen: 1) bei Krankenheilungen, wo man allerlei Worte und Gebete spricht, wo man mit dem Rücken auf Etwas hingewcudet, bei einer bestimmten Anzahl gelber Kerzen, mit verschlossenen Augen sich mit der linken UKW deinem heiligen und untrüglichen Worte, das allein Leben und Wahrheit enthält und zum ewigen Leben führt. Amen. Zlvelhttttdertsüusundsechzigstes LeseM. Am Feierabende des 22. September. Non der eitlen Beobachtung und von der Zauberei. Fr. Wodurch zeigt sich der Aberglaube noch ferner sehr häufig im Leben? Antw. Durch die sogenannte eitle Beobachtung und durch Zauberei. Mehler, Hausbuch. Hand bekreuzt, oder allerlei Quacksalbereien gebraucht u. s. s. und von solch abergläubischen, eitlen Dingen die Gesundheit hofft. Durch eitle Acht versündigt man sich auch, 2) wenn man gewisse Gebete, Speisen oder Getränke gebraucht, um eine gewisse Kenntniß, Kunst oder Wissenschaft ohne alle Bemühung zu erlangen. Zu dieser Art Aberglauben verleitete die Schlange unsere Stammeltern, da sie ihnen vorspiegelte, sie würden Gott gleich werden, wenn sie von der verbotenen Frucht genießen würden. — Die Größe dieser Sünde ist daraus ersichtlich, weil Derjenige, welcher nach eill r Beobachtung eines Zufalles seine Handlungen einrichtet, sein Vertrauen nicht auf 78 618 Viertes Hanptstiick. Von der eitlen Gott, sondern auf eitle Dinge setzt, wie die Galater gethan, die sich zu den schwachen und dürftigen Elementen wendeten, anstatt zu Gott. (Gal. 4, 9.) Beispiel und Anwendung. Die Thorheit dieser Sünde wirst du, mein christlicher Leser! aus nachfolgender Erzählung erkennen. Eine alte Frau, die voll Aberglauben steckte, ersuchte einmal einen Studirenden, ihr einen Zettel abzuschreiben, der den Krassesten Unsinn enthielt, und dessen Gebrauch gegen Augenleiden helfen sollte. Der Studirende, das Unsinnige und Abergläubische in der ganzen Geschichte erkennend, schrieb allerdings einen Zettel, aber westen Inhalts? „vmbolus tibi ooulos oruat et toramina limo replest!^ Und was heißt das zu Deutsch? Höre und staune: „Der Teufel reiße dir die Augen aus und fülle deine Augenhöhlen mit Koth!" Unbekannt mit dem Inhalte, nahm die alte Frau den Zettel und trug ihn voll Verehrung am Halse. Und wirklich verlor sich in wenigen Tagen das Augenleiden. Wie erstaunte sie, als ihr der Student die Worte verdeutschte?! — Wer muß nicht den Unsinn dieses Aberglaubens erkennen und verabscheuen! Es mag tausendmal der Fall sein, daß Leute, die solche eitle Mittel anwenden, wieder gesund werden; allein haben sie es den einfältigen Zetteln undFicbersäckelchen zuzuschreiben? Gewiß nicht, ebensowenig, als die oben erwähnte Frau ihre Heilung dem allerdings sehr boshaft geschriebenen Wunderzettel zuschreibcn konnte. Die Hilfe kommt stets nur von Oben. Nimm daher, mein Christ! in Krankheiten nie deine Zuflucht zu solch abergläubischen Dingen oder zu Quacksalbern und Wunderdoctoren, sondern vor Allem zu Gott, dem Helfer in aller Noch, und dann zu einem vernünftigen Arzte. Nicht umsonst sagt die heilige Schrift (Sir. 38, 1—4.): „Ehre den Arzt um der Noch willen; denn der Allerhöchste hat ihn erschaffen. Alle Arznei ist ja von Gott. . ." Fr. Was ist Zauberei? Antw. Zauberei ist ein Aberglaube, vermöge dessen man durch Anrufung und Hilfe des Teufels oder durch Geisterbeschwörung Schätze finden, oder andere wunderbare Dinge auswirken will, oder auch dem Menschen, dem Viehe u. s. f. Schaden zufügt. Belehrung und Beispiele. Bei der Zauberei wird der Satan entweder ausdrücklich oder heimlich angerufen; man gebraucht nämlich dabei solche Mittel, die weder von der Natur, noch von Gott, noch von der Kirche die Kraft haben, Solches zu wirken. Diese Sünde der Zauberei ist jene Sünde, durch die sich besonders der Antichrist bemerkbar machen wird, „dessen Ankunft geschehen wird unter Satans Wirkung mit allerlei (täuschender) Kraft, mit Zeichen und falschen Wundern, und mit allerlei Verführung zur Bosheit für Die, welche verloren gehen." (2. Thest. 2, 9—10.) Gott Beobachtung und von der Zauberei. selbst verbietet mit allem Nachdrucke diese Sünde, indem er sagt: „Wer sich zu den Zauberern wendet und sich mit ihnen verunreiniget, den will ich in meinem Zorne anschauen und mitten aus seinem Volke vertilgen." (3. Mos. 20,10.) Jndeß muß man sich wohl hüten, die sogenannten Taschenspieler und Gaukler für Zauberer zu halten; diesen stehen gewisse natürliche Kunstgriffe zu Gebote, die sie durch beständige Uebung und durch Geschwindigkeit auf eine überraschende, un- erklärbare Weise zu handhaben wissen. Geschwindigkeit aber ist keine Hexerei. Ebenso irrig wäre es, wenn man Männer, die durch eifriges Studium der Natur und ihrer Gesetze (sieh das vorausgehende Bild!) Dinge herausbringen und vor der Welt zeigen, die an's Unerklärbare und Fabelhafte gränzen, der Zauberei beschuldigen wollte. — Auch sind gemeine Leute gar gerne geneigt, in jeder etwas wunderbaren Erscheinung sogleich eine Hexerei zu erblicken, z. B. wenn die Kühe blaue oder rothe Milch geben. Und doch rührt dieß oft von den natürlichsten Dingen her. Die Kühe geben aus ganz natürlichen Ursachen eine blaue Milch, wenn sie nämlich auf Weiden getrieben werden, wo Schwämme wachsen, oder wo es viele junge Tannensprossen gibt; rothe Milch hingegen, wenn sie gewisse Kräuter, z. B. Leberkraut, Küchenschelle oder die safranartige Rebendolde fressen. Da ist also von einer Hexerei keine Rede. — Daß es jedoch an bösen Menschen nicht fehlt, die bei Schatzgräbereien und Krankheiten sich die Dummheit Anderer zu Nutzen machen und als Zauberer auftreten, das lehrt uns die Geschichte. Wie thöricht ist es, solchen gewissenlosen Menschen Glauben zu schenken, die Nichts wissen und können, als nur betrügen und sich bereichern vom Gelde Derer, die sich betrügen lassen! Aber auch höchst verderblich ist es, sich der Zauberer irgendwie zu bedienen. Wir sehen dieß an König Saul, der die Zauberin zu Endor veranlaßte, den Propheten Samuel durch Zaubermittel aus dem Reiche der Todten heraufzurufen, um dem Könige den Ausgang der Schlacht vorauszusagen. Und was war die Folge? Saul wurde besiegt, und er ermordete sich mit seinem eigenen Schwerte. Legende: Der heilige Bischof und Märtyrer Emmeram (s- 652). Dieser Heilige, dessen Fest am heutigen Tage besonders in der Diöcese Regensburg gefeiert wird, erkannte gar wohl das Verderben des Un- und Aberglaubens; daher faßte er den Entschluß, die Hunnen im christlichen Glauben zu unterrichten und sie so ans den Fesseln des Un- und Aberglaubens zu befreien. Als er aber auf seiner Reise von Aquitanien aus, wo er geboren Am Feierabende des 23. September. 619 Zweihundertsechsundsechzigstes Lesestück. Am Feierabende des 23, September. und wegen seiner Kenntnisse und Heiligkeit bereits zur bischöflichen Würde erhoben war, nach Bayern kam, ersuchte ihn derHerzogTheo- do I., nach Regensburg zu kommen, wo er auch drei Jahre hindurch die im wahren Glauben bereits unterrichteten Bayern noch mehr im Christen- thume bestärkte. Hierauf wollte er nach Rom reisen, um sich über kirchliche Angelegenheiten mit dem apostolischen Stuhle zu be- rathen und die Gräber der Apostel und Märtyrer zu besuchen. Allein er kam nur bis in die Gegend von Helfendorf bei München. Uta, des Herzogs Tochter, ward von Siegbald, einem jungen Edelmanne, entehrt. Da man die Schuld auf den Heiligen warf, so eilte ihm Uta's Bruder, von Wuth entflammt, nach, und ließ ihn von gedungenen Meuchlern ergreifen, an die Sprossen einer Leiter binden und ihn auf die grausamste Weise ermorden — am 22. September 652. Den Leichnam des unschuldig Ermordeten brachte man zuerst nach Aschheim und bald darauf nach Regensburg, wo der Herzog das herrliche Kloster St. Emmeram erbauen ließ. Gebet. O Gott, der du durch den heiligen Bischof Emmeram in unserm lieben Vaterlande das Licht des Glaubens verbreiten ließest, verleihe uns auf die Fürbitte dieses Heiligen, daß wir nicht mehr in den Finsternissen des Aberglaubens, sondern im Lichte des wahren Glaubens wandeln, und dadurch zu deiner ewigen Anschauung gelangen mögen durch Christum, unfern Herrn. Amen. Vom Gottesraub (Sakrilegium) und vom geistlichen Wucher (Simonie). Fr. Wodurch versündigt man sich endlich noch überaus schwer gegen das erste Gebot Gottes? Antw. 1) Durch Gottesraub, und 2) durch geistlichen Wucher. Fr. Was versieht man unter Gottesraub oder Sakrilegium? Antw. Eine Verunehrung Gott geheiligter Sachen, Personen oder Orte, z. B. wenn man ein heiliges Sakrament unwürdig empfängt, einen Geistlichen mißhandelt, Kirchen oder heilige Gefäße entheiligt u. s. s. Belehrung. Das Sakrilegium kann nach dieser Erklärung verübt werden 1) an einer heiligen oder Gott geweihten Sache, und zwar vor Allem an den heiligen Sakramenten, wenn man sie ungiltig oder unwürdig ausspendet und empfängt, oder auch, wenn man ohne Noth- wendigkeit und Erlaubniß daS heilige Altarssakrament berührt. Man kann ein Sakrilegium begehen an der heiligen Schrift, wenn man sie zu unehrbaren Scherzen mißbraucht, — an heiligen Gefäßen, Meßgewändern, Altären, Bildern Christi und der Heiligen, an Reliquien und andern geweihten Dingen, — nicht minder, wenn man kirchliche Geräthschaften, Güter und anderes Eigenthum der Kirche hinwegnimmt. Wer eine dieser Sünden begeht, stürzt sich selbst in's Verderben; denn so steht geschrieben: „Wer Gott geheiligte Dinge verschlingt, der bereitet sich selbst den Untergang." — Gottesraub wird 2) auch an Gott geweihten Personen begangen, wenn man z. B. einen Geistlichen schlägt, anspuckt, beschimpft, gegen ihn ungerechte Prozesse, Klagen und Verfolgungen erregt. Gott selbst hat ja gesprochen: „Rühret meine Gesalbten nicht an!" (1. Chron. 16, 22.) Sünden gegen die Reinigkeit mit einer gottgeweihten Person tragen ganz besonders den Charakter eines Sakrilegiums an sich. — Endlich 3) kann man den Gottesraub auch an einem geheiligten Orte begehen — durch Entweihung einer Kirche, Capelle, eines Altars, Gottesackers; dieß geschieht durch Einbruch, Beraubung, Anzündung, Unzucht, Aufruhr, Vergießung menschlichen Blutes, — durch Begräbniß eines Ungetauften oder Excommunicirten, durch Handelschaft u. s. f.; denn „Heiligkeit geziemt dem Hause Gottes." (Ps. 92, 5.) 78 * / / Viertes Hauptstück. Vom Gottesraub (Sakrilegium) und vom geistlichen Wucher (Simonie). > schändete. Der König Joas ward mit dem Aus- ^ satze bestraft, weil er Gottes Heiligthum freventlich betrat. — Wenn nun Gott die Entheiligung im alten Bunde so fürchterlich bestrafte, wird nicht ein um so schrecklicheres Strafgericht die Gottesschänder im neuen Bunde treffen, je heiliger die Gegenstände im neuen vor dem alten Bunde sind? „Wer den Tempel Gottes entheiliget, Den wird Gott vertilgen," sagt mit Recht der heilige Paulus. (1. Cor. 3, 17.) — Ward nicht der sonst so sanftmüthige und geduldige Heiland von heiligem Eifer und Zorne ergriffen, als er die Tempelschändcr, die Käufer und Verkäufer im Tempel zu Jerusalem erblickte? Er nahm Peitschen und trieb sie hinaus mit dem ernsten, derben Verweise: „DaS Haus meines Vaters ist ein Bethaus; ihr aber habet eine Räuberhöhle daraus gemacht!" O! wie vielen Christen, die im Tempel Gottes Muthwillen treiben, gilt eben diese Mahnung des Herrn! Fr. WaS ist Simonie odergeistlicher Wucher? Alltw. Simonie oder geistlicher Wucher ist eö, wenn man geistliche Sachen, Aemter u. dgl. um Geld oder Geldeswerth kauft oder verkauft. Belehrung und Beispiel. Man kann die Sünde der Simonie auf allerlei Weise begehen, z. B. wenn man heilige Reliquien verkauft oder kauft, wenn man seinem Beichtvater Geschenke bringt, in der Absicht, die Lossprechung leichter zu erhalten, und wenn dieser sie in solcher Absicht annimmt; wenn man Denjenigen, der eine geistliche Stelle zu vergeben, oder bei deren Vergebung, sei es auch nur durch Empfehlung, irgend einen Einfluß hat, durch Geschenke für sich gewinnt und dieser dieselben in gleicher Absicht annimmt. — Diese Sünde ist unter den schwersten Strafen, sogar unter dem Bannflüche, von der Kirche verboten. Sie führt ihren Namen von Simon dem Zauberer, von dem in der Apostelgeschichte Folgendes erzählt wird: Als dieser gottlose Zauberer sah, daß durch Auflegung der Hände der Apostel der heilige Geist verliehen werde, bot er ihnen Geld an und sprach: „Gebet auch mir diese Gewalt, daß Jeder, dem ich die Hände auflege, den heiligen Geist empfange!" Petrus aber sprach zu ihm: „Dein Geld sei mit dir zum Verderben, weil du meintest, die Gabe Gottes zu bekommen für Geld! Du hast keinen Antheil noch Erbe an dieser Lehre; denn dein Herz ist nicht aufrichtig vor Gott. Darum thue Buße Beispiele und Anwendung. Wie sehr Gott der Herr den Gottesraub verabscheue und strafe, läßt sich auS vielen schrecklichen Beispielen entnehmen. — Der Kaiser Aurelian ließ blutige und mordgierige Edikte gegen die Christen und besonders gegen die Priester und Bischöfe der Kirche verkünden. Als er nun einst ein solches Edikt Unterzeichnete, schlug der Blitz neben seinen Füssen ein, so daß er die Feder aus der Hand fallen ließ, — eine offenbare Strafe dafür, daß er die Gesalbten des Herrn so grausam verfolgte. (Sieh das obige Bild!) — Seleukus, König von Syrien, sandte seinen Schatzmeister Heliodor us nach Jerusalem, um die reichen Tempelschätze zu holen. Als er mit diesem Tempelraube beschäftigt war, ereilte ihn die Strafe Gottes. Er siel sprachlos zu Boden und lag da, aller Hoffnung auf Genesung beraubt. (2. Mach. 3.) — Fünfzig- tausend Bcthsamiter kamen um, weil sie frevelhafte Blicke auf das Heiligthum warfen. Auf die Söhne Aarons ließ Gott Feuer fallen, weil sie unheiliges Feuer auf den Altar legten. Oza fiel todt nieder, weil er der Arche des Herrn die Ehrfurcht nicht erwies, die das Gesetz verschrieb. Manasses ward seines Reiches beraubt, als Gefangener nach Babel geschleppt, weil er Gottes Heiligthum durch Götzendienst Am Feierabende des 24. September. 62 l über diese deine Bosheit, nnd bitte Gott, daß dir etwa dieser Anschlag deines Herzens vergeben werde! Denn ich sehe dich voll bitterer Galle, und von (den Banden) der Ungerechtigkeit umstrickt." (Apostelgesch. 8, 18—24.) — Mit Recht sagt der heilige Petrus Damiauus: „Simon verlor den heiligen Geist, während er Ihn kaufen wollte." — Das jedoch wäre keine Simonie, wenn man Jemanden ein Almosen geben würde, um für uns zu beten; wenn nur das Almosen nicht als Preis des Gebetes rc. angesehen wird. Ebenso ist es auch nicht Simonie, die üblichen Stolgebühren und Meß- stipendien zu geben und anzunehmen; denn sie werden nicht als Preis für die geistlichen Verrichtungen gegeben, sondern zum Unterhalte der Priester und Geistlichen, dem Ausspruche des heiligen Paulus (l. Cor. 9, 13.) gemäß: „Wisset ihr nicht, daß Die, welche im Heiligthume beschäftigt sind, vom Heiligthume auch esseu, uud daß Die, welche dem Altäre dienen, vom Altäre ihren Theil empfangen?" Endlich ist es durchaus keine Simonie, wenn man geistliche Suchen gegen andere geistliche Sachen vertauscht, z. B. Reliquien gegen Reliquien, oder wenn man geweihte Gegenstände, natürlich zu frommem Gebrauche, verkauft und zwar um den Preis, den die Gegenstände an und für sich selbst haben, ohne denselben in Ansehung der Weihe zu erhöhen u. s. w. Legende: Die heilige Jungfrau und Märtyrin Thekla Hst im 1. Jahrhdt.). Heute feiert die Kirche das Fest der heiligen Jungfrau und Märtyrin Thekla, welche die Tochter angesehener, aber heidnischer Eltern zu Jkoninin in Lykaonien war, und neben ausgezeichneter Geistesgabe eine ungemeine Körpersschönheit besaß. Sie war daher bereits an einen reichen Jüngling, Tamyrns mit Namen, verlobt, als der heilige Paulus i. I. 45 in ihrer Vaterstadt das Evangelium predigte. Gar bald fand nun Thekla Gelegenheit, sich mit dem heiligen Paulus zu unterreden, empfing von ihm die heilige Taufe und gelobte jetzt aus Liebe zu Jesus Christus ewige Jungfrauschaft. Als hierauf ihr Bräutigam auf die eheliche Verbindung drang, antwortete sie mit heiligem Mnthe: „Ich bin mit Gott vermählt, nnd es wäre also ein Gottesraub, ein Sakrilegium, wenn ich meinen göttlichen Bräutigam treulos verlassen und einem irdischen mein Herz unv meine Liebe schenken würde." Hierüber erbittert, stellte Tamyrns bei dem Statthalter Klage, daß seine Braut den Dienst der Götter verlassen uud das Christenthum angenommen habe. Da die Heilige weder durch Schmeicheleien noch Drohungen zum Abfalle zu bewegen war, so befahl der Richter, sie den Löwen vorzuwerfen; allein diese legten sich wie sanfte Lämmer zu ihren Füßen nieder. Hierauf zum Fenertode verurtheilt, blieb die heilige Thekla auch in den Flammen unverletzt. Ebenso blieb sie unversehrt von Schlangen und Ungeziefer in einer Grube, in die man sie geworfen, so daß das Volk ausrief: „Groß und anbetungswürdig ist der Gott der Thekla!" Als sie nun frei gelassen war, begleitete sie den heiligen Apostel Paulus auf seinen apostolischen Reisen, zog sich später in die Einsamkeit zurück, und erreichte unter Ausübung der erhabensten Tugenden ein hohes Alter. — Sie war eine Zierde der apostolischen Zeiten und wird auch Erzmartyrin genannt, weil sie unter dem weiblichen Geschlechts als die Erste um des Glaubens willen starb. Gebet. Erflehe uns, o heilige Jungfrau und Märtyrin Thekla! bei Gott die Gnade, daß wir ihm unser Herz und unsere Liebe schenken und einst wie du ewig selig werden in der Vereinigung mit dem himmlischen Bräutigam Jesus Christus, der da lebt nnd regirt in Ewigkeit. Amen. _ ZweihundertsicbemmdsechzigsteS Lesestülk. Am Feierabende des 24. September. Von der Verehrung der Heiligen. Fr. Versündigen wir uns nicht gegen das erste Gebot Gottes durch die Verehrung, die wir den Heiligen erweisen? Antw. Nein; denn wir beten die Heiligen nicht an, sondern verehren sie nur. 622 Viertes Hauptstück. Von der Verehrung der Heiligen. Belehrung. Wir erweisen den Heiligen keine göttliche Verehrung, sondern ehren und Preisen vielmehr in den Heiligen Gott den Herrn selbst, der sich in ihnen so mächtig und gnadenreich erwiesen hat; „wir bewundern und ehren in den Heiligen," wie St. Augustin sagt, „die Wunder der Hand des Höchsten, die Gabe der Gnade und den Erguß seiner Herrlichkeit;" wir bekennen, daß Gott Großes an ihnen und durch sie gcthan habe (Luk. 1, 49.), und „loben daher Gott in seinen Heiligen." (Ps. 150, 1.) — Die Verehrung der Heiligen trägt also zur Verherrlichung Gottes selbst bei. Höre ein Gleichniß! Ein Fürst will als Fürst geehrt sein: aber er fühlt sich nicht beleidigt, wenn er seinetwegen seine Hofleute und Untergebenen geehrt sieht; ja, er würde sich vielmehr beleidigt fühlen, wenn er sie nicht geehrt sehen würde. Es folgt daraus, daß es dem ersten Gebote Gottes nicht entgegen sei, wenn man die Heiligen ehrt, daß vielmehr Gott dadurch geehrt werde; daß man Jesus Christus kein Leid zufüge, sondern seine Herrlichkeit vergrößere, weil alle Gnaden, die der göttliche Vater dem Menschengeschlechte auf die Fürbitte der Heiligen ertheilt, durch die Verdienste dieses seines göttlichen Sohnes ausgespendet werden. Fr. Was ist also für ein Unterschied zwischen der Verehrung Gottes und der Heiligen? Antw. 1) Gott allein ehren und beten wir an als unfern höchsten Herrn; die Heiligen aber ehren wir nur als seine getreuen Diener und Freunde; 2) Gott ehren wir wegen seiner selbst; die Heiligen aber wegen der Gaben und Vorzüge, welche sie von Gott haben. Belehrung. Es besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen der Ehre, die wir Gott, und jener, die wir den Heiligen erweisen: 1) Gott beten wir an, d. h. wir ehren ihn als Gott, als unfern höchsten Herrn, Schöpfer und Erlöser, als den Urheber alles Guten; die Heiligen aber ehren wir nur als seine getreuen Diener und Freunde. „Wir verehren die Heiligen," schreibt der heilige Johannes Damascenus, „weil der König sie ehrt, weil er sie liebt; aber wir verehren sie nicht wie den König selbst, sondern als seine gehorsamen Diener und geliebten Freunde, die für uns bei ihm bitten." 2) Gott ehren wir wegen seiner selbst oder wegen seiner unendlichen Vollkommenheiten; die Heiligen aber wegen Gott, wegen der Gaben und Vorzüge, die sie von Gott erhalten haben. Ganz schön schreibt in dieser Beziehung der heilige Bernhard: „Wer wird glauben, daß die kalte Wand den Sonnenstrahl erzeuge? Sie empfing ihn ja zum Fenster herein .... Wenn ich an den Heiligen Dinge erblicke, die des Preises und der Bewunderung würdig sind, und wenn ich diese an dem Hellen Lichte der Wahrheit prüfe, so finde ich, daß hier ein Anderer als prciswürdig und wunderbar erscheine, und der ist -— Gott, und diesen erhebe ich in seinen Heiligen. Ein künstliches Gemälde gereicht nicht dem Pinsel, und eine schöne Schrift nicht der Feder, und eine gute Rede nicht der Zunge oder den Lippen zum Ruhme." — Aus Allen diesen geht klar hervor, daß wir die Heiligen nicht anbeten; und wenn wir auch bei ihrer Verehrung niederknieen, so ist dieß doch kein Zeichen von Anbetung; oder betet denn ein Knecht seinen Herrn an, wenn er ihn fußfällig um eine Gnade bittet? Ebenso wenig ist es ein Zeichen der Anbetung, wenn wir zu Ehren der Heiligen Kirchen und Altäre erbauen oder das heilige Meßopfer darbringen; denn wir weihen nur Gott Kirchen und Altäre und bringen nur Gott das heilige Meßopfer dar, jedoch ehren wir dabei das Andenken der Heiligen und rufen sie um ihre Fürbitte an. Beispiele und Anwendung. Von jeher wurden in der Kirche die Heiligen verehrt, nie aber angebetet. Die Heiligen selbst wiesen mit allem Nachdrucke jede Anbetung von sich zurück. Man wollte dem heiligen Paulus und Am Feierabende des 24. September. K23 Barnabas zu Likaon als Göttern opfern; da aber widersetzten sie sich, zerrissen ihre Kleider und sagten: „Wir sind keine Götter!" — Eben so ließ sich auch jener Engel, von dem in der geheimen Offenbarung des heiligen Johannes ( 19 , 10 .) die Rede ist, nicht anbeten, sondern sprach: „Thue dich nicht; ich bin dein und deiner Brüder Mitknecht. Gott bete an!" — So wies auch die Kirche überall und immer jegliche Anbetung der Heiligen zurück, bestand aber stets auf ihrer Verehrung. Ganz im Geiste der Kirche handelte daher der heilige Hieronymus. Als nämlich im vierten Jahrhundert der Jrrlehrer Vigilant ins mit erboßter Wuth gegen die Heiligenverehrung eiferte, indem dieselbe 1) der Anbetung Gottesentgegensei, und 2) Gottes Ehre schmälere; so trat dieser heilige Kirchenvater als sein Gegner auf und gab ihm folgende kräftige und entscheidende Antwort: „O unsinniger Köpf! Wer hat je die Märtyrer angebetet? Wer hat je einen Menschen für Gott gehalten? Wir loben Gott in seinen Heiligen und die Heiligen in Gott, (sieh das vorausgehende Bild!) sowie wir Gott in dem Nächsten und den Nächsten in Gott lieben. So wenig nun die Gott schuldige Liebe dadurch vermindert wird, daß wir unsere Mitmenschen als Kinder Gottes wegen Gott lieben, eben so wenig wird der Ehre Gottes dadurch Etwas entzogen, daß wir die Heiligen als Freunde Gottes wegen Gott verehren; sondern sie wird im Gegentheile eben so durch die Verehrung der Heiligen vergrößert, wie die Liebe gegen Gott in dem Maße zunimmt, als wir den Nächsten lieben. Wem wird wohl einfallen, zu sagen: daß die Ehre, so man einem Fürsten schuldig ist, vermindert werde, wenn man nebst ihm seine Mutter, Kinder, Freunde und treuen Diener verehrt? Wird im Gegentheile seine Ehre nicht vermehrt, indem sie ja nur seinetwegen verehrt werden; so wie dagegen die Beschimpfung, die man diesen zufügt, auf den Fürsten selbst zurückfällt? Deßwegen, sagt Christus: „Wer euch verachtet, Der verachtet mich." (Luk. 10 , 16 .) „Was ihr aber einem aus den geringsten meiner Brüder gethan habt, das habt ihr mir gethan." (Matth. 25, 40 .) — Aus all Diesem erstehst du nun, mein christlicher Leser! daß wir in der katholischen Kirche die Heiligen nicht anbeten, sondern nur verehren, daß dadurch Gottes Ehre nicht geschmälert, sondern noch mehr vergrößert werde, und daß ebendeßhalb die Verehrung der Heiligen Gott dem Herrn ganz angenehm und sonach auch ganz vernünftig, für uns aber äußerst nützlich sei, indem wir durch die wahre Verehrung der Heiligen auch zur treuen Nachahmung ihrer erhabenen Tugenden angespornt werden, wie du aus den nachfolgenden Lesestücken ersehen wirst. Legende: Der heilige Bischof und Märtyrer Gerhard in Ungarn (f 1046). Wer sollte aber auch die Heiligen Gottes nicht verehren, wenn er bedenkt, wie viel Gutes sie gewirkt, wie viel sie um des Glaubens willen gelitten haben? Verehren wir ja auch jene Männer, die für unser Vaterland segenreich wirken oder für dasselbe Blut und Leben opfern; warum sollen wir nicht ein Gleiches den Heiligen Gottes gegenüber thun, die soviel Segen verbreiteten und nicht selten Gut und Blut für unfern heiligen Glauben hinopferten? Unter der Zahl dieser Glaubens- Helden, die unsere volle Verehrung verdienen, steht auch der heilige Bischof und Märtyrer Gerhard, dessen Andenken heute in der Kirche gefeiert wird. Aus dem edlen Geschlechte Sagredor zu Venedig geboren, wurde er von seinen Eltern in aller Gottesfurcht erzogen und wuchs alsbald zu einem Muster christlicher Tugend und Vollkommenheit heran, so daß er vom heiligen Stephan, König in Ungarn, zur bischöflichen Würde befördert wurde. Nun arbeitete er mit allem Eifer dahin, durch Wort und Beispiel die Finsternisse des Heidenthnms zu zerstreuen und besonders die Verehrung der seligsten Jungfrau in Ungarn zu verbreiten. Mit Unwillen betrachteten viele Gottlose diesen frommen Eifer des heiligen Gerhard und die günstigen Erfolge desselben; daher haßten und verfolgten sie ihn und ruhten nicht eher, als bis sie ihn aus dem Wege räumten. Von einer Lanze durchbohrt, gab der heilige Blutzeuge seinen Geist auf i. I. 1046. Gebet. Dich allein, o Gott! beten wir an und loben dich in deinen Heiligen, an denen du ebenso, wie an dem heiligen Bischof und Märtyrer Gerhard, Großes gethan hast; laß auch uns die Macht deiner göttlichen Gnade erfahren, auf daß wir nach Heiligkeit streben und mit allen Heiligen selig werden, durch Christum unfern Herrn. Amen. <»24 Viertes Hauptstück. Von Zweihmldertachtlmdsechzlgsteö LesesM. Am Feierabende des 25. September. Von der Anrufung der Heiligen. Fr. Was ist mit ^er Verehrung der Heiligen uoth- wendiger Weise verbunden? Antw. Die Anrufung derselben. Belehrung. Es ist Lehre der heiligen katholischen Kirche, daß es recht und heilsam sei, die Heiligen zu verehren und sie anzurufen, d. h. zur Erlangung der Wohlthatcn von Gott —- durch seinen Sohn Jesus Christus — zu ihrer Hilfe und Fürbitte seine Zuflucht zu nehmen. (6onoil. Iricl. 8vS8. 25.) Was kann aber auch vernünftiger sein, als dieses? Denn wenn es erlaubt und nützlich ist, daß wir die Hilfe noch lebender frommer Personen ansprechen und sie bitten, daß sie uns mit ihrem Gebete beistehen, wie der Prophet Baruch (1, 13.) dicß that, da er sprach: „Betet auch für uns selbst zu dem Herrn, unserm Gott;" und der heilige Paulus, welcher an die Thessaloniker schrieb: „Brüder! bittet für uns!" (1. Thess. 3,1.); ja, wenn Gott selbst wollte, daß die Freunde des Job sich in sein Gebet empfehlen sollten, damit der der Anrufung der Heiligen. Herr, um seiner Verdienste willen, ihnen gnädig sei: „Gehet hin zu meinem Knechte Job! Job, mein Knecht soll für euch bitten, so will ich auf ihn Rücksicht nehmen;" kurz, wenn es erlaubt ist, sich den Lebenden anzuempfehlen, warum sollte cs alsdann nicht noch vielmehr erlaubt sein, die Heiligen im Himmel anzurufen, die daselbst Gott weit näher stehen? — Die Anrufung der Heiligen ist sonach durchaus kein Aberglaube, sondern vielmehr ein sehr empfehlenswerthcs und nützliches Mittel, um uns von Gott gar manche Gnaden zu erwirken, die wir auf andere Weise nicht erlangen würden; denn die Heiligen Gottes sind es, die unsere Bitten und Gesuche Gott dem Herrn gleichsam einhändigen. (Sieh das vorausgehende Bild!) Alle frommen Katholiken haben daher auch mit Eifer nach diesem Mittel gegriffen und niit Demnth und Vertrauen von jeher die Heiligen Gottes um ihre vielvermögende Fürsprache bei Gott angerufen. Fr. Was ist für ein Unterschied zwischen dem Gebete, das wir zu Gott, und jenem, das wir zu den Heiligen verrichten? Antw. Zu Gott beten wir. damit er uns helfe durch seine Allmacht; zu den Heiligen aber, damit sie uns helfen durch ihre Fürbitte. Belehrung. Wie ein wesentlicher Unterschied ist zwischen der Ehre, die wir Gott, und jener, die wir den ; Heiligen erweisen; ebenso ist es auch der Fall bei dem Gebete, das wir zu Gott, und bei jenem, das wir zu den Heiligen verrichten. Zu Gott beten wir, damit er uns helfe durch seine Allmacht; zu den Heiligen aber, damit sic uns helfen durch ihre Fürbitte bei Gott. — Dieser Unterschied tritt bei allen unfern Gebeten deutlich hervor. Wenn es z. B. in der. Litanei von allen Heiligen heißt: „Gott Vater im Himmel, Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist; heilige Dreifaltigkeit ein einiger Gott!" Da sagen wir jedes Mal: „Erbarme dich unser!" Sobald aber Heilige genannt werden, z. B. heilige Maria, heiliger ^ Michael, heiliger Petrus, da sagen wir nur: „ Bitt für uns!" oder wenn mehrere genannt werden: „Bittet für uns!" Wir wenden uns zuerst zu Gott, und dann erst zu den Heiligen; und von den Heiligen kommen wir wieder zu Gott zurück: „Sei uns gnädig, o du Lamm Gottes." Sehet den Unterschied unserer Verehrung! Fr. Können die Heiligen durch ihre Fürbitte aber auch Etwas bei Gott answirken? Am Feierabende des 25. September. 625 Antw. Ganz gewiß; denn wenn das beharrliche Gebet des Gerechten, wie der heilige Apostel Jak ob ns schreibt (5, 16.), schon auf Erden sehr viel vermag; um wieviel vermögender muß nicht die Fürbitte der Heiligen im Himmel sein? Belehrung. Wunderschön erklärt uns dies; der heilige Hieronymus, indem er schreibt: „Wenn die Apostel und Märtyrer, da sie noch in ihrem Leibe wandelten und für sich selbst noch bekümmert sein mußten, für die Anderen beteten, um so mehr jetzt, nachdem sie die Krone des Sieges und Triumphes schon empfangen haben. Der einzige Moses erbat Verzeihung für sechshunderttausend Streiter, und Stephanus, der Nachfolger seines Herrn und der erste Blutzeuge Christi, erbat Verzeihung für seine Verfolger, und jetzt, da sie bei Christus sind, werden sie da weniger vermögen? Der heilige Paulus hat zweihundertsechsundsiebzig Seelen durch sein Gebet vom Schiffbruche gerettet, und bei Christo sollte er für Die, die in der ganzen Welt in der Gefahr des Schiffbruches stehen, nicht den Mund öffnen, da doch der Prophet Jeremias auch nach dem Tode nicht aufhörte, für sein Volk zu beten?" Beispiel und Anwendung. Gar viele, ganz glaubwürdige Beispiele aus der Geschichte bezeugen es uns, daß die Heiligen im Himmel für uns bitten, und daß ihre Fürbitte sehr viel bei Gott vermöge. Ich will dir, mein christlicher Leser! von den vielen Tausenden nur Eines erzählen. — Als sich der Kaiser Thevdosius der Große zum Kriege gegen den Tyrannen Maximus rüstete, sah man ihn oft im härenen Kleide der Büßenden vor den Gräbern der heiligen Märtyrer liegen, diese vollendeten Knechte Gottes um ihre Fürbitte ansprechend bei dem lebendigen Gotte, der Himmel und Erde gemacht hat, in dessen Namen unser Heil ist. Der Erfolg ihrer Fürsprache war, daß Thevdosius die weit zahlreicheren Truppen des Maxi- mus in zwei Schlachten besiegte und in Aguileja den Thronräuber selbst gefangen nahm. — So vielvermögend ist die Fürbitte der Heiligen Gottes. Wie nun aber Thevdosius durch diese ihre mächtige Fürbitte seinen Feind besiegte, so werden gewiß auch wir die Feinde unsers Heils besiegen, wenn wir die Heiligen um ihre Fürbitte anrnfen; denn sie vermögen Viel bei Gott. Fr. Wissen aber denn die Heiligen, um was wir sie anrnfen? Sie sind ja nicht allwissend. Antw. Sie sehen und wissen alles Das in Gott, wie in einem Spiegel. Belehrung. Es ist nicht nothwendig, daß die Heiligen Gottes allwissend seien; denn sie brauchen nicht Alles Mehl«, Hausbuch. zu wissen, sondern nur Das, was ans ihre Person Bezug hat, — und dieß wissen und sehen sie in Gott. Schon David sagt: „Herr! in deinem Lichte werden wir Licht sehen;" und der heilige Thomas ruft aus: „Was sollen Die nicht sehen, die Den sehen, der Alles sicht?" In gleichem Geiste schreibt der heilige Petrus Damiani: „In der Weisheit, mit der sie vereinigt sind, wissen sie Alles, und in dem Allmächtigen, zu dem sie ausgenommen sind, vermögen sie Alles. Es fehlt ihnen weder an Wissen, noch an Macht, wenn wir sie anrnfen. Darum wenden wir zu ihnen, zu ihrer himmlischen Liebe unsre hoffenden Blicke." — lieber- dieß müssen wir uns die Heiligen Gottes im Zustande der Verherrlichung ganz anders, d. h. weit vollkommener denken, als im Zustande ihrer irdischen Wanderschaft. Manche Heilige, z. B. die Propheten des A. B., der heilige Johannes in seiner geheimen Offenbarung, der heilige Ansclmus, der heilige Benedikt, der heilige Franz Xaver und viele Andere waren selbst im Fleische schon mit einer wunderbaren Gabe des Sehens und Wissens ausgerüstet; um wie viel voll kommeuer wird diese Gabe nicht im Zustande ihrer Glorie sein? Legende: Der heilige Mauritius und die thebaiscke Legion. Ma--tvrer s-l um 286). Heute begegnet uns in der Legende eine ganze Legion von Heiligen, die für Christus starben und nun ewig im Himmel leben, um sich der Anschauung Gottes zu erfreuen und für uns, die wir noch kämpfen und streiten müssen auf Erden, ihre mächtige Fürbitte einzulegen; es ist dieß die thebaische Legion und als Anführer an ihrer Spitze der heilige Mauritius. Diese Legion 7i) 626 Viertes Hauptstück. Von der Nachahmung der Heiligen. bestand ganz aus christlichen Soldaten und wurde von Maximian aufgefordert, den Göttern zu opfern, um dadurch einen glücklichen Ausgang des Krieges zu erwirken. Allein der Anführer sowohl, als auch die ganze christliche Legion weigerten sich, ihrem Gewissen zuwider zu handeln, und so wurden sie von der Armee umrungen und vergossen ihr Blut für den Glauben um d. I. 286 . Gebet. Ihr heiligen Märtyrer, die ihr so mnthig für Christus, euer» Gott und Herrn, gelitten und gestritten habt, mächtig ist euere Fürbitte bei Gott; daher erflehet uns die Gnade, daß auch wir so mnthig streiten und leiden, wie ihr, und einst die Siegerkrone empfangen — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihunderttteummdsechzigstes Lesestück. Am Feierabende des 26 . September. Von der Nachahmung der Heiligen. Fr. Was ist die Hauptsache bei der Verehrung der Heiligen? Atttw. Dieses, daß wir ihnen in der Tugend und Heiligkeit Nachfolgen. Belehrung und Beispiele. Wer die Heiligen wahrhaft verehrt und anruft, der muß ihnen gewiß auch in der Tugend und Heiligkeit Nachfolgen; denn die Verehrung, Anrufung und Nachahmung der Heiligen sind unzertrennlich miteinander verbunden; ja, sie bedingen und befördern sich gegenseitig. Oder wie kannst du, mein Christ! die Heiligen wahrhaft verehren, wenn du nicht auf ihre schönen Tugendbeispiele hinsiehst, ihre Tugenden bewunderst, dich darüber erfreuest? Gerade um ihrer Tugenden willen lieben und verehren wir ja die Heiligen. Wenn wir also die Heiligen wahrhaft verehren, so werden wir ihre erhabenen Tugenden oft betrachten und dadurch zu ihrer Nachahmung hingezogen werden. Dadurch aber, daß wir die Heiligen anrufen, erhalten wir durch ihre Fürbitte auch zugleich Kraft von Oben, um ihnen Nachfolgen zu können. Und so werden wir also gerade durch die wahre Verehrung und Anrufung der Heiligen mächtig angespornt und unterstützt, ihrem Tugendbeispiele auch nachzufolgen. Diese Nachfolge aber ist die Hauptsache bei der Heiligenverehrung. Deßhalb schreibt der heilige Augustin: „Die Heiligen freuen sich unser nicht, wenn wir sie nur verehren, sondern wenn wir ihren Tugendbeispielen folgen. Sie bloß verehren, ohne ihnen nachzufolgen, heißt nichts Anders, als ihnen auf eine lügenhafte Weise schmeicheln." Daher war es aber auch sein eifrigstes Streben, in die Fnßstapfen der Heiligen einzutreten. Wie oft hat er sich nicht hiezu ermuntert mit den Worten: „Die Heiligen waren Menschen, wie ich; und dennoch sind sie heilig geworden. Wenn sie es konnten, warum sollte nicht auch ich cs können?" Und mit welchem Eifer suchte nicht der heilige Franz von Sales die erhabenen Tugendbeispiele der Heiligen nachzuahmen? Durch die Nachfolge der Heiligen ist er selbst ein Heiliger geworden; ebendarum ermuntert er aber auch uns in seinen herrlichen Schriften hiezu aufs Nachdrücklichste, indem er schreibt: „Betrachte oft die Beispiele der Heiligen! O, was haben sie nicht gethan um der Liebe Gottes willen, damit sie seine lieben Kinder sein möchten! Was sollen nicht auch wir thun, wenn wir die Beispiele der Heiligen uns zu Gcmüthe führen! Sie waren auch Menschen, wie wir; sie dienten eben dem Gott, dem wir dienen sollen; sie hatten eben den Weg der Tugenden vor sich, den wir haben. Warum sollten denn wir nicht eben Dasjenige thun, ein Jeder in seinem Stande und Berufe, was sie gethan haben? Betrachtet und durchgehet die verschiedenen Stände des himmlischen Jerusalems und ihr werdet finden, daß alle insgesammt in den Himmel gelangt sind durch die wahre Demuth." So sollen also 627 Am Feierabende des 26. September. auch wir uns dcmüthigm und in der Demuth den Heiligen Nachfolgen, damit wir ihnen an Heiligkeit ähnlich und einst wie sie selig werden. Siehe, mein Christ! aus diesem Grunde hat die Kirche so viele Gedächtnißtage der Heiligen angcordnct, deßhalb gibt sie uns bei der Taufe, bei der Firmung den Namen eines oder mehrer Heiligen. Sie will, daß du diesen Heiligen nachfolgest und dadurch selbst ein Heiliger werdest. O folge doch dieser mütterlichen, dieser liebevollen Absicht; siehe, eS ist ja dein eigner Nutzen! Folge den Heiligen im Leben, dann wirst du ihnen einst auch folgen dürfen nach dem Tode. Fr. Wer soll unter den Heiligen Gottes ein besonderer Gegenstand unserer Verehrung, Anrufung und Nachahmung sein? Alltiv. Die seligste Jungfrau und Mutter- Gottes Maria; denn als Mutter Gottes über- trifft sie alle Engel und Heiligen 1) an Gnade und Heiligkeit und 2) an derMacht ihrer Fürbitte; als Jungfrau aber ist sie für uns alle 3) das erhabenste Vorbild zur Nachahmung. Mit Recht heißt sie daher „dieKönigin der Heiligen." (Sieh das voransgehende Bild!) Belehrung. Vor allen Engeln und Heiligen sollen wir ganz besonders die allerseligste Jungfrau Maria verehren und anrufen; denn sie ist die Mutter Gottes; als solche übertrifft sie 1) alle Engel und Heiligen weit an Gnade und Herrlichkeit. Sowie jene Sterne, die der Sonne am Nächsten sind, am Hellsten glänzen: also glänzt auch Maria, die als Mutter zunächst am Throne ihres göttlichen Sohnes steht, unter allen Engeln und Heiligen am Meisten. Darum ruft schon der heilige Epiphanias aus: „Maria! du bist höher als Alle, Gott allein ausgenommen. Du bist schöner, als die Cherubim und Seraphim und das ganze himmlische Heer; du kannst weder von einer himmlischen noch irdischen Zunge gebührend gelobt werden." Maria ist Mutter Gottes; eben deßhalb 2) vermag aber auch ihre Fürbitte bei Gott am Meisten. Wenn das Gebet der Diener Gottes schon so Viel bei Gott vermag, was wird nicht das Gebet der Mutter Gottes vermögen? Niemand fleht vergebens Marien an. „Derjenige höre auf, deine Barmherzigkeit zu preisen," sagt der heilige Bernhard, „der dich, o seligste Jungfrau! vergebens in seinen Nöthen anrief! Durch dich ist der Himmel voll, die Hölle leer geworden." — Als Jungfrau ist aber Maria für uns Alle 3) das erhabenste Vorbild zur Nachahmung; denn es gibt keine Tugend, mit der nicht diese wahrhaft göttliche Jungfrau geziert war. Da ich dir, mein christlicher Leser! dieß Alles schon beim Ave Maria und in der lauretanischcn Litanei in Beispielen und Erklärungen deutlich genug gezeigt habe, so bitte ich dich jetzt nur noch: Verehre die göttliche Gnadenmuttcr fromm und innig, rufe sie oft mit kindlichem Vertrauen um ihre mächtige Fürbitte an; besonders aber folge ihr nach, wie ein gutes Kind der lieben Mutter folgt, und du wirst alsdann auch einst dahin gelangen, wo sie nun ewig lebt und sich erfreut — in der Gesellschaft aller Heiligen und Auserwählten. Legende: Die heilige Jungfrau und Märtyrin Justina (ch 304). Wodurch ist die heilige Justina, deren Andenken wir heute feiern, eine Heilige geworden? Antwort: Dadurch, daß sie in die Fußstapfen der Heiligen und besonders der heiligen Jungfrauen und Märtyrer eintrat, mit Einem Worte, durch die Nachahmung der Heiligen ist sie selbst heilig und selig geworden. Sie war die Tochter eines Götzenpriesters zu Antiochia in Pissidien, ausnehmend schön und wohlgebildet, allein im Heideu- thume erzogen. Da erbarmte sich Gott ihrer und schenkte ihr sein Licht und seine Gnade. Durch Prelius, den Diakon der christlichen Kirche, wurde sie zum Christen- thume bekehrt und leuchtete nun als ein Muster der Gottseligkeit und Unschuld. Da entbrannte Aglaid.es, ein vornehmer, heidnischer Jüngling, in heftiger Liebe gegen Justina und ließ ihr seine Hand anbieten. Standhaft wies Justina solche Anträge zurück; und als «28 Viertes Hauptstück. Von den Bildern Christi und der Heiligen. Ag l aid es sich der Zauberkünste eines gewissen Schwarzkünstlers Cyprian bediente, um seinen Zweck zu erreichen: da wußte die Heilige auf diesen unglücklichen Zauberer durch ihr Wort und Beispiel so vortheilhaft einzuwirken, daß er gleichfalls zum Christenthume iiber- trat. Beide wurden nun als Christen erkannt und ergriffen, und so beschlossen sie unter grausamen Martern ihr Leben i. I. 304. Gebet. Heilige Jungfrau und Marthrin I u st ina, die du durch dein Wort und Beispiel so mächtig auf den heiligen Chprian eingewirkt hast, daß er aus einem Götzendiener und Zauberer ein Märtyrer für den christlichen Glauben wurde, bitte für uns, damit auch wir dir und allen Heiligen Nachfolgen auf Erden in der Tugend und Heiligkeit und einst jenseits in der Glorie des Himmels. Amen. Zweihmldertittldsiebenzigstes Lesestmk. Am Feierabende des 27. September. Von den Bildern Christi nnd der Heiligen. Fr. Gott befiehlt im ersten Gebote: „Du sollst dir kein geschnitztes Bild machen;" nnd doch haben wir in der katholischen Kirche Bilder; sündigen wir dadurch nicht gegen Gottes Gebot? Alltw. Gott hat allerdings das Gebot gegeben: „Du sollst kein geschnitztes Bild machen;" aber es steht dabei: „um es anzubeten," wie nämlich die Heiden gethan haben. Wir Katholiken aber verabscheuen die Anbetung der Bilder; wir verehren sie nur wegen der Heiligen, die auf denselben vorgestellt werden. Und dieses ist ganz vernünftig. Belehrung. Daß wir die Bilder Christi und der Heiligen in Ehren halten, ist ganz vernünftig; denn wenn schon ein Kind die Bildnisse seiner Eltern, und ein Unterthan das Bild seines Fürsten ehrt, so müssen wir um so mehr die Bilder dcS Herrn und seiner Heiligen in Ehren halten. — Schon die Griechen und Römer errichteten ihren Helden und andern, ihrer Meinung nach wohlverdienten Männern Bildsäulen. Selbst die Protestanten halten es nicht bloß für erlaubt, sondern für einen Beweis von Liebe nnd Zuneigung, Bilder von Freunden, Eltern, Wohlthätern n. s. w. zu haben nnd durch dieselben das Andenken der Verehrten bleibend zu erhalten. Warum will man es nun den Katholiken zum Verbrechen anrcchnen, wenn sie die Bildnisse des Stifters ihrer Religion und ihrer heiligen Glaubens- Helden zur Verehrung anfstellen? Denn kein Mensch ist doch wohl heut zu Tage noch so thöricht, die von den Akalholiken ersonnene Lüge zu glauben, als wenn wir die Bilder an- betetcn. O nein! wir wissen nur zu gut, daß geschrieben steht: „Du sollst kein geschnitztes Bild machen, um cs anzubeten," (3. Mos. 26, 1.) wie die Heiden thaten; daher verabscheuen wir Katholiken die Anbetung der Bilder. Nnd es ist daher durchaus kein Aberglaube, wenn wir vor den Bildern beten; denn wir beten vor den Bildern zu JesusChristus unddenHeiligen, dieuns darauf vorgestellt werden. „Die Ehre, die wir den Bildern erzeigen," sagt das Concilium von Trient, „geht auf die Urbilder zurück, welche sie darstellen, so daß wir durch die Bilder, welche wir küßen, und vor denen wir das Haupt entblößen und uns neigen, Christum anbcten und die Heiligen verehren, deren Abbildung sic sind." — Wie thöricht und ungerecht sind also die Beschuldigungen, die uns unsere Glaubensgegner in dieser Beziehung machen! Fr. Ist dieser löbliche Gebrauch auch schon in der heiligen Schrift begründet? Antw. O ja; wir finden da mehrere Beweise und Beispiele hiefür. Am Feierabende des 27. September. 629 Belehrung und Beispiele. Die heilige Schrift erzählt uns, wie Gott der Herr dem Moses befahl: „Mache eine eherne Schlange und richte sie auf zum Zeichen! Wer gebissen ist und sie ansieht, Der soll leben." (Num. 2l, 8.) Und wiederum: „Mache zwei goldene Cherubim, die aus dem Ganzen gegossen, zu beiden Seiten des Gnadenthrons." (Exod. 25, 18.) Und wie sehr wurde nicht die Arche des Bundes sammt diesen Cherubim in Ehren gehalten? (Sieh das vorausgehende Bild!) Josue fiel ja sogar auf sein Angesicht vor der Arche des Herrn. (Jos. 7, 6.) — Du siehst also, mein christlicher Leser! daß die Verehrung der Heiligenbilder sowohl in der Vernunft, als auch in der heiligen Schrift vollkommen begründet ist. Dazu kommt aber noch ein neuer Grund, der uns zur Verehrung der Bilder Christi und der Heiligen ermuntern muß; diese Verehrung ist nämlich auch noch sehr nützlich. Fr. Warum ist denn die Verehrung der heiligen Bilder sehr nützlich? Antw. 1) weil Gott selbst diese Verehrung schon oft mit Wundern bestätigt hat, und 2) weil schon die bloße Betrachtung der heiligen Bilder uns kräftig zum Guten ermuntert. Belehrung. Die Nützlichkeit der Bildcrvcrehrung läßt sich 1) daraus entnehmen, weil Gott selbst sie gar oft schon mit Wundern bestätigt hat, die ohne Frevel nicht geläugnet werden können. Gehe nur hin zu den vielen wunderthätigen Muttergottesbildern und andern, und betrachte daselbst die zahllosen Votivtäfelchen! Sie alle , sind lauter Zeugen für die Wahrheit, daß die Verehrung der heiligen Bilder Gott dem Herrn sehr wohlgefällig, uns aber äußerst nützlich sei. 2) Diese Verehrung ist uns aber auch deßhalb sehr nützlich, weil schon die bloße Betrachtung der heiligen Bilder uns kräftig zum Guten ermuntert. „Was die Schrift für den Leser ist," sagt der heilige Gregor der Große, „das ist auch das Bild für Diejenigen, die nicht lesen können; die Unwissenden sehen darin, was sie zu thun, und Die, welche die Lesekunst nicht erlernt haben, lesen einigermaßen in den Gemälden." Und ein Gelehrter aus der neuern Zeit setzt hinzu: „Die Bilder an den Kirchcnwänden sind gut selbst auch für die Gelehrten, damit sie an der Wand lesen müssen, was sie oft in den Büchern nicht lesen wollen." Ja, die Bildnisse Christi und der Heiligen in den Kirchen sind von großem Nutzen. Sie unterrichten und stärken uns im Glauben und ermuntern uns zum Guten, indem sie die Geheimnisse unserer Religion, die Geschichte unserer Erlösung und den frommen Wandel der Heiligen uns vor Augen stellen. Beispiele und Anwendung. An einem Festtage kam ein schlichter Landmann, der nicht lesen konnte, mit einem schöngebundencu Gebetbuche unter dem Arme aus Besuch zu seinem Pfarrer. Letzterer verwunderte sich darüber, daß der Landmann, von dem er doch wußte, daß er nicht lesen könne, ein so schönes Gebetbuch habe, und fragte ihn daher, wie und wozu er denn dieses Gebetbuch benütze? Hierauf zeigte der Landmann dem Pfarrer das Buch, welches aus lauter Heiligenbildern bestand, und sprach: „Hock>- würdcn! Ich kann zwar nicht lesen, aber dennoch bete ich täglich aus meinem Gebetbuche. Ich schlage mein Buch auf, erinnere mich an die Tugenden, die dieser oder jener Heilige geübt, und bitte Gott, er möge mir Gnade und Kraft verleihen, sie nachzuahmen; dann blättere ich um und finde immer wieder etwas Neues, Schönes und Lehrreiches, und ich hoffe zu Gott, daß mir diese Andacht nützlich, dem Herrn aber selbst wohlgefällig sein werde." — So nützlich und lehrreich kann uns also die Verehrung und Betrachtung der heiligen Bilder werden. Dieß haben selbst auch die Heiligen Gottes erfahren. Durch Betrachtung der Bilder Christi und der Heiligen wurden sie in ihrer Andacht mächtig gehoben und im Tugendeifer gestärkt. So wissen wir z. B. vom heiligen CarlBorromäus, der eine große Andacht zu dem Leiden Christi trug, daß er sich oft viele Tage lang, besonders gegen das Ende seines Lebens, in die Einsamkeit auf dem Berge Varallo zurückzog, wo alle Geheimnisse des Leidens Jesu nach dem Leben abgebildet sind; und die Betrachtung dieser Leidensbilder wirkte stets sehr erhebend aus ihn. — Hast nicht auch du, mein christlicher Leser! bei Betrachtung heiliger Bilder schon oft eine ähnliche Erfahrung gemacht? O gewiß, der Anblick eines schönen Heiligenbildes kann nicht anders, als nur belehrend und erbauend aus jedes empfängliche, fromme Gemüth einwirken. Darum ist auch die Verehrung heiliger Bilder so nützlich und segenbringend für jeden frommen Christen; nie sollen daher in christlichen Wohnungen solche heilige Bilder fehlen, besonders aber nie das Bild des Gekreuzigten. Welch eine Schmach für ein christliches Haus, wenn man darin kein frommes, dafür aber um so mehr ärgerliche Bilder antrifft! Legende: Die heiligen Brüder Kosmas un Damian, Märtyrer (ch 303). Diese beiden Heiligen, deren Fest ans den heutigen Tag fällt, waren Brüder und Aerzte aus Arabien und zeichneten sich besonders durch Wohlthätigkcit gegen die Armen aus, sowie durch die wunderbaren Kuren, die sie an den Kranken machten. Wenn sie nämlich zu Kranken berufen wurden, so betraten sie schon betend das Krankenzimmer, machten das heilige Kreuzzeichen über den Kranken, erkundigten sich dann über die Krankheit und schrieben einige Arzneimittel vor, und die Kranken genasen, einige ans der Stelle, einige in kurzer Zeit. «30 Viertes Hauptstück. Von den Reliquien der Heiligen. Dabei übten sie ihre Kunst unentgeltlich aus — nur aus christlicher Nächstenliebe. Dadurch aber wurden ihnen alle Herzen geöffnet und Gelegenheit gegeben, recht Viele für Christus zu gewinnen und an Leib und Seele zugleich zu heilen. Allein gerade dadurch zogen sie sich den Haß der Heidenpriester zu, die es dahin brachten, daß sic auf Befehl des Statthalters von Zilizien, mit Namen LhsiaS, als Christen ergriffen und in's Gefänguiß geworfen wurden. Nun sollten sie den heidnischen Göttern opfern und die Götzenbilder anbcten. Sie aber antworteten voll christlicher Entschlossenheit: „Wir opfern nur Gott dem Herrn und verehren nur die Bilder des Allerhöchsten und seiner Heiligen; euere Götzenbilder aber verachten wir, wohl wissend, daß Gott der Herr es verboten hat, geschnitzte Bilder zu machen, um sie anzn- beten." Standhaft widerstanden sie so den Forderungen des heidnischen Statthalters und duldeten voll Ruhe und Ergebung in Gottes heiligen Willen die schrecklichsten Martern, bis sie endlich mit dem Schwerte hingerichtet wurden um d. I. 303. Die Namen dieser Heiligen kommen täglich im Kanon der heiligen Messe vor und sind berühmt und hochverehrt in der ganzen Christenheit. Sie verdienen dieß aber auch; deun sie stehen als große Glanbcnshelden in der Geschichte der Kirche da und sind uns Allen erhabene Vorbilder eines heiligen Eifers für Gottes Ehre und eines frommen, gottergebenen Sinnes in Verfolgungen und Leiden. Betrachte daher, mein Christ! recht oft diese beiden herrlichen Vorbilder und bete zu Gott: Gebet. Herr, himmlischer Vater! gib, daß uns das Bild vcr heiligen Brüder und Marthrer Cosmas und Damian stets vor Augen schwebe, und daß wir durch den Anblick desselben ermuntert, ebenso muthig, wie sic, deinen heiligen Namen bekennen und ebenso fromm und gottergeben dulden und leiden, — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihnnderteinnndsiebenzigstes Lescstiilk. Am Feierabende des 28. September. Von den Reliquien der Heiligen. Fr. Ist auch die Verehrung der heiligen Reliquien nicht gegen das erste Gebot? Antw. Ebenso wenig, als die Verehrung der heiligen Bilder; sie ist vielmehr ebenso vernünftig und nützlich, wie diese. Fr. Warum ist die Verehrung der Reliquien der Heiligen ganz vernünftig? Antw. Weil ihre Leiber lebendige Glieder Jesu Christi und Tempel des heiligen Geistes waren, und einst wieder von den Tobten zur ewigen Herrlichkeit auferstehen werden. Belehrung. »Die Leiber der Verstorbenen, besonders der Gerechten und Gläubigen dürfen wir nicht verachten," schreibt der ehrwürdige Agobard, Bischof von Lyon; „ vielmehr verdienen sic unsere Verehrung; denn sie waren Werkzeuge und Gefäße des heiligen Geistes zu allen guten Werken. Ist doch den Kindern ein Kleid, ein Ring oder sonst Etwas von ihrem Vater um so theuerer, je größer seine Zärtlichkeit gegen sie war. Oder könnte wohl auch ein Kind, das seines Vaters Bild mit Füßen träte — noch Ehrfurcht gegen den Vater haben?" — Ist also die Verehrung der heiligen Reliquien oder der Uebcrreste der Heiligen nicht ganz vernünftig? Die Leiber der Heiligen waren ja lebendige Glieder Jesu Christi und Tempel des heiligen Geistes, und werden einst wieder von den Tobten zur ewigen Herrlichkeit auferstehen und verherrlichet werden; es sind dieß die Leiber jener heiligen Märtyrer und jener treuen Diener Gottes, die jetzt ewig mit Christus im Himmel leben (Oonoil. Di«!. 8e88. 25.) — und wir sollten dieselben nicht verehren? Siehe, mein Christ! man besitzt gerne, man bewahrt mit Liebe und Achtung eine Sache, die einer geliebten und achtbaren Person gehört hat. „Dieses Geräthc, dieses Kleid" sagt man, „gehörte meinem Vater, meiner Mutter; ich hebe es mit Zärtlichkeit auf und gedenke ihrer dabei mit Achtung." Man balsamirt die Leichname der Könige ein; man macht 631 Am Feierabende des 28. September. vM -MM .-MsEWMil MWM iÄMSL sich eine Ehre daraus, ihr Herz re. zu besitzen, besonders wenn sie wohlthätig gewesen sind. Man durchsucht die Gräber berühmter Männer, ihr Geräthe, ihre Schriften; man sammelt und bewahrt voll Ehrerbietung jene unbeseelten Reste. Ist es also unvernünftig, wenn die Kirche will, daß man die Neberreste ihrer Glaubenshelden ehre? Gewiß nicht! Beispiele und Anweudung. Mit Recht hat daher die katholische Kirche jeder Zeit die Reliquien der Heiligen geehrt. Die ersten Gläubigen sammelten mit einer heiligen Ehrfurcht die Leiber der Märtyrer; ihre zerrissenen Kleider, die Blutstropfen, welche die Erde befeuchtet hatten, die Werkzeuge ihrer Martern, ihre Hülle, all die kostbaren Neberreste wurden mit Ehrerbietung in den Häusern und Betsälen der Christen aufbewahrt. Mau stellte sie in Tempeln, auf den Altären auf. Man errichtete Kirchen und Kapellen über ihren Gräbern, als auf heiligem und ehrwürdigen Grundmauern. Seit jener Zeit hat die Kirche immer gewollt, daß entweder die Altäre auf den Gräbern der Heiligen erbaut werden, oder daß in den Marmorsteinen, auf welchen man das heilige Meßopfer darbringt, Reliquien eingefchlossen sein sollen; sie wollte gewissermassen das Blut ihres göttlichen Meisters mit dem seiner Jünger vermischen, die es für ihn vergossen haben u. s. f. — Um nur einige Thatsachen hiefür anzugeben, so erwähnen wir, daß schon im zweiten Jahrhunderte die Christen in Antiochia und Smyrna die Gebeine ihrer heiligen Bischöfe Ignatius und Polykarpus verehrten, die für Christus den Martertod erduldet hatten. So erzählt z. B- Eusebius: „Der Leichnam des heiligen Polykarpus wurde von den Heiden verbrannt; allein die Christen sammelten die unversehrt gebliebenen größeren Gebeine aus der Asche, die in ihren Augen einen weit größeren Werth, als Gold, Perlen und Edelsteine hatten. Sie bewahrten sie an einem anständigen Orte, und kamen an dem Tage, an welchem er vollendet hatte, jährlich zusammen. Diesen Tag brachten sie unter Frohlocken und Jauchzen zu, und ermunterten sich zu gleicher Standhaftigkeit im Glauben." — Sieh, mein christlicher Leser! das ist auch die Absicht der Kirche bei der Verehrung der heiligen Reliquien, daß wir durch den Anblick derselben zu gleicher Tugend und Standhaftigkeit, zur treuen Nachahmung der Heiligen überhaupt angeeifert werden sollen. (Sieh nebenstehendes Bild!) Fr. Wie läßt sich beweisen, daß die Verehrung der Reliquien auch sehr nützlich und Gott wohlgefällig sei? Atttw. Daraus, weil Gott durch dieselben häufig schon große Wunder gewirkt hat, wie uns sowohl die heilige Schrift als auch die Kirchengeschichte bezeugt. Belehrung und Beispiele. Schon der heilige Johannes von Damaskus schreibt in dieser Beziehung: „Christus der Herr hat uns die Reliquien der Heiligen als heilsame Quellen gegeben, aus welchen viele Wohlthatcn auf uns fließen, und die eine sehr angenehme Salbe bilden. Dadurch werden die Teufel vertrieben, die Krankheiten entfernt, Blinde bekommen das Gesicht, die Aussätzigen werden gereinigt, die Versuchungen werden überwunden." — Diese Wahrheit bestätigen uns aber auch 1) Beispiele aus der heiligen Schrift. Daselbst lesen wir, daß der Mantel des Propheten El isäus das Wasser des Jordan theilte. (4. Kön. 13, 14.) Ein Todter wurde in das Grab dieses Propheten gelegt, und sobald er dessen Gebeine berührt hatte, wieder zum Leben auferweckt, um zu zeigen, daß Gott die Leiber der Gerechten durch seine Kraft verherrliche. „Da der Mann, den sie begraben wollten, die Gebeine des Elisäus berührte, ward er wieder lebendig." (4. Kön. 13, 21.) Und im N. T. wird uns in der Apostelgeschichte (19, 12.) erzählt, daß durch die Auflegung der Schweißtücher und Gürtel des heiligen Paulus und durch den bloßen Schatten des vorübergehenden Petrus Kranke geheilt wurden. — Machte ja schon die Berührung des Saumes am Kleide Jesu ein Weib gesund, das volle zwölf Jahre hindurch krank darniederlag. (Matth. 14, 36.) — Zu diesen Beispielen aus der heiligen Schrift kommen aber auch noch 2) viele Beispiele aus der Kirchengeschichte. So z. B. erzählt der heilige Augustin viele ähnliche Wunder, welche er selbst mit eigenen Augen gesehen hat; viele derselben geschahen durch die Reliquien 632 Viertes Hauptstück. Zweites Gebot. Entheiligung des göttlichen Namens durch unnütze Betheuerungen rc. des heiligen Erzmartyrers Stephanus. — „Eine blinde Frau," sagt er, „bat eines Tages, an welchem unter Begleitung einer großen Volksmenge die Reliquien des heiligen Stephanus vom Bischöfe Projetus in andächtiger Prozession Herumgeiragen wurden, man möchte sie in die Nähe des Bischofs führen, welcher die Reliquien trug; sie ließ sich Blumen geben, welche jene heiligen Ueberreste berührt hatten, und als sie dieselben empfing, belegte sie ihre Augen damit und erhielt plötzlich ihr Gesicht; zum Staunen aller Anwesenden ging sie freudig und froh durch Alle hin, ohne, wie zuvor, Jemanden nöthig zu haben, der sie führte." — Wie viele Wunder erzählt ferner der heilige Ambrosius, die von Gott auf die bloße Berührung der Reliquien der heiligen Märtyrer Gervasius und Protasius, die von ihm aufgefunden worden waren, geschehen sind? „Wie viele Wunder," sagt der heilige Chrysostomus, „hat Gott nicht gewirkt, um die Ketten, das Grab und die andern Reliquien des Apostelfürsten, des heiligen Petrus, zu ehren?" Und ist ans all diesen Beispielen nicht deutlich genug zu ersehen, daß die Verehrung der heiligen Reliquien Gott dem Herrn ganz wohlgefällig, unö aber sehr nützlich sei? Legende: Der heilige Märtyrer Wenzeslaus, Herzog in Böhmen (st 936). In der Geschichte dieses Heiligen, dessen Andenken heute in der Kirche Gottes gefeiert wird, ersehen wir so recht deutlich, wie Gott selbst die Ueberreste der Heiligen durch mancherlei Zeichen und Wunder verherrlicht. So wird erzählt, daß man das Blut dieses heiligen Mar- turers, womit bei seiner Ermordung die Kircheuwand war bespritzt worden, abwascheu, abfegen, ja auskratzen wollte; allein es blieb trotz aller angewandten Mühe zum ewigen Angedenken. — Der heilige Wenzeslaus wurde von seiner Großmutter, der gottseligen Ludmilla, zur Erziehung übernommen. Er entsprach auf die vollkommenste Weise den Absichten und Hoffnungen der frommen Ludmilla uno seiner gottesfürchtigen Lehrer durch die glänzenden Fortschritte, die er in nützlichen und schönen Kenntnissen sowohl, als insbesondere ans der Bahn der Tugend machte. Wiewohl er von seinem sterbenden Vater zum Nachfolger bestimmt wurde, so riß doch seine herrschsüchtige Mutter die Reichsverwesung an sich und erließ alsbald viele dem Christenthnme sehr nachtheilige Verordnungen. Sie ließ Ludmilla durch Meuchelmörder erdrosseln und strebte selbst unserem Heiligen nach dem Leben. Die Stände des Reiches setzten aber seine Mutter ab, und Wenzeslaus übernahm die Negierung. Nun war er darauf bedacht, die durch die Ränke der Gottlosen dem Christenthnme geschlagenen Wunden wieder zu heilen und Gerechtigkeit und Friede im Lande herzustellen. Dabei führte er das strengste Bußleben, wohnte dem öffentlichen Gottesdienste mit glühender Andacht bei, diente öfter in eigner Person dem Priester am Altäre, und bereitete mit eignen Händen Brod und Wein für das hochheilige Opfer. Kaiser Otto I. beehrte diesen frommen Fürsten mit dem Titel eines Königs, dessen sich aber der Demüthige nie bediente. Drahomira, seine unnatürliche Mutter, sowie sein Bruder Boleslaus faßten den Entschluß, ihn aus dem Wege zu räumen. Wenzeslaus wurde von seinem Bruder zu einem Freudenfeste eingeladen, welches dieser wegen der Geburt eines Sohnes zu Bunzlan veranstaltet hatte, und elfterer nahm die Einladung an. Die Aufnahme schien von Seite der Mutter und des Bruders die zärtlichste; als aber der Heilige in der Nacht nach dem Gastmahle sich seiner Gewohnheit gemäß in die Kirche begab, wurde er dort von dem treulosen Bruder und mehreren Mitverschwornen ermordet am 28. Sept 936. Gebet. O Gott, der du den heiligen Wenzeslaus durch den Martertod von dem irdischen Reiche zur himmlischen Herrlichkeit geführet hast, bewahre uns auf seine Fürbitte von aller Widerwärtigkeit und verleihe, daß wir einst mit ihm diese Herrlichkeit genießen — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihlmdertzweiundsiebenzigstes Lesestück. Am Feierabende des 29. September. Zweites Gebot Gottes. Entheiligung des göttlichen Namens durch unnütze Betheuer- nngcn und durch Fluchen und Verwünschungen. Fr. Was wird im zweiten Gebote Gottes ver^ boten? 633 Am Feierabende des 29. September. Antw. Die Entheiligung des göttlichen Namens, welche geschieht, wenn man den Namen Gottes entweder ohneNoth oder ohneAndacht und Ehrerbietung allsspricht. Fr. Wodurch wird der göttliche Name am Meisten entheiligt? Antw. 1) Durch unnütze Betheuerungen, 2) durch Fluchen und Verwünschen, 3) durch Neligionsspöttereien, 4) durch Gotteslästerung, 5) durch sündhaftes Schwören und 6) durch Brechen der Gelübde. (Diese verschiedenen Versündigungen gegen das zweite Gebot Gottes wollen wir nun jetzt einzeln durchgehen.) Fr. WaS sind unnütze Bethen er ungen? Antw. Unnütze Betheuerungen sind es, wenn man in unbedeutenden Dingen zur Bekräftigung seiner Aussage sich auf Gott beruft oder seine Seele u. s. w. gleichsam zum Unterpfande einlegt für die ausgesprochene Wahrheit. Belehrung und Beispiele. Besonders häufig kommt diese Sünde bei Geschäftsleuten im Handel vor, wo man durch solche Betheuerungen, als: „Gott im Himmel weiß es, so wahr ich lebe, bei meiner Ehre u. s. w. ich kann diese Waare nicht wohlfeiler geben" — die Käufer zu blenden und zum Kaufe anzureizen sucht. — Ein Metzger wollte von einem gottesfürchtigen Manne einige Schweine kaufen, und fragte nach ihrem Preise. Als er ihn erfuhr, erklärte er hoch und theuer, daß er sie um denselben nicht brauchen könne. „ Das hättest du mir nur ganz ruhig ohne Betheuerungen sagen können," antwortete jener Mann, „weißt du nicht, daß Jesus das Schwören verbietet, wenn er spricht: Euere Rede sei ja, ja, nein, nein; was darüber ist, das ist vom Nebel?" — Zuletzt aber wollte der Metzger die Schweine doch um den angegebenen Preis kaufen. „Nein," erwiderte jener gottcsfürchtige Mann, „ du bekömmst sie nicht; denn du hast dich hoch und theuer verschworen, du könntest sie um diesen Preis nicht brauchen, ich will dir nicht behilflich sein, deinen Schwur zu brechen, auf daß du nicht eine zweite Sünde zur ersten hinzufügst!" — Eine ähnliche Antwort sollte man allen Denen geben, welche im Leben und im Umgänge sich fast bei jeder noch so unbedeutenden Aussage zur Bestätigung derselben ähnlicher Betheuerungen bedienen. — Durch solche Bethcuerungen hat sich auch der heilige Petrus schwer versündigt, indem er dadurch dreimal seinen göttlichen Meister verläuguete. Als er nämlich im Vorhose des Hohenpriesters Anna's saß, wo die Diener und Soldaten sich wärmten, und als eine Magd zu ihm hintrat und sprach: „Du warst auch bei Jesus, dem Galiläer:" da sing Petrus an zu schwören und zu bctheuern, daß er diesen Menschen gar nicht kenne. (Sieh das vorausgehende Bild!) O wie sehr mußte Petrus diese Sünde sein ganzes Leben hindurch beklagen und beweinen! Fr. Was versteht man unter Fluchen und Verwünschen? Antw. Unter Fluchen und Verwünschen versteht man Worte des Hasses oder des Zornes, wodurch man sich selbst oder dein Nächsten den Tod, die Verdammung oder irgend ein Unglück wünscht, wobei oft der Name Gottes verunehrt wird. Belehrung. Diese Sünde ist ein furchtbares Vergehen gegen Gott, weil man ihn gleichsam zum Scharfrichter mißbraucht und von ihm fordert, er solle uns oder einen Andern tödtcn, er solle uns strafen, er möge Rache nehmen an dieser oder jener Person, der Teufel möge sie holen rc. Zugleich ist sie die gröbste Verletzung der christlichen Selbst« und Nächstenliebe, da man sich oder seinem Nebenmenschen zeitliches und ewiges Verderben auf den Hals flucht. An solchen Menschen wird in Erfüllung gehen, was der königliche Sänger David (im 108. Ps. 18. Vers) ausspricht: „Dieser Mensch liebte den Fluch; so komme er über ihn! Am Segen hatte er kein Wohlgefallen, so sei er ferne von ihm! Er zog den Fluch an, wie ein Kleid." Fr. Welches ist aber die schrecklichste Verwünschung und der furchtbarste Fluch? Antw. Der Elternfluch, d. h. Verwünschungen, 80 Mehler, Hausbuch. 634 Viertes Dauptstück. Entheiligung dcS göttlichen Namens durch Rcligionsspöttereien und durch Gotteslästerung. durch welche Väter oder Mütter über ihre eigenen Kinder die Rache des Himmels herabfordern. Belehrung. Elternstuch — ein entsetzliches Wort — aber noch entsetzlicher in seiner Wirkung, in seinen Folgen! Löwen spielen mit ihren Jungen, Tiger liebkosen dieselben, und Menschen, Eltern können ihre Kinder verfluchen! Ach, man darf sich freilich nicht wundern, wenn in unfern Tagen so viele ungerathene Kinder herumlaufen, die das Elend der Welt voll zu machen drohen, da ja so oft der Fluch aus dem Munde der erzürnten Eltern über die armen Geschöpfe ergeht! Wie sehr sollen sich demnach nicht die Kinder hüten, daß sie ihre Eltern durch ihren Lebenswandel oder ihr Betragen nicht zu einem solchen Fluche zwingen! Und wie eifrig sollen nicht Eltern darauf bedacht sein, daß sie sich nie im Zorne vergessen und Gottes Strafgerichte über ihre Kinder herabziehcn! Ueberhanpt sollen sich die Eltern nie vom Zorne, sondern stets nur von einem tiefen Ernst und edlen Eifer bei der Rinderzucht leiten lassen; denn furchtbar sind die Folgen des Elternstuches, wie du, mein christlicher Leser! auö nachfolgendem Beispiele ersehen wirst. Beispiel und Anwendung. Einst brachte man einen Jüngling zum heiligen Franz von Sales, den er über seine ausschweifende Lebensweise zurcchtweisen sollte. Er aber sprach mit seiner gewöhnlichen Sanftmuth zu ihm. Als er indessen die Verstockung desselben wahrnahm, brach er darüber in Thränen aus und sagte, dieses harte und unbiegsame Herz werde ein böses Ende nehmen. — Da man dem Heiligen erzählte, daß die eigene Mutter dem unglücklichen Jüngling geflucht habe, rief er bewegt aus: „Ach, das ist das Aergste! Wenn diese Frau ihren Fluch wird in Erfüllung gehen sehen, so wird sie ihre Verwünschungen umsonst bereuen. O beklagcnswerthe Mutter eines noch viel unglücklicheren Sohnes!" — Die Weissagung des Heiligen traf nur allzu richtig ein; denn der junge Mann kam kurze Zeit darauf in einem Zweikampfe um, und sein Leib ward eine Speise der Hunde und Wolfe. Seine Mutter grämte sich darüber zu Tode. — So furchtbar straft Gott den Elternstuch, und nur zu oft geht da in Erfüllung, was bei dem Sohne Sirach's geschrieben steht: „Der Segen des Vaters befestigt die Häuser der Kinder; aber der Mutter Fluch reißt sie vom Grunde aus nieder." (Eccl. 3, 11.) Legende: Der heilige Erzengel Michael. Auf Erden wird der Name Gottes so oft entheiligt durch Fluchen und Verwünschungen; daher vereinigen sich im Himmel die heiligen Engel, um den Namen des Allerhöchsten zu verherrlichen und anzubeten, indem sie unaufhörlich „Heilig, heilig, heilig" singen. Unter diesen heiligen Engeln steht mit oben an der heilige Erzengel Michael, dessen Fest heute feierlich in der Kirche be- gangen wird. Er ist es, der die stolzen Engel aus dem Himmel vertrieb und Gottes Ehre mit Muth und Macht vertheidigte. Durch ihn und mit ihm wirkte Gott, der Allmächtige, auf daß alle Völker der Erde und alle Engel des Himmels erkennen sollten, daß Gott allein der Herrscher ist über Himmel und Erde. Daher findet man auf dem Schilde des heiligen Erzengels Michael gewöhnlich die Worte eingegraben: „Ouis ut vaus?" d. h. „Wer ist wie Gott?" Gebet. Heiliger Erzengel Michael, der du im Chore der seligen Geister unaufhörlich den Namen des Allerhöchsten verherrlichest, bitte für uns, auf daß wir diesen hochheiligen Namen nie durch Fluchen oder sonst wie entehren, sondern ihn mit allen Engeln und Heiligen loben und Preisen jetzt und in alle Ewigkeit. Amen. Zweihmdertdremndsiebenzigstes Lesestück. Am Feierabende des 30. September. Entheiligung des göttlichen Namens durch Religionsspöttercicn und durch Gotteslästerung. Fr. Wie versündigt man sich durch Neligions- s pö t t e r e i? Antw. Wenn man über Religion, kirchliche Gebräuche oder Ceremonien leichtsinnig scherzt oder darüber spottet. Belehrung. Man kann sich dieser Sünde ans mancherlei Art schuldig machen, wenn man z. B. sagt: Jede «35 Am Feierabende des 30. September. Religion sei gut; es sei wenig daran gelegen, auf welche Weise man Gott ehre; Religion überhaupt sei eine falsche, ungereimte, abergläubische Sache re., oder wenn man über religiöse Gebräuche und Ceremonien leichtsinnig scherzt oder sie lächerlich macht. An solchen Religionsspöttern fehlt cs besonders in unfern Tagen nicht; daher ermahnt uns ein christlicher Lehrer: „Fliehe den Menschen, der schief lächelt, wenn von Gott und göttlichen Dingen die Rede ist. Er ist eine giftige Schlange, die unter einem Nosenstrauche lauert." Und der heilige Petrus schreibt (2. Petr. 3, 3. 17.): „Vor Allem wisset, daß in den letzten Tagen verführerische Spötter kommen werden, die nach ihren eigenen Gelüsten wandeln. . . . Ihr also, Brüder, die ihr dieß zuvor wisset, hütet euch, daß ihr nicht, durch den Jrrthum der Thoren verführt, euere eigene Festigkeit verlieret." Beispiele und Anwendung. Ich will es dir, mein christlicher Leser! in zwei Beispielen zeigen, wie sehr Gott die Religionsspötter verabscheut und oft gar auffallend straft. In dem Dorfe Edinghausen, nicht weit von der Stadt Bielefeld, ließ es sich ein Spötter und Lästerer der heiligen Religion in seinen bösen Sinn kommen, im Wirthshause des heiligen Abendmahls zu spotten. Mit seinen Saufkameraden sitzt er am Tische, nimmt Brod und Wein, spricht darüber die Worte der Einsetzung, und theilt es unter seine Gesellen aus. Wie die Reihe an ihn selbst kommt, von dem Brode und Weine zu nehmen, wird ihm übel, er legt den Kopf auf den Tisch — und ist in einigen Sekunden eine Leiche. Am heiligen Drcikönigstage ist er begraben worden. — Dazu noch eine zweite, nicht minder erschütternde Begebenheit. Als vor beiläufig zehn Jahren in Felixdorf, einem neu angelegten Dorfe unweit Wiener-Neustadt in Oesterreich, die Bildsäule des heiligen Felix aufgestellt, und Böller dabei gelöst wurden, bespöttelte der Mann, welcher das Geschütz bediente, die religiöse Feierlichkeit und erlaubte sich mehrere ungebührliche Ausdrücke gegen den heiligen Ordensmann, dessen Standbild zur Verehrung errichtet wurde. WaS geschah? Bei dem letzten Schüsse, dem wieder ruchlose Schmähworte vorausgegangen waren, zerplatzte das Geschütz und beschädigte den Ruchlosen so sehr, daß er halb todt hinweg- Dragen werden mußte, und nach kurzer Zeit an seinen Wunden starb. — Laß dich, mein Christ! durch diese traurigen Beispiele belehren und warnen! Fr. Was heißt Gott lästern? Antw. ' Gott lästern heißt, bedachtsamer Weise etwas Schimpfliches denken, reden oder thun — Wider Gott, wider Christus, wider die Heiligen oder andere Gott geheiligte Sachen. '' Belehrung und Beispiele. Man kann die Sünde der Gotteslästerung durch Gedanken, Worte und Werke begehen und zwar unmittelbar, wenn man dadurch Gottes Ehre selbst angrcift, z. B. wenn man mit den Gottlosen bei Job (22,13.) sprechen wollte: „Was weiß denn Gott?" oder mit den Israeliten in der Wüste: „Sollte denn Gott einen Tisch zurichten können in der Wüste?" (Ps. 77, 12.) Auf solche Weise lästerte Gott der gottlose Kaiser Julian. — Dieser Abtrünnige redete von Christus Jesus nie anders, als nur mit der tiefsten Verachtung und dem gottlosesten Spotte; er pflegte ihn nur den „Galiläer," den „Zimmermanns sohn" zu nennen. Einst begegnete er einem erleuchteten, frommen Christen, dessen treue Anhänglichkeit an Christum und seine heilige Religion der gottlose Kaiser gar wohl kannte. Er trat ihm entgegen und fragte ihn im Tone ruchlosen Uebermuthes: „Was macht denn der Galiläer, der Zimmermannssohn?" Und der Christ erwiderte ihm ruhig und ohne Erbitterung: „Kaiser! er zimmert die Bretter zu deinem Sarge!" — Und so war es auch; in wenigen Tagen war der Kaiser todt. Aber auch im letzten Augenblicke seines Lebens konnte er seine Gotteslästerung nicht lassen; ehe er die Augen schloß, rief er noch einmal aus: „Du hast überwunden, Galiläer!" — Ach Gott! welchen Richter mag wohl dieser Unglückliche an Jesus gefunden haben?! — Die Gotteslästerung kann aber auch 636 Viertes Hauptstück. Entheiligung des göttlichen Namens durch Religionsspöttereien und durch Gotteslästerung. mittelbar geschehen, wenn man sich verächtlich äußert;. B. wider die Heiligen Gottes und heilige Dinge. Hieher gehört besonders auch das sogenannte Fluchen und Sakramen- tiren, selbst auch wenn man die heiligen Namen verändert und abkürzt, z. B. statt Sakrament: Sakra oder Element sagt; es müßte denn sein, daß man durch diese Abänderung absichtlich die Gotteslästerung vermeiden wollte. Durch dieses Fluchen wird, leider! am Meisten gesündigt, so daß wahr wird, waS Gott bei Isaias (52, 5.) klagt: „Mein Name wird den ganzen Tag ohne Unterlaß gelästert." — Auf mittelbare Weise beging diese Sünde der Gotteslästerung jener unglückliche Spieler, welcher, während er in die Lotterie einsetzte, das Bildniß des heiligen Bruders Seraphim in der Absicht, um ein glückliches Loos zu ziehen, in seinem Hut verbarg. Als er sich aber in seiner Hoffnung getäuscht sah, warf er dieses Bildniß hin und trat es mit Füssen, sprechend: „Geh, du einfältiger Kapuziner, du kannst Nichts!" Fr. Warum sollen wir die Gotteslästerung über Alles verabscheuen? Antw. Weil sie 1) eine überaus große Sünde ist, und 2) weil sie von Gott sehr strenge bestraft wird. Belehrung. Die Gotteslästerung ist eine sehr schwere Sünde; denn was kann es für ein größeres Verbrechen geben, als Gott lästern, den König der Könige, da cs schon ein Majestätsvcrbrechen ist, wenn man einen irdischen König lästert? Daher wird aber auch diese Sünde von Gott sehr strenge bestraft. Schon im A. B. war auf dieselbe die Todesstrafe gesetzt; denn also steht geschrieben (3. Mos. 24, 16.): „Wer den Namen Gottes lästert, soll des Todes sterben; steinigen soll ihn die ganze Gemeine!" Und noch immer kommen im Leben Fälle vor, die es zeigen, wie sehr Gott diese Sünde verabscheut und straft, indem er den Pfeil seines Zornes auf alle Jene herabschleudert, die seinen heiligen Namen lästern. (Sieh das vorausgehende Bild!) Beispiel und Anwendung. Ein Dienstknecht in England konnte einem Jahrmärkte nicht beiwohnen und war darüber voll Zorn und Grimm. Er fluchte darüber so entsetzlich, daß ein Mitknecht ihn warnte, solches Fluchen werde ihn in die Hölle bringen. „In die Hölle?" antwortete er, „das ist gerade für mich recht. Da giebt's doch Feuer genug, meine Pfeife anzuzünden!" Mit diesen Worten ging er hinweg, stürzte nieder und — war todt! — Wie sehr bestätigen sich da die Worte, die schon Tobias (13, 16.) ausgesprochen hat: „Vermaledeit sollen Diejenigen sein, die dich, o Gott! vermaledeien; Verdammung über Alle, die dich lästern!" Darum bitte und beschwöre ich dich, mein christlicher Mitbruder : Fluche nie, lästere nie deinen Gott, auf daß du nicht Gottes Fluch auf dich herabziehest; denn schrecklich ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen. Legende: Der heilige Kirchenlehrer Hieronymus (fl 420). Gar wohl erkannte auch der heilige Hiero nym ns, dessen Fest wir heute feiern, die Abscheulichkeit der Gotteslästerung; daher schreibt er: „Nichts ist schrecklicher als die Gotteslästerung; denn sie richtet die gottlose Sprache des Mundes gegen den Himmel; jede andere Sünde ist im Vergleiche zur Gotteslästerung gering." Mit Abscheu wendete er sich von dieser Sünde ab und benützte seine Sprache und seine reichen Kenntnisse nur zum Lobe und zur Ehre Gottes, sowie zum Segen und Heile seiner Mitmenschen. Schon in seiner zartesten Kindheit zeigten sich in ihm die Keime seiner künftigen Heiligkeit. Als er daun später in seinen Jünglingsjahren nach Nom geschickt wurde, um daselbst die schönen Wissenschaften zu erlernen und sich in der Beredsamkeit zu üben, besuchte er fleißig die Gräber der heiligen Apostel, wie auch anderer heiligen Märtyrer. Da gefiel es ihm aber nicht lauge, weil er seinem Wunsche, der einsamen Betrachtung sich zu widmen, in der großen, geräuschvollen Stadt nicht nachleben konnte. Im Jahre 354 begab er sich daher in die chalcidische Wüste, in der Einsiedler lebten, die in strenger Abtödtung dem beschaulichen Leben sich widmeten. Während seines Aufenthaltes in der Wüste erlernte er die hebräische und chaldäische Sprache, deren Kenntniß er nachher zur Auslegung der heiligen Schrift auf die segenvollste Weise anwendete. Nach vierjährigem Aufenthalte in der Wüste kehrte er nach Antiochien zurück, Am Feierabende des 1. Oktober. 637 OMMW MM KM ML ?<7d» -ML wo er von dem Bischöfe Paulinus zum Priester geweiht wurde, und i. I. 382 ging er nach Rom. Dort gab ihm Papst Da- masus den Auftrag, die verschiedenen, größtentheils sehr mangelhaften Uebersetz- ungen der heiligen Schrift des N. T. mit einander zu vergleichen und eins richtige Ausgabe derselben zu besorgen. Hieronymus unternahm und vollendete diese große Arbeit, und der heilige Ambrosius sagt mit Recht, daß man Gott für dieselbe nicht genug danken könne. Im Jahre 385 begab er sich in Begleitung gelehrter Juden nach Palästina, und machte darauf eine Reise nach Aegypten. Nach der Rückkehr aus Aegypten begab er sich nach Bethlehem. Dort übte er in einer kleinen Zelle die strengste Abtödtung, und widmete sich so rastlos der Arbeit, daß er seinen Büchern und seiner Feder nur wenige Stunden nächtlicher Ruhe entzog. So lebte er daselbst fünfundzwanzig Jahre, bis er am 30. September 420 starb. Gebet. O Gott, der du deiner heiligen Kirche an dem heiligen Hieronymus einen trefflichen Ausleger der heiligen Schrift gegeben hast, wir bitten dich, verleih, daß wir in Ansehung seiner Verdienste und Fürbitte Das, was er gelehrt und gethan hat, ausüben — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihundertviernndsiebenzigstes Lesestück. Am Feierabende des 1. October. Vom Eidschwure, und zwar von der Bedeutung und Heiligkeit desselben. Fr. Was heißt Schwören? Antw. Schwören heißt Gott den Allwissenden zum Zeugen anrufen, daß mau die Wahrheit sage, oder sein Versprechen halten wolle. Belehrung. Der Eid ist eine Berufung auf das Zeugniß des allwissenden Gottes, um irgend Etwas, das wir entweder thun oder sagen oder auch versprechen, zu bekräftigen. Man kann entweder bei Gott unmittelbar zur Beglaubigung der Wahrheit schwören, oder auch bloß bei Geschöpfen, z. B. bei den Evangelien Gottes, bei dem Kreuze, bei den Reliquien und Namen der Heiligen u. s. f.; dennoch wird eigentlich nur Gott selbst zum Zeugen angerufen; denn man beruft sich auf die Evangelien, weil sie Gottes Wahrheit enthalten, ans die Namen der Heiligen, weil sic lebendige Tempel Gottes waren u. s. f. — Es gibt zweierlei Eidschwure: 1) den Bekräftigungseid, wenn man irgend eine Aussage eidlich als wahr bekräftigt; 2) den Zusagungseid, welcher sich auf die Zukunft bezieht, und vermöge dessen man eidlich verspricht, in Zukunft Etwas zu erfüllen oder zu leisten. Einen solchen Zusagungseid gaben einst die edlen Ungarn ihrer geliebten Kaiserin Maria Theresia. (Sieh das obige Bild!) Sie zogen ihre blitzenden Säbel und schwuren: „Wir wollen sterben für unfern König Maria Theresia; Blut und Leben für dich!" Und sie hielten treulich Wort. — Durch den Schwur ruft man sonach den Allwissenden, der das Innerste der Herzen durchschaut, die unendliche Wahrheit und Heiligkeit, die jede Lüge verabscheut, den Allmächtigen, der den Falschschwörenden hier zeitlich und 638 Viertes Hauptstiick. Vom Eidschwure, und zwar von der Bedeutung und Heiligkeit desselben. dort ewig strafen kann, zur Bestätigung seiner Aussage an. Der Schwörende sagt gleichsam: „ Meine Aussage ist so wahr, als es einen allwissenden, heiligen, wahrhaften, gerechten und allmächtigen Gott im Himmel gibt, der mich strafen wolle, wenn meine Aussage nicht wahr ist, wenn ich mein Versprechen nicht halten sollte." Es ist dich ein fürchterlicher Ausspruch, und wehe Dem, der da meineidig und lügenhaft spricht! Fr. Was folgt hieraus? Alltw. Hieraus folgt, daß der Eid etwas außerordentlich Heiliges ist und daher auch unendlich heilig gehalten werden muß. Belehrung. Der Eid ist etwas überaus Heiliges; er ist, wie ein christlicher Lehrer sagt, ein Goldstück von hohem Werthe, geprägt mit dem Namen des lebendigen Gottes. Nur mit reiner Hand darf man ihn auf den Altar der Wahrheit legen, und auch die reine Hand wird es mit Zittern thun. Daher ruft uns auch der göttliche Heiland zu: „Ihr sollt gar nicht schwören! ... Eure Rede soll sein: Ja! Ja! Nein! Nein!" Er will uns dadurch warnen vor allem Mißbrauche des Eidschwnres, vor allem falschen und leichtsinnigen Schwören, sowie vor jeder unnützen Betheuer- nng; zugleich will er uns dadurch ermahnen, den Eid überaus heilig zu halten und uns durch gar Nichts auf Erden zu einem falschen Eide verleiten zu lassen. Das nachfolgende Beispiel soll unS in dieser Beziehung zur Nachahmung aneifcrn. Beispiel und Anwendung. Ein junger Mann, der wegen Veränderung der Negierungsform in Frankreich nicht dienen konnte, ließ sich in Holland anwerben. Ein Hauptmann, der seinen Dienst verlassen wollte, bot ihm daselbst seine Stelle für dreitausend Livres an, worauf der junge Mann sehr gerne einging. Als er des andern Tages seine neue Stelle antrat, blieb ihm nichts Anderes übrig, als den vorgcschriebenen Eid zu leisten. Er begab sich deßhalb am festgesetzten Tage zur Obrigkeit, warf sich auf die Knie nieder, legte die Hand ans das Evangelium und schickte sich an, den Eid zu leisten, den man ihm vorsagen würde. „Ihr schwöret der Verfassung treu zu sein?" — „Ich schwöre es," antwortete er. — „Ihr schwöret," fuhr man fort, „daß Ihr die reformirte Kirche nach allen Euern Kräften verthei- digen und beschützen wollet?" Bei diesen Worten erhob sich der junge Mann und sagte im festen Tone, daß er das Glück habe, Katholik zu sein; und daß er nie einen derartigen Eid leisten werde. Man erwiderte ihm, dieser Eid sei eine bloße Formalität; aber er entgegnete: „Es ist keine Formalität, wenn ich die Hand auf das Evangelium lege, und ich will mich nicht unter einem derartigen Vorwände eines Meineides schuldig machen." Zu seinen Gunsten ging man aber auf seine Weigerung nicht weiter ein, sondern sagte: „Schwöret, daß Ihr weder indirekt noch direkt eine Summe Gelbes gegeben habt, um Capitän zu werden!" — „Auch diesen Eid," sagte er, „kann ich nicht leisten; denn ich habe so eben für meine Hauptmannsstelle dreitausend Livres gezahlt:" und sogleich stand er auf. Dieser Zug fand alsbald weite Verbreitung, und selbst die Protestanten bewunderten seine männliche Festigkeit. — Und in der That, mein christlicher Leser! wer muß diesen charakterfesten Mann nicht bewundern? Er erkennt den Eid als Das, was er wirklich ist, nicht als eine bloße Formalität, sondern als etwas überaus Heiliges, und er opfert lieber seine Stellung und seine irdische Wohlfahrt auf, als daß er sich zu einem falschen Eide verleiten ließe. Auf solche Weise mußt auch du den Eid gebrauchen und ihn stets als etwas überaus Heiliges betrachten und behandeln. Fr. Ist denn der Eid erlaubt, da Christas der Herr sagt: „Ihr sollt gar nicht schwören?" Antw. Durch diese Worte verbietet der göttliche Heiland nicht das Schwören überhaupt, sondern, wie schon gesagt, nur das leichtsinnige und falsche Schworen; wenn man aber auf rechte Weise schwört, so ist es nicht nur erlaubt, sondern in manchen Fällen nothweudig und daher sogar löblich. Belehrung und Beispiele. Wären die Menschen im ursprünglichen Zustande der Heiligkeit und Gerechtigkeit geblieben, so bedürfte man freilich des Eides nicht; weil aber Glaube und Treue mehr und mehr verschwanden, so blieb kein anderes Mittel mehr übrig, man mußte zum Eide seine Zuflucht nehmen, um Ordnung und Sicherheit in der menschlichen Gesellschaft zu erhalten. — Weil sonach der Eid für die menschliche Gesellschaft ein wahres Bedürfniß geworden ist, so muß er nicht nur erlaubt, sondern sogar löblich sein. Es wird uns dieses einleuchtcn, wenn wir, wie der römische Katechismus sagt, die Sache genauer betrachten und auf den Ursprung und Endzweck des Eides sehen. Der Eid entspringt aus dem Glauben, vermöge dessen die Menschen annehmen, daß Gott der Urheber aller Wahrheit sei, der weder jemals betrogen werden, noch Andere betrügen kann; daß vor seinen Augen Alles bloß und aufgedeckt liegt, und daß er für alle Angelegenheiten der Menschen mit wunderbarer Vorsicht sorgt und die ganze Welt regirt. Der Zweck des Eides aber ist, die Gerechtigkeit und Unschuld eines Menschen zu bewähren und den Zwistigkeiten ein Ende zu machen. Hieraus schon muß die Vernunft die Erlaubtheit und Löblichkeit des Eidschwures erkennen. Nicht minder aber billigt dieß auch die heilige Schrift, indem sie gar viele Beispiele aufzählt, aus denen wir die Erlaubt- Am Feierabende des 2. Oktober. 63 » heit und Löblichkeit des Eides ersehen müssen. — Gott selbst hat schon für das israelitische Volk Eide angeordnet svergl. 2. Mos. 22, 10 — 11.) und ausgesprochen, daß ein Eid die Sache entscheiden soll, wenn andere Beweise fehlen. Ja, Gott der Herr hat öfter bei sich selbst geschworen. „Ich habe bei mir geschworen," sprach er durch einen Engel zu Abraham, „weil du Das gethan und deines einzigen Sohnes nicht geschonet hast um meinetwillen, so will ich dich segnen und deine Nachkommenschaft mehren, wie die Sterne des Himmels und wie den Sand am Ufer des Meeres." (1. Mos. 22, 16—18.) — Auch Abraham forderte seinem Knechte Eliezer einen Eid ab, indem er sprach: „Lege deine Hand unter meine Hüfte, damit ich dich beschwöre bei dem Herrn, dem Gott Himmels und der Erde, daß du meinem Sohne kein Weib nehmest von den Töchtern der Chananitcr, unter welchen ich wohne." (1. Mos. 24, 2—4.) Jakob schwur bei dem Gott, den sein Vater Isaak verehrte. (1. Mos. 31, 53.) — David versicherte den Semei mit einem Schwure, daß ihm am Leben Nichts zu Leide geschehen solle; (2. Kön. 19, 23.), und der Bethsabe versprach er es eidlich, daß er den Salomon zum Thronfolger bestimmen werde. — Im N. T. finden wir gleichfalls viele Stellen, die uns den Eid als erlaubt darstellen. Der heilige Paulus schwört gar häufig in seinen Sendschreiben. So schreibt er an die Römer (1, 9.): „Gott ist mein Zeuge, daß ich mich eurer immerfort erinnere" u. s. f. Wenn also selbst heilige Personen geschworen haben, warum sollte der Eidschwur nicht erlaubt sein? Legende: Der heilige Bischof Remigius (fl um 533). Der heilige Remigius, welcher Galliens Kirche sowohl durch seine Wissenschaft, als auch durch seinen frommen Wandel und die Gabe der Wunder verherrlichte, weßhalb er auch der Apostel der Franken genannt wird, erkannte gar wohl die Heiligkeit des Eides und erinnerte daher den Frankenkönig Chlodwig mit allem Nachdrucke an die genaue Erfüllung seines Gott gegebenen eidlichen Versprechens. Als nämlich dieser König die Alemannen bekriegte und bei Zülpich unweit Köln in großer Gefahr schwebte, versprach er feierlich, daß er das Christenthum annehmen und es in seinem ganzen Reiche einführen wolle, wenn ihm der Gott der Christen beistehen und ihm den Sieg gewähren würde. Chlodwig siegte wirklich, und nun ließ er sich mit dreitausend tapfern Franken vom heiligen Remigius taufen, verschon im zweiundzwanzigsten Jahre seines Alters auf den bischöflichen Stuhl zu Rheims erhoben worden war und denselben zweiundsiebenzig Jahre lang als ein Muster der christlichen Tugend und Weisheit inne hatte. Nach langem, beschwerlichem Tagewerke rief ihn endlich der Herr zum ewigen Feierabende am 13. Januar 533. Sein Leib wurde am 1. Oktober 1049 feierlich in die Kirche der von ihm den Namen tragenden Benediktiner-Abtei St. Remigius zu Rheims tranSferirt, weßhalb man auch an diesem Tage sein Fest begeht. Gebet. Verleihe uns, o Gott! ans die Fürbitte des heiligen Remigius die Gnade, daß wir treu in Wort und That dir dienen, bis du uns einst berufest zum ewigen Feierabende — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihundertsünfundsiebenzigstes Lesestnck. Am Feierabende des 2. October. Vom Eidschwure, und zwar von den Eigenschaften desselben. Fr. Welche Eigenschaften werden zum rechtmäßigen Eide erfordert? Antw. Folgende drei: 1) Daß man schwöre in Wahrheit, 2) mit Ueberlegung, und 3) in Gerechtigkeit. „Du sollst in Wahrheit, im Gerichte und in der Gerechtigkeit schwören: So wahr der Herr lebt!" (Jerem. 4, 2.) Fr. Was heißt das: Man muß schwören in Wahrheit? Antw. Es heißt: Die Sache, die man beschwören soll, muß durchaus wahr sein. 64l» Viertes Hauptstück. Vom Eidschwure, und zwar von den Eigenschaften desselben. MM- WML« LiW ^oiöSi -- MW 8«-"/ WmM» >-»»Z Belehrung. Nur für die Wahrheit, nie und nimmer aber für die Lüge kann man Gott zum Zeugen anrufen; denn Letzteres hieße Gottes Majestät und Wahrhaftigkeit beschimpfen. Daher muß man vor Allem in Wahrheit schwören. Damit man aber wirklich in Wahrheit schwöre, so muß der Schwörende 1) genau wissen, was ec beschwören soll; 2) ob er es so auch beschwören könne, ob er es z. B. gewiß wisse oder nur gewiß meine; 3) muß er schwören in dem Sinne, in welchem die Eidcsworte gemeint sind, nicht wie er etwa die Eidesworte in seinem Herzen auslegen kann, indem er sie wohl gar absichtlich verdreht oder falsch aufznfassen sucht. Beispiel und Anwendung. Ein gar schönes Beispiel, wie man in Wahrheit schwören soll, gab uns der berühmte englische Kanzler Thomas Morus. Dieser sollte die Ehescheidung seines abtrünnigen Königs Heinrich VIII. als giltig erkennen und dessen Lostrennung von der Einheit der Kirche billigen. Er trat aber entschieden einem solchen ruchlosen Ansinnen entgegen. Dafür ward er aber in's Gefangniß geworfen. Man drang auch da wiederholt in ihn und forderte ihn ans, sich den Neuerungen und Anordnungen des gottlosen Königs zu unterwerfen; wo nicht, so stünde ihm nichts Anders, als das Blutgerüst bevor. Man verlangte von ihm einzig und allein nur, daß er die wenigen Worte beschwören solle: „Ich will mich den Bestimmungen meines Herrn und Königs fügen." — Treue Freunde, die den edlen Morus so gerne vom Tode retten wollten, besuchten ihn oft in seinem Gefängniße und redeten ihm zu, diesen Eid zu leisten; er könne ja, meinte Einer derselben, diesen Eid gar wohl ablegen, indem er sich unter „seinen Herrn und König" ja nur den höchsten Herrn und König Himmels und der Erde denken dürste, dessen Bestimmungen er sich gewiß zu fügen bereit stehen würde. Allein Thomas Morus, der unbezwingbare Freund der Wahrheit, warf auf den Freund, der ihm solchen Rath ertheilen und ihn dadurch retten wollte, einen ernsten Blick und sprach: „Nicht Das darf ich beschwören, was ich denke, sondern Das, was man von mir zu beschwören verlangt. Ich weiß cs nur zu gut, daß Gott der Herr befiehlt: Du sollst schwören in Wahrheit. Nie und nimmer werde ich mich selbst betrügen und einen Meineid begehen, um meinen elenden Körper zu retten, während meine unsterbliche Seele zu Grunde geht." — So sprach ThomasMorus, und seine Freunde hatten einen Auftritt mehr erlebt, aus dem sie die unbesiegbare Rechtschaffenheit und Charakterstärke des großen Kanzlers ersehen und bewundern mußten. Fr. Was heißt: schwören mit IIeberlegung? Antw. Es heißt, man muß gar wohl bedenken, ob die Sache, die man beschwören soll, wichtig genug, und ob der Eid nothwendig sei. Belehrung und Beispiel. Bei eiuem Eide muß man mit größter Bedachtsamkeit zu Werke gehen und sich Am Feierabende des 2. October. «41 aller Uebercilung und Unbesonnenheit enthalten; nie darf man sich bei einem Eibe von Haß, von Liebe oder von einer andern unordentlichen Neigung des Herzens leiten lassen, sondern einzig und allein nur von dem Gewichte und der Nothwendigkeit der Sache selbst. Gegen diese zweite Eigenschaft des Eidschwnrcs versündigte sich besonders jener berüchtigte König Herodcs. Er sieht die Tochter der Hcrodias tanzen; sogleich wird er von der unordentlichen Leidenschaft seines Herzens ergriffen; ohne sich zu besinnen, was er sagt, schwört er der Tänzerin, ihr Alles geben zu wollen, was sic verlange, sollte es auch die Hälfte seines Reiches sein. Wegen einer so unbedeutenden Sache schwört ein König — einen so unbesonnenen Eid, der den heiligsten unter den Menschenkindern, den heiligen Vorläufer Johannes, zum grausamen Opfer forderte! Hätte er die Sache überlegt, er würde vielleicht diesen Schwur nicht gethan haben. Fr. Was heißt: schwören in Gerechtigkeit'? Antw. Es heißt, sich durch den Eid nur zu gerechten und ehrbaren Dingen verpflichten. Belehrung und Beispiele. Nie darf man sich zu etwas Ungerechtem oder Unehrbarem durch einen Eidschwur verpflichten, nie durch einen Eid eine ungerechte Sache unterstützen. Wer dieß thun würde, der würde nicht nur ungiltig schwören, sondern auch eine schwere Sünde gegen die Gerechtigkeit beim Eide begehen. Dieß erkannte gar wohl der heilige Basilius, welcher dem Statthalter des Kaisers, Valens, der ihn aufforderte, zu schwören, daß er der Lehre des Anus huldigen wolle, antwortete: „Nie werde ich etwas Sündhaftes beschwören; das aber schwöre ich, daß ich Blut und Leben für die Lehre Christi hinzugebcu bereit bin." (Sieh das vorausgehende Bild!) Ja, eine schwere Sünde begeht, wer Unerlaubtes beschwört. Auf solche Weise versündigten sich die Juden, welche, wie wir in der Apostelgeschichte lesen, (Apostelgcsch. 23, 12 ) unter der Bedingung sich verschworen haben, daß sie „Nichts verkosten wollen, bis sie Paulum getödtet h ätten." Einen solch ungerechten Eid schwur auch Herodes; er hätte seinen Schwur nicht mehr halten dürfen, als er sah, an welche sündhafte Bedingniß er sich knüpfe, indem die Tochter der Herodias das Haupt des heiligen Johannes forderte. — Du siehst also, mein Christ! daß das Schwören immer etwas Gefährliches ist; darum soll man sich wohl bedenken, bevor man schwört. Bei uns ist es gewöhnlich der Fall, daß mau einen feierlichen Eid nur vor Gericht ablcgt; es wird dadurch erfüllt, was die heilige Schrift mit den Worten Mchlcr, Hausbuch. ausdrückt: „Du sollst schwören im Gerichte." Bei diesem feierlichen Eide werden folgende bedeutungsvolle Cere- monien beobachtet: 1) Muß der Schwörende vor einem Kruzifixbildc, neben welchem zwei Wachskerzen brennen, mit entblößtem Haupte dastehen, um dadurch erinnert zu werden, daß er vor dem allwissenden göttlichen Richter stehe, dem selbst alle Tiefen des Herzens Helles Licht sind; vor ihm entblößt er zugleich sein Haupt aus tiefster Ehrfurcht und sagt gleichsam: „Hier, gerechter Gott! hast du mein Haupt. Deine Blitze, deine göttliche Rache mag mich treffen, wenn ich nicht die Wahrheit rede!" — 2) Der Schwörende muß die rechte Hand cmpor- hebcn (Weibspersonen legen sie an ihre Brust), drei Finger ansstrecken und zwei Niederdrücken. Die drei ausgestrcckten Finger bedeuten die allerheiligste Dreifaltigkeit; die zwei niedergedrückten bedeuten Leib und Seele. Durch diese Zeremonie will also der Schwörende gleichsam sagen: „Gott der Vater soll mich auslöschcn aus dem Buche des Lebens; Gott der Sohn soll an mir sein kostbares Blut verloren sein lassen, und der heilige Geist sott mir jegliche Gnade entziehen, ja an Leib und Seele will ich zu Grunde gehen, wenn ich nicht die Wahrheit rede." — Man bedenke es wohl, welch ein furchtbares Weh man über sich herabzieht, wenn man falsch oder meineidig schwört! Legende: Der heilige Leodegar, Bischof zu An tun (fl 678). Der heilige Leodegar, dessen Andenken wir heute r, fiel als Opfer deS ränkevollen und meineidigen 81 <>42 Viertes Hauptstück. Von den Versündigungen gegen den Eidschwur — Meineid. Hanömeiers Ebroin, der ihm treue Freundschaft geschworen hatte. Leodcgar war nämlich Bischof zu Niltun in Frankreich und mußte daselbst um der Gerechtigkeit willen Vieles leiden. Als in Betreff der Thronfolge Zwistigkeiten entstanden waren, sprach sich Leo- degar für Childerich, den rechtmäßigen Thronfolger, aus, Ebroin aber für seinen Freund Theoderich. Deß- halb ließ Ebroin den heiligen Bischof ergreifen, obscbon er ihm früher Freundschaft geschworen hatte, ließ ihm die beiden Augen ansstechcn und mit dem Schwerte hinrichten i. I. 678. Aber es blieb die Strafe für diesen Mord und Meineid nicht aus. Ebroin fiel einige Jahre später unter dem Schwerte eines Vasallen, den er in seinen Nechtcn gekränkt halte. Gebet. Bittfürnns, heiligerBischofLeodegar, daß wir alle Ungerechtigkeit und alles falsche und lügenhafte Wesen verabscheuen und wie du nur für Wahrheit nnd Gerechtigkeit leben und sterben. Amen. Zweihnndertsechsundsiebenzigstes Lesestülk. Am Feierabende des 3. October. Von den Versündigungen gegen den Eidschwur — Meineid. Fr. Wie versündigt man sich mit Schwören? Antw. I) Wenn man ohne Noth schwört oder zum Schwören verleitet und 2) besonders aber, wenn man falsch oder im Zweifel schwört. Belehrung. Der Eidschwur muß uns immer etwas Heiliges sein; man darf daher nur im Nothfalle schwören, und auch da nur, wie du, mein christlicher Leser! schon aus dem letzten Lesestück weißt, in Wahrheit, mit Ueb erleg ung und in Gerechtigkeit. Sünde ist es also, wenn man 1) ohne Noth schwort oder zum Schwören verleitet. „Wie es dem Körper nicht nützlich ist," schreibt der heilige Augustin, „Arzneien zu gebrauchen, wenn sie nicht nothwcndig sind, ja, ihr häufiger Gebrauch sogar schädlich ist; ebenso ist cS auch nicht heilsam, den Eidschwur zu gebrauchen, wenn nicht eine gerechte und zugleich wichtige Ursache vorhanden ist." AuS diesem Grunde ruft uns auch EhristuS zu: „Schwöret gar nicht!" — Eine überaus große Sünde aber ist eS, wenn man 2) sogar falsch oder im Zweifel schwört, d. h. wenn mau unter einem Eide versichert, daß Etwas wahr sei, obschon man weiß, daß es unwahr, oder nicht weiß, ob es wahr sei, oder wenn man eidlich Etwas verspricht, was man nicht zu halten gedenkt. Das ist jene furchtbare Sünde des Meineides, die in den Augen Gottes ein Greuel ist; denn also spricht der Herr bei Zacharies (8, 17.): „Liebet nicht, falsch zu schwören; denn all dieß hasse ich." Beispiel und Anwendung. Zwei Knechte, Klaus und Görg, führten zwei Wagen voll Holz in das Schloß ihres Gutsherrn und kamen auch in die Küche. Kaum war der Koch zur Thüre hinausgegangen, so stahl der listige Klaus ein Stück Fleisch aus dem Kessel, schob es dem Görg in die Tasche und sagte: „Wenn der Koch nach dem Fleische fragt, so schwöre ich, daß ich Nichts eingeschoben habe, und du schwörest, daß du Nichts genommen hast. So kommen wir leicht durch." Der Koch kam zurück, schaute in den Kessel und fragte die Knechte: „Wo ist das Fleisch hingekommen?" Beide redeten sich nun aus, wie sie verabredet hatten. Allein der Koch sagte: „Du, Klaus! hast das Fleisch aus dem Kessel genommen, das sehe ich an deinem rußigen Acrmel, Am Feierabende des 3. October. 643 und du, Görg! hast es cingeschoben; denn das Fett tröpfelt dir ja aus dem Sacke heraus. Schämt euch und fürchtet euch der Sünde! Denn wenn ich auch eure Schalkheit nicht gemerkt hätte, so sah sie doch Gott, der keine Sünde ungestraft läßt." Ja, mein Christ! Gott hört und sieht es, wenn du falsch schwörest, und er wird dich strafen um deiner Ruchlosigkeit willen, magst du die Sache auch noch so schlau anstcllen. Fr. Wie versündigt man sich ferner durch Schwören? Antw. Wenn man schwört, Böses zu thnn oder Gutes zu unterlasse». Belehrung. Ebenso thöricht als sündhaft ist es, wenn inan sich durch einen Eidschwnr zur Ausführung einer bösen That oder zur Unterlassung des Guten verbindlich machen würde. Einen solchen Schwur darf man weder,leisten; denn „ein Diener Gottes," sagt der heilige Augustin, „muß sich lieber dem Tode aussetzcn, als Etwas zu thnn versprechen, was er nicht thnn darf;" noch auch darf man denselben halten, wenn man ihn bereits geleistet hat; denn wie cs Sünde war, einen solchen Schwur z» thnn, so wäre es abermals Sünde, ihn zu halten. „Gottlos ist ein Versprechen," sagt der heilige Isidor, „das nur mit einem Laster erfüllt wird." Beispiel und Anwendung. Sophronius erzählt von zwei Brüdern, die sich gegenseitig ewigen Haß geschworen hatten. Ein christlicher Nachbar, der diese furchtbare Feindschaft mit Wehmuth sah, gab sich alle mögliche Mühe, die beiden Brüder mit einander zu versöhnen. Der Eine von ihnen zeigte sich auch wirklich zur Versöhnung geneigt; der Andere aber verblieb hartnäckig in seiner Feindschaft. Der brave Nachbar machte daher noch einen letzten Versuch und ging zu dem Unversöhnlichen und stellte ihm sein hartes Herz vor. Dieser aber entgegnete: „Ich kann mich unmöglich mit meinem Bruder je mehr auSsöhnen; denn ich habe es vor Gott, dem Allmächtigen und Allwissenden, geschworen, daß ich ihm ewig zürnen will, nie mehr mit ihm auch nur ein Wörtlein verlieren werde. Könnte ich so böse thun und meinen Eid brechen?" — Freundlich entgegnete hierauf der Nachbar: „Mein Sohn! wie kannst du doch so thöricht sein und glauben, daß es Gott dem Herrn gefalle, wenn du ihm auf eine Sünde, ans eine Todsünde hin einen Eid schwörest? Dein Schwur ist ungiltig, und du darfst ihn sonach eben so wenig halten, als wenn du Gott dem Herrn den Schwur gethan hättest: ,,„O mein Jesus! in Anbetracht deines kostbaren Kreuzes will ich deinen Geboten nicht mehr Nachkommen, sondern den Willen des Teufels, deines Feindes, erfüllen."" Du hast also einen sündhaften Eid geschworen und würdest Sünde auf Sünde häufen, wenn du deinen gottlosen Schwur halten wolltest!" — Die Worte des braven Mannes verfehlten ihren Eindruck nicht; noch an demselben Tage versöhnten sich die beiden Brüder, und lebten von nun an in Liebe und Eintracht. Fr. Wie kann mau sich endlich noch gegen den Eidschwur versündigen? Antw. Wenn mau den Schwur nicht hält, ob- schou man ihn halten kann, oder wenn man sich durch allerlei Ausreden oder Kunstgriffe von der Haltung desselben entbinden zu können glaubt. Belehrung und Beispiele. Man versündigt sich schwer, wenn man 1) einen gegebenen Schwur nicht hält, ob schon man ihn halten kann. Dieser Sünde machen sich schuldig z. B. öffentliche Diener, welche geschworen haben, ihrem Amte treu zu sein, eS aber nicht mit Gerechtigkeit, mit Genauigkeit und mit Unparteilichkeit verwalten; Eheleute, die am Fuße dcs Altarcs sich gegenseitig eheliche Treue und Liebe geschworen haben, ihren feierlichen Verbindlichkeiten aber nicht Nachkommen rc. — Eidbrüchig ist endlich 2) auch Derjenige, welcher sich durch allerlei Ausreden oder Kunstgriffe von seinem gegebenen Eide entbinden zu können glaubt. So machte eö z. B. der Sultan Snlciman. Bekannt ist nämlich jene List, durch welche dieser seinem Gewissen aus dem Gedränge zu helfen verstand. Sein Großvczicr Ibrahim, durch die Gunstbezeigungen, mit denen der Sultan ihn überhäufte, geängstigt, hatte diesem ein feierliches Versprechen abgelockt, welches ihm gegen den Neid der Höflinge Schutz verbürgte. Suleimau schwur ihm nämlich, sich durch keine Verläumdung bewegen zu lassen, ihn zum Tode zu verurtheilen; er beschwor diese Zusage bei seinem Leben. Nicht lange nachher ward Ibrahim beim Gebieter dergestalt angeschwärzt, daß dieser in seinem Zorne beschloß, ihn aus dem Wege zu räumen. Allein wie sollte er das beginnen, ohne seinen Eid zu brechen, sein Gewissen zu verletzen? Erging mit den moslemischen Pharisäern und Schrift- gelehrten zu Rathe, und ihr Scharfsinn hatte bald das rechte Mittel gefunden. „Lasse ihn," sprachen sie, „zu jener Zeit tödtcn, da du eben schläfst; denn also heißt es im Koran: „Ein Mensch, der da schläft, lebet nicht."" — Suleiman legte sich schlafen, und Ibrahim erhielt die seidene Schnur. So war Suleiman sein Mörder; denn wer wird solche Scheingründe für zureichend erachten, um einen Eidbruch zu rechtfertigen? — Ganz anders handelte Friedrich der Schone von Oesterreich. Dieser war von Kaiser Ludwig dem Bayer in der Schlacht bei Ampsing 1322 besiegt und als Gefangener nach Trausnitz geschickt Viertes Hauptstück. Von den furchtbaren Folgen des Meineides. worden. Bald aber eilte Ludwig zu ihm und bot ihm unter gewissen Bedingungen Friede und Freiheit an — ohne Lösegeld. Friedrich der Schöne verzichtete ans das Kaiserthum, ging die übrigen Bedingungen ein und versprach eidlich, freiwillig in die Gefangenschaft zurückzukehren, wenn er dieselben nicht erfüllen könne. (Sich das voransgehende Bild!) Freudig eilte nun Friedrich zurück in die Arme seiner braven Gemahlin Elisabeth. Allein sein eigener Bruder Leopold machte es ihm unmöglich, die gestellten Bedingungen zu erfüllen. Treu seinem gegebenen Eide, kehrte er nun wieder in die Gefangenschaft zurück, ohne zu achten die Bitten seiner Gemahlin. Welch' ein Edelmuth! Legende: Der heilige Abt Gerhard ('s 959). Auch in der Geschichte der Heiligen begegnet uns heute ein Mann, der ein Freund der Wahrheit und Aufrichtigkeit war und treu in Erfüllung seines gegebenen Wortes, nämlich der Abt Gerhard. Er wurde in der Grafschaft Namur von frommen Eltern geboren und sorgfältig erzogen. Zum Jünglinge herangereift, trat er in die Dienste des Grafen Berengar von Namur. Gerhard war bei seinem liebenswürdigen Aeußern und seiner Geselligkeit den Fallstricken des Hoflebens wohl sehr ansgesctzt, aber gleichwohl edel genug, seiner gotteö- fürchtigeu Erziehung treu zu bleiben. Sowohl in der Hofburg als im Feldlager bewahrte er die Unschuld seiner Sitten. Er gewann eine besondere Liebe zur Einsamkeit, erhielt nach vielem Bitten die Freiheit und wählte das Mönchsleben. Später zum Abte erwählt, legte er nach einiger Zeit diese Würde nieder, um förmlich als Klausner zu leben. Aber Gott hatte ihn ansersehen, gleich andern Männern seiner Zeit, an der Wiederherstellung des ächten Ordenslebens zu arbeiten. Dem musterhaften Mönche Gerhard wurde die schwere Aufgabe gesetzt, die Klöster in Flandern und Lothringen zum neuen Leben zu erwecken. Unter ungeheueren Anstrengungen oblag der Heilige zweinndzwanzig Jahre diesem schwierigen Geschäfte, und setzte in achtzehn Klöstern die besseren Reformen durch. Dadurch wurde er der geistliche Erzieher und zweite Begründer derselben. Er ging auch nach Rom, um vom heiligen Stuhle die von ihm eingeführten Verbesserungen bestätigen zu lassen. Seine Bitte wurde erhört. Nach seiner Rückkehr besuchte er noch einmal seine Klöster, schloß sich dann in seine Zelle ein, und erwartete hier den Tod, der ihn am 3. Oktober 959 in das bessere Jenseits führte. Gebet. Herr, himmlischer Vater! stehe uns bei, damit wi.r ebenso treu und eifrig vor dir wandeln, wie der heilige Abt Gerhard, auf daß auch uns einst der Tod hinüberführe in das bessere Jenseits zu deiner ewigen Anschauung. Amen. Zweihnndertsiebenundsiebenzigstes Lese stück. Am Feierabende des 4. Oktober. Von den furchtbaren Folgen des Meineides. Fr. Was ist von einem falschen Schwur oder vom Meineide zu halten? Antw. Daß er eine der größten und zugleich verderblichsten Sünden ist. Fr. Warum ist der Meineid eine der größten Sünden? Antw. Weil der Meineidige sich gegen Gott, den Allwissenden und Gerechten, sowie gegen dieganze Menschheit ans eine furchtbare Weise versündigt. Belehrung. Der Meineidige versündigt sich 1) schwer gegen Gott; denn er spottet der Allwissenheit, der Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit GotteS, indem er ihn zur Bestätigung und zum Zeugen einer Lüge anruft; nberdieß sagt er sich gleichsam feierlich von Gott los, indem er auf Gottes Gnade und Barmherzigkeit, sowie auf die ewigen Güter, die uns Gott versprochen hat, verzichtet. Der Meineidige ist sonach im vollsten Sinne des Wortes gottlos. Er versündigt sich aber auch 2) schwer gegen die ganze Menschheit, weil er auf die frechste Weise die Pflicht der Wahrhaftigkeit und Redlichkeit verletzt und so das letzte Mittel, welches den Menschen zu Gebote steht, um Streitigkeiten zu schlichten Am Feierabende 5 .^ „nd Treue und Glauben unter den Menschen zu erhalten, mißbraucht und entkräftet. Kann es also eine größere Sünde geben? Fr. Warum ist der Meineid eine der verderblichsten Sünden? AntW. Weil sie zeitliches und ewiges Verderben in ihrem Gefolge hat. Fr. Worin besteht das zeitliche Verderben, das den Meineidigen trifft? Antw. In verschiedenen zeitlichen Strafen, in beständiger Unruhe des Gewissens, in Unheil und Unglück, das da ruht auf ihm und seinem Hause. „Leid und Unglück ist ans seinem Wege," sagt der heilige Paulus. (Nöm. 3, 17.) Belehrung. Schon auf dieser Welt ereilt den Meineidigen gewöhnlich die verdiente Strafe. Nach den Bestimmungen der weltlichen Gesetze schon trifft den Meineidigen die Zuchthaus-und Kettenstrafe; auch verliert Jener, welcher wissentlich falsch schwört, alle Aemter, Würden und kürzer- lichen Ehren. Und wenn auch der Meineidige der Strafe von Seite der weltlichen Obrigkeit entgeht, so ereilt ihn doch ganz gewiß Gottes Rache, Gottes Fluch, der Blitz seines Zornes. (Sieh das obige Bild!) In seinem Innern hat er keine wahre Ruhe, und in seinem Hause und Geschäfte kein Glück und keinen Segen mehr. Ganz wahr sind die Worte, welche der heilige Chrhsostomus vom Meineide schreibt: „Kein Dolch verwundet so sehr, wie der Meineid, und kein Schwert tödtct so grausam, wie ein falscher Schwur. Daher schreibe dieses an die Wand deines Hauses und Herzens!" An dem Meineidigen bestätigt sich, leider! nur zu oft der Ausspruch der heiligen Schrift (Zach. 5, 4.): „Es soll kommen der Fluch in das Haus des falsch in meinem Namen Schwörenden, und er soll bleiben mitten in seinem Hause und es verzehren, sein Holz sammt seinen des 4. Oktober. L45 Steinen." Wir sehen dieß in folgendem Beispiele buchstäblich erfüllt. Beispiel und Anwendung. Es hat sich nämlich am 12. Juli 1845 in Schwarzstein bei Nastenburg folgender merkwürdige Vorfall ereignet. — Ein Schisferknccht war kurze Zeit vor dem erwähnten Tage eines Diebstahls beschuldigt und in Folge dessen vor das Gericht zu Nastenburg gezogen worden, und erbot sich zum Reinigungseide. Weil er aber ein unmoralischer Mensch und als Dieb berüchtigt war, so wurde er zum Schwure nicht zugelassen. Da schwur er auf eigene Hand, d. h. gesprächsweise, und äußerte dabei: „Das erste Gewitter, das heraufkommt, möge mich erschlagen, wenn ich gestohlen haben sollte!" — Am 12. Juli zog über Schwarzstcin ein schweres Gewitter, und der erwähnte Schifferknecht befand sich mit vier Kindern und einem Hunde in seinem Wohnhause. Auf einmal erfolgte ein Donner schlag; der Blitz hatte in das Haus des gedachten Schifferknechtes getroffen und den Missethäter in Mitte der ihn Umgebenden erschlagen, die zwar etwas betäubt, aber dennoch unversehrt geblieben waren. Der Strahl war ihm in die Nase und in den Mund gefahren. Da das Haus in Flammen stand, so mußte der Getödtete hinauSgetragcn werden; aber Niemand von den Einwohnern Schwarzsteins wollte den, wie sie meinten, von Gott Gerichteten berühren, trotz der Ermahnung des Pfarrers, der, nachdem seine Ermahnungen fruchtlos geblieben waren, selbst ihn beseitigen mußte. Das Haus brannte nieder, doch verbreitete sich das Feuer nicht weiter. —Gewiß ein merkwürdiger Fall; jedoch buchstäblich wahr, uns zum Beweise, daß der Meineid nicht selten zeitliches Verderben über den Menschen bringt. Fr. Worin besteht endlich das ewige Verderben, das den Meineidigen trifft? Antw. In der ewigen Verdammniß. Belehrung und Beispiel. Der Meineid ist eine Todsünde, und wer diese Sünde begangen hat und nicht wahrhaft bereut und den Schaden nicht nach Kräften wieder ersetzt, der wird ganz gewiß von: gerechten Richter im andern Leben auf ewig verworfen werden. Denn also spricht der Herr der Hcerschaaren: „Ich will zu euch kommen zum Gerichte und ein schneller Zeuge sein wider die . . .Meineidigen." (Malach. 3, 5.) Und ach! was wird das für ein Gericht werden? Gewiß wird es da heißen: „Hinweg von mir, ihr Vermaledeiten! in's ewige Feuer!" Daher sterben aber auch so viele Meineidige aus Verzweiflung als Selbstmörder. In Berg am Laim, Landgerichts Au, (so erzählt der Volksbote,) hat sich am 5. Juli 1653 der achtundfünfzigjährige Bauersknecht Joseph Schwarz von Schönenberg auf dem Heuboden seines Dienstherrn erhängt. Gewissensbisse wegen eines geleisteten falschen EidcS haben 646 Viertes Hauptstück. Von den Gelübden, und zwar von der Bedeutung und Beschaffenheit derselben. ihn so weit gebracht, zu einem Verbrechen auch noch ein zweites zu begehen. — So bestätigen sich auch hier wiederum die Worte des heiligen Chry sostomus: „Kein Dolch verwundet so sehr, wie der Meineid, und kein Schwert tödtet so grausam, wie ein falscher Schwur." Schreibe dir dieses, mein christlicher Leser! an die Wand deines Hauses und Herzens! Fr. Was soll Derjenige thun, der falsch geschworen hat? Antw. Er soll vor Allein die Größe seines Verbrechens erkennen, es vor Gott herzlich bereuen, beichten und Buße thun, zugleich sich aber auch ernstlich bemühen, den verursachten Schaden vollkommen wieder gut zu machen, worüber er sich ganz besonders mit seinem Beichtvater berathen soll. Belehrung. Ach, wie oft werden falsche Eide geschworen um eines zeitlichen Vorthciles, um einige Gulden Geldes willen! Möchten diese Unglücklichen die Größe ihres Verbrechens erkennen, beichten und Buße thun und den Schaden wieder nach Kräften gut machen, bedenkend, daß ihnen alle irdischen Vortheile und Reichthümer Nichts helfen, wenn sie an ihrer Seele Schaden leiden! O daß sie diese große Wahrheit auf's Neue lernen möchten ans dem Beispiele des heiligen Franz Seraph, dessen Fest heute in der Kirche gefeiert wird, und der gerne auf Alles verzichtete, um nur seine Seele zu retten und den Himmel zu gewinnen. Legende: Der heilige Franziskus von Assisi, Ordensstifter (ch 1226). Franziskus Seraph ikns, der Sohn eines reichen Kaufmanns, wurde i. I. 1182 zu Assis in Umbrien geboren. Der Herr, welcher Großes mit ihm vorhatte, führte ihn in einem Alter von zwanzig Jahren zur Erkeuntniß des Heiles. Nun suchte der junge Mann, vorher der Welt ergeben, die Einsamkeit auf, ergab sich strengem Fasten und eifrigem Gebete-und beschäftigte sich besonders mit der Betrachtung des Leidens Jesu. Man hielt ihn, als er wieder öffentlich erschien, für wahnsinnig, und selbst sein Vater zwang ihn, auf sein ganzes Erbe zu verzichten. Als dieß geschehen, legte er seine bisherige Kleioung ab, zog einen alten Bauernkittel an und beschloß, nur vom Almosen zu leben. Nachdem er ein Kirchlein zu Portiunkula, welches zu Ehren der seligsten Jungfrau eingeweiht war, wieder hergestellt und sich da niedergelassen hatte, trat er als Bußprediger auf, und seine einfache, aber ernste und salbungsvolle Rede, unterstützt von einein heiligen Wandel, drang mit fast unwiderstehlicher Gewalt in die Herzen der Zuhörer. EM Bald gesellten sich mehrere, selbst angesehene Männer zu ihm, denen er Verachtung der Welt, Verläugnuug des eigenen Willens, Kasteiung des Leibes und Liebe zur evangelischen Armnth einflößte, und sie daun in die Länder anssandte, Buße zu predigen. Papst Jnno- cenz III. bestätigte die Regel, die der Heilige aufgesetzt hatte, und gab dem Orden die Erlaubnis) und Vollmacht, allenthalben das Wort Gottes zu predigen. Franziskus begab sich sogar nach Aegypten, um den Ungläubigen das Evangelium zu predigen, und wo möglich den Martertod zu finden. Um die Andacht zu dein göttlichen Kinde Jesu in den Herzen der Christen mehr zu entzünden, führte er den heilsamen Gebrauch ein, das göttliche Kind zur Weihnachtszeit in der Krippe vorzustellen. Zwei Jahre vor seinem Tode wurde er auf wunderbare Weise mit den Wundmalen Christi bezeichnet. Er starb in der Kirche Portiunkula am 4. October 1226. Gebet. O Gott, der du dem heiligen Franziskus die Gnade gegeben hast, alles Irdische zu verachten, verleihe uns, daß auch wir nach seinem Beispiele der Welt und ihrer Lust entsagen und nur nach dem Himmlischen trachten, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihimdcrtachtundsiebenzigstes Lesestück. Am Feierabende des 5. October. Von den Gelübden, und zwar von der Bedeutung und Beschaffenheit derselben. Fr. Was ist ein Gelübde? Antw. Ein Gelübde ist ein mit Ueberleguug und freiem Willen Gott gemachtes Versprechen, wodurch man Am Feierabende des 5. Oktober. «47 sich verbindet, etwas Gntes zn thnn, das möglich nnd besser ist, als das Gegentheil. Belehrung. Das Gelübde muß folgende Merkmale haben: 1) Es muß ein Versprechen sein, nicht ein bloßerVorsatz. Durch das Versprechen gibt man nämlich Dem, welchem man Etwas verspricht, das Recht, von uns das Versprochene auch zn verlangen; bei dem Vorsatze hingegen faßt man nur den Entschluß, Etwas zn thnn, ohne die Meinung und den Willen, sich unter einer Sünde zu Leistung desselben zu verpflichten. 