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Am Feierabende des 27. Dezember.
herzig, auf daß auch du Barmherzigkeit erlangest im Lebenund Sterben!
Fr. Wie heißt die sechste von den acht Seligkeiten?
Antw. „Selig sind, die ein reines Herz haben;denn sie werden Gott anschauen."
Belehrung. „Eines reinen Herzens sind," wie derheilige Chrysostomus sagt, „Jene, die alle Tugendenhaben und sich keiner Sunde schuldig wissen." Wie keinGold bewährt ist, wenn es nicht von allen Schlacken ge-reinigt wird, wie kein Getränk rein heißen kann, wenn esmit fremdartigen Theilen vermischt ist, so kann auch keinHerz rein genannt werden, in welchem die Liebe zur Sündenicht verdrängt, und die Liebe zu Gott nicht herrschend ist.— Eines reinen Herzens sind demnach alle Diejenigen,welche das Herz von aller Sünde und Begierde darnachentfernt haben, und die Begierlichkeit, so viel an ihnen ist,unterdrücken, wie z. B. die heilige Jungfrau Maria,Johannes der Täufer, der heilige Aloysius, dieheilige Agnes u. v. A. Der beseligende Lohn der Rein-heit des Herzens aber besteht in einem geheimnißvollen undbeseligenden Verkehr mit Gott im Leben und in der ewigenAnschauung Gottes im Himmel; „denn sie werden Gottanschauen." „DieReinheit deS Herzens," sagt der heiligeIsidor, „macht uns fähig, unverrückt mit reinen Augendie Sonne der Gerechtigkeit anzuschauen."
Legende: Der heilige Apostel und EvangelistJohannes (ch 101).
Siehe doch, wie wunderbar! Gerade heute begegnetuns in der Legende und im Festchklus der Kirche einHeiliger Gottes, dem im vollsten Sinne des Wortesder Ausspruch gilt: „Selig sind, die ein reines Herzhaben; denn sie werden Gott anschanen." Es ist dießder heilige Apostel und Evangelist Johannes; dennda er wahrhaft engelrein war, so würdigte ihn dergöttliche Heiland seiner besonder« Liebe; fortan stand ermit ihm in einem seligen Verkehre. Der heilige Jo-hannes stand noch in blühender Jugend, als er vonJesus am galiläischen Meere, wo er mit seinem Vaterund mit seinem Bruder Jakobus die Netze ausbessertc,gerufen wurde. Johannes wurde, wie schon gesagt, wegenseiner Unschuld und kindlichen Einfalt von Jesus be-sonders geliebt. Er war mit Petrus und seinem Bru-der nicht nur Zeuge seiner Herrlichkeit ans Tabor, sowie seines Leidens in Gethsemane, sondern er durfteauch beim letzten Abendmahle an seiner Brust liegen.Bei seiner Gefangennehmnng scheint er zwar auch ge-flohen zu sein, blieb aber vor allen Andern immer inseiner Nähe, und stand, während Jesus am Kreuze
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hing, mit Maria unter demselben. Hier hatte er denTrost, daß ihm der sterbende Heiland seine göttlicheMutter empfahl mit den Worten: „Siehe da deineMutter!" Und von der Stunde an nahm sie Johannes zu sich. Nach der Sendung des heiligen Geisteshielt er sich an den heiligen Petrus, wurde mit ihmin das Gefängniß geworfen, gegeißelt und ging vollFreude vom Angesichte des hohen Nathes hinweg, weilsie gewürdigt wurden, um des Namens Jesu willenSchmach zu leiden. Johannes ging nach der Zerstreunng der Apostel nach Kleinasien, und stiftete dieKirchen zu Smyrna, Pergamus und andere. Unter derChristenverfolgnug des Kaisers Domitian wurde er imJahre 92 von Ephesus nach Nom gebracht, dort in eineWanne voll siedenden Oels gelegt, und, nachdem er da-durch Nichts erlitten, ans die Insel Patmos verbannt,wo er hoher Offenbarungen gewürdigt wurde. Nachdem Tode des Diokletian erhielt er wieder die Freiheit,kehrte nach Ephesus zurück und wachte von Neuem überdie Reinheit des Glaubens und der Sitten. In denletzten Tagen seines Lebens ließ er sich wegen Entkräft-ung in die Kirche tragen und ermahnte die Seinigenmit den Worten: „Kindlein, liebet einander!" — Johan-nes starb zu Ephesus eines natürlichen Todes i. I. 101.
Gebet. Gib uns, o Gott! ein reines Herz, da-mit wir, wie der heilige Apostel und Evangelist Jo-hannes, deine Liebe verdienen und einst deiner ewigenAnschauung gewürdigt werden, durch Christum, unfernHerrn. Amen.