2) Das Gelübde muß ein Gott gemachtes Versprechen sein; denn nur Gott dem Herrn kann man Etwas geloben, weil dieß ein Akt der Anbetung ist; gleichwohl kann man aber auch —zum Gedächtnisse der Heiligen ein Gelöbniß machen, um durch ihre Fürbitte von Gott eine Gnade zu erlangen. So kann man z. B. eine Wallfahrt zu einem Marianischen Gnadenbild geloben, was gar häufig geschieht. (Sieh das folgende Bild!) 3) Das Gelübde muß mit Ueberlegung geschehen; daher wäre ein Gelübde ungültig, welches man ohne Kenntnis; des angelobten Gegenstandes, aus Unwissenheit, Jrrthnm, in der Trunkenheit, aus Mangel an Vernunft, in heftiger Leidenschaft u. s. f. gethan hat; denn „der Herr hat ein Mißfallen an einem thörichten Versprechen." (Eccl. 5, 3.) 4) Das Versprechen muß aus freiem Willen gemacht werden; wen» also Eltern für ihre Kinder ein Gelübde thnn, z. B. daß sie dieses oder jenes Kind dem jungfräulichen Stande widmen wollen, so ist das Kind nicht zur Haltung desselben verpflichtet; ebenso wäre dieß der Fall, wenn man Jemanden durch Drohung oder Zwangsmittel zn einem Gelübde bestimmen würde, z. B. durch Androhung von Enterbung oder Mißhandlungen rc. 5) Das, was man gelobt, muß möglich sein; d. h. es muß in unfern Kräften stehen, es mit der Gnade Gottes zu thnn, und unsere Verhältnisse müssen cs gestatten. „Keiner," sagt der heilige Thomas von Aquin, „kann sich zn Dem verbinden, was nicht in seiner Gewalt steht, oder durch dessen Erfüllung er Demjenigen, unter welchem er steht, einen Nachthcil verursacht, ohne daß dieser ausdrücklich oder stillschweigend Unwillige. Man kann Gott nur Das versprechen, worüber man selbst, nicht aber Das, worüber ein Anderer das Recht hat." Sonach kann von den Eheleuten nicht das Eine ohne Einwilligung des Andern geloben, was den ehelichen Pflichten entgegen ist; der Dienstbote nicht, was mit seinen Dienstcsverhältnissen im Widerspruche steht; daS noch nicht mannbare Kind kann Nichts geloben ohne Zustimmung der Eltern u. s. f. Endlich 6) muß Das, was man gelobt, gut und besser sein als das Gegentheil z. B. Hcirathen ist gut und recht; aber besser und gottwohlgefälliger ist das Gegentheil: der jungfräuliche Stand; darum kann ich Letzteres geloben, nicht aber Elfteres. Fr. Ist es Pflicht, die Gelübde zu halten? Antw. Ja, es ist strenge Pflicht, die Gelübde zn halten, wenn nicht eine Unmöglichkeit cintritt. „Wenn du ein Gelübde gelobest dem Herrn, deinem Gott, so säume nicht, es zn erfüllen; denn der Herr, dein Gott, fordert es von dir; und wenn du säumest, wird es dir zur Sünde gerechnet." (5. Mos. 23, 21.) Belehrung. Wenn man schon strenge verpflichtet ist, ein dem Menschen gemachtes Versprechen zu halten, um wie viel größer muß nicht diese Verpflichtung gegen Gott sein? Versprechen macht halten. Darum ist cs eine schwere oder läßliche Sünde, je nachdem wir uns verbunden haben, und je nachdem die Sache beschaffen ist, wenn man das gegebene Gelübde nicht erfüllen wollte. Hat man die Zeit festgesetzt, zu welcher man sein Gelübde erfüllen will, so ist man unter einer Sünde auch zur Beobachtung derselbe» vcr- «18 Viertes Hauptstück. Von den Gelübden, und zwar von der Bedeutung und Beschaffenheit derselben. pflichtet, es sei denn, daß irgend ein Hinderniß eingetreten wäre, welches die Erfüllung unmöglich macht. Man sei daher sehr vorsichtig, damit man nicht etwa Dinge gelobe, die man nachher nicht erfüllen kann, und man lasse es sich getreulich angelegen sein, Gott dem Herrn das Gelobte zn leisten! Beispiel und Anwendung. Wir sollen in dieser Beziehung das so erbauliche Beispiel jener bayerischen Kanoniere nachahmcn, welche um das Jahr 1833 aus Griechenland znrückkehrten. Diese hatten zur Gnademnutter in Alt« ötting ein Gelübde gemacht, als sic auf dem Meere große Lebensgefahr anszustehcn hatten. Sic riefen Maria um ihren Beistand und ihre Fürbitte alt, und versprachen, sobald sie in Altötting ankommen würden, zum Danke ein Hochamt halten zu lassen und eine Gedenktafel zu opfern. Sie landeten glücklich, kamen glücklich auch in Altötting an und hielten, was sie gelobt hatten. Es war für die der Andacht beiwohnenden Gläubigen ei» rührender Anblick, als sic diese edlen Männer, die Söhne des Vaterlandes, in der heiligen Kapelle erblickten, und die Gefühle und Opfer ihres Dankbaren Herzens darbringen sahen. Sie, die christlichen Helden, wurden von Maria nicht verlassen, und was sie durch ihre Fürbitte erlangt, Rettung aus drohender Gefahr, um das flehten sie auch für das ganze Vaterland. Denn am Schlüße der Andacht wurde noch ein Lied zu Ehren der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria gesungen, welches mit der herzlichen Bitte schloß: „Verlaß das liebe Vaterland, verlaß das liebe Bayern nie!" Wer immer dieser Andacht beiwohnte, konnte sich der Thränen nicht erwehren. Fr. Wan» hört die Verpflichtung, die uns durch ein Gelübde aufgelegt wird, wiederum auf? Anlw. 1) Wenn eine Unmöglichkeit eintritt, und 2) wenn das Gelübde mit Wissen und Genehmigung der geistlichen Vorgesetzten aufgehoben oder abgeäudert wird. Belehrung und Beispiel. Die Verbindlichkeit, ein gethanenes Gelübde zu erfüllen, hört auf 1) sobald eine Unmöglichkeit eintritt, z. B. wenn Einer gelobt hat, Almosen von seinem Vermögen zu geben; plötzlich aber wird er selbst arm; oder Einer gelobt, zu fasten; nun aber wird er krank. Oft kann auch der Fall eintretcn, daß durch Zeit und Umstände ein früheres Gelübde unnütz, ja, sogar unerlaubt würde; in all diesen Fällen hört die oben genannte Verbindlichkeit auf. 2) Das Gelübde verpflichtet uns nicht mehr, wenn es auf gesetzliche Weise aufgehoben oder abgeändert wird. So können z. B. Eltern, Großeltern und Vormünder die Gelübde ihrer noch unmannbaren Kinder aufheben, weil sic über den Willen derselben zu verfügen haben; bei schon mannbaren könnten sie indcß dieß nicht mehr thun, wofern ihre Gelübde nicht der häuslichen Ordnung zuwider sind. — Der Papst, der von Christus die Gewalt zu lösen und zu biuden erhalten hat, kann alle Gelübde erlassen, die Bischöfe jedoch nur jene, welche sich der Papst nicht eigens Vorbehalten hat. Auch die Bcicht- väter können zur Zeit eines Jubiläums kraft der päpstlichen Vollmacht die meisten Gelübde, mit Ausnahme der vorbe- haltcnen in andere gute Werke verändern, wenn ein gewickp tigcr Grund hiezu vorhanden ist. — Ein Beispiel hiezu liefert uns die Kirchengeschichte. Eduard III., König von England, den die Vorsehung aus so mancher Gefahr gerettet hatte, gelobte, eine Wallfahrt nach Nom zu verrichten. Allein der englische Adel, welcher mit Recht fürchtete, in seiner Abwesenheit möchten die kaum gedämpften Unruhen wieder ausbrcchen, widcrricth es ihm, und schlug ihm vor, seine Andacht lieber in dem Vaterlande durch Almosen und andere gute Werke auszuübeu, welche das Land vielmehr erbauen, als ihm Unruhen verursachen würden. Da der König ängstlich in seinem Gewissen war, so mußte man sich an den Papst wenden, um den König durch Verwandlung seines Gelübdes zu beruhigen. Der Papst schrieb ihm mit folgenden Worten zurück: „Weil England durch Deine Abwesenheit iu Gefahr sein würde, so sprechen wir Dich von der Schuldigkeit loS, die Du Dir auferlegt hast, und wir gebieten Dir dafür, Dasjenige, was Du auf Deiner Reise ausgegebcn hättest, unter die Armen auszutheilen, und ein Kloster zu Ehren des heiligen Petrus zu erbauen, oder wieder herzustellcn. Zweifle nicht, daß Gott allen Denen, die ihn aufrichtig an- rufen, nahe ist, wo sie sich immer befinden mögen." — Der König stellte die Westmünster-Abtei wieder her, und schickte herrliche Geschenke nach Rom, die man dort zu einer Kirche verwendete, welche die englische Schule genannt wurde. Legende: Der heilige Placidus, Märtyrer (fl 546). Dieser Heilige, dessen Fest wir heute feiern, gibt uns ein schönes Beispiel, wodurch er uns zeigt, wie wir die gemachten Gelübde stets treu halten sollen; denn als er iu den Orden des heiligen Benedikt eingetreten war, hielt er die gemachten Ordens gelüb de mit einer solchen Pünktlichkeit, daß er hierin allen seinen Mitbrüdern als Muster vorlenchtete. — Der heilige Placidus ist der Sohn des reichen, römischen Edelmanues Tertullus. Sein Vater übergab den Knaben dem heiligen Ben edikt in Subiaco zur Erziehung. Placidus erwarb sich gar bald durch seinen Eifer auf dem Wege alles Guten die zärtliche Liebe seines Lehrers, so daß der heilige Benedikt ihn mit sich nahm, als er i. I. 529 auf Am Feierabende des 6. October. den Berg Cassino zog. Tertullus freute sich seines wohlgezogenen Sohnes, und schenkte dem heiligen Benedikt beträchtliche Ländereien nm Cassino. Seinem Sohne Placidns erlaubte er, bei dem heiligen B enedikt zu oerbleiben. So half Placidus durch seinen Vater dem heiligen Benedikt znr Gründung des berühmten Klosters Monte Cassino, der Pflanzschule des Benediktiner-Ordens, der Stätte unaussprechlichen Segens für die heilige katholische Kirche. — Tertullns schenkte dem heiligen Benedikt noch andere Besitzungen an der Küste Siciliens, nnd dieser schickte zur Wahrung des Besitzes und seiner Rechte den Placidus mit einigen Genossen dahin ab. Mit des heiligen Vaters Einwilligung erbaute Placidus unweit Messina ein kleines Kloster und eine Kirche zu Ehren des heiligen Johannes des Täufers. Das Kloster hob sich bald, und gegen dreißig heilsbegierige Männer und Jünglinge sammelten sich um den heiligen Placidus. Reicher Segen verbreitete sich im Laude umher. Da landeten plötzlich maurische Seeräuber an den Gestaden, überfielen das Kloster, und tödteten den heiligen Placidus mit fast allen seinen Gefährten i. I. 546. So wurden Placidus und seine Genossen die ersten Märtyrer des Benediktiner-Ordens. Gebet. Hilf uns, o Gott! daß wir ebenso treu, wie der heilige Märtyrer Placidus, erfüllen, was wir dir geloben, nnd ebenso eifrig dir dienen — durch Christum, unfern Herrn. Amen. 64 !» Zwelhundertnemmndsieüenzigstcs Lesestnck. Am Feierabende des 6. Octobcr. Von den Gelübden, nnd zwar von der Heiligkeit derselben und von den Versündigungen dagegen. Fr. Sind die Gelübde etwas Heiliges und Gott Wohlgefälliges? Antw. Allerdings; denn sie sind freiwillige Opfer, die wir Gott dem Herrn darbringen. Belehrung und Beispiele. Die heilige katholische Kirche lehrt es ausdrücklich, daß die Gelübde Gott dem Herrn gefallen, und die vielen Votivtafeln fast in allen katholischen Kirchen bestätigen uns diese Wahrheit; meistens liest man auf denselben: ex votc> (d. i. einem Gelöbnisse gemäß), und man findet darauf die Gnaden und Wohl- thaten angcdeutet, mit welchen Gott die frommen Gelübde belohnte. — Wie sehr Gott dem Herrn die Gelübde gefallen, können wir auch auS Beispielen in der heiligen Schrift ersehen. Mit Wohlgefallen nahm der Herr das Gelübde des Patriarchen Jakob ans. „Jakob gelobte ein Gelübde und sprach: Wenn Gott mit mir ist, und ich wieder glücklich in meines Vaters Hans komme, so will ich von Allem den Zehnten opfern." (1. Mos. 28, 20—22.) Jakob erfüllte sein Gelübde; denn der Herr hatte seine Bitte wohlgefällig erhört. — Die fromme Anna, die Mutter des Propheten Samuel, gelobte gleichfalls ein Gelübde und sprach: „Herr der Heerschaaren! wenn du mein gedenkest und deiner Magd einen Sohn gibst, so will ich ihn dem Herrn geben alle Tage seines Lebens." (1. Kön. 1, 1l.) Der Herr segnete sie, und Anna erfüllte ihr Gelübde. Fr. Wann ist ein Gelübde sündhaft? Antw. Wenn mau entweder sein frommes Gelöbnis; nicht hält, oder wenn man etwas Sündhaftes gelobt. Belehrung. Bei Gelöbnissen kann man sich sonach auf eine doppelte Weise versündigen: 1) wenn man sein frommes Gelöbniß nicht hält; denn „ein treuloses ... Versprechen mißfällt Gott," heißt es in der heiligen Schrift (Pred. 5, 3—5.); „viel besser ist es, nicht geloben, als geloben und das Versprechen nicht halten." Daß Gott diese Treulosigkeit sehr haßt und strenge bestraft, ersehen wir an Ananias und Saphira. (Sieh das nachfolgende Bild!) Denn diese wurden (wie der heilige Hieronymus bemerkt) deßhalb mit einem jähen Tode gestraft, weil sie Gott dem 82 Mehler, Hausbuch. 63 » Viertes Hauptstück. Von den Gelübden, nnd zwar von der Heiligkeit derselben rc. Schlachtopfer würgen zu lassen. Die Hälfte sank unter den Waffen, der übrige Theil des Heeres ergab sich oder ergriff die Flucht. Maximius selbst flüchtete sich nach Tarsus, ward da zu Wasser und zu Land einge- schlossen und sah kein RettungSmittel mehr. Dieser blinde Heide nahm in seinem schrecklichen Wahne Gift und starb unter entsetzlichen Schmerzen und unter furchtbaren Gewissensbissen erst am vierten Tage. So bestätigte sich an ihm die traurige Wahrheit: „Ein thö- richtes Gelübde mißfällt Gott dem Herrn." Legende: Der heilige Bruno, Stifter des Karthäuserordens (si 1101). Heute feiern wir das Andenken eines Heiligen, der ein ungemein strenges Gelübde ablegte und sich vou der Erfüllung desselben durch Nichts abschrecken ließ, wohl wissend, daß es viel besser sei, gar nicht zu geloben, als geloben und das Versprechen nicht halten. (Pred. 5, 3—4.) Es ist der heilige Bruno, der Stifter des so strengen Karthäuserordens. Er wurde um das Jahr 1035 zu Köln am Rhein aus einer adeligen Familie geboren. Unter den Angen seiner frommen Eltern aufwachsend, besuchte der viel versprechende Knabe zuerst die Schule des heiligen Kunibert zu Köln, bildete sich dann zu Rheims weiter aus und hatte unter seinen Zeitgenossen als Post, Philosoph und Theolog einen Namen; er glänzte auch auf dem Lehrstuhle. Seit längerer Zeit schon hatte Bruno den Entschluß gefaßt, Herru ihr Eigenthum gelobten, darnach aber einen Theil zurückbehielten und ihr Gelübde brachen. — Bei einem Gelübde kann man sich aber auch 2) besonders noch dadurch versündigen, wenn man etwas Sündhaftes gelobt. Daß solche sündhafte Gelöbnisse Gott dem Herrn sehr mißfallen, ist wohl natürlich; daher ruft uns der heilige Isidor von Sevilla zu: „Bei bösen Versprechungen brich dein Wort, bei einem schändlichen Gelübde ändere deinen Entschluß! Thue nicht, was du unvorsichtig gelobet hast! Gottlos ist ein Versprechen, das nur mit einem Laster erfüllt wird." Daß aber Gott solche sündhafte Gelübde nicht selten auch strenge bestraft, das zeigt uns die Kirchengeschichte in folgendem traurigen Beispiele. Beispiel und Anwendung. Der römische Kaiser Maximius zog im Jahre 313 mit einem sechzigtausend Mann starken Heere aus, um seinen Mitregenten Lizimius, der in aller Eile kaum dreißigtauseud Manu hatte zusammenbringen können, zu bekriegen. Ilm sich des Sieges, den Maximius zuversichtlich hoffte, noch mehr zu versichern, versprach er, der noch Heide war, dem höchsten Gotte Jupiter durch ein feierliches Gelübde, den christlichen Namen gänzlich auszurotten, wenn er ihm zum Siege verhilflich sein würde. Er rückte in Schlachtordnung heran, und beide Heere standen einander gegenüber. Da nahmen die Soldaten des Lizinius einen Augenblick ihre Helme von den Häuptern, wandten ihre Augen zum Himmel und beteten zum wahren Gotte. Alsdann fielen sie voll Hoffnung und Vertrauen über die Feinde her, ohne ihre weit größere Anzahl in Betracht zu ziehen. Die Ungläubigen waren alsbald geschlagen; denn ein geheimer, plötzlicher Schrecken hinderte sie, von ihren Pfeilen und Schwertern Gebrauch zu machen, und sie schienen nicht vorzurücken, um zu kämpfen, sondern gleichsam nur, um sich als blinde die Welt gänzlich zu verlassen, und vieles Unangenehme von Seite des Erzbischofs von Rheims brachte seinen Entschluß zur Ausführung. Er begab sich mit sechs gleichgesinnten Freunden i. I. 1084 znm heiligen Bischöfe Hugo nach Grenoble, um von ihm eineZnflnchts- 651 Am Feierabende stätte zu erhalten, und dieser wies ihm die wilde Ge- birgsklnft Kart Haus an, in Mitte von schroffen, kahlen, fast das ganze Jahr mit Nebel und Schnee bedeckten Felsen. Hier erhob sich bald ein Bethaus und Hutten für je zwei der Einsiedler, später wohnte jeder einzeln. Die ganze Woche lebten sie einzeln und einsam, nur Sonn- und Festtage führten sie zum gemeinsamen Gebete lind zum Empfange der heiligen Sakramente zusammen. Sie beobachteten ein so strenges Stillschweigen, daß sie selbst unumgänglich nöthige Dinge nur durch Zeichen begehrten. Neben dem Gebete war Handarbeit im Garten und auf dem Felde, sowie Abschrciben der heiligen Schrift ihre Beschäftigung. Papst Urban II., Brnno's Schüler, rief ihn auf einige Zeit nach Rom, erlaubte ihm aber wieder, sich zurückzuziehen, und zwar in die Wüste Calabriens, la Torre genannt. Dort baute Bruno eine neue Karthaus, und setzte das einsame Leben fort als der strengste Ordensmann seiner Zeit. Er starb daselbst den 6. October 1101. Gebet. Sei unser Fürsprecher bei Gott, heiliger Bruno! und erwirke uns die Gnade, daß wir dem Herrn nie durch ein thörichtes Gelübde mißfallen, unsere frommen Gelöbnisse aber treulich halten, damit uns Gott, der treu und wahrhaft ist in allen seinen Verheißungen, einst belohne mit der ewigen Herrlichkeit im Himmel. Amen. Zweihnndertmidachtzigstcs Lesestmk. Am Feierabende des 7. Oktober. Was das zweite Gebot von IMS Allen verlangt. Fr. Was verlangt also das zweite Gebot von uns Allen'? Antw. Es verlangt, daß wir den Namen Gottes und andere heilige Namen, nie anders, als nur mit tiefster Ehrfurcht aussprechen sollen. Belehrung und Beispiele. Das zweite Gebot gebietet, daß wir den heiligen Namen Gottes stets mit dem Munde, im Werke und im Herzen verehren sollen, indem wir ihn dankbar preisen, andächtig an rufen, standhaft bekennen und für besten Ehre eifern. Der Name Gottes wird geehrt, wenn er allezeit gelobt und gepriesen wird, wie die Heiligen im Himmel es thun, und wie es von jeher alle Frommen auf Erden gethan haben, besonders aber der Psalmist (sieh nebenstehendes Bild!), indem er unzählig oft diesen heiligen Namen lobpreiset. „Der Name des Herrn sei gepriesen in alle Ewigkeit!" ruft er des 7. October. aus; und wiederum: „Den Namen Gottes werde ich preisen in meinem Gesänge und werde ihn verherrlichen mit meinem Lobe. Ich werde Psalmen singen dem Namen des Allerhöchsten." (Ps. 23.) — Der Name Gottes wird geehrt, wenn wir ihn oft zu unserer Hilfe an rufen. „Rufe zu mir am Tage der Trübsal, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen." (Ps. 44.) — Der Name Gottes wird geehrt, wenn wir ihm danken und uns seinem göttlichen Willen unterwerfen sowohl im Glück als im Unglück, wie der fromme Job gethan hat (Job 1.), als er sich aller seiner Habe beraubt sah; da rief er voll Ergebung aus: „Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen. Sein Name sei geben edeit!" — Der Name Gottes wird endlich geehrt, wenn wir ihn standhaft bekennen, wie der fromme Elcazar, die Jünglinge im Feuerofen, die machabäischen Brüder und alle Blutzeugen im N. T. gethan haben, und wenn wir für Gottes Ehre eifern gleich den Frommen des A. und N. B. — Ahme ^////, diese schönen Beispiele nach, mein Christ! und rufe oft mit kindlicher Ehrfurcht und voll Vertrauen, besonders in der Stunde der Versuchung den Namen Gottes, die heiligen Namen Jesus und Maria an! Du wirst darin vielfach Trost und Hilfe finden. 82 * 652 Viertes Hanptstück. Drittes Gebot Gottes. Fr. Was soll aber jeder Christ meiden, um sich nie gegen das zweite Gebot zn versündigen? Antw. Jede Verunchrnng des göttlichen Namens. Belehrung. Wenn wir alles Das, was wir über das zweite Gebot Gottes gehört haben, kurz zusammenfasscn, so verbietet es uns jede Entehrung des göttlichen Namens durch Fluchen und Lästern, durch unehrerbietigcs AuSsprcchen, durch Meineid und Brechung der Gelübde. Hüte dich daher, mein christlicher Leser! sorgfältigst vor all diesen Sünden, besonders aber von der schändlichen Gewohnheit zu fluchen und zu schwören; denn „keine, ja keine Sünde ist abscheulicher, als diese," sagt der heilige Chry- sostomus; „cs ist ihr auch keine gleich; es ist die höchste Stufe des Lasters, eine Sünde, die Alles verwirrt, und mit unerträglicher Strafe, die gewiß nicht erlassen wird, belegt werden muß." Und der heilige Hieronymus fügt bei: „Nichts ist schrecklicher, als diese Sünde; denn sie richtet die gottlose Sprache des Mundes gegen den Himmel." Daher sagt schon der weise Sirach (23, 12 .): „Ein Mann, der viel schwört, häufet die Misscthat, und die Strafe wird von seinem Hause nicht weichen." Denke oft an diese göttliche Strafe, die hier oder dort den Frevler ereilt, und wende alle mögliche Mühe an, um die böse Gewohnheit zu fluchen und zu schwören abzulegen! Beispiel und Anwendung. Ein gar gutes Mittel gegen die üble Gewohnheit des Fluchens und Schwörend gibt uns der heilige Chrysostomus an die Hand, indem er Folgendes erzählt: Ein berühmter Redner des Alterthums hatte die üble Gewohnheit, während des Sprechens mit der rechten Schulter zu zucken. Aber er besiegte diese Gewohnheit, indem er ein spitziges Schwert über dieser Schulter aufhing, und so durch die beständige Furcht, sich zu verwunden, von der Bewegung jenes Körpertheils abgehalten wurde. Aehulich mache es nun auch du, mein Christ! mit deiner Zunge! Statt mit dem Schwerte, drohe ihr mit der göttlichen Strafe, und du wirst die üble Gewohnheit des Fluchens und Schwörens überwinden; denn es ist unmöglich, sage ich, es ist unmöglich, daß wir dieser Gewohnheit unterliegen, wenn wir nur den gehörigen Fleiß und Eifer anwenden. Legende: Die heilige In st > na, Jungfrau und Märtyrin (7 um 300). Heute begegnet uns in der Legende die heilige Jn- stina, die durch ihr Leben und Leiden den Namen des Herrn verherrlichte und so im vollsten Sinne des Wortes das zweite Gebot Gottes erfüllte. Der Dichter Fortunat setzt sie daher in die Zahl jener berühmten Jungfrauen, deren Heiligkeit und Siege der Kirche zur Von der Pflicht, den Sonntag zn heiligen. Erbauung gereichen. Sie war die Zierde der Kirche zu Padua, wie die heilige Euphemia die Zierde von Chal- cedon und die heilige Eulalia die Zierde von Merida i» Spanien. Mit dem Munde, im Werke und im Herzen den Namen des Herrn lobend und preisend, litt und starb sie für den christlichen Glauben um das Jahr 300. Gebet. Verleihe uns, 0 Gott! auf die Fürbitte der heiligen Jungfrau und Märtyrin In stina, daß wir in Leid und Freud, mit Mund und Herz deinen heilige» Namen Preisen und verherrlichen und ihn nie irgendwie entheiligen, — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihunderteimmdachtzigstes Lesestück. Am Feierabende des 8. October. Drittes Gebot Gottes. Von der Pflicht, den Sonntag zu heiligen. Fr. Wozu verpflichtet uns das dritte Gebot Gottes? Antw. Es verpflichtet uns, den Tag des Herrn auf eine fromme, würdige Weise zu feiern. Belehrung. Das erste Gebot Gottes verlangt von uns, daß wir Gott dem Allerhöchsten die schuldige Verehrung und Anbetung leisten; das zweite, daß wir weder durch Wort noch That dagegen handeln sollen; und das dritte Gebot bestimmt nun ganz besonders einen Tag, au dem wir Gott dem Herrn vorzugsweise unsere Verehrung und Anbetung darbringcn sollen. Daher verpflichtet uns Am Feierabende des 8. Oktober. «)3 dieses dritte Gebot, den Tag des Herrn auf eine fromme, würdige Weise zu feiern. Fr. Welches ist der Tag des Herrn? Antw. Im A. B. war es der Sabbat, der siebente Wochentag, bei uns aber im N. B. ist cs der Sonntag, der erste Wochentag. Belehrung. Der Tag des Herrn war im A. B. der Sabbat, d. i. der siebente Wochentag oder Sonnabend, und zwar zum Andenken an die von Gott vollbrachte Schöpfung; denn „am siebentenTagernhte Gott; darum segnete er den Sabbattag und heiligte ihn." (2. Mos. 20, 11.) — Wir hingegen im N. B. feiern als Tag deS Herrn den ersten Wochentag oder den Sonntag, und zwar zum Andenken an die vollbrachte Erlösung, die eine neue Schöpfung ist; denn am Sonntage ist unser Heiland von den Todten anferstanden, und am Sonntage hat er seiner Kirche den heiligen Geist gesendet. Der römische Katechismus erklärt dies; also: „Es hat der Kirche Gottes gefallen, den Gottesdienst und die Feier des SabbateS auf den Sonntag zu verlegen. Denn gleichwie an diesem Tage die Welt zuerst das Licht beleuchtete, so ist auch durch die Auferstehung unsers Erlösers, welche an diesem Tage geschah, unser Leben aus der Finsterniß in's Licht zurückgerufen worden, darum ihn auch die Apostel den Tag des Herrn genannt wissen wollten. Auch bemerken wir in den heiligen Schriften, daß dieser Tag ein Festtag sei, weil an ihm die Erschaffung der Welt begann und den Aposteln der heilige Geist verliehen wurde!" Ans diesen Gründen wurde deßhalb in der Kirche Gottes von jeher der Sonntag, nicht mehr der Sabbat gefeiert. Fr. Da nun die Kirche Gottcö schon seit den allerersten Zeiten ihres Bestehens den Sonntag eingesetzt hat: welche Pflicht geht daraus für uns hervor? Antw. Die strenge und heilige Pflicht, haß wir als Kinder der Kirche den Sonntag auch heilig halten. Belehrung. Zur Erfüllung dieser Pflicht fordert uns 1) schon Gott der Herr selbst auf, und zwar durch sein Wort und Beispiel; denn er ruhte ja selber am siebenten Tage von allem Werke, das er gemacht, und segnete und heiligte diesen Tag. (Sieh nebenstehendes Bild!) Er, der keine Ruhe bedarf, ruhte — nicht um feinet-, sondern um unsertwillen, um durch sein Beispiel zu zeigen, daß man den Tag des Herrn feiern soll. Hiezu fordert er uns aber noch durch sein Wort auf, indem er spricht: „Sechs Tage sollet ihr arbeiten; der siebente aber soll heilig heißen rc." (3. Mos. 23, 3.) — Zur Heiligung des Sonntages werden wir 2) auch durch geistliche und weltliche Verordnungen aufgefordert. Beispiele und Anwendung. Die Kirche hat von jeher auf die Heiligung des Sonntags gedrungen. Schon in den Constitutionen der Apostel (lili. 2. «mp. 59.) wird diese Pflicht ausgesprochen. Das zweite Concilium zu Makon in Frankreich, welches im Jahre 585 gehalten wurde, verbietet jede Entheiligung des Sonntags und sordert, daß man die Nacht vom Samstag auf den Sonntag nicht gleich Jenen, welche nur dem Namen nach Christen sind, mit Schlafen, sondern mit Gebet und geziemender Vorbereitung auf die Feier des folgenden, dem Herrn geweihten Tages zubringen soll. Und so durch alle Jahrhunderte. — Aber nicht bloß durch kirchliche, sondern auch durch weltliche Verordnungen wurde die Heiligung des Sonntags geboten. Vorzüglich war esConstantiu der Große, welcher die von den Aposteln eingeführte und in der christlichen Kirche stets beobachtete Sonntagsfeier auch zu einem Staatsgesetze für das gesammte römische Reich erhob. Man liest daher in dem Kodex (Gesetzbuch) des Kaisers Theodosius, daß an dem Sonntage, den die Vorfahren mit Recht den Tag des Herrn nannten, alle Vorladungen, gerichtliche Verhandlungen und öffentliche Geschäfte eingestellt bleiben sollen. 654 Viertes Hauptstück. Drittes Gebot Gottes. — Der Kaiser Karl der Große legte Denjenigen eine Geldstrafe auf. welche an Sonn- und Feiertagen weltliche Zusammenkünfte halten. — Ina, König von Susscx, lleß ei» Gesetz ergehen, welches den Sklaven, der von seinem Herrn am Sonntage zur Arbeit angchaltcn würde, frcisprach und den Freien zum Sklave» machte. — So strenge weltliche Verordnungen finden wir in der Kirchcngeschichte in Betreff der Verpflichtung zur Sonntagsfeier. Fr. Fordert uns nicht auch schon unsere eigene Vernunft zur Sonntagsfeier auf? Antw. Allerdings; denn jeder vernünftige Mensch, der nicht bloß für seinen Leib, sondern auch für seine Seele sorgen will, muß die Nothwcndigkcit der SonntagS- fcicr einsehen. Belehrung. Wir empfangen von Gott so viele Wohl- thaten, und im Gedränge der irdischen Geschäfte und Sorgen finden gar Viele an den Wochentagen kaum einen Augenblick Zeit, um an Gott, diesen ihren größten Wohlthäter, auch nur zu denken und Ihm für all seine Güte und Liebe Dank und Verehrung und Anbetung zu zollen. Wie mancher geldgierige Hausvater würde seinen armen Dienstboten das ganze Jahr hindurch kaum einen ruhigen Augenblick gönnen, wenn nicht Gott selbst einen Tag der Woche geheiliget und zur Ruhe bestimmt hätte? Schon ans diesem Grunde muß die gesunde Vernunft die Feier des Sonntags als Pflicht erkennen. Dann sind ja auch wir selbst auf Erden, um unsere Seligkeit zu begründen. „Was hilft es dir, o Mensch! wenn du die ganze Welt gewinnst, aber an deiner Seele Schaden leidest?" (Matth. 16, 26.) Ist cs darum nicht vernünftig, wenigstens Einen Tag unserm Scclenheile zu widmen, da wir für unfern Leib oder wenigstens ihm zu lieb die ganze Woche hindurch arbeiten und spckuliren? Wer nur etwas vernünftig, ich brauche nicht zu sagen, christlich denkt, der muß die Nothwendigkeit und sonach auch die Pflicht der Sonntagsfeier anerkennen. Alle frommen Christen, denen die Rettung ihrer Seele am Herzen lag, haben daher auch stets den Tag des Herrn gewissenhaft geheiligt. Beispiel und Anwendung. Durch die heftigsten Verfolgungen ließen sich unsere Väter nicht hindern, den Tag des Herrn zu feiern und sich an demselben in die religiösen Versammlungen zu begeben. Eine christliche Jungfrau, Namens Anysia, ging dahin,-als sie Einer von der Leibwache des Kaisers Diokletian sah, dem ihr Anstand auffiel. Er trat vor sie hin und sprach: „Bleib' da; wo gehst du hin?" Anhsia, die bei diesen Worten fürchtete, es möchte ihr Gewalt geschehen, machte auf ihrer Stirne das Zeichen des Kreuzes, um von Gott die Gnade zu erhalten, der Ber- Von der Pflicht, den Sonntag zu heiligen. suchung widerstehen zu können. Der Soldat fand sich beleidigt, daß sie auf seine Frage ein solches Zeichen erwiderte. Er lkgte seine Hand auf sic und sprach zornig: „Antworte, wer du bist, und wohin du gehst?" Sie antwortete: „Ich bin eine Magd Jesu Christi, und gehe in die Versammlung des Herrn." — „Dahin sollst du nicht gehen, du sollst den Göttern opfern, wir beten heute die Sonne an," versetzte der Soldat. Zugleich riß er ihr den Schleier weg, womit ihr Gesicht bedeckt war. Anhsia versuchte cs, ihn abzuwehren; sie gab ihm einen Schlag in's Gesicht und sagte: „Geh', Elender, Jesus Christus wird dich strafen." — Der Soldat zog wüthend sein Schwert und stieß es ihr in's Herz. Die jugendliche Jungfrau stürzte zusammen, eine Märtyrin wegen Beobachtung des Sonntags; während aber ihr Leib im Blute schwamm, betete ihre Seele, mit Herrlichkeit gekrönt, am Altäre im Himmel das Lamm an, welches der Priester auf dem Altäre auf Erden opferte; sie ging ein in die Herrlichkeit des Himmels, um daselbst den ewigen Sabbat zu halten und ewig den Tag des Herrn zu feiern. — Ja, mein Christ! wer hieniedcn den Tag des Herrn stets heilig hält, der wird gewiß einst im Himmel den ewigen Sabbat der Auserwählten mitfeiern dürfen. Legende: Die heilige Wittwe Brigitta (t 1373). Mit welch' heiligem Eifer, mit welch' inniger Andacht feierte die heilige Brigitta, deren Fest wir heute begehen, stets den Tag des Herrn! Ja, ich darf sagen, fast ihr ganzes Leben war eine beständige Sonntagsfeier, ein immerwährender Gottesdienst. Sie wurde um das Jahr 1302 von hochadeligcu Eltern in Schweden geboren und zeigte schon von Kindheit auf eine zarte Andacht zum heiligen Leiden Christi, bei dessen öfterer Am Feierabende des 9. Oktober. 655 Betrachtung der Abscheu vor der Sünde und die Liebe zu Gott überaus zunahm. Ihren Wunsch, stets Jungfrau zu bleiben, opferte sie dem Gehorsame gegen ihren Vater und vermählte. sich mit U lph o, Fürsten von Nericiem Die christlichen Eltern, lebendige Beispiele jeglicher Tugend, erzogen ihre Kinder in aller Gottesfurcht und flößten denselben besonders demüthige und werkthätige Liebe gegen Arme und Kranke ein. Nachdem Brigitta durch den Tod ihres Gemahls aller Bande losgeworden war, wandelte sie noch eifriger den Weg strenger Abtödtnng und christlicher Vollkommenheit. Sie wurde von Gott vieler Gnaden gewürdigt und stiftete einen Orden unter dem Namen „Orden des Welterlösers," dessen Hauptzweck war, das Leiden Jesu und Mariä zn verehren. In Nom, wohin sie eine Wallfahrt gemacht, gründete sie ein Haus für Pilger und Stn- dirende aus Schweden und trat dann, schon hoch bejahrt, eine Reise in das gelobte Land an, um da zu beten und zu weinen, wo Jesus, der einzige Gegenstand ihrer Liebe, gelehrt und gelitten hat. Nach Nom znrückgekehrt, fiel sie daselbst in eine schmerzhafte Krankheit. Sie erkannte die Stunde ihres Hinscheidens, empfing mit inniger Andacht die heiligen Sterbsakramente und endete ihr verdienstvolles Leben am 23. Juli 1373. Gebet. Laß uns, o Gott! den Tag des Herrn, den du zn deiner Verherrlichung und zu unserm Heile eingesetzt hast, stets heilig halten, und gib, daß wir dir, wie die heilige Brigitta, unser ganzes Leben weihen und alle Tage desselben dir dienen, — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihnndertzweinndachtzigstes Lesestück. Am Feierabende des 9. October. Vom Segen und Nutzen der Sonntagsfeier. Fr. Welcher Segen ist mit der gewissenhaften Heiligung des Sonntags verbunden? Antw. Ein unendlicher Segen für Zeit und Ewigkeit, für Leib und Seele. Belehrung. Mancher irdisch gesinnte Mensch, derben zeitlichen Gewinn nach Stunden berechnet und nach der Zahl der arbeitenden Hände und Füße, glaubt, wieviel er verliere, wenn diese Hände zum Gebete sich falten, anstatt zur Arbeit sich bequemen, und wenn die Füße in den Tempel zum öffentlichen Gottesdienste, anstatt in die Werkstätte zum Tagewerk eilen. Und wann ist dieses irdische Sinnen und Treiben selbst au Sonn- und Festtagen wohl größer gewesen, als gerade in unfern Tagen? Sind die Menschen deßhalb wohlhabender geworden? Im Gcgeutheil, Noth und Elend droht ungeachtet des reichlichen Segen Gottes, den er uns in dieser Zeit gespendet, die Menschheit an den Rand des Verderbens zu bringen. Würde man den Sonntag und die Feste des Herrn und seiner Heiligen gewissenhafter feiern, der Segen GotteS würde nicht ausbleibcn; wir würden ihn fühlen au Leib und Seele. Fr. Welchen Segen bringt uns die treue Beobachtung des Sonntagsgebotes in zeitlicher Beziehung für unfern Leib? Antw. Gott wird segnen unserer Hände Arbeit, er wird segnen HanS und Hof, und unsere Felder und Fluren werden uns mit seinem Segen erfreuen. Belehrung. Ja, meine Christen! allen Denen, die den Tag des Herrn heilig halte», wird der Herr auch sicherlich das tägliche Brod geben und die Mühen und Arbeiten, die sie die ganze Woche hindurch verrichten, reichlich segnen; ja, nicht selten wird Gott der Herr dem frommen Beobachter der Sonntagsfcicr Freude und Ruhm, Macht und Ehre geben vor allen Völkern der Erde. Er hat dieß ja selbst ausgesprochen im 3. Mos. 26, 2—10., wo cs heißt: „Haltet meine Sabbate und habet Ehrfurcht vor meinem Heilig- 656 Viertes Hauptstück. Vom Segen und Nutzen der Sonntagsfeier. thume! Ach bin der Herr. Wenn ihr in meinen Satzungen wandelt, so will ich euch Regen geben zu seiner Zeit, und das Land soll sein Gewächs bringen, und die Bäume sollen ooll Früchte fein. Die Dreschzcit soll reichen an die Weinlese, und die Weinlese reichen an die Aussaat: an euerm Brode sollet ihr euch satt essen und ohne Furcht in euerm Lande wohnen. Ich will Frieden geben euern Gränzen. Ihr werdet schlafen, und Keiner wird sein, der euch störet. Ich will ausrotten die wilden Thiere, und das Schwert soll nicht cindringcn in euere Gränzen; euere Feinde sollen vor euch durch's Schwert fallen. Ich will auf euch sehen und euch wachsen machen, und ihr sollet euch mehren, und ich will meine» Bund mit euch befestigen." — Siehe, mein Christ! solchen Segen verheißt Gott der Herr allen Denen, die den Sabbat heiligen, in zeitlicher Beziehung, und wir sehen die Wahrheit dieser Worte auch durch viele Beispiele im Leben bestätigt. Hievon nur Eins! Beispiel und Anwendung. Es kommt ein christlicher Kaufmann zn einem Handwerksmanne, den er kennt, und macht ihm Vorwürfe, daß er am Sonntag arbeite. Der Mann aber spricht: „Mein lieber Herr! ich bin arm, und muß am Sonntag arbeiten, sonst bring' ich mich nicht vurch." Der Kaufmann gibt die Widerrede und sagt: „Kein Wunder, daß du arm bist; gerade darum bist du arm, weil du am Sonntag arbeitest. Wie kann dich Gott segnen, wenn du arbeitest? — Weißt du was, ich will einen Akkord mit dir machen; hör' auf, am Sonntag zu arbeiten, und heilige diesen Tag, wie es einem Christen geziemt. Längstens in einem halben Jahr' komme ich wieder hieher, und daun zahle ich dir allen Schaden, den du erlitten hast, wenn du von nun an nicht mehr an Sonntagen arbeitest, und koste es hundert Thaler." Der Handwerksmann läßt sich darauf ein und probirt's. Nach fünf Monaten kommt der Kaufmann wieder, und da ihm der Schuhmacher sagt, daß er seinen Rath befolgt habe, fragt er: „Nun, wie viel muß ich dir herauszahlen?" Da spricht der Handwerksmann: „ O Nichts, gar Nichts; die Feier des Sonntags hat mir vielen Segen, aber keinen Schaden gebracht. Vor fünf Monaten hatte ich keine Kuh, jetzt habe ich eine, und für alle Noth ist gut gesorgt." Dieß verbürgt uns als eine wahre Geschichte — der bekannte Verfasser des Kalenders für Zeit und Ewigkeit Alban Stolz (Jhrg. 1846). Wer erkennt hieraus nicht den Nutzen und zeitlichen Segen, der auf der Heiligung deS Sonntags ruht? Dazu kommt aber auch noch der geistige Nutzen, den dieselbe bringt. Fr. Welchen Nutzen bringt uns die Heiligung des Sonntags in geistiger Beziehung — für unsere Seele? Antw. Sie führt nnS immer näher zu Gott und zur christlichen Vollkommenheit und endlich zur ewigen Seligkeit. Belehrung und Beispiele. Schon der heilige Gregor von Nazianz schreibt: „Durch die Feier des Sonntags sammeln wir unserer Seele einen Schatz von Gütern, die ewig dauern." Diese Güter aber sind: 1) die segensreiche Nähe Gottes, Umgang undFreund- schaft mit ihm. Daher sprach Gott schon zum Volke Israel (3. Mos. 26, 11—12.): „Haltet meine Sabbate, und ich will in eurer Mitte meine Wohnung aufrichten, und meine Seele wird euch nicht verwerfen. Ich will unter euch wandeln und euer Gott sein." Die Feier des Sonntags führt uns sonach 2) zu immer größerer Vollkommenheit und Heiligkeit; denn je fleißiger wir den Tag des Herrn feiern, desto mehr wird sich uns Gott der Herr nähern und uns zu sich emporziehen; daher heißt es bei Ezechiel (20, 12.): „Die Feier meiner Sabbate soll sie überzeugen, daß ich, der Herr, mir ihre Heiligung angelegen sein laste." Auf solche Weise wird uns dann endlich durch gewissenhafte Sonntagsfeier auch 3) das höchste aller Güter zu Theil, die ewige Seligkeit. „Die meine Sabbate halten und erwählen, was mir wohlgefällt," also spricht Gott selbst bei Jsaias (56, 4—5), „denen will ich in meinem Hause und in meinen Mauern einen Ort geben ... und einen ewigen Namen, der nicht soll untergehen." Und ganz schön schreibt der heilige Gregor der Große: „Der Sonntag ist das Fest der Engel; wenn wir es hienieden mit den Engeln Gottes würdig feiern, so werden wir einst mit ihnen auch das noch weit herrlichere Fest im Himmel feiern dürfen, das ewig dauert." Sollten diese großen und vielen Gnaden und Segnungen, welche mit der Sonntagsfeier verbunden sind, dich, mein christlicher Leser! nicht bestimmen, den Tag des Herrn recht würdig zu feiern? Nimm zu Herzen die so eben angeführten Worte des heiligen Gregor ius und bemühe dich, den Tag des Herrn mit allen heiligen Engeln zu feiern, damit du einst auch Theil nehmen kannst an dem ewigen Freudenfeste im Himmel (sieh das vorausgchende Bild!); „denn was nützt es dir," also setzt der ebengenannte Lehrer bei, „den Festen der Menschen beizuwohnen, wenn du von den Festen der Engel ausgeschlossen wirst?" Legende: Der heilige Dion Hs, Bischof und Märtyrer (st um 272). Dieser Heilige, welcher als erster Glaubenspredigcr, Bischof und Märtyrer zu Paris verehrt wird, und dessen Am Feierabende des 10. October. 657 Fest auf den heutigen Tag fällt, nimmt nun schon viele hundert Jahre lang an den Festen der heiligen Engel nn Himmel Theil, weil er hienieden den Tag des Herrn und die Feste der Kirche stets mit heiliger Freude und Andacht gefeiert. Er war ein Missionär der römischen Kirche und wurde um die Mitte des dritten Jahrhunderts nach Gallien geschickt, wo er als Glanbensbote, mit dem Schwerte des göttlichen Wortes siegreich — bis Paris vordrang, woselbst er auch seinen bischöflichen Sitz anf- schlug. Dionysius griff mit heiligem Eifer das Hei- denthnm an, stürzte die GLtzenaltäre und bekehrte eine Menge Heiden in der Kraft Gottes durch sein heiliges Leben, durch seine Predigten und Wunder. Endlich wurde sein gesegnetes Apostelamt mit der glorreichen Marterkrone verherrlicht, indem er, wahrscheinlich unter der Verfolgung Valeria ns, um das Jahr 272 mit seinem Priester, dem heiligen NnstikuS, und mit seinem Diakon, dem heiligen Eleutherius enthauptet wurde. Gebet. O Gott, der du dem heiligen Dionysius bei seiner Marter die Standhaftigkeit verliehen und ihm, um den Heiden deinen Namen zu verkünden, die heiligen Rustikus und Eleutherius beigesellet hast, gib, daß wir dir eben so standhaft dienen und alle Tage, die besonders deiner Anbetung geweiht sind, mit Andacht feiern, damit wir einst am ewigen Freudenfeste im Himmel Theil nehmen dürfen — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihnndertdreiundachtzigstes Lesestück. Am Feierabende des 10. October. Von der Art und Weise, den Sonntag zu feiern, und zwar durch leibliche Ruhe. Fr. Wie sollen wir den Sonntag würdig feiern? Antw. Wir sollen ihn feiern 1) durch leibliche Ruhe und 2) durch geistige Beschäftigung. Fr. Worin besteht die leibliche Ruhe am Sonntag? Antw. Darin, daß der Leib ansrnht von den weltlichenGeschäften und von den knechtlichen Arbeiten, damit der Geist sich mit Gott und dem Seelenheile beschäftigen könne. (Sieh das nachfolgende Bild!) Fr. Was versteht man unter den am Sonntag verbotenen knechtlichen Arbeiten? Antw. Arbeiten, welche die Leibeskräfte vorzüglich in Anspruch nehmen und gewöhnlich von Dienstboten, Taglöhnern und Handwerkern verrichtet werden. Belehrung. Da am Sonntag der Körper ruhen und nur der Geist mit dem Ueberirdischen und Himmlischen beschäftigt sein soll, so müssen natürlicher Weise an diesem Tage alle knechtlichen Beschäftigungen aufhören; denn wenn sich der Geist zu Gott erheben soll, so darf der Leib nicht darniedergedrückt werden durch mühevolle und zerstreuende Arbeiten. Also nicht deßhalb sind die knechtlichen Arbeiten am Sonntage verboten, als wären sie an sich schändlich und böse, sondern weil sie unfern Geist vom Gottesdienste, dem Endzwecke des Gebotes, abziehen. Aus eben diesem Grunde sind auch Gerichtshändel, Kauf und Verkauf rc. an den Tagen des Herrn verboten, und es sündigen nicht nur Die, welche selbst verbotene Arbeiten verrichten, sondern auch Jene, die solche an Sonntagen ohne Noth von ihren Untergebenen, Dienstboten, Taglöhnern rc. fordern oder verrichten lassen; ja, nicht einmal das Vieh sollte man da zur Arbeit gebrauchen. Denn so steht im fünften Buche Moses (5,13—14.) geschrieben: „Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Geschäfte thun; aber der siebente Tag ist der Tag des Sabbats, d. i. die Ruhe des Herrn, deines Gottes. An demselben sollst weder du ein Geschäft thun, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Ochs oder Esel, noch all dein Vieh, noch der Fremdling, der innerhalb deiner Thore ist, auf daß dein Knecht ruhe und deine Magd, wie auch du!" Daher sollen Dienst- 83 Mehler, Hausbuch. 658 .^Viertes Hauptstück. Von der Art und Weise, den Sonntag zu feiern, und War durch leibliche Ruhe. ^ M MM Eck boten, Lehrlinge, Gesellen re. ja keinen solchen Dienst suchen, wo man ihnen nicht gestattet, den Tag des Herrn nach kirchlicher und göttlicher Vorschrift zu feiern. Beispiel und Anwendung. Einem braoen, christlichen Dienstboten war ein sehr einträglicher Dienst ungebeten; allein es wurde hiebei ausbedungen, daß er in der Ziegel auch an Sonn- und Feiertagen, wie an den Wochentagen, arbeiten müßte. Der Dienstbote begab sich zu seinem Seelsorgerund fragte um Rath; dieser aber entgeguete: „Ich sage dir, mein Kind! lasse dir deinen Sonntag nicht nehmen; er ist dein allereigcnstes und köstlichstes Gut. Wer in einen solchen Dienst getreten ist, daß ihm kein freier Sonntag bleibt, der hat mehr als seine Hände und seinen Kopf zum Dienste versprochen, — der hat seine Seele verkauft! Und was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, an seiner Seele aber Schaden leidet?!" — Der brave Dienstbote nahm sich diese Worte seines Seelsorgers so zu Herzen, daß er gerne in seinem alten Dienste verblieb, der ihm zwar wenig eintrug, aber Zeit und Gelegenheit genug gewährte, um den Tag des Herrn in christlicher Weise feiern zu können. — Möchten alle Dienstboten diesem Beispiele folgen und lieber in zeitlicher Beziehung ein Opfer bringen, als an ihrer Seele Schaden leiden! Möchten aber auch die Dienstherrschaften sich hüten, von ihren Untergebenen Etwas zu verlangen, wodurch der Tag des Herrn entheiligt wird; denn eS ruht auf jenen Häusern kein wahrer Segen, wo man den Tag des Herrn nicht heiligt. Fr. Ist es gar nie erlaubt, am Sonntage knecht- liche Arbeiten zn verrichten? Antw. Es ist erlaubt, wenn die geistlichen Obern ans wichtigen Gründen dispensiren, und so oft die Ehre Gottes, das Wohl des Nächsten oder dringende Noch es fordern. Belehrung. Es können Fälle eintreten, wo knecht- liche Arbeiten am Sonntage erlaubt sind. Besonders ist dieß der Fall: 1) Wenn die geistlichen Obern aus wichtigen Gründen dispensiren, z. B. zur Zeit der Ernte bei langaudauernder, sehr veränderlicher und unznverläßiger Witterung; 2) wenn es die Ehre Gottes erfordert, wenn man z. B- wegen eines einfallenden Festtages einen Altar aufrichten, die Kirche zieren u. dgl. thun müßte. Deßwegen sprach der Herr, die Priester verletzen im Tempel den Sabbat und seien dennoch schuldlos (Matth. 12, 5.); 3) wenn es die Nächstenliebe gebietet, indem wir Armen, Kranken rc. dadurch einen Dienst erweisen; denn „ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott und dem Vater ist dieser: Waisen und Wittwen in ihrer Trübsal besuchen" (Jak. 1, 27.); 4) wenn Noth- oder Unglücksfälle eintreten, wo ein großer Schaden verhütet werden soll, z. B. bei Feuersbrünsten u. s. w.; „denn der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht, nicht der Mensch um des Sabbats willen." (Mark. 2, 27.) Beispiele und Anwendung. Ich will dir, mein christlicher Leser! dieß auch noch in ein Paar schönen Beispielen zeigen. Zu Brivüde in Auvergne wurde ein Bauer in der Erntezeit krank. Drei unmündige Kinder waren seine einzigen Hausgenossen. Er glaubte schon ganz sicher, daß seine ganze Ernte verloren gehen würde, als die mitleidige Gemeinde beschloß, einen Feiertag zur Einerntung aller seiner Früchte anzuwenden. — Sie bat den Pfarrer um Erlaubniß, den Sonntag zn diesem Werke der Nächstenliebe verwenden zu dürfen; dieser erlaubte es gerne, und in zwei Sonntagen war das Getreide des Kranken in der Scheune. Siehe, das war ein Werk der Liebe; durch solche Werke aber entheiligt man den Tag des Herrn nicht. — Ebenso ist es auch erlaubt, am Sonntage knechtliche Arbeiten zu verrichten, wenn Noth- oder Unglücksfälle eintreten. — Im Jahre 1839 brach an einem Sonnabend in der Gegend von Berbice in Südamerika ein heftiges Gewitter aus, so daß die Neger wohl einsahcn, die Ernte ihres Herrn würde verloren sein, wenn sie dieselbe nicht am Sonntage einbrächten. Sie gingen daher Sonntags früh an die Arbeit, und kehrten dann bald mit vollen Körben zurück. Nach vollbrachtem Werke wurden sie alle vor des Eigenthümers Haus gerufen; Geld, Rum, Tabak sollten ihnen hier eine Belohnung für die außerordentliche Mühe gewähren, der sie sich von freien Stücken am Sonntage unterzogen hatten; aber sie baten ihren Anführer auf der Stelle, dem Eigenthümer doch zu sagen: weil sie eingesehen hätten, daß es ein Nothfall sei, so wären sie auch am Tage des Herrn hinaus an die Arbeit gegangen; eben daher könnten sie auch weder Geld, Rum, noch Tabak als Belohnung annehmen. Von dieser Zeit an hat der Eigenthümer eine heimliche Ehrerbietung vor diesen gewissenhaften Christenleuten bekommen. Wer sollte Am Feierabende des II. October. aber auch solche edle Menschen nicht ehren und achten, selbst auch im Sklavengcwande? Legende: Der heilige Franz von Borgia (st 1572s. Dieser Heilige, dessen Fest heute gefeiert wird, ist nicht nur ein Muster in Bezug auf die Heilighaltung des Sonntags, sondern auch in vielen andern Beziehungen; er ist ein Muster eines christlichen treuen Ehegatten, eines liebevollen Vaters, eines ehrenhaften Hofmannes, eines strengrechtlichen Statthalters, eines väterlichen Herzoges, und endlich eines vollkommenen Ordensmannes; durch alle diese Lebensverhältnisse wollte der Herr diesen Mann hindurchführen, um ihm zur Krone der Verheißung zu verhelfen. Franz kam als der Erstgeborne des Herzogs von Gandia (in Spanien) i. I. 1510 zur Welt, und wurde von seiner frommen Mutter Johanna zu allem Guten angeleitet. Bald verlor er dieselbe, und wurde dann bei dem Erzbischöfe von Saragossa erzogen. Damals trug er schon das Verlangen in sich, Gott im geistlichen Staude zu dienen. Als Jüngling kam Franz Borgia an den glänzenden Hof Kaiser Karls V.; man sorgte da für seine Vermählung mit Eleonora von Castro, und gab ihm eine ansehnliche Stelle im Hofdienste. Seine Haltung hiebei ist wohl am Besten bezeichnet, wenn ihn der Kaiser selbst das Wunder der Fürsten nannte. Die gräßliche Verunstaltung der Leiche der wunderschönen Kaiserin Jsabella brachte den ernsten Franziskus zum Entschlüsse, bei einst sich ergebender Gelegenheit die Welt gänzlich zu verlassen, um Gott vollkommen zu dienen. Er sollte aber noch Statthalter, und darnach Herzog von Gandia werden, ehe seine Pläne ausführbar wür- «5!» den. Nach dem Tode seiner tugendhaften Gemahlin übergab er das Herzogthnm seinem ältesten Sohne, sorgte für die übrigen Kinder und trat in den Jesuitenorden. Hier nannte er sich in wahrer Demuth immer nur Franziskus den Sünder. Als General seines Ordens that er sehr Vieles für das Missions-Werk. Er starb zu Rom i. I. 1572, und wurde i. I. 1671 unter die Zahl der Heiligen versetzt. Gebet. Herr, himmlischer Vater! wir bitten dich, stärke uns mit deiner göttlichen Gnade, damit wir nicht nur die deiner Ehre geweihten Tage, sondern alle Stunden unsers Lebens ebenso, wie der heilige Franziskus Borgias, auf eine dir wohlgefällige und uns segenbringende Weise heiligen — durch Christum, unser» Herrn. Amen. Zweihundertvierundachtzigstes Lesestück. Am Feierabende des 11. October. Von der Art und Weise, den Sonntag zn feiern, und zwar durch geistige Beschäftigung. Fr. Feiern wir den Sonntag schon auf eine würdige Weise, wenn wir uns nur von knechtischen Arbeiten enthalten? Antw. O nein, wir müssen uns auch mit Gott und unserm Seelenheile beschäftigen. Fr. Was sollen wir also am Sonntage vorzüglich thun? Antw. Wir sollen 1) den vor- und nachmittägigen Gottesdienst fleißig besuchen, d. h. die heilige Messe, die Predigt und christliche Lehre andächtig anhören, 2) die heiligen Sakramente würdig empfangen, und 3) uns mit frommer Lesung und Betrachtung beschäftigen. Belehrung. Wir sollen 1) dem vor- und nachmittägigen Gottesdienste, der heiligen Messe, der Predigt und Christenlehre, der Vesper oder dem Rosenkränze rc. andächtig beiwohnen. Hiezu fordert uns schon die apostolische Constitution auf mit den Worten: „Kommet täglich zur Kirche, ganz besonders aber am Sonntage, welches der Tag der Auferstehung ist." Und der heilige Augustinus ruft uns zu: „Am Sonntage bleibe Keiner weg von der Feier der heiligen Messe, und Niemand bleibe müssig zu Hause, während die Uebrigen zur Kirche gehen." Wie Gott der Herr den fleißigen Kirchenbesuch an Sonn- und Feiertagen segnet, das haben wir in dem vorgestrigen Lcsestück killst Viertes Hanptstnck. Von der Art und Weise, den Sonntag zu feiern, nnd zwar durch geistige Beschäftigung. gesehen. — 2) Wo möglich, sollen wir am Sonntag auch die heiligen Sakramente würdig empfangen. Wenn wir uns an Sonn- und Festtagen schöner kleiden, so sollen wir auch das Gewand der Sünde ablegen und das der Tugend anziehen, d. h. wir sollen uns an diesen Tagen durch den Empfang der heiligen Sakramente reinigen und dadurch gleichsam festlicher kleiden. Dich drückt der heilige Chrysostomus in folgendem Gleichnisse ans: „Ist es nicht thöricht, wenn ein Sonn- oder Festtag eintritt, so große Sorgfalt auf den Leib zu verwenden, zum voraus das schönste Kleid aus dem Kasten zu holen und mit aller Genauigkeit in Bereitschaft zu halten, schöne Schuhe anzuschaffen, köstliche Speisen auf den Tisch zu setzen, allerlei Ueberfluß von allen Seiten herbeizuschaffen und sich auf jegliche Art zu putzen und zu schmücken, die Seele aber, die vernachlässigte, befleckte, verwilderte, hungrige und unreine Seele gar nicht zu beachten? Du bringst einen geschmückten Leib, aber eine nackte und häßliche Seele hieher in die Kirche. Wisset ihr nicht, daß auf diesem Altäre himmlisches Feuer brennt, d. h. der Gottmensch gegenwärtig ist? Bringe darum ja nicht Stroh, Holz, Stoppeln u. dgl., d. h. Sünden, mit hieher, damit deine Seele von jenem himmlischen Feuer nicht ergriffen und verzehrt werde. Bringe vielmehr kostbare Steine, Gold und Silber, d. h. Tugenden mit, damit diese hier noch mehr gereinigt werden, und du den Altar mit einem großen und reichen Gewinne wieder verlassen kannst. Ist etwas Sündhaftes an dir, so lege es ab, und entferne cS ans deiner Seele, bevor du hieher kommst zum Altäre!" — 3) Ueberdieß sollen wir am Sonntag unfern Geist auch mehr mitGebet,frommerBetrachtung und Lesung beschäftigen. Was ein wohlmeinender Prediger für den Zuhörer, das ist ein gutes Buch für den Leser; man findet in ihm Trost und Belehrung, Aufmunterung zum Guten, Abmahnung vom Bösen. Ganz schön sagt daher ein geistlicher Lehrer: „Wenn wir beten, so reden wir mit Gott; wenn wir in geistlichen Büchern lesen, so redet Gott mit unS." Darum kann aber auch die geistliche Lesung und Betrachtung nicht genug empfohlen werden; nie sollst du dieselbe, mein Christ! besonders an den Sonn- und Feiertagen unterlassen! (Sieh nebenstehendes Bild!) Beispiel und Anwendung. Ein schönes Beispiel einer würdigen Sonntagsfeier gab der gottselige Georg Gasteiner. Er war im Jahre 1561 in einem geringen Bauernhause, nicht weit von dem berühmten Gnadcnorte Altötting, geboren worden. Seine armen, aber gottes- fürchtigen Eltern hatten frühzeitig den Keim des Guten in sein zartes, empfängliches Herz zu pflanzen gesucht. Bald machte der kleine Georg alle gottseligen Gespräche und häuslichen Andachten seiner Eltern mit. Mit dem Alter wuchs auch sein Eifer im Dienste Gottes. An Sonn- und Feiertagen ging er ungeachtet des schlimmsten Wetters frühzeitig in die Kirche, und wenn er vorhersah, daß er zum Mittagessen nicht nach Hause kommen könne, ohne den nachmittägigen Gottesdienst versäumen zu müssen, so nahm er ein Stück Brod mit sich, verzehrte es um die Mittagsstunde und blieb dann wieder in der Kirche. Die übrige Zeit des Nachmittags brachte er mit Lesung geistlicher Bücher zu, und erzählte seinen Eltern von dem Gelesenen, sowie von dem Inhalte der Predigt und Christenlehre. Als er nach dem Tode seiner Eltern das Hauswesen übernommen hatte, so war christliche Hauszucht und gewissenhafte Sonntagsfeier eine seiner ersten Sorgen. Im Ehestände bekam er eine Tochter, die frühzeitig von dem Vater mit dem wahren Geiste des Christenthumö bekannt gemacht wurde und später in einen Orden trat. Nach dem Tode seines ebenfalls christlichen Weibes lebte er als Wittwer noch dreißig Jahre, nnd erreichte durch seine Mäßigkeit und strenge Ordnung in der Lebensart ein sehr hohes Alter. Endlich in seinem neunzigsten Jahre trat Entkräftung ein; erkennte wegen Schwäche nicht mehr in die Kirche gehen, und wegen Blödigkeit der Augen nicht mehr lesen. Dafür aber betrachtete er zu Hause das lehrreiche Leben Jesu und der von ihm stets innig verehrten Gottesmutter Maria, und machte aus seinem Hause ein wahres Bethaus. Im Jahre 1659, da ihm nur noch zwei Jahre von hundert fehlten, starb er eines sanften und seligen Todes. — Möchten doch alle Christen den Tag des Herrn so würdig feiern, auf daß sic einst auch so sanft und selig sterben können! Fr. Wodurch können und sollen wir den Sonnlag Am Feierabende noch ferner auf eine Gott besonders wohlgefällige Weise feiern? Antw. Durch Ausübung christlicher Liebeswerke. Belehrung und Beispiele. Hiezu muntert uns der heilige Isidor auf, indem er schreibt: „Daß wir den Sonntag durch Werke der Barmherzigkeit feiern sollen, das lehrte uns Christus selbst, indem er besonders am Sabbate Gichtbrüchige heilte, die Blinden sehend, die Lahmen gehend, die Tauben hörend machte und verschiedene Krankheiten heilte. Cr zeigte dadurch, daß er die Barmherzigkeit mehr liebe, als Opfer." Diesem Beispiele ihres göttlichen Meisters folgten auch die Apostel. So heilte Petrus zu Jerusalem am Sabbat einen Mann, der von Geburt auf lahm war; Paulus heilte am Sabbat einen Lahmen zu Lystra (Apostel- gesch. 3, 1—9 u. 14, 7—10.); durch Werke christlicher Nächstenliebe feierten von jeher den Tag des Herrn alle frommen und eifrigen Christen. Die heilige Odilia, Aeb- tissin zu Hohenburg, hatte ein eigenes Spital für Kranke erbauen lassen, und sie kannte an Sonn- und Feiertagen insbesondere kein größeres Vergnügen, als dieselben zu besuchen, sie zu trösten, zu erheitern und zu heilen. Nach Anhörung des Gottesdienstes verweilte sie beinahe den ganzen Tag im Spitale und diente da in den armen Kranken Christo, ihrem Herrn und Meister. — Jedem würde es in seiner Weise möglich sein, auf geistige oder leibliche Weise Barmherzigkeit zu üben, sei es, daß er einen Armen speise, einen Betrübten tröste, einen Verirrten zurecht weise u. s. f. Saume nicht, mein Christ! dieses ganz besonders am Sonntag zu thun; denn dieß ist der Tag des Herrn; diene ihm also da in seinen leidenden, unglücklichen Brüdern! Legende: Der heilige Ludwig Bertrand, Dominikaner (ch 1580). Heute begegnet uns in der Legende der heilige Ludwig Bertrand, ein treuer und eifriger Diener Gottes, der nicht nur selbst in der so eben angegebenen Weise den Sonntag feierte, sondern auch in seinen begeisterten Reden alle seine Zuhörer hiezu nachdrücklichst aufforderte. Dieser Heilige wurde i. I. 1526 zu Valencia in Spanien geboren und war der Sohn eines Stadtschreibers. Er übte sich von Kindheit an in der Tugend und Frömmigkeit und trat als Jüngling schon in den Dominikanerorden, wo er in der christlichen Vollkommenheit alsbald solche Fortschritte machte, daß er schon i. I. 1551 Novizenmeister werden mußte. 1562 reiste er als Missionär nach Amerika, wo er in drei Jahren mehr als zehntausend Seelen bekehrte. Nach einigen Jahren riefen ihn aber seine Obern wieder nach Europa des 12. Oktober. s,6I zurück, wo er seine noch übrige Lebenszeit im Kloster zu Valencia in treuer Verwaltung verschiedener Aemter zubrachte. Nachdem er noch durch schwere Leiden in christlicher Geduld sich auf sein Lebensende vorbereitet hatte, starb er selig im Herrn i. I. 1580. Gebet. Erflehe uns, o heiliger Ludwig Bertrand! die Gnade, daß wir den Tag des Herrn, ebenso, wie du, heilig halten und Gott dem Herrn in Leid und Freud unser Herz und unsere Liebe schenken, bis er uns dafür schenkt seine himmlische Glorie in Ewigkeit. Amen. Zweihundertsimsundlchtzigstes Lesestiick. Am Feierabende des 12. Oktober. Von der Entheiligung des Sonntags. Fr. Wie kann man sich gegen das dritte Gebot versündigen? Antw. Durch Entheiligung des Sonntags, und dieß kann geschehen: 1) durch unuöthige knechtliche Arbeiten, 2) durch gänzliche Vernachlässigung oder durch nnandächtigen, gleichgiltigen Besuch des Gottesdienstes und durch Unterlassung guter Werke. Belehrung. O wie oft wird in unserer glaubens losen und eben deßhalb unglücklichen Zeit der Tag des Herrn entheiligt und zwar 1) vor Allem durchunnöthige knechtliche Arbeiten in den zahllosen Fabriken und Werkstätten! Man sieht nur auf Erwerb und Gewinn, und solchen gelb- «62 Viertes Hauptstück. Von der Entheiligung des Sonntags. gierigen Menschen ist kein Tag und keine Stunde zu heilig, die sie nicht zu ihren Zwecken benützen. Ach, diese Unglücklichen, sie kennen oder beherzigen das Sprüchwort nicht: „Was man Gott nimmt, das holt der Teufel wieder," und: „WaH hex Sonntag erwirbt, schon am Montag verdirbt!" Daher sehen wir am Sonntag so Biele arbeiten, sich mühen und plagen — und dennoch Nichts erhausen; vielmehr ist Noth und Elend ihr beständiger Begleiter; denn sie entheiligen den Tag des Herrn durch knechtliche Arbeiten; Viele entheiligen ihn aber auch 2) durch gänzliche Vernachlässigung oder durch unandächtigcn, gleichgil- tigcnBcsuch des Gottesdienstes und durchUntcr- lassung guter Werke. Darum ruft schon der heilige Paulus den Hebräern (10, 25.) zu: „Lasset uns nicht vernachlässigen unsere Versammlung, wie Einige die Gewohnheit haben!" Welch' ein unverantwortlicher Leichtsinn ist es, wenn man nach einer sechstägigen Sorge für den Leib nicht einmal Einen Tag, ja, nicht einmal einige Stunden Gott dem Herrn und der Sorge für seine unsterbliche Seele widmet! Beispiel und Anwendung. Vor lauter irdischen Sorgen und Zerstreuungen finden gar viele Namenchristen an den Sonntagen keine Zeit, um an Gott und ihr Seelenheil zn denken. Würde es sich um einen zeitlichen Nutzen oder Schaden handeln, da ließe man Alles liegen und stehen, um seinen Vorlheil zu suchen; um aber Gott zu dienen und seine unsterbliche Seele zu retten, — dazu hat man keine Zeit. O der Verblendung! — Ein eifriger Seelsorger der Vorzeit, Mainardi Arlotto, verweilte einst mehrere Tage in einem Pfarrbezirke der Nachbarschaft, wo er alsbald von der unerfreulichen Thatsache sich überzeugte, daß die Landleute um den kirchlichen Gottesdienst gar wenig sich kümmerten. Anstatt die Frühmesse zu besuchen, eilten sie bei Sonnenaufgang schon hinaus auf die Felder, versäumten aber auch hier die Zeit, indem sie Stundenlang der Ruhe pflegten oder mit Geschwätz und Scherz sich unterhielten. Da ließ Arlotto einmal früh Morgens (sieh das nebenstehende Bild!) die Sturmglocke läuten, und sieh, es dauerte nicht lange, so eilten die Leute mit Eimern und Spritzen, mit Leitern und eisernen Stangen von nahe und ferne herbei. Mainardi beruhigte sie zuerst mit der Versicherung, die Sturmglocke habe dießmal einem andern Zwecke gedient; dann hielt er ihnen eine nachdrückliche Strafrede. „Man läutet," sprach er, „zum Frühgottesdienst so anhaltend, daß dem Glöckner die Arme lahm werden; allein ihr achtet nicht darauf, und Niemand scheint es zu hören, so daß Meßner und Ministrant die ganze Gemeinde vertreten müssen. Kaum aber ertönt der erste Schlag der Feuerglocken, kaum ergreift euch, wie billig, die Sorge und Furcht, an eurer irdischen Habe Verlust zu leiden, so scheut ihr keine Eile und keine Mühe, um den Schaden zu verhüten. Um die irdischen Dinge seid ihr besorgt; aber um das Heil eurer unsterblichen Seele kümmert ihr euch nicht!" — Gilt diese Strafpredigt nicht auch noch heut zu Tage — besonders in Bezug auf die Nachlässigkeit im Besuche des sonntäglichen Gottesdienstes?! Fr. Wodurch wird der Tag des Herrn am Meisten entheiligt? Antw. Durch Ausschweifungen, durch unmäßiges Trinken, durch ausgelassene Spiele und Lustbarkeiten. Belehrung. Ach ja, das ist leider eine nur zu traurige Wahrheit! Wie Viele, die sich Christen nennen, machen den Tag des Herrn zu einem Tage der Schwelgerei und des öffentlichen Aergernisscs! Diesen ruft Gott der Herr bei Malachias (2, 3.) zu: „Siehe, ich streue euch den Koth eurer Feste in's Gesicht, und er wird euch ankleben." Und der heilige Chrillus schreibt: „Wird Gott dem Herrn nicht eine große Unbild zugefügt, wird nicht eine Art Gottcs- raub begangen, wenn man Tage, die dem Herrn besonders geweiht sind, zu den Thorheiten der Welt, zu eitlen Belustigungen anwendet?" — Wahrlich, solche Sabbatschänder verläugnen ihren Glauben, und es wird die Strafe Gottes gewiß nicht ausbleibcu. Fr. Was soll uns daher von der Entheiligung des Sonntags besonders abschrecken? Antw. 1) Schon der Gedanke, daß wir dadurch unfern Glauben verläugnen und unsere Mitchristen ärgern, und 2) die zeitlichen und ewigen Strafen, welche Gott dem Sabbatschänder androht. Belehrung. Die Feier des Sonntags ist ein öffentliches Bekenntniß unsers christlichen Glaubens, folglich ist die Entheiligung desselben eine Verläugnuug unsers Glaubens, eine Schmach für unsere heilige Religion und zugleich ein Aergerniß für unsere Mitchristen. Schon dieser Gedanke soll uns von der Entheiligung des Sonntags abhalten. Dazu kommen aber auch noch die furchtbaren zeitlichen und ewigen Strafen, welche Gott selbst den Sabbatschändern androht. Wo man den Tag des Herrn entheiligt, da bleibt Gottes Strafe nicht aus; da muß Gottes Segen weichen, wie Am Feierabende des 12. Oktober. 663 der heilige Ambrosius schreibt: „Diejenigen, die den Sonntag entheiligen und an demselben die Reichthümer der Welt suchen, finden vielmehr die Reichthümer der Sünden und verlieren, wenn sie die Schätze der Welt gefunden haben, dafür die Schätze des Himmels." Und schon im A. B. sind diese Strafen der Sabbatschändung in den furchtbarsten Worten ausgesprochen. So spricht der Herr im 3. Mos. (26, 16 — 26.): „Wenn ihr meine Sabbate nicht haltet, so will ich euch plötzlich heimsuchcn mit Armuth... Vergeblich sollet ihr säen den Samen! ... Ich will euch von Oben einen Himmel geben wie Eisen und eine Erde wie Erz. Trockne soll eure Kornfelder verbrennen, oder der Hagel sie vernichten! Krankheiten, Hunger und Pest sollen euch dar- niederschlagcn! Das Feuer soll in eure Häuser eindringen und Alles verzehren, was ihr gesammelt habet!" Und bei Ezechiel (20, 13.) „Sie entheiligten meine Sabbate sehr; darum dachte ich, meinen Grimm über sie auszugießen, um sie zu vertilgen." Ja, sogar die Todesstrafe wird über die Sabbatschänder verhängt: „Wer den Sabbat entheiligt, der soll des Todes sein" (2. Mos. 31, 14.) und „Wer ein Werk an demselben thut, den soll man steinigen!" (2. Mos. 35, 2.) Gar viele traurige Beispiele bestätigen uns auch die Wahrheit dieser Aussprüche. Verspiele und Anwendung. In einem Dorfe warm drei Männer, die nannte man aufgeklärt: der Schreiber, der Förster und der Holländer Beck. Sie machten immer eine Gesellschaft aus, gingen in keine Kirche, empfingen nie die heiligen Sakramente und verspotteten alles Heilige; besonders aber machten sic sich ein Geschäft daraus, den Sonntag zu entheiligen. Der Jäger jagte und fluchte des Sonntags, der Schreiber arbeitete am Sonntage in seiner Kanzlei, und der Holländer aß, trank und spielte den ganzen Sonntag. Wie ging es aber diesen Sabbatschändern? Nach einigen Jahren war der Förster aus dem Orte verschwunden; er hatte wegen Untreue Amt und Ehre verloren. Der Schreiber war wegen falscher Urkunden im Zuchthause, und der Holländer Beck war, nachdem er sein Gut verpraßt hatte, da- vvngezogen, und Niemand wußte, wohin. Siehe, mein Christ! das ist der Fluch, der auf den Sabbatschändern ruht. — Ein habsüchtiger Müller in Frankreich arbeitete beinahe jeden Sonntag. Oft ließ er während des Gottesdienstes seine Mühle gehen. An einem hohen Feste war er einmal, statt in der Kirche, noch zu Mittag bei seiner Arbeit. Lange wartete seine Frau auf ihn; endlich gegen Abend suchte sie ihn auf. Aber, welch' ein schrecklicher Anblick! Sie fand ihn todt — von den Flügeln der Mühle zerschlagen. An ihm hat sich das Wort des Herrn erfüllt: „Sie entheiligten meine Sabbate sehr; darum dachte ich, meinen Grimm über sie auszugießen, um sie zu vertilgen!" (Ezech. 20, 13.) — Lasse dich, mein christlicher Leser! durch so traurige Beispiele warnen und merke dir den schönen Spruch: Willst du im Guten nicht erkalten, Soll deine Arbeit dir gedeih'n: Mußt du den Sonntag heilig halten Und ihn der Andachtsübung weih'n. Legende: Der heilige Maximilian, Bischof und Märtyrer (ch um 283). Diesem schö- neuSpruche treu, feierte der heilige Bischof und Märtyrer Maximilian, dessen Fest ans den heutigen Tag fällt, mit heiliger und frommer Andacht den Tag des Herrn, und warnte seine Untergebenen mit allem Nachdrucke vor Entheiligung desselben. Maximilian wurde um die Mitte des dritten Jahrhunderts von frommen und angesehenen Eltern zu Zilly in Untersteiermark geboren und christlich gut erzogen. Nach dem Tode seiner reichen Eltern vertheilte er als Erbe ihrer Besitzungen Alles unter die Armen und unter die Sklaven seines Hauses, die er sämmtlich frei gab. Um das Jahr 257 wurde er Bischof von Lorch, als welcher er eine Menge Heiden zum christlichen Glauben bekehrte. Alsbald verbreitete sich weithin der Ruf seiner Tugenden und seiner Heiligkeit, so daß der römische Befehlshaber von Noriknm, Evilasins. ergrimmt über die Fortschritte, welche das Christenthum durch den eifrigen Glaubens- Prediger Maximilian machte, diesen treuen Diener Gottes ergreifen und enthaupten ließ am 12. Oktober um das Jahr 283. Gebet. Wir bitten dich, o Herr! gib uns guten Willen und Kraft, damit wir nach dem Beispiele des heiligen Bischofs und Märtyrers Maximilian durch Heiligung des Sonntags, sowie durch beständige Hebung der Tugend uns und Andere im wahren Glauben immer 664 Viertes Hauptstück. Viertes Gebot Gottes. Von den Pflichten der Kinder gegen die Eltern. niehr befestigen, auf daß dein Reich verbreitet und di« Zahl der Seligen vergrößert werde, durch Christum, unfern Herrn. Amen. ZweilMdertsechsundachtzigstes Lesestück. Am Feierabende des 13. Oktober. Viertes Gebot Gottes. Bon den Pflichten der Kinder gegen die Eltern. Fr. Was verlangt das vierte Gebot Gottes? Antw. Daß die Kinder ihren Eltern, und die Untergebenen ihren Vorgesetzten Ehre, Liebe und Gehorsam erweisen sollen. Fr. Warum sollen die Kinder ihren Eltern Ehre, Liebe und Gehorsam erweisen? Antw. Weil die Eltern nach Gott ihre größten Wohlthäter sind und seine Stelle bei ihnen vertreten. Fr. Wie sollen die Kinder ihren Eltern Ehre erweisen? Antw. Sie sollen sich derselben niemals schämen, sondern ihnen als Gottes Stellvertretern mit Ehrfurcht begegnen und mit ihren Schwächen und Fehlern Geduld haben. Miene und Ton, in Manieren und Haltung, in Reden und Handlungen, in Aufmerksamkeit und Nachgiebigkeit, in Zuvorkommenheit und Unterwürfigkeit zu erkennen, kurz, das ganze Betragen des Kindes athmet Ehrerbietung und Hochachtung gegen die Eltern. Beispiele und Anwendung. Durch diese Tugend zeichnete sich schon der ägyptische Joseph aus. Er ver läßt den Palast des Pharao, um seinem Vater entgegenzw gehen; wie sich dieser naht, steigt er zuerst von seinen« Wagen und fällt dein ehrwürdigen Greise zu Füßen. (1. Mos. 46.) — Ein gar schönes Beispiel dieser Art gib« uns auch Thomas Morus. Dieser stieg zu einer der höchsten Würden in England — bis zum Staatskanzler empor. Sein Vater aber war nur einer von den ältesten Räche» in dem Gerichte der königlichen Bank, und somit am Range weit geringer, als der Sohn. Da war cs nun sehr rührend -anzusehen, wenn das Gericht der königlicken Bank seine Sitzung hielt, und der Großkanzler in die Gerichtsstube kam. Er ging alsdann zu seinem Vater, beugte sich sehr ehrerbietig vor ihm und bat um seinen Segen. Wenn cs sick zutrug, daß sie in andern Gesellschaften zusammenkamen, so bot er allezeit seinem Vater den Rang vor ihm an, obgleich derselbe wegen der hohen Würde seines Sohnes diesen anzunehmen sich weigerte. — Möchten doch alle Kinder mit solcher Ehrfurcht ihren Eltern begegnen und die Worte des weisen Sirach (3, 8.) bedenken: „Wer den Herrn fürchtet, der ehret auch den Vater und dienet seinen Eltern und hält sie für seine Herren." Belehrung. Schon der weise Sirach (3, 9.) erinnert alle Kinder an diese Pflicht, indem er sagt: „Mit Wort und That und in aller Geduld ehre deinen Vater!" Die MH Ehrfurcht gegen die Eltern ist unter allen Tugenden der Kinder die erste; sie ist der heilige Funke, der in des Kindes Brust glimmt. Diese kindliche Ehrfurcht gibt sich in Fr. Wodurch können nnd sollen die Kinder ihren Eltern Liebe erweisen? Antw. Dadurch, daß sie ihnen dankbar sind nnd von Herzen Wohlwollen, für sie beten nnd ihnen durch ihr Betragen Freude machen; ferner dadurch, daß sie dieselben in der Noth unterstützen und im Alter liebevoll pflegen. Belehrung. Die Kinder können und sollen also ihren Eltern Liebe erweisen 1) dadurch, daß sie ihnen dankbar sind, für sie beten und ihnen Freude machen. Wahrlich, die Kinder sind ihren Eltern un endlich Viel schuldig; nie können sie diese Schuld vollständig abtragen; daher bleiben sie ihnen stets zum innigsten Danke verpflichtet, und es soll ihnen eine vorzügliche Sorge sein, Gottes Segen für ihre Eltern zu erflehen und ihnen auf alle mögliche Weise Freude zu bereiten. 2) Besonders aber sollen sie dieselben in der Noth unterstützen und im Alt er liebevoll pflegen. „Mein Kind! nimm dich deines Vaters im Alter an," sagt der weise Sirach (3, 14—15.) „und betrübe ihn nicht, so Am Feierabende des 13. Oktober. 665 lange er lebt, und wenn seine Sinne abnchmcn, so halt' es ihm zu Gute und verachte ihn nicht in deiner Kraft; denn die Wohlthat, die du deinem Vater erzeigt, wird nimmermehr vergessen." Es ist das eine wunderbare Einrichtung Gottes, daß das Kind der elterlichen Pflege, die bejahrten Eltern hingegen der kindlichen Pflege bedürfen; und wie es die Eltern schwer bei Gott zu verantworten hätten, wenn sie ihres schwachen Kindes nicht mit aller Sorgfalt pflegen würden, so würde sich hingegen auch ein Kind unendlich schwer versündigen, wenn es seine schwachen Eltern im Alter hilflos lassen würde. — Vom göttlichen Heilande sollen wir auch in dieser Beziehung wieder lernen; er zeigt cs uns noch vom Kreuze herab, wie wir für unsere Eltern im Alter sorgen sollen. Voll kindlicher Sorgfalt übergibt er seine inniggeliebte Mutter der treuen Pflege des heiligen Johannes — mit den Worten: „Sohn! siehe da deine Mutter." Beispiel und Anwendung. Auch in der neueren Zeit fehlt cs, Gott sei Dank! nicht an so manchen erfreulichen Beispielen kindlicher Liebe. Ich will dir, mein christlicher Leser! nur Eines erzählen. Als Kaiser Joseph II. in Brüssel war, kam ein alter Offizier und fragte nach ihm. Als er Zutritt erhielt, sagte er zum Kaiser: „Es thnt mir leid, daß ich unfähig bin, länger im Dienste Eurer Majestät zu bleiben. An Muth fehlt es mir nicht, aber meine Kräfte und meine Gesundheit sind geschwächt." — „Wie lange sind Sie schon im Dienste?" fragte der Monarch. — „Vierzig Jahre." — „Wie alt sind Sie?" — „Siebzig Jahre." — „Nun denn," fuhr der Kaiser fort: „Sie sollen Ihren ganzen Gehalt als Gnadengehalt behalten!" — „Dürfte ich Euere Majestät um eine zweite Gnade bitten?" — „Worin besteht solche?" — „Ich möchte mich gerne zu meinem Vater begeben; der Gehalt, welchen Eure Majestät mir gnädigst zugedacht haben, würde ihm, wenn ich es mit ihm theilte, seinen Lebensunterhalt verschaffen." — „Sie haben Ihren Vater noch? Ei wie alt ist denn dieser?" — „Hundert und zehn Jahre," war die Antwort, „er befindet sich wohl und hat mir melden lassen, sein sehnliches Verlangen wäre, mich wiederzusehen und in meinen Armen sterben zu können." — „Ach, ich gewähre Ihnen alle Ihre Bitten," sagte der gute Kaiser, indem er des Alten Hand freundlich ergriff und drückte. „Gehen Sie zn diesem verehrnngswürdigen Vater nnd grüßen Sie ihn im Namen Ihres Kaisers." — O wie erfreulich und nachahmungswürdig sind doch so schöne Beweise von kindlicher Liebe! Fr. Wie sollen Kinder ihren Eltern gehorsamen? AntW. Sie sollen ihre Befehle schnell nnd willig vollziehen und ihre Ermahnungen nnd Rathschläge willig annehmen und treulich befolgen. Belehrung und Beispiele. Eine dritte Pflicht der Mehl«, Hausbuch. Kinder gegen ihre Eltern ist die des Gehorsams, indem sic hurtig und mit Freuden Alles thun nnd unterlassen, was die Eltern gebieten oder verbieten, insoferne sie nichts Böses oder Widerrechtliches befehlen, und indem sie ihren Rath und ihre Ermahnungen, besonders aber auch ihren letzten Willen — willig annehmen und gerne befolgen. Hiezu ermahnt der heilige Paulus (Kol. 3, 20.) alle Kinder mit den Worten: „Ihr Kinder! gehorchet den Eltern in Allem; denn das ist wohlgefällig im Herrn." Wie im Staate die Einen befehlen oder regircn und die Andern gehorchen müssen, so ist cs auch in der Familie; ohne Gehorsam ist keine häusliche Ordnung und Glückseligkeit möglich. „Zucht ohne Gehorsam," sagt der heilige Cyprian, „läßt sich nicht denken; ein Jüngling ohne Gehorsam ist schon ein zuchtloser Junge." — In der heiligen Schrift begegnen uns gar viele nach- ahmenswürdige Beispiele des kindlichen Gehorsames. Wie freudig und hurtig folgte nicht Isaak seinem Vater Abraham, als dieser von Gott den Befehl erhalten hatte, seinen einzigen Sohn zu schlachten! Willig trug der gehorsame Sohn das Opferholz gegen Moria und kniete auf Befehl des Vaters ohne Widerrede nieder, um sich schlachten zu lassen. — Der junge Tobias nahm die heilsamen Lehren und Ermahnungen seines Vaters willig an und sprach: „Mein Vater! Alles, was du mir gesagt hast, will ich thun." (Tob. 5, 1.) — Durch diese Tugend des Gehorsams aber zeichnete sich im höchsten Grade der Sohn Gottes aus. Er war nicht nur seiner Mutter Maria und seinem Nährvater Joseph unterthan (sieh das vorausgehende Bild!), sondern wurde auch seinem himmlischen Vater gehorsam bis zum Tode, und zwar bis zum Tode am Kreuze. — Sohn! Tochter! lerne von deinem göttlichen Heilande gehorsam sein gegen deine Eltern! Legende: Der heilige Eduard, König von England (fl 1066). Ein vortreffliches Muster kindlicher Liebe, Ehrfurcht und Folgsamkeit gegen die Eltern finden wir heute auch in der Legende an dem heiligen König Eduard. Dieser stammte ab von Ethelred II., Könige von England, und von Emma, Tochter Richrrd's I., Herzogs der Normandie, und machte seinen Eltern schon als Kind durch sein sanftes, religiöses, gerades und offenherziges Benehmen innige Freude; Keuschheit war ihm das höchste Gut; daher nannte man ihn gewöhnlich den Engel am Hofe. Als er auf den Thron gelangt war, stellte er durch seine Frömmigkeit die in seinem Reiche lang vermißte Ruhe und die guten Sitten wieder her und verewigte seine Regierung durch eine Sammlung weiser «66 Viertes Hauptstück. Vom Segen, der auf guten Kindern ruht. Gesetze, die auch jetzt noch unter dem Namen „Gesetze Evnards des Bekenners" bekannt sind. Er hielt auf Religion, verbannte die durch Kriegsnnrnhen einge- schlicheneu Laster, führte bis zu seinem Tode ein sehr heiliges Leben und starb i. I. 1066. Gebet. Erfülle, o Gott! die Herzen der Kinder mit jener Liebe, Ehrfurcht und Folgsamkeit gegen ihre Eltern, durch welche sich der heilige König Eduard auszeichnete, und gib, daß sie alle zugleich auch deine gehorsamen Kinder im Leben und Sterben seien, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihmidertsielitmmdachtzigstes Lesestück. Am Feierabende des 14. October. Bom Segen, der anf guten Kindern ruht. Fr. Was haben Kinder zu erwarten, welche das vierte Gebot treu beobachten? Autw. Irdischen und himmlischen Lohn: in diesem Leben Gottes Schutz und Segen, und im andern die ewige Seligkeit. (Sieh das nachfolgende Bild!) Belehrung. Unter allen Geboten ist das vierte das einzige, dem Gott der Herr eine Verheißung beigefügt hat: „Ehre deinen Vater und deine Mutter: dieß ist das erste Gebot mit der Verheißung, daß es dir wohlgehe, und du lange lebest anf Erden." (Ephes. 6, 2—3.) — Der erste Lohn ist also langes Leben. Weil man Diejenigen ehrt und liebt, die uns das Leben gegeben haben, so soll vor Allem langes Leben hiefür der Lohn sein. Welch' einen Werth hat nicht das Leben? All' unsre Güter und Vorzüge haben für uns nur einen Reiz, so lange wir leben; mit dem Tode verschwindet für uns ihre Bedeutung. Und dann, wieviel Gutes können wir nicht thun, wenn wir lange leben?-Aber nicht nur ein langes, sondern auch ein glückliches Leben soll uns zu Theil werden, wenn wir dieses vierte Gebot genau beobachten. Es wird uns wohl ergehen. Unsere Arbeiten und Mühen wird der Herr segnen, und wenn er uns auch keinen Ueberfluß schickt, so wird er uns doch die Gabe der Zufriedenheit und Genügsamkeit schenken; er wird uns an unfern Kindern Freude und Ehre erleben lassen und uns einst Alle als seine guten Kinder, als seine klugen und getreuen Knechte mit der Krone der ewigen Herrlichkeit schmücken. Beispiele und Anwendung. In der heiligen Schrift finden wir die kindliche Liebe und Unterwürfigkeit vielfach auf die so eben angegebene Weise belohnt. — Isaak war ein guter und folgsamer Sohn; daher wurde er auch von Gott wunderbar gesegnet: wenn er einen Schüssel aussäete, erhielt er hundert dafür, so daß er alsbald alle Einwohner des Landes an Ländereien und Reichthümern weit übertraf. (1. Mos. 26.) — Ein frommer Sohn war Tobias; darum ward er von Gott vielfach gesegnet. Er bekam Geld und eine tugendhafte Braut; er wurde neunundneunzig Jahre alt und sah zu seiner größten Freude die Kindeskinder bis in das fünfte Geschlecht. — Joseph war seinem Vater gehorsam, obgleich er sich dadurch den Haß seiner Brüder zuzog, und ward deßwegen zur höchsten Ehrenstufe erhoben. Und wie sehr liebten und ehrten ihn nicht wieder seine beiden Söhne Ephraim und Manasses? Wie glücklich und gesegnet war er nicht in diesen seinen Kindern? — Diesen wunderbaren Segen Gottes, der auf guten Kindern ruht, finden wir auch in vielen schönen Beispielen aus dem gewöhnlichen Leben. So erzählt ein würtembergischer Geistlicher: Ein hiesiger Bürger verarmte nach dem Tode seiner Frau so, daß seine Kinder, zwei Söhne und eine Tochter, der öffentlichen Fürsorge anheimfielen. Sie wurden bei verschiedenen Bürgern in die Kost gegeben, während ihr Vater sein Brod auswärts suchte. Nach einiger Zeit kam er ganz verwahrlost, zerlumpt und voll Ungeziefer nach Hause. Aber die Kinder schämten sich ihres fast allgemein verachteten Vaters nicht; sie reinigten ihn vom Ungeziefer und pflegten seiner, während er im Armenhause krank lag, bis an sein Ende. — Diesen drei Kindern ging es aber auch über Erwarten gut. Einer der beiden Söhne erlernte das Müllerhandwerk, verheiratete sich, obgleich selbst ohne Vermögen, glücklich, so daß er eine Mühle, obwohl zum Theil mit Schulden, kaufen konnte, verkaufte diese wieder mit großem Vortheil Am Feierabende des 14. Oktober. 667 WM MW >!!!!!!!!> und ebenso wieder eine zweite, so daß er jetzt ein sehr oer- möglicher Müller in einem benachbartem Dorfe ist und allgemeiner Achtung sich erfreut. Der zweite Sohn ist jetzt einer der wohlhabendsten Bäcker in einer benachbarten Stadt, besten Unternehmungen fast stets von glücklichem Erfolge begleitet sind. Die Tochter heirathete einen »ermöglichen Wagner im hiesigen Ort, einen braven und rechtschaffenen Mann, wurde Mutter von zwölf Kindern, wovon fünf leben und alle wohlgeratheu sind. — Wie glänzend hat sich an diesen braven Kindern der Ausspruch der heiligen Schrift (Sir. 3, 10.) bewahrheitet: „Ehre deinen Vater, damit sein Segen über dich komme, und sein Segen bis an's Ende dauere!" Fr. Wie kommt es aber, daß dennoch viele gute Kinder kein langes Leben haben, sondern schon in der Blüthe der Jahre dahinsterben? Antw. Hierauf antwortet der heilige Hieronymus: „Gott gibt solchen Kindern statt des zeitlichen das ewige Leben; und da er ihnen hiedurch mehr ertheilt, als Andere durch ein langes Leben erhalten, so erfüllt er eben dadurch auch sein Versprechen." Belehrung und Beispiele. Wenn recht fromme und gehorsame Kinder frühzeitig sterben, so ist dadurch Gottes Verheißung nicht entkräftiget; denn bei Gott gilt das fromme Leben auch als ein langes Leben, wie der Weise sagt: „Ein ehrenvolles Alter hängt nicht von langer Dauer und von der Zahl der Jahre ab; sondern des Menschen Verstand gilt für graue Haare und ein unbeflecktes Leben ist das (wahre) Greiscnalter." (Weish. 4, 8 —19.) Gott nimmt manchmal in der Blüthe des Alters ein frommes Kind von dieser Welt, damit die Bosheit seinen Verstand nicht verkehre und ersonnene Lehre seine Seele nicht betrüge, wie Jsaias sagt (57, 1.), oder auch, weil große Drangsale be. vorstehen, damit das gute Kind der harten Zeit entrinne u. s. w. In diesem Sinne müssen wir die Sache auffassen, und es wird nns nicht mehr befremden, wenn wir lesen und sehen, wie z. B. der heilige Aloysius, der heilige Stanislaus Koska u. A. schon so frühzeitig aus dem Leben scheiten mußten, obwohl sie vermöge ihrer kindlichen Liebe nnd Ehrfurcht gegen ihre Eltern ein langes Leben verdient hätte». Legende: Der heilige Burkard, Bischof von Würzbnrg (fl 753). Sehen wir es nicht auch an dem heiligen VischofVurkard, dessen Andenken wir heute feiern, welch' ein Segen auf guten Kindern ruht? Er stammte aus einem adeligen Geschlcchte in England nnd bewies sich von Kindheit ans als ein liebender und dankbarer Sohn gegen seine guten Eltern. Daher begleitete ihn aber auch Gottes Segen durch sein ganzes Leben. Unbefleckt von dem Verderben der Welt hatte Burkard mit Auszeichnung die wissenschaftliche Bahn zurückgelcgt nnd die Priesterweihe empfangen, als er hörte, daß sein heiliger Landsmann Bonifacius, der Apostel Deutschlands, Mitarbeiter für diesen neuen Weinberg des Herr» suche, und sogleich stand sein Entschluß fest, mit ihm die Mühsale der Heidenbekehruug zu theilen. Bonifacius empfing den glaubenseifrigen Priester mit herzlicher Freude und bestellte ihn, nachdem er sich von seinen trefflichen Eigenschaften überzeugt hatte, i. I. 741 zum Bischöfe zu Würzburg, obschon er sich weigerte, eine so schwere Bürde auf seine schwachen Schultern zu nehmen. Und nun zeigte es sich auf's Neue, daß auf braven Kindern stets Gottes Segen ruhe; denn sein bischöfliches Wirken war überaus gesegnet, so daß der Frankenkönig Pi Pin ihn und seine Nachfolger zu Grafen von Franken erhob mit der Vefugniß, über diesen Gan die weltliche Gerichtsbarkeit zu üben. Das änderte aber in der Lebensweise Burkard's Nichts; nach wie verblieben ihm Pracht und Glanz ferne, und er schaffte sich nicht einmal einen Bischofsstab an, sondern trug statt dessen nur einen Hollundersteckcn in der Hand. Gegen Jedermann war er voll Liebe und Freundlichkeit, selbst auch gegen seine Verleumder. Nachdem er die Ueber- reste des heiligen Märtyrers Kilian aufgefunden und über dessen Begräbnißorte eine Kathedrale erbaut hatte, legte er seinen Hirtenstab in die Hand seines Nachfolgers nieder und zog sich mit sechs Mönchen nach Hohenburg, 84 * 668 Viertes Hauptstück. Von den Versündigungen gegen die kindliche Ehrerbietung und Liebe. einen einsamen Ort des BiSthums, zurück, wo er in Fasten, Wachen und Beten den Rest seiner Tage verlebte, bis er am 9. Februar 753 in die ewige Herrlichkeit zum himmlischen Lohne berufen wurde. So segnet Gott im Leben und Sterben alle Kinder, die ihre Eltern ehren und lieben und ihnen folgen. Gebet. Bitte, heiliger Bischof Burkard! für alle Söhne und Töchter, damit sie wie du ihre Eltern lieben, ehren und ihnen gehorsamen; dafür aber auch im Leben sowohl, als auch einst in der Ewigkeit den Segen und Lohn erlangen mögen, der auf guten Kindern ruht, — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihundertachtmldachtzigstes Lesestück. Am Feierabende des 15. October. Von den Versündigungen gegen die kindliche Ehrerbietung und Liebe. Fr. Auf welche Weise können sich Kinder gegen das vierte Gebot versündigen? Antw. Da die Kinder ihren Eltern Ehrfurcht, Liebe und Gehorsam schuldig sind, so können sie sich gegen das vierte Gebot dadurch versündigen, daß sie entweder die Pflicht der Ehrfurcht oder der Liebe oder des Gehorsams verletzen. Fr. Wie verletzen die Kinder die Pflicht der Ehrfurcht gegen ihre Eltern? Antw. Wenn sie 1) ihre Eltern im Herzen verachten oder gering schätzen, 2) schlecht von ihnen reden, sich ihrer schämen, ihnen grob und trotzig begegnen u. s. w. Belehrung. Die Kinder versündigen sich schwer gegen die den Eltern schuldige Ehrfurcht und Ehrerbietung, wenn sie 1) ihre Eltern im Herzen verachten oder gering schätzen. Wem Vater und Mutter nicht mehr ehrwürdig sind, Dem ist unter dem Himmel Nichts ehrwürdig und heilig; wahrlich der hat ein Herz — zu allen Verbrechen reif. Mit Recht heißt es daher in den Sprüch- wörtern (30, 17.): „Das Auge, das seinen Vater verachtet und schief auf seine Mutter blickt, sollen die Raben aushacken und die jungen Adler fressen." — Sie sündigen dagegen, wenn sie 2) schlecht von ihren Eltern reden, sich ihrer wegen ihres geringen Standes oder ihrer Armuth schämen, ihnen grob und trotzig begegnen, wenn sie über dieselben spotten, sie auslachen rc. wie der lieblose Cham. Hierüber schreibt der heilige Chrysologus: „Nimm den Strahl von der Sonne, und er wird nicht mehr leuchten; trenne den Bach von der Quelle, und er wird nicht mehr fließen; nimm den Ast vom Baume, und er wird verdorren; nimm das Glied vom Körper, und es wird sterben; nimm dem Kinde die Ehrfurcht vor den Eltern, und schon ist es kein Kind, kein Sohn und keine Tochter mehr." Beispiel und Anwendung. Nur zu wahr ist dieser Ausspruch des heiligen Chrysologus; wir sehen dieß in nachfolgendem Beispiele. —> Ein berühmt gewordener Dichter des vorigen Jahrhunderts verdankte sein Leben einem ehrbaren Gewerbsmanne. Durch seinen Schweiß, seine Entbehrungen, seine Anstrengungen bis in die Nacht hinein war es diesem zärtlichen Vater möglich, seinem Sohne eine ausgezeichnete Erziehung geben zu lassen. Diese so große Vater- liebe vergalt der junge Mensch durch eifrige Thätigkeit. Glänzende Erfolge krönten gar bald seine Bemühungen und offenbarten sein Talent; besonders ein Gedicht gewann ihm allgemeinen Beifall. Ein Herr vom Hofe, der den Ver- fasser hätte gerne kennen lernen mögen, ersuchte den jungen Dichter, seine Verse in einer Versammlung vorzulesen, die aus den ausgezeichnetsten Personen der Hauptstadt bestand. Der Vorschlag war zu schmeichelhaft, um ihn nicht anzunehmen. Wider Wissen seines Sohnes erbat sich und erhielt der Vater die Begünstigung, auch beiwohnen zu dürfen. Mit großem Selbstvertrauen hob der Jüngling zu lesen an; Beifallsbezeugungen unterbrachen ihn nach wenigen Zeilen. Er fuhr fort, und es regnete Kränze auf sein Haupt, er vollendete, — und der edle Herr, der ihn eingeladen hatte, trat auf ihn zu und umarmte ihn zum Zeichen seiner Zufriedenheit vor der glänzenden Versammlung. In demselben Augen- Am Feierabende blicke sah man aus dem Hintergründe des Saales einen Greis mit Silberhaaren in anständiger Bürgerkleidung herankommen; seine Augen waren thränenfeucht, seine Arme geöffnet, er wollte den jungen Belorbeerten auch umarmen. Dieser aber wandte sich weg, wollte ihn nicht kennen, und dieser Greis war — sein Vater!!! Ein allgemeiner Ausbruch des Unwillens durchhallte den Saal; aus jedem Munde tönten wiederholt die brandmarkenden Worte: „UndankbarerSohn! — — unnatürliches Kind!" — Wahrlich, ein so unmenschlicher Sohn verdient auch nichts Anderes, als die allgemeine Verachtung und Gottes Mißfallen. Fr. Wie versetzen die Kinder die Pflicht der Liebe gegen ihre Eltern? Antw. Durch jede Lieblosigkeit, wenn sie nämlich ihnen Uebles wünschen oder anthnn, sie betrüben oder erzürnen, ihnen nicht beistehen, für sie nicht beten rc. Belehrung. Gegen die den Eltern schuldige Liebe sündigen also die Kinder insbesonders, wenn sie ihnen 1) Uebles gönnen oder wünschen, sie hassen oder beneiden, oder ihnen gar durch Mißhandlung Uebles anthun. Diese trifft der Ausspruch, den Gott schon durch Moses gethan: „Wer Vater oder Mutter schlägt, soll sterben! Wer seinem Vater oder seiner Mutter flucht, der soll sterben!" (2. Mos. 2l, 15. 17.) 2) wenn sie denselben durch schlechtes Betragen Kummer und Schande machen, oder sie sonst betrüben und erzürnen; 3) wenn sie ihnen in derNoth und im Alter nicht beistehen; 4) ihre Schwachheiten, Gebrechen und Fehler nicht mit Geduld ertragen und endlich 5) wenn sie für ihre lebenden und verstorbenen Eltern nicht beten. „Wehe dem Ungeheuer," ruft ein christlicher Lehrer aus, „der die Mutter vergißt, an deren Brust er Leben sog; der den Vater verschmäht, der ihm Nahrung und Freude und Schutz gab, oft mit Gefahr seines eigenen Lebens! Für seine Undankbarkeit hat die menschliche Zunge noch keinen Namen erfunden; seine Abscheulichkeit spricht nur der Mund der Hölle aus. Wehe dem Undankbaren, welcher dem betagten Vater, der alten, kränklichen Mutter nur mit Unwillen und Härte das letzte Brod reicht und mit Verlangen auf deren Tod wartet!" Beispiel und Anwendung. Wem thut es nicht in der Seele weh, wenn er sieht, wie lieblos mancher Sohn, manche Tochter gegen die bejahrten guten Eltern ist! — Es war einmal ein alter Mann, der konnte kaum mehr gehen; seine Knice zitterten, er hörte und sah nicht gut und hatte bereits keine Zähne mehr. Wenn er nun bei Tische saß und den Löffel kaum halten konnte, schüttete er die Suppe auf des 15. October. liiii) das Tischtuch, und zuweilen floß ihm sogar wieder Etwas aus dem Munde. Sein Sohn und dessen Frau eckelten sich daran, und deßhalb mußte sich endlich der Großvater hinter den Ofen setzen, und sie gaben ihm sein Essen in ein irdenes Schüsselchen, und noch dazu sehr wenig, so daß er sich nicht satt essen konnte. Da sah er traurig nach dem Tische, und die Augen wurden ihm naß. Einmal nun konnten seine zitternden Hände das Schüsselchen nicht fest halten, es fiel zur Erde und zerbrach. Die junge Frau schalt heftig; der Großvater aber seufzte nur: „Ach, lieber Gott!" — Jetzt kauften sie ihm ein erbärmliches, hölzernes Schüsselchen um ein paar Pfennige, welches mehr einem Tröglein, als einem Schüsselchen glich; und daraus mußte er essen. — Als sie eines Tages bei Tische fassen, schlug der kleine Enkel von vier Jahren auf der Erde einige kleine Bretterstücke zusammen. „Was willst du denn damit machen?" fragte ihn der Vater. „Ei," antwortete das Kind, „ich will ein Tröglein machen, und daraus sollen Vater und Mutter essen, wenn ich groß bin." Da sahen sich Vater und Mutter eine Weile stumm an, und Thränen traten ihnen in die Augen; sie holten sofort den Großvater an den Tisch und ließen ihn von nun an immer mitessen; und wenn er zuweilen auch Etwas verschüttete, sagten sie Nichts mehr. — Christlicher Leser! mache dir hierüber selbst deine Betrachtung und Anwendung! Legende: Die heilige Theresia, Jungfrau und Ordeusstifteriu (ff 1582). SM>I Heute feiert die Kirche das Fest einer Heiligen, deren Beispiel alle jene Kinder tief beschämt, welche die Pflichten gegen ihre Eltern irgendwie verletzen; denn die heilige Theresia war ebenso sehr eine gute Tochter ihrer braven Eltern, als eine treue und eifrige Dienerin ihres Gottes. Sie wurde von schr vornehmen und 670 Viertes Hauptstück. Von den Versündigungen gegen den kindlichen Gehorsam re. gotteSfürchtigen Eltern Alphons Sancho von Kopeda, und Beatrix von Ahumada zu Avila in Altkastilien am 28. März 1515 geboren. Von Jugend auf hatte Theresia große Freude am Gebete, so daß sie immer die Einsamkeit anfsuchte, um demselben desto ungestörter obliegen zu können. Oft rief sie da von Andacht begeistert aus: „O Ewigkeit, o Ewigkeit!" In ihrem fünfzehnten Jahre kam sie in das Augustiner-Nonnenkloster zu Avila. Nach achtzehn Monaten uöthigte sie eine schwere Krankheit, zu ihrem Vater zurückznkehren. Durch die Briefe des heiligen Hieronymus ward sie so sehr begeistert, daß sie plötzlich ihrem Vater die Absicht, dem Herrn sich zu weihen, eröffuete. In das Kloster der Carmeliterinen ausgenommen, fühlte sie sich kort so selig, von dem Tande und den Thorheiten der Welt befreit zu sein, daß sie nicht begreifen konnte, wie eine solche Umänderung in ihr so schnell bewirkt worden. Bald darauf verfiel sie in eine schmerzliche, langwierige Krankheit, die sie aber mit voller Hingebung in Gottes heiligen Willen ertrug. Durch öfter» Empfang der heiligen Sakramente und das betrachtende Gebet gelangte sie zu immer größerer Vollkommenheit und Heiligkeit. Oft ermahnte sie Andere, von der gottseligen Uebung des Gebetes nicht abzustehen, wie groß auch) der Eckel an derselben, wie vielfältig die Zerstreuungen dabei, und wie mannigfaltig die Gebrechen derselben auch immer sein mögen. Wie alle andern Heiligen fand auch Theresia in der Demuth das Wesen und den Geist eines vollkommenen Lebens. Flammend war ihre Andacht und Liebe zum heiligsten Altarssakrament. Der Schlaf der Gerechten krönte ihre Arbeiten und Tugenden am Morgen des 15. Octobers i. I. 1582, im achtundsechzigsten Jahre ihres Alters. Gebet. Laß, o Gott! unsere Herzen durch das vorleuchtende Tugendbeispiel deiner heiligen Dienerin Theresia gleiche Gesinnungen und Antriebe zu einem gotteSfürchtigen und dir wohlgefälligen Leben empfinden — durch Jesus Christus, unfern Herrn. Amen. ZweilMdertnemmndachtzigstes Lesestück. Am Feierabende des 16 . October. Bon den Versiindignngen gegen den kindlichen Gehorsam, und von dein Fluche, der auf nichtswiirdigen Kindern rnht. Fr. Es gibt noch eine dritte Pflicht der Kinder gegen ihre Eltern— die des Gehorsams; wie können sie sich nun gegen diese Pflicht versündigen? Antw. Wenn sie 1) ihren Eltern schlecht oder gar nicht gehorchen, 2) ihren Ermahnungen kein williges Gehör geben, 3) ihren Bestrafungen sich widcrsetzen. Belehrung. Was soll aus solchen ungehorsamen Kindern werden? Wahrlich, ein Kind, das den Eltern nicht folgt, gleicht einer verlockten Taube, die auf Nichts mehr merken will (sich das nachfolgende Bild!); daher wird cs Verderben überfallen, sowie ein Adler die verlockte Taube überfällt. Höre, was für ein furchtbares Nrtheil schon im 5. Mos. 21, 18—21 über die ungehorsamen Kinder ausgesprochen ist: „Wenn Jemand einen widerspenstigen und unbändigen Sohn hat, der seines Vaters und seiner Mutter Befehle nicht hört, und, wenn sie ihn züchtigen, nicht gehorchen will; so sollen sie ihn nehmen und zu den Aeltesten der Stadt führen und zu ihnen sprechen: Dieser Sohn ist widerspenstig und unbändig, und verachtet unsere Ermahnungen, und gibt sich der Völlerei, der Schlemmerei und Unzucht hin: und das Volk der Stadt soll ihn steinigen, und er soll sterben; auf daß ihr das Böse von euch thuct, und ganz Israel es höre und sich fürchte!" Beispiel und Anwendung. O wie viele Kinder müssen ihren Ungehorsam gegen ihre guten Eltern in später» Jahren oft bitter bereuen! — Es war im Spätherbst des Jahres 1776, während eines heftigen Schneesturmes, da man in einer Abendgesellschaft in London der Ankunft eines weit berühmten Mannes, deS gelehrten Samuel Johnson, stundenlang entgegcnharrte. Er kam endlich doch, war aber so schweigsam und sah so bleich, verstört und erschöpft aus, daß man schweigend und nicht ohne Verlegenheit ihn betrachtete, bis er selber, an die Frau vom Hause sich wendend, die lautlose Stille unterbrach. „Als ich zu kommen versprochen," berichtete er, „habe ich vergessen, daß heute der einundzwanzigste Tag im November ist. Heute vor vierzig Jahren war eS, daß mein Vater, ein Buchhändler, mich bittend anredete: „„Samuel, nimm den Wagen, fahre auf den Markt von Ligthfield, und versehe dort das Geschäft statt meiner!"" Stolz auf meine Gelehrtheit, die ich doch nur durch seine Unterstützung erworben, weigerte ich mich; es schien mir unter meiner Würde, in der Marktbude zu stehen und alte Bücher zu verkaufen. Da sprach mein Vater in aller Sanftmuth: „„Samuel, sei ein guter Sohn! Es wäre Schade, den Markt zu versäumen; cs wird heute au Nachfragen nicht fehlen."" Ich blieb hartnäckig, obwohl «71 Am Feierabende mir sein Uebelbefinden nichts weniger als unbekannt war; ich zweifelte nicht, daß er bei solcher Angegriffenheit zu Hause bleiben würde. Allein er unternahm jetzt selber die Fahrt, und zwar bei einer Witterung, die der heutigen glich; dieses Wagniß brachte ihm den Tod!" — Bei diesen Worten stockte Johnson's Stimme, seine Thränen stoßen reichlich, nur mit Mühe konnte er noch das klebrige mittheileu, was sein heutiges Ausbleiben erklärte. „Seit jener Zeit," sprach er, „gehe ich an jedem einundzwanzigsten Novembertage, ohne eine Speise zu nehmen, zu Fuße nach Ligthfield, und bleibe vier volle Stunden auf dem Platze stehen, auf welchem mein Vater seine Bude hatte. Es sind seitdem bereits vierzig Zahre verflossen; mittlerweile bin ich älter geworden, als mein Vater war, da er von hinnen schied; und ach, ich kann nicht sterben!" — Schweigend hatte die Gesellschaft dieß Geständniß angehört, ohne Etwas zu erwiedern; Jeder empfand seinen tiefen Kummer mit, und Niemand fühlte sich berufen, ihn zu trösten. — Sohn! Tochter! hüte dich vor jedem Ungehorsam gegen deine lieben Eltern, damit dir dein Gewissen nicht ähnliche schwere Vorwürfe machen, und du deine Sünde nicht im Alter noch schmerzlich bereuen mußt! Fr. Was haben die Kinder zu erwarten, die ihre Pflichten gegen die Eltern nicht erfüllen? Antw. In diesem Leben den Fluch Gottes sammt Schmach und Schande und im andern Leben die ewige Verdammniß. Belehrung. Wie wir gesehen haben, daß Gott gute und fromme Kinder meistens mit einem langen und glücklichen Leben oder mit einem glückseligen Tode segne, so finden wir auch hingegen, daß auf lieblosen und ungehorsamen Kindern Gottes Fluch ruhe, und daß ihnen in diesem Leben nicht selten Schmach und Schande, im andern Leben aber sicherlich die ewige Verdammniß zu Theil wird. Die heilige Schrift ist voll von solchen Flüchen, die der Herr über nichtswürdigc Kinder ausspricht. „Verflucht sei, wer seinen Vater und seine Mutter nicht ehrt, und alles Volk soll sagen: Amen!" (5. Mos. 27, 16.) „Verflucht ist von Gott, der seine Mutter erbittert." (Sir. 3, 18.) Daher ermahnt der weise Sirach (23, 18—19.): „Gedenke deines Vaters und deiner Mutter, auf daß nicht etwa Gott deiner vergesse, und du lieber nicht geboren zu sein wünschest und den Tag deiner Geburt verfluchest." — Alle Zeiten, alle Orte bieten uns schreckliche Beispiele von göttlichen und menschlichen Strafen gegen gottlose Kinder. Der erzürnte Himmel rächt nicht selten an ihnen die den Eltern zugefügten Beleidigungen furchtbar, indem er ihnen zeitliche Unglücksfälle oder ungerathene Kinder schickt, die ihnen nur Schmach und Schande bereiten und sich ebenso gegen sie benehmen, wie des 16. Oktober. diese früher gegen ihre Eltern sich benommen haben. Der Fluch wird sich so von Geschlecht zu Geschlecht auf eine entartete Nachkommenschaft fortpflanzen, und die bösen Kinder werden sich, wenn sie böse Väter geworden sind, einander zusammen in die Hölle stürzen. Das ist die Strafe jener verbrecherischen Geschlechter, die das geheiligte Gesetz übei> treten, das Gott den Kindern gegeben hat mit den Worten: „Du sollst Vater und Mutter ehren!" Beispiele und Anwendung. Wir sehe» dieß auch durch zahlreiche Beispiele in der heiligen Schrift sowohl, als im Leben bestätigt. — Cham, der ungerathene Sohn des Noe, spottete der Blöße seines Vaters; dafür traf ihn der Fluch des Vaters; und siehe! auch Gott verließ ihn, und Cham wurde der Vater der Heiden. — Der gottlose Ab- s olon widersetzte sich seinem Vater David, suchte das Volk mit ihm unzufrieden zu machen; und siehe! er starb eines höchst unglückseligen Todes. — Die ungehorsamen und gottlosen Söhne Heli's, Ophni und Phinees, fielen in der Schlacht. (1. Kön. 2, 34.; 4, 11.) — Diesen biblischen Beispielen füge ich auch noch folgende ernste Begebenheit aus dem Leben bei. -— Ein Vater, vielleicht der gottloseste und unglücklichste, den es je gegeben, hatte einen eben so verruchten Sohn. Weil sic sich, der Eine wie der Andere allen Lastern ergeben hatten, so stürzten sie sich auch iu jedes Unglück. Der ungehorsame, halsstärrige Sohn war zorn- müthig, gewaltthätig, wild bis zur Wuth. Streitigkeiten, Klagen, Tätlichkeiten waren an der Tagesordnung, und sie stießen dabei alle Gattungen von Flüchen wider einander aus. Eines Tages wollte der Vater, schon Wohl bei Jahren, dem Sohne Verweise geben, und ihm sein schlechtes Betragen vorwerfen. Der unselige Sohn stürzte im Feuer des Zornes über den Vater her, warf ihn zu Boden, ergriff ihn bei den Haaren und schleppte ihn die Stiege hinab, um ihn aus dem Hause zu stoßen. — Als er ihn bis an eine gewisse Stelle fortgeschleppt hatte, erhob der Greis die Stimme und rief: „Halt, Unseliger! bis hicher und nicht weiter habe ich meinen Vater geschleift, als ich in deinen Jahren war!" Der boshafte Vater erkannte in diesem Augenblicke die Gerechtigkeit und Rache des Himmels, der ihn von seinem Sohne behandeln ließ, wie er ehemals mit seinem Vater verfahren war. — Schreckliche Strafe der göttlichen Gerechtigkeit! Wer erkennet und fühlt hier nicht mit zitterndem Herzen den Fluch, der auf gottlosen Kindern ruht? Und wie furchtbar wird erst die Strafe in der Ewigkeit sein! Ihr un- gerathenen Söhne und Töchter! lasset euch diese schauerliche Begebenheit zur Warnung dienen und fanget doch einmal an, gute Kinder eurer Eltern zu werden, wie es jener Heilige war, besten Fest wir heute feiern. Legende: Der heilige Gallus, Abt (st 627). Gallus, in Irland um die Mitte des sechsten Jahrhunderts geboren, erhielt seine erste Erziehung in einem Kloster. Die Klöster waren damals die Pflanz- 672 Viertes Hcmptstiick. Von den Pflichten gegen Pflegester' schulen des Christenthums, der Wissenschaft und der Gottseligkeit. Gallus wählte das Leben der Armen, bestieß sich der Erniedrigung, des Gehorsams und der Losschälung von allem Irdischen. Gott stattete ihn mit großen Naturgaben, mit schönen Talenten des Geistes ans, und gab ihm einen Reichthum des Verstandes. Er erhob sich aber nicht dieser Gaben wegen, sondern sah sie als ein Lehen Gottes an, war gering in seinen eigenen Angen, dcmüthigte sich unter die allmächtige Hand Gottes, gab alle Vernunft gefangen unter den Gehorsam Christi, und forschte Tag und Nacht im Gesetze des Herrn. Der heilige Gallus, selbst erleuchtet von der Sonne der Gerechtigkeit und erfüllt vom Lichte Gottes, wurde eine Sonne seiner Zeit, welche in die dunkle Nacht hineinleuchtete. Er war einer von den zwölf Gefährten des heiligen Kolumbanus, in welchen das Feuer jenes heiligen Eifers brannte, das Evangelium Jesu Christi den Menschen, ihren Brüdern und Miterlösten, zu verkündigen. Ans Liebe, Denen, die in der Finsterniß saßen, das Evangelium des Lichtes und des Friedens zu predigen, folgte er gerne dem Vater Kolumban nach Frankreich, und von da durch das Land der Helvetier zu der Stadt Bregenz am Bodensee. Dicke Finsterniß des Heidenthums lag ans den Bewohnern jener Gegend. Gallus predigte das Wort der Gnade Jedem, der zu ihm kam, und wo auch er hinkam. Gott erweichte die Herzen der Ungläubigen, in denen das Wort des Heiles die herrlichsten Früchte des Glaubens und der Liebe, eines sanften Sinnes und eines bessern Wandels hervorbrachte. Am 16. Oktober 627 vollendete er seine irdische Laufbahn. Gebet. Bitte für uns, heiliger Abt Gallus! damit wir ebenso gute und dankbare Kinder unserer leib- , Erzieher, Lehrer und Meister, sowie gegen alle Leute. lichen Eltern und unsers himmlischen Vaters werden und bleiben mögen, wie du, ans daß uns nicht Gottes Fluch treffe, sondern sein Segen zu Theil werde ans Erden und einst im Himmel. Amen. ZweilMdertUttdiieilnzigstes Lesestmk. Am Feierabende des 17. Oktober. Von den Pflichten gegen Pflegeltern, Erzieher, Lehrer und Meister, sowie gegen alte Leute. Fr. Welches sind die Vorgesetzten, denen wir nebst den Eltern Ehre, Liebe und Gehorsam erweisen sollen? Antw. Alle Diejenigen, welche Elternstelle an uns vertreten, als: Pflegeltern, Erzieher, Lehrer und Meister, sowie alle jene Leute, welche durch ihr Alter ehrwürdig sind. Belehrung. Da die Kinder gegen Pflegeltern sich gerade so verhalten müssen, wie gegen die leiblichen Eltern, so haben wir hier nur noch zu handeln von den Pflichten der Jugend 1) gegen ihre Lehrer, unter denen auch die Erzieher und Lehrmeister begriffen sind, und dann 2) gegen alte Leute. Fr. Wie sollen sich Schüler gegen ihre Lehrer, Zöglinge gegen ihre Erzieher, Lehrlinge gegen ihre Lehrmeister verhalten? Antw. Sie sollen dieselben als Gehilfen und Stellvertreter ihrer Eltern ansehen, und ihnen deßhalb auch Alles das leisten, was Kinder den Eltern schuldig sind, nämlich: Liebe, Ehrerbietung, Vertrauen, Aufmerksamkeit, Gehorsam und Dankbarkeit. Belehrung. Das Amt eines Lehrers oder Erziehers ist ein schweres und mühsames. Die jugendlichen, noch schwachen Kräfte auszubilden, die Auswüchse von Rohheit, natürlicher Ilnbehilflichkeit, Zerstreutheit und von Leichtsinn wegzuschneiden und den jungen Baum gerade zu richten, wieviel Geduld und Anstrengung erfordert dieß nicht? Ist cs alsdann nicht billig, daß der Lehrer von seinen Schülern, der Erzieher von seinen Zöglingen geliebt und geehrt werde, daß ihm beim Unterrichte Aufmerksamkeit, bei seinen Zurechtweisungen und Ermahnungen Gehorsam und für alle die Mühen und Plagen kindliche Dankbarkeit geschenkt werde? 673 Am Feierabende des 17. Oktober. WW ».8 Beispiele und Anwendung. In der heiligen Schrift begegnet uns ein schönes Muster und Vorbild eines vollkommenen Schülers, welches wir allen jungen Leuten nach- drücklichst zur Nachahmung empfehlen möchten. Samuel ist es, ein Schüler des hohen Priesters Heli, der zugleich Tempeldienste versah. Einstens (er war zwölf Jahre alt) schlief er, und der Herr rief ihn. Kaum vernahm Samuel den Ruf, so stand er auf, lief zu Heli und sprach: „Hier bin ich; denn du hast mich gerufen." — „Ich habe dich nicht gerufen," antwortete ihm Heli; „geh' wieder hin und schlafe!" — Der Herr rief den Samuel ebenso zum zweiten-, zum drittenmale; und jedesmal lief Samuel zu Heli, um ihn zu fragen, was er wolle. Heli merkte jetzt, daß der Herr den Knaben gerufen habe, und sprach deßhalb zu ihm: „Geh' hin und schlafe; und wenn man dich nochmal rufen wird, so sprich: Rede, Herr! dein Diener Hort!" — Der kleine Samuel gehorchte; und der Herr begnadigte ihn wirklich mit einer Offenbarung, woraus sich auf den Glanz der Heiligkeit schließen ließ, zu welcher er einst gelangen sollte. (1. Kön. 3.) — So überhäuft Gott selbst schon in diesem Leben mit den reichlichsten Segnungen Lehrlinge und Schüler, die treu in Beobachtung der Pflichten gegen ihre Lehrer und Meister sind. — Selbst die Heiden Mehler, Hausbuch. haben es erkannt, daß sie ihren Lehrern und Erziehern Ehrfurcht, Liebe und Dankbarkeit schuldig seien. Daher sagte Alexander der Große, König von Makedonien, gar oft: „Ich bin meinem Lehrer Aristoteles ebensoviel schuldig, als meinem Vater Philippus; denn diesem verdanke ich, daß ich lebe, jenem aber, daß ich vernünftig zu leben weiß." Und er war auch in der That bemüht, diese Schuld durch Liebe und Dankbarkeit gegen seinen Lehrer abzutragen. Möchten sich doch christliche Kinder nicht von diesem Heiden beschämen lasten, sondern ihre Lehrer gleichfalls stets in freundlichem und dankbarem Andenken behalten und diese ihre Liebe und Dankbarkeit nach Kräften auch in der That beweisen, wie z. B. der wahrhaft edle und großmüthige König Ludwig von Bayern, welcher seinem ehemaligen Lehrer, dem berühmten und gelehrten Bischof Sailer, (sieh nebenstehendes Bild!) im Dome zu Regensburg ein herrliches Denkmal setzen ließ, welches dem dankbaren Schüler nicht minder zur Ehre gereicht als dem braven Lehrer. Fr. Wie sollen junge Leute altern gegenüber sich verhalten? Antw. Sie sollen ihnen mit Achtung begegnen, auf ihren guten Rath hören und ihnen die Beschwerden des Alters, soviel möglich, Erleichtern. Belehrung. Schon Moses hat es bei seinem Volke zu einem besondern Gesetze erhoben, daß man die Greise ehre und achte: „Vor einem grauen Haupte sollst du aufstehen und die Person des Greises ehren!" (Levit. 19, 32.) Bei allen wichtigeren Verhandlungen wurde der Rath der Aeltesten des Volkes eingeholt. Als Moses nach Aegypten kam, und ihnen versprach, daß Gott sie befreien werde, versammelte er die Aeltesten, und that vor ihnen die Zeichen, welche seine Sendung bewiesen (Exod. 4, 29.). . . Als ihm Gott einen Rath zur glücklichen Negierung dieses Volkes geben wollte, sprach er zu ihm: „Versammle mir siebenzig Männer von den Aeltesten Israels, welche du kennest, daß sie Aelteste des Volkes sind, und ihre Vorsteher." (Num. 11, 16.) Immer stehen in der heiligen Schrift, so oft von öffentlichen Versammlungen und Angelegenheiten die Rede ist, die Aeltesten oben an, und werden oft nur ganz allein genannt. Beispiel und Anwendung. Es ist wahrlich ein trauriges Zeichen, wenn von jungen Leuten das Alter nicht geehrt wird. — Ruprecht hatte zwei Söhne. Oft mußte er von Andern die Klage hören, daß seine Kinder über alle Leute spotteten, und sie verlachten. Er gab ihnen deßwegen oft einen scharfen Verweis, und machte ihnen die nachdrücklichsten Vorstellungen, wie sehr es Gott und allen Menschen mißfalle, wenn man alte Personen verlacht und verspottet. „Man sollte vielmehr," sagte er einst, „gegen sie alle Achtung bezeigen; denn Greise sind unsere eigentlichen Lehrer; sie sind 85 674 Viertes Hauptstück. Von den Pflichten der Dienstboten gegen ihre Herrschaften rc. die besten und sichersten Rathgeber, die aus Erfahrung wissen, was man thun, und was man meiden soll." Aber bei diesen leichtsinnigen und bösartigen Kindern war alles Warnen und Ermahnen vergebens; und mit Schlägen, wie der kluge Vater schon voraus sah, wären sie auch nicht gebessert worden. Einst, als sein Namenstag einfiel, und ihm die Kinder Glück und ein langes Leben wünschten, sagte er mit weinenden Augen zu ihnen: „Ach! wünschet mir vielmehr, daß ich bald sterben möge! Denn wenn ich alt werde» so werden mich muthwillige Kinder (hier sah er sie bedeutend an) nur verlachen und verspotten, — vielleicht sogar meine eigenen Kinder!" Die Kinder schlugen beschämt ihre Augen nieder. Sie erkannten endlich ihren großen Fehler; und erwiesen von dieser Zeit an alten Personen mehr Achtung. Ehre Greise, liebes Kind! Weil sie deine Lehrer sind. Greise geben guten Rath, Folge ihnen in der That! Legende: Die heilige Hedwig, Herzogin und Wittwe (f 1243). Ein herrliches Beispiel von dankbarer Liebe gegen Erzieher und Lehrer stellt uns die Kirche heute vor Augen an der heiligen Hedwig; denn stets gedachte sie mit Verehrung und Dankbarkeit der frommen Erziehung und des christlichen Unterrichtes, den sie im Kloster Lützingen erhielt. Hedwig, aus dem bayerischen Geschlechte der Grafen Andechs geboren i. I. 1174, verrieth schon in den zartesten Jahren ein frommes Gemüth und einen guten Verstand, eine große Abneigung gegen alles Kindische und Weltliche und eine auffallende Vorliebe für das Ernste und Geistige, und wurde im Nonnenkloster Lützingen in Franken in der Liebe und Sehnsucht nach dem Ewigen noch mehr entflammt. Gerne hätte sie sich in steter Jungfräulichkeit dem Herrn geweiht; allein aus Gehorsam gegen die Eltern vermählte sie sich mit Heinrich, dem Herzoge von Polen und Schlesien, und beobachtete mit ihm eine musterhafte eheliche Keuschheit. Der Palast des frommen Ehepaares war eine wahre Schule der Gottseligkeit. Es wurde bei keinem Hausgenossen Etwas geduldet, was die Reinigkeit oder Nächstenliebe hätte beleidigen können, und strenge darauf gesehen, daß Alle ihre Religionspflichten emsig und genau erfüllten. Die Zeit, welche der Herzogin von pünktlicher Obsorge für die Ihrigen übrig blieb, wurde zu Uebungen der Andacht, der Buße und der erbarmenden Liebe verwendet. Hedwig suchte die Bedrängten in ihren Hütten ans, pflegte in den Spitälern die Kranken mit der liebreichsten Sorgfalt, bediente täglich, ehe sie sich zur Tafel setzte, die Armen, und zeigte überall die liebenswürdigste Sanftmnth und eine unerschütterliche Geduld. Die Gluth ihrer Andacht bei der heiligen Messe und besonders vor dem Empfange der heiligen Kommunion war bewunderungswürdig. Verschiedene schwere Prüfungen, wozu besonders der Tod ihres Gemahls und ihres ältesten Sohnes gehörte, konnten ihre Gottergebenheit und Seelenruhe nicht stören. Sie schloß sich jetzt nur noch inniger an Gott an, und nahm ihren beständigen Aufenthalt und das Ordenskleid in dem Kloster zu Trebnitz bei Breslau. Voll der Verdienste ging sie in die Freude ihres Herrn ein am 15. October 1243. Gebet. O Gott, der du die heilige Hedwig mit dankbarer Liebe gegen ihre Lehrer und Erzieher erfüllt und sie gelehrt hast, die Pracht der Welt zu verachten und mit ganzem Herzen das Kreuz zu umfassen, verleihe uns die Gnade, daß auch wir stets eine dankbare Liebe gegen unsere Erzieher und Lehrer im Herzen bewahren, die vergänglichen Freuden der Welt verachten und in der Umfassung deines Kreuzes alle Widerwärtigkeiten überwinden — durch Jesum Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihundertemundneunzigstes Lesestück. Am Feierabende des 18 . October. Von den Pflichten der Dienstboten gegen ihre Herrschaften und der Gesellen gegen ihre Meister, sowie von den Versündigungen dagegen. Fr. Wem sollen wir außer unfern Eltern, Lehrern und Erziehern noch besondere Ehre erweisen? Antw. Den Dienstherrschaften und Meistern und allen geistlichen und weltlichen Vorgesetzten. Sonach enthält das vierte Gebot auch noch die Pflichten der Dienstboten und der Unterthanen. Am Feierabende des 18. October. 675 Fr. Welches ist die erste und vorzüglichste Pflicht der Dienstboten und Gesellen? Antw. Diese, daß sie ihren Herrschaften und Meistern um Gotteswillen dienen. Belehrung. Die Dienstboten, ebenso auch die Gesellen sollen ihren Herrschaften und Meistern vor Allem um Gotteswillen dienen, d. h. sie sollen, wie der heilige Paulus sagt (Ephes. 6, 5—7.), „nicht den Menschen, sondern dem Herrn dienen," sollen all ihr Thun und Lassen, ihre ganze Arbeit auf Gott beziehen, sie in frommer Absicht aus Liebe zu Gott verrichten, wie z. B. der heilige Paschalis Baylon, der oft zu Gott betete, während er die Schafe weidete. (Sieh nebenstehendes Bild!) Dadurch werden ihnen die Mühen des Tages leichter, und ihr Lohn wird ein doppelter werden: ein zeitlicher von Seite ihres irdischen, und ein ewiger von Seite ihres himmlischen Herrn und Gebieters. Beispiel und Anwendung. Gar viele Dienstboten sind vor den Augen ihrer Herrschaft äußerst treu und fleißig; sind sie aber unbeachtet, so überlassen sie sich der Trägheit und Untreue. Bei diesen fehlt es an der Gottesfurcht; sie dienen nicht aus Liebe zu Gott, sondern aus Zwang und aus Menschenfurcht. — „So, der Herr ist fort," sagte einst ein heidnischer Sklave zu seinem christlichen Mitsklaven; „nun wollen wir zu arbeiten aufhören und uns gütlich thnn!" — „Der meine ist noch da," erwiderte der Christ; „von dort oben schaut er herab, ob er lohnen oder strafen soll, und darum will ich bei meiner Arbeit bleiben." — Christlicher Dienstbote! mache es nicht wie dieser Heide, sondern ahme den christlichen Sklaven nach; „thue Alles, wie dem Herrn, und nicht den Menschen!" (Col. 3, 24.) Und wenn du die erste Pflicht deines Standes treu erfüllest, indem du bei all deinen Arbeiten nur Gott im Auge hast, so wirst du gewiß auch allen deinen übrigen Verpflichtungen treulich Nachkommen. Fr. Welches sind die noch übrigen Verpflichtungen der christlichen Dienstboten und Gesellen gegen ihre Herren und Meister? Antw. Diese, daß sie denselben Achtung und Liebe, Treue und Anhänglichkeit, sowie willigen Gehorsam in allen billigen und erlaubten Dingen erzeigen. Belehrung. Die Dienstboten und Gesellen sollen ihren Herren und Meistern um Gottes willen Achtung, Treue und Fleiß, Liebe und willigen Gehorsam in allen billigen und erlaubten Dingen erzeigen; sie sollen Theil nehmen an deren Leid und Freud', sollen den Kindern der Familie mit einem guten Beispiele vorangehen, verschwiegen und sittsam sein in ihren Reden, uneigennützig in ihren Absichten u. s. w. Hiezu ermahnt sie der heilige Apostel Paulus (Col. 3, 22—24. u. Ephes. 6, 5—8.) mit den Worten: „Ihr Knechte, gehorchet in Allem den leiblichen Herren, nicht als Augendiener, um Menschen zu gefallen, sondern mit Aufrichtigkeit des Herzens aus Furcht Gottes. Alles, was ihr immer thuet, das thuet von Herzen, als wie dem Herrn und nicht den Menschen; denn ihr wisset ja, daß ihr vom Herrn den Lohn der Erbschaft erhalten werdet." — Und an Titus (2, 9—10.) schreibt er: „Die Knechte (ermahne), daß sie ihren Herren unterthänig, in Allem gefällig seien, nicht widersprechen, nicht entwenden, sondern in Allem sich treu erweisen, damit sie der Lehre Gottes, unsers Heilandes, zur Zierde seien in Allem." — Und der heilige Petrus (1. 2, 18.) sagt: „Ihr Knechte, seid unterthan mit aller Ehrfurcht den Herren, nicht nur den guten und sanften, sondern auch den launenhaften." — Schon die heidnischen Aegyptier stellten daher einen braven Diener in folgender Weise dar; sie malten ihn mit vielen Augen, der wie ein Argus wachsam und auf den Wink seines Herrn bereit, treu über das Eigenthum seiner Herrschaft wacht; mit vielen Händen, mit denen er bereit ist, uner- müdet fleißig die Befehle seines Herrn zu vollziehen und seine Arbeiten zu verrichten, und mit der Zunge unter den Füßen, zum Zeichen, daß er verschwiegen sein, wenig reden und sich seiner Herrschaft gegenüber nicht entschuldigen soll. Beispiele und Anwendung. Das schönste Beispiel 85 * 676 Viertes Hauptstück. Von den Pflichten der eines treuen Dieners liefert uns die heilige Schrift in Eliezer, dem gottesfürchtigen Knechte Abrahams. Diesem vertraute Abraham viele Kostbarkeiten an und trug ihm das wichtige und schwere Geschäft auf, seinem Sohne Isaak aus seiner Verwandtschaft im fernen Lande eine Frau zu holen. Eliezer unternahm willig die weite Reise, überbrachte treulich die anvertrauten Kostbarkeiten und vollzog gewissenhaft den Befehl seines Herrn. (1. Mos. 24, 2—67.) — Ein nicht minder treuer Diener war auch Jakob. Als dieser bei Laban diente, zeichnete er sich durch seine Treue und Redlichkeit so sehr aus, daß er selbst von sich zu Laban sagen konnte: „Ich habe den Tag hindurch Hitze und zur NachtSzeit Frost gelitten, und kein Schlaf ist in meine Augen gekommen; du weißt, wie ich dir gedient habe, wie deine Güter durch mich geworden sind." (1. Mos. 31, 40—41.) — O daß doch alle Dienstboten in die Fußstapfen dieser treuen Diener ein- treten möchten! Fr. Wie versündigen sich Dienstboten und Gesellen gegen diese ihre Pflichten? Antw. Sie versündigen sich dagegen durch Ungehorsam und Trotz, durch Trägheit und Untreue, durch böses Beispiel, auch durch. Gehorsam in sündhaften und unerlaubten Dingen. Belehrung. Es ist in unfern Tagen die Klage über schlechte Dienstboten eine gar häufige und leider! nur gar zu wohl begründete; denn sie versündigen sich gegen ihre Pflichten 1) durch Ungehorsam, Trotz, mürrisches und feindseliges Betragen; 2) durch Trägheit, Naschhaftigkeit, Verschwendung und Veruntreuung; 3) durch Verläumden, Klatschen und Austragen; 4) am Allermeisten dadurch, wenn sie die Kinder des Hauses Böses lehren, sie zum Bösen verführen, ihnen dazu behilflich sind, oder dazu schweigen; ja, cS ist schon sehr schwer gefehlt, wenn sie in Gegenwart der Kinder auch nur Böses reden; denn wie der Reif des Baumes Blüthen versengt, so versengt ein unlauteres und sündhaftes Wort die zarten Keime und Blüthen der Tugend in jugendlichen Herzen. — Endlich kann der Dienstbote selbst auch durch Gehorsam sich versündigen, wenn er nämlich auf Befehl seiner Herrschaft etwas Sündhaftes oder Unerlaubtes thun würde. Hievon noch ausführlicher weiter unten. Legende: Der heilige Evangelist Lukas. Möchten alle Dienstboten ihren irdischen Herren mit jener Liebe und Treue dienen, wie der heilige Lukas, dessen Fest auf den heutigen Tag fällt, seinem himmlischen Herrn gedient hat! Denn seit seiner Bekehrung zum Christenthume widmete er sich ganz und gar der Verbreitung und Nachfolge des Evangeliums. Er begnügte sich nicht mit einer blos oberflächlichen Erkenntniß ienstboten gegen ihre Herrschaften w. M-LM 'KW der Lehre des Christenthums, sondern bestrebte sich, sowohl von Paulus als auch von den übrigen Aposteln und Jüngern des Herrn die vollkommenste Erkenntniß des Heiles zu erlangen, und all Dasjenige zu erfahren, was der göttliche Lehrmeister während seines Erdenlebens gesprochen, gethan und gelitten hatte. Von seiner Bekehrung an hielt sich Lukas vorzüglich zu dem heiligen Paulus, begleitete ihn nach Griechenland, ging mit ihm von Troas nach Mazedonien, und durchwanderte mit ihm noch andere Städte Griechenlands, wo sich ihre Arbeiten von Tag zu Tag mehrten, aber auch täglich gesegneter wurden. Lukas kam mit Paulus nach Jerusalem, verließ ihn nicht während der zweijährigen Gefangenschaft in Cäsarea, und begleitete ihn unter unzähligen Beschwerden und Leiden nach Rom. Auch hier theilte er mit dem Apostel Arbeiten und Leiden, und diente ihm zum unaussprechlichen Tröste während seiner Gefangenschaft. Als die erste, zweijährige Gefangenschaft des heiligen Paulus bald zu Ende ging, und man sich die Freilassung desselben versprechen konnte, begab sich Lukas, ohne das Ende der Gefangenschaft abzuwarten, wieder nach Asien und Mazedonien zurück, entweder auf bestimmten Auftrag des Apostels, oder weil er von den Gemeinden Mazedoniens verlangt wurde, denen er vormals in den Jahren 53 bis 57 so getreu gedient hatte. Er, der so treue Zeuge des rühmlichen Kampfes, den die heiligen Apostel Petrus und Paulus zu Rom durch ihren Martertod für den christlichen Glauben gekämpft haben, kehrte hierauf wieder nach Asien zurück, wo er noch an verschiedenen Orten das Evangelium verkündigte, und endlich in einem Alter von vierundachtzig Jahren in Bythinien gestorben ist. Gebet. Wir bitten dich, 0 Herr! verleihe uns Am Feierabende des 19. Oktober. «77 auf die Fürbitte des heiligen Evangelisten Lukas die Gnade, daß wir Alle, wir mögen Herren oder Diener sein, nichts Anderes wünschen und suchen, als nur deine Ehre und unserer Seele Heil — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihnndertzwemndneunzigstes Lesestück. Am Feierabende des 19. October. Von den Pflichten der Untergebenen gegen die geistliche Obrigkeit, und von den Versündigungen dagegen. Fr. Welche Pflichten haben wir gegen die geistlichen Obern? Antw. Folgende: Wir sollen sie 1) als Stellvertreter Gottes und als unsere geistlichen Väter ehren und lieben, 2) ihnen gehorsamen, 3) für sie beten und 4) für ihren Unterhalt nach Gesetz und Herkommen sorgen. Belehrung. Unsere geistlichen Vorgesetzten (d. i. der Papst und die mit ihm vereinigten Bischöfe und Priester) sind Gottes Stellvertreter und unsere geistlichen Väter, daher sind wir ihnen: 1) wegen ihrer Würde Ehrfurcht und wegen ihres Amtes Liebe undAn- hänglichkeit schuldig. Schon im A. B. hat Gott befohlen: „Fürchte den Herrn von deiner ganzen Seele und halte seine Priester in Ehren!" (Sir. 7, 31.) Und im N- T- heißt es: Wer die Diener Gottes, die Ausspender seiner Geheimnisse, verachtet, der verachtet den Sohn Gottes und Den, der ihn gesandt hak. (Luk. 10, 16.) 2) Wir sollen uns ihren Anordnungen unterwerfen. „Gehorchet euern Vorgesetzten," schreibt der heilige Paulus (Hebr. 13, 17.), „und seid ihnen unterthänig; denn sie wachen für eure Seelen, als solche, die Rechenschaft geben werden, damit sie dieß mit Freude thun und nicht mit Seufzen; denn das würde euch keinen Nutzen bringen." 3)Wir sollen für sie beten, besonders wenn sie in Noth und Bedrängniß sind. Dazu ermahnt der heilige Paulus dieEphesier (6,18—20.) mit den Worten: „Mit allem Gebete und Flehen betet zu aller Zeit im Geiste und wachet darin in aller Beharrlichkeit und in Fürbitte für alle Heiligen und für mich, damit mir das Wort gegeben werde bei Eröffnung meines Mundes" re. 4) Endlich sollen wir für ihren Unterhalt nach Gesetz und Herkommen sorgen; denn „der Herr hat für Die, welche das Evangelium verkünden, die Verordnung gemacht, daß sie vom Evangelium auch leben sollen." (1. Cor. 9, 14.) Es ist dieß ganz natürlich; wer dem Altäre dient, soll auch vom Altäre leben, und eine gute Botschaft verdient Botenlohn. Daher sagt schon der heilige Ambrosius, man soll Priestern und Lehrern einen solchen Unterhalt gewähren, daß sic dabei nicht kleinmüthig werden müssen; denn Arbeit an den Seelen läßt sich nicht thun, wie Taglöhnerarbeit; dazu braucht man Lust und Liebe, und einen freien, fröhlichen Muth. — Wer einen Weinberg pflanzt, darf doch wohl auch von seinen Früchten essen. Beispiele und Anwendung. Schon die ersten Christen erfüllten alle diese Pflichten gegen ihre geistlichen Obern auf's Genaueste; sie liebten und ehrten dieselben, waren ihnen treu ergeben, unterstützten sie auf alle mögliche Weise und beteten für sie; denn als Petrus um der Lehre Christi willen im Gefängniß schmachtete, da beteten die Gläubigen ohne Unterlaß für ihn; und ihr Gebet ward erhört; denn ein Engel Gottes befreite ihn. (Sieh das obige Bild!) — Auch aus der neueren Zeit will ich dir, mein christlicher Leser! ein schönes Beispiel von treuer Pflichterfüllung gegen geistliche Obere — zur Aufmunterung und Nachahmung — erzählen. — Ein Missionär besuchte den schönen Kirchhof zu Cayenne. Kaum hatte ein Neger, welcher ein Grab machte, den Missionär bemerkt, als er sogleich sich demselben näherte und ihn also anredete: „Guten Tag, Vater! Komm mit mir!" — „Mein Freund," fragte der Missionär, „wohin 678 Viertes Hauptstück. Von den Pflichten der Untergebenen gegen die geistliche Obrigkeit rc. willst du mich führen?" — „Ich bitte, Vater, komm mit mir; es ist nicht weit, folge mir, ich werde dir Etwas zeigen, wovon du noch Nichts weißt." Augenblicklich wendete er sich raschen Schrittes vorwärts gegen einen Platz, welchen er ihm mit dem Finger zeigte. — Der Missionär, welcher keinen Grund hatte, dem guten, im Alter schon vorgerückten Neger zu mißtrauen, folgte ihm. Bald kamen sie an einen beschatteten Platz; nachdem der Neger mit Eifer das dichte Laubwerk und die hereinhängenden Trauerweiden beseitiget hatte, zeigte er dem Pater ein Grabmal. „Hier," sprach er, „liegt Vater Legrand, welcher mich nach meiner Ankunft aus Afrika getauft, der mich getröstet, mich unterstützt hat, wenn ich krank war. Ach, wie gut war er! Wie liebte er die Neger! ... Er taufte unsere Kinder und segnete sie. Nein, niemals werde ich meinen Vater Legrand vergessen!" Hierauf küßte er den Leichenstein und benetzte ihn mit seinen Thränen. — O wie beschämend ist dieses schöne Beispiel eines Negers für so viele Christen unserer Tage, die für ihre Priester nichts Anderes haben, als nur Schmähworte, Spott und Verachtung! Fr. Wie versündigt man sich gegen die geistliche Obrigkeit? Antw. Theils durch Verachtung, theils durch Widersetzlichkeit, theils auch durch Verweigerung der uöthigen und schuldigen Beiträge zu ihrem Unterhalte. Belehrung. Die Gläubigen versündigen sich gegen ihre geistliche Obrigkeit 1) durch Verachtung, indem sie die ihnen gebührende Ehrfurcht in Wort oder That verletzen, die Wirksamkeit und das Ansehen derselben durch Verdächtigung, Verläumdung rc. schwächen; 2) durch Widersetzlichkeit gegen ihre Entscheidungen in Sachen des Glaubens, gegen ihre Anordnungen bezüglich der gottesdienstlichen Einrichtungen und der kirchlichen Zucht, wodurch Spaltung entstehen kann; 3) durch Verweigerung der uöthigen und schuldigen Beiträge zu ihrem Unterhalte und zur Besorgung des Gottesdienstes. — Diese Versündigungen gegen die geistliche Obrigkeit gehören zu den größten und strafwürdigsten Vergehungen; denn wer Gottes Diener verachtet und beleidigt, der verachtet und beleidigt Gott den Herrn selbst. „Das Priesterthum," sagt der heilige Ignatius, „ist das höchste aller Güter, welche die Menschen besitzen; wer gegen den Priester wüthet, der schmähet nicht einen Menschen, sondern Gott." Und der göttliche Heiland selbst sagt: „Wer euch verachtet, der verachtet mich." (Luc. 10, 16.) — Von jeher wurden deßhalb über die Verächter der Obrigkeit die schwersten Strafen ausgesprochen. „Der Herr weiß die Ungerechten auf, den Tag des Gerichtes zur Strafe aufzubewahren," schreibt der heilige Petrus (II., 2.), „vorzüglich aber Diejenigen, welche die Obrigkeit verachten, und in ihrer Tollkühnheit und Selbstgefälligkeit sich nicht fürchten, Spaltungen einzuführen und zu lästern. Diese locken an sich die leichtfertigen Seelen; sie verheißen ihnen Freiheit, da sie doch selbst Knechte des Verderbens sind." Beispiele und Anwendung. Es fehlt nicht an traurigen Beispielen, die es uns zeigen, welch' furchtbare Strafgerichte Gottes über Diejenigen ergehen, welche sich gegen ihre geistlichen Vorgesetzten versündigen. So wurden Core, Dathan und Abiron sammt andern zweihundertfünfzig Söhnen Israels lebendig von der Erde verschlungen, weil sie sich gegen Moses, ihren geistlichen Führer, empörten. — Bon jenen muthwilligen Knaben, die den Propheten Elisäus verspotteten, wurden zweiundvierzig zerrissen von zwei Bären, die aus dem Walde hervorkamen. — Auch ein Beispiel aus der neuesten Zeit soll uns hierin zur Warnung dienen. In einem Pfarrdorfe des Bisthums Regensburg lebte eine Wittwe, Mutter von vier Kindern. Doch — sie verdient den schönen Namen „Mutter" nicht; denn nicht zufrieden, selbst ein ganz unchristliches Leben zu führen, ermunterte sie auch ihre beiden erwachsenen Töchter, Tanzplätze zu besuchen, damit sie so — wie sie zu sagen pflegte — Gelegenheit fänden, ihr Glück zu machen. — Der Orts- caplan, ein eifriger Seelsorger, der hievon Kenntniß erhalten hatte, begab sich eines Tages in das Haus dieser Rabenmutter, verwies ihr in aller Liebe und Sanftmuth ihr unmütterliches Benehmen, und ermahnte sie mit allem Ernste und Nachdrucke zu einer christlichen Kindererziehung. — Doch diese Gottvergessene, anstatt eine solche evangelische Ermahnung mit gelehrigem und bereitwilligem Herzen anzuhören, übergoß den seeleneifrigen Priester mit einer Lauge von Schimpfworten, und drohte sogar, ihn aus dem Hause zu werfen, wenn er sie noch länger mit einer solchen ungewünschten Strafpredigt belästigen würde. Der Caplan hörte ruhig und gelassen ihre Beschimpfungen an und ging. Jedoch kehrte er, ehe er die Thürschwelle überschritt, sich noch einmal gegen die gewissenlose Mutter und sprach zu ihr — mit aufgehobenem Zeigefinger — ernst und gemessen die Worte: „Nun! ich habe das Meinige gethan; Gott wird auch das Seinige thun!" Sprach's, schüttelte, wie Jesus für solche Häuser es anbefohlen hat, den Staub von den Füßen, und kehrte in's Pfarrhaus zurück. Wenige Tage vergehen; und sieh! Plötzlich verfällt jene Mutter, bisher immer rüstig und fester Gesundheit sich erfreuend, in eine sehr heftige Gliederkrankheit. Sie bedient sich ärztlicher Hilfe und beobachtet auf's Genaueste die gegebenen Vorschriften; jedoch vergebens! Die Lebenskraft ihrer Nerven und Glieder erstarrte, und es erfolgte eine gänzliche Lähmung ihres Körpers. — Und nun ist es bereits das sechszehnte Jahr, seitdem sie in diesem hilflosen Zustande sich befindet, und sie hat den bisherigen Erfahrungen zu Folge — wohl auch keine Hoffnung, daraus errettet zu werden. — So erzählt ein geistliches Buch, welches im Monate Mai 1839 zu Regensbnrg gedruckt worden 679 Am Feierabende des 20. Oktober. ist. — Ja! Gott hat an dieser Rabenmutter das Seinige gethan; und, meine lieben Christen! er thut es aller Orten auf eine oder die andere Weise an Allen, welche ihre Priester verachten, die Ermahnungen und Bitten ihrer Seelsorger nicht hören wollen, und ihnen mit Lügen, mit schimpflichen Nachreden und Trotz vergelten, statt sich zu bessern. Legende: Der heilige Petrus von Alcantara, Bekenner (st 1562). Ein ganz anderes Beispiel von Liebe, Achtung und Gehorsam gegen die geistlichen Obern gibt uns der heilige Petrus von Alcantara, dessen Fest heute gefeiert wird; denn als er auf die Ehren und Reichthümer der Welt verzichtet hatte und in den Orden des heiligen Franziskus getreten war, da leuchtete er allen seinen Mitbrüdern durch innige Verehrung und durch pünktliche» Gehorsam gegen seine geistlichen Obern voran, sowie durch strenge Abtödtungen und durch Tugend und Frömmigkeit. Nachdem er auf solche Weise gehorsamen gelernt hatte, wußte er, als man ihn selbst zum geistlichen Obern gewählt hatte, ganz im Geiste der Milde und Liebe zu befehlen, und so gelang es ihm, daß er den Geist des heiligen Franziskus in seinem Orden wieder herstellte. Er starb in den Armen seiner Brüder, von Allen geliebt und beweint, am 19. October 1562. Gebet. O Gott, der du dem heiligen Petrus von Alcantara die Gnade verliehen hast, uns Allen als Muster des Gehorsams und der Liebe gegen die geistlichen Obern, sowie der Buße und Abtödtung voranzuleuchten, gib, daß wir seinem Beispiele folgen und mit ihm einst selig werden. Amen. Zweihundertdreiundneunzigstes Lesestück. Am Feierabende des 20. October. Von den Pflichten der Untergebenen gegen die weltliche Obrigkeit, und von den Versündigungen dagegen. Fr. Was sind wir der weltlichen Obrigkeit schuldig ? Antw. Wir sind ihr schuldig: 1) Achtung, Treue und gewissenhaften Gehorsam; 2) genaue Entrichtung der Abgaben und 3) Hilfe und Beistand in Noth und Gefahr. Belehrung. Ohne weltliche Obrigkeit kann kein Staat bestehen; sie ist das Band, durch welches der Wohlstand und der Bestand eines Landes hergestellt und erhalten wird. Wird dieses Band zerrissen, so muß nothwendig Alles auseinander fallen, gleichwie ein Gebäude zerfällt, wenn Nägel und Klammern ausgezogen werden; gleichwie ein Gefäß in Trümmer geht, wenn die Reife abgeschlagen werden. Gott selbst hat diese Anordnung im Staate getroffen, von ihm rührt alle Obrigkeit her. Deßhalb schreibt der heilige Paulus an die Römer (13, 1—7.): „Jedermann unterwerfe sich der obrigkeitlichen Gewalt; denn es gibt keine Gewalt außer von Gott, und die, welche besteht, ist von Gott angeordnet. Wer demnach sich der obrigkeitlichen Gewalt widersetzt, der widersetzt sich der Anordnung Gottes: und die sich dieser widersetzeu, ziehen sich selbst Verdammniß zu. Darum ist es euere Pflicht, unterhan zu sein, nicht nur um der Strafe willen, sondern auch um des Gewissens willen. Gebet also Jedem, was ihr schuldig seid, Steuer, wem Steuer, Zoll, wem Zoll, Ehrfurcht, wem Ehrfurcht, Ehre, wem Ehre gebührt." — Hieraus ergeben sich nun folgende Pflichten der Untergebenen gegen die weltliche Obrigkeit: Sie sind schuldig, 1) der von Gott gesetzten Obrigkeit Achtung, Treue und gewissenhaften Gehorsam zu leisten, und eher Alles zu ertragen, als Aufruhr zu stiften; 2) ihr die gebotenen Abgaben zu entrichten; 3) ihr in Noth und Gefahr beizustehen, und sie gegen die Feinde des Vaterlandes mit Gut und Blut zu vertheidigen. (Sieh das nachfolgende Bild!) Beispiele und Anwendung. Stets drang der göttliche Heiland darauf, daß man dem Kaiser gebe, was des Kaisers ist, und daß man also die weltliche Obrigkeit ehre, ihr gehorsame u. s. w. — Als einst die Juden in der Schalkhaftigkeit ihres Herzens an den göttlichen Heiland die boshafte und verfängliche Frage stellten, ob es denn erlaubt sei, dem (heidnischen) Kaiser Abgaben zu entrichten, da ant- 680 Viertes Hauptstiick. Von den Pflichten der Untergebenen gegen die weltliche Obrigkeit rc. MM 8W» WML Fr. Wie versündigt man sich gegen die weltliche Obrigkeit? Attttv. 1) Durch Haß und Verachtung. 2) durch freches Tadeln und Lästern, 3) durch Verweigerung der schuldigen Abgaben, 4) durch Widersetzlichkeit und Empörung, endlich 5) durch jede Art von Verrath und Verschwörung gegen Fürst und Vaterland. Belehrung. Alle diese Versündigungen gegen die weltliche Obrigkeit sind Versündigungen gegen Gott, der die Obrigkeit eingesetzt hat. „Das Murren des Volkes gegen die Vorgesetzten," sagt Cornelius a Lapide, „ist ein Murren gegen Gott, der sie eingesetzt hat, und Gott hat das Murren des Volkes immer gestraft." Nie ist Denen zu trauen, die wider die Obrigkeit murren, sich empören rc. „Sie sind murrende, stets klagende, nach ihren Lüsten wandelnde Menschen," schreibt der heilige Apostel Judas (16.): „Ihr Mund redet stolze Worte, und sie schmeicheln den Menschen um des Gewinnes willen." — Solche Leute haben keine Furcht vordem irdischen Herrn; daher auch keine Gottesfurcht. Zwei Furchten gehen zusammen gern: Die Furcht vor Gott und vor'm Landesherrn, So zwar, daß, — steht die eine still, — Die and're auch nicht gehen will; Denn wer den Herrn, den er sieht, nicht ehrt — wertete der göttliche Lehrmeister kurz und bestimmt: „Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist!" (Matth. 22, 21.) — Jesus, welcher freiwillig arm war, wirkte einmal sogar ein Wunder, um die Abgaben für sich und den Petrus zu bezahlen. (Matth. 17, 23— 26.) — Diesem schönen Beispiele ihres göttlichen Lehrmeisters folgten auch die ersten Christen treulich; sie ehrten und liebten ihre rechtmäßigen Obrigkeiten und gehorsamten ihnen in allen Dingen, die nicht den Geboten Gottes entgegen waren. So schreibt Ter- tullian: „Ein Christ ist keines Menschen Feind, am Wenigsten der Regenten; denn da er weiß, daß der Gebieter von seinem Gott eingesetzt ist, so muß er ihn lieben, ihn ehren und wünschen, daß es ihm und seinem ganzen Reiche wohl ergehe." — Selbst vor heidnischen Richtern bezeugte der heilige Polykarp: „Wir sind so gelehret worden, daß wir den Obrigkeiten und Herrschaften, welche von Gott geordnet sind, die Ehre geben, welche ihnen gebührt." Und wie damals, so lehret das Christenthum auch noch heut zu Tage; folge nun dieser Lehre, mein Christ! und habe stets Ehrfurcht und Liebe gegen die von Gott gesetzte weltliche Obrigkeit! An Den, den er nicht steht, sich auch nicht kehrt. Beispiele und Anwendung. Die heilige Katharina von Bologna konnte es daher nicht vertragen, wenn sie Jemanden gegen die Vorgesetzten murren hörte; voll heiligen Ernstes rief sie dann aus: „Wehe der Seele, die nicht ehrfurchtsvoll von ihren Vorgesetzten denkt! Sie kann von Gott keinen Segen erwarten." Und so ist es auch in Wahrheit; die Geschichte lehrt es, daß auf Denen, welche sich gegen die gesetzliche Obrigkeit versündigen, kein Segen ruht, sondern daß sie vielmehr Gottes Strafe gar bald ereilt. Einst murrte das ganze Volk Israel wider Moses und Aaron. Und als der Aufruhr immer größer ward, flohen Moses und Aaron zum Tabernakel. Da erschien die Herrlichkeit des Herrn, und der Herr sprach zu Moses: „Entfernet euch von dieser Menge, auch diese will ich jetzt vertilgen." — Moses und Aaron fielen zur Erde, und Moses sprach zu Aaron: „Nimm das Rauchfaß, - eile zum Volke, für dasselbe zu beten; der Zorn des Herrn ist über sie gekommen; die Plage wüthet schon." Aaron lief mit dem Nauchfasse mitten unter die Gemeinde, die der Brand schon 681 Am Feierabende verwüstete, und opferte Rauchwerk. Er stand zwischen den Todten und den Lebendigen, bat für das Volk, und die Plage hörte auf. Es waren aber schon vierzeh ntauscnd siebenhundert umgekommen — zum ewigen Wahrzeichen für alle Jene, welche sich wider die von Gott gesetzte Obrigkeit auflehnen! (4. Mos. 16 u. 17. Cap.) — Da war an keine Amnestie zu denken; die Schuldigen mußten fallen. Auch heut zu Tage ist die Hand Gottes nicht kürzer, und seine Macht nicht schwächer geworden. Haben wir Acht, daß wir es nicht mit den Verächtern und Tadlern der Obrigkeiten halten, die in unfern Tagen so gewaltig wühlen und verführen! Der höchste König im Himmel kennt keine Amnestie für Solche, die sich der Obrigkeit widersetzen; denn es steht geschrieben: „Wer sich der obrigkeitlichen Gewalt widersetzt, der widcrsetzt sich der Anordnung Gottes, und die sich dieser widersetzen, ziehen sich selbst die Verdammniß zu." (Röm. 13, 2—3.) Legende: Der heilige Abt Wendelin (fl um 617). Auch heute begegnet uns in der Legende wiederum ein nachahmungswürdiges Muster von Gehorsam und Unterwürfigkeit gegen die Obern und Vorgesetzten; es ist dieß der heilige Wendelin, dessen Freude es war, in der Demuth seines Herzens zu gehorsamen und seinen Vorgesetzten unterwürfig zu sein. Der heilige Wendelin , ein k. Prinz ans Schottland, wurde frühzeitig einem frommen Bischöfe übergeben und von diesem in jeder Tugend so befestigt, daß er sich vornahm, dem Throne und allem Irdischen zu entsagen und in Verborgenheit für Gott und sein Seelenheil zu leben. Nach reifer Ueberlegung und anhaltendem Gebete um Segen zu seinem Vorhaben verließ er sein Vaterland, und baute sich in der Gegend von Trier eine Hütte, um da als Einsiedler Mehler, Hausbuch. des 21. October. zu leben. Nach einiger Zeit trat er bei einem Edelmanne in Dienst, der ihn zum Hirten über seine Viehhcer- den aufstellte. — Wendelin heiligte seinen armen Stand durch treue Pflichterfüllung, stete Selbstverläug- nnng, inniges Gebet, häufiges Fasten und thätige Nächstenliebe. Sein Herr überzeugte sich bald von der hohen Tugend seines Dieners und baute ihm nach seinem Wunsche eine Klause, um dort als Einsiedler leben zu können. Von dort aus verbreitete sich der Ruf von seinen Tugenden; und von allen Seiten zogen Leute herbei, die in Krankheiten und andern Bedrängnissen bei ihm Rath und Hilfe suchten und auch fanden; ja selbst die Mönche des nahen Klosters hatten solches Vertrauen und solche Ehrfurcht gegen ihn, daß er nach dem Tode des Abtes einstimmig zu dessen Nachfolger gewählt wurde. Nur der Gehorsam konnte ihn zur Annahme der Würde eines Abtes bewegen. Nachdem er dieselbe mehrere Jahre hindurch mit Klugheit und Treue bekleidet hatte, fiel er in eine schmerzliche Krankheit. Da ließ er den Bischof von Trier kommen, entdeckte ihm seine hohe Abkunft, empfing mit flammender Andacht die heiligen Sterbsakramente und beschloß sein gottseliges Leben um das Jahr 617. Gebet. Herr, himmlischer Vater! wir bitten dich, verleihe uns auf die Fürbitte des heiligen Wendel in den Geist der Demuth und des Gehorsams und ein Herz, das sich über das Irdische erhebt, und nach den Gütern des Himmels sich sehnet, durch Christum, unfern Herrn. Amen. _ Zweihnndertvlerundneunzlgstes Lesestück. Am Feierabende des 21. October. Vom sündhaften Gehorsame. Fr. Wodurch können sich Dienstboten und Untergebene, ja, selbst auch Kinder — insgesammt gegen das vierte Gebot versündigen? Antw. Durch sündhaften Gehorsam, wenn sie nämlich auf Befehl ihrer Vorgesetzten oder Eltern Etwas thun würden, was vor Gott unerlaubt ist. Fr. Wann dürfen also Dienstboten oder Untergebene nicht gehorchen? Antw. Wenn ihnen die Herrschaften oder Obrigkeiten Etwas befehlen würden, was wider Gottes Gebot wäre. Belehrung. Die Pflicht des Gehorsams hört für den Dienstboten auf, sobald ihm seine Herrschaft Etwas befiehlt, was wider Gottes Gebote, wider die Liebe des Nächsten und wider die Gerechtigkeit ist. Denn wenn der 86 682 Viertes Hauptstück. Vom sündhaften Gehorsame. heilige Paulus sagt: „Die Dienstboten sollen gehorsam sein," so setzt er auch ausdrücklich hinzu: „sie sollen dabei Gott fürchten," und sonach ihren Herrschaften zu Lieb' Nichts thun, was Gott beleidigen könnte. Zum Beispiele: ein Wirth wollte seinem Kellner oder seiner Kellnerin befehlen, den Wein zu verfälschen oder in kleinerm Maaße auszuschenken und doppelte Kreide zum Aufschreiben zu nehmen; — ein Kaufmann seinem Diener, die kürzere Elle zu gebrauchen, alte Maaren für neue zu verhandeln, geringeres Gewicht zu nehmen, und die Waare um doppelten Preis anzuschlagen; — oder ein Handwerksmeister wollte seinen Gesellen befehlen, die Arbeit nur auf's Ansehen, nicht auf die Dauer zu verfertigen und hie und da Etwas zurückzubehalten; — ein Müller wollte seinem Jungen auftragen, das Korn und Getreide zu vermischen, um das schlechtere zum Schaden Anderer zu verbessern, das Getreide wohl anzufeuchten, damit es mehr wäge und aufschwelle; — Mann, Weib, Söhne, Töchter wollten die Dienstboten mit Buhlbriefen, Geschenken da- und dorthin senden und zum Kuppeln gebrauchen, oder zum Verkaufe gestohlener und ungerechter Güter bereden; — dieses und Aehnliches darf kein Dienstbote thun, sondern muß lieber Dienst und Lohn verlassen, als sich auf diese Weise Wider Gott versündigen, besten Strafe Jeden trifft, der den Menschen mehr gehorcht, als Gott, dem allerhöchsten Herrn. — Ebenso dürften auch die Untergebenen ihrer Obrigkeit keinen Gehorsam leisten, wenn sie von ihnen etwas Sündhaftes oder Unerlaubtes verlangen würde. Beispiele und Anwendung. Der ägyptische Joseph diente im Hause Putiphars. Seine Gebieterin wollte ihn zu einer großen Sünde verleiten; allein der keusche Jüngling wies ihre sündhaften Anträge zurück mit den Worten: „Wie soll ich ein so großes Uebel thun und vor den Augen meines Gottes sündigen!" (Sieh nebenstehendes Bild!) — König Nabuchodonosor ließ eine goldene Bildsäule errichten und den Befehl ergehen, daß man auf den Schall der Trompeten niederfalle und die Bildsäule anbete. Die drei Knaben zu Babylon jedoch gehorchten diesem sündhaften Befehle des Königs nicht und ließen sich lieber in den Feuerofen werfen, als zum Götzendienste verleiten. Gott der Herr aber erhielt und rettete sie wunderbar aus den Feuerflammen. (Dan. 3.) — König Antiochus wollte die sieben machabäischen Brüder mit ihrer Mutter zwingen, wider das Gesetz zu handeln und Schweinefleisch zu essen. Sie aber trotzten standhaft und heldenmüthig einem solch' sündhaften Begehren und opferten muthig Blut und Leben für ihren Glauben. (2. Mach. 7.) — Die Apostel wurden vor den hohen Rath gerufen und erhielten den Befehl, nicht mehr im Namen Jesu zu lehren. Die Apostel aber antworteten: „Wir müssen Gott mehr gehorchen, als den Menschen." (Apgsch. 4, 1—19.) — So mußt auch du sprechen, christlicher Unterthan! christlicher Dienstbote! wenn man vor dir etwas Sündhaftes verlangt. Fr. Wann dürfen sogar Kinder ihren Eltern nicht gehorchen? Antw. Wenn ihnen diese befehlen würden, etwas Sündhaftes zu thun oder etwas Gutes zu unterlassen. Belehrung und Beispiele. Es gibt, leider! auch oft beklagenswerthe Eltern, die so pflichtvergessen sind, daß sie ihren Kindern etwas Sündhaftes befehlen oder dieselben von etwas Gutem abhalten, indem sie dieselben z. B. zum Stehlen, zur Beschädigung des Nächsten anleiten, oder cs ungerne sehen, wenn eines ihrer Kinder es nicht mit der Welt, sondern mit Gott und mit der Tugend hält, wenn es eine Neigung für's Klosterleben an den Tag legt u. s. w. — Daß es wirklich solche gottlose, pflichtvergessene Eltern gebe, zeigt uns ein Vorfall aus der neuesten Zeit, den wir hier zum warnenden Beispiele für Eltern und Kinder erzählen wollen. — In Würzburg wurden am 9. Jänner 1854 die Schwurgerichtssitzungen für Unterfranken eröffnet. Der erste Fall stimmte zu sehr traurigen Betrachtungen; denn er führte uns als Hauptpersonen einen vierzehnjährigen Knaben als Räuber vor und dessen Vater als Anleiter, und zwar unter dem Titel der Religion. Einen Knaben von Am Feierabende des 21. Oktober. 683 neun Jahren, Alois Müller, schickten seine Eltern von ihrem Wohnorte Schloß«» (Baden) in das benachbarte (bahr.) Amorbach, um einen Lottogewinnst abzuholen. Bereits auf dem Hinwege nach Amorbach begegnete dem Knaben der vierzehnjährige Stephan Kirchgeßner von Kirchzell, und während ihrer Unterhaltung erfuhr Kirchgeßner von Müller, daß er Geld holen wolle. Die Knaben trennten sich. Jedoch auf dem Heimwege kam dem Kleinen der Angeklagte K. wieder in den Weg und bot sich demselben als Begleiter an, als er erfuhr, daß dieser 3 fl. 4 kr. in einem Beutelchen bei sich trug. Im Holze packte K. den Knaben bei den Beinen, daß er rücklings umfiel, trat und würgte ihn, während er ihm zugleich das Geldbeutelchen aus der Tasche riß, worauf er entsprang. Müller, der dem Räuber nachlief, begegnete mehreren Holzmachern, denen er sein Unglück erzählte. Diese nahmen den beraubten Knaben mit in den Wald, um den Räuber zu suchen, den sie unter den Holzmachern vermutheten, und wirklich lief Kirchgeßner, als er die Suchenden erblickte, davon, und die Nacheilenden bemerkten, daß er Etwas wegwarf. Es war der geraubte Geldbeutel. — Steph. Kirchgeßner und sein Vater, der auch mit im Holze war, wurden verhaftet. Erst in der Frohn- veste legte Steph. Kirchgeßner ein umfassendes Geständnis) dahin ab, daß er den Knaben auf Anreizen seines Vaters beraubt habe. Er habe anfangs nicht daran gewollt, allein als sein Vater ihm gedroht und ihm vorgehalten habe, daß im Katechismus stehe, das Kind müsse dem Vater gehorchen, habe er die That begangen. — Stephan Kirchgeßner wurde zu achtjährigem Arbeitshause, dessen Vater Mich. Kirchgeßner zum Zuchthause auf unbestimmte Zeit verurtheilt. '— Möchten doch Eltern nie so blind und gottlos sein, ihren Kindern Sündhaftes zu befehlen! Möchten aber auch die Kinder bedenken, daß es Fälle gibt, wo es Sünde wäre zu gehorchen, und wo der Ausspruch des heiligen Augustin gilt: „Den Vater muß man lieben, den Schöpfer aber vorziehen!" Legende: Die heilige Jungfrau und Märtyrin Ursula ('s im 5. Jahrhdt.). Die heilige Ursula mit ihren jungfräulichen Leidensgefährtinen, deren Fest heute gefeiert wird, zeigt es uns, wie wir lieber sterben, als einen sündhaften Befehl vollziehen sollen. — Im vierten Jahrhunderte lebte in England ein Mann, Namens Demotheus, der wegen seiner Tapferkeit, wegen seiner Frömmigkeit und Nächstenliebe allgemein berühmt war. Dieser hatte eine Tochter, Ursula mit Namen, die sich von zartester Jugend an durch eiu heiliges Leben und durch eine innige Liebe zu Gott und der Reiuigkeit auszeichnete. Ihr Vater drang in sie, daß sie einen aus den Söhnen der Mächtigen wählen möchte, damit durch eine Verbindung mit einer angesehenen Familie seine Macht vergrößert werde. Doch der Himmel hatte beschlossen, daß Ursula statt eines irdischen Bräutigams die unverwelkliche Krone einer unbefleckten Jungfrau und heldenmüthigen Blutzeugin erhalten sollte. Als die brittischen Soldaten, die dem Kaiser Maximus in einem Kriege gegen Gratian treulich Hilfe geleistet hatten, von ihm einen Theil von Frankreich als Eigenthum erhielten, schickten sie Gesandte nach England, um ihre Bräute und andere Jungfrauen dort abzuholen und in die neue Heimath zu führen. Mehrere tausend Jungfrauen, unter ihnen auch die heiligeUrsula, wurden nach Frankreich eingeschifft; allein ein Sturm verschlug die Schiffe gegen die Küste der Niederlande, und als sie von da Rhein aufwärts segelnd Köln erreichten, wurden sie von den Hunnen angefallen. Diese bemächtigten sich der Schiffe, erklärten die Jungfrauen als Sklavinen und waren im Begriffe, sie zur Stillung ihrer viehischen Lüste zu mißbrauchen. Aber begeistert von Gott, widersetzte sich die heilige Ursula diesem Frevel, und bewirkte durch ihr standhaftes Beispiel, daß alle Jungfrauen wie starke Männer gegen die wollüstigen Barbaren kämpften und ihre Unschuld mit dem Martertode krönten. Ihre Leichname wurden in Köln beerdigt. Die Verehrung der heiligen Ursula breitete sich in der ganzen Christenheit aus, und unter ihrer Anrufung wurden viele geistliche Erziehungshäuser für Jungfrauen (Ursulinerinen) gestiftet. Gebet. Stärke uns, o Gott! damit wir, wie 86 * 684 Viertes Hauptstück. Von den Pflichten der Eltern gegen ihre Kinder, und zwar in Bezug auf ihr geistliches Wohl. die heilige Jungfrau und Märtyrin Ursula, alle bösen Befehle der Gottlosen und alle ärgerlichen Beispiele der Welt stets verabscheuen und uns nach den herrlichen Tngendbeispielen so vieler Heiligen richten, — dgrch Jesum Christum, unfern Herrn. Amen. Zwelhundertfünfnndneunzigstes Lesestück. Am Feierabende des 22. Oktober. Von den Pflichten der Eltern gegen ihre Kinder, und zwar in Bezug ans ihr geistliches Wohl. Fr. Geht das vierte Gebot blos Kinder und Untergebene an? Antw. Es schließt auch die Pflichten der Eltern und Vorgesetzten in sich; daher handeln wir auch noch von diesen Pflichten, und zwar zuerst von den Pflichten der Eltern gegen ihre Kinder. Fr. Welches ist die erste und vorzüglichste Pflicht der Eltern gegen ihre Kinder? Antw. Diese, daß sie vor Allem für das geistliche Wohl ihrer Kinder sorgen, indem sie dieselben znm Guten an- und vom Bösen abhalten. Fr. Wie sollen die Eltern ihre Kinder znm Guten anhalt^n? Antw. 1) Durch Unterricht und 2) durch gutes Beispiel. (Sieh nebenstehendes Bild!) Belehrung. Vor Allem sollen die Eltern für das geistliche Wohl ihrer Kinder sorgen; daher ist es ihre erste und heiligste Pflicht, daß sie ihre Kinder für Gott und das ewige Leben erziehen. Zu diesem Zwecke sollen sie dieselben zu allem Guten anhalten, und zwar 1) durch Unterricht, d. h. sie sollen ihre Kinder in der katholischen Religion Wohl unterrichten oder unterrichten lassen und sie schon frühzeitig zur Frömmigkeit und Tugend anleitcn. Wie die Seelsorger in der Kirche belehren ' und ermahnen müssen, so die Eltern zu Hause. „Ihr seid die Apostel (und Lehrer) eurer Kinder," sagt der heilige Chrysostomus; „euer Haus ist eure Kirche; und wenn wir Geistliche für ihre Seelen Wachen und Rechenschaft geben müssen, um wieviel mehr ihr, ihr Eltern, denen die Erziehung eurer Kinder besonders anbefohlen, und denen sie Gott von ihrer zarten Jugend an in's Haus gegeben hat, damit ihr sie um so leichter leiten und lenken könnet?" Und der heilige Paulus ruft den Eltern zu (Ephes. 6, 4.): „Ihr Väter erziehet eure Kinder in der Lehre und in der Zucht des Herrn." Stets sollen die Eltern ihre Kinder zum Guten anspornen; denn Kinder sind wie Uhren, welche, wenn sie nicht täglich aufgezogen werden, stehen bleiben. Ein Kind, das nicht täglich zur Frömmigkeit und zu allem Guten angemahnt wird, bleibt auf dem Wege der Tugend stehen und geht rückwärts. 2) Die Eltern sollen ihren Kindern aber auch ein gutes Beispiel geben. „Die Werke der Eltern," sagt der heilige Chrysostomus, „ sind die Bücher, aus welchen die Kinder von ihnen lernen." Und der heilige Cyprian schreibt: „Die Werke haben auch ihre Zunge, und die Werke sind noch weit beredter, als der Mund selbst; darum werden eure Kinder allezeit mehr aus das Acht geben, was ihr thut, als auf Das, was ihr nur saget." Und ganz schön sagt der selige Bischof Sailer: „Das gute Beispiel der Eltern ist der beste Katechismus der Kinder und der schönste Spiegel im Hause." Durch Nichts können die Eltern mehr nützen, als durch ei» gutes, durch Nichts mehr schaden, als durch ein schlechtes Beispiel. 685 Am Feierabende des 22. October. Beispiele und Anwendung. Die zärtliche, ebenso verständige, als fromme Mutter Anthusa in Antiochien leitete ihren Sohn Johannes früh durch Lehre und Beispiel zur christlichen Gottseligkeit an. Auch ließ sie ihn, dessen große Geistesgaben je mehr und mehr sich immer freudiger entfalteten, in den Wissenschaften von den besten Meistern sorgfältig unterrichten. Die Folge davon war, daß Johannes Patriarch von Konstantinopel wurde, wegen seiner Beredsamkeit Chrysostomus, d. i. Goldmund genannt, als ein großer Kirchenlehrer geschätzt und nach dem Tode als ein Heiliger verehrt wurde. So gesegnet wirkt daS Wort und Beispiel frommer Eltern; hingegen wirkt aber Nichts verderblicher auf die Kinder, als wenn ihnen die Eltern ein schlechtes Beispiel geben. In einem Städtchen der Lütticher Diöcese fand man (wie MarchantiuS erzählt) einen kleinen, aus seinem Elternhause verirrten Knaben weinend und heulend auf der Gasse stehen. Die Leute, die sich um ihn versammelt hatten, wollten den kleinen Schreier nach Hause führen und fragten ihn deßhalb: „Wie heißt dein Vater?" — „Satan," erwiederte der Knabe. Die Leute stutzten und fragten ihn noch einige Mal; die Antwort blieb immer dieselbe. Sie fragten ihn neuerdings: „Wie heißt denn deine Mutter?" — „Auch Satan," war die Antwort. — „Wie heißt denn das Haus, wo deine Eltern Wehnen?" — „Das Satanshaus." — Fast hätte sich schon Grauen und Entsetzen dieser guten Leute bemächtiget, wäre nicht Jemand noch hinzugekommen, der den Knaben kannte und ihnen das Räthsel lösete. Er war nämlich ein Kind sehr wrnmüthiger und unordentlicher Eheleute. Kaum trat der Gemahl — etwas umnebelten Hauptes — am Abende in die Stube, so begann der Streit schon; und da intonirte gewöhnlich die Frau: „Du bist ein wahrer Satan!" Schalt sie dann ihr armes Kind aus, so gab sie ihm die heilsame Lehre: „Dein Vater ist ein Satan; du bist ein Satanskind." Und wenn Zank und Hader den Gipfel erreichten, dann riefen Mann und Frau und Magd abwechselnd: „Was für ein abscheuliches HauS! ein ächtes Satanshaus!" Diese Stammtafel und Ortsbeschreibung hatte sich das arme Kind gemerkt und wußte es nicht besser. Das sind die Folgen des elterlichen Beispiels! Fr. Wie sollen die Eltern ihre Kinder vom Bösen abhalten? Antw. 1) Durch Wachsamkeit, indem sie ihre Kinder vor Verführung bewahren, und 2) durch angemessene Bestrafung. Belehrung. Eltern sollen ihre Kinder vom Bösen abhalten 1) dadurch, daß sie dieselben vor Verführung bewahren. Die Welt liegt im Argen und sucht besonders jugendliche Gemüther durch ihren Gifthauch schon frühzeitig zu verderben; daher sollen Eltern ja recht wachsam sein und ihre Kinder ferne halten von jeglicher Gefahr, die ihrem jugendlichen Herzen irgendwie Verderben drohen könnte; besonders sollen sie dafür sorgen, daß keine schlechten Dienstboten im Hause sind, die auf die Kinder verderblich einwirken. „Lebhaft," also schreibt der heilige Hieronymus, „sind die Eltern in Beziehung auf ihre kleinen Kinder besorgt, daß dieselben nicht von den Schlangen und andern giftigen Thieren verletzt werden, und es ist eine solche Sorgfalt zu loben; allein sie sollten diese Sorgfalt auch auwenden in Betreff der Seele ihrer Kinder, daß sie nichl Schaden leiden an derselben durch böse Lehren und schlechte Beispiele." — Somit sollen die Eltern ihre Kinder vom Bösen abhalten dürch Wachsamkeit, und wenn cs Notb thut 2) auch durch angemessene Bestrafung, die jedoch jederzeit mit christlicher Liebe verbunden sein muß. Nie dürfen Eltern die Fehler ihrer Kinder leichtfertig übersehen; denn „der Knabe, dem sein Wille gelassen wird, bringt seiner Mutter Schande." (Spr. 29, 15.) Der hei lige Petrus Damianus schreibt: „Wer nicht den Kindern Verweise gibt, wenn sie Eier stehlen, der wird bald zu seinem größten Leidwesen sehen müssen, daß sic Stallungen untergraben und Pferde stehlen, und wer anfangs ein kleiner Dieb war, der wird bald ein großer werden." Daher er mahnt die heilige Schrift (Spr. 23, 13—14.): „Entziehe dem Kinde die Züchtigung nicht! Schlägst du es mit der Ruthe, so wird es nicht davon sterben, und du wirst deine Seele von der Hölle retten." — Stets soll aber diese Züchtigung in christlicher Liebe, nicht im Zorne geschehen, wie der heilige Anselm sagt: „Wenn ihr eure Kinder gut erziehen wollet, so müsset ihr mit der Strenge der Zucht auch die süsse Kraft der väterlichen Liebe verbinden." Welche sanfte Verweise gibt nicht der Vater dem wüthenden Bruder des verlornen Sohnes! Beispiel und Anwendung. Wenn Eltern ihre Kinder nicht schon frühzeitig vom Bösen zurückhalten und ihre Unarten und Fehler bestrafen, so werden späterhin ihre Bemühungen fruchtlos sein. Die traurigen Folgen, die nicht selten hieraus entstehen, mögen sie zur Genüge aus folgendem traurigen Beispiele ersehen. Ein Schuhmachergeselle, Namens Gottfried, ein Mensch von ursprünglich guten Anlagen des Körpers und Geistes, sank bis zum Mörder herab. Er schrieb in seiner eigenhändig von ihm ausgezeichneten Lebensgeschichte sein ganzes Unglück seiner Mutter zu, die ihn in seiner Kindheit verzogen, und, statt ihn für verübte kleine Bosheiten zu bestrafen, zuweilen dafür gar belobt hatte. — Als er ausgelernt, begab er sich zu seiner Mutter zurück. -— Sie nahm ihn mit Freuden auf. Bald erzürnte er sich aber mit ihr wegen des Kartoffelhackens. Die Mutter wollte ihn prügeln. Da aber sagte er: „Mutter! 686 Viertes Hauptstück. Von den Pflichten der Eltern gegen ihre Kinder, und zwar in Bezug auf ihr leibliches Wohl. kommen Sie einmal mit mir!" und führte sie an eine große Linde. „Mutter!" fuhr er fort, „biegen Sie den Baum!" — „Den kann ich nicht biegen," antwortete sie. Und er cntgegnete: „Ein Baum, der klein ist, ist wohl zu biegen; aber wenn er groß ist, nicht mehr. Hätten Sie mich gezogen, als ich klein war." — O daß sich doch diese wichtige Lehre alle Eltern fleißig merken möchten! Legende: Der heilige Bischof und Märtyrer Philippus (ch um 304). Heute feiern wir das Andenken an den heiligen Bischof und Märtyrer Philippus, welcher allen Eltern zeigt, wie sie ihre Pflichten gegen ihre Kinder besonders in Beziehung auf das geistliche Wohl derselben erfüllen sollen. Philippus, geboren zu Heraklea in Thrazien, war ein Mann, der nicht weniger durch Weisheit der Lehre, als durch Vollkommenheit des Wandels sich auszeichnete, und darum von den Gläubigen hochverehrt war. Er wurde zum Diakon, bald darauf zum Priester und endlich nach dem einstimmigen Wunsche der christlichen Bevölkerung zum Bischöfe geweiht. Um das Reich Gottes zu erweitern und auf immer zu befestigen, sammelte er Jünger um sich, die er gründlich in den Religionswahrheiten unterrichtete und durch sein eigenes Beispiel mit dem Eifer für den heiligen Glauben zu erfüllen strebte, von welchem er selbst beseelt war. Auf solche Weise wurde er der geistliche Vater Vieler, die er durch seinen Unterricht und sein Beispiel auf den Weg des Heiles führte. Mögen alle Eltern in dieser Beziehung dem heiligen Philippus folgen, und ihre Kinder gleichfalls durch Unterricht und gutes Beispiel zu allem Guten auhalten und vom Bösen zurückziehen! Auch sie würden dann gar bald die wohlthätigen Folgen hievon erfahren ebenso, wie der heilige Philippus; denn zwei seiner Jünger wuchsen unter seiner Leitung zu treuen Bekennern Christi heran und waren so glücklich, mit ihm die Marterkrone zu erringen, indem sie alle drei um des christlichen Glaubens willen unter den grausamsten Qualen lebendig verbrannt wurden um das Jahr 304. Gebet. Heiliger Bischof und Märtyrer Philippus! bitte für alle Eltern bei Gott, auf daß sie ihre Kinder ebenso, wie du deine Jünger, zu allem Guten ermuntern und vom Bösen abhalten, damit sie zeitlich und ewig glücklich werden mögen durch Christum, unfern Herrn. Amen. Zweihundertsechsundneunzigstes Lesestück. Am Feierabende des 23. October. Von den Pflichten der Eltern gegen ihre Kinder, und zwar in Bezug auf ihr leibliches Wohl. Fr. Haben die Eltern nur für das ewige Heil ihrer Kinder zu sorgen? Antw. Sie sollen auch für ihr zeitliches Wohl und Fortkommen sorgen. Belehrung. Die Sorgfalt der Eltern muß sich nicht nur auf das Seelenheil ihrer Kinder erstrecken, sondern auch auf das leiblicheLeben derselben; sie müssen ihnen daher Pflege und Unterhalt, Lebensmittel, Kleidungsstücke und Wohnung verschaffen, solange bis die Kinder späterhin selbst im Stande sind, hiefür zu sorgen. (Sieh das nachfolgende Bild!) Ueberdieß sollen sich die Eltern besonders die einstige Versorgung ihrer Kinder sehr angelegen sein lassen, d. h. sie sollen sich bemühen, dieselben in einen solchen Stand zu setzen, in welchem sie sich ordentlich fortbringen können. Eltern versündigen sich sonach in dieser Beziehung schwer, wenn sie 1) ihr Vermögen leichtsinnig verschwenden, 2) für die Nahrung, Kleidung oder Gesundheit ihrer Kinder nicht gehörig sorgen, oder wenn sie 3) sich nicht bemühen, ihre Kinder frühzeitig zur Arbeit anzugewöhnen und sie etwas Nützliches lernen zu lassen. Beispiel und Anwendung. Welch' große Verantwortung laden also Väler und Mütter auf sich, die durch Trunkenheit, Spielsucht, Verschwendung so tief Herabkommen, daß sie und ihre Kinder am Hungertuche nagen müssen! Welch' eine himmelschreiende Sünde ist es,' wenn Väter ihre verdienten Kreuzer im Wirthshause vertrinken und verspielen, Weib und Kinder aber zu Hause verschmachten lassen! — Ein junger Bauer hatte sich Trunkenheit und Spiel ange- , Am Feierabende wohnt. Einmal, da er im Begriffe war, in seinen Weinberg zu gehen, um ihn zu pflegen, trug er seinem Weibe strenge auf, ihm sein Mittagessen dahin zu bringen. Das Weib entschuldigte sich, indem es sagte, daß es ihm Nichts zu essen bringen könne, weil er Alles durch seine Trunkenheit und Spielsucht durchgebracht habe. Endlich gestand sie es ihm doch zu. Um die Mittagszeit ging sie nun in den Weinberg und stellte den Korb ihrem Manne ungeöffnet hin. Dieser verrichtete sogleich sein Tischgebet und öffnete dann den Korb. Was erblickte er aber zu seinem größten Erstaunen in dem Korbe? Sein eigenes, kleines, bleichaus- sehendes, die Spuren des Hungers an sich tragendes Kind. „Alles hast du durchgebracht; iß nun auch dein schon halb verhungertes Kind!" sprach sein Weib mit gebrochener Stimme, nahm das Kind aus dem Korbe und legte es ihm auf die Arme. Dieß rührte den jungen Mann; er erkannte seinen groben Fehler, umarmte sein Weib und bat sie inständigst um Verzeihung, und von dieser Zeit an besuchte er dann nie mehr ein Wirthshaus, so sehr ihn auch die früheren losen Kameraden dazu wieder verleiten wollten. — Bedenke es, Trunkenbold! Was du vcrschlemmest in viehischer Lust, das hast du deinem Weibe und deinen Kindern gestohlen. Denn ihnen entgeht es! Ja, während du dich wälzest in deiner schändlichen Lust, schmachten vielleicht zu Hause dein Weib und deine Kinder, und nagen am Hungertuche und weinen vor Gram und Schmerz sich fast die Augen heraus. Schändlicher Gatte, schändlicher Vater! Fluch dir, wenn du dich nicht bekehrest zu rechter Zeit! des 23. Oktober. 687 Fr. Welche Folgen hat eine schlechte Erziehung für Eltern und Kinder? Antw. Die traurigsten Folgen für Zeit und Ewigkeit. Belehrung und Beispiele. Schlecht erzogene Kinder gehen ihrem zeitlichen und ewigen Verderben entgegen, und die nachlässigen Eltern sind schuld daran; daher sind sie auch Mitschuldige an den Sünden ihrer Kinder und oft Ursache an deren ewiger Berdammniß; auf solche Weise bereiten die Eltern auch sich selbst durch vernachlässigte oder schlechte Erziehung zeitliches und ewiges Unheil und Verderben; sie ziehen sich dadurch an ihren eigenen Kindern Zuchtruthen für ihr ganzes Leben heran und Pflanzen sich Dornen und Disteln auf ihrem eignen Acker. — Wie verderblich eine schlechte, allzunachsichtige Erziehung sei, sehen wir an Heli und seinen Söhnen. Dieser hatte eine blinde Liebe zu seinen Kindern; er war zu nachsichtig gegen sie; er verwies ihnen nicht ihre Greuelthaten, und Gott strafte ihn, indem die Israeliten geschlagen, seine ausgearteten Söhne getödtet wurden, und sogar die Arche des Bundes in die Gewalt der Feinde gerieth, und als dieß Heli hörte, fiel er rücklings von seinem Sessel und brach den Hals. (1. Kön. 4, 18.) — Soll ich dir, mein christlicher Leser! auch noch ein Beispiel aus der neuern Zeit erzählen? Nun so höre! Niko- lausFournier wurde in einem Alter von siebenundzwanzig Jahren am 30. November 1844 von dem Seine-Gerichtshof zum Tode verurtheilt. Er war das Haupt einer Bande, die zum Diebstahl und zum Meuchelmord mit bewaffneter Hand organisirt war. Er allein zog sich die Todesstrafe zu und fand das Urtheil gerecht. Ruhig erwartete er mit Ergebung das Loos, das er voraussah; er erzählte, wodurch er zum Verbrechen geführt wurde. Die erste Ursache zu den Verbrechen dieses Unglücklichen war der Mangel an Religion; obwohl schon siebenundzwanzig Jahre alt, hatte er die erste heilige Communion noch nicht empfangen; ja, er war nicht einmal getauft. Der ehrwürdige Abbe Montes öffnete ihm die Augen. „Dieser erst gab mir," sagte der Verurtheilte, „die ersten Begriffe von Gut und Böse, und seitdem ich communizirt habe, bin ich ganz ergeben und voll Vertrauen." Im Gefängnisse hatte er zweimal den Besuch seiner Mutter erhalten, und einmal den seines Vaters, dessen schuldbare Nachlässigkeit er vor dem Gerichtshöfe angeklagt hatte. Kurz vor der Ueberlicferung an den Scharfrichter, umarmte er noch einmal den Abb6 Mon- tes, und nachdem er gesagt hatte: „Mein Gott, verzeihe «88 Viertes Hanptstück. Von den Pflichten der Dienstherrschaften gegen ihre Dienstboten. mir!" rief er bei der Betrachtung des Todeswerkzeuges aus: „Fluch alleu Eltern, die Kinder erzeugen und sie nicht erziehen!" — Ach, schreckliche Worte für Eltern, die cs versäumen, ihre Pflichten gegen ihre Kinder zu erfüllen! Und wie wird es ihnen einst am Tage des Gerichtes ergehen, wenn der ewige Richter die Seelen ihrer Kinder aus ihren Händen fordern wird? — Möchten sich doch alle Eltern das bekannte Sprüchwort in's Herz schreiben: Gute Kinder — Gottes Segen, Böse Kinder — Hagelregen; Auf das Herz der Eltern Hagel, Und zu ihrem Sarg der Nagel. liegende: Der heilige Johannes Kapistranns (s 1456). Dieser Heilige, dessen Andenken die katholische Kirche heute feiert, und der von seinem Geburtsorte Kapi- stran im Neapolitanischen den Zunamen Kapi- stranus erhalten hat, entsagte frühzeitig den Ehren und Gütern der Welt und trat in den Orden des heiligen Franziskus. Alsbald wurde er einer der größten Prediger des fünfzehnten Jahrhunderts und eiferte als solcher besonders gegen jene Eltern, welchedie Erziehung ihrer Kinder vernachlässigten. Durch sein Gebet und seine Predigten führte er auch viele Tausende in Böhmen und Siebenbürgen von den hussitischen und andern Jrrthümern zum katholischen Glauben zurück. Die größten Dienste leistete er aber der Kirche Gottes dadurch, daß er den heiligen Krieg gegen die Türken predigte und durch sein begeistertes Wort und frommes Gebet die christlichen Soldaten in eigner Person zum Kampf und Siege führte. Er starb selig im Herrn am 23. Oktober 1456 an einem Fieber, welches ihn am 6. August desselben Jahres zu Belgrad überfiel. 1690 wurde er unter die Heiligen gesetzt. Gebet. Heiliger Johannes Kapistranns, der du in deinen begeisterten Reden die Eltern so oft zur christlichen Erziehung ihrer Kinder aufgemuntert hast, erflehe ihnen die Gnade, daß sie stets mit heiligem Eifer für das geistliche und leibliche Wohl der ihnen von Gott anvertrauten Kinder sorgen, bis Kinder und Eltern, mit einander vereint, sich ewig erfreuen in der Glorie des Himmels. Amen. Zweihundertsiebemmdneunzigstes Lesestück. Am Feierabende des 24. Oktober. Von den Pflichten der Dienstherrschaften gegen ihre Dienstboten. Fr. Was sind die Herrschaften ihren Dienstboten schuldig ? Antw. Alles Das, was die christliche Liebe, Gerechtigkeit und Gottseligkeit von ihnen fordert. Fr. Was fordert die christliche Liebe von den Dienstherrschaften? Antw. Die christliche Liebe fordert von den Dienst- Herrschaften, daß sie sich nicht hart, sondern liebevoll gegen ihre Dienstboten benehmen. Belehrung. Die Herrschaften sollen sonach Geduld mit den Fehlern und Schwachheiten ihrer Dienstboten haben und ihnen mit Rath und That beistehen, bedenkend, daß wir Alle, wir mögen Herrn oder Knechte sein, Einen Vater haben, und daß wir sonach Alle Brüder und Schwestern sind. Daher sagt schon der weise Sirach (33, 31.): „Hast dn einen Knecht, so sei er dir so werth, als du dir selber bist. Halte ihn wie deinen Bruder!" Ueberhaupt sollen sich die Dienstherrschaften gegen ihre Dienstboten so benehmen, daß sie die schönen Namen: „Hausväter" und „Hausmütter" verdienen. Beispiel und Anwendung. Ein schönes Beispiel in dieser Beziehung gibt allen Herrschaften der heilige Franz von Sales, Bischof von Genf. (Sieh das nachfolgende Bild!) Von ihm sagt Bischof Camus von Belley, nie habe ein Herr seine Diener besser und liebevoller behandelt, als er. Nie sagte er ihnen etwas Betrübendes. Statt ihnen streng zu befehlen, bat er sie umsthre Dienste. Er erwiederte ihren Gruß auf eine Weise, daß sie erkennen mußten, daß er sie liebe. Er hütete sich sehr, ihnen zu Viel aufzubürden. Nie beklagte er sich über sie. Mußte er ' Am Feierabende des 24. October. ihnen hie und da seine Meinung sagen, so that er es, ohne sich zu ärgern. So hatte er einmal lange mit einem Marquis über wichtige Angelegenheiten gesprochen. Mittlerweile wurde es Nacht; sie befanden sich im Finstern, und die Bedienten brachten kein Licht; denn Jeder glaubte, ein Anderer habe cs gebracht. Da wollte sich nun der Marquis entfernen, und der Bischof führte seinen Gast, im Dunkel tappend, an der Hand durch die Galerie und den Saal an die Thüre, wo er seine Bedienten in Unterredung mit denen des Marquis antraf. „Mit einem Stümpchen Licht," sagteer zu ihnen, „wäre uns sehr gedient." Das war der einzige Verweis, den er ihnen gab. Und so liebevoll benahm er sich in allen Stücken gegen seine Dienstboten. Möchten von ihm alle Dienstherrschaften lernen, wie sie ihre Dienstboten behandeln sollen! Fr. Was verlangt die Gerechtigkeit von den Dienstherrschaften? Mehler, Hausbuch. 689 Antw. Daß sie ihren Dienstboten geben, was sie ihnen schuldig sind. Belehrung und Beispiele. Vom Standpunkte der Gerechtigkeit aus betrachtet, sollen die Herrschaften ihren Dienstboten den verdienten Lohn und die hinreichende Nahrung geben, sollen sich ihrer auch in Noch und Krankheit annehmen und sie, so viel möglich, im Alter versorgen. „Ihr Herren!" ruft der heilige Apostel (Kol. 4, 1.), „was recht und billig ist, das erweiset den Knechten, da ihr wisset, daß auch ihr einen Herrn im Himmel habet." — Der Morgenländer ehrt seine durch Alter geschwächten Ka- meele dadurch, daß er dieselben aller Arbeit enthebt, sie auf grasreiche Weiden führt, damit sie hier von den Anstrengungen sich erholen können, und auf diese Art verpflegt er sie bis zu ihrem Tode, — und du solltest als Christ lieblos an alten und gebrechlichen Dienstleuten handeln und sie verstoßen? — Möchten sich christliche Dienstherr, schäften ein Beispiel nehmen an jenem braven Haupt mann von Kapharnaum, der um seinen kranken Knecht so ängstlich besorgt war und zum göttlichen Heilande hineilte mit der Bitte, ihn zu heilen, indem er sprach: „Herr! mein Knecht liegt zu Hause gichtbrüchig und leidet große Qual." Möchten sie mit solcher Liebe und Dankbarkeit für ihre treuen Dienstboten sorgen, wie der berühmte und edle Tho- mas Morus! Dieser legte bekanntlich seine Stelle als Großkanzler von England nieder, weil er in das sündhafte Treiben seines Königs nicht einstimmen wollte. Ehe er aber diesen Schritt that, sorgte er noch dafür, daß alle seine Bedienten Aemter erhielten, wozu sie Geschick und Fähigkeit befassen, damit sie nicht durch seinen Fall leiden möchten. 6!1ft Viertes Hauptstück. Von den Pflichten der Dienstherrschaften gegen ihre Dienstboten. Fr. Was fordert endlich die Gottseligkeit von den christlichen Dienstherrschaften? Antw. Daß sie ihre Dienstboten zu allem Guten an- und von allem Bösen abhalten. Belehrung. Die vorzüglichste Pflicht der Herrschaften ist wohl dieß, vaß sie ihre Dienstboten durch Wort und Beispiel zur Erfüllung ihrer Christenpflichten und zu allem Guten anhalten, vom Bösen aber und von aller bösen Gelegenheit, soweit es in ihren Kräften steht, ferne halten. Dieß fordert die Gottseligkeit, das Christenthum von ihnen; denn wer durch sein Beispiel schadet, der nützt durch seine Ermahnungen und Lehren Nichts. Er streut Unkrautsamen unter den guten Waizen und hindert diesen im Wachsthum und Gedeihen. Darum ruft der heilige Basilius allen Dienstherrschaften zu: „Wie werdet ihr euern Dienern befehlen, wenn ihr selbst wie Sklaven den thörichten und verderblichen Begierden fröhnet?" Beispiel und Anwendung. Ein Dienstbote ohne Religion ist in keinem Punkte zuverlässig; er ist weder beständig fleißig, noch treu und gewissenhaft; deine Diener werden dir, mein Christ! nur dann treu sein, wenn sie Gott treu dienen. Sorge daher vor Allem dafür, daß deine Dienstboten gute Christen seien oder werden! — Constan- tius Chlorus, welcher gegen das Ende des dritten Jahrhunderts über Frankreich und England herrschte, wollte die Christen, die in seinem Dienste waren, auf die Probe stellen, ob er sich auf ihre Treue verlassen dürfte, und bediente sich dazu folgender List. Er erklärte öffentlich, daß alle Christen seines Palastes den Göttern opfern müßten, wenn sie in ihren Ehrenstellen und Würden bleiben und seine Gnade nicht verscherzen wollten. Es fanden sich unter ihnen Einige, die ein vergängliches Glück ihrem ewigen Seelenheile vorzogen und deßhalb opferten. Aber wie erstaunten sie, als ihnen Constantius Chlorus mit größter Verachtung begegnete, sie aus seinem Palaste verstieß und sagte, er könnte nicht hoffen, daß sie ihm getreuer als ihrem Gott sein würden! Denen aber, die ihrem Gott mit Aufopferung aller zeitlichen Vortheile, mit Verlust aller ihrer Ehrenstellen und Würden treu bleiben wollten, vertraute Constantius Chlorus die Sicherheit seiner Person und seiner Staaten an, und beehrte sie mehr als jemals mit seinem Wohlwollen. Dieser Fürst wußte gar wohl, daß schlechte Christen auch schlechte Dienstboten seien. Wie sündhaft ist es also nicht, wenn Dienstherrschaften nur darauf sehen, ob ihre Dienstboten fleißig arbeiten, darum aber, ob sie christlich oder unchristlich leben, sich gar nicht kümmern! Diese mögen bedenken, was der heilige Paulus schreibt (1. Tim. 5, 8.): „Wenn Jemand für die Seinigen nicht sorgt, und besonders für die Hausgenossen keine Sorge trägt, der hat den Glauben verläugnet und ist ärger, als ein Ungläubiger." Legende: Der heilige Erzengel Raphael. Möchten daher alle Dienstherrschaften schützende Engel ihrer Dienstboten sein, indem sie dieselben vom Bösen ab- und zum Guten anhalten; möchten sie in dieser Beziehung dem heiligen Erzengel Raphael folgen, dessen Andenken die Kirche besonders den heutigen Tag weiht! Dieser heilige Erzengel begleitete in Gestalt eines Jünglings den jungen Tobias nach Medien, gab ihm die Arznei und Vorschrift, wie er seinem Vater, dem alten Tobias, das Augenlichtwiedergebensollte, bewahrte ihn vor allen Gefahren Leibes und der Seele und forderte ihn alsdann auf, Gott zu loben und zu preisen. Aus diesem Grunde fordert uns auch die Kirche auf, den heiligen Raphael besonders als Beschützer auf unserer irdischen Pilgerfahrt zu verehren. Er wird auch in verschiedenen Krankheiten angerufen; denn „Raphael" bedeutet: „Arznei oder Arzt Gottes" und zeigt an, daß dieser heilige Engel Denen, die an der Seele oder am Leibe krank sind, beistehen könne. Dienstherrschaften und Vorgesetzte endlich sollen vom heiligen Raphael lernen, daß auch sie ihre Untergebenen ebenso führen, leiten und beschützen, wie Raphael den jungen Tobias. Gebet. O Gott, der du den heiligen Erzengel Raphael deinem Diener Tobias zum Gefährten auf dem Wege gegeben hast, verleihe, daß alle Dienstherrschaften Schutzengel ihrer Dienstboten und Untergebenen seien, und daß der heilige Erzengel Raphael uns einst Alle einführe in das himmlische Vaterland, — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Am Feierabende des 25. Oktober. 691 Zweihundertachtundneunzigstes Lesestück. Am Feierabende des 25. October. Von den Pflichten der Obrigkeiten gegen ihre Untergebenen. Fr. Was für Pflichten haben die Obrigkeiten? AntW. Wie die Vorgesetzten, so haben auch sie Pflichten, die ihnen theils das Christenthum, theils die Gerechtigkeit auferlegt. Fr. Was fordert das Christenthum von den Obrigkeiten? AntW. Daß sie die Wohlfahrt der Unterthanen nach Kräften befördern und ihnen durch einen christlichen Wandel vorleuchten. Belehrung. Die Obrigkeit soll nach dem Ausspruche des Apostels (Rom. 13, 4.) „Gottes Dienerin sein zum Besten der Unterthanen;" daher sollen die Obrigkeiten 1) deren Wohlfahrt nach Kräften befördern, d. h. sie sollen sich's mit allem Eifer angelegen sein lassen, Glück und Wohlstand im Vaterlande herzustellen und von den Unterthanen jeden Schaden ferne zu halten; sie sollen den Klagen und Beschwerden derselben williges Gehör schenken und nach Thunlichkeit Abhilfe gewähren, sollen sich keine Erpressungen erlauben und die Abgaben gewissenhaft zum Wohle des Landes verwenden. 2) Ganz besonders aber sollen sie ihren Unterthanen durch einen christlichen Wandel vorleuchten. Wenn das untergebene Volk sieht, daß seine Obrigkeiten, seine Beamten und Priester selbst keine Religion haben, daß sie selbst Knechte der Sünde sind: wie soll alsdann Religion unter dem gemeinen Volke blühen? „Es ist schändlich," sagt der heilige Gregorius von Nyssa, „daß Jemand, der zu Hause Knecht ist, über Völker herrsche; daß Der das Ruder des Staates führe, der die Winke einer feilen Dirne beobachtet und von der Laune einer Buhlerin regirt wird." Und der heilige Ambrosius: „Wer wird es ertragen, daß Jemand, der sich selbst nicht regiren kann, Andere zu regiren übernimmt?" Religion im Herzen des weltlichen, wie des geistlichen Fürsten und Beamten ist und bleibt daher die erste und schönste -Eigenschaft desselben. Durch das Beispiel wird am Meisten auf das Volk gewirkt; Tugend und Religion wirkt mehr, als jedes Machtgebot, ja selbst als Waffengewalt. Wehe den Obrigkeiten, die selbst ohne Religion — wiederum ein Volk ohne Religion regiren wollen!! Beispiel und Anwendung. Durch einen wahrhaft christlichen Lebenswandel leuchtete Alphons, König von Arragonicn, dessen Weisheit ehedem weit berühmt war, allen seinen Unterthanen voran. Er wußte es gar wohl, daß Menschen ohne Religion stets auch schlechte Unterthanen seien; daher ging sein Streben vor Allem dahin, Religion und Tugend in seinem Reiche zu fördern und in den Herzen seiner Unterthanen zur Aufnahme zu bringen. Dicß bewirkte er auch, und zwar ganz besonders durch sein eigenes Beispiel. Daher hat er auch einst das schöne Wort gesprochen: „Es sei allerdings groß und heroisch, wenn sich ein König an die Spitze seines Kriegsheeres stellt, um es in eigner Person gegen den Feind zu führen; (sich das obige Bild!) aber größer und ruhmvoller noch, wenn er durch sein Vorbild und Beispiel ein ganzes Volk auf dem Wege des Rechts und der reinen Sitte leitet." — Möchten alle Obrigkeiten dieses schöne Wort aus dem Munde eines weisen Fürsten beachten und darnach handeln! Fr. Was fordert die Gerechtigkeit von den Obrigkeiten? AntW. 1) Daß sie ihr Amt mit Weisheit und unbestechlicher Gerechtigkeit verwalten, und 2) das Böse strafen. Belehrung und Beispiele. Bei den Obrigkeiten soll nur Gerechtigkeit herrschen, und kein Ansehen der Person gelten; daher sollen sie: 1) ihr Amt mit Weisheit und unbestechlicher Gerechtigkeitverwalten; denn ihnen gelten die Worte, die einst Josaphat zu den Richtern sprach: „Sehet wohl zu, was ihr thuet; denn ihr übet nicht eines Menschen Gericht, sondern des Herrn; und Alles, worüber ihr richtet, wird auf euch zurückkommen. Bei dem 692 Viertes Hauptstück. Von den Pflichten der Obrigkeiten gegen ihre Untergebenen. Herrn ist kein Unrecht, noch Ansehen der Person, noch Verlangen nach Geschenken." (2. Chron. 19, 6—7.) Sonach darf die Gercchtigkeitspflege nicht etwa einem Spinnengewebe gleichen, das das starke Thier nach Willkühr zerreißt, und in dem nur schwache Fliegen hängen bleiben. Sie muß vielmehr der Sonne gleichen, welche in ihrem Laufe weder zur Rechten noch zur Linken abweicht, und sich allen Wesen ohne Unterschied mitthellt. Ebendcßhalb müssen die Obrigkeiten 2) auch das Böse strafen überall, wo sie es finden, — ohne Ansehen der Person. Darum schreibt der Apostel (Nöm. 13, 4.): „Die Obrigkeit führt das Schwert nicht umsonst, sondern als Gottes Dienerin muß sie an Dem, der BöseS thut, strenge Rache nehmen." Wie verderblich es oft werden kann, wenn das Böse nicht nach Gebühr gestraft wird, sehen wir aus folgender Begebenheit. Ludwig, König von Frankreich, wurde einst gebeten, einem Mörder, den er schon früher begnadigt hatte, das Leben zu schenken. Allein er wollte nicht, weil dieser Missethäter schon den dritten Mord begangen hatte. „Eure Majestät," sprach jetzt sein Hofnarr lächelnd zu ihm: „Eure Majestät! verzeihen! Dieser Mensch hat nur Einen umgebracht, nämlich den Ersten; die andern zwei haben Eure Majestät umgebracht; denn hätten Sie ihn gleich nach der ersten Mordthat nach Verdienst gestraft und ihm den Kopf abschlagen lassen, so hätte er die zwei andern Mordthaten nicht mehr begangen." — Mit Recht bemerkt in dieser Beziehung der heilige August in: „Die Obrigkeiten sollen die Verbrechen ihrer Unterthanen strafen; aber sie mögen genau Acht geben, wenn sie strafen, daß Nichts zu viel, und wenn sie verzeihen, daß Nichts zu wenig sei! Sie sollen strafen, um zu bessern, und Nichts Nachsehen, was zum Schlimmen sich wenden kann!" Legende: Die heiligen Märtyrer Crispin und Crispinianus (fl 287). Gegen diese heiligen Pflichten versündigten sich schwer alle jene Obrigkeiten, welche in den ersten Jahrhunderten der Kirche die Bekenner des Christenthums so grausam verfolgten. Darunter steht mit oben an Kaiser Maxi- miauus Herkuleus und dessen Landpfleger Niktiovarus, welche den heiligen Crispin und Crispinianus, die von jeher in Frankreich sehr berühmt waren, und deren Fest aus den heutigen Tag fällt, um des Glaubens willen grausam martern und hinrichten ließen. Diese beiden Heiligen waren Brüder und Söhne einer vornehmen Familie zu Rom. Aus Liebe zu Jesus Christus gingen sie mit andern Missionären nach Frankreich, um zur Verbreitung des Evangeliums mitzuwirken. Um desto leichter ihre Absicht zu erreichen, ließen sie sich in der ansehnlichen Stadt Soissons nieder und lernten und MW, übten daselbst das Schusterhandwerk, wodurch sie mit vielen Menschen in Berührung kamen und Gelegenheit fanden, ihnen gleichsam unvermerkt die Lehre des Heiles beizubringen. Und wirklich wurden ihre Bemühungen mit dem besten Erfolge gekrönt. Als nun der obengenannte Kaiser, der eben damals nach Soissons kam, hievon Kunde erhielt, trug er seinem Landpfleger, einem anerkannt unversöhnlichen Feinde der Christen, auf, diese beiden Glaubenshelden auf alle mögliche Weise zum Abfalle vom Christenthume zu bewegen; allein alle erdenklichen Qualen waren nicht im Stande, dieselben in ihrer Glaubenstreue zu erschüttern, und so wurden sie im Jahre 287 enthauptet. Gebet. Wir bitten dich, o Herr! erleuchte unsere geistlichen und weltlichen Obrigkeiten, damit sie ja nie ungerecht handeln, wie die grausamen Verfolger der heiligen Brüder und Märtyrer Crispin und Crispinianus, sondern stets treu jene Pflichten erfüllen, welche ihnen das Christenthum und die Gerechtigkeit auferlegt, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Am Feierabende des 26. Oktober. 693 Zweihundertnemmndneunzigstes Lesestück. Am Feierabende des 26. Oktober. Fünftes Gebot Gottes. Von den Versündigungen am Leibe und Leben des Nächsten durch die That, vom leiblichen Morde. Fr. Welche Sünden verbietet das fünfte Gebot? Antw. Alle Sünden, wodurch wir unserin Nächsten oder uns selbst am Leben des Leibes oder der Seele schaden, es verbietet also leiblichen und geistlichen Mord und Alles, was hiezu Anlaß gibt, als: Zank und Streit, Rachgier und Haß, Aergerniß und Verführung rc. — Dieß Alles wird im fünften Gebote ausführlicher erklärt. Vorerst nun von den Versündigungen am Leibe und Leben des Nächsten. Fr. Wie versündigt man sich am Leibe und Leben des Nächsten? Antw. 1) Wenn man ihm durch Kränkung oder harte Behandlung das Leben verbittert und verkürzt, 2) wenn man ihn ungerechter Weise schlägt, verwundet oder gar tödtet. Belehrung. Am Leibe und Leben des Nächsten versündigt man sich, 1) wenn man ihm durch Kränkung oder harte Behandlung das Leben verbittert und verkürzt, wie es oft von grausamen Ehemännern gegen Weib und Kinder geschieht, oder von gottlosen Kindern, Welche ihre Eltern bis in den Tod betrüben; wenn man die Gesundheit oder das Leben des Nächsten stört und untergräbt, indem man ihm schädliche Nahrungsmittel oder Quacksalbereien darreicht oder verkauft, ihn mit Arbeit überladet, ihn verwahrlost in Bezug auf Reinlichkeit und Pflege, z. B. bei Kindern, Kranken und alten Personen rc.; 2) wenn man ihn ungerechter Weise schlägt oder verwundet, wie es gar häufig bei jenen viehischen Raufereien und Schlägereien auf Tanzböden und in Zechstuben vorkommt, oder was das Allerfurchtbarste ist, wenn man ihn absichtlich und ungerechter Weise tödtet. Fr. Was für eine Sünde begeht Jener, der den Nächsten ungerechter Weise tödtet? Antw. Er begeht eine entsetzliche, himmelschreiende Sünde; denn er versündigt sich gegen Gott, gegen die menschliche Gesellschaft und gegen den Nächsten. Belehrung. Wer seinen Mitmenschen ungerechter Weise tödtet, der begeht eine furchtbare Sünde 1) gegen Gott, indem er frevelhaft in dessen Rechte eingreift und ein Menschenleben gewaltsam zerstört, worüber nur Gott zu verfügen hat, der deßhalb auch „von der Hand des Menschen — des Menschen Seele fordern wird." (1. Mos. 9, 5.) Er versündigt sich 2) gegen die menschliche Gesellschaft, indem er die Sicherheit derselben untergräbt, und 3) gegen den Nächsten, indem er ihm das größte zeitliche Gut raubt, das Leben, und ihn zugleich nicht selten auch in das ewige Verderben stürzt, weil es leicht geschehen kann, daß das unglückliche Opfer im Augenblicke des Todschlages sich im Stande der Todsünde befindet. — Darum ruht aber auch Gottes Fluch auf dem Mörder, und überall begleitet einen solchen Gottlosen die Gewissensangst, und innere Qual und Zerrüttung ist sein Antheil. Dieß beweist die heilige Schrift sowohl, als auch die tägliche Erfahrung, und es wird stets an dem Mörder in Erfüllung gehen, was geschrieben steht: „Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll auch vergossen werden; denn der Mensch ist nach Gottes Ebenbild geschaffen" (1. Mos. 9, 6.) und: „Den Mördern wird ihr Antheil werden im Pfuhle, der mit (ewigem) Feuer und Schwefel brennt." (Offenb. 21, 8.) Beispiele und Anwendung. Welch' Fluch und Verderben auf dem Mörder ruhe, das sehen wir an dem -gottlosen Kain. Als er seinen guten Bruder Abel ge- tödtet hatte (sieh nebenstehendes Bild!), irrte er voll Verzweiflung umher und rief aus: „ Meine Missethat ist größer, als daß ich Verzeihung verdiente. Siehe, (o Gott!) du treibst mich heute aus dem Lande, und ich muß mich vor deinem Angesichte verbergen, und unstät und flüchtig werde ich sein auf Erden, und wer immer mich findet, wird mich tödten." 694 Viertes Hauptstück. Fünftes Gebot Gottes. Bonden (1. Mos. 4.) — Theodorich, König der Gothen in Italien, hatte den greisen Symmachus, einen sehr rechtschaffenen Mann, ungerechter Weise enthaupten lassen. Bald empfand er aber die Macht des strafenden Gewissens; das Bild des Ermordeten und die Schrecknisse der Ewigkeit traten vor seine Seele und spiegelten ihm Gespenster vor. Eines Tages wurde zur Abendtafel ein Fisch von ungewöhnlicher Größe vorgesetzt. Mit einem Schrei des Entsetzens sprang Theodorich von der Tafel auf; denn er glaubte ein ihn angreifendes Gespenst zu erblicken. „Ich sehe den Kopf des Symmachus," rief er aus, „dessen funkelnde Augen, die Zähne, die mich zerfleischen wollen; fort, fort!" Wie wahnsinnig floh der König aus dem Speisesaale. Zermalmt vor Schrecken begab er sich zu Bette, es befiel ihn ein heftiges Fieber, und in drei Tagen war er eine Leiche. — So geht es dem Mörder schon auf Erden; — und in der Ewigkeit — welch' ein Loos wartet da seiner? In der geheimen Offenbarung (21, 8.) steht es geschrieben. „Den Mördern wird ihr Antheil sein im ewigen Feuer- und Schwefelpfuhle." Schrecklicher Gedanke! Fr. Wann ist es erlaubt, einen Menschen zu tödten? Antw. Es ist erlaubt: 1) der Obrigkeit zur Bestrafung der Verbrechen; 2) Andern aber nur zur Verteidigung des Vaterlandes oder aus gerechter Nothwehr. Belehrung und Beispiele. Es gibt Fälle, in denen es erlaubt ist, einen Menschen zu tödten. Es ist erlaubt 1) der Obrigkeit zurBestrafung der Verbrechen; sie trägt deßhalb das Schwert in der Hand, wie der heilige Paulus schreibt (Nöm. 13, 4.):.„Wenn du Böses thust, so fürchte dich; denn nicht umsonst trägt die Obrigkeit das Schwert; denn sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Bestrafung für Den, der Böses thut." Und der heilige Augustin sagt: „Das Ansehen der Obrigkeit ist Gottes Ansehen; und wenn sie tödtet, so tödtet Gott." — 2) Andern ist es erlaubt nur zur Vertheidigung des Vaterlandes oder aus gerechter Nothwehr, wenn sonst kein Mittel zur Rettung mehr übrig bleibt. Sonach darf ein Soldat den Feind im gerechten Kampfe tödten; man darf sich wehren, wenn Jemand einen ungerechten Angriff auf unser oder unsers Nächsten Leben, auf unsre Glücksgüter, die für uns von großem Werthe sind, oder auch auf unsre Keuschheit rc. macht. „Wird ein Dieb bei Erbrechung oder Untergrabung eines Hauses ertappt und verwundet, so daß er daran stirbt, so wird der Thater keines Todschlages schuldig." Also steht schon im 2. Mos. (22,2.) geschrieben. Ueberdieß finden sich hiezu selbst schon in der heiligen Schrift verschiedene Beispiele. Davon nur einige! — David ließ ohne Schonung die Verbrecher des Landes Versündigungen am Leibe und Leben des Nächsten rc. hinrichten, und er sündigte nicht. „Frühe will ich," ruft er aus (Ps. 100, 8.), „alle Sünder des Landes tödten, damit ich ausrotte aus der Stadt des Herrn alle Uebelthäter." — Ebensowenig sündigten die Söhne Levi, als sie an Einem Tage auf Befehl Gottes in einer Schlacht so viele tausend Menschen tödteten. Nach dieser Schlacht redete sie Moses also an: „Ihr habt heute eure Hände dem Herrn geweiht." (2. Mos. 32, 29.) — Auch Abner sündigte nicht, als er den Asael aus Nothwehr tödtete. Asael verfolgte nämlich den Abner; denn er wollte sich den Ruhm erwerben, diesen zu tödten. Da rief ihm Abner zu: „Laß ab und jag' mir nicht nach, daß ich nicht gezwungen sei, dich zu Boden zu strecken." Allein Asael hörte nicht auf diese Drohung, und so durchbohrte ihn Abner, so daß er starb. (2. Kön. 22.) Legende: Der heilige Papst und Märtyrer Evaristus (P 109). So sehr es dem Willen Gottes und der Gerechtigkeit entsprechend ist, wenn die weltliche Obrigkeit große Verbrecher, z. B. Räuber und Mörder, mit dem Tode bestraft, ebenso gottlos und himmelschreiend ist es, wenn sie diese Macht mißbraucht gegen Fromme und Unschuldige, wie z. B. jene grausamen Kaiser und Statthalter gethan haben, welche die Christen martern ließen. Dieser Sünde machte sich besonders auch Kaiser Trajan schuldig, unter welchem der heilige Papst Evaristus I., dessen Fest heute in der Kirche gefeiert wird, den Martertod erlitt. Dieser heilige Papst stammte aus Griechenland und folgte dem heiligen Anaclet zu Ende des ersten 693 Am Feierabende des 27. Oktober, ! Jahrhunderts auf dem Stuhle des heiligen Petrus nach. Sein Eifer und seine Wissenschaft waren ebenso groß, als seine Frömmigkeit; daher kämpfte er mit dem besten Erfolge nicht nur gegen die Abgötterei, sondern auch gegen mehrere Ketzereien, von welchen damals die Kirche Gottes beunruhigt wurde. Er starb für den christlichen Glauben i. I. 109. Gebet. Herr Jesu Christe, du Licht der Welt, bewahre uns vor der Blindheit des Geistes, damit wir uns nie am Leibe und Leben unsers Mitmenschen versündigen, und laß uns allezeit, wie deinen heiligen Diener Evaristus, im Lichte des Glaubens und deiner heiligen Gebote wandeln, der du lebest und regirest, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Dreihundertstes Lesestück. Am Feierabende des 27. October. Von den Versündigungen am Leibe und Leben des Nächsten durch Das, was oft zur b'üscn That führt, und vom Zweikampfe. Fr. Verbietet das fünfte Gebot nur die wirkliche böse That wider das Leben des Nächsten? Antw. Es verbietet auch Alles, was zur bösen That führt und verleitet, als: Zorn, Haß, Neid, Zank, Schimpf und Fluchworte. LSD 7. Belehrung und Beispiel. Der heilige Johann es schreibt in seinem ersten Briefe (3, 15.): „Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Menschenmörder;" er mordet ihn nämlich geistiger Weise, indem er ihn von der Welt hinwegwünscht, damit er ihn ja nicht mehr sehen dürfe. Aus diesen Worten folgt nun, daß man seinen Nächsten auch durch Zorn, Haß, Zank u. s. w. wenigstens geistiger Weise tödte, und es verbietet daher das fünfte Gebot nicht nur die wirkliche böse That wider das Leben des Nächsten, sondern auch Alles, was zur bösen That führt und verleitet, als: Zorn, Haß, Neid, Zank, Schimpf- und Fluchworte; denn die Zornigen rc. tödten mit dem Willen. Daher sagt auch der göttliche Heiland zu den Juden: „Ihr habet gehört, daß zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht tödten; wer aber tödtet, wird schuldig des Gerichtes. Ich aber sage euch: daß ein Jeder, der sich über seinen Bruder erzürnt, des Gerichtes schuldig sein wird." (Matth. 5, 21. 22.) — „Der Mensch in der Zorneswuth," sagt der ehrwürdige Ludwig von Granada, „gleicht in Wahrheit einem wilden Thiere. Mit Ungestüm fällt er den Gegenstand seines Zornes und Hasses an und freut sich, wenn er sich an seinem Verderben weiden kann." So erzählt uns Aelian, ein Löwe sei einstmals auf der Jagd durch ei- nen Lanzenstich verwundet worden, und als nach Verlauf von mehr als einem Jahre Jener, der ihn verwundet hatte, in dieselbe Gegend, als zu dem zahlreichen Geleite des Königs Juba gehörend, gekommen war, habe ihn der Löwe von Weitem erblickt, gewaltsam angefallen und zerrissen. Wie dieses wilde Thier machen es auch die jähzornigen und rachsüchtigen Menschen. Schonungslos fallen sie ihren Nebenmenschen an, nicht der Vernunft folgend, die ihnen Aehn- lichkeit mit den Engeln gibt, sondern dem unedlen Triebe, 696 Viertes Hauptstück. Von den Versündigungen am Leibe und Leben des Nächsten rc. den sie mit den Thiercn gemein haben. Daher hat der heilige Johannes ganz recht, wenn er sagt: „Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Menschenmörder." Fr. Wozu verleitet Zorn und Haß, Zank und Schimpfworte ganz besonders häufig? Anttv. Zum Zweikampfe, der in jedem Falle, auch wenn er nicht bis auf Leben und Tod geht, ein großes Verbrechen ist, das aller göttlichen und weltlichen Ordnung widerstreitet; darum verfallen alle Teilnehmer und sogar alle freiwilligen Zeugen in die Strafe des Kirchenbannes. Belehrung. Der Zweikampf (oder das Duell) ist ein Verbrechen gegen die Vernunft und Menschenwürde, da Menschen oft aus den unbedeutendsten Gründen, aus den albernsten Anlässen wie wilde Thiere aufeinander losgehen, um sich zu zerfleischen und im Blute des Gegners die Wuth zu sättigen, wie einst jene Raubritter zur Zeit des Faustrechtes. (Sieh das vorausgehenoe Bild!) Wo ist hier ein Verhältniß zwischen Schuld und Strafe: — für ein un bedeutendes Wörtlein oft das Leben?! Wie unmenschlich und widersinnig! Darum hat auch die Religion und die Gesellschaft die schwersten Strafen darauf gesetzt. DasConcilzu Trient (8oss. 25. cap. 19.) hat festgesetzt, daß die Duellanten ehrlos und excommunicirt sein sollen, und zwar nicht nur die Duellanten allein, sonvcrn auch die Zeugen und alle Teilnehmer daran; den im Duell Gefallenen aber soll das kirchliche Begräbniß verweigert werden, nicht mehr als billig; denn da sie die Mutter, die Kirche, verläugnct haben, so verweigert ihnen auch diese mit Recht den kirchlichen Segen. Beispiel und Anwendung. Aber nicht nur die Kirche, sondern auch Gott selbst straft die Duellanten nicht selten auf eine sehr auffallende Weise. Wir sehen dieß aus folgendem Beispiele. — Nachdem der Ritter von Sen ... siegreich aus siebzehn Zweikämpfen hervorgegangen war und sich dadurch den Ruf des Heldenmuthes. erworben hatte, sah er sich Tag und Nacht verfolgt von den blutigen Schatten feiner Nebenbuhler, und das Weheklagen von siebzehn trauernden Familien, welche einen Sohn, einen Gatten, einen Bruder, einen Freund von ihm zurückforderten, verwirrte seine Einbildungskraft. Von Gewissensängsten umhergetrieben, beschloß er, sich in die Einsamkeit zu begeben, und das Kloster La Trappe öffnete ihm seine stillen Zellen. Als aber die Revolution die frommen Klosterbrüder aus den Mauern trieb, wurde auch der unglückliche Ritter in die Welt zurückgeschleudert, und seine bisherige Reue machte nun der Verzweiflung Platz, welcher er nur dadurch zu entrinnen suchte, daß er sich den Tod gab. Dieß geschah im Boulogner Hölzchen im Jahre 1791. Es hat sich da der Ausspruch Tertullian's erfüllt, welcher schreibt: „Der Herausforderer und der Herausgeforderte sind Beide als Beleidiger dem Herrn verfallen, der alle Uebelthat wie verbietet, so auch verdammt (und bestraft.)" — Mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln sollen wir daher, wenn es uns möglich ist, den Zweikampf verhindern; alle Jene aber, die etwa zu einem solchen Zweikampfe herausgefordert werden, sollen das schöne Beispiel nachahmen, welches uns in dieser Beziehung der Graf von Sales gab. Dieser wurde nämlich von einem stolzen Menschen, den er wegen seiner Gotteslästerungen zurechtgewiesen hatte, zum Duell herausgcfor- dert; allein der edle Graf antwortete: „Nachdem ich es gewagt habe, die Sache Gottes zu vertheidigen, so darf ich sie wohl nicht wiederum dadurch verrathen, daß ich den falschen Grundsätzen einer mißverstandenen Ehre huldige." Legende: Der heilige Frumentius, Bischof und Apostel der Aethiopier. (fi im 3. Jhrdt.) Wahrlich, nie würde es unter den Menschen zu Schlägereien, Duellen und andern Feindseligkeiten kommen, wenn in ihnen der Geist des Christenthums, wenn in ihren Herzen die christliche Liebe wohnen würde, wie sie einst wohnte im Herzen des heiligen Bischofs Frumentius, dessen Andenken wir heute feiern. Dieser Heilige gerieth schon sehr jung in die Gefangenschaft nach Aethiopien, wo er sich durch seine Klugheit und sein liebevolles Betragen die allgemeine Achtung und das Zutrauen dieses Volkes erwarb, so daß er die Freiheit wieder erlangte. Nun begab er sich nach Alexandrien, erzählte dem heiligen Athanasius, wie es um die Christen in Aethiopien stehe, und bat denselben flehentlich, einen apostolischen Mann dorthin zu senden, Am Feierabende des 28 . October. 691 der in der Kraft Gottes den Namen Jesu Christi verkündigen möchte. Als Athanasius den glühenden Eifer und den frommen Sinn des heiligen Fr um ent ins bemerkt hatte, weihte er ihn zum Priester und Bischof und schickte ihn selbst als den Würdigsten und Tüchtigsten nach Aethiopien zurück, um daselbst die Lehre Christi zu verkünden. Und wirklich gelang es dem heiligen Frumentius in kurzer Zeit, die Abhssinier zum Christenthume zu bekehren. Mit heiligem Eifer führte nun der würdige Oberhirt diese seine junge Heerde auf dem Wege der Wahrheit zum ewigen Heile, bis ihn der Herr selbst im dritten Jahrhunderte zu sich berief, um ihn zu krönen in der Glorie des Himmels mit der Krone der ewigen Vergeltung. Gebet. Erwecke in uns, o Gott! jenen Geist der christlichen Liebe und Sanft- muth, welcher im Herzen des heiligen Bischofs Frumentius wohnte, auf daß wir allen Zorn, Haß, Zank und Neid und überhaupt Alles fliehen, was uns zu irgend einer bösen That gegen das fünfte Gebot verleiten könnte, — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Schädlichen nicht enthalten wollen; ebenso Diejenigen, welche aus Habsucht sich durch übermäßige Anstrengungen und Arbeiten zu Grunde richten, am Meisten aber die Säufer und Wollüstlinge, die nicht selten frühzeitig die traurigen Folgen ihrer Laster fühlen, die gerade an Dem die furchtbarste Rache nehmen, der sie liebt und übt. Des feinen Selbstmordes machen sich schuldig die Naschhaften, die allerlei unter einander hineinessen und trinken, SüsseS und Saueres, Milch und Bier; die Muthwilligen, welche auf Thürme und Bäume klettern, sich ans schwache Aeste hinauswagen, auf noch dünnem Eise glitschen, die sich leichtsinnig dem Zuglüfte aussetzen, von starker Erhitzung in die M DreihunderLunderstes Lesestück. Am Feierabende des 28. October. Bon den Versündigungen am eigenen Leibe und Leben; Selbstmord. Fr. Wie versündigt man sich am eigenen Leibe und Leben? Antw. Durch feineren und gröberen Selbstmord. Fr. Wer macht sich des feineren Selbstmordes schuldig? Antw. Ein Jeder, der durch Unvorsichtigkeit oder Muthwillen, durch Ausschweifungen und Laster seine Gesundheit schwächt oder sein Leben abkürzt. Belehrung. Des feineren Selbstmordes machen sich also schuldig alle Diejenigen, welche in Betreff ihrer Gesundheit Etwas thun oder unterlassen, wodurch das Leben abgekürzt und ein frühzeitiger Tod herbeigeführt wird. Dazu gehören Kälte gehen, in die Hitze hineintrinken, die unvorsichtig mit Diejenigen, welche ans Sparsamkeit in Krankheiten die ge- geladenen Gewehren spielen; die Unreinlichen u. s. w. hörigen Mittel vernachlässigen, oder aus Eigensinn sich vom Beispiel und Anwendung. Es träumte einst einem Metzler, Hausbuch. 88 698 Viertes Hauptstück. Von den Versündigungen am eigenen Leibe und Leben; Selbstmord. Jüngling in Rom: er sei am steilen Ufer der Tiber auf einen Strauch geklettert, dessen lang gestreckten Zweige in den Strom hinabhingen; an diese habe er sich angeklammert, um sich unten schwebend zu erhalten, sei aber hinabgestürzt und ertrunken. Als er am folgenden Tage in Gesellschaft einiger Bekannten lustwandelte, kam er an einer Stelle vorüber, wo das Ufer genau so gestaltet und mit einem solchen Strauche bewachsen war, wie es im Traumbild ihm vorgekommen. Lächelnd erzählte er seinen Gefährten diesen Traum, und so inständig auch jene ihn davon abmahnten, bestand er doch auf dem albernen Vorhaben, den Versuch zu wagen, um zu sehen, ob die Sache wirklich so gefahrdrohend sei. Er schwang sich auf das Gesträuch, und hielt sich mit beiden Händen an einem der herabhängenden Aeste; allein das schwache Holz brach, er stürzte und fand in den Wellen seinen Tod. Dieser Unglückliche fiel als Opfer seines Muth- willens; er ist sein eigener Mörder geworden, weil er sich muthwillig und ohne Noth der Lebensgefahr aussetzte. Fr. Wann macht man sich des groben Selbstmordes schuldig? Anlw. Wenn man sich selbst freiwillig und vorsätzlich das Leben nimmt. Belehrung. Grober Selbstmord ist es also, wenn man sich selbst gewaltsam und absichtlich tödtet durch Erschießen, Erstechen, Erhenken, Vergiften, Ertränken u. s. w. Ein solcher Selbstmörder begeht ein dreifaches Verbrechen: 1) ein Verbrechen gegen die göttliche Majestät; denn er beweist den abscheulichsten Undank und die ärgste Lieblosigkeit gegen Gott, der ihm das Leben geschenkt hat, und thut den strafbarsten Eingriff in die Rechte Gottes, der allein Herr ist über Leben und Tod. „Da wir nicht durch unfern eigenen Willen in diese Welt gekommen sind," sagt Lactantius, „so dürfen wir auch nicht aus ihr gehen ohne den Befehl Gottes, der uns in dieselbe gesetzt hat." — Er begeht 2) einVerbrechen gegen seine eigene Seele, die er ohne Erbarmen in die ewige Verdammniß stürzt; denn durch den Selbstmord begeht er eine furchtbare Todsünde, die er nicht mehr bereuen und Müssen kann. Mit Recht schreibt daher der heilige Isidor: „ Schon die Alten hielten die Selbstmörder für verdammungswürdig und ehrlos, schnitten die Hand ab, womit der Mörder sich Gewalt angethan hatte, und begruben sie, von dem Körper getrennt, indem sie es für Unrecht hielten, den Diener des Mordes mit dem übrigen Körper zu beerdigen. Wenn nun aber die Hand von den Menschen noch nach dem Tode bestraft wird, welche Strafe wird da die Seele empfangen, welche die Hand angetrieben hat!" Er begeht endlich 3) ein Verbrechen gegen die bürgerliche Gesellschaft und namentlich gegen die Seinen, denen er unbeschreibliche Trauer und Schmach bereitet; er reißt sich ja gewaltsam aus der Verbindung heraus, in welche ihn Gott zum Nutzen seiner Mitmenschen gesetzt hat. —> Weil nun der Selbstmord eine so entsetzliche Sünde ist, so versagt die Kirche dem Selbstmörder (ihm zur Strafe und Andern zur Abschreckung) das christliche Begräbniß. Beispiel und Anwendung. Ein armer Taglöhner ging im Winter 1762 früh Morgens in dem Gehölze bei London umher, und sammelte altes, abgefallenes Holz. Da bemerkt er einen wohlgekleideten Herrn, der mit einer traurigen, unruhigen Miene auf- und abgeht. Der Taglöhner hält ihn für einen Offizier, der sich etwa zu einem Zweikampfe hier eingefunden, und verbirgt sich hinter einer Eiche. Der Unbekannte nähert sich mit einem Blicke, der schon im voraus seinen verzweifelten Entschluß zu verrathen scheint, zieht nun eine Pistole ans der Tasche, besieht das Schloß, klopft den Stein mit einem Schlüssel, wirft den Hut auf die Erde, setzt sich in's Gras, legt die Mündung der Pistole an's linke Aug' und drückt mit der entschlossensten Verzweiflung los. Der Schuß versagt. — Nun springt der arme Mann hinter der Eiche hervor; er hatte das Vorhaben des Unbekannten entdeckt und schauderte, den zweiten Versuch abzuwarten. Schon den ersten würde er verhindert haben, wäre nicht die Ausführung des Frevels zu schnell der Vorbereitung gefolgt. Er fällt ihm in die Arme und windet ihm die zweite Pistole aus der Hand, ehe er sie ansetzen konnte. Der Fremde, wüthend über diese ungebetene Entwaffnung, greift nach dem Degen, um seinen Erretter niederzustoßen; dieser weicht nicht aus, sondern bleibt in vollkommener Fassung vor ihm stehen. „Stoffe nur zu!" ruft er; „ich fürchte den Tod ebensowenig, als du; aber an Geduld und Muth übertreffe ich dich. Seit zwanzig Jahren lebe ich in Kümmerniß, habe ein Weib, deren Glieder von der Gicht gelähmt sind, und fünf nackte, hilflose Kinder, die nach Brod schreien, das ich ihnen doch nicht geben kann; aber Gott will ich's überlassen, meinem Leiden ein Ende zu machen, nicht selbst das Joch des Elendes zerbrechen, das er mir auferlegt hat." Der Offizier wurde durch diese Worte gerührt; er blieb eine Zeitlang stehen, vergoß dann einen Strom von Thränen, zog seine Börse hervor, und gab sie dem Armen. Er ließ sich hierauf von demselben seinen Namen sagen, versprach geduldig, wie er, zu leiden, und die Last, die ihm auferlegt war, ruhig zu tragen, bis sie von höherer Hand ihm erleichtert oder abgenommen würde. — Ja, Mangel an Glauben und Vertrauen ist es meistentheils, der zum Selbstmorde führt; überdieß geben hiezu Anlaß: ein ausschweifendes Leben, schlechte Lectüre, falsches Ehrgefühl, Verstocktheit und Verzweiflung, wie es bei Judas der Fall war. (Matth. 27, 5.; Apstg. 1, 18.) Fr. Darf man niemals sein Leben oder seine Gesundheit einer Gefahr aussetzen? «99 Am Feierabende des 28. Oktober. Alltw. Niemals unnöthiger Weise, wohl aber, wenn höhere Pflicht es gebietet. Belehrung und Beispiele. Es kann verschiedene Fälle geben, in denen es nicht Sünde, sondern vielmehr Tugend ist, Gesundheit und Leben zu opfern; insbesondere ist dieß der Fall, wenn eine höhere Pflicht gegen Gott oder denNächsten es gebietetoder erlaubt, z. B. zur Rettung eines Menschenlebens, gegen Feinde des Vaterlandes, zur Vertheidigung und zum Bekenntnisse des Glaubens, bei der Krankenpflege zur Zeit einer Pest. Demnach darf ein Priester oder Arzt bei ansteckenden Krankheiten, ein Soldat im Kriege sich nicht seiner Pflicht entziehen, um sein Leben und seine Gesundheit zu schonen. — In dieser Beziehung haben sich die heiligen Märtyrer ausgezeichnet, die freudig Blut und Leben für den Glauben opferten; ebenso viele fromme Diener und Dienerinen Gottes, die sich im Dienste der Nächstenliebe aufzehrten; endlich auch gar manche edle Männer und Helden, die für's Vaterland starben, wie z. B. der edle Leopold von Oesterreich in der Schlacht bei Sempach im Jahre 1386. (Sieh das vorausgehende Bild!) Fr. Darf man sich selbst den Tod wünschen? Antw. Aus Mißmuth oder Verzweiflung nicht, wohl aber aus Verlangen, Gott nicht mehr zu beleidigen und dessen Anschauung zu genießen. Belehrung und Beispiele. Es kommt häufig vor, daß sich Menschen den Tod wünschen. Geschieht dich aus Mißmuth oder Verzweiflung, so ist es Sünde, keineswegs aber, wenn es geschieht aus Begierde, Gott nicht mehr zu beleidigen und seine selige Anschauung zu genießen. Von diesem heiligen Verlangen war beseelt der heilige Paulus, indem er ausrief: „Ich begehre aufgelöst zu werden und mit Christo zu sein" (Phil. 1, 23.); ebenso König David, der in die Worte heiliger Sehnsucht ausbrach: „Gleichwie ein Hirsch verlanget nach Wasserquellen, also verlanget meine Seele nach dir, o Gott! Wann werd' ich hjnkommen und erscheinen vor Gottes Angesicht?" (Ps. 41, 2 — 3.) Eben diese heilige Sehnsucht trugen unzählige andere heilige Diener und Dienerinen Gottes in ihren Herzen. „Könnte ich doch sterben," rief gar oft die heilige Theresia aus, „um nur meinen Gott zu lieben, ihn vollkommen zu lieben! Ich sterbe vor Schmerz, nicht sterben zu können." So oft sie die Uhr schlagen hörte, fteute sie sich, weil sie ihrem Gott und ihrer himmlischen Heimat wieder um eine Stunde näher gerückt sei. — Wohl dir, christliche Seele! wenn ein so heißes Sehnen nach Gott und dem himmlischen Vaterlande auch in deinem Herzen glüht! Legende: Die heiligen Apostel Simon und Judas. Von dieser heiligen Sehnsucht nach Gott und dem himmlischen Vaterlande waren auch die beiden Apostel Simon und Judas beseelt, deren Fest heute in der Kirche Gottes feierlich begangen wird. Freudig opferten sie daher ihr Leben im Dienste Gottes. — Der heilige Simon, mit dem Beinamen „Eiferer," stammte aus Kana in Galiläa. Durch die Worte und Wunder Jesu, sowie durch den vertraulichen Umgang mit ihm ward in dem heiligen Apostel das Feuer jener Liebe entzündet, das anzuzünden der Heiland gekommen ist. Nach dem Empfange des heiligen Geistes predigte er in Aegypten, Mauritamen, Cypern und in andern afrikanischen Orten das Evangelium, und nachdem er den Namen Jesu bis zu den brittischen Inseln unter vielen Leiden getragen hatte, opferte er durch den Tod des Kreuzes freudig sein Leben dem Heilande. >— Der heilige Judas, ein Verwandter Jesu, verließ auf den Ruf des Herrn seine Gemahlin, seine Kinder und Alles, was er besaß, und folgte dem armen Heilande nach, um dafür himmlische Güter zu erhalten. Nach der Sendung des heiligen Geistes soll er, nach Paulinus, in Libyen, einem Theile von Afrika, nach Andern in Palästina, Syrien, Mesopotamien und Großarmenien das Wort vom Kreuze gepredigt haben. Um das Jahr 63 war er bei der Bischofswahl des ihm verwandten heiligen Simeon, und bald darauf starb er den Tod eines Märtyrers, wahrscheinlich in Persien. 88 * 700 Viertes Hanptstück. Von den Versündigungen am geistigen Leben des Nächsten oder vom Seelenmorde rc. Gebet. O Gott, der du uns das Leben gegeben hast, damit wir dir dienen, verleihe uns, daß wir diese kostbare Gabe nach deinem heiligen Willen schätzen und treu bewahren, es aber auch, wie die heiligen Apostel Simon und Judas, freudig und bereitwillig hinopfern, wenn es deine Ehre und unser Seelenheil erfordert, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihundertlmdzweites Lesestück. Am Feierabende des 29. October. Von den Versündigungen am geistigen Leben des Nächsten ober vom Seelenmorde durch Aergerniß. Fr. Kann man dem Nächsten oder sich auch an der Seele schaden? Antw. Ja, und zwar durch das Aergerniß; denn dadurch tödtet man geistlicher Weise die Seele. Fr. Was ist das Aergerniß? Antw. Aergerniß ist es, wenn man Etwas redet, thut oder unterläßt, was dem Nächsten Gelegenheit zur Sünde gibt; oder wenn man aus dem Reden, Thun oder Lassen des Nächsten Gelegenheit zum Sündigen nimmt. Belehrung. Aergerniß kommt her von „ärgern, ärger oder schlimmer machen;" wenn also Einer Etwas spricht, thut oder unterläßt, wodurch er Gelegenheit dazu gibt, daß sein Nächster ärger oder schlechter wird, so gibt er Aergerniß, und man nennt dieß ein gegebenes Aergerniß; nimmt hingegen Jemand an Dem, was Einer redet, thut oder unterläßt, Anstoß, so zwar, daß er sich zur Sünde dadurch verleiten läßt, so heißt dieß ein genommenes Aergerniß. Fr. Welche machen sich daher der Sünde des Aergernisses im Allgemeinen schuldig? Antw. Alle Jene, welche auf irgend eine Art zum Bösen reizen, rathen, helfen, es gebieten oder gutheißen. Hievon wird noch ausführlicher gehandelt werden bei den fremden Sünden. Fr. Welche begehen aber diese Sünde ins« besonders? Antw. Diejenigen, 1) welche Dieben, Säufern, Spielern oder andern lasterhaften Menschen zu unerlaubten Zusammenkünften ihr Haus öffnen, 2) welche gottlose oder unzüchtige Reden führen, oder sich unehrbar kleiden, 3) welche schlechte Bücher und Bilder verbreiten. Belehrung. Man kann auf verschiedene Art Aergerniß geben durch Wort oder That, durch Reden oder Handlungen. Jnsbesonders aber geschieht dieß, wenn man 1) Dieben, Säufern, Spielern oder andern lasterhaften Menschen zu unerlaubten Zusammenkünften das Haus öffnet; daher sagt man schon im Sprüchworte: „Wäre kein Hehler, so gäbe es auch keinen Stehler;" 2) Wenn man gottlose oder unzüchtige Reden führt, schlechte Lieder singt oder sich unehrbar kleidet. „Eine unehrbar gekleidete Weibsperson," sagt der heilige Bernhard, „ist ein Werkzeug, dessen sich der Teufel bedient, um die Seelen zu Grunde zu richten." Und in Betreff der schlechten Reden und Lieder bemerkt er: „Die unkeusche Rede verunreinigt bald; und was man gerne hört und gerne sagt, pflegt man endlich auch zu thun." — 3) Gibt man Aergerniß, wenn man schlechte Bücher und Bilder verbreitet; denn Nichts wirkt nachtheiliger auf das Herz des Menschen, Nichts kann mehr zu Sünden und Lastern hinziehen, als ein schlechtes Buch, ein schlechtes Bild. Bücher, die schön geschrieben sind, aber dem Unglauben und dem Laster das Wort reden, gleichen einem goldenen Becher, der mit Rosen bekränzt, aber mit tödtlichem Gifte DM angefüllt ist. Und „ein schlechtes Bild an der Wand," sagt der heilige Augustin, „das z. B. den Ehebruch Jupiters darstellt, wie sehr entflammt es den Jüngling, der cs sieht, zur Sinnenlust!" Beispiele und Anwendung. Der heilige Ambrosius, Bischof von Mailand, ein Mann voll heiligen 701 Am Feierabende des 29. Oktober. Eifers für Gottes Ehre und seiner Heerde Seelenheil, suchte alle Aergernisse aus seiner Diöcese zu entfernen, weil er wußte, daß durch sie so viele Seelen gemordet und dem göttlichen Erlöser, der sie mit seinem kostbaren Blute erkauft hat, entrissen werden. Als er nun einmal an einem Festtage eine Dame in einem eitlen, unzüchtigen Putze in die Kirche kommen sah, woran viele Wollüstlinge Anlaß zur Sünde nehmen konnten, so sprach er zu ihr: „Wo geht Ihr hin?" — „Zur Kirche," antwortete sie. — „Man sollte glauben," erwiderte der Prälat, „Ihr ginget zum Tanze oder zum Schauspiele. Fort von hier, sündiges Weib! entferne Dich! Geh', deine Ausschweifungen im Geheim zu beweinen, und komme nicht hieher, Gott dem Herrn in seinem Hause durch deine Pracht und Eitelkeit Hohn zu sprechen und durch deine Schamlosigkeit Seelen für die Sünde und dadurch für die Hölle zu werben!" So sprach der heilige Bischof und verhinderte dadurch großes Aergerniß und viel geistliches Verderben. Möchten alle Putzsüchtigen die Worte dieses Heiligen zu Herzen nehmen und von ihrer sündhaften Leidenschaft abstehen! — Nicht minder verderblich, ja, ich möchte sagen, noch verderblicher wirkt auf Seele und Leib die Lesung schlechter Bücher. Mit Abscheu sollen wir uns daher von derselben abwenden, wie der heilige Aloysius. Als dieser in seiner Jugend einen Roman gefunden, den er nicht kannte, fing er darin zu lesen an, weil er ihn für ein gutes Buch hielt; kaum hatte er mehr als den Titel davon gelesen, so warf er es in's Feuer, lief davon und wusch sich die Hände, weil er mit den Fingern den Deckel berührt hatte, indem er überzeugt war, daß es für die Unschuld nichts Gefährlicheres und Traurigeres gebe, als diese Werke. — Aehnliches thaten auch die beiden Heiligen: Lu- cian und Marcian. Sie waren früher Heiden; als sie aber zum Christenthumc sich bekehrten, warfen sie ihre schlechten heidnischen Bücher alle in's Feuer. (Sieh das vorausgehende Bild!) Wahrlich, Nichts kann soviel Unheil in jugendlichen Herzen anrichten, als Romane. Mit Recht ermahnt daher der heilige Alphons Liguori: „Verbietet, o Hausväter! euern Kindern auf's Strengste, Romane zu lesen; denn sie lassen in den jungen Leuten gewisse schändliche Eindrücke zurück, die ihnen alle Andacht rauben und sie reizen, sich von Sünde in Sünde zu stürzen." Fr. Wodurch können auch Eltern und Vorgesetzte Aergerniß geben? Antw. Besonders durch schlechtes Beispiel, oder wenn sie das Böse nicht pflichtgemäß hindern. Belehrung und Beispiel. Das böse Beispiel der Eltern und Vorgesetzten wirkt äußerst verderblich auf ihre Kinder und Untergebenen; fruchtlos werden ihre schönsten Worte verhallen, wenn ihre Handlungen diesen Worten widersprechen. Ein Vater, der dem Trünke sehr ergeben war, untersagte seinem Sohne das Fluchen und Schwören und gab ihm zu bedenken, daß Gott Alles höre. „Kann er das wirklich?" fragte der Knabe; „kann er denn auch Alles sehen?" „Ganz gewiß" erwiederte der Vater. „Das thut mir leid für dich, lieber Vater! Dann hat er ja auch dich gestern Abends betrunken gesehen." Wehe den Eltern, die solcheVorwürfe aus dem Munde ihrer Kinder hinnehmen muffen! (fl um 212). Dieser heilige Bischof, dessen Fest auf den heutigen Tag fällt, erkannte gar gut das Verderben des Aerger- nisses, durch welches so viele Seelen zu Grunde gerichtet werden; daher warnte er nicht nur mit allem Nachdrucke vor demselben, sondern suchte es auch selbst auf alle mögliche Weise zu vermeiden und Alle, die ihn sahen und hörten, durch Wort und Beispiel zu erbauen. Der heilige Narcissu s war einer der vortrefflichsten Bischöfe von Jerusalem und verbreitete allenthalben Segen theils durch sein frommes Gebet, thcils, wie schon gesagt, durch sein erhabenes Tugendbeispiel, sowie durch seine öftern Ermahnungen zum Frieden und zur Eintracht. Im Jahre 195 wohnte er dem Concilium zu Cäsarea in Palästina bei, welches in Betreff der Osterfeier abgehalten wurde. Reich an Verdiensten starb er um 212 in dem hohen Alter von hundertsechzehn Jahren. Gebet. Verleihe uns, o Gott! auf die Fürbitte des heiligen Bischofs Narcissus, daß wir ja Niemanden ärgern, sondern Alle durch unser Wort und Beispiel erbauen und ihnen auf dem Wege zur Tugend und Heiligkeit vorleuchten nach dem Beispiele, das uns dein eingeborner Sohn gegeben hat, Jesus Christus, hochgelobt in Ewigkeit! Amen. 702 Viertes Hauptstück. Noch einmal vom Aergernisse. Dreihund ertunddrittes Lesestück. Am Feierabende des 30. October. Noch einmal vom Aergernisse. Fr. Was soll uns vom Aergernißgeben besonders abschrecken? Antw. 1) Der Gedanke, daß der Aergernißgeber ein Gehilfe des Satans ist, 2) die schrecklichen Folgen, welche aus dem Aergernisse oder der Verführung gewöhnlich hervorgehen, und 3) das furchtbare Weh, welches Christus über alle Aergernißgeber ausspricht. Belehrung. Da man der Seele des Nächsten durch das Aergerniß einen so entsetzlichen Schaden zufügt, so sollen wir dasselbe auf alle mögliche Weise meiden, und wir werden dieses thun, wenn wir 1) bedenken, daß der Acrger- nißgeber ein Gehilfe des Satans ist; „denn wie dieser von Anbeginn ein Mörder war," (Joh. 8, 44.) so mordet auch der Aergernißgeber durch Verführung die Seelen, welche Jesus mit seinem kostbaren Blute erkauft hat, nicht achtend die Mahnung des heiligen Paulus (Röm. 14, 15.): „Sei doch nicht Jenem zum Verderben, für welchen Christus gestorben ist!" 2) wenn wir bedenken die schrecklichen Folgen der Verführung, indem die Verführten gewöhnlich wieder Andere verführen, und so die Sünde immer sich fortpflanzt. Wurde nicht das ganze Menschengeschlecht durch die Nachkommen Kain's verdorben? Kain gab seinen Kindern ein schlechtes Beispiel, diese ihren Kindern und Kindeskindern u. s. f., bis endlich auch die Abkömmlinge Seth's angesteckt wurden. (1. Mos. 6.) 3) Wenn wir endlich bedenken den furchtbaren Ausspruch Jesu Christi: „Wer eines aus diesen Kleinen, die an mich glauben, ärgert, Dem wäre es bester, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt, und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde. Wehe der Welt um der Aergernisse willen! Wehe dem Menschen, durch den Aergerniß kommt!" (Matth. 18, 6—7.) Nicht ohne Grund hat der göttliche Heiland ein so furchtbares Weh' über den Aergernißgeber ausgesprochen; denn ein solcher Mensch wirft leichtsinnig die glimmenden Kohlen seiner Sünden umher, und oft, wenn er schon gestorben ist, fangen diese Kohlen zu brennen an, und der Rauch von diesem Brande zieht als eine Schandsäule um sein Grab, und die Sünden, deren Samen er ausgestreut hat, folgen ihm noch in die Ewigkeit nach. Beispiel und Anwendung. Diese traurige Erfahrung machte an sich selbst auf seinem Sterbebette Berengar, M» LAMM! Archidiakon zu Angres. Dieser halte durch seine Irrlehre viele Seelen verführt. Gegen das Ende seines Lebens bewegte ihn Gott; er schwur seine Jrrthllmer ab und bekehrte sich. Im Augenblicke seines Todes wird er plötzlich aufgeregt, unruhig; er fühlt Entsetzen. „Warum, mein Bruder, diese Unruhe, dieser Schrecken?" fragte der ihm beistehende Priester. „Gott ist die Barmherzigkeit selbst, hoffe auf ihn!" — „Ich weiß es," versetzte der Kranke, „und ich vertraue allerdings darauf, daß Gott auf meine Thränen Rücksicht nehmen und mir meine eigenen Sünden vergeben wird; aber die Sünden, wozu ich Andere veranlaßte, wird er auch die mir vergeben? Wehe! mir kommt cs vor, wie wenn die durch mich verlornen Seelen mich am Richterstuhle Gottes erwarteten, um Rache zu fordern, wie wenn Jesus Christus im Innersten meines Herzens die erschreckende Stimme ertönen ließe: Wo ist Der, wo ist Die, welche du vernichtet hast?" — Nur mit der größten Mühe konnte man ihn beruhigen; glücklich, wenn seine Reue und Buße hinreichend waren, bei dem höchsten Richter den Verlust der Seelen vergessen zu machen, die er ihm entrissen hatte! — Erkenne hieraus, mein christlicher Leser! die traurigen Folgen des Aergernisses und hüte dich auf alle mögliche Weise vor demselben; mache es wie der heilige Paulus, der an die Ko- rinthier schreibt (I. 8, 13.): „Wenn eine Speise meinen Bruder ärgert, so will ich kein Fleisch essen in Ewigkeit, damit ich meinen Bruder nicht ärgere." Fr. Was muß man thun, wenn man dem Nächsten am Leibe oder an der Seele geschadet hat? Antw. Man muß nicht nur die Sünde bereuen und beichten, sondern auch das verursachte Nebel, soviel wie möglich, wieder gut machen. ! 7»3 Am Feierabende des 30. October. Belehrung. Wenn man seinem Nebenmenschen 1)am Leben oder an der Gesundheit geschadet hat, so muß man diese Sünde nicht nur bereuen und beichten, sondern auch den Schaden wieder gut machen; denn jedes Unrecht, jede Beschädigung an Leib und Leben verlangt Ersatz. Wurde z. B. durch unsere Schuld Jemand verstümmelt, so müssen wir ihm die Heilkosten, Zeitversäumniß u. s. w. vergüten. Wurde Jemand ungerechter Weise getödtet, so kann zwar der Mörder das Leben nicht zurückgeben, aber er muß den Hinterlassenen des Gemordeten, z. B. dessen hilfsbedürftigen Eltern, Frau und Kindern Ersatz leisten, d. h. er muß sie ernähren, verpflegen und unterstützen in der Weise, wie anzunehmen ist, daß es der Gemordete gethan haben würde. — Hat man aber seinem Nächsten 2) an der Seele ge- schadet durch Aergerniß oder Verführung, so genügt es nicht, wenn der Aergernißgeber seine Sünden bereut und beichtet und selbst sein Leben ändert, sondern er muß auch Jene, die er zur Sünde verleitet hat, zur Tugend wieder zurückzubringen suchen; d. h. er muß 1) für Diejenigen beten, die er direct oder indirect geärgert hat, und 2) gerade die entgegengesetzten Beispiele und Aeußerungen von Dem geltend machen, was er sich vorzuwerfen hat. Eine Person z. B., die durch schlechte Gespräche, schlechte Lieder, böse Grundsätze und Jrrthümer Aergerniß gegeben hat, muß diese auf geeignete Weise wieder zurücknehmen, um sie vergessen zu machen u. s. w. Beispiele und Anwendung. Auf solche Weise hat z. B. Maria Magdalena das gegebene Aergerniß wieder gut gemacht; denn sie that öffentlich Buße für die Sünden, durch welche sie öffentliches Aergerniß gegeben hatte. (Sieh das vorausgehende Bild!) So machte auch Zachäus den Schaden wieder gut, den er Andern zugefügt hatte, indem er die Hälfte seiner Güter den Armen gab, und Jenen, die er betrogen, es vierfach ersetzte. — In der neuern Zeit hat uns der berühmte Franzose La Fontaine in dieser Beziehung ein gar schönes Beispiel gegeben. Dieser hatte schlechte Bücher geschrieben und dadurch viel Unheil und Verderben angerichtct. Als er nun bedenklich erkrankte, ließ er sogleich den Pater Pouget rufen und legte unter vielen Thränen eine Generalbeicht ab. Bevor er aber das heilige Abendmahl empfing, bat er in Gegenwart der Herrn von der Akademie, welche er zu sich gebeten hatte, Gott um Vergebung und betheuerte, daß es ihn reue, seine Erzählungen geschrieben zu haben, daß er sie verabscheue, und daß, wenn er seine Gesundheit wieder erlange, er seine Talent« nur auf moralische und fromme Arbeiten verwenden würde. Er starb erst zwei Jahre nach dieser Krankheit und hatte indeß die Uebersetzung der Kirchenhymnen begonnen, und als man ihn nach seinem Tode entkleidete, fand man seinen Leib mit einem härenen Hemde bedeckt. — Möchten alle Aergernißgeber auf ähnliche Weise den angerichteten Schaden wieder gut zu machen suchen, bedenkend die Worte des heiligen Eusebius: „Wer durch Aergerniß Viele zu Grunde gerichtet hat, der kaufe sich durch die Erbauung Vieler von seiner Schuld los." Legende: Der heilige Hauptmann Marcellus, Märtyrer (ch 298). Während der Verfolgung, welche unter Kaiser Maxi- mianus Herkuleus über die Christen ausbrach, waren Manche so schwach, im Angesichte der furchtbaren Martern ihren Glauben zu verläugnen und dadurch ihre Glaubensgenossen zu ärgern. Dieses Aergerniß suchte aber der heilige Marcellus, dessen Leidensgeschichte uns am heutigen Tage im Marthrologium erzählt wird, dadurch gut zu machen, daß er mit bewunderungswürdiger Standhaftigkeit seinen heiligen Glauben bekannte. Er war Hauptmann in der trojanischen Legion. Als nun die Soldaten dieser Legion am Geburtstage des Kaisers den Göttern opfern sollten, trat Marcellus aus ihren Reihen hervor, warf die Waffen und die Zeichen seines Ranges von sich und rief: „Wenn es das Loos des Soldaten ist, todten Götzenbildern und sterblichen Fürsten göttliche Ehre erweisen zu müssen, so entsage ich der Fahne und will nicht mehr dienen." Darüber wurde er angeklagt und zum Tode verurtheilt. Freudig starb er für Christus und erbaute durch seinen heiligen Muth und seine Standhaftigkeit Alle, die ihn leiden und sterben sahen, so daß durch sein Beispiel Viele für das Christenthum gewonnen wurden. Noch auf dem Richtplatze sprach er zu seinem Richter die eines heiligen Märtyrers würdigen Worte: „Gott wolle dir 704 Viertes Hauptstück. Was das fünfte Gebot Gottes von uns verlangt. deine Grausamkeit mit Gutem vergelten!" Und so starb dieser christliche Glaubensheld um das Jahr 298. Gebet. Wir bitten Dich, himmlischer Vater! stärke uns, auf daß wir durch unser Beispiel Alle erbauen, wie der heilige Haupt- mann und Märtyrer Marcellus, und alle gegebenen Aergernisse durch wahre Buße und Besserung unsers Lebens wieder gut machen, — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihlmdertundviertes Lesestück. Am Feierabende des 31. Oktober. Was das fünfte Gebot Gottes von uns verlangt. Fr. Was fordert das fünfte Gebot von uns? Antw. 1) Daß wir das natürliche und übernatürliche Leben au uns sowohl, als auch an dem Nächsten zu erhalten und zu befördern suchen, und 2) daß wir überhaupt in Frieden und Eintracht mit unfern Mitmenschen leben. Fr. Wie können und sollen wir das übernatürliche und natürliche Leben in uns selbst erhalten und befördern? Antw. Das übernatürliche L eben in uns können und sollen wir dadurch erhalten und befördern, daß wir für das Heil unserer unsterblichen Seele sorgen, das natürliche Leben aber dadurch, daß wir auch für unfern Leib, als den Träger der Seele, vernünftige Sorge tragen. Belehrung. Vor Allem müssen wir für unsere unsterbliche Seele sorgen, indem wir ihr durch den Empfang der heiligen Sakramente, durch Gebet und Betrachtung jene höhere Nahrung geben, ohne welche sie ihr übernatürliches Leben verlieren müßte, und indem wir Alles vermeiden, was unserer Seele Tod und Verderben bringen könnte. Denn was hilft uns das Leben des Leibes, wenn die Seele todt ist? „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber an seiner Seele LKL3W Schaden leidet?" (Matth. 16, 26.) Dieß war von jeher die erste und vorzüglichste Sorge aller Heiligen und Frommen. Dann sollen und dürfen wir aber auch auf eine vernünftige Weise für unfern Leib, für das Leben und die Gesundheit desselben sorgen; denn er ist der Träger der Seele. Wir sollen ihm daher stets die gehörige Nahrung geben, auf geregelte Ordnung, auf Reinigtest der Seele und Reinlichkeit des Körpers, auf Ruhe und Mäßigkeit u. s. w. sehen. Im Erkrankungsfalle müssen wir aber alle zur Wiederherstellung der Gesundheit nöthigen Mittel anwenden, den Arzt rufen und die Arzneimittel gehörig nehmen, besonders aber müssen wir mäßig sein im Genüße der Speisen und Getränke, mit aller Sorgfalt jedes Laster meiden, als 705 Am Feierabende Trunkenheit, Unzucht und jede Leidenschaft des Zornes, der Rachsucht u. s. w. mit Macht unterdrücken. Beispiel und Anwendung. Der verstorbene Kardinal und Erzbischof Solis zu Sevilla, ein sehr rechtschaffener und allgemein hochgeschätzter Mann, der das seltene Glück genost, ein heiteres Alter von hundertnndzehn Jahren zu erreichen, äußerte sich öfters folgendermaßen in Hinsicht seiner geführten Lebensweise, durch welche er so gesund geblieben, und so alt geworden ist: „Ich lebte in niemer Jugend, wie im hohen Alter, und darum bin ich nun in meinem hohen Alter jung. Ich führte ein nüchternes, mit Nachdenken, Betrachten und Studiren beschäftigtes, doch keineswegs anhaltend sitzendes oder trauriges Leben. Meine Nahrungsmittel waren sparsam, aber gesund und gut. Ich trank wenig, ging täglich in die freie Luft, und beim Regenwetter unter einem bedeckten Gange. Diese Lebensart erhielt meinen Leib gesund. Aber zum Altwerden gehört auch eine gesunde Seele, und die meinige hielt sich genau an die moralische Lebensordnung, die uns von der Religion vorgeschrieben ist. Ihr habe ich es zu verdanken, daß mein Leben ohne Krankheit, folglich ohne Kummer bis zu dem Patriarchenleben dauerte. Jetzt bin ich wie ein reifes Samenkorn, das seiner Verwandlung entgegensproßt." — O daß wir Alle, mein christlicher Leser! Äehnliches auch von uns sagen und uns hiedurch auch zugleich das beseligende Zeugniß geben könnten, dem fünften Gebote Gottes treulich entsprochen zu haben, indem wir für unfern Leib und für unsere Seele zu sorgen uns angelegen sein ließen! Fr. Wie können und sollen wir das natürliche und übernatürliche Leben in unfern Nächsten erhalten und befördern? Antw. Dadurch, daß wir nach unfern Kräften die Wohlfahrt sein es Leibes, besonders aber das Heil seiner unsterblichen Seele uns angelegen sein lassen. Belehrung. In Bezug auf den Nächsten fordert das fünfte Gebot im Allgemeinen von uns alles Das, was die christliche Nächstenliebe fordert, daß wir nämlich seine leibliche Wohlfahrt befördern, indem wir gut und verträglich, liebreich und wohlthätig gegen denselben sind, ganz besonders aber müssen wir uns das Heil seiner unsterblichen Seele angelegen sein lassen, indem wir ihn durch gutes Beispiel erbauen, durch Wort und That zum Guten anweisen und vom Bösen zurückhaltcn. Ja, es gibt nichts Edleres und Höheres, als eine unsterbliche Seele retten, die da erlöst ist durch das kostbare Blut Jesu Christi. Daher haben sich dicß auch alle frommen Diener Gottes stets zur vorzüglichsten Aufgabe ihres Wirkens und Strebens gemacht. Mehler, Hausbuch. des 31. Oktober. Beispiel und Anwendung. Zu dem christlichen Einsiedler Nilus, der im zehnten Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung wegen seiner weisen Rathschläge und seiner großen Armuth sehr berühmt war, kam eines Tages ein mächtiger Monarch, Kaiser Otto III., und sprach zu ihm: „Begehre von mir, was du willst; ich betrachte dich als meinen Sohn und werde es dir mit Freuden gewähren." Der heilige Nilus legte dem Kaiser die Hand auf's Herz und sagte: „Das Einzige, was ich von dir begehre, ist, daß du an das Heil deiner Seele denken mögest. Obgleich du Kaiser bist, wirst du doch sterben, und gleich andern Menschen — Gott Rechenschaft geben müssen." — Welch' wunderbare Antwort! Der christliche Einsiedler begehrt gar Nichts für sich; er wendet seine Fürsorge nur dem Seelcnheile des mächtigen Gönners zu. Was hätte Nilus nicht Alles verlangen können? Und doch wollte er nur eine Seele retten. Welch' ein erhabenes Beispiel von christlicher Nächstenliebe und von heiligem Eifer für fremdes Seelenheil! Das heißt thun, was das fünfte Gebot Gottes in Bezug auf das geistliche Wohl unserer Mitmenschen von uns verlangt. Fr. Was gebietet uns also das fünfte Gebot ganz besonders in Bezug auf unfern Nächsten? Antw. Daß wir in Friede und Eintracht mit demselben leben, weil dadurch das Leben verlängert und verschönert wird. Belehrung und Beispiel. Wie Zorn, Haß und Feindschaft das Leben verbittern und abkürzen, ebenso verlängert und verschönert Friede und Eintracht dasselbe; was die freundliche Sonne dem Tage, das ist Friede und Eintracht dem menschlichen Leben. O wie angenehm ist dieses Leben, wenn Gottes Friede herrscht, wenn in Kirche und Staat, wenn in Dörfern und Städten die Schlange der Zwietracht mit Füßen getreten und der Segen des Friedens überall hin verbreitet wird. (Sieh das vorausgehende Bild!) Daher ruft der heilige Gregor vonNyssa aus: „Was ist dem Menschen unter allen Dingen, die im Leben süß und angenehm sind, süßer als ein friedliches Leben? Was man immer nennen mag von allen Gütern der Erde, immer bedarf es des Friedens, auf daß es wirklich gut und angenehm sein könne." Schätze daher den Frieden und die Eintracht überaus hoch, mein christlicher Leser! und sei friedfertig alle Tage deines Lebens! Ahme das schöne Beispiel des Patriarchen Abraham nach. Dieser war mit Lot nahe verwandt; beide waren sehr reich und gesegnet. Nun aber bekamen ihre Hirten Streit miteinander wegen der Weideplätze. Dieses that dem friedfertigen Abraham sehr leid. „Mein lieber Vetter!" sprach er zu Lot, „ich bitte 89 706 Viertes Hauptstück. Sechstes Gebet Gottes. Das sechste Gebot verbietet: Unkeuschheit rc. dich, laß doch keinen Zank sein zwischen mir und dir, zwischen meinen und deinen Hirten! Denn wir sind ja Brüder. Sich das ganze Land steht dir offen. Ich bitte dich, scheide von mir! Willst du zur linken Hand ziehen, so bleibe ich zur Rechten- oder willst du zur Rechten, so ziehe ich zur Linken." Abraham war mächtiger und älter als Lot; dennoch wich er, der Stärkere, dem Schwächern und gab den schönsten Theil des Landes dahin, um nur den Frieden zu erhalten. Er sah gar nicht auf seinen Nutzen. Er sah nur darauf, wie schön, gut und gottgefällig es ist, wenn Brüder in Frieden und Eintracht leben. Ja, so sollen wir es Alle machen, meine Christen! „Selig sind ja die Friedfertigen; denn sie werden Kinder Gottes genannt" — auf Erden, und werden es ewig sein im Himmel. Legende: Der heilige Wolfgang, Bischof von Rege ns bürg (ff 994). Heute feiern wir das Andenken eines großen und heiligen Dieners Gottes, des heiligen Bischofs Wolfgang, den man mit vollem Rechte einen treuen Beobachter des fünften göttlichen Gebotes nennen kann; denn er sorgte auf alle mögliche Weise für sein und seiner Heerde geistliches und leibliches Wohl und war bemüht, überall Friede und Eintracht zu stiften und zu erhalten. St. Wolfgang, aus Schwaben gebürtig, erhielt seine wissenschaftliche und sittliche Ausbildung in dem berühmten Kloster Reichenau, wo er auch mit Heinrich, dem nachmaligen Bischof von Trier, so innige Freundschaft schloß, daß dieser ihn nie mehr von seiner Seite ließ. Als aber Heinrich frühzeitig starb, begab sich Wolfgang in das Kloster Einsiedeln, um daselbst Gott und seinem Seelenheile in stiller Abgeschiedenheit zu dienen. Bald lernte ihn aber hier der heilige Ulrich, Bischof von Augsburg, kennen, nahm ihn mit sich und weihte ihn zum Priester. Nun begab sich Wolfgang, getrieben von heiligem Eifer, Gott dem Herrn Seelen zu gewinnen, nach Ungarn, um daselbst als Missionär die Lehre Christi zu verkünden. Allein er konnte bei jenem, damals noch rohem Volke wenig ausrichten; daher kehrte er nach Bayern zurück und ließ sich in Passan nieder, wo ihn der dortige Bischof Piligrin mit Freuden aufnahm und ihn dem Kaiser Otto U. empfahl. Auf solche Weise wurde er alsbald zum Bischöfe von Negensburg gewählt, obschon er sich aus allen Kräften dagegen sträubte. Als solcher stand er nun seiner geistlichen Heerde mit heiligem Eifer und weisen Lehren vor. Er hatte den schönen Wahlspruch: „Was Hilst es, das Kleid der Heiligkeit ohne die Werke zu tragen?" Für seine zeitlichen Güter, die er den Armen gab, belohnte ihn Gott der Herr mit den Gütern des Himmels am 31. October 994. Gebet. Wir bitten dich, o Gott! lehre uns, daß wir ebenso eifrig, wie der heilige Bischof Wolfgang, unser und unserer Mitmenschen geistliches und leibliches Wohl befördern und stets in Friede und Eintracht mit einander leben — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihimdertlmdsüilstes Lesestück. Am Feierabende des 1. November. Sechstes Gebot Gottes. Das sechste Gebot verbietet: Nnkeuschheit, unkeusche Blicke, ausgelassene Kleidertracht, schlechte Reden und Lieder. Fr. Was wird durch die Worte des sechsten Gebotes: „Du sollst nicht ehebrechen!" verboten? Antw. Nicht bloß der Ehebruch, sondern jede Art von Uukeuschheit und Alles, was irgendwie zur Unkeuschheit verleitet, weßhalb dieses Gebot auch sonst allgemeiner mit den Worten ausgedrückt wird: „Du sollst nicht Unkeuschheit treiben!" Belehrung. Das sechste Gebot verbietet sonach 1 )alle Sünden der Unkeuschheit, also nicht bloß jede unanständige Handlung, über welche man vor sich selbst erröthen müßte, z. B. sündhafte Freiheiten, unziemliche Vertraulichkeiten, unkeusche Berührungen, die man sich allein oder mit Andern erlaubt; nicht nur jene furchtbaren Laster des Ehebruches, der Hurerei, der Blutschande, der Selbstbefleckung re., sondern auch jedes unanständige Wort, jede unkeusche Rede, jeden muth- Am Feierabende des 1. November. 707 ME MS- ,.... .^2 - Belehrung und Beispiele. Schon der weise Sirach (9, 7—8.) ruft uns in dieser Beziehung zu: „Gaffe nicht auf den Straßen der Stadt umher! ... Wende dein Angesicht von einem geputzten Weibe ab und blicke nicht nach fremder Schönheit!" Ja freilich, denn die Augen sind die Fenster, durch welche die Unkeuschheit in unser Herz einsteigt, wie der heilige Augustin es ausspricht mit den Worten: „Sobald die Augen sich durch Blicke zu ergötzen suchen, bemächtigt sich die Sünde des Herzens." Und der heilige Chrysostomus sagt: „Gefährliche Blicke werden das Feuer der Unreinigkeit in cuerm Herzen anfachen; eS wird sich darin wie in einem Brennofen entzünden und eine große Brunst verursachen." Eine fromme Schwester in dem großen Hospitale cko Ilieu zu Paris war äußerst vorsichtig mit ihren Augen (sieh nebenstehendes Bild!); nie blickte sie Jemanden in's Gesicht, wenn sie mit ihm redete. Einst fragte man sie nun, warum sie den Leuten, mit welchen sic rede, nie in das Gesicht sehe? Darauf antwortete sie: „Wozu ist das gut, da man doch nur mit der Zunge redet?" — David's Augen hätten nicht so viele Thränen vergießen dürfen, wenn er seine Blicke hätte beherrschen können. willigen Scherz, alle unkeuscheu Gesänge und Lieder, kurz Alles, was die Schamhaftigkeit auch nur verletzt. Daher ermahnt der heilige Paulus die Christen zu Ephesus (5, 3—4.): „Unreinigkeit soll unter euch nicht einmal genannt werden, wie es Heiligen geziemt, weder Schamlosigkeit noch Zotten." — Das sechste Gebot verbietet aber auch 2) Alles, was zur Unkeuschheit führt. Fr. Was verleitet meistens zur Unkeuschheit? AlltW. Zur Unkenschheit verleitet: 1) Vorwitz der Augen, 2) unehrbare Kleidertracht, und 3) schmeichlerische und verführerische, besonders aber unkeusche Reden und Lieder. Fr. Warum führt der Vorwitz der Augen gar leicht zur Unlauterkeit? Antw. Weil die Augen die Fenster und Thüren sind, durch welche die Sünde der Unlauterkeit aus - und eingeht. Fr. Warum verleitet die unehrbare Kleidertracht zur Ünkeuschheit? Antw. Weil sie ein Fallstrick ist, welcher gelegt wird, um Andere in's Laster zu ziehen. Belehrung. Mit Recht sagt der heilige AugTistin: „Je mehr der äußere Mensch, d. i. der Leib gepflegt und geziert wird, desto mehr wird der innere Mensch vernachlässigt und in Schaden gebracht," und der heilige Ephrem: „Wer nach Putz und Auszeichnung in Kleidern strebt, wird seiner Seele schaden; denn wer schöne Kleider liebt, liebt wohl die Tugend der Keuschheit wenig oder gar nicht, und geht in der Regel nur darauf aus, Andere zu verführen und zu verblenden." Fr. Können auch verführerische, schmeichlerische und un keusche Reden und Lieder zur Unlauterkeit verleiten?' 89 * 7V8 Viertes Hauptstück. Das sechste Gebot verbietet: schlüpfrige Bücher und schändliche Bilder rc. Antw. Ach ja, nur zu leicht; denn dadurch werden gar viele unschuldige, besonders noch unerfahrne Seelen gefangen und in's Verderben gestürzt. Belehrung und Beispiele. Die Schmeichler und Verführer gleichen den Bienen, die zwar Honig im Munde führen, die aber auch zugleich einen Stachel haben, womit sie verwunden. Daher traue ihnen nicht, meine christliche Seele! „Wenn dich die Sünder locken," sagt die heilige Schrift, „so folge ihnen nicht! Wenn sie sagen: Komm mit uns! so gehe nicht mit ihnen!" (Spr. 1, 10 —11.) — Ebenso aber hüte dich auch vor Jenen, die unkeusche Reden führen oder schlechte Lieder singen. Der heilige Augustin nennt jene Menschen, welche dieses Laster an sich haben, Gehilfen des Teufels, und mit Recht. Denn was dieser durch seine Eingebungen nicht bewirken kann, DaS erlangen jene durch ihre unkeuschcn Reden. Ein frommer Diener Gottes sah einmal im Geiste, während er betete, zwei Knaben in einem Zimmer spielen. Weil sie noch fromm und unschuldig waren, ging Alles ehrbar zu. Er sah viele Teufel um die Knaben herum, welche bemüht waren, ihnen böse Gedanken einzuflößen; aber es gelang ihnen gar nicht, lieber eine Weile kam ein dritter Knabe; da flohen die Teufel alle aus dem Zimmer. Der Diener Gottes dachte: „Das muß ein frommer und tugendhafter Knabe sein, daß er durch seine bloße Gegenwart die Teufel vertreibt." Aber wie sehr täuschte er sich! Die Teufel waren entflohen, weil sie wohl wußten, daß dieser dritte Knabe mit seiner unehrbaren Zunge bald mehr BöscS stiften würde, als sie alle zusammen hätten ausrichten können. Denn nach kurzem freundlichen Gespräche brachte dieser böse Knabe allerlei unreine Erzählungen vor, worüber die beiden unschuldigen Knaben anfangs lachten, hernach Das lernten und endlich mit Begierden und Werken ausübten, was sic bisher nicht wußten. So vollbringt eine unkeusche Zunge in kurzer Zeit Das, wo der Teufel manchmal lange zu thun hat, bis er Etwas ausrichtet. Von solchen gottlosen Zungen sagt der heilige Jakobus (3, 6.): sie seien ein Feuer, entzündet von der Hölle; ein Feuer, das die Hölle selbst angeschürt hat; denn wer unkeuschc Reden führt, stürzt sich und Den, der ihn anhört, in die Flammen der Hölle. Legende: Das Fest aller Heiligen. Wie sehr verabscheuten und haßten alle Heil! gen, deren Festtag heute in der Kirche Gottes so feierlich begangen wird, die so eben näher bezcicbueten Sünden gegen das sechste Gebot! Wie vor einer giftigen Schlange, MM MW so flohen sie vor jeder Sünde der Unlauterkeit, nicht nur vor jeder nukeuschen Handlung, sondern auch vor jedem unreinen Blicke, vor jedem unreinen Worte; dagegen übten und liebten sie die herrliche Tugend der heiligen Neinigkeit. Dadurch sind sie Heilige geworden, und nun erfreuen sie sich der ewigen Anschauung Gottes, des Reinsten und Heiligsten. Folgen wir ihrem Beispiele und rufen wir sie besonders heute um ihre mächtige Fürbitte an, indem wir mit der Kirche beten: Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! du lassest uns die Verdienste aller Heiligen an Einem Tage feiern; wir bitten dich, sieh auf die große Schaar der Anserwählten, sowie auf ihre fromme Fürbitte für uns, und verleihe uns, daß wir an Tugend und an Gnade bei dir immer mehr zunehmen, durch Christum, unfern Herrn. Amen. DreilMdertundsechstes Lesestnck. Am Feierabende des 2. November. Das sechste Gebot verbietet: schlüpfrige Bücher und schändliche Bilder, nächtliche Zusammenkünfte und allzu freien Umgang mit dem andern Geschlechte. Fr. Wodurch werden die Menschen noch ferner gewöhnlich zur Unlauterkeit verleitet? Am Feierabende des 2. November. 709 Antw. 1) Durch schlechte Bücher und Bilder, 2) durch nächtliche Zusammenkünfte und durch allzufreien Umgang mit dem andern Geschlechts. Fr. In wieferne verleiten schlechte Bücher und Bilder zur Unkeuschheit? Antw. Sie vergiften das Herz, ertödten in ihm alle höheren religiösen Gefühle und erfüllen es mit unreinen Dingen. Belehrung und Beispiele. Die schlechte Bücher lesen oder unreine Bilder betrachten, gleichen einem Menschen, der aus einem Giftbecher trinkt. Wie bald, wie gar bald muß da die Unschuld des Herzens erblassen und dem Würgengel der Unzucht Platz machen! Wahrlich, wer an schlechten Büchern Wohlgefallen findet, Der kann sich nicht lange mehr erfreuen an Gott und göttlichen Dingen. „Ich liebte den Herrn," schreibt die heilige Theresia von sich selbst, „er allein besaß mein ganzes Herz; aber ich las von jenen Büchern, die man für unterhaltend ausgibt, und bald verlor ich allen Geschmack an den Andachtsübungen, die guten Gesinnungen wurden in mir so geschwächt, daß viele Fehler in mein Herz sich einschlichen. Ich fing an, mich zu schmücken, verlangte auch Andern in der Gestalt und durch Putz zu gefallen, hatte eine besondere Sorgfalt, schöne Hände und Haare zu haben, wohlriechende Sachen zu tragen, und andere eitle Dinge mehr, so viel ich deren bekommen konnte. Ich entfernte mich vom Tisch des Herrn, mein Herz sagte mir Nichts mehr von Gott, ich sing an zu lieben die Welt, zu lieben die Lustbarkeiten, zu lieben....— Gott! wie weit wäre ich gekommen, wenn du mich nicht zurückgeführt hättest! Ich hatte zwar in diesem Allem keine böse Absicht, und nie war es mein Wille, Gott dadurch zu beleidigen; aber jetzt sehe ich ein, wie sehr ich gefehlt habe." — Wenn nun die Lesung solcher Bücher auf Theresia, die in der Gottesfurcht und Frömmigkeit schon so große Fortschritte gemacht hatte, so nachtheilig wirkte, welch' schädliche Folgen muß sie auf Söhne und Töchter haben, deren Herz von der Liebe Gottes noch nicht so durchdrungen und beseelt ist! Jünglinge und Jungfrauen! Wie manche aus euch müssen sich sagen: Auch ich lebte einstens in Unschuld und in der Furcht des Herrn; ich las in diesen unheilbringenden Büchern, und lernte, leider! in denselben, was ich besser niemals gewußt hätte. O verabscheuet, ich bitte euch, solch' verderbliche Bücher; weiset sie von euch, ja, werfet sie in's Feuer, wie der heilige Cyprian, der Magier, welcher alle seine schlechten Bücher vor den Augen seines Bischofs in's Feuer warf. (Sieh das nebenstehende Bild!) Fr. Was ist der Unschuld ganz besonders verderblich? Antw. Schlechte Gesellschaften. nächtliche Zusammenkünfte und sündhafte Bekanntschaften. Belehrung und Beispiele. Nur zu wahr ist das Sprüchwort: „ Ein böser Gesell führt Viele in die Höll'." Für die Keuschheit gibt es daher nicht leicht etwas Gcfährliche- U^res, als Gesellschaften, wo es lustig zwischen Personen beiderlei Geschlechtes hergeht. „ Mit den Heiligen wirst du heilig sein und mit den Verkehrten verkehrt." (Ps. 17, 27.) Gehst du mit Guten um, so wirst du auch gut sein; gehst du mit Unzüchtigen um, so wirst du auch bald selbst unkeusch sein. Der heilige Thomas von Aguin sagt, daß der Mensch ebenso ist, wie Diejenigen, mit denen er umgeht. 7IV Viertes Hauptstück. Das sechste Gebot verbietet: Der Gute steckt nie die Bösen an; stets geht es umgekehrt. — Ein wahrhaft tödtendes Gift für die Unschuld sind insbesondere die nächtlichen Zusammenkünfte zu Zweien; so wenig es möglich ist, daß das Stroh nicht brenne, wenn man Feuer hinhält, ebenso wenig ist es möglich, daß nicht auch die unreine Lust entbrenne, da wo zwei Personen verschiedenen Geschlechtes, ungesehen von einem menschlichen Auge, bei nächtlichen Besuchen sich allein gegenüber stehen. „Wie ist es auch möglich, sagt der heilige Cyprian, daß man, von Flammen umgeben, nicht brenne?" — Hieraus erhellt auch zugleich zur Genüge, wie verderblich jene sündhaften Bekanntschaften sind, die unter jungen Leuten oft Jahre lang unterhalten werden. — Der heilige Franz von Sales schildert das Verderben derselben in folgendem Gleich- niß: „Gar sehr schadet der Nußbaum den Weinbergen und Feldern; denn da er sich sehr ausbreitet und vielen Raum einnimmt, entzieht er der Erde alle Säfte, und diese vermag es dann nicht fürder, die übrigen Pflanzen sattsam zu nähren, lleberdieß sind die Blätter desselben so zahlreich und dicht, daß sie einen breiten und starken Schatten werfen und sowohl den befruchtenden Regen als auch die Einwirkung der gedeihlichen Sonnenstrahlen aufhalten. Endlich lockt dieser Baum die Vorübergehenden an, welche, seine Früchte zu gewinnen und herabzuwerfen, Alles ringsherum verderben und zertreten. Ebenso nachteilig sind Liebeleien der Seele; denn sie bemächtigen sich derselben so gewaltig und erschöpfen ihre Empfindungen so sehr, daß ihre Kräfte dann zu keinem guten Werke mehr genügen; die Blätter aber, d. h. ihre Unterredungen, Gesellschaften und verliebten Worte sind in so großer Anzahl, daß sie alle ihre Muße verschlingen und den Zufluß heilsamer Gedanken und das Einwirken der himmlischen Gnadcnstrahlen hemmen und aufhalten. Endlich locken sie so vielerlei Versuchungen, Zerstreuungen, eifersüchtige Gedanken und andere Feinde des Seelenfriedens herbei, daß das Herz dadurch vollends verdorben und zertreten wird." — O wie viele unglückselige junge Leute gewinnt der Teufel auf solche Weise! — Mit Recht nennt daher der heilige Hieronymus solche Bekanntschaften den Todeskampf der sterbenden Keuschheit, den Baum der Sünde und die Bisse der höllischen Schlange. Legende: Allerseelentag. O wie viele arme Seelen, für welche wir nach der Anordnung der Kirche besonders am heutigen Tage beten sollen, werden wohl in den Qualen des Reinig- ungSortcs schmachten, weil sie in der Wahl ihrer Lektüre und ihrer Gesellschaften nicht vorsichtig genug gewesen Besuch der Schauspiele und Tanzplätze. . -> sind! Lernen wir von ihnen Weisheit und seien wir vorsichtig besonders in allen Dingen, die sich auf die heilige Reinigkeit beziehen; leben wir rein und keusch, auf daß wir einst nicht erst gereinigt werden müssen im Reinigungsorte! Ja, mein christlicher Leser! wir sollen heute nicht nur für die armen Seelen beten, sondern auch den heiligen Entschluß fassen, von nun an so zu leben, daß wir einst nicht in das Fcgfeuer, sondern in den Himmel kommen; daher beten wir zu Gott: Gebet. O Gott, du Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen! verleihe den Seelen deiner Diener und Dienerinen Vergebung ihrer Sünden, damit sie durch unser demüthiges Gebet die Nachlassung derselben, welche sie allezeit gewünscht haben, erhalten; uns aber erfülle mit deiner göttlichen Gnade, auf daß wir rein und heilig leben, um nicht erst einst in den Flammen des Fegfeuers gereinigt zu werden; durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihund ertuudsiebentes Lesestück. - Am Feierabende des 3. November. Das sechste Gebot verbietet: den Besuch der Schauspiele und ^ Tanzplätze. Fr. Was gibt noch häufig Anlaß zur Unkeuschheit? Antw. Unanständige Schauspiele und Tänze. Fr. Was ist von den Schauspielen zu halten? Antw. Daß sie, wie man sie sin unfern Tagen gewöhnlich sieht, mit äußerst wenigen Ausnahmen — der Keuschheit höchst gefährlich, für die Augen und Ohren zugleich anstößig sind. Am Feierabende des 3. November. TU Belehrung. Die unanständigen Schauspiele, wie sie bei uns gewöhnlich sind, müssen mit vollem Rechte eine besondere Quelle der Unlauterkeit genannt werden. Denn auf den Theatern, sagt ein christlicher Lehrer, entfaltet der Teufel der Unreinigkeit seinen Pomp mit dem größten Aufwande und mit verführerischen Reizen. Dort athmet Alles Wollust: die Dekorationen, die Illuminationen, die Musik, die wollüstigen Gesänge, der Ton, die Deklamation, die Grundsätze, das verwirrte Spiel, der Putz, die Unanständigkeit, die Geilheit der Schauspieler und Schauspielerinen, die in alle Reize der Wollust gekleidet, vom Feuer der Wollust beseelt sind, und in der Hand die Fackel der Wollust tragen; sie schütteln auf allen Seiten die Funken davon auf die leicht entzündlichen Herzen; und diese Herzen sollten nicht entbrennen? Ganz wahr hat daher jene geistreiche Dame auf die Frage, was sie denn vom Theaterbesuche halte, geantwortet: „Das Schauspiel ist der Lehrer Einer Stunde und der Verführer vieler Jahre." Stets wurden die Schauspiele von der heiligen Schrift, von der Kirche und von den heiligen Vätern verdammt. „Wer die Welt liebt," heißt es (I. Joh. 2, 15.), „in Dem ist die Liebe des Vaters nicht," und der heilige Cyprian bemerkt hiezu ganz richtig: „In den Schauspielen lernt man den Ehebruch, indem man ihn sieht; und da das Laster zu Lastern reizt, so kehrt eine Matrone, die vielleicht noch schamhaft in's Theater gegangen, als schamlos vom Schauspiele zurück." Beispiel und Anwendung. Der heilige Augustin macht es uns in der Geschichte seines Freundes Alipius anschaulich, wie verderblich auf das Herz die Schauspiele wirken. Seit langer Zeit, (so erzählt er,) hatte Alipius dem Schauspiele entsagt. Seine Freunde schlugen ihm eines Tages vor, mit ihnen hinzugehen. Er widerstand ihrer Einladung und ihrem dringenden Zureden. Sie setzten ihm mit aller Gewalt zu. Endlich ließ er sich bereden. „Ich will hingehen," sagte er zu ihnen, „aber thun, als wäre ich nicht dort, ohne Etwas zu sehen." Wirklich schloß er auch während des Schauspiels beständig die Augen; allein die Ohren verhielt er sich nicht. „Wollte Gott," sagt der heilige Augustin, „er hätte auch seine Ohren verstopft!" Denn als er ein großes Gelächter vernahm, ließ er sich von der Neugierde überwinden und, öffnete die Augen, um zu sehen, was das war, indem er dachte, er könne sie ja sogleich wieder schließen. Aber — er wurde das Opfer dieser unseligen Neugierde. Entzückt, hingerissen — klatschte er bald mit den übrigen Zuschauern Beifall und verließ das Theater, mehr als je mit unreiner Liebe erfüllt. — Ja, der heilige Augustin selbst gesteht von sich: „Mich rissen die Schauspiele hin, die mit Bildern meines Elends und mit Zündstoffen meines Feuers angefüllt waren." — Wenn die Schauspiele auf solche Männer ihren verderblichen Einfluß ausübten, glaubst du dann wohl, daß sie dir nicht schaden werden? O täusche dich nicht, mein christlicher Leser! Wer sich in die Gefahr begibt, kommt in der Gefahr um. Fr. Was läßt sich über Tänze und Bälle sagen? Antw. Daß sie der Unschuld nicht weniger, ja, man darf sagen, noch mehr gefährlich sind, als die Schauspiele. Belehrung. Als Kunst, die Füsse und den Leib nach dem Takte der Musik zierlich und artig zu bewegen, ist der Tanz an und für sich keine Sünde, sondern eine gleichgiltige Handlung. Ja, bei einzelnen Völkern finden wir den Tanz sogar als eine religiöse Ceremonie. So z. B. tanzten die Weiber Israels in Gesellschaft der Schwester Aarons bei dem Schalle der Pauken und sangen Gott dem Herrn Loblieder wegen der Befreiung der Hebräer und wegen der Niederlage der Aegypticr (2. Mos. 15, 20.); auch David tanzte voll Jubel und Freude vor seinem himmlischen Wohllhäter, als die Bundeslade unter den Tönen der Musik nach Jerusalem gebracht wurde. (2. Kön. 6, 5.) Solche Tänze sind 712 Viertes Hauptstiick. DaS sechste Gebot verbietet: den Besuch der Schauspiele und Tanzplätze. allerdings recht und sogar Gott wohlgefällig. Allein die Tänze, wie sie jetzt bei uns üblich sind, mit ihren unedlen Zwecken und Absichten, mit ihren Reizen, ihren Ausschweifungen und traurigen Folgen, können unmöglich die Billigung eines christlichen Mannes finden; sie sind das Grab der Unschuld, und von allen Denen, die diese Tänze lieben, läßt sich mit Bestimmtheit sagen, daß sie entweder schon unkeusch sind oder wenigstens auf dem Wege stehen, es zu werden. „Wo Tänze sind," sagt der heilige Ephrem, „da wird ein Fest deS Teufels gefeiert." Und der heilige Karl Borro- mäus vergleicht die Tänze mit einem Kreise, in dessen Mitte sich der Satan und ringsherum seine Anhänger befinden. Wie soll alsdann ein solches Vergnügen ohne Sünde abgeheu? Die unreinen Blicke und Reden, die wollüstige Musik, die üppige Kleiderpracht, der blendende Glanz irdischer Schönheiten, die hitzigen Getränke, die würzigen Speisen, die tausend Reize und Gelegenheiten zur Sünde — muß nicht dieß Alles die sinnlichen Triebe mächtig aufreizen und der Unkeuschheit Thür' und Thor öffnen? Wer da nicht fallen will, muß ein Engel sein. Das Alterthum, wie die Neuzeit haben von jeher das Verderben des Tanzes und der Bälle anerkannt. Beispiele und Anwendung. Schon die heilige Schrift liefert uns ein merkwürdiges Beispiel von dem Verderben des Tanzes. Hcrodes sah die Tochter seines KebS- weibcs, der Herodias, tanzen. Aufgeregt vom Weine und verblendet von der Schönheit des Märchens, sowie von ihren graziösen Bewegungen, rief er diese zu sich und versprach ihr Alles zu geben, was sie von ihm verlangen würde, und wäre es auch die Hälfte seines Reiches. Und ach, welch' ein kostbares Opfer forderte dieser Tanz? Um seinetwillen siel einer der größten Heiligen, den die Kirche kennt, und der Himmel besitzt, der heilige Johannes der Täufer; denn die Tänzerin verlangte, von ihrer gottlosen Mutter hiezu aufgefordert, das Haupt dieses ihr so sehr verhaßten Mannes. (Sich das vorausgeheude Bild!) Und wie damals, so fordern die Tänze auch noch heut zu Tage ihre Opfer — nicht selten an Gesundheit nnd Leben, fast immer aber an der Unschuld und Neinigkeit des Herzens. Daher pflegte Kaiser Friedrich IV. zu sagen, er wolle lieber mit dem Fieber behaftet sein, als sich zum Tanze bewegen lasten. Als man einst den heiligen Franz von Sales fragte, was er denn von den Tänzen halte, so antwortete er: „Dasselbe, was ich von den Schwämmen halte; die beßten taugen Nichts." — Aehnliche Ansichten hatte auch ein berühmter französischer Hofmann, der gar Wohl wußte, was bei den Tänzen gewöhnlich vorgeht. Seine Worte lauten: „Ich habe niemals gezweifelt, daß die Bälle und Tänze sehr gefährlich sind. Gewöhnlich finden sich dabei nur junge Leute ein, die der Versuchung kaum in der Einsamkeit widerstehen können, geschweige denn an Orten, wo Alles berechnet ist, sie zu erhitzen. Ich glaube, baß man nicht auf den Ball gehen soll, wenn man ein Christ ist." — Hörst du es, mein christlicher Jüngling? meine christliche Jungfrau? Wenn du ein Christ sein und deine Unschuld bewahren willst, so gehe ja nicht, ich bitte dich um deiner unsterblichen Seele willen, gehe ja nicht zum Tanze! Legende: Der heilige Hubertus, Bischof von Lüttich (ch 727). Auch dieser Heilige, dessen Andenken wir heute feiern, hat es erfahren, wie verderblich Tänze und Schauspiele und überhaupt alle weltlichen Vergnügungen auf Leib und Seele und besonders auf die heilige Tugend der Neinigkeit einwirken. Der heilige Hubertus war ein vornehmer Aqnitanier und in seiner Jugend Hofherr des Frankenkönigs Theodorich Ilt. Wohlgebildet in den Wissenschaften, war ihm der Weg zu den höchsten Stellen des Reiches offen. Allein der junge Mann ließ sich von den weltlichen Vergnügungen am Hofe, von den ausgelassenen Schauspielen nno Tänzen so sehr einnehmen, daß er alles Höheren vergaß und sich in den i Strom des Verderbens stürzte; besonders wurde er ein leidenschaftlicher Jagdliebhaber. Der Geist des Herrn aber weht, wo er will; und so geschah es, daß Hubert einst im Walde durch den Anblick eines Bildes Christi am Kreuze seiner Weltlust entkleidet nnd bewogen wurde, dem heiligen Lambert, Bischof von Mastricht, sich zur Anleitung auf dem Wege der Vollkommenheit zu überlassen. Hubert blieb seiner Anhänglichkeit an Golt ^ getreu, und wurde seinem heiligen Lehrer immer mehr ^ ähnlich. Er erhielt die Priesterweihe, nnd wurde nach Lamberts Tode dessen Nachfolger auf dem bischöflichen 713 Am Feierabende des 4. November. Stuhle. Der Bischof Hubertus wirkte als wahrhaft apostolischer Mann namentlich kräftig in der Verkündigung des göttlichen Wortes. Mit dem Kreuze in der Hand drang er in die Schluchten des Ardenneuwaldes und bekehrte den letzten Rest der Heiden jener Gegend. Hubertus verherrlichte die Ruhestätte des heiligen Lambert zu Lüttich, erhob diesen Flecken zur Stadt und verlegte den bischöflichen Sitz von Mastricht nach Lüttich. Reich an Verdiensten starb der fromme Bischof eines gottseligen Todes am 30. Mai 727. Sein Leib kam nach hundert Jahren in das Kloster Ardenne, welches St. Hubert genannt wurde. Hubert gilt als Patron der Jäger; seine Fürbitte wird auch gegen den Biß wüthender Hunde angerufen. Gebet. Heiliger Hubertus! schütze uns durch deine Fürbitte, wenn uns die wüthenden Hunde der Unkeuschheit anfallen und verderben wollen, und erflehe uns die Gnade, daß wir niemals die Freuden der Welt, ihre verderblichen Tänze und Schauspiele suchen und lieben, sondern einzig und allein die wahre Freude in Gott und die ewigen Freuden des Himmels. Amen. Dreihundertundachtes Lesestück. Am Feierabende des 4. November. Das sechste Gebot verbietet endlich auch noch: Unmäßigkeit und Miissiggrng. Fr. Was gibt es außer den genannten noch für weitere Gefahren für die Keuschheit? Antw. Besonders noch zwei, nämlich 1) Trunkenheit und Schwelgerei und 2) Müssiggang und weichliche Lebensart. Fr. Warum ist Trunkenheit und Schwelgerei der Keuschheit so gefährlich? Antw. Weil sie nach dem Ausspruche der heiligen Lehrer die Mutter der Unkeuschheit ist. Belehrung. Trunkenheit und Schwelgerei, sowie Unmäßigkeit überhaupt wird mit Recht als die Mutter der Unkeuschheit bezeichnet; der Wein verleitet zur Uep- pigkeit, die Trunkenheit entzündet die heftigen Leidenschaften der Jngend. Deßhalb ruft der Apostel aus (Eph. 5, 18.): „Trinket euch nicht voll mit Wein; denn darin ist Geilheit!" Und nur zu wahr ist die Bemerkung des heiligen Hieronymus: „Ein Leib voll Wein ergießt sich in verbrecherische Lüste." Man kann sagen, ein Trunkenbold ist niemals keusch. Wenn einmal der Wein die Vernunft ersäuft und die Leidenschaft entflammt hat, welch' gräßliche Unordnung herrscht Mehler, Hausbuch. da nicht in den Gedanken, Wünschen, Handlungen eines Mannes und noch mehr eines Weibes! Ja, wahrlich, „die Trunkenheit ist," wie der heilige Ephrem sagt, „die Mutter der Hurerei." Beispiel und Anwendung. Bei Trunk und Lustbarkeit in Wirths- und Gasthäusern kann man unmöglich ein reines Herz bewahren. Einer der Altväter der Wüste hatte einen Jüngling von sonst züchtiger Sitte und ernster Sinnesart gesehen, wie er eben in ein lärmendes, verrufenes Gasthaus hineinging. Voll des Schmerzes wartete der Greis vor der Thüre, bis er Gelegenheit fände, den Jüngling anzureden; nahm ihn auch, sobald dieser wieder herausgekommen, sogleich bei der Hand, führte ihn an einen einsamen Ort und sprach zu ihm: „Mein Bruder, weißt du nicht, daß du ein christlicher Jüngling bist? ist es dir unbekannt, daß der Feind uns allezeit Fallstricke legt? Und dennoch gehst du in solche Häuser, wo du vielerlei anhörst, was sich zu hören nicht ziemt, und Vieles mit ansiehst, was zu sehen nicht erlaubt ist? O mein Bruder! kehre in dein Kämmerlein zurück!" Den Jüngling beleidigten diese Reden: „Geh', Alter!" rief er, „geh' deine Wege! Gott sucht nichts Anderes, als ein reines Herz." — Da erhob der Greis seine Hände gegen Himmel und sprach: „Herr, mein Gott, Dir sei die Ehre! fünfzig Jahre bereits wohne ich in der Einöde von Skete und habe kein reines Herz; dieser Jüngling aber besucht täglich die Wohnstätten der Ausgelassenheit und Trunkenheit und bewahrt sein Herz ganz rein und unbefleckt!" — So sprach, wie Sophronius berichtet, der betrübte Greis zu Alexandria, wohl wissend, daß in Trinkstuben und Wirthshäusern, wo so viele unkeusche Reden geführt, wo die Phantasie durch Getränke erhitzt und mit unkeuschen Bildern erfüllt wird, die Unschuld unmöglich der Gefahr entgehen kann. Wer also Ohren hat zu hören, der höre! Fr. Warum verleitet der Müssiggang und eine weichliche Lebensart zur Unkeuschheit? Antw. Weil der Müssiggang aller Laster Anfang ist, und wie der heilige B ernhard sagt, „eine Schwindgrube unreiner Versuchungen." 90 714 Viertes Hauptstück. Das sechste Gebot verbietet Belehrung und Beispiele. „Der Müssiggang lehrt den Menschen viel Böses," also heißt es schon bei Si- rach (33, 29.); denn er ist die Schwindgrube und die Pflegemutter jeglicher Sünde, der Anfang aller Laster, ganz besonders aber das Gift der Jungfrauschaft. Wäre David mit den Seinigen in's Feld gezogen und nicht müssig zu Hause geblieben, so hatte er den Ehebruch nicht begangen. Wie das stehende Gewässer Ungeziefer und der unan- gebaute Acker Unkraut erzeugt (sieh das vorausgehende Bild!), so bringt die Seele des Müssiggängers nur sündhafte Gedanken, Begierden und Werke hervor. —- Ein junger Einsiedler benützte seine Zeit durchaus nicht gewissenhaft; gar manche Stunde brachte er müssig zu, und so kam es, daß er gerade in diesen müssigen Stunden vielfach von unreinen Anfechtungen befallen wurde. Er beklagte sich hierüber bei seinem Abte; dieser aber, die Ursache hievon gar wohl erkennend, überhäufte ihn mit mühsamen Arbeiten. Als er ihn nun späterhin fragte: „Wirst du noch versucht?" da antwortete der junge Mensch: „Ach, wie könnte ich sündigen? Ich habe ja kaum Zeit zu athmen." — Wie der Müssiggang, so schadet auch eine weichliche Lebensart der Unschuld; daher schreibt der heilige Vinzenz Ferrerius: „Wer Krieg führt, kann Nichts Thörichteres thun, als wenn er dem Feinde Proviant zukommen läßt. Dieß thut aber der sinnliche Mensch, der seinem Fleische, dem ärgsten Feinde, den er hat, Alles gestattet. Er muß ihm unterliegen, weil er es selbst unterstützt, ihm Kräfte gibt, es reizt, es wioer den Geist waffnet, und gleichsam im Einverständnis mit ihm steht." — Willst du also, meine christliche Seele! deine Unschuld retten, so meide den Müssiggang und die Weichlichkeit! Legende: Der heilige Erzbischof Karl Borro- mäus (1' 1584). Der heilige Karl Borrom aus, dessen Fest ans den heutigen Tag fällt, erkannte vollkommen das Verderben all dieser Laster; daher verabscheute er sie nicht nur vom Herzen, sondern übte auch mit allem Eifer die entgegengesetzten Tugenden der Mäßigkeit, Arbeitsamkeit und Abtödtung, um die heilige Reinigkeit unbefleckt in seinem Herzen zu bewahren. Karl wurde am 2. Oktober 1538 im Mailändischen geboren und weihte schon seine Jugend Gott und gottgefälligen Hebungen. An ihm glänzten Unschuld, Arbeitsamkeit, Milde, Abtödtung, Demuth, Freigebigkeit und Menschenliebe in schönster Vereinigung. Er wurde schon mit zweiundzwauzig Jahren von seinem Oheime, dem Papst Pius IV., zum Kardinal und zum Erzbischof von Mailand ernannt, und endlich auch noch: Unmäßigkeit und Müssiggang. alle seine Handlungen zeigten die Weisheit und Vollkommenheit eines reifen Mannes. Karl stiftete ein neues Priesterseminar und brachte durch genaue Ueber- wachung und fleißige Visitationen des Bisthums nicht nur bei dem Volke, sondern auch bei der Geistlichkeit ? eine tiefgreifende Besserung zu Stande. Auf seinen ober- ! hirtlichen Reisen war ihm kein Ort zu abgelegen, kein ( Weg zu steil oder zu beschwerlich; er fand oft keine an- : dern Lebensmittel, besonders bei den Gebirgsbewohnern, j als Gerstenbrod, Kastanien und Schneewasser, und war i auch damit zufrieden. Seine überaus große Liebe gegen i! den Nächsten leuchtete besonders hervor, als eine ver- ^ heerende Pest fast ein halbes Jahr lang in Mailand j ^ wüthete und achtundzwanzigtausend Menschen hinraffte, j Er zeigte sich da als Vater der tiefgebeugten Einwohner, ! ließ alle seine Hauseinrichtung zur Unterstützung der Nothleidenden verkaufen und stand furchtlos selber den Sterbenden bei. Im Jahre 1584 begab sich Karl auf ^ den Berg Varolli, an den Gränzen der Schweiz, um in stiller Einsamkeit eine Geistessammlung zu halten. Am 24. Oktober wurde er da von einem dreitägigen Fieber befallen. Auf den Rath seines Begleiters kürzte ' er seine Andachtsübungen ab, ließ auf die Bretter, auf denen er schlief, ein wenig Stroh-legen und eine seinem ! Zustande angemessene Nahrung sich reichen. Nach einer ) mühevollen Reise kam er nach Mailand zurück. Dort j verschied er in der Nacht vom dritten auf den vierten ; November, mit dem Ausrufe: „Siehe, ich komme." ^ Gebet. Verleihe uns, o Gott! Kraft und Stärke von Oben, auf daß wir ebenso, wie der heilige Karl Borromäus, die Tugend der Mäßigkeit, Arbeitsamkeit und Abtödtung üben, die entgegengesetzten Laster aber Am Feierabende des 5. November. 715 sorgfältig meiden, um die heilige Reinigkeit unbefleckt in unfern Herzen zu bewahren — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihund ertundn euntes Lesestiick. Am Feierabende des 5. November. Von der Schändlichkeit und Schädlichkeit der Unkeuschheit. Fr. Warum soll man sich vor der Unkenschheit ganz besonders hüten? Antw. Weil 1) keine Sünde schändlicher, und 2) keine schädlicher ist. Fr. Warum ist diese Sünde so schändlich? Antw. Weil sie den Menschen, der doch, als Gottes Ebenbild und Tempel, zu einem reinen und hei' ligen Leben berufen ist, zum unreinen Thier herabwürdigt; weßhalb sie auch Sünde der Unreinigkeit genannt wird. Belehrung und Beispiel. Die Unkeuschheit erniedrigt den Menschen in Wahrheit bis zum unreinen Thiere herab. Daher schreibt der heilige Bernhard: „Wenn sich der Mensch dem Ehrgeize ergibt, so ist es ein Mensch, der zwar sündigt, aber nur sündigt wie ein Engel; unterliegt er dem Geize, so ist es ein Mensch, der zwar sündigt, aber nur sündigt als Mensch: überläßt er sich aber den unreinen Lüsten des Fleisches, so sündigt er, aber er sündigt als ein Vieh." — Durck die Sünde der Unkeuschheit wird Gottes Ebenbild in uns zerstört, durch sie wird der Tempel Gottes in uns entheiligt. „Wisset ihr nicht, daß ihr ein Tempel Gottes seid," ruft uns der heilige Paulus (1. Cor. 3, 16—17.) zu, „und daß der Geist Gottes in euch wohnet? Wenn aber Jemand den Tempel Gottes entheiligt (besonders durch die Sünde der Unkeuschheit,) so wird ihn Gott zu Grunde richten." Und der heilige Vin- centius Ferrerius schreibt: „Wer das Bild des Gekreuzigten in eine Kloake werfen würde, wäre für einen Verräther und Ungläubigen zu halten; allein so oft du, o Mensch, dich der Wollust ergibst, wirfst du das Bild der Gottheit, das in dir ist, in den Kolh der Wollust, in eine Kloake." — Du wirst dadurch dem unreinen, dem unvernünftigen Thiere gleich. Wir sehen dicß an Nabuchodo- nosor. Dieser hatte sich der Wollust und der Gottlosigkeit ergeben; daher erging das Wort des Herrn an ihn: „Mit dem Wilde habe er seinen Theil im Grase der Erde! Sein menschliches Herz soll ihm genommen, und das Herz eines wilden Thieres dafür gegeben werden!" (Dan. 4, 12—13.) Und so geschah cs auch. Weil er thierischen Lastern fröhnte, so wurde er zum Thiere erniedrigt, bis er wieder in sich ging und zu Gott zurückkehrte. — O wie furchtbar wird durch das Laster der Unkeuschheit deine unsterbliche Seele entstellt, o Mensch! Höre, was der heilige Bo- naventura sagt: „Gleichwie die Fäulniß einem Apfel Schönheit, Farbe, Geruch und Werth benimmt, so benimmt diese Sünde einer Seele die Schönheit, den Werth der Gnade, den Geruch des guten Beispiels und ihre ganze Herrlichkeit." Kann es also etwas Schändlicheres geben als diese Sünde? Fr. Warum ist aber die Uukeuschheit zugleich auch so schädlich? Antw. Weil ihre Folgen schrecklich sind. Belehrung. So schändlich die Sünde der Uukeuschheit ist, ebenso verderblich ist sie auch, und furchtbar sind ihre Folgen sowohl für den Leib, als für die Seele; denn 1) sie raubt dem Menschen die Unschuld und zerstört in ihm die Gesundheit und das Leben des Leibes und der Seele. „Wer sich zu Wollüstlingen gesellt, wird ein Bösewicht, Fäulniß und Würmer werden sein Lohn." (Sir. 19, 3.); 2) sie verleitet 90* 716 Viertes Hauptstück. Von der Schändlichkeit und Schädlichkeit der Unkeuschheit. ihn zu vielen andern Sünden und Lastern, nicht selten zu Mord und Verzweiflung; und 3) sie stürzt ihn in Elend, Schmach und Schande und endlich in die ewige Verdammniß; denn der Wollüstling bekehrt sich selten mehr. Daher heißt es in der heiligen Schrift: „Unzüchtige, Ehebrecher, Selbstbe- flecker, Knabenschänder können das Reich Gottes nicht besitzen." (1. Cor. 6. 9.); sondern „der Unzüchtigen Theil wird in dem Pfuhle sein, der mit Feuer und Schwefel brennt." (Offenb. 21. 8.) Wahrlich, der Unzüchtige findet in dem mit Rosen bekränzten Becher der Wollust, wie die Fliege im Geschirre voll süßen Giftes, das Verderben! Beispiele und Anwendung. War nicht die Unkeuschheit Ursache daran, daß ein Feuerregen vom Himmel fiel und die beiden Städte Sodoma und Gomorrha verzehrte? Kam nicht besonders um dieser Sünde willen die Sündfluth, um das ganze Menschengeschlecht zu vertilgen? (Sieh das vorausgehende Bild!) Welch' Unheil brachte diese Sünde nicht über David, Salomon, Herodes, Herodias und über unzählig viele Andere! Wie damals, so auch jetzt noch; denn die Unkeuschheit richtet den Menschen an Leib und Seele zu Grunde, wie du, mein christlicher Leser! aus folgenden zwei Beispielen ersehen kannst. Im Jahre 1842 starb im Militärspitale zu Lyon ein Soldat von neunzehn Jahren. Seine Kenntnisse, sein Unterricht, sein Ehrgeiz, sein gefälliges Aeußere hätten ihm ein schnelles Avancement gesichert. Aber er überließ sich den Ausschweifungen, die ihn vernichteten, die ihn frühzeitig zum Greise machten, und ihm durch allmälige Auflösung aller Kräfte den Tod brachten. Der Unglückliche fühlte es bald, daß seine schreckliche Krankheit tödtlich sei. Wenn nun seine Kameraden sich seinem Bette näherten, so sprach er zu ihnen unterThränen: „Ihr könnet hier einen Vogel sehen, der mit Mühe auf seinem Aste sitzt. Ach! mein Flug wird wohl bald beendigt sein. Mein un- keusches Leben ist die Ursache meines frühen Todes." — Und das ist erst noch ein Glück, wenn der Unkeusche am Rande des Grabes die Größe seiner Sünde erkennt und beweint; er kann dadurch doch noch seine unsterbliche Seele retten. Allein die Unkeuschheit richtet den Menschen gewöhnlich auch an der Seele zu Grunde; denn der Unkeusche stirbt meistens in seinen Sünden dahin und fällt der ewigen Verdammniß anheim. — Ein junger Mensch lag auf dem Todbette; man erinnerte ihn an die Grundwahrheiten seiner Religion; man sah in seiner Hand eine Art Medaille, die er an seine Lippen drückte; man war darüber erbaut, weil man glaubte, es sei irgend ein frommes Bild Jesu Christi oder der heiligen Jungfrau; er stirbt, indem er dieses Bild noch einmal küßt: man nimmt es aus seinen Händen. O Himmel! es war das Bildniß des sündhaften Gegenstandes seiner Leidenschaft! Das war die Gottheit, die er sterbend anbetete, und in deren Schooß er seine von Unzucht befleckte Seele aushauchte! — Mit Recht sagt daher der heilige Thomas: „Die Unkeuschheit ist jenes Laster, von welchem man so leicht nimmer los wird; und eben darum ist es der gewisse Untergang des ! jugendlichen Alters." — Jüngling! Jungfrau! erwäge diese Worte und fliehe vor der Unkeuschheit, wie vor einer Schlange; denn furchtbar sind ihre Folgen; sie tödtet Leib und Seele. Fr. Ist also die Unkeuschheit eine schwere Sünde? Antw. Ja, jede Sünde der Unkeuschheit, die man mit Wissen und Willen begeht, ist eine Todsünde. Belehrung. Da die Unkeuschheit so schändlich und schädlich ist, so ist jede Sünde der Unkeuschheit, die Einer mit Wissen und Willen, sei es an sich selber oder mit Andern begeht, eine schwere, eine Todsünde; denn der heilige Paulus spricht ganz allgemein: „Das wisset und erkennet, daß kein Wollüstling und Unzüchtiger ein Erb- theil am Reiche Christi und Gottes habe." (Eph. 5, 5.) Jndeß kann eine Sünde der Unkeuschheit schwerer sein, als die andere, je nach den Personen, mit denen man die Sünde begeht, ober je frecher und widernatürlicher die Sünde ist, und je schädlicher deren Folgen sind. Wen» man in Betreff der Sünden gegen die heilige Reinigkeit einen Zweifel hat, wenn man nicht weiß, ob dieß oder jenes gefehlt sei, so bitte man seinen Beichtvater um Belehrung und meide einstweilen Das sorgfältig, worüber man zweifelhaft ist. Legende: Der heilige Emerich, Prinz von ) Ungarn (P 1031). Wie gar wohl erkannte der heilige Emerich, dessen Name uns heute in der Legende begegnet, die Schädlichkeit und Schändlichkeit der Unlauterkeit! Daher kam es, daß er in seiner Jugend sowohl, als auch sogar 717 Am Feierabende des 6. November. im heiligen Ehestände keusch und rein lebte. Er wurde als der Sohn Stephan's des Heiligen, des ersten Königs von Ungarn, und der frommen Gisela von Bayern im Jahre 1007 geboren. Aus einer so gottes- fiirchtigen Familie stammend, mußte der Prinz von Kindheit an die sorgfältigste Erziehung und religiöse Anleitung erhalten; daher war Ein er ich als Knabe schon sehr fromm, so daß der Vater Gott für einen so gottesfürchtigen Sohn innig Dank sagte. In seiner Jugend war Emerich besonders bemüht, den Leib dem Geiste zu unterwerfen, und in Allem sich Gott wohlgefällig zu machen. Auf höhere Ermahnung hin gelobte er, die Neinigkeit des Leibes und der Seele beharrlich zu bewahren bis an sein Ende. Der Vater aber setzte die Hoffnungen Ungarn's auf diesen seinen frommen Prinzen, und drang mit den Großen des Reiches auf Emerich's Vermählung. Nach langem Widerstreben gab der fromme Jüngling nach, in der Hoffnung, Gott werde ihm ermöglichen, auch als Gatte dem Fleische zu obsiegen. Seiner ebenso frommen Braut legte Emerich gleich Anfangs die hohen Vorzüge der Jungfräulichkeit an das Herz, so daß sie bereitwillig darauf einging, in jungfräulicher Ehe Gott zu dienen. Wahrlich eine hohe Tugend, Wohl mehr verdienstlich, als die freie Hebung der Jungfräulichkeit im Stande der Ehelosen. Das ganze Bestreben Emerich's blieb dahin gerichtet, durch die Abtödtnng des Fleisches die Freiheit des Geistes zu erringen, über seine Sinne zu herrschen, die Enthaltsamkeit aus Liebe zu Gott zu bewahren. Als sein Vater ihm die Regierung übergeben wollte, starb Emerich am 2. September 1031 im vierundzwanzigsten Lebensjahre. Emerich wurde zugleich mit seinem Vater heilig gesprochen. Gebet. Laß uns, »Gott! die Abscheulichkeit und das Verderben der Unkeuschheit erkennen und dieses Laster vom Grunde des Herzens verabscheuen; gib uns deine Gnade, damit wir in die Fußstapfen des heiligen Emerich eintreten und dir stets, wie er, mit reinem und keuschem Leibe dienen, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihimdertmidzehiltes Lesestück. Am Feierabende des 6. November. Von Dem, was das sechste Gebot Gottes gebietet, nämlich von der Keuschheit und einigen Mitteln zur Bewahrung derselben. Fr. Was befiehlt uns Gott im sechsten Gebote? Antw. Gott verlangt von uns im sechsten Gebote die treue Bewahrung der Keuschheit oder der Unschuld unserer Seele. Belehrung. Wie uns das sechste Gebot alle Unkeuschheit und Alles, was dazu verleitet, aus's Strengste verbietet, so gebietet es uns hingegen mit allem Nachdrucke, daß wir in allen unfern Gedanken, Blicken, Reden und Handlungen ehrbar und sittsam sein und die Unschuld unserer Seele als das größte Gut und die schönste Zierde des Menschen sorgfältigst bewahren sollen. Ja, es gibt keine schönere und erhabnere Tugend, als die Tugend der Unschuld und Reinigkeit, die uns daher in diesem Gebote so sehr anbefohlen wird. Die Keuschheit macht uns wohlgefällig bei Gott und den Menschen, wie es schon im Buche der Weisheit heißt: „Ein keusches Geschlecht ist bei Gott und den Menschen in Ehre" (Weish. 4, 1.); ja, sie macht uns sogar den Engeln gleich. Der heilige Chrysostomus sagt: „Die Keuschheit ist eine Anverwandte der Engel; sie lebt im Körper, aber nicht nach dem Körper, sie ist auf Erden, aber sie schwebt eigentlich mit ihren Gedanken im Himmel. Ein Engel zu sein, ist bloß ein Glück, eine Jungfrau zu sein, ist ein Verdienst." Und welch' ein Lohn wird dieser himmlischen Tugend erst in der Ewigkeit zu Theil! (Sich das obige Bild!) „Die, welche sich nicht mit Weibern befleckt haben, folgen dem Lamme, wohin es geht." (Offenb. 14.) Wie sehr sollen wir daher diese Tugend lieben! Kein Opfer 718 Viertes Hauptstück. Von Dem, was das sechste Gebot Gottes gebietet, nämlich von der Keuschheit re. darf uns zu groß und kein Kampf zu schwer sein, um diese Tugend in uns zu bewahren und zu befestigen. Siehe nur, was die keusche Susan na, was der ägyptische Joseph, was die Heiligen Gottes gethan haben, um stets im Besitze dieser englischen Tugend zu bleiben! Beispiel und Anwendung. Auch aus unserer Zeit ist uns in den „Erinnerungen eines Militärgeistlichen" ein herrliches Beispiel aufbewahrt, das uns einen heldenmüthigcn Kämpfer für die heilige Tugend der Unschuld und Reinigkeit vor Augen stellt. Ein Rekrut, ausgerüstet mit körperlicher Kraft und Schönheit, kam zum neunundzwanzigsten Linien- regimente zu Lyon in Garnison. Es war im Jahre 1842. Bald wurde er in eine jener Höhlen geführt, wo die Unglücklichen sich befinden, welche vom Laster leben, bis sie daran sterben. Die Pforte der Höhle öffnet sich; er erhebt seine Augen: was entdeckt er? Eine Schlinge. Seine Füße können ihn kaum mehr tragen; er macht einen Schritt rückwärts; allein man stößt ihn wieder vorwärts. Dieser Soldat hatte eine Mutter, die jeden Sonntag communicirte, und er selbst kannte nicht die Ausschweifungen volkreicher Städte. Die mütterliche Ermahnung beim Abschiede, welche also lautete: „Mein Sohn! ich kann dir keinen Reichthum geben; ich habe dir aber die Gottesfurcht mitgegeben, das ist mehr Werth. Eher den Tod, als Befleckung!" — fiel ihm jetzt ein. Einige einfältige Worte aus seinem Munde erregten Hohngelächter. Da entsteht eine Bewegung in seiner unschuldigen Seele vor einem Schauspiel und vor einer Gefahr, welche seine Schamhaftigkeit beschimpfte; der Rekrut kämpft, um nicht zu unterliegen, und sucht sein Heil in der Flucht. Das Mittel ist gefahrvoll; aber er fühlt, daß von zwei Gefahren die geringste nicht diejenige ist, welche seine Tugend bedroht. Das Thor dieser Höhle ist verbarrikadirt; erschwingt sich durch's Fenster und verrenkt sich ein Bein. Den folgenden Tag wurde der Bekenner der Unschuld in's Lazareth auf einer Sänfte getragen und in ein Bett im dritten Zimmer gelegt, wo vierwöchentlichc Sorgfalt und Ruhe ihn vollkommen wiederherstellten. — Edler Soldat Jesu Christi! edler Kämpfer und Dulder für die heilige Tugend der Unschuld! Möchten nnr alle Jünglinge und Jungfrauen diesem erhabenen Beispiele folgen! Fr. Was müssen wir also thnn, um die Keuschheit, das größte Gut und die schönste Zierde unserer Seele, stets treu zu bewahren? Antw. Wir müssen die hiezu nöthigen Mittel fleißig anwenden, von denen wir heute nur die ersten drei näher betrachten wollen, nämlich: l) die Bewahrung der Augen und der Sinne, 2) die Flucht böser Gesellschaften und Gelegenheiten, und 3) den öftern Empfang der heiligen Sakramente. Fr. Welches sind nun die beiden ersten Mittel zur Bewahrung der Keuschheit? Antw. Folgende: 1) Wir sollen unsere Sinne, besonders unsere Augen wohl bewachen, und 2) alle böse Gesellschaft und Gelegenheit fliehen. Belehrung und Beispiele. Die Sinne sind, wie der heilige Augustin sich ausdrückt, die Fenster, die Augen aber die Thüre, durch welche die Sünde der Unkeuschheit in ^ unser Herz eindringt. Daher müssen wir vor Allem un- ; sere Sinne und besonders die Augen sorgfältig bewachen. Mit David sollen wir ausrnfen: „Wende i ab, o Gott! meine Augen, auf daß sie nicht Eitelkeit sehen" s (Pf. 118, 37.) und wie Job sollen wir einen Bund mit s unfern Augen schließen, auf daß sie an keine Jungfrau denken. j (Job 31, 1.) Siehe nur, mein christlicher Leser! wie sorg- s fällig in dieser Beziehung von jeher fromme und keusche i Seelen waren. Kaiser Karl der Große schloß oft seine Fenster und zog den Vorhang vor, um nicht durch den Anblick ^ der vorübergehenden und zierlich geschmückten Frauenspersonen t zur Sünde versucht zu werden, und die heilige Klara hat s während ihres ganzen Lebens nie einen Mann angesehen. s Sie äußerte sich, auch wenn sich sein Bild nur im Wasser s abspiegle, so wolle sie solches nicht ansehen. Wenn sie das I Haus verließ, so verschleierte sie sich so sehr, daß ihr Gesicht weder gesehen werden, noch sie selbst ein fremdes sehen konnte. Willst du also, jungfräuliche Seele! die Unschuld deines Herzens bewahren, so wache über deine Sinne und Augen; fliehe aber auch 2) alle böse Gesellschaft und Gelegenheit; denn „wer die Gefahr liebt, wird darin umkommen." (Sir. 3, 27.) Ein Licht, das nicht erlöschen soll, muß in der Laterne bleiben, und eine Seele, die die Unschuld rein bewahren will, muß schön zu Hause bleiben, und nicht in die Gesellschaft der Bösen gehen; denn „wisset ihr nicht, daß ein wenig Sauerteig das Ganze durchsäuert?" (1. Cor. 5.) Fr. Welches ist das dritte Mittel zur Bewahrung s der Keuschheit? . Antw. Der öftere Empfang der heiligen Sakramente, s Belehrung und Beispiele. Wer gerne beichtet, ^ wird nicht mehr gerne sündigen, und wer die Himmelsspeise recht oft empfängt, der wird nicht mehr genießen wollen von^den Kleien der Schweine, d. h. der Unzüchtigen. Das heilige Altarssakrament ist derWein, welcher die Jung- j frauen gebiert. (Zach. 9, 17.) Es ist das Brod der Am Feierabende des 7. November. 71 § Starken; mit dieser göttlichen Nahrung gespeist, welche Kraft werdet ihr nicht gegen die Versuchungen haben! Es ist das Brod der Engel; die groben Laster des Fleisches können eine Seele, die damit genährt ist, nicht anstecken. Wird der unreine Geist es wagen, euch zu nahen, wenn ihr von der Gottheit selbst erfüllt seid? — Einst kam ein Jüngling, der mit der Sünde der Unreinigkeit behaftet war, zum heiligen Philippus Nerius und klagte ihm seine Noth. Der Heilige gab ihm aber folgende Belehrung: „Siehe, mein Sohn! Es hilft ganz besonders, wenn man dem Beichtvater die unkeuschen Gedanken offenbart. Hat man die Versuchung mitgethcilt, so ist sie schon zur Hälfte überwunden. Wer das Unglück hatte, in irgend eine Sünde gegen die Keuschheit zu fallen, Der muß sogleich beichten." — Der Jüngling befolgte treulich den Rath des weisen Lehrers, und so ward er alsbald von der Sünde der Unreinigkeit befreit. — Mache es auch du, mein Christ! wie dieser Jüngling; reinige dich durch die heilige Beicht und stärke dich mit dem Brode des Lebens, — und du wirst gar bald Herr werden über die unlauter» Regungen deines Herzens. Legende: Der heilige Einsiedler Leonhard sch um 559). Nimm dir in dieser Beziehung auch ein Beispiel am heiligen Leonhard, dessen Fest heute gefeiert wird. Um die Unschuld und Rcinigkeit seines Herzens zu bewahren, flüchtete er sich in die Einsamkeit. Er stammte aus einer vornehmen fränkischen Familie; als er aber vom heiligen Remigius, dem Apostel der Franken, zum christlichen Glauben bekehrt worden war, verließ er das Hofleben und übergab sich ganz der Leitung jenes ehrwürdigen Bischofes, von dem er in der Folge die heiligen Weihen und die Vollmacht erhielt, den umliegenden heidnischen Völkern die frohe Botschaft des Heiles zu verkünden. Um Gott ruhiger und in Unschuld dienen zu können, begab er sich in das Kloster Mich, dem der heilige Maximin Vorstand, und nach dessen Tode in eine Einsiedelei in einem Walde, vier Meilen von Limoges. Da in den angränzenden Gegenden der wahre Glaube wenig oder gar nicht bekannt war, so trat auch hier der seeleneifrige Einsiedler als Verkünder des Evangeliums auf, und erntete um so reichlichere Früchte, da der Allmächtige auf das Gebet seines treuen Dieners große Wunder wirkte. König Theodobert, dessen Gemahlin in einer gefährlichen Krankheit auf das Gebet des Heiligen schnelle Genesung erlangt halte, schenkte ihm aus Dankbarkeit einen Theil des Waldes, worin seine Zelle war, und so entstand da ein Kloster, welches unter dem Namen St. Leonhard sehr berühmt wurde. Auch soll der Mann Gottes von dem Könige das besondere Vorrecht erhalten haben, zuweilen Gefangene, gegen die er immer das größte Mitleid trug, in Freiheit zu setzen. Unter strengen Bnßübungen und fortgesetzten Bemühungen für die Ehre Gottes, für die Ausbreitung der heiligen Kirche und für das Heil der Brüder erreichte der ehrwürdige Abt ein hohes Alter, und wurde endlich um das Jahr 559 zur ewigen Be lohnung in den Himmel abgernfen. Gebet. Wir bitten dich, o Herr! öffne uns auf die Fürbitte des heiligen Leonhard die Angen, damit wir sehen, wie unglücklich besonders die Sünde der Unkeuschheit macht, und wie sehr hingegen die engelreine Tugend der Unschuld den Menschen beseligt, auf daß wir jenes Laster fliehen, und diese schöne Tugend lieben, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihund ertundeilftes Lesestück. Am Feierabende des 7. November. Von noch einigen Mitteln zur Bewahrung der Keuschheit. Fr. Gibt es außer den angegebenen noch andere Mittel zur Bewahrung der Keuschheit? Antw. O ja, es gibt noch verschiedene Mittel, von denen das Andenken an Gottes Gegenwart und an die vier letzten Dinge mit obenan steht. Belehrung und Beispiele. Wer in den Augenblicken der Versuchung an das allsehendc Auge Gottes 720 Viertes Hauptstiick. Von noch einigen denkt, kann unmöglich sündigen. Der ägyptische Joseph und die keusche Susanna haben im heißesten Kampfe gesiegt und ihre Keuschheit unbesteckt bewahrt, weil sie an Gott dachten und in dieser Erinnerung an Gottes Allgegenwart ausriefen: „Wie sollte ich etwas Böses thun und wider meinen Gott sündigen?" — Der heilige Ephrem wurde von einem tiefgesunkenen Mädchen zu einer Sünde gegen die Neinigkeit gereizt. Er that, als ob er einwillige, und lud sie ein, ihm zu folgen. Die Verführerin folgte. — Der keusche Diener Gottes ging aber geraden Weges auf den Marktplatz zu, wo sich eben sehr viele Leute befanden, und blieb da stehen. Jene staunte und sprach: „Im Angesichte so vieler Menschen müßten wir uns ja schämen." — Da erwiderte Ephrem mit ernster und doch sanfter Miene: „Du glaubst, dich vor diesen Menschen hier schämen zu müssen? Sollen wir uns aber vor Dem nicht schämen, dessen Blick allsehend ist, dessen Auge überall hinreicht und selbst daS Innerste unsers Herzens durchschaut?" — Dieser Fingerzeig nach Oben erschütterte die Sünderin, ein Strahl der Gnade leuchtete in ihr Inneres; weinend trat sie den Weg zu ihrer Bekehrung an. — So mächtig wirkt das Andenken an Gottes Allgegenwart; nie wird ein Keuscher fallen und unterliegen, wenn er dieses vortreffliche Tugendmiltel an- wcndet. — Nicht minder heilsam wirkt auch das Andenken an das Leiden Christi und an die vier letzten Dinge des Menschen. Daher steht geschrieben: „In allen deinen Werken gedenke an deine letzten Dinge, so wirst vn in Ewigkeit nicht sündigen." (Sir. 7, 40.) Fr. Was sollen wir noch ferner thun, NM die Keuschheit zu bewahren? Antw. Wir sollen uns fleißig in der Demnth, in der Arbeitsamkeit, in der Abtödtung des Fleisches und in der Selbstverlängnung üben. Belehrung und Beispiel. Der heilige Apostel Paulus schreibt: „Die aber, welche Christi sind, haben ihr Fleisch gekreuzigt, sammt den Lastern und Gelüsten." (Gal. 5, 24.) Ja, es gibt kein besseres Mittel, den unreinen Geist zu besiegen, als Demüthigung, Selbstverläug- nung und Abtödtung. „Das sicherste Mittel, eine Festung zur Uebergabe zu zwingen," sagt der heilige BonaVentura, „ist, wenn man ihr die Lebensmittel absperrt, und so kann jedes noch so rebellische Fleisch unterworfen werden, wenn man ihm die Lebensmittel entzieht und es abtödtet. Willst du daher keusch bleiben, so faste, verläugne dich selbst!" — Der heilige Einsiedler Hilarion fühlte sich auch in Mitteln zur Bewahrung der Keuschheit. der Wüste von den Regungen der Wollust gewaltsam an- gefochten, obgleich er täglich nur sechs Unzen Gerstenbrodes und einige gekochte Kräuter zu genießen Pflegte. Um diese Anfechtungen zu vertreiben, verminderte er seine leichte Kost; ja, er enthielt sich manchmal der Speise drei oder vier Tage nach einander, und so vertrieb er den unreinen Geist, der ihn angcfochten hatte. Fr. Welches ist endlich das letzte und vortrefflichste Mittel zur Bewahrung der Keuschheit? Antw. DasGebet. (Sieh das nachfolgende Bild!) Belehrung und Beispiel. Wer bei Versuchungen gegen die heilige Neinigkeit im frommen Gebete zu Gott und zur seligsten Jungfrau Maria seine Zuflucht nimmt, wird gewiß nicht unterliegen. Daher schreibt der heilige Augustin: „Wenn wir zu beten anfangen, so hören wir zu sündigen auf," und „wenn wir unser Gebet zum Himmel emporsenden, so sendet uns Gott seine Gnade dafür Hernie- NA der." Durch sie werden wir sicherlich stark genug werden, um in der Versuchung zu siegen. Soll ich dir dieß näher beweisen, daß Gott dem Betenden in der Versuchung Hilfe sendet? Nun so höre ein schönes Beispiel als Beleg hiezu! 721 Am Feierabende des 7. November. Im siebenten Jahrhunderte, da Sigibert, der Sohn des Königs Dagobert, auf dem fränkischen Throne saß, lebte auf einem felsenfesten Schlosse bei Brüssel in den Niederlanden ein Graf, Wigter mit Namen. Dieser hatte drei Kinder, die er gemeinschaftlich in Gottesfurcht und frommen Sitten erziehen ließ. Das jüngste von diesen Kindern war Gudila, ein engelreines Mädchen, die schönste Tugendzierde und ein Musterbild für Alle ihres Alters. Wohlthun und Segenspenden war schon in ihrer frühesten Jugend ein hervorragender Zug ihrer frommen, heiligen Seele. Sie liebte Nichts mehr, als ein einsames zurückgezogenes Leben; sie suchte Nichts mehr, als Gott und sein Wohlgefallen. Sobald daher die Glocke aus der St. Salvatorskirche zu Morzelle, eine halbe Stunde vom Schlosse entlegen, das erste Zeichen zum Frühgottesdienste durch die Morgenluft ertönen ließ, — erhob sich die fromme Jungfrau von ihrem Lager, hüllte sich in einen langen weißen Schleier, stellte eine brennende Lampe in eine Laterne, gab sie ihrer vertrauten Magd und Führerin, und unternahm mit dieser die Wallfahrt in die alte Kirche. Kein Vorfall, keine Klage, keine Gefahr hatte je einmal diesen täglich gewohnten Gang unterbrochen. — Und einst — erzählt die Sage — als sie wieder aus- ging in der stillen Morgenstunde, die Dienerin mit der Leuchte ihr voran, trat plötzlich ein Mann in schwarzen Mantel gehüllt ihr in den Kirchenweg und löschte, um sie zu schrecken, das Licht in der Laterne. Zitternd vor Angst und Schrecken fiel die heilige Jungfrau nieder auf ihre Kniee und flehte in lautem Gebete zu Gott um Hilfe. Und siehe! im Augenblicke zog ein Windstoß an der Betenden vorüber, und entzündete wieder den über der Lampe noch glimmenden Funken. Wie dieß der schwarze Versucher sah, entsteh er, so schnell er konnte, fluchend in die dunkle Nacht. — Jungfräuliche Seele! so bete auch du, wenn sich der schwarze Versucher naht! Nie und nimmer wird er dir das heilige Licht deiner Unschuld auszulöschen im Stande sein; er wird vielmehr die Flucht ergreifen und zürnen ob seines mißlungenen Versuches. — Und so habe ich dir nun, mein christlicher Leser! das sechste Gebot Gottes, gegen welches in der Welt so oft und so schwer gesündigt wird, ausführlich erklärt; ich habe dir gezeigt, was dasselbe von uns verlangt, und was es uns verbietet. Ueberdenke dieß Alles noch einmal im Geiste und stehe zu Gott, daß er dich stets rein bewahren möge an Leib und Seele, auf daß an dir das Wort des Herrn erfüllt werde: „Selig, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott anschauen!" Legende: Der heilige Märtyrer, En gelbe rt. Erzbischof und Chnrfürst von Köln sch 1225). Heute finden wir in der Legende einen Heiligen, der uns Allen als Muster der Herzeusreinigkeit voranleuchtete; es ist der heilige Erzbischof und Churfürst Engelbert. Dadurch, daß er die hier bezeichneten Mittel zur Bewahrung der Unschuld treulich anwendete, erhielt er sich rein an Leib und Seele mitten unter den Gefahren der Welt. Der heilige Engelbert war ein Sohn des Grafen von Berg. Von Kindheit an zeigte er große Anlagen zur Tugend; daher bestimmten ihn seine Eltern zum geistlichen Stande, dem er auch, vorzüglich als Erzbischof und Churfürst von Köln alle Ehre machte. Jnsbesonders zeichnete er sich durch seine Gerechtigkeitsliebe aus, von der ihn Nichts abwendig zu machen im Stande war. Als nämlich Friedrich, Graf von Isenburg, ein Verwandter des Heiligen, sich zum Schutzherrn der Abtei Essen anfwarf und das Kloster vielfach drückte und plünderte, verwies ihm der heilige Engelbert diese Ungerechtigkeiten mit allem Ernste mündlich und schriftlich. Hiedurch wurde aber Graf Friedrich so sehr gegen seinen Vetter erbittert, daß er ihn durch gedungene Meuchelmörder tödten ließ. Und so starb der heilige Engelbert an siebenundvierzig Wunden als Vertheidiger der gerechten Sache den Tod eines Märtyrers um das Jahr 1225. Seine letzten Worte waren: „Vater, verzeihe ihnen; denn sie wissen nicht, was sie thun!" Gebet. O Gott, der du die keuschen und gerechten Seelen liebst und segnest, verleihe uns auf die Fürbitte des heiligen Engelbert Liebe zur Keuschheit 91 Mehler, Hausbuch. 722 Viertes Hauptstück. Siebentes Gebot Gottes. Das siebente Gebot Gottes verbietet vor Allem: Raub rc. und Gerechtigkeit, damit wir vor deinem allseheuden Auge stets rein und redlich wandeln, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihnndertimdzwölstes Lesestück. Am Feierabende des 8. November. Siebentes Gebot Gottes. Das siebente Gebot verbietet vor Allem: Raub, Diebstahl und Betrug. Fr. Was verbietet das siebente Gebot Gottes? Antw. Jede Beschädigung am Eigenthnme des Nächsten, welche geschehen kann vor Allem 1) durch Raub oder Diebstahl, 2) durch Betrug. Fr. Was versteht man unter Diebstahl und Raub? Antw. Stehlen heißt soviel, als ohne rechtmäßige Ursache das Eigenthum eines Andern Wider den Willen des Besitzers wegnehmen; wird der Diebstahl zugleich auch mit Gewaltthätigkeiten gegen den Eigenthümer verbunden, so ist das ein Raub. Belehrung. Diese Sünde wird übrigens nicht bloß von den eigentlichen Räubern und Dieben begangen, sondern auch von Allen, die ihnen rächen und beistehen, die gestohlenes Gut kaufen, verkaufen, verbergen oder behalten, die gefundene oder entlehnte Sachen nicht zurllckgeben, die ihre Schulden nicht bezahlen, die ohne Noth betteln, die den Arbeitslohn vorenthalten, sich im Geheimen schadlos halten u. s. w. Ebenso begehen einen Raub feile Richter, welche ihre Richtersprüche verkaufen und durch Geld oder Geschenke bestechen, die gerechteste Sache der Schwächeren oder Armen verkehren. — Alle diese Sünden des Raubes und Diebstahls werden in der heiligen Schrift auf's Strengste und unter Androhung der schwersten Strafen verboten. So heißt es (bei Hab. 2, 9.): „Wehe Dem, der ungerecht Gut sammelt und sich zu retten glaubt aus des Unglücks Hand," und (3. Mos. 19, 11.): „Ihr sollt nicht stehlen; ihr sollt nicht lügen und nicht betrügen Einer den Andern;" denn „weder Diebe, noch Geizhälse .. . werden das Reich Gottes besitzen." (1. Cor. 6, 10.) Deßhalb ermahnt auch der Apostel (Ephes. 4, 28.): „Wer gestohlen hat, stehle fürder nicht mehr, sondern arbeite vielmehr und wirke mit seinen Händen Gutes!" Beispiel und Anwendung. Räuber und Diebe machen sich selbst im höchsten Grade unglücklich für Zeit und Ewigkeit; denn auf Erden können sie weder je innere Ruhe, noch Freude an ihrem ungerechten Besitzthume haben, und in der Ewigkeit verlieren sie nicht nur diese ihre ungerechten Güter, sondern auch die ewige Seligkeit; denn „Diebe werden das Reich Gottes nicht besitzen." Mit Recht ruft daher der heilige Augustin allen Denen, welche ungerechtes Gut an sich reißen und deö Diebstahls sich schuldig machen, also zu: „Was hast du gewonnen, was verloren? Gewonnen hast du Gold; verloren hast du deinen Glauben (deinen Frieden), ja, deinen Gott! Vergleiche einmal den Glauben oder Gott mit dem Golde! Du denkst an deinen Gewinn; denkst du aber auch an deinen Verlurst?" O wie qualvoll muß das Leben der Räuber und Diebe sein! — Ein Dieb stahl dem heiligen Medardus einen Ochsen, der an seinem Halse eine Glocke trug. Hierauf führte er den Ochsen nach Hause; aber ohne daß sich derselbe rührte, läutete die Glocke immer fort. Da es dunkel zu werden anfing, und der Dieb entdeckt zu werden fürchtete, so füllte er die Glocke mit Heu aus; aber dessenungeachtet läutete sie. Was that er also hierauf? Er nahm sie dem Ochsen ab und verschloß sie in einen Kasten; aber auch da hörte sie nicht auf zu läuten. Dann vergrub er die Glocke in die Erde; aber auch da läutete sie immer fort. Endlich nahm der Dieb voll Schrecken den Ochsen mit sich und gab ihn dem heiligen Medardus zurück, worauf die Glocke alsogleich zu läuten aufhörte. — Machen wir die Anwendung bievon auf uns selbst! Wer fremdes Gut besitzt, hat in seinem Innern eine fortwährend tönende Glocke und in seinem Gewissen einen immer wachsamen Hausbahn, (sieh das nebenstehende Bild!) der ihm zuruft: „Wenn du das fremde Gut nicht zurückgibst, so gehst du ewig verloren." Fr. Wie versündigt man sich durch Betrug? Antw. Wenn man den Nächsten irgendwie hintergeht. Belehrung. Dieß kann auf mancherlei Art geschehen, z. B- wenn man Jemanden betrügt durch falsches Maaß und Gewicht oder durch falsches Geld, durch schlechte Maaren; wenn man für seine Arbeit oder Waare zu viel fordert; wenn man die Grenzsteine in den Feldern verrückt; wenn man Feuer anlegt, um Geld aus der Brandkasse zu bekommen; wenn man falsche Scheine oder Urkunden anfcrtigt, ungerechte oder unnöthige Prozesse führt; Richter oder Zeugen zu bestechen sucht, wenn man fremde Gelder unterschlägt, Banquerott macht rc. — Auch vor all' diesen Sünden des Betruges warnt uns die heilige Schrift auf das Ernst- Am Feierabende des 8. November. 723 lichste: »Du sollst kein Unrecht thun," spricht Gott schon durch Moses (3. Mos. 19, 35.), „in der Elle, im Maaße, im Gewichte; ein Gräuel ist vor dem Herrn ein doppeltes Gewicht; eine falsche Wage ist nicht gut." Und wiederum (3. Mos. 19, 14.): „Du sollst die Grenzsteine deines Nächsten nicht verrücken!" Und im N. B. schreibt der Apostel (1. Thess. 4, 6.): „Keiner übervortheile, Keiner überliste seinen Bruder im Geschäfte; denn der Herr ist Rächer von Allem diesen." Beispiel und Anwendung. Ja, mein christlicher Leser! glaube es: Gott rächt all' diese Betrügereien und Ungerechtigkeiten. Folgende Begebenheit soll dir zum warnenden Beispiele dienen. Ulrich bewohnte ein hübsches Haus, das von einem grünen Platze voll fruchtbarer Bäume umgeben war. Die Wiese des Nachbars stieß daran. Der gewissenlose Ulrich wollte seinen Platz auf Kosten des Nachbars vergrössern und rückte bei Nacht den Markstein in die Wiese des Nachbars vor. Einige Zeit nachher stieg Ulrich an einer Leiter auf einen Baum, um Kirschen zu pflücken. Als er ganz oben war, siel er mit der Leiter zu Boden und zerschmetterte sich an dem Markstein das Genick. Hätte Ulrich den Stein nicht verrückt, so hätte er sich auf dem Grasboden keinen Schaden gethan. Wie sorglos wälzt der freche Bösewicht Den Stein herbei, der ihm den Nacken bricht! Legende: Der heilige Gottfried, Bischof zu Amiens (P 1115). ' Zur Zeit dieses heiligen Bischofs, dessen Andenken heute gefeiert wird, und der aus einer adeligen Familie im Bezirke von Soissons abstammte, herrschte in Frankreich großes Sittenverderbniß. Ungerechtigkeiten jeder Art, Raub und Diebstahl, Betrug und Hinterlist waren allenthalben an der Tagesordnung. Gegen all' diese Laster zog nun der heilige Gottfried, besonders als er wegen seiner erhabenen Tugenden vom Volke sowohl, als auch von der Geistlichkeit einstimmig zum Bischöfe von Amiens erwählt worden war, mit dem Schwerte des göttlichen Wortes zu Felde, und zwar nicht selten siegreich. Es fehlte allerdings nicht an Solchen, die ihn deßhalb haßten und verfolgten; allein er ermüdete in seinem heiligen Eifer nicht, und so beschloß er sein Leben als eine wahre Zierde der Kirche in jener an Tugend so armen und an Lastern so reichen Zeit im Jahre 1115. Gebet. Wir bitten Dich, o Gott! flöße uns auf die Fürbitte des heiligen Gottfried einen heiligen Abscheu ein gegen alle Laster der Welt und gegen jede Ungerechtigkeit, auf daß wir nie unfern Nächsten an seinem Eigenthume irgendwie beschädigen, sondern in allen Stücken ehrlich und redlich handeln, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihmldertuuddreizehiites Lesestück. Am Feierabende des 9. November. Das siebente Gebot verbietet ferner: Wucher und alle ungerechten Beschädigungen am Eigenthume des Nächsten. Fr. Was verbietet das siebente Gebot noch ferner? Antw. Wucher, sowie alle andern Beschädigungen am Eigenthume des Nächsten. Fr. Wer versündigt sich durch Wucher? Antw. Durch Wucher versündigt sich: 1) Wer für das Geliehene unerlaubte Zinsen fordert; 2) wer das Getreide oder die Maaren zusammeukanft, um den Preis in die Höhe zu treiben; 3) überhaupt Alle, welche die Noch oder Unwissenheit des Nächsten zu ihrem eigenen Vortheil oder Gewinn mißbrauchen. Belehrung. Unter Wucher im Allgemeinen versteht man jeden übermäßigen und ungerechten Gewinn. Vorzüglich aber gibt es zwei Arten des allerschädlichsten Wuchers, unter welchem die Armen und Minderbemittelten oft sehr schwer leiden müssen, — nämlich Getreid- und Geld« Wucher. Getreidwucher ist es, wenn ein Geldgieriger das Getreide zusammenkauft, es aufspeichert und so eine Theuerung herbeiführt, um seinen Borrath recht hoch an die Armen zu verkaufen. Geldwucher ist es, wenn der 91* Das siebente Gebot verbietet ferner: Wucher und alle ungerechten Beschädigungen rc. 724 Viertes Hauptstiick. Kapitalist seine Kapitalien zu ungesetzlich hohen Zinsen aus- lciht und so Denjenigen drückt, der eben Geld nothwendig hat. Landesübliche Zinsen zu nehmen, ist indeß keine Sünde, weil der Kapitalist beim Ausleihen immer Etwas daran wagen muß, Derjenige aber, welcher zu leihen nimmt, durch das Anlehen Etwas gewinnen kann. — Der Wucher ist eines der abscheulichsten Laster auf Erden; denn ein solcher Mensch ist unersättlich; er will Alles für sich haben, Alles für sich genießen; für das Elend und die Noth seiner Mitmenschen hat er kein Herz. (Sieh das nebenstehende Bild!) Daher straft aber auch Gott dieses Laster an dem Wucherer oder doch gewiß an seinen Kindern. „Wer ans Wucher nimmt," spricht Gott der Herr, „und darüber nimmt, — sollte der leben? Nein, er soll nicht leben: da er alle diese Greuel gethan, soll er des Todes sterben: an seinem Blute trägt er selbst die Schuld." (Ezech. 15, 13.) Und in den Sprüchwörtcrn (11, 26.) heißt es: „Wer Korn verbirgt, wird verflucht unterm Volke." Beispiel und Anwendung. Die Erfahrung lehrt es zur Genüge, daß die Strafe für den Wucher nicht aus- blcibt. Vor mehreren Jahren war zu Rimini eine Teuerung ausgebrochen; Alles trauerte, da der Getreidepreis immer höher stieg, nur Einer freute sich Dessen, nämlich ein elender Wucherer, der eine Menge Getreide aufgehänft hatte. Obwohl der Preis schon eine enorme Höhe erreicht hatte, so wollte er doch von seinem Vorrathe Nichts hergeben; es sollte noch theurer werden. Um aber den beständigen Anfragen und Bitten der bedrängten Einwohner zu entgehen, begab er sich auf sein Landgut hinaus, ging aber täglich ans vie Landstraße, die an demselben vorüberführte, und fragte neugierig die von der Stadt herkommenden Leute, wie hoch der Preis des Getreides stehe. Wenn nun diese traurig antworteten, daß er immer höher steige, heuchelte er zwar Bedauern, das Herz aber lachte ihm. — Da geschah es nun, daß zwei edle Menschenfreunde eine große Menge Getreides in Apulien zusammenkauften, und es nach Rimini bringen ließen, um der Noth abzuhelfen. Nun fiel der Preis an einem Tag um die Hälfte herab. Der Wucherer, der an eben diesem Tage im Sinne hatte, in die Stadt zu gehen, um die Noth seiner Mitmenschen sich zu Nutzen zu machen, stellte sich zuvor noch an die Straße, um den Ge- treideprcis zu erfahren, ward aber nicht gar angenehm überrascht, als er eine Menge Leute — jubelnd und singend — ihre mit Gctreidesäcken schwer bepackten Esel vor sich her- trciben sah. Nichts Gutes ahnend, fragte er mit zitternder Stimme, wie es mit dem Preise stehe. „Alleluja!" riefen die Gefragten, „heute ist der Preis um die Hälfte gefallen." Der Wucherer stand wie versteinert da; nach einigen Minuten murmelte er nur: „Um die Hälfte gefallen!" Als er in sein Hans trat, kamen ihm Frau und Kinder entgegen und hießen ihn freundlich willkommen; er aber sprach nur: „Um die Hälfte gefallen!" — Er legte sich zu Bett; die Frau, erschrocken über sein blasses Aussehen und den stieren Blick, ließ den Arzt rufen ^ dieser aber brachte Nichts aus dem Patienten heraus, als immer und allezeit die Worte: „Um die Hälfte gefallen!" Man holte einen Priester, der ihn zur 8« M IMIIIIMI VRW Buße und Beicht ermahnte; aber die Antwort war: „Um die Hälfte gefallen!" Sein Zustand verschlimmerte sich immer mehr, bis er nach kurzer Zeit mit den Worten verschied: „Um die Hälfte gefallen!" — Siche, mein Christ! Dieß ist nicht selten das furchtbare Ende des Wuchers. Es gibt aber auch nicht leicht ein abscheulicheres Laster, als dieses. Der Wucherer ist ein Mensch ohne Herz, der das Mark der Armen aussangt; er ist in der menschlichen- Gesellschaft Das, was der Bandwurm im menschlichen Leibe ist, der den Gliedern allen Nahrungssaft entreißt und an sich zieht. Kein Wunder also, wenn Gottes Rache den Wucherer ereilt. Am Feierabende des 9. November. 723 Fr. Wie kann man sich auch noch durch andere Beschädigungen am Eigenthume des Nächsten versündigen? Antw. Auf mancherlei Weise, z. B. wenn man fremde Wiesen, Saaten oder Bäume verderbt; wenn man fremdes Vieh verwundet oder tödtet; wenn man Handwerker oder Kaufleute verschreit, um ihnen die Kunden zu entziehen n. s. f. Hiezu sind auch noch zu rechnen: die sogenannten Schwärzer, die heimlich ausländische Maaren hereinbringen, ohne die dafür schuldigen Zoll- und Mauthabgaben zu entrichten, die Walddiebe und Holzfrevler, sowie Jene, die sich Malzdefrau- datiouen erlauben rc. Belehrung und Beispiel. O wie oft werden diese Sünden begangen und dabei sogar noch für ganz gering geachtet! Aber gar sehr irren sich diese Leichtfertigen; denn durch all' diese Beschädigungen und Ungerechtigkeiten versündigen sie sich schwer gegen das siebente Gebot Gottes, wie sie aus- nachfolgender Erzählung ersehen mögen. Ein Mann, der schon öfters Holz aus den Waldungen entwendet hatte, entschulvigte sich, als er von seiner Obrigkeit darüber zur Rede gestellt wurde, damit, daß er es für keine Sünde halten könne, indem ja Gott das Holz für alle Menschen wachsen lasse. Da er aber deßungeachtet doch gestraft wurde, so äußerte er seine Unzufriedenheit und legte seinen Trotz in hartem Tadel über die Obrigkeit an den Tag. Nun ereignete es sich aber, daß er einstmals einige Knaben in seinem Garten ertappte, welche ihm so eben einen Baum voll Aepfel abgeleert hatten. Er führte sie sogleich zu Gericht und klagte sie als Diebe vor eben demselben Richter an, vor welchem er jene Aeußerung gemacht hatte. Nachdem dieser lange seinen Schmähungen schweigend zugehört hatte, sprach er sich endlich dahin aus, daß er diese That für keinen Fehltritt halten könne, da Gott das Obst für Alle wachsen lasse. Der Kläger ließ sich aber nicht irre machen, sondern forderte in dreisten Ausdrücken ihre Bestrafung, sich darauf stützend, daß der Baum auf seinem Grunde stünde. Da bestrafte der Richter die kleinen Diebe, wie sie es verdienten, erinnerte aber nachdrücklich den Kläger an seine jüngst gemachte Aeußerung, indem er sprach: „Was du nicht willst, das dir die Leute thun, thue ihnen auch nicht!" Lege nde:DerheiligeMarth rer Theodor (fl 306.) Eben diesem christlichen Grundsätze huldigte durch sein ganzes Leben der heilige Theodor, dessen Fest wir heute feiern. Gebürtig aus Syrien oder Armenien, widmete er sich von Jugend auf dem Soldatcnstande und duldete von seinen untergebenen Soldaten nie, daß sie raubten und plünderten, oder sonstwie Jemandem am Eigenthume einen Schaden ziifügten. Ueberhaupt leuchtete er ihnen als ein christlicher Tugendheld durch sein erhabenes Beispiel überall voran, besonders aber durch seine Standhaftigkeit im Bekenntnisse des christlichen Glaubens. Nichts konnte ihn bewegen, den Göttern zu opfern; ja, er steckte sogar den Tempel der Göttin Chbele zu Amasea in Brand. Hierüber wurden nun seine Richter so sehr erbittert, daß sie ihn grausam martern ließen und ihn endlich znm Feuertode verurtheilten i. I. 306. Gebet. Herr, himmlischer Vater! stärke uns, daß wir ebenso, wie der heilige Theodor, stets standhaft im Glauben und recht und gerecht in unserm Handel und Wandel befunden werden, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihundertimdliierzehntes Lesestmk. Am Feierabende des 10. November. Das siebente Gebot verbietet endlich: jede Entwendung oder Neber- vortheilung, besonders die sogenannten Hausdiebstähle. Fr. Was verbietet das siebente Gebot endlich noch? Antw. 1) Jede, auch die geringste Entwendung oder Uebervortheilnng, besonders aber 2) die sogenannten Haus- oder Familiendiebstähle. 726 Viertes Hauptstück. Das siebente Gebot verbietet endlich: jede Entwendung oder Uebervortheilung rc. Belehrung. 1) Manche erlauben sich kleine Entwendungen oder Uebervortheilungen — in der Meinung, daß dieß eben nicht gar sehr gefehlt sei; allein es ist hier gar wohl zu merken, daß auch solche kleine Entwendungen oder Uebervortheilungen schwere Sünden gegen das siebente Gebot sind, wenn man sie öfters wiederholt, so daß der Eigcnthnmer einen bedeutenden Schaden leidet, oder wenn der Verlust der an sich geringfügigen Sache dem Nächsten einen nicht geringen Nachtheil verursacht. Gar leicht geht man von derlei kleinen Diebereien zu größeren über und stürzt sich dadurch in's Verderben; die tägliche Erfahrung liefert uns hiezu traurige Beispiele genug. Die meisten Diebe, die im Zuchthaus starben, fingen im Kleinen an und endeten im Großen. — Nicht minder häufig als durch solche kleine Entwendungen sündigt man 2) auch durch die sogenannten Haus- oder Familiendiebstähle, die von Eltern und Kindern sowohl, als auch von Dienstboten begangen werden. Fr. Auf welche Weise begehen Kinder und Eltern einen Haus- oder Familiendiebstahl? Antw. Wenn sie nachlässig in ihren Arbeiten sind oder wohl gar durch Spiel oder Verschwendung ihre Familie in Noth bringen. Belehrung und Beispiele. Familiendiebstähle werden auf gar mannigfaltige Weise begangen. Wie oft gleichen die Kinder diebischen Hunden und Katzen, die Alles aus dem Hause schleppen, was sie erwischen können! (Sieh das nebenstehende Bild!) Sie entwenden ihren Eltern Geld, Getreide, Leinwand oder andere Sachen, die sie alsdann verwerthen, um Vergnügungen mitmachen oder sich schönere Kleider an- schaffen zu können. Das sind Familiendiebstähle, durch welche die Kinder nicht selten die Dienstboten in falschen Verdacht bringen und ihren Geschwistern Etwas vom Erb- theil entziehen. Darum heißt es (Sprüchw. 28, 24.): „Wer seinem Vater oder seiner Mutter Etwas nimmt und spricht, cs sei keine Sünde, der ist der Genosse eines MörderS." Auch das ist ein Familiendiebstahl, wenn die Glieder einer Familie das Hauswesen vernachlässigen, ihre Schuldigkeit nicht thun, träg und nachlässig sind. Der größte Diebstahl wird aber von Seite der Eltern sowohl, als der Kinder begangen, wenn sie durch Spiel oder Verschwendung ihre Familie in Noth und Armuth bringen. Und ach! wie oft ist dieß nicht der Fall! Wie viele Familien sind nicht durch Verschwendung oder durch verderbliche Spielwuth, (hiezu gehört auch das Lotteriespicl,) an den Rand des Verderbens gebracht worden! Möchten doch alle Glieder der Familie diese so verderblichen Laster fliehen und in dieser Beziehung von gleicher Gesinnung beseelt sein, wie Kaiser Joseph II. Einst wurde nämlich bei Hof zu Versailles vom Spielen geredet, und als man Joseph II. fragte, ob er auch das Spiel liebe, so antwortete er: „Nein, ich spiele nicht; verliert ein Fürst beim Spiel, so verliert er der Un- terthanen Geld." So sollte auch jeder Familienvater, jeder Sohn, jede Tochter denken und sprechen: „Verlieren wir im Spiele oder machen wir verschwenderische Ausgaben, so verlieren und verschwenden wir das Geld unserer Familie, wir begehen einen Diebstahl im eigenen Hause." Fr. Wie können Dienstboten einen Hausdiebstahl begehen? Antw. Wenn sie in Erfüllung ihrer Pflichten nachlässig sind, oder wenn sie ihren Dienstherrschaften Etwas veruntreuen. Belehrung und Beispiel. Wenn den Dienstherrschaften durch die Nachlässigkeit der Dienstboten -ein Schaden zugeht, so ist dieß ein Diebstahl — an der Dienstherrschaft verübt. Noch größer aber ist die Sünde, wenn die Dienstboten MMWMWi ihrer Herrschaft Etwas veruntreuen. Es ist ihnen nicht einmal erlaubt, von dem Vermögen der Herrschaft Almosen zu geben, es müßte denn sein, daß die Herrschaft Am Feierabende es weiß und gutheißt; denn „die Gerechtigkeit geht derMild- thätigkeit vor," sagt der heilige Augustin, und setzt dann noch bei: „Hast du, so gib von demDeinigen; hast du nicht, um von dem Deinigen geben zu können, so wirst du besser thun, Nichts zu geben, als Andere zu berauben." Um wieviel mehr ist es alsdann gefehlt, wenn die Dienstboten dem Vieh das Futter entziehen, wenn sie Flachs, Hanf, Getreide re. zurückbehalten, um es für sich zu ver- werthen u. s. f. Das sind große Sünden, und die Strafe dafür bleibt selten aus. — Ein Bauernknecht war voll Habsucht und nährte in sich immer den Gedanken, nicht eher zu ruhen, als bis er sich ein Bauerngut erworben hätte. Zur Erreichung seines Zweckes war ihm kein Mittel zu schlecht. Er sparte zwar und arbeitete, aber das genügte ihm nicht. Das Geld war sein Gott, und wo immer er es erlangen konnte, war es ihm recht. Er bestahl endlich seinen Herrn auf verschiedene Weise. Anfangs gab er den Pferden kaum die Hälfte des Futters und verkaufte dann das Uebrige. Später, als er bemerkte, daß sein Herr einige hundert Thaler vorräthig habe, stahl er sie. Allein an einer seltenen Münze wurde er entdeckt, und anstatt eines Bauerngutes bekam er den verdienten Lohn in einem Zuchthause. — So straft Gott in der Regel alle Sünden, welche man gegen das siebente Gebot begeht. Fr. Was soll uns daher von den Sünden gegen das siebente Gebot abschrecken? Antw. Der Gedanke, daß uns das fremde Gut nur Unheil und Verderben bringt für Zeit und Ewigkeit, und daß es uns der Tod doch einst entreißen wird. Belehrung. Von der Aneignung fremden Gutes soll uns also ganz besonders der Gedanke abschrecken: 1) Daß uns der Tod das fremde Gut doch entreißen wird, und vielleicht früher, als wir es erwarten; 2) daß fremdes Gut nicht Glück undSegen bringt, sondern Unheil, Fluch, Angst und ein unseliges Ende; denn „wer Unrecht säet, wird Unglück ernten." (Spr. 22, 8.) „Ungerechtigkeit gedeihet nicht," sagt ein christlicher Lehrer; „der Balsam, den du gestohlen hast, wird auf deinen Wunden zu Gift. Der entwendete Stein, mit welchem du den Grund zum Gebäude deines Glückes zu legen hofftest, wird dich unter den Trümmern desselben begraben;" 3) daß Nichts unsinniger ist, als um eines vergänglichen Gutes willen den Himmel zu verscherzen und seine Seele in's unauslöschliche Feuer der Hölle zu stürzen. „Es ist besser, Schaden am Verdes 10. November. 727 mögen zu leiden," sagt der heilige Hieronymus, „als das Heil der Seele zu verlieren; es ist besser, Etwas zu verlieren, was ja doch, wir wollen mögen oder nicht, einst zu Grunde gehen wird; es ist besser, freiwillig einer Sache zu entsagen, als Das zu verlieren, wofür wir Alles hingeben sollen." Und der göttliche Heiland sagt: „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber an seiner Seele Schaden leidet?" (Matth. 16, 26.) Beispiel und Anwendung. Im Schwabenlandc, unweit von dem Schloße Rosenstciu, stand eine Kapelle, Maria der seligsten Jungfrau geweiht. Und dahin zogen viele Arme und Kranke und Pilger zu beten. Und durch die Fürbitte Mariens wurden da viele Kranke geheilt, und viele Rathlose erhielten Rath, und viele Traurige wurden getröstet; und aus Dankbarkeit opferten die Geheilten Gaben von Gold und Silber und edlen Steinen, und großer Reichthum häufte sich in der Kapelle. Das sahen die Ritter, die in dem Schloße Rosenstein lebten, und da sie gottlosen Ge- müthes waren, so sprachen sie zu einander: „Laßt uns Säcke nehmen und hinüberreiten nach der Kapelle und die kostbaren Gaben rauben!" Und eines Morgens zogen sie zur Kapelle; die Sonne schien, und die Waldvögelein sangen; ob der Kapelle aber war eine Wolke klein und schwarz. Und die Ritter gingen hinein und fingen an die Kostbarkeiten in die Säcke zu thun. Und wie sie damit gehen wollten, schlug der Blitz aus der schwarzen Wolke und verbrannte sie alle zur Asche. Die Kostbarkeiten aber verbrannten nicht. — Also straft Gott die Ruchlosen. Legende: Der heil. Andreas Avellinus (ch 1590). Wie rechtlich in all seinem Thun und Lassen war der heilige Andreas Avellinus, dessen Fest heute 728 Viertes Hauptstück. Daß siebente Gebot begangen wird! Wie sehr verabscheute er jede, auch die geringste Uebervortheilung in Wort und That! Zu Castro Novo im Neapolitanischen gebürtig, verlegte er sich auf die Rechtsgelehrsamkeit und vertrat das Amt eines Rechtsanwaltes in geistlichen Angelegenheiten. Als er aber einmal bei der Verteidigung einer gerechten Sache, um ja die Richter zu einem günstigen Urtheile zu bewegen, eine Lüge gebrauchte und bald darauf die Worte der heiligen Schrift las: „Ein Mund, welcher lügt, tödtet die Seele," so ergriff ihn eine solche Reue darüber, daß er nicht nur bis zu Thränen gerührt wurde, sondern auch seine Stelle verließ und sich in den Theatinerorden begab, um eine strengere Lebensweise zu führen. Von äußerlichen sowohl, als innerlichen Leiden entkräftet, starb er am Fuße des Altares vom Schlagfluße getroffen i. I. 1590. Gebet. O Gott, der du dem heiligen Andreas die Gnade verliehen hast, in allen Stücken ehrlich und redlich zu handeln und täglich in der Tugend zuznneh- men, gib. daß wir seinem Beispiele folgen und mit ihm zur himmlischen Herrlichkeit gelangen, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihnndertnndfünszehntes Lesestück. Am Feierabende des 11. November. Das siebente Gebot gebietet, Jedem das Seinige zu lassen. Fr. Was befiehlt uns das siebente Gebot? Antw. Es befiehlt uns: 1) Jedem das Seinige zu lassen, und 2) Jedem das Seinige zu geben. Fr. Mas heißt das: „Lasse Jedem das Seinige?" Antw. Es will soviel sagen, als: „Das Eigenthum deines Nächsten sei dir heilig; beschädige ihn nicht an seinem Vermögen; sei redlich und ehrlich im Handel und Wandel und trage nach Kräften zum allgemeinen Besten bei!" Belehrung und Beispiele. Als erster Grundsatz muß hier der Ausspruch der heiligen Schrift gelten: „Was du willst, daß man dir thue, das thue auch Andern!" Wer sich an diese Vorschrift hält, der wird sich gewiß nie gegen das siebente Gebot verfehlen; er wird es fühlen, wie wehe es thut, wenn man unser Eigenthum irgendwie beeinträchtigt, und wird darum Jedem lasten und gönnen, was sein ist; zugleich wird er sich bemühen, nach Kräften das allgemeine Beste zu befördern, den Nächsten vor Schaden zu bewahren gebietet, Jedem das Seinige zu lassen. und das Eigenthum desselben, wenn es in Gefahr ist, zu retten. Er wird ehrlich und redlich sein in all seinem Thun und Lassen, im Handel und Wandel, in Maß und Gewicht, wie der heilige Kaufmann Homobonus (sieh das obige Bild!), und wird sich hüten vor jeder Beschädigung und Uebervortheilung seines Nächsten, sowie vor jedem ungerechten Kreuzer. — Ein so ehrlicher, redlicher Mann war der alte Tobias. Als einst seine Frau ihm ein geschenktes Ziegenböcklein brachte, und er dasselbe blocken hörte, so sagte er sogleich voll zarter Gewissenhaftigkeit zu seinem Weibe: „Sehet zu, daß es nicht etwa gestohlen sei! Gebet es seinem Herrn zurück; denn etwas Gestohlenes dürfen wir weder essen noch anrühren." (Tob. 2, 21.) — Ein so ehrlicher und redlicher Mann war auch jener christliche Barbier zu Peking in China. Dieser fand einmal auf der Straße von Peking eine Geldbörse mit ungefähr zwanzig Goldstücken. Er sah sich um, ob keine der umstehenden Personen sich als Eigenthümer derselben bezeichne, und da er der Meinung war, sie könnte einem vor ihm gehenden Cavalier gehören, so ging er auf ihn zu und fragte ihn: „Haben Sie Nichts verloren, mein Herr?" Der Cavalier griff in seine Tasche und fand seine Börse nicht mehr darin. Er sagte also: „Allerdings; ich habe zwanzig Goldstücke in meiner Börse verloren." — „Seien Sie darum ohne Sorgen," antwortete der Barbier, „hier ist sie; es wird auch nicht Ein Stück fehlen." Der Cavalier nahm sie, und einigermaßen von seinem Schrecken erholt, bewunderte er die Rechtlichkeit dieses Mannes. „Wer seid Ihr?" fragte er, „wie nennt Ihr 729 Am Feierabende des 11. November. Euch? wo wohnt Ihr?" „Darauf," antwortete der Barbier, „wird es nicht ankommen; Sie brauchen eigentlich nicht zu wissen, wer ich bin. Es genügt zu sagen, daß ich ein Christ bin und Einer von Jenen, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, den Willen des Herrn zu thun. Dieser aber gebietet nicht bloß, Andern ihr Eigenthum nicht zu nehmen, sondern er gestattet auch nicht, Das zu behalten, was man gefunden hat." — Der Cavalier war von diesen edlen Grundsätzen des Christenthums so gerührt, daß er augenblicklich in eine christliche Kirche ging, um sich mit den Wahrheiten dieser Religion bekannt machen zu lassen. Ja, wer ein wahrer Christ ist, Der ist gewiß auch ehrlich und redlich, Der läßt und gibt Jedermann das Seinige und ist zufrieden mit Dem, was er hat. Fr, Wann werden wir dem Nächsten gerne das Seinige lassen und gönnen? Antw. Wenn wir mit Dem zufrieden sind, was wir haben. Belehrung. Der Zufriedene ist glücklich; er will kein ungerechtes Gut, sondern genießt, was er hat, freudig und friedlich. Daher schreibt der heiligePaulus (1. Tim. 6, 6 ff.): „Ein großer Gewinn ist Gottseligkeit mit Genügsamkeit. Wenn wir Nahrung und Kleidung haben, so lasset uns damit zufrieden sein; denn die reich werden wollen, fallen in Versuchung und in die Fallstricke des Teufels." Und in den Sprüchw. (16,8.) heißt es: „Besser ist Wenig mit Gerechtigkeit, als viel Einkommen mit Unrecht." Hüte dich also vor allen jenen Anläßen und sündhaften Handlungen, die dich zur Ungerechtigkeit, zu Raub und Diebstahl verleiten und in's Verderben stürzen können; hüte dich vor Naschhaftigkeit, Trunkenheit, Müßiggang, Spielen um Geld, vor Prahlerei und eitlem Putz! Nur wer Viel braucht, Der verlangt auch Viel; der Zufriedene ist stets reich genug. Beispiel und Anwendung. Der römische Feldherr Fabricius lebte von dem Ertrage eines kleinen Ackergutes, das er selbst bebaute, obgleich er Gelegenheit gehabt hätte, sich zu bereichern. Er stand häufig an der Spitze großer Heere, aber nie eignete er sich von den Besiegten ungerechtes Gut an und wies jede Bestechung zurück. Zu den Gesandten einer italienischen Völkerschaft, welche ihm große Geschenke anboten, sprach er: „Ich bin reich genug; denn ich habe meine Begierden einschränken und wenig brauchen gelernt." — Zu dem Könige Pyrrhus, der ihn wegen seiner Armuth bedauerte, sprach er: „Was fehlt mir dann? Obgleich arm, achten und lieben mich meine Mitbürger, und ich bekleide sogar die ersten Aemter im Staate. Ebenso glücklich bin ich in meinem Hause. Mein kleines Feld gibt Mehler, Hausbuch. mir das Nöthige, und das Ueberflüsfige begehre ich nicht. Wenn ich durch Arbeit hungrig geworden bin, so schmeckt mir jede Speise. Mein Rock ist schlecht, aber schützt mich vor Kälte. Was ich habe, reicht für meine Bedürfnisse hin. So mangelt mir Nichts." — Wie sehr beschämt dieser zufriedene Heide so viele unzufriedene Christen! Legende: DerheiligeBischofMartin(-s 397). Heute feiert die Kirche das Fest eines Heiligen, der nicht nur einem Jeden das Seinige ließ, sondern auch gerne bereit war, von seinem Eigmthume Andern mitzntheilen. Oder wer kennt nicht den heiligen Bischof Martinas und seine edle Handlungsweise gegen jenen halbnackten Armen am Thore zu Amiens? St. Martin, i. I. 317 zu Sabaria in Ungarn geboren, zu Pavia in Italien aber, wo sein Vater eine der ersten Stellen im Kriegsheere begleitete, erzogen, ließ sich in seinem zehnten Lebensjahre ohne Vorwissen seiner heidnischen Eltern unter Diejenigen aufnehmen, die zum Empfange der heiligen Taufe vorbereitet wurden; mußte jedoch, ehe er noch getauft war, dem Willen seines Vaters zufolge, Kriegsdienste nehmen und nach Frankreich ziehen. Er führte mitten unter rohen, zügellosen Genossen ein reines Leben und gab vielfache Beweise einer ächten Nächstenliebe. Als er eines Tages zum Thore der Stadt Amiens hineinreiten wollte und einen halbnackten Armen erblickte, zerschnitt er seinen Mantel, reichte dem Bettler die eine Hälfte und warf die andere wieder um sich. In der folgenden Nacht erschien ihm der Heiland, an- gethan mit der dem Bettler geschenkten Hälfte des Mantels und umgeben von einer Schaar Engel, zu denen er sprach: „Martin, der noch ein Katechumenus 92 730 Viertes Hauptstück. Das siebente Gebot gebietet, Jedem das Seinige zu geben und fremdes Gut zurückzuerstatten. ist, hat mich mit diesem Gewände bekleidet." — Jetzt zögerte Martinus nicht länger, sich taufen zu lassen, erhielt auch i. I. 356 die Entlassung aus dem Kriegsdienste, nnd begab sich nach Poitiers zu dem heiligen Bischöfe Hilarius. Dort zog er sich in ein Kloster zurück, und war nicht blos auf seine eigene Heiligung bedacht, sondern suchte auch Andere durch Wort und That zu heiligen. Als er i. I. 371 von Geistlichkeit und Volk zu Tours zu ihrem Bischöfe gewählt wurde, setzte er auch als solcher seine strenge Lebensweise fort und ward Allen Alles; ganz Frankreich verehrte in ihm einen Mann von apostolischem Geiste. Er starb i. I. 397. Gebet. Gib uns, o Gott! auf die Fürbitte des heiligen Bischofs Martinus einen genügsamen und zufriedenen Sinn und ein liebevolles Herz, auf daß wir nicht nur Jedem das Seinige lassen, sondern Armen und Hilfsbedürftigen auch gerne vom Unsrigen mittheilen, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihmidertundsechzehntes Lesestiick. Am Feierabende des 12. November. Das siebente Gebot gebietet, Jedem das Seinige zu geben nnd fremdes Gut zurnckzuerstatten. Fr. Verlangt das siebente Gebot nur, daß wir Jedem daS Seinige lassen sollen? Antw. Nein; cs verlangt auch, daß wir Jedem das Seinige geben sollen. Fr. Was heißt Das: Jedem das Seinige geben? Antw. Es heißt: Jedem geben, was wir ihm 1) schuldig sind, und 2) was fein ist. Belehrung. Wir müssen dem Nächsten geben: 1) was wir ihm schuldig sind, d. h. dem Arbeiter muß man die uns geleistete Arbeit, dem Handelsmann die an uns abgegebene Waare richtig bezahlen, der Schuldner muß seinen Gläubiger gewissenhaft befriedigen u. s. w. Wir müssen aber dem Nächsten 2) auch Das geben, was sein ist, d. h. wir müssen ihm Das wieder zurückerstatten, was wir von seinem Eigenthume w i d e r s e i n e n W i l l e n oder w id e r - rechtlich haben; wir müssen sonach zurückgeben ein uns bloß anvertrautes Gut (Depositum), ein gefundenes Gut, sowie endlich jedes ungerechte Gut. Fr. Warum muß man fremdes Gut wieder erstatten nnd den Schaden nach Kräften ersetzen? Antw. Weil man sonst keine Verzeihung bei Gott erhält. Belehrung. Wenn man fremdes Gut besitzt oder den Nächsten beschädigt hat, so ist es unerläßliche Pflicht, das fremde Gut wieder zu erstatten und den Schaden nach Kräften zu ersetzen; ohne dich erhalt man keine Verzeihung bei Gott. „Die Sünde wird nicht nachgelassen, es werde denn das Entwendete zurückgestellt," sagt der heilige Augustin, und der heilige Gregor der Große bemerkt: „Wenn Der eine so große Strafe erleiden muß, der überwiesen wird, Nichts von dem Seinigen gegeben zu haben; welche Strafe wird Dem werden, der beschuldigt wird, Fremdes genommen zu haben?" — Auch in der heiligen Schrift ist diese Restitutionspflicht vielfach und deutlich ausgesprochen. Schon im 2. Mos. 22, 5—6. heißt es: „Wenn Jemand einen Acker oder Weinberg beschädigt und läßt sein Vieh hinein, daß es weide auf fremder Hut, der soll das Beste, was er auf seinem Acker oder Weinberge hat, nach des Schadens Schätzung erstatten. Wenn Feuer auskommt und die Dornen erreicht und die Garben ergreift oder die stehende Saat auf dem Felde, so soll, wer das Feuer angezündet, den Schaden ersetzen." Und im N. T. spricht der göttliche Heiland: „Wahrlich, Ich sage, du wirst von da (aus dem Kerker) nicht herauskommen, bis du den letzten Heller bezahlt hast." (Matth. 5, 26.) Wie nämlich die weltliche Obrigkeit leichtfertige Schuldenmacher im sogenannten Schuldthurme einzusperren pflegt, bis sie ihre Schulden abgetragen oder abgebüßt haben, (sieh das nachfolgende Bild!) ebenso macht es auch Gott in der Ewigkeit mit Jenen, die die Wiedererstattung unterlassen. Sie müssen ihre Schuld im Kerker der Reinigung abbüssen. Fr. Worauf hat man also bei der Wiedererstattung zu sehen? Antw. Auf folgende vier Punkte: 1) Wer Ersatz leisten muß, 2) wieviel, 3) wem und 4) wann man wiedererstatten muß. Belehrung. Da die Sache sehr wichtig ist für alle Jene, die ungerechtes Gut besitzen, so will ich dieß hier ausführlicher erklären und zeige also: 1) Wer Ersatz leisten muß. Ersatz muß leisten: u) Derjenige, der das fremde Gut oder dessen Werth besitzt, oder der den Schaden wirklich zugefügt hat; Ii) wenn dieser es nicht thut, Diejenigen, welche an der Sünde durch Rath oder That Thcil nahmen, oder welche dieselbe nicht hinderten, wiewohl sie es konnten, und vertragsmäßig oder von Amtswegen dazu ver- Am Feierabende des 12. November. 731 man das fremde Gut wicdcrerstattcn m u ß. Das fremde Gut muß man dcmEigen - thümer oder dessen Erben erstatten; wenn aber dieß nicht möglich ist, so muß man es den Armen geben oder zn frommen Zwecken verwenden. Wenn also der Eigenthümer selbst, oder Erben desselben vorhanden sind, so dürfen wir nicht etwa mit Uebcrgchung derselben das fremde Gut an Arme re. abgeben; denn „ gleichwie es große Ungerechtigkeit wäre," sagt der heilige Chrhsostomus, „wenn man Jemandem sein Kleid nähme, um es Einem zu geben, der dessen bedürftig wäre, ebenso ist cs gefehlt, wenn man Almosen gibt von einem Gute, das man wiedererstattcn sollte." 4) Wann man wiedererstatten muß. Man muß sobald alsmöglich Wiedererstattung leisten; die Pflicht der Wiedererstattung hört nur dann auf, wenn der Eigenthümer darauf verzichtet, oder wenn der Beschädig» völlig außer Stand ist, sic zu leisten; doch muß er mit allem Ernste dahin streben, nach Möglichkeit seiner Pflicht zu genügen. Beispiele und Anwendung. Ein schönes Beispiel in Bezug ans die so eben erklärte Restitutionspflicht gibt uns der Zöllner Zachäus. Er ist mit Freuden zum Wiererersatze bereit, und daher spricht er zum göttlichen Heilande: „Siehe, o Herr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und wenn ich Jemand betrogen i -.x cm. . , „ . habe, so erstatte ich es vierfach." Jesus war darüber sehr pflichtet waren. 2) Wieviel man erstatten muß. Hier crfrmt und ließ ihm die tröstlichen Worte vernehmen: „Heute muß man unterscheiden, ob man fremdes Gut wissentlich ist diesem Hause Heil widerfahren." (Luk. 19, 8—9.) — und widerrechtlich oder ohne Wissen und Willen Mache auch du, mein christlicher Leser! wenn du etwa frem- an sich gebracht oder zurückbehalten habe. Im ersten wenn du ungerechtes Gut besitzen solltest, deinem gött- E.«... sch.« halten, d. h. man muß nicht nur das fremde Gut selbst, ^n Erfüllung dieser Pflicht zurückhalten; denn in der Ewig- oder wenn es nicht mehr vorhanden ist, dessen Werth er- keit wirst du leiden und brennen müssen, bis der letzte Heller statten, sondern auch Dasjenige, was es einstweilen einge- bezahlt ist. Sei überzeugt, daß Niemand für dich Ersatz tragen hat, doch mit Abzug der Kosten, welche auch der ^skri wird, wenn du selbst cs nicht thust; und wehe dir .... ... ..... . .. ... . ... . , dann! — Ein sehr reicher Mann, der einen Theil seines Eigenthümer Nicht hatte vermeiden können. Und überhaupt Vermögens nur schreienden Ungerechtigkeiten verdankte, ward muß demselben aller Gewinn ersetzt werden, um den man gefährlich krank. Er wußte, daß der Brand bereits in sei- ihn gebracht, und aller Schaden, den man ihm verursacht nen Wunden war; und doch konnte man ihn nicht zum hat. Im zweiten Falle muß man, sobald man erfährt, Wiederersatze bewegen. Jedesmal, so oft davon die Rede daß es fremdes Gut ist, Alles erstatten, was von dem war, antwortete er: „Was sollte aus meinen drei Kindern ^ n . . a,. ^ werden? Sie wären elend." Diese Antwort hinterbrachte fremden Gute und Vesten Ertrag, nach Abzug der Kosten, ^ ^inem Geistlichen. „Würde," sprach dieser, „ihm noch vorhanden und überhaupt so viel, als man durch dessen Jemand ankündigen, ich hätte ein herrliches Mittel, den Besitz und Nutznießung reicher geworden ist. 3) Wem Brand zu stillen, so ließe er mich vielleicht rufen, und dann, 92* 732 Viertes Hauptstiick. Das siebente Gebot gebietet, Jedem das Seinige zu geben und fremdes Gut zurückzuerstattcn. denke ich, möchte ich ihn zum Wiederersatze vermögen." — Man beeilte sich, dem Kranken diese Nachricht zu bringen, der auch den Geistlichen bitten ließ, cksif's Schnellste zu ihm zu kommen. Dieser zögerte keinen Augenblick und ward sehr gut ausgenommen. „Das Mittel ist unfehlbar," sagte der Priester, „es ist einfach und es macht Euch Nichts zu leiden; nur ist es theuer, sehr theuer." — „Koste es auch tausend, ja fünftausend Gulden, es ist nicht zu theuer," erwiderte der Kranke, „worin besteht es?" — „Das ganze Mittel besteht darin, daß auf die in Brand gerathenen Stellen etwas Fett von einem lebendigen und gesunden Menschen gegossen wird; man braucht nicht viel; findet sich Jemand, der sich für fünftausend Gulden nur ein Viertelstündchen die Hand brennen lassen will, so reicht dicß hin." — „Ach!" sprach der Kranke, „ich besorge sehr, es findet sich Niemand dazu." — „FassetMuth," sprach der Geistliche, „Ihr wisset nicht, wie ergeben euere Kinder einem Vater sind, der ihnen so großes Vermögen hinterläßt. Laßt Eueren ältesten Sohn kommen; er liebt Euch; er soll Euer Erbe sein; sagt ihm: Du kannst deinem Vater das Leben retten, wenn du dir eine Hand brennen lassen willst, um mich zu heilen; ich hoffe zu ihm, er thut es. Sollte er sich indeß weigern, so machet dem zweiten den Vorschlag und versprechet ihm, ihn zu Eucrm Erben zu machen; weigert auch der sich, so thut es der dritte gewiß, um die Erbschaft zu bekommen." — Die drei Söhne wurden gerufen; nach einander wurde allen Dreien der Vorschlag gemacht; alle Drei verwarfen ihn. „Mein Vater! denkt nicht daran," sprachen sie und gingen fort. — „Ich begreife Euch nicht," sprach nun der Geistliche zum Kranken, „wenn Ihr nicht vollkommen von Sinnen seid, daß Ihr für solche Kinder Euern Leib und Eure Seele verlieren wollet, um im Feuer der Hölle gemartert zu werden, die, um Euch zu heilen und das Leben zu retten, nicht einmal eine Viertelstunde lang die Qual des Feuers auf Erden aushaltcn wollen. Welche Thorheit!" — „Ihr habt Recht," versetzte der Kranke, „Ihr habt mir die Augen geöffnet; man hole den Notar; höret, ich bitte Euch, unterdessen meine Beichte!" In llebereinstimmung mit seinem Priester, suchte er nun, so gut er konnte, seine Ungerechtigkeiten wieder gut zu machen, ohne Rücksicht darauf, was wohl aus seinen Kindern werden möchte. — Wohl allen Denen, die ihr Unrecht noch zur rechten Zeit einsehen und gut machen, ehe es zu spät ist, auf daß sie frei von aller Schuld ebenso getrost vor dem Angesichte Gottes erscheinen könne», wie der heilige Papst Martinus, dessen Fest heute in der Kirche gefeiert wird. Legende: Der heilige Papst Martinus (f655). Martinns, zu Tuderti in Umbrien geboren, wurde nach dem Tode des Papstes Theodor am 1. Juli 649 auf den päpstlichen Stuhl erhoben. Damals herrschte im Orient die Sekte des Monothelismus. Sowohl der Kaiser Konstans zu Konstantinopel, als der Patriarch Paulus waren von dieser Häresie angesteckt. Der Kaiser schickte sein Glaubensbekenntniß dem Papste zu, damit er es in der ganzen Christenheit verbreite. Dieser aber W»WWI»!MWI schrieb einen Brief an Paulus nach Konstantinopel, und schickte Gesandte an den Kaiser, um beide für die Wahr- - heit der katholischen Lehre zu gewinnen. Als jedoch der Kaiser diese Gesandten nach verschiedenen Inseln verbannte, hielt Martinus ein Concilinm von einhundert- fünf Bischöfen zu Rom, worin die katholische Lehre bekräftigt, die Ketzer Phrrhus, Chrns und Sergius verdammt, und Paulus excommunizirt wurde. Hierauf schickte Kaiser Konstans den Exarchen Olhmpius nach > Rom, den Papst gefangen zu nehmen oder zu tödten. Dieser befahl nun seinem Lanzenträger, den Papst zu - tödten, wenn dieser das hochheilige Opfer der Messe j entrichte. Als jener in die Kirche kam, erblindete er ! plötzlich. Konstans schickte hierauf den Kalliopas ab, der ^ den Papst gefangen nahm, und nach Konstantinopel ! brachte, wo er eingekerkert wurde. Als er sich nicht er- i gab, wurde er in den Chersonnes, wo Papst Clemens starb, verbannt. Ans seiner Verbannung schrieb er unter Anderm an seine Freunde: „Für meinen Leib wird der Herr sorgen; wie es ihm gefällt, in Trübsal oder Erquickung. Was sorg' ich lange, der Herr ist nahe, ich hoffe auf seine Barmherzigkeit. Grüßet mir Alle, die Mitleid mit mir haben!" Wenige Tage darauf starb er, nackdem er sechs Jahre, ein Monat und sechsnndzwanzig Tage Papst gewesen. Gebet. Stehe uns bei, o Gott! mit deiner Gnade, damit wir Jedem das Seinige geben und fremdes Gut gewissenhaft zurückerstatten, auf daß wir frei von aller Schuld einst ebenso getrost vor deinem Angesichte erscheinen können, wie der heilige Papst Martinus, — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Am Feierabende des 13. November. 733 DreihnndertundsieLenzehntes Lesestück. Am Feierabende des 13. November. Achtes Gebot Gottes. falschen Zeugen: „Sechs Dinge sind," heißt es (Spr. 6, 16. 19.), „die der Herr haßt, und das siebente verabscheut seine Seele: einen falschen Zeugen," und er bedroht sie mit Strafe und Verderben: „Ein falscher Zeuge entkommt nicht, und er bleibt nicht ungestraft." (Spr. 19, 5.) Wir sehen Das achte Gebot verbietet: falsches Zeugniß, Lüge, Heuchelei, aris der Geschichte der keuschen Susann a. (Sieh das Was verbietet das achte Gebot? vorausgehende Bild!) Jene zwei Aeltesten, welche gegen die Antw. Es verbietet vor Allem, falschesZeugniß keusche Susanns ein falsches Zeugniß ablegten, meinten aller- abzulegen, d. h. Etwas vor Gericht ausznsagen, was dings, weil Niemand außer ihnen den wahren Sachverhalt nicht wahr ist. mit angesehen habe, ganz sicher sein zu dürfen; und doch s brachte Gott ihr falsches Zeugniß wunderbar aus ihrem ei- Belehrung und Beispiele. Wenn man vor Gericht ^ ^ r ^ .L << 6 r L> genen Munde an den Tag, und sie mußten die Strafe, die Zeugniß ablegen muß, so darf man, wie schon beim Eide » ^ » .... .. näher erklärt worden ist, ja nichts Anderes sagen, als nur die reine Wahrheit, wie man sie weiß, nicht mehr und nicht weniger; wer also ein falsches Zeugniß ablegt, wer vor Gericht Etwas aussagt, was nicht wahr ist, Der begeht ein furchtbares Verbrechen; denn er verletzt die Wahrheit, die Liebe, die Gerechtigkeit und die Religion. Der falsche Zeuge verletzt 1) die Wahrheit; denn er lügt sie der Unschuld zugedacht, selbst erleiden. (Dan. 13.) Wahrlich, die Strafe für solche Ruchlosigkeit bleibt nicht aus. Fr. Was wird durch das achte Gebot noch ferner verboten? Antw. Besonders Lüge und Heuchelei. Fr. Was heißt Lügen? Antw. Lügen heißt wissentlich und vorsätzlich die gottlos und unverschämt in wichtigen Dingen vor Gott und Unwahrheit sagen. den Menschen, welche das Recht haben, Wahrheit von ihm Belehrung. Wenn man anders redet, als man denkt, zu verlangen; er verletzt 2) die Liebe; denn sicher thut er ^ dadurch Andere zu hintergehen, wenn man also wi ssent- Jemandem Unrecht und wehe, indem er durch sein falsches lich und vorsätzlich die Unwahrheit sagt, so ist man -in Zeugniß bewirkt, daß z. B. in einem Prozesse Derjenige, x^«!r. So lügt z. B. ein Handelsmann, der sagt, daß der Recht hat, verliert, der Andere, der Unrecht hat, ge- die Maare gut sei, daß sie ihm zwanzig Gulden gekostet winnt, oder daß die Unschuld unterdrückt, der Schuldige aber u. s. w., während er doch weiß, daß sie schlecht sei unbestraft entlassen wird; er verletzt aus eben diesem Grunde und ihm nur zehn Gulden gekostet habe. Keine Lüge hin. 3) anch die Gerechtigkeit, indem er die Richter täuscht; gegen wäre es, wenn man nur scherzweise oder im Witze sprechen würde, wo jeder Vernünftige gar wohl den eigent- 5 liehen Sinn verstehen kann; daher sind auch die sogenannte» Fabeln und Parabeln keine Lüge. — Die eigentliche Lüge ist eine abscheuliche Sünde. „Ein häßlicher Schandfleck am Menschen ist die Sünde," heißt es bei Sirach (20, 26.), und in den Sprüchw. (12, 22.): „Lügenhafte Lippen sind dem Herrn ein Gräuel;" denn die Lüge rührt vom Teufel her, der „ein Lügner und der Vater der Lüge ist." (Joh, 8, 44.) Und welch' Verderben richtet nicht die Lüge an! In ihrem Gefolge sind unzählige Sünden; daher sagt man im Sprüchworte: „Wer lügt, Der stiehlt." Ja, jeder Sünder ist auch ein Lügner; denn „die Sünder bedienen sich," wie ein christlicher Redner sagt, „der Lüge, wie eines Zauberringes, mit welchem sie sich vor Jedem unendlich verletzt er 4) die Religion, da er Gott den Wahr- sichtbar machen, der sie sonst beobachten könnte." Der hastigen zum Zeugen nimmt, um die Lüge zu unterstützen. Lügner hat keinen sittlichen Werth, ebenso wenig, als eine Daher bezeigt aber auch Gott so großen Abscheu gegen die Uhr einen Werth hat, die anders schlägt und anders zeigt. m 734 Viertes Hauptstück. Achtes Gebot Gottes. Das achte Gebot verbietet: falsches Zeugniß, Lüge, Heuchelei. Daher darf man auch niemals lügen weder znm eignen noch zum fremden Vortheil, nicht einmal aus Scherz oder Noch; denn jede Lüge widerstrebt Gottes Wahrhaftigkeit; so wenig man mit Pech spielen kann, ohne sich zu besudeln, ebenso wenig kann man mit der Lüge spielen, ohne die Seele zu beflecken. „Es ist nie erlaubt zu lügen," sagt der heilige Augustin; „selbst die Lüge, die man in der Meinung vorbringt, um dadurch Gott zu loben, ist verboten." Beispiele und Anwendung. Wir sehen es an Anauias und Saphira, wie sehr Gott die Lüge haßt und straft. Weil sie gelogen hatten, wurden sie mit plötzlichem Tode bestraft. (Apostelgesch. 5.) — Ein ähnliches Beispiel begegnet uns auch in der Geschichte per Heiligen. Zwei Bettler verabredeten sich, den heiligen Bischof Epi- phanius, von dem sie wußten, daß er auf dem Wege vorübergehcn werde, um ein Almosen anzusprechen und zwar so, daß der Eine sich todt stellen, der Andere aber unter Weheklagen um einen Beitrag zum Begräbniß bitten sollte. Der Bischof kam, und der lügenhafte Anschlag ward ausgeführt. Auf die Bitte des Bettlers sagte der Heilige ernsten Angesichtes: „Gott sei ihm gnädig!" und indem er zugleich dem Flehenden ein Stück Geld gab, fügte er hinzu: „Besorge diese Leiche! Dieser dein Genosse wird nicht mehr aufstehen." Der Bettler, bei diesen Worten an nichts Arges denkend, lachte im Herzen und stieß, als er den Heiligen aus dem Gesichtskreise verloren, den Genoffen mit dem Fuße, ihm scherzhaft bedeutend, er könne nunmehr sicher aufstehen. Aber da war weder ein Laut, noch eine Empfindung. Der Lebende, meinend, cs sei nur Verstellung, lobte ihn, daß er so geschickt einen Todten vorstellen könne. Als aber der Andere noch nicht antwortete, rief er endlich: „He, du Todter, steh' einmal auf, oder du bekommst keinen Pfennig!" und schüttelte den Leichnam mit beiden Händen. Da zeigte sich's endlich, daß der Genosse wirklich todt sei. Entsetzt fing nun der Bettler an, ernstlich zu jammern und zu weheklagen und seine Lügen für immer zu verwünschen. — O Christ! lüge nie. Fr. Darf man die Wahrheit nie verschweigen oder klug verschleiern? Antw. In wichtigen Fällen, wo die Nächstenliebe oder die Ehre Gottes es verlangt. Belehrung und Beispiel. Man ist nicht verpflichtet, einem Unberufenen jede Frage zu beantworten und Alles zu offenbaren; vielmehr ist es oft strenge Pflicht, die Wahrheit zu verschweigen. Ohne die Wahrheit zu verletzen, kann man einen Solchen mit der kurzen Erklärung: „Was geht das dich an?" zurückwcisen, oder man kann vie Wahrheit wenigstens klug und besonnen verschleiern. Wir sehen dieß z. B. in der Lebensgeschichte des heiligen Athanasius. Dieser wurde von den Arianern verfolgt und flüchtete sich daher auf einem Schiffe. Seine Verfolger hatten ihn alsbald erreicht; da ! befahl der Heilige das Schiff zu wenden und gerade auf seine ^ Feinde loszusteuern. Diese riefen nun den Entgegenkommen- ^ den laut zu: „Habt ihr den Bischof Athanasius nicht gesehen?" Sie antworteten ihnen: „Ja, es ist nicht lange her, so segelte er dieselbe Route, auf der ihr jetzt steuert," ein Ausspruch, der vollkommen mit der Wahrheit übereinstimnite. Und Athanasius war gerettet aus der Hand seiner Feinde. ^ Fr. Wie versündigt man sich durch Heuchelei? Antw. Wenn man Andere in Jrrthum zu führen sucht, indem man sich besser oder frömmer stellt, als man wirklich ist. Belehrung. Noch immer gibt es, leider! gar viele solche Heuchler, die stets von Gerechtigkeit reden, aber in Ungerechtigkeit leben, christliche Pharisäer, die Gott immer im Munde, den Teufel aber im Herzen haben; von ihren Lippen fließt Honig, im Herzen aber ist Gift verborgen. Ihnen ruft daher der göttliche Heiland zu: „Weh euch, ihr ! Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr über- ! tünchten Gräbern gleichet, welche von außen vor den Leuten ! zwar schön in die Augen fallen, inwendig aber mit Todten- ! gebeinen und allem Unrathe angefüllt seid! Gerade so er- ! scheinet auch ihr, von außen zwar gerecht vor den Menschen, inwendig aber seid ihr voll Heuchelei und Ungerechtigkeit." i (Matth. 23, 27. 28.) — Wahrlich, diese Sünde der Heuchelei ist nicht minder groß und abscheulich, als die Lüge. „Geheuchelte Gerechtigkeit," sagt der heilige Augustin, „ist keine Gerechtigkeit, sondern doppelte Ungerechtigkeit, weil sie Ungerechtigkeit und Heuchelei ist." Beispiele und Anwendung. An den Ufern des rothen Meeres wächst an jener verfluchten Stelle, wo einst Sodoma unb Gomorrha standen, ein rothwangiger, herrlicher I- Apfel mit jener farbenfrischen Pracht, die nur den Früchten ! des Morgenlandes eigen ist. Bei seinem Anblicke eilt der j Fremdling hastigen Schrittes herbei und bricht mit zitternder Freude die schöne Frucht; allein sie zerfällt in der Hand des Getäuschten in Staub und Asche. Es ist dieß der sogenannte Sodoms apfel, ein Bild des Heuchlers, von Außen Pracht, im Innern aber Moder. — Ein solcher Heuchler war J oab im A. und Judas im N. T. Jo ab stellte sich äußerlich so freundlich gegen Amassa; er drückte ihm herzlich die Hand und sprach: „Friede sei mit dir, Bruder!" Allein während er ihn mit der einen Hand freundlich umfaßte, durchbohrte er ihn mit der andern. (2. Kön. 20, 9.) Ebenso grüßte Judas seinen Herrn und Meister mit den freundlichsten Worten: „Sei gegrüßt, Meister!" — im Herzen Am Feierabende des 14. November. 735 aber überlieferte er ihn seinen blutdürstigen Feinden. (Matth. 26, 49.) — O wie verabscheuungswürdig ist doch die Heuchelei! Legende: Der heilige Stanislaus Kostka (f 1568). Wie liebenswürdig ist hingegen die Tugend der Wahrheitsliebe und Offenherzigkeit, wie wir sie an dem heiligen Stanislaus Kostka, dessen Fest auf den heutigen Tag fällt, erblicken! Dieser Heilige war ans der hochadeligen polnischen Senatorenfamilie Kostka i. I. 1550 im Schlosse Koskau geboren. Vom ersten Gebrauche der Vernunft an weihte er sich ganz dem Dienste und der Liebe Gottes, sowie der Verehrung der seligsten Jungfrau Maria, die er in zärtlichster Weise nur seine Mutter nannte. Jnsbesonders übte er die jungfräuliche Reinheit und hatte eine überaus zarte Schamhaftigkeit. Zur höheren Ausbildung wurde Stanislaus mit seinem älteren Bruder Paul in ein adeliges Seminarinm nach Wien geschickt, das unter der Leitung der Jesuiten stand. Leider wurde diese Erziehungsanstalt bald aufgehoben, und Stanislaus mußte nun seinem Bruder und einem Hofmeister folgen und in eine unpassende Behausung ziehen. Paul, der die Welt liebte, suchte seinen frommen Bruder Stanislaus auf jede Weise für dieselbe zu gewinnen; aber vergebens, weßhalb er in der strengsten und härtesten Weise dem guten Stanislaus begegnete, ja ihn sehr quälte. Stanislaus aber führte einen heißen und anhaltenden Kampf, ging jeden Sonntag zur heiligen Commnnion, verehrte täglich die heiligste Jungfrau, fastete oft, schlief wenig und theilte alle seine Zeit zwischen Studiren und Beten. Nach einer harten Krankheit, wo man ihm nicht einmal die priesterliche Zusprache und den Empfang der heiligen Sakramente gestattet hatte, entfloh er seinen Angehörigen in Pilgerkleidung, machte die beschwerliche Reise nach Rom und wurde vom heiligen FranzBorgia in den Jesuitenorden ausgenommen. Hier wurde der der engelgleiche Jüngling alsbald das Vorbild seiner Mitbrüder, das Muster jeglicher Tugend. Als eine der ersten Zierden des Ordens berechtigte Stanislaus zu den schönsten Hoffnungen. Doch der Herr rief ihn bald zur ewigen Krone im achtzehnten Jahre seines Lebens am 14. August 1568. Stanislaus wird als Schutzheiliger Polens verehrt. Gebet. Wir bitten dich, Herr, himmlischer Vater! um deine göttliche Gnade, auf daß wir alle Lüge, Falschheit und Heuchelei verabscheuen und nach dem Beispiele des heiligen und engelreinen Jünglings Stanislaus die Wahrheit und Aufrichtigkeit des Herzens lieben und bei all unfern Worten und Werken an den Tag legen, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihundertundachtzehntes Lesestück. Am Feierabende des 14. November. Das achte Gebot verbietet ferner: Ehrabschneidung und Verleumdung. Fr. Was verbietet das achte Gebot noch ferner? Antw. 1) Das Ehrabschneider: und 2) das Verleumden. Fr. Wie versündigt man sich durch Ehr abschneiden? Antw. Wenn man die Fehler des Nächsten ohne Noth offenbart. Belehrung. Ehrabschneider: überhaupt heißt: seinem Nebenmenschen Uebles Nachreden, wodurch der gute Name desselben Schaden leidet; insbesonders aber geschieht dies, wenn man die Fehler des Nächsten ohne Noth offenbart. Es heißt „ohne Noth;" denn cs kann auch Fälle geben, in denen man die Fehler des Nächsten offenbaren darf, ja sogar offenbaren muß, wenn es nämlich zum Besten des Fehlenden oder zur Verhütung eines größer« Hebels nothwendig ist; jederzeit muß aber dann dich geschehen aus guter Absicht; überdieß darf man den Fehler nicht vergrößern oder einen ungewissen nicht für gewiß angeben, und man darf ihn nur Solchen offenbaren, die dem Uebel abhelfen können; würde man es aber nur aus Bosheit thun und den Fehler des Nächsten überall ans- 736 Viertes Hauptstück. Das achte Gebot verbietet ferner: Ehrabschneidung und Verleumdung. posaunen, um ihn um Ehre und guten Namen zu bringen, so wäre dieß Ehrabschneidung, eine Sünde, die ebenso sehr von Lieblosigkeit, als Bosheit zeugt. Der Ehrabschneider hat die entgegengesetzte Eigenschaft des Schnees. Der Schnee bedeckt Alles und macht Alles glänzend, der Ehrabschneider aber entdeckt Alles und macht Alles schmutzig. „Die Ehrabschneider," sagt Cardinal Hugo, „gleichen den Käfern, welche die Blumen verlassen und sich auf den Koth setzen, indem sie die guten Werke ihres Nebenmenschen verschweigen und immer nur von seinen Sünden und Fehlern reden." Daher warnt Salomon: „Mische dich nicht unter die Ehrabschneider; denn ihr Verderben wird bald kommen." (Spr. 24, 22.) Beispiele und Anwendung. Wahrlich, die Ehrabschneidung ist eine ebenso verderbliche als abscheuliche Sünde. Als einst ein Soldat, der sein Schwert schärfte, gefragt wurde, ob es scharf sei, sagte er: „O ja, nicht minder scharf, als eine Ehrabschneidung." Hiemit wollte er sagen, daß Nichts schädlicher sei, als die Ehrabschneidung. — In diesem Sinne schreibt gar schön der heilige Bernhard: „Die Verleumdung ist ein dreischneidiges Schwert, welches mit Einem Stoße drei Wunden verursacht; es verwundet nämlich Den, welcher einem Andern die Ehre abschneidet, durch die Sünde, die er begeht; es verwundet Den, welchem die Ehre geraubt wird, weil er seinen guten Namen verliert; und es verwundet endlich auch noch Den, welcher zuhört, weil ein Jeder sich versündigt, der an solchen Reden seine Freude zu erkennen gibt." — Am Meisten aber schadet diese Sünde offenbar Demjenigen, der sie begeht; denn sie ist ein zuverlässiges Zeichen von dem nahen Tode der Seele, wie der heilige Alphons Liguori schreibt: „Es ist ein schlechtes Zeichen bei einem Kranken, wenn seine Zunge schwarz geworden ist; und oft kann mau die Größe einer Krankheit leichter nach der Zunge als nach dem Pulse beurtheilen. Der Puls zeigt bisweilen nicht an, daß das Fieber heftig ist; wenn aber die Zunge schwarz und vergiftet erscheint, sagt Hip Po kr at es, so ist dieß das sicherste Anzeichen des nahen Todes. Manche kommen in die Kirche, hören öfters die heilige Messe an und beten fleißig den Rosenkranz; aber ihre schwarze Zunge, die sie zum Ehrab- schneiden anwenden, deutet ihren nahen Tod an." Fliehe also, o Christ! diese abscheuliche und verderbliche Sünde! Fr. Wer macht sich der Sünde der Verleumdung schuldig? Antw. Derjenige, welcher dem Nächsten Fehler an dichtet, die er gar nicht hat, oder seine wirklichen Fehler vergrößert. Belehrung. Diese Sünde ist, sowie die Ehrabschneidung, um so größer, je wichtiger der Fehler und je ansehnlicher die Person ist, von der man ihn aussagt, je größer 8 » W der Schaden und Nachtheil ist, welcher ihr dadurch entsteht, je mehr Personen die Aussage hören, und je schlimmer die Absicht ist, welche man dabei hat. — Die Verleumdung ist eine abscheuliche Sünde gegen die Nächstenliebe; denn wenn es schon gefehlt und gegen die Liebe gehandelt ist, geheime Fehler des Nächsten an's Licht hervorzuziehen und bekannt zu machen, so ist es gewiß ein teuflisches Laster, irgend einem Menschen Fehler anzudichten und sie dann von ihm auszusagen. Auf solche Weise wird der Verleumder zum Mörder an der Ehre seines Nebenmenschen, und fügt ihm einen oft unersetzlichen Schaden zu; ja, nicht selten ist der Verleumder sogar schon der wirkliche Mörder seines Mitmenschen geworden, wie wir in der Lebensgeschichte des heiligen Emmeram gesehen haben — am 22. September. (Sieh das obige Bild!) Daher sagt der Prediger (10,11): „ Wer heimlich verleumdet, thut nicht weniger als eine Schlange, die in der Stille sticht." Beispiel und Anwendung. Der heilige AbtYpe- ricius konnte Nichts weniger leiden, als die Verleumdung; daher sagte er oft zu seinen Schülern: „Besser ist es, Fleisch zu essen und Wein zu trinken, als durch Verleumdung das Herz unserer Brüder zu verzehren; denn wie jene zischende Schlange die Eva aus dem Paradiese vertrieben hat, also mordet, wer seinen Bruder verleumdet, nicht nur seine eigene, sondern auch die Seelen Jener, die ihm zuhören." — Es darf uns daher nicht wundern, wenn Gott, der gerechte Vergelter, den Verleumder nicht selten mit schweren Strafen heimsucht. So erzählt der heilige Bernhard im Leben des heiligen Malachias, daß dem Verleumder dieses Heiligen die Zunge aufschwoll und Würmer auf derselben Am Feierabende des 1b. November. 787 herumkrochen. — Auch die heilige Schrift erzählt uns ein Beispiel hiezu. Aman verleumdete das israelitische Volk bei seinem Könige, indem er ihm anzeigte, daß dieses Volk sich neuer Gesetze bediene, und wider aller Völker Gewohnheit thue, der Könige Befehle verachte und aller Völker Eintracht durch seine Zwietracht verletze. Der König gab daher Befehl, dieses Volk gänzlich auszurotten. Da aber flehte Marli och äus» die fromme Esther und ganz Israel zu dem Herrn, auf daß er ihre Unschuld entdecken und Am an's Verleumdung vor aller Welt offenkundig werden lassen möge. Und Gott der Herr erhörte ihr Gebet; das israelitische Volk wurde verschont, der Verleumder aber mußte am Galgen sterben, und „so wurde ihm von Gott vergolten, was er verdient hatte." (Esth. 13 — 16 .) — Hüte dich also, christlicher Leser! vor der Verleumdung; denn Gott der Herr straft sie sicherlich hier oder in der Ewigkeit. Legende: Der heilige Albertus der Große, Bischof und Kirchenlehrer (st 1280). MN U! Heute feiert die Kirche das Fest des heiligen Bi- schofes und Kirchenlehrers Albertus Magnus, der ebenso sehr ein Feind aller Verleumdung und Ehrabschneidung, als ein Muster jeder Tugend war. Am Ende des zwölften Jahrhunderts aus adeligem Geschlechte in Schwaben entsprossen, verrieth er von zarter Jugend an eine innige Andacht zur seligsten Jungfrau Maria, und trat i. I. 1223 in den Orden des heiligen Dominikus. Obwohl er in treuer Erfüllung der Ordens- Pflichten allen Mitbrüdern voreilte, so blieb er doch, weil etwas geistesschwach, in den Wissenschaften hinter ihnen zurück. Da nahm er seine Zuflucht zum Gebete, und machte mit Einemmale in allen Zweigen des menschlichen Wissens solche Fortschritte, daß er bald in den Mehler, Hausbuch,. Ruf des gelehrtesten Mannes seines Jahrhunderts kam, und den Beinamen „der Große" erhielt. Er lehrte zuerst in den Schulen seines Ordens zu Hildesheim und Regensburg, und dann an der hohen Schule zu Paris. Von da begab er sich nach Köln, wo er unter seinen Schülern den nachher so hochberühmten heiligen Lehrer- Thomas von Aquin zählte. Bei all' seiner Wissenschaft bewahrte er die Tugend der Demuth. Der ausgezeichnete Ordensmann wurde i. I. 1260 von dem Domkapitel zu Regensburg zum Bischöfe gewählt; aber nur ein Befehl des Papstes konnte ihn bewegen, diese Würde anzunehmen. Er traf nun die zweckmäßigsten Anordnungen, den Gebrechen der Gemeinden und ihrer geistlichen Vorsteher abzuhelfen, und hatte in Kurzem die Freude, zu sehen, wie aller Orten ächt christlicher Sinn aufblllhte. Doch schon nach zwei Jahren verließ er, mehr ein stilles Leben liebend, mit Erlaubniß des Papstes sein Bisthum wieder, und kehrte auf den Lehrstuhl nach Köln zurück. Ein Muster in der Lehre und im Wandel, zierte er bis zu seinem vierundacht- zigsten Jahre die hohe Schule. Jetzt verlor er aus einmal gänzlich das Gedächtniß in Bezug auf die erworbenen Kenntnisse, außer den Lehren des Heiles; daher verließ er den Lehrstuhl und verwendete die noch übrigen drei Jahre seines Lebens dazu, sich zu einem seligen Ende, das am 16. November 1280 erfolgte, vorzubereiten. Gebet. O Gott, verleihe uns auf die Fürbitte des heiligen Albert die Gnade, daß wir uns gegen unsere Nebenmenschen nie durch Ehrabschneidung und Verleumdung versündigen und überhaupt niemals das Gebot der Liebe aus den Augen verlieren, sondern uns bestreben, vor dir wohlgefällig in christlicher Eintracht und Liebe zu wandeln, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihundertmidnemlzehntes LeseMck. Am Feierabende des 15. November. Was man Lei der Ehrabschneidung und Verleumdung zu thun hat. Fr. Wie soll man sich gegen Ehrabschneider und Verleumder benehmen? Antw. Man soll denselben kein Gehör schenken und nach Kräften diese Sünden zu verhindern suchen; denn nicht bloß der Verleumder und Ehrabschneider selbst begeht eine schwere Sünde, sondern auch Derjenige, welcher üble Nachreden mit Wohlgefallen anhört, sie nicht hindert, da er doch kann, oder sie durch Fragen und Beifall veranlaßt und unterhält. 93 738 Viertes Hauptstück. Was man bei der Ehrabschneidung und Verleumdung zu thun hat. Belehrung und Beispiele. Nicht allein der Er- zu verhindern, so soll man wenigstens dieselbe nicht an» sinder schändlicher Nachreden und Gerüchte ist der wahre Verleumder, sondern auch Der ist's, welcher dem Bösewicht Ohr und Zunge leiht. Er ist der verächtlichste Gehilfe des Boshaften und für den Verleumder, was der Hehler für den Dieb ist. Beide sind Genossen gleicher Abscheulichkeit. Der Bosbafte würde verstummen, seine häßlichen Zwecke nicht erreichen, wenn er keine Handlanger und Feilbieter seines Giftes fände. — Daher ermahnt uns der weise Sirach (28, 28.): „Umzäune dein Ohr mit Dornen und höre nicht auf die verleumderische Zunge!" Und in den Sprüch- wörtern (25, 23.) heißt es: „Der Nordwind vertreibt den Regen, und ein trübes Gesicht die verleumderische Zunge." Der heilige Bernhard schreibt: „Ich will nicht entscheiden, ob der Ehrabschneider oder dessen Zuhörer strafbarer sei. Ich finde nur den Unterschied, daß der erste den Teufel auf der Zunge hat, und der zweite im Ohr." — Stets müssen wir es uns daher nach Kräften angelegen sein lassen, vor Allem üble Nachreden zu verhindern. Der heilige Johannes, Patriarch von Alexandrien (sieh das nachfolgende Bild!), duldete in seiner Gegenwart kein Wort, welches die Liebe zum Nächsten verletzen konnte; von dem lieblos Sprechenden wandte er sich sogleich hinweg und fing an von etwas Anderem zu reden; fiel dieser zum zweitenmal in den nämlichen Fehler, so gab er seinem Officianten den Befehl, dem Lieblosen, welcher seine Zunge nicht zu zügeln vermochte, nie mehr den Zutritt zu ihm zu gestatten. — Sollte man aber nicht im Stande sein, die Verleumdung oder Ehrabschneidung hören. — Der heilige Ephrem berichtet von einem Mönche, der einen Altvater fragte: „Was soll ich thun? Mein Abt schickt mich in die Bäckerei, um dem Bäcker hilfreiche Hand zu bieten; daselbst aber sind auswärtige, junge Leute, welche von vielen Dingen plaudern, die ich nicht schicklich hören kann; wie nun soll ich mich betragen?" — Der Greis, ihm sanft die Hand auf die Schulter legend, antwortete: „Hast du nicht in den Schulen Knaben gesehen, welche unter vielem Gesumse und Geräusch lernen und die Aufgabe überlesen, welche sie dem Schulmeister hersagen müssen? Da merkt Jeder auf seine Lektion, und nicht auf die der Anderen, weil er weiß, daß er dem Schulmeister über seine und nicht über die Aufgabe Anderer Rechenschaft wird ablegen müssen. Thue du desgleichen und merke nicht auf Das, was Andere thun oder sagen, sondern habe nur Acht auf deine Schuldigkeit; denn darüber wirst du Gott Rechenschaft geben müssen!" — Auf solche Art können und sollen auch wir im Umgänge mit den Nächsten blind, stumm und taub sein, besonders aber taub und stumm bei allen sündhaften und verleumderischen Reden, die in unsrer Gegenwart geführt werden, und die wir auf andere Weise nicht verhindern können. Fr. Wozu ist Derjenige verpflichtet, welcher die Ehre des Nächsten durch Verleumdung oder Beschimpfung verletzt hat? Antw. Er ist verpflichtet, Widerruf oder Abbitte zu leisten und allen zugefügten Schaden zu vergüten. Belehrung. Wie es Pflicht ist, das entwendete Gut zurückzugcben, ebenso muß man auch die geraubte Ehre dem Nächsten wieder zurückstellen; denn „der gute Name ist besser als viel Reichthum." (Spr. 22, 1.) Wer also verborgene, jedoch wahre Fehler des Nächsten ausgeschwätzt hat, muß denselben zu entschuldigen und auf sonst erlaubte Weise ihm die Ehre wieder zu ersetzen suchen. Wer aber die Ehre des Nächsten durch Verleumdung verletzt, ihm Fehler angedichtet oder seine wirklichen Fehler vergrößert hat, Der muß Widerruf und Abbitte leisten, und allen zugefügten Schaden vergüten, so viel er kann. Darauf hat jeder Beleidigte ein Recht; er kann und darf dem Ehrabschneider zurufen: „Gib mir zurück, was du mir genommen hast! Du hast mir meine Ehre, meinen guten Namen, meinen Credit genommen; gib mir dieß Alles zurück!" Denn die Religion, die Gerechtigkeit, die Liebe rufen uns Allen zu: „Jedem dasSeine!" Es gibt keine Vergebung, wenn das Böse nicht, so viel als möglich, gut gemacht wird. Am Feierabende des 15. November. 739 Es heißt: „Soviel als möglich;" denn, leider! läßt sich das Böse oft nicht mehr ganz gut machen. Wenn auf ein weißes Papier eine Tinte fällt, so bleibt immer ein Merkmal zurück, man mag dieselbe auch noch so sorgfältig ausradiren. So wird auch die Verleumdung schwerlich ganz abgewischt, es bleibt immer eine Mackel zurück. Beispiel und Anwendung. Wir sehen dieß aus folgender wahren Geschichte. Vor einigen Jahrzehnten lebte in Oesterreich ein frommer, rechtschaffener Seelsorger; er hatte das Unglück, von fünf Personen seiner Pfarrgemeinde gehaßt und angefeindet zu werden, weil er ihnen Das nicht bewilligte, was sie unrechtmäßiger Weise von ihm verlangten. Um sich daher an ihm zu rächen, bestachen sie eine schlechte Weibsperson, welche sowohl im Pfarrdorfe selber, als bei dem bischöflichen Consistorium den würdigen Priester der schändlichsten Dinge bezüchtigte. Der Pfarrer wurde in der That vor das geistliche Gericht berufen, und obschon er seine Unschuld auf das Beste vertheidigte, so that ihm doch diese boshafte, ehrabschneiderische Anklage so wehe, daß er in eine Gemüthskrankheit verfiel, sichtbar abzehrte und bald auf das Todbctt kam. — Jetzt erschracken die Verleumder; voll Reue und Angst eilten sie zu ihrem Seelsorger, baten ihn kniefällig um Verzeihung und erklärten sich bereit, sogleich ihre niederträchtige Lüge zu widerrufen und ihm seine Ehre und seinen guten Namen wiederherzustellen. — „Meine lieben Kinder!" gab ihnen der kranke Pfarrer zur Antwort, „ich verzeihe euch von ganzem Herzen euere Bosheit; aber meine Ehre und meinen guten Namen — seid ihr nicht mehr im Stande, mir wieder zu verschaffen." — „Ja, ja," sagten die reumüthigen Pfarrkinder; „wir wollen, wir können, wir werden es thun. Sagen Sie nur, wie wir es anstellen sollen!" — „Nun gut," fuhr der Kranke fort; „nehmet also diesen Federpolster, besteigt damit den Kirchthurm, schneidet ihn auf und lasset die Federn auseinander fliegen. Alsdann kommet wieder zu mir und saget mir, was geschehen ist." — Die Pfarrkinder wußten nicht, was das bedeuten solle, und meinten zuletzt, ihr Seelsorger rede irre. Endlich trugen sie doch auf sein wiederholtes Verlangen den Polster auf den Kirchthurm, schnitten ihn auf und ließen die Federn auseinander fliegen. Dann gingen sie nach dem Pfarrhofe zurück. „Was ist denn mit den Federn geschehen?" fragte sie der Kranke. „Ach, der Wind," gaben sie ihm zur Antwort, „hat die Federn weit fortgetrieben und nach allen Seiten hin zerstreut!" „Das Hab' ich mir wohl gedacht," sprach der Pfarrer; „indessen seid doch so gut und bringt sie mir wieder in den Polster zurück." — „ Euer Hcchwürden!" sagten jene erstaunt, „das können wir nicht thun; das ist eine Unmöglichkeit; denn der Wind hat die Federn zu weit auseinander gestreut." — „Nun seht, liebe Kinder!" belehrte sie der Seelsorger, „ eben so wenig seid auch ihr im Stande, mir meine Ehre und meinen guten Namen wieder zu verschaffen, weil der Ruf euerer verleumderischen Anklage sich ebenfalls schon zu weit ausgebreitet hat, und ihr folglich selbe nicht vor allen jenen Personen widerrufen könnet, die davon gehört haben." Nach dieser eindrücklichen Lehre entließ er die Weinenden mit seinem Segen und starb wenige Stunden darauf als ein Opfer des Lasters der Verleumdung. — Wieviel Ursache haben wir also nicht, jede Verleumdung und Ehrabschneidung auf's Sorgfältigste zu meiden, da diese Sünde soviel Unheil anrichten und bei dem besten Willen und mit aller Anstrengung oft nicht mehr gut gemacht werden kann? Legende: Der heilige Leopold, Markgraf von Oesterreich (ff 1136). Der heilige Markgraf Leopold, dessen Fest heute gefeiert wird, vermied schon von früher Jugend an jedes unnütze Wort, besonders aber alle verleumderischen und ehrabschneiderischen Reden und ergab sich mit allem Eifer der Anhörung des göttlichen Wortes und der Lesung der heiligen Schrift. Während er seinen Geist durch Wissenschaft zu bereichern suchte, vergaß er nicht, seine Leidenschaften und Sinne abzutödten, den Vergnügungen der Welt zu entsagen, seine Seele durch das Gebet zu nähren und durch gottgefällige Werke und häufige Almosen sich einen Schatz im Himmel zu hinterlegen. Im Jahre 1096 gelaugte er zur Regierung, und nun war sein Bestreben, die Sitten seiner Unterthanen zu mildern und ihren Geist nach der Lehre der heiligen Kirche aufzuhellen. Er war ein liebender Vater seines Volkes, aber auch ein gerechter Bestrafer des Lasters. Seine Söhne und Töchter wurden in Gottesfurcht für den Herrn Jesus Christus erzogen. Sie erbten die Frömmigkeit ihrer Eltern, und wurden berühmt theils im geistlichen, theils im weltlichen Stande. Er stand auch zur Nachtszeit zum Gebete und zur Betrachtung auf. Ihm verdankt 740 Viertes Hauptstück. Das achte Gebot verbietet endlich noch: falschen Argwohn und freventliches Urtheil. das Stift Kloster-Neuburg bei Wien seinen Ursprung. Siegreich kämpfte er im Felde gegen Stephan II., König von Ungarn. Nach einer langen, ruhmvollen Regierung, rief ihn endlich der Herr i. I. 1136 aus seinem Schlosse bei Wien zu sich, um den treuen Diener mit einer un- verwelklichen Siegeskrone zu krönen, und durch zahlreiche Wunder zu verherrlichen. Gebet. O Gott, der du den heiligen Leopold ans dem irdischen Reiche in das himmlische versetzt hast, verleih uns die Gnade, daß wir ebenso, wie er, jedes unnütze Wort, besonders aber jede Verleumdung und Ehrabschneidung meiden und das Zeitliche so gebrauchen, daß wir des ewigen Lebens theilhaftig werden, durch Christum, unfern Herrn. Amen. DreihundertundMnzigstes Lesestück. Am Feierabende des 16 . November. Da« achte Gebot verbietet endlich noch: falschen Argwohn und freventliches Urtheil. Fr. Wie kann man sich endlich gegen das achte Gebot noch versündigen? Antw. Durch falschen Argwohn und freventliches Urtheil. Fr. Was ist falscher Argwohn? Antw. Falscher Argwohn ist es, wenn man ohne hinreichenden Grund vom Nächsten etwas Böses ver- muthet. Belehrung. Seiner Natur nach scheint der falsche Argwohn nur eine läßliche Sünde zu sein, da hiedurch der gute Name des Nächsten nicht geraubt, sondern nur in Zweifel gezogen wird; allein wenn sich im Herzen Lieblosigkeit hinzugesellt, so kann es gar leicht eine schwere Sünde werden. Jedenfalls thut man dem Nächsten Unrecht, und man handelt sündhaft und thöricht. Der Schatten eines jeden Körpers ist schwarz; wäre eS nicht Thorheit, von der Farbe des Schattens auf die Farbe des Körpers zu schließen? Ebenso thöricht handelst du, der du einen falschen Argwohn im Herzen trägst. Beispiel und Anwendung. Wie verderblich und sündhaft der falsche Argwohn werden kann, zeigt uns folgendes Beispiel. Ein Goldschmied mußte für eine vornehme Frau einen prächtigen Schmuck verfertigen, zu dem sie ihm mehrere kostbare Edelsteine gab. Robert, sein Lehrjunge, hatte an den Hellen, funkelnden Steinen von allen Farben eine große Freude, und betrachtete sie sehr oft. Mit einem Male bemerkte der Meister, daß ihm zwei der schönsten Steine fehlten. Er hatte sogleich den Lehrjungen in Verdacht, und suchte in der Schlafkammer desselben nach. Da fand er die Edelsteine in einem Loche, das sich über einem alten Kasten in der Mauer befand. Robert betheuerte zwar, er habe die Steine nicht genommen; allein der Meister züchtigte ihn sehr hart, sagte, daß er gehenkt zu werden verdient hätte, und jagte ihn fort. — Am andern Tage fehlte wieder ein Stein, und der Goldschmied fand ihn im nämlichen Loche. Nun gab er fleißig Acht, wer doch die Edelsteine dahin verstecke. Da kam eine Elster, die der Lehrjunge aufgezogen und zahm gemacht hatte, auf das Arbeitsbrett geflogen, nahm einen Edelstein in den Schnabel und trug ihn in das Mauerloch. Der Goldschmied bedauerte es nun herzlich, daß er dem armen unschuldigen Knaben Unrecht gethan habe, nahm ihn wieder an, gab ihm seine Ehre zurück, und beschenkte ihn zur Vergütung der Schmerzen sehr reichlich. — Christlicher Leser! lerne hieraus, wie wahr der Denkspruch sei: „Den Argwohn fliehe wie das Gift, weil er gar oft die Unschuld trifft." Fr. Was ist freventliches Urtheil? Antw. Freventliches Urtheil ist es, wenn man ohne hinreichenden Grund das Böse für wahr und gewiß hält. Belehrung. Es ist also ein Unterschied zwischen falschem Argwohn und freventlichem Urtheil. Der falsche Argwohn vermuthet nur etwas Böses bei dem Nächsten, das freventliche Urtheil hält es aber schon für wahr und gewiß und spricht es auch so aus, ohne die Sache genau, gewissenhaft und leidenschaftslos geprüft zu haben. „Mit Recht nennt man diese Urtheile der Menschen freventlich," sagt der heilige Franz von Sales, „weil Einer des Andern Richter für sich selbst nicht sein kann, und weil er also Gott dem Herrn in sein Amt greift, indem er den Andern richtet und verurtheilt." Daher ruft uns der göttliche Heiland zu: „Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet werden; verdammet nicht, so werdet ihr auch nicht verdammt werden!" (Luk. 6, 37.) — O wie leicht irrt sich doch der so sehr beschränkte Menschenverstand in seinen Ur- theilen! Es gibt nach der Aussage der Geographen feuerspeiende Berge, welche mit ewigem Schnee und Eis bedeckt sind. Im Innern glüht eine schmelzend heiße Flamme; Außen hingegen starrt zackiges, kaltes, weißgraues Eis. So liegt oft unter äußerer Kälte und Gleichgiltigkeit ein Herz voll warmer Begeisterung für Gott, für Tugend und für alles Heilige und Gute verborgen. Urtheile daher nicht freventlich; denn du verletzest die Liebe und die Gerechtigkeit, die du deinem Nächsten schuldig bist. 741 Am Feierabende des 16. und 17. November. Beispiel und Anwendung. Im Jahre 1604 erkrankte in einem Kloster eine sehr gottesfürchtige Nonne, und bereitete sich durch einen sehr bußfertigen Empfang der heiligen Sakramente zur Erbauung Aller zum Tode vor. Als man diesen nahe glaubte, berief man den Beichtvater, der ihr vorbetete und das Crucifix vorhielt. Sie wendete aber ihr Angesicht ab, und als er ihr dasselbe an den Mund halten wollte, um es zu küssen, spie sie das Bild des Gekreuzigten an. Sowohl der Priester, als alle Anwesenden entsetzten sich darüber. Man fällte verschiedene Urtheile; 'Einige glaubten, sie sei von Sinnen oder hätte noch eine schwere Sünde auf dem Herzen; Andere meinten, ihr frommes Leben sei nur Heuchelei gewesen. Endlich, indem Alle für sie beteten, kam die Jungfrau so sehr zu Kräften, daß sie wieder reden konnte. Auf die Frage, warum sie ihr Angesicht von dem Crucifix abgewendet und dasselbe sogar an- gespieen habe, sagte sie: „Nicht vom Crucifix habe ich mein Angesicht abgewendet, sondern vom bösen Feinde, der sich zwischen mich und das Crucifix gestellt hatte; daher habe ich auch nicht ans dieses, sondern auf den Satan gespieen." — Richte also nicht; denn leicht kannst du dich täuschen und freventlich urtheilen. Legende: Der heilige Edmund, Erzbischof von Canterburh (ch 1241). Dieß wußte gar wohl der heilige Edmund, dessen Fest auf den heutigen Tag fällt; daher war er in der Beurtheilung seines Nächsten äußerst schonend und liebevoll. Edmund wurde von sehr frommen und gottes- fürchtigen Eltern zu Abington bei Oxford in England geboren. Nachdem er die beste häusliche Erziehung genossen hatte, widmete er sich den Wissenschaften und besonders dem Studium der Mathematik mit einem so glänzenden Erfolge, daß er zum öffentlichen Lehrer in diesem Fache erhoben wurde. Allein die weltliche Gelehrsamkeit konnte sein Herz auf die Länge nicht er- sättigen; daher wendete er sich bald gänzlich der Theologie zu, in welcher er die Doktorwürde errang. Zum Priester geweiht, erhielt er alsbald ein Kanonikat an der Domkirche zu Salisbury. Als solcher verfaßte er mehrere geistvolle Schriften, und nun drang der Ruf seiner Gelehrsamkeit und Heiligkeit bis nach Rom, so daß Papst Gregor IX. ihn i. I. 1234 für den seit langer Zeit erledigten Stuhl von Canterburh ersah. Nun zeigte er sich immer und überall als einen eifrigen Seelenhirten und kämpfte mit unerbittlicher Strenge gegen Sünde und Laster; mit größter Milde und Sanftmuth hingegen verfuhr er gegen den Lasterhaften selbst, den er in die Arme Gottes zurückführte. Wegen Vertheidigung der Gerechtsamen seiner Kirche verfolgt, ging er nach Frankreich, wo er sein Leben heilig beschloß i. I. 1241. Gebet. Verleih uns, o Jesus, auf die Fürbitte des heiligen Edmund eine schonende Liebe in Beurtheilung unsers Nächsten und eine heiße Begierde nach unserm Seelenheile, der du lebest und regirest, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Dreihunderteinundzwanzigstes Lesestück. Am Feierabende des 17. November. Das achte Gebot verlangt von uns Liebe zur Wahrheit und Bezähmung der Zunge. Fr. Was gebietet das achte Gebot? Antw. Es gebietet, daß wir stets die Wahrheit reden und überhaupt die Zunge im Zaume halten sollen. Belehrung und Beispiele. Die Wahrheit soll uns stets heilig und unverletzlich sein; wie sie in Gott wohnt, so soll sie auch in uns wohnen, da wir Gottes Ebenbild sind. Daher ermahnt uns der Apostel: „Leget ab die Lügen, und Jeder rede die Wahrheit mit seinem Nächsten; denn wir sind Glieder zusammen." (Ephes. 4, 15.) „Gott gab dem Menschen die Zunge," sagt der heilige Chrysostomus, „ auf daß sie stets die Wahrheit sage, Gott lobe und preise." An der Wahrheitsliebe hat Gott ein besonderes Wohlgefallen. Als einst David an Gott den Herrn die Frage stellte: „Herr! wer wird wohnen in Deinem Zelte? oder wer wird ruhen auf Deinem heiligen Berge?" so erhielt er zur Antwort: „Der ohne Makel einhergeht und Gerechtigkeit übet: Der Wahrheit spricht in seinemHerzen, der nicht Falschheit übt mit seiner Zunge." (Ps. 14, 1—3.) 742 Viertes Hauptstück. Das achte Gebot verlangt von uns Liebe zur Wahrheit und Bezähmung der Zunge. Daher sei ein Jeder „aufrichtig und ohne Anstoß!" (Phil. 1, 10.) Alle sollen wir Feinde der Lüge und Freunde der Wahrheit sein, wie Paschalis Baylon. Dieser haßte vom Grunde des Herzens jede Lüge. Als Pförtner des Klosters meldete er einem der Väter eine Frauensperson, die ihm zu beichten wünschte. Der Pater, mit Geschäften überladen, trug dem Pförtner auf, ihr zu sagen, er wäre nicht zu Hause. „Ich will lieber sagen," meinte Paschalis, „Euer Ehrwürden seien verhindert." — „Nein," sagte der Pater, „richtet nur aus, wie ich es Euch gesagt habe. Ich weiß, warum." Paschalis aber wollte sich dazu nicht verstehen, sondern sprach: „Pater, das kann und will ich nicht thun; denn es wäre eine Unwahrheit und Sünde, wovor mich Gott behüte." — Aber ach! wie wenige Christen gibt cs, die diesem schönen Beispiele folgen! Wahrlich, die Freunde der Wahrheit sind selten geworden. Es ist noch so, oder wohl gar noch schlechter als zu den Zeiten Ludw igsXI. Königs von Frankreich, der zu sagen pflegte: „Ich habe in allen Dingen an meinen Hofe Ueberfluß, nur an Einer Sache Mangel" — und als man ihn fragte, was es wäre, so sagte er: „Die Wahrheit." Fr. Wie sollen wir unsere Zunge im Zaume halten? Antw. Dadurch, daß wir nie ohne Ueberlegung reden, und bedenken, daß wir einst von jedem Worte Rechenschaft geben müssen, besonders aber auch dadurch, daß wir unser Herz frei halten von Ehrgeiz, Neid, Haß, Rachgierde u. s. f. „Wie könnet ihr Gutes reden," sagt der göttliche Heiland (Matth. 12, 34.), „da ihr böse seid? Denn aus der Fülle des Herzens redet der Mund." Belehrung. Mit der Zunge wird viel gesündigt; „die Zunge ist ein kleines Glied," sagt der heilige Jakobus, „ sie richtet aber große Dinge (d. h. viel Unheil) an." Daher schreibt schon der weise Sirach (13, 3.): „Wer seinen Mund bewahrt, Der bewahrt feine Seele; wer aber unbedachtsam im Reden ist, Dem wird es übel gehen." Nie sollen wir also ohne Ueberlegung reden; denn „die Natur gab," wie der heilige Thomas von Aguin sagt, „vielen Thieren das Gehör, aber die Sprache gab sie nur den vernünftigen Menschen, um anzuzeigen, daß wir vernünftig reden sollen." Und der heilige Chrysostomus ruft uns zu: „Lasset uns stets unfern Mund bewachen und bei ihm die Vernunft als Schlüssel gebrauchen, nicht daß er immerdar geschlossen bleibe, sondern zur gehörigen Zeit geöffnet werde." Ja, schon der Heide Plutarch sagt in seinen moralischen Vorschriften: „Wie es nützlich ist, daß die Häuser Thürcn haben, eben so nützlich ist es, daß an den Mund ein Schloß gesetzt sei." (Sieh das obige Bild!) Beispiele und Anwendung. Den berühmten und heiligen Einsiedler Antonius besuchte einst der Abt einer andern geistlichen Gemeinde, der zwei überaus vorlaute und geschwätzige Schüler mit sich brachte. Antonius wollte die Unart dieser jungen Leute nicht ungerügt lassen und sagte daher zu seinem Gaste: „Ich bin erfreut, daß du so freundliche und gesprächige Jünger zur Begleitung gewonnen hast." >— „Ja wohl," erwiederte der Abt, „es sind ganz gute Menschen; nur schade, baß der Eingang ihrer Wohnung mit keiner Thüre verwahrt ist!" Läßt sich dieß nicht von unzählig Vielen sagen, die ihre Zunge nicht im Zaume zu halten wissen? O wie oft wird auf solche Weise gegen das achte Gebot gesündigt! Die Zunge, ein so edles Glied am menschlichen Leibe, — wie oft wird sie das Werkzeug der Sünde! Einst befahl König David dem Priester, ein Schaf und von diesem die beiden edelsten Glieder zu opfern. Der Priester opferte die Zunge und das Herz. Einige Tage später befahl David, die beiden schlechtesten Glieder des Thieres darzubringen; und der Priester opferte dieselben Glieder. Der König staunte, der Priester aber sprach: „Gibt es was Besseres, als diese, wenn sie gut, was Schlimmeres als diese, wenn sie bös sind?" Und David erkannte die Wahrheit dieser Worte; daher rief er zu Gott: „Setze, o Herr! eine Wache an die Pforte meines Mundes !" — So mußt auch du beten, o Christ! wenn du deine Zunge stets im Zaume halten und in deinen Reden niemals sündigen willst, der Mahnung des Apostels gemäß, der an die Ephesier (4, 29.) schreibt: „Keinerlei böse Rede soll aus cuerm Munde hervorgehen, sondern nur was zur Erbauung im Glauben ersprießlich und den Zuhörern heilsam ist." 743 Am Feierabende des 18. November. Legende: Der heilige Bischof Gregorius, der Wunderthäter (ff 271). Wie sehr bewahrte dieser Heilige, dessen Fest heute in der Kirche Gottes gefeiert wird, seine Zunge! Er benützte sie nur zur Erbauung und Belehrung des Nächsten und zur Verkündung des göttlichen Lobes. >— Der heilige Gregorius, mit dem Beinamen „der Wunderthäter," Bischof zu Cäsarea in Pontus, war in eben dieser Stadt von heidnischen Eltern geboren. Seine Studien ließen ihn die innere Leere und Trostlosigkeit des Heidenthumes immer mehr erkennen, und die Macht der sich entfaltenden christlichen Religion zog die Aufmerksamkeit unseres jungen Mannes auf sich. Ori- genes war sein Lehrer. Die Verfolgungen der Christen in Kleinasien führten ihn in die ausgezeichnete Schule nach Alexandria. Sein Wandel daselbst zeichnete sich namentlich durch Sittenreinheit aus, und diese führte ihn nach kurzer Zeit zum Empfange der heiligen Taufe. In seine Vaterstadt zurückgekehrt, ward Gregorius von dem Erzbischöfe der Provinz zum Bischöfe von Neo- cäsarea ausersehen, und übernahm nach langem Widerstreben das bischöfliche Amt in seiner Vaterstadt, in der sich aber bei einer großen Bevölkerung nur siebzehn Christen befanden. Gregorius war durch die Gnade Gottes in seinem apostolischen Wirken so glücklich, daß sich bei seinem Tode in seiner bischöflichen Stadt nur mehr siebzehn Heiden vorfauden. Insbesondere war ihm von Gott die Kraft der Wunder und die Gewalt über die bösen Geister in ausgezeichneter Weise verliehen, wie nicht leicht einem Heiligen. Deßhalb ist ihm auch der Name Wunderthäter von der Kirche beigelegt worden. In einer Offenbarung schaute er einmal die seligste Jungfrau, und bewahrte von da an einen unerschütterlichen Glauben und ein unbedingtes Gottvertrauen bis zu seinem seligen Tode i. I. 271. Gebet. O Gott, der du dem heiligen Gregorius die Wundergabe verliehen hast, gib uns die Gnade, unsere Zunge stets nur zur Erbauung unsers Mitmenschen, zur Verkündung deines Lobes und zu unserm Seelenheile zu gebrauchen, so daß wir stets im Lichte des Glaubens wandeln, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihundertzwemndzwanzigftes Lesestück. Am Feierabende des 18. November. Das achte Gebot verlangt von uns auch noch Sorge für Ehre und guten Namen. Fr. Was verlangt das achte Gebot noch von uns? ' Antw. Es verlangt von uns, daß wir für Ehre und guten Namen gehörig sorgen sollen, und zwar für unsere eigene Ehre und unfern guten Namen sowohl, als auch für die Ehre und den guten Namen des Nächsten. Fr. Warum sollen wir für unsere eigene Ehre und unfern guten Namen sorgen? Antw. Weil die Ehre Gottes, die Erbauung des Nächsten und die Pflichten unsers Standes es fordern. Belehrung und Beispiele. Daß wir für unfern guten Namen sorgen, das fordert 1) schon die Ehre Gottes; denn da wir Gottes Geschöpfe und Ebenbilder sind, so sollen wir diese Würde und Ehre in uns auch zu erhalten suchen. Es fordert dieß 2) auch die Erbauung des Nächsten; denn wer in der menschlichen Gesellschaft dasteht ohne Ehre, Der kann Nichts wirken; wer aber Ehre und Achtung besitzt, Der kann zum Wohle Anderer mehr beitragen, als wer viel Geld und Gut hat. Daher schreibt der heilige Franz von Sales: „Die Liebe verlangt und die Demuth erlaubt es, daß man für seine Ehre sorge, weil sie viel beiträgt, um uns in den Stand zu setzen, daß wir dem Nächsten nützliche Dienste leisten können." Endlich fordert dieß 3) auch unser eigner Stand; oder könnten wohl Vorgesetzte, z. B. Seelsorger, Eltern, Lehrer u. s. w. segenreich wirken, wenn sie Ehre und guten Namen verloren haben? Gewiß nicht; daher sollen und dürfen wir stets für unsere Ehre und unfern guten Namen sorgen; es muß uns dieß ein heiliger und kostbarer Schatz sein. Der heidnische Schriftsteller Paus anias erzählt, daß es vor Zeiten in Rom einen 744 Viertes Hauptstück. Das achte Gebot verlangt von Tempel gegeben habe, in welchem drei Altäre standen, von denen der erste der Schamhaftigkeit, der zweite dem guten Namen, und der dritte der Freude gewidmet gewesen sei. Diese drei Altäre passen noch besser für das Herz eines jeden Menschen; denn die Schamhaftigkeit ist die Mutter des guten Namens, und der gute Name ist die Quelle der reinsten Freude. Deßhalb hielt der heidnische Weltweise Cato soviel auf einen guten Namen, daß er zu sagen pflegte: „Wenn du Alles verlieren solltest, so sei darauf bedacht, deinen guten Namen zu retten." Und der heilige Augustin bemerkt: „Zwei Dinge gibt's, die uns nothwendig sind: ein gutes Gewissen und ein guter Name. Das gute Gewissen hast du nöthig für dich, den guten Namen bei deinen Mitmenschen. " Fr. Wie sollen wir für unsere Ehre sorgen? Antw. Nicht anders, als nur durch erlaubte Mittel und auf eine christliche Weise. Belehrung und Beispiele. Da die Ehre ein so kostbarer Schatz für uns ist, so dürfen und sollen wir uns um dieselbe allerdings annehmen; wenn man also unfern guten Namen, unsere Ehre angreift, indem man Böses von uns redet, das nicht wahr ist, so dürfen wir uns ver- theidigen, jedoch soll dieß nicht im Zorne und nicht mit Heftigkeit geschehen, nicht durch Herausforderung zum Zweikampf oder zu Raufereien, wie es, leider! so oft der Fall ist, sondern mit Gelassenheit und Sanftmuth. — Anna, die Mutter des Propheten Samuel, betete, da sie noch keinen uns auch noch Sorge für Ehre und guten Namen. Sohn hatte, einmal zu Gott sehr inständig, daß er ihr einen Sohn schenken möchte. Der Hohepriester Heli bemerkte sie, ! hielt sie für betrunken, und befahl ihr fc-rtzugehen, bis sie wieder nüchtern wäre. Es fiel ihr dieser Vorwurf, daß sie betrunken sei, zwar schwer; doch gab sie dem Hohenpriester eine ganz gelassene Antwort: „Mein Herr," sagte sie, „ich habe weder Wein, noch sonst Etwas, das berauschen könnte, getrunken, ich habe bloß aus dem Grunde meines Herzens zu Gott gebetet." (1. Kön. 1.) Diese Frau hat sich also mit Gelassenheit vertheidigt. — Das beste Mittel aber, die Räuber unserer Ehre zu Schanden zu machen, ist ein christlicher Lebenswandel, wobei wir selbst auch den Schein , des Bösen möglichst zu vermeiden suchen. „Habet ein gutes - Gewissen," schreibt daher der heilige Petrus (I. 3, 16.), i „damit Die, welche euern guten Wandel in Christo verleum- ! den, darin zu Schanden werden, daß sie euch übel nach- i reden." Und der heilige Paulus schreibt (Thess. 5, 22.): „Vermeidet jeden Schein des Bösen!" — Lebe also fromm, i mein Christ! und lasse dann die Leute sagen, was sie wollen; mache es, wie der göttliche Heiland, der herumging und segnete, dafür aber nur Schmach und Beschimpfung erntete, die er mit aller Geduld ertrug; folge dem Beispiele der heiligen Apostel nach, die von sich sagen konnten: „Man ver- ^ flucht uns, und wir segnen; man verfolgt uns, und wir dulden; man lästert uns, und wir beten." (1. Cor. 4, 12.) Fr. Wie sollen wir für die Ehre und den guten Namen des Nächsten sorgen? Antw. Dadurch, daß wir denselben gegen Verleumder in Schutz nehmen und von ihin immer nur das Beste denken und reden. Belehrung und Beispiele. Vor Allem sollen wir also den Nächsten gegen Verleumder in Schutz nehmen, indem wir hiebei die Vorschrift des heiligen CHrh- sostomus beachten, der da schreibt: „Sage dem Nächsten: » Hast du Einen zu loben und zu empfehlen, so öffne ich meine Ohren, um diese liebliche Salbe zu empfangen; willst du s aber Böses von ihm reden, so verstopfe ich sie, damit deine Worte keinen Eingang finden; denn Koth und Unrath kann ich nicht annehmen." Welch ein schönes Beispiel gibt uns ; in dieser Beziehung der fromme Abt Constabilis! (Sieh i nebenstehendes Bild!) Man nannte ihn gewöhnlich nur „den i, Deckmantel der Brüder;" denn wenn er von den Fehlern ! Anderer reden hörte, so war er immer daraus bedacht, die- i selben liebevoll zu bedecken. — Aber wir muffen unfern ; Nächsten nicht nur in Schutz nehmen gegen Verleumder, Am Feierabende des 19. November. 745 sondern auch selbst immer nur das Beste von ihm denken und reden. Der berühmte Sadi, welchen die Perser als Weisen und Dichter sehr hoch achten, hatte, wie er selbst erzählt, seit seiner frühesten Jugend sich daran gewöhnt, jede Nacht aufzustehen, um eine Zeitlang im Gebete zu wachen und einige Seiten aus dem Koran zu lesen. Einmal, da er wieder zu dieser frvmmen Uebung sich anschickte, sah er alle Glieder der Familie im tiefen Schlafe liegen, nur sein Vater neben ihm wachte. Da sprach er zu diesem: „Sieh' einmal hin auf deine Kinder und Knechte; nicht Einer ist unter ihnen, der sein Haupt erhebt, um Allah anzurufen; sie schlafen insgesammt so tief, daß man sie für todt halten könnte!" — Sein Vater jedoch hielt ihm sogleich den Mund mit den Händen zu und verwies ihm die Rede. „Sei stille," sprach er; „besser, du schläfst gleich diesen, als daß du ihr Thun und Lasten bekrittelst." — Ja wahrlich, bester wäre es, wenn wir schliefen, als wenn wir von unserm Mitmenschen Böses reden oder denken. Daher ermahnt uns der heilige Dorotheus zur liebevollen Beurtheilung unsers Nächsten, indem er sagt: „Wenn du in die Wohnung eines Andern kommst, und wenn du da Alles in Unordnung und den Bruder selbst in schlechter Tracht findest, so sprich in deinem Herzen: O glücklicher, seliger Bruder, der so ganz in Gott vertieft ist, daß er auf solche Dinge gar nicht mehr sieht! — Findest du aber darin Alles reinlich und nett, so sprich: „ So ordentlich sieht es wohl auch in seiner Seele aus." Auf solche Weise denkt und spricht die christliche Liebe; sie weiß Alles mit zärtlicher Schonung zu behandeln; und diese schonende Liebe gegen den Nächsten wird uns ganz besonders im achten Gebote anbefohlen. Legende: Der heilige Odo, Abt zu Cluny (f 942). Ein schönes Beispiel, wie wir sowohl unsere eigene, als auch fremde Ehre und guten Namen schützen und vertheidigen sollen, finden wir heute in der Legende an dem heiligen Abte Odo, welcher 870 zu Tours in Frankreich geboren wurde; denn durch seinen frommen Wandel beschämte und widerlegte er alle Jene, die Ehrenrühriges wider ihn anszusagen sich erkühnten; hörte er aber, daß Jemand die Ehre und den guten Namen des Nächsten irgendwie zu kränken versuchte, so nahm er den Gekränkten auf alle mögliche Weise in Schutz und deckte selbst auch die Mängel und Fehler des Nächsten mit dem Mantel der christlichen Liebe zu. Aus diesem Grunde empfahl er auch, als er zum Abte von Cluny erwählt worden war, seinen Untergebenen vor Allem das Stillschweigen, damit sie ja Niemanden durch irgend ein Wort an der Ehre oder am guten Namen schaden möchten. Metzler, Hausbuch. Zugleich ermunterte er die Seinigen durch sei» eignes Beispiel zum fleißigen Studium und stellte überhaupt die schönste Ordnung in seinen Klöstern wieder her. Mit Gelassenheit und Demuth besänftigte er so manche Feinde der römischen Kirche und starb heilig i. I. 942. Gebet. Gib uns, o Gott! auf die Fürbitte des heiligen Abtes Odo Demuth und Gelassenheit, auf daß wir stets für unsere und unserer Nebenmenschen Ehre und guten Namen auf christliche Weise sorgen, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihundertdremndzwanzigstes Lesestück. Am Feierabende des 19. November. Neuntes Gebot Gottes. Was das neunte Gebot verbietet und gebietet. Fr. Was verbietet das neunte Gebot? Antw. Es verbietet zunächst die Begierde, das Eheweib eines Andern zu haben, und überhaupt alle unkeuschen Gedanken und Begierden. Belehrung und Beispiel. Das neunte Gebot Gottes steht in einer gewissen Verbindung mit dem sechsten; letzteres verbietet nämlich jede äußere Handlung der Unkeuschheit, elfteres hingegen das Verlangen darnach; im sechsten Gebote verbietet Gott die Sünden des Leibes und im neunten die Sünden des Herzens und des Geistes, welche der englischen Tugend der Keuschheit 94 746 Viertes Hauptstück. Neuntes Gebot Gottes. zuwiderlaufen. Gott sieht Alles, was in uns, wie außer uns vergeht, und er wird damit ebenso beleidigt, wenn es böse ist; denn er ist es, der Herz und Nieren durchforscht. — Demnach verbietet das n eunte Gebot Gottes ^zunächst die Begierde, das Eheweib eines Andern zu haben. „Wer ein Weib mit Begierde nach ihr ansieht," sagt der göttliche Heiland (Matth. 5, 28.), „hat schon die Ehe mit ihr gebrochen in seinem Herzen;" 2) verbietet das neunte Gebot alle unkeuschen Gedanken und Begierden überhaupt; und zwar mit Recht; denn sie sind die Wurzel und die Grundlage zu allen bösen Werken. Es ist merkwürdig, was Plinius von einem kleinen Meerfischlein, Remora genannt, erzählt. «Dieses kleine Fischlein," sagt er, „hat eine solche Stärke, daß es nicht nur kleine und unansehnliche, sondern auch die allergrößten und mit den kostbarsten Maaren beladene Schiffe, die bei dem günstigsten Winde dem Gestade zusegeln, in ihrem vollen Laufe aufhält, ja sogar zu Grunde richtet und in den Abgrund deS Meeres versenkt, indem cs die Schisse durchlöchert und sie so allmälig dem Verderben überliefert." Womit läßt sich dieses kleine Meerfischlein besser vergleichen, als mit den bösen Gedanken und unkeuschen Begierden? „Denn gleichwie dieses kleine Meerfischlein," sagt der heilige Gregorius von Nazianz, „obschon es klein und unansehnlich ist, die Schiffe in ihrem Laufe hemmen und sogar in's Meer versenken kann: ebenso kann auch die sinnliche Lust und Begierde, so klein und unansehnlich sie auch scheint, nicht nur gemeine Leute, sondern auch die allergrößten, d. h. die Vollkommensten und Frömmsten, welche mit den köstlichsten Maaren, nämlich mit Tugenden und guten Werken beladen, beim besten Winde der göttlichen Gnade dem Gestade des himmlischen Vaterlandes zusegeln, in ihrem glücklichen Laufe aufhalten und zu Grunde richten und sogar in den Abgrund der ewigen Verdammniß versenken." Ja, der Meerfisch Remora hat gewiß noch nicht soviele Schiffe auf dem Meere zu Grunde gerichtet, als die unreine Begierde Seelen auf Erden. Daher ruft uns das neunte Gebot zu: „Du sollst nicht begehren!" Fr. Sind unkeusche Gedanken und Begierden allezeit Sünde? Antw. Solange sie uns mißfallen, und wir uns bemühen, sie aus dem Sinne zu schlagen, sind sie nicht Sünde, wohl aber dann, wenn wir ein freiwilliges Wohlgefallen daran haben. Belehrung. Man versündigt sich 1 ) durch un- Was das nennte Gebot verbietet und gebietet. keusche Gedanken, wenn man sich unzüchtige Dinge oder Werke freiwillig vorstellt und freiwilliges Wohlgefallen daran hat, oder mit andern Worten, wenn man zu unkcuschen Gedanken Gelegenheit oderAnlaß gibt, z. B. durch Vorwitz der Augen, durch Lesen schlechter Bücher, durch den Besuch der Schauspiele, Tänze, schlechter Gesellschaften rc., oder wenn man absichtlich dabei verweilt; 2) durch unkeusche Begierden, wenn man ein freiwilliges Verlangen hat, Etwas zu sehen, zu hören oder zu thun, was die Keuschheit verletzt. Solange uns aber unkeusche Gedanken und Begierden mißfallen, und wir allen Fleiß anwenden, sie aus dem Sinne zu schlagen, sind sie nicht Sünde; ja, es ist sogar verdienstlich, wenn wir böse Gedanken und Begierden abweisen und gegen dieselben kämpfen; wir werden dafür die Krone des Lebens empfangen. (Jak. 1, 12.) „Du wirst versucht," sagt der heilige Augustinus, „damit du geübt, von dir selber gefunden und erkannt werdest. Die irdenen Gefässe werden vom Feuerofen erprobt, und gerechte Menschen durch die Versuchung. Jene Gefässe müssen in die Gluth, weil sie sonst nicht fertig würden; der Mensch aber muß den Kampf gegen seine Leidenschaften bestehen und ihre Lockungen überwinden, damit er in sittlicher Freiheit sich selber vollende." 747 Am Feierabende des 19. November. Beispiel und Anwendung. Die Versuchungen, denen man widersteht, vermehren unsre Verdienste und machen uns der himmlischen Krone würdig, und in der That — sie bestimmen uns zu vielen Tugendakten, die dem Herrn angenehm sind. Der heilige Dositheus sagte einst seinem geistlichen Lehrer, daß er sehr von Versuchungen geplagt sei; und voll Mitleids antwortete ihm der Lehrer, er wolle zum Herrn flehen, auf daß er ihn von diesen unreinen Gedanken und Versuchungen befreie. Allein Dositheus entgegnete: „O nein, mein Vater! flehe lieber, daß mir Gott Geduld und Gnade verleihe, damit ich diesen Kampf siegreich bestehe und mir die Krone des Himmels verdiene. Denn wenn auch die Versuchungen sehr lästig sind, so sind sie doch dem Menschen sehr nützlich und verdienstlich." — Klage daher nicht, mein Christ! wenn du viel von Versuchungen zu leiden hast; kämpfe nur und wende die Mittel an, die dir zu Gebote stehen, und sie werden dir zum Heile gereichen. Fr. Welche Mittel sollen wir gegen unreine Gedanken und Begierden anwenden? Antw. Besonders folgende drei: 1) Widerstand, 2) Gebet und 3) ausdauernden Muth. Belehrung und Beispiele. Um die unreinen Gedanken und Begierden in uns zu besiegen, müssen wir also 1) gleich anfangs ernsten Widerstand leisten. Nie dürfen wir mit unreinen Gedanken und Begierden tändeln; denn sie gleichen Schlangen; wer mit ihnen spielt, wird von ihnen verwundet; wir müssen denselben vielmehr gleich giftigen Schlangen den Kopf zertreten. 2) Wir müssen Gott um Beistand anrufen, und die seligste Jungfrau um ihre Fürbitte. (Sieh das vorausgehende Bild!) Darum sagt schon der weise Salomon (Weish. 8, 21.): „Da ich wußte, daß ich nicht anders enthaltsam sein könnte, es würde mir denn von Gott gegeben; so trat ich vor den Herrn und bat ihn aus meinem ganzen Herzen." Sobald wir zu beten anfangen, muß die Versuchung weichen; denn der Gedanke an Gott und der Gedanke an die Sünde können nicht neben einander bestehen. Der heilige Abt Johannes pflegte zu sagen: „Der wahre Christ muß sein, wie ein Mann, der unter einem Baume sitzt und verschiedene wilde Thiere auf sich zukommen sieht. Was thut ein solcher Mann? Da er den Thieren allein nicht Widerstand leisten kann, so steigt er auf den Baum. So soll auch der Christ, wenn er von bösen Gedanken überfallen wird, denen er nicht allein widerstehen kann, im Gebete sich zu Gott flüchten, und der Herr wird sein Retter sein." 3) Wenn dieVersuchung anhält, so sollen wir nicht klein- müthig werden, sondern ausharren und uns zu beschäftigen suchen; wir müssen es machen, wie die Israeliten, die in ihrem Kampfe gegen die Benjaminiten zweimal unterlagen, deßwegen aber den Muth nicht verloren, sondern, nachdem sie gebetet und gefastet hatten, auf's Neue angriffen und, aus allen Kräften kämpfend, den herrlichsten Sieg erfochten. (Nicht. 20.) Ja, so ist es; dem Muthigen gehört der Sieg, und wer ausharrt bis an's Ende, Der wird selig. Fr. Was gebietet sonach das neunte Gebot? Antw. Es gebietet, daß wir gute Gedanken und Begierden in unserm Herzen nähren und erhalten sollen, und daß wir überhaupt nur nach Dem streben, was ehrbar und heilig ist. Belehrung und Beispiele. Wie durch alle früheren Gebote Gottes gute Werke von uns verlangt werden, so hier die Grundlage dazu, nämlich gute Gedanken und Begierden; denn wenn es im Herzen schlimm aussieht, wie kann es da in unfern Handlungen gut aussehen? Daher dringt Gott der Herr in den letzten zwei Geboten darauf, daß besonders in unserm Innern, in unfern Herzen Alles in gutem Zustande sei, damit wir nicht zu der Zahl Derjenigen gehören, welche, wie ver göttliche Heiland sagt, den Becher nur von Außen waschen, inwendig aber denselben voll Unreinigkeit lassen. In dieser Beziehung gab der selige Pater Galuzzi aus dem Orden der Gesellschaft Jesu seinen Beichtkindern eine gar nützliche Belehrung. Wenn nämlich Eines um die Erlaubniß bat, sich geißeln oder einen Bußgürtel tragen zu dürfen, so bezeigte er zwar keine Geringschätzung gegen solche Hebungen; denn er wendete sie bei sich selbst mit vielem Eifer an; aber er Pflegte zu sagen: „Man muß vor Allem sich innerlich in Zucht nehmen und einen Bußgürtel um das Herz tragen, indem man seine Gedanken und Begierden gehörig ordnet und unterwirft." Ebendieß ist es nun auch, was das neunte Gebot von uns verlangt, daß wir nämlich heilig und ehrbar seien in all unfern Gedanken und Begierden — der Ermahnung des Apostels gemäß, der da schreibt (Phil. 4, 8.): „Uebrigens, Brüder! was wahr ist, was ehrbar, was gerecht, was heilig, was liebenswürdig ist, was guten Namen macht, was irgend Tugend ist, was zur löblichen Zucht gehört, Das beherziget!" Legende: Die heilige Elisabeth, Landgräfin von Hessen und Thüringen (f 1231). Heute feiert die Kirche das Andenken an die heilige Landgräfin Elisabeth, die nicht nur eine Mutter der Armen war, sondern auch ein wahres Muster in Be- 94 * 748 Viertes Hauptstück. Zehntes Gebot Gottes. MM obachtung des neunten Gebotes; denn stets nährte sie in ihrem Herzen nur gute Gedanken und Begierden und strebte nur nach Dem, was ehrbar und heilig ist. — Elisabeth war die Tochter Andreas II., Königs von Ungarn, und erblickte i. I. 1207 auf dem Schloße zu Preßburg das Tageslicht. Glänzend war der Adel, den sie von ihrer vornehmen Abkunft hatte; aber viel Heller als dieser glänzte der Adel ihrer Seele, den sie sich durch große Tugenden von Jugend an bis zu ihrem Grabe verschaffte. Schon i. I. 1211 gaben sie ihre Eltern nach Thüringen an den Hof des dortigen Landgrafen zur Erziehung. Dort wuchs Elisabeth kräftig und gesund heran, wurde täglich geschickter und mit zunehmenden Jahren auch täglich tugendhafter. Frühzeitig mit dem Landgrafen Ludwig vermählt, bewies sie ihrem Gemahl die zärtlichste Liebe, unverbrüchliche Treue und die schuldige Unterthänigkeit. Dabei brachte sie ihre Tage großen Theils, ohne jedoch die Pflichten einer guten Hausmutter zu versäumen, mit Andachtsübungen und mit Werken der Wohlthätigkeit zu. Als Thüringen durch Hungersnoth und ansteckende Krankheiten hart heimgesucht wurde, zeigte sich das mitleidsvolle Herz der guten Landgräfin im herrlichsten Glanze. Ebenso zeigte sich ihr Glaube und ihre Ergebung in den göttlichen Willen, als ihr Gemahl i. 1.1227 ihr plötzlich durch den Tod entrissen wurde. Durch Heinrich, den Bruder ihres Gemahls, sammt ihren Kindern des Landes verwiesen, wandte sie sich zuerst an die Aebtissin zu Kitzingen, der sie nahe verwandt war. Als sich später Heinrich mit ihr aussöhnte, zog sie nach Marburg, wo sie wieder das einfache, stille, fromme und wohltätige Leben führte, das sie vor ihrer Verehelichung geführt hatte. Zu ihrer Bedienung hatte sie nur zwei Was das zehnte Gebot verbietet nnd gebietet. Mägde, denen sie aber mehr Mutter, als befehlende Hausfrau war. Sie brauchte für sich sehr wenig, und was immer sie erübrigte, ward der Antheil der Armen. Sie verschied den 19. November 1231 im vierund- zwanzigsten Jahre ihres Alters. Gebet. Erleuchte uns, o Gott! und mache, daß wir in unserm Herzen nur gute Gedanken und Begierden nähren und wie die heilige Elisabeth stets nur nach Dem streben, was ehrbar und heilig ist, damit wir uns allezeit des himmlischen Trostes erfreuen, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihundertvimmdzwanzigstes Lesestück. Am Feierabende des 20. November. Zehntes Gebot Gottes. Was bas zehnte Gebot verbietet und gebietet. Fr. Was verbietet das zehnte Gebot? Antw. Es verbietet alle Begierde nach ungerechtem Gute. Belehrung. Es scheint, als ob das zehnte Gebot schon im siebenten eingeschlossen wäre; allein gleichwie Gott wider das Laster der Unzucht zwei Gebote gegeben, nämlich das sechste, daß man im Werke nicht Unkeuschheit treibe, und das neunte, daß man auch in Gedanken in kein unkeusches Werk einwillige: ebenso hat er auch wider das Laster der Ungerechtigkeit zwei Gebote geben wollen, nämlich bas siebente, daß wir uns in Der Thal nicht an dem Gute des Nächsten vergreifen, und das zehnte, auf daß wir auch nicht einmal im Gedanken darnach verlangen, fremdes Gut unrechtmäßiger Weise an uns zu bringen. — Es versündigen sich sonach gegen dieses Gebot Diejenigen, welche auch nur Lust und Willen haben, ihrem Nebenmenschen Etwas zu stehlen, ihn im Handel und Wandel zu betrügen; ferner Die, welche Freude daran haben, wenn ihrem Nächsten Uebles begegnet, und ihn beneiden um sein Hab und Gut, um den guten Absatz, den er hat (Handwerksneid) u. s. w. Zu allen Denen, die sich gegen das zehnte Gebot versündigen, spricht Gott der Herr: „Wehe euch, die ihr Haus an Haus reihet, ein Feld nach dem andern an euch bringet, bis kein Platz mehr da ist! Wollet ihr allein auf Erden bleiben?" (Jsai. 5, 8.) Beispiel und Anwendung. Mit Recht verbietet Gott im zehnten Gebote alle Begierde nach ungerechtem Gute; denn „die Wurzel aller Nebel," sagt der heilige ! 1 , Am Feierabende des 20. November. 749 Paulus ( 1 . Tim. 6 , 10.), „ist die Habsucht." Wir sehen dieß an Achab, König in Israel, der Naboth's Weinberg an sich zu bringen suchte. Welche Ungerechtigkeiten erlaubte er sich nicht! Um den habgierigen Plan ihres Mannes zur Ausführung zu bringen, dingte seine Gemahlin Jezabel falsche Zeugen, die aussagen mußten, daß Naboth Gott und den König gelästert habe. Und so fiel Naboth als Opfer der Habsucht seines Königs. Aber Gottes Strafe für diese schreiende Ungerechtigkeit blieb nicht aus. Als Ach ab hinabgegangen war in den Weinberg Naboth's um ihn in Besitz zu nehmen, da erschien im Aufträge des Herrn der Prophet Elias und sprach zu ihm: „Du hast gemordet und dazu noch (ungerechtes Gut) in Besitz genommen. ... An dem Orte, wo die Hunde das Blut Naboth's gelecket, da sollen sie auch dein Blut lecken." Und so geschah es auch. (Sieh das obige Bild!) — Siehe, mein Christ! soviel Unheil bringt der Mensch über sich und Andere, der sich von der Begierde nach ungerechtem Gute leiten läßt. Fr. Was gebietet das zehnte Gebot? Antw. Es gebietet, Jedem das Seinige zu gönnen und mit dem Unsrigen zufrieden zu sein. Belehrung. In dieser Beziehung ruft uns der heilige Paulus (Hebr. 13, 5.) zu: „Seid nicht habsüchtig in cuerm Betragen und begnüget euch mit Dem, was ihr habet!" Wenn der Mensch ernstlich will, so kann er seine Bedürfnisse ungemein beschränken; „man muß nicht viel begehren, so kann man leicht entbehren," sagt das Sprüch- wort. Wenn Sokrates über den Markt ging und sah, was für eine Menge Sachen da feil waren, so sprach er oft zu sich selbst: „O wie viele Dinge brauche ich nicht!" Er meinte, wer wenige Bedürfnisse habe, sei Gott am Aehn- lichsten, weil Gott gar Nichts braucht. — Ja, wahrhaft selig ist der Wille, der hat, was er will, weil er nicht will, was er nicht haben kann! Selig der Zufriedene; denn Zufriedenheit gibt Seligkeit. Und diese Zufriedenheit kann sich Jeder, der will, selbst auch der Arme gar leicht verschaffen, wenn er bedenkt, daß das größte Gut auf Erden nicht in irdischen Schätzen, sondern in einem reinen Gewissen und in der Tugend bestehe, daß wir unsere Heimat jenseits haben, und daß auch Christus unsertwegen arm geworden und Alle, die um seinetwillen die Armuth geduldig.ertragen, einst herrlich belohnen wird. Beispiel und Anwendung. Eine Dienstmagd in Basel hatte das Buch gelesen: „Das Land der Zufriedenheit." Sie bildete sich ein, dieses Land fände sich irgendwo in der Welt und beschloß, dorthin auszuwandern; sie kündete ihrer Herrschaft den Dienst auf und gab ihre Sachen aus's Posthaus unter der Adresse: „An Barbara W. im Lande der Zufriedenheit." Ihrer Herrschaft wollte es durchaus nicht gelingen, sie von diesem Gedanken abzubringen; sie berief daher den Pfarrer von Muttenz. Der kam und grüßte die Barbara mit folgenden Worten: „Nun Bärbel, das freut mich doch in der Seele, daß Ihr in's Land der Zufriedenheit wollt; das ist recht wacker von Euch." Bärbel freut sich hoch, endlich eine Person zu treffen, die in diesem Sinne mit ihr sprach. „Aber," fuhr der brave Pfarrer fort, „wißt Ihr auch, wo dieses Land der Zufriedenheit ist?" — „Ja," erwiderte sie, „das ist eben mein Kreuz, daß ich das nicht weiß, und es mir Niemand sagen kann." — „Nun, Ihr meint vielleicht, es liege in Frankreich oder Spanien oder gar in Amerika. Aber so weit hat man nicht dahin, es liegt ganz in der Nähe." — „Wo denn?" — „Hier in der Stadt Basel, hier in diesem Hause könnt Ihr in das Land kommen. Aber freilich, wenn Ihr in demselben wohnen wollt, müßt Ihr euern alten Plunder, den Stolz, die Hoffart, den Geiz, Neid u. s. w. wegschaffen und lauter neue Habseligkeiten anschaffen: nämlich ein reines Gewissen und Tugend; die könnt Ihr aber umsonst haben bei unserm Herrn Jesu Christo." So sprach der ehrwürdige Pfarrer, und sein Wort fand Eingang bei der angefochtenen Seele, so daß sie erklärte: „Nun, Herr Pfarrer, ich will IhremRathe folgen!" — Ja, so ist es, mein Christ! willst du Zufriedenheit, so entferne aus deinem Herzen allen Stolz, alle Habsucht, alle Begierde nach fremdem Gute, und verschaffe dir ein reines Gewissen und jene Tugenden, die den wahren Christen zieren und beseligen; gönne Jedem das Seinige, und sei zufrieden mit Dem, was du hast! Legende: Der heilige Ordensstifter Felix von Valois (7 1212). Betrachte in dieser Beziehung das Beispiel des heiligen Ordensstifters Felix von Valois, dessen Andenken wir heute feiern. Ihm standen alle Reichthümer und Schätze der Welt offen; denn er stammte aus dem königlichen Geschlechts der Valesier in Frankreich und hätte sonach zur königlichen Krone und zu den höchsten irdischen Ehren und Würden gelangen können. Allein 73V Viertes Hauptstück. Von den fünf Geboten der Kirche. Allgemeine Bemerkungen hierüber. er war mit Wenigem zufrieden; er suchte nicht die Ehren und Schätze der Welt, sondern die himmlischen Güter. Daher vertheilte er sein Vermögen unter die Armen und zog sich in die Einsamkeit zurück. Da nun zeigte er durch seine einfache und ärmliche Lebensweise, wie wenig der Mensch brauche, und wie leicht er glücklich und zufrieden sein könne, wenn er in Gott seine Freude und Seligkeit sucht. Bald berief ihn aber der Herr aus der Einsamkeit zu einer mehr öffentlichen Thätigkeit. Durch eine himmlische Erscheinung bewogen, faßte nämlich Felix mit seinem Schüler und Gefährten Johannes von Mat ha den Entschluß, den berühmten Orden zur Erlösung der Gefangenen zu stiften. Und nun verband er mit feinem heiligen Lebenswandel die größten Liebes- werke; denn er erlöste viele Tausende von Gefangenen, welche unter dem grausamen Joche der Türken und anderer Barbaren seufzten. Dabei scheute er weder Kosten, noch Mühen und Gefahren. Mit rastlosem Eifer setzte er diese LiebeSwerke fort, bis ihn der himmlische Vergelter im fünfundachtzigsten Lebensjahre zur ewigen Glorie berief i. I. 1212. Gebet. O Gott, der du den heiligen Felix zur Befreiung der Gefangenen berufen hast, wir bitten dich, verleih' uns die Gnade, von den Fesseln unsrer Sünden, sowie von aller Begierde nach irdischen Gütern und Schätzen befreit, in das himmlische Vaterland einzugehen, um daselbst die ewigen Güter des Himmels zu genießen, durch Jesum Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihundertsünfundzwanzigstes Lesestück. Am Feierabende des 21. November. Von den fünf Geboten der Kirche. Allgemeine Bemerkungen hierüber. Fr. Haben die Christen nebst den Geboten Gottes noch andere Gebote zu halten? Antw. Ja, die Gebote der Kirche. Fr. Hat denn die Kirche das Recht, Gebote zu geben? Atttw. Sie hat nicht nur das Recht, Gebote zu geben, sondern auch das Recht, über die Beobachtung derselben zu wachen und die Uebertreter zu strafen. Belehrung. Die Kirche hat 1) das Recht, ihren Gläubigen und Kindern Gebote zu geben, und zwar aus einem dreifachen Grunde: Erstens hat sie dieses Recht von Christus selbst empfangen, welcher der Kirche den Auftrag gegeben hat, die Gläubigen in seinem Namen zu leiten und zu regiren (was schon bei der Lehre von der Kirche besprochen worden ist); wer also die Kirchengebote verachtet, Der verachtet Christum selbst, den Worten Christi gemäß: „Wer euch (eure Gebote) verachtet, Der verachtet mich." (Luk. 10, 16.) Zweitens ist die Kirche unsere Mutter; wie nun eine Familienmutter ihren Kindern befehlen darf, so auch die Kirche den Gläubigen. Endlich drittens geht dieß aus der Natur der Sache hervor; denn wie eine Gesellschaft nicht bestehen kann ohne Gesetze, so die Kirche nicht ohne Gebote. (Sieh das nachfolgende Bild!) Daher schreibt der heilige Augustinus: „Die wahre Religion kann nicht bestehen, wenn sie nicht mit einer Macht und Gewalt belehnt ist, vermöge deren sie ihren Angehörigen gebieten kann, was sie für das ewige Heil derselben als nothwendig erachtet, und dem sich Alle unterwerfen und vollkommenen Gehorsam leisten muffen." — Außer diesem Rechte, Gebote zu geben, hat die Kirche aber auch noch 2) das Recht, über die Beobachtung derselben zu Wachen, wie schon der heilige Paulus an die zu Milet versammelten Aeltesten der Kirche schreibt: „Wachet über euch und die ganze Heerde, über welche euch der heilige Geist gesetzt hat als Bischöfe, um die Kirche Gottes zu regiren" (Apgsch. 20, 28.), und zugleich 3) das Recht, die Uebertreter zu strafen, z. B. ihnen die heiligen Sakramente zu entziehen, indem Christus spricht: „Wahrlich, sag' ich euch, Alles was ihr auf Erden binden werdet, das 751 Am Feierabende des 21. November. LN-, wird auch im Himmel gebunden sein" (Matth. 18, 18.), sie zuletzt aus der Kirche auszuschließen und ihnen nach dem Tode das kirchliche Begräbniß zu versagen; so hat schon der heilige Paulus den Blutschänder zu Corinth aus der Kirche ausgeschlossen. (1. Cor. 5.) Beispiel und Anwendung. Die Kirche hat die Gewalt, Gebote zu geben, von Christus selbst erhalten. Dieses hat König Ludwig XVI. einem seiner Hofleute auf folgende Weise dargethan. Seit dem Ende der Regierung Ludwigs XV. speiste man nämlich am französischen Hofe an den Fasttagen, au welchen eben Jagd war, Fleisch- und Fastenspeisen zugleich. Ludwig XVI., der Gott fürchtete, ließ diesen Mißbrauch abstellen. Ein alter Hofbeamte meinte in Hinsicht auf diesen Punkt, daß Das, was in den Mund eingehe, die Seele nicht beflecke, und hielt sich deßhalb für befreit von diesem Gebote. „Nein, mein Herr!" versetzte der König mit Nachdruck, „nicht die Fleischspeisen an sich beflecken die Seele und machen die Sünde aus, sondern die Empörung gegen eine rechtmäßigeAuctorität und die Uebertretung ihrer ausdrücklichen Vorschrift; Alles kommt darauf an, ob Jesus der Kirche die Gewalt gegeben hat, ihren Kindern zu befehlen, und die Vorschrift, ihr zu gehorchen. Der Katechismus sagt es, und wenn Sie das Evangelium lesen, so müssen Sie finden, daß Jesus einmal sagte: Wer die Kirche nicht hört, Der sei dir wie ein Heide und öffentlicher Sünder! und ich halte mich daran." Diese schöne Antwort war gewiß eines christlichen Königs würdig. Fr. Welches sind die allgemeinen und Hauptge- bote der Kirche? AntW. Folgende fünf: 1) Dn sollst die gebotenen Feiertage halten. 2) Du sollst an allen Sonn- und Feiertagen die heilige Messe ehrerbietig anhören. 3) Du sollst die vierzigtägige Fasten, die vier Quatember und andere gebotene Fasttage halten, auch am Freitage und Samstage vom Fleischessen dich enthalten. 4) Du sollst jährlich wenigstens Einmal einem verordneten Priester beichten, und zur österlichen Zeit das heilige Sakrament des Altars empfangen. 5) Du sollst zu verbotenen Zeiten nicht Hochzeit halten. Fr. Warum hat die Kirche diese Gebote gegeben? AntW. 1) Um die göttlichen Gebote genauer zu erklären, und näher zu bestimmen, wie sie zu halten seien; 2) um uns zu einem gottseligen und bußfertigen Leben anzuhalten und dadurch unser ewiges Heil zu befördern. Belehrung. Aus den weisesten Gründen und in der edelsten Absicht hat uns die Kirche diese Gebote gegeben; denn sie will uns 1) dadurch die g öttlichen Gebote näher erklären, und genauer bestimmen, wiesic zuhalten seien. Die Gebote der Kirche sind nur die Entwicklung und Anwendung der Gebote Gottes. So gebietet z. B. Gott die Heiligung eines ihm geweihten Tages; die Kirche bestimmt nun diesen Tag genauer und zugleich die Art und Weise, wie man ihn heiligen soll. Gott befiehlt uns, unsere Sünden zu sühnen und uns abzutödtcn; die Kirche hat dazu Fast- und Abstinenztagc festgesetzt u. s. f. 2) Die Kirche will uns durch ihre Gebote zu einem gottseligen und bußfertigen Leben anhallen und unser ewiges Heil befördern. Daher befiehlt sie uns, die Sonn- und Festtage zur Ehre Gottes und zu unserm Seelenheile anzuwenden, unfern Leib durch Fasten abzutödtcn und zu beichten und zu communiciren. Fr. Wie verpflichten uns diese Gebote der Kirche? 752 Viertes Hauptstück. Von den fünf Geboten der Kirche. Allgemeine Bemerkungen hierüber. Antw. Sie verpflichten uns strenge, d. i. unter schwerer Sünde. . Belehrung. Da die Kirche diese ihre Gebote nur in der edelsten und weisesten Absicht gegeben und von Christus selbst die Gewalt hiezu erhalten hat, so verpflichten uns diese Gebote strenge, d. i. unter einer schweren Sünde. „Denn die Kirche, die Christus gegründet, ist so zu schätzen, wie die Stimme und Auctorität Gottes," sagt der heilige Cassianus. Und Christus der Herr hat unter dem Verluste der ewigen Seligkeit befohlen, die Gebote der Kirche als seine eigenen zu betrachten und zu befolgen: „Wer euch (d. i. auf eure Gebote) höret, Der höret mich; und wer euch verachtet, Der verachtet mich." (Luk. 10,16.) ,,Wer die Kirche nicht hört, Der sei dir wie ein Heide und öffentlicher Sünder!" (Matth. 18, 17.) Hatte ja Gott schon im A. B. die Verordnung gegeben: „Wer hoffärtig ist und dem Gebote des Priesters nicht gehorchen will, Der soll sterben" rc. (5. Mos. 17, 12—13.) Um wie vielmehr wird nicht die göttliche Strafe Jene treffen, die die Gebote der Kirche Gottes übertreten? Daher ruft uns der heilige Augustin zu: „Lieben wir den Herrn unfern Gott, lieben wir seine Kirche; ihn wie den Vater, sie wie die Mutter! ... Was nützt es, wenn du den Herrn bekennst, Dem, der zur Rechten des Vaters ist, huldigst, die Kirche aber lästerst? Wenn du irgend einen guten Gönner hättest, dem du alle Tage Ehrfurcht bezeugtest, aber gegen seine Gattin ein einziges Mal etwas Lästerliches sagtest: dürftest du wieder in sein Haus gehen? Nehmet euch also in Acht, Geliebteste! Haltet euch Alle cinmüthig an Gott den Vater, und an die Mutter, die Kirche!" Beispiel und Anwendung. Der berühmte und gelehrte Kardinal Osius, der das Concil von Trient im Namen Pius lV. eröffnete, war ein treuer Beobachter der göttlichen und kirchlichen Gebote. Und da er das kirchliche Fastengebot sehr strenge hielt, so riethen ihm mehrere seiner Freunde, zur Erhaltung seiner Gesundheit und zum Wohle der Kirche seine Fasten zu mäßigen. Allein der fromme Kardinal antwortete: „ Ich thue dieß für mein eigenes Wohlergehen; denn meine Absicht ist, lange zu leben; nun aber steht in den Geboten Gottes: Du sollst Vater und Mutter ehren, auf daß du lange lebest. Mein Vater ist Gott im Himmel und meine Mutter die Kirche auf Erden. Nun bestehlt mir Gott, mein Vater, zu fasten, und die Kirche, meine Mutter, schreibt mir die Tage vor, an denen ich fasten soll. Willig gehorche ich beiden. Ich hoffe, daß ich in Rücksicht auf meinen Gehorsam ein ewiges und vollkommen glückseliges Leben erlangen werde.« O daß doch alle Katholiken als treue und folgsame Kinder der Kirche also denken und sprechen möchten! Legende: Mariä Opferung. Möchten sie sich auch zugleich ein Beispiel nehmen an den frommen Eltern der seligsten Jungfrau Maria und sich mit gleicher Bereitwilligkeit den Geboten der Kirche unterwerfen, wie sich diese den Vorschriften des mosaischen Gesetzes unterwarfen. Heute wurde nämlich Maria von ihren frommen Eltern Joachim und Anna Gott dem Herrn im Tempel zu Jerusalem aufgeopfert, sowie es im Gesetze befohlen war. Dadurch wurde Maria für immer dem göttlichen Dienste geweiht, und der Herr erwählte sie zu einem besondern Gefäß und Werkzeug der göttlichen Gnade. (Sieh das obige Bild!) Zur Erinnerung an diese Begebenheit feiert heute die Kirche das Fest: „Mariä Opferung." Sie will hiedurch die Eltern ermuntern, daß auch sie ihre Kinder dem Herrn opfern und ebenso bereitwillig den kirchlichen Vorschriften gehorchen sollen, wie Joachim und Anna. Gebet. Seligste Jungfrau Maria, die du heute im Tempel Gott dem Herrn aufgeopfert worden bist, bitte für uns, auf daß wir uns mit Leib und Seele dem Herrn weihen und ebenso willig den Geboten unserer heiligen Kirche gehorsamen, wie deine frommen Eltern dem Gesetze; erbitte uns die Gnade hiezu bei Jesus, deinem Sohne, hochgelobt in Ewigkeit. Amen. ! ! Am Feierabende des 22. November. 733 Dreihundertsechsundzwcmzigstes Lesestück. Am Feierabende des 22. November. Das erste Gebot der Kirche. Von den Feiertagen der Kirche nnd ihrer Heiligung. Fr. Was wird uns im ersten Kirchengebote befohlen? Antw. Es wird uns befohlen, daß wir die von der Kirche gebotenen Feiertage, die sie zur Ehre unsers Herrn und seiner Heiligen eingesetzt hat, heiligen sollen. Belehrung und Beispiele. Festtage finden wir bei allen Völkern; wir finden sie bei den heidnischen Römern und Griechen, in noch weiterer Ausdehnung aber bei dem israelitischen Volke, deren Feste theils von Gott selbst eingesetzt worden waren, z. B. das Fest der ungesäuerten Brode, der Wochen und der Laubhütten, theils von der Synagoge oder den geistlichen Vorstehern zum dankbaren Andenken an besondere, von Gott empfangene Wohlthaten. So wurde zur Zeit der Esther unter Mardochäus das Fest Purim oder der Loose eingesetzt, zur dankbaren Erinnerung an die Befreiung der Israeliten von dem Mordanschlage Amans durch die Fürbitte der Königin Esther. (Esth. 9, 19 ff.) Zur Zeit der Judith (16, 31.) wurde die Feier des festlichen Jahrtages zum Gedächtniß des besiegten Holofernes; unter Juda, dem Machabäer (2. Mach. 15, 36.) ein Dankfest wegen des Sieges über Nikanor, und zugleich das Fest der Eucänie, d. i. das Kirchweihfest eingeführt. — Wenn nun die Synagoge der Juden das Recht hatte, Feiertage anzuordnen, warum soll dann die Kirche, diese reine Braut Christi, nicht auch dieselbe Macht haben? Hievon Gebrauch machend, hat die Kirche zu verschiedenen Zeiten verschiedene Feste zur Ehre Jesu, seiner göttlichen Mutter und seiner Heiligen zu feiern befohlen, und da sie bei Einsetzung derselben vom heiligen Geiste geleitet wurde, so sind wir zur Feier derselben ebenso verpflichtet, als wenn sie von Gott selbst eingesetzt worden wären. Fr. Wozu hat denn die Kirche die Feste des Herrn und seiner Heiligen eingesetzt? Antw. Dazu, daß wir die Geheimnisse unsrer Erlösung dankbar betrachten und durch Nachahmung der Heiligen uns der -Früchte dieser Erlösung auch würdig und theilhaftig machen. (Sieh das nachfolgende Bild!) Belehrung. Die Kirche hat theils Feste des Herrn, theils Feste der Heiligen angeordnet. 1) Die Feste Mchler, Hausbuch. des Herrn sind eingesetzt, damit wir die Geheimnisse unserer Erlösung andächtig beherzigen, Gott für seine Gnaden danken, unfern Eifer in seinem Dienste erneuern und uns so der Früchte der Erlösung würdig machen. „Es soll," wie der heilige Petr ns Ehrysologus schreibt, „Das, was einmal geschah, durch alle Zeiten im Gedächtnisse der Gläubigen bleiben." Und der heilige Binzen tius Fer- reriuS sagt: „Man muß wissen, daß alle Feste des Jahres eingesetzt sind zur Erinnerung an die Wohlthaten Gottes, die Er seiner Kirche erwiesen hat, um dafür Gott zu loben und zu danken. Je größer die erwiesenen Wohlthaten sind, desto größer ist auch das Fest." — 2) Die Feste der Heiligen sind eingesetzt, damit wir den Herrn preisen für die Gnaden, welche er ihnen, und durch sie auch uns erwiesen hat; damit wir uns ihre Tugendbeispicle und ihre Seligkeit im Himmel vor Augen stellen, und den Entschluß fassen, ihnen nachzufolgcn, endlich damit wir sie um ihre Fürbitte bei Gott anrufen. Beispiel und Anwendung. Ganz in diesem Geiste der Kirche feierte jener fromme Bruder der Wüste, von dem der heilige Augustin so viel Schönes erzählt, die Festtage des Herrn und der Heiligen. Er hatte nämlich alle Geheimnisse uusers Glaubens, alle wichtigeren Momente aus der Lebens- und Leidensgeschichte Jesu, Mariä und aller 95 754 Viertes Hauptstiick. Das erste Gebot der Kirche. Von den Feiertagen der Kirche nnd ihrer Heiligung. Heiligen in Bildern dargestellt; sowie nun irgend ein Festtag einfiel, so bereitete er sich unter Beten und Fasten auf denselben vor und heftete dann das entsprechende Bild im Innern seiner Zelle auf, um den ganzen Tag hindurch die Bedeutung des Festtages vor Augen zu haben und Gottes unendliche Liebe und Seiner Heiligen erhabene Tugenden im Geiste zu betrachten und im Leben zu erfüllen und zu üben. Häufige Thranen sah man da über seine Wangen rollen, Thränen der Neue, sowie der wehmüthigen Sehnsucht, doch recht bald mit Gott und seinen Heiligen den ewigen Festtag im Himmel feiern zu können. Am Feste aller Heiligen war er eben in seine Betrachtungen vertieft, und es flössen Thränen heiliger Sehnsucht, häufiger als je; — er schaute im Geiste, was ihm sein Bildlein zeigte, am Throne Gottes die Millionen und abermals Millionen von himmlischen, seligen Chören. Ack, wie wurde ihm da das Herz so voll! Er unterlag dem heißen Verlangen seiner Seele und schlummerte hinüber in das Reich der Seligen, um dort ewig an der erhabenen Feier Theil zu nehmen, die er hienieden nur in Bildern geschaut. — O selig, wer die Feste des Herrn und der Heiligen GotteS so würdig auf Erden feiert! Er wird im Himmel Theil nehmen an den Freuden der Auserwählteu, wie der fromme Bruder der Wüste. Fr. Wie sollen wir also die Festtage der Kirche feiern? Antw. Wir sollen sie feiern wie den Tag des Herrn, insbesonders sollen wir uns aller knecht- lichen Arbeiten, vorzüglich aber der Sünden enthalten und religiöse Werke ansüben, indem wir zugleich, wie schon gesagt, die Bedeutung der Fest- feier in's Auge fassen. Belehrung und Beispiel. Dadurch, daß die katholische Kirche gewisse Festtage zu heiligen befiehlt und die Pflicht auferlegt, an solchen Tagen von knechtlicher Arbeit sich zu enthalten, gebietet sie keineswegs zu faulenzen, spazieren zu gehen, den Leib zu pflegen und Vergnügungen nachzulaufen, sondern sie will, daß der Mensch leiblicher Weise ruhe, um sich desto eifriger im Geiste mit seinem Gott und mit dem Heile seiner unsterblich enSeelc beschäftigen, die Geheimnisse seines Glaubens lebhaft betrachten zu können und Jene nachahmen zu lernen, deren Andenken er dankbar an den kirchlichen Festtagen begeht. Daher schreibt der heilige Augustin über die Heiligung der Feiertage: „Wie an Sonn- und Festtagen die Altäre der Kirchen festlicher geschmückt, und uns oft die Geheimnisse des Tages in Bildern oder Figuren vor Augen gestellt werden, so sollen auch wir unser Herz an solchen Tagen mit Werken christlicher Andacht und Frömmigkeit ausschmücken und uns im Geiste die Geheimnisse der einzelnen Festtage versinnlichen." — Auf solche Weise feierte ChristophColumbus, der berühmte Entdecker Amerika's, die kirchlichen Festtage. Nie lichtete er an einem Sonn- oder Festtag die Anker, niemals stach er da in die See. — Auf seiner langen Seefahrt nach Amerika beobachtete er die Sonn- und Festtagsfeier mit der größten Gewissenhaftigkeit und hielt auch seine Schiffsleute strenge dazu an. Man beging sie mit der möglichsten Andacht und Sammlung des Geistes, und die Fahrzeuge glichen an solchen Tagen schwimmenden Kirchlein, in denen das Lob des Herrn erscholl. — Möchten alle Christen die Festtage des Herrn und seiner Heiligen auf gleich würdige Weise feiern! Legende: Die heilige Cacilia, Jungfrau und Märtyrin (ch 230). Welch' ein schönes Beispiel gibt uns in dieser Beziehung auch die heilige Cacilia, deren Fest gerade auf den heutigen Tag fällt! Wie sehr pries und verherrlichte sie an den verschiedenen Festtagen der Kirche Gott den Herrn und seine Heiligen durch Orgelspiel und heilige Gesänge! Cäcilia, in Rom aus einem sehr vornehmen Geschlechts entsprossen, fand schon in frühester Jugend ihre einzige Wonne im Gebete, in der Lesung und Betrachtung der heiligen Schrift und in andern Uebnngen der Gottseligkeit. Auf den Willen ihrer Eltern hin vermählte sie sich mit einem vornehmen Jünglinge, Namens Valerian, dem sie am Hochzcits- abende eröffnete, daß sie eine gottgeweihte Jungfrau sei und einen Engel zum Beschützer ihrer Keuschheit habe, 755 Am Feierabende des und er sich daher hüten solle, Etwas gegen sie zu unternehmen, wodurch er den Zorn desselben reizen könnte. Valerian, noch ein Heide, ward über diese unerwartete Sprache seiner Gemahlin betroffen, verlangte jedoch den Engel zu sehen, und ging auf die Antwort der Jungfrau, daß solches nur geschehen könne, wenn er Christ werde, zum Papst Urban I., und ließ sich unterrichten und taufen. Bei der Rückkehr traf er die reine Jungfrau im Gebete an, und sah neben ihr einen Engel des Allerhöchsten, haltend zwei ans Rosen und Lilien geflochtene Kränze, deren einer ihm, der andere seiner jungfräulichen Gemahlin gereicht wurde. Zur nämlichen Stunde wurde auch ValerianS Bruder für den wahren Glauben gewonnen. Die Bekehrung so edler und reicher Jünglinge hatte der Statthalter Almachius kaum vernommen, als er sie auch schon verhaften, mit dem Schwerte hinrichten und ihre Güter eiuziehen ließ. Cäcilia, die sich auf gleichen Tod gefaßt machte, verwendete die noch vorhandenen Neichthümer zu wohlthätigen Zwecken und hielt noch eifriger im Gebete und heiligen Gesängen an. Bald wurde auch sie vor den Nichterstuhl gefodert und bei standhafter Glau- beustreue vernrtheilt, in ein überheiztes Badezimmer gesperrt, und so durch die Hitze getödtet zu werden. Die Heilige blieb ganz unversehrt, und wurde endlich von dem wuthentbrannten Statthalter zum Tode durch das Schwert vernrtheilt den 22. November 230. Gebet. Verleihe uns, o Gott! auf die Fürbitte der heiligen Cäcilia, daß wir die Feiertage der Kirche stets heilig halten und dich und deine Heiligen an denselben in Wort und That preisen und verherrlichen, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihnndertsiebenundzwanzigstes Lesestück. Am Feierabende des 23. November. Das zweite Gebot der Kirche. Von der Pflicht, an Sonn- und Feiertagen der heiligen Messe beizuwohnen. Fr. Was verlangt die Kirche im zweiten Gebote von uns? AntW. Sie verlangt, daß alle Katholiken, welche den hinlänglichen Gebrauch ihrer Vernunft erreicht haben, wenn nicht wichtige Ursachen entschuldigen, an allen Sonn- und Feiertagen dem heiligen Meßopfer beiwohnen sollen. Belehrung. Durch das zweite Gebot der Kirche werden also alle Katholiken, welche den hinlänglichen Gebrauch . November. / /// der Vernunft (etwa um das siebente Jahr) erreicht haben, und insoferne nicht wichtige Ursachen, als Krankheit, Krankenpflege u. dgl. entschuldigen, aufgefordert, an allen Sonn- und Feiertagen dem heiligen Meßopfer beizuwohnen, da dieses der heiligste und heilsamste Gottesdienst ist, wodurch der Allerhöchste auf die würdigste Weise verehrt wird. Denn „die heilige Messe ist," wie der heilige Franz von Sales schreibt, „die Sonne der geistlichen Uebungen, der Abgrund der göttlichen Erbarmuug, die Quelle der göttlichen Liebe, das Herz der Andacht, die Seele der Frömmigkeit, das kostbarste Mittel, die Gnade zu erlangen." — „Gewiß wird also," wie der heilige Laurentius Justinianus beifügt, „Gott durch kein Opfer mehr geehrt, als durch daS heilige Meßopfer, welches der göttliche Heiland, um dem Vater eine vollkommen würdige Ehre zu erweisen, seiner Kirche hinterlassen hat." Fr. Wie sollen wir der heiligen Messe beiwohnen? AntW. Mit gebührender Aufmerksamkeit, mit Ehrfurcht und Andacht, endlich mit Lust und Liebe. Belehrung. Wir sollen der heiligen Messe beiwohnen 1) mit Aufmerksamkeit, d. h. wir sollen uns nur mit Dem beschäftigen, was auf dem Altäre vorgeht; genau sollen wir dem Priester folgen und besonders auf die drei Haupt- 95* 756 Viertes Hauptstück. Das zweite Gebot d. Kirche. V.d. Pflicht, an Sonn-n> Feiertagend. hl. Messe beizuwohnen. theile der heiligen Messe fleißig Acht haben, hiebei aber jede, wenigstens freiwillige Zerstreuung entfernen. 2) Sollen wir der heiligen Messe beiwohnen mit Ehrfurcht und Andacht, d. h. in einer bescheidenen Haltung des Körpers und in einer allgemeinen Sammlung des Geistes, wie die Heiligen und Engel Gottes, die vor dem göttlichen Lamme anbetend knieen. (Sieh das vorausgehende Bild!) 3) Endlich sollen wir der heiligen Messe beiwohnen mit Lust und Liebe, d. h. nicht bloß aus Zwang, weil es die Kirche gebietet, oder weil man den Tadel der Menschen fürchtet, sondern aus heiligem Eifer für Gottes Ehre und unser Seelenheil. ES soll unS vom Besuche der Kirche weder der weite Weg, noch sonst eine Beschwerde abhalten. Beispiel und Anwendung. Ein herrliches Beispiel geben uns in dieser Beziehung die ersten Christen. Wenn sie an Sonn- und Feiertagen dem heiligen Opfer beiwohnten, so setzten sie sich dadurch der Gefahr aus, gemartert zu werden, und dennoch ließen sie sich nicht abschrecken. Sie suchten die Wachen zu gewinnen, um in die Gefängnisse, in welchen die Christen schmachteten, gelangen und mit ihren gefangenen Mitbrüdern die heilige» Geheimnisse feiern zu können. Und mit welcher Andacht und Ehrfurcht nahmen sie Theil an ihrem Gottesdienste! Sie benahmen sich, nach dem Zeugnisse des heiligen Chrysostomus, im Tempel Gottes, wie im Palaste eines großen Königs, ja, wie vor dem Throne Gottes selbst, wo Engel seine Diener sind, wo der Himmel offen steht, wo Christus auf dem Throne sitzt, wo Alles von unsichtbaren Geistern erfüllt ist. O daß doch die Christen unserer Tage von den ersten Christen lernen möchten, wie sie sich im Tempel des Allerhöchsten, — besonders beim hocherhabeneu Opfer des N. B. benehmen sollen! Fr. Wo soll mau au Sonn- und Feiertagen dem heiligen Meßopfer beiwohnen? Antw. Wenn es wohl sein kann, in der Pfarrkirche. Belehrung. Der heiligen Messe sollen wir, wenn es wohl sein kann, in der Pfarrkirche beiwohnen, weil daselbst der verordnete Seelsorger zunächst für die ihm anvertrauten Pfarrkinder predigt und das heilige Meßopfer darbringt, weil ferner die Gläubigen Manches zu wissen schuldig sind, was sie nur in der Pfarrkirche hören und lernen können, und weil endlich durch die zahlreichere Versammlung der Gläubigen die gegenseitige Eintracht gehoben, die Andacht und Auferbauung befördert wird. Jndeß kann aber auch in jedem andern öffentlichen Gvtteshause dem Kirchcngebote Genüge geschehen. Fr. Wie versündigt man sich gegen das zweite Kircheugebot? Atttw. Man versündigt sich dagegen theils durch I nachlässige», theils durch unwürdigen Besuch der / heiligen Messe. s Belehrung. Gegen das zweite Gebot der Kirche versündigt man sich durch nachlässigen oder unwürdigen Besuch der heiligen Messe, d. h. 1) wenn man die heilige Messe aus eignerSchuld ganz oder zum Theil versäumt; ich sage: aus eigner Schuld; denn physische oder moralische Unmöglichkeit entschuldigt, wie schon oben gesagt; 2) wenn man während derselben sich freiwilliger Zerstreuung hingibt, vorwitzig umhersieht, schwätzt, lacht oder sich sonst unehrcrbietig beträgt. In dieser Beziehung warnt uns schon der Prophet Habakuk (2, 20.): „Der Herr ist in seinem Tempel: es schweige vor ihm die ganze Erde!" Und der Apostel ermahnt uns: „ Alles geschehe wohlanständig und mit Ordnung!" (1. Cor. 14, 40.) Mit Wehmuth beklagt sich schon der heilige Chrysostomus über die Ungebiihrlich- keiten und das unwürdige Betragen so Vieler beim Gottesdienste, indem er ausruft: „Ich sehe Einige dastehen und schwätzen, während das Gebet verrichtet wird; ja, sie schwätzen sogar, während der Priester segnet. O Frechheit! wie werden wir Gott besänftigen können?" Und der heilige Petrus Damianus schreibt: „Wie sehr werden die Engel gegen ! uns gereizt werden, wenn sie sehen, daß wir im Angesichte ! Dessen unehrcrbietig dasitzen, vor dem sie selbst mit Zittern stehen!" ! Beispiele und Anwendung. Ja, die Unehrer- fl bietigkeit beim Gottesdienste ist eine große und schwere Sünde, ; aber nicht minder sündhaft ist die theilweise oder gänzliche , Vernachlässigung desselben. Und wie oft wird nicht diese ! Sünde begangen! Es gibt ja Katholiken, denen die Zeit in der Kirche gar bald zu lange wird, und die schon wieder davon laufen, ehe noch der Priester bei der heiligen Messe den Segen gegeben hat. Daß diese dem Gebote der Kirche ! nicht genügen, ist wohl natürlich; wir sehen dieß aus fol- ^ gender Begebenheit. Eine Frau, die fleißig zur Kirche ging, i; wollte wissen, wie viel Mal sie in einem Jahre im Gottes- fl Hause gewesen sei. Weil sie nicht schreiben konnte, so be- zeichnete sie jeden Kirchenbesuch dadurch, daß sie einen Pfennig > in ein Sparbüchslein legte und solches in ihren Koffer verschloß. Da nun das Jahr vorüber war, und sie vermeinte, das Büchslein voller Pfennige zu finden, öffnete sie es und sah zu ihrem größten Erstaunen nur — drei Pfennige darin liegen. Es waren die drei Sonntage, an welchen sie zur heiligen Communion gegangen war und deßhalb noch den letzten Segen des Priesters am Schlüße der heiligen Messe abgewartet hatte. An allen übrigen Sonn- und Festtagen war sie gleich nach dem letzten „Oremus!" — also ohne den Segen aus der Kirche gegangen, um ja etwas 757 Am Feierabende des 24. November. früher nach Hause zu kommen. — Mit Schrecken erkannte sie hieraus, daß alle jene heiligen Messen, wobei sie den Segen des Priesters versäumte; auch für sie ohne Segen gewesen seien. — Aber noch mehr versündigt man sich gegen das zweite Kirchengebot, wenn man den Gottesdienst an Sonn- und Feiertagen gänzlich versäumt, dafür aber um so eifriger den Vergnügungen und Lustbarkeiten nachläuft. Diese Sünde beging auch der heilige Roland aus dem Dominikanerorden. An einem hohen Feste versäumte er allen Gottesdienst, nahm aber dafür Theil an einem großen Festgelage. Ermüdet von dem Bollgenuße, war er heimlich weggegangen, um seinen Rausch auszuschlafen. Allein er konnte keinen Schlaf finden, und über Allerlei hin- und hersinnend, kam ihm auch der Gedanke bei: „Wo ist jetzt das Fest, welches wir gefeiert haben? Es ist Alles vorüber, und Nichts davon geblieben, als die Ermüdung meiner Glieder, die Unbequemlichkeit in meinem Magen, und der Druck in meinem Gewissen! Wie würde es mir ergehen, wenn ich in dieser Stunde noch vor dem Richterstuhle Gottes erscheinen müßte? O wie theuer würden mir dann die genossenen Freuden zu stehen kommen?" Durch diese Gedanken beunruhigt, sprang Roland eilends auf, eilte noch in derselben Nacht in ein nahe gelegenes Dominikanerkloster, wurde ausgenommen, und hat im Rufe großer Heiligkeit sein bußfertiges Leben beschlossen. —- O daß Gott der Herr in seiner unendlichen Barmherzigkeit allen Jenen, die die Sonn- und Festtage der Kirche entheiligen, noch zur rechten Zeit auf gleiche Weise die Augen öffnen möchte, damit sie erkennen und vollbringen, was ihnen zum Heile dient, dem schönen Beispiele folgend, welches ihnen der heilige Papst Clemens gegeben, dessen Fest heute in der Kirche begangen wird, und der so bereitwillig die Augen seines Geistes dem Lichte der göttlichen Gnade öffnete! Legende: Der heilige Clemens, Papst und Märtyrer (fl 100). Dieser Heilige war wahrscheinlich von vornehmen, aber heidnischen Eltern zn Nom geboren. Da er aber bereitwillig dem Rufe der göttlichen Gnade folgte, so hatte er gar bald das Glück, durch den heiligen Geist für das Reich Gottes wiedergeboren und sogar ein Gefährte des Weltapostels zu werden. Vom heiligen Petrus selbst empfing er die bischöflichen Weihen und übernahm i. I. 91 die Negierung der Kirche Christi. Während seines Pontificates brach die zweite Christenverfolgung unter Domitian ans, welche in mehreren Provinzen, besonders aber in Rom, äußerst grausam wüthete. ^ Bald darnach wurde auch der heilige Clemens selbst vom Kaiser Trajan ans die Insel Chersones verbannt, woselbst er i. I. 100 starb — als ein wahrer Vater der Gläubigen in Wort und Beispiel und als ein treuer Sohn und Vertheidigcr der Kirche Gottes auf Erden. Gebet. Wir bitten dich, o Herr! gib uns die Gnade, daß wir uns nach dem Beispiele des heiligen Clemens in allen Stücken als treue Kinder und Ver- theidiger der heiligen katholischen Kirche erweisen und, ihren mütterlichen Anordnungen folgend, an Sonn- und Feiertagen mit heiliger Andacht und Freude dem hochheiligen Meßopfer beiwohnen, durch Christum, unfern Herrn. Amen. DreilMdertachtnndzwanzigstes Lesestück. Am Feierabende des 24. November. Von der Pflicht, an Sonn- nnd Feiertagen das Wort Gottes anzuhören. Fr. Ist es schon genug, wenn man an Sonn- und Feiertagen nur der heiligen Messe beiwohnt ? Antw. Nein; der Eifer für unser Seelenheil soll uns antreiben, auch dem übrigen Gottesdienste, besonders der Predigt oder Christenlehre beizuwohnen. Belehrung. In den ersten Zeiten der Kirche wurde gewöhnlich während der heiligen Messe nach dem Evangelium die Predigt gehalten; daher brauchte die Kirche, welche die Anhörung der heiligen Messe befiehlt, die Anhörung der Predigt nicht besonders zu gebieten. — Die Anhörung des göttlichen Wortes ist eine wesentliche Pflicht des Christen, und es zeugt von lauem und gottentfremdetem Sinne, wenn man dasselbe nicht eifrig anhört nach dem Worte Jesu: „Wer aus Gott ist, Der höret Gottes Wort. Darum höret ihr es nicht, weil ihr nicht auS Gott seid." (Joh. 8, 47.) 758 Viertes Hauptstiick. Von der Pflicht, an Sonn- und Feiertagen das Wort Gottes anzuhören. Fr. Warum müssen wir Gottes Wort anhören? Antw. Weil das göttliche Wort für Alle ein höchst kräftiges und von Gott selbst angeordnetes Heilsmittel ist; und weil es für Alle Bedürfniß ist, an die Glau- benswahrheitcn wieder erinnert und zum Guten ermahnt zu werden. Belehrung und Beispiele. Im göttlichen Worte liegt eine wunderbare Kraft; es ist ein von Gott selbst ungeordnetes, äußerst wirksames Heilsmittel, das wir also auch zur Heilung oder Stärkung unserer Seele fleißig gebrauchen müssen; denn es tröstet uns in unserer Trübsal, es ermuntert uns zum Guten, es belehrt uns in den Wahrheiten unsers Glaubens und bekehrt uns zu Gott, wenn wir durch die Sünde von ihm abgefallen sind. Ja, ich darf sagen, die ganze Welt wurde durch die Predigt des göttlichen Wortes umgcwandelt. Eine heidnische Fabel erzählt von Orpheus, daß er durch den süßen Klang des Saitenspieles nicht bloß wilde Menschen und Thicre bezähmt, sondern auch Felsen und Bäume zum Tanzen gebracht habe. Was von Orpheus erdichtet wurde, kann in Wahrheit von dem göttlichen Worte gesagt werden. Was war z. B. der heilige Paulus vor seiner Bekehrung? Der heilige Augustin us nennt ihn einen reißenden Wolf, dessen Lust es war, die Schafe Jesu Christi zu tödten. Wer hat nun diesen Wolf in ein Lamm umgewandelt? Das Wort Gottes, welches einst auf dem Wege nach Damaskus an ihn erging: „Saulus, Saulus! warum verfolgst du mich?" — Was hat die felsenharten Herzen der Zöllner, eines Matthäus, eines Zachäus erweicht und diese in Jünger des Heilandes umgewandelt? Das Wort des Herrn: „Komm und folge mir!" wie Matthäus selbst bezeugt. Diese wunderbaren Wirkungen hatte aber das göttliche Wort nicht bloß in dem Munde des Heilandes selbst, sondern auch in später» Zeiten, wenn es durch den Mund seiner Diener verkündigt wurde. Der heilige Antonius, der Einsiedler, ein reicher, angesehener Jüngling, kam einst von ohngcfähr in eine Kirche. Da hörte er das Wort des göttlichen Heilandes: „Willst du vollkommen sein, so gehe hin und verkaufe Alles, was du hast, und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach!" Diese Worte ergriffen den Jüngling der Art, daß er augenblicklich sein ganzes Vermögen verkaufte, das erlöste Geld den Armen gab und sich in die Einöde zurückzog, wo er zwanzig Jahre hindurch bis an seinen Tod ein heiliges Leben führte. — Der heilige Augustinus hatte sich in der Jugend allen Lastern er- geben und war dazu noch ein Anhänger der manichäischen Ketzerei geworden. Da hörte er die Predigten des heiligen Ambrosius in Mailand, und sieh, er bekehrte sich zu Gott und wurde eine der ersten Zierden der Kirche. Und werden nicht auch noch heut zu Tage unzählig Viele durch die Predigten der Missionäre bekehrt und belehrt? (Sieh das obige Bild!) Sehet, solche Wirkungen bringt das Wort Gottes hervor! Es hat nicht nur einzelne Menschen, sondern auch ganze Völker zu dem Herrn geführt. Darum sollen wir es oft und gerne anhören. Fr. Wie soll man Gottes Wort anhören? Antw. Man soll es 1) mit ernster Aufmerksamkeit und inniger Heilsbegierde vernehmen, dann aber auch 2) auf sich anwendcn und treu befolgen. Belehrung. Wir sollen das göttliche Wort anhören: 1) mit ernst er Aufmerksamkeit und inniger Heilsbegierde. „Sowie überall tiefes Stillschweigen herrscht," schreibt der heilige Chrhsostomus, „wenn königliche Erlasse vorgelesen werden, und Alles die Ohren spitzt, um zu hören, was denn bekannt gemacht werde, und Jeder, der Am Feierabende des 24. November. 759 sich rührt, vom Nachbar gestoßen wird, daß er sich doch ruhig verhalten möchte: ebenso, ja, mit einer noch großem Ehrfurcht, unter noch tieferem Stillschweigen soll man der Verkündigung des göttlichen Wortes beiwohnen, und wenn sich Zerstreuungen regen, so soll man sie zurückstoßen, wie einen unruhigen Nachbar." 2) Sollen wir Gottes Wort wohl erwägen, auf unsanwenden und treu befolgen; denn „selig sind, die das Wort Gottes hören und es befolgen." (Luk. 11, 28.) Und der heilige Jakobus (1, 22—25.) schreibt: „Seid Vollzieher und nicht bloß Hörer des göttlichen Wortes! .. Denn wenn Jemand ein Hörer und kein Befolger des Wortes ist, der gleicht einem Manne, welcher sein natürliches Angesicht im Spiegel beschaut, und wenn er es beschaut hat, hinweggeht und sogleich vergißt, wie er aussah." Beispiele und Anwendung. Das ist ja freilich die Hauptsache, daß wir nicht bloß Hörer, sondern auch Vollzieher des göttlichen Wortes sind; denn nur dann hat Gott an uns eine Freude, wenn sein Wort in unfern Herzen auch wirksam ist und sich nach außen in unserm Wandel zeigt. So predigte einst der berühmte Prediger Johannes Kapi- stranus von den traurigen Folgen der Spielsucht und von der eitlen Kleidertracht der Weiber. Nach der Predigt brachten viele Spieler ihre Karten, viele Weiber aber ihren üppigen Schmuck auf den öffentlichen Marktplatz, warfen Alles in's Feuer und verbrannten es zur Asche; und nie mehr kehrten sie zu ihren sündhaften Gewohnheiten zurück. Das heißt: Gottes Wort anhören und es treu befolgen. Aber ach, wie oft wird da gefehlt! Man hört wohl Gottes Wort, aber mau wendet es nicht auf sich, sondern auf Andere an. „Heute hat Der und Der in der Predigt seinen Theil bekommen!" hört man oft sagen. O das ist sehr verderblich! — Als einst ein afrikanischer Geistlicher über die Worte predigte: „Was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, an seiner Seele aber Schaden leidet?" Da sagte er unter Anderm auch, Mancher verliere seine Seele dadurch, daß er zu freigebig sei. Da er nun sah, daß die Versammlung über alle Maßen darüber erstaunt war, so wiederholte er diese Worte feierlich und erklärte sie dann also: „Ja, Viele hören die Predigt und theilen sie, wenn sie vorbei ist, unter die Leute aus. Dieser Theil, sagen sie, ist für diesen Mann, jener für diese Frau; jene Ermahnungen sind für diese Personen, und jene Drohungen für diese Sünder; und so geben sie die ganze Predigt weg und behalten Nichts für sich." — Fürwahr, das ist eine traurige Erfahrung, die man nicht nur in Afrika, sondern auch gar häufig in Europa machen kann. Hüte dich, mein Christ! vor dieser sündhaften Freigebigkeit; denn du verlierst dadurch deine Seele und die ewige Seligkeit! Mache es vielmehr wie der heilige Johann von Kreuz, dessen Andenken wir heute feiern! Dieser hörte nicht nur Gottes Wort, sondern wendete es auch fleißig auf sich selbst an. Legende: Der heilige Johannes von Kreuz, Ordensreformator (P 1591). Der heilige Johannes wurde zu AntiveroS in Altcastilien, unweit Avila, i. I. 1542 geboren. Schon als Knabe verrieth er ein besonderes Streben nach christlicher Vollkommenheit; denn oft verließ er zur Nachtszeit das weiche Belt, um zu beten, oder sich auf Reiser zu legen; dabei hatte er eine besondere Verehrung und Liebe zur seligsten Jungfrau, sowie eine besondere Neigung zur Krankenpflege. Im achtzehnten Jahre seines Alters trat er in den Carmelitenorden und stieg da zu immer höheren Tugenden empor. Besonders wurde er ein Muster der Andacht und Selbstverläugnung; nicht minder zeichnete er sich aber auch als Prediger auö, so daß er durch die Kraft und Salbung seiner Rede die Herzen unzähliger Menschen überzeugte und bekehrte. Der heilige I ohan n es wurde auch zugleich der Reformator seines Ordens, indem er den berühmten Orden der Barfüßer-Carmeliten gründete. Nach schweren Prüfungen und Verfolgungen, die er zum Theile von seinen eigenen Ordensbrüdern zu erdulden hatte, nahm ihn Gott zu sich i. I. 1591. Gebet. Heiliger Johannes vom Kreuz, der du durch die Kraft und Salbung, mit welcher du das göttliche Wort verkündet, so viele Seelen zu Gott bekehrt und vom ewigen Verderben gerettet hast, bitte bei Gott für uns, damit auch wir das göttliche Wort gerne anhören und durch dasselbe in der Tugend be- 76V Viertes Hauptstück. Das dritte Gebot der Kirche. Wann man fasten muß. stärkt und zur Besserung des Lebens angeeifert werden, auf daß wir einst gelangen zum Besitze des ewigen Lebens. Amen. Dreihundertnemmndzwanzigstes Lesestück. Am Feierabende des 25. November. Das dritte Gebot der Kirche. Wann man fasten muß. Fr. Was wird uns im dritten Kirchengebote befohlen? Antw. Es wird uns befohlen, die gebotenen Fasten und die Enthaltung von Fleischspeisen zu beobachten. Fr. Welches sind die gebotenen, eigentlichen Fasttage? Antw. 1) Die vierzigtägige Fasten, 2) die Quatembertage, und 3) die Vigiltage. Fr. Warum ist die vierzigtägige Fasten angeordnet worden? Antw. 1) Zur Nachahmung des vierzigtägigen Fastens Jesu in der Wüste, 2) zum Andenken an das bittere Leiden und Sterben nnsers Herrn, 3) zur gehörigen Vorbereitung auf die österliche Communion, und 4) um Gott dem Herrn gleichsam den Zehent nnsers Lebens zu entrichten. Belehrung und Beispiele. Die vierzigtägige Fasten, welche alle Tage vom Aschermittwoch an bis Ostern (mit Ausnahme der Sonntage) umfaßt, soll nach Einigen vom heiligen Papste Thclesphorus um 117 angeordnet worden sein; allein die gesetzliche Anordnung derselben finden wir erst in der Mitte des dritten Jahrhunderts. Daß aber die ersten Christen schon ohne gesetzliche Bestimmung, aus freiem Antriebe die vierzigtägige Fasten hielten, unterliegt Wohl keinem Zweifel. So schreibt schon der heilige Hieronymus: „Der apostolischen Ueberlieferung gemäß beobachten wir alle Jahre eine vierzigtägige Fasten, und fasten zur Zeit, wann es uns vorgeschrieben ist." — Diese Fasten wurden sehr strenge gehalten; man aß des Tages nur einmal und zwar am Abende nach Sonnenuntergang oder Nachmittags drei Uhr; und auch da aß man nur sehr Wenig; man enthielt sich dabei von Fleisch- und Milchspeisen, von kostbaren Fischen und andern köstlichen Gerichten, sowie vom Wein. Am Strengsten wurde in der Charwoche gefastet, und am Charsr eitage nahm fast Niemand auch nur einen Bissen zu sich. .— Diese vierzigtägige Fasten wurde besonders aus folgenden Gründen in der Kirche angeordnct: 1) zur Nachahmung des vierzig tägigen Fastens Iesu in der Wüste. „ Ehe sich unser göttlicher Erlöser," sagt der heilige Chrysostomus, „in den Kamps und in die Versuchungen einließ, welche ihm der Teufel bereitete, fastete er vierzig Tage, und gab uns dadurch Allen ein Beispiel, daß wir uns durch Fasten und strenges Leben bewaffnen müssen, um den Ueberfällen des Teufels zu widerstehen." — 2) Zum Andenken an das bittere Leide» und Sterben unsers Herrn. „Weil das bittere Leiden und Sterben Jesu Christi und seine glorreiche Auferstehung," bemerkt der heilige Papst Leo, „zu den erhabensten Geheimnissen unserer heiligen Religion gezählt werden, so war es auch Pflicht, daß wir uns nicht nur durch Gebet und Almosengeben, sondern auch durch langes Fasten darauf vor- berciten, um würdig zu werden, diese erhabensten Geheimnisse zu feiern." — 3) Zur gehörigen Vorbereitung aus die österliche Communion. „Jesus fastete vierzig Tage," sagt der heilige Hieronymus, „und uns dieses kostbare Erbe der heiligen Fasten hinterlasfend, bereitete er unsere Seelen vor, das göttliche Sakrament zu Ostern würdig zu empfangen." — 4) Um Gott dem Herrn, gleichsam den Zehent unsers Lebens zu entrichten: „Die vierzigtägige Fasten," schreibt der heilige Papst Gregor, „ist der zehnte Theil aller Tage des Jahres. Da wir Gott fast alle Tage beleidigen, sollen wir dann nicht jährlich eine gewisse Zeit auch zu seinem Dienste und zu unserer eigenen Heiligung verwenden?" — I ! I 761 Am Feierabende des 25. November. Fr. Warum hat die Kirche die Quatemberoder Fronfasten anbefohlen? Antw. 1) Damit wir jede Jahreszeit durch einige Tage der Buße heiligen, 2) um Gott entweder um die Erhaltung der einzuerntenden Feldfrüchte zu bitten oder für die bereits eingeernteten zu danken, und 3) um von Gott weise und fromme Priester zu erflehen. Belehrung und Beispiele. Die Quatember- oder Fronfasten fällt jedesmal auf den Mittwoch, Freitag und Samstag zu Anfang der vier Jahreszeiten, nämlich u) nach dem dritten Sonntag im Advent, b) nach dem ersten Sonntag in der Fasten, c) nach dem Pfingstsonntag, und ci) nach dem Feste Kreuzerhöhung. Schon die Juden fasteten nach dem Propheten Zacharias (8, 19.) in den vier Jahreszeiten. Fromme und eifrige Christen folgten diesem Beispiele, und so finden wir diese Quatemberfasten schon unter Papst Leo (440—461) in Rom als allgemein üblich. Von da aus verbreitete sie sich alsbald in der ganzen Kirche. Die alten Deutschen nannten sie Fron fasten oder Whh- d. h. Weihfasten. Fron oder Frohn ist soviel als Herr. Diese Fasten heißen so, entweder weil sie dem Herrn gewidmet sind, oder weil zu diesen vier Zeiten die Frohn- zinsen abgetragen werden mußten. — Whh- oder Weihsasten sollen sie heißen, weil die größeren Weihen in diesen Zeiten ertheilt wurden. — Die Quatemberfasten ist besonders aus folgenden drei Gründen eingesetzt: 1) Damit wir jede Jahreszeit durch einige Tage der Buße heiligen. Wie es keine Zeit gibt, wo wir Gott nicht beleidigen, so soll es auch keine Zeit geben, wo wir uns nicht bemühen, ihn durch Buße wieder auszusöhncn. Gleichwie es also vier Theile des Jahres gibt, so wurden in jedem derselben auch eigene Fasten eingesetzt, und wie ein jeder Theil des Jahres drei Monate hat, so wurden für jeden auch drei Fasttage bestimmt. — 2) Um Gott als den Urheber der Früchte entweder um die gnädige Erhaltung der einzuerntenden Feldfrüchte zu bitten, oder für die bereits eingeernteten zu danken. Im Herbste sammeln wir die Früchte der Felder und Gärten ein, im Winter genießen wir sie; im Frühlinge und Sommer sehen wir ihrem Wachsthume und ihrer Reife mit Sehnsucht entgegen. Unsere Sünden machen uns all' dieser unendlichen Wohlthaten Gottes unwürdig; die Quatemberfasten soll dieser Unwürdigkeit wenigstens in Etwas abhelfen. — 3) Auf daß wir Gott um weise und fromme Priester und Arbeiter in seinem Wein- Mehlsr, Hausbuch. berge bitten. In diesen Zeiten nehmen die Bischöfe sehr häufig die Priesterweihen vor. (Sieh das vorausgehende Bild!) Da es nun um einen Priester nach dem Harzen Gottes eine der kostbarsten Gaben, eine der vorzüglichsten Gnaden ist, so sollen wir in diesen Quatemberfasten zu Gott flehen, er möge sein Licht ausgießen über die Bischöfe, damit sie nur würdigen und frommen Männern die Hände auflegen. — Fr. Warum hat die Kirche endlich auch noch die Vigilfasttage angeordnet? Antw. Damit wir nns auf die folgenden hohen Festtage würdig vorbereiten. Belehrung und Beispiele. Die Vigilfasttage oder die Vorabende hoher Feste stammen schon aus den Zeiten der Ehristenverfolgung und sind eingesetzt worden, damit sich die Gläubigen zur würdigen Feier der folgenden hohen Feste im Geiste der Buße vorbereiten sollen. In den ersten Zeiten hatten alle feierlichen Feste ihre Vigilien. Die Gläubigen kamen am Vorabende des Festes an dem Orte, wo das Fest gefeiert werden sollte, zusammen, bereiteten sich durch Gebete, Vorlesungen, Anhörung des göttlichen Wortes und durch Nachtwachen vor, (daher auch die Benennung Vigilie oder Nachtwache) und gingen dann wieder für eine kurze Zeit auseinander, bis die Stunde gekommen war, wo der festliche Gottesdienst anfangen sollte. Ohne Zweifel thaten dieß die ersten Gläubigen zur Nachahmung unsers göttlichen Erlösers (Luk. 6.), der oft die ganze Nacht im Gebete zu Gott zubrachte. Nachmals wurden diese Vigilfasttage nur auf einige wenige beschränkt, und an manchen Orten sind sie großentheils aufgehoben, und dafür zwei Fasttage in jeder Woche der Adventzcit festgesetzt worden. Fr. Verlangt das dritte Kirchengebot von uns nur, daß wir die gebotenen Fasttage halten sollen? Antw. Es verlangt von nns auch noch die Enthaltung von Fleischspeisen am Freitage und Samstage: „Du sollst auch am Freitage und Samstage vom Fleischessen dich enthalten." Belehrung. Man unterscheidet zwischen Abstinenz- und Fasttagen. Eigentliche Fasttage sind diejenigen, an denen nur eine einmalige Sättigung erlaubt ist, jedoch so, daß eine kleine Stärkung des Abends nicht verwehrt ist; ist damit auch noch Abstinenz verbunden, so ist zugleich auch der Genuß der Fleischspeisen verboten. In den ältern Zeiten waren die oben angegebenen „ge- 96 762 Viertes Hauptstück. boten en Fasttage" Abstinenz- und Fasttage zugleich; indeß ist in den verschiedenen Diöccsen eine große Milderung hierin eingetreten, so daß an manchen Tagen, an denen nach der allgemeinen Vorschrift der Kirche der Genuß "des Fleisches verboten ist, derselbe jetzt gestattet wird durch eine Dispense, welche die Bischöfe vermöge päpstlicher Bevollmächtigung ihren Bisthumsangehörigen ertheilen. So sind z. B. bei uns alle Tage der vierzigtägigen Fasten, mit Ausnahme des Aschermittwochs, der einzelnen Freitage, dann des Mittwochs in der Quatemberwoche nach dem ersten Sonntag in der Fasten und der drei letzten Tage in der Char- woche, bloße Fasttage ohne Abstinenz; die Freitage des ganzen Jahres hingegen, außer der Advent-, Fasten- und Quatemberzeit, sind bloß Abstinenztage. Von der Abstinenz an den Samstagen ist in vielen Diöeesen dispensirt; jedoch ist an den Quatembcrsamstagen nur eine einmalige Sättigung erlaubt. Ueberhaupt hat Jeder sich hicrinfalls nach dem Gebrauche zu richten, der in seinem Bisthum von der geistlichen Obrigkeit gebilligt ist. Legende: Die heilige Jungfrau und Märtyrin Katharina (7 307). Gerne sollen wir uns diesen kirchlichen Fasteuge- boten unterwerfen, und die oben bezeichneten Fasttage genau beobachten; ist es ja gewiß sehr wenig, was die Kirche von uns verlangt. Und wie groß ist nicht das Glück, ein Kind der katholischen Kirche zu sein! Siehe nur, wieviel die heilige Katharina, deren Fest heute Wann man fasten muß. gefeiert wird, gethan und gelitten hat, um dieses Glück nicht zu verscherzen! — Katharina, um d. I. 288 zu Alexandria, der Hauptstadt Aegyptens, geboren, wurde schon in ihrem achtzehnten Jahre als ein Muster der Heiligkeit und Weisheit bewundert. Als Maximin, der damals im Morgenlande herrschte und Jeden mit Todes- ! strafe belegte, der an den heidnischen Opferfesten nicht > Theil nahm, eines Tages ein großes Opferfest veranstaltete, trat Katharina zu ihm in den Tempel, erklärte den Götzendienst für thöricht und bewies mit ! siegender Beredsamkeit die Wahrheit des Christenthums ! und das Ungerechte in dem Verfahren gegen die Gläubigen. Maximin, betroffen von dem Muthe und der Weisheit der christlichen Jungfrau, ließ fünfzig der be- ^ rühmtesten Gelehrten berufen, um sie zu widerlegen. Allein sie vertheidigte ihren Glauben mit solcher Klarheit, daß ihre Gegner von der Wahrheit des Christenthums überzeugt und für Christus gewonnen wurden. Der Kaiser, hierüber ganz wüthend, ließ alle fünfzig sogleich hinrichten, und die heilige Katharina suchte ; er durch blendende Verheißungen zu gewinnen; allein ^ vergebens. Der Kaiser drohte nun mit den fürchter- I lichsten Martern und ließ, als auch Drohungen Nichts fruchteten, die Glaubensheldin grausam geißeln und dann in ein Gefängniß werfen, wo sie verhungern sollte. Dort bekehrte sie die Gemahlin des Kaisers und den i Obersten der sie bewa- ^ chenden Schaar, so- l wie zweihundert Krieger, die alle ihren ^ Glauben mit dem § Blute besiegelten. Er- ! grimmtließderKaiser ! sie rädern und dann, weil das Martcrwerk- zeug zerbrochen war, enthaupten i. 1.307. Gebet. O Gott, derdudie heilige Katharina zur Siegerin über die Weisheit und die Verfolg ^ uugcu dieser Welt - gemacht hast, verleih j uns auf ihre Fürbitte, ! daß wir die schädlichen Reize der Welt allezeit fliehen und die Spötter des i kirchlichen Fastengebotes besiegen oder verachten, durch , Christum, unfern Herrn. Amen. i Das dritte Gebot der Kirche. MÄH M M MW 768 Am Feierabende des 26. November. Dreihundertmlddreißigstes Lesestück. Am Feierabende des 26 . November. Wer fasten muß. Fr. Wer ist zur Beobachtung des Fasteugebotes verpflichtet? Antw. Alle Gläubigen, die schon das einundzwanzigste Jahr zurückgelegt haben und weder durch schwere Arbeit noch durch Kränklichkeit oder durch zu hohes Alter wirklich an dessen Beobachtung verhindert sind. Fr. Was entbindet also von Haltung des Fastengebotes? Antw. 1) Das noch nicht reife Alter vor dem einundzwanzigsten Jahre; 2) Kränklichkeit oder körperliche Schwäche, und 3) beschwerliche und erschöpfende Arbeiten, sowie auch eine lange und beschwerliche Reife. Belehrung. Die Kirche ist eine zärtliche Mutter und will daher der körperlichen Entwicklung und Gesundheit ihrer Kinder nicht schaden; ihr Gebot soll ein Gesetz sein nicht zum Tode, sondern zur Buße. Daher dispenstrt sie gerne, wenn vernünftige und gewichtige Gründe vorhanden sind. Wir wollen hier die einzelnen Fälle genauer zusammenfassen. Da es Fasttage gibt, an denen theils die mehrmalige Sättigung, theils der Genuß von Fleischspeisen, theils Beides zugleich verboten ist, so ergeben sich folgende Fälle: 1) Sowohl Fleisch essen, als auch mehrmalen während des Fasttages Etwas genießen dürfen: n) Kinder unter sieben Jahren, weil das Kind noch nicht den gehörigen Gebrauch der Vernunft besitzt, also auch noch nicht sündigen kann und deß- halb durch Fasten noch nicht zu büßen braucht; I,) Blödsinnige, und e) schwer Kranke, denen dies; zur Erholung wahrhaft nothwendig ist. 2) Fleisch essen, jedoch nur mit einmaligerSättignng dürfen an den kirchlichen Fasttagen wahrhaft Arme, wenn sie sonst gar Nichts zu essen hätten; nnd durch eine besondere Vergünstigung Alle, die wie immer zum Soldaten st an de gehören. 3) Wohl kein Fleisch essen, aber des Tages mehr- malen mit Mässigung andere Speisen zu sich nehmen dürfen: u) junge Leute bis in ihr vicr- undzwanzigstes Jahr, weil ihr Wachsthum mehr Nahrung erheischt; b) alte Leute, die merklich an Kräften abnehmen; v) Schwangere und Säugende, indem sie mehr Nahrung bedürfen sowohl für sich, als für ihre Leibesfrucht; c!) Handwerksleute,Künstler und Arbeiter, welche mühsame Hand- oder andere schwere Arbeiten zu verrichten haben; n) Reisende, welche nothwendig und zwar zu Fuß und ziemlich weit reisen müssen. Sollten diese durchaus keine Fastenspeisen haben können, so wären ihnen in diesem Falle selbst auch Fleischspeisen erlaubt; f) Arme, welche stückweise Almosen betteln und nicht so viel znsammenbringen, als zu einer Mahlzeit gehört; endlich A) Kranke, deren Krankheit entweder fortbestehen oder wohl gar noch verstärkt würde, wenn sie sich nur einmal ersättigen dürften. Beispiele und Anwendung. Von jeher hat die Kirche bei ihrem Fastengebote auf Alter, Stand, Gebrechlichkeit, Schwäche und andere Umstände Rücksicht genommen, wie aus ihren Beschlüssen und Verordnungen hierüber deutlich erhellt. In diesem Geiste hat der Patriarch Theophilus von Alexandrien auf die Frage, ob eine Fran im Wochenbette verpflichtet sei, die Fasten zn beobachten und vom Weine sich zu enthalten, den Bescheid gegeben: „Der Zweck des Fastens ist, de» Leib zu demüthigen und abzutödten; wenn aber der Leib schon geschwächt ist und wegen Schwäche darniederliegt, so bedarf er der Speise und des Trankes, damit er wieder anfstehe." Eine ähnliche Antwort gab er, als man bei ihm Dispens vom Fastengebote begehrte wegen einer Krankheit. — Papst Jnnocenz III. sagte: „Die Noth müsse dem Gesetze weichen, und wenn ein Kranker Fleisch begehre, solle und müsse man es ihm auch in der Fasten reichen." — Hüte dich jedoch, mein Christ! daß du durch deine Eigenliebe verblendet, nicht etwa gar leicht vom Fastengebote dich dispensirst. Wenn nicht sehr wichtige Gründe vorhanden sind, so dispensire dich nie davon, sondern halte dich streng an das Gebot der Kirche; denn „die Engel Gottes schreiben", wie der heilige Basilius bemerkt, „die Namen Derjenigen auf, welche dem Fastengcbote treu sind. Hütet euch, damit euer Engel de» eurigen nicht auslasse; verlasset die Fahne eurer Religion nicht!" Fr. WaS soll man thuu, wenn man gute Gründe zu haben glaubt, das Fasten- oder Abstinenzgebot der Kirche nicht beobachten zu dürfen? Antw. Alan soll um die gesetzliche Dispense bitten. Belehrung. Wenn wichtige und wahre Gründe vorhanden sind, die uns das Fasten unmöglich oder äußerst schwer nnd gefährlich machen, so gibt cs den einfachen Weg zur Dispense. Diese Dispense aber, sei es vom Fasten oder von der Abstinenz, ist nur in soweit gültig und gesetzmäßig, als die Beweggründe rechtmäßig sind, nnd man würde trotz derselben schwer sündigen, wenn sie auf einer falschen Darstellung beruhete, oder wenn man die Nachtheilc, die man 764 Viertes Hauptstück. Warum man fasten muß. von dem Fasten oder von der Abstinenz zu erleiden haben könnte, übertrieben hätte. Diejenigen, welche die Erlaubniß erhalten, an den Abstinenztagen Fleisch zu essen, müssen sür die Nichtbeobachtung des Gebotes Liebeswerke und ein Gebet verrichten, und wenn sie arm sind, ihre Arbeit zu einem beständigen Opfer machen; sind sie reich, so müssen sie dem Gebete auch noch Almosen beifügen. Ueberdieß ist cs ihnen nicht erlaubt, an einem Fasttage bei ein und derselben Mahlzeit Fleisch und Fische zugleich zu essen. Fr. Was sollen sich Jene merken, die sich eine Dispense aus ungültige Weise erschleichen? Antw. Dieses, daß es ihnen weder zum ewigen noch zum zeitlichen Heile gereichen wird. Belehrung und Beispiel. Gar oft wird heut zu Tage unter Angabe unwahrer Gründe um Dispense nachgesucht, einzig und allein um die Eßlust zu befriedigen, des Wohlgeschmackes wegen oder gar aus Menschenfurcht, weil man nicht für so kleinlich oder dumm angesehen werden will, daß man noch ein, wie die böse Welt sagt, albernes Kirchengesetz beobachte. Viele lassen sich auch nur deshalb dispensiren, weil sie eS zum guten Ton rechnen. Möge cs diesen nicht ergehen, wie jenen Israeliten, welche durch ungestüme Klagen von Moses Wachtelfleisch erhielten; kaum aber hatten sie davon genossen, so erhob sich Gottes Zorn wider sie und töd- tete die Gehässigsten und Dicksten von ihnen! (77. Ps.) Legende: Der heilige Petrus, Patriarch zu Alexandrien und Märtyrer (i 311). Lernen wir dieses kirchliche Fastengebot treulich erfüllen nach dem schönen Beispiele des heiligen Patriarchen und Märtyrers Petrus, dessen Name uns heute in der Legende begegnet; denn wie er sich überhaupt durch jede Tugend auszeichnete, so insbesondere durch die Tugend der Abtödtung. Daher nennt ihn auch Eusebius die Zierde der Bischöfe und einen vortrefflichen Lehrer der christlichen Religion und Tugend. Nachdem aber Petrus auf solche Weise durch Wort und Beispiel Allen vcrge- leuchtet und die christliche Wahrheit vertheivigt hatte, mußte er sich vor seinen Feinden, besonders aber vor den Anhängern des Jrrlehrers Miletius flüchten und in der Wüste Schutz und Rettung suchen, bis ihn Maximian, welcher i. I. 311 die Christenverfolgung erneuerte, verhaften und ohne alle Gerichtsformen enthaupten ließ. Freudig empfing der Heilige den Todesstreich. Gebet. Wir bitten dich, o Herr! stärke uns auf die Fürbitte des heiligen Patriarchen Petrus mit deiner göttlichen Gnade, auf daß wir aus den Beispielen der Heiligen lernen, die Welt zu fliehen, das Zeitliche zu verachten, dich aber und deine heilige Kirche zu lieben und ihren Geboten willig zu gehorchen, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihundertemunddreißigstes Lesestück. Am Feierabende des 27. November. Warum man fasten muß. Fr. Warum gebietet die Kirche das Fasten? Antw. Weil das Fasten Gott dem Herrn wohlgefällig und uns sehr heilsam ist. Fr. Woher wissen wir, daß Gott dem Herrn das Fasten wohlgefällig ist? Antw. Daher, weil 1) Gott öfters das Fasten empfohlen und wegen desselben Gnade und Barmherzigkeit erwiesen hat; 2) weil Christus, die Apostel und die Heiligen aller Zeiten gefastet haben, und 3) weil das Fasten eine Demüthigung unsers Stolzes und eine Bezähmung unserer sinnlichen Gelüste ist. Belehrung und Beispiele. Nur aus den weisesten und vernünftigsten Gründen hat die Kirche das Fastengebot gegeben; denn sie weiß es nur zu gut, daß das Fasten Gott dem Herrn sehr wohlgefällig und uns sehr heilsam ist. Daß es aber Gott dem Herrn wirklich sehr wohlgefällig sei, das ersehen wir daraus: 1) weil Gott selbst öfters das Fasten empfohlen und wegen desselben Gnade Am Feierabende des 27. November. 768 Barmherzigkeit erwiesen hat. Schon im . ruft er durch den Propheten Joel (2, 12.): „Bekehret euch zu mir von euerm ganzen Herzen mit Fasten, Weinen und Klagen!" Und der göttliche Heiland im N. T. spricht (Matth. 17, 20.): „Diese Gattung Teufel wird nicht anders ausgetrieben, als durch Gebet und Fasten." Ja, selbst das erste Gebot, das Gott unfern Stammeltern gab, war ein Fastcngebot, das Gebot nämlich, von der Frucht des verbotenen Baumes nicht zu essen. — Die Heiligen Gottes wußten gar wohl, daß sie durch Fasten Gottes Gnade und Erbarmen für sich und Andere gewinnen können; daher „fasteten sie", wie der heilige Cyprian schreibt, „und blieben Tag und Nacht im Gebete, wenn sie Etwas von Gott erlangen wollten." — Das Fasten ist Gott dem Herrn wohlgefällig, 2) weil Jesus Christus, die Apostel und die Heiligen aller Zeiten gefastet haben. Oder wer weiß eS nicht, daß der göttliche Heiland vierzig Tage und vierzig Nächte fastete (Matth. 4, 2.), und daß die Apostel fasteten, als sie den SauluS und Barnabas durch Auflegung der Hände und Gebet weihten (Apostelgsch. 13, 3.) und ebenso damals, als sie Aelteste in allen Gemeinden vervrdnetcn? (ebenda 14, 22.) Ans gleiche Weise haben auch die Heiligen gefastet; und keiner ist heilig geworden ohne Fasten; mit Recht behauptet daher der heilige Vincentius Ferrerius, daß Niemand ohne das Fasten heilig werden könne. — Das Fasten ist Gott wohlgefällig, 3) weil es eine Demüthigung unsers Stolzes und eine Bezähmung unserer sinnlichen Gelüste ist; daher bekennt schon David (Ps. 34, 13.): „Ich demüthigte meine Seele mit Fasten," und der heilige Cyprian schreibt: „Das Fasten bezähmt alle Empörungen des Fleisches und entwaffnet das Toben der bösen Lust. Wo nur immer wir kräftige Frömmigkeit sahen, da war sie nie ohne Fasten so hoch gekommen." Fr. Warum ist das Fasten uns sehr nützlich und heilsam? AntW. Weil es uns viele geistliche und leibliche Vortheile gewährt. Fr. Welche geistlichen Vortheile gewährt uns das Fasten? AntW. Besonders folgende drei: 1) Wir leisten dadurch Gott für die begangenen Sünden Genugthuung und wenden so die verdiente Strafe ab; 2) wir erringen dadurch die Herrschaft über unsere Sinnlichkeit, endlich 3) wird uns dadurch die Nebung der Tugend und des Gebetes erleichtert, und wir erlangen um so sicherer Gottes Gnade und die ewige Seligkeit. Belehrung und Beispiele. Daß uns das Fasten sehr nützlich und heilsam sei, wer möchte es bezweifeln, wenn wir bedenken, welche Vortheile wir für unsere unsterbliche Seele dadurch erringen? Durch das Fasten leisten wir 1) Gott für die begangenen Sünden Genugthuung und wenden so die verdiente Strafe ab. Daher spricht Gott der Herr bei Joel (2, 12—13.): „Bekehret euch zu mir durch Fasten; ... der Herr ist gnädig und wendet die Strafe ab." Und der heilige Bernhard schreibt: „DaS Fasten erlangt nickt nur Vergebung, sondern verdient auch Gnade; es löscht nicht nur frühere Sünden aus, die wir begangen haben, sondern 7K6 Viertes Hauptstück. vertreibt auch zukünftige, die wir etwa begehen könnten. Ebenso sagt der heilige Zeno: „Durch eine Speise ist Gott beleidigt worden, durch Fasten wird er wieder besänftigt." — Wie also David fastete, um von Gott die Gesundheit seines kranken Kindes zu erflehen (sieh das vorausgehende Bild!), so sollen auch wir fasten, um von Gott die Gesundheit unsrer kranken Seele zu erlangen. — Die Nini- viten waren in Sünden und Laster versunken. Da sprach der Herr: „Noch vierzig Tage, und das lasterhafte Ninive ist nicht mehr!" Doch der König unterzog sich mit dem ganzen Volke einer vierzigtägigen Fasten, und Ninive fand wiederum Gnade vor Gott (Jonas 3.) — Moses fastete und wendete dadurch Gottes Strafgericht von seinem Volke ab. — 2) Wir erringen durch Fasten die Herrschaft über unsere Sinnlichkeit und werden dadurch gegen den Rückfall in die Sünde gestärkt. Mit Recht ruft uns daher der heilige Chry- sostomus zu: „Faste, weil du gesündiget hast, faste, damit du nicht sündigst!" Und der heilige Hieronymus schreibt: „Die feurigen Pfeile des Satans müssen durch die Kälte der Abtödtung und der Nachtwachen aus- gclöscht und unschädlich gemacht werden." -— „Gegen irdische Feinde," sagt der heilige Ambrosius, „wird der Körper durch Speise gestärkt und dnrch den vollen Becher der Geist zum Widerstande erweckt. Gegen geistige Feinde aber muß mau geistig streiten und die Waffen der Nüchternheit und Enthaltsamkeit anziehen, damit wir durch den heiligen Geist die bösen Geister besiegen." Dieß erkannte auch der heilige Paulus; darum schreibt er (1. Cor. 9, 27.): „Ich züchtige meinen Leib und bringe ihn unter die Dienstbarkeit." — Der heilige Gerasimus ermahnte oft seine Anachorcten zum strengen Fasten. „Je weniger Nahrung man dem Körper zuläßt," sagte er, „desto besser und kräftiger wird der Geist genährt. Fasten mit anhaltendem Gebete verbunden ist die stärkste und siegreichste Waffe gegen jede Lockung der Welt und gegen jede Versuchung des Satans." — 3) Durch das Fasten wird uns jede llcbung der Tugend und des Gebetes erleichtert, und wir erlangen um so sicherer Gottes Gnade und die ewige Seligkeit. „Weil wir nicht fasteten," sagt der heilige Basilius, „wurden wir aus dem Paradiese verflossen. Lasset uns also fasten, damit wir in dasselbe zurückkehren!" Ja, das Fasten führt uns zu Gott und zu jeglicher Tugend. So schreibt schon der heilige Petrus (I. 4, 1—2.): „Nur wer im Fleische leidet, steht von Sünden ab, so daß er die übrige Zeit nicht mehr nach Warum man fasten muß. menschlichen Gelüsten, sondern nach Gottes Willen im Fleische lebt." Fr. Welche leiblichen Vortheile erlangen wir durch das Fasten? Antw. Das Fasten verlängert das Leben und erhält die Gesundheit. Belehrung. Schon die tägliche Erfahrung bestätigt diese Wahrheit. Oder wer sind Wohl Jene, welche lange gesund und rüstig leben? Etwa Diejenigen, welche den Leib übermäßig mit Speisen und Getränken überfüllen? O nein; denn in diesen erzeugen sich alsbald Ueberfüllungen, Verhärtungen und die schwersten Krankheiten; sie sterben früher als andere mäßige Leute. „Die Völlerei tödtet mehr Menschen, als das Schwert," sagt der weise Sirach (37. Kap.); „wegen Unmäßigkeit sind schon Viele gestorben; wer aber mäßig ist, verlängert sein Leben." Und der heilige Hieronymus schreibt: „Das Fasten ist die Mutter der Gesundheit, wie das Wohlleben die Mutter der Krankheit ist." Beispiele und Anwendung. Schon die Weisen des Hcidenthums erkannten dieß, und deßwegen übte Lykurg, dieser weise Gesetzgeber, die Jugend von Sparta in strengem Fasten, in Enthaltung von angenehmen Speisen und Ergötz- lichkeiten und erzog dadurch eine ebenso mäßige und wohlgesittete, als gesunde und kräftige Nation. — Der berühmte heidnische Arzt Galenus hielt alle zehn Tage einen Fasttag — bloß um seiner Gesundheit willen. Der noch berühmtere Arzt Hippvkrates erreichte ein sehr hohes Alter, und als man ihn um die Ursache hievon fragte, antwortete er: „Ich bin nie ganz satt vom Tische aufgestanden." — Mit Recht konnte daher ein alter, erfahrner und christlich gesinnter Arzt den Ausspruch thun: „Ich praktizire und kurire schon sechzig Jahre, und vergebens habe ich während dieser langen Zeit drei Personen in der Welt gesucht, nämlich: einen Handmerksmann, der sein Handwerk gut versteht, fleißig arbeitet, und der dennoch verdorben wäre; zweitens einen Christen, der fleißig und gern die Predigten anhört und dennoch gottlos wäre; drittens einen Menschen, der gerne fastet, und frühzeitig gestorben wäre." Wie der verständige und fleißige Arbeitsmann nicht verderben, und der fleißige Anhörer des göttlichen Wortes nicht gottlos werden kann, so kann auch der Mäßige nicht leicht frühzeitig sterben. Oder betrachten wir einmal die Väter der Wüste; wer hat strenger gefastet als diese heiligen Einsiedler? Sie aßen Nichts, als Wurzel und Kräuter; sie tranken Nichts, als frisches Wasser; und dennoch erreichten sie ein sehr hohes Alter. Der heilige Antonius lebte einhundertundfüuf Jahre, der heilige Pachomius einhundertundzehn, der heilige Romualdus ein- hundertundzwanzig Jahre. Wer hat strenger gefastet als der 767 Am Feierabende des 28. November. heilige Hieronymus? Und dennoch wurde er hundert Jahre alt — u. s. f. Ein vernünftiges, im christlichen Sinne gehaltenes Fasten macht gesund» kräftig und alt. Wenn also auch die Kirche dir, mein christlicher Leser! das Fasten nicht befohlen hätte, so müßtest du schon aus Liebe zu vir selbst fasten — deines Leibes und deiner unsterblichen Seele wegen. Wie thkricht handeln demnach alle Diejenigen, welche das kirchliche Fastengebot schmähen und verachten! Legende: Der heilige Jakob, der Verstümmelte, Märtyrer ('s 420). Wir feiern heute das Andenken eines Heiligen, der gar wohl erkannte, wie nützlich und heilsam das Fasten sei, um den beleidigten Gott wieder zu versöhnen. Jakob, mit dem Beinamen „der Verstümmelte," verlängnete nämlich am Hofe des Perserkönigs Jsdegardö, um seine einträgliche Stelle nicht zu verlieren, den christlichen Glauben und nahm die Religion des Landes an. Allein die nachdrücklichen Ermahnungen seiner Mutter und seiner Gemahlin bewirkten, daß er wiederum zum wahren Glauben zurückkehrte. Und nun suchte er für sein Verbrechen durch Weinen und Fasten Genng- thnnng zu leisten; und der Herr nahm ihn auch wirklich wieder in Gnaden auf und machte ihn stark im Glauben, so daß er denselben frei und standhaft vor aller Welt bekannte. Deßwegen wurde ihm ein Glied nach dem andern vom Leibe abgeschnitten (daher auch sein Beiname „der Verstümmelte"). Endlich vollendete dieser Glaubensheld, ganz ergeben in Gottes heiligen Willen, durch Enthauptung seine Marter i. I. 420. Gebet. Auch wir haben dich, o Gott! schon oft durch große und schwere Sünden beleidigt; laß uns dieß mit schmerzlicher Reue erkennen, auf daß wir ebenso, wie der heilige Märtyrer Jakobus, durch Weinen und Fasten für dieselben Genngthuung leisten und deine Huld und Gnade wieder erlangen, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihundertzweimlddreißigstes Lesestück. Am Feierabende des 28. November. Wie man fasten muß. Fr. Wie sollen wir fasten? Antw. Wir sollen im Geiste der Kirche fasten 1) gerne und in guter Absicht, 2) in Verbindung mit Almosen, und 3) ans vernünftige Weise. Fr. Was heißt: gerne und in guter Absicht fasten? Antw. Es heißt: fasten aus Liebe zu Gott und um unsers Seelenheiles willen, ohne daß wir uns dabei weder von Menschenfurcht, noch von Menschcnlob leiten lassen. Belehrung und Beispiel. Wir sollen gerne fasten, d. h. als gehorsame Kinder der Kirche sollen wir mit Freuden das Fastengebot erfüllen und uns nicht etwa auS Menscheufurcht irre machen lassen durch das Gespötts Derjenigen, die dieses so heilsame Gebot der Kirche als Thorheit darstellen und verachten; wir sollen fasten in guter Absicht, d. h. wir sollen fasten einzig und allein nur um unsers Seelcnheilcs willen, aus Liebe zu Gott und im Geiste der Buße, nicht aber aus Menschcnlob, um nämlich von den Menschen gesehen und darüber belobt nnd bewundert zu werden. Einst hatte der heilige Abt Theodor an einem Festtage seinen Mitbrüdern eine etwas bessere Mahlzeit bereiten lassen. Als Alle sich zu Tische gesetzt hatten, sagte einer der Brüder zum Diener: „Ich esse heute nichts Warmes; bring' mir ein wenig Brod und Salz." — Da sprach Theodor: „O Bruder! du hättest besser ge- than, auf deiner Zelle Fleisch zu essen, als daß du durch diese deine sonderheitliche Enthaltsamkeit dich vor allen Brüdern auszuzeichnen und eitlen Ruhm zu erwerben suchtest." — Eitelkeit kann die besten Werke beflecken und ihnen allen Werth benehmen. „Wenn du fasten willst," spricht der göttliche Heiland, „so salbe dein Haupt und wasche dein Angesicht und lasse die Menschen Nichts davon merken, sondern nur deinen Vater im Himmel, der in's 768 Viertes Hauptstück. Wie man fasten muß. - Verborgene sieht, und Er, dein Vater, wird es dir öffentlich vergelten." Fr. Was heißt das: fasten in Verbindung mit Almosen? Antw. Es heißt: fasten oder Manches sich selbst vom Munde absparen, um damit den Hunger des Armen stillen oder seine Blöße bedecken zu können. Belehrung und Beispiele. Wahrlich, ein solches Fasten ist Gott dem Herrn gewiß das angenehmste. Daher schreibt der heilige Gregor der Große: „Derjenige fastet nicht für Gott, sondern für sich, welcher Das, was er dem Leibe entzieht, nicht den Nothleidenden mittheilt, sondern nur aufbewahrt, um es später seinem eignen Leibe wieder mitzutheilen. Dieses Fasten hingegen nimmt Gott wohlgefällig auf, wenn du Das, was du dir entziehest, dem Nächsten mittheilst, so daß durch Dasjenige, wodurch du dein Fleisch züchtigest, der leiblichen Noth deines armen Mitbruders abgeholfen wird." Ganz schön paßt hieher das Gespräch jener drei Einsiedler. „Fasten ist doch ein recht gutes Werk," sprach der Erste von diesen dreien. „Ei," sagte der Zweite, „Arbeiten ist doch noch ohne Vergleich besser." Da entgegnete der Dritte: „Almosengeben ist das Beste, wenn ihr, um es geben zu können, fastet und arbeitet." — Auf solche Weise fasteten alle Frommen und Heiligen. So versagte sich z. B. die heilige Kaiserin Mathilde (sieh das obige Bild!) gar manches Angenehme, ja, sie entzog sich oft sogar Speise und Trank, um den Armen um so reichlicher geben zu können. Fr. Wann fasten wir auf vernünftige Weise? Antw. Wenn wir so fasten, daß wir dadurch zwar die Sünden des Fleisches, nicht aber das Fleisch (d. i. den Leib) selbst vernichten. Belehrung und Beispiel. „Gott will, daß man ihm auf vernünftige Weise diene," schreibt der heilige Hieronymus, „nicht daß wir durch allzu geringen Genuß von Speisen uns schwächen und darnach die Hilfe der Aerzte suchen;" daher muß der Geist der Klugheit immer das Maaß der Strenge und Härte unsers Fastens erwägen, damit es nicht die Gesundheit des Leibes verderbe und ihn untauglich mache, die Verrichtungen seines Standes zu erfüllen. Das Fasten ist ja für uns nicht ein Gebot zum Tode, sondern nur zur Buße. Daher belehrt der obengenannte heilige Vater die Jungfrau Demetrias mit den Worten: „Wir legen keine so unmäßigen Fasten und so übertriebene Enthaltsamkeit auf, daß sie deinen Leib verderben und krank machen könnten; du sollst so fasten, daß die Lust des Fleisches bezähmt wird, du aber weder gehindert werdest, die heiligen Bücher zu lesen, die Psalmen zu singen und zu beten, noch die Nachtwachen zu halten und alle deine andern Uebungen zu verrichten." Fr. Was ist aber beim Fasten die Hauptsache? Antw. Dieses, daß nicht nur der Mund, sondern auch alle Glieder des Leibes, ja, daß nicht bloß der Leib, sondern auch die Seele faste. Belehrung. „Hat der Gaumen allein gesündigt," schreibt der heilige Bernhard, „so soll er auch allein fasten, und dieses mag genügen; wenn sich aber auch die , übrigen Glieder versündigen, warum sollen denn nicht auch i, sie fasten? — Es faste das Auge — neugieriger Blicke ^ und Frechheit sich enthaltend, daß es vollkommen gedemüthiget ^ und unter der Buße bezähmt werde, da es frei in der Schuld umherirrte. — Es faste das Ohr, das eitlem Geschwätze, Neuigkeiten und allerlei unnützen und vielfach sündhaften Reden sich hingab. — Es faste die Zunge, und enthalte sich der Verleumdung, des Murrens, eitler, unnöthiger, leichtsinniger und sündhafter Worte. — Es faste die Hand und i ruhe von Werken, die nicht befohlen, wohl aber verboten k sind. — Es faste der Fuß von den verbotenen Wegen. — I Es faste die Seele und enthalte sich vom bösem Willen ! und allen Arten von Lastern." — Ja, mein Christ! auf ! Am Feierabende des 29. November. 7<>9 solche Weise sollen wir fasten; dann erfüllen wir daS Fastengebot der Kirche nicht nnr dem Buchstaben, sondern auch dem Geiste nach. Beispiel und Anwendung. Abt Johannes besuchte die Einsiedler der Wüste, um nachzuforfchen, welche Fortschritte sie in der christlichen Vollkommenheit gemacht hatten. — Als er zu dem Einsiedler Pesius kam, der bereits vierzig Jahre in der Wüste zugebracht hatte, und gewohnt war, nie vor dem Untergange der Sonne zu essen, sagte dieser vielleicht nicht ohne Selbstgefälligkeit: „Mich sah die Sonne, die Alles beleuchtet, niemals essen." — „Und mich," sprach Johannes, „hat sie nie zornig gesehen." >— Es ist nicht genug, sich auf eine Zeit bloß von Speise zu enthalten; man muß sich allzeit von Allem enthalten, was nicht recht ist. Der Mann, der sich den ganzen Tag hindurch von aller Speise enthält, und vom frühen Morgen bis zum späten Abend keine Speise genießt, zeigt von großer Selbstverläugnung; allein mehr thut, wer sich den ganzen Tag hindurch vor allen, auch den geringsten Fehlern, vor jedem Unrechten Gedanken und unnützen Worte hütet und sich davon rein bewahrt. — Und in diesem Sinne sollen wir immer fasten, wie wir immer beten sollen. Legende: D er h eilige Stephanns, der Inn gere, Einsiedler und Märtyrer (ch um 768). Ans diese Weise fastete der heilige Einsiedler Stephanus, dessen Andenken wir heute feiern. Obschon im Ueberflnsse und in der Größe der Welt zu Constan- rinopel geboren, so entsagte er doch freudig aus Liebe zu Gott und zur christlichen Vollkommenheit all diesem Ueberflusse und dieser Größe und zog sich in die Einsamkeit zurück, nachdem er zu Constantinopel seine Güter Mchler, Hausbuch. verkauft und unter die Armen verlhcilt hatte. Als Einsiedler übte er sich nun in innerlicher und äußerlicher Abtödtung, und wurde später Einer der vorzüglichsten aus der Zahl jener Märtyrer, welche unter der Verfolgung der Bilderstürmer ihr Blut für den katholischen Glauben vergossen. Als er nämlich vom Kaiser Kopro- nymns anfgefordert wurde, der Verehrung der heiligen Bilder zuwider zu handeln, vertheidigte er mit heiligem Mnthe die Lehre der Kirche und opferte freudig für dieselbe Blut und Leben um das Jahr 768. Gebet. Stärke uns, Herr, himmlischer Vater! mit deiner göttlichen Gnade, auf daß wir uns ebenso, wie der heilige Einsiedler und Märtyrer Stephanus, in innerlicher und äußerlicher Abtödtung üben, und so im Geiste der heiligen katholischen Kirche fasten, als deren treue Kinder wir leben und sterben wollen, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihundertdreinnddreißigstes Lesestück. Am Feierabende des 29. November. Das vierte Gebot der Kirche. Bon der doppelten Verpflichtung, die uns das vierte Kirchen- gebot anflegt. Fr. Welche Verpflichtung legt uns die Kirche im vierten Kirchengebote ans? Antw. Eine zweifache Verpflichtung. Fr. Welches ist die erste Verpflichtung? Antw. Diese, daß wir wenigstens Einmal im Jahre bei einem ver ordneten Priester giltig beichten. (Sieh das nachfolgende Bild!) Fr. Genügen wir dem Gebote der Kirche, wenn wir jährlich nur einmal beichten? Antw. Dem Buchstaben nach allerdings; wer aber die Absicht und den Geist der Kirche, sowie sein eignes Seelenheil berücksichtigt, Der wird gewiß öfter zur heiligen Beicht gehen, und zwar so oft, als es sein Seelenznstand erfordert. Belehrung. In den ersten Zeiten der Kirche, wo die Gläubigen freiwillig und gerne zur heiligen Beicht gingen, war ein solches Gebot nicht nothwendig, erst in spätem Jahren, als die religiöse Gleichgültigkeit über Hand nahm, sah sich die Kirche hiezu veranlaßt, und so gab sie im Jahre 1215 im vierten lateranensischen Concil (Can. 21.) unter Papst Innozenz NI. die Verordnung, daß Jeder, der nicht 97 77V Viertes Hauptstück. Das vierte Geb. d. Kirche. V. d. doppelten Verpflichtung, die uns d. vierte Kirchengeb. auflegt. WWS wenigstens einmal im Jahre beichtet und zur österlichen Zeit die heilige Communion empfängt, im Leben vom Eintritte in die Kirche fcrngehalten und nach dem Tode eines christlichen Begräbnisses beraubt werden solle. — Diese wenigstens einmalige Beicht muß man vor einem ,, verordn et en", d. h. vor einem von seinem Bischöfe zum Beichthörcn bevollmächtigten Priester ablegen. — Diese Verpflichtung der einmaligen Beicht beginnt mit dem Jahre, wo man anfängt, das Gute und das Böse zu unterscheiden, etwa mit dem siebenten Jahre. — Jndeß ist noch zu bedenken, daß die Kirche nicht geradezu sagt: „Du sollst einmal beichten," sondern: „wenigstens einmal." Daher sollen wir eS nicht bei einer einmaligen Beicht im Jahre bewenden lassen; denn wer jährlich nur einmal beichtet, beichtet schlecht und vernachlässigt sein Se elenheil. Er beichtet schlecht; denn jede Handlung, die man selten vornimmt, verrichtet man gemeiniglich schlecht; in einem Hanse, das man selten reinigt, häuft sich Unrath an; das Unkraut, das man nicht sogleich und oft ansreißt, wuchert fort, und wer kann es alsdann mehr ansrotten? Wie schwer ist das Beichten Dem, der die Menge seiner Sunden Jahre lang anwachsen läßt? — Er vernachlässigt aber auch sein Seelenheil; denn er lebt in Ungerechtigkeit, im Kothe und Schmutze der Sünde fort und kümmert sich ein ganzes Jahr nicht um den Zustand seiner Seele. Und wie zerbrechlich ist der Mensch? Kann ihn nicht mit jeder Minute der Tod überraschen im Zustande der Sünve? Und was soll da ans ihm werden, wenn er jährlich nur einmal beichtet? — Wir sollen daher öfter zur heiligen Beicht gehen. „Man muß öfters zur heiligen Beicht gehen," sagt der heilige Franz von Sales, „damit den Sünden im Herzen gar keine Ruhe und Wohnung bleibe." Beispiele und Anwendung. Alle Heiligen erkannten den Nutzen der öftern Beicht; daher beichteten sic häufig. Der heilige FranzXaver beichtete alle Tage, wenn er einen Priester haben konnte; ebenso Papst Clemens VIII., der auch, um Andern hiezu Gelegenheit zu geben, täglich Beicht hörte; Carl Borromäus und Franz von Sales beichteten wöchentlich u. s. f. — Ein eifriger Katholik, der in der Gemeinde als ein Muster der Frömmigkeit galt, ging dessenungeachtet recht oft zur heiligen Beicht. Darüber wunderte sich ein Anderer und fragte ihn, warum er denn gar so oft beichte, da er doch so fromm lebe? Darauf antwortete der Katholik: „Siehe, ich mache es, wie ein ordentlicher Hausvater. Dieser läßt es keinen Tag an Sorgfalt fehlen, und doch setzt er sich alle Tage fest, an denen er einmal nachrechnet: „„Wie steht's? Bin ich seit dem letzten Rechnungsabschlüsse vorwärts oder rückwärts gekommen? Ging's schlecht? Woran lag's? Wir kann's besser gehen? Ging's gut? Was ist zu thun, daß ich noch weiter vorwärts komme?"" Wahrlich, wir brauchen solche moralische Rech- nungStage, und diese sind die Beichttage!" — Wehe aber Dem, der sie versäumt, der in seinen Sünden dahin lebt und bie Buße von Tag zu Tag verschiebt! Hannibal, ein mächtiger Feldherr der Carthaginenser, hatte einst einem römischen Kriegsheere eine gänzliche Niederlage beigc- bracht. Die Kunde davon erfüllte die Stadt Rom mit so großem Schrecken, daß die meisten Einwohner, nicht zweifelnd, Hannibal würde mit seinem Heere gegen Rom vorrücken, die Stadt verließen und in der Flucht ihr Heil suchten. Aber sie täuschten sich. Hannibal blieb in der Gegend von Capua, mit seinem Heere einem wohllüstigen Leben sich ergebend, und ließ so die Gelegenheit, das römische Reich zu erobern, unbenützt vorübergehen. Später sah er seinen Fehler ein und hörte nicht auf, ihn zu bereuen, sprechend: „Als ich konnte, wollte ich nicht, und jetzt, wo ich gerne wollte, kann ich nicht." — So ergeht es auch gewöhnlich den Sündern, welche sich von einem Festtage bis zum anderen mit guten Vorsätzen herumtragen, und dennoch die Zeit und Gnade, welche der Herr ihnen gibt, nicht benützen wollen. „Ich will warten," heißt es da, „bis zum nächsten Feste, dann will ich zur Beicht gehen und mich bessern." Das Fest kommt, aber es geschieht nicht, was sie sich vorgcnom- men, und so geht eine Gnadenzeit nach der andern vorüber, bis cs zuletzt keine Zeit mehr für sie gibt, und sie entweder nicht mehr im Stande sind, sich wahrhaft zu bekehren, oder plötzlich in ihren Sünden sterben. Deßhalb rufe ich dir, mein christlicher Leser! zu: „Mein Sohn! benütze die Zeit der Gnade und versöhne dich mit Gott, da du noch kannst!" Fr. Worin besteht die zweite Verpflichtung, welche uns im vierten Gebote der Kirche auferlegt wird? Antw. Darin, daß wir zur österlichen Zeit die heilige Communion würdig empfangen, und zwar nach kirchlicher Vorschrift in der Pfarrkirche, wofern nicht Unmöglichkeit oder eine allgemeine oder besondere Erlaubuiß entschuldigt. Am Feierabende des 29. Nevember. 771 NW ÄW WUZM UM Belehrung. Zum Empfange der österlichen Com- munion ist man verpflichtet, svbald man verständig und genug unterrichtet ist, um dieses hochheilige Sakrament mit Nutzen zu empfangen. Gewöhnlich nimmt man das zwölfte oder vierzehnte Lebensjahr an; indeß hat hierüber der Seelsorger zu entscheiden. — Aus wichtigen Gründen hat die Kirche dieses Gebot gegeben und die heilige Communion gerade zur Osterzeit angeordnet, weil Jesus Christus in dieser Zeit das heilige Abcndmal eingesetzt hat (sieh das obige Bild!), und weil er in dieser Zeit gestorben und auferstanden ist, und auch wir deßhalb der Sünde absterben und ein neues Leben führen sollen. Uebrigens ist Wohl zn merken, daß die Kirche, während sie unS die einmalige Communion im Jahre befiehlt, den öftern Empfang derselben auf'SDringendste empfiehlt; cs ist ihre Absicht und ihr sehnlichster Wunsch, daß wir recht oft uns dieser unaussprechlichen Gnade theil- hastig machen, und es darf uns nicht wundern, daß uns die Kirche die öftere Communion nicht befiehlt; denn sie setzt voraus, daß uns die Liebe zu Gott und die Sorge für unser Seelenheil schon genugsam hiezu antreiben soll, und dann wollte die Kirche nur verordnen, was jeder Christ zum Allerwenigsten thun muß, wenn er nicht aus ihrer Gemeinschaft ausgeschlossen werden will. Beispiel und Anwendung. Ein herrliches Beispiel in Erfüllung des vierten Gebotes der Kirche gibt uns Anna Eleonora von Mantua, römische Kaiserin und Gemahlin Ferdinands II.; sie erfüllte cs aber nicht nur dem Buchstaben, sondern auch dem Geiste nach; denn noch bei Lebzeiten ihres durchlauchtigsten Gemahls pflegte sie jeden Sonntag und während ihres Wittwenstandes dreimal die Woche — das heiligste Altarssakrament mit inbrünstiger Andacht zu empfangen; und wiewohl sie keine von den Damen ihres Hofes verpflichtete, ihr weder hierin noch in ihren strengen Bnßwerken nachzufolgen, so ahmten doch viele ihr Beispiel nach. So ernstlich aber wachte sie, daß ihre Umgebung wenigstens Einmal im Jahre nach dem Gebote der Kirche die Sakramente des Heils empfing, daß sie den gemessensten Befehl gab, keinem der Ihrigen das Oster-Qnartal der Besoldung auszubezahlcn, wofern er nicht mit der Quittung dem Zahlmeister zugleich auch den Beichtschein übergebe. Und von dieser Verordnung waren nicht einmal ihre Almoscngeber und die Priester ihrer Kapelle ausgenommen, indem sie sprach: „Niemand kann cs übel nehmen, wenn bei einem allgemeinen Gesetze keine Ausnahme stattfindet." — O wenn doch alle Hausväter und Hausmütter so sorgfältig über ihre Untergebenen wachen und ihnen in Erfüllung der kirchlichen Gebote mit einem so schönen Beispiele vorangehen würden! Aber, ach! wie traurig sieht es in dieser Beziehung aus! Wie Viele wollen besonders vom Beichten und Communicircn Nichts wissen! Möchten doch alle Diese die ernsten Worte des heiligen Franz von Sales bedenken, der da schreibt: „O wie werden die verdammten Christen so gar keine Ausrede Vorbringen können, wenn ihnen der gerechte Richter das Uebel, das sie sich selber durch den vorsätzlichen Tod ihrer Seele zugefügt haben, Vorhalten wird, weil sie nämlich durch den andächtigen Genuß seines allerheiligsten Leibes, den er ihnen und uns Allen hinterlassen, gar leicht die Gesundheit und das Leben ihrer Seele hätten erhalten und retten können, wenn sie nur gewollt hätten! O ihr Elenden! wird er sagen, warum habt ihr des ewigen Todes sterben wollen, da ihr doch die Frucht und Speise des ewigen Lebens hättet genießen können?" Legende: Der heilige Saturninns, Bischof und Märtyrer, (f um 2ü0). Wahrlich, wer recht oft und würdig vom Vrode des Lebens ißt, der wird schon im Leben Kraft und Stärke und einst nach seinem Hinscheiden das ewige Leben selbst erlangen. Wir sehen dieß an dem heiligen Bischof Saturninns, dessen Fest heute gefeiert wird, und der unter die Apostel und berühmtesten Märtyrer Frankreichs gezählt wird. Dieser Heilige kam nach Frankreich, um daselbst das Glanbenslicht zu verbreiten. Als er zum Bischöfe von Toulouse erwählt worden war, arbeitete er mit rastlosem Eifer an der Verbreitung des christlichen Glaubens. Hierüber erzürnt, verfolgten ihn die Götzenpriester auf alle mögliche Weise; sie ließen ihn ergreifen und in ihren Tempel schleppen, wo sie ihn zwingen wollten, den Göttern zu opfern; allein anstatt gegen sein Gewissen zu handeln und falschen Göttern zu opfern, opferte er sein Leben dem Allerhöchsten und starb als Märtyrer in der Mitte des dritten Jahrhunderts. — Woher erhielt der .heilige Saturninns diese übernatürliche Kraft und Stärke, für Gott zu 97 * 772 Viertes Hanptstück. Das fünfte Kirchengebot. Bon dem Wortsinne und Geiste dieses Kirchengebotes. leiden und zu sterben? Daher, mein Christ! weil er sich oft, ja täglich mit dem Brode des Lebens stärkte. Gebet. Verleihe uns, o Gott! die Gnade, daß wir nicht nur einmal im Jahre, sondern recht oft im heiligen Bußsakramente uns mit Dir wieder aussöhnen und uns recht oft durch das Brod des Lebens stärken, wie der heilige Bischof und Märtyrer Saturninus, damit wir einst auch mit ihm Theil nehmen an der Glorie des ewigen Lebens. Amen. DreilMdertviermlddreWgstes Lesestütk. Am Feierabende des 30. November. Das fünfte Kirchengebot. Von dem Wortsinne und Geiste dieses Kirchengebotes. Fr. Was verbietet die Kirche in ihrem fünften Gebote dem Wortlaute nach? Ant. Sie verbietet, vom ersten Adventsonntage bis zum Feste der heiligen drei Könige und vom Aschermittwoch bis zum weißen Sonntag, und zwar jeden dieser Tage einschlüssig gerechnet, eine feierliche Hochzeit zu halten; denn diese Zeiten sollen Tage des heiligen Ernstes und der Buße, nicht aber des Vergnügens und der Lustbarkeit sein. Belehrung. Der Advent und die heilige Fasten sollen für jeden Christen eine Zeit der Buße und des heiligsten Ernstes sein. Daher verbietet die Kirche ganz billig zu diesen beiden Zeiten feierliche Hochzeiten, d. h. jene weltlichen Zerstreuungen und Lustbarkeiten, die gewöhnlich mit den feierlichen Hochzeiten verbunden sind. Sie will, daß sich ihre Kinder nicht durch derlei weltliche Freuden von der heiligen Stille und wahren Büßfertigkeit abziehen lassen, die sich für die Advent- und Fastenzeit ziemt. — Dieses Gebot der Kirche, welches aus der Natur der Sache hervorging, ist schon uralt und wurde auf's Neue durch das heilige Concilium zu Trient eingeschärft. (8os5. 24. onp. 10.) Fr. Was wünscht aber die Kirche von uns in ihrem fünften Gebote dem Geiste dieses Gebotes gemäß? Antw. Sie wünscht, daß die Hochzeiten zu jeder andern Zeit, wo sie nicht verboten sind, in Eingezogenheit und Ehrbarkeit gehalten werden möchten. Belehrung und Beispiel. Auch in diesem Punkte hat der heilige Kirchenrath zu Trient einen Ausspruch ge- than, der also lautet: „Die Bischöfe sollen Sorge tragen, daß die Hochzeitsfeierlichkeiten mit geziemender Eingezogenheit und Ehrbarkeit geschehen, indem die Ehe eine heilige Sache ist und deßhalb auch durchaus heilig behandelt werden soll." — Diese geziemende Eingezogenheit und Ehrbarkeit besteht aber in folgenden drei Stücken: 1) in einer frommen Vorbereitung, 2) in einem Aufwande, der standesgemäß ist, und 3) in Lustbarkeiten, welche in der Ordnung und innerhalb vernünftiger Schranken bleiben. — In der Geschichte des jungen Tobias bietet sich für christliche Hochzeitsleute ein herrliches Beispiel dar, aus dem sie lernen mögen, wie auch sie ihre Hochzeit feiern sollen. Nachdem man Gott gelobt und das junge Ehepaar gesegnet hatte, „ging man zum Mahle; sie hielten aber das Hochzeitmahl in der Furcht des Herrn." Mit diesen wenigen aber bezeichnenden Worten schildert die heilige Schrift die Hochzeitsfeier des Tobias. (Tob. 9, 12.) Wir sehen hieraus, daß man allerdings essen und trinken, daß man meinetwegen sogar auch tanzen und muntere Gespräche führen darf; allein Alles soll nur im Herrn geschehen; cs darf dabei die Furcht Gottes nicht außer Acht gesetzt werden. Man darf essen und trinken, aber mäßig und vernünftig; man mag sich durch Tanz ergötzen, aber nur auf eine ehrbare Weise; man mag sich mit muntern Gesprächen erheitern, allein nur bescheiden — ohne ärgerliche Zoten und Possen —Alles in der Furcht des Herrn! — Ueber- haupt wünscht die Kirche, daß ihre Kinder nicht nur in der heiligen Advent- und -Fastenzeit, sondern auch das ganze 773 Am Feierabende des 30. November. E kl l «WM NMA Jahr hindurch sich aller weltlichen Zerstreuungen, sowie aller unerlaubten Freuden und Lustbarkeiten enthalten, und auch die erlaubten Vergnügungen stets nur in rechter Weise genießen sollen. Fr. Wie sollen wir also erlaubte Freuden und Lustbarkeiten genießen? Antw. Zur rechten Zeit, mit Maß und Ziel und in gehöriger Absicht. (Sieh das obige Bild!) Belehrung. Der Mensch kann nicht immer arbeiten, sich nicht immer anstrengen; er braucht auch hie und da Stunden, in denen er seinen Geist aufheitcrt und seinen Körper stärkt. Erholungen sind also zu gewissen Zeiten nothwendig; allein sie müssen vor Allem anständig, erlaubt und eines Christen würdig sein. Jesus selbst fand sich ja bei der Hochzeit zu Cana in Galiläa ein. Ueberdieß soll man diese erlaubten Freuden 1) zur rechten Zeit und im rechten Maße genießen, d. h. mit Vorsicht und ohne Anhänglichkeit, man soll nämlich die Stunden, welche der Arbeit oder dem Gebete gewidmet sein sollen, nicht dem Vergnügen weihen, und sich nicht länger ergötzen, als es zur Erholung des Geistes und Körpers dienlich ist. Wenn der Wanderer unter einem schattigen Baume ausruht, so bleibt er nur eine Zeit lang da; dann aber setzt er seine Reise wieder fort. Würde er immer dort bleiben, immer nur ruhen wollen, so würde er das Ziel seiner Reise nicht erreichen. — Ebenso müssen wir die erlaubten Freuden auch noch 2) in guter Absicht genießen, d. h. in der Absicht, um dadurch unsere Kräfte zu erholen und unsere Berufsgeschäfte desto besser verrichten zu können. Beispiel und Anwendung. Hillel hatte unter seinen Jüngern einen Schüler, der mir nach Freuden und Vergnügungen haschte und darüber seinen Gott und seine Arbeit vergaß. Sorgsam bekümmert um die Zukunft dieses Jünglings, berief ihn der weise Lehrer zu sich und sprach voll männlichen Ernstes: „Mein Sohn! du vergeudest die schönsten Tage deines Lebens und widmest die Stunden deiner Jugend dem Vergnügen und der Freude. Du lassest dich zu sehr von dem äußern Glanz und Blendwerk dieser irdischen Genüsse anlocken und bedenkest nicht die traurigen Folgen. Vernimm mit kindlichem Sinne die wohlmeinende Mahnung deines Lehrers! Sieh, die Freuden der Welt sind wie Schmetterlinge; sie umflattern uns beständig, sie ziehen uns hier und dort hin, und wenn man sie zu fassen glaubt, so fliehen sie davon und lassen uns ohne Hoffnung stehen. — Soll der Duft einer Blume vom zarten Gerüche sich nicht verlieren, so darfst du ihn nicht stark einziehen. Sollen Freuden und Vergnügungen ihren Werth und ihre gehörige Wirkung nicht verlieren, so genieße sie zur rechten Zeit und mäßig; denn Freuden sind ein Schatten, in welchem der Wanderer nur ausruhen, nicht aber liegen bleiben soll. — Habe Acht und wandle fürderhin nicht mehr so unbesonnen auf der Bahn des Vergnügens dahin! Du wirst sonst ein unmündiger Greis; du läufst in den Hafen mit einem lecken Schiff, morschem Tauwerk und zerissencn Segeln. Die Seele sitzt als Steuermann matt und krank am zerbrochenen Ruder. — Kleine Freuden laben wie Hausbrod — immer und ohne Eckel; — große aber, wie Zuckerbrod — zeitig und mit Eckel." — Diese wohlmeinende Ermahnung verfehlte ihren wohlthätigen Eindruck nicht; der Jüngling wurde von nun an arbeitsamer und genoß seine Freuden zur rechten Zeit und mit der gehörigen Mäßigung. — Diese Mahnung gilt auch dir, mein Christ! Sei darauf bedacht, ihr eben so willig zu folgen, wie dieser Jüngling, und nimm überhaupt an erlaubten Freuden und Vergnügungen dieses Lebens nur mit jener Gesinnung und Mäßigung Theil, mit welcher der heilige Apostel Andreas, dessen Fest heute feierlich in der Kirche begangen wird, in Gesellschaft des göttlichen Heilandes und der übrigen Jünger an der Hochzeit zu Kana in Galiläa Theil nahm. Legende: Der heilige Andreas, Apostel (st im 1. Jahrhdt). Dieser Apostel wurde zu Bethsaida, einer Stadt in Galiläa, geboren und folgte schon frühzeitig mit seinem Bruder, dem heiligen Petrus, Christo dem Herrn nach. So getreu er den Beruf eines Fischers erfüllt hatte, ebenso getreu erfüllte er von da an den Beruf eines Apostels. Ausgerüstet mit den Gaben des 774 Viertes Hauptstück. Von der Übertretung der Gebote. Von der Sünde überhaupt. UMS -Mw heiligen Geistes, der am Pfingstfeste über alle Apostel herabgckommcn war, arbeitete Andreas mit der angestrengtesten Mühe bis zu seinem Tode an dem Heile der Menschen. Anfangs predigte er das Evangelium IesnEhristi den Juden, dann den ungläubigen Völkern in Schthien, Epirns und Griechenland. Ueberall hatte er die größten Widerwärtigkeiten und Drangsale auszustehen; allein er schätzte sich glücklich, um des Namens Jesu willen leiden zu können. Zu Paträ, einer Stadt in Achaja, errichtete er einen bischöflichen Sitz, wo er auch seinen Martertod fand. Kaum war nämlich der römische Landpfleger Aegeas nach Paträ gekommen, als er die Verfolgung der Christen anfing. Den heiligen Andreas ließ er auf die grausamste Weise geißeln und suchte ihn dann zur Verläugnnng des Gekreuzigten zu bereden. Allein Andreas sprach zu ihm: „Ich bin ein Diener des Kreuzes Christi, und mir muß das Kreuz zum Siegeszeichen und nicht zum Schrecken werden. Du aber wirst ewige Strafe leiden, wenn du durch meine Standhaftigkeit nicht zum Glauben an Iesus Christus bewegt wirst." Ueber diese Rede höchst aufgebracht, befahl der Landpfleger, den Heiligen an's Kreuz zu schlagen, aber so, daß er nicht bald sterben werde. Als Andreas das Kreuz erblickte, rief er kaut aus: „Sei gegrüßt, o Kreuz! das du durch den Leib Christi ge- heiliget und durch seine Glieder geziert worden bist. Ruhig und freudig umfasseich dich; nimm auch du mich mit Freude auf, als einen Schüler meines Meisters, der an dir gestorben ist." Nachdem er zwei Tage am Kreuze geduldet, gab er endlich seinen Geist auf. Gebet. Wir flehen demüthig zu dir, o Gott! daß der heilige Apostel Andreas, den du in deiner Kirche als Prediger und Hirten aufgestellt hast, stets bei dir für uns bitte, und gib, daß wir die Freuden der Erde so genießen, daß wir dabei die ewigen Freu- den des Himmels nicht verlieren, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihundertfünfunddreißigstes Lesestück. Am Feierabende des 1. Dezember. Von der Ucbertretung der Gebote- Von der Sünde überhaupt. Fr. Wodurch werden die Gebote Gottes und der Kirche übertreten? Antw. Durch die Sünde. Fr. Was ist also die Sünde? Antw. Die Sünde ist eine freiwillige Ucbertretung des göttlichen Gesetzes. Belehrung. Die Sünde ist zweifach: die Erbsünde, die sich von den beiden Stammeltern auf alle ihre Nachkommen forterbt, und von welcher wir schon beim Sündenfalle der ersten Menschen (im I. Hptst.) ausführlicher gesprochen haben, und die wirkliche oder persönliche Sünde, d. i. jene Sünde, welche der Sünder selbst freiwillig begeht. -— Von dieser ist nun hier die Rede. Sie ist aber: eine freiwillige Ucbertretung des göttlichen Gesetzes, mit andern Worten: sie ist eine Ueber- tretungd. h. eine Abweichung und zwar vom göttlichen Gesetze, d. i. von den göttlichen, also auch von jenen Geboten, die uns die Kirche im Namen Gottes gegeben hat, und diese Ucbertretung muß freiwillig sein, d. h. sie muß durch den eigenen Akt und Willen des Sünders und beim Gebrauche der Vernunft geschehen. Wahnsinnigen, Rasenden und Solchen, die ihres Verstandes nicht mächtig sind, kann das Böse, das sic thun, nicht zugerechnet werden, weil sie keinen freien Willen und keinen Verstand, also auch keine Schuld haben, somit nicht sündigen können. Fr. Auf Wie vielerlei Weise kann man sich versündigen ? Antw. Man kann sich versündigen durch böse Gedanken, Worte und Werke, sowie auch durch Unterlassung des Guten, das man zu thun schuldig ist. Belehrung und Beispiele. Man kann sündigen oder das göttliche Gesetz übertreten 1) durch böse Gedanken, Begierden, Worte und Werke; daher Am Feierabende des 1. Dezember. 775 schreibt der heilige Augustin: „Sünde ist jeder Gedanke, jedes Wort, jede That wider die bessere Ueberzeugung, die in uns wohnt;" 2) man kann aber auch fündigen durch Unterlassung desGuten, das man zu thun schuldig ist, und diese Unterlassungssünden sind nicht minder schwer und strafbar, als die Uebertretungssünden, obschon man sie leider nur zu oft wenig beachtet. Daher sagt auch der göttliche Heiland (Luk. 12, 47.): „Der Knecht, der den Willen seines Herrn gekannt, und nicht get Han hat, was er wollte, wird viele Streiche bekommen." Christus sagt hier nicht: „Ein Knecht, der den Willen seines Herrn weiß und Böses thut," sondern: „Der den Willen des Herrn nicht thut, also durch Unterlassung sündigt, wird mit vielen Streichen gezüchtigt werden." Dieser Ausspruch des Herrn gilt allen jenen Eltern, die lau und nachlässig sind in Erfüllung ihrer Berufs- und Standespflichtcn, die nicht sür das Seelenheil ihrer Kinder sorgen, sie nicht zum Guten, zum Gebete u. s. w. anhalten; dieser Ausspruch gilt auch jenen Dienstboten, die nachlässig oder saumselig sind im Dienste Gottes oder im Dienste ihrer weltlichen Herrschaft; er gilt ferner allen Christen, welche die ihnen von Gott angebotenen Talente und Gnaden nicht benützen. Zu allen diesen wird einst der göttliche Heiland dieselben Worte sprechen, wie zu dem unnützen Knecht, der mit seinen Talenten Nichts gewonnen, also unterlassen hatte, was er hätte thun sollen, die Worte nämlich: „Den unnützen Knecht werfet in die äußerste Finsterniß hinaus, wo Heulen und Zähneknirschen sein wird!" (Matth. 25, 27.) Fr. Sind alle Sünden gleich groß? Antw. Nein; es gibt schwere oder Todsünden, und geringere oder läßliche Sünden. Belehrung. Nicht alle Sünden sind gleich groß; denn es gibt 1) schwere Sünden, die man auch Todsünden nennt, wenn man nämlich das göttliche Gesetz in einer wichtigen Sache freiwillig Übertritt. Man heißt sie Todsünden, weil die Seele dadurch das übernatürliche Leben, d. h. die heiligmachende Gnade verliert und sich des ewigen Todes oder der Berdammniß schuldig macht; denn „wenn die Sünde vollbracht ist," sagt der heilige Apostel Jakobus (1, 15.), „so gebiert sie den Tod," und der heilige Johannes sagt von einem Menschen, der in der Todsünde lebt: „Du hast den Namen, daß du lebest, und bist todt." (Offenb. 3, 1.) Mit Recht wird ein Jeder, der schwer gesündigt hat, mit einem Todten verglichen; denn das Edlere, das Unsterbliche in ihm ist todt; und wenn Der lebt, der schuldlos, frei von sträflichen Gelüsten und Neigungen ist, und Nichts will, als was Gott will, so ist Der, der Böses thut und von argen Gedanken gequält wird, geistlich todt. — Es gibt 2) geringere oder läßliche Sünden, wenn man das göttliche Gesetz entweder nur in einer geringen Sache oder nicht ganz freiwillig Übertritt, indem von Seite des Verstandes die genügsame Erkenntniß des Bösen oder von Seite des Willens die volle Zustimmung oder Einwilligung fehlt. Man heißt diese geringen Sünden läßliche, weil man von Gott in Ansehung der menschlichen Gebrechlichkeit ^ und der Leichtigkeit, womit man sie begeht, leichter und auch ohne die Beicht Nachlassung derselben erlangen kann. — Dieser Unterschied zwischen Tod- und läßlichen Sünden ist schon in der heiligen Schrift begründet; es werden da nämlich einige Sünden mit Splittern, andere mit Balken verglichen (Matth. 7, 3.); in den Sprüchw. (24, 16.) heißt es, „daß auch der Gerechte siebenmal fällt, und der heilige Apostel Jak ob us (3, 2.) schreibt: „Wir Alle stoffen in gar vielen Dingen an." — Jndeß sollen wir keine Sünde gering achten; vielmehr sollen wir jede Sünde, sie mag schwer oder gering (läßlich) sein, als das größte Uebel auf Erden fürchten und sorgfältig meiden; wie der ägyptische Joseph so sollen wir vor jeglicher Sünde zurück- 776 Viertes Hauptstiick. Von der Todsünde, und zwar don ihrer Abscheulichkeit und Bosheit. schaudern (sieh das vorausgehendc Bild!) und ausrufen: „Wie sollte ich ein so großes Nebel thun und sündigen wider meinen Gott!" (1. Mos. 39, 9.) Beispiele und Anwendung. Blanka, die fromme und gottselige Königin Frankreichs, erkannte gleichfalls jede Sünde, sie mochte schwer oder gering sein, als das größte Nebel auf Erden; daher suchte sie ihrem lieben Söhnlein, der nunmehr unter der Zahl der Auserwählten als Ludwig der Heilige glänzt, einen recht lebendigen Abscheu gegen die Sünde einzuslößen. Oft sprach sie zu ihm in einem mütterlich ernsten und warnenden Tone: „O theures Kind! begehe nur keine Sünde! Ich liebe dich gewiß, und liebe dich mit einer Zärtlichkeit, wie wohl kaum eine andere Mutter lieben kann; aber dennoch wollte ich dich lieber tausendmal todt zu meinen Füßen liegen, als dich auch nur eine einzige Sünde begehen sehen!" -— Einen ähnlichen Abscheu hatten alle Heiligen Gottes vor der Sünde, so viele ihrer uns die Legende auch aufzählen mag; lieber wollten sie sterben, als den Heiligsten auch nur mit der geringsten Sünde beleidigen. — Gar oft pflegte der heilige Edmund, Erzbischof von Cantcrbury, zu sagen: „ Wenn zu meiner Rechten ein brennender Kalkofen stünde, zu meiner Linken aber die Sünde, so wollte ich lieber in's Feuer springen, als in die Sünde einwilligen." Legende: Der heilige Bischof Eligius (ch 659). . > 'S MW M -Mi Ebenso, wie Blanka und wie der heilige Edmund, haßte auch der heilige Bischof Eligius, dessen Andenken wir heute feiern, jede, auch die geringste Sünde; denn er war selbst im Kleinsten so gewissenhaft und treu, daß ihn Klotar, König von Frankreich, über Vieles setzte, indem er ihn zu seinem Münzmeister erhob, nachdem er sich früher schon als Goldarbeiter durch seinen Fleiß und seine außerordentliche Redlichkeit die Gewogenheit dieses Königs in hohem Grade erworben hatte. Durch beständiges Lesen der heiligen Schrift erlangte der heilige Eligius eine so große Kenntniß in den Heilswahrheiten, daß er zum Bischof von Nohon erwählt wurde, als welcher er bis zum Ende seines Lebens mit regem Eifer das Heil seiner Heerde beförderte. Dabei übte er strenge Abtödtungen und zeigte sich stets als einen Vater der Armen, denen jederzeit seine Wohnung offen stand, und der größte Theil seiner Einkünfte gehörte. Nachdem er beinahe zwanzig Jahre lang mit apostolischem Eifer seine Diöcese verwaltet hatte, unterlag er endlich den vielen für die Ehre Gottes und das Wohl des Nächsten ausgestandenen Mühen und beschloß sein heiliges Leben im siebenzigsten Jahre seines Alters niit einem heiligen Ende — am 1. Dezember 659. Gebet. O Gott, der du den heiligen Bischof Eligius uns zum Muster und Vorbild der Treue und Redlichkeit gegeben hast, laß uns seinem schönen Beispiele Nachfolgen, auf daß auch wir jede, selbst die geringste Sünde meiden, uns auch treu im Kleinen erweisen und dereinst über Vieles gesetzt werden, durch Christum, unfern Herrn. Amen. DreihundertsechMnddreißigstes Lesestück. Am Feierabende des 2. Dezember. Bon der Todsünde, und zwar von ihrer Abscheulichkeit und Bosheit. Fr. Was soll uns von der Sünde und besonders von der Todsünde abschrecken? AntW. Die Betrachtung ihrer Bosheit und ihrer schlimmen Folgen. Fr. Worin zeigt sich dieBosheit der Todsünde? AntW. Darin, daß sie 1) eine freche Empörung gegen Gott, 2) eine schmähliche Verachtung der Macht und Allwissenheit Gottes und 3) ein ungeheurer Undank ist. Fr. Jnwieferue ist die Todsünde eine freche Empörung gegen Gott? AntW. Weil sich Derjenige, der eine Todsünde begeht, gleichsam Gott, dem höchsten Herrn Himmels und der Erde, widersetzt. Belehrung. Von Dem, der eine Todsünde begeht, gilt das Wort des Herrn: „Du hast mein Joch abgeworfen Am Feierabende deS 2. Dezember. 77? und gesagt: Ich will nicht dienen." (Jerem. 2, 20.) Es ist, als ob der Sünder zu Gott spreche: „Du befiehlst, du verbietest, du verheißest, du drohest! Du drohst mir mit der Hölle, du versprichst mir deinen Himmel, du verbietest mir die Sünde, du befiehlst mir, dir zu dienen; aber ich, ich will dir nicht dienen." Jemanden von Seinesgleichen beleidigen, ist eine Unbill, die Genugthuung fordert; einen Obern, eine obrigkeitliche Person, einen Fürsten beleidigen, ist ein Verbrechen, das man nicht verzeiht; die Majestät eines Königs beleidigen, die Fahne des Aufruhrs gegen ihn erheben, ist ein Frevel, der die allerstrengste Strafe verdient; was will dann aber erst Das sagen, sich wider dieMajestät des Königs der Könige empören? Darum ruft Gott selbst aus: „Höret ihr Himmel, und Erde merke auf; denn der Herr redet: Söhne habe ich erzogen und erhöhet; sie aber haben mich verachtet." (Js. 1, 2.) Beispiel und Anwendung. Die durch ihren christlichen Heldenmut!) ausgezeichnete Thebaische Legion hat uns ein herrliches Beispiel hintcrlassen, aus dem wir lernen sollen, wie sehr wir jede Sünde als eine Empörung gegen Gottes Majestät verabscheuen müssen. Als nämlich Kaiser Maximian sie zur Verfolgung der Christen zwingen wollte, traten sie diesem sündhaften Befehle mit Muth entgegen und sprachen: „Wir sind allerdings deine Soldaten, und du bist unser Herr und Kaiser; allein wir sind auch zugleich Diener des höchsten Herrn Himmels und der Erde. Wir sind dir. Kriegsdienste schuldig und ihm ein unbescholtenes Leben. Darum können wir deinen Befehlen nicht gehorchen, wenn sie mit den seinigen im Widerspruche stehen. Durch sündhaften Gehorsam gegen unfern irdischen Herrn können wir uns nicht empören gegen unfern Gott und Herrn im Himmel. Wisse, Kaiser! jede Sünde ist eine Empörung gegen Gott." So sprachen diese christlichen Helden und starben lieber unter den grausamsten Martern, als daß sie gegen Gottes Gebot gehandelt hätten. Fr. Warum ist die Todsünde eine schmählicheVer- achtung der Macht und Allwissenheit Gottes? Antw. Weil Derjenige, der eine Todsünde begeht, vor den Augen Gottes sündigt, ohne vor der Rache des Allmächtigen zu zittern. Belehrung und Beispiele. Gott ist überall gegenwärtig; überall sieht er uns; er gibt auf alle unsere Schritte Acht; er weiß alle unsere geheimsten Gedanken; er hört alle unsere Worte — und doch lassen wir uns vom Sündigen nicht abhalten! Ist dieß nicht ebenso, als ob man zu Ihm sagte: „Du bist hier, ich weiß es; du beobachtest meine geringsten Handlungen, auch dieses weiß ich; doch daran liegt Mehler, H.rußbuch. Nichts; ich will daS Verbrechen begehen, und es unter deinen Augen begehen; sei darüber ergrimmt, so viel du willst, laß deinen Donner krachen, öffne die Abgründe unter meinen Füßen, gleichviel; ich bin nun dazu entschlossen, ich will meine Lust befriedigen." Und wer ist Derjenige, der seinen Gott so behandelt? Ein Erdenwnrm, eine Hand voll Asche, ein Staubkörnlein, ein pures Nichts! — Wie erschrecklich cs sei, vor den Augen Gottes zu sündigen, Das suhlten schon im A. T. die keusche Susanna und der ägyptische Joseph. Im Augenblicke der Gefahr und der Verführung riefen sie aus: „Wie könnte ich doch vor den Augen meines Gottes eine Sünde thun!" — Auch der heilige Franz Negis war von einem gleichen Gefühle beseelt. Stillschweigend nahm er die unwürdigsten Behandlungen hin; aber der bloße Gedanke an das Böse machte ihn vor Abscheu zittern. „Ach", sagte er einst zu einem Sünder, der sich nicht bekehren wollte, „gib mir lieber den Tod, als daß du im Angesichte des allwissenden und allmächtigen Gottes seine unermeßliche Majestät ferner noch beleidigest." Fr. Warum ist die Todsünde ein ungeheuerer Undank gegen Gott? Antw. Weil der Sünder die Güte und Barmherzigkeit Gottes mißbraucht und die Gaben seines größten Wohlthäters gleichsam zu Pfeilen benützt, um ihn damit zu verwunden. Belehrung. Welch einen Undank gegen seinen Gott und Herrn, gegen seinen größten Wohlthäter legt der Sün- 08 778 Viertes Hauptstück. Von der Todsünde, und zwar von ihrer Abscheulichkeit und Bosheit. der, welcher eine Todsünde begeht, an den Tag! Ist er nicht ganz aus den Wohlthatcn Gottes zusammengesetzt? Von ihm hat er Alles; ein jeder Augenblick seines Lebens ist ein Ge- schenk seiner Barmherzigkeit, sogar der Augenblick, in dem er sündigt, ist eine Gnade Gottes, der ihn erhält und unterstützt. Was würde ans dem Sünder, wenn er ihn nicht wie eine zärtliche Mutter in seinen Armen hielte? Und was thut er? Er zerfleischt die Brust, die ihm Nahrung reicht; er gebraucht die Gaben seines Schöpfers gleichsam zu Pfeilen, um ihn damit zu verwunden; seine Wohlthaten benützt er dazu, ihn zu beleidigen, und seine Gnaden werden in des Sünders Hand zu Werkzeugen schmählicher Missethaten! Der Sünder vereitelt sonach alle Absichten Gottes; ja, er vernichtet, so viel er vermag, das Blut des Erlösers und macht die Sakramente, die Gnaden, die Lehren und Verheißungen Gottes nutzlos; er kreuzigt seinen Erlöser, der für ihn gestorben, auf's Neue. Welch ein Undank! Beispiel und Anwendung. Ach, wer kann wohl die ganze Bosheit der Todsünde begreifen, da wir nicht im Stande sind, zu erfassen, wie unendlich groß nnd gütig Gott der Herr ist, der durch die Sünde beleidigt wird! — Einst traf man den heiligen Isidor, Priester und Einsiedler von Skete, die Augen in Thräneu gebadet an. (Sieh das vor- ausgchende Bild!) Der Bruder, welcher ihn in diesem Zustande sah, fragte ihn, warum er weine: „Ich beweine meine Sünden, sagte er, und meinen groben Undank gegen den allgütigcn Gott und Vater im Himmel; hätten wir Gott auch nur ein einziges Mal beleidigt, so würden wir doch nicht Thränen genug haben, um einen so großen Undank zu beweinen." — Wahrlich, wer seine begangenen Todsünden nicht beweint, der erkennt die Bosheit und den Undank nicht, womit er seinen Gott beleidigt. Fr. Woraus erkennen wir am Besten, wie böse und strafwürdig eine Beleidigung Gottes sei? Antw. 1) Ans der schweren Strafe der bösen Engel nnd unserer Stanimeltcrn; 2).ans der ewigen Strafe der Hölle, welche jede Todsünde verdient; 3) aus dem so bittern Leiden nnd Sterben, welches der einge- bornc Sohn Gottes unserer Sünden wegen erduldet hat. Belehrung. Gott selbst hat cs uns auf verschiedene Weise gezeigt, wie böse und strafwürdig es sei, wenn wir Ihn durch eine Sünde, besonders durch eine Todsünde beleidigen. Wir muffen dieß erkennen: 1) aus der schweren Strafe der bösen Engel und unsrer Stammeltern: der Sünde wegen wurden erstere aus dem Himmel, letztere aus dem Paradiese verflossen. „Wir wissen ja," sagt der heilige Franz von Sales, „daß eine einzige Todsünde viele Tausende der schönsten Engel in die allerab- schculichsten Teufel verwandelt habe;" 2) aus der ewigen Strafe, welche jede Todsünde verdient. „O ihr Alle," ruft uns wiederum der obengenannte heilige Lehrer zu, „ihr Alle, die ihr Gott liebet, erschrecket und zittert, wenn ihr auch nur den Namen „Todsünde" höret; denn Nichts ist, was der große Gott mehr haßt und verflucht. Nur wegen der Todsünde brennt die Hölle und wird ewig brennen;" 3) aus dem so bittern Leiden und Sterben, welches der cingcborne Sohn Gottes unsrer Sünden wegen erduldet hat. Gott mußte um unserer Sünden willen sterben; wie böse, wie strafwürdig muß sie also nicht sein! Daher ruft der heilige Bernhard aus: „Ich habe keinen andern Beweis nöthig, zu erkennen, welch ein Nebel die Sünde sei. Ich erkenne genugsam aus der Größe der Arznei die Größe meiner Wunde." Legende: Die heilige Bibiana, Jungfrau und Märtyrin (ch 362). Die Abscheulichkeit und Bosheit der Todsünde erkennend, wollte die heilige Jungfrau Bibiana, deren Fest ans den heutigen Tag fällt, lieber unter den größten Qualen sterben, als ihren Gott durch eine Todsünde beleidigen. Diese heilige Jungfrau und ihre Schwester Demetria waren Töchter des römischen Ritters Flavianus und seiner Gemahlin Dafrosa, welche die Kirche gleichfalls als Märtyrer verehrt. Leben und Leiden der Eltern nnd Kinder steht hier im engsten, innigsten Zusammenhänge. Die heiligmäßige Erziehung und das gute Beispiel der Eltern führte unter Mitwirkung 77 » Am Feierabende des 3. Dezember. der Gnade Gottes die beiden jnngfränlichen Töchter zur ewigen Krone. Flavianus, ausgezeichnet durch Weisheit, Gerechtigkeit, christliche Liebe und Anhänglichkeit an die katholische Kirche, bekleidete die Würde eines Statthalters von Nom, zog sich aber unter dem aria- nischen Kaiser Constantius zurück, und war einzig besorgt, als Familienvater und gleichsam als Hausapostel seine und seiner Angehörigen Seelen zu retten. Unter vem abtrünnigen Kaiser Julian trat Flaviau öffentlich auf, und ermunterte die Gläubigen zur Standhaftigkeit, wofür er und seine Gemahlin des Marthrthumes ge- würdiget wurden. Der Statthalter Apronianus ließ nun die Töchter Bibiana und Demetria in's Gefängniß werfen. Nach mancherlei Martern starb Demetria. Bibiana aber, die blühende, reine Jungfrau, sollte noch ausgesuchte Martern bestehen. Sie wurde einem verführerischen Weibe zur sündhaften Verleitung übergeben, von welchem Bibiana die gröbsten Mißhandlungen erfuhr. Im Hinblicke aber auf Gott und ge- kräftiget durch das Beispiel und die Erziehung ihrer Eltern blieb sie standhaft; zuletzt wurde die züchtige Jungfrau entkleidet an eine Säule gebunden und mit Bleikolbcn getödtet i. I. 362. Gebet. Gib uns, o Gott! Kraft und Stärke, damit wir dem heldenmüthigen Beispiele der heiligen Jungfrau und Märtyrin Bibiana folgen und lieber zu sterben bereit seien, als dich durch eine Todsünde zu beleidigen, der du lebst und regierst in Ewigkeit. Amen. DreilMdertsiebenunddreißigstes Lesestück. Am Feierabende des 3. Dezember. Von der Todsünde, und zwar von den traurigen Folgen derselben. Fr. Welches sind die traurigen Folgen der Todsünde? Antw. Besonders folgende: 1) sie beraubt die Seele; 2) sie schändet und unterjocht die Seele, und 3) sie tödtet die Seele und stürzt sie in die ewige Ver- dammniß. Fr. Wessen beraubt uns die Todsünde? Antw. Sie beraubt uns 1) der Liebe und Freundschaft Gottes, 2) aller Verdienste für den Himmel und 3) der Ruhe des Gewissens. Belehrung. Es gibt Nichts auf Erden, was der Seele des Menschen mehr Verderben bringen könnte, als die Todsünde; denn sie trennt 1) den Menschen von Gott und beraubt ihn der göttlichen Liebe und Freundschaft; ja, jede Todsünde ist dem Menschen ein Schwert, das das Band zwischen Gott und dem Menschen zerhaut und dem Sünder eine lebenslängliche Wunde schlägt; sie trennt uns von Gott, der Quelle unsers eignen Heiles. Und welch eine traurige Folge ist dieß: eine Seele ohne Gott, eine Seele von Gott getrennt! „Du beweinest den Leib," schreibt St. Augustin, „von welchem die Seele gewichen ist, und du beweinest die Seele nicht, von welcher sich Gott entfernt hat?" — Die Todsünde beraubt Pie Seele 2) aller Verdienste für den Himmel. Wie der Reif im Frühjahre alle Blumen und Blüthen vernichtet, und wie der Hagel im Sommer in wenigen Minuten alle Früchte an den Bäumen und auf den Fluren zerstört, so vernichtet die Todsünde alle Früchte der Tugend, alle Verdienste für den Himmel in der Seele des Menschen, und macht sic ganz arm vor Gott. „Es geht ihr, wie einem Kaufmann," sagt der heilige Basilius, „der ungeheuere Schätze sich gesammelt, glücklich den Gefahren des Meeres entgangen ist, nun dem Hafen sich nähert, aber im Angesichte seiner ersehnten Vaterstadt Schiffbruch leidet und Alles verliert." Endlich raubt uns die Todsünde 3) auch noch die Ruhe des Gewissens. Der Sünder ist nicht glücklich; es schmeckt ihm nicht der Schlaf, weil er sich fürchtet und bebt; selbst das Essen 98* 78« Viertes Hauptstiick. Von der Todsünde, und zwar von den traurigen Folgen derselben. schmeckt ihm nicht; das Gespräch der Freunde heitert ihn nicht auf und kann ihm seine innere Qual nicht benehmen.... Er zittert vor jedem Schatten; er mag hingehen, wohin er will, immer trägt er sein Gewissen als einen bittern Ankläger bei sich, nirgends findet er Ruhe; denn im Bette, an der Tafel, auf dem Markte, im Hause, bei Tag und Nacht, ja selbst in den Träumen schwebt ihm seine Sünde vor Augen. Er lebt, wie Kain, jammernd und zitternd aus Erden, und ohne daß es Jemand sieht, trägt er ein brennendes Feuer in seinem Herzen. Nur zu wahr ist das Sprüch- wort: „Nie kann Ruhe finden, wer beharrt in Sünden." Beispiel und Anwendung. Dieß hat erfahren ein gewaltthätiger Mann, der als Eroberer des Peruanischen Reiches weltbekannt geworden ist: Der grausame Pizarro. Dieser ward einst im Freien von einem jener Gewitterstürme überfallen, wie sie mit solcher Furchtbarkeit nur in den heißen Erdstrichen toben. Da überkam ihn ein solches Angstgefühl, daß sein Antlitz bleich ward, sein Haar sich sträubte, und Todesschweiß seine Stirne bedeckte. Der Mann, der nie eine Bangigkeit empfunden, verwunderte sich selbst darüber. Er wendete sich an seinen Begleiter, den Missionär und Priester Las Ca fas, der mit heiligem Liebeseifer die armen Indianer zu schützen suchte, und fragte ihn: „Was ist mir denn? Wie kommt es, daß diese feige Furcht mich überfällt, da es doch meine Sache nicht ist, vor irgend einer Gefahr zu erschrecken?" Freimüthig erwicdertc der Missionär: „Die Ursache ist diese, weil der Sturm in deinem Herzen noch wilder tobt, als das Gewitter da draußen." Daß er den harten Mann damit an sein böses Gewissen gemahnt babe, ist wohl beizusetzen überflüssig, ebenso, daß dieses böse Gewissen, diese innere Unruhe nur eine Folge seiner Sünden und Gewaltthatcn war. Fr. Juwieferne schändet und unterjocht die Todsünde unsere Seele? Antw. Die Todsünde schändet und unterjocht die Seele dadurch, daß sie das göttliche Ebenbild in uns entstellt und uns zu Sklaven der Sünde macht. Belehrung. Die Todsünde schändet unsere Seele; denn sie entstellt in uns das göttliche Ebenbild; daher schreibt der heilige Chrysostomus: „Der ärgste Aussatz ist die Todsünde. Elfterer verunstaltet den Körper, letztere die Seele." Aber die Todsünde ist nicht damit zufrieden, unsere Seele zu schänden und zu verunstalten; sie geht auch darauf aus, sie zu unterjochen und zu ihrer Sklavin zu machen. Und wie elend ist die Knechtschaft der Todsünde! wie peinlich! wie schändlich! Welch' grausame Tyrannen sind die in einem Herzen losgelassencn Leidenschaften I Sie belagern, wie hungrige Ungeheuer, alle Zugänge der Seele und halten sie strenge unter ihrer Dienstbarkeit. Tag und Nacht verlangen sie, ja vielmehr befehlen sie und schreien unaufhörlich: Bring her, bring her! Bring Futter diesem unersättlichen Geize, bring Futter jener unersättlichen Liebe zu den Freuden, Futter jenem riesigen Hochmuth, Futter jener Alles verzehrenden Genußsucht ! — Und der Sünder ist der Unglückliche, der dieser Menge Haustyrannen fortwährend Tribut zu zahlen hat! O gewiß, der Teufel ist ein unbarmherziger Gebieter! Beispiel und Anwendung. Der römische Kaiser Valerian war in die Gewalt des persischen Königs, seines Feindes, gefallen. Vorher war er der Herr des Weltalls gewesen, und nachdem er der Gefangene S apors geworden, wurde er das Spiel der wilden und übermüthigen Launen desselben; mit Ketten beladen, aber doch immer mit dem kaiserlichen Purpur bekleidet, um seine Schmach zu vermehren, mußte er seinem Ueberwinder überallhin folgen. Auf das erste Zeichen Sapors mußte sich Valerian auf die Kniec werfen, sich krümmen, und dann dienten die Schultern eines römischen Kaisers dem Perserkönige, wenn er zu Pferde stieg, zu einem Fußschemel. Wer möchte nun bei diesem schmachvollen Anblicke nicht ausrufen: O Erniedrigung, o Herabwürdigung der römischen Größe! — Und ich rufe aus, da ich deine Seele in der Sklaverei des Teufels sehe: „O ehemaliges Kind Gottes, nunmehr aber herabgewürdigter Sklave!" Fr. Jnwieferue tödtet die Todsünde unsere Seele? Antw. Sie tödtet unsere Seele dadurch, daß sie ihr das Leben, nämlich die Gnade Gottes raubt und sie in die ewige Verdammniß stürzt. Belehrung. Durch die Todsünde verliert die Seele ihr Leben, die Gnade Gottes, welche das Leben unserer Seele ist, ebenso wie die Seele das Leben unsers Leibes ist. „Ach," sagt der heilige Augustin, „du beweinest einen Leib, den die Seele verlassen hat; eine Seele aber beweinest du nicht, von der sich Gott mit seiner Gnade zurückgezogen hat!" So tödtet also die Todsünde unsre Seele, und gerade deßwegen heißt die schwere Sünde eben Todsünde, weil sie die Seele des geistlichen Gnadenlebens beraubt, wie dieß Gott der Herr selbst (bei Ezechiel 18, 20.) ausspricht mit den Worten: „DieSeele, welche sündigen wird, soll sterben." — Und die nächste Folge davon ist, daß die Todsünde Gottes Zorn und Strafgerichte, ja, selbst die ewige Verdammniß über denSünder herabzieht. Mit welch furchtbaren Zügen ist diese Wahrheit nicht eingeschrieben in der Geschichte des Himmels und der Erde! Wodurch wurden die Engel des Himmels herabgestürzt aus ihrer Herrlichkeit in den Abgrund der Hölle? War nicht die Todsünde schuld an ihrem furchtbaren Sturze? Warum ging 781 Am Feierabende die ganze Welt zu Grunde durch die Sündfluth? warum Sodoma und Gomorrha durch einen Feuerregen? Die Todsünde war es, die all dieses Verderben anrichtete im Himmel und auf Erden, und die Todsünde ist es auch noch heut zu Tage, die jede Seele, welche ihr huldigt und in ihr verharrt, tödtet und in die ewige Verdammniß stürzt, um sie da zu martern mit ewiger Qual. (Sieh das vorausgehende Bild!) Legende: Der heilige Franziskus Xaverius, Apostel von Indien und Japan (si 1552). UWM Dieser große Diener Gottes, dessen Fest die Kirche heute feiert, fürchtete keine Gefahr und kein Hinderniß auf Erden; denn ausgerüstet mit der Gnade von Oben, fühlte er sich stark genug gegen seine Feinde; nur Eines fürchtete er, nämlich die Todsünde; denn er erkannte gar wohl ihre furchtbaren Folgen. — Franz Xaver wurde von hochadeligen Eltern auf dem Schlosse Xavier im Königreiche Navarra i. I. 1506 geboren. Schon im elterlichen Hause schöpfte er jene Borliebe für Religion und Tugend,, welche die Grundlage seiner Vollkommenheit bildete. Unter der Leitung des heiligen Ignatius machte er schnelle und große Fortschritte sowohl auf der Bahn des gottseligen Lebens, als in den geistlichen Wissenschaften. Im Jahre 1537 empfing er die Priesterweihe und legte darauf mit seinen Genossen das Gelübde der Keuschheit und der Armuth, und später in Rom das des Gehorsams ab. Als ihn der Papst i. I. 1541 zum apostolischen Nuntius in Indien ernannt hatte, reiste er unter Begleitung zweier Ordensmänner dorthin ab. Der traurige Zustand, in dem die Religion in dem Lande seines neuen Wirkungskreises sich befand, preßte ihm viele Thränen aus, entflammte aber auch mächtig seinen Eifer. Er gab sich besonders Mühe, die Jugend des 4. Dezember. zur Gottseligkeit heranzubilden. Und es gelang ihm auch, in den Gemüthern der Kleinen lebendige Gefühle der Gottesfurcht anzuregen, so daß die ganze Stadt (Goa) über die Eingezogenheit und Andacht derselben staunte. Auf solche Weise kam bald Ordnung und Zucht wieder in die Familien zurück. Ebenso segensreich war sein Wirken auf der sogenannten Fischerküste, über sechshundert Meilen von Goa entfernt. Dort wurde er, wie einst die Apostel, mit der Gabe der Sprachen begnadigt. Zwei Todtenerweckungen, die Gott durch ihn geschehen ließ, machten einen solchen Eindruck, daß in wenigen Monaten das ganze Königreich Travancor den christlichen Glauben annahm. In Japan bekräftigte der Herr purch viele Wunder die Lehre seines Dieners. Auf seiner Reise nach China wurde er von einem heftigen Fieber befallen, dessen Uebel von Tag zu Tag sich verschlimmerte. Im Jahre 1552 gab er, sechsundvierzig Jahre alt, seinen Geist auf unter den Worten: „Herr, auf dich habe ich mein Vertrauen gesetzt, ich werde nicht zu Schanden werden." Gebet. O Gott, der du die Völker Indiens durch die Predigten und Wunder des heiligen Franziskus Xaverins deiner Kirche hast einverleiben wollen, verleihe uns gnädig, daß wir, indem wir seine glorreichen Verdienste verehren, auch die Beispiele seiner Tugenden nachahmen und die Todsünde mehr fürchten als alle Uebel der Welt, durch Christum, unfern Herrn. Amen. _ Dreihundertachtunddreißigstes Lesestück. Am Feierabende des 4. Dezember. Von der läßlichen Sünde und ihren Folgen. Fr. Ist es schon genug, wenn wir nur die Todsünde meiden? Antw. Nein; wir müssen selbst auch die läßliche Sünde meiden; denn auch sie ist eine Beleidigung Gottes. Belehrung. Ja, auch die läßliche Sünde ist eine Beleidigung Gottes. Ich will dir dieß, mein Christ! in einem Gleichnisse zeigen. Gesetzt ein Freund überhäuft dich mit Wohlthaten. Ohne Zweifel würdest du ihm dafür keine große Schmach anthun wollen; du würdest es verabscheuen, ihm nach den Leben zu trachten u. s. w. Allerdings! — Würde cs dem guten Freunde und Wohlthäter aber nicht auch schon wehe thnn, wenn du dir auch nur geringe Unhöflichkeiten und Nachlässigkeiten gegen ihn zu Schulden kommen ließest? wenn du ihn mit Kälte empfingest, so oft er dich besucht; dich gleichgiltig stellest, so oft er dir be- 782 Viertes Hauptstück. Von der läßlichen Sünde und ihren Folgen. gegnct? seine Befehle, seine Wünsche wenig beachtest? Heißt das nicht undankbar sein und den Wohlthäter beleidigen? Siehe, so handelt ein Jeder, der freiwillig eine läßliche Sünde begeht, gegen Gott, seinen größten Freund und Wohlthäter. Daher verabscheuten auch alle frommen Christen jede freiwillige läßliche Sünde. Beispiele und Anwendung. Maria Theresia, Gemahlin Ludwigs XIV., hatte ein sehr zartes Gewissen, Da sie in einen Fehler gefallen war, den sic sich oft mit Bitterkeit vorwarf, so wollte man sie trösten mit der Bemerkung, daß cs nur eine läßliche Sünde sei. „Was liegt daran," sagte sie, „Gott ist beleidiget, und das ist für mein Herz eine tödtliche Wunde." — Der berühmte Einsiedler Makarius von Aegypten hatte einst in seiner Jugend mit andern Kindern Jemanden Feigen entwendet und nur Eine davon gegessen. Doch alsbald erkannte er, was es heiße, Gott auch nur mit der geringsten Sünde zu beleidigen; er bereute seinen kindlichen Fehler so sehr, daß er ihn Zeitlebens beweinte. — So sehr verabscheuten und beweinten von jeher fromme und treue Diener Gottes selbst jede läßliche Sünde; denn sie erkannten, daß Gott auch schon durch sie beleidigt werde, und daß also dieselbe nicht ohne traurige Folgen für uns bleiben könne. Fr. Welche traurige Folgen begleiten gewöhnlich die läßliche Sünde? Antw. Die läßliche Sünde 1) schwächt und gefährdet das geistliche Leben in uns, und 2) zieht sie manche Strafen Gottes nach sich. Fr. Jnwiefernc schwächt und gefährdet sie das geistliche Leben? Antw. 1) Sie schwächt das Leben der Seele dadurch, daß sie viele Gnadengeschenke Gottes verhindert, 2) sie gefährdet dasselbe, indem sie uns nach und nach zu schweren Sünden führt. Belehrung und Beispiele. Die läßliche Sünde schwächt 1) das Leben der Seele ebenso, wie eine auch noch so unbedeutende Krankheit den Körper schwächt, indem sie uns manche Stärke von Oben vereitelt, viele Gnadengeschenke Gottes verhindert. „Die Todsünde ist vergleichbar mit dem Tode," sagt der heilige Laurentius Justinianus, „die läßliche Sünde mit einer Krankheit. Durch die Todsünde wird die Axt an die Wurzel des Baumes gesetzt, durch die läßliche Sünde gleichsam die Rinde des Baumes verwundet, wodurch er zu kränkeln anfängt." Und der heilige Franz von Sales schreibt: „Die läßliche Sünde zieht uns zwar nicht sogleich von dem Wege zu Gott ab; aber sie kann uns auf diesem Wege aufhalten." — Die läßliche Sünde schwächt aber nicht bloß das Leben der Seele, sondern 2) sie gefährdet es gar sehr, indem sie uns nach und nach zu schweren Sünden führt; denn „wer im Kleinen untreu ist, der ist auch untren im Großen." (Luk. 16, 10.) „Fliehet die kleinen Sünden," ruft uns der heilige Chrysostomus zu, „denn es entstehen große daraus." Betrachten wir z. B. ein eitles Mädchen; dieses fängt damit an, sich übermäßig zu schmücken; von der Eitelkeit in der Kleidung kommt sie dazu, ihren Augen mehr Freiheit zu gestatten. Die Freiheit der Blicke erregt im Herzen irgend eine Neigung, die vielleicht anfangs nicht fehlerhaft, aber doch zu zärtlich und gefährlich ist. Diese Neigung artet allmählig aus: es treten die höllischen Künste hinzu, und endlich gelangt man dahin, die Blüthe der Jungfrauschaft mit Füssen zu treten. Siehe, wie man durch läßliche Sünden herabstcigt, und endlich in den Abgrund stürzt! Fr. Was für Strafen Gottes zieht die läßliche Sünde nach sich? Antw. Zeitliche Strafen entweder in diesem oder im andern Leben. Belehrung. Die läßliche Sünde wird zwar nicht wie die Todsünde ewig bestraft; allein sie zieht doch zeitliche Strafen nach sich oft schon in diesem, gewiß aber jederzeit im andern Leben. Denn da wir wissen, daß nichts Unreines in den Himmel eingehen kann, so folgt von selbst, daß die Makel der läßlichen Sünde erst getilgt werden muß, bevor das Himmelsthor sich uns öffnet, indem der Herr spricht: „Ich sage euch, daß die Menschen über jedes Wort, 783 Am Feierabende des 4. Dezember. das sie reden, am Tage des Gerichts werden Rechenschaft geben muffen." (Matth. 12, 36.) Die läßliche Sünde wird also, wenn sie nicht in diesem Leben abgebüßt wird, nicht ohne schwere Strafen des Fegfeuers gereinigt, und gar manche Seele muß daher vielleicht einer läßlichen Sünde wegen im Reinigungsorte leiden. (Sieh das vorausgehende Bild!) Von diesem Feuer aber sagt der heilige Augustin, daß es zwar nicht ewig währet, aber doch empfindlicher schmerzet, als was immer der Mensch in diesem Leben leiden kann. — Oft aber straft Gott die läßlichen Sünden schon auf Erden, wie wir aus verschiedenen Beispielen sehen. Beispiele und Anwendung. Die Bethsamiten wurden mir dem Tode bestraft, weil sie sich auf die Bundeslade nur einen neugierigen Blick erlaubt hatten; ein Jsraelite wurde auf Befehl des Herrn gesteinigt, weil er an einem Sabbat ein wenig Holz gesammelt hatte; die Schwester des Moses wurde mit einem schmählichen Aussatze bedeckt und aus dem israelitischen Lager verbannt zur Strafe für eine eifersüchtige Empfindung, für ein Murren wider den heiligen Gesetzgeber; Moses selbst wurde eines bloßen Mißtrauens wegen vcrurtheilt, das dem Volke Gottes verheißene Land nur aus der Ferne zu sehen; David wurde wegen einer Regung zur Eitelkeit mit einer Pest bestraft, die ihm siebenzigtausend seiner Unterthanen raubte; — diese und noch tausend andere plötzliche und furchtbare Züchtigungen sind die Denkmale der göttlichen Strafgcrechtigkeit über eine Sünde, die uns etwas so Geringes scheint! Hüte dich daher, mein Christ! die läßliche Sünde je für etwas Unbedeutendes zu halten! Folge vielmehr dem Beispiele der heiligen Barbara, deren Andenken heute in der Kirche gefeiert wird, und die sich, als sie einmal Christum den Herrn kennen gelernt hatte, durch Nichts bewegen ließ, irgend eine Untreue oder auch nur läßliche Sünde wider denselben zu begehen. Legende: Die heilige Jungfrau und Märtyrin Barbara (f 316). konnte, vor den Stadtrichter, damit dieser gegen sie nach aller Strenge des Gesetzes verfahre. So sehr dieser alle Schmeicheleien anwendete, sie zum Abfalle vom Glauben zu bringen, so blieb die heilige Jungfrau doch taub dagegen. Jetzt ergrimmte der Richter und befahl die Heilige bis auf das Blut zu schlagen und dann in einen finstern Kerker zu werfen; jedoch wurde sie da in der Nacht auf wunderbare Weise geheilt. Der Wüthcrich ließ sie am folgenden Tage wider vor seinen Richterstuhl führen, und als sie bei dem Bekenntnisse ihres Glaubens beharrte, nach vielen Martern zur Enthauptung auf den Richtplatz abführen. Der unnatürliche Vater, welcher gefühlloser Zeuge der Marter seiner Tochter gewesen war, ging in der blinden Wuth so weit, daß er sich erbot, die Stelle des Scharfrichters zu vertreten, und daß er auch der Glaubensheldin wirklich den Todesstreich versetzte. Er wurde auf dein Rückwege nach seiner Behausung durch einen Blitzstrahl getödtet. Solches geschah i. I. 316. Diese Heilige war die einzige Tochter eines reichen, angesehenen und dabei sehr eifrigen Götzendieners zu Nikomedien, Namens Diosko rus. Als er nun merkte, daß seine Tochter eine besondere Vorliebe für die christliche Religion im Herzen trage, so gab er sich alle Mühe, sie von dem Umgänge mit den Christen ferne zu halten, und wies ihr deßhalb einen Thurm zur Wohnung an. Allein die edle Jungfrau fand Mittel und Wege, während der Abwesenheit des Vaters im Christenthume unterrichtet und getauft zu werden. Als Dioskorus nach seiner Rückkehr seine Tochter ver- ehlichen wollte, aber aus ihrer Erklärung, daß sie schon mit Jesu Christo vermählt sei, merkte, daß sie eine Christin wäre, gerieth er in Wuth, mißhandelte sie und führte sie, weil er ihre Standhaftigkeit nicht erschüttern Gebet. O Gott, der du der heiligen Barbara so großen Muth, den Glauben zu bekennen, verliehen hast, gib uns auf ihre Fürbitte die Gnade, im Glauben immer mehr zuzunehmen und jede, selbst auch die geringste Sünde zu meiden, durch Christum, unfern Herrn. Amen. 784 Viertes Hauptstück. Von den verschiedenen Gattungen der Sünde. Von den sieben Hauptsünden rc. Dreihundertneununddreißigstes Lesestück. Am Feierabende des 5. Dezember. Von den verschiedenen Gattungen der Sünde. Bon den sieben Hanptsünden, und zwar 1) von der Hoffart und 2) vom Geize. Fr. Was gibt es noch für besondere Gattungen von Sünden? Antw. Folgende: l) die sieben Todsünden, 2) die sechs Sünden wider den heiligen Geist, 3) die vier himmelschreienden Sünden, 4) die neun fremden Sünden. Fr. Wie heißen die sieben Hauptsünden? Antw. 1) Hoffart, 2) Geiz, 3) Unkeuschheit, 4) Neid, 5) Unmäßigkeit im Essen und Trinken, 6) Zorn und 7) Trägheit. Fr. Warum nennt man sie Hanptsünden? Antw. Weil aus ihnen, wie aus eben sovielen Hauptquellen, die andern Sünden entspringen. Belehrung. Wie das Haupt oder der Kopf den Körper leitet und ihm Bewegung gibt, ebenso geben die Hauptsündcn der Seele Bewegung, um die. andern Sünden zu begehen. Sie sind fast immer schwere oder Tod fände n, weil durch sie gewöhnlich eine schwere Pflicht verletzt wird gegen Gott, gegen uns selbst oder den Nächsten, oder wie der heilige Gregorius sagt: „weil man sich durch sie schwer an der Seele und schmählich am Leibe versündigt," am Leibe nämlich durch Unkeuschheit und Völlerei, an der Seele aber durch Hoffart, Neid, Geiz, Zorn und Trägheit. — Diese sieben Hauptsünden wollen wir nun einzeln erklären. Fr. Wie versündigt man sich durch Hoffart? Antw. Wenn man sich selbst unordentlich überhebt, Gott die schuldige Ehre nicht gibt und den Nächsten verachtet. Belehrung. Hoffart ist soviel als Hochfahrt; wer hochfahren, d. h. hoch hinaus will, der ist hoffärtig. „Die Hoffart ist die Begierde nach verkehrter Höhe," sagt der heilige Augustin; „man erhebt sich nämlich selbst gewisserinaffen zum Ursprung und verläßt jenen ewigen Ursprung, Gott, dem das Gemüth anhangen soll." Daher hat aber auch diese erste Hauptsünde gar viele andere Sünden, sowie zeitliches und ewiges Verderben in ihrem Gefolge. „Die Hoffart," sagt der heilige Gregor der Große, „ist die Fürstin und Königin aller Sünden. Vorzüglich werden aus ihr als der Mutter folgende bösartige Kinder geboren: Ungehorsam, Ruhmredigkeit, Gleißnerei, Streit, Hartnäckigkeit, Zwietracht und Vorwitz." Und der heilige Bernhard schreibt: „Aus der Hoffart entsteht: Vertrauen auf sich, Hintansetzung Gottes, Anmaßung und andere sündhafte Erzeugnisse der Seele," ach ja, nur zu oft Herrschsucht, Zank und Streit, Mißgunst, Grausamkeit, Unglauben und Ketzerei und sogar Haß Gottes. Wer kann wohl all die traurigen Folgen der Hoffart aufzählcn?! Daher „mißfällt aber auch keine Sünde dem Auge Gottes so sehr, als der Stolz," sagt wiederum der heilige Bernhard. „Dieser hat viele. Engel aus dem Himmel in die Hölle gestürzt und die ersten Menschen aus dem Paradiese vertrieben." Jederzeit widersteht Gott dem Hoffärtigen; und welch ein Verderben ist es, Gott zum Gegner zu haben! All dieses faßt der weise Sirach (10, 7. 15.) in die Worte zusammen: „Die Hoffart ist vor Gott und den Menschen verhaßt. Sie ist der Anfang aller Sünde; wer darin verharrt, wird mit Fluch überhäuft und zuletzt gestürzt." Beispiele und Anwendung. Diese ernste und traurige Wahrheit wird uns durch Beispiele in der heiligen Schrift sowohl, als auch im Leben bestätigt. Luzifer wollte Gott gleich sein; aber er ward mit seinem ganzen Anhänge I i 785 Am Feierabende des 5. Dezember. von: Himmel in die Hölle gestürzt. (Sieh das vorausgchendc Bild!) — Pharao sprach in seinem Stolze zu Moses: „Wo ist der Herr, dessen Stimme ich gehorchen sollte? Ich erkenne keinen Herrn über mir!" Und wie ward sein Stolz gestraft? Der Herr schickte über ihn und sein ganzes Land furchtbare Plagen, und Pharao fand endlich sein Grab in den Wellen des Meeres. — Nabuchodonosor, König von Babylonien, ließ sich durch seine glücklichen Eroberungen zum äußersten Hochmuthe verleiten; bald aber ereilte ihn die Strafe Gottes. Er wurde wahnsinnig und lebte lange unter den Thieren des WaldeS. (Dan. 5.) — Wer kennt nicht jenen stolzen Pharisäer, der im Tempel mit Verachtung auf den demüthigen Zöllner zurücksah und betete: „O Gott! ich danke dir, daß ich nicht bin, wie andere Menschen" rc. Was war die Folge hievon? Der demüthige Zöllner ging gerechtfertigt ans dem Tempel, der Pharisäer aber nicht; und so bewahrheitet sich stets der Ausspruch Christi: „Wer sich erhöhet, der wird erniedrigt werden." (Luk. 18, 14.) Wir sehen dieß auch aus folgender Begebenheit. Der heilige Cardinal Petrus Damiani erzählt von einem adeligen Herrn in Burgund, der, in eine Fehde verwickelt, am Tage vor dem Treffen der heiligen Messe anwohnte, wobei er die Worte im Evangelium vernahm: „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden." In seinem stolzen Uebermuthe vermaß er sich, laut darüber zu lästern. „Dieser Ausspruch," rief er, „ist nicht wahr. Hätte ich je mich selbst erniedrigt, so wäre ich nicht so hoch und mächtig geworden." Gleich in der nächsten Nacht gerietst sein feuriges Schlachtroß, das sich los gemacht, an einen Kübel voll Salz, wovon cs eine Menge verzehrte. Von Durst gequält, rannte es dann mit seinem Reiter aus dem Gewühle der Schlacht in einen Teich, aus dem es weder durch Sporn noch Zügel sich hcraustreiben ließ. Dadurch fiel der Reiter seinen Feinden in die Hände, die ihn schnell umzingelten und niederhieben. So lernte er, nur zu spät, die Wahrheit des Ausspruches kennen, den er geläugnct hatte, weil er ebenfalls nur in haltlosen Dingen, sogar in der Kraft seines Rosses, seine Herrlichkeit gesucht. Fr. Wie versündigt man sich dnrch Geiz? Ailtw. Wenn man Geld und Gut unordentlich sucht und liebt und gegen den Nothleidenden hartherzig ist. Belehrung. „Geizig ist also nicht nur Derjenige," sagt der heilige Augustin, „der fremdes Gut an sich reißt, sondern auch Der, welcher das Seinige begierig behält, und dem Armen Nichts mittheilt." — Der Geiz ist ein abscheuliches Laster; denn „er erfüllt," wie der heilige Basilius sich ausdrückt, „den Wald mit Räubern, die Häuser mit Dieben, die Familien mit Unzufriedenen, die Jahrmärkte mit Betrug, die Gerichtsstuben mit falschen Eiden, die Hütte der Unschuld mit Noch und Elend, die Augen der Waisen Mehler, Hausbuch. mit Thränen, das Herz der Wittwe mit Seufzern, die Gefängnisse mit Verbrechern und die Hölle mit Verdammten." Ja, der Geizige ist jeder Sünde fähig; er ist hartherzig gegen Arme und Unglückliche, lügenhaft, meineidig, diebisch, betrügerisch, voll Sorge für das Zeitliche; er läßt sich zu Wucher und Simonie, zum Verrathe und selbst zum Morde gebrauchen. Daher schreibt schon der weise Sirach (10, 10.): „Nichts ist größeres Unrecht, als das Geld lieb haben; denn wer Solches thut, hat selbst seine Seele feil." Und der heilige PauluS (1. Tim. 6, 9.): „Die reich werden wollen, fallen in Versuchung und in die Fallstricke des Teufels und in viele unnütze und schädliche Begierde», welche die Menschen in Untergang und Verderben stürzen." — Und welch ein unglückliches Leben führt nicht der Geizhals! Er hat keine Ruhe! fortan quält ihn die Geldgier; er gönnt weder sich noch Andern Etwas und ist also nutzlos für die Welt und den Himmel. „Der Geizige gleicht einem Schweine," sagt der heilige Bona Ventura, „das, so lange cs lebt, zu Nichts taugt, sondern erst, wann eS stirbt; dann nehmen die Teufel dem Geizigen die Seele, die Würmer den Leib, und die lachenden Erben die Neichthümcr." Beispiele und Anwendung. Wie abscheulich und verderblich das Laster des Geizes sei, sehen wir an König Ach ab und seiner Gemahlin Jezabcl. Diese suchten aus Habsucht Naboth's Weinberg an sich zu bringen. Zu welchen Verbrechen ließen sie sich dadurch nicht verleite»? Sie ließen den unschuldigen Naboth fälschlich anklagen, zum Tode verurthcileu und steinigen. (3. Kon. 21.) — Judas ließ sich von der Geldgier verleiten, seinen Herrn und Meister zu verrathen und an seine Feinde um dreißig Silberlinge zu verkaufen; und die traurigen Folgen hievon — wer kennt sie nicht? So straft Gott der Herr den Geiz. — Im Jahre 1845 starb in Limoges ein achtzigjähriger Greis ans einer hohen und alten Familie, welcher vielleicht das merkwürdigste Beispiel von Geiz gegeben hat, das seit Erschaffung der Welt gesehen worden ist. Obgleich unverehelicht und ohne andere als entfernte Verwandte, die selbst reich waren, lebte er in seiner alten Wohnung, die er zusammenfallen ließ, auf die schmutzigste Weise. Da er sich stets wie ein unglücklicher Bettler nährte, da er bei den Tändlern nur eckclhafte Kleidungsstücke kaufte, die ihn kaum bedeckten, da er für Arme niemals einen Heller verwendete, so war er ungeachtet seiner unermeßlichen Kapitalien und großen Besitzungen der Gegenstand der öffentlichen Verachtung. Er starb, ohne daß ihm Jemand Anderer in seiner letzten Stunde beistand, als eine alte, unwissende und schwache Dienerin. Er verlangte nach keinem Priester, da er dessen Gegenwart fürchtete. — Nach seinem Tode fand man — wer möchte es glauben, wenn nicht eine ganze Stadt Zeuge davon wäre? — mehr als einhundertsechzigtansend Franken, die in 99 786 Viertes Hanptstück. Von den sieben Hauptsünden: 3) von der Unkeuschheit, 4) vom Neide, 5) von der Unmäßigkeit. Golv- und Silberrollen, bisweilen mit Blei zugesiegelt, an verschiedenen Orten, in der Mauer, unter den Steinen dieses verfallenen Gebäudes vergraben lagen! — Siehe, so lebt und stirbt der Geizhals. Welch ein elendes Leben, und welch ein schrecklicher Tod! Legende: Der heilige Erzbischof Petrus Chrysologus (ch um 550). Ganz anders hingegen lebte und starb der heilige Petrus Chrysologus, dessen Fest wir heute begehen; denn er war ein Feind aller Hoffart und alles Geizes; vielmehr übte er gerade die entgegengesetzten Tugenden der Demuth und der Freigebigkeit gegen die Armen in einem besondern Grade; daher gelangte er auch zu der erhabenen Würde eines Erzbischofs zu Navenna. Besonders berühmt war dieser Heilige durch seine ausgezeichnete Beredsamkeit, weßhalb er auch den Beinamen „Chrysologus" erhielt; dabei war er aber auch zugleich ein eifriger, um die Wohlfahrt seiner Heerde besorgter Hirte und ein mnthiger Kämpfer für die katholische Wahrheit: denn er vertheidigte mit Eifer und Gelehrsamkeit die Lehre der Kirche gegen die Irrlehre des Eutyches, und starb reich an Verdiensten um das Jahr 550 in seiner Vaterstadt Jmola. Gebet. Wir bitten dich, o Gott! erfülle unsere Herzen mit Abscheu gegen die Sünde der Hoffart und des Geizes und gib uns deine Gnade, damit wir nach dem Beispiele des heiligen Petrus Chrysologus die Tugend der Demuth und christlichen Freigebigkeit üben — durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihmldertundliierzigstes Lesestück. Am Feierabende des 6. Dezember. Von den sieben Hauptsünden, und zwar 3) von der Unkeuschheit, 4) vom Neide und 5) von der Nmnäßigkeit. Fr. Wodurch begeht man die dritte Hauptsnnde, die Unkenschheit? Antw. Man begeht diese Sünde, wenn man sich nnehrbare Gedanken, Begierden, Worte oder Werke er- lanbt, welche die heilige Schamhaftigkeit verletzen. Belehrung. Da ohnehin von dieser Sünde schon beim sechsten und neunten Gebote Gottes ausführlicher die Rede war, so will ich dich, mein christlicher Leser! nur auf die hieher bezüglichen Lesestücke znrückweisen und dich bitten, daß du ja die Unkeuschheit wie eine Schlange fliehest; denn sie ist in Wahrheit eine Hauptsünde, die tausend andere im Gefolge hat; aus der Unkeuschheit entsteht ja Unlust am Gebete und an allem Guten, Vergnügnngs- und Zerstren- nngssucht, alle Gattungen schamloser Ausschweifungen und unnatürlicher Laster, Verführung der Unschuld, falsche Versprechungen und Eidschwüre, Diebstahl, Zerstörung der Gesundheit und des häuslichen Glückes, Feindschaft, Zweikampf, Selbstmord, Wahnsinn und Verzweiflung u. s. f. Darum fliehe sie! Fr. Wie versündigt man sich durch Neid? Antw. Dadurch, daß man dem Nächsten das Gute mißgönnt und traurig ist, wenn es ihm gut geht, aber sich freut, wenn es ihm übel geht. Belehrung. „Der Neid," sagt der heilige Franz von Sales, „ist eigentlich ein Schmerz oder eine Betrübnis; des Gemnthes über das Wohlergehen des Nebenmenschen, weil man sich cinbildet, seine eigene Wohlfahrt werde dadurch vermindert." Wie abscheulich ist nicht das Laster des Neides! Denn „den Nächsten beneiden um seine Tugend oder seinen Wohlstand heißt, an ihm hassen die Verdienste oder die göttlichen Wohlthaten, zum eignen Uebel fremdes Gut verkehren, von dem Wohlergehen der Edlen sich quälen lassen, die Ehre Anderer sich zur Pein machen und an der eigenen Brust Ouälgeister anstellen, die Einen zerfleischen bis auf die Eingeweide," also sagt der heilige Cyprian. Der Neid ist ein wahrhaft teuflisches Laster; daher heißt es im Buche der Weisheit (2, 24—25.): „Durch den Neid des Teufels ist der Tod in die Welt gekommen; und die ihm angehören, ahmen ihm nach." Und der heilige Basilius schreibt: „Der Neid ist ein unerträgliches Uebel, ein Lehr- Am Feierabende des 6. Dezember. 787 stück der Schlange, eine Erfindung der bösen Geister." — Dieses abscheuliche Laster ist aber auch höchst verderblich; denn es bringt Verderben über Den, der mit demselben behaftet ist. „Neid und Zorn verkürzen die Lebenslage," sagt der weise Sirach, (30, 26.) und in den Sprüchw. (14, 30.) heißt es: „Knochenfäulniß ist der Neid." „Er verzehrt das Herz," sagt der ehrwürdige Ludwig von Granada, „härmt den Körper ab, quält den Geist, stört die Ruhe des Gewissens, erfüllt das ganze Leben mit Mißmuth und Traurigkeit und verscheucht jede Freude aus der Seele. Gleichwie der Wurm das eigne Holz, dem er sein Entstehen verdankt, zerfrißt, so nagt auch der Neid am eignen Herzen, das ihm Zutritt gestattet." Der Neid bringt aber auch Verderben über den Nächsten, er stiftet überall nur Unheil und Verderben; er erzeugt Undankbarkeit und Murren gegen Gott, Verblendung und Verleumdung, Haß, Rachgierde, List und Tücke, Verfolgungssucht und Mord. „Der Neid," schreibt der heilige Chrysologus, „stürzte den Engel aus dem Himmel und verjagte den Menschen aus dem Paradiese. Der Neid benetzte zuerst die Erde mit Bruderblut; der Neid trieb die Söhne Jakobs an, ihren Bruder zu verkaufen ... der Neid strebte (furchtbarer Gedanke!) nach dem Blute Jesu und erreichte sein Ziel!" Beispiele und Anwendung. Der Teufel war der Erste, der vom Neide erfüllt war. Mit neidischem Auge blickte er hin auf die Glückseligkeit der ersten Menschen im Paradiese. Er verleitete sie zur Sünde und brachte so über sie den Tod. Daher heißt es: „ Durch den Neid des Teufels ist der Tod in die Welt gekommen." (Weish. 2, 24.) — Der gottlose Kain sah, daß das Opfer seines frommen Bruders Abel dem Herrn angenehm sei; darüber regte sich in ihm der Neid; er lockte den guten Bruder hinaus auf das Feld und erschlug ihn. (Sieh das nebenstehende Bild!) Joseph, der Sohn des Patriarchen Jakob, war voll Unschuld und Liebenswürdigkeit und cbendcßwcgcn der Liebling seines Vaters. Wegen dieser seiner Vorzüge beneideten ihn nun seine Brüder und verkauften ihn an die Jsmaelitcn. — Die Pharisäer nnd Hohenpriester bemerkten es mit Unwillen, wie der göttliche Heiland unter dem Volke immer mehr Liebe und Anhang fand. Dies; erregte in ihnen Neid und Eifersucht; und so ward der unschuldige Jesus „ nur ans Neid in die Hände des Pilatus überliefert" und zum Tode verurthcilt. So weit geht die Bosheit und das Verderben des Neides! — Aber der Neid schadet nicht nur Andern, sondern auch sich selbst. Als einstmals in den Vorsälen Kaiser Friedrichs gelegentlich die Frage aufgeworfen wurde: „welches Mittel für das Auge und die Sehkraft am Wirksamsten wäre?" entschied sich der Eine für den blauen Amethyst, der Andere für grüne Gläser, ein Dritter pries verschiedene Kräuter; allein Jakobus Sanazar, ein berühmter spanischer Arzt, von dem man die verlässigste Auskunft erwartete, nahm das Wort und sprach: „Es gibt kein wirksameres Mittel für die Sehkraft, als den Neid; denn dieser bewirk:, daß man alle Dinge größer sieht, als sie wirklich sind. Und welcher Landmann bemerkt nicht, daß die Saat auf dem Felde seines Nachbarn besser stehe, als auf seinem eigenen? Welches eitle Mädchen beobachtet nicht, daß die Nächste neben ihr glänzender geschmückt sei? welcher Scheelsüchtige wird nicht darüber klagen, daß seine Mitbürger, wiewohl ohne Verdienst, weit mehr vom Glücke begünstiget werden, als er?" — Auf solche Weise quält sich der Neidische immer nur selbst und verbittert und verkürzt sich so das Leben. Eine Bäuerin besaß ein schönes Gut und viel Vieh, und doch beneidete sie immer Andere. Abends, wenn das Vieh von der Weide kam, stellte sie sich unter die Hausthürc und ärgerte sich gewaltig, wenn sie eine schöne Kuh Vorbeigehen sah, die ihrem Nachbar gehörte. Sah sie auf fremden Feldern guten Flachs, so rief sie voll Aerger: „Andern gc- räth Alles, mir Nichts!" — So ärgerte und quälte sie sich unaufhörlich. Deßhalb war sie auch immer kränklich und starb in ihren besten Jahren am Gallen sieb er, als kurz zuvor eine Nachbarin hundert Thaler geerbt hatte. — So straft der Neidische sich selbst. Fr. Wie versündigt man sich durch Unmäßigkeit im Essen und Trinken? Antw. Wenn man zu viel ißt nnd trinkt oder zur Unzeit nnd unordentlicher Weise nach Speise nnd Trank verlangt. Belehrung. Fraß und Völlerei oder Unmäßigkcit im Essen und Trinken ist wirklich eine Hauptsünde; denn sie ist die Quelle zahlloser Sünden und Verbrechen. Oder wer kennt nicht die traurigen Folgen der Unmäßigkeit? Die heilige Schrift schildert sie uns mit lebhaften Farben, die 99 * 788 Viertes Hauptstück. Bonden sieben Hanptsnnden: 3) vonderllukeuschheit, 4)vom Neide, 5) von der Unmäßigkeit. Erfahrung lehrt uns dieselben zur Genüge; sie beide sagen es uns, daß aus der Unmäßigkeit Verschwendung und Ar- muth, Zerstörung des häuslichen Friedens und Wohlstandes, Müssiggang, garstige Reden, unehrbarc Possen und Scherze, Ehebruch, Unzucht, Fluchen und Schimpfen, Nausen und Schlagen und selbst Mord entstehe. „Auf den Genuß vieler Speisen," sagt Sirach (37, 33—34.), „folgt Krankheit, und die Freßlust führt zur Cholera. Wegen Unmäßigkeit sind schon Viele gestorben." In den Sprüchw. (23, 33.) heißt eö: „Der Wein schleicht lieblich hinunter; aber zuletzt sticht er wie eine Schlange und gießt sein Gift aus wie ein Basilisk." Und wiederum (21, 17.): „Wer das Wohlleben lieb hat, wird arm sein." Daher ermahnt der Apostel die Ephesier (5, 18.): „Berauschet euch nicht mit Wein, worin Ausschweifung liegt," und nur zu wahr sind die Worte des heiligen AugustinuS: „Die Unmäßigkeit ist die Mutter aller Vergehen und der Inbegriff aller Misse- thaten. Sie ist die Wurzel der Verbrechen und der Ursprung der Laster; sie verwirrt Kopf, Sinne und Sprache und stürmt auf den ganzen Körper verderbend ein; sie ist der Schifsbruch der Keuschheit, eine Verschwenderin der Zeit... die Verderberin der Seele;" denn „unmöglich kann Derjenige," wie der heilige Bernhard beifügt, „einen Geschmack am Himmel haben, der zuviel Geschmack an Speisen hat." Beispiele und Anwendung. Wahrlich, mit der Unmäßigkeit sind beinahe alle Laster verbunden; ganz richtig hat daher einst Kaiser Friedrich IV. auf die Frage, warum er den Wein und die Trunksucht so sehr haße, die Antwort gegeben: „Weil alle Laster darin verborgen liegen." Es gibt keine Krankheit auf Erden, die so viel Unheil und Verderben in der Welt anrichtet, als die Unmäßigkeit. O wie Viele sind durch sie zeitlich und ewig zu Grunde gegangen! Schon Adam und Eva stürzten dadurch, daß sie von der verbotenen Frucht assen, sich und uns in's Verderben. — Durch Gefräßigkeit wurden die Israeliten in der Wüste zur Abgötterei verleitet und zogen sich die schrecklichsten Strafen zu. — Von den Zeitgenossen Noes sagt der göttliche Heiland: „Sie assen und tranken bis auf den Tag, wo Noe in die Arche ging, und die Wasserfluth kam über sie." (Luk. 17, 28.) — Loth beging in der Trunkenheit, ohne daß er es wußte, das Verbrechen der Blutschande, und ihn, den Sodoma nicht besiegt hatte, besiegte der Wein. — Geschah es ferner nicht bei einem Gastmahlc, daß Absalon seinen Bruder ermorden ließ (2. Kön. 13.), daß Balthasar die heiligen Gefässe, die sein Vater Nabuchodonosor aus dem Tempel zu Jerusalem abgeführt hatte, entweihte, wofür ihn auch sogleich Gottes Rache traf (Dan. 5.), und daß Herodes den heiligen Johannes seiner Leidenschaft opferte? (Mark. 6.)—Schwamm nicht Holofernes, als er vom Weine trunken war, durch einen Streich der Judith in seinem Blute? (Judith 13.) — Und wie erging es in der Ewigkeit dem reichen Prasser, der in seinem Wohlleben alles Mitleid für fremde Noth und alle Gedanken an Tod und Ewigkeit erstickt hatte? Er wurde in die Hölle begraben. — So ist also wahr, daß die Nu- Mäßigkeit den Menschen zeitlich und ewig zu Grunde richtet. Legende: Der heilige Bischof Nikolaus (t 327). Gegen diese drei Laster der Unkeuschheit, des Neides und der Unmäßigkeit kämpfte mit glühendem Eifer der heilige Bischof Nikolaus, dessen Fest heute in der Kirche gefeiert wird; besonders aber ließ er es sich angelegen sein, das erstere dieser drei Laster — die Unkeuschheit — aus seiner Diöcese zu verbannen, wie wir aus seiner Lebensgeschichte ersehen. St. Nikolaus, der einzige Sohn reicher und, was noch mehr ist, christlicher Eltern, in Kleinasien geboren, wurde an Geist und Herz trefflich gebildet und entschloß sich frühzeitig für den geistlichen Stand, worin er sich durch jegliche Tugend, besonders aber durch thätige Nächstenliebe und große Mildthätigkeit anszeichnete. Vorzüglich rühmt die Geschichte jene Wohlthaten, die er drei adeligen dürf Ligen Jungfrauen erwies, deren Vater, von äußerster Noth gedrückt, auf den unseligen Gedanken verfallen war, sie dem Laster preiszugeben, um durch sündhaften Gewinn sich und die Seinigen vom Hungertode zu retten. Sobald Nikolans dieß erfahren hatte, warf er zu wiederholten Malen in aller Stille so viel Geld in die Kammer des unglücklichen Vaters, als hinreichend war, den Jungfrauen zu anständigen Heirathen zu ver- 78!» Am Feierabende des 7. Dezember. helfen und so ihre Tugend zu reiten. Aus einem Kloster, in das er sich zurückgezogen, beriefen ihn die Bischöfe und Priester der Provinz zum Bischöfe von Mhra. Als solcher verdoppelte er die heilige Strenge seines Wandels und erfüllte alle Pflichten seines Oberhirtenamtes mit großer Thätigleit und Sorgfalt. Er wohnte auch der allgemeinen Kirchenversammlung zu Nicäa bei, um die Gottheit Jesu Christi gegen die Irrlehre des Arms zu vertheidigen, und ging endlich in die ewige Ruhe ein i. I. 327 nach den Worten: „Herr, auf dich hat gehofft meine Seele; nimm sie auf in deine Hände!" Gebet. O Gott, der du den heiligen Nikolaus durch unzählige Wunder verherrlicht hast, verleihe nns durch seine Verdienste und Fürbitte, daß wir alle Unkeuschheit, allen Neid und alle Unmäßigkeit verabscheuen und die entgegengesetzten Tugenden üben, durch Christum, unfern Herrn. Amen. DreihunderteiimMierzigstes Lesestück. Am Feierabende des 7. Dezember. Von den sieben Hauptsiinden, nnd zwar 6) vom Zorne und 7) von der Trägheit. Fr. Wann macht man sich der sechsten Hauptsünde, nämlich des Zornes schuldig? Antw. Wenn man über Das, was uns zuwider ist, sich erbittert, ungebürlich aufbraust, sich zur Rachsucht Hinreißen läßt. Belehrung. Zornig ist also Derjenige, dessen Gcmüth in eine unordentliche Aufwallung geräth über vermeintliches oder wirkliches Unrecht, und der in seinem Herzen Nach- gierde nährt. Der Zorn ist eine der abscheulichsten und verderblichsten Sünden. Schon der Heide Seneka nennt den Zorn einen „kurzen Wahnsinn." „Denn wie man den Wahnsinnigen," sagt er, „ an seiner verwegenen und drohenden Miene, an seiner traurigen Stirne, trotzigen Geberde, an seinem schnelleren Gange und seiner unruhigen Haltung erkennt, so auch den Zornigen. Es brennen und blitzen die Augen; es glüht das Angesicht; es wallt das Blut; es zittern die Lippen; die Zähne knirschen; die Haare stehen in die Höhe; die Hände ballen sich; die Füße stampfen; der ganze Körper ist aufgeregt. Wahrlich, eiu wildes Thier, kann nicht abscheulicher und schrecklicher sein, als der Zornige." Und welch' Unheil richtet der Zornige gar häufig in seiner Raserei nnd Zorneswuth an! „Kein Löwe, keine Schlange," sagt der heilige Chrhsostomus, „kann die Eingeweide so zerreißen, wie der Zorn, der gleichsam mit eisernen Klauen Alles zerreißt; denn er schadet nicht nur dem Körper, sondern zerstört sogar auch die Gesundheit der Seele. . . Der Zorn ist ein heftiges Feuer, das Alles verzehrt." Im Zorne sind schon die furchtbarsten Verbrechen verübt worden; aus dem Zorne entsteht Haß und Feindschaft, Streit und Zank, Fluch- nnd Schimpfwort«:, Schlägereien, Mord und Todschlag. Daher heißt es schon in den Sprüchwörtern (29,22.): „Ein zorniger Mann stiftet Hader und Zwietracht, und wer von heftiger GemüthSart ist, gcrälh leicht in Sünden." Und wiederum (27, 3.): „Schwer ist der Stein und schwer der Sand; aber des Thoren Zorn ist schwerer als beide." Beispiele und Anwendung. Der Mensch in der Zorneswuth gleicht in Wahrheit einem wilden Thicre. Mit Ungestüm fällt er den Gegenstand seines Zornes und Hasses an und freut sich, wenn er sich an seinem Verderben weiden kann. — So erzählt uns Aelian: ein Löwe sei einstmals auf der Jagd von einem Lanzenstich verwundet worden, und als nach Verlauf von mehr als einem Jahre Derjenige, der ihm diese Wunde bcigebracht hatte, in dieselbe Gegend als zu dem zahlreichen Geleite des Königs Juba gehörend, gekommen sei, habe ihn der Löwe von weitem erblickt, sich mitten durch die Menschenmenge, ohne sich von ihren Angriffen abhalten zu lassen, auf ihn losgestürzt und ihn in Stücke zerrissen. — Ein gleiches lang genährtes Rachcgcfühl habe ich selber an einem «Stiere bemerkt, der Diejenigen, von denen er verletzt worden war, wüthcnv verfolgte. — Wie diese wilden Thiere machen es auch die zornigen und rachsüchtigen Menschen, die, anstatt ihren Zorn durch Vernunftgründe zu mäßigen, wie es sich für sie schickte, sich lieber ihrer viehischen Wuth überlassen und einen größer» Ruhm darein setzen, dem unedleren Triebe, den sie mit den Thieren gemein haben, zu folgen, als der Vernunft, die ihnen eine Aehnlichkeit mit den Engeln gibt. Fr. Wie kann inan die letzte Hauptsünde, die Sünde der Trägheit begehen? Antw- Man kann diese Sünde begehen 1) durch die Trägheit überhaupt und 2) durch die geistliche Trägh eit insbesondere oder durch dieLauigkeit. Fr. Wie versündigt man sich durch die Trägheit überhaupt? Antw. Wenn man dem natürlichen Widerwillen gegen Mühe und Anstrengung nachgibt und seine Pflichten vernachlässigt. Belehrung. Dian nennt diese Sünde sonst auch A r- bcits scheue oder Müssiggang. Die traurigen Folgen dieser Sünde sind bekannt; aus ihr entstehen Versäumniß 7W Viertes Hauptstück. Von den sieben Hanptsündcn, und zwar 6) vom Zorne nnd 7) von der Trägheit. — her. Was geschah? Sein Blick fiel auf eine badende Frau; die Sinnlichkeit entbrannte, und David wurde ein Ehebrecher. Ach! wie wird's nun erst mit jenen großen Müssiggängcrn werden, die Tag und Nacht un- thätig umherschwärmen und als unnütze Pflastertreter nur ^1 auf Unheil und Verderben sinnen! — Fr. Wie versündigt man sich durch geistliche Trägheit oder Lauigkeit? Antw. Wenn man nachlässig ist im Dienste Gottes und in der Sorge für das eigene Seelenheil. Belehrung. Diese Art Trägheit ist nicht minder verderblich, als die crstere; denn aus der Lauigkeit entsteht Abscheu vor allen Religionsübungen, Verachtung des göttlichen Wortes und aller Gnadenmittel, Erbitterung gegen heilsame Ermahnungen, Weltliche, Unbußfcr- tigkeit, Unglaube. „Wie durch ein allmähliges Weichen des Grundes," sagt der heilige Kassian, „oder durch ein langes, wenn auch unmerkliches Eindringen des Wassers zuweilen der Sturz großer Gebäude herbeigeführt wird: ebenso wirft ein allmähliges Nachlassen des Eifers und die immer mehr überhand nehmende Lauigkeit die größten Kolosse der Vollkommenheit zur Erde nieder." Daher spricht Gott der Herr zu allen Lauen das furchtbare Wort: „ O daß du kalt wärest oder warm! Weil du aber lau bist und weder kalt noch warm, so werde ich dich auSspeicn aus meinem Munde." (Offenb. 3, 16.) Führwahr, der Laue kann Gott dem Herrn kein Gegenstand des Wohlgefallens sein; er darf also auch nicht auf den Himmel und die ewige Seligkeit rechnen; denn „das Reich Gottes kommt nicht zu den Schlafenden," sagt der heilige Leo, „und die ewige Seligkeit ist Denen, die vor Müssiggang und Trägheit ganz starr sind, nicht versprochen!" Beispiel und Anwcnduug. Das Verderben der Lauheit zeigt sich an dem unglückseligen Euprepian. Dieser lebte viele Jahre in einem Kloster und war in demselben ein Spiegel aller religiösen Tugenden. Er war eifrig im Gebete, unermüdet in Abtödtungcn, bereit zum Gehorsam, sehr genau in Beobachtung der Regeln. Zweimal wurde er um des heiligen Glaubens willen eingekerkcrt, und blieb in Ketten und Banden standhaft. Zweimal wurde er von den Götzendienern schrecklich gegeißelt, und er erlitt die harten Streiche, er duldete die heftigen Schmerzen und vergoß eine Menge Blutes aus Liebe zu Jesus. Wer hätte bei einem so eifrigen Leben, bei einer so standhaften Tugend nicht eine beständige Dauer vermuthet? Wer hätte ihm nicht den Glanz einer großen Heiligkeit vorhergesagt? Und doch fiel Euprepian auf eine höchst traurige Weise. Wer konnte eine solche Säule der heiligen Kirche, die unter den heftigsten Stürmen der grausamsten Verfolgungen unbeweglich dastand, zu Boden werfen? der StandcSpflichtcn, Verarmung, Lüge, Betrug und viele andere Sünden der Ungerechtigkeit und Unkeuschheit. Daher sagt schon das Sprüchwort: „Müssiggang ist aller Laster Anfang," und bei Sirach (33, 20.) heißt es: „Der Müs- siggang lehrt viel Böses," und in den Sprüchw. (6, 11.): „Wer dem Müssiggange nachhängt, ist voll Armuth." Mit Recht bezeichnet sonach der heilige Chrysostomus die Trägheit als „die Mutter der Armuth und die Wurzel der Verzweiflung." Daher warnt uns die heilige Schrift nachdrücklich vor dieser Sünde mit den Worten: „Geh hin zur Ameise, du Fauler! uud betrachte ihre Wege und lerne Weisheit!" (Spr. 6, 6.) Beispiele und Anwendung. Der Müssiggang ist die Quelle aller Laster; „er ist die Schwindgrube unreiner Versuchungen," sagt der heilige Bernhard. In einem stehenden Wasser sieht man Nichts als Schlamm und Ungeziefer. So ist cs auch mit dem Menschen; ist er unthätig, so nehmen böse Gedanken seine Seele ein. Die selige Lid- wina ermahnte deßhalb ihre Freundinen: „Seid niemals müssig, Geliebteste! denn der Müssiggang ist die Schwindgrube und die Pflegemutter alles Bösen. Es steht geschrieben: Von der Arbeit deiner Hände sollst du dich nähren, so wirst du selig sein und wohl wird es dir gehen! Der Müssiggang lehrt den Menschen viel Böses (Sirach 33, 29.); er ist besonders ein Gift der Jungfrauschaft." — Während Moses die Spitze des Berges Sinai bestieg, saß das israelitische Volk müssig da, um zu essen und zu trinken; und was geschah? Sic machten sich ein goldncö Kalb, um es anzu- betcn. (Sich das obige Bild!) Der Müssiggang verleitete sie zur Abgötterei. — Der große König David, der Mann nach dem Herzen Gottes, glaubte, eS würde nichts Unrechtes sein, wenn er sich nach so vielen Regierungsgeschäften einige Stunden Muße gönne. Nach dem Essen begab er sich deßhalb auf die Altane seines Palastes, und schaute nnissig um- 7»1 Am Feierabende des 8. Dezember. Gerade die Lauheit. Sein Verlangen nach Vollkommenheit schläferte allmählig ein, sein Gebetseifer und die Tugendübungen ließen nach, kurz, er fing an rückwärts zu gehen, und indem er Schritt für Schritt zurückging, siel er endlich in den Abgrund der Todsünden, und was noch schlimmer ist, in den Abgrund des traurigsten Todes. — Siehe, so tief stürzt die Lauheit oft den Menschen! Darum fliehe diese Sünde, und sei stets bemüht, die entgegengesetzte Tugend der Arbeitsamkeit und des frommen Eifers zu üben, wie der heilige Ambrosius, dessen Fest am heutigen Tage begangen wird. Legende: Der heilige Erzbischof und Kirchenlehrer Ambrosius ('s- 397). Dieser wegen seiner unerschütterlichen Festigkeit, ungemeinen Erleuchtung und großen Heiligkeit berühmte Bischof und Kirchenlehrer war der Sohn eines römischen Statthalters. Zn Mailand betrat er die juristische Laufbahn, stand bald als ein ausgezeichneter Redner und Rechts- gelchrter da und erwarb sich die Achtung der angesehensten Männer. Als der Kaiser Valentinian ihn zum Statthalter mehrerer Provinzen ernannte, sagte Probus zu ihm: „Geh hin und verwalte dein Amt nicht wie ein Richter, sondern wie ein Bischof!" Als der bischöfliche Sitz von Mailand erledigt wurde, und die Arianer Einen von ihrer Partei darauf setzen wollten, begab sich Ambrosius, um Verwirrung zu verhüten, an dem Wahltage in die Kirche und ermahnte zur Ordnung; hatte aber noch nicht ansgeredet, als Plötzlich ein Knabe rief: „Ambrosius sei Bischof!" Die ganze Versammlung sah diese Stimme als einen Wink von Oben an und erwählte ihn wirklich zu ihrem Bischöfe. Ueberzeugt, es sei Gottes Wille, daß er die bischöfliche Würde anuehme, ergab er sich den Bitten des Volkes, empfing die heilige Taufe und acht Tage darauf die bischöfliche Weihe. Sanft, demüthig, seeleneifrig, unerschütterlich festhaltend an dem wahren Glauben, gebrauchte er sein Ansehen nur zum Glücke seiner Heerde und zum Besten der katholischen Kirche. Zweiunvzwanzig Jahre lang führte er den Oberhirtem stab mit aller Treue, bereicherte die Kirche Gottes mit vielen gediegenen Schriften und zierte das Haus des Herrn als glänzende Leuchte, als ihm sein nahes Ende geoffenbart wurde. Er entschlief ruhig im Herrn i. I. 397. Gebet. O Gott, der du deiner Kirche den heiligen Ambrosius als einen erleuchteten Lehrer und Vertheidiger gegeben hast, wir bitten dich um die Gnade, seiner Lehre und seinem Beispiele zu folgen, der du lebest und regirest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Dreihundertzweimidoierzigstes Lesestück. Am Feierabende des 8. Dezember. Von de» sechs Sünden wider den heiligen Geist, und zwar von den ersten drei. Fr. Was gibt es außer den sieben Hauptsünden noch für besonders schwere Sünden? Antw. Die sechs Sünden wider den heiligen Geist, welche deßhalb so heißen, weil man durch dieselben dem heiligen Geiste ganz besonders widerstrebt, indem man seine Gnade mit Wissen und Willen verachtet, zurückstößt und mißbraucht, wie die Juden zur Zeit Christi gethan haben, denen deßhalb auch der heilige Stephanus (Apstg. 7, 51.) zurief: „Ihr Halsstarrigen und Unbeschnittenen an Herz und Ohren! Ihr widerstrebet allezeit dem heiligen Geiste, wie eure Väter, so auch ihr." (Sieh das nachfolgende Bild!) Belehrung. Da diese Sünden aus besonderer Bosheit entspringen, indem man der göttlichen Gnade absichtlich das Herz verschließt, so sagt der göttliche Heiland: „daß sie weder in dieser, noch in der künftigen Welt vergeben werden" (Matth. 12, 32.), d. h. daß sie fast nie vergeben werden, weil fast nie wahre Buße darüber gewirkt wird. „Wenn man hin und wieder von einer Krankheit sagt, sie sei unheilbar, weil der Kranke so eigensinnig ist, die Kraft der Arznei zu Haffen, so gibt es gewisse Sünden, welche nicht nachgelassen werden, weil die damit Behafteten das eigenthümliche Rettungsmittel — die Gnade Gottes — zu- Viertes Hauptstück. Von den sechs Sünden Wider den heiligen Geist, und zwar von den ersten drei. 7U2 WZ » 1 * HM,' MM — r>L! MM rückstosscn." sNvm. Katech.) Wie sehr sollen wir daher nicht diese furchtbaren Sünden meiden! Fr. Welches sind die sechs Sünden wider den heiligen Geist? Antw. Folgende: l) Bermessentlich ans Gottes Barmherzigkeit sündigen, 2) an der Gnade Gottes verzweifeln, 3) der erkannten christlichen Wahrheit widerstreben, 4) seinen Nächsten nm der göttlichen Gnade willen beneiden, 5) gegen heilsame Ermahnungen ein verstocktes Herz haben, 6) in der Unbnßfertigkcit vorsätzlich verharren. Fr. Was heißt: „Bermessentlich auf Gottes Barmherzigkeit sündigen?" Antw. Es heißt: fortsündigen und böse bleiben wollen, weil Gott barmherzig ist. Belehrung. Welch' eine Bosheit! Die göttliche Barmherzigkeit, die uns eben zur Buße bestimmen sollte, benützt der Gottlose dazu, um immer freier fortzusündigen! „Und welch' eine Thor heit!" ruft der heilige Chrysostomus ans. „Man verläßt sich auf die Barmherzigkeit Gottes und denkt dabei: ES sind ja schon Viele zu Gnaden gekommen! Läßt sich denn etwas Thörichtcrcs denken? So trinke dann auch Gift oder schneide dir die Gurgel ab; denn eS sind schon Viele durch ein Wunder dem Tode entrissen worden! — Dn willst nicht, hältst dieß für einen Unsinn? Aber fortsiindigen und sich auf die Barmherzigkeit Gottes verlassen, ist noch unsinniger, weil mehr Todte zum Leben, als solche Vermessene zu Gnaden gelaugt sind." — Aeußerst liebevoll ermahnt uns daher der weise Sirach (5, 5 sf.): „Häufe nicht Sünde auf Sünde! Sage nicht: Die Barmherzigkeit ist groß; hätte ich auch eine Menge Sünden, so wird er sich über mich erbarmen! Denn seine Barmherzigkeit und sein Zorn (d. i. seine Gerechtigkeit) sind beide gleich schnell. Sein Zorn blickt auf die Sünder hin. Zögere nicht, dich zum Herrn zu bekehren, und verschiebe es nicht von einem Tage auf den andern; denn sein Zorn bricht plötzlich aus; zur Zeit der Rache wirb er dich vernichten." Beispiele und Anwendung. Dieser Sünde machten sich schuldig die Israeliten, die oft die Buße verschoben und auf Gottes Barmherzigkeit sündigten, bis die göttlichen Strafen sie ereilten. (Jerem. 5.) — Der gottlose und grausame König Antiochus verschob seine Besserung bis auf's Sterbebett; da rief er aus: „Nun gedenke ich des Bösen, das ich zu Jerusalem gethan." (1. Mach. 6,12.) — Allein es war zu spät; „der Gottlose konnte keine Gnade von Gott mehr erlangen." — Der berühmte englische Kanzler Thomas Morus pflegte oft, um vor dieser ver- Am Feierabende des 8. Dezember. '?!13 derblichen Sünde zu warnen, folgende Geschichte von einem leichtfertigen, ausschweifenden Christen seiner Zeit zu erzählen. Dieser Mann wurde von Thomas Morus selbst, sowie von andern Freunden oft und dringend gemahnt, daß es Zeit wäre, bessere Wege einzuschlagen; allein so viele Mühe sie auch anwandten, ihn zum Guten znrückzu- führen, so verachtete er doch hartnäckig alle diese freundlichen Warnungen und setzte höchstens nur seinen Lieblingsspruch entgegen, mit welchem er bei jeder Gelegenheit herauszurücken gewohnt war. „Wenn es," sagte er, „mit mir einmal zu Ende geht, so habe ich drei Worte nur nöthig, um die Vergebung der Sünden sammt der Seligkeit zu gewinnen; ich darf nur zu Gott, der ja so gütig und barmherzig ist, rufen: „Herr verzeihe mir!" — Aber nur zu bald ergab es sich, wie sehr er sich betrogen und verrechnet habe. Denn da er einst, sehr munterer Laune, über eine Brücke ritt, ward sein Pferd scheu und warf ihn so gewaltsam ab, daß er in die Mitte des reißenden Stromes hinabstürzte und rettungslos verloren war. Im Sturze aber, ehe ihn die Wellen verschlangen, hörte mau ihn rufen: „Hol' Alles der Teufel!" — So sterben nicht selten jene Unglücklichen, welche vermesscntlich auf Gottes Barmherzigkeit sündigen. Fr. Was heißt das: „An der Gnade Gottes verzweifeln?" Antw. Es heißt: Freiwillig alle Hoffnung aufgeben und es für unmöglich halten, daß wir je mehr Verzeihung unserer Sünden und die ewige Seligkeit erlangen können. Belehrung und Beispiele. Auch das ist eine schreckliche Sünde, die uns den Eingang in den Himmel verschließt; denn „wie uns die Hoffnung," sagt der heilige Isidor, „die Thüre in's himmlische Vaterland öffnet, so verschließt die Verzweiflung uns dieselbe." — Durch Verzweiflung sündigte Kain. Dieser Unglückliche hatte seinen Bruder umgebracht, das war ein großes Verbrechen; er konnte indessen Verzeihung dafür erwarten, weil es in den Augen der großen Barmherzigkeit unseres Gottes kein Verbrechen gibt, für das man nicht Vergebung finden könnte. Der Herr bot ihm seine Gnade an, wenn er auf seine Verzeihung hätte hoffen wollen; aber er schrie in seiner Verzweiflung und unter gräßlichem Heulen: „Meine Sünde ist zu groß, als daß ich Vergebung finden könnte." (1. Mos. IV. 13.) — Das war auch die Sünde des Judas. Dieser treulose Apostel hatte seinen göttlichen Meister verkauft und in die Hände der Juden geliefert. Der gute Meister wollte ihn durch die sanften Worte erweichen: „Wie? mein Freund! was hast du gethan? Du ver- ! rächst des Menschen Sohu durch einen Kuß?" (Matth. 26, 50; I Luk. 22, 48.) Aber statt daß er sich durch diesen zärtlichen i Dichter, Hausbuch. Vorwurf hätte rühre» lassen, gab er sich einer trotzigen Verzweiflung hin; er wirst den vcrhäugnißvollcn Preis für das Blut des Gerechten in den Tempel und geht hin und er hängt sich; er erdrosselt sich selbst und stirbt als Verworfener. O furchtbare Strafe der Verzweiflung! Fr. Was will das sagen: „Der erkannte» Wahrheit widerstreben?" Antw. Es will sagen: Die Wahrheit der christ liehen Lehre anerkennen und dieselbe doch nicht annch men, oder wenn man sie angenommen hat, nicht in Ausübung bringen. Belehrung. In Betreff dieser Sünde schreibt der heilige Paulus an die Hebräer: „Wenn wir freiwillig sündigen, nachdem wir die Kenntniß der Wahrheit erlangt haben, so bleibt unS kein Sühnopfer für die Sünde, sondern es wartet unser ein schreckliches Gericht und ein eiferndes Feuer, das die Widerspenstige» verzehren wird." (Hebr. 10, 26 — 27.) Und der heilige Ephrem schreibt: „Wer der göttlichen Wahrheit widerstrebt und über sie spottet, der macht sich zum Knechte des Teufels; uud weil er dem lästerlichen Willen gehorcht, so wird er die Freude nicht finden, welche den Dienern des Herrn bereitet ist." Beispiele und Anwendung. Die Pharisäer sahen die Wunder des göttlichen Heilandes und seiner Apostel; sie erkannten die Wahrheit und die wunderbare Macht der göttlichen Lehre; sie mußten ausrufen: „Was wollen wir mit diesem Menschen machen? Das Zeichen ist offenkundig, wir können es nicht läugnen re." nnv dennoch widerstrebten sie der anerkannten Wahrheit und verfolgten Christum und seine Apostel auf Leben und Tod. — Eben dieser Sünde machten sich auch die Juden schuldig. Als ihnen der heilige Stephanus jene begeisterte Rede hielt knirschten sie mit ihren Zähnen, hielten ihre Ohren zu, fielen über den heiligen Leviten her, warfen ihn vor die Stadt hinaus und steinigten ihn. — Aber auch in unfern Tagen ist diese Sünde, leider! gar nicht selten. Einem jungen Manne, der Katholik war, stand eine vortheilhaftc Verehelichung und Versorgung in Aussicht, nur sollte er Protestant werden. Wirklich entschloß er sich zu diesem gefährlichen Schritte. Als er seinen katholischen Pfarrer hievon in Kenntniß setzte, wurde er von diesem auf's Liebvollste belehrt und von seinem Schritte abgemahnt. Der Pfarrer glaubte ihn nach langem Zureden hinlänglich belehrt und überzeugt zu haben, uud fragte ihn, ob er noch bei seinem Entschlüße verharre. Der Jüngling erwiderte: „Ich sehe zwar die Wahrheit der katholischen Lehre ein, aber — ich kann ja doch mein Glück nicht auf's Spiel setzen!" So tauschte der Unglückliche für ein scheinbares irdisches Glück ewiges Elend und Verderben ein; sein Ehestand war schon auf Erden ein Wehestand — und welch Loos mochte ihn 100 794 Viertes Hauptstück. Von den sechs Sünden wider wohl in der Ewigkeit treffen, da er der anerkannten Wahrheit so hartnäckig Widerstand leistete?! — Möge uns Gott der Herr vor diesen schrecklichen Sünden bewahren, und Maria, die seligste Jungfrau, uns schützen, damit wir ja nie in eine solche Sünde fallen! stegende: Die unbefleckte Empfängniß Mariä. Zn dieser mächtigen Helferin und Beschützerin wollen wir daher ganz besonders heute unsere Zuflucht nehmen; denn am heutigen Tage feiert die heilige katholische Kirche das Fest der unbefleckten Empfängniß Mariä. Zu allen Zeiten herrschte innerhalb der Kirche die fromme Meinung, daß Maria unmöglich vom Gifthanche der Erbsünde könne berührt worden sein. Deßhalb sprach Papst Benedikt XIV. auch aus, daß sich die Kirche zur Meinung der unbefleckten Empfängniß Hinneige. In der neuesten Zeit brachten viele Bischöfe beim heiligen Stuhle die Bitte vor, man möchte hierüber eine gründliche Erörterung und eine Entscheidung einleiten. Papst Pius IX., ein ganz besonderer Verehrer der seligsten Jungfrau, holte nun die Ansichten und Meinungen der Bischöfe der ganzen katholischen Welt ein, und erkannte, daß zu allen Zeiten und an allen Orten die fromme Meinung von der unbefleckten Empfängniß sorgfältig erhalten und gepflegt worden sei. Er lud deßhalb alle Bischöfe des Erdkreises zu sich nach Rom ein, um unter Gebet durch noch genauere Berathnng die Frage zu erörtern. Am 8. Dezember 1854 waren nebst den Car- dinälen über vierhnndertvierzig Erzbischöfe, Bischöfe und Prälaten, über tausend Priester und gegen fünfzigtansend Gläubige ans allen Ländern in Rom versammelt. Da erklärte nun der heilige Vater Pius IX. kraft seiner höchsten Auktorität: „Es ist Glaubenssatz, daß die den heiligen Geist, und zwar von den letzten drei. allerseligste Jungfrau Maria im ersten Augenblicke ihrer Empfängniß selbst, durch einen besondern Vorzug und eine besondere Gnade Gottes, in der Kraft der Verdienste Jesu Christi, des Erlösers des Menschengeschlechtes, von jeder Makel der Erbsünde unbefleckt bewahrt wurde." Dadurch wurde der Verherrlichung Mariä die Krone aufgesetzt. Gebet. O Gott, der du durch die unbefleckte Empfängniß der seligsten Jungfrau Maria deinem Sohne eine würdige Wohnung bereitet hast, verleihe uns auf ihre Fürbitte, daß wir dir unfern Leib und unsere Seele stets unbefleckt bewahren, durch ebendenselben Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihundertdreiundvierzigstes Lesestück. Am Feierabende des 9. Dezember. Bon den sechs Sünden wider den heiligen Geist, und zwar von den letzten drei. Fr. Was heißt: „Den Nächsten nm der göttlichen Gnade willen beneiden?" ^ Antw. Es heißt: lieber die Gaben und Gnaden j Gottes, welche der fromme Nächste empfängt, Verdruß ^ schöpfen, ihn deßhalb hassen und verfolgen. ^ Belehrung und Beispiele. Das ist ein wahrhaft teuflischer Neid; daher steht auch geschrieben (Weish. 2, 24.): „Durch den Neid des Teufels ist der Tod in die Welt gekommen." — Man sollte gar nicht glauben, daß ein solches i Laster möglich wäre, und dennoch kommt cs, leider! gar häufig war. Schon im Paradiese wurde diese Sünde be- ^ gangen; durch sie ging das Paradies verloren. Der Satan beneidete nämlich unsre Stammeltern, weil sie bei Gott in Gnaden standen, und suchte sie deßhalb in's Verderben zu stürzen. — Kain sah, daß das Opfer seines Bruders dem Herrn angenehm sei; das entrüstete ihn, und er konnte den Abel aus Neid wegen der Gnade, die ihm Gott erwiesen hatte, nicht mehr ansehcn. Die Folge dieser Sünde war die Ermordung Abels. (1. Mos. 4.) — Die Hohenpriester und Pharisäer sahen die Wunder Jesu und den gesegneten Erfolg seiner göttlichen Lehre. Da wurden sie ans Gnaden- ueid durch eben Das aufgebracht, was sie rühren sollte, und beschlossen, ihn aus dem Wege zu räumen. — Auch den Aposteln erging es nicht bester, als ihrem Meister. Paulus j und Barnabas kamen nach Antiochia in Pisidien und ! 793 Feierabende predigten mächtig und bekehrten viele Heiden. An einem der Sabbate kam beinahe die ganze Stadt zusammen, das Wort zu hören. Als nun die Juden soviel Volk sahen, wurden sie voll Neid auf die Heiden und so voll Eifersucht, daß sie Dem, was Paulus vortrug, widersprachen und lästerten. (Apostelgeschichte 13, 44 — 45.) Fr. Was heißt ferner: „Gegen heilsame Ermahnungen ein verstocktes Herz haben?" Antw. Es heißt: Auf die Einsprechnngen Gottes, die er uns durch seine Diener im Worte Gottes, im Beichtstühle rc. oder durch andere fromme und wohlmeinende Mitmenschen auf was immer für eine Weise zukommen läßt, auf die Strafen und Prüfungen, durch die uns Gott vom Bösen abziehen will, nicht achten und fortsüudigen. Belehrung. Wer erkennt die Größe dieser Sünde nicht? Siehe, ein Fürst klopft an die Thüre eines armen Bettlers, um bei ihm einzukehren und zu bleiben, ist das ^ nicht die größte Ehre? Wenn nun der Bettler nicht öffnet, I ihm mit rauhen Worten begegnet, wird der beleidigte Fürst j nicht für immer von ihm weichen? Dasselbe Loos trifft des 9. Derembo,- eine Seele, die ihrem göttlichen Heiland, wenn er an die Thüre ihres Herzens klopft, (sieh das nebenstehende Bild!) nicht öffnet und die Einsprechnngen des heiligen Geistes verachtet. Daher spricht Gott der Herr (Jerem. 7.): „Sie haben mich nicht gehört, ihre Ohren nicht zu mir geneigt, sondern sie haben ihren Nacken verhärtet. Darum will ich sie verwerfen und sie nicht mehr als mein Volk erkennen." Beispiele und Anwendung. Aus zahlreichen Beispielen können und müssen wir das Verderben dieser Sünde ersehen. Noe baute über hundert Jahre lang an der Arche, um dadurch seinen Zeitgenossen Buße zu predigen; allein sie achteten nicht ans diese Predigt, blieben verstockt und gingen in der Sündfluth zu Grunde. — Die Israeliten achteten nicht auf die Mahnungen und Warnungen der Propheten; daher mußten sie oft Gottes Zuchtrnthe fühlen. (Jsai. 10.) — Pharao wurde oft von Moses gewarnt; cs wurden ihm die schwersten Strafen angedroht; allein er blieb verstockt, und so fand er sein Grab in den Wellen des Meeres u. s. f. — Auch aus dem Leben der Heiligen will ich noch ein Beispiel beifügen. Als der römische Feldherr Balazins heilige Einsiedler und Jungfrauen hatte schimpflich mit Geißelstreichcn mißhandeln lassen, schrieb der große Antonius ihm folgenden Brief: „Ich sehe den Zorn Gottes über dich kommen; höre auf, die Christen zu verfolgen, auf daß dich der göttliche Grimm nicht plötzlich ereile, der dir nahen Untergang droht!" Der Feldherr lachte über den Brief des heiligen Mannes; aber nach fünf Tagen starb er eines jämmerliche» Todes, zur Strafe seiner Sünden, Allen zum schrecklichen Beispiele, die die Worte eines heiligen Predigers verschmähen und gegen heilsame Ermahnungen ein verstocktes Herz haben. Fr. Was heißt endlich das: „In der Unbnß- fertigkeit vorsätzlich verharren?" Antw. Es heißt: Sünden auf Sünden häufen mit dem gottlosen Vorsatze, nicht Buße zu thun, un- rechtes Gut nicht znrückzugeben, in Haß und -Feindschaft fortlebcn und sterben zu wollen. Belehrung. „Wenn der Mensch," sagt der heilige Augustin, „seinen Sünden, von denen er durch heilsame Buße sich reinigen sollte, kein Ziel und Ende macht und nbcrdieß sich noch vornimmt, nie Buße thnn zu wollen, so ist er unbußfertig." Und welches LooS wird ihn treffen? Sirach (5, 9.) spricht cs mit den Worten auS: „Plötzlich kommt Gottes Zorn und wird zur Zeit der Rache ihn verderben." Beispiele und Anwendung. In dieser furchtbaren Sünde gingen die Einwohner von Sodoma und Gomorrha zu Grunde, indem sie bis zu ihrem Untergange ihr Sündenleben fortsctzten. — Saul achtete nicht auf die Mahnungen des Propheten Samuel und starb in Unbuß- fertigkcit. — So verharrten auch die Einwohner von 100 * Vieris. Von oier himmelschreienden Sünden. Jerusalem, nicht achtend auf Christi Warnungen und Thränen, in ihrer Unbußfertigkeit, bis endlich Gottes furchtbare Strafen über sie hereinbrachcn. Ach, wie unglücklich sind doch alle jene Sünder, die von Buße und Besserung des Gebens Nichts hören und Nichts wissen wollen! Als einst der römische Feldherr Marcellus die Stadt Syrakus eingenommen hatte, befahl er seinen Soldaten, alle Einwohner zu tödten, und nur den in allen Künsten erfahrenen Archi- medes zu verschonen. Die Soldaten fanden in einem Garten einen Greis, der sich damit beschäftigte, allerlei Figuren zu zeichnen. Dieser Greis war Archimedes, welcher so sehr in seine Arbeit vertieft war, daß er von Allem Nichts wußte, was um ihn her vorgegaugen. Auch von den Soldaten und ihrem Geschrei nahm er keine Kenntniß. Diese halten ihn für wahnsinnig und tödten ihn. — Du, o unbußfertiger Sünder, bist ein solcher Archimedes! Du hast Augen und siehst nicht; du hast Ohren und hörest nicht. Zu wiederholten Malen ist dir die Häßlichkeit und Strafbarkeit der Sünde geschildert worden; gar oft hast du die schrecklichen Drohworte des erzürnten und gerechten Gottes gegen die Sünder vernommen; indessen du fährst fort in deinen Sünden, als wenn du Nichts gehört hättest, und es keinen Gott und keine Hölle gäbe. Wie? wenn Plötzlich ein tödtlicher Streich auch dich träfe? Ach, dann würde cs heißen: „Nehmet ihn und bindet ihm Hände und Füße und werfet ihn hinaus in die äußerste Finsterniß, wo Heulen und Zähneknirschen sein wird!" Darum bitte ich dich, m. chr. Leser! kehre um, und zwar heute noch, auf daß der Abgrund der Hölle dich nicht verschlinge! Heute noch öffne dein Herz der göttlichen Gnade und folge dem erhabenen Beispiele, welches uns der heilige Bischof und Märtyrer Eusebius gegeben hat, dessen Andenken wir heute feiern, und der stets so bereitwillig der göttlichen Stimme Gehör gab. Legende: Der heilige Bischof und Märtyrer Eusebius (f 370). Dieser Heilige war der Sprößliug einer edlen Familie Sardiniens und wurde wegen seiner vortrefflichen Eigenschaften und Tugenden zum Bischöfe von Vercelli in Savoyen erhoben. Nach dem Zeugnisse des heiligen Ambrosius war er der Erste im Abendlande, welcher den weltgeistlichen mit dem ordensgeistlicheu Stande vereinigte. Er schloß sich nämlich mit dem ihm untergebenen Klerus in ein Haus ein, wo Alle gemeinschaftlich in Gebet und Abtövtung nach Art der Mönche lebten. Auf solche Weise entstand der Orden der regu- lirten Chorherren, aus welchem heilige Bischöfe und Priester hervorgingen. Der heilige EusebiuS nahm sich mit besonderm Eifer des von den Arianern verfolgten heiligen Athanasius an; deßhalb wurde auch er selbst von diesen Irrlehren: auf alle mögliche Weise gehaßt und mißhandelt, und vom Kaiser Constantius nach Scy- thopolis in Palästina verbannt, wo er oft Tage lang ohne Speise und Trank schmachten und überhaupt sehr Vieles leiden mußte. Nach dem Tode dieses Kaisers kehrte er jedoch wieder in seine Diöcese zurück und starb daselbst i. I. 370 eines heiligen Todes. Wegen der schweren Drangsale, die feinen Lebenslauf bezeichnen, wird er billig den Märtyrern beigezählt. Gebet. O Gott, der du dem heiligen Eusebius Muth und Kraft verliehen hast, den christlichen Glauben standhaft zu bekennen, stärke auch uns, damit wir treu nach unserm heiligen Glauben leben und unsere Herzen nie deiner göttlichen Stimme verschließen, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihundertliiernndvierzigstes Lesestiick. Am Feierabende des 10. Dezember. Von den vier himmelschreienden Sünden. Fr. Welche Sünden gehören ferner noch zu den schwersten und abscheulichsten? Ankw. Die vier himmelschreienden Sünden, welche deßhalb so genannt werden, weil sie durch ihre entsetzliche Bosheit gleichsam um Rache zum Himmel schreien und die göttliche Gerechtigkeit zur Strafe auffordern. Sie heißen: 1) Der vorsätzliche Todschlag, 2) die sodomitische oder stumme Sünde, 3) die Unterdrückung der Armen, Wittwen und Waisen und 4) die Vorenthaltung oder Entziehung des Liedlohns. 797 Am Feierabende des 10. Dezember. Fr. Wer begeht also die erste dieser himmelschreienden Sünden: den vorsätzlichen Todschlag? Antw. Ein Jeder, der absichtlich und widerrechtlich seinem Mitmenschen das Leben nimmt. Belehrung und Beispiel. Da von dieser furchtbaren Sünde schon im fünften Gebote Gottes ausführlich gehandelt worden ist, so mache ich hier nur auf das eine Beispiel in der heiligen Schrift aufmerksam, wo Gott selbst diese Sünde als eine himmelschreiende bezeichnet. Als nämlich Kain seinen Bruder Abel getödtet hatte, mußte der unglückliche Mörder aus dem Munde Gottes die furchtbaren Worte vernehmen: „Was hast du gethan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreiet zu mir von der Erde. Du sollst daher verflucht sein auf Erden, die ihren Mund aufgethan und das Blut deines Bruders von deiner Hand genommen!" (1. Mos. 4.) — Welch eine entsetzliche Sünde muß das sein, da das Straf- urtheil aus dem Munde der göttlichen Gerechtigkeit so furchtbar lautet?! Fr. Was versteht man unter der zweiten himmelschreienden Sünde, unter der stummen oder sodein iti scheu Sünde? Antw. Eine unnatürliche Vermischung zweier Personen einerlei oder verschiedenen Geschlechtes. Belehrung und Beispiele. Diese Sünde heißt 1) die stumme Sünde, theils weil man ihrer Abscheulichkeit wegen gar nicht von ihr reden sollte, theils weil Diejenigen, welche sie begehen, gewöhnlich stumm sind und sie nicht beichten. Sie heißt 2) die sodomi tische Sünde, weil sie von den Einwohnern von Sodoma begangen wurde. Sie forderten nämlich den Loth auf, die Fremden herauszugeben, indem sie riefen: „Wo sind die Männer, die zu dir des Abends gekommen sind? Führe sie heraus, daß wir sie erkennen" (Gen. 19, 5.) d. h. mißbrauchen, schänden. Der heilige Paulus rechnet diese Sünde unter die größten Laster, die je von den Heiden begangen worden sind, indem er schreibt: „Gott gab sie (die Heiden) den schändlichsten Leidenschaften preis; denn ihre Weiber gingen vom natürlichen Wege ab und schlugen einen unnatürlichen ein. Und so auch die Männer; sie verließen den natürlichen Gebrauch des Weibes, entbrannten in ihrer Geilheit gegen einander selbst, und Männer übten an Männern schändliche Dinge aus, und bekamen den verdienten Lohn ihrer Verirrung an sich selbst." (Röm. 1, 20 — 27.) — Im A. T. wurde Derjenige, welcher dieser Sünde überwiesen worden war, zum Tode verurtheilt. (3. Mos. 21, 13.) Ob der Furchtbarkeit dieser Sünde ließ Gott zur Bestrafung derselben über Sodoma und vier andere Städte der Landschaft Pentapolis Feuer vom Himmel fallen, um sie zu verzehren und dem höllischen Feuer zu überliefern, wie der heilige Apostel Judas (Jud. 7.) schreibt: „Alle diese Unglückseligen sind von diesem zeitlichen Schwefel- und Feuerregen in die verzehrenden Flammen der Hölle übergegangen." — Ach! wer schaudert vor dieser Sünde nicht zurück?! — Mit Recht heißt sie eine himmelschreiende Sünde; denn sie schreit wegen ihrer Abscheulichkeit zum Himmel; daher heißt es (Gen. 18, 20.): „Das Geschrei von Sodoma und Gomorrha hat sich gemehrt, und ihre Sünde ist sehr schwer geworden. Wir wollen diesen Ort vertilgen, weil sein Geschrei ist groß geworden vor dem Herrn." Fr. Wer macht sich der dritten himmelschreienden Sünde, der U nterdr ü ckn ng d er A rmen, W i ttw e n und Waisen schnldig? Antw. Vormünder und Pflegeeltern, Obrigkeiten und Richter, kurz alle Jene, welche gegen Arme, gegen Wittwen und Waisen ungerecht nud unbarmherzig handeln. Belehrung und Beispiele. Welch eine Hartherzigkeit verräth nicht diese Sünde! Daher spricht Gott schon durch Moses (2. Mos. 22, 22—24.): „Wittwen und Waisen sollet ihr nicht beleidigen; wenn ihr sie aber beleidiget, werden sie zu mir schreien, und ich werde ihr Geschrei hören; und mein Zorn wird ergrimmen, und ich werde euch mit dem Schwerte schlagen, und euere Weiber werden Wittwen sein und euere Kinder Waisen." — Und bei Sirach (35, 18—19.) heißt eS: „Fließen nicht die Thränen 798 Viertes Hauptstück. Von den der Wittwe die Wangen herab, schreiet sie nicht wider Den, der sie ihr auspreßt? Von ihren Wangen steigen sie bis zum Himmel empor." — Diese himmelschreiende Sünde beging Pharao gegen die armen Israeliten; er unterdrückte sie auf alle mögliche Weise und gab wider sie die grausamsten Gesetze, so daß Gott der Herr sprach: „Ich habe gesehen die Bedrängniß meines Volkes in Aegypten, und ich habe ihr Geschrei gehört über die Härte Derer, die den Arbeitern vorgesetzt sind, und ich kenne ihre Schmerzen und bin hinabgestiegen, daß ich sie errette aus den Händen der Aegyptier." — Diese Sünde beging auch König Achab und dessen Gemahlin Jczabel durch Unterdrückung Na- both's, dessen Weinberg sie ungerechter Weise an sich zu bringen suchten. (Sieh das vorausgehende Bild!) — Durch Unterdrückung der Armen und Wittwcn versündigten sich auch die Pharisäer. Daher rief ihnen Jesus zu: „Wehe euch, ihr Schristgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr die Häuser der Wittwen verprasset für die langen Gebete, die ihr betet! Ebendarum wird ein schweres Gericht über euch kommen." (Matth. 23, 14.) Fr. Auf welche Weise wird endlich die vierte hinnnelschreiende Sünde begangen: Die Vorenthaltung oder Entziehung des Liedlohns? Antw. Sie wird begangen, wenn man Handwerkern, Taglöhnern und Dienstboten den sauer verdienten Arbeitslohn entweder gänzlich entzieht oder vermindert, oder auch auf ungerechte Weise mit der Auszahlung desselben zögert. Belehrung. Ja, wahrlich das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit! „Der Baum lohnt die Arbeit und Pflege seines Herrn," sagt ein christlicher Lehrer, „durch reichliche Früchte; und du willst deinem Arbeiter, der des Tages Last und Hitze getragen, den verdienten Lohn entziehen?" Höre, was der heilige Apostel Jakobus (5, 4.) schreibt: „Siehe, der Lohn der Arbeiter, welcher von euch vorenthalten worden, schreiet, und ihr Geschrei ist zu den Ohren des Herrn der Hecrschaaren gekommen." Und schon im A. B. spricht der Herr (3. MoseS 19.): „Du sollst deinem Nächsten kein Unrecht thun, noch ihn drücken durch eine Gewaltthat. Der Lohn deS Taglöhners soll bei dir nicht bleiben bis an den Morgen." Und (5. Mos. 24.): „Du sollst dem dürftigen und armen Bruder seinen Lohn nicht versagen, und auch nicht dem Fremdling, der bei dir weilet im Lande und in deinen Thoren ist; sondern an demselben Tage sollst du ihm den Lohn seiner Arbeit geben vor Sonnenuntergang; denn er ist vier himmelschreienden Sünden. arm und erhält damit sein Leben: auf daß er nicht wider dich zu dem Herrn rufe, und dir's zur Sünde gerechnet werde." Beispiele und Anwendung. Diese himmelschreiende Sünde beging Laban an Jakob, indem er ihm trotz seiner Treue und seines Fleißes, womit er ihm zwanzig Jahre diente, hart begegnete, ihn eines Diebstahles beschuldigte, und Das, was durch Diebstahl wegkam, von ihm forderte; überdieß änderte er ihm zehn Mal den Lohn und suchte ihn noch zuletzt dadurch zu betrügen, daß er ihm anfangs nicht die Rachel, sondern die Lia zur Frau gab. — Die Abscheulichkeit dieser Sünde erkennend, warnte der fromme Tobias seinen Sohn vor derselben, indem er zu ihm sprach: „Wenn dir Jemand gearbeitet hat, so bezahle ihm sogleich den Lohn und halte ihm den Liedlohn nicht zurück, und der Lohn des Taglöhners bleibe durchaus nicht bei dir!" (Tob. 4, 15.) — Jusurannus, ein Sohn des Grafen Ludcrikus von Flandern, verschob es zur Zeit einer Hungersnoth, einen Korb voll Früchte zu bezahlen, den er einer armen Frau abgekauft hatte; wegen dieses Aufschubes aber starben die drei Kinder dieser unglücklichen Mutter. Ob dieses Verbrechens ließ nun der Vater seinem Sohne den Kopf abschlagen. So erzählt der heil. AlphonSLiguori in seinem Katecheten. Wohl nicht mit Unrecht verdient eine so große Herzlosigkeit auch eine so große Strafe. Verabscheuen wir daher vom Herzen all diese entsetzlichen Sünden und bitten wir Gott, er möchte uns jenen Geist der Liebe und Milde verleihen, durch welchen sich der heilige Papst Melchiades, dessen Andenken heute die Kirche feiert, in einem so hohen Grade ausgezeichnet hat. ende: Der heilige Papst und Märtyrer Melchiades (st 314). Dieser folgte dem heiligen Papst Eusebiusi. J.311 auf dem päpstlichen Stuhle nach. Er war gebürtig aus 79» Am Feierabende des 11. Dezember. Afrika und hatte während der Diokletianischen Verfolgung sehr viel zu leiden, weßhalb ihm der Name „Märtyrer" beigelegt wird. Mit allem Eifer kämpfte er gegen die Irrlehre der Manichäer und Donatisten; zeigte sich aber äußerst liebevoll und milde gegen die Verirrten und that alles Mögliche, um den Frieden der Kirche zu erzielen und zu sichern. Wegen dieses liebevollen und milden Benehmens lobt der heilige Augustin diesen edlen Vater der Gläubigen, indem er auSruft: „O des trefflichen Mannes! O des Sohnes deö Friedens! O des Vaters des christlichen Volkes!" >— Nach dritthalbjährigcr, gesegneter Amtsführung starb Melchiades zu Rom i. I. 314 selig im Herrn, und wurde im Friedhofe des heiligen Kalixtus begraben. Gebet. O Gott, der du uns so viele Beweise deiner Liebe gibst, verleihe uns auf die Fürbitte des heiligen Melchiades, daß auch wir gegen Andere liebvoll handeln und uns dadurch deiner Liebe immer würdiger machen, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihundertsünfundvierzigstes Lesestülk. Am Feierabende des 11. Dezember. Von den neun fremden Sünden, und zwar von den ersten drei, welche der wirklichen Sünde vorhcrgehen. Fr. Was gibt es außer den bereits besprochenen noch für Sünden? Antw. Die neun fremden Sünden, d. h. jene Sünden, die zwar von Andern begangen, aber auch uns als Mitschuldigen zugerechnet werden; denn „nicht allein Jene," sagt der heilige Paulus (Rom. 1, 32.), „die solches (Böses) thun, sind des Todes würdig, sondern auch die Denen Beifall geben, welche es thun." Fr. Wie kann man die neun fremden Sünden eintheilen? Autw. In folgende drei Klassen: 1) in solche, welche der wirklichen Sünde vorausgehen, 2) in solche, welche sie begleiten, und 3) in solche, welche ihr folgen. (Heute nur von der ersten Klasse!) Fr. Welche fremden Sünden gehen den wirklichen Sünden voraus? Antw. Folgende drei: l) Zur Sünde rathen, 2) Andere sündigen heißen, und 3) Andere zur Sünde reizen. Fr. Was heißt das: „Zur Sünde rathen? Antw. Es heißt Jemanden Anleitung geben, einen bösen Entschluß zu fassen oder auszuführen, mag es nun wirklich zur Ausführung kommen oder nicht. Belehrung und Beispiele. Wer durch vorgelcgte Gründe, durch Ermahnungen oder durch Bitten einen Andern zu Etwas zu verleiten sucht, was sündhaft ist, Der hat zur Sünde gerathen und hat gleichsam die nämliche Sünde, die er gerathen hat, selber begangen. Solch einen bösen Rath- gebcr machte Architophel, von dem wir im zweiten Buche der Könige 15. Kap. lesen. Dieser machte zu Hebron dem Ab solon die boshaftesten Vorschläge, wie er sich gegen seinen eigenen Vater David empören und ihn vom Throne stürzen könnte. Solch einen bösen Rath gab auch Kaiphas (Joh. 11.) dem hohen Rache, indem er zu den Priestern und Schriftgclchrtcn, die gegen Jesus schon aufgebracht waren, sagte: „WaS sollen wir thun? Es ist doch besser, daß Ein Mensch sterbe, als daß das ganze Volk von den Römern unterjocht werde." Auf diesen Nach hin wurde der unschuldige Jesus zum Tode vcrurtheilt und gckrcuziget. Und macht sich nicht auch heut zu Tage eine Menge Menschen dieser Sünde schuldig? Hört man nicht oft solche oder ähnliche Reden aus dem Munde der Leute: „Du, das darfst du nicht leiden, dein Ansehen steht auf dem Spiele, Dem darfst du nicht nachgeben, Den mußt du verklagen." Dicß ist gewiß ein sündhafter Rath; und wenn man auch beisetzt: „Ich will dir Nichts cinredcn, aber ich würde es nicht leiden," — so hat man dadurch die Verantwortung nicht von sich abgelehnt, sondern es ist gerade dadurch der böse Rath »och gesteigert worden, und die ganze Sünde, die daraus erfolgt, fällt Dem mit zur Last, der den Rath gegeben, und es macht dieß gar keinen Unterschied, ob der Andere auch ohne diesen Rath cs gethan haben würde oder nicht. — Andere sagen wieder: „Du mußt auf deine Eltern nicht aufmerken, sieh, du bist jetzt groß, hast selber schon Verstand; — geh' mit uns, laß deine Eltern reden, und wenn es ihnen nicht recht ist, so begehre auf gegen sie!" Wieder Andere sagen: „Ei, cs ist nicht Alles so sehr Sünde, wie die Geistlichen sagen; ein ehrsamer Tanz ist schon erlaubt, eine ordentliche Bekanntschaft darf man auch haben re. Machen cs die Andern auch so; sollten etwa die Alle verdammt sein? Mache also keinen Sonderling, lebe auch mit der Welt, man lebt ja nur einmal, die Jugend kehrt nicht wieder!" Solche Reden sind ein boshafter Rath, und alle Sünden, die daraus entstehen, hat auch der zu verantworten, der diesen Rath gegeben. Wie oft wird nicht solch böser Rath ertheilt? Gibt es nicht Eltern, welche 8l»> Viertes Hauptstück. Von den nenn fremden «üuden, und zwar von den ersten drei rc. ihren Kindern selber zur Sünde rathcn? O wie viel Unheil wird durch bösen Rath gestiftet! „ Ein böser Rath wirkt verderblicher, als das schärfste Gift," sagt ein heiliger Lehrer. Allein de» größten Schaden fügen sich solche böse Nathgcber in der Regel selber zu; denn Gott straft sie meistens mit Dem, was sie gerathen haben. Darum sagt auch die heilige Schrift: „Wer einen boshaften Rath gibt, auf Den fällt er selbst zurück" (Eccli. 27, 30.) und das Sprüchwort sagt: „Wer Andern eine Grube gräbt, Der fällt selbst hinein." Die Geschichte zeigt uns eine Menge von Beispielen, wo diese Strafe augenfällig ist; ich will nur Eines anführen! Kaiser Valerius war ein grausamer Verfolger der Christen. Phalaris, ein berühmter Künstler, machte einen Stier, auö Erz gegossen, und brachte ihn dem Kaiser. Dieser Stier war inwendig hohl, und wenn unter ihm Feuer gemacht wurde, so mußten die Eingesperrten verbraten. Wenn sie nun einen Weheruf ausstießen, so ahmte dieß genau das Brüllen des Ochsen nach. Er rieth ihm also, die Christen in diesem Stiere zu martern. Aber was geschieht? Valerius ließ sogleich den Künstler in diesen glühenden Stier werfen, und so mit ihm selber den Anfang machen. O möchtet doch ihr, meine christlichen Leser! euch jeder Zeit recht in Acht nehmen, daß ihr nicht durch einen sündhaften Rath euch fremder Sünden schuldig machet; nehmet euch aber auch in Acht, daß ihr nicht den bösen Rath, den euch Andere geben, befolget. Denket au den alten Eleazarus in der biblischen Geschichte, der auch als Greis seinem Gesetze treu blieb und durch den Rath böser Freunde sich nicht zur Sünde bewegen ließ; er wollte lieber sterben, als gegen sein Gewissen handeln. Fr. Was will das sagen: „Andere sündigen heißen?" Autw. Es will sagen: Einem Untergebenen ausdrücklich oder stillschweigend, mit Worten oder Werken befehlen, etwas Unrechtes zu thun. Belehrung und Beispiele. Einen solchen sündhaften Befehl gab Pharao, der alle israelitischen Knäblci» in's Wasser zu werfen befahl; David, der seinem Feld- Herrn Jo ab den schriftlichen Befehl zuschickte, den UriaS in der Schlacht gerade dahin zu stellen, wo er sicher um'S Leben kommen mußte; Herodes, der den Kindermord in Bethlehem anorduetc, und so viele Andere. Aber auch heut zu Tage wird diese fremde Sünde, leider! nur zu oft von Obrigkeiten, Dienstherrschaften, Vorgesetzten und Eltern begangen. Insbesondere aber machen sich derselben schuldig: 1) Kauf- und Handelsleute, welche ihren Untergebenen befehlen, schlechte Waarcn für gute zu verkaufen, mit kurzer Elle zu messen und mit geringem Gewichte zu wägen. Dazu gehören auch 2) die Wirthe und Gastgeber, welche den Ihrigen befehlen, Wein, Bier oder andere Getränke mit Wasser zu mischen oder zu verfälschen; 3) Eltern, die ihre Kinder lügen, betrügen u. s. w. heißen; 4) Bauers- und Handwerkslcute, welche ihren Dienstboten oder Gesellen den Befehl geben, auf fremde Aecker hinüberzuackern, Marksteine zu versetzen, an Sonn- und Feiertagen zu arbeiten u. s. s. Solchen sündhaften Befehlen darf kein Untergebener gehorchen; mit dem heiligen Petrus muß er in diesem Falle seinen Vorgesetzten mulhig in's Angesicht sagen: „Man muß Gott mehr gehorchen, als den Menschen!" (Apostclgesch. 4, 19.) Fr. Was heißt das: „Andere zur Sünde reizen?" Antw. Es heißt: Andern durch Wort oder Beispiel oder auf andere Weise zu allerlei sündhaften Dingen Anlaß nnd Gelegenheit oder wohl gar Anleitung geben, Belehrung und Beispiele. Diese Sünde wurde schon im Paradiese begangen. Eva verleitete nämlich den Adam znm Genüße der verbotenen Frucht. (1. Mos. 3, 6.) — Am Feierabende des 12. Dezember. 8tt1 So reizte auch Putipharö Aeib den ägyptischen Joseph zur Unkeuschheit (sieh bas vorausgehende Bild!) und nach mißlungenem Versuche ihren Mann durch falsche Anklagen zum ungerechtesten Zorn gegen den treuen Diener. (1. Mos. 39.) Und auch heut zu Tage wird diese Sünde noch oft begangen, theils durch Worte, theils durch böse Werke und durch böses Beispiel. 1) Durch böse Worte machen sich derselben schuldig: junge Leute, die das Alter verspotten und plagen, und so Manchen zum Zorne und zum Schelten reizen; Spaßmacher, die Andere necken und zum Beßten haben und dadurch Zank und Streit veranlassen; Hitzköpfe, die Andere zum Raufen und Schlagen aufhetzen; Verführer, die durch gleisnerische und schmeichelnde Worte, Versprechungen, u. s. w. unschuldige weibliche Personen zur Unkeuschheit verleiten. 2) Durch böse Werke und Beispiele machen sich dieser Sünde schuldig: Kinder und Dienstboten, die durch Fahrlässigkeit, Ungehorsam und Widersetzlichkeit Anlaß zu Zank und Zorn geben; Eltern und Vorgesetzte, die durch ihren Wandel Aergerniß geben; Schriftsteller, die schlechte Bücher schreiben; Künstler, die schlechte Bilder und Statuen verfertigen, und Alle, die solche Bilder und Bücher verkaufen, verschenken, in den Zimmern aufhängen, auslcihen u. s. w., kurz alle Jene, die Aergerniß geben. Ihnen gilt aber auch das furchtbare Weh, welches der göttliche Heiland über alle Aergernißgeber ausgesprochen hat. (Matth. 18, 6.) Legende: Der heilige Papst Damasus (f 384). Heute feiert die Kirche das Fest des heiligen Papstes Damasus, der Allen ein Muster und Vorbild der Tugend war, sich aber nie auch nur im Entferntesten einer fremden Sünde schuldig machte. Dieser Heilige, von spanischen Eltern abstammend, aber wahrscheinlich in Rom mn das Jahr 306 geboren, widmete sich von Jugend 'aus dem geistlichen Stande, und wurde i. I. 355 Erzdiakon der römischen Kirche. Er bewährte sich als treuen Anhänger des verwiesenen Papstes Liberins, und nahm nach dessen Rückkehr großen Theil an der Verwaltung der Kirche. Nach dessen Tode wurde Damasus von dem größten Theile des römischen Clerus und Volkes ans den päpstlichen Stuhl erhoben (366), hatte aber von der Partei eines Gegenpapstes Ursinns i unendlich Vieles zu leiven: Waffengewalt und arge Ver- s länmdung wurden angewendet. Im Gefühle seiner Un- ! schuld rief er die Bischöfe nach Rom, und diese erkannten i einstimmig seine Reinheit und Rechtmäßigkeit an. Da« ! masus übte in edelster Weise Verzeihung an seinen Feinden. Das halbe Morgenland war dazumal der ! Ketzerei ergeben, und nach dem Ausdrucke des heiligen ; Mehler, Hausbuch. Hieronymus seufzte der Erdkreis, daß er arianisch geworden sei. Unter seiner Regierung wurde die allgemeine Kirchenversammlung zu Constantinopel gehalten (381); die versammelten Bischöfe nannten den heiligen Damasus den unbezwinglichenDiamant des Glaubens. Auch um die Verschönerung Noms, seiner Kirchen und Gräber machte sich Damasus verdient. An diesem ausgezeichneten Papste rühmen die Alten vorzüglich die Festigkeit in der Vertheivigung des Glaubens, die Um beflecktheit seiner Sitten, seine Demuth, seine Liebe gegen die Armen, seine Freigebigkeit gegen die Künstler, seine Gelehrsamkeit. Einem Märtyrer gleich kämpfte er während der achtzehn Jahre seiner mühevollen Regierung und starb am 10. Dezember 384. Gebet. O Herr, der du den heiligen Papst Damasus uns Allen als ein Muster und Vorbild der Tugend gegeben hast, stärke uns, auf daß auch wir unfern Nebenmenschen stets zur Erbauung dienen, ihnen aber nie durch sündhaften Rath oder Befehl oder sonst wie Anlaß zur Sünde werden, durch Christum, unfern Herrn. Amen. _ Dreihundertsechsundvierzigstes Lesestütk. Am Feierabende des 12. Dezember. Von den neun fremden Sünden, und zwar von jenen drei, welche die wirkliche Sünde begleiten. Fr. Wie heißen die drei fremden Sünden, welche die wirkliche Sünde begleiten oder mit ihr gleichzeitig sind? 101 AK2 BicrteS äbanptstück. Von den nenn fremden Sünden, nnd zwar von jenen drei, welche die wirkliche Sünde re. Antw. 1) In die Sünde einwilligen, 2) zur Sünde stillschweigcn nnd 3) an der Sünde theilnehmen. Fr. Was heißt das: „In die Sünde Anderer einwilligen?" Antw. Es heißt: Etwas Sündhaftes, das man verhindern könnte nnd sollte, entweder ausdrücklich erlauben oder ein Wohlgefallen daran haben, dazu lachen oder wenigstens kein Mißfallen darüber bezeigen. Belehrung und Beispiele. In die Sünde Anderer kann man entweder ausdrücklich oder stillschweigend einwilligen, indem man etwas Sündhaftes ausdrücklich erlaubt, oder indem man cS nicht verhindert. Durch solche Einwilligung versündigte sich Saulus, weil er bei der Steinigung des heiligen Stephanus die Kleider der Mörder hütete; daher heißt es (Apstgsch. 7, 59.): „Saulus aber willigte in seinen Tod." — Auch Aaron sündigte auf dieselbe Weise, indem er dem ungestümen Verlangen des Volkes, ein goldenes Kalb zu gießen und cs anzubeten, nachgab. — Ebenso die Bürger Jerusalems, welche in den gottlosen Rath nnd in das ungerechte Urthcil, das die Hohenpriester und Aeltesten gegen Christus ausgesprochen hatten, cinwilligten. — Auch Pilatus machte sich des schrecklichsten Mordes durch die Einwilligung zur Kreuzigung Christi schuldig, obschon er seine Hände wusch und an der Blutschuld keinen Antheil haben wollte. (Sich das nebenstehende Bild!) — Zugleich ersehen wir an einigen Beispielen, wie Gott diese Sünde strafe. Ach an hatte bei der Einnahme von Jericho gegen den ausdrücklichen Befehl Etwas von der Beute zurückbehaltcn; sein Weib und seine Kinder willigten in den Diebstahl des Vaters ein; daher wurden sic alle miteinander gesteinigt. Ebenso ging cs Jenen, die mit den Nebellen Core, Dathan und Abiron übereinstimmten und gemeinschaftliche Sache machten. Sie wurden alle miteinander von der Erde verschlungen. — Wie sehr sollten uuS diese Strafen Gottes von der sündhaften Einwilligung zurückschreckcn; und dennoch wird diese Sünde so häufig begangen! Sie wird begangen von Jenen, welche an Sonn- und Feiertagen ärgerliche Tänze und Schauspiele re. erlauben, von Eltern und Vorgesetzten, welche ihren Kindern und Untergebenen den Besuch der Tanzböden und schlechter Gesellschaften, sündhafte Bekanntschaften :c. gestatten; von allen Jenen, welche der Anreizung zur Sünde nicht ernstlich widerstehen re. O wie viele Sünden entstehen aus dieser Einwilligung! Die Unschuld wird verführt, Jünglinge und Jungfrauen gehen ihrem Verderben entgegen, selbst das Ehebett wird ecktbeiligt! Darum rufe ich dir, m. chr. Leser! zu: „Locken dich die Lasterhaften, so folge ihnen nicht! (Prov. 1, 10.) Laß dich weder durch Schmeicheleien und Versprechungen, noch durch Drohungen, weder durch Gewalt, noch durch List dahin bringen, daß du in das Böse cinwilligest, das Andere thun!" Fr. Was will das sagen: „Zur Sünde Anderer st il l schw ei g en?" Antw. Es will sagen: Bei Fehlern und Vergehungen des Nächsten nicht reden, wo man reden könnte und sollte, den Nächsten nicht ermahnen, nicht warnen und znrcchtwcisen, obschon es die Pflicht des Berufes oder wenigstens der Nächstenliebe von uns fordert. Belehrung. Diese fremde Sünde wird also begangen 1) von Solchen, welche durch ihren Beruf dazu verpflichtet sind, das Böse abzustcllen. Dergleichen sind: a) Seelsorger, Prediger und Beichtväter, die zu den herrschenden Lastern ihrer Pfarr- und Beichtkinder schweigen oder gegen dieselben nicht ernstlich einschreiten. Von ihnen sagt der Prophet: „Stumme Hunde sind sie, die nicht bellen können." (Jsai. 56, 10.) Ii) Eltern, Hausväter und Hausmütter, die zur Bosheit und zu den Sünden ihrer Kinder und Dienstboten, obschon sie davon gar wohl wissen, schweigen und das Böse durch sie ungehindert geschehen lassen. 2) Solche, die durch christliche Nächstenliebe verpflichtet sind, das Böse zu hindern, und dazu gehört Am Feierabende des 12. Dezember. Pst3 j jeder Mensch. Uns Allen ruft deßhalb Gott der Herr ! durch den Mund seines Propheten (Ezech. 3, 18.) zu: , „Wenn du es dem Gottlosen nicht verkündigest, daß er von seinen bösen Wegen sich bekehre, so wird derselbe Gottlose in seiner Missethat sterben; aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern." Beispiele und Anwendung. Schon im A. B. . wurde diese Sünde von vielen Priestern und Königen Israels begangen, die zu den Sünden und Lastern des Volkes Israel stillschwiegen, ja, sich selbst mit im Pfuhle der Gottlosigkeit wälzten. Aber auch im N. B. kommt diese Sünde gar häufig vor. Wie Viele gleichen da jenem stummen Begleiter des berühmten Rousseau! Dieser erging sich einst, wie ^ er selbst erzählt, in einem schattigen Gehölze; zum Begleiter ! und Gefährten aber hatte er einen Mann, der sich häufig ! an ihn drängte, um durch seinen Umgang einigen Glanz zu gewinnen. Rousseau pflückte von einem Strauche die saftigen und einladend aussehenden Früchte, und da er sie ^ schmackhaft fand, so aß er davon eine nicht geringe Menge. Der Begleiter sah stillschweigend zu; erst als das Mahl zu Ende war, sprach er: „Sie werden ja wohl wissen, daß diese Früchte giftig sind?" — „Um deS Himmels willen," rief ganz bestürzt der Andere, „warum haben Sie mir das nicht früher gesagt?" Der Begleiter, dem vor Allem die Höflichkeit am Herzen lag, erwiederte: „Ich habe es nicht gewagt, mir eine solche Freiheit herauszunehmen." — Wie Viele gleichen diesem Begleiter, indem sie aus Mensch en- furcht zu den Sünden Anderer stillschweigen und ganz ruhig Zusehen, wie sie die giftigen Beeren und Früchte vom l Baume der Sünde pflücken und nach Herzenslust genießen! 1 Was werden sie einst dem ewigen Richter antworten, wenn er an sie die Frage stellen wird: „Warum hast du deine Untergebenen, deine Freunde re. ungehindert die giftigen Früchte der Sünde pflücken und genießen lassen?" Werden sie etwa antworten: „Wir haben es nicht gewagt, uns eine solche Freiheit herauszunehmen?" — Wahrlich, alle diese ! werden einst am Tage des Gerichtes ausrufen müssen: „Wehe mir, weil ich geschwiegen habe!" (Jsai. 6, 5.) Fr. Was heißt: „An den Sünden Anderer Theil nehmen?" Antw. Es heißt: Gemeinschaft machen mit schlechten Leuten, welche ungerechtes Gut an sich ziehen oder gezogen haben, und zu allerlei Sünden und Lastern Mitwirken. Belehrung und Beispiele. Dieser Sünde machen sich schuldig Jene, die Dieben und Räubern Unterschluf geben und beim Diebstahle Hehler machen; Wirthsleute, die Trunkenbolde, Spiel- und Tanzgesellschaften dulden; Hausleute, die schlechten Leuten, Spielern rc. Unterkunft in ihrem Hause gewähren u. s. f. „Wer mit einem Diebe Theil hat, der hasset seine Seele," heißt es in den Sprüchw. (29, 24.) — Diese Sünde begingen die Einwohner von Sich ein, die dem Abimelech das Geld verstreckten, das er nöthig hatte, um die Mörder seiner Brüder dingen zu könuen, durch deren Ermordung er allein König wurde. (Nicht. 9, 4—57.) Ferner Jene, die mit Absalon gegen dessen Vater sich empörten. (2. Kön. 18, 7.) Sündhafter Theilnahme ward auch König Balthasar schuldig, der die von seinem Vater geraubten heiligen Gefäße behielt und deßhalb schwer von Gott bestraft wurde. (Dan. 5.) Ganz besonders häufig aber begehen diese Sünde die sogenannten Hehler, welche an der Sünde der Diebe theilnchmen und daher ganz billig auch mit ihnen gestraft werden. — Als man einst in eine kleine Stadt Nordtprols eine Diebsbande cinführte, befand sich darunter auch ein altes Weib. Sie war Eigenthümerin eines kleinen, einsam gelegenen, eine Stunde von der Stadt entfernten Hänschens, und alle Stadtbewohner, die die Alte gut kannten, staunten nicht wenig, auch diese unter den Ungezogenen Dieben zu treffen. Allein gerade in ihren, Häuschen hatten die Gerichtsdiener die Diebsbande gefangen genommen, und eben sie, wie sich aus den Verhören ergab, war die eifrigste Helferin der Diebe gewesen, hatte die gestohlenen Sachen in Verwahrung genommen, dieselben im Kleinen verkauft, und von dem Erlöse ihre nicht geringen Procente genommen. Die Diebe nannten sie immer nur ihre „gute Mutter" und erhielten dafür von ihr den Titel der „fleißigen Kinder." Aber die „gute Mutter" mußte ungeachtet aller Entschuldigung, daß sie selbst nie Etwas gestohlen, mit ihren „fleißigen Kindern" in's Zuchthaus wandern, wo sie nach einem halben Jahre schon starb. — Auf solche Weise straft Gott oft die Theilnahme au den Sünden Anderer. Legende: Die heilige Jungfrau und Aebtiss in Othilia (st 720). Ganz anders handelte die heilige Othilia, die am heutigen Tage in der Kirche besonders verehrt wird; denn"statt zur Sünde Anderer mitznwirken oder daran Theil zu nehmen, suchte sie dieselbe vielmehr auf alle mögliche Weise zu verhindern und leuchtete Allen durch Tugend und Frömmigkeit auf dem Wege des Heiles voran. Othilia, aus einer herzoglichen Familie in Elsaß i. I. 662 blind geboren, war deßhalb dem Vater so verhaßt, daß er sogleich befahl, sie aus der Welt zu schaffen. Die fromme Mutter aber ließ das schuldlose Kind zu einer verwandten Vorsteherin eines Klosters in Burgund bringen, wo es getauft und erzogen werden sollte. Und sieh, sobald es getauft war, erhielt es mit 101 * 804 Viertes Hauptstiick. Von den neun der Gnade des Sakramentes auch das Augenlicht. Im Kloster wuchs Othilia zur blühenden Jungfrau heran und zeichnete sich besonders durch die Tugenden des Mitleides, der Barmherzigkeit, der Demuth und der Liebe ans; immer aber fiel ihr die stete, unverschuldete Abneigung des Vaters sehr schwer. Endlich machte sich die liebenswürdige Tochter ans den Weg nach der väterlichen Burg, und das harte Gemüth des Vaters wurde plötzlich weich. Er nahm die Heimgekehrte mit den zärtlichsten Aeußerungen väterlicher Liebe auf, schenkte ihr bald sein ganzes Vertrauen, und gab ihr, als sie den Wunsch anssprach, sich ungetheilt dem Herrn zu weihen, das Schloß Hohenburg summt allen Einkünften und Grundstücken, um da ein Jungfraneustift zu gründen, welches auch nach zehnjährigem Baue zur Vollendung gebracht wurde. Das Kloster wurde nun unter Othilia's Leitung ein Wohnsitz wahrer Gottesfurcht, flammender Andacht, ungeheuchelter Demuth, freudigen Gehorsams, weiser Abtödtung, thätiger Liebe, und eine Zuflucht für Alle, welche Unterstützung, Hilfe oder Rath suchten. Weil aber die Armen und Kranken nur mit Mühe zu dem auf einem hohen Berge stehenden Kloster kommen konnten, so ließ sie, die sorgsame Mutter der Armen, am Fuße des Berges ein Spital für dieselben bauen, und stiftete dann i. I. 700 nächst dem Spitale noch ein zweites Kloster. Sie starb am l.3. Dezember 720. Gebet. Wir bitten dich, o Gott! verleihe uns auf die Fürbitte der heiligen Othilia ein liebevolles Herz, auf daß wir unser» Mitmenschen durch Tugend und Frömmigkeit auf dem Wege des Heiles voran- Sünden, und zwar von den letzten drei rc. leuchten und die Sünder vom Wege des Lasters abziehen, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihnndertstebemmdvierzigstes Lesestück. Am Feierabende des 13. Dezember. Von den neun fremden Sünden, und zwar von den letzten drei, welche der wirklichen Sünde erst Nachfolgen. Fr. Wie heißen die letzten drei fremden Sünden, welche der wirklichen Sünde erst Nachfolgen? Antw. 1) Die Sünden Anderer loben, 2) sie übersehen oder nicht strafen und 3) sie vertheidigen. Fr. Was will das sagen: „Die Sünden Anderer loben?" Antw. Es will sagen: Das Böse an Andern gutheißen und das Gute an Andern tadeln, oder die Tugend als Laster und das Laster als Tugend bezeichnen. Belehrung und Beispiele. Da die Welt im Argen liegt, so ist diese Sünde gar nichts Seltenes; denn in unfern Tagen hat die Ruchlosigkeit bei Weitem mehr Lobredner als die Rechtschaffenheit und das Laster mehr, als die Tugend. Oder gibt es nicht viele Eltern, welche ihre Kinder wegen ihres Putzes und wegen ihrer Schönheit loben, und sic dadurch hoffartig und eitel machen? Gibt es nicht Viele, besonders sogenannte aufgeklärt sein Wollende, welche Männern, die die gottlosesten Spöttereien und Verleumdungen wider Gott, wider die Religion und ihre Diener verbreiten, Beifall klatschen und sie als Männer des Verstandes und als gute Gesellschafter loben? O diese Sünde ist höchst verderblich, weil der Gottlose durch sie in seiner Gottlosigkeit bestärkt, ja, sogar dazu angeeifert und ermulhigt wird. Daher ruft Jsaias (5, 20.) aus: „Wehe euch! die ihr das Böse gut und das Gute bös heißet!" — Durch sündhaftes Lob machten sich einer fremden Sünde schuldig die Hofhcrren des Königs Assuerus. Als dieser vom Weine erhitzt und vom Zorne entbrannt seine Gemahlin Vast hi verstieß, weil sie seinen: Befehle, sich in ihrer Schönheit mit der Krone auf dem Haupte vor allem Volke gleichsam zur Schau auszustellen, nicht gehorchte, so lobten die Hosherrn seine That und riefen: „Der Zorn des Königs ist gerecht." (Esth. 1.) — Auf ähnliche Weise sündigten die Rathgeber und Höflinge des Königs Roboam, die ihn lobten, als er dem Volke ein noch schwereres Joch und eine noch größere Züchtigung androhte; wcßhalb zehn Geschlechter von ihm abfielen. (2. Paral. 10, 11.) — Am Feierabende des 13. Dezember. 805 iWW" t -v 'k >1 »> !S-E Her ödes ließ den heiligen Apostel Jakobus hinrichten, (,sieh das obige Bild!) und wurde dieser That wegen von den Juden sehr gelobt. Durch diese Lobeserhebungen ermuthigt, ließ er nun auch den heiligen Petrus gefangen nehmen. (Apostelgesch. 12.) — Siche, soviel Unheil richtet das sündhafte Lob an; darum wehe allen Schmeichlern und Lobhudlern, die dadurch Andere nur im Bösen ermuntern und bestärken! Fr. Was heißt das: „Die Sünden Anderer übersehen oder nicht strafen?" Antw. Es heißt: Sünden und Vergehungen, die durch unser Ansehen gestraft und gebessert werden können und sollen, ungestraft hingehen lassen. Belehrung. Dieser Sünde machen sich schuldig die Obrigkeiten, welche die Verbrecher, — und Eltern, Lehrer und Erzieher, die ihre Kinder nicht strafen, wenn sie fehlen, sondern sie durch zu große Nachsicht verziehen und verderben. Allen diesen ruft der weise Salomon zu (Spr. 24, 24—25.): „Die zum Gottlosen sagen: du bist gerecht! solche werden verflucht von den Völkern und verabscheut von den Geschlechtern. Die ihn aber strafen, werden gelobt werden, und über diese wird Segen kommen." lind wiederum ruft er insbesonders allen Eltern, Lehrern und Erziehern zu (Spr. 23, 13—14.): „Entzieh' einem Kinde die Züchtigung nicht! Denn wenn du es mit der Ruthe schlägst, wird es nicht sterben .... du wirst seine Seele vor der Hölle bewahren." Ungestraftheit und Nachsicht für das Laster," sagt der heilige Ambrosius, „ist den Bösen ein Antrieb zu jeglichem Frevel," und der heilige Gregor vonNazianz fügtbei: „ Ein Laster lehrt man, wenn man es nicht bestraft. " Beispiele und Anwendung. Durch allzugroße Nachsicht sündigte Heli. Er warnte und mahnte zwar seine entarteten Söhne; allein er strafte sie nicht. Daher sprach der Herr zu Samuel: „Er hat gewußt, wie schändlich seine Söhne sich aufführen, und hat sie nicht gestraft; darum habe ich es dem Hause Heli geschworen, daß diese Sünde nicht versöhnt werden soll weder durch Opfer noch durch Gaben ewiglich." (1. Kön. 3, 13.) Vater und Söhne wurden wie bekannt mit dem Tode bestraft. Ja wirklich, sehr strafbar sind alle jene Eltern, Lehrer und Erzieher, welche die Unarten und Vergehungen der Ihrigen nicht strafen. Als einst Diogenes einen Knaben sah, der hastig seine Mahlzeit verzehrte, so gab er seinem Erzieher einen Schlag, weil es an ihm gewesen wäre, diesen Fehler des Knaben abzustellcn. So werden auch von Gott jene Eltern und Lehrer gezüchtigt werden, die die Unarten und Sünden der ihnen anvertrauten Kinder ungestraft hingehen lassen. Fr. Was will endlich dieß sagen: „Die Sünden Anderer v ertheidigen?" Antw. Es will sagen: Irgend eine Sache, die man als unrecht und falsch erkennt, in Worten ooer Schriften entschuldigen und rechtfertigen, oder böse Handlungen und Ungerechtigkeiten in Schutz nehmen und ihnen das Wort reden. Belehrung und Beispiel. Die Sünde Anderer vertheidigen 1) Advokaten und Gerichtspersoncn, welche ungerechte Prozesse durchführen; 2) falsche Zeugen, HW Viertes Hauptstück. Von der Tugend und christlichen Vollkommenheit. Von der Tugend überhaupt. welche durch Meineid und falsche Angaben die Unwahrheit verfechten; 3) Irrte h rer, welche die Wahrheit einsehcn und doch dem Irrglauben das Wort reden, mündlich und schriftlich; 3) Eltcrn, die ihre Kinder gegen wohlbcgrnndete Klagen, oder wenn sie vom Lehrer mit Recht gestraft werden sollen, in Schutz Nehmen; 5) Schmeichler, die auch die schlechtesten Handlungen großer Herren rechtfertigen und verteidigen. — Als ein Beispiel wird den Eltern in der heiligen Schrift jene Agar, Abrahams Magd, vor Augen gestellt. Ihr Sohn Jsmael, ein böser Bube, spielte mit Isaak, dem wohlgezogeneu Sohne der Sara, und that BöseS vor den Augen der letztern. Anstatt ihn hierüber zu tadeln und zu züchtigen, nahm Agar ihren bösen Buben vielmehr in Schutz und vertheidigtc seine Gottlosigkeit. Was war die Folge davon? Sie mußte sammt ihrem Kinde Abrahams Haus und Dienst verlassen und im Elende schmachten. (1. Mos. 21, 10.) So wird es einst in der Ewigkeit auch allen Jenen ergehen, die die Sünden Anderer vertheidigen. Der himmlische Hausvater wird sie verflossen und schmachten lassen im ewigen Elend. Legende: Die heilige Jungfrau und Märtyrin Lucia (f um 804). WM« Diese heilige Jungfrau, deren Fest heute gefeiert wird, ließ sich weder durch Lob und Schmeicheleien, noch auch durch Drohungen und Martern zu einer Sünde verleiten. Zu SyrakuS in Sicilien von christlichen Eltern geboren, wandelte sie von der frühesten Jugend an in der Furcht des Herrn und trug eine solche Liebe zur jungfräulichen Reinigkeit, daß sie sich durch ein Gelübde dazu verband. Nach dem Tode des Vaters versprach die Mutter sie einem edlen, heidnischen Jünglinge zur Ehe. Allein der Herr verschaffte seiner keuschen Braut Gelegenheit, dieser Verbindung zu entgehen, ohne die Mutter zu betrüben. Diese wurde nämlich von einer schweren Krankheit befallen, die allen Arzneimitteln widerstand und ihr die Gegenwart der geliebten Tochter unentbehrlich machte. Beide wallfahr- teteu nach Kataua zu dem Grabe der heiligen Märtyrin Agatha, um durch deren Fürbitte die Heilung zu erhalten; und erhielten solche auch wirklich. Nach der Genesung willigte die Mutter in das von ihrer Tochter gemachte Gelübde, und diese theilte hierauf ihre beträchtliche Aussteuer unter die Armen ans. Der heidnische Jüngling, dem sie versprochen war, verklagte die für ihn verlorne Braut bei dem Statthalter. Dieser forderte die Jungfrau auf, den Götzen zu opfern; allein sie weigerte sich und erklärte sich bereit, dem Herrn sich selbst zu einem lebendigen Opfer darzubringen, nachdem sie ihm ihre Habe schon geweiht habe. Der Statthalter hielt ihr die kaiserlichen Befehle entgegen; sie jedoch antwortete darauf: „Du hältst dich an die Gesetze der Kaiser; ich halte mich an die Befehle Gottes." Durch diese Rede noch mehr gereizt, gab der Statthalter wirklich den schändlichen Befehl, die Reine zur öffentlichen Entehrnng abzuführen; allein keine Kraftanstrengung von Menschen oder angespannten Tyieren war im Stande, selbe von der Stelle zu bewegen. Darüber wurde der verstockte Richter so wüthend, daß er Pech, Schwefel und Hol; um sie legen und anzündeu ließ. Auch in den Flammen stand die Glaubensheldin unversehrt, und wurde endlich mit einem Schwerte erstochen nm d. I. 304. Gebet. Stärke uns, o Herr! auf daß wir uns niemals fremder Sünden theilhaftig machen, und uns weder durch Lob noch durch Drohungen je zu irgend einer Sünde verleiten lassen, sondern, wie die heilige Lucia, Leib und Seele stets rein bewahren, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihulldertachtundvierzigstes Lesestnrk. Am Feierabende des 14. Dezember. Von der Tugend und christlichen Vollkommenheit. Von der Tugend überhaupt. Fr. Soll es uns genug sein, daß wir uns von schweren Sünden und Lastern enthalten? Antw. Nein; wir sollen uns auch befleißen, immer tugendhafter zu werden, und die unserm Stande angemessene Vollkommenheit zu erlangen. Belehrung. Hiezu fordert uns schon die heilige Schrift 807 Am Feierabende des 14. Dezember. auf mit den Worten: „Wer gerecht ist, werde noch gerechter, und wer heilig ist, werde noch heiliger!" (Off. 22, 11.) Und der weise Sirach (18, 22.) ermahnt: „Scheue dich nicht, dich der Gerechtigkeit bis zum Tode zu befleißen!" Einen Acker nennen wir nicht gut, und wir sind mit ihm nicht zufrieden, wenn zwar keine Disteln und Dornen auf ihm wachsen, wenn er aber dabei keine Frucht trägt. So ist nur Der gerecht, welcher nicht nur das Böse meidet, sondern auch Früchte des Guten heroorbringt. Deßhalb sagt der göttliche Heiland (Matth. 3, 10.): „Ein jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, wird umgehauen und in das Feuer geworfen," d. h. ein Jeder, der das Gute nicht wirkt, wird zum ewigen Feuer der Hölle verurtheilt. Hieraus erhellt deutlich genug, daß uns Allen, wenn wir gerecht werden wollen, die doppelte Pflicht obliege, das Böse zu meiden und das Gute zu thun und im Guten immer weiter vorwärts zu schreiten, sowie der heilige Paulus gethan, der von sich schreibt (Phil. 3, 12—13.:) „ Nicht als wäre ich schon vollkommen; ich strebe aber darnach... Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strebe nach Dem, was vor mir liegt," d. h. ich vergesse auf Alles, was ich früher geliebt, die Welt und die Sünde, und suche jetzt nur, was vor mir liegt, Tugend und Gerechtigkeit, die himmlischen Güter und die ewige Seligkeit. Fr. Warum sollen wir uns befleißen, immer tugendhafter zu werden? Antw. Weil der Mensch nur insofern gut und Gott wohlgefällig ist, als er tugendhaft ist. Belehrung. Mit nnermüdetem Eifer sollen wir nach Tugend und Vollkommenheit streben. Zwar kostet dieß Mühe und Anstrengung; daher hat schon einer der ältesten heidnischen Dichter gesagt: „Die Himmlischen haben vor die Tugend den Schweiß gestellt; nur mit Mühe und Schweiß kann man den Kranz der Tugend erringen." Allein wir dürfen diese Mühe, diesen Kampf nicht scheuen; denn die Tugend macht uns. gut und groß vor Gott und der Welt; der Mensch ist nur insofern gut und Gott wohlgefällig, als er tugendhaft ist; ein Mensch aber ohne Tugend hat keinen innern Werth und keine Geltung vor Gott. Ein Sprüchwort sagt: „Was die Nuß ohne Kern, die Quelle ohne Wasser, der Baum ohne Frucht, das Buch ohne Inhalt — das ist der Mensch ohne Tugend." Ja, so ist es auch. Nur die Tugend macht den Menschen wahrhaft gut und groß, noch mehr, sie macht ihn wahrhaft reich vor Gott, glücklich auf Erden und selig im Himmel. Daher schreibt der heilige Ambrosius: „Derjenige ist wahrhaft reich, der vor Gott reich erscheint,... der nicht Reichthümcr aufhäuft, sondern Tugenden für die Ewigkeit sammelt." Und der heilige Laurentius Justinianus sagt ganz richtig: „Die Tugend ist mehr Werth, als die Gabe Wunder zu wirken und in die Zukunft zu blicken, als die Gabe der Sprachen und Heilungen, als die Kenntniß der Natur und des Himmels; denn Viele sind mit diesen Kenntnissen zu Grunde gegangen, durch Tugend Niemand." Beispiele und Anwendung. Wahrlich, es gibt keinen schöneren Schmuck für eine christliche Seele, als die Tugend. — AlphonS V., König von Aragonien, der Weise und Großmüthige genannt, legte niemals einen Werth darauf, eine Pracht in seinen Kleidern zu zeigen: sein ganz einfaches Aeußere unterschied ihn wenig von einem gewöhnlichen Menschen. Da man ihm vorstellte, er sollte doch die königliche Majestät mehr behaupten und zu erkennen geben, antwortete er: „Nicht Purpur, nicht der Glanz der Diamanten soll einen König auszeichnen, sondern Weisheit und Tugend; das ist ein wahrhaft königlicher Schmuck, der den Menschen vor Gott und der Welt groß und beliebt macht." — Ja, die Tugend macht uns nicht nur groß und wohlgefällig vor Gott und der Welt, sondern sie ist auch zugleich ein bleibendes Gut, das uns durch Nichts entrissen werden kann. Ganz treffend ist daher die Antwort, welche einst der gute Ritter Bayard einem Edelmanne gab. Als nämlich letzterer den Ritter Bayard fragte, welche Güter ein Edelmann seinen Kindern hintcr- lassen solle, so entgegncte er: „Solche, die ihnen weder die Zeit, noch irgend eine menschliche Macht je entreißen kann: Tugend und Frömmigkeit." — Nach dieser wahren Zierde deiner unsterblichen Seele, nach diesem bleibenden Gute mußt auch du trachten, m. chr. Leser! wenn du aus 808 Viertes Hauptstück. Von der Tugend und christlichen Vollkommenheit. Von der Tugend überhaupt. Erden glücklich und im Himmel selig werden willst; denn der Mensch ist nur insoferne gut und Gott wohlgefällig, als er tugendhaft ist. Fr. Worin besteht die christliche Tugend? Antw. Im beharrlichen Willen und Streben zu thnn, was Gott wohlgefällig ist. Belehrung. Die christliche Tugend, — von dieser ist hier nämlich zunächst die Rede, nicht von jener natürlichen Tugend, die auch schon die Heiden übten, — die christliche Tugend also besteht überhaupt im beharrlichen Willen und Streben zu thun, was Gott wohlgefällig ist. Es muß ein beharrlicher Wille, ein fortwährendes Streben sein, d. h. man muß immer und überall thun wollen, und zwar All es, was Gott wohlgefällig ist; wer nur hie uud da etwas Gutes thut, nur hie und da eine Tugend übt, der ist nicht wahrhaft tugendhaft. Da und dort eine Blume auf einem öden Felde macht noch keinen Garten, und da und dort eine gute Handlung bei einem übrigens glcichgiltigen Lebenswandel macht noch keinen wahrhaft tugendhaften Menschen. Beispiel und Anwendung. Diese christliche Tugend besaß im vollen Sinne des Wortes der heilige Bischof Alphons von Liguori; (sich das vorausgehende Bild!) denn er übte nicht nur die eine oder andere Tugend, sondern war bemüht, alle Tugenden zu üben, indem er gar wohl kannte den Ansspruch des heiligen Gregorins: „Eine Tugend ohne die andere ist entweder keine, oder nur eine unvollkommene Tugend." Daher ging sein Streben einzig und allein dahin, nichts Anderes zu thun, als nur was Gott dem Herrn wohlgefällig ist; nur dieß Eine Verlangen trug er in seinem Herzen, ein Freund Gottes zu werden; und da er wußte, daß uns nur die Tugend der Freundschaft GotteS würdig und theilhaftig mache, so strebte er mit rastlosem Eifer nach Erlangung derselben, ermunterte hiezu aber auch nachdrücklichst alle seine geistlichen Söhne und Töchter, indem er ihnen zurief: „Wollt ihr Freunde Gottes werden, so befleißet euch der Tugend! O wie selig schätzen sich jene Menschen, denen das Glück zu Theil geworden, ihren König zum Freunde zu haben! Siehe, ein weit größeres Glück kann dir zu Theil werden; du kannst den König der Könige zum Freunde haben. Uebe nur die Tugend, und Gott selbst ist alsdann dein Freund." — Merke dir diese Worte, m. chr. Leser! und befolge sie; sei tugendhaft, d. h. befleiße dich jeder Tugend und thue stets und überall nur Das, was Gott wohlgefällig ist; dann wird dir einst auch die Krone der Tugend zu Theil werden. Fr. Wie wird die christliche Tugend ihrem Ursprünge nach unterschieden? Antw. In eiugegossene uud erworbene Tugend. Belehrung. Eingegossen heißt die Tugend, insofern sic eine göttliche Gabe ist, welche der Seele mit der heiligmachcnden Gnade ertheilt wird, um sie zu übernatürlich en Tugendübungen, d. h. zu solchen gottgefälligen Handlungen, die des ewigen Lebens würdig sind, fähig und geneigt zu machen. Daher schreibt der Apostel (Röm. 5, 5.): „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den heiligen Geist, der uns gegeben ist." Erworben heißt die Tugend, insofern sie eine Fertigkeit ist, welche der Mensch mit Gottes Beistand durch beharrliche Uebung erwirbt. Diese Tugenden, welche durch Uebung erworben werden können, heißen auch überhaupt sittliche Tugenden, weil sie unser sittliches Betragen so ordnen, wie es Gott wohlgefällig ist. Zu den ein gegossenen Tugenden gehören zunächst die drei göttlichen oder theologischen Tugenden, und zu den erworbenen oder sittlichen Tugenden die vier Grund- oder Haupttugenden, welche die übrigen Tugenden in sich schließen. Wir nehmen nun diese verschiedenen Arten der Tugenden in den nachfolgenden Lcsestücken durch. Legende: Der heilige Agnellus, Abt und Prediger (st 596). Heute begegnet uns in der Legende ein Freund und Muster jeglicher Tugend; es ist dieß der heilige Abt und Prediger Agnellus. Zu Neapel um das Jahr 535 von frommen Eltern geboren, wählte er den geistlichen Stand und ward Abt des Klosters Gaudiesi im Neapolitanischen. Die meiste Zeit seines Lebens brachte er mit Verkündung des göttlichen Wortes zu; 80!) Am Feierabende des 15. Dezember. er predigte aber nicht mir mit dem Munde, sondern auch durch sein erhabenes Tugendbeispiel, und suchte, wie ein treuer Hirte, die verirrten Schäflein Christi auf den Weg des Heiles znrückzuführen. Nachdem er allenthalben durch sein Wort und Beispiel Segen verbreitet hatte, entschlief er selig im Herrn, reich au Tugenden und Verdiensten, i. I. 596. Gebet. Heiliger Abt und Prediger Agnellus! bitte für uns bei Gott, damit auch wir Freunde der Tugend werden und einst, wie du, den Lohn der Tugend empfangen mögen aus der Hand des ewigen Vergelters im Himmel. Amen. DreilMdertnenmmdvierzigstes Lesestnrk. Am Feierabende des 15. Dezember. Von den drei göttlichen oder theologischen Tugenden. Fr. Wie heißen die drei göttlichen oder theologischen Tugenden? Antw. Sie heißen: Glaube, Hoffnu n g undLieb e. Belehrung und Beispiele. Diese drei Tugenden heißen göttliche oder theologische, weil sie unmittelbar von Gott Herkommen und sich unmittelbar auf Gott beziehen, oder weil Gott der Grund und der Gegenstand dieser Tugenden ist. Durch den Glauben glauben wir an Gott, weil er die ewige unfehlbare Wahrheit ist; durch die Hoffnung hoffen wir auf Gott, weil er allmächtig, barmherzig und getreu in seinen Verheißungen ist; durch die Liebe lieben wir Gott, weil er das höchste und liebenswürdigste Gut ist. Sonach ist Gott der Grund und der Gegenstand unsers Glaubens, unsrer Hoffnung und unsrer Liebe. — Diese theologischen Tugenden sind von höchster Wichtigkeit, so daß man nicht selig werden kann, wenn man sie nicht übt und Akte derselben verrichtet. Daher schreibt der heilige Augustinus: „Der göttliche Bau (der Tugend und Vollkommenheit) wird durch den Glauben gegründet, durch die Hoffnung in die Höhe geführt, durch die Liebe vollendet." (Sieh das obige Bild!) — Ein frommer Fischer kam Mchler, Hausbuch. mit einem Netze auf dem Rücken zur Zelle eines Abtes, nahm einen schönen Fisch heraus und legte ihn dem Abte als ein Geschenk zu Füßen. Der Abt und seine Jünger betrachteten den Fisch, der auf der Erde zappelte, sich wand und krümmte, mächtig mit dem Schweife schlug und mehrmal vom Boden emporsprang. — „Ach, das arme Thier," sagte einer der Jünger, „wie es sich quält! Man sieht es ihm au, daß es nach seinem Elemente schmachtet; es ist ihm nirgends anders wohl, cs kann nirgends anders leben, als nur im Wasser." -— „So ist's auch mit uns Menschen," sprach der Abt; „auch uns ist nicht wohl, wir zappeln und schmachten vergebens, wenn wir uns nicht in unserm Elemente befinde». Wir gehören nicht der Erde, sondern dem Himmel an. Und darum können wir auf Erden nur in Gott wahrhaft selig leben, — im Glauben an Ihn, in der Hoffnung auf Ihn und in der Liebe zu Ihm." Fr. Was solle» wir also thun, um diese wichtige» theologische» Tugenden zu erlangen und in uns zu bewahren? Antw. Wir müssen 1) Alles meiden und verabscheuen, was denselben entgegen ist, und I) diese Tugenden öfter erwecken. Fr. Was ist den drei theologischen Tugenden entgegen? Antw. 1) Dem Glauben ist entgegen: Unglaube, Irrglaube, Glaubenszweifel, Gleichgiltigkeit im Glauben rc.; 2) der Hoffnung ist entgegen: theils Verzweiflung und Mißtrauen, theils Vermessenheit und falsches Vertrauen; 3) der Liebe ist entgegen: jede Todsünde und überhaupt jede Beleidigung, jede Gleichgiltigkeit oder Abneigung gegen Gott. Belehrung. Wenn wir die drei göttlichen Tugenden erlangen wollen, so müssen wir Alles verabscheuen, waS 1) dem Glauben entgegen ist, nämlich Unglaube, indem mau an keinen Gott, an keine geoffenbarte Religion glaubt; Irrglaube, indem man falschen Meinungen und Lehren in Bezug auf die Religion folgt; freiwillige Glau- benszweifel, indem man die Wahrheit einzelner Glaubenslehren in Zweifel zieht; Gleichgiltigkeit im Glauben, indem man sich um die Religion und den Religionsunterricht wenig oder gar nicht kümmert oder alle Religionen für gleich gut hält. Wir müssen ferner verabscheuen, was 2) der Hoffnung entgegen ist: nämlich u) Verzweiflung und 102 (UW MKM 810 Viertes Hauptstück. Von den drei göttlichen oder theologischen Tugenden. Mißtrauen, indem man entweder gar nicht oder nicht vertrauensdoll hofft, was wir von Gott hoffen sollen; Ii) Vermessenheit und falsches Vertrauen, indem man immer ohne Scheu sortsündigt oder seine Buße bis zum Tode verschiebt, weil Gott barmherzig ist, oder indem man sich zu sehr auf seine eigenen Kräfte verläßt, sich muthwillig in eine Gefahr begibt in der Erwartung, daß uns Gott sicher retten werde. Endlich müssen wir verabscheuen auch alles Das, was 3) der Liebe entgegen ist, als: jede Todsünde, dann aber auch jede Lauigkeit, jede Gleichgiltigkeit und Abneigung gegen Gott, jeden Unwillen gegen seine weisen Fügungen u. s. f. Fr. Wann sollen wir die drei göttlichen Tugenden erwecken? Antw. Oesters im Leben, besonders aber in schweren Versuchungen gegen diese Tugenden, dann beim Empfange der heiligen Sakramente und ganz vorzüglich in Lebensgefahr und auf dem Todbette. Dieß kann am Einfachsten und Besten geschehen in der schon bekannten Weise und Gebetformel: „O mein Gott! ich glaube festiglich Alles rc." Beispiel und Anwendung. Besonders eifrig in Erweckung der drei göttlichen Tugenden war jene junge, schöne und geistreiche Jungfrau Bouawentura, deren Lcbensänderung ein Triumph der geistlichen Uebungen war, und die nach ihrer Bekehrung als ein Muster der Tugend und Frömmigkeit in dem herrlichen, von der heiligen Franziska Roma na gestifteten Frauenkloster in Rom lebte und starb. Ganz besonders feierlich aber erweckte sie diese drei göttlichen Tugenden kurz vor ihrem Tode beim Empfang der heiligen Sterbsakramente. Sie lag da auf ihrem Sterbebette ruhig und heiter, ergeben und vollkommen bereit, und anstatt den Tod zu fürchten, sehnte sie sich, Gottes unendliche Schönheit und sein göttliches Angesicht zu schauen und zum Besitze seiner ewigen Liebe zu gelangen. Als man ihr die heilige Wegzehrung brachte, da zeigte sich die Frucht ihrer Todesbereitung. Sie zog ein Blatt hervor und wünschte, daß cs in Gegenwart des hochgebenedciten Sakramentes gelesen werde. Es lautete, wie folgt: „O allerliebster Jesu! weil ich, Maria Bonaventura, deine unwürdigste Dienerin, nun alsobald vor deiner göttlichen Majestät zu erscheinen habe, so bekenne und bezeuge ich hiemit, daß ich Alles wahrhaft und »«bezweifelt glaube, was du, mein Heiland, und deine heilige Kirche von mir fordert. Für diesen heiligen Glauben erbiete ich mich, mein Leben und mein Blut hinzugeben. Ferner hoffe ich auf deine unendliche Barmherzigkeit, auf dein allerkostbarstcs Blut und deine unermeßlichen Verdienste; ich hoffe, durch die mächtigste Fürbitte Mariä, deiner und meiner allerheiligsten Mutter, das ewige Leben trotz meiner sündigen Unwürdigkeit zu erlangen, und zwar nicht so sehr, um die Seligkeit zu genießen, als um dich ewig lieben und dir dienen zu können. — Ich verfluche und verwünsche aus innigstem Herzen alle meine schweren Sünden, wodurch ich Unglückliche dich, mein höchstes Gut und meinen liebwerthesten Herrn und Gott, so sehr beleidigt habe. Ich schwöre dir, daß ich eher alle Peinen, ja die Hölle selbst erdulden wollte, als deine Majestät noch einmal zu beleidigen. Ich liebe dich über Alles von ganzem Herzen, aus ganzer Seele, ans allen Kräften. O daß ich die Herzen aller Menschen, die LiebeSflamme aller Engel und Seraphe hätte, um dich würdig lieben zu können! Jeder Athemzug soll ein Akt der Liebe, ein Flug der Liebe sein. Ich fordere alle Geschöpfe in deinem Namen auf, dir sür alle Gnaden zu danken, die du mir, der Allerunwürdigsten, erwiesen hast, dich mit mir zu loben und zu preisen in Ewigkeit." -— Sie empfing dann den Leib des Herrn, dankte noch einmal sür jenen Tag und jene glückliche Stunde, wo der heilige Geist sie bewegt hatte, die geistlichen Excrcitien zu machen, übergab ihrer liebsten Schwester als Andenken das theure Excrcitien-Büchlein, legte die Hände in der Form des Kreuzes auf die Brust, heftete die Augen gegen Himmel, und mit den Worten: „Jesus und Maria rein! wollet meine Gefährten sein!" verschied sie sanft und fröhlich im Kusse des Herrn. — Erkenne hieraus, in. Ehr.! wie ruhig und selig Diejenigen sterben, welche die göttlichen Tugenden recht oft im Leben und besonders auch noch auf dem Todbette erwecken! Legende: Die heilige Dienstmagd Christian« (ch im 4. Jhrdt.). Glaube, Hoffnung und Liebe waren auch die drei vorzüglichsten Tugenden, mit denen die heilige Dienst- 811 Am Feierabende des 16. Dezember. magd Christians, deren Andenken heute in der Kirche gefeiert wird, von Oben ausgerüstet war, und in denen sie Trost und Stärke fand im Leben und im Sterben. Das Marthrokogium sagt von dieser Heiligen ganz kurz und einfach: „Jenseits des schwarzen Meeres bei den Jberiern lebte eine heilige Dienstmagd, Christians, welche zur Zeit Constantiu's jenes Volk durch die Kraft der Wunderwerke zum christlichen Glauben brachte." — Diese Heilige wurde von den Seeräubern an der griechischen Küste gefangen, und als Sklavin nach Jberien verkauft. Herkommen und Namen blieben unbekannt; man nannte sie unter den dortigen Heiden nur einfach Christians, d. h. Christin, weil sie in ihrer Umgebung die einzige Bekennerin Christi war. Als Sklavin kam sie in das Haus eines rohen, grausamen Herrn, aber sie unterwarf sich bereitwillig der göttlichen Anordnung, und ertrug die Gefangenschaft, die Last harter Arbeit und jegliche Mißhandlung um des Herrn willen mit Geduld. Sie lebte aber in unversehrter Reinigkeit, Enthaltsamkeit und Eingezogenheit, so daß die Heiden sich verwunderten. —- Der Herr gab ihr auch höhere Gnaden, namentlich Krankheiten zu heilen. Ein krankes Kind wurde auf ihr Gebet augenblicklich gesund, und die Gemahlin des Beherrschers jener Gegend wurde durch Christiana's Fürbitte bei Gott vom Fieber befreit, und dem Christenthnme zugeführt, sowie auch der Beherrscher selbst, der auf Anrufung von Christ iana's Gott aus augenscheinlicher Lebensgefahr errettet, mit den Großen seines Reiches zum Christenthnme sich wendete. Auf den Rath der heiligen Sklavin schickte er an Con- stantin, um Bischöfe und Priester zu erhalten. So war diese heilige Dienstmagd ein Werkzeug in der Hand Gottes zur Bekehrung Jberiens geworden. Gebet. O Gott, der du die heilige Dienstmagd Christians mit den drei theologischen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe ausgerüstet hast, gieße diese Tugenden durch deinen heiligen Geist auch in unsere Herzen aus, und gib, daß einst unser Glaube in Schauen, unsere Hoffnung in Genießen und unsere Liebe in ewige Liebe umgewandelt werde, durch Christum, unfern Herrn. Amen. DreilMdertmidsünszigstes Lesestück. Am Feierabende des 16. Dezember. Von den vier Cardinaltugenden, und zwar von den ersten zwei: Klugheit und Gerechtigkeit. Fr. Wie heißen die vier Haupt- oder Cardinaltugenden? und woher diese Benennung? Anltv. Sie heißen: 1) Klugheit, 2) Mäßigkeit, 3) Gerechtigkeit und 4) Starkmuth. Man nennt sic Grund-, Haupt- oder Cardinaltugenden, weil sie gleichsam die Grundpfeiler der übrigen Tugenden sind. Belehrung. Ohne diese vier Cardinaltugenden kann die wahre Tugend nicht bestehen. Daher heißen sie Grnnd- oder Haupttugenden, weil sie gleichsam das Haupt und der Grund aller andern Tugenden sind; sie heißen Cardinal- oder Angel-Tugenden, weil sich alle andern Tugenden um dieselben drehen, wie die Thürc um ihre Angeln. Deßhalb heißt cS schon im Buche der Weisheit (8, 7.): „Die Weisheit (d. i. der heilige Geist) lehrt Mäßigkeit und Klugheit, Gerechtigkeit und Starkmuth, welche das Nützlichste sind im Menschenleben." Den Innern Zusammenhang, der zwischen diesen vier Cardinaltugenden statt sinket, gibt der heilige Bernhard mit den Worten an: „Die Gerechtigkeit sucht, die Klugheit findet, die Starkmuth eignet an, die Mäßigkeit besitzt." Wir wollen dieß in zwei Lesestücken näher erklären. Fr. Worin besteht die Klugheit? Atttw. Sie besteht darin, daß wir erkennen, was wahrhaft gut und Gott wohlgefällig ist, und uns zum Bösen durch den Schein des Guten nicht verführen lassen. Belehrung und Beispiele. Der heilige Augustin bezeichnet die christliche Klugheit als „eine Liebe und Begierde, welche Das, was zu Gott vcrhilft, vor Dem, was davon abhält, weislich erwählt." Die christliche Klugheit ist sonach eine innere geistige Kraft, überall und allezeit das Rechte zu 102 * 812 Viertes Hanptstück. Bonden vierCardinaltugenden, und zwar von den ersten zwei: Klugheit und Gerechtigkeit. erkennen, und insofern ist sie ein Gnadengeschenk Gottes, eine von Gott eingegossene Tugend. Die Klugheit ist aber auch eine Fertigkeit, das als recht erkannte Gute zu thun und sich durch keinen Schein trügen zn lassen; und insoferne ist sie eine erworbene oder wirkliche, persönliche Tugend. Durch diese Tugend zeichnete sich schon David ans; denn von ihm heißt es: „David ging zn allen Geschäften, wohin Saul ihn schickte, und er benahm sich klug dabei." (1. Kön. 18, 5.) — Der ägyptische Joseph rettete durch seine Klugheit ein ganzes Volk vom Hnngertode. — Ausgezeichnete Klugheit hatte Gott dem weisen Salomon gegeben. Er erprobte dieselbe besonders in dem weisen Urtheile, das er jenen zwei Frauen gesprochen hatte, die sich miteinander um ein Kind stritten. (3. Kön. 3, 5 ff.) Die christliche Klugheit war stets auch allen Heiligen Gottes eigen; durch sie war es ihnen möglich, sowohl sich selbst, als auch Andere auf den Weg zum Himmel und zum ewigen Heile zn führen. Fr. Was soll uns zur Erwerbung dieser Tugend besonders anspornen? Antw. Ihre Vortrefflichkeit und Nothwendigkeit; denn was das Auge für die übrigen Sinne ist, das ist die christliche Klugheit für die übrigen Tugenden. Belehrung. Die christliche Klugheit ist uns ebenso nothwendig, als sie vortrefflich ist; denn ebenso wenig man ohne Gesicht durch das Leben wandeln und ohne Steuerruder über das Meer gelangen kann, ebenso wenig wird man ohne Klugheit den Weg zum Himmel finden und darauf wandeln können. Darum nennt der heilige Thomas von Aguiu die christliche Klugheit „das Auge der Seele," und der heilige Bernhard „das Steuerruder auf derFahrt deS Lebens." Der göttliche Heiland aber ermahnt uns zu dieser so nothwendigen Tugend mit den Worten: „Seid klug wie die Schlangen!" (Matth. 10, 16.) Beispiel und Anwendung. Einst waren um den heiligen Abt Antonius viele Mönche und Einsiedler der Thebais, einer Wüste Aegyptens, versammelt, und in ihren heiligen Gesprächen kam die Frage zur Sprache, welche Tugend die nothwcndigste sei, um große Fortschritte auf dem Wege der Vollkommniheit zu machen. Der Eine meinte: Fasten und Wachen; der Andere: Verachtung aller zeitlichen Güter; wieder ein Anderer nannte die Liebe zur Einsamkeit; ein Vierter empfahl die Barmherzigkeit; und so fand jede Tugend ihren Lobredner, und jede wurde als die schnellste Beförderin auf dem Wege der Vollkommenheit gepriesen. Abt Antonius gab seine Stimme zuletzt. „Es haben zwar alle Tugenden, die ihr mir bezeichnet habt, ihr Verdienst und >kr Lob," sprach er; „ich habe aber aus den unzählbaren Fehltritten, die so Viele gethan haben, die Erfahrung gemacht, daß die Klugheit jene Tugend sei, um welche ihr fraget ; denn sie erhält alle Tugenden, leitet alle Tugenden und Hilst zu allen Tugenden. Sobald diese fehlt, so kommt man zum Fallen." — Wie sehr sollen wir es uns daher nicht angelegen sein lassen, diese ebenso vortreffliche als uothwendige Tugend zu erlangen! Ja, mit Inbrunst wollen wir zu Gott beten, daß er uns diese Tugend verleihen wolle, dem Ausspruche des heiligen Apostels Jakobus folgend, der da schreibt: „Wenn Einem von euch Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der Allen überflüssig mittheilt; er bitte aber im Glauben, ohne zn zweifeln." Fr. Worin besteht die Gerechtigkeit? Antw. Sie besteht darin, daß wir das Gute allzeit entschieden wollen, und deßhalb stets bereit seien, einen: Jedem zu geben, was wir ihm schuldig sind. Belehrung. Da von dieser Tugend bereits im siebenten Gebote Gottes die Rede war, so kann ich mich hier etwas kürzer fassen. Ich sage also: Gerecht ist Derjenige, der stets und überall das Rechte will, und auch stets und überall gerecht handelt — ohne Rücksicht der Person. Diese Gerechtigkeit zerfällt in die austheilende, die Jedem gibt, was ihm gebührt, dem Ausspruche des Herrn gemäß: „Gebet Gott, was Gottes ist, und dem Kaiser, was des Kaisers ist" (Matth. 22, 21.); und in die strafende, welche die verübten Bosheiten züchtigt nach Recht und Gesetz ohne Rücksicht der Person. — Auch diese Cardinaltugend ist ebenso nothwendig, als vortrefflich. Sie ist nothwendig für Völker und Staaten; denn ohne Gerechtigkeit ist kein Menschenleben, kein Eigenthmn sicher, keine Ruhe und Ordnung möglich. „Schaffe die Gerechtigkeit hinweg," sagt der heilige Augustinus, „was sind dann Königreiche anders, als schlechte Staaten?" — Diese Tugend der Gerechtigkeit ist aber auck eine vortreffliche Tugend; denn sie macht uns Gott ähnlich und Gott wohlgefällig; darum steht geschrieben: „Der Herr ist bei dem Geschlechts der Gerechten" (Ps. 13, 6.), „die Augen des Herrn sehen auf den Gerechten, und seine Ohren hören auf seiue Bitten." (Ps. 33, 16.) Ja, wer Gerechtigkeit übt, ist sogar Gott ähnlich; denn er ahmet Gott nach, dessen Freude es ist, wie er selbst sagt, „Barmherzigkeit zu üben und Gericht und Gerechtigkeit." Beispiele und Anwendung. Die christliche Gerechtigkeit ist wahrhaft eine erhabene, Gott dem Herrn äußerst wohlgefällige Tugend; daher ruht auch Gottes Schutz und Segen auf allen Gerechten. Wir sehen dieß schon im A. T. in der Geschichte Daniels, der die keusche Sufanna gegen ihre ungerechten Ankläger und Richter in Schutz nahm. 813 Am Feierabende des 17. Dezember. Daher sandte ihm aber Gott auch seine heiligen Engel zum Schutze, als er in der Löwengrubc schmachtete, so daß er mitten unter den wilden Thieren unversehrt blieb. — Wir sehen dieß auch an dem heiligen Homobonus (sieh das vorausgehende Bild!), der gerecht war in Maaß und Gewicht, und der recht handelte in allen Stücken; weßhalb er nun auch unter den Heiligen Gottes glänzt. Wie sehr Gott die Gerechten liebt und schützt, das hat auch eine Wittwe in Flandern zu Duschberch erfahren. Diese hatte eine Brauerei und trieb sie mit der gewissenhaftesten Gerechtigkeit, so daß sie Nichts an Gehalt und Nichts an Maß gebrechen ließ; sie braute gerecht und maß gerecht aus. ES entstand aber ein furchtbarer Brand in der Stadt, und schon nahte das wilde unbezwingbare Feuer dem Hause unserer Wittwe. Was thnt sie? Sie nimmt all' ihr Geschirr, worin sie das Bier auszumessen pflegte, stellte es vor das Haus an die Thüre auf die offene Strasse, und rief da den Namen des Herrn an mit den Worten: „Gerechter, barmherziger Gott! wenn ich jemals einen Menschen mit meinen Messereien betrogen habe, so will ich, daß mein Haus zusammenbrenne. Ich rufe deine Gerechtigkeit an; sieh gnädig auf mich und meinen Hausrath herab, den ich nie zu einer Ungerechtigkeit gebraucht, mit dem ich Niemanden ungerecht zugemessen habe!" So sprach sie, und steh! rundum hatte das Feuer alle Gebäude in Asche gelegt; aber ihr Haus und ihr Braugeschirr blieb unverletzt stehen. Wer sollte also diese so segenrciche Tugend nicht gerne üben, da sich an den Gerechten die Worte des Herrn erfüllen: „Die Augen des Herrn sehen auf den Gerechten, und seine Ohren hören auf seine Bitten !" (Ps. 33,16.) Legende: Die heilige Adelheid, deutsche Kaiserin (ch 999). auch die heilige Adelheid aus, deren Fest wir heute feiern. Denn sie beobachtete nach dem Zeugnisse des heiligen Odilo gegen ihre Dienerschaft Klugheit und Milde, gepaart mit Ernst, gegen die Fremden eine anständige Würde, gegen die Armen eine unermüdet werk- thätige Liebe; zur Verherrlichung der Kirchen gab sie die reichsten Spenden hin; den Wohlgesinnten erwies sie sich unveränderlich huldreich, den Lasterhaften hingegen strenge. Sie war zufrieden und enthaltsam; demüthig in ihrem Glücke, standhaft und geduldig im Unglücke. An der Tafel war sie mäßig, in der Kleidung sittsam, im Lesen, im Gebete, Nachtwachen und Fasten ausdauernd, und stets geneigt zur Unterstützung der Armuth. Ihre hohe Geburt flößte ihr keinen Stolz ein. Sie achtete weder die wegen ihrer Macht ihr zu- getheilten Lobeserhebungen, noch bildete sie sich Etwas ans die ihr von Gott verliehenen Tugenden ein. Die Mutter aller Tugenden, die Klugheit, stand ihr in allen Handlungen als treue Gefährtin zur Seite. Im Glauben hatte sie eine höhere zuversichtliche Festigkeit, und in der Hoffnung eine feste Zuversicht. Sie war stets fröhlichen Gemüthes und eine Freundin des Friedens. Also starb sie zu taat. Als aber Consta nt in starb, und Consta nt ins, ein eingefleischter Arianer, den Thron bestieg, fiel Flavian alsbald bei seinem Herrn und Kaiser in Ungnade, weil er die auf des Kaisers Befehl in's Gefängniß geworfenen Christen mit heiligem Eifer beschützte und auf alle mögliche Weise unterstützte, und er wurde deßhalb iu's Elend verwiesen. Aber auch hier zeigte sich Flavian als einen wahren, vollkommenen Christen. Heldenmüthig unterwarf er sich der göttlichen Schickung und fand im Gebete stets Trost und Stärke, so daß man ihn bei all seinen Drangsalen doch niemals gedrückt, sondern immer nur heitern Sinnes sah. Mitten im Gebete, das Haupt tief zur Erde geneigt, beschloß er sein langes unv glorreiches Martyrthnm mit einem seligen Tode i. I. 363. Gebet. Gib, o Gott! daß wir ebenso, wie der heilige Flavian, als treue Nachfolger deines göttlichen Sohnes wandeln auf dem Wege der Tugend und des Kreuzes, auf daß wir im Leben vollkommen und einst nach dem Tode ewig selig werden mögen, durch ebendenselben Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihundertsiebenundsünszigstes Lesestilck. Am Feierabende des 23. Dezember. Von den evangelischen Rathen insbesondere, nnd zwar vom ersten und zweiten derselben. Fr. Wie heißt der erste von den evangelischen Räthen? AntW. Freiwillige Armuth. Fr. Was ist freiwillige Armuth? AntW. Sie ist die Verzichtleistung auf den Besitz zeitlicher Güter, um desto ungestörter nach den ewigen zu trachten und Christo dem Herrn ähnlicher zu werden. Belehrung. Der freiwillige Arme verzichtet auf all das Seinige, es mag viel oder wenig sein, und strebt nur nach himmlischen und ewigen Gütern. Dadurch unterscheidet er sich eben vom Armen im Geiste; denn der freiwillige Arme verzichtet auf all das Seinige, der Arme im Geiste aber verzichtet nicht gänzlich ans das Seinige, sondern er heftet nur sein Herz nicht daran. Christus selbst ist arm geworden, von der Geburt an bis zum Tode am Kreuze ist er auch arm geblieben; er hat sich selbst erniedrigt und Knechtesgcstalt angenommen; oft wußte er nicht, wohin er sein Haupt legen sollte. Daher verlangt er auch von allen Denen, die auf höhere Vollkommenheit Anspruch machen wollen, freiwillige Armuth. So sprach er einst zu jenem Jüngling (bei Matth. 19, 20 — 21.): „Willst du vollkommen sein, so gehe hin, verkaufe Alles, was du hast, und gib es den Armen; denn also wirst du einen Schatz im Himmel haben. Alsdann komme und folge mir nach!" — Seitdem folgten gar viele fromme Seelen diesem Bei- 827 Am Feierabende des 23. Dezember, spiele und diesen Worten des göttlichen Heilandes; sie ver- harrt, der beobachtet den zweiten evangelischen Rath, den ließen all' das Ihrige, und erfuhren an sich die tröstliche Wahrheit, welche der heilige Hieronymus ausspricht: „Wer mit Christus arm ist, der ist überaus reich." Beispiele und Anwendung. Dem Beispiele Christi folgten schon die Apostel. „Sieh! wir haben Alles verlassen," sprach Petrus in Wahrheit zu seinem göttlichen Herrn und Meister, „und sind dir nachgefolgt." (Matth. 19, 27.) — Gleiches ihaten auch die ersten Christen, da es in der Apostelgeschichte (4. Kap.) heißt: „Keiner hielt Etwas aus seiner Habe für sein eigen, sondern Alles war unter ihnen gemeinschaftlich. ... Ein Zeder, der einen Acker oder ein Haus besaß, verkaufte dieselben, brachte das gelöste Geld und legte es zu den Füssen der Apostel," — anzuzeigen, daß der Reichthum mit Füssen zu treten und zu verachten sei. — Der heilige Alexius war der Sohn reicher und angesehener Eltern. Er verließ sein väterliches Haus, entsagte den Schätzen der Erde, und ward freiwillig arm. Nach längerer Zeit kehrte er wieder nach Rom zurück und bewirkte durch Bitten, daß ihn sein Vater in sein Haus aufnahm und ihm eine kleine Wohnung unter einer Stiege anwies. Siebzehn Jahre blieb er da als ein nothleidender Bettler, ohne daß Jemand ihn erkannte. Hätte er sich zu erkennen gegeben, so hätte er sogleich Erbe eines überaus großen Vermögens werden können. Er hatte aber Wohlgefallen an Mangel und Dürftigkeit, und war in seinem, obschon dem Scheine nach elendesten Zustande, vollkommen vergnügt. Er war einzig bedacht, sich Schätze im Himmel zu sammeln und erhielt sie. — Siehe, m. chr. Leser! so sollen auch wir die Armuth lieben, und wenn wir die freiwillige Armuth nicht wirklich oder nicht gänzlich beobachten können, so sollen wir wenigstens arm im Geiste sein, d. h. wir dürfen, wenn wir reich sind, unser Herz nicht an die Reichthümer hängen, und wenn wir arm sind, so müssen wir unsere Armnth mit christlicher Geduld ertragen, wie z. B. der heilige Bettler Servulus (sieh das nebenstehende Bild!), dessen Andenken heute gefeiert wird. Fr. Wie heißt der zweite don den evangelischen Näthen? Antw. Stete Keuschheit. Fr. Was versteht man unter steter oder ewiger Keuschheit? Antw. Die freiwillige, lebenslängliche Enthaltung nicht nur von Allein, was der Neiuigkeit zuwider ist, sondern auch von der Ehe, um einzig für Gott und seinen heiligen Dienst in jungfräulicher Reinheit zu leben. Belehrung. Wer also aus freiem Willen und aus Liebe zu Jesus Christus nicht nur aller fleischlichen Wollust und allen unreinen Begierden, sondern auch dem Ehestande entsagt und in jungfräulicher Reinheit lebenslänglich Verde r ewigen Keuschheit. Diese stete Keuschheit wird in der heiligen Schrift mehrfach empfohlen. So spricht der göttliche Heiland von solchen Menschen, „die sich selbst des Himmelreiches wegen verschnitten haben," d. h., ewige Keuschheit beobachten. Er sagt aber (Mattb. 19, 11.): „Nicht Alle fassen dieses Wort" (von der lebenslänglichen Enthaltsamkeit), „sondern nur Die, denen es gegeben ist." Und der heilige Paulus schreibt (I. Cor. 7, 25. 38.): „Ich habe zwar wegen der Jungfrauen vom Herrn kein Gebot; aber einen Rath gebe ich. ... Wer seine Jungfrau verheirathet, der thut gut; wer sic aber nicht verheirathet, der thut besser"; dadurch gibt er zu erkennen, daß der jungfräuliche Stand dem ehlicheu vor- zuzichen sei. In der heiligen Schrift sowohl, als im Leben der Heiligen finden wir Beispiele von frommen und heiligen Seelen genug, die diesen evangelischen Rath beobachteten und ewige Keuschheit bewahrten. Beispiele und Anwendung. Christus selbst, das Muster und Vorbild jeglicher Tugend und Vollkommenheit, geht unS hierin mit seinem Beispiele voran. Seine Feinde erdichteten wider ihn die abscheulichsten Laster; nie aber vermochten sie ihm auch nur den mindesten Schatten eines Vergehens wider die heilige Rcinigkeit aufzubürden, so keusch waren stets seine Sitten, so rein seine Gebärden, so unschuldig sein Wandel. — Elias, dieser ausgezeichnete Prophet des alten Bundes, war ehelos und blieb es bis an das Ende seines Lebens. Seinem Beispiele folgte auch Elisäus. — Johannes der Täufer, der gewürdigt wurde, der 104 * 828 Viertes Hauptstück. Vom letzten der drei evangelischen Räthe und von der Vollkommenheit im weltlichen Stande. Herold des himmlischen Königs zu sein, und durch die Taufe ihn zum hohenpriesterlichen Amte zu weihen, lebte stets jungfräulich. — Dem Nathe und Beispiele Jesu Christi folgten auch die Apostel. Bon dem Lieblingsjünger Johannes wissen wir, daß er lebenslänglich die Jungfrauschaft hielt. Auch der heilige Apostel Paulus hat die stete Keuschheit gehalten und wünscht, daß alle Menschen wären, wie er selbst. — Und wie viele Christen lebten nicht in ewiger Keuschheit! Ja, viele Jungfrauen opferten lieber Blut und Leben, als die heilige Tugend der Reinigkeit. Legende: Die heilige Jungfrau und Märtyrin Viktoria (fl 253). WM MM Unter diesen heldenmüthigen Jungfrauen steht mit oben an die heilige Viktoria, deren Fest gerade auf den heutigen Tag fällt. Viktoria, eine edle, christliche Jungfrau, geboren zu Tivoli bei Rom, zeichnete sich durch reinen, gottesfürchtigen Wandel und treffliche Geistesgaben, sowie durch blühende Schönheit unter ihren Altersgenossinen aus. Ein ebenbürtiger Jüngling, Eugenius mit Namen, zwar ein Heide, aber von un- takelhaften Sitten, warb um ihre Hand, erhielt die Zusage der Eltern, und auch sie war dieser Verbindung nicht abgeneigt, weil sie der frohen Hoffnung lebte, den Verlobten für das Christenthum zu gewinnen. Da traf es sich nun eines Tages, daß sie ihre Freundin Ana- tolia ein eheliches Bündniß einzugehen bewegen sollte; allein diese brachte es dahin, daß Viktoria selbst der bevorstehenden Verehelichung entsagte und ebenfalls das Gelübde ablegte, dem Herrn in unversehrter Reinigkeit zu dienen. Ihr Bräutigam versuchte Alles, sie auf andere Gedanken zu bringen, verklagte sie bei der heidnischen Obrigkeit, daß sie ihren Verlobuugsvertrag nicht halten wolle und sich zum christlichen Glauben bekenne, und erhielt die Vollmacht, sie zu sich zu nehmen und durch jedes Mittel zur Einwilligung in die Heirath und zum Abfalle vom Christenthume zu bewegen. Obwohl sie jetzt von ihm alle möglichen Unbilden zu leiden hatte, so wollte sie doch lieber das Härteste dulden und Alles verlieren, als der jungfräulichen Reinigkeit entsagen. Gott hatte großes Wohlgefallen an seiner treuen Braut und begnadigte sie mit der Gabe, Wunder zu wirken. Es wurde ihr auch von ihrem Quäler mit der Zeit wiederum einige Freiheit gestattet, die sie aber nur dazu benützte, eine große Anzahl Jungfrauen nicht nur finden wahren Glauben, sondern auch für stete Bewahrung der Reinigkeit zu gewinnen. Da erwachte die Wuth der Feinde des christlichen Glaubens auf's Neue, und sie erdolchten die standhafte Jungfrau am 23. Dezember 253. Gebet. O Gott! verleihe uns auf die Fürbitte deiner heiligen Jungfrau und Marthrin Viktoria die Gnade, dem Leibe und der Seele nach stets rein und unbefleckt zu leben und arm in der Welt zu sein, um einst reich im Himmel zu werden, durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihundertachtundsünfzigstes Lesestück. Am Feierabende des 24. Dezember. Vom letzten der drei evangelischen Räthe und von der Vollkommenheit im weltlichen Stande. Fr. Worin besteht der letzte der drei evangelischen Räthe: der vollkommene Gehorsam unter einem geistlichen Obern? Antw. Er besteht darin, daß der Mensch seinem eignen Willen entsage, um desto sicherer unter einem geistlichen Obern, der die Stelle Gottes vertritt, den göttlichen Willen zu vollziehen. Belehrung. Zu diesem Gehorsame ermuntert der göttliche Heiland seine Jünger und uns Alle, indem er spricht (Matth. 16, 24.): „Wenn mir Jemand Nachfolgen will, so verläugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach!" — Und wie angenehm Gott dem Herrn diese Tugend des Gehorsams sei, das ersehen wir schon aus den Worten des A. T., die im ersten Buche der Könige (15, 22.) geschrieben stehen: „Gehorsam ist besser als Opfer, und Folgsamkeit ist mehr, als das Fett der Widder opfern," und der heilige Thomas zeigt uns dieß in den Worten: „Gott ist Nichts angenehmer, als wenn ein Mensch seinen eigenen Willen um des Herrn willen verläßt, und mit 82S Am Feierabende des 24. Dezember. Recht; denn wenn Abraham Gott dem Herrn so sehr gefallen hat, weil er seinen Sohn opfern wollte, um wie viel mehr wird ihm Der gefallen, der nicht einen Andern, sondern sich selbst durch wahren Gehorsam opfert?" Beispiele und Anwendung. Durch Gehorsam zeichnete sich David aus; daher sagt Gott selbst von ihm: „Ich habe einen Mann gefunden nach meinem Herzen, der allen meinen Willen thun wird; deßhalb habe ich ihn mit dem heiligen Oele gesalbt, und meine H""d wird ihm helfen, und mein Arm wird ihn stärken, damit Alles, was er thun will, gelingen werde." (Ps. 88, 21 — 23.) — Christus der Herr selbst ist uns Allen das erhabenste Muster des Gehorsams; denn es steht von ihm geschrieben: „Christus erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode des Kreuzes. Darum hat ihn Gott auch erhöhet und ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist." (Phil. 2, 8—9.) — Auch die Apostel verließen Alles und folgten willig ihrem Herrn und Meister, und seitdem entsagten zahllose fromme Seelen ihrem eignen Willen, um ihn dem Willen Gottes und ihrer geistlichen Obern zu unterwerfen. — Wie lieblich aber diese Tugend sei in den Augen Gottes sowohl, als aller Frommen, das magst du aus folgenden zwei Beispielen ersehen. Einem der Väter wurden in einer Vision vier Ordnungen oder Chöre im Himmel gezeigt. In dem untersten davon sah er ehemalige Kranke, welche noch für ihre Leiden Gott dankten. Im andern waren Solche, die sich der Gastfreundschaft beflissen und den Fremden in Liebe gedient hatten. Im dritten waren Einsiedler, die sich von allen Menschen gänzlich abgesondert hatten; der vierte Chor endlich bestand aus Solchen, die um Gotteswillen geistlichen Vätern und Vorstehern sich in Gehorsam unterworfen hatten. Diese zeichnete eine besondere Zierde und Glorie aus, wovon den Grund zu erfahren der erwähnte Vater seinen Führer fragte, und die Antwort erhielt: „Alle Andern, soviel sie Gutes gethan haben, genießen schon einiger Ruhe in Befolgung des eigenen Willens; die Gehorsamen hingegen verlassen ihren eigenen Willen und hängen ganz dem Willen Gottes und der geistlichen Vorsteher an, und erfreuen sich darum einer größer« Glorie." — Und selbst in den Augen der Menschen erscheint diese Tugend als eine überaus liebliche. Unter den Jüngern des heiligen Abtes Silva nus fand sich Einer, mit Namen Markus, den dieser fast in auffallender Weise den Uebrigen vorzog. Die benachbarten Altväter mißbilligten dieß Benehmen; sie kamen zu ihm und verlangten den Grund davon zu wissen. Silvanus, als ein Mann, der vielem Reden nicht hold war, erwiederte einfach: „Folget mir!" Er führte sie von einer der kleinen Wohnungen oder Hütten zur andern, klopfte an jede Thüre, die Jünger rufend, die aber nicht augenblicklich sich zeigten. Er kam auch an die Hütte, die Markus bewohnte, und kaum hatte er angeklopft und gerufen, als dieser auch schon heraustrat und vor ihm stand. Silvanus ging mit den Alten hinein und fand einen Buchstaben, den jener eben zu schreiben angefangen, noch unvollendet. Da sprachen die Greise: „Wahrlich, den du liebst, Den liebt auch Gott!" Nun wußten sie, was ihn bewog, diesen Jünger vor allen Anderen lieb und werth zu halten. Und was lernen wir daraus? Dieses, m. Freund! daß auch wir wenigstens der rufenden Stimme Gottes jedesmal ungesäumt Gehör geben und willigen Gehorsam leisten sollen, wenn wir auch nicht dazu berufen sind, unter dem Gehorsam eines geistlichen Obern zu stehen. Fr. Warum sind diese evangelischen Näthe vorzügliche Mittel zur Vollkommenheit? Antw. 1) Weil durch sie einerseits das Hanpt- hinderniß der christlichen Vollkommenheit entfernt wird, nämlich die unordentliche Liebe und Begierde nach irdischen Gütern, sinnlichen Lüsten und nach Ungebunden- heit; und 2) weil anderseits der Mensch Gott dem Herrn durch sie Alles zum Opfer bringt, was er hat und ist; nämlich die äußern Güter durch das Gelübde der Armuth, den Leib durch das Gelübde der Keuschheit, und die Seele oder den Willen durch das Gelübde des Gehorsams. 830 Viertes Hauptstück. Vom letzten der drei evangelischen Räthe und von der Vollkommenheit im weltlichen Stande. Fr. Sind zur Beobachtung dieser evangelischen Räthe alle Menschen verpflichtet? Antw. Keineswegs; hiezu können nicht alle Menschen verpflichtet werden; es gilt hier der Ausspruch des göttlichen Heilandes: „Nicht Alle fassen dieses Wort, sondern nur Die, denen es gegeben ist." (Match. l9, 1l.) Zur Beobachtung derselben sind jedoch die Ordenspersonen und alle Diejenigen verpflichtet, welche sich durch ein Gelübde dazu verbunden haben. — Wer indeß den Muth nicht hat, die evangelischen Räthe zu befolgen, Der darf sie, wie schon oben gesagt, auch nicht verachten; vielmehr muß inan dieselben wegen ihrer Vortrefflichkeit hochschätzen und an Jenen bewundern, die sie befolgen. Fr. Kann man auch im weltlichen Stande ein vollkommenes Leben führen? Antw. Ganz gewiß, wenn man nicht nach dem Geiste der Welt, sondern nach dem Geiste Jesu Christi lebt. Belehrung und Beispiel. Zur Erreichung der Vollkommenheit ist cs eben nicht nothwendig, daß man in's Kloster gehe u. s. w.; man kann auch im weltlichen Stande vollkommen werden dadurch, daß man nicht nach dem Geiste der Welt, sondern nach dem Geiste Jesu Christi lebt. Daher schreibt der heilige Jakobus (4, 4.): „Wer ein Freund dieser Welt sein will, der wird ein Feind Gottes," und der heilige Johannes <1. 2, 15 —16.): „Wenn Jemand die Welt lieb hat, so ist nicht die Liebe des Vaters in ihm. Denn Alles, was in der Welt ist, das ist Begierlichkeit des Fleisches, Begierlichkeit der Augen und Hoffart des Lebens." — Wenn wir also in der Welt leben, so sollen wir nicht mit der Welt leben. Wer kann wohl Diejenigen zählen, die schon vollkommen und selig geworden sind, obschou sie in der Welt lebten; sie lebten nämlich zwar in der Welt, aber nur für Gott und den Himmel. — Ein Mädchen, das in einem Kloster erzogen wurde, wünschte schnlichst, eine Klosterfrau zu werden. Es offenbarte sein großes Verlangen den Eltern, die aber nicht einwilligten, sondern das Mädchen zwangen, in das väterliche Haus zurückzukehrcn. Der Tochter Frömmigkeit war aber eine dauerhafte; daher sprach sie: „Ich werde in der Welt eine Nonne sein, bis ich im Kloster sein kann." (Sieh das vorausgehende Bild!) Sic verrichtete nun alle Hebungen der Gott geweihten Personen. Ein gewisser Zeitraum wurde in der Früh und am Abend zur Arbeit verwendet, eine Zeit war für die Betrachtung bestimmt, die andere zur Abbetung des göttlichen Offiziums, zur geistlichen Lesung, zum Besuche des heiligen Sakraments u. s. f. Da die Mutter sah, daß sich ihre Tochter in ihrer Absicht nur noch mehr befestige, statt sich zu verändern, so schrieb sic ihr von nun an täglich so viele Dinge vor und beschäftigte sie so sehr, daß sie keine Zeit zu ihren Uebungen mehr haben sollte. Die Tochter that Alles, was ihr die Mutter vor- geschricben, und war ihr gehorsam, wie Gott dem Herrn selbst; sie bildete sich aber in ihrem Herzen ein Bethaus, wo sie stets im Gebete war, selbst wenn sie die zerstreuendsten Beschäftigungen verrichten mußte. Dadurch machte sie die glänzendsten Fortschritte in der Tugend und Vollkommenheit, so daß sie heilig lebte und selig starb. — So kannst auch du, m. Christ! mitten in der Welt heilig und vollkommen, und einst selig werden. — Betrachte nur die beiden Heiligen, deren Andenken wir heute feiern! Legende: Die heiligen Jungfrauen Tharsilla und Aemiliana. Auch diese beiden Jungfrauen, die dem heiligen Gregor dem Großen sehr nahe verwandt waren, lebten in der Welt und gelaugten doch zur Vollkommenheit. Schon von Jugend an führten sie in ihrem elterlichen Hause ein einsames und stilles Leben; „nur noch mit dem Körper waren sie auf dieser Erde," sagt der heilige Gregor von ihnen; „ihr Geist war fast immer in Betrachtung des Ewigen vertieft." Durch dieses ihr zurückgezogenes Leben und durch Selbstbeherrschung schwangen sie sich zu einer hohen Stufe der christlichen 831 Am Feierabende des 25. Dezember. Vollkommenheit empor und starben eines seligen Todes, Tharsilla am Vorabende der gnadenreichen Geburt Jesu Christi, und Aemiliana bald darnach am Feste der heiligen drei Könige oder der Erscheinung des Herrn. Gebet. Gib, oGott! daß wir, nachdem schönen Tugendbeispiele der heiligen Jungfrauen Tharsilla und Aemiliana auch mitten in der Welt auf dem Wege der Tugend und Vollkommenheit wandeln, und einst zn dir gelangen — durch Christum, unfern Herrn. Amen. DreilMdertnemmndsiinfzigstes Lesestück. Am Feierabende des 25. Dezember. Bon den acht Seligkeiten, und zwar von den ersten zwei. Fr. Wie können wir also auch im weltlichen Stande zur Vollkommenheit gelangen? Antw. Wenn wir, wie schon gesagt, nicht nachdem Geiste der Welt, sondern nach dem Geiste Jesu Christi leben. Fr. Widerspricht denn der Geist der Welt dem Geiste Christi? Antw. Allerdings, wie wir aus den Anssprüchen Jesu ersehen, welche die acht Seligkeiten heißen. Belehrung. In diesen acht Seligkeiten zeigt es der göttliche Heiland deutlich, daß der Geist der Welt Seinem Geiste gänzlich widerspreche; denn er preist in denselben gerade Diejenigen selig, welche die Welt für elend und thöricht hält. Die Welt pflegt nämlich Ehre, Reichthnm, Ruhm und sinnliche Freuden als die Quellen der Glückseligkeit anzupreisen; Christus lehrt uns hingegen in den acht Seligkeiten unsere Seligkeit in Gott und seinem heiligen Dienste zu suchen, und deßhalb Armuth, Verfolgung und jegliche Drangsal willig und freudig zu ertragen. Fr. Wie heißt die erste dieser acht Seligkeiten? Antw. „Selig die Armen im Geiste; denn ihrer ist das Himmelreich." (Matth. 5, 3.) Belehrung. Arm im Geiste sind die Leiblich- Armen, welche bei all ihrer Armuth dennoch zufrieden leben, ferner die Reichen, welche ihr Herz nicht an ihren Reichthum hängen, und endlich Jene, die alle Neichthümer und Güter der Erde verschmähen; arm im Geiste sind alle Jene, die nach den Worten des Apostels (l. Cor. 7, 30.) „kaufen, als besäßen sie Nichts, und die Güter dieser Welt gebrauchen, als gebrauchen sie ihrer nicht." Arm im Geiste sind auch die Demüthigen. „Arm im Geiste ist der Demüthige vom Herzen," sagt ein heiliger Lehrer, „welcher von sich keine hohe Gesinnungen hat; wie im Gegentheile unter einem Neichen im Geiste ein Hoffärtiger verstanden wird, der sich Großes einbildet." Beispiele und Anwendung. Arm im Geiste waren nach dem Borbilde des göttlichen Lehrmeisters alle Apostel und wahren Jüngern des Herrn; sie wurden gerne arm, um durch ihn reich zu werden. Mit Freuden hatte der heilige Paulinus Alles verlassen und lebte in einer wahrhaft apostolischen Armuth. Als ihm nun einige seiner frommen Freunde ihr Erstaunen hierüber äußerten, antwortete er: „Was habe ich denn gethan, das so sehr euere Bewunderung verdiente? Ist es denn etwas so Großes, Güter, die vergänglich und nur auf kurze Zeit die meinigen sind, zu verlassen» um dafür unvergängliche, ewige Güter zu erringen? Ich gleiche jetzt einem Menschen, der einen breiten Strom durchschwimmen will und aus dieser Ursache seine Kleider abgelegt hat, um das jenseitige Ufer desto sicherer und leichter zu erreichen. Ich weiß es aus dem Munde Jesu, daß man arm an Gütern werden muß, wenn man den Himmel und die ewigen Güter erlangen will; „selig sind ja die Armen im Geiste; denn ihrer ist das Himmelreich." — Nimm diese treffliche Lehre wohl zu Herzen, m. Chr! und trachte auf Erden arm im Geiste zu sein, damit du reich im Himmel werdest; denn groß ist der Lohn dieser Tugend! Fr. Welcher Lohn wird den Armen im Geiste zu Theil? Antw. Den Armen im Geiste wird zu Theil der Himmel schon auf Erden, und noch mehr einst in der Ewigkeit; „denn ihrer ist das Himmelreich." Belehrung und Beispiele. Der Lohn der Armuth im Geiste ist der Himmel, und zwar der Himmel auf Erden, weil die Armen im Geiste immer glücklich und zufrieden sind in Gott ihrem Herrn, und dereinst die ewige Seligkeit im Himmel. Daher sagt der heilige Augustin: „Willst du wissen, wie reich die Armuth sei? Sie kauft den Himmel." Der heilige Bernhard schildert uns diese Wahrheit in folgender schönen Parabel: „Es war ein König, der zwei Töchter hatte, von welcher die eine sehr schön war an Gestalt, die andere aber ganz häßlich und abstossend. Die Schöne ward geliebt von Jedermann, die Häßliche hingegen gemieden und verachtet. Darüber war nun diese tief betrübt; sie weinte und klagte ihrem Vater den Kummer ihres Herzens. Gerührt von dem Schmerze seiner Tochter, sagte ihr einmal der König: „O stille deine Thränen, geliebte Tochter! Denn höre den Entschluß, den 832 Viertes Hcniptstück. Von den acht Seligkeiten, und zwar von den ersten zwei. „das Erdreich besitzen" d. h. sie werden die Liebe und das Wohlgefallen Gottes und der Menschen gewinnen. „Der Sanftmüthige," schreibt der heilige Ehrh - sostomus, „weiß die Gemächer so zu gewinnen, daß er daraus alle Bitterkeit verbannt, welche darin Schmach oder Feindschaft bereitet haben mag." Und der weise Sirach sagt (45, 1.): „Gott und die Menschen lieben ihn." Beispiel und Anwendung. Wie sehr der Sanftmüthige selbst die erbittertsten Gemächer zu gewinnen weiß, zeigt uns folgende Begebenheit. Ein Geistlicher erhielt einst den Auftrag, in einer großen Stadt Almosen für die Armen einzusammeln, was er auch mit seiner gewöhnlichen, jedoch seltenen Demuth und Nächstenliebe that. Da er nun in einen Gasthof kam, seine demüthige Bitte vorzutragen, und einem Tische sich näherte, die Gabe der Barmherzigkeit zu empfangen, ward einer der Gäste entrüstet, sing an, empörende Reden gegen den ehrwürdigen Stand des Einsammlers auszustoßen, und spie ihm endlich schamlos in's Angesicht. Der Gottesmann aber sprach, heiter wie ein Engel lächelnd: „Lieber Herr! Sie waren nun so gütig, mir zu geben, was mir gebührt, und ich danke Ihnen; bitte Sie aber auch nun um eine Gabe für die Armen!" — Der Lästerer ward von dem Gewichte so großer Demuth und Sanftmuth zermalmt, blickte versteinert zu dem Bittenden auf, fand kaum Worte, ihn um Verzeihung zu bitten, und der Diener Gottes ging mit reichen Geschenken für seine Armen davon. — So rührend nun aber auch dieser Zug christlicher Sanftmuth ist, so ist er doch nur ein schwaches Bild von der Sanftmuth und Liebe Dessen, der heute zur Welt geboren worden ist. Legende: Die glorreicheGeburt unsersHerrn und Heilandes Jesus Christus. Eile hin, m. Chr.! zur Krippe in Bethlehem und betrachte da das arme und sanftmüthige Jesu- kindlein! Siehe, wie es so ganz arm geworden ist aus Liebe zu uns, um uns Alle reich zu machen! Es hat die Herrlichkeit des Himmels verlassen und die Glorie seines Vaters vertauscht mit diesem irdischen Thränen- thale, und kaum hat es eine Herberge gefunden auf der weiten Erde; ein Stall ist seine Wohnung, eine Krippe seine Lagerstätte, Windeln sind sein Gewand und zwei vernunftlose Thiere seine Umgebung. Welch ein unerreichbares Muster und Vorbild von freiwilliger Armuth! — Und blicke wiederum hin auf den neugeboruen Heiland ich gefaßt habe. Der Mann, der deine Schwester zur Ehe genommen hat, der soll keine Mitgift erhalten; die Schönheit meiner Tochter soll das Einzige sein, was er bekommt. Wer aber dich zur Gemahlin erwählt, Dem will ich mein ganzes Reich zum Erbe geben." — Der König ist Gott, die schöne Tochter die Welt; die sie lieben, erhalten kein anderes Erbe. Die Häßliche ist die Armuth, sie wird geflohen und gemieden. Die sie lieben, werden Erben des großen, herrlichen Reiches; denn „ihrer ist das Himmelreich." — Hat dicß nicht jener arme Lazarus erfahren, der gerne mit den Brosamen, welche vom Tische des reichen Prassers sielen, seinen Hunger gestillt hätte? WaS geschah bei seinem Tode? Die Engel Gottes kamen und trugen ihn hinüber in den Schooß Abrahams, in das Himmelreich. (Sieh das obige Bild!) Der reiche Prasser aber wurde in die Hölle begraben. Fr. Wie heißt die zweite der acht Seligkeiten? Antw. „Selig sind die Sanftmnthigen; denn sie werden das Erdreich besitzen." Belehrung. Sanftmüthig sind alle Jene, welche liebreich und geduldig sind bei fremden Fehlern sowohl, als auch bei Beleidigungen und Verleumdungen, die ihnen zugefügt werden. Diese werden als Lohn ihrer Sanftmuth 833 Am Feier, in der Krippe und betrachte seine Liebenswürdigkeit und Sanftmuth! Er wollte ein Kind werden, »in sich uns in seiner ganzen Liebenswürdigkeit und Sanftmuth zeigen zu können. Falle anbctend nieder, m. Ehr.! vor diesem liebenswürdigen Jesukindlein; stimme ein in den Lobgesaug der heiligen Engel und gelobe feierlich, daß auch du von mm an um deines Heilandes willen arm werden wollest, wenigstens arm im Geiste, und sanftmüthig vom Herzen; bitte ihn hiezu um seine Gnade mit dem: Gebete der Kirche. Gib uns, allmächtiger Gott! daß uns heute das neue Licht deines Wortes, welches Fleisch geworden ist, mit seiner Fülle durchleuchte, und so, was durch den Glauben in uns erglänzet, durch unsere Werke an uns wiederglänze — durch denselben Christum, unser» Herrn. Amen. DreilMdertmldsechzigstes Lesestülk. Am Feierabende des 26. Dezember. Bon den acht Seligkeiten, und zwar von der dritten und vierten. Fr. Wie heißt die dritte der acht Seligkeiten? Antw. „Selig sind die Trauernden; denn sie werden getröstet werden." Mehler, Hausbuch. e des 26. Dezember. Belehrung und Beispiele. Unter Trauernden sind Jene zu verstehen, welche über ihre eigenen Sünden weinen und ein bußfertiges Leben führen, dann aber auch Jene, welche über die Sünden Anderer weinen. Also nicht die Trauer der Welt, die in uns wegen leiblicher Schmerzen oder irdischer Nachtheile entsteht, wird selig gepriesen; es ist dicß vielmehr jene heilige Trauer, jener nie erlöschende Schmerz über unsere eignen Sünden, sowie über die Sünden Anderer. Von dieser heiligen Trauer war erfüllt David; denn die Erinnerung, daß er gesündigt und seinen Gott verloren habe, preßte ihm bei Tag und Nacht die bittersten Thranen aus. Mit weinenden Augen flehte er immerdar zu Gott: „Erbarme dich meiner, o Gott! nach deiner großen Barmherzigkeit, und nach der Fülle deiner Erbarmungcn tilge meine Missethat!" (Ps. 50.) — Von dieser heiligen Trauer war auch Petrus erfüllt. Er hatte seinen Herrn und Meister verrathen; kaum aber hatte ihm der Herr einmal einen Blick der Liebe zugeworfen, als er hinausging und bitterlich weinte. Und von nun an beweinte er dieses sein Verbrechen immerfort, so daß der heilige Augustin ausruft: „Petrus sündigte nur einmal und weinte immer; und wir sündigen immer und weinen niemals." — Auch Magdalena, die große Büsserin, wusch ihre Sündenschuld mit reichen Thräncn tiefer Reue ab und erschwang sich so in die Reihen jener Trauernden, die der Herr selig preist. (Sieh das nachfolgende Bild!) Fr. Welcher Lohn wird Denen zu Thcil werden, die da trauern und weinen ihrer Sünden wegen? Antw. Ihr Lohn wird sein: Verzeihung, vollkommene Versöhnung mit Gott, süßer Trost im Leben und himmlische Tröstungen in der Ewigkeit; „denn sic werden getröstet werden." Belehrung und Beispiel. Den Trauernden und Weinenden wird also vor Allem Verzeihung ihrer Sünden und vollkommene Versöhnung mit Gott zu Theil; denn die Thränen der Buße waschen die Sünden ab; sie tilgen unsere Schuld, heilen unser krankes Herz und machen unS wohlgefällig in den Augen Gottes. Welch ein süßer Trost ist schon dieses! Aber noch mehr! Die da trauern und weinen um ihrer Sünden willen, empfinden schon im Leben unbeschreibliche Tröstungen des heiligen Geistes; ja, wenn es eine wahre Freude, einen wahren Trost in der Welt gibt, so fühlen ihn Diejenigen, die da trauern und weinen. Nur wer diese Tröstungen empfunden hat, Der kennt sie; wer aber noch nie getrauert, noch nie geweint hat, wie die vom 105 834 Viertes Hanptstnck. Von den acht L-eligkeiten, und zwar von der dritten und vierten. Geiste der Buße durchdrungenen Gerechten, Der kann durch keine Beschreibung den Trost fassen, welchen der Heiland verspricht. „Nichts," sagt der heilige Chrhsostomus, „ist angenehmer, als eine solche Liebesthräne (der Buße); sie ergötzt mehr, als jedes Lachen. Nur Jene, welche so weinen und Leid tragen, wissen, welcher Trost damit verbunden ist." — Dieß hat erfahren Isaak, der heilige Priester zu Antiochien. Dieser weinte und trauerte oft über seine Sünden, fühlte aber dabei immer den süßesten Trost. Und als man ihn einst fragte, worin denn dieser Trost bestehe, so antwortete er: „Was Gott Jenen thut, die aus Liebe zu ihm weinen und Leid tragen, wissen nur Die, welche dieser Beschäftigung ergeben sind, und also aus eigner Erfahrung lernen, welche Süßigkeit aus den Thränen hervorquelle; denn hier schöpft man mehr mit der Anmuthung des Herzens, als man mit den Worten des Mundes aussprechen kann." — Und welch süße himmlische Tröstungen auf die heilige Trauer einst in der Ewigkeit folgen, das sagen uns jene unzähligen heiligen Büsser, die sich nun ewig erfreuen in der WW WM? MM ZV' »IM Glorie des Himmels. — Sündiges Herz! weine und trauere auch du, auf daß du gleichfalls jetzt und einst getröstet werdest mit süßen himmlischen Tröstungen und Freuden! Fr. Wie heißt die vierte der acht Seligkeiten? Antw. „Selig sind, die Hunger und Durst haben nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden." Belehrung und Beispiele. Hungern und dursten nach der Gerechtigkeit heißt, nach der Wahrheit und Gerechtigkeit Gottes verlangen. Einen solchen Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit haben sonach 1) jene Irrgläubigen, die nach der Wahrheit d. h. nach der wahren Lehre Christi verlangen, und 2) Jene, welche, wenn sie noch nicht gerecht sind, sich befleißen, gerecht zu werden, und wenn sie schon gerecht sind, fortfahren, immer noch gerechter und frömmer zu werden. In dieser Beziehung schreibt der heilige Bernhard: „Der Gerechte hungert und durstet unaufhörlich nach der Gerechtigkeit, so daß er immer gerechter zu sein verlangen würde, wenn er immer länger leben sollte; denn er trachtet allzeit aus allen Kräften, sich vom Guten ins Bessere zu erschwingen." Brennend vor diesem heiligen Durste ruft David aus: „O mein Gott, du Quelle alles Trostes! ich brenne vor Durst nach dir. Ach! wann werde ich zu dir kommen?" (Ps. 41.) — Auch der heilige Paulus war voll Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit; denn er strebte immer weiter vorwärts auf dem Wege der Tugend und Vollkommenheit, „Brüder! ich denke gar nicht daran," schreibt er, „als hätte ich das Ziel schon erreicht; sondern das allein thue ich: ich vergesse, was zurück ist, und strecke mich nach Dem aus, was vorwärts liegt. Nach dem bestimmten Ziele eile ich fort, nach dem Ehrenpreise jenes Rufes von Oben, der mir durch Jesus Christus von Gott geworden ist." — Von Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit, d. h. nach der göttlichen Wahrheit und nach einem frommen Leben, war auch der heilige Papst Clemens erfüllt. Als er noch Heide war, schreibt er, habe er nach Nichts mehr gestrebt, als nur nach der Wahrheit und Tugend. Und sein Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit wurde auch wirklich gestillt; denn cs kam der heilige Barnabas, lehrte ihn die Wahrheit und führte ihn zur Quelle des Lebens, an der er seinen Durst nach Gerechtigkeit und Seelenruhe vollends stillen konnte. Fr. Wie wird dieser Hunger und Durst nach Gerechtigkeit belohnt? Antw. Er wird von Gott selbst gestillt werden. Belehrung und Beispiele. Ja, Gott selbst wird diesen heiligen Hunger und Durst stillen; d. h. er wird alle Diejenigen, die also hungern und dursten, zur Wahrheit und Gerechtigkeit und dadurch zur Seligkeit führen; „denn sie werden gesättigt werden" (mit himmlischer Wonne und Freude.) — David, der wie oben gezeigt worden ist, ein so inniges Verlangen nach Gott und göttlichen Dingen hatte, sah es oft schon im Geiste voraus, welche vollkommene Er- 835 Am Feierabende des 27. Dezember. sättigung Jenen einst zu Theil werde, die da hungern und dursten nach der Gerechtigkeit. Im Vorgeschmack dieser himmlischen Ersättigung ruft er nun aus: „Herr! wenn ich Deiner Glorie werde ansichtig werden, dann, ja dann — werde ich ersättigt (vollkommen vergnügt) sein." (Ps. 16,15.) — Von gleichem Gefühle beseelt — bricht auch der heilige Augustin in die freudigen Worte aus: „Im Himmel wirst du, o Gott! mich sättigen, und zwar auf so wunderbare Weise, daß mich nimmer hungern und dursten wird." Legende: Der heilige Erzmartyrer Stephanus. Und ist nicht auch jener Heilige, dessen Fest heute die Kirche so feierlich begeht, gesättigt worden mit himmlischer Wonne und Freude, weil er Hunger und Durst hatte nach der Gerechtigkeit? Stephanus war der erste von den sieben Diakonen und predigte Iesum Christum mit uuermüdetem Eifer und Muthe. Da er sehr Viele für den christlichen Glauben gewann, so ergrimmten die Juden wider ihn und brachten falsche Zeugen auf, welche Vorgaben, er habe gegen Gott und das Gesetz gelästert. Deßhalb wurde er öffentlich gesteinigt. Während seiner Marter sah StepHanus den Himmel offen und Iesum zur Rechten des Vaters stehen, um ihn gleichsam im Kampfe zu unterstützen und nach errungenem Siege zu krönen und zu ersättigen mit himmlischer Wonne und Seligkeit. Nachdem Stephanus sterbend noch für seine Feinde gebetet hatte, gab er seinen Geist auf und ging als der erste Blutzeuge ein in die Glorie des Himmels. Gebet. Wir bitten dich, o Gott! verleihe uns, daß wir den heiligen Stephanns, den wir verehren, auch nachahmen, damit wir Hunger und Durst haben nach der Gerechtigkeit und unsere Feinde lieben, wie sie der heilige Stephanus geliebt und für sie zu deinem Sohne gebetet hat, der mit dir lebt und regirt, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Dreihuttderteimmdsechzigstes Lesestück. Am Feierabende des 27. Dezember. Von den acht Seligkeiten, nnd zwar von der fünften und sechsten. Fr. Wie heißt die fünfte der acht Seligkeiten? Antw. „Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Belehrung und Beispiele. Barmherzig sind Jene, die ein herzliches Mitleid mit fremdem Elende haben, zugleich mit dem festen Entschlüsse, ihm abzuhelfen, und zwar aus Liebe zu Gott um Jesu Christi willen. Wir sollen uns dieser schönen Tugend besonders befleißen, da sie in den Augen Gottes von so hoher Geltung ist. „Durch diese Tugend," sagt der heilige Chrysostomus, „werdet ihr Gott eurem Vater ähnlich, von dem es heißt, daß er barmherzig ist, nnd der da sagt: Barmherzigkeit will ich und kein Opfer. ... Nichts zieht Gott so an, als die Barmherzigkeit." — Von der Vortrefflichkeit und Nothwendigkeit der Barmherzigkeit überzeugt, übten die Heiligen diese Tugend mit allem Eifer. Auch die heilige Schrift enthält überaus viele und schöne Züge von Barmherzigkeit, von denen aber vorzüglich folgende zwei besondere Beachtung verdienen. — Ein Samaritan ging hinauf nach Jericho, (also erzählt der göttliche Heiland selbst,) und fand auf der Strasse einen Juden, der von Räubern überfallen worden war und halb- todt da lag. Ungeachtet der angeborneu Feindschaft, welche die Samariter und die Juden gegenseitig nährten, wurde er dennoch zum innigsten Mitleiden bewegt. Er näherte sich dem Unglücklichen, verband ihm seine Wunden und brachte ihn an einen Ort, wo er ihn verpflegen lassen konnte. Er sparte aus Erbarmung gegen den Unglücklichen weder Mühe noch Kosten, ihn zu heilen, und nahm, als er ihn verlassen mußte, alle nothwendigen Maßregeln, damit er an Nichts Mangel leiden dürfe. Er setzte seiner Liebe weder Maß, noch Ziel; denn er zog zwei Denare heraus, gab sie dem Wirthe und sagte: „Sorge für ihn, und so du etwas mehr ausgeben wirst, will ich es dir wieder geben, wenn ich zu- 105* 836 Viertes Hauptstück. Von den cicht Seligkeiten, nnd zwar von der fünften und sechsten. Gnade und seinen Segen und bewegt sie zur Buße. Darum singt schon David (Ps. 36.): „Der Gerechte theilt seine Güter gutherzig mit den Armen und verdient dadurch, von dem Herrn auf allen seinen Wegen geleitet zu werden, auf daß er sein Leben, wie eö dem Herrn gefällig ist, einrichte. Sollte er anch fallen, so wird es ihm nicht zum Tode sein; denn die Hand des Herrn ist jederzeit bereit, ihn zu unterstützen und aufzurichten." -— Dem Barmherzigen wird aber auch Gottes Barmherzigkeit zu Theil 2) im Sterben. Der göttliche Heiland wird sie mit den freundlichen Worten empfangen: „Kommet, ihr Gc- benedeiten meines Vaters! besitzet das Reich; gehet ein in's ewige Leben; denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habet mich ge- speiset" rc. (Matth. 25, 34 ff.) — Mit Recht schreibt daher der heilige. Hieronymus: „Ich habe Vieles gehört und Vieles gelesen; aber nie habe ich gehört oder gelesen, daß Einer, der während seines Lebens gerne Barmherzigkeit geübt hat, eines bösen Todes gestorben wäre; denn ein Solcher hat viele Fürbitter, und es ist nicht möglich, daß Gott das Gebet so Vieler nicht erhöre." Und der heilige CHrysostomns setzt bei: „Wer den Armseligen gute Tage gemacht hat, wird den bösen Tag (des Gerichtes) nicht erleben." riickkehrc!" (Luk. 10, 25). Welch ein herrliches Beispiel von Barmherzigkeit! — Nicht minder übte diese schöne Tugend schon im A. T. der fromme Tobias. Obschon selbst arm, so war er dennoch bei Tag und Nacht geschäftig, die Noth seiner Mitbrüdcr zu mildern. Seinem Sohne empfahl er mit allem Nachdrucke eben diese Tugend mit den Worten: „Seibarmherzig, so viel du kannst!" (Job. 4, 5.) — Durch diese Tugend zeichnen sich in unfern Tagen ganz besonders die barmherzigen Schwestern aus, die so unendlich Vieles thun zum Wohle der leidenden Menschheit; daher auch ihr Name. (Sieh das obige Bild!) Fr. Was ist den Barmherzigen verheißen? Antw. Gottes Barmherzigkeit im Leben und Sterben; „denn sie werden Barmherzigkeit erlangen." Belehrung. Den Barmherzigen wird Gottes Barmherzigkeit zu Theil t) im Leben; Gott gibt ihnen seine Beispiele und Anwendung. Wie reichlich Gott der Herr die Tugend der Barmherzigkeit zeitlich und ewig lohnt, sehen wir an jenem frommen Hauptmanne Cornelius, von dem die heilige Schrift erzählt, daß er Gott fürchtete mit seinem ganzen Hanse und gegen die Armen Barmherzigkeit übte, indem er viel Almosen gab. Dafür wurde ihm die Gnade des wahren Glaubens zu Theil; er wurde getauft sammt seinem ganzen Hause. (Apgsch. 10.) — Der beseligende Lohn dieser Tugend ist auch in folgendem kurzen Gedichte ausgesprochen: „Memnon liegt im Sterben; sein letzter Kampf ist heiß; von seiner Stirne perlen ihm große Tropfen Schweiß. Er stöhnt und spricht zur Gattin: „Mir wird das Haupt so schwer; o gib mir aus dem Schrein' mein weichstes Kissen her!" — „„Dort ist nur,"" klagt die Frau, „„ein Päckchen voll Papier."" — „Das wähle ich," sprach Memnon, „zum Ruhekissen mir. Es ist gefüllt mit Scheinen; gesammelt Hab' ich sic, weil ich mein Geld den Armen stets ohne Zinsen lieh." — Siehe, m. Chr.! so getrost stirbt der Barmherzige; denn er darf hoffen, daß auch er Barmherzigkeit erlangen werde. Sei also barm- 83 ? Am Feierabende des 27. Dezember. herzig, auf daß auch du Barmherzigkeit erlangest im Leben und Sterben! Fr. Wie heißt die sechste von den acht Seligkeiten? Antw. „Selig sind, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott anschauen." Belehrung. „Eines reinen Herzens sind," wie der heilige Chrysostomus sagt, „Jene, die alle Tugenden haben und sich keiner Sunde schuldig wissen." Wie kein Gold bewährt ist, wenn es nicht von allen Schlacken gereinigt wird, wie kein Getränk rein heißen kann, wenn es mit fremdartigen Theilen vermischt ist, so kann auch kein Herz rein genannt werden, in welchem die Liebe zur Sünde nicht verdrängt, und die Liebe zu Gott nicht herrschend ist. — Eines reinen Herzens sind demnach alle Diejenigen, welche das Herz von aller Sünde und Begierde darnach entfernt haben, und die Begierlichkeit, so viel an ihnen ist, unterdrücken, wie z. B. die heilige Jungfrau Maria, Johannes der Täufer, der heilige Aloysius, die heilige Agnes u. v. A. Der beseligende Lohn der Reinheit des Herzens aber besteht in einem geheimnißvollen und beseligenden Verkehr mit Gott im Leben und in der ewigen Anschauung Gottes im Himmel; „denn sie werden Gott anschauen." „DieReinheit deS Herzens," sagt der heilige Isidor, „macht uns fähig, unverrückt mit reinen Augen die Sonne der Gerechtigkeit anzuschauen." Legende: Der heilige Apostel und Evangelist Johannes (ch 101). Siehe doch, wie wunderbar! Gerade heute begegnet uns in der Legende und im Festchklus der Kirche ein Heiliger Gottes, dem im vollsten Sinne des Wortes der Ausspruch gilt: „Selig sind, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott anschanen." Es ist dieß der heilige Apostel und Evangelist Johannes; denn da er wahrhaft engelrein war, so würdigte ihn der göttliche Heiland seiner besonder« Liebe; fortan stand er mit ihm in einem seligen Verkehre. Der heilige Johannes stand noch in blühender Jugend, als er von Jesus am galiläischen Meere, wo er mit seinem Vater und mit seinem Bruder Jakobus die Netze ausbessertc, gerufen wurde. Johannes wurde, wie schon gesagt, wegen seiner Unschuld und kindlichen Einfalt von Jesus besonders geliebt. Er war mit Petrus und seinem Bruder nicht nur Zeuge seiner Herrlichkeit ans Tabor, so wie seines Leidens in Gethsemane, sondern er durfte auch beim letzten Abendmahle an seiner Brust liegen. Bei seiner Gefangennehmnng scheint er zwar auch geflohen zu sein, blieb aber vor allen Andern immer in seiner Nähe, und stand, während Jesus am Kreuze 'M hing, mit Maria unter demselben. Hier hatte er den Trost, daß ihm der sterbende Heiland seine göttliche Mutter empfahl mit den Worten: „Siehe da deine Mutter!" Und von der Stunde an nahm sie Johan nes zu sich. Nach der Sendung des heiligen Geistes hielt er sich an den heiligen Petrus, wurde mit ihm in das Gefängniß geworfen, gegeißelt und ging voll Freude vom Angesichte des hohen Nathes hinweg, weil sie gewürdigt wurden, um des Namens Jesu willen Schmach zu leiden. Johannes ging nach der Zer streunng der Apostel nach Kleinasien, und stiftete die Kirchen zu Smyrna, Pergamus und andere. Unter der Christenverfolgnug des Kaisers Domitian wurde er im Jahre 92 von Ephesus nach Nom gebracht, dort in eine Wanne voll siedenden Oels gelegt, und, nachdem er dadurch Nichts erlitten, ans die Insel Patmos verbannt, wo er hoher Offenbarungen gewürdigt wurde. Nach dem Tode des Diokletian erhielt er wieder die Freiheit, kehrte nach Ephesus zurück und wachte von Neuem über die Reinheit des Glaubens und der Sitten. In den letzten Tagen seines Lebens ließ er sich wegen Entkräftung in die Kirche tragen und ermahnte die Seinigen mit den Worten: „Kindlein, liebet einander!" — Johannes starb zu Ephesus eines natürlichen Todes i. I. 101. Gebet. Gib uns, o Gott! ein reines Herz, damit wir, wie der heilige Apostel und Evangelist Johannes, deine Liebe verdienen und einst deiner ewigen Anschauung gewürdigt werden, durch Christum, unfern Herrn. Amen. 838 Viertes Hauptstück. Von den acht Seligkeiten, und zwar von den letzten zwei. Dreihmid ertzw eiundsechzigstes Lesestück. Am Feierabende des 28. Dezember. Von den acht Seligkeiten, und zwar von den letzten zwei. Fr. Wie heißt die siebente von den acht Seligkeiten? Antw. „Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden." Belehrung. Friedfertig sind Diejenigen, welche Frieden nach Innen und Außen zu haben und zu erhalten bahn, Kampfplatz, Vergnügungen und Schauspiele ... was nützt uns dieß Alles, wenn uns der Frieden fehlt, wenn der Krieg uns dieß nicht genießen läßt?" Darum grüßte der göttliche Heiland die Seinen so oft und so freundlich mit den Worten: „Der Friede sei mit euch!" — Diesen hohen Werth des Friedens erkennend, schätzt und liebt ihn der Friedfertige über Alles, und läßt ihn durch Nichts stören. Er hält Frieden u) mit Gott, indem er durch treue Befolgung seines heiligen Willens stets im Stande der Gnade wandelt; d) mit sich selbst, indem er die Ruhe des Gewissens treu bewahrt und alle inneren Feinde, d. i. suchen, Frieden mit Gott, mit sich selbst und mit ihren Nebemnenschen. — Friede ist ein gar edles Gut auf Erden; daher schreibt der heilige Gregor von Nyssa: „Was ist den Menschen von allen Dingen, welche im Leben süß und « angenehm sind, süsser als ein friedliches Leben? Was man immer nennen mag von den Dingen, die im Leben süß und angenehm sind, immer bedarf es des Friedens, daß sie wirklich angenehm sein können. Denn wenn auch Alles da ist, was im Leben geschätzt und hochgeachtet wird: Reichthum, Gesundheit, Gattin, Kinder, Haus, Eltern, Diener, Freunde, Land und Meer, anmuthige Gärten, Jagd, Bäder, Renndie bösen Neigungen seines Herzens, in Unterwürfigkeit und Ruhe erhält; o) mit seinen Neben Menschen, indem er Allen mit aufrichtiger und Werktätiger Liebe begegnet, Zanksüchtigen ausweicht, Rachgierige besänftiget, Streitliebende mit Ruhe und Geduld zu beschwichtigen sucht, bereit, manche Opfer zu bringen und manchen zeitlichen Nachtheilzu erleiden — nur um des lieben Friedens willen. Beispiel und Anwendung. Ein schönes Beispiel der Friedseligkeit hat uns Kaiser Heinrich der Heilige gegeben. Von ihm erzählt der Kirchengeschichtschreiber B a - ronius folgende Begebenheit. Der Vorstand eines gewissen Klosters brachte einmal dem heiligen Heinrich ein sehr schönes Pferd znm Geschenke, welches der Kaiser auch annahm, und auf _ dem er sehr oft ritt. Dieses Pferd war nun aber einem Soldaten gestohlen worden, und der Dieb hatte dasselbe an den Kloster-Vorstand als sein eigenes Pferd verkauft. Als nun einmal der Kaiser auf diesem Pferde in eine Stadt einzog, sprang plötzlich der Soldat, dem dieses Pferd gestohlen worden war, auf dasselbe und den Kaiser los, und forderte solches unter Drohungen und Beschimpfungen von dem Kaiser wieder zurück. Ganz ruhig und gelassen er- wiederte der Kaiser: „Wenn das Pferd dein Eigenthum ist, so nimm es hin sammt dem Sattel, der ihm aufgelegt ist." — Der Soldat, diese Worte für Spott haltend, zauderte nun, es anzunehmen; allein der heilige Heinrich ruhte 839 Am Feierabende des 28. Dezember. nicht eher, als bis er das Pferd sammt dem Sattel genommen hatte, um so seiner Umgebung zu beweisen, daß man nicht streiten, sondern Zank und Prozesse vermeiden, Friede und Eintracht aber erhalten solle. Fr. Welchen Lohn haben die Friedfertigen zu erwarten? Antw. Einen höchst beseligenden Lohn; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden" und auch sein, und zwar geliebte Kinder Gottes auf Erden und selige Kinder Gottes im Himmel. Belehrung und Beispiele. Zu den Friedfertigen spricht Gott: „Ich will euch aufnehmen und euer Vater sein." (Jerem. 31, 6.) Die Friedfertigen sind geliebte Kinder Gottes auf Erden; darum stehen sie ganz besonders unter göttlichem Schutze. Sehen wir dieß nicht, z. B. an Abraham, der sich so friedliebend gegen seinen Vetter Loth benahm? an Jakob, der im Hause des Laban, sowie gegen seinen erbitterten Bruder Es au die Tugend der Friedfertigkeit in einer so glänzenden Weise übte? Wurden diese nicht von Gott schon auf Erden besonders gesegnet und beschützt? — Aber auch einst in der Ewigkeit werden die Friedfertigen selige Kinder Gottes im Himmel sein; von ihnen gilt das Wort der heiligen Schrift (Weish. 5, 5.): „Siehe, wie sie nunmehr den Kindern Gottes beigezählt worden sind, und ihren Antheil unter den Heiligen haben!" Fr. Wie heißt endlich die letzte der acht Seligkeiten ? Antw. „Selig sind, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen; denn ihrer ist das Himmelreich." Belehrung und Beispiele. Um der Gerechtigkeit willen leiden Verfolgung alle Jene, welche um des christlichen Glaubens, der Wahrheit oder Tugend willen von den Menschen Haß, Verachtung, Schmach und Unbilden in Wort oder That aus Liebe zu Gott in christlichem Sinne ertragen. —- So lange die Welt steht, wird auf Erden die Tugend und Frömmigkeit verfolgt; die Geschichte aller Zeiten bestätiget uns die Wahrheit des Ausspruches, den einst der heilige Paulus gegen seinen geliebten Timotheus (2. Tim. 3, 12) gethan hat: „Alle, welche dem Christenthume gemäß fromm leben wollen, werden Verfolgung leiden." Je frömmer der Christ ist, desto mehr wird er verfolgt, und umgekehrt. Deßhalb sagt der heilige Gregor: „Ich sage es ganz zuversichtlich: je weniger fromm Jemand lebt, desto weniger wird er Verfolgung leiden." Wer also verfolgt wird deßhalb, weil er seinen Glauben öffentlich und standhaft bekennt oder das göttliche Gesetz treu beobachtet oder den Umgang mit Bösen sorgfältig meidet, hingegen sich durch Unschuld und Tugend auszeichnet, der leidet Verfolgung um der Gerechtigkeit willen. In diesem Sinne haben alle heiligen Märtyrer des A. und N. B. Verfolgung um der Gerechtigkeit willen gelitten, wie z. B. der fromme Eleazer, die machabäischen Brüder, die Apostel und Blutzeugen der Kirche (sieh das vorausgehcnde Bild!), und auch heut zu Tage noch müssen alle Frommen auf Erden gar oft Verfolgung um der Gerechtigkeit willen leiden. Fr. Auf was haben Jene verlässige Aussicht, die um der Gerechtigkeit willen Verfolgung leiden? Antw. Auf den Himmel, hier der seligen Hoffnung, und dort dem wirklichen, unaussprechlich glückseligen Genüsse nach. „Selig sind, die da Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen; denn ihrer ist das Himmelreich." Belehrung. Wenn wir um der Gerechtigkeit willen Verfolgung leiden, so wird uns dafür zu Thcil der Himmel, und zwar schon auf Erden der seligen Hoffnung nach. Darum sagt Christus nicht: „ Sie werden einst in den Himmel eingehen," sondern: „Ihrer ist das Himmelreich." Dieses spricht der heilige Paulus mit den Worten aus: „Selig seid ihr, wenn ihr des Namens Christi wegen Schmach leidet; denn da ruhet die ganze Ehre, Herrlichkeit und Kraft Gottes und sein Geist auf euch." Ist das nicht schon ein Himmel auf Erden? — Durch Geduld bei der Verfolgung um der Gerechtigkeit willen wird uns aber auch der Himmel in der Ewigkeit zu Theil dem wirklichen Genüsse nach. Dieses spricht der göttliche Heiland selbst wiederholt aus. „Selig sind, die der Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen," sagt er; „denn ihrer ist das Himmelreich." Und wiederum: „Selig seid ihr, wenn die Menschen euch fluchen und euch verfolgen, und alles Böse wider euch reden und lügen um meinetwillen. Freuet euch und frohlocket! Denn euer Lohn wird überaus groß sein im Himmel." (Matth. 5, 12.) „Wer mit Geduld Schmach und Pein leidet um des Namens Jesu willen," sagt Kardinal Hugo, „der sammelt in seinen Schooß kostbare Edelsteine, mit denen einst jene Krone geschmückt sein wird, von der die Kirche singt: Eine goldene Krone ist auf seinem Haupte; das Zeichen der Heiligkeit ist darauf gedrückt; sie ist ein Glanz der Ehre und das Werk der Starkmuth." 849 Viertes Hauptstück. Von den Mitteln zur Vollkommenheit, und zwar von den ersten zwei. Allen heiligen Märtyrern ist diese Bcseligung für ihre helden- müthigc Geduld in Ertragung der Leiden um Jesu willen zu Theil geworden. Legende: Die heiligen unschuldigen Kinder. Am Deutlichsten sehen wir dieß gerade wiederum aus dem heutigen Festtage der Kirche, an welchem sie das Andenken an jene unschuldigen Kinder feiert, welche um der Gerechtigkeit willen ihr Leben opfern mußten. Als nämlich Herodes von den drei Weisen des Morgenlandes belehrt worden war, daß sie gekommen seien, um den neugebornen König der Juden anzubeten, ließ er alle zweijährigen oder noch jüngeren Knaben im ganzen Bethlehemetischen Bezirke lobten, in der Meinung, es müßte sich unter denselben auch der ncugeborne König der Juden befinden. Allein die göttliche Vorsehung wußte den neugebornen Heiland am Leben zu erhalten, während eine große Anzahl von unschuldigen Knaben nach dem grausamen Befehle des Königs Blut und Leben opfern mußte, «sonach litten diese unschuldigen Kinder für Jesus, d. h. um der Gerechtigkeit willen, und darum verehrt sie die Kirche als heilige Märtyrer. Als Lohn ist ihnen das Himmelreich zu Theil geworden, nach dem Ausspruche des Herrn: „Selig sind, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen; denn ihrer ist das Himmelreich." Gebet. O Gott, dessen Lob die unschuldigen Märtyrer nicht durch Worte, sondern durch den Tod am heutigen Tage bekannt haben, tödte in uns alle lasterhaften Begierden und Neigungen, damit wir dem Glauben an dich, den unsere Zunge bekennt, auch durch unser tugendhaftes Leben Zeugniß geben und gerne um der Gerechtigkeit willen Verfolgung leiden, durch Christum, unfern Herrn. Amen. DreilMdertdreiundsechzigstes Lesestück. Am Feierabende des 29. Dezember. Von den Mitteln zur Vollkommenheit, und zwar von den ersten zwei. Fr. Da wir Alle, ein Jeder nach seinem Stande und Berufe, vollkommen sein sollen, so entsteht die Frage: Welche Mittel muß jeder Christ, wessen Standes er auch immer sein mag, anwendeu, um zur Vollkommenheit zu gelangen? Antw. Besonders folgende: 1) Er' muß eifrig sein im Gebete, in der Anhörung des göttlichen Wortes und im Empfange der heiligen Sakramente; 2) er muß sich immer in der Demuth üben; 3) sich standhaft überwinden und verläugnen; 4) die Leiden und Widerwärtigkeiten geduldig ertragen und endlich 5) seine Handlungen im Stande der Gnade und auf eine gottgefällige Weise verrichten. Diese fünf Hauptmittel zur Erlangung der Vollkommenheit bilden sonach den Gegenstand der letzten drei Lesestücke unsers Hans- und Familienbuches. Fr. Welches ist also das erste und vorzüglichste Mittel, um zur Vollkommenheit zu gelangen? Antw. Frommer Eifer im Gebete, in Anhörung des göttlichen Wortes und im Empfange der heiligen Sakramente. Belehrung. Wer vollkommen werden will, muß vor Allem gerne beten; denn durch das Gebet erlangen wir die zur christlichen Vollkommenheit so nothwendige Gnade und Kraft; durch das Gebet erheben wir uns zu Gott, um uns immer mehr mit ihm zu vereinigen; je inniger wir aber mit Gott vereinigt sind, desto vollkommner sind wir. Aehn- lichc Wirkungen bringt auch die fleißige Anhörung des göttlichen Wortes und der öftere, würdige Empfang der heiligen Sakramente hervor. Daher schreibt der heilige Augustin: „Der Baum, Welcher entweder an einem Bache steht oder fleißig begossen wird, muß bald eine bewunderungswürdige Höhe erreichen; und auch der Mensch, der das Wort Gottes eifrig anhört und in 841 Am Feierabende des 29. Dezember. seiner Seele aufnimmt, (der die heiligen Sakramente häufig und würdig empfängt,) wird bald eine hohe Stufe der Vollkommenheit erlangen." Wir sehen dieß an den ersten Christen, von denen es heißt: „Sie verharrten in der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft des Brod- brechens und im Gebete." (Apostelgesch. 2, 42.) Beispiel und Anwendung. Auch alle Heiligen Gottes bedienten sich fleißig dieser' Mittel, um zur Vollkommenheit und Heiligkeit zu gelangen. Besonders aber war es der oftmalige und würdige Empfang der heiligen Communion, wodurch gestärkt sie in der Tugend und Vollkommenheit bewunderungswürdige Fortschritte machten. Wir sehen dieß z. B. im Leben der heiligen Angela Merici, Stifterin des Nonnenordens der Ursulinerinen. (Sieh das nebenstehende Bild!) Diese hatte von dem Tage ihrer ersten heiligen Communion an allezeit die tiefste Ehrfurcht gegen das heiligste Sakrament des Altars geäußert, und ihre ganze Sehnsucht ging dahin, so oft, als es nur immer möglich war, sich mit diesem himmlischen Manna zu nähren. Um recht oft aus diesem Quelle des Gottgenusses zu schöpfen, dem alle Gnaden entfließen, war sie stets sorgfältig darauf bedacht, ihr Herz dem Heiland als einen würdigen Tempel zu bereiten. Deßhalb strebte sie mit aller Kraft des Willens nach der vollkommensten Selbstverleugnung. Besonders rührte sie auch der Blick auf die heilige Armuth Jesu, an welche sie stets die demüthige Brodsgestalt, in die der Gottmensch so voll Liebe und Barmherzigkeit seine göttliche Majestät verhüllte, erinnerte; und um dieser Armuth Jesu gleichförmig zu werden, gelobte sie feierlich vor dem Allerheiligsten, ihren Leib und mit ihm ihr ganzes Leben in dein Kleide der heiligen Armuth und Büßfertigkeit zu verdemüthigen. Sie kasteite fortan ihren Leib mit dem beständigen Tragen eines Bußkleides, das sie Tag und Nacht trug, und wenn sie es ablegte, so geschah's, um dasselbe mit einem rauheren zu vertauschen. Man sah in ihrer armen Zelle weder ein Bett, noch irgend Etwas von Möbeln, auch von den noth- wendigsten Nichts. Ein schlechter Stuhl oder eine auf die Erde ausgebreitete Strohmatte war die gewöhnliche Stätte ihrer Ruhe; ein harter Kieselstein diente ihr, das Haupt darauf zu legen; die einzige Erquickung, welche sie sich zuweilen gönnte, war, daß sie auf einem Bündlein Weinreben schlief. Brod und Wasser und einige Hülsenfrüchte blieben ihre tägliche Nahrung. In der vierzigtägigen Fastenzeit der Kirche aß sie täglich nur drei Nüsse oder drei Kastanien, denen sie ein wenig Brod noch beifügte. In jeder Woche während dieser Zeit fastete sie drei Tage lang sehr strenge; denn sie genoß an denselben nur die heilige Hostie, die ihren Geist lieblich gesättigt und ihren erschöpften Leib wunderbar kräftig erhielt und sie so wunderbar auf dem Wege der Vollkommenheit vorwärts führte. Dabei beschäftigte sie sich beständig mit frommer Lesung oder Betrachtung, so daß wir mit vollem Rechte sagen können, Angela Merici sei vorzugsweise nur durch Gebet, durch Lesung oder Mehler, Haußbiich. Anhörung des göttlichen Wortes und durch den öftern und würdigen Empfang der heiligen Sakramente zur christlichen Vollkommenheit gelangt. — Willst auch du, m. chr. Leser! vollkommen werden, so bete, höre Gottes Wort fleißig an und empfange recht oft und recht würdig die heiligen Sakramente! Fr. Wie heißt das zweite Mittel zur Vollkommenheit? Antw. Beständige Uebung in der Demuth. Belehrung und Beispiele. Die standhafte Uebung einer immer gründlicheren Demuth ist ein vorzügliches Mittel zur Erlangung der christlichen Vollkommenheit; denn, was wir sind und im Dienste Gottes werden können, das sind und werden wir nur durch, die Gnade; „den De- müthigen aber gibt Gott seine Gnade." (1. Petr. 5, 5.) Ganz richtig ist also die Antwort, welche einst der heilige Einsiedler AntoniuS einem seiner Brüder gab. Als nämlich Letzterer fragte: „Vater! worin besteht der Fortschritt in der Tugend und Vollkommenheit?" so antwortete Antonius: „In der Demuth, mein Sohn! Je mehr Einer zur Demuth geneigt ist, desto höher wird er es bringen." — Ferner bezeichnet der göttliche Heiland selbst den Weg zur Vollkommenheit als einen sehr schmalen Weg, der Demüthige nun, der sich überall erniedrigt und klein macht, wird auf diesem Wege leicht wandeln können. Einst fragte ein Bruder den Abt Pö einen, wo man leichter zur Vollkommenheit gelangen könne — in der Einsamkeit oder in Gemeinschaft mit Andern? Und der heilige Abt antwortete: 106 842 Viertes Hauptstiick. Von den Mitteln zur Vollkommenheit, und zwar von den nächsten zwei. „Wenn der Mensch sich selbst erniedrigt, so kommt er überall leicht durch, er kann überall aufrecht stehen; wenn er aber sich selbst erhöht, so stoßt er überall an." — Siehe also, m. Chr.! demüthigen mußt du dich, du mußt dich bücken und klein machen, wenn du auf dem schmalen Weg der Vollkommenheit wandeln und einst durch die enge Pforte in das Himmelreich eingehen willst. Du mußt es machen, wie der heilige Erzbischof und Märtyrer Thomas, dessen Fest auf den heutigen Tag fällt, und der sich auf Erden stets erniedrigte, um einst im Himmel erhöht zu werden. Legende: Der heilige Thomas, Erzbischof und Märtyrer (ch 1l70). Dieser Heilige stammte aus einer sehr ansehnlichen Familie in London und zeichnete sich durch seine erhabenen Tugenden, besonders aber durch Dcmnth so sehr ans, daß er auf den erzbischöflichen Stuhl zu Canter- bury oder Kantelberg erhoben wurde. Da er mit Mnth und Eifer die Rechte seiner Kirche vertheidigte, sv- wurde er von seinen Feinden verfolgt, und mußte deßhalb, um ihrer Rache zu entgehen, die Flucht ergreifen. Allein nach seiner Rückkehr wurde er, als er eben der Vesper beiwohnte, an den Stufen des Altars ermordet am 29. Dezember 1170, im dreinndfünfzigsten Jahre seines Alters. Gebet. O Gott, für dessen Kirche der heilige Thomas sein Leben hingegeben hat, gib, daß Alle, die sich um seine Fürsprache an ihn wenden, die Gewährung ihrer Bitte erlangen und ihm auf dem Wege der Demnth und Vollkommenheit folgen, durch Christum, unfern Herrn. Amen. DreilMdertlliemndsechzigstes Lesestück. Am Feierabende des 30. Dezember. Von den Mitteln zur Vollkommenheit, nnd zwar von den nächsten zwei. Fr. Welches ist das dritte Mittel zur Vollkommenheit? Antw. Standhafte Selbstverläugnung und Selbstüberwindung. Belehrung. Wenn wir in der Tugend und Vollkommenheit fortschreiten wollen, so müssen wir uns beständig selbstverläugnen und überwinden, d. h. wir müssen unsere Leidenschaften, die unserm Herzen innewohnenden bösen Neigungen beherrschen und dem Willen Gottes unterwerfen; wir müssen uns Manches versagen, was uns lieb und angenehm ist, und uns auch in erlaubten Dingen Abbruch thun, damit wir von unerlaubten uns um so leichter enthalten. Dieß verlangt der göttliche Heiland selbst von uns, indem er sagt: „Will Jemand mir Nachfolgen, so verläugne er sich selbst, nehme sein Kreuz ans . sich und folge mir nach!" (Matth. 16, 24.) Und der heilige Papst Leo schreibt: „Das Leben des vollkommenen und heiligen Christen gleicht dem Kreuze Christi; denn durch die Nägel der Selbstverläugnung kreuzigt er die Begierden des Fleisches und tödtet sie; nnd wie der Krystall glänzt durch seine Härte, so der vollkommene Christ durch Abtödtung und Selbstverläugnung." Daß aber die Abtödtung zur Vollkommenheit nothwcndig sei, leuchtet wohl von selbst ein; denn wenn der Mensch seine bösen Neigungen und Leidenschaften nicht in sich beherrscht und unterdrückt, so wird er selbst von ihnen beherrscht, er wird ihr Sklave; und wie kann ein Solcher je wahrhaft tugendhaft oder vollkommen werden? Abtödtung und Selbstverläugnung sind und bleiben daher ein vorzügliches Mittel zur Vollkommenheit. Beispiele und Anwendung. Dieses zeigt Cornelius a Lapide in folgendem Beispiele. Als der heilige Patriarch Jakob, sagt er, nach Mesopotamien zog und von der Nacht auf freiem Felde überrascht wurde, nahm er einen Stein unter seinen Kopf und legte sich nieder; und in dieser Lage wurde er einer himmlischen Erscheinung gewürdigt. Wollen wir Blicke thun in des Himmels Herrlichkeit, wollen wir auf Erden vollkommen und einst im Himmel selig werden, so müssen wir uns auch etwas Hartes 843 Am Feierabende des 30. Dezember. gefallen lassen, d. h. wir müssen uns selbstverläugnen, unsere Eigenliebe und unsere bösen Neigungen unterdrücken. — Dicß lehrte auch der göttliche Heiland selbst einer Hochbegnadigten Seele, der heiligen Katharina von Genua, in einer geheimen Unterredung (sieh das obige Bild!), indem er zu ihr sprach: Wer sich selbst verläugnet, wer seinen eignen Willen untervrückt und dem meinigen unterwirft, Der wird vollkommen werden. Daher soll man erstens niemals von dir hören: Ich will oder will nicht; zweitens sage niemals mein, sondern unser; drittens entschuldige dich in keinem Stücke, sondern sei stets bereit, selber dich anzuklagen." Diesen Vorschriften gehorchte die heilige Katharina aus's Genaueste, wie aus ihrer ganzen Lebensgeschichte hervorgeht. Deßwegen gefiel sie aber auch ihrem göttlichen Lehrmeister so wohl, daß er sie mit ganz besonder» Gnaden bereicherte und sie zur Höhe der christlichen Vollkommenheit geleitete. Fr. Wie heißt das vierte Mittel zur Erlangung der christlichen Vollkommenheit? Antw. Geduldige Ertragung der Leiden und Widerwärtigkeiten dieses Lebens. Belehrung und Beispiele. Wen» wir vollkommen sein wollen, so müssen wir auch die Leiden und Trübsale des Lebens geduldig und gottergeben ans der Hand Gottes aunehmen und ertragen, bedenkend, daß Gott Den züchtigt, den er lieb hat. (Hebr. 12, 6.), und Den demüthiget, den er erhöhen will. (Spr. 18, 12.) In der Ueberzeugnng also, daß die Trübsal von Gott komme, sollen wir sie Gott dem Herrn aufopfern und ihn um Gnade bitten, einen guten Gebrauch davon zu machen. Diese Uebcrzeugung trug die heilige Theresia in sich; daher sagte sie oft: „Trübsale und Widerwärtigkeiten sind Geschenke unscrs himmlischen Vaters." Sie wollte lieber sterben, als nicht leiden; daher rief sie voll Begeisterung aus: „Laßt uns das Kreuz umarmen und die Trübsal verlangen! Wehe uns an dem Tage, wo es uns an Kreuz und Leiden fehlen wird! Leiden ist zwar der beschwerlichste, aber der sicherste Weg zu Gott; darum soll das Kreuz unser Trost und unsere Freude sein! Komme, was immer; je mehr Trübsal, desto mehr Gewinn!" In gleich frommer Gesinnung ertrug auch die tugendreiche Mutter Christin« vom heiligen Joseph aus dem Orden der Ursulinerinen die Widerwärtigkeiten und Trübsale dieses Lebens; daher pflegte sie bei eignen oder fremden Leiden zu sagen: „Es ist ja eine große Ehre für uns, mit dem lieben Heiland an's Kreuz angenagelt zu sein." Ueberdicß sollen wir gar wohl bedenken, daß uns Gott oft Leiden schickt, um uns dadurch Gelegenheit zu geben, unsere Sünden abzubüsscn; daher sollen wir mit jener frommen gottergebenen Gesinnung leiden und dulden, wie die heilige Edeltrud. Diese bekam am Ende ihres heiligen Lebens eine sehr schmerzhafte Geschwulst am Halse. Dieses Nebel aber ertrug sie mit Freuden und pflegte zu sagen: „Ich leide Verdientermassen; denn in meiner Jugend liebte ich cs, meinen Hals mit Schmuck zu behängen. Statt Gold und Edelsteinen hängt mir nun Gott eine Geschwulst und Entzündung an den Hals. Ich sage seiner Güte hicfür Lob und Dank." Wohl uns, m. chr. Leser! wenn auch wir in so frommer Absicht und mit so christlicher Geduld die Leiden und Trübsale dieses Lebens aus Gottes Hand annehmen! Dadurch werden wir gewiß zur christlichen Vollkommenheit gelangen ebenso, wie der heilige Bischof Anysius, dessen Andenken wir heute feiern, und der sich ebenso sehr durch Selbstverläugnung, als durch Geduld im Leiden auszeichnctc. Legende: Der heilige Anysius, Bischof zu Thessalonich (i im 5. Jahrhdt.). Dieser Heilige wurde von der Geistlichkeit und dem Volke einstimmig zum Bischöfe von Thessalonich in Macedonien erwählt, und als sie dieß dem heiligen Ambrosius berichteten, wünschte ihnen dieser Glück, daß sie eine so herrliche Wahl getroffen, und ertheilte dem neuen Oberhirten glänzende Lobsprüche. — Anysius stand der Kirche von Thessalonich sehr lange vor und entfaltete in seiner Amtsführung einen Eifer und eine Wachsamkeit, ganz würdig eines Nachfolgers der Apostel. Er blieb in der damaligen Verwirrung stets unerschütterlich fest im Glauben und duldete mit Ruhe und Ergebung in Gottes heiligen Willen all die Leiden und Widerwärtigkeiten, die ihm die Feinde der Kirche 106 * 844 Viertes Hauptstück. Von den Mitteln znr Vollkommenheit, und zwar von dem letzten derselben. MM bereiteten. Er starb hochbejahrt eines seligen Todes. Unter Gregor XIII. wurde sein Name in das römische Marthrerbnch ausgenommen. Gebet. Wir bitten dich, Herr himmlischer Vater! erleuchte und stärke uns, damit wir so treu im Glauben, so eifrig in der Selbstverläugnnng und so geduldig im Leiden befunden werden mögen, wie der heilige Bischof Anhsius; durch Christum, unfern Herrn. Amen. Dreihttudertfnnftmdsechzigstes Lesestütk. Am Feierabende des 31. Dezember. Bon den Mitteln zur Vollkommenheit, und zwar von dem letzten derselben. Fr. Worin besieht endlich das fünfte Mittel zur christlichen Vollkommenheit? Antw. Darin, daß wir all unsere Handlungen im Stande der Gnade und auf eine gottgefällige Weise verrichten. Belehrung. In dieser Beziehung ruft uns der heilige Paulus zu (1. Cor. 10, 31.): „Ihr wöget essen oder trinken oder sonst etwas Anderes thun, so thut Alles zur Ehre Gottes." Also all unser Thun und Lassen, all unsere Arbeiten und Freuden, all unser Essen und Trinken, all unsre Vergnügungen und geselligen Beziehungen im Umgänge mit Andern müssen Gottes Ehre, unser eignes und unsrer Mitmenschen Seelenheil zum Ziele haben, d. h. wir wüsten Alles thun im Stande der Gnade und aus eine gottwohlgefällige Weise; dicß ist für uns Alle der einfachste Weg zur Vollkommenheit. Daher wollen wir noch sehen, wie sich der Christ 1) bei seinen Arbeiten, 2) bei seinen Mahlzeiten, 3) bei seinen Erholungen und 4) im Umgänge mit Andern zu benehmen hat. Fr. Wie muß der Christ seine täglichen Arbeiten verrichten? Atttw. Emsig, geduldig und in der Absicht, Gott zu gefallen. Belehrung. Wir werden unsere täglichen Arbeiten und Handlungen am Leichtesten auf eine gottwohlgcfällige Weise verrichten, wenn wir uns verstellen, wie Jesus Christus dieselben verrichtet hat, und uns befleißen, ihm ans Liebe nachzuahmen, d. h. wenn wir emsig, geduldig und in der Absicht Gott zu gefallen arbeiten. Daher soll man am Anfang eine gute Meinung erwecken, und wenn die Arbeit lange dauert, sie einigemal erneuern. — Jede Handlung, die größte, glänzendste That sowohl, wie das kleinste, verborgenste Unternehmen ist an und für sich nur ein leeres Blatt; die Absicht warum, und die Weise, wie sie geschieht, schreiben erst den Inhalt darauf. Oft schon stand auf einem schmalen Blättchen größerer und besserer Inhalt, als in manchem bändereichen Buch. Beispiele und Anwendung. Wenn wir also in frommer Absicht, in guter Meinung, aus Liebe zu Gott, mit Emsigkeit und Geduld arbeiten, so werden all unsere Handlungen und Arbeiten dem Herrn Wohlgefallen. Daher hatte cs die heilige Magdalena von Pazzis sehr gerne, wenn eine mit der Arbeit beschäftigte Ordensschwester auf die Frage: was sie thue, zur Antwort gab: „Ich liebe Jesum." Denn wer Alles aus Liebe zu Jesus thut, verarbeitet auf eine christliche, Gott wohlgefällige Weise. Wie leicht es aber sei, all unsere Arbeiten aus Liebe zu Gott und in Beziehung auf Gott zu verrichten, sehen wir aus folgendem Beispiele. Mehrere barmherzige Schwestern kamen, abgehalten durch andere Pflichten, spät in das Waschhaus. Hier klagten sie, daß sie auch ihre Betrachtung noch nicht gemacht hätten. Darauf aber entgegnete ihre fromme Vorsteherin: „Liebe Schwestern! Ihr könnet ja hier bei der Arbeit auch beten. Denket daran, daß eure Seelen so weiß sein sollten, wie dieser Seifenschaum, und so leicht wie derselbe, um sich zu Gott zu erheben. Auch daran denket, daß ihr eucrn Seelen die Reinheit und Sauberkeit dieses Linnens verschaffen könnet und sollet — im Wasser der Busse!" O wie leicht könnten wir uns oft bei unfern Arbeiten mit ähnlichen frommen Gedanken geschäftigen und das Gebet mit der Arbeit verbinden; wir dürften nur mit frommer Gesinnung ausrufcn: „Herr! Alles dir zu Lieb!" oder „Alles zur größeren Ehre Gottes!" 845 Am Feierabende des 31. Dezember. Fr. Wie sollen wir Mahlzeit halten? Antw. Wir sollen vor und nach dem Essen mit gefalteten Händen das Tischgebet verrichten und während desselben mäßig und eingezogen sein. (Sieh das nachfolgende Bild!) Belehrung. Hiezu ermahnt schon Moses das Israelitische Volk mit den Worten: „Wenn du issest und satt wirst, so hüte dich.wohl, den Herrn zu vergessen!" (5. Mos. 6, 12. 13.) und bei Sirach (32, 15. 17.) heißt es: „Wenn es Zeit ist, so stehe vom Tische auf ... und lobe für Alles den Herrn, der dich erschaffen und mit seinen Gütern reichlich gelabt hat!" — Auch der heilige Hieronymus fordert uns hiezu auf, indem er sagt: „Man darf nicht eher Speise zu sich nehmen, als bis man gebetet hat." — Ein Mensch, der ohne Gebet zu Tische geht, und ohne Gebet wieder von demselben aufsteht, oder dabei übermäßig ißt und trinkt, gleicht unvernünftigen Thieren, die Nichts von einem Gott und von einer Tugend wissen. (Ausführlicher wurde dieser Gegenstand schon oben S. 230 — 231 behandelt.) Fr. Wie soll man sich bei Erholungen benehmen ? Antw. Alan soll sie zur rechten Zeit und in den Schranken der Sittsamkeit genießen und sie zugleich durch eine gute Meinung, durch das Andenken an Gott heiligen. Belehrung. Der Christ darf allerdings auch eine ehrbare Erholung genießen, nur muß es zur rechten Zeit geschehen und durch eine gutcMeinung und durch das Andenken an Gott geheiligt werden, d. h. wir dürfen keine Stunden hiezu benützen, die der Arbeit oder dem Gebete gewidmet sein sollen, und wir dürfen uns nicht länger ergötzen, als es zur Erholung des Geistes und Körpers dienlich ist; dann muß die Erholung mit Maß und Ziel genossen werden; denn „mit Unverstand geuoß'uc Freuden verwandeln sich in Schmerz und Leiden." Endlich soll man sich erholen und ergötzen nur in guter Absicht. „Freuet euch allzeit im Herrn," ruft unS der Apostel zu (Phil. 4, 4—5.), „übermal sage ich, freuet euch! Eure Sittsamkeit werde allen Menschen kund! Der Herr ist nahe." Beispiele und Anwendung. Wie der Wandersmann sich bisweilen in der Herberge labet, um ncugcstärkt und mit verdoppelten Schritten den Weg fortzusetzen, so bedarf auch der Mensch auf der Wanderung durch das Thal des Lebens der Ruhe und der Erholung. Daher darf allerdings auch der Christ zur rechten Zeit eine ehrbare Erholung genießen. Nach diesem Grundsätze lebten von jeher alle frommen Diener Gottes, in dieser Weise gcnoßen sic ihre Freuden und Erholungen. So lesen wir vom heiligen Philippus Nerius, daß er immer sehr fröhlich und heiter war, und eS gerne sah, wenn auch Andere heiter und fröhlich im Herrn waren. Daher sammelte er gerne junge Leute um sich, und führte sie vor die Stadt, wo sie im Freien Spiele machten und Speise zu sich nahmen. Es war dann seine Freude, wenn sic recht lustig wurden. Am Ende setzte er sich zu ihnen auf den Boden und ermunterte sie zu einem gottseligen Leben. Wenn die jungen Leute im Hause spielten und dabei einen großen Lärm machten, und man sich darüber aufhielt, sagte Philippus: „Meinetwegen können sie auf meinem Rücken Holz spalten, wenn sie nur nicht sündigen." — Wenn er Einen sah, der ein finsteres oder trauriges Gesicht machte, gab er ihm zuweilen einen leichten Backenstrcich und sagte: „Sei fröhlich!" — Stets versicherte er, die Fröhlichen seien leichter auf den Weg der Tugend zu bringen, als die Traurigen. Ehrbare Erholungen zu genießen, ist also ganz recht, nur dürfen wir dabei nicht vergessen, daß wir Christen sind und uns also auch stets als Christen benehmen müssen. Als der Sohn des alten Königs Menedem einst in ein gemeines Haus zu einem Freudenfeste geladen wurde, und er deßwegen den Vater um Erlaubniß bat: so blickte ihn dieser mit königlichem Ernste B46 Viertes Hanptstück. Von den Mitteln znr Vollkommenheit, und zwar von dem letzten derselben. an, sprechend: „Du magst hingehen, mein Sohn; aber vergiß nicht, daß du der Sohn eines Königs bist!" So ruft uns auch Christus zu: Vergesset nicht, ihr Christen! daß ihr Kinder Gottes seid! Vergesset es besonders nicht bei euren Vergnügungen! Wählet darum keine Freude, die von Gott oder eurem Gewissen verdammt wird! Seid mäßig im Genüsse, damit ihr eure Christenwürde nicht entehret! Fr. Wie soll endlich unserumgang mit dem Nächsten beschaffen sein? AntW. 1) Freundlich und 2) vorsichtig. Belehrung und Beispiele. Im Umgänge mit unserm Nächsten müssen wir 1) freundlich sein. Wenn du auch noch so tugendreich bist, aber immer ein saueres Gesicht machest und verdrießliche Worte sprichst, so wirst du die Leute von dir und von der Tugend verscheuchen; durch Freundlichkeit aber wirst du gar viele Herzen gewinnen. Daher pflegte der heilige Ignatius zu sagen: „Ein unschuldiges und heiliges Leben führen, ist zwar an sich ein sehr kostbares Gut und allem Andern vorzuziehen; aber es wird immer als ein großer Mangel anzusehen sein, wenn man nicht lernt, die Menschen mit Klugheit und auf die rechte Weise zu behandeln." Und ganz treffend ist der Ausspruch eines frommen Lehrers, der also lautet: „Laßt uns haben das Herz eines Kindes gegen Gott, das einer Mutter gegen den Nächsten, und das eines Richters gegen uns selbst!" Wie eine Mutter also sollen wir uns gegen den Nächsten benehmen, voll Liebe und Teilnahme; gegen uns selbst sollen wir sein wie ein Richter, der keine Schuld übersieht; gegen Gott wie ein Kind — dcmüthig, aufrichtig und voll Vertrauen. — Im Umgänge mit Andern müssen wir aber auch 2) vorsichtig sein, damit wir nicht auf irgend eine Weise zum Bösen verführt werden; denn das Gute lernt man von den Guten, sowie das Böse von den Bösen. Der Umgang mit jenen ist daher die beste, mit diesen die schlimmste Schule. Dieses bedenkend, gab der heilige Franz Seraph seinen Jüngern, wenn er sie zum Predigtamte in die weite Welt hinanssandte, gewöhnlich die Ermahnung niit auf den Weg: „Brüder! auch in der Welt draußen müssen wir innig und andächtig leben, wie in der Zelle. Die Seele muß der Einsiedler, der Leib die Zelle sein; der Einsiedler in dieser Zelle muß Gott beständig anhangen und vorsichtig in seiner heiligen Zurückgezogenheit verweilen, um nicht in den Gefahren der Welt zu Grunde zu gehen." — Freundlichkeit und Vorsicht sollst also auch du, m. Chr.! stets in deinem Gefolge haben, wenn du mit deinem Nächsten umgehst. Legende: Der heilige Papst Silvester tt 335). In dieser Beziehung gibt uns auch der heilige Silvester, dessen Fest ans den heutigen, den letzten er war äußerst freundlich und liebevoll im Umgänge mit Andern, aber zugleich auch vorsichtig. Jnsbesonders wird er als ein großer Freund und Wohlthäter der Armen gerühmt. Silvester stammte aus einer ansehnlichen römischen Familie und wurde i. I. 314 auf den päpstlichen Stuhl erhoben. Den Frieden, welchen die Kirche unter seiner Regierung genoß, benützte er zu den nützlichsten Anstalten; und als dieser schöne Friede, leider! durch die so verderbliche Irrlehre des Arius gestört wurde, widerstand er der Gottlosigkeit und sorgte für die Erhaltung des Glaubens. Zu diesem Zwecke wurde i. I. 325 das berühmte Concilium zu Nicäa abgehalten, bei welchem jedoch der heilige Silvester Alterswegen nicht persönlich erscheinen konnte. Nach vielen Sorgen und Arbeiten für die Kirche Gottes vollendete dieser Heilige sein irdisches Leben am 31. Dezember 335. Gebet. Wir bitten dich, allmächtiger Gott! vermehre auf die Fürbitte des heiligen Silvester unfern Eifer im Guten, damit wir in der Tugend und Vollkommenheit immer mehr zunehmen, so daß einst der letzte Tag unsers Lebens der Anfang unsrer Seligkeit im Himmel sei, durch Christum unfern Herrn. Amen. Am Feierabende des 31. Dezember. (Schluß.) 847 8 ch tu ß. Ja, mein Christ! der letzte Tag deines Lebens soll der Anfang deiner Seligkeit im Himmel sein; das ist der Wille Gottes und unsere Bestimmung auf Erden: hier sollen wir Gott lieben und ihm dienen, und einst sollen wir selig werden. Darum hat Gott der Herr so viel für uns gethan: Er hat zu uns geredet durch seine gött- Wx - Ä' liche Offenbarung, er bietet uns seine Gnade an und seine heiligen Sakramente, um uns ;u leiten und zu stärken auf der weiten und gefährlichen Neise zum Himmel; und zu diesem Zwecke sendet er uns schon gleich bei unserer Geburt seinen Engel, der uns gleichsam den Wanderstab in die Hand gibt. (Sieh das obige Bild!) Welch' eine unendliche Mebe! Dafür verlangt aber der Herr auch von uns, daß wir seine göttliche Offenbarung gläubig annehmeu, im Gebete gerne mit ihm reden, seine Gnade und die heiligen Sakramente fleißig gebrauchen und seine heiligen Gebote treu beobachten. Siehe, das ist in Kürze der ganze Inhalt dieses Haus- und Familienbuches. Christliche Seele! ich bitte und beschwöre dich um der Liebe Jesu Christi willen, bedenke diese ernsten Wahrheiten besonders heute, am letzten Feierabende eines ganzen Jahres; handle aber von nun an auch darnach! Wie getrost kannst du dann dem kommenden und allen übrigen Jahren deines Lebens, ja selbst deiner Sterbstunde entgegensetzen! Denn wenn du einst am Ziele deiner irdischen Wanderschaft an- gelangt sein wirst,' so wird dir dann der Herr abermals seinen Engel senden, damit er dir deinen Wanderstab abnehme und dir statt desselben die Palme des ewigen Friedens überreiche. (Sieh das nebenstehende Bild!) Möge mir und dir und uns Allen dieses Glück zu Theil werden durch Den, der unser Trost und unsere Hoffnung im Leben und Sterben, und unsere Wonne und Seligkeit im Himmel ist, durch Jesum Christum, unfern Herrn! Amen. Inhaltsverzeichnis äcier- Lest- stiilii Äier- jlucii Mud d-s Inhalt. aliend des Inhalt. Ja». In». Vorrede. V 18. 18. Gott ist allgegenwärtig und allwissend 47 An den christlichen Leser. VI Legende: Die heilige Priska 49 1. Einleitung. Vom Hiel und Ende oder von 19. 19. Gott ist allwcise und allmächtig.... 50 der Bestimmung des Menschen 7 Legende: Der heilige Kannt 52 Legende: Die Beschncidnng des Herrn 9 20. 20. Gott ist heilig und gerecht. 53 2. 2. Bon der Erhabenheit unsrer Bestimmung, und Legende: Der heilige Sebastian 55 von der Möglichkeit, sie zu erreichen 9 21. 21. Gott ist gütig, barmherzig und langmüthig 55 Legende: St. Makarius .... 11 Legende: Die heilige Agnes . . 58 22. 22. Gott ist wahrhaft und getreu .... 58 Erstes Hanptstiick. Legende: Der heilige Vincentius 60 Wie Gott der Herr zu uns geredet hat, oder Offenbarung und Glaube. 23. 24. 23. 24. Von Einem Gott in drei Personen . Legende: Die heilige Emerentiana Gott ist unser Vater, der allmächtige Schöpfer 60 63 I 3. 3. Bon der göttlichen Offenbarung.... 13 Himmels und der Erde. 63 l 4. Legende: St. Genovcfa .... 14 Legende: Der heilige Timotbens 65 4. Bon der heiligen Schrift: g) Bedeutung und vor- 25. 25. Die guten Engel im Himmel .... 66 i trefflicher Inhalt derselben .... 15 Legende: Die heilige BathildiS . ' . 68 ! Legende: Der heilige Titus 17 26. 26. Die gefallenen Engel in der Hölle oder die bösen 9. 5. Bon der heiligen Schrift: >i) Glaubwürdigkeit Geister. 68 und Lesung derselben. 17 Legende: Der heilige Polykarp . Die ersten Menschen im Paradiese 70 Legende: Der heilige Telesphorns 19 27. 27. 71 6. 6. Von der Erblehre oder Tradition 20 Legende: Der heil. Johannes Chrysostomns. 72 7. 7. Legende: Die heiligen drei Könige . 22 28. 28. Die ersten Menschen außer dem Paradiese. (Der Bon dem unfehlbaren Lchramte der katholischen Sündenfall.) ....... 73 Kirche. 23 29. Legende: Der heilige Kaiser Karl der Große 75 ! 8. Legende: St. Valentin .... 24 29. Von der Erbsünde. 75 8. Von der Bedeutung und Größe des Glaubens . 25 Legende: Der heilige Franz von Sales 77 9. 9. Legende: St. Erhard .... 26 30. 30. Zweiter Glaubensartikel: „Und an Jesnm Bon der Nothwendigkeit des Glaubens und von Christum, seinen eingebornen Sohn, unfern dem allein wahren Glauben .... 27 Herrn." Von den beiden Namen des göttlichen IN. 10. Legende: Die heilige Marciana 29 Erlösers: „Jesus" und „Christus." 78 Von den Eigenschaften des Glaubens 29 Legende: Die heilige Martina . 80 11. 11. Legende: Der heilige Einsiedler Paulus . 31 31. 31. Jesus Christus ist der eingeborne Sohn Gottes Bon dem Bekenntnisse unser« Glaubens . 32 und unser Herr. 81 12. 12. Legende: Der heilige Hyginus . 33 Fcvr. Legende: Der heilige Petrus Nolaskus 82 Von der Glanbensverläugnung und vom Abfall 32. 1. Jesus Christus ist wahrer Gott, der verheißene vom Glauben. 34 Messias. 83 13. 13. Legende: Der heilige Erncst 35 Legende: Der heilige Ignatius . 84 Vom heiligen Krenzzeichcn..... 36 S3. 2. Dritter Glaubensartikel: „Der empfangen 14. 14. Legende: Der heilige Hilarius . 38 z ist von dem heiligen Geiste, geboren ans Maria Vom apostolischen Glanbensbekcnntniß 38 der Jungfrau." Von der Menschwerdung des 15. Legende: Der heilige Felix von Nola 40 Sohnes Gottes ...... 85 15. Erster Glaubensartikel: „Ich glaube an Gott 34. Legende: Mariä Lichtmeß .... 87 den Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und 3. Die Geburt Christi ans Maria der Jungfrau . 88 der Erde." „Ich glaube an Gott" oder von Legende: Der heilige Blasius . 90 Gottes Dasein. 41 35. 4. Kindheit und Jnqendjahre Jesu 90 16. 16. Legende: Der heilige Maurus . 43 Legende: Der heilige Andreas Corsini 92 Von Gottes Wesenheit. 43 36. 5. Vierter Glaubensartikel. „Gelitten unter 17. 17. Legende: Der heilige Marcellus 45 Pontio Pilato, gekreuzigt, gestorben und be- i Gott ist ewig und unveränderlich 45 graben." Die Leiden am Oelberg . 93 Legende: Der heilige Antonius der Große 47 Legende: Die heilige Agatha 95 Inhaltsverzeichnis. 849 Lese- stück Lciee- aöcnd des Inhalt. L-ft. Inhalt. 37. 38. 39. 40. 41. 42. 43. 44. 45. 46. 47. 48. 49. 50. 51. 52. 53. 54. 55. 56. 57. 58. 59. 60. Febr. 6 . Die Leiden Jesu vor seinen Richtern. .' . Legende: Die heilige Dorothea . Die Leiden Jesu bei seiner Geißlung und Krönung Legende: Der heilige Theodor von Heraklea Die Leiden Jesu bei seiner Kreuztragung . Legende: Der heilige Johannes von Math» Die Leiden Jesu bei seiner Kreuzigung Legende: Die heilige Apollonia. Das Kreuz und seine Bedeutung Legende: Die heilige Jungfrau Scholastika Jesu Tod am Kreuze. Legende: Die heilige Jungfrau Euphrosina Wie und warum Jesus für uns litt und starb . Legende: Die heilige Eulalia . Wirkungen des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi. Legende: Der heilige Papst Gregor II. Was wir dem göttlichen Heiland für seinen Vcr- söhnungstod schuldig sind . . . . Legende: Der heilige Valentin . Jesu Begräbnis;. Legende: Die heiligen Fanstin und Jovita Fünfter Glaubensartikel: „Abgestiegen zu der Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toden." Jesus in der Vorhölle Legende: Die heilige Jnliana . Die Auferstehung Christi; ihre Unläugbarkeit Legende: Der heilige Silvin Die Auferstehung Christi, wie wichtig und tröstlich sie für uns ist. Legende: Der heilige Simeon . Die Wundmale Christi ..... Legende: Der heilige Mansuetus . Sechster Glaubensartikel: „Anfgefahren in den Himmel, sitzet er zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters." Christi Himmelfahrt Legende: Der heilige Eucherius Christi Macht und Herrlichkeit im Himmel Legende: Die heilige Eleonora. Siebenter Glaubensartikel: „Von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten." Vom allgemeinen Gerichte Legende: Die heilige Margaretha von Cortona. Vom besonder» Gerichte. Legende: Der heilige Petrus Damianus . Vom Fegfener. Legende: Der heilige Mathias . Achter Glaubensartikel: „Ich glaube an den heiligen Geist." Der heilige Geist — als wahrer Gott und als die dritte Person in der Gottheit Legende: Die heilige Walburga Der heilige Geist — als Heiligmacher und Tröster- Legende: Die heilige Mathildis. Die sieben Gaben des heiligen Geistes Legende: Der heilige Leander . Von den außerordentlichen Gnadcngaben und von den Früchten des heiligen Geistes . Legende: Der heilige Oswald . Neunter Glaubensartikel: „Ich glaube eine heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen." Begriff und Gründung der wahren Kirche Legende: Der heilige Suitbert. Metzler, Hausbuch. 7. 8 . 9. 10 . 11 . 12 . 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20 . 21 . 22 . 23. 24. 25. 26. 27. 28. März 1 . 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 112 113 114 115 116 117 118 119 121 121 123 123 125 126 127 128 130 130 132 133 135 135 137 138 139 140 142 142 144 144 146 146 148 61. 62. 63. 64. 65. 66 . 67. 68 . 69. 70. 71. 72. 73. 74. 75. 76. 77. 78. 79. 80. 81. 82. 83. März 2 . 3. 4. 5. 6 . 8 . 9. 10 . 11 . 12 . 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20 . 21 . 22 . 23. 24. Einrichtung der wahren Kirche .... Legende: Der heilige Simplicius Der heilige Petrus — als das sichtbare Oberhaupt der Kirche. Legende: Die heilige Kunigunde Der römische Papst — als Nachfolger des heiligen Petrus. Legende: Der heilige Casimir . Die kirchliche Unterordnung (Hierarchie) Legende: Der heilige Friedrich . Die ersten zwei Kennzeichen der wahren Kirche: Einigkeit und Heiligkeit. Legende: Die heilige Coletta Die letzten zwei Kennzeichen der wahren Kirche: Allgemeinheit und Apostolieität Legende: Der heilige Thomas von Aguin Diese vier Kennzeichen finden sich außer der Kirche nicht. Legende: Der heilige Johann von Gott Die katholische Kirche ist also die allein wahre und allein scligmachendc Kirche .... Legende: Die heilige Franziska. Welche Pflicht Jene haben, die von der Kirche getrennt sind, und wie wir uns gegen sic benehmen sollen. Legende: Die vierzig heiligen Märtyrer Von der Verbreitung und Erhaltung der Kirche . Legende: Der heilige Sophronins Gemeinschaft der Heiligen, und zwar die streitende Kirche. Legende: Der heilige Gregorius der Große Gemeinschaft der Heiligen, und zwar die leidende Kircke. Legende: Die heilige Enphrasia Gemeinschaft der Heiligen, und zwar die trium phircnde Kirche. Legende: Die heilige Mathildis Wer nicht zur Gemeinschaft der Heiligen gehört und was wir hieraus lernen sollen. Legende: Der heilige Zacharias Zehnter Glaubensartikel: „Nachlaß (oder Ablaß) der Sünden." .... Legende: Der heilige Heribert . Eilfter Glaubensartikel: „Auferstehung des Fleisches." Gewißheit und Ungewißheit des Todes Legende: Die heilige Gertraud . Der Tod des Gerechten und des Sünders. Legende: Der heilige Eduard . Gewißheit und Möglichkeit der Auferstehung Legende: Der heilige Joseph Art und Weise der Auferstehung Legende: Der heilige Joachim . Warum es eine Auferstehung des Fleisches gebe, und wozu uns diese Glaubenslehre ermuntern soll . Legende: Der heilige Benedikt . Zwölfter Glaubensartikel: „Und ein ewiges Leben. Amen." Es gibt ein ewiges Leben; denn unsere Seele ist unsterblich Legende: Der heilige Nikolaus von der Flue Der Himmel und seine Freuden Legende: Der heilige Viktorian. Mittel, den Himmel zu gewinnen Legende: Der beilige Erzengel Gabriel 107 148 150 151 153 153 155 155 157 l57 159 >60 161 162 163 164 165 166 168 168 170 170 >72 173 175 175 176 177 178 179 180 181 183 184 186 186 187 188 190 190 192 192 194 195 197 198 199 85V Jnhaltsverzeichiiiß. 1'ese- stück Leier abeni des Inhalt. Lese- stück Leier- abend des Inhalt. Mbr z April 84 25. Die Hölle und ihre Qualen .... 200 110 20. Die sechste Bitte !m Vater unser (und zwar von Leqende: Mariä Verkündigung. 202 den Mitteln gegen die Versuchungen) 258 85 26. Von der Ewigkeit der Höllenstrafen . 202 Legende: Die heilige Agnes 259 Legende: Der heilige Lndgcrus. 204 111 21. Die siebente Bitte im Vater unser 260 86. 27. Mittel, der Hölle zu entgehen .... 204 Leqende: Der heilige Anselm . 261 Legende: Der heilige Rupert . 206 112. 22. Das Wörtlein „Amen". 262 87. 28. Von den vier lebten Dingen .... 207 Leqende: Die heiligen Soter und Casus . 264 Legende: Der heilige Guntrain. 207 113. 23. Der vortreffliche Inhalt und das hohe Alter des englischen Grußes. 264 Zweites Hanptstück. Legende: Der heilige Adalbert . 266 114. 24. Die Kraft und Wirksamkeit des englischen Grußes 266 Wie wir zu Gott reden sollen, oder die Leqende: Der heilige Georqius 268 Lehre vom Gebete. 115. 25. „Gegrüßest seist Du!" Die Verehrung Mariens, in 88. 29. Bedeutung und Eintheilung des Gebetes . 211 der heil. Schrift und in der Vernunft begründet 268 Legende: Der beiliqe Abt Eustasius . 212 Legende: Der heilige Markus . 270 89. 30. Lieblichkeit und Wirksamkeit des Gebetes . 213 ! 116. 26. Die Verehrung Mariens ist schon uralt 271 Legende: Der heilige Johannes Climakus. 214 Legende: Der hl. Fidelis von Sigmaringen 272 90. 31. Nothwendigkeit des Gebetes .... 215 117. 27. Von der Nachahmung Mariens.... 273 April Leqende: Die heilige Balbina . 216 Legende: Die heilige Zita 274 91. 1 . Eigenschaften des Gebetes, und zwar die ersten drei 217 ? 118. 28. „Maria!" Die erhabene Bedeutung und die Lieb- Legende: Der heilige Hugo 219 lichkeit des heiligen Namens Maria 275 92. 2. Eigenschaften des Gebetes, und zwar die letz- Leqende: Der heilige Vitalis 276 ten drei. 219 119. 29. Die Kraft des heiligen Namens „Maria" . 277 Legende: Der heilige Franz von Paula 221 Leqende: Der heilige Petrus . 279 93. 3. Warum unser Gebet so oft nicht erhört werde . 221 j 120. 30. „Du bist voll der Gnaden!" Maria — ein Ge- Legende: Der heilige Richard . 223? faß der Gnaden. 279 !»4. 4. Mündliches und innerliches Gebet oder Betrachtung 223 ' Mai Legende: Die heilige Katharina von Siena 280 Legende: Der heilige Isidor 225 121. 1 . Maria — eine Spenderin der Gnaden 281 95. 5. Zeit des Gebetes. 226 Legende: Die heiligen Apostel Philippus und Legende: Der heilige Vincenlius Ferrcri . 227 Jakobus. 283 96. 6. Das Morgengebet. 228? 122. 2. „Der Herr ist mit Dir!" Von der innigen Vereinig- Legende: Der heilige Abt Wilhelm . 230 ung Gottes mit Maria und Mariens mit dem Herrn 284 97. 7. Das Tischgebet. 230 Legende: Der heilige Athanasius 285 Legende: Der gottselige Hermann Joseph . 231 ! 123. 3. „Du bist gebenedcit unter den Weibern." Maria 98. 8. Das Gebet beim Zeichen der Betglocke 232 i — die Gesegnete und die Segenspenderin 286 Legende: Der heilige Dionysius 233 Legende: Kreuzerfindung .... 287 99. 9. Das Abendgebet. 233 124. 4. „lind gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Legende: Die heilige Maria von Aegypten 235 Jesus." Jesus, der Hochgebenedeite im Himmel 00. 10. Ort des Gebetes. 236 und auf Erden, die Frucht Mariens 287 Legende: Die heilige Mechtildis 237 Leqende: Die heilige Monika . 289 01. 11. Fürbittgebet oder für wen wir beten sollen 238 125. 5. „Heilige Maria, Mutter Gottes!" Maria ist Legende: Der heilige Papst Leo der Große 239 , Gottes Mutter. 289 02. 12. Das Gebet des Herrn. Die hohe Bedeutung Legende: Der heilige Papst Pins V. . 291 des heiligen Vater nnsers .... 240 j 126. 6. Maria ist auch unsere Mutter .... 292 Legende: Der heilige Zeno 242 ? Legende: Der heil. Johannes Damascenus 293 03. 13. Die Vorrede im Vater unser .... 242 ! 127. 7. „Bitt' für uns!" Von der Fürbitte und Hilfe Legende: Der heilige Hermenegild . 245 Mariens. 294 04. 14. Die erste Bitte im Vater unser.... 245 Legende: Der heilige Stanislaus 295 Legende: Der heilige Tiburtius mit seinen 128. 8. „Bitt' für uns, arme Sünder!" Maria — Genossen Valerian und Maximns . 247 eine besondere Zuflucht der Sünder 296 05. 15. Die zweite Bitte im Vater unser 247 Leqende: Der heilige Florian . 297 Legende: Die heilige Lidwina . 249 129. 9. „Bitt' für uns jetzt!" Maria — unsere Helferin 06. 16. Die dritte Bitte im Vater unser 249 im Leben. 298 Legende: Die achtzehn heiligen Märtyrer Legende: Der heilige Gregor von Nazianz 299 von Saragossa und die heilige Jungfrau 130. 10. „Bitt' für uns in der Stunde nnsers Abster- Enkratidcs. 251 ? bens! Amen." Maria —unsere Helferin im Tode 300 07. 17. Die vierte Bitte im Vater unser 251 Legende: Der heilige Antonin . 302 Legende: Der heilige Anicct 253 131. 11. Der englische Gruß Morgens, Mittags und Abends 303 08. 18. Die fünfte Bitter im Vater unser 254 Legende: Der heilige Mamertus 304 Legende: Der heilige Apollonius 255 132. 12. Der Rosenkranz: seine Bedeutung und Entstehung 305 09. 19. Die sechste Bitte im Vater unser (und zwar von Leqende: Der heilige Pankratius 306 den Versuchungen). 256 133. 13. Der Rosenkranz: seine Vortrefflichkeit und Kraft. 307 Legende: Der heilige Papst Leo IX. . 257 Legende: Der heilige Servatius 308 Inhaltsverzeichnis;. 851 Lese- stink Feierabend des Inhalt. Lesest nck Feierabend des Mai Mai 134. 14. Die lanretanischc Litanei. 309 151. 31. Legende: Der heilige Bonifacins 310 135. 15. Was Maria nach den bestimmten Lobsprüchen Juni der lanretanischen Litanei an und für sich 152. 1 . selbst ist. 311 ! Legende: Der heilige Isidor 314! 153. 2. 136. 16. Was Maria nach den bestimmten Lobsprüchen der lanretanischen Litanei für uns ist 314 Legende: Der heil. Jobannes von Nevomnk 315 154. 3. 137. 17. Was Maria nach den bestimmten Lobsprüchen der lanretanischen Litanei für alle Gerechten ist 316 155. 4. Legende: Der bcilige Bruno 317 138. 18. Die symbolischen Lobsprüche Mariens in der lanre- 156. 5. tonischen Litanei: 1) Spiegel der Gerechtigkeit, 2) Siv der Weisheit. 3l8 Legende: Der heilige Felix von Kanializio 319 ! 157. 6. 139. 19. Die symbolischen Lobsprüche Mariens in der lanre- tauischen Litanei: 3) du geistliches, 41 du ehr- würdiges Gefäß, 5) du vortreffliches Gefäß der ? 158. 7. Andacht, 6) du geistliche Rose 320 Legende: Der heilige PetrnS Cölestinns 321 140. 20. Die symbolischen Lobsprüche Mariens in der lanre- > 159. 8. tauischen Litanei: 7) Thurm Davids, 8) elfen- beinerner Thurm. 322 . 160. 9. Legende: Der heilige Bernhardin von Siena 324 141. 21. Die symbolischen Lobfprnche Mariens in der lanre- tauischen Litanei: 9) Goldenes Haus, 10) Arche ! 161. 10. des Bundes. 324 Legende: Der heilige Hospitins . 326 162. 11. 142. 22. Die symbolischen Lobsprüche Mariens in der lanre- tauischen Litanei: 11) Pforte des Himmels, 163. 12. 12) Morgenstern. 326 Legende: Die heilige Julia 328 164. 13. 113. 23. Das Salve Regina. 328 ' Legende: Der heilige DesideriuS 330 j 165. 14. Drittes Hlluptstiick. WaS Gott zu unserer Heiligung und Be- 166 1-5 seligung gethan hat, und was er noch immerthnt, oder die Lehre von der Gnade und den Gnadenmitteln. 144. 24. Von der Gnade überhaupt. 333 167. 16. Legende: Die heilige Johanna . 334 145. 25. Von der Bedeutung und Nöthwendigkeit der 168. 17. wirklichen Gnade. 335 Legende: Der heilige Urban 336 169. 18. 146. 26. Wie wir uns der Gnade Gottes gegenüber vcr- halten müssen. Legende: Der heilige Philippus Neri 339 170. 19. 147. 27. Was wir in Bezug auf die Gnade besonders meiden müssen. 339 Legende: Die heilige Maria Magdalena 171. 20. von Pazzis. 340 148. 28. Von der Gnade der Heiligmachnng oder Rechtser- 172. 21. tigung; Bedeutung und Wesen derselben. 341 Legende: Der heilige Germanus 343 149. 29. Wie der Sünder zur heiligmachendcn Gnade ge- ! 173. 22. langt (Gang der Rechtfertigung) 343! Legende: Der heilige CvrillnS . 345 j 150. 30. Wodurch die heiligmachende Gnade in uns ge- ! 174. 23. schwächt oder gänzlich verloren wird 345 Legende: Der heilige Ferdinand 347 I ii h a l t. Friichte der heiligmachenden Gnade: gute, verdienstliche Werke. Legende: Die heilige Petronilla Beschaffenheit der guten Werke .... Legende: Der heilige Enneko . Nöthwendigkeit der guten Werke und verschiedene Arten derselben '. Legende: Die heilige Blandina. Was ein Sakrament ist, und was dazu erfordert wird Legende: Die heilige Clotildis . Bon der Wirksamkeit der heiligen Sakramente . Legende: Der heilige Quirinus Bon der Zahl und Verschiedenheit der heiligen Sakramente. Legende: Der heilige Bonifacins Von der Ansspendnng und dem Empfange der heiligen Sakramente. Legende: Der heilige Norbertus Von der heiligen Taufe. Bedeutung und Wesen der heiligen Taufe. Legende: Der heilige Robert Wirkungen der heiligen Taufe . . . . Legende: Der heilige Medardus Von den Tanfgelnbden, von der öfter« Erneuerung und von der treuen Beobachtung derselben Legende: Die heiligen PrimuS und Felician Nöthwendigkeit der heiligen Taufe Legende: Die heilige Margaretha . Die Begierd- und Blnttanfe .... Legende: Der heilige Barnabas Von den Tanfpathen. Legende: Der heil. Johannes von St. Fakundo Von den Ceremonien bei der heiligen Taufe, und zwar vor der eigentlichen Tanfhandlung . Legende: Der heilige Antonius von Padua Von den Ceremonien der heiligen Taufe, und zwar bei und nach der eigentlichen Tanfhandlung Legende: Der heilige Basilius . Von der heiligen Firmung. Bedeutung und Wesen der heiligen Firmung. Legende: Die heiligen Märtyrer Vitus, Modestus und Crescentia. . . . Die Wirkungen der heiligen Firmung Legende: Der heilige Benno Wichtigkeit und Ausspendcr der heiligen Firmung Legende: Der heilige Ramuold. Empfang der heiligen Firmung . . . . Legende: Die heiligen Märtyrer Markus und Marzeltianns. Firmpathe und Firmname. Legende: Die heiligen Märtyrer Gervasius und Protasins. Die Ceremonien bei der heiligen Firmung. Legende: Der heilige SilveriuS Vom allerhciligsten Altarssakrament. Bedeutung und Benennung dieses heiligen Sakramentes . Legende: Der heilige Aloysius . Die Glaubenslehre von der Gegenwart Jesu im heiligsten Altarssakrament . . . . Legende: Der heilige Paulinus Die Art und Weise der Gegenwart Jesu im heiligen Altarssakramente . . . Legende: Die heilige Edeltrudis 107* n 01 347 349 349 352 352 354 355 357 358 359 360 362 363 365 365 367 367 370 370 373 373 375 376 377 378 380 380 382 383 385 385 387 387 389 390 391 392 393 394 395 396 397 3S8 399 400 402 403 404 852 Jnhaltsvcr,zeichniß. c-f-- ünckl Feierabend des Inhalt. Lese- glicli Feierabend des Inhalt. Juni Juli 175. 24. Fortdauer der Gegenwart Christi und Untheildar- 198. 17. Die Wirkungen des heiligen Bußsakramentes 458 keit desselben im heiligen Altarssakramcntc 105 Legende: Der heilige Alexius . 460 Legende: Der heilige Johannes der Täufer 407 199. 18. Von der Gewissenserforschung .... 461 176. 25. Anbetung Jesu im heiligsten Altarssakramente und Legende: Die heilige Symphorosa und ihre Beschaffenheit dieser Anbetung.... 408 sieben Söhne. 463 Legende: Der heilige Prosper . ' . 109 ^ ^ 200. 19. Von der Rene; Beschaffenheit derselben 463 177. 26. Die Früchte oder der Nutzen des fleißigen und an- Legende: Der heilige Vincenz von Paul . 465 dächtigcn Besuches des heiligen Altarssakramentes 410 ! 201. 20. Von der Reue; Eintheilung der übernatürlichen Neue 466 Legende: Die heiligen Brüder Johannes Legende: Die heilige Margaretha 468 und Paulus. 412 202. 21. Vom Vorsätze ...... 469 178. 27. Die Anordnungen der Kirche zur Beförderung der Legende: Die heilige Praxedis . 471 Andacht zum allcrhciligsten Altarssakramente . 112 203. 22. Von der Beicht. Einsetzung derselben durch Jesus Legende: Der heilige Ladislaus . . 414 , Christus, und ihr beständiger Gebrauch in der Kirche 471 179. 28. Das heilige Altarssakrament als Opfer. Vom Legende: Die heilige Maria Magdalena . 473 Opfer im Allgemeinen. 415 ! 204. 23. Notbwendigkeit und Nützlichkeit der Ohrenbeicht . 474 Legende: Der heilige Irenaus . 417 Legende: Der heilige Liborius . 476 180. 29. Vom heiligen Meßopfer im Bcsondern 417 205. 24. Eigenschaften der Beicht . 477 Legende: Der heilige Petrus 420 Legende: Die heilige Christina . 479 181. 30. Alterthum und Bestimmung des heiligen Meßopfers 420 206. 25. Fehler bei der Beicht. 479 Juli Legende: Der heilige Paulus . 422 Legende: Der heilige Jakobus der Größere 481 182. 1 . Wirkungen oder Früchte der heiligen Messe 423 ^ 207. 26. Wie man sich vor und in dem Beichtstühle zu Legende: Der heilige Theobald. 424 benehmen hat. 482 183. 2. Eiuthcilung der heiligen Messe und Ceremonicn Legende: Die heilige Anna 484 bei derselben. 425 ! 208. 27. Wem und wann man beichten soll . 484 Legende: Mariä Heimsuchung . 427 Legende: Der heilige Pantaleon 486 184. 3. Die lateinische Sprache und die priesterliche Kleid- 209. 28. Von der Generalbeicht . 186 ung bei der heiligen Messe .... 428 Legende: Der heilige Johannes Columbinus 488 Legende: Der heilige Phokas . 429 i 210. 29. Von der Genugthuung, die uns als Buße aufer- 185. 4. Das heiligste Altarssakrament als Commnnion. legt' wird. . 489 Bedeutung der heiligen Commnnion 430 Legende: Die heilige Beatrix und ihre beiden Legende: Der heilige Ulrich 431 Brüder. 490 186. 5. Warum sich uns JesnS in der heiligen Commnnion ! 211. 30. Von der Genugthuung, die wir uns selbst als mittheilen will . 432 Buße auferlegen sollen ..... 491 Legende: Die heilige iNodovena 433 i Legende: Die heiligen Abdon und Sennen 492 187. 6. VondcrPflicht, diehciligc Commnnionznempfangen 134 ! 212. 31. Vom Rückfall in die Sünde .... 493 Legende: Der heilige Goar 435 Aug. Legende: Der heilige Ignatius von Lojola 495 188. 7. Von der Vorbereitung zur heiligen Commnnion 213. 1. Vom Ablasse. Bedeutung und Alter des Ablasses 496 der Seele nach. 435 Legende: Petri Kettenfeier 497 Legende: Der heilige Willibald. 437 214. 2. Nutzen des Ablasses und Erfordernisse dazu 498 189. 8. Von der Vorbereitung zur heiligen Commnnion Legende: Der heilige Stephanus 500 dem Leibe nach. 437 215. 3. Eintheilung der Ablässe. 500 Legende: Der heilige Kilian 439 Legende: Der heilige Bischof Petrus . 502 190. 9. Das Verhalten bei und nach der heil. Commnnion 439 216. 4. Vom Sakramente der letzten Oelung. Bedeutung Legende: Der beilige Cyrillus . 441 der letzten Oelung. 503 191. 10. Segen und Nutzen der würdigen Commnnion für Legende: Der heilige Dominikus 504 die Seele. 441 217. 5. Wirkungen der letzten Oelung .... 505 Legende: Die heilige Amalia 414 ! Legende: Die heilige Afra 506 192. 11. Segen und Nutzen der würdigen Commnnion ! 218. 6. Vom Empfange der letzten Oelung . 507 für den Leib. 444 Legende: Die Verklärung Christi 509 Legende: Der heilige Papst Pius I. . 446 219. 7. Cercmonien bei der letzten Oclnng 510 193. 12. Nutzen und Segen der geistlichen Communion . 446 Legende: Der heilige Cajetanns 512 Legende: Der beiliae Gualbertus 448 220. 8. Vom beiligen Sakramente der Priesterweihe. Be- 194. 13. Von der unwürdigen Commnnion, und zwar von dentung der Priesterweihe .... 512 ihrer Schändlichkeit und Abscheulichkeit . 448 Legende: Der heilige Cyriakus und seine Legende: Der heilige Eugeuins 450 Gefährten. 514 195. 14. Von der unwürdigen Commnnion, und zwar von 221. 9. Von der Macht und Würde des Priesters . 515 ihren traurigen Folgen. 450 Legende: Der heilige Romanus 516 Legende Der heilige Bonaventura 452 > 222. 10. Von der dem Priesterstande gebührenden Achtung 517 196. 15. Vom heiligen Sakramente der Buße. Die Buße Legende: Der heilige Laurentius 518 als Tugend. 452 223. 11. Von der Bürde des Priesterstandes 519 Legende: Der beilige Heinrich . 454 Legende: Die heilige Filomena 520 197. 16. Die Buße als Sakrament. 455 ! 224. 12. Vom Berufe zum Priesterstande.... 521 Legende: Die heilige Neinaldis. 457 Legende: Die heilige Klara 523 Jnhaltsverzcichniß. 853 II Feierabend des Inhalt. Lcle- flnck Feier- ! iliend des j Inhalt. Slug. Se-t. 225. 13. Von den Ceremonien bei der Priesterweihe, und zwar 247. 4. Von der christlichen Nächstenliebe: Nothwcndiqkeit von der Tonsur und von den vier niederen Weihen 524 derselben und Beweggründe dazu 579 Legende: Der heilige Cassianus. 527 ^ Legende: Die heilige Rosalia . 580 226. 14. Von den Ceremonien bei der Priesterweihe, und 248. 5. Von den Eigenschaften der christlichen Nächsten« zwar von den drei höheren Weihen 528 liebe. 581 Legende: Der heilige Eusebius . 530 Legende: Der heilige Laurentius JustinianuS 588 227. 15. Vom heiligen Sakramente der Ehe. Die Ehe — 249. 6. Von der Feindesliebe; Beweggründe hiezu 583 ein Sakrament: ibre Unauflösbarkeit 530 Legende: Der heilige Magnus . 585 Legende: Mariä Himmelfahrt 532 250. 7. Von der Feindesliebe; Beschaffenheit derselben . 585 228. 16. Vom Empfange des heiligen Sakramentes der Ehe 533 Legende: Die heilige Regina 587 Legende: Der heilige Rochus . 351 251. 8. Von den geistlichen und leiblichen Werken der 229. 17. Von den Pflichten der Eheleute .... 535 Barmherzigkeit im Allgemeinen, und von den Legende: Der heilige Hyacinth . 537 zwei ersten leiblichen Werken inSbesondcrS 588 280. 18. Von den gemischten Eben. 538 Legende: Mariä Geburt .... 589 Legende: Die heilige Helena 539 252. 9. Von den nächsten drei leiblichen Werken der Barm- 231. 19. Von den Ceremonien bei dem heiligen Sakramente Herzigkeit. 590 der Ehe .. 510 Legende: Der heilige Korbinian 592 Legende:. Der heilige Sebald . 512 253. 10. Von den letzten zwei leiblichen Werken der Barm- 282. 20. Von den Sakramcntalien im Allgemeinen, und Herzigkeit . 692 von der Kirchweihe im Besondern . 542 ! Legende: Der heilige Nikolaus von To« Legende: Der heilige Bernhard 544 lentino. 594 233. 21. Von derWeihederGlockenuudderKirchenparamente 545 i 254. 11. Von der Pflicht, die leiblichen Werke der Barm- Legende: Die heilige Franziska. 546 Herzigkeit zu üben, und von dem Segen, der 234. 22. Von der Einweihung der Friedhöfe und vom darauf ruht . 594 Weihwasser. 547 Legende: Die heilige Pulcheria . 596 Legende: Der heilige Shmphorian . 549 255. 12. Von den ersten drei geistlichen Werken der Barm- 235. 23. Von den geweihten Kerzen und von der geweihten Herzigkeit . Asche. 549 Legende: Der heilige Guido 598 Legende: Der heilige Benitius . 551 256. 13. Von den letzten vier geistlichen Werken der Barm- 236. 24. Von den geweihten Palmen, von der Osterkerze Herzigkeit . 598 und den heiligen Oelen. 552 Legende: Die heilige Nothburga 600 Legende: Der heilige Bartholomäus . 553 i 257. 14. Von der christlichen Selbstliebe .... 601 237. 25. Vom Weihrauch und von jenen Gegenständen, Legende: Die Erhöhung des heiligen Kreuzes 602 welche zum Privatgebrauche geweiht werden 554 258. 15. Von der ungeordneten Selbstliebe MS Legende: Der heilige Ludwig . 556 Legende: Die heilige Katharina von Genua 604 238. 26. Von der Weihe der Personen .... 557 259. 16. Von den zehn Geboten Gottes überhaupt und Legende: Der heilige Zephprinus 558 von der Beobachtung derselben 604 239. 27. Von den Segnungen der Kirche .... 559 Legende: Die heilige Ludmilla . 606 Legende: Der heilige Josephus Kalasanktius 560 260. 17. Erstes Gebot Gottes. Von der innerlichen 240. 28. Von verschiedenen feierlichen Kirchengebräuchen, Verehrung Gottes. 606 und zwar von den Processionen und Bittgängen 561 Legende: Die heilige Hildegard 608 Legende: Der heilige Augustin . 562 261. 18. Von der äußerlichen Verehrung Gottes 608 241. 29. Von den Wallfahrten. 563 Legende: Der heilige Thomas von Villanova 610 Legende: Enthauptung des heiligen Johannes 262. 19. Von den Versündigungen gegen die Gott schuldige des Täufers. 565 Verehrung, und zwar von der Abgötterei 610 242. 30. Von den Bruderschaften und Missionen 565 Legende: Der heilige Januarius 612 Legende: Die beilige Rosa von Lima 567 ! 263. 20. Vom Aberglauben im Allgemeinen und von der Wahrsagerei insbesonders .... 613 Viertes Hauptstiick. Legende: Der heilige Eustachius und seine Familie ....... 614 Was wir zu unserer Heiligung und Be- i 264. 21. Von den verschiedenen Arten der Wahrsagerei: seliguug thuu müssen, oder die Lehre Stern-, Zeichen - und Traumdeutcrei 614 von den Geboten. Legende: Der heilige Matthäus 616 243. 31. Von der Beobachtung der Gebote 571 265. 22. Von der eitlen Beobachtung und von der Zauberei 61 Legende: Der heilige Raimundus Nonnatus 572 Legende: Der heilige Emmeram 613 244. 1 . Vom Hauptgebote, und zwar von der Liebe Gottes 573 266. 23. Vom Gottesraub (Sakrilegium) und vom geist- Legende: Der heilige Aegidius . 574 lichcn Wucher (Simonie). bll 245. 2. Von den Eigenschaften der Liebe Gottes 575 Legende: Die heilige Thekla 621 Legende: Der heilige Stephanns 576 ! 267. 24. Von der Verehrung der Heiligen 621 246. 3. Von den Beweggründen zur Liebe Gottes und Legende: Der heilige Gerhard . 621 von den verschiedenen Arten derselben 576 ! 268. 25. Von der Anrufung der Heiligen 624 Legende: Die beiligcn Gorgonius, Doro- Legende: Der heilige Mauritius und die theus und Petrus ..... 578 thebaische Legion. 62? 834 Jnhaltsverzeichniß. Lese- stück Feierabend des Inhalt. Lese- stück Feierabend des Inhalt. Gevt. Okt. 269. 2?. Bon der Nachahmung der Heilige» . 626 schäften und der Gesellen gegen ihre Meister, Legende: Die heilige Jnstma . 627 sowie von den Versündigungen dagegen . 674 270. 27. Bon den Bildern Christi und der Heiligen. 628, Legende: Der heilige Lukas 676 Legende: Die heiligen Brüder Kosmas und 292. 19. Von den Pflichten der Untergebenen gegen die Damian. 629 I geistliche Obrigkeit, und von den Versündig- 271. 28. Von den Reliquien der Heiligen 6301 ungen dagegen. 677 Legende: Der heilige Wenzeslaus 632 Legende: Der heilige Petrus von Alcantara 679 272. 29. Zweites Gebot Gottes. Entheiligung des gött- 293. 20. Von den Pflichten der Untergebenen gegen die lichen Namens durch unnütze Betheuernngen und weltliche Obrigkeit, und von den Versündig- durch Fluchen und Verwünschungen. 632 1 ungen dagegen. 679 Legende: Der heilige Erzengel Michael 634 Legende: Der heilige Wendelin. 681 273. 30. Entheiligung des göttlichen Namens durch Neli- 294- 21. Vom sündhaften Gehorsame .... 681 gionsspöttereien und durch Gotteslästerung 631 , Legende: Die heilige Ursula 683 Okt. Legende: Der heilige Hieronymus 636 295. 22. Von den Pflichten der Eltern gegen ihre Kinder, 274. 1. Vom Eidschwure, und zwar von der Bedeutung und zwar in Bezug ans ihr geistliches Wohl . 684 und Heiligkeit desselben. 637 Legende: Der heilige Philippus 686 Legende: Der heilige Remigius. 639 ! 296. 23. Von den Pflichten der Eltern gegen ihre Kinder, 27S. 2. Vom Eidschwure, und zwar von den Eigenschaften und zwar in Bezug ans ihr leibliches Wohl . 686 desselben. 639 Legende: Der heilige Johannes KapistranuS 688 Legende: Der heilige Leodeqar . 641 297. 24. Von den Pflichten der Dienstherrschaften gegen 276. 3. Von den Versündigungen gegen den Eidschwur — ihre Dienstboten. 688 Meineid . .. 642 Legende: Der heilige Raphael . 690 Legende: Der heilige Gerhard . 644 298. 25. Von den Pflichten der Obrigkeiten gegen ihre 277. 4. Von den furchtbaren Folgen des Meineides 644 Untergebenen. 691 Legende: Der heilige Franziskus von Assisi 646 ^ Legende: Die heiligen Crispin und Cris- 278. 5. Von den Gelübden, und zwar von der Bedeutung pinianus. 692 und Beschaffenheit derselben .... 646 299. 26. Fünftes Gebot Gottes. Von den Versündig- Legende: Der heilige Placidus . 648 ungen am Leibe und Leben des Nächsten durch 279. 6. Von den Gelübden, und zwar von der Heilig- die That, vom leiblichen Morde . . . 693 keit derselben und von den Versündigungen Legende: Der heilige Evaristus 694 dagegen . 649 300. 27. Von den Versündigungen am Leibe und Leben Legende: Der heilige Bruno 650 des Nächsten durch Das, was oft zur bösen 280. 7. Was das zweite Gebot von uns Allen verlangt . 651 That führt, und vom Zweikampfe . 695 Legende: Die heilige Justina . 652 Legende: Der heilige Frumentins 696 281. 8. Drittes Gebot Gottes. Von der Pflicht, den 301. 28. Von den Versündigungen am eigenen Leibe und Sonntag zu heiligen. 652 Leben; Selbstmord. 697 Legende: Die heilige Brigitta . 654 ! Legende: Die heiligen Simon und Judas 699 282. 9. Vom Segen und Nutzen der Sonntagsfeier 655 ! !302. 29. Von den Versündigungen am geistigen Leben des Legende: Der heilige Dionys . 656 Nächsten oder vom Seclenmorde durch Aergerniß 700 283. 10. Von der Art und Weise, den Sonntag zu feiern, Legende: Der heilige Narcissns 701 und zwar durch leibliche Ruhe 657 i 303. 30. Noch einmal vom Aergernissc .... 702 Legende: Der heilige Franz von Borgia . 659 Legende: Der heilige Marcellus 703 284. 11. Von der Art und Weise, den Sonntag zu feiern, ^ 304. 31. Was das fünfte Gebot Gottes von uns verlangt 704 und zwar durch geistige Beschäftigung 659 Nov. Legende: Der heilige Wolfgang 706 Legende: Der heilige Ludwig Bertrand 661 j305. 1. Sechstes Gebot Gottes. Das sechste Gebot 285. 12. Von der Entheiligung des Sonntags . 661 verbietet: Unkeuschbcit, unkeusche Blicke, ausge- Legende: Der heilige Maximilian 668 lassene Kleidertracht, schlechte Reden und Lieder 706 286. 13. Viertes Gebot Gottes. Von den Pflichten Legende: Das Fest aller Heiligen 708 der Kinder gegen die Eltern .... 661 ! 306. 2. Das sechste Gebot verbietet: schlüpfrige Bücher und Legende: Der heilige Eduard 665 schändliche Bilder, nächtliche Zusammenkünfte 287. 14. Vom Segen, der auf guten Kindern ruht . 666 und allzu freien Umgang mit dein andern Legende: Der heilige Bnrkard . 667 Geschleckte. 708 288. 15. Von den Versündigungen gegen die kindliche Ehrer- Legende: Allcrseelentag .... 710 bietnng und Liebe. 668 307. 3. Das sechste Gebot verbietet: den Besuch der Schau- Legende: Die heilige Theresia . 669 spiele und Tanzpläke ... . . 710 289. 16. Von den Versiindigungen gegen den kindlichen Ge- Legende: Der heilige Hubertus . 712 horsam, und von dem Fluche, der ans nichts- ! 308. 4. Das sechste Gebot verbietet endlich auch noch: würdigen Kindern rubt. 670 Unmäßigkeit und Müssiggang .... 712 Legende: Der heilige Gallus 671 Legende: Der heilige Karl BorromäuS 714 290. 17. Von den Pflichten gegen Pfleqeltern, Erzieher, 309. 5. Von der Schändlichkeit und Schädlichkeit der Un- Lehrer und Meister, sowie gegen alte Leute 672 keuschheit.- . 715 Legende: Die heilige Hedwig . 674 Legende: Der heilige Emerich . 716 291. 18 . Von den Pflichten der Dienstboten gegen ihre Herr- >310. 6. Von Dem, was das sechste Gebot Gottes gebietet, Jiihaltsverzcichniß. 855 Lese- slbiü Feierabend des Inhalt. Lest- stillst Feierabend des Inhalt. Nov. nämlich von der Keuschheit und einigen Mitteln 330. No». 26. Wer fasten muß. 763 zur Bewahrung derselben .... 717 ! Legende: Der heilige Petrus 764 Legende: Der heilige Leonhard. 719 ! 331. 27. Warum man fasten muß .... 764 311. 7. Bon noch einigen Mitteln zur Bewahrung der 719 332. Legende: Der heiligcJakob, der Verstümmelte 767 Keuschheit. 28. Wie man fasten muß .... 767 8. Legende: Der heilige Engelbert 721 Legende: Der heilige Stephanns, der 312. Siebentes GebotGottes. Das siebente Gebot Jüngere. 769 verbietet vor Allem: Raub, Diebstahl und Betrug 722 333. 29. Das vierte Gebot der Kirche. Von der 313. Legende: Der heilige Gottfried . 723 i doppelten Verpflichtung, die uns das vierte 9. Das siebente Gebot verbietet ferner: Wucher und Kirchengebot auflegt. 769 alle ungerechten Beschädigungen am Eigenthume 334. Legende: Der heilige Saturninus 771 des Nächsten. 723 > 30. Das fünfte Kirchengebot. Von dem Wort- 314. 10. Legende: Der heilige Theodor . 725, sinne und Geiste dieses Kirchcngebotes . 772 Das siebente Gebot verbietet endlich: jede Ent- Dez. Legende: Der heilige Andreas . 773 Wendung ober Uebervortheilnng, besonders die 335. 1. Von der Uebertrctnng der Gebote. Von sogenannten HausdiebstLhle .... 725 ' der Sünde überhaupt ". 774 Legende: Der heilige Andreas AvellinuS . 727 . Legende: Der beilige Eligius . 776 315. 11. Das siebente Gebot gebietet, Jedem das Seinige 336. 2. Von der Todsünde, und zwar von ibrer Abscheulich- zn lassen. 728 ! keit und Bosheit. 776 Legende: Der heilige Martin . 729 ! Legende: Die heilige Bibiana . 778 316. 12. Das siebente Gebot gebietet, Jedem das Seinige 337. 3. Von der Todsünde, und zwar von den traurigen zu geben und fremdes Gut zuriickzuerstatten . 730 Folgen derselben." . 779 317. 13. Legende: Der heilige Martinas. 732 ! 333. Legende: Der heilige Franziskus A'averius. 781 Achtes Gebot Gottes. Das achte Gebot ver- 4. Von der läßlichen Sünde und ihren Folgen 781 bietet: falsches Zengniß, Lüge, Heuchelei . 733 Legende: Die heilige Barbara 7 " . 783 318. Legende: Der heilige Stanislaus Kostka . 735 339. 5. Von den verschiedenen Gattungen der 14. Das achte Gebot verbietet ferner: Ehrabschneid- 735 Sünde. Bon den sieben Hauptsünden, und ung und Verleumdung. zwar 1) von der Hoffart und 2) vom Geize . 784 319. Legende: Der heilige Albertus der Große . 737 340. Legende: Der heilige Petrus Cbrysoloqns . 786 15. Was man bei der Ehrabschneidung und Ver- 737 6. Von den sieben Hauptsünden, und zwar 3)' von leumdung zu thun hat. der Unkenschheit, 4) vom Neide und 5) von 320. Legende: Der heilige Leopold . 739 der Unmäßigkeit . . . . j . 785 16. DaS achte Gebot verbietet endlich noch: falschen Legende: Der heilige Nikolaus . 788 Argwohn und freventliches llrtheil . 740 341. 7. Von den sieben Hanptsünden, und zwar 6) vom 321. 17. Legende: Der heilige Edmund . 741 Zorne und 7) von der Trägheit 789 Das achte Gebot verlangt von uns Liebe zur Legende: Der heilige Ambrosius 791 Wahrheit und Bezähmung der Zunge 741 342. 8. Von den sechs Sünden wider den heiligen Geist, 322. 18. Legende: Der heilige Grcgorius 743 und zwar von den ersten drei .... 791 Das achte Gebot verlangt von uns auch noch 743 343. Legende: Die unbefleckte Empfänqniß Mariä 794 Sorge für Ehre und guten Namen 9. Von den sechs Sünden wider den heiligen Geist, 323. 19. Legende: Der heilige Odo 745 und zwar von den letzten drei 794 Neuntes Gebot Gottes. Was das neunte Legende: Der beilige Eusebius . 796 Gebot verbietet und gebietet .... 745 344. 10. Von den vier himmelschreienden Sünden . 796 324. 20. Legende: Die bcilige Elisabeth . 747 > Legende: Der heilige Melchiades 798 Zehntes Gebot Gottes. Was das zehnte 345. 11. Von den nenn fremden Sünden, und zwar von Gebot verbietet und gebietet .... 748! den ersten drei, welche der wirklichen Sünde 325. 21. Legende: Der heilige Felix von Valois 749 vorhergehen . 799 Von den fünf Geboten der Kirche. Allge- 346. Legende: Der heilige Damasus . 801 meine Bemerkungen hierüber .... 750 12. Von den nenn fremden Sünden, und zwar von 22. Legende: Mariä Opferung 752! jenen drei, welche die wirkliche Sünde begleiten 801 326. Das erste Gebot der Kirche. Von den Feier- 347. Legende: Die heilige Othilia 803 tagen der Kirche und ihrer Heiligung 753 13. Von den neun fremden Sünden, und zwar von Legende: Die heilige Cäcilia 754 den letzten drei, welche der wirklichen Sünde 327. 23. Das zweite Gebot der Kirche. Von der erst Nachfolgen. 804 Pflicht, an Sonn- und Feiertagen der heiligen 755 348. Legende: Die heilige Lucia 806 Messe beizuwohnen. 14. Von der Tugend und christlichen Voll- Legende: Der heilige Clemens . 757 kommenh eit. Von der Tugend überhaupt . 806 328. 24. Von der Pflicht, an Sonn- und Feiertagen das 349. Legende: Der heilige Agnellus . 808 Wort Gottes anznhören. 757 15. Von den drei göttlichen oder theologischen Tugenden 809 Legende: Der heilige Johannes von Kreuz 759 350. Legende: Die heilige Christian« 810 329. 25. Das dritte Gebot der Kirche. Wann man 16. Von den vier Cardinaltugenden, und zwar von den fasten muß. 760 ersten zwei: Klugheit und Gerechtigkeit . 811 Legende: Die heilige Katharina. 762 Legende: Die heilige Adelheid . 813 836 Jnhaltsverzeichniß. — Vollständiges alphabetisches Sach- und Namenregister. c-s-. stuck Feierabend des 351. 352. 18. 353. 19. 354. 20. 355. 21. 358. 22. 357. 23. 358. 24. Inhalt. Von den vier Cardinaltugenden, »nd zwar von den letzten zwei: Mäßigkeit und Starkmuth . Legende: Der heilige Lazarus . Von den sieben Tugenden, die den sieben Hauptslinden entgegengesetzt sind, und zwar 1) von der Demuth und 2) von der Freigebigkeit Legende: Der heilige Wunibald 3) Von der Keuschheit, 4) von der wohlwollenden Liebe und 5) von der Mäßigkeit im Essen und Trinken. Legende:Die heiligen Timotheus und Maura 6) Von der Sanftmuth und endlich 7) vom Eifer im Guten. Legende: Der heilige Dominikus von Silos Von der christlichen Vollkommenheit . Legende: Der heilige Thomas . Vom Wege zur Vollkommenheit und von den evangelischen Rächen überhaupt Legende: Der heilige Flavian . Von den evangelischen Rächen insbesondere, und zwar vom ersten und zweiten derselben . Legende: Die heilige Viktoria . Vom letzten der drei evangelischen Räche und von der Vollkommenheit im weltlichen Stande Legende:DieheiligenTharsillaund Aemiliana '?> Lese- stiick Feierabend des Inhalt. Dez. 359. 25. Bon den acht Seligkeiten, und zwar von den 813 ! ersten zwei. 831 815 ! Legende: Die glorreiche Geburt unsers Herrn und Heilandes Jesus Christus . 832 360. 26. Von den acht Seligkeiten, und zwar von der 816 i dritten und vierten. 833 818 > Legende: Der heilige Stephanus 835 361. 27. Von den acht Seligkeiten, und zwar von der fünf- ten und sechsten. 835 818 > Legende: Der heilige Evangelist Jo- 820 j Hannes . 837 362. 28. Von den acht Seligkeiten, und zwar von den 820 ! letzten zwei. 838 822 Legende: Die heiligen unschuldigen Kin- 822 der. 840 824 363. 29. Von den Mitteln zur Vollkommenheit, und zwar von den ersten zwei. 840 824 Legende: Der heilige Thomas . 842 826 364. 30. Bon den Mitteln zur Vollkommenheit, und zwar von den nächsten zwei. 842 826 Legende: Der heilige Anvsius . 843 828 365. 31. Bon den Mitteln zur Vollkommenheit, und zwar von den letzten derselben..... 844 828 Legende: Der heilige Sylvester. 846 830 Schluß. 847 iges alphabetisches Sach- und Namenregister. A. Abdon und Sennen S. 492. Abendgebet S. 233. Abendmal steh Lommunion. Aberglaube S. 613. Abfall vom Glauben S. 34. Abgötterei S. 610. Ablaß der Sünden S- 179, der zeitlichen SUndenstrafen S. 496 st. Absolution S. 484. Abstinenztage S. 761. Abtödtung S. 8, S. 842. Adalbert S. 266. Adam und Eva S. 77. Adelheid S. 813. Aegid S. 574. Aergerniß S. 700. Afra S. 506. Agatha S. 95. Agnellus S. 808. Agnes S. 58. Albert S. 737. Alexius S. 460. Allerheiligen S. 708. Allerseelen S. 710. Allgegenwart Gottes S. 47. Allgemeinheit der Kirche S. 160. Allmacht Gottes S. 51. Allwissenheit Gottes S. 48. Almosen S. 588 ff. Alois S. 399. Alphons Lignori S. 807. Altarssakrament S. 398 ff. Amalia S. 444. Ambrosius S. 791. Amen S. 262. Anbetung Gottes S. 607. Anbetung im heiligen Altarssakrament S. 408. Andacbt beim Gebete, sieh Gebet. Andreas Cors. S. 92, A. AvellinuS S. 727, A. Apostel S. 773. Xngelus vomiui S. 232, S. 303. Anicet S. 253. Ankunft Jesu zum Gerichte S. 130. Anna S. 484. Anrufung der Heiligen S. 624. Anselm S. 261. Anton v. Padua S. 382, A. Eins. S. 47. Antonin S. 302. Anysius S. 843. Apollonia S. 103. Apollonius S. 255. Apostolicität der Kirche S. 161. Apostolisches Glaubensbekenntniß S. 38. Arbeit, knechtliche am Sonntag S. 658. Arbeitsamkeit S. 821, S. 844. Argwohn S. 740. Armuthim GeisteS. 831, freiwillige S- 826. Asche, geweihte S. 551. Athanasius S. 285. Auferstehung Jesu S. 119 ff. Auferstehung des Fleisches S. 181 ff. Augustinus S. 562. Ausspender der heiligen Sakramente S. 363. Ave Maria S. 264 ff. B. Backenstreich bei der Firmung S. 397. Balbina S. 2l6. Bälle, sieh Tänze. Barbara S. 783. Vollständiges alphabetisches Sach- rsnd Namenregister. Barmherzigkeit S. 835. Barmherzigkeit Gottes S. 56. Barnabas S. 377. Bartholomäus S. 553. Basilius S. 385. Bathildis S. 68. Beatrix S. 490. Beerdigung der Tobten S. 593. Befehl zur Sünde S. 800. Begierdtaufe S. 376. Begierden, böse S. 745 ff. Begräbniß Jesu S. 115. Beicht S. 471 fl., S. 769. Beichtvater S. 484. Beispiel, gutes S. 684. Bekanntschaften S. 709. Bekenn tnißdes christlichen Glaubens S. 32. Benedikt S. 192. Benno S. 389. Beobachtung, eitle S. 617. Bernhard S. 544. Bernhardin S. 321. Berns zum Priester S. 521. Beschädigungen am Eigenthume des Nächsten S. 725. Beschneidung Christi S. 9. Bestimmung des Menschen S. 7. Beten, sieh Gebet. Betheuernngen S. 633. Betrachtung S. 223. Betrübte trösten S. 598. Betrug S. 722. Bibel, sieh heilige Schrift. . Bibiana S. 778. Bilder der Heiligen S. 628. Bilder, schlechte S. 709. Brigitta S. 654. Bittgänge S. 561. Blandina S. 354. Blasius S. 90. Blicke, nnkeusche S. 706. Bluttaufe S. 377. Bouaventura S. 452. Bonifacius, Mart. S. 310, Bisch, und Mart. S. 362. Brigitta S. 654. Brod, tägl. S. 251, himml. S. 253. Bruderschaften S. 565. Bruno S. 317, Ordensst. S. 650. Bücher, schlechte S. 709. Burkard S. 667. Buße als Tugend S. 452. Bußsakrament S. 455 ff. C. Cacilia S. 754- Cajetan S. 512. Cajns und Soter S. 264. Canon der heiligen Messe S. 426. Cardinaltugenden S. 811 ff. Casimir S. 155. Cassian S. 527. Ceremonien S. 426, S. 542. Christian« S. 810. Christin« S. 479. Christtag, sieh Geburt Christi. Christus S. 78. Chrysostomus S. 72. Mchler, Hausbuch, Clemens S. 757. Clotildis S. 357. Cölestin S. 321. Coletta S. 759. Columbinns S. 488. Co mmunion S. 430 ff., S. 770. geistliche S. 446. Crescentia S. 387. Crispin und Crispinianus S. 692. Cyriakus S. 514. Cyrillus, der Knabe S. 345, Bisch, und Mart. S. 441. D. . Damasus S. 801. Dasein Gottes S. 41. Demuth S. 816, S. 841. Desiderius S. 330. Diakonenweihe S- 528. Diebstahl S. 722. Dienstboten, ihre Pflichten S. 674. Dienst Gottes S. 9. Dinge, die vier letzten S. 2L7. DionysinsL>. 233, Bisch.und Mart. S. 656. Dominikus OrdenSst. S.504, von Silos S. 822. Dorothea S. 97. Dreifaltigkeit S. 61. Duell S. 696. Durstige tränken S. 589. Durst nach der Gerechtigkeit S. 834. E. Edeltrnde S. 404. Edmund S. 741. Eduard S. 186, S. 665. Ehe S. 530 ff. Ehebruch S. 706, S. 746. Ehehindernisse S. 533. Eheleute, ihre Pflichten S. 535. Ehemänner S. 535. Ehesakrament S. 530 ff. Eheweiber S. 535. Ehrabschneidung S. 735- Ehre und guter Name S. 743. Eid S. 637. Eifer im Guten S. 821. Eigenschaften Gottes S. 45 ff. Einheit der Kirche S. 157. Einwilligung in die Sünde Andrer S.802. Eitler'Gebrauch, steh Aberglaube. Eleonora S. 130. Eligius S. 776. Elisabeth S. 747. Eltern, ihre Pflichten S. 684 ff. Emmeram S. 618. Emerich S. 716. Emerentiaua S. 63. Empfänger der heil. Sakramente S. 364. Empsängniß Jesu S. 85. Empfängniß Mariä S. 794. Engel S. 66. Engelbert S. 721. Englischer Gruß S. 232,S. 264, S. 303. Enkratides S. 251. Enneko S. 352. Enthaltsamkeit, sieh Mäßigkeit. Enthaltungstage, steh Abstinenztage. 857 Enthauptung des heiligen Johannes S. 565. Entheiligung der Sonntage S. 661. Entwendung S. 725. Entziehung des verd. Liedlohnes S. 798. Erblehre S. 20. Erbsünde S. 75. Erhard S. 26. Erholung S. 773, S. 845. Erlösung von dem Uebel S. 260. Eruest S. 35. Erschaffung des Menschen S. 77. Erziehung S. 684 ff. Eucherius S. 127. Eugen S. 450. Eulalia S. 109. Euphrasia S. 175. Euphrosina S. 107. Eusebius S. 530, Bisch, und Mart.S. 796. Eustachius S. 614. Eustasius S. 212. Evaristns S. 694. Excommunicirte S. 177. Ewigkeit S. 192 und S. 202. F. Fall d. Engel S.68,d. ersten Menschen S.73. Farben der Meßgewänder S. 429. Fasten S. 760 ff. Fanstin und Jovita S. 116. Fegfeuer S. 135. Feiertage S. 753. Feind, böser, sieh Teufel. Feindesliebe S. 583, S. 600. Felician S. 373. Felix v. Nola S. 40, v. Kantalizio S. 319, v. Valois S. 749. Ferdinand S. 347. Festtage der Kirche S. 753. Fidelis v. Sigm. S. 272. Filomena S. 520. Firmung S. 385 ff. Firmname S. 395. Firmpathen S. 394. Flavian S. 826. Florian S. 297. Fluchen S. 633, S. 695. Folgen der Sünde S. 779 ff. Franz v. Sales S. 77, v. Paula S. 22l, v. Assist S. 646, v. Borgia S. 659, L'aver S- 781. Franziska S. 165, v. Chantal S. 546. Fraß und Füllerei S. 787. Freigebigkeit S. 817. Freitagfasten S. 761. Fremde beherbergen S. 590. Fremde Sünden S. 799 ff. Freuden S. 773. Friedfertigkeit S. 706, S. 838. Friedhöfe S. 547. Fronleichnamsfest S. 414. Frumentius S. 696. Fürbittgebet S. 238, S. 600. G. Gaben, die siebendes heil. Geistes S. 142. Gabriel S. 199. Gallus S. 671. 108 858 Vollständiges alphabetisches Sach- und Namenregister. Gebet S. 211 ff. vierzigstündiges S. 413. Gebet des Herrn oder das „Vater unser" S. 240 ff. Gebote Gottes S. 571, S. 604. I. Gebot S.606. II. S.632. III. S.652. IV. S. 664. V. S. 693. VI. S. 706. VII. S. 722. VIII. S. 733. IX. S. 745. X. S. 748. Gebote der Kirche S. 750 ff. I. S. 763. II. S. 755. III. S. 760. IV. S. 769. V. S. 772. Gebrauch, eitler, sich Aberglaube. Geburt Christi S. 88, S. 832. Mariä S. 589. Gedanken, böse S. 746. Geduld und Langmuth Gottes S. 57. Geduld als Tugend, sieh Sanftmuth. Gefangene erledigen S. 591. Gegenwart Jesu im heiligen AltarSsa- krameute S. 400 ff. Gehorsam,christl. S.828,s!indhafterS.681. Geißlung Jesu S. 98. Geist, der heilige S. 138 ff. Geiz S. 785. Gelegenheit zur Sünde S. 470 und 494. Gelübde S. 646. Gemeinschaft der Heiligen S. 170 ff. Gemischte Ehen S. 538. Generalbeicht S. 486. Geno-vefa S. 14. Genugthunng S. 489 ff. Georg S. 268. Gerechtigkeit, christliche S. 812. Gerechtigkeit Gottes S. 53. Gerh a rd Bisch, u. Mart. S. 623, Abt S. 644. Gericht allgcm. S. 131, besonderes S. 133. German ns S. 343. Gertrud S. 183. Gervasius und Protasins S. 395. Gesellen, ihre Pflichten S. 674. Gesellschaft, böse S. 709. Gewinn, ungerechter, sieh Ungerechtigkeit. Gewissenserforschung S. 461. Gewohnheit, böse S. 470, S. 494. Glaube S. 28 ff. S. 809. Glaubensbekenntniß S. 32. Glaubensbekenntniß apostol. S. 38. Glaubensverläugnnng S. 34. Gleißnerei, sieh Heuchelei. Glockenweihe S. 545. Glücksspiel, sieh Spiel. Gnade Gottes S. 333 ff. Gnadengaben S. 144. Goar S. 435. Gorgonius S. 578. Gott S. 43 ff. Gottesdienst S. 9, S. 652 ff. Gotteslästerung S. 634. Gottesliebe S. 573, S. 809. GotteSraub S. 619. Gottfried S. 723. Götzendienst S. 612. Gregor II., Papst S. 112, der Große S. 172, v. Nazianz S. 299, der Wundcr- thäter S. 743. Greise soll man ehren S. 672. Gruß, englischer S. 264. Gualbcrt S. 448. Guido S. 598. Gnntram S. 207. Gutes thnn, sieh gute Werke. Güte Gottes S. 55. Güter, irdische, ihr Werth S. 8, wie man sie gebrauchen soll S. 8. H- Haß und Zorn S. 695, S. 789. Hauptsünden, die sieben S. 784 ff. Haupttheile der heiligen Messe S. 425. Haupttngenden S. 816 ff. Hausdicbstähle S. 726. Hedwig S. 674. Heilige, ihre Verehrung S. 621 ff. Heiligkeit Gottes S. 53. Heiligkeit der Kirche S. 159. Heiligmachende Gnade S. 341. Heiligung des Sonntags S. 652 ff., der Feiertage S. 758. Heimsuchung Mariä S. 427. Heinrich S. 454. Helena S. 539. Heribert S. 160. Her man Joseph S. 231. Hermenegild S. 245. Herrschaften, ihre Pflichten S. 688. Heuchelei S. 734. Hierarchie S. 155. Hieronymus S. 636. Hilarius S. 38. Hildegard S. 608 Himmel und seine Freuden rc. S. 195. Himmelfahrt Jesu S. 126. Mariens S. 532. Himmelschreiende Sünden S. 796. Hochzeiten S. 772. Hoffart S. 784. Hoffnung S. 809. Hölle und ihre Qualen S. 200. ff. Homobouus S. 11, S. 728, S. 811. Hospitins S. 326. Hubert S. 712. Hugo S. 219. Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit S. 834. Hungrige speisen S. 588. Hyacinth S. 537. Hyginus S. 33. Z. Jakobus, Apostel S. 481. Jakob der Verstümmelte S. 767. Januarius S. 612. Jesus Christus S. 78 ff. Jesu Empfängniß S. 85. „ Leiden und Sterben S. 93 ff. S. 108, S. 110 rc. „ Geißlung S. 98. „ Kreuzigung S. 102. „ Todu.BegräbnißS. 106ff.S.115. „ Hinabsteigen indieVorhölleS.117. „ Auferstehung S. 119. „ Himmelfahrt S. 126. Jesus zur Rechten des Vaters S. 128. Jesu Ankunft als Richter S. 131. Ignaz Bisch, und Mart. S. 84, v. Lojola S. 495. Joachim S. 190. Johanna S. 334. Johannes v. Math» S. 101, v. Gott S. 163, Climacus S. 214, DamascenuS S. 293, v. Nepomuk S. 315, v. St. Fakundo S. 380, der Täufer S. 407. Johannes und Paulus S. 412, Kapi- stranus S. 688, v. Kreuz S. 759. Evangelist S. 837. Joseph, Nährv. Jesu, S. 187, Kala-- sanktius S. 560. Jrenäus S. 417. Irrgläubige S. 166, S. 177. Isidor Erzbisch. S. 225, Landmann S. 313. Jnbiläums-Ablaß S- 501. Jugend, junge Leute, ihre Pflichten S. 672. Jugenderziehung S. 684. Jugendjahre Jesu S. 90. Julia S. 328. Juliana S. 118. Jungfrauschaft, sieh Keuschheit Justina S. 627, S. 652. K. Kanut S. 52. Karl Borrom. S. 714, d. Große S. 75. Kasimir S. 155. Kassian S. 527. Katharina v. Siena S. 280, v. Genua S. 604, Jungfrau und Mart. S. 762. Kennzeichen der wahren Kirche S. 157 ff. Kerzen geweihte S. 549. Kettenfeier Petri S. 497. Keuschheit S. 717, S. 818, stete S. 827. Kilian S. 439. Kinder, ihre Pflichten S. 664 ff. Kirche S. 146 ff. Kirchengebote S. 750. Kirch en geräth e S. 546. Kirchweihe S. 543. Klara S. 523. Kleider priesterl. S. 428. Keiderpracht S. 707. Kleiden, Nackte S. 590. Klemens S. 757. Klotilde S. 357. Klugheit S. 811. Kommunion S. 430 ff. Könige die heiligen drei S. 22. Korbinian S. 592. Kosmas und Damian S. 629. Kraft des Gebetes, steh Gebet. Kranke besuchen S. 592. Kreuz, seine Bedeutung S. 104. Kreuz und Leiden S. 65, S. 843. Kreuzigung Christi S. 102. Kreuztragen Jesu S. 100. Kreuzzeichen S. 36. Kreuz Erfindung S. 287. „ Erhöhung S. 602. Krönung Jesu S. 98. Kunegunde S. 153. L. Ladislaus S. 414. Langmuth Gottes S. 57. Läßliche Sünden S. 775, S. 781. Lauheit S. 790. Vollständiges alphabetisches Sach- und Namenregister. 859 Laurentius S. 518, Justinian S. 583. Lazarus S. 815. Leander S. 144. Leben, ewiges S- 182. Leben und Leiden Jesu S. 90 ff. Lehre, christliche, anhören S. 757. Lehrer, Pflichten gegen sie S. 673. Leib des Menschen S. 7t. Leiden Jesu S. 93 fs. Leidenschaften, steh Neigungen. Leo der Große S. 239, Leo IX. S. 257. Leodegar S. 641. Leonhard S. 719. Leopold S. 739. Liborius S. 476. Licht, ewiges S. 412. Lichtmeß S. 87. Lidwina S. 249. Liebe zu Gott S. 573 fs., S. 809. „ zum Nächsten S. 579 ff. Lieder, siindh. S. 707. Liedlo.hn worenthalteu S. 798. Litanei, lauretan. S. 309 ff. Loben, die Sünden Anderer S. 804. Lossprechung, sieh Absolution. Lucia S. 806. Ludger S. 204. Ludmilla S. 606. Ludwig, König S. 556, Bertrand S. 661. Lüge S. 733. Lukas S. 676. Lustbarkeiten S. 773. M. Magdalena v. Pazzis S. 340, Büsserin S. 473. Magnus S. 585. Makarius S. 11. Mahlzeiten S. 845. Mamertus S. 304. Mansuetus S. 125. Marcellus S. 703. Märciana S. 29. Margaretha v. Cort. S. 132, Königin S. 375, Jungfrau und Mart. S. 463. Maria, Bedeutung dieses Namens S. 275. Maria v. Aegypten S. 235. MarkusS.270u.MarzellianusS.393. Martin Bisch. S. 729, Papst S. 732. Martina S. 80. Märtyrer die 40 S. 168. Marzellus S. 45. Mäßigkeit als Tugend S. 813, im Essen und Trinken S. 819. Mathildis S. 176. Mathias S. 137. Matthäus S. 616. Maura S. 820. Mauritius S. 625. Maurus S. 43. Maximilian S. 663. Mechtildis S. 237. MedarduS S. 370. Meineid S. 642 ff. Meinung, gute S. 351. MelchiadeS S. 798. Menschwerdung S. 85. Messe S. 417 ff., S. 755. Messias S. 83. Michael S. 634. Missionen S. 567. Mißgunst S. 794. Mißtrauen auf Gott S. 810. Modestus S. 387. Modovena S. 433. Monika S. 289. Mord S. 693. Morgengebet S. 228. Müssiggaug S. 713. N. Nachahmung Mariens S. 273, der Heiligen S. 626. Nachfolge Christi S. 840. Nachlassung der Sünden S. 179. Nackte kleiden S. 590. Nächstenliebe S. 579 ff. NameGottes, Heiligung desselbenS.245. Narcissus S. 701. Neid S. 786. Neigungen, böse S. 745 ff. Nichtbestrafung der Sünden Anderer S. 805. Nikolaus v. d. Flue S. 194, v. Tolen- nno S. 594, Bisch. S. 788. Norbert S. 365. Nothburga S. 600. Nothleidende unterstützen, sieh Almosen. Nothtaufe S. 375. Nüchternheit beim Empfange der heiligen Communion S. 437. O. Oberhaupt derKirche, Primat S.151 ff. Obrigkeiten, ihre Pflichten S. 691. Odo S. 745. Oel, geweihtes S. 553. Oelung, letzte S. 603 ff. Offenbarung S. 13. Ohreubeicht S. 474 ff. Opfer S. 415. Opferung Mariä S. 752. Oswald S. 146. Othilia S. 803. Osterkerze S. 552. P- Palmen, geweihte S. 552. Pankratius S. 306. Pantaleon S. 486. Paulinus S. 402. Paulus, erster Einsiedler S. 31, Apostel S. 422. Pein der armen Seelen S. 135, der Ver- damten S. 200 ff. Petronilla S. 349. Petrus Damian S. 135, Märtyrer S. 279, Apostel S. 420, Bischof S. 502, v. Alkantara S. 679, Patriarch S. 764, Chrysologus S. 786. Pfarrgottesdienft S. 756. Pflichten der Kinder gegen ihre Eltern S. 664. Philippus und Jakobus S. 283, Neri S. 339, Benitius S. 551, Bisch, und Mart. S. 606. Phokas S. 429. Pius I. S. 446, Pius V. S. 291. Placidus S. 648. Polykarp S. 70. Praxedis S. 471. Predigt, anhören S. 757. Priester und Priesterthum S. 515 ff. Priesterkleidung S. 428. Priesterweihe S. 512 ff. S. 528 Primat S. 151 ff. Primus S. 373. Priska L>. 49. Processionen S. 561. Prosper S. 409. Protasius S. 395. Pulcheria S. 596. Q. Quatemperfasten S. 761. Qualen der Hölle S. 200 ff. Quirinus S. 359. R. Raimund S. 572. Ramuold S. 391. Raphael S. 690. R athen zur Sünde S. 799. Räthe, evangelische S. 824 ff. Raub S. 722. Rechtfertigung S. 341 ff. Reden, unzüchtige S. 708. Regina S. 587. Reich Gottes S. 247. Reichthum, sieh Güter irdische. Reinaldis S. 457. Reinigkeit des Herzens S. 837. Reiuigungsort S. 135. Reizen zur Sünde S. 800. Reliquien der Heiligen S. 630. Remigius S. 639. Restitution, sieh Wiedererstattung. Reue S. 463 ff. Richard S. 223. Robert S. 367. Rochus S. 534. Romanus S. 516. Rosa v. Lima S. 567. Rosalia S. 580. Rosenkranz S. 305. Rückfall in die Sünde S. 493. Rupert S. 206. S. Sabbat S. 653. Sakramentalien S. 542 ff. Sakramente S. 355 ff. Sakrilegium S. 619. Salve Regina S. 328. Samstagfasten S. 761. Sanftmuth S. 820, S. 832. Satan S. 68. saturnin S. 771. Schändung des Sabbats S. 661. Schauspiele S. 710. Scheinheiligkeit, sieh Heuchelei. 860 Vollständiges alphabetisches Sach- und Namenregister. Schmäh- und Schimpfreden S. 695. Schmeichelei S. 734. Schöpfer S. 64. Scholastika S. 105. Schrift, heilige S. 15. Schüler, ihre Pflichten S. 673. Schuldiger, wir sollen ihnen verzeihen S. 254. Schutzengel S. 66. Schwelgerei S. 713. Sebald S. 542. Sebastian S. 55. Seele de« Menschen S. 72. Seelen mord, sieh Aergerniß S. 700. Segnungen der Kirche S. 559. Selbstliebe S. 601 ff. Selbstmord S. 697. Selbstverläugnung S. 842. Selbstvertrauen S. 602. Seligkeiten, die acht, S. 831 ff. Sendung des heiligenGeistesS.138ff. Silverius S. 397. Silvin S. 121. Simon und Judas S. 699. Simonie S. 620. Simplicius S. 150. Sodomitische Sünde S. 797. Sonntag S. 652 ff. Sophronius S. 170. Sprelen S. 726. Spotten und Schmähen S. 695. Stanislaus S. 295, Kostka S. 735. Starkmuth S. 814. Stehlen S. 722. Stephanus Papst und Mart. S. 500, König S. 576, Einsiedler S. 769, Erz- marthrer S. 835. Stcrndeuterei S. 614. Stillschweigen zur Sünde Anderer S. 802. Stolz S. 784. Subdiakonenweihe S. 528. Suitbert S. 148. Sünden S. 774 ff. Sündenfall S. 73. Sünder, strafen S. 596. Sündigen heißen Andere S. 800. Sylvester S. 846. Symbolnm S. 38. Symphorian S. 549. Symphorosa S. 463. T. Tänze S. 711. Taufe S. 365 ff. Taufceremonien S. 380 ff. Taufgelübde oderTanfbund S. 370. Taufname S. 380. Taufpathen S. 378. Telesphorus S. 19. Teufel S. 68. Tharsilla und Aemiliana S. 830. Theater S. 710. Theilnahme a. d. Sünden Anderer S. 803. Tbekla S. 621. Theobald S. 424. Theodor S. 99, S. 725. Theologische Tugenden S. 809. Theresia S. 669. Thomas v. Aguin S. 161, Th. v. Villanova S. 610, Th. Apostel S. 824, Erzb. S. 812. Tihurtius S. 247. Timotheus S. 65, S. 820. Tischgebet S. 230. Titus S. 17. T od des Gerechten und des Sünders S. 184. Todsünde S. 776 ff. Todte begraben S. 593. Tvdschlag, vorsätzl. S. 693, S. 797. Tonsur S. 524. Tradition S. 20. Trägheit S. 789. Trauer über die Sünden S. 833. Traumdeuterei S. 615. Trösten, die Betrübten S. 598. Trunkenheit S. 713, S. 787. Tugend S. 806 ff. U. uebel — erlöse uns von demselben! S. 260. Ueberschen, die Sünden Anderer S. 805. Uebervortheilung S. 725. Ulrich S. 431. Umgang, sündh. S. 709, christl. S. 846. Unbußfertigkeit S. 795. Unchrbarkeit in Reden S. 708. Unfehlbarkeit der Kirche S. 23/ Ungerechtigkeit S. 748. Unkeuschheit S. 706, S. 715 ff., S. 786. Unmäßigkeit S. 713, S. 787. Unrecht geduldig leiden S. 599. Unschuld S. 837. Unschuldige Kinder S. 840. Unsterblichkeit des Menschen, sieh Leben, ewiges. Unterdrückung der Armen rc. S. 797. Unterthanen, ihre Pflichten S. 677. Unveränderlichkeit Gottes S. 45. Unwissende belehren S. 597. Urban S. 336. Ursula S. 683. Urtheil, freventl. S. 740. V. Valentin S. 24. Vater, Gott ist unser Vater S. 63. Vater unser S. 240 ff. Verachtung irdischer Dinge S. 8. Verderben der Unkeuschheit rc. sieh Unkeuschheit. Verehrung Gottes, sieh Anbetung Gottes. Verehrung der Heiligen S. 621 ff. Verehrung Mariens S. 268 ff. Verfluchen u. Verwünschungen S.633. Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen S. 839. Verführung, sieh Aergerniß. Vergebung der Sünden S. 179. Vergnügungen, steh Erholung. Verklärung Christi S. 509. Verkündigung Mariä S. 202. Verleumdung S. 736. Vermessenheit S. 792. Versöhnlichkeit S. 586. Verstocktheit gegen heilsame Ermahnungen S. 795. Versuchungen S. 256, Mittel dagegen S. 258. Vertheidigendie Sünden Anderer S. 805. Vertrauen auf Gott S. 64. Verwünschungen S. 633. Verzeihung, sieh Feindesliebe. Verzweiflung an Gottes Barmherzigkeit S. 793. Vigilfasttage S. 701. Viktoria S. 828. Viktorian S. 197. Vinzenz S. 60, Ferrari S. 227, v. Paul S. 465. Vitalis S. 276. Vitus S. 387. Vollkommenheit christl. S. 806 ff. S. 822 ff. Vollkommenheiten Gottes S. 45 ff. Vorbe reitungzurheil.TommunionSi435. Voreutbalt des Liedlohns S. 798. Vorhöllc S. 117. Vorsatz S. 469. Vorsehung S. 64. W. Wahrhaftigkeit Gottes S. 58. Wahrheit S. 741. Wahrsagerei S. 613. Walburga S. 139. Wallfahrten S. 563. Wandlung, sieh Messe. Wassertaufe, sieh Taufe. Weihwasser S. 547. Weihrauch S. 554. Weisheit Gottes S. 50. Wendelin S. 681. Wenzeslaus S. 632. Werke, gute S. 347 ff. Werke der Barmherzigkeit S. 588 ff. Wesenheit Gottes S. 43. Widerstreben der erkannten Wahrheit S. 793. Wiedererstattung S. 730. Wilhelm S. 230. Wilibald S. 437. Wille Gottes S. 249. Wolfgang S. 706. Wort Gottes auhören S. 757. Wucher S. 723. Wundmale Christi S. 123. Wunibald S. 818. Z. Zacharias S. 178. Zauberei S. 618. Zeno S. 242. Zephyrinus S. 558. Zerstreuungen beim Gebete S. 222. Zengniß, falsches S. 733. Ziel und Ende des Menschen S. 7. Zita S. 274. Zorn S. 695, S. 789. Zufriedenheit S. 729, S. 749. Zunge S. 742. Zurechtweisung S. 596. Zusammenkünfte, sündh. S. 709. Zweifelhaften recht rathen S. 597. Zweikampf S. 696.